10. Juli 2017

Herbsttag...

von Gastbeitrag / 28 Kommentare

... und immer noch keine politische Heimat gefunden. Ein Gastbeitrag von Monika Leiser.

Die Tage werden kürzer und der Herbsttag naht. Drei Monate vor der Bundestagswahl wissen viele Wähler noch nicht, wohin sie ihr Haupt legen können. Denn nachdem „Merkels kopflose Politik die Rechten stark gemacht hat“ (Monika Maron) und man „schon lange nicht mehr links ist“ (Monika Maron) steht man vor einem Dilemma.

Im ersten verlinkten Beitrag vom 14. Januar 2016 äußert sich die über die Vorkommnisse in der Silvesternacht besorgte Schriftstellerin wie folgt:

Aber was tun wir, die weder mit Pegida spazieren gehen noch die AfD wählen wollen und trotzdem davon überzeugt sind, dass ein nicht absehbarer Flüchtlingsstrom Deutschland nicht ökonomisch, aber in seinem politischen und kulturellen Fundament gefährdet? Warum gehen wir nicht wie die freiheitsliebenden Polen auf die Straße, um von der Regierung zu fordern, dass sie das Gesetz nicht bricht? Warum stehen wir nicht an einem Sonnabend vor dem Reichstag und protestieren gegen eine kopflose Flüchtlingspolitik, die zudem rassistischen und rechtsextremen Kräften, die sie bekämpfen will, Vorschub leistet? Wir sind selbst verantwortlich für unser Land.

Anderthalb Jahre später weiß Frau Maron zwar immer noch nicht, was sie tun soll, zumindest aber, daß sie schon lange nicht mehr links ist. Die Schriftstellerin möchte wie so viele ihrer Mitbürger „eigentlich auf gar keinen Fall noch einmal vier Merkel-Jahre erleben“. Sie sieht allerdings keine Alternative in alternativloser Zeit. Und wird „wahrscheinlich wieder die FDP wählen, mit der kleinen Hoffnung, nicht nur den geringsten Schaden anzurichten, sondern das größte Übel zu verhindern: eine schwarz-grüne Koalition...“.

Die Grünen gehören heute ganz entschieden zu Marons politischen Gegnern. Und nach zwölf Jahren Merkelherrschaft sieht sie „in der politischen Figur Merkel einen Vampir, der jeder Partei und am Ende dem Parlamentarismus das Blut aussaugt und damit die eigene Unsterblichkeit nährt“. Warum dann FDP wählen, wenn auch dieser Partei bei einem eventuellen Sieg das Blut ausgesaugt wird? Könnte man fragen.

Ihre Inkonsequenz  bemerkt die Schriftstellerin natürlich selbst: Denn eigentlich gehört sie zu denen, die neuerdings als rechts bezeichnet werden.

Wer so denkt wie ich, ist rechts, behaupten sie. Nie hätte ich für möglich gehalten, dass ich eines Tages rechts sein könnte. In meiner Jugend war ich links. So hatte man mich erzogen, und außerdem waren fast alle, die ich kannte, irgendwie links, schon wegen der deutschen Geschichte….Links bin ich schon lange nicht mehr. Ich dachte immer, ich sei liberal, aber im Fernsehen und in der Zeitung sagen sie, ich sei rechts. Und nun zermartere ich mir den Kopf, wie das passieren konnte. Ich bilde mir ein, ähnlich vernünftig zu sein wie früher, als ich nicht mehr links, aber noch nicht rechts war. Welche Achse hat sich gedreht, dass ich mich auf einer anderen Seite wiederfinde, ohne die Seite gewechselt zu haben?

Nicht nur benennt Frau Maron ihre Angst vor dem Islam und der Masseneinwanderung von eineinhalb oder zwei Millionen junger Männer als vernünftig, auch sieht sie in der AfD die „logische Folge eines Parlaments ohne Opposition und einer sturen, als alternativlos propagierten Politik, deren Konsequenzen unabsehbar sind“. Da stellt sich eigentlich nur die Frage, warum für die Schriftstellerin die Alternative für Deutschland keine Alternative ist.

Ihre Antwort ist dann doch recht eigentümlich frei. Sie schreibt:

Wenn ich mir für Deutschland etwas wünschen dürfte, dann würde ich Boris Palmer bitten, die Grünen endlich zu verlassen, eine eigene Bewegung zu gründen und seine Talente den achtzig Millionen Deutschen statt den nicht einmal hunderttausend Tübingern zu widmen.

Das finde ich bemerkenswert. Eine ähnliche Überlegung stellte schon Götz Kubitschek in seinen "Zehn Thesen zu Boris Palmer" an.

Allerdings ist die Zeit zu knapp, um eine Art Palmer-Bewegung zu gründen. Auch bin ich der Meinung, daß Herr Palmer sich weiterhin den Tübingern widmen soll. Auch weil mein Sohn dort studiert und sich schon mal im berüchtigten Epplehaus herumtreibt. Im Ernst: Was hält die Mitbürger und die Linken, die schon lange keine mehr sind, davon ab, in drei Monaten mal eine parlamentarische Opposition zu wählen und zu gestalten? Auch wenn für viele nichts zur Wahl steht, so steht doch alles auf dem Spiel. Etwas Zeit bis zum Herbsttag ist ja noch.

Kommentare (28)

Gotlandfahrer
10. Juli 2017 09:55

Frau Maron bekommt kalte Füße, mehr nicht. Und Boris Palmer, der aus der schmutzigen Nische mit Unrat wirft und sich so großer Aufmerksamkeit sicher sein kann, geht weiterhin davon aus, dass Karzinome Krebs heilen können. 

