03. September 2017

Sonntagsheld (27) – Zahltag

von Till-Lucas Wessels / 25 Kommentare

Die einen reden über Mauern, die anderen bauen sie.

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Donald Trumps Wall war eines seiner großen Wahlversprechen. Sprüche wie "...and make Mexiko pay for it" oder "The Wall just got ten feet higher!", die in kürzester Zeit Sprichwortcharakter erlangten, taten ihr übriges und sorgten dafür, daß die versprochenen Befestigungen an der amerikanisch-mexikanischen Grenze zu einem mobilisierenden Mythos wurden.

Nun ist Trump gewählt, liefert täglich neue Schlagzeilen, und doch läßt die Wall auf sich warten. Die Gründe dafür müssen hier nicht erörtert werden, es geht schließlich auch eigentlich um etwas ganz anderes.

Es gibt da nämlich einen, der hat so eine Mauer gebaut, jedenfalls mehr oder weniger, und diese Mauer muß nun bezahlt werden. Viktor Orbán, Politiker, Populist und ungarischer Ehrenmann, hat – so berichtet die Presseagentur Reuters – der EU eine Rechnung geschrieben. Über 400 Millionen Euro.

Bei diesem Betrag handelt es sich um die Hälfte der Ausgaben, die die ungarische Regierung für die Sicherung der EU-Außengrenzen veranschlagt hat. Die Zäune sind gebaut, die Grenzen werden gehalten, und die Balkanroute ist dicht – die Kosten hierfür hat Budapest vorgestreckt und möchte sie nun anteilig zurückbekommen.

Das ist gut und gerecht und kommt zu einem Zeitpunkt, der sicherlich nicht ganz zufällig gewählt wurde. In wenigen Tagen wird der Europäische Gerichtshof darüber entscheiden, ob der von Ungarn und der Slowakei eingelegte Einspruch gegen die Einquartierung pauschaler Migrantenkontingente rechtens war oder nicht.

Die erste Antwort aus Brüssel klingt versöhnlich, gleichzeitig offenbart sie jedoch den ganzen Wahnsinn der europäischen Grenzpolitik:

Wenn Ungarn jetzt zusätzliche Unterstüzung anfordert, ist die Kommission bereit, eine solche Bitte rasch zu prüfen und im Einklang mit der europäischen Gesetzgebung angemessene Hilfestellungen zu leisten, wenn es die Situation erfordert. [...] Die Europäische Union finanziert weder den Bau eines Grenzzaunes noch einer Grenzabsperrung. Das wird sich nicht verändern.

Wieviel Geld nach Budapest fließen wird, ist also weiterhin unklar. Für sich genommen wäre diese ganze Meldung auch keinen Sonntagshelden wert.

Sie steht jedoch – und deshalb bekommt Orbán diesen Sonntag seine literarische Ehrennadel – in einer Reihe mit unzähligen positiven Entwicklungen im Osten Europas, die sich allesamt in eine richtige und gesunde Richtung bewegen.

Sollte Viktor Orbán also in den kommenden Tagen in Schnellroda aufschlagen, um seine Ehrung zu empfangen, so wird ihm mit aller Deutlichkeit klargemacht werden, daß selbige ihm vor allem in seiner Funktion als Stellvertreter und Gesicht einer Bewegung zuteil wird.

Ungarn steht dieser Tage beispielhaft für die Erkenntnis, daß ein selbstbewußtes Europa möglich ist. Wie passend, daß es dort nun auch eine Sektion der Identitären Bewegung gibt, und wie schön, daß sie gestern ihre erste erfolgreiche Demonstration abhielt.

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Kommentare (25)

Desprecio
03. September 2017 10:16

Statt all der Spenden, mit denen das in aller Welt seit vielen Jahren als eines der spendenwilligsten Länder dieser Erde bekannte Restdeutschland nicht nur das Überleben afrikanischer und sonstiger Hochkulturen sichert und sogar deren Bevölkerungsexplosion fördert, sollte man ernsthaft darüber nachdenken, diese Gelder in einen nachhaltig wirkenden Schutzwall für Europa, für dessen Bevölkerung und dessen erhaltenswerten Kultur(en) zu investieren, bevor die zu erwartenden Neuankömmlinge unseren Kontinent ebenso unbewohnbar wie ihre Herkunftsgefilde gemacht haben. Die mit zunehmender Tendenz zu beobachtende Dekadenz, gerade in Westeuropa, die weite Bereiche der Politik, der Wissenschaften, der Kultur und des Alltagslebens bereits mit ihren Fangarmen auf niedrig(s)tem Niveau gefangen hält, macht heute schon, auch ohne weitere Zuwanderung, alle Anstrengungen erforderlich, um nicht weiter an Niveau, z.B. im Vergleich zu Asien, zu verlieren. Schutzwälle haben schon vor Jahrtausenden ihre nachhaltigen Wirkungen unter Beweis gestellt. Ich denke da zuerst an China, das nicht zuletzt seiner Grossen Mauer seine bis in die heutige Zeit reichende Hochkultur verdankt. Lasst uns daher das Werk Obans und seines ungarischen Volkes als das sehen und würdigen was es ist, als einen wichtigen Teil der auch heute noch möglichen Rettung Europas. Da sich die unheilbar kranke politische Spitze Europas der Finanzierung von Schutzeinrichtungen für unsere Völker und Kulturen verweigern wird, sollten wir an eine Spendenaktion zugunsten Ungarns denken, wenn diese auch aufgrund des zu erwartenden minimalen Aufkommens zumindest zunächst nur von überschaubarem Erfolg gekrönt sein wird. Orban sollten wir für eine internationale Ehrung vorschlagen. Warum nicht für den Friedensnobelpreis ?  Für den Frieden in Europa kann dieser Zaun in Ungarn unendlich viel beitragen, wenn man diesen als Initialzündung für weitere ähnliche Initiativen und Massnahmen in und um Europa nutzt. In Europa geht es um den Frieden für mehrere hundert Millionen Menschen mit überaus erhaltenswerten Kulturen.

Gustav Grambauer
03. September 2017 10:53

Es ist seismographisch zu sehen, daß Orbán ein politischer Ziehsohn von Soros ist, damals wurde er von der Open-Society-Achse für das Niederreißen der Berliner Mauer aufgebaut. Inzwischen hat er die Front gewechselt. Ich komme nicht umhin, das Ungeheuerliche auszusprechen: damit haben die Achse hinter Orbán und er inzident Walter Ulbricht zu einem gewissen Grade rehabilitiert, der ja - wie Rákosi - als "größter Streber im Ostblock" bis heute eine Haßfigur bei den völlig anders tickenden Ungarn ist. Das ist nicht nur im ungarischen Maßstab und nicht etwa nur im Visegrád-Maßstab eine Sensation. Es zeugt von einer - leider verspäteten - völligen Umkehr im Denken im Haus Habsburg und sogar in Jerusalem und (!) Tel Aviv, denn: Wer mit Ungarn redet, - das gilt im Jahre 2017 viel mehr noch als im Verkehr mit Österreich -, redet mit den Habsburgern, wir haben hier einen Indikator dafür, welche Macht die Habsburger in Europa noch haben, geistig und übrigens auch finanziell. Auch gilt: wer sich mit Ungarn anlegt, legt sich mit Israel an, die Achse steht, alle Zeitungen berichteten über das Unfaßbare. Daher der "versöhnliche" Ton aus Brüssel, aus reiner Rücksicht auf die eigenen Truppen, denn (a) die Kalergi-Wurzeln und (b) die Zionisten sind in Brüssel heute immer noch sehr stark. (Dennoch sage ich voraus, daß kein Cent vom ideologisch-blockierten Brüssel nach Ungarn fließen wird. Egal, es geht hier um Botschaften in die Tektonik hinein.) Ich weiß, in welches Wespennest ich hier bei SiN steche: siehe auch die Paneuropa-Jugend (ergo: Kalergi-Jugend) am 4. November 1989 am Brandenburger Tor, und man beachte die Kommentare unter dem Film, die Leute wachen langsam, wenn auch vielleicht zu spät, auf: https://www.youtube.com/watch?v=HRLT3F6hcOA

