13. Juni 2015

Krieg gegen Syrien – Flächenbrand in der arabischen Welt

von Benedikt Kaiser / 45 Kommentare

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Karin Leukefeld_FlächenbrandEs wird eng für Syrien. Rußland zieht seine Unterstützung ab, verschiedene Terrorallianzen rücken auf die letzten Regierungsbastionen vor, die Armee ist ausgeblutet. Denn seit über vier Jahren führen neofundamentalistische Sunniten (Takfiris) aus der ganzen Welt einen barbarischen Krieg gegen den Staat des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad, einen Krieg gegen das syrische Volk, das trotz importierter Spaltungsversuche seit Beginn der Krise beeindruckend loyal zum syrischen Einheitsstaat steht.

Einige der sog. Rebellen kämpfen und morden unter dem Label „Islamischer Staat“ (IS), andere als „Nusra-“ oder „Islamische“ Front, wieder andere als „Freie Syrische Armee“.

Unterstützt werden sie von den üblichen Verdächtigen Saudi-Arabien, Katar, Muslimbruderschaft und anderen regionalen Ideologieexporteuren. Unterstützt werden sie aber dabei seit Anbeginn der Konflikte in Syrien auch von westlichen Akteuren – und von deren willfährigen Hofberichterstattern, den bundesdeutschen Journalisten.

Offenkundig ist dabei die Kollaboration „linker“ und „liberaler“ Medien, wenn es um die dezidiert neokonservative Deutung der Auseinandersetzungen im Nahen und Mittleren Osten geht. Von Jungle World bis zur Springer-Presse wird einseitig und in höchstem Maße unreflektiert gegen den gewiß autoritären, aber säkularen Staat Assads Stimmungsmache betrieben. Trotz der Tatsache, daß sich das Gros der Vorwürfe gegen die syrische Kriegführung früher oder später in regelmäßigen Abständen als haltlos erweist oder die Urheber von Kriegsverbrechen in den von westlichen Journalisten angepriesenen „Rebellengruppen“ zu suchen sind: Umdenken sucht man bei den Bellizisten vergebens.

Kein Wort des Bedauerns über abgeschlachtete Christen, gefolterte Alawiten oder geköpfte Schiiten in den Blogs der selbsternannten „Nahostexperten“, dafür täglich zynische Jubelmeldungen, wenn wieder eine syrische Regierungseinheit von Terroristen umschlossen, aufgerieben und ausgelöscht worden ist. Das absolutistische, wahabitische Saudi-Arabien wird gar dafür gelobt, in Israel nicht mehr den Hauptfeind zu sehen – da kann man auch über den saudischen Angriffskrieg im Jemen und die konstante Terrorunterstützung in Syrien und im Irak hinwegsehen.

Aber selbst für die Verhältnisse dieser bundesdeutschen Medien ist es absurd, wenn einer dieser „Experten“ aus dem sicheren Home-Office aus die realen Gegebenheiten ganz genau zu kennen glaubt und – ohne die Folgen für Christen, Alawiten, Assad-treue säkulare Sunniten und andere Feinde der Dschihadisten auch nur ansatzweise zu bedenken – den in bälde erwarteten Fall der legitimen syrischen Regierung herbeiphantasiert. Man erspare sich ausführliche Exegese der westlichen Berichterstattung, pars pro toto steht ein „Konfliktreporter“, der in der Bild-Zeitung recht freimütig und ohne jeden Anflug von Scham seine groteske Arbeitsweise vorstellt:
Auf diese Weise berichte ich von weltweiten Konflikten, vor allem über die Kriege in Syrien und der Ostukraine. Diese Konflikte sind so gefährlich, dass sich kaum ein Journalist in die Regionen wagt.

Deshalb werte ich Augenzeugenvideos (unter anderem von YouTube und Facebook) am Computer zu Hause aus. Die detaillierte Analyse dieser Bewegtbilder kann so entscheidende Erkenntnisse liefern.

Wie gesagt: Ein Beispiel reicht aus, denn nicht nur zitierter Julian Röpcke arbeitet so, sondern zahlreiche „Berichterstatter“ seiner Zunft. Eine wohltuende Ausnahme stellt Karin Leukefeld dar. Schade, daß die Ethnologin und Islamwissenschaftlerin fast exklusiv an entlegenem Ort für die radikal linke Tageszeitung junge Welt berichtet, denn ihre dort publizierten Vor-Ort-Recherchen und -Analysen sind stets lesenswert und informativ. Sie hat diese nun auch in einem Buch verarbeitet: Flächenbrand. Syrien, Irak, die Arabische Welt und der Islamische Staat (Köln 2015) sollte dringend als wohltuendes Gegengift zur täglichen Dosis „westliche Berichterstattung“ gelesen werden und ist das notwendige Gegenstück zu Daniel Gerlachs unsäglichem Syrien-bashing (Herrschaft über Syrien, Hamburg 2015).

Leukefeld widerlegt die Mär von "gemäßigten" Rebellengruppen und erinnert unter anderem daran, daß der IS und andere Terrorbanden keineswegs urplötzlich entstanden. Denn natürlich kommen straff organisierte und bestmöglich ausgerüstete Terrororganisationen nicht aus dem luftleeren Raum. Hinter ihnen stehen regionale und überregionale Akteure, die eigene geostrategische Ziele – etwa die Ausschaltung des „schiitischen Halbmonds“ (Iran, Irak, Syrien, Hisbollah + Amal/Libanon) zugunsten eines prowestlich-marktwirtschaftlichen, US-genehmen sunnitischen Blocks – verfolgen und die sunnitisch-neofundamentalistischen Kräfte gegen unliebsame Gegner – etwa das widerspenstige souveräne Syrien – als Rammbock nutzen.
Krieg in Syrien – Propaganda und Wirklichkeit

Immer wieder werden Geschäftsleute und Politiker aus Kuwait, Katar und Saudi-Arabien als zwielichtige Finanziers der IS-Terroristen benannt. Nachweislich wurden die Fundamentalisten von Saudi-Arabien unterstützt. Deren Ziel: Zerstörung des syrischen Nationalstaates, Zerschlagung des erwähnten schiitischen Selbstverteidigungsblocks, Schwächung des regionalen Gegenspielers Iran. Mittlerweile beteiligt sich die Golfmonarchie aber an der US-geführten Anti-IS-Allianz und bombardiert vereinzelt Stellungen der – wie sie – wahabitisch ausgerichteten Terrororganisation. Außerdem werden nun andere, den IS bekämpfende neofundamentalistische Gruppen (Bündnis 'Armee des Islam') gefördert. Dieses Spiel geht – unter den Augen und dem Schweigen der westlichen „freien Welt“ – auf Kosten des syrischen Volkes in seiner Gesamtheit.

Das leidet heute wie noch nie in seiner wechselvollen, harten Geschichte. Vor dem Krieg gab es freilich erhebliche Mißstände, doch
trotz all dieser Probleme [Vetternwirtschaft, Geheimdienstmißbrauch, Vorzug alawitischer Kreise; Anm. B. K.], von denen Bashar al-Assad etliche von seinem Vater Hafez geerbt hatte, herrschte keine direkte Not in Syrien. Es gab kostenlose Gesundheitsversorgung […]. Die überwiegende Mehrheit der Syrer konnte lesen und schreiben, niemand musste Hunger leiden. Syrien war ein Entwicklungsland, das stets über eine Getreidereserve für zwei Jahre im Voraus verfügte. 2010 war Syrien ein Land, das Fortschritte machte und schuldenfrei war. Heute – nach vier Jahren Krieg – ist es hoch verschuldet, vielerorts fehlt es am Nötigsten. (Leukefeld, S. 45).

Man muß hier noch zusätzlich ergänzen: Heute sind zahlreiche Städte zerstört, Millionen Menschen sind auf der Flucht, Hunderttausende tot, wiederum Millionen unter der Herrschaft von dschihadistischen Fanatikern.

Mittlerweile ist es hinlänglich bekannt, daß die NATO-Staaten, allen voran die USA, schon vor Jahren einkalkulierten, daß sich derartige Entwicklungen vollziehen werden, daß ein sunnitisches „Kalifat“ in Syrien entstehen wird. Sie förderten alles und jeden, der bereit war, gegen Präsident Assad zu Felde zu ziehen. US-Vizepräsident Joe Biden mußte im Oktober 2014 bei einem Vortrag an der Harvard-Universität in einer vorläufigen Rückschau einräumen, daß „unsere Verbündeten unser größtes Problem waren.“ Der bemerkenswert offenherzige Biden nannte konkret „die Türken, die Saudis, die Emirate“, die „so entschlossen waren, den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad zu stürzen und einen Stellvertreterkrieg zwischen Sunniten und Schiiten zu initiieren“, daß sie gar „Hunderte Millionen US-Dollar und Tausende Tonnen Waffen an jeden lieferten, der gegen Assad kämpfen wollte.“ (zit. n. Leukefeld, S. 207 f.)

Die Einsicht kommt spät, und mit den neusten Unterstützungen für die mörderische IS-Konkurrenz von Nusra und Co. durch die USA deutet wenig auf einen tatsächlichen Sinneswandel oder Lerneffekt der US-Amerikaner hin. Und selbst wenn einst die Unterstützung für neofundamentalistische Terroristen ("Rebellen") eingestellt werden sollte, stellt Knut Mellenthin dazu treffend fest (in Hintergrund 1/15, S. 9):
Daß die Dinge der US-Administration aus dem Ruder gelaufen sind, ist mit guten Gründen anzunehmen. Es befreit sie aber nicht von Schuld.

