17. Oktober 2015

Die Sprache als Hebel der multikulturellen Kulturrevolution (1)

von Michael Wiesberg / 27 Kommentare

Michael Wiesberg ist Lektor und freier Publizist.

Der Transformation Europas und insbesondere auch Deutschlands in eine „multikulturelle Gesellschaft“ scheint unabwendbar oder, um in der Diktion der Zeit zu bleiben, „alternativlos“. Welche Folgen das bisher schleichend verlaufene Gesellschaftsexperiment haben wird, nun beschleunigt durch Hunderttausende von kulturfremden, vorwiegend islamischen „Asylshoppern“, ist nicht absehbar. Wir befinden uns in einem beispiellosen gesellschaftlichen Selbstversuch mit offenem Ausgang.



Sicher scheint nur eines: Das Gesicht (Mittel-)Europas wird sich nachhaltig verändern, und zwar in eine Richtung, die die Verfechter der multikulturellen Ideologie und ihre Hilfstruppen seit Jahrzehnten zu befördern suchen. Nun bekommen sie mit der Massenzuwanderung eine Brechstange in die Hand, mit der sich dieser Prozeß noch einmal deutlich beschleunigen dürfte. Da ist es allemal Zeit, sich mit neuen Lichterketten zu feiern.

Wie konnte, diese Frage stellt sich dieser Tage, eine derartige Ideologie, die letztlich in der Zerstörung des „Eigenen“ mündet, eine derartige Wirkmächtigkeit entfalten, daß Widerstand nur mehr marginal geleistet wird? Ein Grund liegt m. E. in dem Umstand, daß die Kritik an dieser Ideologie im deutschsprachigen Raum seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten daran leidet, daß der komplexe ideengeschichtliche Hintergrund der multikulturellen Ideologie eher sporadisch, um nicht zu sagen oberflächlich, behandelt wird.

Auch die rechts-konservative Kritik tut manchmal so, als erschöpfe sich diese Ideologie in einer Art regenbogenfarbenen Ringelpiez mit Anfassen realitätsblinder „Gutmenschen“, die im Grunde nicht wissen, was sie tun. Das aber ist eine eklatante Verkennung der Entschlossenheit jener Kulturrevolutionäre, die, im Zeichen von vermeintlicher „Humanität“ und „Toleranz“, seit langem eine radikale und vor allem unwiderrufliche Veränderung des Gesichts Europas im Auge haben.

Die Anfänge dieses Kulturkampfes liegen in den 1960er Jahren. Die entscheidenden Weichenstellungen fanden – allerdings in einem subtilen Wechselspiel mit intellektuellen Moden in Westeuropa, auf die wir in einem weiteren Blog noch zu sprechen kommen werden – im „melting pot“ USA statt. Ideengeschichtlich kam hierbei, und das ist auf dem ersten Blick einigermaßen überraschend, unter anderem den literaturwissenschaftlichen Fakultäten der USA eine katalysatorische Bedeutung zu.

Bis in die 1960er Jahre hinein ging es hier nämlich eher unpolitisch zu; die Auslegung literarischer Texte orientierte sich an der Methode des New Criticism, die vor allem textimmanent ausgerichtet war. Soziale, ökonomische oder politische Rahmenbedingungen wurden eher nicht in den Blick genommen.

Ende der 1960er Jahre setzte indes ein bedeutsamer Umbruch ein, kamen doch viele linke Aktivisten zu dem Ergebnis, daß eine Veränderung der amerikanischen Gesellschaft am besten mit kulturrevolutionären Mitteln zu erreichen sei. Ein Instrument, das ihnen geeignet erschien, war die Literaturwissenschaft, und zwar unter anderem deshalb, weil sie sie als „Bollwerk der amerikanischen Hochkultur“ betrachteten , wie der Politikwissenschaftler Mathias Hildebrandt in seiner umfangreichen Arbeit über „Multikulturalismus und Political Correctness in den USA“ (2005) anmerkt. Dieses „Bollwerk“ galt ihnen als Ausdruck der „repressiven“ Kultur der White Anglo-Saxon Protestants (WASP); ihr Ziel war die Umwertung ihrer Werte. Die kulturrevolutionäre Umwertung dieser Wissenschaft durch die radikale politische Linke in den USA, die sich aus den Aktivisten der „Neuen Sozialen Bewegungen“ speiste,

bedeutete aus deren Sicht „einen ersten Schritt in einer kulturrevolutionären Bekämpfung“ von Imperialismus, Rassismus, Sexismus, Homophobie usw. Ein Professor für English and American Studies beschrieb den Geist jener Jahre (der auch heute noch nur zu vertraut klingt) wie folgt:

Wir arbeiten in Friedensorganisationen, Frauengruppen, Netzwerken, die Zentralamerika unterstützen, Mietervereinen, Gruppen, die für die Rechte von Homosexuellen kämpfen, fortschrittlichen Vereinigungen, Gruppen, die sich für Autonomie der Palästinenser einsetzen ...
(Übersetzung M. W.)


Diese Radicals bedienten sich nicht bei den diskreditierten, marxistisch inspirierten Theorien, sondern vor allem bei den „postmodernen“ Theorien, auf die ich in einem der nächsten Beiträge noch genauer eingehen werde. Ihre Hoffnungen setzten sie, so Hildebrandt, auf den sich gerade entfaltenden Multikulturalismus.

Originell in ihrem Denken waren die Radicals freilich keineswegs, handelte es sich doch, wie Hildebrandt klarmacht, „um Sozialisten, Neomarxisten, Feministen und Postmodernisten“, die bald als „unkündbare Radikale“ (meint: Dozenten) an den Universitäten zu Agitatoren des Multikulturalismus wurden. Mit ihnen kamen Begriffe wie Politics of Difference, Identity Politics, Speech Codes (aktuelles Beispiel: das Gender-Deutsch), Cultural Sensitivity oder Political Correctness auf, die, in welchem begrifflichen Mantel auch immer, bis heute Konjunktur haben und als dernier cri aufgeklärten Gutmenschentums gelten.

Hauptkampfplatz der Radicals war die Sprache; folgerichtig rückte unter anderem der Begriff „politically correct“ ins Zentrum des Kulturkampfes. Mathias Hildebrandt macht in seiner Arbeit darauf aufmerksam, daß der Begriff „politically correct“ bis in die Anfangsjahre der Geschichte der USA zurückverfolgt werden kann. Richtig in Mode kam er allerdings erst in der Mitte der 1960er Jahre in den Kreisen der Black Power Movements und der Neuen Linken. Schon bald setzte eine Diskussion über die Ursprünge dieses Begriffes ein. Hier einige Thesen, die verdeutlichen, in welchem Umfeld dieser Begriff zu verorten wäre:

Die Literaturwissenschaftlerin Ruth Perry vertritt die Auffassung, daß die Wiederbelebung des Begriffs „politically correct“ durch die Übersetzung der Schriften von Chinas „großem Steuermann“ Mao Tse-Tung ausgelöst wurde. Mao benutzte nämlich häufig das Wort „korrekt“, so wenn er von „korrekten“ und „fehlerhaften Gedanken“ sprach.

Müßig zu sagen, daß die Position Maos das „korrekte Denken“ widerspiegelte. „Politisch unkorrekt“ bedeutete nach Perry in den späten 1960er Jahren, sich wie „Onkel Tom“ zu verhalten, also „nichtrevolutionär“, oder wie ein „schmuddeliger Hippie“.

