07. November 2015

Das war's. Diesmal mit: Flüchtlingshelferinnen, Raubfischen und einem Experten für rechte Verlage

von Ellen Kositza / 30 Kommentare

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

2.November 2015 -- Unser Grundschulkind darf (nach vier Jahren als gnadenloser Wirt) die Maria spielen, im Krippenspiel zu Weihnachten. Aus Sicht des betreffenden Kindes geht die Nachricht so: Ich! darf die Maria!!! spielen!!
Kind: „Ich hab’s jetzt auch der Frau F. (Lehrerin) erzählt. Also, daß ich die Maria spielen darf.“ – „Und - was sagt sie?“ Kind (rollt die Augen): „Oh, cool.“



3. November 2015 -- Die feministische Zeitung Emma hatte im August online um tätige Hilfe für Flüchtlinge geworben. Das dazugehörige Bild zeigte, schön romantisch, eine junge Frau, die kleinen Flüchtlingsmädchen und zwei jungen Männern auf der Gitarre vorspielt und dazu singt. Emma: „Es gibt viele, die helfen. Und noch mehr, die helfen wollen. Allen voran Frauen.“ Leserinnen wurden aufgefordert, unter dem Stichwort „Ich helfe Flüchtlingen“ Erfahrungsberichte an die Zeitschrift zu senden. Tage später erschienen online Portraits von Frauen, die sich entsprechend engagieren, meist nach herkömmlicher Weise ideologisch aufgeladen.

Nun lautet der meistverwendete Satz der Emmas ungefähr so: „Wir haben auf die Misere [je: x, y oder z] schon frühzeitig hingewiesen“. Denn: die Emmas sind Rechthaber. Was sie prophezeien, tritt ein, kommt zumindest auf die große Agenda; von der Abtreibungsdebatte über die Homosexuellengleichstellung bis zur Frauenquote.

Und jetzt, meine Güte, der Traum von idealistischen deutschen Fräulein, die sich hingebungsvoll den Neuankömmlingen widmen? Kann das wahr sein?

Logisch: nein. In der aktuellen Druckausgabe wird eine kleine Handbremse gezogen. 70% der Flüchtlinge weltweit seien weiblich. 80% der über Österreich hier ankommenden Flüchtlinge seien aber männlich. Rasch nach dem Emma-Aufruf seien viele kritische Stimmen von Helferinnen eingegangen. Ein Baumarkt neben einem Asylanten-Zeltlager müsse eine „Spezial Security“ (sic) einsetzen, weil „weibliche Kunden auf dem Weg zum Parkplatz zum 'Ficken' aufgefordert würden.“ Anderswo würden Frauen als „Huren“ beschimpft und zu „züchtigem Verhalten“ (Kopftuch) aufgefordert. Emma dokumentiert Dutzende ähnlicher Beobachtungen von Institutionen und Lesern. Kritisiert wird redaktionell auch, wie sich die Modekette H& M mit einem Kopftuch-Model „ranwanzt an den Muslim-Markt.“

Angela Merkels grundsätzliche Haltung will die Schwarzer dennoch weiterhin nicht kritisieren: „Sie muß es schaffen!“



5. November 2015 -- Beliebtes familiäres Vorstell-Spiel mit den Kindern, wenn die Sonne außerhalb des Sommers mal scheint wie verrückt: „Kommt, wir spielen, es wär' nicht der 5. November, sondern der 5. August!“ Das finden sie toll. Wir packen die Tasche, das fernsteuerbare Boot, Federballspiel und spielen für anderthalb Stunden Sommer, mit all den Gesprächen, die zur Illusion dazugehören. („Boah, diese Hitze… Zum Glück sind Sommerferien…“) Die Badestrände der Umgebung sind natürlich geschlossen. Wir gehen illegal, wie manchmal. Diesmal haben wir Pech. Nach heiteren Uferspielen und einer knappen Planschrunde werden wir gestellt, und zwar typisch deutsch: Mann stellt sich vor mit Ausweis (Untere Fischereibehörde?), heftigem Dialekt und Jeansanzug.