Aufgabe bundesdeutscher, sich selbst als „kritisch“ verstehender Reporter wäre es nun, unbequeme Fragen zu stellen, etwa: Weshalb ist Saudi-Arabien westlicher Alliierter, Syrien aber „Schurkenstaat“? Weshalb sehen sich die syrische Armee und ihre Verbündeten mit ihrer teils veralteten Ausrüstung hochmodern ausgestatteten Terroristenarmeen gegenüber, deren Waffensysteme offenbar aus westlichen Beständen stammen? Welche Nachkriegsordnung soll einst in einem Syrien ohne Assad eingeführt werden? Was wird aus den nichtsunnitischen Bevölkerungsteilen nach dem Kollaps der syrischen Nation infolge eines (Teil-)Sieges des IS (oder Nusras, oder der 'Armee des Islam' etc.)? Wie kann man das Leben von Millionen Christen, Alawiten, Schiiten, Drusen, kurz: aller nicht „rechtgläubigen“ Sunniten retten, wenn man ihr letztes Schutzschild – die syrische Armee und ihr nahestehende Milizen – vernichten läßt?

Auf solche Fragen wartet man freilich vergeblich. Syrien soll fallen, der nächste failed state werden. Die deutsche Journaille wird jubeln. Und alsdann die sofortige und vollständige Aufnahme all jener Menschen fordern, die flüchten werden müssen. Ein zynisches Spiel mit Menschenleben, ganz bequem mit MacBook auf dem heimischen Sofa.

Karin Leukefeld: Flächenbrand. Syrien, Irak, die Arabische Welt und der Islamische Staat (= Neue Kleine Bibliothek 208), Papyrossa: Köln 2015, 284 S., 14,90 € – hier bestellen

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Kommentare (45)

t.gygax
13. Juni 2015 15:42
Der Schweizer Friedensforscher Daniele Ganser hat in verschiedenen Texten nachhaltig dargelegt, welche Ziele und welche Strategien von den Herrschenden angewendet werden, wenn ein Land wie Syrien und ein Staatsoberhaupt wie Assad ausgeschaltet werden soll. Was kaum jemand weiß: unter Assad hatte die christliche Minderheit einen Freiraum, den es sonst in keinem anderen islamischen Land gibt. Die Leute, die Assad weghaben wollen, sind Verbrecher,und zwar ohne wenn und aber. und es sind die Gleichen, die das seit 50 jahren immer wieder an anderen Stellen der Erde mehr oder weniger erfolgreich praktiziert haben.
muotis
13. Juni 2015 15:45
Eine offenbar lesenswerte Analyse. Dennoch kann ich nicht begreifen, wie man nach zahllosen Beispielen über mehrere Jahrzehnte hinweg, in denen die USA durch ihr Eingreifen im Nahen Osten und in Nordafrika am Ende die Lage stets verschlimmerten anstatt eine Besserung zu schaffen, ihnen immer noch gute Absichten unterstellen kann oder davon ausgeht, daß dort etwas "aus dem Ruder gelaufen" ist. Die USA sind allein wegen ihrer knallharten Außenpolitik die letzte verbliebene Supermacht, die ohne Reue und durchaus mit Kalkül eine gesamte Region ins Chaos stürzt.
Vor diesem Hintergrund erscheint der publizistische Ort in der "Junge Welt" folgerichtig. Kritik am letzten Hegemon ist ja hüben wie drüben gerechtfertigt. Und dank Atlantik-Brücke und Co. schauen Politik und etablierte Journalisten gerne dorthin, wo sie hinschauen sollen. Geschickt, diese Amis!
Zu einer derart verschachtelten Agenda waren wir Deutschen im Übrigen noch niemals fähig. Deshalb kommt der deutsche Durchschnittsjournalist vielleicht auch gar nicht auf den Trichter, daß der Weltmeister in Menschenrechtsrhetorik diese nur als Mittel zum Zweck bedient und unter diesem Deckmantel einen Kurs fährt, der jeglichem Menschenrechtsgedanken zuwiderläuft.
Fenris
13. Juni 2015 16:58
Die Leute, die Assad weghaben wollen, sind Verbrecher [...] und es sind die Gleichen, die das seit 50 jahren immer wieder an anderen Stellen der Erde mehr oder weniger erfolgreich praktiziert haben


seit über 100 Jahren!

Warum weigert sich eigentlich ein jeder, diese hier aufgedeckten Mechanismen auch zugunsten der eigenen Geschichte wenigstens einmal gedanklich anzuwenden? Das Deutsche Reich wurde gleich zweimal Opfer (sic!) dieser internationalen Machenschaften.
Erzreaktionär
13. Juni 2015 17:40
Egal, was man im Einzelnen von der syrischen Regierung halten mag (letztlich die Diktatur eines Familienclans, der sich seit Jahrzehnten die Taschen füllt) - ich kann nur immer wieder meinen tiefen Respekt vor den Soldaten der Syrischen Armee bekunden. Diese Männer (und Frauen) stemmen sich seit nunmehr vier Jahren mit dem Mut der Verzweiflung und letztlich ohne Siegesaussicht fast völlig auf sich alleine gestellt (Russland ist ja praktischerweise inzwischen durch den Ukraine-Krieg abgelenkt) gegen eine globale Allianz aus liberalen Demokraten und fanatischen Islamisten - dieselbe unheilige Allianz, die auch Westeuropa zunehmend im Würgegriff hat. Ideologen und Fanatiker unter sich.

Was aber soll danach kommen? Außer Chaos und Zerstörung allerorten zeichnet sich für meinen beschränkten Verstand kein mögliches Szenario ab. Aber die Strategen im DC und ihre Handlanger in Brüssel haben doch sicher eine große Zukunftsvision...
Ein Leser
13. Juni 2015 18:09
In Großbritannien ist erst kürzlich ein Terrorprozess geplatzt, weil sich herausstellte, dass der britische Geheimdienst die selbe Terrorgruppe unterstützt hat, der auch der Angeklagte angehörte: http://www.theguardian.com/uk-news/2015/jun/01/trial-swedish-man-accused-terrorism-offences-collapse-bherlin-gildo
Bender
13. Juni 2015 18:14
Danke für den interessanten Einblick in das Buch.
Außenpolitisch ist die „Junge Welt“ gut aufgestellt, innenpolitisch ist es eher der übliche Tenor und unterscheidet sich nicht zwingend von den anderen Leitmedien, obwohl es dort derzeit einige Konflikt hinsichtlich der Bewertung der Friedenbewegung gibt (Teilnehmer, Ansichten/ siehe unter anderem hier). Übrigens gehört Knut Mellenthin gewiss nicht zu den Menschen die der USA gute Absichten unterstellen, aber er dämonisiert diesen Staat nicht stumpf, sondern zerpflückt ihn eher kritisch.
Während Staaten wie die USA und Saudi-Arabien teilweise den IS förderten, ist auch Israel an der Destabilisierung beteiligt und sollte nicht unterschlagen werden, dort wird indirekt die Nusra-Front unterstützt (siehe hier).
@muotis
Sicherlich sind die USA als einer der Hauptschuldigen auszumachen, aber nur diesen die alleinige Schuld zu zuschieben - auch der dortigen Regierung sind stabile, ihnen positive gesinnte System auf Dauer lieber - und regionale Mächte wie Saudi-Arabien zu ignorieren geht an der Sache vorbei, Kaiser fragt zu recht: Weshalb ist Saudi-Arabien westlicher Alliierter, Syrien aber „Schurkenstaat“? Selbiges würde für Katar gelten. Während diese Staaten in der Vergangenheit ihren „Arabischen Frühling“ unterdrückten, blickte alle Welt nur auf den Iran und während diese Staaten nun im Jemen bomben, und die Schiiten immer weiter zurückdrängen wollen, wie es gerade im Irak passiert, wird wieder der Blick auf den Iran (Stichwort: Atomprogramm) gelenkt. Und gerade der Iran wird hierzulande auch gerne unter dem Label Schurkenstaaten geführt und man kann sich denken, dass wenn Syrien der neue failed state geworden ist, der Blick auf den Iran gerichtet wird. (Das soll die Hegemonialmacht USA nicht in Schutz nehmen, aber die regionalen Geflechte der Macht, sollten nicht unterschätzt werden. Zudem steht der Hauptfeind im eigenen Land.) Schlussendlich würde diese bedeuteten – sofern das Spiel nicht unterbrochen wird – noch mehr Flüchtlinge für den europäischen Kontinent. Oder mit den Worten von Kaiser: Das „zynisches Spiel mit Menschenleben, ganz bequem mit MacBook auf dem heimischen Sofa“ aus, beginnt dann wieder von vorne.
reiner tiroch
13. Juni 2015 20:35
der Plan der USA ging doch wunderbar auf. alle Grüppchen, Gruppen organisationen usw bekriegen sich gegenseitig bis es keinen mehr gibt, nebenbei macht die IS dem Assad das leben schwer, und die USA sind am frohlocken. da kann dann Israel in aller Ruhe den Iran zerlegen.
Leo
13. Juni 2015 22:45
Werter Herr Kaiser,

right is right and left is wrong --- aber zuweilen ist das über den Tellerrand lesen doch sehr nützlich, nicht wahr?!
Nicht, daß ich mir Sorgen gemacht habe, weil zwischen/neben meinen kaplaken-Büchern auch PapyRossa-, konkret- oder laika-Bücher stehen... Aber anerkennende Worte für jungeWelt und Hintergrund habe ich hier nun wirklich noch nicht gelesen.

Doch nur so kann's werden mit der Querfront. (Studieren geht vor Postulieren - und zwei Gespräche Kubitschek-Elsässer machen noch keinen Sommer, aber---:) Das Gute wächst eben doch zumeist links und rechts abseits des Mainstreams...