Gerrit
10. Juli 2017 10:01

Ach, bekäme ich doch nur 10,- EUR für jede "Eigentlich hast Du ja Recht, aber ich kann doch nicht die AFD wählen"-Bemerkung von Freunden und Bekannten, ich müsste nicht mehr arbeiten. Nicht selten werde ich in solchen, höchst konspirativ geführten Unterhaltungen dann meist schließlich weit rechts überholt, was ich dann zurückweisen muss. Ich witzel´mittlerweile, dass ich bei nur kurzer Diskussion fast jeden auf die dunkle Seite holen kann. Es ist jedoch erschreckend, wie viel verborgener biologistischer Rassimus, leider auch mit Anflügen von Antisemitismus, in den Kreisen der CDU/FDP-Wähler herrscht. Dass jedenfalls ich damit nichts anfangen kann, meine Begeisterung gilt dem Ethnopluralismus bei gleichzeitiger Anerkennung der grundsätzlichen  Gleichwertigkeit aller Ethnien, stösst dann oft bei diesen Vertretern des "Mainstreams" auf Unverständnis.

Neffe Mannheims
10. Juli 2017 10:39

Ich vermute, solche Leute wie Maron halten sich für etwas Besseres. Sie sind einfach zu eitel, sich mit dem einfachen Volk zu verbünden, den Otto-Normal-Deutschen, der AfD oder Pegida. 

marodeur
10. Juli 2017 11:03

Im Bekanntenkreis gibt es leider eine ganze Menge von diesen unentschlossenen politischen Grenzgängern, die bis vor kurzem ihr Kreuz noch bei der AfD gemacht hätten. Sicher, jeder braucht etwas Zeit, um sich in der rechten Ecke häuslich einzurichten. Aber diese Menschen meinen nun, sie hätte ihren persönlichen Beitrag erbracht, in dem sie rot-grün verhindern. Das ist das erbärmlichste Ergebnis, dass man aus so einer geistigen Wende ziehen kann. Da sind mir sogar die verblendeten Gutmenschen lieber, denn die hatten wirklich keine Wahl. Es bewahrheitet sich immer wieder: "Freiheit gibt dem Verantwortungsvollen Würde, dem Dummkopf beschert sie Orientierungslosigkeit."

Stil-Blüte
10. Juli 2017 11:15

@ Gerrit

'...viel verborgener {Hervorhebung meinerseits} biologistischer Rassismus...'

Da 'verborgen', woran erkennt man ihn denn, den Rassismus, bitteschön? Woran erkennen    S i e  ihn? Bitte weihen Sie mich ein-

Franz Bettinger
10. Juli 2017 11:36

"Nie hätte ich für möglich gehalten, dass ich eines Tages rechts sein könnte. In meiner Jugend war ich links," meint Frau Maron. Dem zugrunde liegt Gedankenlosigkeit infolge eines gerüttelten Maßes an brain-washing - und das Akzeptieren eines Tabus.

Auch ich wollte ewig nicht als Rechter gelten, obwohl meine Freunde mich anlässlich gewisser Haltungen genau so titulierten. Heute weiß ich, sie hatten recht. Ich war immer rechts, hatte es nur nicht kapiert; hatte mir nicht klar gemacht, was Rechts Sein bedeutet. - Heute weiß ich es und nenne mich stolz einen Rechten. Eine Lehre habe ich aus meinem eigenen Missverständnis gezogen:

Ich gehe den Worten nun auf den Grund. Und ich konfrontiere andere mit meinen Funden. Ich stelle regelmäßig fest, auf welch morastigem Untergrund Linke, Grüne und auch die neuen FDP-Sympathisanten ihre Gedanken-Gebäude errichtet haben. Und ich halte dagegen. Mit einigem Erfolg. Es gilt, die Diktatur der Worte aufzubrechen! Worte sind scharfe Waffen.

RMH
10. Juli 2017 12:13

"Ach, bekäme ich doch nur 10,- EUR für jede "Eigentlich hast Du ja Recht, aber ich kann doch nicht die AFD wählen"-Bemerkung,"

Ja, das kennt vermutlich in der Tat jeder. Aus Bemerkungen wie dieser oder dem Herumgezicke einer Frau Maron spricht eine völlige Selbstüberschätzung des Gewichts der eigenen Stimme und auch eine völlige Falscheinschätzung des Aktes der Wahl in einem Land, mit Millionen von Wahlberechtigten. Sie äußerte sich in früheren Zeiten auch immer gern in dem vermeintlichen Argument, dass man seine Stimme ja angeblich verschenken oder verschwenden würde, wenn man sie einer Partei gäbe, die ja eh an der 5%-Hürde scheitern wird. Sei zeigte sich auch in dem zu Zeiten des Chulz-Hypes gern gemachten Einwandes, man würde ja mit einer Stimmer für die AfD indirekt dafür sorgen, dass dann der der böse Chulz R2G macht. Jeder meint also, an seiner mickrigen, individuellen Stimme würde das Wohl der Republik hängen. Das ist natürlich nicht so - daher sollte jeder das wählen, womit er inhaltlich am meisten übereinstimmt, unabhängig von irgendwelchen Spielchen und Überlegungen. Und wenn es irgendeine Splitterpartei ist, sei es darum. Wahlen werden ohnehin künstlich überbewertet, kein Wunder, denn im Übrigen (also in der Zeit zwischen den Stimmabgaben) hat der Wähler ja schön artig zu bleiben, also muss man ihm das Gefühl geben, dass es genau auf ihn ankommt. Als Wahlkämpfer muss man sogar mit dieser Lüge operieren (dies gilt auch für die Wahlkämpfer der AfD).