Der Publizist Paul Berman konstatiert, der Begriff „politically correct“ sei innerhalb der leninistischen Linken en vogue gewesen: „,Politisch korrekt‘ war ursprünglich eine billigende Redewendung innerhalb der leninistischen Linken, der standfest die Parteilinie vertrat.“

Der Soziologe Todd Gitlin hingegen verortet den Begriff in seinem 1995 erschienenen Buch „The twilight of common dreams“im Stalinismus der 1930er Jahre:

Den Begriff gibt es etwa seit den 1930er Jahren. „Korrekt“ war ein stalinistisches Relikt. In einem Milieu, in dem bestimmte Texte (die „Wissenschaft“ des Marxismus-Leninismus), eine bestimmte Nation (die Sowjetunion) und ein bestimmter Mann (Stalin) oder … Männer (Lenin und Trotzki) über allem standen und den Code der Geschichte geknackt zu haben, oder im Besitz des Wissens zu sein schienen, wie sich die Welt fortentwickelt, war „korrekt“ ein Zertifikat … Es vermittelte historische Gewißheit mit arithmetischer Präzision. Der Begriff ging von der Annahme aus, daß es um ein vollständig stimmiges, rationales Gedankensystem ging. Korrekt zu sein bedeutete, mit dem Ansehen dieses Systems ausgestattet zu sein und des Sieges sicher zu sein. Auf der Gegenseite bedeutete der Stempel, nicht korrekt zu sein, der äußerten Dunkelheit anheimzufallen.
(Übersetzung M. W.)


In diesen Zitaten finden sich viele Ingredienzien dessen, was heute „politische Korrektheit“ bedeutet. Auch die heutigen Exponenten von Multikulturalismus und Zuwanderung – die kaum wissen dürften, auf welchem ideengeschichtlichen Boden ihr „korrektes Denken“ steht – und deren bürgerliche Adepten bis hinein in die christlichen Kirchen, die sich den speech codes der Multikulturalisten nur zu willig unterwerfen, reklamieren für sich, ein „stimmiges rationales Gedankensystem“ zu vertreten, während sie ihren (rechts-konservativen) Konterrevolutionären „Irrationalität“ unterstellen, die sich „dumpf“ wahlweise als „Rassismus“, „Rechtspopulismus“, „Nationalismus“ usw. artikuliert.

Nichts anderes meint bei Lichte betrachtet, um ein aktuelles Beispiel zu bringen, die manichäische Unterscheidung des Bundespräsidenten Gauck vom „hellen“ und „dunklen Deutschland“: Wer nicht „korrekt“ (= „rational“ im Sinne der politisch Korrekten) denkt – und spricht! –, ist, siehe oben, Teil der „äußersten Dunkelheit“. Nur am Rande sei hier vermerkt, daß die Bezeichnung „Manichäer“ in der Spätantike von Christen oft als Synonym für „Häretiker“ benutzt wurde, was dem einstigen evg.-luth. Pastor Gauck eigentlich geläufig sein müßte …

En passant: Hier liegt m. E. ein entscheidender Grund für die Beobachtung von Jean Raspail, daß „die Mehrheit“ die „Liebe für ihr Vaterland vollständig verloren“ habe. Der entscheidende Satz Raspails lautet: „Man gibt den Menschen keine Möglichkeit, ihr Land zu lieben, man lehrt sie ihre Geschichte nicht mehr.“ Wenn sie aber ihr Land nicht mehr liebten, „werden sie es auch nicht verteidigen“ (JF-Interview, Ausgabe 53/15).

Ich möchte diese Beobachtung zuspitzen: „Die Menschen“ haben deshalb kaum mehr eine Möglichkeit, „ihr Land zu lieben“, weil die Speech codes der „political correctness“ derartige Bekundungen weitgehend inkriminiert haben und mehr und mehr zur Entfremdung von dem „Eigenen“ führen. (Geduldet werden patriotische Bekundungen bestenfalls noch bei Sportveranstaltungen. Aber auch hier bestimmen zunehmend „multikulturelle“ Mannschaften oder Einzelspieler das Bild.) Raspail mutmaßt als Grund den „Willen der Menschen zur Selbstzerstörung“ oder „Selbsthaß“. Das ist m. E. nicht der Grund, sondern die Folge des oben erwähnten Phänomens. Erst wird die Sprache gekapert, dann folgt das Denken; ein Zusammenhang, den bereits Herder erkannt hat.

Der Eindruck täuscht nicht: Der entscheidende Hebel des laufenden Kulturkampfes – der in Deutschland und auch in Österreich aufgrund der „jüngeren Vergangenheit“ in seiner radikalsten Variante ausgefochten wird – ist die Sprache. Ich werde in meinen nächsten Blog-Beiträgen deshalb vor allem der Frage nachgehen, aufgrund welcher ideengeschichtlichen Entwicklungen die Sprache zum Haupthebel der multikulturellen Kulturrevolutionäre werden konnte. Dabei werden auch deutschsprachige Philosophen wie Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger oder Ludwig Wittgenstein eine Rolle spielen.

Michael Wiesberg ist Lektor und freier Publizist.

Kommentare (27)

ingres
17. Oktober 2015 10:51
Meine erste Frage wäre wer sind eigentlich die Kulturrevolutionäre? Gehört Merkel (bewußt) dazu? Wer ist das sonst an prominenter Stelle. Ist irgendjemand Prominentes bewußt dabei? Oder hat sich das nicht vielmehr von einer Ideologie einiger Intellektueller zu einem verpflichtenden Dogma verbreitet, dass freilich dann auch wieder vermeintlich bewußt gelebt werden kann. Nur iwenn letzteres der Fall ist, kann man nicht mehr davon sprechen, dass die Ideologie im ursprünglichen Sinn ihrer Erfinder gelebt wird. Es ist dann einfach nur noch zwanghaftes aber kein überlegtes Handeln im Sinne der Ziele die die Ideologie ursprünglich hatte. Dann könnte man sie aber nicht mehr angreifen indem man ihren ideengeschichtliche Hintergrund angreift, denn davon hätte sie sich ja krankhaft abgekoppelt.
Kim Laurenz
17. Oktober 2015 11:57
Herr Wiesberg,

Ihnen ist sicher zu folgen. Daher muss man diese Beobachtung nicht diskutieren. Ich bin auch interessiert an einer weiteren Analyse.
Die entscheidende Frage aber ist, wie sprengt man diese sprachliche Zwickmühle, die nun seit über fünfzig Jahren Kulturrevolution aufgebaut wurde?
Zum Glück ist die Sprache ein deutlich komplexeres Spiel als Mühle. Daher sollte es wohl Auswege geben.
Und wenn geklärt ist, wie das geht, wie didaktisiert man diese Lösung? Wie vermittelt man sie so, dass eine kritische Masse diese Denkfesseln ablegt?
Der_Jürgen
17. Oktober 2015 12:24
Ein ausgezeichneter Beitrag von Michael Wiesberg, der allerdings einen entscheidend wichtigen Punkt übersieht. Es stimmt zwar durchaus, dass die Veränderung der Gesellschaft mit kulturrevolutionären Mitteln erst Ende der sechziger Jahre ernsthaft in Fahrt kam, doch entsprechende Pläne wurden schon Jahrzehnte zuvor geschmiedet.