Die Welt ist entgegen allem Geseiere von "Einheit und Geschlossenheit" oder von "politischen Blöcken" schon ein ziemlicher Ameisenhaufen. Habe gerade den Trailer zu Peter Pranges neuem Buch "Unsere wunderbaren Jahre" angeschaut. Er spricht vom Westen her aus, was als Gerücht bei uns in der DDR immer schon herumging: die Grenzanlagen der DDR wurden 1961 z. T. mit Stacheldraht aus Altena / Sauerland gebaut (bei 2:32): http://www.peterprange.de/buch/unsere-wunderbaren-jahre

- G. G.

Herr K.
03. September 2017 11:32

...gut zu wissen, dass es noch Politiker wie Orban gibt. Es wäre durchaus witzig, wenn bei einem Staatsempfang in Deutschland "Orban! Orban!"-Rufe (...statt " Gorbi! Gorbi!") zu vernehmen wären. Sicherlich stellt Orban einen wichtigen Eckpfeiler europäischer Vernunftspolitik dar, die Frage ist nun, wie strategische Synergien realisiert werden könnten. Allein die Vorstellung, dass die schönerweise auch Ungarn vertretene IB dort öffentliche Unterstützung bekommen könnte, lässt mich hoffen. Denn eine EU, in der politische Akteure je nach Land entweder verfolgt oder gefördert werden, offenbart die nicht zu leugnenden Hegemonialansprüche einer sich totalisierenden Politkaste, welche mit der Idee der Völkerverständigung (!) nichts mehr zu tun haben kann. Auch dieses linke Dogma gilt es zu widerlegen... Wenn es nicht schon im kleinen längst widerlegt ist, allein mit der "Europäisierung" der Identitäten Patrioten. Lediglich das Bewusstsein gilt es zu erreichen, das der Massen.

Lotta Vorbeck
03. September 2017 16:29

Anfang 2017, in seiner alljährlichen Rede zur Lage der Nation versprach der ehemalige Empfänger eines Stipendiums der Soros-Foundation (sic!) Victor Orbán:
„Jene schreckerfüllten deutschen, holländischen, französischen, italienischen Politiker und Journalisten, jene zum Verlassen ihrer Heimat gezwungenen Christen, die ihr Europa in der eigenen Heimat verloren haben, werden es bei uns wiederfinden“, erklärte der 53-Jährige. „Die wahren Flüchtlinge werden wir natürlich aufnehmen“. Quelle: Viktor Orban - Heimatlose Europäer erhalten in Ungarn Asyl! › COMPACT
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Selbstverständlich wird das kleine Ungarn schnell an seine Kapazitätsgrenze gelangen, sollten Mittel- und Westeuropäer in größerer Zahl auf die Idee kommen, Orbán beim Wort zu nehmen und im Lande der Magyaren um Asyl nachzusuchen. Der aus Plauen im Vogtland stammende, in Ungarn lebende Blogger 'Seidwalk' beschreibt im Hinblick auf die im Jahre 2018 in Ungarn stattfindenden Wahlen die derzeitige Situation dort folgendermaßen:

"... Gerade wurde eine Umfrage des Gallup-Institutes veröffentlicht, demnach unglaubliche 70 Prozent der ungarischen Bevölkerung jeglichen Zuzug von Syrern (!) ablehnen und 22 Prozent einen solchen Zuzug nur limitiert zulassen wollen. 92 Prozent der Ungarn stehen damit auf Kriegsfuß mit der offiziellen – wenn auch mittlerweile kaschierten – europäischen Einwanderungspolitik. In dieser Frage sind Volkswille und die Politik des Fidesz unter Viktor Orbán nahezu deckungsgleich, in dieser Frage ist er fast alternativlos. Aber Orbán wird in rasantem Tempo unbeliebter. Die Menschen haben die Nase voll, nicht nur innenpolitisch, sondern sie sehen ihr Land durch Orbán auch in Europa schlecht repräsentiert. Sie halten ihn für einen Lügner, seine Partei für einen durch Korruption zerstörten Selbstbedienungsladen auf allen Ebenen, das Politsystem für eine Vetternwirtschaft, in dem nicht nur die selbsterwirtschafteten Werte versanden, sondern auch die europäischen Gelder. Und sie haben vermutlich recht! Dabei interessieren den einfachen Mann auf der Straße die Einschnitte im demokratischen System weniger als die materiellen Schwierigkeiten. Viele Ungarn, so höre ich, verweigern sich mittlerweile den Staatsmedien, denen sie nicht mehr glauben und deren Unterhaltungsprogramm sie als vulgär empfinden. ..." Mehr dazu unter: Die Wahl der Qual – seidwalk - veröffentlicht am 23. Mai 2017

ALD
03. September 2017 23:48

@Gustav Grambauer: Ihre Beiträge im Kommentarbereich dieser Plattform sind eine wahrhafte Bereicherung für jeden denk- und erkenntnisfreudigen Zeitgenossen. Wollte das jetzt einfach mal nur los werden und Ihnen für Ihre Mühen danken.

Franz Bettinger
04. September 2017 00:03

@ Desprecio:  Guter Vorschlag. Ja, nach objektiven Gesichtspunkten gebührt Victor Orban der Friedens-Nobelpreis. Natürlich wird er ihn nicht kriegen. Noch einen drauf setzen könnte der gute Mann, indem er als zweiten Staat (nach GB) Ungarn aus der EU austreten lassen würde. (Vielleicht gefolgt von Polen?) Das wäre ein schöner Tritt vor die vereingten Schienbeine der Vierer-Bande Schulz, Merkel, Junker, Draghi. Denn mir wird immer bewusster, dass das bösartigste Haupt der volksverratenden Medusa den Namen Brüssel trägt. Da Ungarn Netto-Geld-Empfänger der EU ist, bleibt das wohl Wunschdenken. - Übrigens sollte auch dem kleinen Mazedonien für seinen effektiven Grenzzaun gedankt und finanzielle Kompensation zuteil werden.