Aber daß ich nun auch PapyRossa via antaios ordere ... wirklich: Eine ganz neue Qualität.
Oder nun wirklich: Neue(!) Rechte?
Chapeau!
minz.torsten
14. Juni 2015 00:03
Treffende u. bestürzende Analyse des moralischen, politischen u. medialen Versagens der westlichen Gesellschaft. Hinzugefügt werden müsste noch die Tatsache, daß es vor allem linke bzw. linksliberale "Gesinnungsgenossen" (US-"Demokraten, Grüne etc.!) waren, die den "arabischen Frühling" stürmisch begrüssten, die machtübernahme durch die Muslimbrüder geflissentlich ignorierten u. in Assad den neuen "Hitler" definierten - nun ist es Putin?! Die selben Kreise, sprich der gleichgeschaltete pseudolinke Mainstream fühlen sich ja auch der islamischen, will heißen sunnitischen "Einwanderungskultur" verbunden u. teilen mit ihnen ungeniert die Ablehnung bzw. Bekämpfung der christlichen Kultur sowie deren Neo-Antisemitismus/Israelhass.
30 Jahre Propaganda der PLO, deren Nachfolger Hamas, der internationalen Muslimbruderschaft sowie der islamischen Verbände in Europa/USA haben nun augenscheinlich ihren Zweck erfüllt. Wohl nicht von ungefähr ist der Kaiser-Wilhelm-Dschihadistenbart unter den "linken" deutschen "Zornesmännern" der jüngeren Generation so verbreitet - statt Hitlerbärtchen nun der fascho-islamische Look?!
Zadok Allen
14. Juni 2015 00:15
Drei kurze Anmerkungen:

Erstens: Wie Herr Kaiser richtig bemerkt, richtet sich die Aggression der USA selbstredend nicht gegen die maßvoll-säkulare Diktatur Assads (den ich geradezu für einen Schmerzenmann unserer Zeit halte), sondern gegen einen impertinenten Mittelstaat, der sich erdreistet, souverän sein zu wollen. So ist es schon Libyen ergangen. Hiervon bleibt die geostrategische Frage des "schiitischen Halbmondes" natürlich unberührt.

Zweitens: Am Rande der Unverständlichkeit bewegt sich für mich das derzeitige Agieren Rußlands in der Syrien-Frage. Ist man im Sinne einer "Frontbegradigung" allen Ernstes gewillt, den wichtigen Verbündeten (und mit ihm den Militärhafen Tartus) aufzugeben? Sollte es so sein, kann dies ein Hinweis darauf sein, welche Messer die angelsächsische Weltkrake den Russen in dieser Sache an die Kehle gesetzt hat.

Drittens: Die größte Sorge sollte uns die Chaotisierungsstrategie bereiten, die seit einigen Jahren vom angelsächsischen Imperium in der gesamten Nah- und Mittelostregion gefahren wird. Denn natürlich ist das Schaffen von failed states und die Generierung gewaltiger Flüchtlingsströme (hier paßt das Wort einmal) das unausgesprochene Ziel, dem die Instrumentalisierung der Kopfabschneidersekten dient.

Diese Strategie des Chaos kann (mit Blick auf Erstens) natürlich auch jederzeit an jedem Punkt Europas entfaltet werden. In gewisser Weise geschieht dies ja durch den großdimensionierten Einsatz der "Migrationswaffe" bereits. Doch wozu das ganze? Allein die Deutung scheint plausibel, daß hier ein moribundes Imperium im Begriff ist, den Rest der Welt in den eigenen Untergang mitzureißen.
Denis
14. Juni 2015 13:05
Woher kommt die Info, Russland hätte seine Unterstützung abgezogen?

Ich habe von der Front lange nichts gehört, aber die Beziehungen zwischen Russland und Iran sind sogar im Ausbau begriffen, und Iran ist der engste Verbündete von Syrien.
Magnus Göller
14. Juni 2015 14:06
Bislang geht das Kalkül der Amerikaner auf. Die Journaille unterstützt ihre Destabilisierungskriege, ebenso wie die EU-Regierungen, und die (echten, viele sind ja nicht echt) Flüchtlinge sind dann natürlich besonders in Deutschland alle willkommen, untergraben, wie gewünscht, auch die gesellschaftliche Stabilität bei uns.
Israel scheint sich derweil sicher zu sein - ich weiß nicht, warum - , dass ein syrischer sunnitischer Fundamentalistenstaat (oder ein staatsähnliches Gebilde) keine besondere Bedrohung darstellen werde.
Kein Problem, wenn Schiiten, Christen, Alawiten, Drusen, Yeziden usw. massakriert und vertrieben werden, und an den Golanhöhen macht man dann ob der Übermacht des israelischen Militärs einfach halt? Hat man all diese Blutrausch-Fanatiker dann wirklich auf Pfiff im Griff? Was ist Israels Kalkül, da man doch mit Assad immer verhältnismäßig gut leben konnte?
Kaum anzunehmen ist, dass Israel das Chaos dazu nutzen will, Damaskus und weitere Gebiete zu besetzen. Das kostete verdammt viel Kraft. Wieso hilft ein Land, das schon mit der Hamas genug zu tun hat und die Hisbollah im letzten Libanon-Krieg nicht besiegen konnte, direkt vor seiner Haustür einen unberechenbaren Feind zu züchten? Weiß man, dass bald alle sunnitischen Kleriker den erstaunten Gläubigen sagen werden, nur die obengenannten Ungläubigen seien vom Erdboden zu tilgen, die lieben Juden aber seien Freunde und natürliche Verbündete?
Israel ist beileibe nicht der einzige Akteur, klar; passte die Entwicklung aber Israel nicht wenigstens im Großen und Ganzen, so gäbe es sie schon allein aufgrund des jüdischen Einflusses in den USA ganz sicher dergestalt nicht. Will heißen: Es müssen für die Zeit nach Assad weiterreichende Pläne vorliegen.
Der Iran verlöre mit dem Sturz Assads natürlich einen wichtigen Verbündeten; er verlöre aber einen Verbündeten, der fast nur noch kostet; der Iran selbst wäre dadurch nicht entscheidend geschwächt.
Und überdies schlachten sich ja radikalsunnitische Gruppen - mit die ärgsten Feinde Irans - in Syrien auch nach Herzenslust gegenseitig ab, während im mit Iran verbündeten schiitischen Südirak vergleichsweise Ruhe und Ordnung herrscht.
Die sunnitischen Fanatiker in Syrien und im Nordirak werden, wofern sie nicht wenigstens die Ölfelder von Kirkuk erobern, indem sie die sonstige Wirtschaft durch Vertreibung und Ermordung wichtiger Eliten sicher ruinieren, eben nicht den ständigen riesigen Geldzufluss Saudi-Arabiens und Qatars haben, den Laden irgendwie am Laufen zu halten. Wer wird das bezahlen?
Oder bringen dann ein paar NGOs den Gotteskriegern - rappzapp - modernes Wirtschaften bei, mit Schulen, auf denen die Kinder wirklich etwas lernen dürfen?
Wer wird diesen Banditenstaat über Wasser halten? Wann kippt Jordanien?
Kurzum: Ich frage mich, welche mehr oder weniger realistischen langfristigen Pläne die Hauptakteure da eigentlich verfolgen.
Denis
14. Juni 2015 14:34
http://www.moonofalabama.org/2015/06/damascus-goes-defensive.html bestreitet jedenfalls, dass sich Russland irgendwie zurückziehen würde.

Antwort Kaiser: http://syrianobserver.com/EN/News/29307
Panzerpionier
14. Juni 2015 15:03
@ Minz

Was reden Sie da ? Nicht nur besteht ein Drittel des palästinensischen Volkes aus Christen, arabische Christen haben in der PLO wie überhaupt im arabischen Nationalismus und dessen marxistisch-leninistischen Ablegern eine herausragende Rolle gespielt; als Theoretiker, aber z.B. auch als Flugzeugentführer (z.b. Lajla Khaled, Suheila Andrawes).

Hamas ist nicht die Nachfolge-Organisation der Fatah/PLO, sondern ein unter maßgeblichem Einfluß des Mossad aufgezogenes Konkurrenzunternehmen.

Wenn es eine Macht gibt, die ein Interesse daran hat, daß die Region ins Chaos stürzt, so ist es der Staat Israel (einschließlich seiner Verbündeten, der Washingtoner Likudniks).
Thomas Wawerka
14. Juni 2015 17:03
Zadok Allen: Doch wozu das ganze?

Dieser Frage möchte ich mich anschließen. Ich kapier's auch nicht. Was nützt dem Hegemon ein failed Europe?
Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
14. Juni 2015 17:55
@ Zadok Allen

Am Rande der Unverständlichkeit bewegt sich für mich das derzeitige Agieren Rußlands in der Syrien-Frage.

Russland wird wohl mit den USA eine Vereinbarung getroffen haben:
Syrien überlassen wir Euch, und Ihr uns die Ost-Ukraine.

Nun denn, so geht Weltpolitik. Ehemalige Verbündete, Freunde, werden geopfert, wenn es den eigenen Interessen dienlich erscheint. Das machen aber nicht nur die USA so.

" angelsächsische Weltkrake"

Das zu wissen und sich wieder und wieder darüber zu empören, ist heuchlerisch, zumindestens intellektuell unredlich.


