01. Januar 2016

Gelassen in den Widerstand: Martin Sellner und Heidegger

von Ellen Kositza / 30 Kommentare

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

gelassenIn ihrem Gesprächsbändchen Gelassen in den Widerstand sprechen mit Martin Sellner und Walter Spatz zwei Köpfe der Identitären Bewegung über den „letzten deutschen Großdenker“, Martin Heidegger. Sie befragen den Meister aus der Gegenwart heraus zu den Themen Volk, Identität, Selbstbehauptung, Heimat – eine reichlich undogmatische Heidegger-Exegese, über die Sellner in einem Kurzinterview Auskunft gibt:



SEZESSION: Lieber Martin Sellner, in ihrem Gespräch mit dem identitären Mitstreiter Walter Spatz verknüpfen sie Heidegger und Gelassenheit mit Widerstand. Sie sind Philosoph, kennen die Bandbreite der geistigen Tradition. Ihre Denkwege führen Sie stets und ausgerechnet zu Heidegger. Wie paßt gerade Heidegger zu einem, der sich wie Sie in erster Linie als Aktivist versteht?

MARTIN SELLNER: Seit ich – politisch - denken kann, war ich auch Aktivist. Die Tat stand bei mir eigentlich vor dem Denken! Als ich mit Anfang 20 begann, mir die Gedankenwelt der Neuen Rechten zu erschließen, führte das kurzfristig zu einer gewissen Abstandnahme von der Aktion. Ich war knapp davor, den meiner Ansicht nach grundlegenden Fehler vieler Rechtsintellektueller zu begehen und Metapolitik mit reiner Theoriearbeit zu verwechseln. Es war eigentlich Heidegger, der mich kurz vor der Schwelle zum akademischen Elfenbeinturm zur Umkehr und Rückkehr auf die Straße bewegte. Er ist in meinen Augen ein absolut politischer Kopf. Heidegger ist derjenige, der einfach zu radikal und grundlegend, zu umfassend fragt, um eine "Nische" eines apolitischen Sinnierens freizulassen.

SEZESSION: Zu welcher Art von Widerstand sehen Sie sich durch Heidegger ge- oder verleitet?

MARTIN SELLNER: Es gibt ja in Wahrheit keine unberührter Hinterwelt, keine zeitlosen unbewegten Schrein der Tradition, in den wir uns flüchten können. Alles ist im Wandel, und alles ist im freien Fall. Die ganze Welt, in der wir leben: von der Kunst, über die Religion, die Sprache, die Wissenschaft, das Menschenbild - all das befindet sich in einem grundlegenden Wandel, steht in einer großangelegten und umfassenden Attacke. Es gibt hier keine Grenzlinie, keine reine Innerlichkeit und profane Exoterik. Unser gesamtes Dasein steht in einem Austrag und einer Entscheidung. Von Heidegger in den Widerstand gerufen zu werden bedeutet, sich den vollem Umfang dieses Wandels, des Angriffs, der Gefahr und der Chance bewußt zu machen. Seine Kritik des Nietzscheanismus und des nationalistischen Tatkults gibt uns eine Gelassenheit zu den Bedingungen des Politischen. Gleichzeitig schafft die radikale Kritik Raum und eine Offenheit für ein damit erst mögliches, kommendes Geheimnis. Es heißt im Klartext, den Schritt aus dem Bannkreis der modernen Ideologien zu tun und sich kritisch und ehrlich zu einer konservativ-revolutionären Tradition, zu einem "geheimen Europa" zu bekennen.

SEZESSION: Kleine kritische Spitze: Heideggers Widerstand richtete sich ja auch gegen den Herrschaftscharakter der Technik. Unter allen Identitären sind Sie wohl derjenige, der moderne Techniken wie Twitter am großzügigsten nutzt, und zwar im waschechten Twitter-Ton und -Modus. Ist es also so, daß sich Widerstand im Widerspruch zu Heidegger der Technik bedienen muß?

MARTIN SELLNER: Ja, ich muß das wohl zugeben. Meine Feldforschung im digitalen Dschungel der Postmoderne, die ich anfangs noch rein pragmatisch-propagandistisch rechtfertigte, hat ihre Spuren hinterlassen. Der Abgrund, in den ich gestarrt habe, hat sich in mir aufgetan und will täglich mit feeds und tweets gefüttert werden...! Teilweise sehe ich das auch als notwendige Folge jedes kontemporären Aktivismus. Er muß in der Zeit stehen. Ich muß jetzt aber, falls nun einige Leser meinen Twitter-Kanal besichtigen, klarstellen, daß das alles, diese spontanen Kurzmeldungen gleichsam aus der Hüfte, natürlich ironisch gebrochen sind. Ein Dasein ohne Ironie ist in dieser Zeit sowieso ein langfristig unmögliches Projekt.
Die Figur des eisernen "Politischen Soldaten" taugt, wie Dugin sagt, nur mehr für die Freakshow und das Kabarett. Es ist ein Simulacrum. Wir sind alle beschädigt und „bloomifiziert“. Auch und gerade im Versuch des Entzugs und "Ausstiegs". Ich versuche aber stets nicht "postmodern zu denken" sondern "die Postmoderne zu denken", wie Timo Kölling schreibt. Damit wird die Aussetzung und Transformation zur Inflitration. Womöglich! Abgesehen davon machen mir Twitter und Youtube auch Spaß und bringen mittelfristig einigen politischen Mehrwert. Nicht wenige Aktivisten sind wegen meiner Vlogs zur Identitären Bewegung gestoßen. Ich werde relativ oft mit solchen Spitzen konfrontiert und begegne ihnen ebenso gelassen wie ich mich auf den ganze Kram einlasse. Genau das, und keine romantische Stadtflucht hat uns auch Heidegger anempfohlen.

SEZESSION: Zur Gelassenheit: Inwiefern könnten wir gelassen sein? Ein absoluter Bestseller des Vorjahres, geschrieben vom Trendphilosophen Wilhelm Schmid hatte „Gelassenheit“ als Titel. An den immensen Verkaufszahlen wurde deutlich, daß die Leute sehr wohl nach „Gelassenheit“ suchen. Gemeint waren die kleinen Freuden des höheren Alters. Sie streben wohl nicht im Ernst vorzeitig danach?