Hier sei auf das vielen Lesern dieses Blogs wohl zumindest dem Namen nach bekannte Buch "Praktischer Idealismus" von Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi (1894-1972) hingewiesen, in dem die Schaffung einer "eurasisch-negroiden Zukunftsrasse" propagiert wurde. Coudenhove-Kalergis Name mag ja nicht in aller Munde sein, doch gehörten seiner Paneuropa-Union Prominente wie Aristide Briand, Konrad Adenauer, Thomas Mann, Albert Einstein und Siegmund Freud an, und er wurde von Bankern wie Warburg und Baruch massiv finanziell unterstützt. Ihm wurde als erstem der Karlspreis der Stadt Aachen verliehen (anno 1950); nach ihm ist ein Preis benannt, zu dessen Trägern u. a. Helmut Kohl, Angela Merkel und Jean-Claude Juncker gehören.

Die Schaffung der "eurasisch-negroiden Zukunftsrasse" liess sich jahrzehtenlang nicht bewerkstelligen, weil die politischen Voraussetzungen dafür noch nicht gegeben waren. Die Völker Europas und die Weissen Nordamerikas hätten sich ihrer Verdrängung und schliesslichen Auslöschung durch Vermischung energisch widersetzt. Zwecks Lähmung ihres Widerstandswillens bedurfte es jener jahrzehntelangen permanenten Indoktrinierung, zu der als unabdingbarer Bestandteil die von Wiesberg so treffend geschilderte "politisch korrekte" Sprache gehört.

Freilich muss Coudenhove-Kalergis Plan eine Chimäre bleiben, denn der massenhafte Zustrom Fremdrassiger führt nicht zu deren rascher Vermischung mit den Autochthonen, sondern zu einer Atomisierung der Gesellschaft, ihrer Aufsplitterung in ethnische und religiöse Gruppen und zu permanenten Konflikten zwischen letzteren. Nach dem Eintreten einer katastrophalen Wirtschaftskrise werden sich die Städte jener Länder, die zu Laboratorien für ein irrsinniges Experiment auserkoren wurden, in Kampfzonen verwandeln.
Aristoteles
17. Oktober 2015 13:27
"Die Anfänge dieses Kulturkampfes liegen in den 1960er Jahren."

Vielleicht in Bezug auf die praktische Umsetzung. Nicht aber in Bezug auf theoretische Vorüberlegungen.
Bereits der Verfasser der Pseudo-Protokolle der Weisen von Zion brütete - wenn auch vielleicht im gegenläufigen Sinne und um abzulenken - Gedanken wie diese aus:

"Die [...] Völker sind vom Weingeiste benebelt, ihre Jugend ist vom Humanismus und frühen Lastern betört, zu denen sie von [...] den Verwaltern, Lehrern, Dienern, Erzieherinnen in den reichen Häusern, Erziehungsanstalten usw. [...] verleitet werden."

"Schon im Altertume ließen wir aus den Reihen des Volkes den Ruf erschallen: 'Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit'. Das sind Worte, die seit jener Zeit bei den verschiedensten Unruhen und Umwälzungen unendlich oft wiederholt worden sind, sei es mit ehrlicher Absicht [...], sei es, um die Begierden der Volksmassen zu befriedigen. Selbst die Verständigen und Klugen [...] haben sich nicht gesagt, daß es in der Natur keine Gleichheit, keine Freiheit geben kann."

"Auf den Trümmern des alten Bluts- und Geschlechtsadels haben wir den Adel unserer Gebildeten und an seine Spitze den Geldadel gesetzt."

"Wir [erwecken] fortwährend durch unsere Presse ein blindes Zutrauen zu unserer Lehre. Die klugen Köpfe [...] werden sich mit ihrem Wissen brüsten und die 'aus der Wissenschaft gewonnenen Kenntnisse' geschickt zu verwirklichen suchen, ohne dieselben folgerichtig zu prüfen und ohne zu ahnen, daß sie [...] zusammengestellt wurden, um die Menschen in der für uns notwendigen Geistesrichtung zu erziehen."

"Blicken Sie auf die von uns erweiterten Erfolge der Lehren von Darwin, Marx und Nietzsche. Ihre zersetzende Wirkung [...] sollte uns wenigstens klar sein."

"In den Händen der gegenwärtigen Regierungen befindet sich eine große Macht, welche entscheidenden Einfluß auf den Geist des Volkes ausübt - die Presse. [...] In der Presse frohlockt die freie Meinungsäußerung. Aber die Regierungen verstanden es nicht, diese Macht zu benutzen, und so befand sie sich plötzlich in unseren Händen. Durch die Presse kamen wir zu Einfluß [...]"

"Wir [müssen] unbedingt den Gottesglauben zerstören, jeden Gedanken an Gott und den Heiligen Geist aus der Seele [...] herausreißen und ihn durch zahlenmäßige Berechnungen und köperliche Bedürfnisse ersetzen."

"Damit die Freiheit endgültig die [...] Gesellschaft zersetzt und auflöst, muß das Gewerbe auf dem Spielgeschäft aufgebaut werden."

"Vaterlandsliebe und Gottesglaube werden [in einer durch und durch käuflichen Gesellschaft] von weltbürgerlichen Überzeugungen überwuchert."

Man vergegenwärtige sich ganz aktuell so inflationär gebrauchte Begriffe wie 'Zivilgesellschaft', 'Zivilcourage' und weitere Kotzwörter dieser Art .....
Chris
17. Oktober 2015 13:38
Es gab in Deutschland eine Debatte, wo sich Eduard Bernstein gegen einen Parteiausschluss stark machte. Ein führender SPD Genosse hatte es gewagt eine affirmative Position zur Kolonialpolitik des Kaisers zu entwickeln. Bernstein ist, anders als der vom kaiserlichen Militär gesponsorte Lenin, einer der frischesten Denker auf der Linken und besten Kritiker der dogmatischen Marxisten. Bernstein schrieb über den "Bolschewismus":
"Als Feinde der Revolution werden aber nicht nur alle bürgerlichen Parteien unterschiedslos hingestellt, sondern auch diejenigen Sozialisten (Menschewisten und Sozialrevolutionäre), die auf einem anderen Standpunkt stehen als die Bolschewisten. Es ist der extremste Terrorismus, den man sich denken kann."


und weiter:
"Wenn solches Probieren nur die Persönlichkeiten beträfe, die das Reiten – sprich Regieren – lernen wollen, so könnte man sagen: gut und schön. Aber mit einem ganzen Staatswesen in das Unbestimmte hinein gewalttätig tiefgreifende Wirtschaftsexperimente machen in dem Gedanken, es könne zwar auch falsch gehen, aber dann macht man es eben noch einmal, in solcher Weise mit einem großen Volke verfahren, wobei unter Umständen viele Hunderttausende dem Hunger, der Not, der Vernichtung ausgeliefert werden, ist ganz etwas anderes. Es gibt für den Sozialreformer, den Revolutionär, auch einen kategorischen Imperativ! "


" Das Elend in Rußland wächst beständig, die Unterdrückung aller politischen Freiheit dauert fort. Es kann kein sozialistisches Blatt anderer Richtung erscheinen, die bürgerlichen Blätter gar nicht, nur bolschewistische Blätter werden geduldet. Es gibt auch für Andersdenkende keine Versammlungsfreiheit. Ertötet ist die freie wirtschaftliche Schaffenskraft, die für Rußland einfach eine Notwendigkeit ist, wenn es sich einigermaßen erholen soll."