Als mittlerer Staat kann Deutschland sich nicht darauf verlassen, dass andere Staaten, Großmächte, uns beschützen.
Gerade in dieser Zeit des Umbruchs bräuchten wir eine Regierung, die das Interesse des deutschen Volkes wahrt. Verwenden wir unsere Energie darauf eine solche zu bekommen.
Fredy
14. Juni 2015 21:50
Müssten wir nicht alle nach Syrien, seinerzeit nach Oberschlesien? Ja. Aber wir haben zuviel zu verlieren und nichts zu gewinnen. Das Tun ist heute so frucht- und sinnlos wie das Nichtstun. Lasst die Flüchtlingsströme anschwellen. Der Krug muss noch öfter zum Brunnen.
Hajo Blaschke
14. Juni 2015 21:58
@ Benedikt Kaiser Mich würde interessieren, woher die Information stammt, dass Russland Assad im Stich lässt. Ich habe dazu bisher in keiner Quelle eine Bestätigung gefunden.
Optimistischer Schwarzseher
14. Juni 2015 22:08
Ach, wenn diese geistige Flexibilität, Neugier und Unvoreingenommenheit nur beidseitig wäre, die Machtstrukturen, insbesonders medial interpretativ, würden wanken.
Auch ich schätze die Junge Welt. J im Browser schlägt mir immer Junge Freiheit und Junge Welt vor. Integer sind sie, wie alle Radikalen. Ausrechenbar wie alle Ideologen. Lesenswert aus beiden Gründen, auch wenn unsereins ganz andere und sicherlich weiterführende Schlüsse aus dem Erkannten zieht.
Hoffen wir, dass der unvermeidliche,weil gewollte, Weltenbrand zuerst die Masken und ideologischen Brillen versengt.
Benedikt Kaiser
15. Juni 2015 09:43
@Blaschke:
Zum Beispiel hier: http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4663172,00.html
Hajo Blaschke
15. Juni 2015 10:41
@ Benedikt Kaiser Hallo Herr Kaiser, ich glaube, dass Sie diese Meldung problemlos als interessengesteuertes Fake betrachten können. Nach meinen Informationen ghibt es für Russland gar keinen Grund, den Verbündeten Assad fallenzulassen. Es gibt dagegen sehr gute Gründe, Assad weiter zu unterstützen. Und Russland tut das auch. Yiddish News streut Propaganda, vor allem auch Wunschpropaganda.
Rosenkranz
15. Juni 2015 12:35
Die ganze Destabilisierung der nordafrikanischen Region hat doch hauptsächlich zu einem starken Anschwellen der Flüchtlingsströme nach Europa geführt. Weiter lehrt uns die jüngere Geschichte, daß afrikanische Flüchtlinge (überwiegend jung, stark, männlich), die einmal in Europa angekommen sind, kaum wieder in ihre Heimatländer zurückkehren werden. Die Geschwindigkeit, mit der gerade beschleunigt wird, ist einfach unglaublich.

Ich empfehle jedem das Werk von Spengler "Jahre der Entscheidung" zum Studium. Er sprach damals von der existentiellen Bedrohung der weißen Völker durch den internen Klassenkampf von unten und der farbigen Weltrevolution. Heute sind die Würfel gefallen. Die weißen Völker werden von Tag zu Tag bedeutungsloser. Spenglers Befürchtungen sind wahr geworden.

Ist das immer so? Müssen wir eher in Zyklen denken, als linear? Müssen wir akzeptieren lernen, daß unsere Zivilisation untergeht, weil es quasi ein Naturgesetz ist?

Es gibt Aufstieg, Blüte und Verfall. Nun hat der Verfall uns erwischt. Der ganze materielle Fortschritt, der Gewinn an Bequemlichkeit und Komfort für alle, hat uns weich werden lassen. Die linke Ideologie der weißen Völker hat gewonnen und doch verloren. Nun werden wir islamisiert, afrikanisiert und osmanisiert. Man schaue nach Detroit und sehe unsere Zukunft.
Marcus Junge
15. Juni 2015 13:04
Hajo Blaschke

Kann aus der kurzen Meldung über das Treffen in Sotchi und den angeblichen Gesprächen dort zur Beendigung der Kämpfe in Syrien auch nicht wirklich ablesen, daß die Russen Assad abgeschrieben haben.

Die ganzen Terroristen in Syrien sind keine taugliche Alternative. Sollten die, wer auch immer genau, an die Macht kommen, dann verliert Rußland Syrien vollständig, während die USA alles gewinnen.

Solange also keine handfesten Belege für ein Ende der Belieferung Assads mit Waffen, Munition, ... kommen, halte ich es für unglaubwürdig, daß Rußland Assad abgeschrieben hat. Es kostet ja die Russen auch fast nichts. Alte Waffen, Munition, Ersatzteile, ... sind billig in Rußland zu haben, man spart sich teilweise sogar die Kosten der Verschrottung dadurch.
Benedikt Kaiser
15. Juni 2015 13:11
@Junge/Blaschke:
http://observer.com/2015/06/is-putin-cutting-and-running-from-assads-syria/
Schaut jetzt nicht verheißungsvoll aus. Aber in diesem Fall wäre ich sehr erfreut, mich getäuscht zu haben!
Zadok Allen
15. Juni 2015 13:34
@ Waldgänger

Russland wird wohl mit den USA eine Vereinbarung getroffen haben:
Syrien überlassen wir Euch, und Ihr uns die Ost-Ukraine.


Ihnen dürfte klar sein, daß dies kein guter "deal" für Rußland wäre. Denn dann hätte es sein Glacis, den halbsouveränen, ökonomisch eng angebundenen Klientelstaat Ukraine, zum allergrößten Teil verloren, zudem im Rahmen einer solchen "Vereinbarung" quasi die Lizenz dafür erteilt, daß die West- bzw. Restukraine der NATO beitritt und zum Aufmarschgebiet des Imperiums wird. Ob dessen Raketenbatterien nun 500 oder 750 km vor Moskau stehen - was macht das aus?

Zudem hätte es in einem solchen Falle eben seinen Verbündeten Syrien und seinen einzigen mediterranen Flottenstützpunkt verloren. So würde Putin m.E. nur handeln, wenn ihm tatsächlich im Wortsinne das Messer an der Kehle sitzt.

Ihre Kritik an meiner Begrifflichkeit "Weltkrake" kann ich nicht nachvollziehen. Angesichts von Kreaturen wie ISIS und Qatar ist dieser Begriff sachlich-phänomenologischen Charakters. In keiner Weise bin ich mir im unklaren darüber, daß ein wie auch immer gearteter deutscher Staat heute geostrategisch anlehnungsbedürftig wäre. In den USA aber scheint man ja unser als Klientelstaats nicht mehr zu bedürfen - oder wie erklären Sie sich den von höherer Stelle orchestrierten genozidalen Migrationsirrsinn?
Ede
15. Juni 2015 14:16
Ein Artikel in Zeit-Online vom 10. Juni beschreibt denkbare Gründe:

….. Denn vor allem Russland beginnt, zu Damaskus auf Distanz zu gehen. Im UN-Sicherheitsrat ließ Moskau erstmals eine Resolution passieren, die den Einsatz von Fassbomben gegen die Zivilbevölkerung verurteilt. Aus Latakia zog der Kreml seine Berater ab und teilte dem Assad-Regime mit, man werde sich nicht an dem 350 Milliarden Dollar teuren Wiederaufbau beteiligen. Denn Russland geht durch die westlichen Sanktionen im Ukraine-Konflikt und den niedrigen Ölpreis finanziell immer mehr die Puste aus. Und auch der Iran könnte nach einem erfolgreichen Atomabschluss in Wien seine beinharte Loyalität zu Assad überdenken. …..


Hier der vollständige Artikel: http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/syrien-assad-am-ende
Irrlicht
15. Juni 2015 15:18
@Zadok Allen
Zum Thema "Anlehnungsbedürftigkeit". Nach Kriterien wie Wirtschaftsleistung, technologische Innovationkraft, etc. sind Deutschland und Japan eher als Russland in der Lage, für die eigene Sicherheit zu sorgen. Und während die Bundesrepublik außen- und sicherheitspolitisch kaum eigenständig handlungsfähig ist, besitzt sie auf wirtschaftspolitischen Gebiet einen größeren Spielraum, auch größeres Gewicht, wie sich z.B. am Konflikt mit den USA 2010/2011 über die deutsche Haltung in der Eurokrise zeigte. Es gab zu der Zeit scharfe Angriffe aus der US-Regierung und den amerikanischen Medien - es wehte ein Hauch der alten Kriegspropaganda - , mit dem Vorwurf, die deutsche Sparpolitik würde die Erholung der Weltwirtschaft und in der Folge der amerikanischen Wirtschaft gefährden, und zugleich wurde Merkel im Forbes Magazine in der Liste der wichtigsten Politiker auf dem zweiten Platz, nach Obama und vor Putin und dem chinesischen Generalsekretär, geführt.

Im Kontrast dazu fehlt es Russland, trotz Kernwaffen und großer Armee, für weitreichende geopolitische Ambitionen an wirtschaftlichem Gewicht und an Technologie, ein Problem, das außerhalb des amerikanischen Macht- und Einflussbereichs mit Ausnahme Chinas alle Länder haben. Die im zitierten Artikel bei Zeit-Online angeführten Motive für eine möglichen russischen Rückzug sind jedenfalls plausibel.
Hajo Blaschke
15. Juni 2015 16:16
Ich halte mich bei meinen Informationen über Russlands Außenpolitik lieber an die Meinung von wirklichen Kennern der Szene und nicht an Subprofis, die in der Redaktion an Schreibtischen sitzen und aus Facebook-Nachrichten u.ä. ihre Nachrichten zusammenbasteln. Ich gebe deshalb sehr viel auf das, was Jakov Kedmi, ehemaliger israelischer Geheimdienstprofi analysiert. Man sollte auch zur Kenntnis nehmen, dass aus den Gesprächen Kerrys, den Putin in Sotschi und nicht in Moskau hat antanzen lassen - was ja nun eindeutig sichtbar macht, dass nicht Putin das Gespräch gesucht hat, sondern dass Kerry gehört werden wollte - bislang nichts Eindeutiges in die Medien gelangt ist. Völlig absurd ist deshalb die Behauptung der Lügenpresse, die ja nicht nur deshalb so genannt wird, weil sie Lügen sondern auch weil sie interessengelenkte Propaganda verbreitet, Russland hätte im Tausch für die Ostukraine Syrien zum Killen freigegeben.