MARTIN SELLNER: Nein, nein! Die Pension kann warten. Zwar entspricht mein Alter bald nicht mehr der Rolle als Berufsjugendlicher, in die man als Aktivist zwangsweise gedrängt wird, aber diese sedierte Art von "Gelassenheit" wird mir ewig fremd bleiben. Sie hat auch gar nichts mit dem Alter zu tun, wie uns nicht zuletzt Dominique Venner gezeigt hat. Viele jungen Leute heute sind geistig bereits völlig vergreist und weisen Anzeichen einer senilen Feigheit auf. Gelassenheit ist, wie jeder Begriff bei Heidegger, nicht nur Bezeichnung für eine Stimmung, sondern auch ontologisch zu verstehen. Sie steht im Zusammenhang zum Sein-lassen. Das meint das sich Einlassen auf die Phänomene und die Dinge in ihrer Offenbarkeit und ihrem Eigenrecht. Es ist eine "epistemologische" Haltung, die mit dem Willenswahn des modernen Menschen bricht. Es ist eine Haltung, in der die nihilistische Grundstimmung der Langeweile wieder den Weg zum Staunen des ersten Anfangs des Denkens findet. Gelassenheit ist für mich die Überwindung eines nietzscheanischen Tatkults, der in sich modernistisch und nihilistisch ist. Das bedeutet aber keine Passivität, sondern eine Sammlung, vielleicht ein "Zurückweichen" um besser springen zu können...
Die Nachkriegsjahre waren vielleicht notwendig eine Zeit der Sammlung, des geistigen Überwinterns und der inneren Disziplin gegen die scheinbare heile Wirtschaftswunderwelt. Die heutige Krise erfordert von uns - aus der Höhe der Gelassenheit - die rückgebundene Mobilmachung und überlegte Tat. Das bedeutet einerseits, sich nicht in den Wahn einer politischen Religion reißen zu lassen, wie das mit weiten Teile der Rechten im 20. Jahrhundert geschah und andererseits abseits von planlosen "Aktivisteln" zu einer einheitlichen Linie zu gelangen.

SEZESSION: Der Heideggerforscher Peter Trawny wird von Spatz und Ihnen einige Male (und affirmativ) zitiert. Trawny ist unlängst in der Zeitschrift TUMULT. Vierteljahresschrift für Konsensstörung reichlich unwirsch mit Siegfried Gerlich ins Gericht gegangen. Gerlich, mit Sicherheit ein kultivierter Schön- und Feingeist hatte in der vorigen TUMULT- Ausgabe einen klugen Aufsatz über „Martin Heidegger und den Aufgang des Abendlandes“ verfaßt. Trawny distanziert sich aus „weltanschaulichen Gründen“ harsch von Gerlich. Summa summarum wirft Trawny Gerlich vor, Heideggers Antisemitismus zu marginalisieren. Gretchenfrage: Wie haltens Sie's mit Trawny und dem Heideggerschen Antisemitismus?

MARTIN SELLNER: Ich schätze Trawny eigentlich auch trotz seiner fragwürdigen Kommentierung der Schwarzen Hefte. Ich habe auch seinen Vorwurf des "seinsgeschichtlichen Antisemitismus", also einer tief in Heideggers Philosophie hineinreichenden Judenfeinschaft sehr ernst und sehr persönlich genommen und dem Thema eine ganze Arbeit gewidmet. In Trawny sehe ich den typischen, innerlich zerrissenen Menschen der Postmoderne, der sich gewisse Sehnsüchte nicht eingestehen will, ja vor ihnen regelrecht Angst hat. Was zog und zieht ihn ständig zu Heidegger und Ernst Jünger, über den er auch ein interessantes Buch geschrieben hat? In seinem Essay der Irrnisfuge beklagt er ehrlich das Ende der "Tragödie des Seins", indem „jede leidenschaftliche Sehnsucht in intellektuelle und physische Masturbation“ verebbt.
Nun macht er sich aber leider selbst zum Teil dieses Betriebs. Er schreibt das, was er schreiben muß und gibt vor, das aus vollem Herzen zu wollen. Das kaufe ich ihm nicht ganz ab. Er erscheint mir wie zerrissen in einer widersprüchlichen Rolle, der einen schmalen Grat einer akademischen Heideggerrezeption verteidigen will, den es so nie gab und geben kann. Heidegger war immer schon ein Schicksal. Er "gehört" niemandem, sondern spricht zu allen.

SEZESSION: Und derzeit spricht er vor allem zu - uns?

SELLNER: Ja. Mit Dugin glaube ich, daß er vor allem zu uns, zu der letzten echten Opposition spricht, die in die dunklen Katakomben dieser bunten Republik gedrängt wurde, in der sie auch alle unbequemen Wahrheiten verdrängt hat, die nun uns zufallen. In diesem "Dunkel" jenseits aller Politischen Korrektheit und Unipolitischen Intrigen befindet sich auch der letzte freie Denkraum der Bundesrepublik. Mit der Aufhebung der Staatsgrenzen hat das Merkel-System auch einen tiefenpsychologischen Vertrauensbruch begangen, der seinen cordon sanitaire um dieses "rechte Lager" nachhaltig beschädigt hat. Eine Strömen nach Innen und ein Strahlen nach Außen hat begonnen. Auf einmal erscheint Schnellroda als geheimnisvolles Wetterzentrum des konservativen Lagers auf der Bühne und im Bewußtsein des Mainstreams. Der geistigen Freiheit und dem Hunger nach Anerkennung, in der sich in unserem "Lager" gesammelt hat, haben die überfetteten, verknöcherten Bildungseliten auf Dauer nichts entgegenzusetzen als peinlich-panische Warnschreie.
Zur Sache selbst, zu Heidegger und der "Judenfrage", will ich hier nur wenig sagen, da die Frage selbst zu komplex ist. Eine "Personalisierung" seinsgeschichtlicher Aspekte sowohl im Judentum als auch im Deutschtum ist Heidegger zumindest vor der "Kehre" durchaus eigen und hängt mit der transzendental-horizontalen Verfasstheit des Denkens zusammen. Die volle Entfaltung seiner Philosophie ist jedoch die Antithese zu jedem Erlösungs-Nationalismus einerseits und genozidalen Sündenbockdenken andereseits. Das seinsgeschichtliche Ereignisdenken läßt jede Ideologie hinter sich. Es läßt uns damit der Rollen sowohl der Deutschen als auch der Juden im Verhängniszusammenhang des 20. Jahrhunderts gewahr werden. Das zu denken ist jedoch ein Wagnis, das für weite Teile der "alten Rechten" schmerzhaft, für das von Denkgeboten und -verboten umstellte Establishment schlichtweg unmöglich ist.

SEZESSION: Danke für das Gespräch!

Zum von Martin Sellner und Walter Spatz verfaßten kaplaken Gelassen in den Widerstand. Ein Gespräch über Heidegger geht es hier.

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (30)

Winston Smith 78699
03. Januar 2016 10:41
Vielen Dank für das Öffnen des Kommentarbereichs zu diesem Artikel. An die Äußerung

Viele junge Leute heute sind geistig bereits völlig vergreist und weisen Anzeichen einer senilen Feigheit auf.
würde ich gerne mit der Anregung zu einer Betrachtung oder gar Analyse anknüpfen, die vielleicht eine gewisse Gelassenheit und Distanz voraussetzt. Zugleich könnte damit jenen jungen und auch älteren Leuten, deren Beurteilungen der Lage und deren Verhalten vielen Lesern von SiN so absurd und bisweilen bösartig erscheint, vielleicht etwas mehr Verständnis gezeigt werden, um sie besser ansprechen und abholen zu können.

Es geht nicht um die bewußten Profiteure und vorantreibenden Akteure des derzeitigen Untergangsszenarios, sondern um jene, die von außen als Verwirrte und Manipulierte erscheinen - gesetzt den Fall, dass es sie überhaupt noch gibt. Daran aber, wie viele etwa durch die Ereignisse der Silvesternacht in Köln noch verstört werden konnten und erst aufzuwachen beginnen, zeigt sich mir ein noch immer großes Zuwachspotential.

