10. Februar 2013

Identitäre Basisarbeit (7): Votivkirche durch neun identitäre Wiener besetzt

von Martin Lichtmesz / 14 Kommentare

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

besetzt2Hut ab: Neun "identitäre" Wiener haben die Masken fallen lassen und diesen Sonntag einen Coup gelandet, der mit Sicherheit nicht unbeachtet bleiben wird.

Zur Vorgeschichte: die Wiener Votivkirche wird seit zwei Monaten unter erheblicher Medienaufmerksamkeit von etwa 40-50 Asylbewerbern besetzt, die damit gegen angeblich "menschenunwürdige" Bedingungen im niederösterreichischen Flüchtlingslager Traiskirchen protestieren wollen und zusätzlich allerlei politische und finanzielle Fundamentalforderungen stellen.

Daß diese Aktion keine Idee der kaum bis gar nicht deutsch sprechenden Flüchtlinge selbst war, sondern von diversen linken bis linksradikalen Anstiftern und Drahtziehern eingefädelt wurde, ist in Österreich seit Wochen bekannt und wird zuweilen auch zaghaft kritisch angemerkt, wie auch die zum Teil als überzogen erkannten Forderungen.  Die unbekannten Autoren der gendergerecht formulierten Liste bleiben zwar im Hintergrund, die Stoßrichtung ist jedenfalls wie üblich die Aushebelung von Bürgerrechten zugunsten von sehr weit gefaßten "Menschenrechten" sowie von als "menschenverachtend" gebrandmarkten Einwanderungs- und Asylbeschränkungen.

Nichts anderes also, als was die Antifanten unter dem Slogan "No border, no nation" oder "Kein Mensch ist illegal" (ist er auch nicht... nur sein Aufenthalt kann es sein) zusammenfassen. Nachhaltig mischt dabei die linkslastige katholische Hilfsorganisation "Caritas" mit. In dieser Inszenierung sind die Flüchtlinge (auf linken Seiten nur mehr als "die Refugees" tituliert), die immerhin zum Teil in Hungerstreik getreten sind, am Ende nur Schach- und Devotionalfiguren linker Strategien und Befindlichkeiten. Das Ganze ist schon längst in eine der üblichen Feelgood-Stücke "gutmenschlicher" Selbstherrlichkeit resp. in ethnomasochistisches Selbst-Bashing ausgeufert. Wobei ich jede Wette eingehe, daß keiner der einschlägigen Akteure Lust hätte, neben einem "refugee camp" wie in Traiskirchen wohnen zu wollen.

Daß diese Nummer mit anderen Worten nicht ganz koscher ist, ist also allgemein bekannt. Ihre politischen Akteure und Unterstützer verschanzen sich indessen hinter einer Rhetorik, die geschickt auf dem guten und schlechten Gewissen gesellschaftlicher Konsenswerte spielt. Kritik hieran zu formulieren ist ebenso schwierig wie sozial riskant, und nun haben eine Handvoll "Identitäre" Wiens es eben doch gewagt: für einige Stunden "besetzten sie die Besetzung", und schafften durch diese Provokation den Sprung in mehrere große Medien, darunter die Presse, der Standard, der ORFOE24 und vor allem der Kurier.
Die Aktivisten hatten in der Kirche Flyer verteilt, Plakate entrollt und eine Videobotschaft auf YouTube gestellt. Die Polizei war nach kurzer Zeit vor Ort, die Kirche wurde abgesperrt. Die Situation war laut Caritas aber unter Kontrolle und gewaltlos, die Männer hatten sich ruhig verhalten.

"Erst wenn die Besetzung der Votivkirche beendet und die Scheinasylanten in einer Moschee oder abgeschoben sind, wird die Besetzung der Besetzung beendet", schrieben die Aktivisten auf Facebook. Mit der Aktion wollte die Gruppe nach eigenen Angaben einen "staatenlosen Flüchtling" aus der Steiermark unterstützen, der nun ebenfalls in den Hungerstreik getreten sei.


Letzteres bezieht sich auf eine satirische Beigabe der Aktion: Ziel sei, auf das Schicksal des armen Sepp Unterrainer, Franz-Josef-Bart- und Trachtenjankerträger aufmerksam zu machen:
In seiner eigenen Heimatstadt, wurde er aufgrund seiner Herkunft diskriminiert, als „scheiß Österreicher“ beschimpft und einem unerträglichen Klima von strukturellem Rassismus ausgesetzt. Unmissverständlich machte man ihm auf seine Gegend zu verlassen. Er war zu einem Fremden in der eigenen Stadt geworden.