Man sollte zur Kenntnis nehmen, dass Russland den Anschluss der Ostukraine (Novorussia) nicht anstrebt. Russland will eine neutrale Ukraine von Donezk bis Lemberg. Und wenn der Poroschenko-Junta und den Leuten in der Westukraine aufgeht, was es für die Freiheit der Ukraine bedeutet, Russland nicht mehr als Verbündeten zu haben, werden sie ganz schnell das Boot wechseln. Man sollte wissen, dass in Polen jetzt auch Schützenvereine und zivile Hobbyarmeen bewaffnet werden, weil man sich das Stück Ukraine, das man sich schon mal unter den Nagel gerissen hatte (1920), wiederholen will.

Ab Juli d.J., nach dem Abschluss des Atomvertrages mit dem Iran wird doch wahrscheinlich folgendes passieren:
1. Der Iran wird der wesentlichste Machtfaktor in Nahost; weder die Saudis noch die Israelis werden dem Iran etwas entgegensetzen können.
2. Dei Iran mit mit einer Sparbüchse von 100 Mrd. US$ auf die Märkte drängen und natürlich zu seiner Verteidigung alle verfügbaren Waffenyssteme kaufen.
3. Der Iran wird ein Bündnissystem in Nahost aufbauen, bei dem Syrien, Jemen und Afghanistan eine Rolle spielen werden.

Das wird dazu führen, dass die Araberstaaten und auch Israel sich von den USA im Stich gelassen sehen und sich ebenfalls umorientieren oder zu einer wirksamen Verteidigung hochrüsten müssen. Wichtige strategische Verbündete des Iran sind Russland und China. Und ob die Ansicht, dass Russland weder technisch noch strategisch in der Lage ist, mit dem Westen mitzuhalten, richtig ist, wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Westler neigen oftmals zu einer Unterschätzung der ökonomischen, finanziellen und technischen Möglichkeiten Russlands.

Das Gesagte logisch zusammengefasst macht es für Sandkastenstrategen zwar Sinn, darüber zu spekulieren, dass Russland Syrien im Stich lässt, aber es hat wohl mit der Realität nichts zu tun.
Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
15. Juni 2015 20:59
@Zadok
Ihnen dürfte klar sein, daß dies kein guter „deal“ für Rußland wäre.

Was nun vereinbart wurde, wenn überhaupt etwas vereinbart wurde, darüber lässt sich trefflich spekulieren. Vielleicht will Putin sogar einen weiteren bankrotten Kostgänger in der EU haben.

In keiner Weise bin ich mir im unklaren darüber, daß ein wie auch immer gearteter deutscher Staat heute geostrategisch anlehnungsbedürftig wäre.

Ich äusserte mich hier mal, vielmehr versuchte es, zur Frage der atomaren Bewaffnung eines souveränen, blockfreien Deutschlands - wurde leider nicht freigeschaltet. Droht da die Gefahr justiziabler Aussagen?


In den USA aber scheint man ja unser als Klientelstaats nicht mehr zu bedürfen – oder wie erklären Sie sich den von höherer Stelle orchestrierten genozidalen Migrationsirrsinn?


Wenn es denn nur so wäre. Es scheint mir schlimmer zu sein. Es ist ein geno-suizidaler Migrationsirrsinn. Wir sollten wirklich eine Petition starten, Deutschland den Darwin Award zu verleihen.

Aber wo Gefahr ist, da wächst auch das Rettende. Der Migrationsirrsinn wird wie andere sozialistische Utopien an ökonomischen Realitäten scheitern. Der grüne Ministerpräsident Kretschmann verlangt vom Bund sich pro Jahr und "Flüchtling" mit 14 000 Euro an den Kosten zu beteiligen (sic!). Sind wir erst mal mit 3 - 5 Millionen bereichert sind das 42 - 70 Milliarden Kosten pro Jahr - mindestens!

Denn in den Arbeitsmarkt integrieren lassen die sich nicht! Unsere Andrea Nahles tat durch den Mindestlohn mehr dafür den Migrationsirrsinn zu stoppen, als sämtliche CSU-Polterer zusammen.

Zu den Kosten für die neuen Mitbürger kommen noch die Griechen, die wir so oder so alimentieren werden. Dann noch die Renten für die Baby-boomer (nochmals Dank an die SPD für die Rente mit 63).

So wird der Migrationsirrsinn in Bälde den Weg aller sozialistischen Utopien gehen.
Herbert
15. Juni 2015 22:14
In den USA aber scheint man ja unser als Klientelstaats nicht mehr zu bedürfen – oder wie erklären Sie sich den von höherer Stelle orchestrierten genozidalen Migrationsirrsinn?


Fragt sich, welcher Lehnsherr sich der USA entledigen will. Dort findet nämlich der gleiche orchestrierte genozidale Migrationsirrsinn statt wie bei uns. Einzig dass es keine Araber und Schwarzafrikaner sind (von letzteren haben sie ja schon im Land) sondern grösstenteils südamerikanische Mestizen.
Hajo Blaschke
15. Juni 2015 22:17
@ Waldgänger (e.B.) aus Schwaben

In den USA aber scheint man ja unser als Klientelstaats nicht mehr zu bedürfen – oder wie erklären Sie sich den von höherer Stelle orchestrierten genozidalen Migrationsirrsinn?

Wenn es denn nur so wäre. Es scheint mir schlimmer zu sein. Es ist ein geno-suizidaler Migrationsirrsinn.


Der Migrationswahnsinn ist die Fortführung dessen, was antideutsche Rassisten wie Nathan Kaufman (in facto Nathan Kogan) und Morgenthau in ihren Plänen vor 70 bis 80 Jahren bereits postuliert hatten, damals aber wegen der Konfrontation mit der Sowjetunion, wo man Deutsche brauchte, nicht umgesetzt werden konnte: Germany must perish! Deutschland muss verschwinden - das ist die Politik, die Hochverräter deutscher Nation heute in Deutschland umzusetzen versuchen.
Roman
16. Juni 2015 17:01
Man muss es russischer Sicht nicht so kompliziert machen oder gleich von einer russischen Schwäche als Grund ausgehen. Syrien hat nicht zuletzt Waffen bekommen, weil man sich innerhalb Russlands durch Korruption daran bereichern konnte. Diese Lieferungen werden auch weiterhin laufen. Zusagen und Ankündigungen sich zurückzuziehen sind für Russland nicht sonderlich viel wert, beziehungsweise sie erfolgen meist in Form einer doppelten Aussage. Es würde erst interessant werden, wenn das russische Staatsfernsehen über einen längeren Zeitraum Assad als einen Bösewicht darstellen würde. Das ist momentan nicht der Fall. Die Staatspropaganda sieht Assad nach wie vor positiv, was im Westen nicht so auffällt, weil man sich hier zu sehr auf die Aussagen des russischen Außenministeriums fixiert. Das ist ein Fehler und auch die Ursache für so manche Missverständnisse. In Moskau ist man etwas altmodisch und spielt auf der grossen Bühne mit Worten für die man den Schlüssel der Betrachtung auf die innerrussische Debatte braucht. Und da man in Russland ziemlich von der eigenen Wichtigkeit überzeugt ist, glaubt man, dass die westlichen Politiker zumindest die Zusammenfassungen der innerrussischen Debatten studieren.

Strategisch gesehen müssen die Russen Assad auch nicht mehr massiv stützen, um von der Ukraine abzulenken. Weil der Westen und seine Verbündeten in der Region alle Gegner Assads zu Demokraten erklärten und sie großzügig versorgten, gibt es nun genügend Islamisten in der ganzen Region, die für Beschäftigung sorgen können. Ob nun Assad sich halten kann oder nicht, ist für Moskau inzwischen nachrangig. Im Gegenteil würde ein Zusammenbruch des Regimes eher ein Eingreifen des Westens in diesem Sumpfgebiet beschleunigen. In der Zwischenzeit hält man den Krieg in der Ukraine auf niedriger Flamme.
Roman
16. Juni 2015 17:29
Man muss auch nicht immer von einer großangelegten Verschwörung ausgehen, wenn man auch Dummheit unterstellen kann. Was für die Innenpolitik gilt, ist auch für das Äussere angesagt, umso mehr wenn man da nicht mehr Willens ist zu trennen. Der Machbarkeitswahn und das simple ahistorische Menschenbild äussern sich eben in einer entsprechenden Politik. Man glaubt tatsächlich daran, dass der Feind eines Autokarten fast automatisch ein kleiner Demokrat sein muss, der höchstens ein paar eingestaubte Ansichten hat. Und wenn man daran glaubt, dass der Einwanderer beim Überschreiten der Grenze durch das magische Papier der hiesigen Gesetzeswälzer zu einem guten westlichen Konsumdemorkaten wird, gilt es für das Äußere in gleicher Weise. Der Rest ergibt sich wie von selbst. In so einer Welt muss man nur dafür sorgen, dass das magische Papier im Ausland unter die sehnsüchtig wartenden Völker verteilt wird und wenn man dafür mit dem Belzebub paktieren muss. Selbstverständlich gibt es noch andere Interessenten und Möchtegerngewinnler, die beschriebene Verblendung der Politik ist aber vollkommen für eine solche Katastrophe ausreichend.