Es geht um eine Übertragung des Phänomens der Verantwortungsdiffusion, wie es für die Handelnden in verbrecherischen Systemen untersucht wurde, deren kleine und für sich betrachtet harmlose Handlungen sich zu einer Ungeheuerlichkeit aufsummieren. Ich vermute hinter der praktischen Ausführung der Ideologie des Gutmenschentums eine Diffusion der Begründungen und Argumente. Gemeint ist, dass im Einzelnen - betreffs einer jeweiligen konkreten Problemlage - jeweils eine Perspektive und eine Antwort bzw. ein Argument zur Verfügung stehen, die sowohl obrigkeitskonform ist (also niedrigschwellig zugänglich) als auch moralische Impulse anspricht (also Gruppenkonformität und Rationalisierung ermöglicht) und somit einen starken psychologischen Zwang ausübt. Dies alles geschieht aber unter der Bedingung der absichtlichen mikroskopischen Fokussierung auf das Phänomen und durch seine Isolierung von Zusammenhängen, wenn nicht gar unter selektiver Einblendung von Zusammenhängen.

Dies einfach nur so zusammenzufassen, dass die Dummen eben keine Zusammehänge oder größere Bilder sehen können, verspielt die Möglichkeit, es sich zunutze zu machen. Vielmehr werden Teile der Bevölkerung vielleicht gezielt in einer andauernden Abfolge von Stimuli und erzeugten (emotionalen und assertorischen) Reaktionen gehalten. Sie dürfen keinen Abstand gewinnen und vor allem nicht Begründungen aus Zusammenhang A mit Begründungen aus Kontext B vergleichen oder gar nach eine konsistenten Grundlage für beide suchen. Zugleich wird hiermit bei den Systemkritikern Gelassenheit behindert, indem auch diese in das Hamsterrad der Empörungen und Reaktionen gezwungen werden sollen.

Mir erscheint das Phänomen ziemlich komplex und anspruchsvoll, wenn man sich wirklich hineindenken will, um es mit knappen Beispielen so zu entlarven, dass die Aufwachenden sich darin erkennen. Denn beispielsweise dann, wenn den Verblendeten wieder ein rühriger Einzelfall vorgeführt wird, darauf hinzuweisen, dass dieser nur durch vorherige Fehlentscheidungen entstand und bei erneuter emotional gesteuerter Fehlentscheidung viele weitere genau solche Fälle verursachen wird, bedeutet, das riesige Fass der Kontroverse zwischen Utilitarismus und Regelethik aufzumachen - und damit hängt man heutzutage die meisten schnell ab oder verzettelt sich. Vielleicht ist es daher angebracht, die inneren Widersprüche der Verblendungszusammenhänge greifbarer zu machen. Möglicherweise hat Manfred Kleine-Hartlage in seiner Form der Analyse angezeigt, wie das gehen könnte. Um das prägnant zu machen, braucht es Witz und die o.g. Gelassenheit.

Weil ich das für schwierig halte, spreche ich es genau hier bei SiN an. Angeregt wurde ich zu dieser Überlegung merkwürdigerweise durch einen Artikel zu Hayek.
nobody
03. Januar 2016 13:06
Alles ist im Wandel, und alles ist im freien Fall. Die ganze Welt, in der wir leben: von der Kunst, über die Religion, die Sprache, die Wissenschaft, das Menschenbild – all das befindet sich in einem grundlegenden Wandel, steht in einer großangelegten und umfassenden Attacke. Es gibt hier keine Grenzlinie, keine reine Innerlichkeit und profane Exoterik. Unser gesamtes Dasein steht in einem Austrag und einer Entscheidung.


Punkt, Komma, Schluss.

SgH Herr Sellner, es gibt einen sehr passenden beschreibenden Namen für die heutige Epoche. Ein Name der sowohl die Kunst (z.B. Kollagen, oder vergleichbar moderner Zerstörungswut) als auch die Musik (bewuste Zerstörung der Harmonie, siehe Rap, Techno etc.) als auch gesellschaftlich und zwischenmenschlichen Regeln und Normen zutreffend beschreibt: Destruktivismus.
Gerhard Vierfuß
04. Januar 2016 01:35
Das zu denken ist jedoch ein Wagnis, das für weite Teile der „alten Rechten“ schmerzhaft, für das von Denkgeboten und -verboten umstellte Establishment schlichtweg unmöglich ist.

Dieser letzte Satz ist auch der wichtigste, und er deutet zugleich auf die wesentliche Qualität des Kaplakenbandes von Martin Sellner und Walter Spatz hin: Dort sprechen zwei Kenner Heideggers und seiner Zeit über Nationalsozialismus und Faschismus, über Sonderwege und Auserwähltheit von Völkern und über die Stellung Heideggers zu allem diesen auf eine Weise, die in der Tat einem Altrechten sehr schmerzhaft, einem Angehörigen des Establishments aber vollständig unmöglich sein würde. Der Ertrag dieses gemeinsamen Nachdenkens ist beachtlich und zeigt, daß Wesentliches über diesen großen Denker in unserer verkehrten Zeit nur aus den, wie Sellner es formuliert, "dunklen Katakomben dieser bunten Republik(en)" zu erwarten ist.

Eine ketzerische Anmerkung will ich dennoch hinzufügen: Sellner bekennt sich hier zu einem "geheimen Europa". Im Gegensatz dazu äußerte kürzlich Rüdiger Safranski, den Katakomben (anderer Art) bereits vor langer Zeit entkommener, ebenfalls ausgewiesener Heidegger-Kenner:
Es ist überhaupt nicht erstrebenswert, eine europäische Kultur künstlich erfinden zu wollen. Europäisch ist, dass es viele Staaten, Staatsvölker, Sprachen und Kulturen gibt. Das ist der Reichtum. Es ist Verarmung, diese Vielfalt ­irgendwie auf einen gemeinsamen Nenner herunterzuziehen.
(Quelle)

Wer ist hier der identitäre, der radikalere Denker?
ingres
04. Januar 2016 07:53
Also das mit der "Technikkritik" habe ich noch nie verstanden. Habermas hat das ja als ideologische Diffamierung im Begriff des Szientismus durchgezogen, mit fatalen Folgen.

Ich weiß zwar, dass der technische Fortschritt ambivalent ist (und das es ein Leben jenseits der Technik gibt), aber ich habe noch nicht herausfinden können mit welcher Ideologie man das unter Kontrolle bringen will. Ich hab mir allerdings schon das Heidegger-Kapitel aus dem "Oxford Companion to Philsosophy" bereitgelegt. Und wäre gespannt ob man mir hier Klarheit darüber verschaffen kann wie "das mit der Technik" gemeint ist.

Ein Bekannter von mir hat mir mal erzählt, dass es einen Römer gegeben haben soll, der kritisch mit der Technik ins Gericht gegangen sei, weil die Arbeitslosigkeit erzeuge. Ich konnte das nicht nachprüfen, aber er hat mir das so erzählt.

In der Tat sieht es ja so aus, dass irgendwann nur noch diejenigen Arbeit haben werden, die die Roboter konstruieren, bauen und warten. Würde so kommen falls Europa nicht längst vorher untergegangen ist. Nur sehe ich nicht wie das sinnvoll verhindert werden könnte, außer durch drastische Geburtenkontrolle oder einer Technikabgabe für den Rest der Bevölkerung.