PS: Dennoch sollte man - trotz des verschwindend geringen Gewichts der eigenen Stimme - unbedingt zur Wahl gehen!

ALD
10. Juli 2017 12:29

Die richtige Partei für Frau Maron und Millionen andere DEUTSCHE MITTE (DM). Ihr Vorsitzender heißt Christoph Hörstel. Nur Mut, verehrte Damen und Herren! Treten Sie ein, bilden Sie ihre Lager und bestimmen Sie die Zukunft Deutschlands!

Franz Bettinger
10. Juli 2017 12:34

Vielleicht geht Folgende zu weit, aber ist eine Ergänzung zum Thema Diktatur der Worte erlaubt? - Voilà: Es muss einen doch wundern, dass man Worte wie sozialistisch und Arbeiter noch in den Mund nehmen darf, ohne Nazi geschimpft zu werden. Immerhin waren die National-Sozialisten Sozialisten und obendrein eine Arbeiter-Partei: NSDAP. Die Nazis waren also (auch) Linke! So weit hat das brain-washing die meisten deutsche Hirne schon erweicht. Man denkt nicht mehr selbständig. Man übernimmt die Floskeln, die andere auftischen. Man würde auch wieder Hexen verbrennen, wenn einem nur lang genug eingetrichtert wird, dass es solche gäbe. Das ist das Problem. Darf man das Wort National-Mannschaft noch sagen? Nicht jeder. Frau von Storch wurde dafür Nazi gescholten. Dann das Wort völkisch! Auch das soll negativ besetzt sein. Warum eigentlich? Weil Hitler es verwendete? Nun, er war auch für Naturheilkunde, Homöopathie, und er aß kein Fleisch. Sind Vegetarier also Nazis? Hitler war auch gegen die Jagd. Er fand das Weidwerk abstoßend und Jäger albern. Sollen wir deshalb, um uns vom Nazi abzugrenzen, Jäger werden? Ist völkisch töricht? Nein, das Wort völkisch ist ein sehr schönes und brauchbares Wort und wert, bewahrt zu werden. Was bedeutet es? Völkisch. Es ist einfach nur das Adjektiv, das Beiwort, Eigenschaftswort, in der Volk-Schule auch Wiewort genannt: zu Volk. Wie ist ein Tor? Töricht. Wie ist ein Volk? Völkisch. Damit ist typisch gemeint, typisch wie … die Deutschen, Franzosen, Araber, Eskimos. Was aber meint man, wenn man sagt: Das deutsche Volk. Denkt darüber nach, am besten wie ein Kind denken würde, welches noch keine Vorurteile aufgebaut hat, und gebt euch selbst die Antwort. Nebenaspekt:  Hitler hatte übrigens eine sehr philosophische und sozialistische, ja geradezu menschlich anheimelnde und politisch sehr linke Vorstellung vom idealen Volk oder Volkskörper: Die Deutschen von, sagen wir mal, den Griechen abzugrenzen, war ohnehin nie ein Problem. Heute scheint es eins zu sein. Sie von den Engländern abzugrenzen schon schwerer. Rudolf Hess flog nicht ohne Grund über den Kanal zum 'Bruder-Volk'. - Mit "völkischem Wesen und Denken" meinte Adolf Hitler die ideologische Aufhebung von unten und oben, das Verschwinden der Kluft zwischen Arbeitern und Managern, Dienern und Bossen. Die Trennung verschiedener Schichten im Volk - Marx nannte sie Klassen - hielt er für extrem schädlich, kontraproduktiv und ungerecht. Er wollte den Dünkel weg haben und Klassen im Glauben an das Ganze (Volk) verschmelzen. Der eine sollte idealer Weise für den anderen da sein. Diese Einstellung nannte er völkisch; dieses Völkische wollte er fördern. So weit die Theorie. Nun das Unglaubliche: Es gelang ihm auch, die Vorstellung von einem 'einig Volk und Vaterland' in die Köpfe der Deutschen zu pflanzen. Die Leute waren glücklich. Außer man war Jude. Und damit begann die abscheuliche Kehrseite der Nazi-Ideologie. Nur hat das nichts mit dem Begriff Volk zu tun. Also gießt nicht das Kind mit dem Bade aus. Gehen wir noch einen Schritt weiter und fragen: Was ist eigentlich ein Deutscher? Grob unterteilt stehen vier Lager nebeneinander.

1. Da sind die einen, die das Deutschsein nur an hoheitliche Formalien binden: den Besitz eines Ausweispapiers oder die Geburt auf deutschem Staatsgebiet.

2. Dann gab es lang das Abstammungs-Prinzip, wonach Deutscher nur ist, wer deutsche Eltern hat. Diese Regelung galt in der BRD bis ins Jahr 2000.

3. Die Roten und Grünen schafften das ab. Fortan gilt das Geburtsort-Prinzip.

4. Schließlich gibt es noch solche, die das Deutschsein an kulturelle Kriterien binden: Deutsch soll sein, wer sich deutsch benimmt.

