Parteienstaat und Demokratie- Relativierung

Als »Par­tei­en­staat« kann in Anleh­nung an die maß­geb­li­che Unter­su­chung von Robert Michels die Situa­ti­on gekenn­zeich­net wer­den, in der sich die poli­ti­schen Par­tei­en, ursprüng­lich gedacht als Instru­ment der Mit­glie­der und Wäh­ler zur prak­ti­schen Umset­zung der Demo­kra­tie, in Herr­schafts­in­stru­men­te über das Volk ver­wan­delt haben. Die  Par­tei­or­ga­ni­sa­ti­on wird dabei zur Sicher­stel­lung der Macht eta­blier­ter Kräf­te weit­ge­hend Selbstzweck.

Als Herr­schafts­in­stru­ment las­sen sich Par­tei­en durch Ver­rin­ge­rung des Par­tei­en­wett­be­werbs eta­blie­ren. Dies muß nicht gleich auf das End­sta­di­um des Regimes einer Staats­par­tei hin­aus­lau­fen, aber es gibt Zwi­schen­schrit­te wie ein Block­par­tei­sys­tem (DDR-Demo­kra­tie) und vor allem ein Kar­tell­par­tei­en­sys­tem (BRD-Demo­kra­tie). Letz­te­res wird durch Par­tei­en­gesetz­ge­bung wie Erschwer­nis der Par­tei­grün­dung und Rege­lun­gen zur Par­tei­en­fi­nan­zie­rung, Sperr­klau­seln im auf Par­tei­en aus­ge­rich­te­ten Wahl­recht zum Par­la­ment und vor allem durch die Beschrän­kung der Ver­ei­ni­gungs­frei­heit durch Par­tei­ver­bots­vor­schrif­ten her­bei­ge­führt. Dar­auf läßt sich wie­der­um ein umfas­sen­des Dis­kri­mi­nie­rungs­sys­tem zuguns­ten der Staats­si­cher­heit auf­bau­en, wel­che in der Bun­des­re­pu­blik die irre­füh­ren­de Bezeich­nung »Ver­fas­sungs­schutz« führt. Vor allem müs­sen staat­li­che Finanz­mit­tel an die Füh­rung eta­blier­ter Par­tei­en flie­ßen, was die Par­tei­en von der Gesell­schaft und die Par­tei­füh­rung von der Basis un- abhän­gig macht.

Ein der­ar­ti­ger Par­tei­en­staat zei­tigt dann Par­la­men­te, die erheb­li­che Zwei­fel an ihrem reprä­sen­ta­ti­ven Cha­rak­ter auf­wer­fen. So gibt es immer wie­der Stu­di­en, die etwa besa­gen: »Neun Pro­zent der deut­schen Bevöl­ke­rung haben ein geschlos­se­nes rechts­extre­mes Welt­bild, 20 Pro­zent sind anti­se­mi­tisch, 25 Pro­zent aus­län­der­feind­lich, 36 Pro­zent islam­feind­lich eingestellt.«

Da aber in die­sen Stu­di­en nicht behaup­tet wird, die Abge­ord­ne­ten des Deut­schen Bun­des­tags wären etwa zu 36 Pro­zent islam­feind­lich, wird damit auch des­sen reprä­sen­ta­ti­ver Cha­rak­ter ver­neint. Und dies bei einem Wahl­recht, das gera­de damit begrün­det wird, daß sich mit die­sem Wahl­sys­tem im Par­la­ment weit­ge­hend die Mei­nun­gen der Wäh­ler spiegelten!