Das zweite mögliche Problem, dass Technik zur Entfremdung führt kann ich nicht sehen. Bei mir was das jedenfalls nicht der Fall.

Ein angeblich nachhaltiges Leben ohne Technik müßte mir schon sehr ausführlich erläutert werden. Und ich wüßte nicht ob ich Spaß dran hätte. Hab ich dich nur überlebt und eben auch gelebt auch durch und mit Technik. Wiewohl mich freilich auch die Philosophie (neben den Wissenschaften) sehr interessiert.
Peter Voit
04. Januar 2016 14:03
Zu "Gelassen in den Widerstand" fällt mir Goethes Gedicht "Wanderers Gemütsruhe" ein:

"Übers Niederträchtige
Niemand sich beklage;
Denn es ist das Mächtige,
Was man dir auch sage.

In dem Schlechten waltet es
Sich zu Hochgewinne,
Und mit Rechtem schaltet es
Ganz nach seinem Sinne."

Interpretationsbedürftig ist natürlich zumindest die zweite Zeile der ersten Strophe: Niemand sich beklage? Auch nicht über das Niederträchtige der Politik von Merkel und Co.? Schließlich hat Goethe ja noch anderes geschrieben, z. B. den "Götz von Berlichingen". Doch über das Niederträchtige sich nicht zu beklagen oder sonstwie der anderen Seite Bescheid zu geben, heißt noch lange nicht, auf Widerstand überhaupt zu verzichten.

Wie ja auch jener, dem man auf die rechte Wange schlägt und der auch die andere hinhalten soll, nicht aufgefordert wird, wegzulaufen oder klein beizugeben. Oder gar ein "freundliches Gesicht" zu machen und für "Selfies" zu Verfügung zu stehen.
Treverer
04. Januar 2016 16:15
@ingres
...dass es einen Römer gegeben haben soll, der kritisch mit der Technik ins Gericht gegangen sei, weil die Arbeitslosigkeit erzeuge. Ich konnte das nicht nachprüfen...
--------------------------------
Dies wird Kaiser Vespasian (69-79 n.Chr.) zugeschrieben (Sueton, Vesp. 18). Generell war die römische Zivilisation -anders als es der posthumen historischen Wahrnehmung entspricht- bei aller Verbesserrung der bereits vorgefundenen Techniken, sehr wenig inovativ bei der Erfindung von Neuem, insbesondere bei Produktionstechniken. Die Beispiele aus 700 Jahren lassen sich an einer Hand abzählen. Dies wird von Wirtschaftshistorikern in der Regel damit erklärt, daß ausreichend günstige menschliche Arbeitskraft zur Verfügung stand, und somit kein Anreiz zur Erfindung neuer, arbeitssparender Produktionstechniken bestand. Der Fortschritt in der Produktivität entstand vor allem durch Spezialisierung und Arbeitsteilung.
Urwinkel
04. Januar 2016 16:26
Ich versuche es mal einem Bespiel zu erklären, Ingres: Dazu reicht es, sich einmal Angelzeugs anzusehen. Mir Ostkind wurde es beigebracht, die metalllischen Angelrollen einzuölen. Die haben richtig Knete gekostet. Man liebte die Dinger, und hat sie entspechend gepflegt. Mit dem heutigen Carbonmaterial können Sie sich 50 Jahre durch die Wildnis schlagen, ohne das daran was rostet. Es ist ein Technikfetisch. Und somit nimmt der Prozentsatz derer ab, die es wagen, damit loszuziehen und ihren Fang damit zu machen. Was auch nicht fehlen darf, sind die Photographien der Fänge. Heute als "Selfie" bekannt. Wer hätte damals an sowas gedacht? Gut, das ist kein Angelforum hier, aber den Begriff "Streetfishing" will ich noch loswerden in diesem Zusammenhang.
Venator
04. Januar 2016 16:38
@ Gerhard Vierfuß

Diese Gemeinsamkeit Europas gibt es doch. Es ist das Christentum, ostkirchliches und westkirchliches. Dieser Kultur, dieser Ethnokultur entkommt kein Europäer, ob er will oder nicht.

---

Und weil die Ereignisse in Köln angesprochen wurden: Was mich wirklich wundert ist, dass sich in all den Jahren nicht ein Bernie Goetz findet, oder öffentlich bekannt wird. Nicht, dass das besonders zu wünschen wäre; es wäre aber auch nicht besonders zu fürchten. Lediglich als Symptom der Entwicklung einzustufen. Wäre das so unnormal, dass sich identitäre Entwurzelung in dieser Weise äußerte, dass die ganzen wahren und falschen Schreckensnachrichten, die uns im Netz erreichen, irgendein Fass einmal zum Überlaufen bringen? - Gut, immerhin hat Goetz Asperger, von daher ...
philos
04. Januar 2016 17:15
Das zweite mögliche Problem, dass Technik zur Entfremdung führt, kann ich nicht sehen.


Dann öffnen sie einmal für nur zehn Minuten Ihre Augen für das Treiben an einem öffentlichen Ort selbst einer Kleinstadt. Oder beobachten Sie, schlimmer noch weil "intimer", zwei Menschen beim Kaffeetrinken. Lauschen Sie, unhöflicher noch, kurz deren Gespräch. Erschreckt Sie das nicht?
Der Gutmensch
04. Januar 2016 18:09
@ smith

Ich würde es eher eine Art Verantwortungsosmose nennen; bei irgendwem bleibt die chose ja am Ende ja leider eben doch hängen (und denjenigen nennt man dann „Opfer“), sonst wäre das eine tolle Sache! Desgleichen eine „Osmose“ der Argumente; der eine kann erkennen, auf welchen Effekt das zielt und in seine Richtung ist die Membran also durchlässig, weil er das in den richtigen Zusammenhang einordnen kann - und die anderen kriegen den Kakao eingeschenkt. Nicht zu trinken ist aber auch schwer, wenn man eben durstig (nach Orientierung) ist.

Und weil wir es eben hier m. E. mit einem gestuften System zu tun haben, halte ich es für schwierig, ein einheitliches Konzept zu finden, um dagegen zu halten.

Dagegentölpeln funktioniert jedenfalls nicht, das ist m. E. nur ein künstlich aufgeblähter Popanz: Dummköpfe reagieren zwar auf markige Gesten und Autoritätsargumente. Aber die Autorität liegt ja nicht mal ansatzweise in der Händen derer, die (offen) für einen Politikwechsel eintreten - und so markige Gesten (Beleidigungen), wie sie sich unsere Berufspolitiker mittlerweile erlauben, sind dem gemeinen Bürger gar nicht gestattet. (Im übrigen überzeugt mich der Hayek-Link nicht. (Aufsteigende) Inkompetenz ist kein ausschließliches Problem totalitärer Systeme, sondern eines, mit dem man es in jeder Hierarchie zu tun bekommt. Es brauchte nicht erst das Peter-Prinzip, das zu wissen.)

Entlarven - falscher Argumentationslinien - entlastet zwar ungemein, hat aber ebenfalls eine problematische Seite. Zwar fällt es oft nicht besonders schwer, groben Unfug auch als solchen darzustellen. Aber wer den Hafen nicht kennt, dem ist letztlich kein Wind günstig (Seneca, glaub ich, ist aus dem Gedächtnis). Als nicht-privilegiert-Informierter riskiert man also Eigentore.