Doch egal wohin er sich wandte – nirgends fand er Gehör. Im Gegenteil: Er wurde als rassistisch und fremdenfeindlich beschimpft. Vertreter der Grünen meinten sogar, er solle sich gefälligst besser in die Migranten-Ghettos integrieren und sich an „das neue Österreich“ anpassen.

Die Besetzung der Votivkirche hat Sepp sehr nachdenklich gemacht. Offenbar braucht man in Österreich nur keinen Pass zu haben, damit man Gehör und Anerkennung findet.

Er hat also seinen Pass in den nächstbesten Kanal geworfen und ist nun offiziell staatenlos.
Wie die Asylanten in der Kirche, fordert er nun eine menschenwürdige Unterkunft, vom Staat bezahlt versteht sich. Er will einen Spa, Whirpool, einen Personal-Trainer sowie ausgebildete Hairstylisten. Er verlangt 3 mal am Tag eine warme Mahlzeiten -wählbar aus 3 verschiedenen Menüs+ eine vegetarische Alternative. Internetanschluss und W-Lan sowie ein persönlicher PC und ein Tablet für unterwegs.

Der Kurier brachte sogar ein Foto, das die Besetzer bei der Lektüre eines gewissen Kaplakenbändchens zeigt:

Lesen

Als Gegenreaktion soll ein Mob von ca. 250 Antifas aufmarschiert sein. Um ca. 17:00 wurden die neun Aktivisten unter Polizeischutz aus der Kirche begleitet. Weitere Details kann man auf der Facebook-Seite der IBÖ nachlesen.

Diese "Provokation" kann man im Großen und Ganzen als gelungen betrachten. Wegweisend für den Erfolg sind wohl folgende Punkte: 1. Die Aktivisten haben sich in ein Thema eingeklinkt, das bereits im Brennpunkt der medialen Berichterstattung steht 2. sie haben ihre Aktion in einer spielerischen, fast schon kabarettistischen Form durchgezogen, und 3. haben sie sich als sehr mutig erwiesen und ihr Gesicht für eine Sache gezeigt, die eher unpopuläre Folgen haben wird.

Nachdem die Wahrnehmungsschwelle überschritten ist, wird weiterhin das Problem bestehen, die "Message" korrekt zu vermitteln. Die Medienfilter wirken weiterhin verzerrend, die Reaktionen im Netz deuten auf Irritation und Verwirrung.  Der Gegner hat hier den klaren Feldvorteil, daß er auf der gängigeren, vertrauten Harfe des guten Gewissens und der humanitären Rhetorik spielen und sich dabei als "besserer" Mensch inszenieren kann:
Die Menschenrechtsorganisation "SOS Mitmensch" bezeichnete die Aktion als "Anti-Flüchtlingsprovokation ohne Hirn, Scham und Gewissen". Die "Provokateure" sollten sich mit der "dramatischen Lebenssituation" der Flüchtlinge beschäftigen um "die uferlose Hirnlosigkeit ihres Handelns erkennen", so Alexander Pollak, Sprecher von SOS-Mitmensch.

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (14)

Nihil
10. Februar 2013 22:04
Pressespiegel

Kurier: Rechte Aktivisten besetzten Votivkirche

Kronenzeitung: Rechte "Gegen-Besetzung" in Wiener Votivkirche

Der Standard: Flüchtlingsprotest: Rechtsradikale besetzten Votivkirche

Die Presse: Neun "identitäre Wiener" besetzten Votivkirche

Kleine Zeitung: Neun "identitäre Wiener" besetzten Votivkirche

Auf Twitter läßt der ORF-"Anchorman" Armin Wolf (@ArminWolf) sein Weltbild erkennen: "Positive Lehre des Tages: Mit Recken, denen schon nach 5 Stunden in einer Kirche zu kalt ist, kann keiner je in Russland einmarschieren" nachdem er die Identitären zuvor als "mutmaßliche Idioten und Arschlöcher" bezeichnet hat. Damit befindet er sich in guter Gesellschaft zu Linksextremisten aus der BRD (@Telegehirn) die Stunden zuvor auf Twitter noch "Bereitet den Nazis in der Votivkirche ein Stalingrad" gefordert hatten und sie gerne mit "Dachlatten" traktiert hätten.

Fazit: Unglaublich wie gereizt die Linke reagiert, wenn man ihnen kurz einmal das Spielzeug streitig macht.