"Ein merkwürdiges Stück Wiederholung der altzarischen Despotie. Von Nikolaus I.... wird erzählt, daß er, als die Eisenbahnen aufkamen und er nun auch eine solche von Moskau nach Petersburg haben wollte, sich eine Karte kommen ließ und einen geraden Strich zog: So wird die Eisenbahn gebaut! ...Natürlich hat sie furchtbar viel gekostet. Die Bodenverhältnisse, Sümpfe usw. waren von ihm ignoriert worden, und wie es der Zar gewollt hatte, so mußte es gemacht werden. – Ein Stück von diesem Geist steckt auch in N. Uljanow Lenin. Die Folge ist zunehmende wirtschaftliche Zerrüttung."


Es lohnt sich also die wache Linke zu lesen, um vor dem Geist zu warnen, der sich ihr bemächtigt hat. Eduard Bernsteins Vorverständnisse für Pluralismus und Liberalität im Geiste finde ich besonders vorbildlich. Wie immer wird in den Reihen der Linken selbst mit den repressiven Instrumenten zunächst mehr geholzt als in den antagonisierten Kreisen. Angesichts von Millionen Toten der Maoistischen Kulturrevolution als Modernisierungshysterie der Jugend, muten die westlichen Fernwirkungen doch relativ harmlos an, und revidierbar sind sie auch. Es braucht Regeln und Regulative gegen absolute Macht, absolute Sprache und die Diktatur des "Korrekten".

Konfuzius schreibt:

Wenn die Sprache nicht stimmt, so ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist; Ist das, was gesagt wird, nicht das was gemeint ist, so kommen die Werke nicht zustande; Kommen die Werke nicht zustande, so gedeihen Moral und Kunst nicht; Gedeihen Moral und Kunst nicht, so trifft das Recht nicht; Trifft das Recht nicht, so weiß die Nation nicht, wohin Hand und Fuß setzen; also dulde man keine Willkürlichkeit in den Worten - das ist es, worauf es ankommt.


Es ist eben diese gefährliche Widersprüchlichkeit der Idee von "korrekten Worten" in der chinesichen Kultur. Konfuzius nimmt zwar als Maßstab Identität vom Gesagten und Gemeinten, aber begründet eine Lehre von Sprachbewusstsein, was in dieser Form dem Abendland fremd ist, das lange bis ins 20. Jahrhundert hinein kaum über Sprache reflektiert hat. Als es das tat, kamen die Tyrannen der politischen Korrektheit aus den Löchern. All die großen Apologeten von Inklusion machen sich zu Vollstreckern ihrer dehnbaren Wahrheiten, willkürlich wird der Gegner per einseitiger Feinderklärung als Antisemit, Biologist, Positivist, Homophoben usw. "entlarvt", werden Menschen diszipliniert eine bestimmte ihnen fremde Sprache zu sprechen.
Blauzahn
17. Oktober 2015 15:49
Ja, Sprache und Nachrichtenmanipulation sind gängige Mittel der Propaganda. Die nächste Nazisau wird bald wieder durchs Dorf getrieben: Der Messertstecher von Köln soll fremdenfeindlich motiviert gewesen sein, die Presse läuft sich schon langsam warm, kurz vor Pegidas Einjährigem. Was ich bisher gelesen habe, war nur, daß der Mann: "Ich rette den Messias" geschrien haben soll. Den Juristen will ich sehen, der hier Zurechnungsfähigkeit annimmt. Beste Genesungswünsche an die Frau und an die Patrioten: Nicht verrückt machen lassen, die stehen kurz vor dem Nervenzusammenbruch.
E. Knülle
17. Oktober 2015 16:07
Ich bin schon gespannt auf den Folgeartikel. Aus meiner Zeit an der Uni erinnere ich mich noch an die in der Anglistik beliebte Mischung aus Saussure, Marx und Freud, mit der sich letztlich alle Realität als "Text", d.i. teils individuell subjektives, teils überindividuelles, weil diskursgezeugtes Sprachkonstrukt darstellen lässt. Damit kann man ganz famos jegliche Gesellschaftsordnung, jegliche kulturelle, staatliche, ethnische etc. Grenze zertrümmern und als Herrschaftskonstrukt der dead white males brandmarken.

Es ist aus rechtsintellektueller Perspektive sicher richtig, sich mit solchen Denkströmungen und ihren Auswirkungen zu beschäftigen. Aber ohne den Autor unangemessen kritisieren zu wollen: Vielleicht überschätzt, wer sich lebenslang mit komplizierten geisteswissenschaftlichen Theorien beschäftigt, deren Wirksamkeit. Letztlich liest sich der obige Artikel ein wenig wie der Versuch, die Ursache für die gegenwärtige Misere in einer personell recht kleinen akademischen Elite in den USA zu verorten. Diese Elite ist sicherlich von beträchtlicher Bedeutung, aber ist sie auch wirklich Urheber dessen, was wir momentan erleben?

Eine Kernthese der IfS-Studie zur nationalen Identität ist, dass sich solch eine Identität zwar beliebig konstruieren lässt, aber eben nur dann von der Bevölkerung angenommen wird, wenn entsprechende mentalitätsgeschichtliche Grundlagen vorhanden sind: Den Völkern und Religionen im Irak konnte und kann man eben keine gemeinsame Identität aufpfropfen. Andere Völker dagegen zeigen sich äußerst aufpfropfbereit, auch bei konstruierten Identitäten (Paradebeispiel dürfte Schottland sein, das den Schottenrock, der als Bergbewohnergewand eine Entsprechung der Lederhose ist, als Nationaltracht übernahm).

Gleiches könnte doch der Fall mit unserer derzeit so beliebten Ideologie der Selbstauflösung sein: Akademikertheorien können nur dann Wirkung entfalten, wenn sie auf eine aufnahmebereite Geisteshaltung treffen. Vielleicht ist es also weniger eine bestimmte akademische Theorie, die eh kaum einer versteht, als vielmehr ein überpersönlicher, aus älteren mentalitätsgeschichtlichen Quellen gespeister Zeitgeist, der unsere putzigen Refugees Welcome-Schilderträger an den Bahnhof zwingt.

Dann wären US-amerikanische Elfenbeintürmler weniger die Ideengeber als vielmehr diejenigen, die diesen sich machtvoll ankündigenden Zeitgeist frühzeitig erfassen und daraus ein kohärentes Ideengebäude zimmern. Vielleicht sind sie also gar nicht die Architekten/Urheber, sondern eher die Bauhandwerker/Formgeber.

Wenn man solche geistigen Strömungen politisch bekämpfen will, könnte also das Offenlegen ihrer akademischen Grundlagen unzureichend sein. Man würde eher das Symptom angreifen als die Ursache.
Ufi
17. Oktober 2015 16:37
Die Idee des "Multikulturalismus" spukt zwar noch in vielen Köpfen herum, aber gerade die vielgescholtene Kanzlerin hat dieser Idee schon mehrfach eine Absage erteilt, u. a. erst kürzlich im Gespräch mit Anne Will, als sie sagte, sie halte das für eine Lebenslüge. Immerhin, das muss man festhalten.
Harald de Azania
17. Oktober 2015 17:06
Verehrter MW,

Sehr gut analysiert.