Was wir getan haben, war verboten, streng verboten. Ich bin ehrlich zerknirscht, tut mir leid, wußte nicht so genau, daß es so sehr verboten ist. Gelobe Besserung. Wirkt anscheinend nicht glaubwürdig genug. „Junge Frau. Sie sind sich der Gefahr nicht bewußt. Hier leben Raubfische. Haben Sie eine Ahnung, was hätte passieren können, wenn da so ein 2-Meter-Hecht von unten kommt? Das war unverantwortlich. Absolut unverantwortlich. Ich will mir nicht ausmalen… denken Sie gar nicht an Ihre Kinder?“

Als Rabenmutter will ich nun nicht dastehen: „Also Moment mal – die Hälfte des Sees ist im Sommer Badegewässer. Haben Sie da also im Ernst eine Mauer unter Wasser, die die lebensgefährlichen Fische abhält, vom Angelsee in den Badeteil zu schwimmen?“ – „Neeneenee. Aber dort sind Sie versichert.“

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6. November 2015 -- Eins meiner ärgsten Laster ist seit Kindheit der Drang, Leute nachzumachen, also: zu äffen. Gestisch, mimisch, sprachlich. Ich weiß, es ist ein fieser Zug. Ich arbeite dran. Die Kinder hassen es. (Klar, in welchen Fällen.) Die Kinder lieben es. Derzeit populär: „Mama, bittebitte mach doch noch mal diesen verrückten Experten nach!“

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (30)

Trouver
07. November 2015 23:13
„Sie muß es schaffen!“


Gottlob, es tut sie.

Die Katharsis.
Reichsvogt
07. November 2015 23:59
Habe bis zum bitteren Ende diesem Tagesspiegel-"Experten" für rechte Verlage gelauscht. Meine Güte was für ein besorgter Wicht. Der Titel von Pirinccis erstem politischen Buch "Deutschland von Sinnen" muß erst mit nervösem Papiergeraschel nachgeblättert werden und der Gipfel am Schluß: Das "Heerlager der Heiligen" ist ungeheuer langatmig und schlecht geschrieben. Da will einer unbedingt keine Werbung machen und muß sich selber mit einem eklatanten Fehlurteil völlig disqualifizieren. Vor solchen Geisteszwergen muß einem nicht bange sein.
Urwinkel
08. November 2015 00:44
Der Raubfischexperte und Schwimmer sagt dazu: Hechte erreichen nicht die 2-Meter Marke. Menschen stehen nicht auf ihrem Speiseplan. Sollte die Geschichte wahr sein, hat Ihnen der Schwimmaufpasser Unsinn erzählt. Drehen Sie dem eine lange Nase, und baden gegenüber.
Anton Steiner
08. November 2015 02:16
Verrückte vom DRadio sind einfach nicht zu kopieren,
muß man gelernt haben oder IRRE ich jetzt ?

Laut Ansage des E-perten vom "Spiegelkinderbuchverlag" muß ich die Sezession sofort ignorieren, abbestellen, da total RECHTES Gedankengut zwangsläufig vermittelt wird....

Und beim Götz K. Verlag A. wird der Verfassungsschmutz Augenmerk haben müssen (man denke im KONJUNKTIV),
total Rechts, Neu Rechts und und und.