Eine Nation ist das Ergebnis einer kulturellen Entwicklung. Es gibt so was wie einen National-Charakter: z.B. fleißig, verlässlich, grüblerisch, die Ordnung liebend, gesetzestreu. Das am stärksten Identität-stiftende und mit einem Volk verbindende Element aber ist die gemeinsame Geschichte; mehr noch als die Sprache; siehe Schweiz. Die Merkelianer wollen das alles über Bord werfen. Wisst ihr, dass das Wort Moral in den USA verbrannt ist? Es bedeutet politisch Rechts wegen der 'Moral Majority'-Bewegung der "Christian right", der religiösen Rechten, einem Flügel der Republikaner. So könnte man mit verfemten Begriffen endlos weitermachen. Was aber kann das arme Wort dafür? Wir sollten brauchbare, gute Worte wie Volk, Moral, Nation etc. nicht aufgeben, nur weil diese Worte auch von den Falschen benutzt wurden und werden. Schluss mit der Worte- und Begriffs-Diktatur!

Heino Bosselmann
10. Juli 2017 13:01

Es ist tatsächlich ein interessantes, gleichfalls aber produktives Dilemma und lohnt des Nachdenkens: Dass unweigerlich beinahe alles, was kritisch formuliert wird, wie in Vollzug eines Automatismus als „rechts“ gilt bzw. von der „Konsensgesellschaft“ einer mystifizierten Rechten zugeschrieben wird. – Das „Think outside the box!“ wird von den glücklich Etablierten sogleich nach rechts gewiesen, weil das, was einst, westdeutsch empfunden, als links galt, mittlerweile längst als Konsens verlautbart bzw. als solcher verordnet ist. – Und zwar gerade nicht marxistisch, nicht mal vulgärmarxistisch, denn die „Produktionsweise“, die kapitalistische, hat sich – vermutlich zum Glück – nicht verändert; die „Basis“ funktioniert den „Produktionsverhältnissen“ und insbesondere den „Eigentumsverhältnissen“ nach nämlich wie ehedem, nur dank hocheffizienter Technik, die gerade der geschmähte Kapitalismus hervorzubringen versteht, moderner, ja komfortabler. - Um so mehr aber etablierte sich im „Überbau“ als vielleicht neurotischen Kompensationsbedürfnis gegenüber der die Linken kränkenden Tatsache, dass die Revolution eben nicht stattfindet, sondern der Kapitalismus alle im Sinne eines praktikablen Hedonismus alimentiert, eine allzu gefühlige Empfindungsart, die ganz hegelianisch davon ausgeht, gerechte Verhältnisse lassen sich vollends durch Vereinbarungen herstellen, quasi „diskursethisch“, und zwar ganz im Sinne der Regenbogenbogen-Fahne und des Diktats der totalen Toleranz. Nicht nur die Vollbeschäftigung, lesen wir, wird quasisozialistisch bald hergestellt, nein, selbst die Armut der Welt will man per Dekret quasikommunistisch endlich besiegen. (Weil es wieder mal um den guten Menschen, gar den neuen Menschen geht, werden insbesondere anthropologische Einwände sogleich als rechts stigmatisert.) Der damit verbundene Gestus stellt klar: Was könnt ihr denn dagegen haben!? – Der Rechte wird nicht als politischer Gegner wahrgenommen, dem das Terrain des demokratischen Meinungsstreits zur Verfügung stände, nein, er ist die Verkörperung des Bösen schlechthin, substantiell also ein Un-Mensch, vernünftigerweise eigentlich so gar nicht zu denken, also nur mehr als ein pathologisches Phänomen auffassbar, gegen das nun mal kein Kraut gewachsen ist. Unrettbar dem Heil verloren! Mithin sind nur zwei Reaktionen denkbar: Entweder Quarantäne („Keine Bühne bieten. Nicht einbeziehen. Isolieren.“) oder eben Heilung – allerdings in einem inquisitorischen Sinne, also kraft eines Aktes der Abschwörung, des Widerrufs, der geläuterten und demütigen Rückkehr in den Schoß der politischen Vernunft und des Guten wie weiland in die Herde des guten Hirten. Die Linke folgte immer einem Materialismus in idealistischer Gestalt. Der erfüllte sich ihr u. a. im Wohlleben der Berliner Republik. Sie nimmt es sich selbst vermutlich übel, so korrumpiert zu sein. – Früher lächelte der Marxist sein trotzkistisches Haifischlächeln, wenn sich ein Sozialdemokrat als links ansah. Mittlerweile empfindet sich offenbar alles als „irgendwie eher links“, fatalerweise dank eines Kapitalismus der scheinbar humanen Gestalt. Immerhin wirtschaften selbst die chinesischen Kommunisten kapitalistisch. Und wer überhaupt noch „Grundvereinbarungen“ des schönen Scheins kritisiert, muss folglich ein Rechter sein. Der sich „revolutionär“ verstehenden Linken blieb indessen nur ein so idiotisches wie ziellos-destruktives Spiel zielloser und sinnloser Gewalt, wie wir es gerade in Hamburg zu erleben und zu bezahlen hatten. -

Franz Bettinger
10. Juli 2017 13:01

@ALD

Wir haben keine Zeit mehr für solche Spielchen. Auch diese Stimmen, die für die DM, werden der AfD fehlen. Wir dürfen uns nicht verzetteln. Nur eine starke AfD wird etwas bewirken. Und eine AfD nahe 20% kann alles verändern!

