27. November 2017

Simultan-Schach in Schnellroda und ein Archiv-Aufruf

von Götz Kubitschek / 10 Kommentare

Ich habe noch nie gegen einen Großmeister Schach gespielt. Am 10. Dezember werde ich antreten, und hoffentlich 24 weitere Spieler auch, und zwar im Café Schnellroda.

Der Schach-Großmeister Frank Holzke schrieb mich an, als er vom massiven Angriff auf das Hausprojekt in Halle hörte. Er möchte die Bürgerinitiative "Ein Prozent" unterstützen und bot an, simultan gegen bis zu dreißig Spieler anzutreten, also: von Brett zu Brett zu gehen und einen Zug zu machen, während ihm an jedem Brett ein Gegner gegenübersitzt, der solange Zeit für seinen nächsten Zug hat, bis Frank Holzke an den anderen Brettern nachgedacht und gezogen hat.

Jeder Spieler soll dabei ein Antrittsgeld bezahlen. Die gesammelten Einnahmen werden dann an "Ein Prozent" weitergereicht – eine wunderbare Dezember-Solidaritätsidee, die wir gleich mit dem letzten Café Schnellroda verknüpfen. Aus Platzgründen können nur 25 Spieler antreten, aber auch das sollte reichen!

Für Kenner der Materie: Frank Holzke trägt den Titel "Großmeister" seit 2008 und spielt derzeit mit einer Elo-Zahl von 2476. Er war Deutscher Meister (U17) und Deutscher Mannschaftsmeister – seine FIDE-Karteikarte ist hier hinterlegt. Wer sich vorbereiten möchte, findet dort auch einen Link zu etlichen seiner Partien.

Wir machen das so:

  • Wer am Sonntag, den 10. Dezember, gegen Frank Holzke antreten möchte, meldet sich unter anmeldung(at)schnellroda.de und bringt am Sonntag, den 10. Dezember ein Schachbrett, Figuren und ein Antrittsgeld von 25 € mit.
  • Aufbau ist ab 11.30 Uhr, Spielbeginn gegen 12 Uhr. Pünktlichkeit ist Pflicht! Gespielt werden kann erst, wenn alle Bretter stehen.
  • Wer nicht antreten, aber eines der 25 Bretter fördern möchte, überweist einen beliebigen Betrag auf das Konto von "Ein Prozent" (Betreff: "Schachmatt!") oder bringt einen Betrag mit zum Café (Schach-Schlachtenbummler sind zugelassen und herzlich eingeladen). Wir legen die eingehenden Spenden dann auf die Bretter um - jede Partie wird dadurch umso wertvoller.  Bankverbindung "Ein Prozent": hier entlang.
  • Vermutlich sind wir gegen 15.30 Uhr fertig(gemacht). Sollte wider Erwarten ein Spieler gegen Frank Holzke gewinnen, wird er mit einem Jahresabonnement der Sezession versorgt.
  • Wir können dann noch bis gegen 18 Uhr über die Winkel- und Schachzüge der großen Politik und über die Neuerscheinungen unseres Verlags und anderer Häuser sprechen.

So, nun hoffe ich auf 25 Spieler, auf ein paar hartnäckige Gegner, mindestens 100 € Brettgeld pro Tisch und ein schönes, adventliches Café Schnellroda.

Zuletzt: kleines Weihnachtsgebäck für den gemeinsamen Verzehr ist willkommen, Kaffee und Tee und Wein und Schnaps stellen wir.

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Ein Zweites: Archiv "Antaios"

Es gibt unter unseren Lesern einen, der weit mehr als nur ein Leser ist – er ist ein akribischer Sammler alles dessen, was unser Verlag und unsere Zeitschrift an Spuren hinterlassen, vom Buch über Prospekte und Plakate bis hin zu dem, was andere über uns schreiben (in Zeitungen, Zeitschriften, Büchern), und das geht ja weit über klassische Rezensionen oder Lobpreisungen hinaus.

Wenn wir als Verleger ein "erweitertes Verlegertum" pflegen, indem wir resonanzraumsprengend agieren, dann pflegt dieser Leser eine "erweiterte Rezeption": Er bittet um Mithilfe dabei, ein möglichst lückenloses Archiv über unsere Verlagsarbeit seit Gründung zusammentragen zu können.

Wir selbst sind schlechte Archivare, haben also beispielsweise selbst die Berichterstattung rund um die (von uns nachgerade dominierte) Frankfurter Buchmesse weder gesammelt noch geordnet oder gar dokumentiert.

Unsere Bitte:

  • Senden Sie uns Zeitungsausschnitte im Original aus den vergangenen 17 Jahren zu, sofern Sie sie entbehren können, auch aus den kleinsten Regionalblättern bitte, und gerade aus den vergangenen fünf Jahren natürlich, während derer wir unsere Biedermeierexistenz aufgeben mußten und zu einem metapolitischen Faktor wurden.
  • Senden Sie uns bitte auch Verlagsanschreiben, altes Prospektmaterial, Postkarten, Einladungen undsoweiter – wir haben ja vieles gestaltet und auf die Beine gestellt, aber nie die Zeit gefunden, davon etwas zu archivieren.
  • Adresse: Verlag Antaios, Rittergut Schnellroda, 06268 Steigra.