Danke Frau Kositza, wie halten Sie es nur mit Neuen Rechten Männern aus? Und erst Ihre Kinder?
War das Amt schon vor Ort?
Fragen über Fragen....
Andreas Walter
08. November 2015 02:41
Ja, den "good germans" der auserwählten Lizenzpresse scheint der ...... gerade ganz schön auf Grundeis zu gehen. Sehr erheiternd fand ich dieses Wochenende darum auch den folgenden Artikel von der Süddeutschen:

http://www.sueddeutsche.de/politik/gastkommentar-krieger-an-der-tastatur-1.2725726

Klingt fast schon wie ein letzter, verzweifelter Hilferuf nach good old uncle Sam (Samuel Wilson) und seine Hubschrauber auf dem Dach der amerikanischen Botschaft in Saigon, vor allem, wenn man diesen Artikel vorher gelesen hat:

http://www.americanheritage.com/content/looking-good-germans?page=show

Dabei empfinde ich gar keinen Hass, wenn ich diese Leute derzeit kaltblütig als Betrüger und Kriegsgewinnler entlarve. Mir scheint daher deren Überreaktion eher eine Projektion ihres eigenen schlechten Gewissens zu sein. Die haben anscheinend so sehr das von ihnen selbst erschaffene Bild des bösen, rechten, deutschen Unmenschen verinnerlicht, dass sie sich gar nichts anderes mehr vorstellen können, als von denen für ihre Verbrechen gegen das Deutsche Volk auf grausamste Art bestraft zu werden. Daran erkennt man auch ein wenig den Totalitarismus, der solche Menschen antreibt. Teilen, abgeben, Kompromiss eingehen, Demokratie, einsehen, nachgeben, dass alles scheint in den Köpfen dieser Leute als Option gar nicht zu existieren. Was bei der Frage nach wieder mehr Nation und Selbstbestimmung oder endgültige Dilution in einem grösseren, noch beliebigerem Ganzen auch gar nicht so einfach ist. Denn da gibt es keinen Kompromiss, sondern nur Sezession.

Na dann, bedienen ich mal das Klischee, denn auch ich möchte frei sein.

https://www.youtube.com/watch?v=X8a1crlSn-c
Stephan
08. November 2015 03:20
Vor dem letzten Link sollte wirklich ein Warnhinweis stehen.

Nach nur 20 Sekunden heißt es, Pirinçci hätte "bedauert, dass die Konzentrationslager zur Zeit außer Betrieb seien". Kein Widerspruch vom Experten, der sich "mit diesem Thema auseinander gesetzt hat". Keine Minute später: "Bekannt geworden und auch zum Hassprediger geworden [der Titel "Hassprediger" ist anscheinend eine Art Berufsbezeichnung, die vom Deutschlandradio verliehen wird] ist Akif Pirinçci 2014, also im letzten Frühjahr, mit dem Titel 'Deutschland von Sinnen'".

Da konnte ich nicht mehr. 2 Minuten hab ich geschafft. Das ist ja anstrengender als Luft anhalten.
nörgler
08. November 2015 06:40
E.Kositza
Liebe Ellen,Frauen(wie Sie z.b.) gibt es ja heutzutage kaum mehr. Schland wird von brunsdoofen,bescheuerten Flittchen bevölkert und teilweise sogar gelenkt.(siehe Bundestag)Oder diese rotzgrünen Kreaturen weiblichen Geschlechts.Verzeihen Sie bitte meinen etwas rüden,vulgären Sprachgebrauch,ich wollte nur sicherstellen,daß meine Ansicht transportiert
wird,den Litaraturnobelpreis hatte ich noch nie im Auge.Liegt an meiner impulsiven Ader,vermutlich,bitte nochmals um Pardon.
Ein Fremder aus Elea
08. November 2015 08:26
Vor drei Tagen war es hier noch 10 Grad bei vollem Sonnenschein - da hatte ich ähnliche Gedanken, seitdem ist aber ein Nebel herangerollt, so feucht, daß mein Bart tropfte, als ich vom Spaziergang heimkam.

Die Welt fühlt sich merkwürdig ausgeglichen an, unmittelbar, als ginge man über Moos, als könne man mit den Armen schlagen und abheben.

I Ching: Wasser über See, Hexagramm 60 - Gängel die Gutmütigen nicht über Gebühr.

Übrigens, wird sonst noch jemand so wie ich jüngst wieder einmal an die Zauberflöte erinnert? "Das ist der Teufel sicherlich!" "Wen diese Lehren nicht erfreu'n, verdient es nicht, ein Mensch zu sein!"