Die grosse Verschwörung wäre aus meiner Sicht sogar positiv. Man könnte dann nämlich von rational handelnden Akteuren ausgehen. Nein, der verkündete Unsinn wird mehr oder weniger auch so von seinen Verkündern geglaubt.
Zadok Allen
17. Juni 2015 11:47
@ Roman

Man muss auch nicht immer von einer großangelegten Verschwörung ausgehen, wenn man auch Dummheit unterstellen kann.


Hierin folge ich Ihnen mit Blick auf die dritte und vierte Garnitur der Herrschenden (etwa von der Ebene des durchschnittlichen Parlamentariers abwärts); jedoch jenen, bei denen sich mehr Macht konzentriert, pauschal "Dummheit" zu unterstellen, halte ich für abwegig, wo nicht äußerst gefährlich.

Die Herrschenden wissen sehr genau um die Destruktivität ihrer derzeitigen Politik. Wiesen sie derartige Defizite an Urteilskraft auf, wie Sie zu unterstellen scheinen, so wären sie wohl kaum in ihre derzeitigen Positionen gelangt bzw. könnten sich in ihnen nicht behaupten.

Auch Herrn Waldgängers Formel vom "Geno-Suizid" scheint mir nicht ganz angemessen. Liefen all diese Prozesse von selbst ab, wozu dann die massive Repression gegenüber allen Gegnern der Masseneinwanderung? Und man komme mir bitte nicht mit dem Argument, die repressiven Instrumente seien doch zu vernachlässigen. In Hetzkampagnen des massenmedialen Apparats zu gelangen, ist sicher eine Erfahrung, die auch einen Ketzer des Mittelalters erschüttern würde.

Rational jedenfalls scheinen mir die maßgeblichen Akteure in allerhöchstem Maße zu handeln: es ist ihnen gelungen, die perfekte Diktatur zu installieren, indem sie aus den Fehlern aller vorhergegangenen Diktaturen gelernt haben. Kaltblütig und konsequent machen sie ihre Züge, und nichts taucht auf, das ihren mutmaßlichen Interessen zuwiderliefe.

Daß die USA ebenfalls mit Einwanderern geflutet werden, ist doch kein Widerspruch zum Ziel, eine Erholung und perspektivische Renaissance der europäischen Völker auf immer unmöglich zu machen. Im Gegenteil: die überwältigende Mehrheit der europäischen US-Amerikaner ist selbstredend weder identisch mit den Herrschenden noch gehört sie zu den Profiteuren von deren System.
Hajo Blaschke
17. Juni 2015 14:57
@ Roman Das, was Sie hier so voluminös absondern ist total inhaltsleer. Es würde ja nur dann stimmen, wenn seitens Russland überhaupt ein aktuell Verantwortlicher behauptet hätte, dass man Syrien fallen lässt. Das ist aber nicht passiert. Es sind lediglich Behauptungen der Lügenmedien.

Außerdem muss ich Ihnen leider bescheinigen, dass Sie weder die innere noch äußere Sitiation Russlands kennen bzw. mit einer angemessenen Korrelation einschätzen können.
Roman
17. Juni 2015 17:25
Ich habe geschrieben, dass den Signalen für einen angeblichen Rückzug wenig Bedeutung zukommt, falls sie das überlesen haben. Man überinterpretiert die russische Diplomatensprache.

Ob ich die Situation in Russland beurteilen kann oder nicht, um ihren Ansprüchen zu genügen, kann ich leider nicht sagen. Immerhin kann ich die Sprache und informiere mich zu der Außenpolitik und den inneren Verhältnissen in Russland/Ukraine aus den Debatten vor Ort und nicht über die Bande. Der Eindruck einer genialen oder auch nur konsistenten Strategie bezüglich der Ukraine kommt bei mir da jedenfalls nicht auf. Die spielen auf Zeit in der Hoffnung auf die Verschärfung der Probleme in der Ukraine und in anderen für den Westen interessanten Feldern der Welt. Zu denen ganz sicher auch Syrien gehört. Ein genauer Plan für die Ukraine wird nicht existieren und die Zielsetzungen verändern sich von Monat zu Monat. Wie sie nun auf einen polnischen Feldzug kommen wollen, weiss ich nicht. Jedenfalls kann Russland allein schon wegen der Entschlossenheit der ukrainischen Rechten und "Liberalen" keine neutrale Ukraine mehr bekommen. Das politische Feld für prorussische Kräfte ist in allen Bereichen der Öffentlichkeit gründlich beseitigt worden, ob nun im Parteienspektrum oder Fernsehen. Dafür müsste der Staat schon mehr oder weniger kollabieren, was ohne noch mehr militärischen Druck und Rückzug westlicher Hilfen kaum passieren wird. Ja, etwa die Hälfte des Landes würde prorussisch werden, aber erst wenn die Separatisten diese Gebiete auch militärisch kontrollieren.
Exmeyer
17. Juni 2015 17:56
Deutschland als Wirtschaftsmacht?

Man sollte anfangen in Ursache und Wirkung zu sprechen um die Frage zu stellen, ob diese "Wirtschaftsmacht" tatsächlich eine Macht ist. Und das ist danach zu bewerten, ob sie den Handlungsspielraum der politischen Führung der BRD erweitert oder einschränkt.
Daher die Gegenthese: Deutschland ist wirtschaftlich - unter strategischen Gesichtspunkten - ein Zwerg.

Begründung:
1. Die Außenwirtschaftsabhängigkeit. Nur die Andeutung einer ernstzunehmenden Wirtschaftssanktion würde die BRD-Wirtschaft augenblicklich zusammenbrechen lassen. Als Ergebnis: Keine Regierung würde diese Krise überstehen. Und keine Regierung würde dieses Wagnis eingehen.
2. Nicht zuletzt, weil die Massenmedien, wie zuletzt unter Kohl wie Schröder, entscheiden wer abgewählt wird und wer ins Parlament kommt. Und die Massenmedien scheinen konzertiert zu agieren.
3. Diese Außenwirtschaftsabhängigkeit auf zwei Bereiche zu verteilen, West/EU/Atlantik und Ost/Rußland/China/Kontinent war die eindeutige Strategie der letzten Jahre und scheint es immer noch zu sein.
4. Das ist eine Entwicklung, welche die angelsächsischen Staaten bekämpfen werden, mit allen Mitteln. Eines dieser Mittel war die Unterbrechung einer Entwicklung, die man unter "Seidenstraße 2.0" aus chinesischer, "Transsib 2.0" aus russischer und "Bagdadbahn 2.0" aus deutscher Sicht bezeichnen könnte.
Unterbrochen wurde sie erfolgreich in der Ukraine.
5. DEWSWEGEN spricht die Bundesregierung MITTLERWEILE von dieser Verbindung unter Einschließung Polens. Ein nicht aus der USA ferngesteuertes Polen würde diese Verbindung wieder eröffnen. Dies erscheint aber unwahrscheinlich, weil die wirtschaftlichen Interessen Polens den langfristig geostrategischen widersprechen.
6. Auch Polen benötigt eine geopolitische Erpressbarkeit Deutschlands. Es wird also nur zu einer Deutsch-Russisch-Chinesischen Verbindung beitragen, wenn es glaubt die Ostverbindung jederzeit durch eigene oder amerikanische Macht abwürgen zu können.
7. Die Alternative, der Südweg, via Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn usw. ist bereits seit Jahren heiß umkämpft; derzeit aktuell in Mazedonien.
in jedem dieser Länder gibt es eine pro-amerikanische Fraktion und eine die auf mehr Selbstständigkeit abzielt. Daß die Länder, die dies anstreben derzeit

Der gewohnte Wohlstand der Menschen, die Rolle der Presse in diesem Land und die Außenwirtschaftsabhängigkeit stellen die Schwäche Deutschlands dar. Eine Abghängigkeit durch Erpressbarkeit, die sich unter TTIP erhöhen soll und wird.
Wenn man zwischen der technologischen Befähigung einerseits und dem Produktions- und Austauschprozeß andererseits differenziert, so ist erstere natürlich ein Vorteil, ein Potential, das in der machtpolitischen Waagschale steht, weil sie für die BRD die Handlungsoptionen erweitern. Nicht jedoch die Wirtschaft im engeren Sinne. Durch die damit verbundene Erpressbarkeit werden die Handlungsoptionen verringert. Und zwar drastisch.

Der Ausbau einer Kontinentalverbindung würde die Außenhandelsabhängigkeit von EINER Seite und damit die Erpressbarkeit reduzieren. Und zwar Deutschlands wie der ganzen EU.

Die USA sind überhaupt nicht gezwungen Deutschland zu erpressen. Jede deutsche Regierung muß diese Lage bei allem was sie tun beachten. DAS ist Politik.
________________________________________________

Menschen interessieren sich für das innenpolitische Geschehen, weil der direkte Einfluß auf das eigene Lebensumfeld deutlich wird. Dennoch wird jemand, der die Innenpolitik ohne die außenpolitischen Zwänge, Möglichkeiten und Interessen kaum versucht zu verstehen, immer am letzten Punkt scheitern. Er wird nie verstehen, weshalb es Phänomene wie Masseneinwanderung gibt und warum sie nicht unterbunden werden.
Zadok Allen
18. Juni 2015 10:33
@ Exmeyer

Deutschland ist wirtschaftlich – unter strategischen Gesichtspunkten – ein Zwerg.


Danke für diese Einschätzung und Ihre differenzierte Begründung. Ich war schon mehrfach im Begriff, vergleichbare Thesen zu formulieren, doch es fehlte mir der entscheidende Gesichtspunkt (Erpreßbarkeit durch Sanktionen usw.).