M.L.: Die Links sind eh alle im Artikel drinnen.
Nihil
10. Februar 2013 22:16
Immerhin erster Beitrag in den Wiener ORF-Lokalnachrichten (Video):
http://tvthek.orf.at/programs/70018-Wien-heute
sowie auf der ORF-Internetseite:
http://wien.orf.at/news/stories/2570889/
Inselbauer
10. Februar 2013 23:34
Alle Achtung! Das Kärntner Volkstum des "Wieners" von der WIR macht einen rührenden Eindruck. Die österreichischen Linken werden da zwar sicher nichts empfinden, aber man hat ein gespenstisches Gefühl, zum ersten Mal in Österreich gibt es eine andere Perspektive. Ich stelle mir schöne, souveräne Kunststudentinnen und lässige höhere Beamte vor, wie sie auf den stotternden Kärntnerbua "mit kleinem Latinum" herunterschauen. So zerbröselt eine Ideologie!
Unzensuriert.at
11. Februar 2013 00:05
Unser Redakteur vor Ort hat vom linken Pöbel gleich eine verpasst bekommen. Das waren vermutlich auch die "Unterstützer" der "Flüchtlinge", die die Identitären dann zum Verlassen der Kirche "bewegt" haben. Die Argumente der Linken konnte man ja jüngst bei den Demos rund um den Akademikerball bewundern.

http://www.unzensuriert.at/content/0011699-Mob-vor-Votivkirche-attackiert-Unzensuriert-Redakteur
neocromagnon
11. Februar 2013 05:22
Wer ein freies Asylrecht und/oder offene Grenzen fordert, muß auch eine Antwort auf den damit verbundenen Zwang gegenüber der heimischen Bevölkerung geben.
Diese wird vom Staat nämlich erstens dazu gezwungen, die Zuwanderung zu finanzieren, direkt durch Sozialsysteme und indirekt durch steigende Kosten z.B. Kriminalität, Verschmutzung, Unsicherheit, und zweitens unterdrückt der Staat das Recht der Einheimischen ihre eigene Lebenswelt auch durch Gewalt gegen Fremde zu verteidigen.
War also Freiheit für Fremde durch offene Grenzen fordert, muß auch den Einheimischen Freiheit zugestehen, indem sie z.B. selber wählen können, ob sie für Sozialversicherungen, derart verwendete Steuern oder eine Polizeitruppe zahlen wollen oder nicht und indem der Staat den Bürgern das Recht gewährt, Waffen zu tragen und diese zur Verteidigung ihrer Heimat und der Ordnung ihrer Lebenswelt einzusetzen.
Unter solchen gleichen Bedingungen hätte ich nichts gegen offene Grenzen einzuwenden und ich denke, unter solchen Bedingungen würde eine Zuwanderung durchaus in sehr geordneten gesitteten Bahnen stattfinden können. Eine Zuwanderung, von der dann tatsächlich beide Seiten profitieren können, weil sie in beiderseitigem Einvernehmen und Respekt stattfindet.
DAS ist modern, logisch und vernünftig.
Toni Roidl
11. Februar 2013 10:12
»Unglaublich wie gereizt die Linke reagiert, wenn man ihnen kurz einmal das Spielzeug streitig macht.«

Genau. Hihi. Man sollte ihnen viel öfter das Eimerchen wegnehmen.
Martin Lichtmesz
11. Februar 2013 10:49
Der Katechon unter den Ösi-Medien, die "Kronen-Zeitung" hat nun auch zugeschlagen:
http://www.krone.at/Oesterreich/Rechte_Gegen-Besetzung_in_Wiener_Votivkirche-Identitaere_Wiens-Story-350726
Martin Lichtmesz
11. Februar 2013 10:55
Nebenbei: Schwarz-Gelb = Habsburger-Farben!
eulenfurz
11. Februar 2013 11:00
neocromagnon, richtig. Die Refuggy- und PoCrikaner-Lobby (im Schnitt Personal, das mehr Steuern frißt, als es einzahlt) stiehlt sich aus der Verantwortung, wenn sie zwar ein gutes Gutmenschen-Gewissen als Monstranz vor sich hertragen will, die Resultate der eigenen Ideologie aber Unschuldigen aufbürdet.

Betroffen sind im Duktus der Humanimport-Lobby nur die Einwanderer selbst, also jene, die im Gegensatz zu den in ihrer Heimat verharrenden Indigenen noch am ehesten über Gestaltungsfreiheit am zukünftig zwangsläufig gemeinsamen Schicksal verfügen.