Noch ein paar Hundert Jahre Spielzeit mehr und vielleicht kommen wir irgendwo hin.

Lachhaft.
RL
08. November 2015 09:47
Für was ist dieser "Experte" eigentlich Experte?
Das Heerlager der Heiligen "ist langatmig und schlecht geschrieben..." man oh man, ich kenn einige Autoren die Ihre Leser zu Tode langweilen, aber Jean Raspail gehört eindeutig nicht dazu.

Das mit dem Aufseher ist doch Realsatire. Vom Hecht gefressen, aber hautsache gut versichert. Ich lach mich schlapp.
Urwinkel
08. November 2015 10:45
Solche Stöhner sind im Angelleben Usus, Die drehen richtig auf, wenn sie jemanden Spaß haben sehen. Das beste Mittel sind abgestempelte, gültige Angelscheine. Danach geht diesen Großmäulern die Luft aus und sie laufen rot an und echauffieren sich. Dann hilft nur noch die 112. Die Tüpen nennt man Fischereiaufseher. Das ist ein Rentnerberuf. Ich kenne keinen jungen Menschen, der sich dafür interessiert.
Rheinländer
08. November 2015 11:22
Zu dem "Experten" Christian Schröder vom Berliner Tagesspiegel:

Oh mein Gott, was für ein läppischer Auftritt. Dieser Herr wirkt ja so schwach und fahrig, daß man fast gewillt ist, ihm unter die Arme zu greifen ;-).

Mir ist übrigens aufgefallen, daß dieses nervöse und fahrige Auftreten bei vielen "Rechtsextremismusexperten" zu beobachten ist, z.B. auch bei Alexander Häusler.

Ob das Ausdruck der kognitiven Dissonanz ist, entgegen der faktischen Wahrheit Menschen als rechtsextrem diffamieren zu müssen ?

Denn das eigene Gewissen macht sich nach meiner Erfahrung letztendlich trotz aller Verdrängungsbemühungen bemerkbar, und wenn es in Form körperlicher "Ticks" geschieht.

Einzige Ausnahme: Hajo Funke. Allerdings hat dieser jetzt, in relativ hohem Alter, optisch eine Erscheinungsform angenommen, wegen der man Rückschlüsse auf seine wahre Gesinnung ziehen könnte. Ich erinnere mich an eine Dokumentation über Pegida vor wenigen Monaten, in der er, in ein Zwielicht getaucht, fast dämonisch wirkte.
Herbert
08. November 2015 11:41
Wau, 2-Meter-Hechte (!!!) beissen auf kleine Kinder!?! Ich Idiot probiere es immer mit Wobbler. Könnten Sie mir den Namen des Gewässers nennen, Frau Kositza. Angeln wäre nämlich mal wieder angesagt, das "Heerlager" lese ich nicht zu Ende, da es "auch nur leider unglaublich langatmich und sslecht geschrieben" ist. Da widme ich mich doch lieber unserem Kollegen Esox lucius. Man soll ja seine Zeit nicht mit schlechter Literatur verschwenden.
Alter Professor
08. November 2015 12:00
Meine arme Familie, jetzt muss sie den ganzen Sonntag das lispelnde Stottern ertragen.
Das rettet meinen Tag.
Ich schäme mich dafür und distanziere mich von mir. Aber erst, wenn er noch 10000000000 mal "Sezession" sagt.
Alter Professor
08. November 2015 12:01
...und Kubitschek, der auf einer Burg residiert!
Unke
08. November 2015 13:16
"Aber dann sind Sie versichert."
Musste erst meinen Lachkrampf unter Kontrolle bekommen.
Werner Ulrich
08. November 2015 17:19
Liebe Frau Kositza,
jedesmal eine Freude, Ihre Beobachtungen. Danke vor allem für das Link am Schluß - es ist doch toll, wie nordkoreanisch schlicht sich die Welt in den Köpfen mancher Meinungshüter darstellt. Nun hätt ich gern noch das Link zu Ihrer Parodie! ;-)
Eckesachs
08. November 2015 17:55
,,(Untere Fischereibehörde?)"