Die­se Art eines Par­tei­en­staats ist in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land für eine sich als west­li­che Demo­kra­tie ver­ste­hen­de Staats­ord­nung in einer außer­ge­wöhn­li­chen Wei­se eta­bliert, nicht zuletzt wegen einer alli­ier­ten Par­tei­en­li­zen­zie­rung, wel­che bestimm­te Par­tei­en der Staats­neu­bil­dung vor­aus­ge­hen ließ: Nach Art. 21 (1) des Grund­ge­set­zes wir­ken näm­lich Par­tei­en bei der Wil­lens­bil­dung des Vol­kes mit, ste­hen ihm also gegen­über, wäh­rend in einer Demo­kra­tie eigent­lich das Volk über Par­tei­en bei der Bestim­mung der natio­na­len Poli­tik mit­wirkt, so in Art. 49 der Ver­fas­sung Ita­li­ens: »Alle Bür­ger haben das Recht, sich frei zu Par­tei­en zusam­men­zu­schlie­ßen, um in demo­kra­ti­scher Wei­se bei der Bestim­mung der natio­na­len Poli­tik mitzuwirken.«

Gemes­sen an einer rea­lis­ti­schen Bewer­tung des Stel­len­werts poli­ti­scher Par­tei­en in einer »west­li­chen Demo­kra­tie« muß man in der Tat eine »im Unter­schied zu allen ver­gleich­ba­ren west­li­chen Län­dern so ein­zig­ar­ti­ge Macht­stel­lung der Par­tei­en« kon­sta­tie­ren, wobei »es zu den […] Sta­tus­er­klä­run­gen des Gesetz­ge­bers und des Karls­ru­her Gerichts kein Vor­bild und kei­ne Par­al­le­le« (Wil­helm Hen­nis) gibt. Sie wer­den zu einer Art von Staats­or­ga­nen auf­ge­wer­tet, wozu ihnen groß­zü­gi­ge Steu­er­gel­der bewil­ligt wer­den. Als 1959 mit Hil­fe eines Obiter dic­tum (einer juris­ti­schen Neben­be­mer­kung), des Ver­fas­sungs­ge­richts die Bun­des­re­pu­blik als ers­tes euro­päi­sches Land die staat­li­che Par­tei­en­fi­nan­zie­rung ein­führ­te, wäre dies bei­na­he eine Welt­ur­auf­füh­rung gewe­sen, wären dem nicht beson­ders eini­ge süd­ame­ri­ka­ni­sche Staa­ten zuvorgekommen.

Mit schö­ner Offen­heit spricht das gemein­sa­me Organ der drei eta­blier­ten Bun­des­tags­par­tei­en, Das Par­la­ment (13. Sep­tem­ber 1985), davon, daß »das gesam­te Finanz­auf­kom­men der deut­schen Par­tei­en inter­na­tio­nal gese­hen recht ein­sam an der Spit­ze liegt.« Dabei ist es nahe­zu unmög­lich, den Gesamt­um­fang der staat­li­chen Par­tei­en­fi­nan­zie­rung zuver­läs­sig zu ermit­teln, zumal sich die Recht­spre­chung vor allem mit dem Pro­blem der eigent­li­chen, d. h. direk­ten Par­tei­en­fi­nan­zie­rung befaßt hat, wäh­rend gera­de die Ein­nah­men, die vor allem einen wett­be­werbs­ver­zer­ren­den Effekt haben, wie die zuneh­men­de Frak­ti­ons­fi­nan­zie­rung oder die amt­li­che Tätig­keit von öffent­lich Bediens­te­ten für die Wahl­kamp­fin­ter­es­sen der mit Re- gie­rungs­amt ver­se­he­nen Par­tei­po­li­ti­ker, dabei noch gar nicht erfaßt sind. Schät­zungs­wei­se bis zu zwei Drit­tel der Par­tei­fi­nan­zen dürf­ten unter Ein- schluß der geld­wer­ten Vor­tei­le aus öffent­li­chen Kas­sen stammen.

Mit der von dem lang­jäh­rig amtie­ren­den Bun­des­ver­fas­sungs­rich­ter Ger­hard Leib­holz ver­kün­de­ten Par­tei­en­staats­dok­trin erfolgt eine Inkor­po­ra­ti­on der Par­tei­en in den Staats­ap­pa­rat. Dadurch wer­den Par­tei­en als an sich frei­en Ver­bän­den weit­ge­hen­de Pflich­ten auf­er­legt, ins­be­son­de­re die Ver­pflich­tung auf ein gemein­sa­mes Grund­satz­pro­gramm, »frei­heit­li­che demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung« bezeich­net. Die­se ist Bezugs­grö­ße für eine welt­an­schau­lich begrün­de­te Aus­schal­tung von Kon­kur­renz­par­tei­en, wel­che die eta­blier­ten Par­tei­en durch Ver­fü­gung über die Mono­po­li­sie­rung des Antrags­ver­fah­rens bei den von ihnen beherrsch­ten Staats­or­ga­nen her­bei­füh­ren können.