In, seitens und mit der BRD wird gar nichts geschehen. Wir befinden uns im wohl am stärksten eingebundenen Staatswesen dieses Planeten, einer Staatsmumie sozusagen, deren Binden so fest sitzen, daß sie, selbst wenn sie aus ihrem Scheintod erwachte, sich nicht rühren könnte.

Wir hier können nur in der inneren Emigration den Umschwung der wahren, der gewaltigen geostrategischen Gewichte beobachten. Hoffend vielleicht; jedenfalls muß sich eine neue Großlage ergeben, bevor sich hierzulande irgend etwas ändern kann. Und daß einiges in Bewegung ist, scheint mir die derzeitige destruktive und nervöse Politik des angelsächsischen Imperiums anzudeuten.

Interesse an der Aufrechterhaltung des status quo haben Rußland, Indien und China, nicht die USA. Es gibt gute Gründe zu bezweifeln, daß diese die "natürliche", allmähliche Verschiebung besagter Gewichte einfach hinnehmen werden.
Hajo Blaschke
18. Juni 2015 12:18
@ Roman Welchen Krieg Russlands mit der Ukraine meinen Sie? Dort läuft ein Bürgerkrieg einer extrem nationalistischen und korrupten Oligarchenjunta gegen die russische Bevölkerung im Osten der Ukraine. Dass Russland dort unterstützt ist aus meiner Sicht völlig legal und verantwortungsvoll. Und wie korrupt das Regime in Kiew ist, kann man allein daran sehen, dass Poroschenko über seine Waffenfabriken Waffen nicht nur an die ukrainische Armee, die ukrainischen Terroreinheiten sondern auch an die Donetsker und Lugansker Rebellen verkauft.

Dass sich russische Strategien hinsichtlich der Ereignisse in der Ukraine ständig ändern, liegt in der Natur der Sache. Am 15. Juni hat z.B. ein Volksmeeting in Donetsk stattgefunden, wo man Zwang auf Sachartschenko ausübte, endlich etwas gegen die Beschießungen von Ortschaften in den befreiten Gebieten zu unternehmen. Minsk II wird mittlerweile von Lugansk und Donetsk als gescheitert angesehen und es sind demnächst wieder Kampfmaßnahmen zu erwarten. Die für neulich angebahnten erneuten Verhandlungen in Minsk sind ja zwischenzeitlich abgesagt worden.

Weiterhin erzwingt die Ernennung von Saakaschwili als Gouverneur von Odessa im Namen der USA neue strategische Maßnahmen, vor allem hinsichtlich der Zuspitzung der Situation um Transnistrien. Es wird angenommen, dass Saakaschwili provozieren wird und dadurch Russland zum Eingreifen zum Schutze seiner Friedenskräfte in Transnistrien zwingen will. Dabei ist jedoch nicht zu übersehen, dass Odessa sich als russische Stadt begreift.

Es ist also in dieser Hinsicht noch viel zu erwarten.
Irrlicht
18. Juni 2015 14:46
@Exmeyer
Die Exportabhängigkeit der deutschen Wirtschaft besteht seit der Industrialisierung und ist deshalb strategisch wenig problematisch, weil sie, wie Sie selbst einräumen, nicht auf einen einzelnen Exportmarkt angewiesen ist - Sanktionen müßten von der ganzen Welt (Europa, USA, China, Japan Lateinamerika, Russland etc.) getragen werden, um wirksam zu sein. Solange der Seeweg offensteht, sehe ich auch nicht, warum der Landweg, etwa eine "Seidenstraße 2.0" eine notwendige Bedingung sein soll. Umgekehrt ist die deutsche derart eng mit der restlichen europäischen Wirtschaft verwoben, dass umfangreiche Sanktionen gegen die Bundesrepublik ganz Europa treffen würden - ein Vorteil der zentralen Lage und der Verankerung in Europa.

Wenn "Macht" als Fähigkeit definiert wird, mit eigenen Entscheidungen auf Einfluss zu nehmen, ist der Konflikt mit den USA 2010/2001 über die Eurokrise und das im Euroraum als Gegenleistung für die erheblichen deutschen Garantien installierte Programm des "sparsamen" Wirtschaftens aussagekräftig. Obama machte in einer Stellungnahme Deutschland namentlich für die schwächelnde US-Wirtschaft verantwortlich, eine britische Zeitung spottete leise über die ungewohnte Hilflosigkeit in Hallen der Macht in Washington, und zum Ende gab es einen medialen Schlagabtausch in der Anglo-Finanzpresse zwischen US-Finanzminister Geithner und Schäuble. Wenn die USA auf D Einfluss nehmen, müssen sie andere Hebel als den wirtschaftlichen verwenden, da in dieser Hinsicht D von ihnen und erst recht nicht von den europäischen Nachbarstaaten wirksam erpressbar ist. Das einzige Land, das nach 1990 massiven Einfluss auf D nehmen kann, sind die USA, und der primäre Hebel ist die sicherheitspolitische Abhängigkeit.
Roman
18. Juni 2015 17:11
Es ist wahrscheinlich eine banale Feststellung, aber bei nicht gerade Wenigen, die aus plausiblen Gründen der hiesigen "Lügenpresse" nicht mehr vertrauen und jedes dort gesagte Wort zehn mal umdrehen, führt es dazu, dass sie Meldungen aus "alternativen" Quellen fast blind schlucken. Nur weil sie das glatte Gegenteil der westlichen Propaganda erzählen, muss es nicht die Wahrheit sein. Was in Deutschland abseits des Mainstreams zu der Ukraine als Wahrheit verhandelt wird, ist häufig einfach nur russische Staatspropaganda. Warum ich jetzt den russischen Unsinn schlucken muss, nur weil mir der bundesdeutsche Unsinn nicht gefällt, verstehe ich nicht.

Ja, es ist ein ukrainischer Bürgerkrieg. Gleichzeitig ist es aber ein nachgeholter Sezessionskrieg der (West)Ukrainer von Russland. Die Ukrainer sind auch in dem Falle nicht nationalistischer als die Russen. Aus russischer Sicht sind die Ukrainer ein kleiner Bruder, der durch den Willen fremder Mächte unabhängig wurde und einen putzigen Dialekt spricht, den der österreichische Geheimdienst als Teil eines antirussischen Plans in die Welt setzte. Rein mental akzeptioeren viele Russen die Unabhängigkeit nicht. Die "Ukrainer" haben ihren eigenen nationalen Mythos, der sich wie es immer zu Beginn so ist, aus Abgrenzung speist. In dem Falle ist es die Abgrenzung gegenüber Russland und dem sowjetischen Erbe, zu einem noch geringeren Anteil noch gegenüber Polen. Wenn man die kriminellen, oligarchischen Strukturen und die Einflüsse des Auslands ausklammert, wird die momentane Ukraine von einer dünnen Schicht ukrainischer Rechter und einer ebenso dünnen Schicht des prowestlichen Mittelstands getragen. Die dünne bürgerliche Schicht würde gerne in das Candyland Namens EU aufgenommen werden. Aus diesen Quellen rekrutierte sich der Maidan. Die Gegner rekrutieren sich aus Sowjetnostalgikern, russischen Rechten und Linken vom alten Schlag. In "Neurussland" kann man Soldaten in Phantasieuniformen aus der Zeit des russischen Bürgerkriegs herumlaufen sehen, die aber auf der gleichen Seite stehen. Der Tschekist und der weissgardistische Offizier im Kampf gegen die "Faschisten" brüderlich vereint.

Ein weit aus größerer Teil der Bevölkerung ist amorph in seiner Meinung, besonders in den russischsprachigen Gebieten. Wenn Kiew sich durchsetzt werden sie proukrainisch sein, wenn es die Separatisten tun, prorussisch. Selbst im Osten der Ukraine wäre es nie zu einem erfolgreichen Aufstand gekommen, wenn die Flut russischer Freiwilliger und die grosszügige militärische Unterstützung nicht gewesen wäre. Natürlich führt Russland da aktiv Krieg. Das verschweigen auch die separatistischen Blogs nicht. Es wird süffisant als (Kriegshandel) "Woentorg" oder auch als "Nordwind" bezeichnet. Die militärischen Erfolge der Separatisten wären ohne die Planung russischer Militärs und Unterstützung durch das schwere Gerät auch überhaupt nicht möglich.

Die neutrale Ukraine können die Russen nicht mehr bekommen. Dazu ist zu viel Blut geflossen. Der ukrainische Mythos bekommt täglich Märtyrer, die im Kampf für das Vaterland gefallen sind. Beide Seiten bewerfen sich in den Fernsehprogrammen mit Dreck. Um das alte Gleichgewicht wiederherzustellen müssten die Separatisten ein sehr viel grösseres Gebiet kontrollieren als jetzt. Belässt es Russland dabei, so wird in zwanzig bis dreissig Jahren das Verhältnis zu der Ukraine dem zu Polen gleichen. Die wachsende Unzufriedenheit mit Poroschenko wird da ohne militärische Tatsachen wenig bringen, da die gebildete Schicht antirussisch eingestellt ist. In der Hinsicht hat der Westen in den letzten zwanzig Jahren im Gegensatz zu Russland seine Hausaufgaben gemacht. Die Ukraine bekam ihre Atlantikbrücken, Austauschprogramme und die grosse ukrainische Diaspora in Kanada ist mit der Verbreitung ihres Geschichtsbildes auch nicht untätig gewesen. Hier rächt sich die Annexion Galiziens auf ironische Art und Weise. Man würde nur eine Radikalisierung nach Rechts bekommen.