Utz
10. Juli 2017 15:10

Mir graut vor dem Tag nach der Wahl. Ich befürchte wir werden mit Entsetzen feststellen, daß die FDP ein Rekordergebnis eingefahren hat (keiner versteht, wie irgendjemand auf die Idee kommen konnte, mit der FDP könnte sich etwas ändern; schließlich war das revolutionäre Potential dieser Partei noch nie sehr hoch, diese Partei wird dieselben Alternativlosigkeiten sehen, die auch Merkel sieht), um dann nach einiger Zeit mit noch größerem Entsetzen festzustellen, daß die Partei, die zuvörderst für freien Fluß von Kapital, Waren und Arbeitskräften ist, alles nur noch schlimmer gemacht hat.

Leo
10. Juli 2017 15:48

Also, eines sollte man schon konzedieren: Monika Maron ist eine seit Jahren und Jahrzehnten äußerst anregende Schriftstellerin. Und natürlich hat sie sich, trotz aller Dissidenz gegen den "real-existierenden Sozialismus", wie die Mehrzahl ihrer Schriftsteller-Kolleginnen und -kollegen, auch nach dem Ende der linken Diktatur eher "irgendwie links" verortet. Sei's drum. Spätestens nach ihrer Fahrt zu PEGIDA (mit Peter Schneider) war allerdings auch klar, daß das nicht synonym sein muß mit Blödheit. Ich schätze, es sind Millionen, die von den Altparteien (inklusive Die Linke!) genervt sind - und auf der Suche. Warum es die FDP sein soll - kapier' ich auch nicht. Ist aber wohl nur die Wähnung eines kleineren Übels (was es vor 8 Jahren ja auch war - aber: It's all over now!). Maron spricht über ihre Verwunderung der Verortung durch andere als rechts - und versinkt nicht vor Scham darob im Boden. Damit spricht sie viele an, die auch ratlos und auf der Suche sind - und sich fragen, ob's die AfD kann oder nicht. Und, mal ehrlich: die AfD hat sich im letzten halben Jahr nicht gerade so präsentiert, daß ihr nolens volens alles zustrebt, oder? Zum Glück hat man jetzt in Hamburg ein bißchen Werbung gemacht für die AfD. Danke, Linksfaschisten! ;-)

Gustav Grambauer
10. Juli 2017 16:45

Küchenpsychologie:

(Nach Szondi:) Ein Zwangsschicksal auf der Basis familiärer Negation.

https://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_Szondi

Dazu muß man wissen, wer ihr Vater war, dann wird nicht nur ihr (rein kompensatorischer) "Bürgerstolz"-Fimmel plausibel.

https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Maron

"In meiner Jugend war ich links. So hatte man mich erzogen."

Warum das jetzt?! Die wurde von einem Prototypen des Roten Preußen so erz-stalinistisch, erz-dogmatisch und und erz-autoritär erzogen, daß sie vor lauter Marschordnung, Fahne grüßen, Pionierkalender ausmalen und Soldatenlieder-Singen nicht mal wußte, was links (in ihrem eigenen angeblichen Sinne) überhaupt ist. Würde mir nicht anmaßen, das über sie zu sagen, wenn sie nicht selbst darüber in ihrer Abrechnung mit ihrem Vater berichtet hätte.

http://www.zeit.de/1991/42/der-lurch-muss-sterben

Leser
10. Juli 2017 17:33

Jedes Mal die gleiche Aufregung. Dem Auftritt der Schmuddelkinder im Reichstag sehe ich zwar auch gern entgegen - wegen besserer Unterhaltung. Wenn ich jedoch die tapferen Ankündigungen gegen Abgeordnetenbezüge etc. lese, dann eher mit Schmunzeln: Business as usual.

PKB
10. Juli 2017 19:23

Jahrzenhtelange Dressur! Schon beim Gedanken daran, DAS VERBOTENE zu wählen, ist der gefühlte Schmerz so groß wie der tatsächlich zugefügte. Wie ein ganz streng erzogener Hund, der trotz Hungers niemals in die Wurst vor seiner Nase beißen würde, bevor Herrchen das nicht erlaubt!

Desprecio
10. Juli 2017 19:56

@ "Gerrit" / 10.Juli 2017, 10:01 Uhr

Ähnlich, wie auch Stilblüte, würde mich brennend interessieren, was Sie unter "verborgenem, biologistischen Rassismus" und unter "Anflügen von Antisemitismus" verstehen, bzw. woran man diese Verhaltensweisen Ihrer Meinung nach zweifelsfrei erkennen kann.

Ausserdem: Wer verbirgt sich auf der "dunklen Seite", die Sie so ohne Anführungszeichen benennen ?

Der Rest Ihres Textes lässt darauf schliessen, dass bei Ihnen Symtome einer in rechten/neurechten Kreisen fast epidemischen Krankheit, der offensichtlich ansteckenden Distanzeritis, diagnostiziert werden könnte !?