Der Gehenkte
04. September 2017 00:19

@ Lotta Vorbeck

Die Einschätzung des Bloggers Seidwalk wird gerade durch einen Artikel des Pester Lloyd bestätigt - gewöhnlich ein fürchterlich linkes Blatt, aber angesichts der spärlichen vertrauenswürdigen Nachrichten aus dem Ungarnlande, noch immer eine wichtige Quelle. Diesmal liegen sie freilich komplett richtig:

http://www.pesterlloyd.net/html/1736oppositionumfrage.html

Die Ungarn sind zwischen Außen- und Innenpolitik zerissen. Orbáns Forderungen an die EU sind ein PR-Geniestreich und eine ironische Botschaft an die Verbündeten im Ausland, sprich an die Rechte. In Ungarn interessiert das kaum jemanden und auch Orbán selbst dürfte kaum annehmen, damit bei der EU Erfolg zu haben. Als Show genial.

A. Kovács
04. September 2017 07:24

Leute wie dieser „Sidewalk“ oder auch andere wie „Pusztaranger” verbreiten derlei Sachen. Woher die das wissen wollen, weiß ich allerdings nicht. Liest man deren Blogs insgesamt, scheint mir klar, welcher Richtung sie angehören. Und das zeigt wenigstens eines deutlich: In Ungarn, aus Ungarn heraus können strikt linke Meinungen frei geäußert werden, kann die ungarische Regierung als korrupt etc. beschrieben werden. Also mit der Meinungsfreiheit wenigstens scheint es zu klappen dort. Das kann ich selbst auch bestätigen. Übrigens ist die objektive Erfolgsbilanz der Regierung Orbán so gut, dass die Leute verrückt wären, ihn abzuwählen. Aber die subjektive Unzufriedenheit ist ein ungarischer Volkssport und der Fidesz darf auf keinen Fall arrogant werden, sondern muss beharrlich kämpfen. Denn die ausländische (deutsche) Einmischung in den ungarischen Wahlkampf ist wohl offensichtlich, die Brüsseler Beeinflussung der Wähler in die sozialistische Richtung offenkundig. Aber bei kleinen Ländern ist das ja erlaubt.

Lotta Vorbeck
04. September 2017 13:36

@Franz Bettinger - 04. September 2017 - 00:03 AM

"... Noch einen drauf setzen könnte der gute Mann, indem er als zweiten Staat (nach GB) Ungarn aus der EU austreten lassen würde. (Vielleicht gefolgt von Polen?) Das wäre ein schöner Tritt vor die vereingten Schienbeine der Vierer-Bande Schulz, Merkel, Junker, Draghi. Denn mir wird immer bewusster, dass das bösartigste Haupt der volksverratenden Medusa den Namen Brüssel trägt. Da Ungarn Netto-Geld-Empfänger der EU ist, bleibt das wohl Wunschdenken. - Übrigens sollte auch dem kleinen Mazedonien für seinen effektiven Grenzzaun gedankt und finanzielle Kompensation zuteil werden."
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Grüß Gott Herr Bettinger, das System verzeiht Abtrünnigen nicht. Victor Orbán wird weder einen Friedensnobelpreis noch eine Kompensationszahlung für den Grenzzaun bekommen. Er wird sogar sehr gut aufpassen müssen, daß er nicht vorzeitig auf unnatürliche Weise - wie andere Seitenwechsler vor ihm - aus dem Leben scheidet. Den bösartigsten Kopf der Hydra haben Sie indentifiziert. Die die europäische Zivilisation zerstörende Hydra als solche wird allerdings nicht aus Brüssel sondern aus Übersee instruiert und gesteuert. Das bettelarme Mazedonien, welches ebenfalls ein fünfte Kolonne des Islam innerhalb seiner Landesgrenzen beherbergt und sich von seiten des EU-Mitglieds Griechenland mit weitreichenden Gebietsansprüchen konfrontiert sieht, bekam in Sachen Grenzsicherung Unterstützung aus Östereich und von den Visegradstaaten. Im Swinemünder Hafen befindet sich momentan - genauso wie zeitgleich auf der kroatischen Insel Krk ein Terminal zur Abfertigung von Flüssiggastankern im Bau. Ein solches Terminal im litauischen Memel/Klaipeda ging bereits im Jahre 2016 in Betrieb. Dort soll aus den USA und Norwegen importiertes Flüssiggas umgeschlagen werden, um die russische GAZPROM nach und nach aus dem Geschäft zu drängen. Die vom kroatischen LNG-Terminal ausgehende Pipeline führt in ihrem weiteren Verlauf durch Ungarn. Einerseits sind sowohl Ungarn als auch Polen EU-Transferleistungsempfänger. Darüberhinaus käme ihnen im künftigen Gasgeschäft eine Schlüsselrolle zu. Deshalb werden beide keine erntshaften Absichten verfolgen den EU-Club zu verlassen. Zudem ist Polen einer der treuesten US-Vasallen.

Lotta Vorbeck
04. September 2017 13:49

@A. Kovács - 04. September 2017 - 07:24 AM

"Leute wie dieser „Sidewalk“ oder auch andere wie „Pusztaranger” verbreiten derlei Sachen. Woher die das wissen wollen, weiß ich allerdings nicht. Liest man deren Blogs insgesamt, scheint mir klar, welcher Richtung sie angehören. Und das zeigt wenigstens eines deutlich: In Ungarn, aus Ungarn heraus können strikt linke Meinungen frei geäußert werden, kann die ungarische Regierung als korrupt etc. beschrieben werden. ..."
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Der Blogger "Sidewalk" nimmt des Öfteren direkten Bezug auf SiN. Wenn man den Angaben in seinem Blog glauben darf, lebt er gemeinsam mit seiner ungarischen Ehefrau zeitweise in Ungarn, wo er als Lehrer arbeitet. Insgesamt betrachtet vertritt er eine konträr zum Mainstream der BRD-Staats- und Konzernmedien angesiedelte Position. Der Umstand, daß "Sidewalk" bei Besuchen in seiner Heimatstadt Plauen im Vogtland immer wieder penetrant die Nähe von Merkels morgenländischen Selfie-Jünglingen sucht, läßt ihn freilich suspekt erscheinen.

Der Feinsinnige
06. September 2017 01:05

Viktor Orbán macht sich wirklich verdient um die Zukunft Europas, und zwar in mehr als einer Hinsicht: Er zeigt den Europäern, daß sie von den EU-Offiziellen belogen und betrogen werden. Er zeigt den Deutschen, daß sie von ihrer Regierung (und den sie unterstützenden Institutionen) belogen und betrogen werden. Und Orbán allein ist es, der tatsächlich den Anfang gemacht hat, die sog. „Balkanroute“ zu schließen. Ja, Orbán wäre jeder, wirklich jeder Ehrung würdig. Und Trump wird hoffentlich bald der ganzen Welt zeigen, daß gegen Armuts- und Elendsmigration selbstverständlich ein hoher Zaun oder eine hohe Mauer helfen – was denn sonst? Die Stellungnahme der EU („Die Europäische Union finanziert weder den Bau eines Zaunes noch einer Grenzabsperrung“) zeigt die ganze Perversität und Verkommenheit dieser Institution. Ich persönlich bin Anhänger der These, daß Europa am effektivsten vereint seine Zukunft sichern und sich vor der drohenden neuen Völkerwanderung schützen kann. Dies wird aber nicht die EU in ihrer heutigen Verfassung leisten. Daher hoffe ich, daß Orbán und seine Verbündeten es schaffen, diesen abgehobenen Klub, dessen Politik man doch nur als selbstmörderisch bezeichnen kann, zu sprengen, damit sich etwas neues bilden kann. Orbáns Forderung auf Beteiligung der EU an den Kosten für seinen Zaun ist jedenfalls eine so simple wie brillante Reaktion auf die offizielle EU-Politik.