Am wichtigsten scheint mir derzeit jedoch das Anliegen, die Menschen nicht im Fatalismus versumpfen zu lassen; da muss man dann eben mal ein Eigentor riskieren, denn it is moral, that wins victory: Man kann daher eben nicht gutheißen, wenn sich eine kritische Menge an Menschen aus Prinzip nicht mehr um das schert, was in der Welt vor sich geht, sich von einer Helene-Fischer-Gala ablenken lässt bzw. sich daran gewöhnt, das eigene Urteil grundsätzlich an der Garderobe abzugeben.

Der Gutmensch.
Gerhard Vierfuß
04. Januar 2016 18:46
Hier noch nachgetragen die Quelle des Safranski-Zitats: Es stammt aus dem sehr lesenswerten Interview der Schweizer Weltwoche, im Netz zu lesen unter https://psychosputnik.wordpress.com/2015/12/25/leave-us-not-alone-with-the-germans/
Sara Tempel
04. Januar 2016 19:26
Eine Geisteshaltung, die „Gelassen in den Widerstand“ geht, kann ich ebenfalls begrüßen. Für den zeitgenössischen Konservativen sehe ich auch keine angemessene Alternative. Die Gelassenheit schafft emotionale Distanz und geistige Klarheit. - Es ist dagegen immer ein Fehler, sich vom Gegner zu schnell in die Defensive und zur Vorzeitigen Aufnahme des Kampfes zwingen zu lassen (s. die beiden Weltkriege). - In der Kampfkunst des Aikido geschult, empfehle ich die gelassene Beobachtung des Feindes, bis dieser seinerseits zum nächsten Schlag ausholt; in diesem Moment müssen wir, die Deutschen, plötzlich vorstürmen und den empfindlichen Punkt treffen.
Sara Tempel
04. Januar 2016 19:57
Anmerkung: Mit "wir" sind nicht nur die letzten Deutschen, sondern ebenso z.B. Österreicher oder auch die amerikanischen Konservativen gemeint!
Michael Schlenger
05. Januar 2016 01:26
Ergänzend zum Thema Technik und dem Beitrag des Treverers:

Die römische Zivilisation ist ein interessantes Beispiel, weil sie durchaus selektiv Gebrauch von Hochtechnologie machte. Beispiele sind der unter Wasser abbindende Beton für Hafenanlagen, gegossene Kuppelbauten ohne Eisenarmierung, Fernwasserleitungen, Staudämme und hochwasserfeste Brücken, die z.T. heute noch Nutzen stiften.

Dazu haben die Römer einiges perfektioniert, was sie von Griechen, Etruskern, Phöniziern und Ägyptern übernommen haben, anderes haben sie selbst erfunden. Die meisten dieser Technologien dienten praktischen Zwecken (Ferntransport, Kanalisation, Hygiene usw.), nur wenige dienten dem persönlichen Vergnügen oder der Ablenkung (die Arenen für Wagenrennen und Kampfspiele etwa).

Um die Erleichterung individueller alltäglicher Verrichtungen hat man sich jedenfalls nicht sonderlich bemüht. Sicher: Es gab Großausgaben der Handmühle in Bäckereien und spezielle Essenszutaten wurden quasi industriell produziert und überregional vertrieben (Olivenöl z.B.).

Doch weit interessanter und kulturell möglicherweise bedeutender ist die Dienstbarmachung von Technik zur zweckfreien Verschönerung des Lebensumfeldes und im Bereich des Kultes. Die technische Meisterschaft bei der Massenproduktion von Götterfiguren in allen Größen oder der Schmuckherstellung, der selbstverständliche Einsatz von Drehbänken zur Herstellung kunstvoll geformter Alltagsgegenstände aus Holz oder Bein, die Ausmalung ganzer Häuser mit farbigen Fresken zum Niederknien (gefertigt von angelernten Handwerkern), das rationelle Verlegen von Mosaikböden in Bädern und Wohnräumen, das alles kündet von einem souveränen Umgang mit Technik, die dem Menschen dient, oder Freude oder Ehrfurcht bereitet.

In keinem dieser Fälle wäre die Technik Selbstzweck gewesen, wäre nicht selbst Gegenstand des Bewunderns und Begehrens gewesen. Die vom Treverer erwähnte Arbeitsteilung war sicher mit für die Verbreitung römischer Lebensart und -kunst im einstigen Imperium verantwortlich. Bei der Herstellung hochwertiger Töpferwaren (Terra Sigillata) war der private Wettbwerb ein bedeutender Faktor. Doch von systematischer Grundlagenforschung oder blinder Technikeuphorie wie im Silicon Valley dagegen ist nichts überliefert.

Lange Rede kurzer Sinn: Wer mit Technik als solcher ein Problem hat, hat nicht verstanden, welches Potential an Vertiefung des Lebens und Erlebens damit verbunden sein kann. Man darf nur die Technik nicht mit dem eigentlichen Zweck und Ziel verwechseln, wie das heute oft geschieht.

Nun weiß ich nicht, was Heidegger einst dazu eingefallen ist - jedenfalls müssen seine Gedanken zur Technik nicht zwangsläufig intelligenter gewesen sein, was gebildeten und technikerfahrenen Zeitgenossen der Gegenwart dazu einfällt.
firenzass
05. Januar 2016 08:33
@venator
"Es ist das Christentum, ostkirchliches und westkirchliches. Dieser Kultur, dieser Ethnokultur entkommt kein Europäer, ob er will oder nicht."
Wer moechte daran zweifeln, es sei denn, man liesse sich von den Nibelungen oder der Edda inspirieren? ( oder durch die paganische Enzyklika Laudato Si des duesteren Bergoglio , die in ihrer intellektuellen Duerftigkeit der Feder des Ghostwriters aller Claudias dieser Welt entsprungen scheint.)
Venator, es ist bezeichnend ,dass Ihr kleiner Kommentar hier isoliert scheint und unwidersprochen bleibt.
So wie ich, auch in diesem Forum, beobachte, dass zu keiner Zeit, nie, und nicht mal mit einem Nebensatz an das entsetzliche Martyrium der Christen des Orients gedacht wird, so kann es mich jetzt auch nicht ueberraschen, dass sich nicht ein einziger in diesem Debattierclub durch die Vorgaenge im allerkatholischsten Polen angesprochen fuehlte. Wer weiss, vielleicht meint man sich selbst hier dem heimischen Doenerverkaeufer "di riferimento" noch mehr verbunden als dem polnischen "Katho-Faschisten"? Wie gesagt, ueberraschen taete es mich nicht.-----
"Dieser Kultur, dieser Ethnokultur entkommt kein Europäer, ob er will oder nicht."
"Auch Sie stehen in der Nachfolge Christi, ob Ihnen das nun passt oder nicht", so beschied ich neulich den ansonsten hochgeschaetzten Lutz Meyer. Antwort steht noch aus.
Hartwig aus LG8, der ehemalige Hartwig
05. Januar 2016 10:52
Zur Technik (leicht OT):
Seit ca. 200 Jahren hat sich der Mensch, und zwar der von Europäern und Nordasiaten abstammende Mensch, die Energiequelle Kohle und Öl zugänglich gemacht; also die fossil gespeicherte Sonnenenergie einiger hundert Millionen Jahre. Diese Energiequelle ist die Basis aller Technisierung der letzten 200 bis 250 Jahre. In extrem zunehmendem Maß war es seitdem möglich, sich des Kampfes um die Existenz (Wärme, Nahrung, Obdach) zu entledigen. Eine Vielzahl von Erfindungen wäre nicht gemacht worden oder hätte nie den praktischen Durchbruch geschafft, wenn der Menschheit jeweils pro Jahr immer nur die Sonnenenergie des jweiligen Jahres zur Verfügung gestanden hätte. Dazu gehört die direkte Strahlung (Wärme), das Pflanzenwachstum eines Jahres (Getreide, Holz), Wind und Wasserkraft. Kaum mehr (Erdwärme).
Ob es angesichts dieser fiktiven Voraussetzung zur Entdeckung und Nutzbarmachung der einzigen nicht sonnenabhängigen Energiequelle (Kernkraft) gekommen wäre, ist in Zweifel zu ziehen.