Nemo Obligatur
10. Juli 2017 20:54

Meine paar Gedanken dazu:

a) Die Partei ist in einem Dutzend Landtagen, wird ergo nicht so schnell verschwinden.

b) Ist seit vielen Monaten in allen Umfragen für die Wahl zum Bundestag über 5%. Es besteht somit Grund zur Annahme, dass die AfD den Einzug schafft. Damit steigt die Chance auf mediale Teilhabe. Zumindest Standardausrede des TV ("wir laden nur die im Bundestag vertretenen Parteien ein") zieht dann nicht mehr. Den Medien mag etwas anderes einfallen (ich erinnere an das rein symbolische Amt des Alterpräsidenten als Analogon aus der Politik). Aber je dreister die Lügen, desto mehr werden sich daran stoßen.

c) Bietet die AfD kein wirklich geschlossenes Bild in der Öffentlichkeit. Das ist nur zum Teil dem Bombardement der Hauptstrommedien anzulasten. Man hat natürlich den Eindruck, dass inzwischen jede Zeitung, die auf sich hält, einen eigenen AfD-Basher beschäftigt (Justus Bender, Matthias Karmann, die Dame vom Spiegel, deren Name mir eben entfallen ist...). Aber es gibt auch viele Pannen in der AfD. Der bürgerliche Protestwähler jedenfalls ist derzeit eher wieder bereit, die FDP zu wählen.

d) Mit dem Mix aus Landtagen, Bundestag und Kommunalmandaten besteht die Chance, dass die AfD im Alltag der Bürger wirken kann. Man stelle sich mal einen Bürgermeister der AfD vor, der seine Sache ordentlich macht! Das hätte mancherorts mehr Signalwirkung als die x-te Grundsatzrede zur Geschichtspolitik.

e) Man darf den Glauben an die richtige Sache nicht verlieren. Die G-20-Ereignisse in Hamburg haben so ziemlich jedem vor Augen geführt, dass das Pendel viel zu weit links ist und jetzt zurückschwingen. Extremes Beispiel und weil es auch einfach komisch ist: Heiko Maas kann sich eine Veranstaltung "Rock gegen Links" (sic!) vorstellen. Möchte zwar auch wissen, welches Kraut der Herr Bundesminister da wieder geraucht hat. Aber der Vorschlag an sich spricht schon Bände.

In diesem Sinne: Herbstzeit, Erntezeit.

Valjean72
11. Juli 2017 08:05

@Nemo Obligatur:

"Der bürgerliche Protestwähler jedenfalls ist derzeit eher wieder bereit, die FDP zu wählen."

---

Falls sogenannte Bürgerliche sich einredeten, sie wären Protestwähler weil sie ihr Kreuzchen bei der FDP gemacht haben, dann hat dies etwas von einer Tragikomödie, verdeutlicht aber ein weiters Mal den uns umgebenden Irrsinn.

Monika L.
11. Juli 2017 08:06

Gerade wird die AfD für die ' schwankenden Gestalten ' mal wieder passend gemacht:

https://www.welt.de/regionales/bayern/article166494878/Dass-die-AfD-fuer-rechtsextrem-gehalten-wird-ist-eine-Katastrophe.html

(((())))) Wie sagte mein alter Professor vor Prüfungen: Mut zu Lucke....ähm, Mut zur Lücke.

Peter Schmitz
11. Juli 2017 11:17

Wer erkannt hat, daß der amtliche Kurs in Sachen Masseneinwanderung für unser Land schädlich ist, der bildet dagegen eine Opposition. So entstand PEGIDA, so bekam die AfD ihre aktuelle Position.

Wer nun diese oppositionelle Position hat, wird vom System als Pfui gestempelt.

Anständige Bundebürger, die gegen den amtlichen Kurs in Sachen Masseneinwanderung sind, wollen nun ihre oppositionelle Meinung vertreten, da dieser amtliche Kurs ihnen Sorgen macht.

Da aber AfD und PEGIDA pfui sind, wollen sie mit diesen nichts zu tun haben. Sie wollen nur ihre oppositionelle Meinung in Sachen Masseneinwanderung kundtun. Aber dabei klarstellen, daß sie nicht AfD sind. Oder PEGIDA. Denn die sind ja pfui.

Wenn diese anständigen Bundesbürger nun ihre oppositionelle Meinung in Sachen Masseneinwanderung laut kundtun, verpaßt ihnen das System den Stempel pfui.

Andere anständige Bundesbürger, die nun eine oppositionelle Meinung in Sachen Masseneinwanderung haben, aber sonst ganz anständig sind, und daher mit den anderen Oppositionellen nichts zu tun haben wollen, würden auch gerne diese ihre Haltung irgendwie vertreten wissen, aber nicht von Leuten oder Parteien, die pfui sind.

Und so weiter...

Ich würde mich nicht nicht wundern, wenn die CDU diesmal die absolute Mehrheit bekommt. 

Valjean72
11. Juli 2017 11:29

@Monika L.:

Vielen Dank für die Verlinkung des regionalen WELT-Artikels. "Alternative Mitte" also, da geht wohl das Herz der "Bürgerlichen" auf: alles schön im Einklang mit den vorherrschenden Strukturen. Auszug aus dem Artikel der WELT:

>>Und vor kurzem wurden Chatprotokolle aus parteiinternen Whatsapp-Gruppen öffentlich. Darin hatte der Vorsitzende der AfD in Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, die Parole“Deutschland den Deutschen“ benutzt. Die wird in Deutschland sonst oft auf Demonstrationen der rechtsextremen NPD skandiert [...]