Sehr wichtig der Verweis auf Mao-tse -Tung. Die von ihm inspirierte Kulturrevolution ist genau das, was wir vor allem in den Laendern der 'germanischen' Sprachfamilie erleben.

Nur: China hat die Kulturrevolution ueberwunden und ist wieder gepraegt vom Konfuzianismus, da kann der herschende Klub der Neo-Mandarine sich zehntausend mal "kommunistisch' nennen; sie sind es nicht.

Im Grunde folgt die Entwicklung dem giftigsten aller giftigen Buecher , der "Minima Moralia", ein Buch mit dem man in der Altsteinzeit landet, weil jede Art von Kultur verdammt wird. Denn jede Kultur ist hierarchisch, metaphysisch und elitaer.

Protestantisch und in der Sprache 'germanisch' gepraegte Voelker sind anscheinend viel anfaelliger fuer diese Subversion, anscheinend verhindert die "clarte latine' einiges.

Im Grunde ein Kult , der zu einer perversen Re-theologisierung des Politischen fuehrt, in Deutschland noch durch die formen der politischen Romantik hyperventilierend.

Eine Realsatire reinsten Wassers.

Trost geben Haller's Worte ueber den Satan . Meines Erachtens nach ist das Ganze ein Popanz , der bei heftiger Gegenwehr in sich zusammenfaellt und nur ein bisschen Schwefelgeruch uebrig lassen wird.

Also; mit Mut und Kraft kann diese nihilistische Kulturzerstoeerung besiegt werden. Leider lassen sich die "Rechten' noch immer oft bluffen ...

Wird schon :-)

HdeA
Harald de Azania
17. Oktober 2015 17:24
Ach ja noch als geistige Quelle des ganzen Salats >> Bakunin und dessen Verehrung des Lumpenproleatriats.

Genau DAS ist es, was jetzt importiert wird ..


HdeA
Irrlicht
17. Oktober 2015 18:19
Die Darstellung über die Ursprünge der "Kulturrevolution" und die Datierung auf Anfang der 1960 ist angesichts dessen, dass eine Variante dieses ideologischen Schemas schon in den Nürnberger Prozessen zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus diente, wenig überzeugend. Die Anklage gegen Alfred Rosenberg, sehr deutlich in seiner Befragung, wurde von amerikanische Seite mit den Begriffen "Rassentheorie", "Nationalismus" , "Militarismus", "Herrenmensch" ("master race") , und Kampf gegen die "Demokratie" geführt.
thotho
17. Oktober 2015 19:36
Ein sehr ansprechender, lesenswerter Beitrag.

Es gäbe viel zu sagen, was das Geschriebene unterstreicht und kaum etwas, wo ich widersprechen würde.

Einen Punkt greife ich heraus, nämlich der Pseudo-Patriotismus in puncto Fußballnationalmanschaft. Heißt die BRD-Mannschaft nun nicht einfach mehr "die Mannschaft"? National verschwindet ja auch hier. Und das, wie Wiesberg auch korrekt festgehalten hat, obwohl die Nationalmannschaft - auch die österreichische - als "Integrationsmusterbeispiel" herhalten muss.
Immer wieder wird gesagt, mein Gott, was täten wir ohne Alaba, Arnautovic, Junuzovic, Dragovic etc. Gegen die Fußballer spricht ja nix, sie gehören nur nicht in eine österreichische Nationalmannschaft. Wobei, die BRÖ ist eh ein komisches Gebilde, da tut das auch nicht mehr weh, sondern passt ins Bild.
Peter Voit
17. Oktober 2015 21:46
Wenn von der "Sprache als Hebel der multikulturellen Kulturrevolution" die Rede ist, dürfte immer auch von der Sprache der Verführung und der Demagogie die Rede sein. Merkels hinterhältiger Spruch "Wir schaffen das!", auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, gehört dazu.
Zum einen, weil bewußt nicht angegeben wird, was es denn ist, das geschafft werden soll. Die "Refugees" in Deutschland bestens unterzubringen? Oder kann es auch heißen, sie so unterzubringen, daß größerer Widerstand ausbleibt? Doch da wäre noch an ganz anderes zu denken.
Und zum anderen und vor allem ein demagogischer Spruch, weil mit diesem "wir schaffen das" von vornherein jegliche Kritik unterbunden, die Frage, was denn von dem Vorhaben zu halten ist, gar nicht erst gestellt wird. Das Abitur schaffen oder sonst eine Prüfung oder den 800-Meter-Lauf gewinnen bzw. es schaffen, starke Konkurrenten hinter sich zu lassen, das kann nichts Schlechtes sein. "Wir schaffen das!"

Zu dieser Steuerung des Denkens gehören Aussagen wie: "Deutschland ist stark" oder "Deutschland ist ein tolles Land", wobei aber nicht "ein Tollhaus" gemeint ist.
Tag für Tag lese ich in der Zeitung, es ist nicht nur die "Augsburger Allgemeine": "enorme Herausforderung", "gewaltiger Kraftakt", "Bewährungsprobe". Wer wollte da nicht dabei sein, wenn es gilt, die multikulturelle Revolution voranzubringen?

Anders dagegen die Sprache etwa in Alfred Döblins Roman "Berlin Alexanderplatz", obwohl es da nicht um die "multikulturelle Revolution" geht. Doch wer will, kann auch das, was gegenwärtig hierzulande vorgeht, im Lichte dieses Romans lesen, vor allem der Schlachthof-Szene:

"Das Tier steht, gibt nach, sonderbar leicht gibt es nach, als wäre es einverstanden und willige nun ein, nachdem es alles gesehn hat und weiß: das ist sein Schicksal, und es kann doch nichts machen."

Und dann, der "Stier" mit der breiten Stirn steht noch:

"Von rechts und links umwandert ihn der Henker, kracht ihm gnädige Betäubungsladungen gegen den Kopf, gegen die Schläfen, schlafe, du wirst nicht mehr aufwachen."
Thomas W.
17. Oktober 2015 21:53
Originell im Denken seien Sie keineswegs gewesen, zitieren Sie, Herr Wiesberg, um noch im selben Satz unvermittelt anzuschließen, als sei es das gewöhnlichste der Welt, wenn die Unoriginellen den Kahn übernehmen: Hoppla, da waren sie Dozenten geworden.

Das ist doch der entscheidende Punkt aller Entwicklung gewesen. Ein paar irre Marxisten hätten sich im (angeblich) so konservativen Akademismus der 50er und 60er Jahre gar nicht behaupten können. So dumpf - zumindest im Verhältnis zu den Alteingesessenen - werden die Neuen nicht gewesen sein.
Exemplarisch darf man sich die Diskussionen zwischen Adorno und Gehlen ansehen. Wer seine durchaus fundierte Argumentation so unter Wert verkauft, so eingeschüchtert, leblos und entkräftet, so langweilig darbietet, der hat den Sieg, mit Verlaub, nicht verdient. Es geht nicht um die bessere, richtigere Argumentation - alle politischen Anschauungen sind relativ. Es fragt sich allein, wer unter den fähigsten Denkern - das ist die Grundvoraussetzung - das größte Charisma und die schlagendste Wortwahl aufbietet.