Der Erfindungsreichtum kennt seit diesem gigantischen Energie-Input kaum Grenzen. Vieles wird mit großer Selbstverständlichkeit als Nutzen begriffen, wobei man hinter fast alles mindestens ein Fragezeichen setzen kann. Also z.B. auch hinter solch gefeierte Fortschritte wie die stets ansteigende Lebenserwartung. Bestimmte Komfort-Erfindungen will ich gar nicht erwähnen.

Ich will mich nicht größer machen, als ich bin. Ich habe mich an die Gasheizung genauso gewöhnt, wie an eine Reise über mehrere hundert Kilometer am Tag, an ein nötiges Medikament fürs Kind, nicht zuletzt an ein immer vorhandenes Angebot verschiedenster Lebensmittel.

Aber gibt es tatsächlich einen Zuwachs an Qualität, oder führt dieser Fortschritt nicht sogar in unsere beklagte Dekadenz hinein, und zwar in raumgreifendem Maße? So raumgreifend, dass das 'glückliche Leben' als Anspruch formuliert wird?

Gott hat den Turmbau zu Babel seinerzeit mit der Verwirrung der Sprache gestoppt. Heute scheint er wohl die Durchmischung der Rassen und Kulturen für zielführend zu halten. Mal sehen.
Der Gutmensch
05. Januar 2016 11:30
So - Kommentar weg, ich habe gerade sowieso schlechte Laune wg. permanentem Ohrensausen:

Ja, ja - alles schrecklich, das mit den Christen im Orient. Aber unsere Asyltore stehen sperrangelweit offen, also kommet auch, ihr Kinderlein! Da der IS nunmal als Terrororganisation (und nicht als Staat) gilt, kommen wir ihm absehbar nicht vor Ort bei. Denn eine Terrororganisation kann man nicht desavouieren wie einen Staat, man kann sie nur total vernichten. Wenn und solange das nicht möglich ist, wird es unschuldige Menschen das Leben kosten - wir haben das Spiel ja auch nicht erfunden.

Und uns mit den Polen solidiarisieren, nur weil man uns - jedenfalls Menschen wie mich - in einen Topf mit ihnen wirft, uns gemeinsame Rückständigkeit attestiert? Ich gebe zu, die Versuchung ist nicht von schlechten Eltern ... wir hätten was gemeinsam ... aber das hab ich auch mit dem Yeti, schon weil der bekanntlich auch kein geselliger einer ist.

Nee, die Polen sind in erster Linie Konkurrenz und haben ihre eigenen Probleme mit der Souveränität, schon immer, und kuscheln daher mit den aggressiven Amis, auch schon immer, wie man spätestens seit den verblendeten Solidanocs´weiß. Das hätte bekanntlich damals schon fast zu einer Katastrophe geführt (mindestens für Polen, wären Jaruzelski damals die Nerven durchgegangen) und ist daher bei mir nicht unter der Rubrik der empfehlenswerten Strategien abgelegt.
Sara Tempel
05. Januar 2016 12:35
Soweit mir bekannt, hat Heidegger auf die Gefahren des "Gestells", der Weise des Entbergens moderner Technik, hingewiesen und das sicher zu Recht. Auch wenn wir uns ein alltägliches Leben ohne die modernen Konsumgüter als Produkte der Technisierung kaum noch vorstellen können, dürfen wir ihre Nachteile nicht vergessen, führt doch die Entwicklung der globalisierten Industrie zur billigen Quantität bei fehlender Qualität hin. - Aus meiner Sicht geht es dem Philosophen auch um fehlende Ehrfurcht vor der ganzheitlichen Welt, ihre Ausbeutung, durch die Nutzung von Technik. Das gab es noch nie zuvor, auch nicht bei den Römern. Dazu kommen in der Postmoderne die fatalen Folgen der Digitalisierung, besonders auf das Bewußtsein von Kindern und das Kontrollpotential des "World Wide Web". -
Auch die Kampfkunst des Aikido zurückkommend, möchte ich mich noch etwas klarer ausdrücken. In den Techniken dieser Kampfkunst geht es darum, die zerstörerische Energie des Gegner umzuleiten und gegen ihn selbst zu richten. Das bedeutet im übertragenen Sinne, daß die Verteidiger des Abendlandes die Energie des Antichristen zuerst aufnehmen sollten, um sie dann auf ihn selbst zurückzuleiten. Wenn also z.B. die Drahtzieher der USA den IS aufgebaut haben und dieser jetzt ungehindert seinen Terror in Europa ausüben kann, wäre es taktisch sinnvoll, dessen Zerstörungspotential direkt auf die verantwortlichen Politiker selbst zu lenken.
der Gehenkte
05. Januar 2016 13:53
Jedes wesentliche Denken geht unantastbar durch alle Anhängerschaft und Gegnerschaft hindurch. (Heidegger)


Dieses schmale kaplaken-Bändchen von Sellner und Spatz stellt einen der gewichtigsten theoretischen Beiträge zum Denken des Rechten der letzten Jahre dar – im Grunde genommen ist es „nur“ ein Prolegomenon und man kann Sellner/Spatz nur ermuntern, die Wesensfragen grundlegender und ausführlicher anzugehen und zur Diskussion zu stellen.
Die tragenden Gedanken der abendländischen Metaphysik bleiben uns fremd, solange wir diese Gedanken nicht denken, sondern nur immer über sie berichten. (Heidegger)


Die Gesprächspartner zeigen uns vor allem eines: Mit Heidegger haben wir einen noch weitgehend unerschlossenen Schatz, eine Werkzeugkiste – um mit Deleuze zu reden –, sowohl die aktuell-politische Lage, als auch die tiefliegenden Deformierungen der Moderne zu durchdenken und handelnd – oder eben auch gelassen lassend – zu beeinflußen. Auf „‘ontischer‘ Ebene gegen den Wahnsinn des großen Austausches (auch diesen Begriff muß man hinterfragen) und auf einer ‚ontologischen‘ Ebene die Auseinandersetzung mit dem Ge-stell suchen.“ Gerade als Deutsche: Das ist einer der Hauptdiskussionspunkte, wie wir als Deutsche (und wie auch der Franzose als Franzose, der Russe als Russe etc.) unseren eigenen Bezug zum Sein „im Verhängniszusammenhang der Geschichtspfade“, unsere ureigene Aufgabe wiederfinden können. Nur so ist der Begriff „Volk“ – auf den es nur der Sache, nicht der Begrifflichkeit nach ankommt – überhaupt noch zu retten.