@ Gustav Grambauer: Ich muß Ihnen zumindest in einem Punkt vehement widersprechen: Nein, Orbán hat nicht Ulbricht rehabilitiert. Damit übernehmen Sie doch de facto (sicher unbeabsichtigt) die These der etablierten Deutschland- und Europa-Abschaffer, die als Argument gegen die so notwendige Grenzschließung stereotyp auf die endlich überwundene Berliner Mauer und die glücklich überwundene Teilung Deutschlands und Europas verweisen – und damit die Forderung nach Grenzschließung mit einem der größten existierenden Totschlagsargumente vom Tisch zu wischen versuchen. Sie unterstützen damit de facto auch die Bezeichnung der Migranten als „Flüchtlinge“, was sie in ihrem Bestreben, gerade nach Deutschland bzw. Mitteleuropa zu kommen, eben gerade nicht sind. Ulbricht (und Honecker) und die für das DDR-System Verantwortlichen haben ihre Bürger eingesperrt und daran gehindert, ihr Staatsgebiet zu verlassen – noch dazu, lediglich von einem Teil ihres Vaterlandes in den anderen Teil zu gelangen, ihre Familienangehörigen und Verwandten zu besuchen usw. usw. Dies muß gerade in diesem Block, denke ich, nicht weiter ausgeführt werden. Die Mauer Ulbrichts etc. richtete sich gegen die eigenen Bürger und beraubte sie ihrer Freiheit. Der Zaun Orbáns, der, denke ich, stellvertretend steht für das, was die patriotische, auf den Bundestag bezogen (noch)außerparlamentarische Opposition fordert, richtet sich gegen das Eindringen von Menschen, die kein Recht haben, hier zu leben (anderes als die Flüchtlinge bzw. Vertriebenen 1945 und die Flüchtlinge aus der DDR, alles Deutsche die aus Deutschland nach Deutschland flohen). Die im Wortsinne geschlossene Grenze, die nicht nur ich mir herbeisehne (und die, denke ich, insbesondere die AFD fordert), würde - anders als Ulbrichts Mauer – nur in einer Richtung undurchlässig sein, nämlich keine (Massen-)einwanderung mehr gestatten, am besten für lange Zeit so gut wie überhaupt keine Einwanderung mehr aus fremden, mit deutscher und europäischer Kultur nicht vereinbaren Kulturkreisen, jedoch jeden unproblematisch aus Deutschland (und Europa) ausreisen lassen – ob als Emigrant oder als Tourist. Niemand würde eingesperrt werden. Die geschlossenen Grenzen Orbáns, Trumps und (hoffentlich) eines Kanzlers aus der AFD sind bzw. wären ein allein nach außen gewendeter Schutz, wie der Limes oder die chinesische Mauer und damit völlig legitim und meines Erachtens in keiner Weise mit dem „eisernen Vorhang“ Ulbrichts gleichzusetzen. Das Bestreben, die „Festung Europa“ zu errichten, sollte nicht ausgerechnet mit dem Namen Ulbrichts diskreditiert werden. Ich bitte um Nachsicht für meine recht heftige Reaktion, aber Sie haben tatsächlich das von Ihnen erwähnte Wespennest getroffen.

Lotta Vorbeck
06. September 2017 13:26

@Der Feinsinnige - 06. September 2017 - 01:05 AM

Die Genossen Ulbricht und Honecker handelten aus ihrer Sicht, ihrem Interesse, nämlich den Fortbestand der DDR zu sichern durchaus rational. Mittels militärischer Grenzsicherung - diesbezüglich gab es unter dem Titel "Sicherung der Staatsgrenze" einen eigenen Posten im DDR-Staatshaushalt, stoppten sie ab dem Sommer 1961 den seit Jahren über die alte Hauptstadt Berlin auf Hochtouren laufenden 'Brain drain'. Später verkaufte Honecker der BRD gegen klingende, frei konvertierbare Münze nicht nur Kontingente von politischen Häftlingen, sondern quasi im Paket auch ganz gewöhnliche, zu Haftstrafen verurteilte Straftäter. Nachdem "die Mauer" im Herbst 1989 durchlässig geworden war, trat binnen weniger Wochen genau jenes Ergebnis ein, welches ohne "die Mauer" bereits 26 Jahre zuvor abzusehen gewesen war.

Gustav Grambauer
06. September 2017 14:27

Der Feinsinnige

Sie kommen aus dem Westen, richtig?!

Was die Mauer betrifft: jedes Bauwerk hat einen Auftraggeber, einen Bauherren und einen Bauträger, außerdem eine Planungs- bzw. Genehmigungsbehörde. Ulbricht war der Bauträger.

Hören Sie mal in das Interview mit Prof. Prokop hinein, wenigstens in die ersten Minuten. Schon der Untertext unter dem Film deutet es an.

http://quer-denken.tv/die-ddr-gruendung-groesste-errungenschaft-oder-notloesung-die-konsequenz-der-brd-spaltungspolitik/

Auch 1961 und erst recht 1989 ging es noch um einunddenselben Röpkeschen Plan zur Ausplünderung Mitteldeutschlands, im wesentlichen durch Abschöpfung von Arbeitskräften, insbesondere hochqualifizierten, wonach man die leergesaugten Gebiete umso einfacher gauleitermäßig übernehmen kann - wie nach 1990 ja geschehen. Dies geschieht - immer - mit wirtschaftlichen Hebeln, so daß das wirtschaftlich überlegene System in seiner Arroganz und Verlogenheit dies als einzig vom Brain-Drain-Gebiet, danke Lotta Vorbeck, her aus individuellen Entscheidungen heraus motiviert verbrämen und dabei die hegemonialen Hintergründe, die - immer - sogar noch weit über wirtschaftspolitische hinausgehen, das würde hier zu weit führen, ausblenden kann. Zusätzlich kann es dadurch die Weggegangenen hypermoralisch erheben und die Dagebliebenen auch noch zur Rechtfertigung für ihr Dagebliebensein zwingen und in die Schäm-dich-Ecke stellen. Massenhaft geschehen und geschieht heute noch. Ich kotze.

https://de.wikipedia.org/wiki/Braindrain

Gehen Sie doch heute bspw. mal in eine Stadt wie Zeitz, bis 1989 noch eine intakte Stadt - heute nur noch eine leere Hülle, in der die Globalisierungsfarce ungestört stattfindet.

https://www.youtube.com/watch?v=KVOojkay4Xw

Die Zekiwa-Kinderwagen u. v. a. m. werden heute in China hergestellt und dann u. a. nach Zeitz verkauft. Wer in Zeitz Abitur gemacht hat, ist schon auf dem Sprung, um sich von irgendwo - ohne Hindernis einer Mauer - aus der angelsächsischen Welt oder auch nur aus einer deutschen (?)

http://www.fr.de/frankfurt/frankfurt-haelfte-der-frankfurter-hat-migrationshintergrund-a-1302935

"Capital Cluster Region" wie Frankfurt absaugen zu lassen. (Wie gesagt, subjektiv und mit aller Rührseligkeit wird es immer so dargestellt, als sei er aus eigenem Entschluß weggegangen.) Was ich ja auf individueller Ebene verstehen kann und jedem gönne - aber wollen Sie mir sagen, daß die Mauer kein strukturpolitisches Bollwerk gegen diese Farce war?  