Ich danke, auch im Namen des Lesers, im voraus. Vielleicht wird er eines Tages ene Ausstellung über einen besonderen Verlag arrangieren – jedenfalls schwebt ihm so etwas oder etwas ähnliches vor.

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (10)

Ein gebürtiger Hesse
27. November 2017 14:21

Sehr hübsch, daß der Schachgroßmeister in Schnellroda auftritt. Laut Internet ist der Mann im sonstigen Leben Richter - da könnte er ja gegen Schachtschneider spielen (manche Kalauer wollen einfach raus). Jedenfalls ist das ein feines Signal an noch weitere "externe" Sympathisanten, die den Café- oder auch Akademie-Besuchern ihr besonderes Können zur Verfügung stellen.

Schade, daß ich kein Schach spiele. Aber vielleicht findet demnächst ja ein rechtes Pokerturnier statt - dann ziehe ich euch ab.

Hartwig aus LG8
27. November 2017 15:46

Ich spiele ganz und gar lausig Schach und habe noch nicht einmal ein eigenes Schachbrett. 25 Euro als Spende an einprozent gibt's aber trotzdem. Geht morgen raus.

Der Gehenkte
27. November 2017 16:00

Zwei großartige Ideen!

Als Aficionado des Schachspiels tut es mir in der Seele weh, dieses Ereignis wegen zu großer Entfernung missen zu müssen. Aber Schach - das schließlich eine ganze Philosophie hervorgebracht hat - und konservatives Denken sollten ohnehin zusammengehören und sich intensiver begegnen! Schach steht aufgrund seines kontemplativen Wesenskerns und seiner Ressourcenschonung rechts, das ist keine Frage. Auch das von Lasker herausgearbeitete Moment des Kampfes und des Macheeiden geht in diese Richtung.

Das wird zwar durch das Fern-Schach teilweise transzendiert, im Computerzeitalter ohnehin, aber auch das wäre evtl. eine Möglichkeit der Kontaktaufnahme und Vernetzung: ein Fernschachturnier unter Sezessionisten.

"Das Volk ist keine Vielheit. In den Jahrhunderten ist es zu einer Einheit zusammengewachsen. Es ist ein Baum, an dem wir Einzelnen die Blätter und Blüten, noch weniger, die Zellen sind.

Das Volk hat eine Seele. Und sie ist sehr, sehr weise.

Wir Einzelnen dünken uns klug, aber diese armselige Klugheit ist einseitig. Das Volk, mag sein, hat nicht diese Art der Klugheit, die zuletzt nichts anderes ist als eine sehr besondere, sehr eingeschränkte Art von schnell erworbener Geschicklichkeit: Geschicklichkeit der Dressur. Das Volk dagegen hat Weisheit, die in Jahrtausenden organisch gewachsen ist.

Ich hege Ehrfurcht vor jedem Volk.

Darum schreibe ich ehrfürchtig für das Volk."

(Emanuel Lasker: Philosophie des Unvollendbar, 1919)

RMH
27. November 2017 16:22

"Aber vielleicht findet demnächst ja ein rechtes Pokerturnier statt."

Keine schlechte Idee - quasi charity for the right. Das Problem bei den meisten Fundraising- und Charity-Aktionen ist oftmals, dass man damit zumeist recht gut das Geld aus den eigenen, ohnehin schon grundsätzlich solidarischen Reihen ziehen kann, aber eigentliches Ziel derartiger Projekte ist ja immer auch, Geld von bislang Unbeteiligten generieren zu können und diese für "die Sache" ein Stück weit zu gewinnen.

Jeder, der ein bisschen Erfahrungen damit, bspw. in seinem eigenen Sportverein oder in einem (bitte keinen Schreck bekommen!) Service-Club sammeln konnte, weiß, worauf ich anspiele.

Herr K.
27. November 2017 16:43

Eine exzellente Idee! Auch wenn meine Person in Sachen Schach nicht viel zu bieten hat, so muss ich unbedingt die Idee loben!!! Es ist der richtige Weg, hin zu einer positiven, aktiv gelebten rechten Identität. Das bringt soviel mehr als all die Artikel, die von der Schlechtigkeit der Gegenseite handeln. Spenden kann ich ja trotzdem...

Nemo Obligatur
27. November 2017 20:11

Als aktiver Schachspieler kann ich die Initiative von GM Holzke nur begrüßen und doppelt bedauern, dass ich leider auch am 10. Dezember nicht den Weg nach Schnellroda finden werde. Da ich nach dem Angriff auf das Haus in Halle schon gespendet habe, bleibe ich dieses Mal aber wenigstens mit gutem Gewissen fern.