Die Zeit drängt und gerade deswegen braucht sie Verlangsamung im Denken, mehr noch als heiße politische Aktion. Es täte Not, in Schnellroda Heidegger deutlicher in den Mittelpunkt zu rücken! Dazu wäre gemeinsames Lesen der Texte und strikte Konzentration auf diese notwendig.

Es wird auch reizvoll zu sehen sein, wie Sellner den Spagat zwischen Denken und Handeln meistern will. Bisher scheint der Versuch eine seinsgeschichtliche Grundlegung der Identitären vorzulegen, noch viele Fragen offen zu lassen und kann vom nichtaffirmativ gestimmten Leser durchaus auch als unfreiwillige Komik verstanden werden.

Trotzdem: Für ein heideggerianisches Gespräch enthält es auch schon an der Oberfläche jede Menge Sprengstoff. Allein schon weil es viele Anschlußstellen an andere Denkformen, auch linke, gibt – wäre doch großartig, wenn Heidegger uns wieder in Kontakt mit der anderen Hälfte des deutschen Geistes brächte.
Aristoteles.
05. Januar 2016 14:10
@firenzass

Warum eigentlich die Polarisierung von Ethnokultur und Christentum?

https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_von_Kues#Politik_und_Kirchenpolitik
Der Gutmensch
05. Januar 2016 17:06
Lieber ehemaliger oder wie auch immer - der Hartwig, der jedenfalls schon immer da war:

Ich habe zwar nur Sekundärquellen zu Heidegger und seiner Technikkritik gelesen. Aber mir scheint dem doch die Gefahr innezuwohnen, dass statt des Zauberlehrlings der Besen gescholten wird:

Grundsätzlich ist das Interesse an Technik m. E. Ausdruck eines Gestaltungswillens, der die Deutschen in seiner Intensität und Ausprägung scheinbar doch von einigen anderen unterscheidet (jedenfalls lange Zeit unterschieden hat; und so was verschwindet ja nicht über Nacht). Dieses Interesse ist eben nicht gleichzusetzen mit dem, was man so salopp „Fortschrittsgläubigkeit“ nennt. Solange ich dazu Feldforschung betreibe, habe ich immer wieder festgestellt: Es gibt Menschen, die werden leidenschaftlich davon angezogen, etwas zum Funktionieren zu bringen. Man erkennt sie z. B. daran, dass sie aus Prinzip kein Auto fahren, sondern einen wandelbaren Bastelsatz und die haben auch keine Musikanlage/keinen Computer, sondern etwas, das - na, schweigen wir mal besser darüber. Sie bringen die Dinge also zum Laufen (zur Not im Reinraum), sie lösen das verdammte Problem - und suchen sich sofort ein neues. Ich sehe nicht, dass uns diese Menschen in eine Sackgasse führen würden, ich sehe bloß ein, dass ich mich ohne sie ganz gewiss zu Tode langweilen würde!

Aber dann gibt es Menschen, die suchen keine Herausforderung, sondern wollen lediglich mit den neuesten Errungenschaften prahlen - und das ist alles. Also nutzen sie den ihnen wesensfremden Spieltrieb anderer schamlos für ihre eigenen Zwecke; und die haben dann nichts mehr mit etwa zu lösenden Problemen zu tun (sondern im Zweifel damit, wie man erstmal Probleme oder Bedürfnisse erschaffen und sodann anderen teuer die Lösung dafür verkaufen kann). Und wenn das dann böse endet, war ja bloß der Nerd dran schuld, den man sich plakativ ins Schaufenster gestellt hat.

Ich bezweifle daher, das es sich empfiehlt, das Interesse an Technik in toto für jeden unangenehmen Streber und/oder Geschäftemacher in Geiselhaft zu nehmen, das wäre aus deutscher Perspektive (hoffentlich) immer noch ein bitterböses Eigentor. Von hier aus gesehen stellt sich schon eher die Frage, wie man die dröge Fraktion ausbremsen kann, die prinzipiell neidisch auf die Kreativität anderer ist und begierig, diese in ihren finsteren Dienst zu stellen.

Der Gutmensch.
Peter Voit
05. Januar 2016 18:41
@Hartwig aus LG8

Der Verwirrung der Sprache beim Turmbau zu Babel ging allerdings etwas voraus, das diesen Turmbau erst ermöglichte. Die biblische Erzählung jedenfalls beginnt mit dem Satz: "Es hatte aber die ganze Erde die gleiche Sprache und die gleichen Worte" (Gn 11,1). Ganz so wie damals ist es heute freilich noch nicht. Doch Worte wie "Weltoffenheit", "Toleranz" oder "Refugees welcome" sind bekanntlich auch heute nicht nur in der CDU zu hören.
Vielleicht steigt Jahwe erneut herab, um sich den Turm anzusehen, dessen Spitze angeblich bis zu Himmel reichen sollte. Vielleicht bleibt Jahwe Gott aber auch oben, weil er das Bauwerk ja schon kennt. Auch wenn es heute anders genannt wird: "Wir bauen das Haus Europa", ließ Helmut Kohl hören. Auch von der "Neuen Weltordnung" und der "One World" ist die Rede. Und: "Wir schaffen das."
Herabsteigen also müßte Gott nicht. Es sei denn, er wolle demonstrieren, wie tief unten das Bauwerk steht. Und dann hätte Gott ja auch noch Mitarbeiter, die die Sprache der gegenwärtigen Baumeister verwirren und dahin zerstreuen, wo der Pfeffer wächst.

(...)
Waldgänger
05. Januar 2016 19:01
Ich muss jetzt mal ein bisschen die gute Laune verderben.

Nichts gegen Heidegger, er mag durchaus auf individueller Ebene für einen nach Erkenntnis strebenden Einzelnen ein Schatz sein - wie z.B. @ der gehenkte schreibt.
Aber darüber hinaus??
Man sollte nicht überbewerten.

Im Prinzip bemüht sich Herr Sellner im Interview um eine Art von Spagat.

Einerseits schreibt er ganz richtig, dass es ein Fehler wäre, sich zu sehr in theoretischen Überlegungen zu verlieren ...
Ich war knapp davor, den meiner Ansicht nach grundlegenden Fehler vieler Rechtsintellektueller zu begehen und Metapolitik mit reiner Theoriearbeit zu verwechseln.

... andererseits glaubt er aber dennoch daran, dass es was bringt, sich überhaupt mit Philosophie zu beschäftigen - denn sonst würde er es ja nicht tun.

Das möchte ich aber erst mal bewiesen bekommen, welchen Sinn es hat, sich in einer zurückgedrängten Nischenposition überhaupt mit philosophischen Konzepten zu beschäftigen. Also ich käme nicht auf die Idee.