Damit wird eine Demo­kra­tie­kon­zep­ti­on unter­mau­ert, die davon aus­geht, daß »das Grund­ge­setz ganz bewußt einen neu­en Typ der demo­kra­ti­schen Staats­form geschaf­fen [hat], für die wir noch die rich­ti­ge Voka­bel suchen.« Das beson­de­re die­ses Demo­kra­tie­ty­pus, zu des­sen Beschrei­bung irgend­wie die Wor­te feh­len, besteht in der für die Staats­si­cher­heit rele­van­ten Ana­ly­se, daß »der Grund­rechts­terror auch von den Bür­gern als Grund­rechts­in­ha­bern her droht, also von uns« (Kom­men­tie­rung von Art. 18 GG, »Ver­wir­kung von Grund­rech­ten«, durch Dürig u. Klein; Her­vor­he­bung im Original).

Damit dürf­te wohl gemeint sein, daß ein reprä­sen­ta­ti­ves Par­la­ment par­tei­en­staat­lich gera­de ver­hin­dert wer­den soll. Die­se maß­geb­li­che bun­des­deut­sche Dok­trin wen­det sich bewußt gegen die im frei­en Wes­ten all­ge­mein aner­kann­te Demo­kra­tie­theo­rie, wie sie etwa von Schum­pe­ter for­mu­liert wor­den ist, wonach Demo­kra­tie der frei aus­ge­tra­ge­ne Wett­be­werb der Par­tei­en um die Regie­rungs­mehr­heit bei glei­chem, peri­odisch aus­zu­üben­dem Wahl­recht darstellt.

Ein wesent­li­ches Instru­ment der Beschrän­kung des Par­tei­en­wett­be­werbs und damit der Eta­blie­rung von Par­tei­en als Herr­schafts­in­stru­ment über die Wäh­ler stellt eine Par­tei­ver­bots­kon­zep­ti­on dar, deren Beson­der­heit ist, daß letzt­lich die ver­ba­le Ver­let­zung von »Wer­ten« als Ver­bots­grund aus­reicht, wäh­rend poli­tisch moti­vier­te Ille­ga­li­tät die Ver­bots­vor­aus­set­zung doch eigent­lich nur dar­stel­len soll­te, wie dies etwa in § 78   der däni­schen Ver­fas­sung for­mu­liert ist: »Ver­ei­ne, die sich unter Anwen­dung von Gewalt betä­ti­gen oder ihre Zie­le durch Gewalt­an­wen­dung, Anstif­tung zu Gewalt­an­wen­dung oder ähn­li­che straf­ba­re Beein­flus­sung Anders­den­ken­der zu errei­chen suchen, wer­den durch Gerichts­ur­teil aufgelöst.«

Dage­gen gilt in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land eine Pra­xis, die sich mit Hil­fe der öffent­lich in Erschei­nung tre­ten­den Inlands­ge­heim­diens­te als per­ma­nen­ter ideo­lo­gi­scher Not­stand beschrei­ben läßt. Er ist dar­auf gerich­tet, die harm­los erschei­nen­de Sperr­klau­sel des Wahl­rechts für neue Par­tei­en ins Unüber­wind­li­che zu erhö­hen. Das Schutz­gut des Par­tei­ver­bots, näm­lich die »frei­heit­li­che demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung«, wird dabei zu einem Über­par­tei­pro­gramm, das wie­der­um die eta­blier­ten Par­tei­en des »Ver­fas­sungs­bo­gens« zu einer vir­tu­el­len Ein­heits­par­tei macht.