Wie der Röpke-Plan aufgegangen und die Ex-DDR heute in Wessi- und sonstigem Eigentum bzw. sogar Besitz ist, sehen Sie, wenn Sie hier nur mal kurz reinschauen: 

https://www.youtube.com/results?search_query=wem+gehört+der+osten

Daß Ulbricht (schweigen wir von Honecker...) zur Wirtschaftsmisere in Mitteldeutschland maßgeblich beigetragen und zusätzlich durch noch andere Faktoren viele rausgeekelt hat, bestreite ich dabei nicht. Aber selbst das wurde vom Westen her vonvornherein ins eiskalte Kalkül einbezogen wie Prokop ja darlegt. Und deshalb habe ich auch gesagt "zu einem gewissen Grade".

Sie sagen: "Damit übernehmen Sie doch de facto (sicher unbeabsichtigt) die These der etablierten Deutschland- und Europa-Abschaffer, die als Argument gegen die so notwendige Grenzschließung stereotyp auf die endlich überwundene Berliner Mauer und die glücklich überwundene Teilung Deutschlands und Europas verweisen."

Nein - sogar ganz im Gegenteil, es heißt immer aus der Open-Society-Ecke: wir wollen keine Mauern bauen, denn Mauern seien ja gar kein effektives Mittel der Politik, wer Mauern überwinden wolle, würde dies auch unter allen Umständen tun. In der Hinsicht hat Orbán Ulbricht sogar voll rehabilitiert. 

Nicht geeignet für einen Vergleich aber doch erwähnenswert ist das spiegelbildliche Phänomen jeweils zu den beiden Mauern: die Luftbrücken bzw. Rosinenbomber damals von Clay und heute von Merkel (wenn man mal die Shuttle-Passagiere als die 'Rosinen der Zivilisation' ansieht).

- G. G.

Der Feinsinnige
06. September 2017 20:39

 

@ Lotta Vorbeck:

 

Daß Ulbricht und Honecker rational handelten, gebe ich gerne zu. Es gibt ja auch die nicht selten vertretene These (die sogar einiges für sich hat), daß der Mauerbau nicht in Berlin, sondern in Moskau beschlossen wurde und Ulbricht nur die Befehle aus Moskau ausführte. Beides entlastet jedoch weder Ulbricht noch Honecker von ihrer Schuld und macht die Sache aus meiner Sicht auch in keiner Weise besser: Der Mauerbau, das Grenzregime der DDR und alles Ekelhafte, was damit zusammenhing, mag aus Sicht der DDR-Oberen noch so rational gewesen sein – es war trotzdem höchst unmoralisch und menschenrechtswidrig.

 

Nicht umsonst wird doch von den Etablierten in Politik und Medien die Forderung nach einer „Festung Europa“, nach einer tatsächlichen wörtlich zu nehmenden Grenzschließung, gerade unter Hinweis auf die Mauer der DDR diffamiert. Diese Gleichsetzung ist auch ein geschichtspolitisches Narrativ, das dazu beitragen soll, daß unser Volk die Masseneinwanderung widerstandslos hinnimmt. Daher versuche ich deutlich zu machen, daß beide Sachverhalte tatsächlich und auch moralisch völlig verschieden zu bewerten sind. Meines Erachtens kann man, fordert man eine Schließung der deutschen oder europäischen Außengrenzen, eine Gleichsetzung einer solchen Grenzschließung mit der DDR-Mauer (und als solche Gleichsetzung lege ich den Gedanken, Orbán rehabilitiere Ulbricht, aus) doch nur entschieden zurückweisen, will man die Diskreditierung der eigenen Position durch die Etablierten nicht klaglos hinnehmen oder sogar selbst daran mitwirken.

 

 

 

Cacatum non est pictum
07. September 2017 23:21

@Gustav Grambauer

Hören Sie mal in das Interview mit Prof. Prokop hinein, wenigstens in die ersten Minuten. Schon der Untertext unter dem Film deutet es an.

Ich habe mir jetzt das gesamte Interview angesehen und kann es nur warm empfehlen. Insbesondere der zweite Teil ist unheimlich aufschlussreich. Zum finalen Impuls des Mauerbaus (Ulbricht wollte laut Prokop tatsächlich keine Mauer bauen, hat also in seinem berühmten Ausspruch nicht gelogen - eine von den vielen tausend Geschichtslügen, mit denen wir so gefüttert werden) sehe man ab etwa Minute 40:30 in den Film. Dass Franz-Josef Strauß ein solches Geheimnis in seinen Memoiren gelüftet hat, war mir nicht bekannt und wird ja auch bis heute totgeschwiegen. Und es hat mich nur eine kurze Internetrecherche gekostet, um Folgendes festzustellen: Strauß hat diese Memoiren 1988 veröffentlicht und ist wenig später gestorben, und zwar an Multiorganversagen, nachdem er eine Woche zuvor einen wundersamen Flugnotfall knapp überlebt hatte (Möllemann lässt grüßen). Dem versierten Verschwörungstheoretiker eröffnet sich damit eine weitere Gewissheit, ohne dass er sie zwingend hier aussprechen muss.