Es ist doch (leider) eine ziemlich abwegigige Vorstellung, dass die Gedanken von Heidegger oder meinetwegen auch Schmitt auf den Mainstreamdiskurs abfärben könnten, nur weil sie auf einigen Internetseiten diskutiert werden.

Immer wieder derselbe alte Fehler auf der Rechten zu denken, dass der Geist die Welt bewegt und dass es helfen und etwas verändern würde, das Richtige zu denken. Dieses Denken hilft uns selbst einen klaren Kopf zu behalten, verändert darüber hinaus aber herzlich wenig.

Umgekehrt ist es! Der Geist bzw. die philosophischen Konzepte die sich durchsetzen, passen immer zu den herrschenden sozio-ökonomischen Verhältnissen.
Der physisch-technisch-machtpolitische Unterbau bestimmt den geistigen Oberbau!
Einer der wenigen Sätze von Marx, die sich immer wieder bewahrheiten!

Das ist mir sowieso - seit ich hier mitlese - immer wieder ein Rätsel, wieso viele Leser und Autoren so dermaßen von der Macht und Bedeutung des Geistes und der Philosophie überzeugt sind.
Das spielt heute nur auf individueller Ebene eine Rolle!

Die Schwäche der Konservativen und Rechten hat ja nun ganz bestimmt nichts damit zu tun, dass sie in geistiger Hinsicht zu wenig liefert. Stärke und Macht hat eben herzlich wenig mit der Stimmigkeit oder dem Wahrheitsgehalt von Gedanken zu tun!

Anders gesagt:
Ich weiß nicht, ob es der Rechten gut tut, dass das Gros ihrer Vertreter etwas einseitig aus der geisteswissenschaftlichen Ecke kommt ...
Geisteswissenschaft ist ja okay, aber man steht halt auf zwei Beinen besser.

Ich vermisse mitunter ein nüchternes machtpolitisches, soziologisches und ökomomisches Denken.
Andreas
05. Januar 2016 19:37
Ja ja, gelassen der Widerstand, der da auf Köln schaut, und entweder in elitären Kamingesprächen verschwurbeltes zur Kunstform bringt oder mit Befriedigung auf das Untergehen blickt (mituntergehende eigene Kinder bleiben seltsam unberücksichtigt), oder gar sich selbst an Gewaltphantasien berauscht, verdrängend das das angesichts der Kräfteverhältnisse (1000 einfach so !!! habt Ihr das jetzt realisiert, ja ? 1000. Was meint ihr wieviele kommen, wenn die mal ihre handys auspacken?) einfach lächerlich ist.

Ich habe keine Antworten, aber ich bin auch nur ein durchschnittsgebildeter Familienvater, dem das Schicksal seiner Kinder nicht egal ist.

Neurechte, identitäre, egalitäre, elitäre?
Hilflosigkeit allerorten.
Winston Smith 78699
05. Januar 2016 23:18
@ Der Gutmensch

Vielen Dank für die Lektüre meiner Idee. Sie haben verstanden, was ich meine. (Mein Beispiel wäre jetzt gewesen, dass die Demonstranten auf der Domplatte sich tatsächlich dazu bringen ließen, sich gegen männliche Gewalt zu äußern und zugleich die Flüchtlinge willkommen zu heißen. Enteder diese Demo war von vorneherein bewußt gekapert, um den aufbrechenden Protest wie gewünscht zu steuern, oder manche sind wirklich auf die Propaganda der selektiven Aus- und Einblendung von Erklärungen reingefallen.) Aber wie gesagt: ich fühle mich verstanden und widerspreche dem Gegenvorschlag nicht, einfach weil es meinerseits nur ein Versuch ist.

Bezüglich des Links zu Hayek: ich hatte denselben Einwand. Merkwürdig war nur, dass dies der Auslöser meiner Überlegung war. Der Zwischenschritt war wohl, dass eine Analyse der Erosion der deutschen Politik bis in das System Kohl zurückreichen und erklären müßte, wie die Herrschaft der Nieten über Jahrzehnte und mehrere Generationenwechsel in mehreren Parteien entstanden ist.

Und dass zu dieser Entwicklung auch eine jahrzehntelange Erziehung zur Manipulierbarkeit gehören mußte, an deren momentanem Höhepunkt der gegenwärtige Wahn steht. Und dass wiederm diese Erzählung viel zu komplex ist, als dass man Wahnsinnige damit beeindrucken könnte, die engste Aufeinanderfolgen von Stimulii und angebotenen Erklärungen und Reaktionsmustern gewohnt sind.

Dass es Wahnsinnige sind, erscheint mir endgültig so seit der heutigen Demonstration auf der Domplatte. Es ist gänzlich vergleichbar mit religiösem Fanatismus oder Psychokult.
Magnus Göller
06. Januar 2016 06:57
Scharf, entschlossen, klar, hart, zielführend.

Das ist gefragt.

Gelassenheit ist bei kleinen Belästigungen am rechten Ort, jetzt aber für Kühe und Ochsen.
Der Gutmensch
06. Januar 2016 09:25
Ich vermisse mitunter ein nüchternes machtpolitisches, soziologisches und ökomomisches Denken.

Lieber Waldgänger,

würden die Menschen hier so denken, wären sie ja nicht in der Opposition, sondern beim mainstream, weil der bessere machtpolitische Voraussetzungen bietet. Hier wird aber - hoffentlich, manchmal, und allem zum Trotz - ein Feld bespielt, das seine grundsätzliche Berechtigung auch ohne machtpolitische, soziologische und ökonomische Erwägungen hat (gleichwohl es ohne diese auch nicht mehr lange überlebt).

Der Gutmensch.
Waldgänger
06. Januar 2016 21:53
Lieber Gutmensch,

meinen Sie denn, dass man automatisch mainstreammäßig oder gar links sein müsste, nur weil man auch nüchtern, soziologisch, naturwissenschaftlich-technisch und ökonomisch denken kann??
Ich denke nicht, dass sich diese Ansätze der Weltbetrachtung mit rechts-konservativem Denken unvereinbar sind.
Urwinkel
09. Januar 2016 07:55
Bei diesem Thema kommt mir immer wieder der Finne Pentti Linkola in den Sinn. Sein Chauvinismus und Reaktionismus mag manchen hier als ätzend vorkommen. Dennoch sind seine Ideen gar nicht mal so bescheuert und weit hergeholt. Aber erkläre mal einem klassischen Gutmenschen und Technikverrückten, daß wir chronisch überbevölkert sind. Mit krassen Thesen wie denen Linkolas, erntet man bloß ungläubiges Kopfschütteln. Das ist fast schon wieder witzig. Aber nicht ganz.
Tarapo
14. Januar 2016 23:37
Nun es ist modern, das Ende des Nationalstaates zu befürworten –
immer noch. Auch wenn es schöne bzw. weniger schöne Bilder zu Brüssel,
zur EU gibt, am schönsten das die Idee der vereinigten Staaten von Europa
strahlend vom Himmel herableuchtet. Strahlend - aber leblos, tot, wie das Licht längst vergangener Sonnen.

Wir werden uns mehr und mehr daran erinnern, das es sinnvoll ist einem Volk einen eigenen Charakter zuzubilligen, erinnern, denn es ist eine sehr alte Idee. Jede Beschäftigung mit Heidegger ist hier hilfreich.

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