Kon­zep­tio­nell tut sich hier eine Ten­denz in Rich­tung Ein­par­tei­en­herr­schaft auf, so daß nicht ver­wun­dern soll­te, daß der Haupt­be­grün­der des Par­tei­en­staats­kon­zepts, näm­lich Ger­hard Leib­holz, den ita­lie­ni­schen Faschis­mus zur Zeit der Wei­ma­rer Repu­blik durch­aus posi­tiv wür­di­gen konn­te. Die­se Par­tei­en­staats­dok­trin stellt sich dabei als gegen den Par­la­men­ta­ris­mus gerich­tet dar, da die­se Leh­re den unab­hän­gi­gen Abge­ord­ne­ten als Kern des Par­la­ments abschaf­fen muß, was aber wie folgt als ver­fas­sungs­mä­ßig pos­tu­liert wird: Der Abge­ord­ne­te wis­se doch, auf was er sich in einer Par­tei­en­de­mo­kra­tie ein­ge­las­sen habe, so daß er sich damit frei­wil­lig dem Frak­ti­ons­zwang aus­ge­setzt habe und des­halb doch die ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­te Unab­hän­gig­keit des Abge­ord­ne­ten gege­ben wäre.

Mit die­ser Logik könn­te natür­lich auch begrün­det wer­den, daß  die Abge­ord­ne­ten der DDR-Volks­kam­mer unter Dik­ta­tor Ulb­richt von der Sozia­lis­ti­schen Ein­heits­par­tei Deutsch­lands (SED) »frei« waren, da sie sicher­lich wuß­ten, auf was sie sich als Mit­glie­der der Volks­kam­mer in der»Volksdemokratie« ein­ge­las­sen hatten.

Die­se Par­tei­en­staats­kon­zep­ti­on macht deut­lich, daß die eta­blier­ten »Demo­kra­ten« nicht mehr wirk­lich an die Demo­kra­tie glau­ben, zumin­dest soweit sie von Abstam­mungs­deut­schen aus­ge­übt wird: »Wir müs­sen das alles so orga­ni­sie­ren, daß das Volk nicht viel zu sagen hat, im Zwei­fel wäh­len die doch alle wie­der Nazis«, so die Ein­schät­zung der wesent­li­chen Moti­va­ti­on sei­ner Kol­le­gen durch den frü­he­ren SPD-Gene­ral­se­kre­tär Peter Glotz im Focus. Die Fra­ge, wie es den bun­des­deut­schen Demo­kra­ten, die ihre »Bevöl­ke­rung« abstam­mungs­be­dingt für poten­ti­el­le »Nazis« hal­ten (zumin­dest für Leu­te, die zu einem Drit­tel islam­feind­lich sind), gelingt, nicht falsch zu wäh­len und damit sicher­zu­stel­len, daß ein erkenn­bar nicht reprä­sen­ta­ti­ves Par­la­ment vor­liegt, läßt sich mit »Par­tei­en­staat« beantworten.

Daß sich damit eine erheb­li­che Diver­genz der bun­des­deut­schen Par­tei­en­staats­kon­zep­ti­on zu den »libe­ra­len Demo­kra­tien des Wes­tens« auf­tut, hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im KPD-Ver­bots­ur­teil erkannt: »Das Sys­tem die­ser Ver­fas­sun­gen [des frei­en Wes­tens] besteht dar­in, daß den Bür­gern der freie Zusam­men­schluß zu poli­ti­schen Par­tei­en ohne Ein­schrän­kung frei­ge­stellt oder sogar – wie    in der ita­lie­ni­schen Ver­fas­sung von 1947 –  aus­drück­lich gewähr­leis­tet ist, und daß das Risi­ko einer selbst grund­sätz­lich geg­ne­ri­schen Ein­stel­lung einer Par­tei zur gel­ten­den Staats­ord­nung bewußt in Kauf genom­men wird; für äußers­te Fäl­le der Staats­ge­fähr­dung wer­den  gegen­über den ver­ant­wort­li­chen Per­so­nen die Sank­tio­nen des Straf­rechts bereitgehalten.