Mir scheint daher eher zu gelten, was schon Axel Varnbühler 1902 zu Kessler sagte: "Wozu noch Luxuskunst, Kunst für Aristokraten? Damit ist es doch bald vorbei. Indem wir von unserem Gefühl und Geschmack gezwungen werden, mit dieser Kunstrichtung mitzugehen, wirken wir schon zur sozialen Revolution mit. Wir stellen uns selbst ein testimonium pauperatis damit aus; aber wir können ja nicht anders, wir bringen ja Nichts [sic!] mehr hervor."

Auch in den 60ern gab es zu wenige Enoch Powells. Dieser Mangel hat sich bis heute eher verschärft und macht noch wenig Anstalten zu schwinden. Wo keine Kultur gelebt wird - und ich sehe nicht, wo das geschähe -, dort ist ihr formaler Erhalts eine Farce.
Monika
17. Oktober 2015 22:46
Ich halte die Transformation Europas in eine multikulturelle Gesellschaft nicht für eine Folge einer Theorie oder einer Idee ( die es umzusetzen gilt), sondern vielmehr für Folge globaler Wirtschaftsinteressen. Das Sein bestimmt das Bewußtsein. Da bin ich ganz bei Karl.
Auch wird die Massenzuwanderung nicht zu einer Brechstange, diese Ideologie zu verbreiten. Der "Jargon der Weltoffenheit" ist Folge einer liberalen Wohlstandsgesellschaft, eine Religion des Überflusses.
Ein Beispiel:
Erdogan ist bestimmt kein Anhänger einer multikulturellen Gesellschaft. Aber er benutzt die Flüchtlingsmassen in seinem Land , um Druck auf Europa auszuüben und seinen Einflussbereich, etwa durch EU-Beitritt auszuweiten. Nicht, weil er ein multikulturelles Europa will.
Unter diesem Aspekt sollte man Merkels Rede beim Deutschlandtag der JU am 16.10.15 lesen:
http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/bundeskanzlerin-merkel-spricht-sich-gegen-weitere-grenzzaeune-aus-13861404.html
Ich bin mit Frau Merkel durchaus der Meinung, daß "die Flüchtlingskrise die andere Seite der Globalisierung ist". Ziehe aber andere Schlüsse.
Eine Deglobalisierung würde auch den Multikulturalismus verringern.
Während Merkel sagt: " Die Globalisierung im Sinne des Exportes haben wir immer verstanden. Jetzt kommt aber plötzlich der Syrienkrieg zu uns. Auch damit müssen wir lernen umzugehen."
Das heißt: Es gibt wirtschaftlich keine Alternative, also gibt es auch politisch keine Alternative.
Von Merkels unangenehmen "Wir" gar nicht zu reden.

Zum zweiten sind die multikulturellen Theorien im Westen entstanden. Haben dort das Milieu geprägt. Mittel- und Osteuropa sind von diesen Theorien nicht "infiziert" worden und wehren sich dagegen.
Frau Merkel ist deshalb sehr verwundert, daß diese Länder ganz andere Vorstellungen in der Frage haben, wie eine europäische Gesellschaft auszusehen habe.

Wir sollten deshalb mehr auf ökonomische Ursachen schauen und auf die Menschen in Mittel- und Osteuropa. Unseren rechten Horizont erweitern.
Trouver
18. Oktober 2015 01:07
Wie konnte, diese Frage stellt sich dieser Tage, eine derartige Ideologie, die letztlich in der Zerstörung des „Eigenen“ mündet, eine derartige Wirkmächtigkeit entfalten, daß Widerstand nur mehr marginal geleistet wird?


Durch Anwendung von Peitsche (Repression) und Zuckerbrot (immer noch sehr hohen sozialen Standards wie Grundsicherung und allumfassende medizinische Versorgung).

Wer etwas zu verlieren hat, der wagt den Widerstand ungern.

Zumal in unserem entstellten "Zivilgesellschaft".

Was mich aber ganz besonders wundert, ist das Wahlverhalten. Obwohl selbst da bietet sich ein Parallel - noch 1930 stellten die Roten den Kanzler.
Stephan
18. Oktober 2015 02:11
Wenn Sie für Zwischendurch etwas zum sardonisch Lachen brauchen, lesen Sie den ersten Absatz des verlinkten BZ-Artikels:

"Sie soll ein Zeichen setzen, sie soll Flüchtlinge willkommen heißen, sie soll einmal durch die ganze Stadt verlaufen: Für Sonnabend mobilisiert ein breites Bündnis Berliner und Hauptstadtgäste zu einer 30 Kilometer langen Lichterkette."

Ein Absatz; und das Bullshitbingo ist voll.
Direkte Aktion
18. Oktober 2015 08:11
@Der-Jürgen
"Die Schaffung der „eurasisch-negroiden Zukunftsrasse“ liess sich jahrzehtenlang nicht bewerkstelligen, weil die politischen Voraussetzungen dafür noch nicht gegeben waren. Die Völker Europas und die Weissen Nordamerikas hätten sich ihrer Verdrängung und schliesslichen Auslöschung durch Vermischung energisch widersetzt. Zwecks Lähmung ihres Widerstandswillens bedurfte es jener jahrzehntelangen permanenten Indoktrinierung, zu der als unabdingbarer Bestandteil die von Wiesberg so treffend geschilderte „politisch korrekte“ Sprache gehört.

Freilich muss Coudenhove-Kalergis Plan eine Chimäre bleiben, denn der massenhafte Zustrom Fremdrassiger führt nicht zu deren rascher Vermischung mit den Autochthonen.."

Ja, aber was heute noch unvorstellbar ist, kann in der Zukunft Wirklichkeit werden, wenn wir es HEUTE nicht verhindern. Es ist ja möglich, das es in Zukunft staatlich gewollt und über Steueranreize etc. gefördert wird, dass Mischehen zwischen weißen Deutschen und Negern/Zigeunern/Arabern etc. entstehen und für jedes Mischlingskind gibt es einen Kindergeldzuschlag. Undenkbar? Wirklich?

Als die Rassentrennung 1973 in den USA augehoben wurde, war dies Jahrzehnte vorher über kaum einen Weißen jemals vorstellbar. Aber auch da gab es zuvor linke Wühl- und Zersetzungsarbeit im Sinne der heutigen PC-Diktatur. Der Ungeist von Hooton, Kaufmann und Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi tobte sich damals schon aus, so wie er sich heute völkerzerstörend austobt. Und dieser Ungeist muss zurück in die Flasche!
Waldgänger
18. Oktober 2015 08:24
Der Artikel ist sehr lohnend und interessant.

Allerdings habe ich den Eindruck, dass Michael Wiesberg vielleicht etwas zu sehr eine idealistische Sicht vertritt - idealistisch im Wortsinne, nämlich, dass Ideen die Welt verändern. Dass also das Aufkommen der im Artikel geschilderten Vorsrtellungen, gedanklichen Konstrukte und Ideen für den destruktiven Wandel entscheidend gewesen sei und dass diese Ideen gewissermaßen losgelöst vonbestimmten sozialen und ökonomischen Verhältnissen von jenen "Radicals" herausgebildet worden sind.
Anders gesagt: dass die amerikanische Linke ein autonomer Akteur aus eigener Kraft heraus gewesen sei.