Russland wird aber allein schon aus innenpolitischen Gründen auf eine Zuspitzung hinarbeiten müssen. Die Russen mögen keine Verlierer. Der momentane Zustand ist objektiv gesehen eine Niederlage für Russland. Man hat die Krim und diese zwei Krümel. Der weitaus grössere Rest ist in der Hand des Feindes. Die Wirtschaftslage innerhalb Russlands ist zwar nicht katastrophal aber unbefriedigend. In der Situation braucht die Regierung einen Sieg oder zumindest eine blutige Seifenoper mit gelegentlichen Höhepunkten. Ansonsten wackelt Putins Thron.

Gerade haben wir seit etwa zwei Monaten eine blutige Seifenoper, mit Berichterstattung von Kämpfen um irgendwelche Dörfer, die als ein grosses Ringen inszeniert werden, aber keine wirkliche Veränderung bringen.

Und ja aus der Sicht ist die russische Berichterstattung über den arabischen Raum gerade von einer Mischung aus Schadenfreude und einer Hoffnung auf ein neue westliche Abenteuer geprägt. Wenn die USA und EU dort versinken, haben sie weniger Spielraum in der Ukraine und werden auch weniger bereit sein, weitere russische Offensiven zu sanktionieren. Der lachende Dritte sind die Chinesen an die sich die Russen gerade in Sibirien und Mittelasien ausverkaufen. Bestenfalls kriegt Russland die Hälfte der Ukraine, wird aber dafür zum kleinen Bruder Pekings.
Exmeyer
18. Juni 2015 17:13
1. Sehr geehrtes Irrlicht. Sie sollten sich mit den strategischen Problemen der Kaiserzeit beschäftigen - und andersherum mit der Sicht unserer Gegner. Speziell sollten sie sich um die aktuelle amerikanische Militärdoktrin bemühen. Ich hatte sie hier vor kurzem verlinkt.
Es ist die "einfache" Frage zu beantworten, wie Wirtschaftsgüter in Mengen von Hamburg nach Shanghai gegen den Willen der USA gelangen sollen. (Sie haben - woher auch - keinerlei Kenntnisse über den Seehandel.)
Klar ist auch, daß dies nicht der einzige Aspekt in diesem Zusammenhang ist.

2. Bringen Sie britische Seemacht im Zusammenhang mit der Bagdadbahn.

3. Eine "Sicherheitspolitische Abhängigkeit" besteht gerade nicht! Worin sollte sie bestehen? Unsere "Einbindung" ist ein Ergebnis von (und Ursache weiterer) Machtlosigkeit. Das Freispielgelände "verbündeter" Nachrichtendienste ist eine der Ursachen, den einen eigenen nicht zur Entfaltung bringen zu können.

4. Zum Abschluß: Putin hatte im italienischen Interview vor einiger Zeit (nachgedruckt in "der Welt") Bismarck zitiert. Nehmen Sie sich dieses Zitat zu Herzen. Politik ist die Berücksichtung des Potentials, nicht des Gequatsches. Eigentlich Klippschule!

_______________________________
Auf den Finanzkonflikt gehe ich nicht ein. Dieser ist nicht einfach und eröffnet eine weitere Betrachtungsschicht. (Eine Betrachtungsschicht die Bismarck bereits voll erkannte und kriegerische Großereignisse seiner Zeit dieser Schicht UNTERordnete.) Höchstrangige Regierungsberater auf diesem Felde können die Verwerfungen nicht vollständig deuten.
Technologische Entwicklung, Produktionskraft, Wirtschaftsaustausch, Gütertransport, Seeherrschaft, Monetarsystem usw. sind gedanklich zunächst zu trennen, um dann deren notwendige Verwringung zu fokussieren.

Die notwendige Minimal-Literatur ist deutlich breiter auf diesem Felde, als im Metapolitischen. Wenn es im Nachkriegsdeutschland hochrangige Konservative gab, wo sind die Haushofers unserer Zeit, die Friedmans? Ein schwarzes Loch. Es gibt derzeit keine deutsche Denkschule, keine strategischen Traditionen keine geopolitischen Institutionen. Das ist leicht ersichtlich und ein schwerer Schaden für die BRD. Obwohl die moderne Geopolitik in Deutschland begründet wurde, ist sie 1914 untergegangen. In Hollsteins Grundirrtum. Derselbe Grundirrtum, der Sie auch leitet.

Zudem: Dugins - auf geostrategischen Interessen Rußlands aufbauende - Gedanken (überall schimmert Ratzel durch) über die Funktion der westeuropäischen Nationalisten (im Nutzen für das russische Interesse) haben deutliche Auswirkungen auf derzeitige Ereignisse. Selbstverständlich kann man verschiedene Versuche der Einflußnahmen erkennen. - Und es spielt auch längst praktisch ein Rolle.

Bevor wir nicht-umsetzbare große strategische Lösungsansätze diskutieren, sollte man versuchen, die Begrenzungen des Handelns der BRD versuchen aufzufassen.

Als Beispiel: Würde Schäuble in den angelsächsischen Medien nicht zu Worte kommen können, wäre es klar, daß es sich dabei um einen ernstzunehmenden Machtkampf zwischen der BRD und der USA handeln würde. Hier handelt es sich aber um einen "innerwestliche" Diskussion, die ein anderes Ziel hat. Eine öffentliche Diskussion handelt darum, Dritte zu beeinflussen; wen auch immer. Wenn die US-Seite dies zuläßt, ist das Konfliktfeld aus US-Seite nicht entscheidend.
Exmeyer
18. Juni 2015 18:56
"Doch wozu das ganze?" / "Was nützt dem Hegemon ein failed Europe?"

Diese Frage läßt sich wohl nur dadurch ergründen, wenn man die Arbeitshypothese zuläßt, daß die USA selbst einen Hegemon über sich haben. Die nächste Schicht.
Exmeyer
19. Juni 2015 11:50
@ Roman: Das diametrale Gegenteil der Beeinflussungsrichtung der BRD-Presse dürfte sehr wohl als das nationalen Interesse DEUTSCHLANDS anzunehmen sein. Die
Frage lautet natürlich, was jeweils das diametrale Gegenteil ist; grundsätzlich allerdings die 180° Bewegung.

Zuzustimmen ist ihnen in der Beurteilung der Ukraine-Krise. Diese ist eine Niederlage Rußlands im kaum zu überschätzenden Ausmaß. Und Deutschlands as well, wie ich oben angerissen habe.

Für mich stellt sich die Frage, welchen russischen Unsinn Sie genau meinen. Zum Teil wird dort obderflächlich, zum Teil aber auch sehr differenziert formuliert. Wenn es um naive emotionale Reaktionen geht, um die sich beispielsweise die FAZ bemüht: Auf diesem Kindergarten-Niveau bewegt sich selbst Sputnik nicht.

Das letzte was ich HIER verstehe, ist das Bemühung um "objektive" und letztlich ins moralische abgleitende Bewertung. Diese bleibt immer naiv. Es bleibt nur, kühl das imanente deutsche bzw. BRDliche Interesse zu formulieren und das natürliche Interesse der anderen Beteiligten. Mir ist insoweit völlig unklar, wie ein Staat sich hätte anders verhalten können.
Ob die russische Presse lügt (ja, selbstverständlich! JEDE Presse lügt. IMMER.) spielt da keine Rolle.

Und mir ist auch völlig unklar, wie man nicht die Hauptrichtung des nationalen deutschen Interesses, nämlich die Loslösung / zunehmende Lockerung der BRD vom Hegemon, anders als im Zusammenwirken mit den Staaten und Kräften verwirklichen kann, die selbiges Interesse haben: Rußland und China vorweg. - Alles andere ist seit '45 gescheitert. Den Knoten auf preussische Weise zu zerschlagen ist nicht möglich. Die Fäden langsam zu lösen, neue Fäden zu weben, bleibt der BRD als einziges.

Davon sollte sich aber eine innerlich nicht an die BRD gebundene Richtung - ohne gegen sie zu arbeiten! - nicht beeindrucken lassen. Hier sind die Alternativen, die die BRD-Führung nicht aussprechen kann und zum Teil auch noch nichtmal denken darf, klar zu formulieren. Das Vorhandensein eines formulierten und vorgetragenen nationalen Bewußtseins eröffnet jeder Bundesregierung die Ausrede, darauf Rücksicht nehmen zu müssen. Und PI dient als bestes Beispiel dafür, die rechte Bewegung auf die Westseite herüberzuziehen, also den gleichen Weg zu beschreiten wie die Ablösung der Paleo-Konservativen (die kaum konservativ im unserem Sinne sind) durch die neocons (die exakt anti-konservativ sind) in den USA. Gelungen ist dies mit Wilders in den NL und mit der "Volkspartei" in Dänemark. Zu vermuten ist, daß genau hierin die Kante des Bruches zweier kleiner Zeitschriften aus ursprünglich demselben Fleische liegt, genauso wie die innere Spaltung der AfD. Ob das nun den Beteiligten bewußt ist, auf wessen Seite sie spielen, spielt keine Rolle dafür, daß sie auf einer Seite spielen; immer. In der täglichen Arbeit mag das Bewußtsein, woher der (Gegen-)Wind kommt, geringe Auswirkungen haben, wie Kubitschek kürzlich äußerte. In der langen Sicht ist sehr wohl erforderlich, zu wissen gegen welche Winde man kreuzen muß.

Das Kaiserreich stand ohne Verbündete da. Es wollte keine. Vietnam hatte welche: erst China, dann die Su, heute die USA (als Verbündete! nicht als Kolonialherren). Besser isses. Das gilt nicht nur für Staaten ...
Benedikt Kaiser
19. Juni 2015 13:16
So, dann beenden wir an dieser Stelle die Diskussion; das Wichtigste dürfte gesagt worden sein.

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