Die AfD sei eine bürgerliche Partei. „Wir sind freiheitlich, konservativ, patriotisch und bürgerlich“, erklärt Driesang. Wenn jedoch Umfragen ergäben, dass sehr große Teile der Gesellschaft die AfD für rechtsextrem halten, „dann ist das eine Katastrophe“.<<

"Deutschland den Deutschen" geht gar nicht. Ja, das müsst ihr "Bürgerlichen" schon einsehen: wer den Grossen Austausch hinterfragt, der ist nun mal rechtsextrem, da könnt ihr Volten schlagen und euch verbiegen wie ihr wollt. Und falls ihr brav bundesrepublikanisch bürgerlich bleiben wollt, dann bleibt ihr Befürworter der "Umvolkung". Habe die Ehre

deutscheridentitärer
11. Juli 2017 12:10

Scheiß auf Palmer, solche Typen sind die Schlimmsten. Schon nützlich natürlich, aber verachtenswerte Gestalten. Es gibt nur zwei Existenzmodi, die gerechtfertigt sind:

- naiver deutscher Michel, der glaub die Politiker und vor allem Merkel würden schon alles gut machen. Seltsam, aber so ticken die Leute halt nun mal. Ist auch nicht schlimm, nur die Politiker und vor allem Merkel sind schlimm, die Leute an sich sind in Ordnung

- man ist aufgewacht, hat die Probleme vollständig erkannt, und ist sich wenigstens privat darüber im Klaren, was getan werden müsste. Idealerweise tut man es auch, aber gut, viele haben im Leben mehr als eine Verpflichtung.

Was allerdings einfach nur erbärmlich sind, sind diese lachhaft dummen und feigen Gestalten, die Probleme mit Migration und dem ganzen Kram erkennen, aber sich irgendwie zu fein sind, die sich aufdrängenden Konsequenzen zu ziehen. Also so Leute wie Palmer, Dönmez, Sloterdijk, Baberwoski usw.

"Ach, bekäme ich doch nur 10,- EUR für jede "Eigentlich hast Du ja Recht, aber ich kann doch nicht die AFD wählen"-Bemerkung von Freunden und Bekannten, ich müsste nicht mehr arbeiten. "

Ja, das ist das eigentlich Unglaubliche. Wie kann man sich nur so konditionieren lassen?

Westpreuße
11. Juli 2017 13:47

Frau Leiser, zum Herbsttag: Der kömmt nach der Bundestagswahl. "Rilke, HERBSTTAG, dritte Strophe: "Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. / Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, / wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben / und wird in den Alleen hin und her / unruhig wandern, wenn die Blätter treiben." Und vielleicht setzen wir dann mal ein statt Haus...Deutschland, nicht bauen: alles umsonst, nicht an den Umständen, sondern an sich selbst gescheitert, am eigenen Anspruch gescheitert. Wachen, lesen, wandern, treiben: Die Frage: Was nun...Das kann man beliebig fortsetzen und ergänzen.. Zum Text: Frau Maron, denke ich,  nicht uninteressant, aber bringt uns nicht weiter. Zu den Kommentaren hier.  Nicht uninteressant, aber weitgehend, nicht nur, monokausal. Tendenz:  Der Wähler ist doof, irgendwie... Die Frage, wie die AfD von fast sicher scheinenden 15 % auf  7,  8 % abrutschen kann, wird kaum gestellt bzw. falsch beantwortet. Nämlich:  Meine Frage ist schon seit einiger Zeit: Was ist das eigentlich für ein Personal, was da an der Spitze, den verschiedenen Spitzen in den Landesverbänden, agiert? Meine Vermutung, was man so liest: Hasardeure, Selbstdarsteller, Bankrotteure, Trittbrettfahrer, gescheiterte Existenzen, Leute mit großem Maulwerk, Intriganten, Streithansel., Rechthaber.  Nicht alle, aber der Eindruck drängt sich auf. Und diesen Eindruck gibt die Presse nur genüßlich wieder. Er entsteht aber im konkreten menschlich - politischen Tun der oberen Funktionäre. Leute, denen es nicht um die gemeinsame Sach' geht, sondern um das eigene Wohlergehen. Der Geruch der finanziellen Tröge, von denen das Schmatzen der Etablierten lieblich herüberklingt... Und allesamt scheinen sie knapp bei Kasse zu sein. Das Credo im politischen Tun: Ich auch, ich auch... Sicherlich ungerecht von mir formuliert in der Tendenz.  Ich nehme das Fußvolk vor Ort weitgehend davon aus. Die stillen Preußen mit aufrechter und tapferer Gesinnung, die unter doppeltem Druck stehen: Hier das Macht- und Meinungskartell, dort die eigenen Spitzenleute...Das wird man doch noch sagen dürfen, gell... Und irgendwie, pardon, zeitweise bescheuert. Man lese nur bei Michael Klonovsky auf seinem Blog seine neuesten Anmerkungen, insbesondere den Punkt "Sechs". Obwohl er sicherlich auch sein eigenes Süppchen kocht. Aber das schmeckt immerhin, von Zeit zu Zeit..: Grüße von der Weichsel