Interessant auch, dass auf den Internet-Seiten des Deutschen Schachbundes ein Werbebanner der Initiative "Zug um Zug gegen den Rassismus" bzw. "Foul von Rechtsaußen - Verein(t) gegen Rechtsextremismus" zu finden ist. Ich warte auf den Slogan: "Schach ist bunt und nicht schwarz-weiß"!

In diesem Sinne: Gute Züge allen Beteiligten.

Selbstdenker
27. November 2017 20:33

Das ist doch eine sehr schöne Idee, auch wenn ich zugeben muß, das ich vom Schach nichts verstehe. Die Bedeutung der Figuren kenne ich wohl, das war es aber dann schon. Ich wünsche dennoch rege Teilnahme und viel Freude.

Wenn dann mal zum Armdrücken aufgerufen wird, stehe ich bereit:-)

Lotta Vorbeck
27. November 2017 22:47

Dem Königlichen Spiel, simultan an mehreren Brettern im Café Schnellroda zu frönen - eine wunderbare Idee! - Das hat Stil!

Früher gab's in der Sonnabendwochenendausgabe einer jeden Provinzpostille außer dem obligatorischen Wochenendkreuzworträtsel auch ein Schachrätsel. Die Auflösung desselben konnte der interessierte Leser der nächsten Wochendausgabe des Blattes entnehmen. Auch in den Vereisnzimmern der Gasthöfe wurde nicht nur Skat, sondern auch Schach gespielt. Ebenso trafen sich dort die Philatelisten des Ortes zum geselligen Gedankenaus- und Briefmarkentausch.

Fernschach spielte man transkontinental der Postkarte ...

Unter dem Stichwort "Schachmatt" wird selbstredend eine Kleinspende für's Hallesche Hausprojekt vom eigenen Haushaltsgeld abgezwackt.

@Götz Kubitschek
"Jeder Spieler soll dabei ein Antrittsgeld bezahlen. Die gesammelten Einnahmen werden dann an "Ein Prozent" weitergereicht – eine wunderbare Dezember-Solidaritätsidee, die wir gleich mit dem letzten Café Schnellroda verknüpfen."

Letztes Café Schnellroda? - Wäre wirklich schade.

Oder letztes Café Schnellroda für das sich seinem Ende zuneigende, für das Projekt Schnellroda überaus erfolgreiche Jahr 2017?

H. M. Richter
28. November 2017 07:19

Als ich obige Einladung mit wachsendem Staunen und immer größer werdender Freude las, fiel mir ein, daß es mir als Schüler einmal gelungen war, bei einem Simultanturnier einem anderen deutschen Großmeister ein Remis abzutrotzen. Zuvor - es war auf einem Pressefest - war ich noch daran gescheitert, in einem Wasserbecken einen Karpfen mit bloßen Händen zu fangen.

Wegen einer Terminüberschneidung wird es mir nicht möglich sein teilzunehmen, den Sinn und Zweck der Veranstaltung allerdings schon.

Da diese an einem Advents-Sonntag stattfinden wird, kommt ihr zudem eine symbolische Bedeutung zu. Großmeister Frank Holzke entzündet mit ihr ein Licht, das nicht nur hinüber zu den jungen Leuten nach Halle scheint, sondern weit hinaus ins Land.

War es einst christliche Tradition, in dunkler Jahreszeit eine Kerze ins Fenster zu stellen, um Besuch zu signalisieren, daß er willkommen sei, so entzündet Frank Holzke mit seiner Einladung ein Licht, daß nicht nur hinüber zu den jungen Leuten nach Halle scheint, sondern weit hinaus ins Land.

Großmeister Holzke hat sich längst in die Geschichte des deutschen Schachsports eingeschrieben.

Jetzt schreibt er sich in eine andere Geschichte ein und ihm ist nicht genug dafür zu danken !

P.S.: Sollte übrigens das schier Unvorstellbare geschehen - immerhin ist in Schnellroda so einiges möglich ... - und einer der Teilnehmer den Großmeister gar besiegen können, dann dürfte er sich mit Recht Kasparow-Bezwinger-Bezwinger nennen. Nach Lage der Dinge ist jedoch davon abzuraten, entsprechende T-Shirts bereits vor der Veranstaltung in Auftrag zu geben ...

Monika L.
28. November 2017 08:59

Schachspieler, kommst du nach Schnellroda, verkündige dorten, du habest den Schachgroßmeister Ludêk Pachmann gekannt....

Insbesondere sei erinnert an die " Konservative Aktion" und an die "Aktion Heimkehr":https://de.m.wikipedia.org/wiki/Konservative_Aktion

Geschacht ( Heinz Ehrhardt) habe ich schon lange nicht mehr. Und wenn, dann mit Kleinstmeistern. Aber ich erinnere mich an einen Simultan-Schachspieler in den 70er Jahren an der Frankfurter Hauptwache. Er trug Zylinder. Bald folgten die Hütchen-Spieler. Dann die Drogenhändler. Tempus fugit....

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