Kaum.

Wahrscheinlich gewählter Fischereiaufseher des Angelvereins.

Angler sind doof oder haben zuhause nichts zu melden, weshalb sie gern ihre Volksgenossen maßregeln.

Wir Jäger sind viel schlauer.

Wenn wir nicht wollen, daß Spaziergänger mit Hunden unseren Ansitz stören, überhaupt uns das Wild vergrämen, nageln wir Schilder an die Bäume mit Aufschriften wie ,,ZECKEN" (eine Abblidung der Zecke darf nicht fehlen, erzeugt beim Fernsehgucker Ekel und Angst), ,,TOLLWUT" oder ,,FUCHSRÄUDE".

Der Fischereimeister wußte es nicht besser, verzeihen Sie ihm.

Ein Piktogramm im Verkehrsschildformat mit einem Hecht, welcher gerade einen Säugling verschlingt, hätte ihm vielleicht ein ruhiges Fischwasser beschert.
limette
08. November 2015 20:02
Dazu:

http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2015/11/06/drk_20151106_1010_dccae7d5.mp3

Wenn wir die Macht haben ;-), dürfen nur noch Hansels ohne Wollknäuel im Mund im Radio auftreten und über "rechte" Verlage Hilfloses daherstammeln, was niemand hören will :-)
Nemo Obligatur
08. November 2015 20:02
Harhar, Frau Kositza, dieses Mal muss man Ihre Kolumne wirklich ganz bis zum Ende durchlesen und vor allem die Links anklicken, um auf seine Kosten zu kommen.

Aber mal ehrlich, diesen Nachwuchs-Reich-Ranicki nachzuäffen, das ist leichte Beute, gell? *lachtränenwegwisch*

Anmerkung: Ich mache mich eigentlich nicht über Menschen mit einer Sprachbehinderung lustig, aber wer so auf die Sahne haut, wie dieser "Experte", der darf sich nicht wundern, wenn er ein paar Spritzer auf sein Sakko bekommt.

Kositza: Achso, der arme Tropf hatte eine Sprachbehinderung? Dabei hatte ich nur die Aussetzer, das Neurotische und die "Burg" etc. parodiert...
Der Gutmensch
08. November 2015 21:03
Der Raubfischexperte und Schwimmer sagt dazu: Hechte erreichen nicht die 2-Meter Marke. Menschen stehen nicht auf ihrem Speiseplan. Sollte die Geschichte wahr sein, hat Ihnen der Schwimmaufpasser Unsinn erzählt. Drehen Sie dem eine lange Nase, und baden gegenüber.


Dazu braucht es keinen "Raubfischexperten"; eine normale Allgemeinbildung reicht und die setzen die Leute von der unteren Fischereibehörde selbstverständlich auch bei jedem anderen voraus. Erst auf Widerspruch wurde vorsichtshalber nochmal auf die Mutterpflichten hingewiesen, um sicherzustellen, dass das Badeverbot auch bestimmt ankommt. Denn die Brüder werden wissen, was da außerhalb der Saison so alles in der trüben Brühe schwimmt, das ist ja schließlich der Klassiker. Und was immer es im konkreten Fall auch sein mag - es ist vermutlich nicht bissig und keine zwei Meter lang; aber gesundheitsfördernd wird es sicher nicht sein.
Arminius Arndt
08. November 2015 22:34
Frage mich bei so selbsternannten Amtspersonen oder sonstigen Oberlehrern, die einen irgendwie Schulmeistern müssen immer, ob die sich das nur trauen, weil man so brav und ordentlich deutsch aussieht und ob die genauso sich ins Zeug legen würden, wenn man jetzt etwas südländischer, russischer oder nahöstlicher aussehen würde.