Der Feinsinnige
08. September 2017 00:19

@ Gustav Grambauer

Danke für Ihre ausführlich Antwort und die hochinteressanten Links. Die Parallele Orbán – Ulbricht und Ihre Antwort lassen mich jetzt doch etwas weiter ausholen: Ja, ich bin im Westen aufgewachsen, jedoch seit Mitte der 90er Jahre hat es mich in eine Stadt verschlagen, die im (heute) östlichen Teil Deutschlands liegt. Die Beiträge über Zeitz, aber auch über die Frage, wem der Osten gehört, kann ich also sehr gut nachvollziehen. Die Folgen der Abwanderung vor und insbesondere nach 1990 stehen mir täglich vor Augen. Das Interview mit Prof. Prokop ist durchaus eindrucksvoll, für mich vor allem deswegen, weil es tatsächlich eine völlig andere Weltsicht darlegt, als diejenige, die ein Westdeutscher gelernt hat. Eine Verständigung über Ursachen, Ablauf und Folgen der deutschen Teilung ist nicht einfach. Sicher ist die Teilung ohne den Konflikt der Großmächte nicht denkbar. Ich will Prof. Prokop seine wissenschaftliche Redlichkeit nicht absprechen, aber er ist in seiner Herkunft und seiner Weltsicht sicher ebenso gefangen wie viele andere Menschen, vielleicht die meisten, sicher auch ich. Ich bin bereits verschiedentlich mit der Auffassung konfrontiert worden, daß ja eigentlich der Westen für die deutsche Teilung verantwortlich sei. Diese Sicht ist mir zu einfach, wie Ihnen offenbar meine Sicht auf die Mauer. Die Mauer wurde aus meiner Sicht (unabhängig davon, welches Gewicht das Kräftemessen der damaligen Großmächte tatsächlich spielte) gebaut, weil das sozialistische System dem marktwirtschaftlichen unterlegen war (mit den bekannten Folgen der massenhaften Abwanderung). Macht das die Entscheidung, einen „eisernen Vorhang“ zu errichten, besser? Diese Entscheidung wurde jedenfalls weder in Bonn noch in Washington getroffen. Auch die Abwanderung seit 1990 und auch die Entwicklung der Eigentumsverhältnisse nach 1990 schreibe ich den Folgen des Bankrotts des Sozialismus zu, dieser meines Erachtens unmenschlichen Ideologie, die sich als nicht „praxistauglich“ erwiesen hat. Der Verweis auf den bösen Westen als entscheidender Verantwortlicher für das Scheitern des Sozialismus gehört meines Erachtens zu den Lebenslügen der DDR. Ich habe in den letzten Jahren schmerzlich lernen müssen, daß auch wir im Westen über Jahrzehnte schamlos belogen wurden und in Lebenslügen befangen waren und immer noch sind, und das fängt, wie ich heute weiß, bei der Wiedervereinigungsrhetorik von Adenauer und Co. an, setzt sich fort bei der propagierten Rolle der USA als Schutzmacht (die sie sicher auch waren, aber nicht aus Menschenfreundlichkeit und der uns suggerierten „Freundschaft“, sondern um Deutschland und die Sowjetunion in Schach zu halten), und endet sicher noch nicht bei der über Jahrzehnte betriebenen Politik der Masseneinwanderung aus fremden Kulturkreisen. Und trotzdem: Wir im Westen wurden „nur“ belogen, die Menschen östlich der Mauer eingesperrt und einiges Schlimmere mehr. Darüber könnte man sicher ohne Ende diskutieren, was aber das hiesige Thema, die „Mauer“ Orbáns, sprengen würde. Ich persönlich bin heute durchaus Anhänger der Querfront-Strategie, wie sie Götz Kubitschek und Jürgen Elsässer vertreten. Ähnlich wie die Identitären in Bezug auf die geschichtlichen Animositäten der europäischen Völker sollten wir in Deutschland versuchen, das Trennende der Vergangenheit nicht Oberhand über die Lösung der Probleme gewinnen zu lassen, die heute und in Zukunft anstehen. Ich weiß, ich selbst habe mit meiner allergischen Reaktion auf die Formulierung, Orban rehabilitiere Ulbricht, gegen diese gute Idee verstoßen – und muß es jetzt nochmals tun: Aus meiner Sicht ist und bleibt es ein Unterschied, einem Menschen zu verbieten, ein bestimmtes Gebiet zu betreten (das macht jeder Wohnungs- oder Hausbesitzer, der seine Tür abschließt) oder ihm zu verbieten, ein bestimmtes Gebiet zu verlassen (das täte jemand, der einen anderen in ein Zimmer oder ein Haus einsperrt – im Zweifel eine Straftat) – zwei völlig verschiedene Sachverhalte. Vor einigen Tagen ließ sich Katrin Göring Eckart in einer Gesprächsrunde bei SAT 1, wie folgt vernehmen, zitiert nach der Badischen Zeitung: „Die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt lehnte eine Abschottung der Grenzen ab. Sie sei in der DDR groß geworden und wisse, was es heiße, eingesperrt zu sein.“

http://www.badische-zeitung.de/deutschland-1/ringen-um-platz-drei--141283508.html

Jörg Meuthens Antwort hierauf ist – wie immer – brillant (wie im übrigen die gesamte AFD-Veranstaltung in Pforzheim mit dem Auftritt von Erika Steinbach als Höhepunkt); Meuthens Antwort auf Göring-Eckart ist ab 2.00.30 zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=5J9dfgZOEyY

Wenn ich eine Aussage wie die von Frau Göring-Eckardt höre, wird mir schlecht, und ich denke, zumindest darüber könnten wir Einigkeit erzielen, denn ich glaube, daß es Ihnen und mir im Ergebnis darum geht, Deutschland zu bewahren vor den in den nächsten Jahren und Jahrzehnten drohenden, heute für viele noch kaum vorstellbaren Migrationsbewegungen.

 

Gustav Grambauer
08. September 2017 12:25

Der Feinsinnige

Ebenfalls danke für Ihre ausführliche Erwiderung.

Sie können es nicht aus der Welt schaffen: bei Ulbrichts und Orbáns Mauern handelt es sich um Bollwerke gegen den Globalismus, die gegensätzliche Ausrichtung betrifft lediglich die operative Ebene entsprechend den gegensätzlichen operativen Gegebenheiten. Ein Zugang zum Verständnis dessen könnte der Hintergrund der Emanzipation Stalins vom Weltbolschewismus

https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialismus_in_einem_Land

und des späteren Wiedererstarkens der - im weitesten Sinne - trotzkistischen Gegenkräfte sein, die ihren Durchbruch dann 1968 hatten und ihren Sieg heute feiern. Man muß dabei nicht einmal so weit gehen wie der in der Hinsicht kühne Thorsten Mann, in dessen Logik die Mauer sogar ein Ausdruck des Antikommunismus war (der allerdings den systemischen Nexus Kapitalismus-Kommunismus, den ich "Liberalbolschewismus" nenne, nicht sieht):

https://antaios.de/detail/index/sArticle/44508

Sie schreiben: "Macht das die Entscheidung, einen 'eisernen Vorhang' zu errichten, besser?" Ich habe zunächst aus der Position eines Physikers geschrieben, der kommunizierende Röhren betrachtet. Dabei sind wir uns einig: Ulbrichts Mauer war Ausdruck der Schwäche des Ostens (und ich sage bewußt nicht: des östlichen Systems, obwohl selbstverständlich auch dies stimmt). Bei der Frage meiner moralischen Beurteilung werden Sie es wohl als Anzeichen meiner Voreingenommenheit nehmen, aber ich kann es nicht anders sagen - diese kann nicht auf dem Höhepunkt des Siegesrausches des Westens mit all seiner psychologischen Suggestivmacht vorgenommen werden, zumal der Fall der Mauer auch noch von der Ideologie bzw. Propaganda des Westens begleitet war und heute noch ist. (Dies ändert sich aber gerade drastisch, haben Sie die Feierlichkeiten in der BRD zum 9. November im Jahr 2016 mal mit denen vom Jahr 2015 verglichen? Bin schon gespannt auf 2017.) Die moralische Beurteilung können erst künftige Generationen vornehmen. Bitte nehmen Sie mir ab, daß ich die Ambivalenz und Tragik der Mauer in einer ziemlichen Tiefe sehe, bin ja nicht Peter Hacks, der geschrieben hat "Wer kann die Pyramiden überstrahlen ...". Vielleicht können Sie sich nicht vorstellen, wie wir uns vor allem die 80er Jahre hindurch mit dieser Beurteilung gequält haben. Wenn die Mauer als solche später einmal moralisch beurteilt werden wird, dann wird auch das Ausnutzen der Situation nach deren Fall moralisch beurteilt werden müssen. Gysi, der eigentlich ein Weltoktober-Mann ist (aber er ist ja smart ...), hat dies schon mal mit der Formel "Der Westen konnte nach 1989 in seiner Gier nicht aufhören zu siegen" angedeutet. Weiter schreiben Sie: "Der Verweis auf den bösen Westen als entscheidender Verantwortlicher für das Scheitern des Sozialismus gehört meines Erachtens zu den Lebenslügen der DDR.". Es geht mir nicht um das Scheitern des Sozialismus, der interessiert mich nicht. Der Osten, Sozialismus hin oder her, war bzw. ist dem Westen geopolitisch (Mackindermäßig - Seemächte gegen Kontinentalmächte) unterlegen. Dies ist sogar maßgeblich der Infusion des Marxismus vom Westen her in den Osten zu verdanken, der Osten hatte den ja nicht erfunden, vielmehr hat Marx von der British Library aus agiert, wurde Trotzki bei den Banken in Manhatten mit dem Geld für die Revolution versorgt, hat Ludendorff den Zug verplombt usw. Jedenfalls hat diese Karte nichts mit "Sozialismus" zu tun: https://sezession.de/wp-content/uploads/2014/09/russland-will-krieg-us-basen-qpress.jpg

Den anklingenden versöhnlichen Ton in Ihren Worten schätze ich. In den grundlegenden Fragen sind wir uns auch einig, sehr einig.