Heinrich Brück
11. Juli 2017 17:14

Wenn die Voraussetzungen schädlich sind, können die Konsequenzen nicht gut werden. Dann müssen die Voraussetzungen geändert werden. Als würde man einem guten Bäcker vorwerfen, er verstehe die Relativitätstheorie nicht. Wozu wurde die AfD gegründet? War es dem Räubersystem nicht klar, daß einige Deutsche die Völkerwanderung nicht mit Luftballons begrüßen würden, und es ein Ventil zur demokratischen Stimmensammlung bedürfe? Jetzt sind die Ausländer hier, die AfD ist vorhanden, und das System ist auch noch da. Was will die AfD? Die AfD ist nicht Höcke, auch wenn Höcke zur AfD gehört, die AfD wurde vom System gegründet. Warum kann ein Höcke nicht Kanzler werden? Was bedeutet "rechtsextrem"? Wer hat den Deutschen nach 1945 "Politik" beigebracht? Vom Volk das richtige Kreuzchen zu erwarten, wenn schon die meisten Parlamentarier von Politik nichts verstehen, ist ein bißchen viel verlangt. Das eigene Volk zu erhalten, der eigenen Nation mit Wohlwollen positiv zu dienen, ist im demokratischen Sprachgebrauch rechtsextrem. Gleichzeitig wird rechtsextrem mit "Nazi" verknüpft. Nicht großartig clever, aber es funktioniert. Schließlich wollen die meisten Menschen gute Demokraten sein, auch wenn sie keine Umvolker sein wollen, und der Widerspruch nur im Individuum mit der Zeit gelöst werden kann? Mich interessiert dieser demokratische Erlebnispark nur am Rande, die Übersetzungsarbeit von einer Sprache in die andere wird den Beteiligten die Mühe nicht ersparen können. Jedermann wird sich dieser Tätigkeit hingeben müssen. Das System manipuliert sehr geschickt; auch in einer Demokratie hat nicht jeder das Recht auf Leben. Und wer sich unbedingt ausrauben und vernichten lassen muß ...

Franz Bettinger
11. Juli 2017 21:48

@Westpreuße
Ihre Kritik am Spitzenpersonal der AfD kann ich nicht nachvollziehen. Im Gegenteil. Im Vergleich zu den System-Parteien ist die AfD mit hochklassigen und mutigen Politikern gut aufgestellt, für die ich großen Respekt hege und denen ich meinen Dank ausspreche. Was wären wir denn ohne diese Leute? Wir wären ja völlig ohne Hoffnung. Wer es besser kann, der soll sich engagieren! Das Philosophieren auf Foren ist einfacher als vor Ort seinen Mann zu stehen. Ich verstehe nicht, warum wir immer wieder auf den eigenen Leuten rum prügeln.

calculus
12. Juli 2017 12:42

Natürlich ist man meist besonders von dem angetan, was man geade liest. Und ich lese geade Thor von Waldstein: Der Beutewert des Staates. Carl Schmitt und der Pluralismus (https://antaios.de/buecher-anderer-verlage/ares-verlag/1193/der-beutewert-des-staates.-carl-schmitt-und-der-pluralismus). Thor von Waldstein ist mir seit seinem Vortag am IfS (https://www.youtube.com/watch?v=iQSITNw3iDE) ein Begriff, Carl Schmitt als vom herrschenden System praktisch totgeschwiegener großer deutscher Staatsrechter, der gewissermaßen an meinem geistigen Horizont schwebt, ohne daß ich je etwas von ihm gelesen hätte.

Zunächst einmal war ich überrascht, Thor von Waldsteins Dissertationschrift in den Händen zu halten. Die Vorstellung, daß man unter dem heutigen Regime noch mit einer solchen Schrift promovieren könne, erscheint mir vollkommen surreal.

Natürlich weiß ich nicht, ob ich überhaupt verstehe, was ich da lese. Wenn ich etwas lese, versuche ich das, was ich lese, in mein Begriffssystem abzubilden, und wenn mir das gelingt, meine ich, etwas verstanden zu haben. Natürlich ist mir bewußt, daß sich bei der Gelegenheit mein Begriffssystem weitereintwicklt, das es eine permanente Wechselwirkung zum Gelesenen gibt. Nicht jedoch weiß ich, ob mein Begriffssystem in irgend einer Beziehung zu dem des Autors steht, schon gar nicht zu reden davon, daß es womöglich identisch wäre.

Jedoch muß ich schon festsellen, daß sich der Einduck verfestigt, Thor von Walstein würde 1989, und mit ihm Carl Schmitt Ende der zwanziger, Anfang der dreißiger Jahre, nicht über vergange Zeiten, über das Ende der Weimarer Republik sinnieren, sondern hochaktuell über die Gegenwart hier und heute unter dem Bunten Regime 2017.

Insofern sehe man es mir nach, wenn ich für die hier versammelte geballte Ladung an Demokriegläubigkeit nur ein mildes Lächeln übrig habe.

Paracelsus
12. Juli 2017 20:35

Monika Marons Artikel sind ein markantes Symptom für die Schuld, die deutsche Menschen heute auf sich laden. Es ist die Selbstverleugnung, das Ablehnen der Verantwortungsübernahme für das , was in diesem Land geschieht. Sie sucht nach einem Führer, Sebastian Kurz oder Boris Palmer sollen es für sie richten, wenn es denn möglich wäre. Irgendein Mensch, der es richtig macht.

Es kommt aber darauf an, den eigenen Verstand zu benutzen. Und wenn Monika Maron es schafft, in ihrer Analyse der Lage ihres Landes bestimmte Ergebnisse zu erhalten, die gemeinhin als rechts gelten, dann sollte sie das klar bekennen. Die Feigheit, sich zu den Schmuddelkindern der AfD zu stellen, das kann der Grund sein, dass die Deutschen wieder einmal ihr Land und Europa in einen Abgrund führen.

Es gilt, endlich aufzuwachen und sich von den Angsteinjagern zu distanzieren, Wegducken, sein Ich, seine Urteilskraft, sein Einfühlungsvermögen zu opfern und sich brav anzupassen, das ist wieder brandgefährlich geworden.

Wie viele solche Ängstliche könnten, wenn sie Mut fassen würden, in diesem Jahr zu einem Umschwung beitragen, dass das Land wieder vom Kopf auf die Füße gestellt wird und aus den Kindern der "Mutti Merkel" endlich Erwachsene, Mündige werden.

 

 

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