Natürlich soll jeder das Recht haben, so viele Flüchtlinge durchzufüttern, wie er will. Aber derjenige sollte auch jedem anderen das Recht zubilligen, sich vor dem Griff in die Taschen zu schützen!
Angela Brüning
11. Februar 2013 14:13
Ich habe die mediale Berichterstattung über die Aktion der Wiener Identitären genau verfolgt. Mein Fazit: Die Aktion ist gelungen. Die Resonanz in den Medien war beachtlich. Ich würde den ironische Part, den man in jede Aktion als Immunisierungsstrategie (wer die Leser zum Lachen und Schmunzeln bringt, hat einen Vorteil) einbauen sollte, stilistisch besser ausformulieren. Bei jeder Aktion sollte man aber den Ironie - Schutzschild regelmäßig senken und analytisch klare und intellektuell ansprechenden Botschaften lossschicken. Plattitüden wie "Gegen Masseneinwanderung und Islamisierung" kommen wirklich schon genug von der FPÖ. Wenn eine Identitäre Bewegung einen Sinn hat, dann die, intelligente junge Menschen von parteipolitischer Tätigkeit abzuhalten, sich gegenseitig intellektuell schulen zu lassen und das Erlernte in der direkten Aktion anzuwenden. Was mir wie bei jeder rechten Jugendgruppe Sorgen macht, ist die Positionierung zu wirtschaftspolitischen Dingen. Leider sind rechte Jugendliche meist wirtschaftspolitisch links und neigen dazu den "Liberalismus" für alles Übel dieser Welt verantwortlich zu machen. Was Österreich auf keinen Fall braucht, ist noch eine Gruppe, die bei über 40 % Staatsquote auf die Exklusion von Ausländern aus dem Sozialstaat setzt und mit dieser "Ersparnis" die ohnehin sozialistisch verblödeten Österreicher pampern will.
Inselbauer
11. Februar 2013 14:18
Bei aller Liebe, aber die Habsburger sind zuviel des Guten! Dieses katholische degenerierte Syphilo-Gesindel will wirklich gar keiner mehr. Die Uniformen der Donaumonarchie sind wunderschön, das Essen war gut, Kunst und Wissenschaft 1914 auf einem Höhepunkt. Aber Identitäre, schaut euch den Karli Habsburg an! Deutsche Jugend, soll das dein Führer sein?! (...)

M.L.: Also bitte... was ist gegen unseren guten, seligen Kaiser Karl einzuwenden??
Jan
11. Februar 2013 15:48
ich habe seit geraumer Zeit darauf hingewiesen, daß das Identitätsproblem mit den Kirchen zusammenhängt. Siehe Vorträge von Dr. Walter Veith. Das ist aber eine Sache, die nicht schnell mal so gelöst werden kann, zumal man keine Macht hat.

warum aber hat das Volk z.B. gegen den ESM keinen Widerstand geleistet? M.M. Deshalb, weil nicht genügende Menschen um mehr als eine Ecke denken können und daher die Gefahr nicht erkennen und zweitens, weil die Menschen auch infolge der Industrialisierung daran gewöhnt wurden, nur auf Anweisung zu denken und zu handeln. Da entsprechende Anweisungen für Widerstand nicht erfolgt sind, hat sich auch nichts geregt.

Ist es nicht so, daß man direkt auf den Straßen die Ursachen für den nicht erfolgten Widerstand erfragen muss und daß Spengler etc. etwas sehr theoretisch sind?
Inselbauer
11. Februar 2013 16:05
Lieber Herr Lichtmesz, ich habe mich auf den Muster-Karli bezogen, der schon 1993 eine Fernsehshow hatte und dann unangenehm aufgefallen ist, weil er für die ÖVP kandidiert, erfolglos einen Ghostwriter für seine Uni-Texte gesucht und Diademe geschmuggelt hat (...) der letzte Kaiser ruhe in Frieden, obwohl er ein Reich versemmelt und die letzten Kartuschen Giftgas aus eigener Tasche bezahlt hat

M.L.: Na, da bin ich aber beruhigt!
Asenkrieger
11. Februar 2013 18:28
@ M.L.
Ich schätze Ihre Art zu schreiben. Sie haben einen ansprechenden Stil: Sie bringen eine interessante Mischung aus ausgiebig zitierten Originalquellen, eigenen Fakten und vor allem haben Sie das Wesentliche im Blick. Dieser Blick ist nach vorne gerichtet. Die Identitären sind tatsächlich eine Chance. Gut, daß Sie so über deren Entwicklung berichten.

Das sieht man wohl auch anderswo. Gerade habe ich zu meiner Überraschung und Freude Ihren "Heimkehr"-Artikel von Sezession in einer englischsprachigen Übersetzung bei Counter Currents Publishing - frisch veröffentlicht - im Netz gelesen.

Die Identitären sind übrigens auch bei Counter Currents Publishing mit einem Video of the day vertreten, sie gaben alternativright.com ein Interview und sind auf der Februar-Konferenz von American Renaissance vertreten.

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