Gruß!

- G. G.

Lotta Vorbeck
08. September 2017 17:21

@Gustav Grambauer - 06. September 2017 - 02:27 PM
@Gustav Grambauer - 08. September 2017 - 12:25 PM

Lieber Gustav Grambauer,

wie immer folge ich Ihren Beiträgen mit größtem Interesse.
Es ist nun an der Zeit, dies mal explizit auszusprechen: Chapeau, Sie sind ein wandelndes Geschichtslexikon!

Lotta Vorbeck
09. September 2017 02:30

@Der Feinsinnige - 06. September 2017 - 08:39 PM

"... Der Mauerbau, das Grenzregime der DDR und alles Ekelhafte, was damit zusammenhing, mag aus Sicht der DDR-Oberen noch so rational gewesen sein – es war trotzdem höchst unmoralisch und menschenrechtswidrig. ..."

Die folgende Sentenz nehmen Sie bitte nicht persönlich: "Wer von Menschenrechten redet ..." - heißt es - "... will betrügen". Und rein rhetorisch gefragt: Als was definiert sich eigentlich Moral?

Mo·ra̱l, Substantiv [die]
1. aus kultureller und religiöser Erfahrung gebildetes Regel-, Normen- und Wertesystem, das in einer Gesellschaft als Verhaltensmaßstab betrachtet wird. Synonyme: Ethik, veralt. Sittlichkeit
2. das sittliche Empfinden eines Einzelnen, einer Gruppe.

" ... Nicht umsonst wird doch von den Etablierten in Politik und Medien die Forderung nach einer „Festung Europa“, nach einer tatsächlichen wörtlich zu nehmenden Grenzschließung, gerade unter Hinweis auf die Mauer der DDR diffamiert. Diese Gleichsetzung ist auch ein geschichtspolitisches Narrativ, das dazu beitragen soll, daß unser Volk die Masseneinwanderung widerstandslos hinnimmt. Daher versuche ich deutlich zu machen, daß beide Sachverhalte tatsächlich und auch moralisch völlig verschieden zu bewerten sind. Meines Erachtens kann man, fordert man eine Schließung der deutschen oder europäischen Außengrenzen, eine Gleichsetzung einer solchen Grenzschließung mit der DDR-Mauer (und als solche Gleichsetzung lege ich den Gedanken, Orbán rehabilitiere Ulbricht, aus) doch nur entschieden zurückweisen, will man die Diskreditierung der eigenen Position durch die Etablierten nicht klaglos hinnehmen oder sogar selbst daran mitwirken."

To put it in a nutshell: Die Position der Etablierten ist mir genauso "wuascht", wie deren Moral inclusive der diese abgrundtief verlogene (Doppel-)Moral begleitenden, 24/7 auf allen zur Verfügung stehenden Medienkanalen fortwährend wiedergekäuten Narrative.

Franz Bettinger
09. September 2017 19:15

@ Feinsinniger - ad Teilung Deutschlands
Natürlich weiß ich nicht, wie frei in ihrer Entscheidung Adenauer und Kohl waren. Der eine hat's verbockt, der andere geflickt. Zumindest oberflächlich betrachtet liegt doch Folgendes nahe: Adenauer hätte auf Stalins Neutralitäts-Angebot (kein NATO-Beitritt) eingehen können. Dann wäre Mittel- mit West-Deutschland wiedervereint worden, wie das zwei-geteilte Österreich und das vier-geteilte Wien wieder vereint wurden, WEIL Austria neutral blieb. Das Schicksal Österreichs scheint zu beweisen, dass Stalin es ernst meinte und dass das Gegenargument, dem sei nicht so gewesen, falsch ist.

Der Feinsinnige
10. September 2017 01:26

Gustav Grambauer und Lotta Vorbeck: Ein Halbsatz (Orbán/Ulbricht) - und eine solche Diskussion – ich denke, daß es wichtig ist, auch solche Themen, die an die so verschiedenen, geschichtlich bedingten Grundeinstellungen der Deutschen rühren, kontrovers zu diskutieren – und wo könnte man das besser, als unter dem Dach der Sezession! Jedenfalls möchte ich mich, bevor die Diskussion geschlossen wird, bedanken bei Ihnen beiden, auch für die weiteren Links von Gustav Grambauer, denen ich noch nachgehen werde, auch wenn ich hier nicht mehr darauf antworten kann – und bei dem Autor des Artikels bzw. den Mitarbeitern der Sezession, die diesen Strang so lange offengelassen haben. Leider war ich die letzten beiden Tage zeitlich sehr eingeschränkt, hätte gerne nochmals ausführlicher geantwortet, aber vielleicht ergibt sich ja an anderer Stelle eine Gelegenheit zu weiterem Austausch. Eine Schlußbemerkung meinerseits angesichts des letzten Beitrages von Lotta Vorbeck: Ich habe bereits verschiedentlich in diesem Block versucht, deutlich zu machen, daß ich versuche, auch die Wirkung eigener Argumentation zu bedenken. Ich stimme Ihnen zu: Auch mir ist es inzwischen herzlich egal, was Etablierte denken und sagen. Aber insoweit sind wir wohl doch noch in der Minderheit. Es stellt sich meines Erachtens immer wieder die Frage, wie man die vielen potentiell gutwilligen Menschen überzeugt, die in den etablierten Denkstrukturen, in dem, was ihnen jeden Tag in den etablierten Medien vorgekaut wird, befangen sind. Dies ist meines Erachtens zumindest ein Aspekt, der bedacht, wenn auch nicht absolut gesetzt werden sollte. Wenn ich einen Begriff wie „Menschenrechte“ verwende, dann in dem Anspruch, nicht etwa eine Situation herbeireden zu wollen, in der sich (wieder) etwas herausbildet, das ich persönlich als Unrechtsherrschaft definieren würde. Der Begriff der „Menschenrechte“ ist in meinen Augen etwas Selbstverständliches; er wird jedoch teilweise einseitig und verengt als Kampfbegriff eingesetzt. Sicher war er das auch schon damals bezüglich der Mauer der DDR, also in dem Sinn, wie ich ihn (mit Überzeugung) verwendet habe. Aber: Menschenrechte stehen in meinem Verständnis einer Grenzschließung zur Abwehr von Einwanderung nicht im Wege: Es gibt kein allgemeines „Menschenrecht“, daß es allen (oder nur irgendeinem) Bedrängten dieser Erde erlauben würde, nach Deutschland oder Europa einwandern und hier leben zu dürfen. Im Ergebnis sind wir, was die Gegenwart und Zukunft betrifft, sicher nicht weit auseinander. Und auch das ist ein Verdienst der Sezession, die Möglichkeit geschaffen zu haben, die verschiedenen Ansätze unseres Denkens und (zumindest von Teilen) unserer Grundeinstellungen auf ein gemeinsames Ziel hin zusammenzuführen.