Dem mag die opti­mis­ti­sche Auf­fas­sung zugrun­de lie­gen, daß die bes­te Garan­tie des frei­heit­li­chen demo­kra­ti­schen Staa­tes in der Gesin­nung sei­ner Bür­ger liegt; da frei­es Wahl­recht besteht, kann und soll die Abwehr staats­feind­li­cher Par­tei­en sich in der Ver­sa­gung der Wäh­ler­stim­men aus­drü­cken; so wer­den sie in ›sys­tem­kon­for­mer‹ Wei­se von der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung des Staa­tes aus­ge­schlos­sen.« (BVerfGE 5, 85) Die­ser anthro­po­lo­gi­sche Opti­mis­mus, wel­cher etli­che west­li­che Demo­kra­tien trägt, ist bei Deut­schen anschei­nend nicht angebracht.

Die­se müs­sen im Kon­text der west­li­chen Wer­te­ge­mein­schaft nach­hal­tig dis­kri­mi­niert wer­den, wer­den doch etwa den Bri­ten und Fran­zo­sen kei­ne Par­tei­en weg­ver­bo­ten, wie das Ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem KPD-Ver­bots­ur­teil noch erkannt hat­te: »Es ist also kein Zufall, daß die libe­ra­len Demo­kra­tien des Wes­tens ein Par­tei­ver­bot ent­spre­chend  Art. 21 Abs. 2 GG nicht ken­nen, wie es auch der deut­schen Reichs­ver­fas­sung von […] 1919 fremd war.«  Statt  für die  Gleich­be­hand­lung  der  Deut­schen in der von ihnen nach­hal­tig befür­wor­te­ten »west­li­chen Wer­te­ge­mein- schaft« ein­zu­tre­ten, ver­schär­fen deut­sche »Demo­kra­ten« die Ungleich- heit bei der Par­tei­en­fi­nan­zie­rung und erlau­ben über »Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­ge­set­ze« die pri­vat­recht­li­che Dis­kri­mi­nie­rung von Abstam­mungs- deut­schen mit »rech­tem Gedankengut«.

Für die poli­ti­sche Lin­ke als die gebo­re­nen »Demo­kra­ten« tut sich mit der Fra­ge des Par­tei­en­staats und sei­nes Herr­schafts­cha­rak­ters mit­tels Finanz- und Ideo­lo­gie­kon­trol­le tat­säch­lich ein unauf­lös­li­ches Dilem­ma auf: Das von Michels fest­ge­stell­te »eher­ne Gesetz der Olig­ar­chie«, wel­ches der Par­tei­en­staats­dok­trin zugrun­de liegt, belegt die Rich­tig­keit einer rech­ten Welt­sicht: Auch Poli­tik in einer Demo­kra­tie ist das Geschäft weni­ger (gr. Oli­goi) und erfor­dert ein ent­spre­chen­des Inter­es­se sowie Befä­hi­gun­gen, die nicht gene­rell bei jedem Men­schen vor­han­den sind und daher in einem arbeits­tei­li­gen Pro­zeß zur Ent­fal­tung gebracht wer­den müssen.

Da es beim poli­ti­schen Geschäft um Macht­aus­übung in einer Mono­pol­si­tua­ti­on geht – es gibt gebiet­lich nur eine Staats­ge­walt –, hat die­ser arbeits­tei­li­ge Pro­zeß not­wen­di­ger­wei­se eine olig­ar­chi­sche Wir­kung. Inso­fern kann als Ziel der bun­des­deut­schen Par­tei­en­staats­dok­trin aus­ge­macht wer­den, sich bei still­schwei­gen­der Akzep­tanz rech­ter Prä­mis­sen zur Kon­trol­le des Wahl­volks eine ideo­lo­gisch lin­ke Vor­macht zu sichern. Die wird dann als »Demo­kra­tie« aus­ge­ge­ben, was aber bes­ten­falls als libe­ra­le Olig­ar­chie ange­spro­chen wer­den kann, zumal gemäß neue­ren Demo­kra­tie­theo­rien oh- nehin nur so etwas erreicht wer- den könne.