Gewiss sind diese Ideen (z.B. „politically correct“) und die hierzu konstruierten "Erzählungen" heute wirkmächtig, daran besteht gar kein Zweifel, doch stellt sich mir die Frage, weshalb derart krude Vorstellungen gerade heute und gerade in bestimmten Ländern groß werden und weshalb sie von den wirtschaftlich Mächtigen toleriert werden.
Denn dieses Tolerieren des Unsinns und der Zersetzung passt natürlich in die Agenda der globalistischen Eliten, die in den USA ja schon seit spätestens der Mitte des 20. Jahrhunderts eine Rolle spielen.

Aber auch der von Raspail erwähnte "Wille der Menschen zur Selbstzerstörung“ oder die sattsam bekannten Dekadenztheorien hat man natürlich im Hinterkopf. Auch kollektive Neurosen.
Meier Pirmin
18. Oktober 2015 09:25
Der bedeutendste Begriff, der hier verwendet wird, lautet "Kulturkampf". Man kann ihn zur Kenntnis nehmen und durchzustehen versuchen oder ihn leugnen, um ihn kampflos zu verlieren.
ingres
18. Oktober 2015 14:24
Merkels Spruch "Wir schaffen das" soll einfach heißen. Das geht gut ohne dass irgend jemand dabei Nachteile hat. Das ist doch das einzig Entscheidende.
Scheitert der Euro, scheitert Europa hat dieselbe Funktion. Auch dieser Spruch soll mögliche Konsequenzen der derzeitigen Lage für den Einzelnen ausblenden. Denn solche Konsequenzen wären ja das einzig Interessante an einem Scheitern Europas. Warum soll der Einzelne Angst habe, dass Europa scheitert, statt vor den Folgen die das für ihn hat.
So soll er also für Europa sein und gleichzeitig froh sein, dass die Tante Merkel (und vielleicht noch der Onkel Sarkozy) dafür sorgen werden, dass durch den Erhalt Europas, ihm nichts passieren wird.

Ob Merkel das glaubt, weiß ich nicht. Vielleicht kann sie nicht anders, hat nicht mehr Potential. Vielleicht aber werden diese Sprüche bewußt ausgedacht, da man weiß, dass der Bürger damit zu beruhigen ist. Aber Politik ist das natürlich nicht. Aber wem sag ich das.
Hugo Treffner
18. Oktober 2015 15:45
„»Political Correctness« nennt man den vor allem von Intellektuellen geführten Kampf gegen die biologische Realität, also gegen unser Schicksal.

Das satanische »Gutmenschentum« hat eine eigene Sprache entwickelt, und sprachlich leben wir heute immer noch im Jahre 1984. Die »Politische Korrektheit« ist Orwells Newspeak, in der die Lüge zur Moral erhoben wird.

Die »Gutmenschen« sind die antichristliche Macht unserer Zeit; sie pervertieren die Sorge um die Opfer, die Toleranz und den Frieden. Mit anderen Worten: Der Teufel spricht heute die Sprache der Opfer. Tribunalisierung ist das satanische Ritual der »Gutmenschen«. Sie warnen, mahnen und klagen an, um - das hat Odo Marquard ebenso klar wie folgenlos gezeigt - das Gewissen zu sein, das sie nicht haben.

Die christlich geprägte europäische Kultur ist eine einmalige evolutionäre Errungenschaft, die man natürlich mit anderen Kulturen vergleichen kann und soll, die aber gerade darin sich immer wieder als unvergleichlich erweist. Das zu leugnen, bleibt den Ignoranten des »Gutmenschentums« vorbehalten.“ (Norbert Bolz)
Desprecio
18. Oktober 2015 16:04
@ "thoto"

Ihren Worten zu der "Nationalmannschaft" Österreichs kann ich nur
ohne Einschränkung zustimmen.

Auf die BRD bezogen bedeutet das für mich persönlich, daß dieses
Völkergemisch, das seit einigen Jahren als "deutsche Fußball-Natio-
nalmannschaft" für die BRD antritt, bestenfalls als "internationale BRD-
Auswahl" die Fußballwelt beglücken sollte. Als solche würde es vermut-
lich sogar Freude machen, ihnen beim Spielen zuzusehen. Gute Fußbal-
ler sind sie ja offensichtlich allemal, was nicht zuletzt die Ergebnisse bis
hin zum Weltmeister-Titel zeigen. Da sie in der ganzen Welt beheimatet
sind, wäre dann auch der Titel "Weltmeister", nun sogar im doppelten
Sinne, gerechtfertigt.

Im Übrigen ist ist es mir unbegreiflich, woher gerade die Fans der mei-
sten westeuropäischen Fußballnationen bei der derzeitigen Zusammen-
setzung ihrer jeweiligen Fußball - "Nationalmannschaften" etwas von dem schöpfen können, was man in früheren Zeiten noch zu Recht als
Stolz und Patriotismus bezeichnen konnte.