Lotta Vorbeck
10. September 2017 11:30

@Franz Bettinger - 09. September 2017 - 07:15 PM

Hastings Lionel Baron Ismay, der erste Generalsekretär der NATO definierte den Zweck des Nordatlantikpaktes als „to keep the Russians out, the Americans in, and the Germans down“, ergo „die Russen draußen, die US-Amerikaner drinnen und die Deutschen unten zu halten“.

Daran hat sich bis heute nichts geändert, im Gegenteil, die NATO schob sich unter Mißachtung einst gemachter Zusagen seit Anfang der 1990er Jahre Zug um Zug weiter an die Grenzen Rußlands heran.

"Natürlich weiß ich nicht, wie frei in ihrer Entscheidung Adenauer und Kohl waren. Der eine hat's verbockt, der andere geflickt." - Suggestivfrage: Wie frei in ihren Entscheidungen sind die obersten Repräsentanten eines (offiziell) von ausländischen Mächten besetzten Landes?

Darüberhinaus scheint es, den gesamten Verlauf der Geschichte betrachtet wohl so zu sein, daß die Russen sich im Großen und Ganzen vertragsgemäß verhalten, während die Westmächte geschlossene Verträge immer nur so lange als gültig ansehen, wie sie ihnen selbst nützlich erscheinen.

Lotta Vorbeck
10. September 2017 12:32

@Der Feinsinnige - 10. September 2017 - 01:26 AM

Als Ergänzung sei noch nachgereicht: Wolfgang Herles schrieb am gestrigen Sonnabend auf Tichys Einblick: "Masse Mensch. Von der inflationären Verwendung des Menschen-Worts."

Ansonsten, abermals DANKE für Ihre Rückmeldung.

Sie deuten es bereits an: Was "im richtigen Leben" nie funktioniert, auch dann nicht, wenn man einander im Ausland, sozusagen auf neutralem Boden trifft, nämlich die konstruktive Diskussion zwischen Leuten, welche diesseits und jenseits "der Mauer" sozialisiert worden sind, klappt bei Wochenendtagungen in Schnellroda bestens, ebenso wie hier auf elektronischem Wege, vermittelt durch SiN.

Der Feinsinnige
10. September 2017 21:45

@ Lotta Vorbeck

Wolfgang Herles hat recht! Danke für den Link. Es ist immer gut, auf solche Sachverhalte gestoßen zu werden – ich werde in Zukunft sicher vorsichtiger mit dem Begriff umgehen.

@ Gustav Grambauer

Mir geht ein Absatz nicht aus dem Kopf, den Sie formuliert haben: „Wer in Zeitz Abitur gemacht hat, ist schon auf dem Sprung, um sich von irgendwo - ohne Hindernis einer Mauer - aus der angelsächsischen Welt oder auch nur aus einer deutschen (?) http://www.fr.de/frankfurt/frankfurt-haelfte-der-frankfurter-hat-migrationshintergrund-a-1302935 "Capital Cluster Region" wie Frankfurt absaugen zu lassen. (Wie gesagt, subjektiv und mit aller Rührseligkeit wird es immer so dargestellt, als sei er aus eigenem Entschluß weggegangen.) Was ich ja auf individueller Ebene verstehen kann und jedem gönne - aber wollen Sie mir sagen, daß die Mauer kein strukturpolitisches Bollwerk gegen diese Farce war?“

Wie ich weiter oben schon schrieb, gebe ich zu, daß die Mauer durchaus rational begründet werden konnte, auch wenn sie mir dadurch nicht sympathischer wird. Und: Ich stimme Ihnen zu, daß die Frage der Freiwilligkeit der Abwanderung damals wie heute eine schwierige ist. Sicher ist es grundsätzlich besser, herkunftsnah eine Zukunft zu sehen und zu finden. Und ganz sicher ist Auswanderung auch ein strukturpolitisches Problem. Aber mir ging auf einer längeren Autofahrt gestern etwas ganz anderes durch den Kopf, was die von mir eingenommene Position (Ablehnung einer Gleichsetzen von DDR-Mauer und einer Schließung der deutschen bzw. europäischen Grenzen) zumindest ein kleines bißchen relativieren könnte: Würden alle Staaten eine so strikte Einwanderungskontrolle bzw. -verhinderung betreiben, wie ich sie mir für uns wünsche und wie sie z.B. Australien praktiziert („no Way“), so ergäbe sich zwangsläufig eine Situation, in der die von mir propagierte Möglichkeit der Auswanderung immer eingeschränkter und, schotten sich tatsächlich alle Länder entsprechend ab, irgendwann rein praktisch so gut wie gar nicht mehr bestünde, nicht, weil das eigene Land eine Ausreise verhinderte, sondern weil die anderen Länder die Einwanderung verweigerten. Eine freie Auswanderung und eine komplette Abschottung gegen Einwanderung scheinen sich also tatsächlich – zu Ende gedacht – in gewisser Weise zu widersprechen. Dies ist aus meiner Sicht ein logisches Problem, über das ich derzeit noch nachdenke und zu keiner wirklichen Lösung komme. Rehabilitiert dies Ulbricht, wenigstens ein bißchen? Emotional sage ich: Nein, und zwar schon deswegen nicht, weil ich die Sache schon immer mit nationalem Empfinden betrachtet habe: Die Mauer verlief mitten durch Deutschland. Dieselbe Grenze zwischen verschiedenen Ländern hätte mich vermutlich nicht halb so gestört. Trotzdem: Die Problematik ist kompliziert. Jedenfalls hoffe ich, daß eine zukünftige Grenze, die ihren Namen verdient, anders aussehen möge als die von Ulbricht gebaute, eher so wie die von Orbán errichtete kombiniert mit der australischen Seegrenze.

Der Feinsinnige
10. September 2017 22:52

@ Gustav Grambauer:

Die Stalin-Note – ein Thema, das mir bis heute Kopfzerbrechen macht. Seit Jugendzeiten habe ich immer wieder einmal mit Adenauers Entscheidung gehadert – und mir sodann gesagt, was, wenn das schiefgegangen wäre – wenn sich Stalin dann doch das ganze Deutschland geholt hätte. Das Österreich-Argument ist bestechend. Aber wäre ein paralleles Verhalten Stalins gegenüber Deutschland zwangsläufig gewesen? Ich weiß nicht, wie ich als Zeitzeige der Stalin-Note gedacht hätte - vielleicht wäre ich für die Annahme gewesen.  Die Zeit selbst habe ich nicht erlebt, aber ich kann Adenauer und Co. insoweit verstehen: Stalin zu vertrauen war zumindest sehr schwierig. Trotzdem:  Die Frage „Was wäre gewesen, wenn...“ ist (nicht nur bezüglich der Stalin-Note) eine der interessantesten der gesamten Geschichtsschreibung.

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