Die Lin­ke  muß  dabei die »bit­te­re bio­lo­gis­ti­sche Schluß­fol­ge­rung« kon­ze­die­ren: »Homo sapi­ens kann kei­ne wirk­lich ega­li­tä­re Gesell­schaft begrün­den, auch wenn die Kri­te­ri­en für die Exzel­lenz von  Gesell­schaft  zu Gesell­schaft vari­ie­ren. Da ja die gene­ti­sche Ver­an­la­gung der Indi­vi­du­en und ihr kul­tu­rel­les Erbe bunt und viel­fäl­tig sind, wer­den auch ihre sozia­len Erfol­ge stets in einem Miß­ver­hält­nis zuein­an­der ste­hen. Gleich, ob ihre Bega­bung ange­bo­ren oder in der Fami­lie erwor­ben ist – Indi­vi­du­en, die das Talent zur Akku­mu­la­ti­on und Aus­übung von Macht haben, wer­den letzt­lich auf Macht­po­si­tio­nen lan­den, unter wel­chem Regime auch immer.

Eine Gesell­schaft kann womög­lich dar­über ent­schei­den, wer ihre Pri­vi­le­gier­ten sein wer­den, aber nicht, voll­stän­dig ohne Pri­vi­le­gier­te aus­zu­kom­men. Ich hof­fe, daß die Geschich­te die­se doch ziem­lich über­zeu­gen­de The­se wider­le­gen möge.« (Ser­gio Benvenuto)

Nun: Die ein­zi­ge Mög­lich­keit, einer Olig­ar­chie ent­ge­gen­zu­tre­ten, ist der Wett­be­werb. Es müs­sen sich ohne ideo­lo­gi­sche und finan­zi­el­le Dis­kri­mi­nie­rung neue Par­tei­en bil­den kön­nen, die den eta­blier­ten Par­tei­en ihre eige­nen Demo­kra­tie­pa­ro­len vor­hal­ten (woge­gen die Dif­fa­mie­rungs­for­mel »Popu­lis­mus« steht). Für die poli­ti­sche Rech­te eröff­net die­se Erkennt­nis gera­de in der Bun­des­re­pu­blik die Mög­lich­keit, zu zei­gen, daß sie die wirk­li­chen Demo­kra­ten sind: Michels hat als Gegen­mit­tel gegen das gegen den demo­kra­ti­schen Ega­li­ta­ris­mus wir­ken­de eher­ne Gesetz der Olig­ar­chie nur die Mög­lich­keit gese­hen, die­ser bestehen­den Olig­ar­chie immer wie­der durch Par­tei­neu­grün­dun­gen ent­ge­gen­zu­wir­ken, um das Anlie­gen der Demo­kra­tie zu sichern.

Dem­entspre­chend kann es einer poli­ti­schen Rech­ten in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nur dar­um gehen, reprä­sen­ta­ti­ve Par­la­men­te zu erkämp­fen, indem die Wett­be­werbs­chan­cen für Par­tei­neu­grün­dun­gen von rechts erhöht wer­den: Es gilt, das bun­des­deut­sche Par­tei­ver­bots­sys­tem, das dar­aus ent­wi­ckel­te Ver­bots­er­satz­sys­tem, die staat­li­che Par­tei­en­fi­nan­zie­rung, die wahl­recht­li­chen Sperr­klau­seln und was damit in viel­fäl­ti­ger Wei­se ver­bun­den ist, abzuschaffen.

An die­ser Ver­wirk­li­chung von Demo­kra­tie kann in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nur die poli­ti­sche Rech­te ein Inter­es­se haben, wäh­rend poli­ti­sche Lin­ke und lin­ke Mit­te – in die Enge getrie­ben – sich genö­tigt sehen, ihre Gering­schät­zung für Demo­kra­tie und den Trä­ger der Volks­herr­schaft in Deutsch­land kund­tun zu müssen.

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