Desprecio
Corvusacerbus
18. Oktober 2015 16:28
Michael Wiesberg hat mit allem recht. Aber ich frage mich seit Jahrzehnten, warum konnte dieses ganze verschwurbelte Gemisch aus Linguistik, Sprechakttheorie, Kommunikationswissenschaft, Gender-Mainstreaming, dieses ganze relativierende Gebräu aus Dekonstruktion, Egalitarismus und kultur- und sozialwissenschaftlicher Wende in der Geschichtswissenschaft und der Bildungs- und Schulpolitik, Hegemon in den alten europäischen Nationen werden? Daß es hegemonialer Mainstream in den USA wurde überrascht nicht, denn geisteswissenschaftlich war es das erste Eigene, vorher waren die USA intellektuell komplett europäisch. Und als die intellektuelle Rechte in den USA gemerkt hat, daß es ans Eingemachte geht, war es zu spät. Hierzu ist Pflichtlektüre "Der Niedergang des amerikanischen Geistes" von Allan Bloom, als Echo dazu sein Schüler Francis Fukuyama und als Grundlage natürlich insbesondere Leo Strauss. Aber warum wir? Warum um alle Himmel und Götter verzwergt, verdummblödet, entphilosophiert, immanentisiert uns enttheologisiert sich ein Land wie Deutschland, das historisch betrachtet noch vor Kurzem der Heimathafen der intellektuellen Welt war und macht sich, mehr schlurfend als fröhlich ausschreitend, auf den langen Weg nach Westen, statt selbstbewußt innezuhalten und sich auf den eigenen Weg zu machen? Analytisch begabt, philosophisch tief in Athen, Jerusalem und Rom gegründet (und in Heidelberg, Tübingen, Göttingen befestigt), sich seiner tiefen Wurzeln in der Geschichte eingedenk, wäre das doch normal gewesen? Wer ist mehr zu einm eigenen, selbstbestimmten Weg berufen, wenn nicht die europäischen Nationen, Völker und Stämme? Warum gehen wir ihn nicht? Warum gilt bei uns, dem Land, in dem ein Max Weber noch vor nur hundert Jahren die weltweite Referenzgröße der Sozialwissenschaften war, ein unschöpferischer Jürgen Habermas als Denker und ein großer Kopf wie Joseph Ratzinger als Ideologe? Warum kann in einem Land, in dem Theodor Mommsen Römische Geschichte geschrieben hat, ein Heinrich August Winkler zum Großwesir der Geschichtswissenschaft avancieren? Nun, zum einen, da sollten wir nicht nonchalant werden als Rechte, weil originär brillante deutsche Köpfe wie der erwähnte Leo Strauss in ihrer geliebten Heimat Deutschland nicht bleiben durften, als sich der europäische Bürgerkrieg 14/45 in Deutschland nationalsozialistisch ausprägte (ich erspare uns, die viel zu vielen aufzuführen, die ebenfalls nicht bleiben konnten und durften; eine Schande ist es bis heute). Zum anderen gilt, "it's the economy, stupid!". Ich kann nicht nach der militärischen Niederlage die Marktwirtschaft - soll man nicht besser sagen "den Kapitalismus"? - einführen, mit Konsumenten- und Wahlfreiheit, NATO und EU, Werbung, Zivilgesellschaft und all' dem, und davon sehr profitieren (so wohlhabend wie die derzeitigen Rentner waren noch keine deutschen Pensionisten und deren satte Renten wurden in jenen Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg erwirtschaftet!), ohne den kulturellen dafür Preis zu bezahlen bzw. ohne den geistigen Überbau der Produktionsweise anzupassen. Das war der Versuch, den noch Helmut Kohl als geistig-moralische Wende bezeichnet und mit dem die Stahlhelmfraktion der Union grandios auf der Schnauze gelandet ist. Vorher war's Erhardts Formierte Gesellschaft und danach kam nix mehr außer Anpassung an den rotgrünliberalen Zeitgeist. Übrigens: marxistischer Jargon paßt deshalb ganz gut, von wegen Produktionsweise und Überbau, weil der Marxismus den real existierenden Kapitalismus besser beschreibt (erklärt wäre zuviel gesagt) als dessen untergegangenen Antagonisten. Deutschland hat nach der Niederlage das westliche Wirtschaftsmodell gewählt - na ja, gewählt, halb hingeschoben, halb hingesunken beschreibt's wohl besser - und wer das Wirtschaftsmodell will, kriegt auch die passende Lebensweise mit all' dem Kulturklimbim, der verhindert sich des Eigenen zu versichern, ja sich seiner auch nur zu erinnern. Man kriegt, um es salopp zu sagen, das westliche Modell nur "mit allem Furz und Feuerstein". Wobei die Produktionsweise mit "Feuerstein" so adäquat benannt wird wie der geistige Überbau mit "Furz". Was folgt daraus? Meines Erachtens, daß die Identitären und Wiederentdecker des Eigenen die Richtung richtig angeben. Es geht um grundlegende Wiedergewinnung des Eigenen und darum, sich auf diesen, zwischen US-Hegemonie und chinesisch-asiatischer Hegemonie liegenden 3. Weg zu machen (auch deshalb stören 50 Millionen weiterer Afrikaner und Moslems, denn die interessiert unser eigener Weg einen Dreck). Für mich sind die Begriffe Renaissance und Reconquista, auch Reaktion und Konterrevolution, hoch aktuell, auch wenn sie archaisch daher kommen, aber taktisch findet sich das dann schon. Es muß einem nur klar sein, daß Entwestlichung bezüglich Wohlstand bedeutet, auch hier salopp formuliert... ist ja Blog und nicht Diss.:-) ... eher auf DDR-Niveau zwischenzulanden, als den gute alten BRD-Standard zurückzuerlangen. Ob das gelingen kann? Skeptis ist da wohl ein Euphemismus. Aber was wollen wir machen? Die Suppe ist so eingebrockt, wie sie vor uns auf dem Tisch steht, und eine andere gibt's nicht. Wenn das alles Fiktion bleibt, wenn rassische, religiöse, kulturelle und finanzwirtschaftliche Überfremdung auf Dauer erhalten bleibt, wird das zivilisierte Europa seine Selbstbestimmung endgültig verlieren, wie es als Vorstufe seine Selbstachtung bereits verloren hat. Aber die Hoffnung stirbt nie!
Ostelbien
18. Oktober 2015 20:13
„Wir dürfen uns nicht im Kampf um die Sprache von den Sozialisten verdrängen lassen. Denn den Rückschlag der 1970er Jahre haben wir nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken, daß die anderen sich der Sprache bemächtigt haben, die Sprache als Waffe benutzt haben, daß sie Begriffe herausgestellt, mit anderem Inhalt gefüllt und dann als Wurfgeschosse gegen uns – nicht ohne Erfolg – verwendet haben. Und darum ist für mich der Kampf um die Sprache eine der wesentlichsten Voraussetzungen für die geistige Selbstbehauptung.“
- Franz Josef Strauß
Hugo Treffner
19. Oktober 2015 11:03
@ Corvusacerbus

"Nun, zum einen, da sollten wir nicht nonchalant werden als Rechte, weil originär brillante deutsche Köpfe wie der erwähnte Leo Strauss in ihrer geliebten Heimat Deutschland nicht bleiben durften...."

Für Leo Strauss und seine Schüler ist die 'noble Lüge' - Desinformation ‑ der Schlüssel, politische Macht zu erringen und zu erhalten. Letztendliches Ziel ist die politische Macht an sich. Für Strauss und die Straussianer gibt es keine universellen Prinzipien, kein Naturrecht, keine Tugend, keine Nächstenliebe, kein Menschenbild vom Menschen als Abbild des Schöpfers.

Auch war Leo Strauss ein glühender Bewunderer von Hobbes, dem er ein ganzes Buch -Die Philosophie des Thomas Hobbes- widmete. Hobbes vertrat, so Strauss, ein materialistisch-deterministisch anmutendes Menschenbild und war grundsätzlich von der "Gefährlichkeit" des Menschen überzeugt. Hobbes leugnete die "Natürlichkeit des Altruismus" und setzte dagegen die Thesen von der "Raubtier-Natur des Menschen, vom Krieg jedes gegen jeden als der natürlichen Lage des Menschengeschlechts, von der wesentlichen Ohnmacht der Vernunft".

Für Hobbes rührt das Naturrecht allein auf Gottes "Allmacht"; auf den Staat übertragen heißt das: auctoritas non veritas facit legem - Macht, nicht Wahrheit setzt Recht. Leibniz warf Hobbes vor, er bestreite die Idee eines übergeordneten Naturrechts, eines Schöpfers der Liebe, Weisheit und Güte, welche erst die Grundlagen von Gerechtigkeit seien.

Strauss und die Straussianer sind Epigonen und Sophisten, keine eigenständigen Denker. In der Nachfolge von Thomas Hobbes verstehen sie sich als Elite von "Weisen", als "Eingeweihte" auf dem Olymp der Macht. In dieser Funktion haben sie bereits vor Jahren die neue amerikanische imperiale Doktrin entworfen. Sie sind es, die die "Machthaber" darin beraten, wie sie die auswüchse der Macht verschleiern und dem gewöhnlichen Volk den Einblick in die Strukturen der Macht verwehren können, und die durch entsprechende Sprachregelung weltweit dafür sorgen, dem "neuen Römischen Empire" die entsprechende geistige "Aura" zu verleihen.
gerd
27. Oktober 2015 22:26
"Die Sprache als Hebel der multikulturellen Kulturrevolution" ... und warum wird DEREN "BUNT" nicht kaputt gemacht?
Alle Inter-Nationalen Farben in einem Topf verrührt ergibt nicht Bunt !!! Fragen Sie den Mahlermeister ihres Vertrauens, oder verrühren die Farben ihres Druckers in einem Tank. :D

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