Mit nem Kumpel, der kreuzbrav und deutsch aussieht, aber den ersten Teil seines Lebens in Russland verbrachte, ist das immer ganz aufschlussreich bei solchen Situationen. Er faucht dann die Leute mit sonorer Stimme auf russisch an und schaut ihnen dabei entschlossen in die Augen - die Reaktion war bislang immer absolutes Schwanzeinziehen der Oberlehrer. Da ich kein russisch kann, fragte ich ihn, was er da eigentlich zu den Leuten sage und ob er sie anpöbeln würde. Er hat dann gelacht und gemeint, dass er so etwas ähnliches gesagt hat, wie "Guten Tag, bitte, warum stellen Sie sich nicht erst einmal vor, bevor Sie uns ansprechen?" ...
Lars Geier
09. November 2015 07:34
Flüchtlingshelfer(-innen) - Gender Ende - ein nicht ganz so einfaches Problem. In unseren (nordöstlichen) Breitengraden rekrutieren sich die Hilfskräfte mit Helfersyndrom fast ausschließlich aus jüngeren Menschen, überwiegend Studenten. Ich weigere mich beharrlich, all diese jungen Leute als für Deutschland verloren zu betrachten. Anderen helfen zu wollen, ist ja zunächst einmal höchst achtenswert. Problematisch ist doch die (vielfach fremdgesteuerte) Fehlleitung dieser löblichen Tugend und die damit verbundene (seitens der Helfer möglicherweise sogar zum Teil unbewusste) Förderung einer falschen Politik. Einen Lösungsansatz vermag ich nicht zu bieten, insbesondere unter Studenten ist eben Links-sein immer noch schick, Rechts-sein verwerflich, die jahrelange Erziehungsarbeit von antiautoritären Eltern, Lehrern und gehirnwaschenden Medien wirkt einfach zu stark. Die Identitäre Bewegung und die Junge Alternative beispielsweise werden nicht als Alternative, sondern als Feind betrachtet, selbst gewaltfreier Patriotismus kann von sonst intelligenten Menschen - jedoch offenbar ohne Differenzierungsvermögen - nur dem Nazilager zugeschlagen werden. Dies ist umso bedauerlicher, als ich gerade in der IB in den letzten Wochen ganz außergewöhnliche engagierte junge Menschen kennengelernt habe, die das Herz am rechten Fleck und ein Feuer in sich tragen, dass auch auf das eher mittelalte Semester, dem ich mich zurechne, durchaus anziehend wirkt, aber leider wohl weniger auf die tatsächliche Zielgruppe. Ich glaube, hier zeigt sich ein ganz großes Problem der neurechten Bewegung insgesamt, die Jugend zu gewinnen und zu motivieren ist so ziemlich das dickste Brett, das es zu bohren gilt.
Waldgänger aus Schwaben
09. November 2015 08:18
Ihr sollt nur Feinde haben, die zu hassen sind, aber nicht Feinde zum Verachten: ihr müßt stolz auf euren Feind sein

(Nietzsche, Also sprach Zarathustra Von alten und neuen Tafeln)


Schämen Sie sich Ihres Feindes nicht, Frau Kositza?

Am Besten fand ich die Stelle, wo er sagt,
"Das, ähm, (Papiergeraschel ???) weiß ich, ähm, jetzt, ähm, nicht."

Ich glaube, auf die Frage, welche "rechten" Bücher in diesem Manuscriptum-Verlag sonst noch so erschienen sind.
Sakksa
09. November 2015 10:21
@ Ein Fremder aus Elea

"Wen diese Lehren nicht erfreu´n, verdient es nicht, ein Mensch zu sein"

Passt, Danke ! Nur hat ihn bei dieser Aufführung die Königin der Nacht von Sarastro geklaut.
Juliane R.
09. November 2015 13:49
Viel geschwatzt und nichts gesagt - nur uninformiert gestottert und geschmatzt.
Rechte Belletristik, die es zu erschnüffeln gilt - es wird immer absurder und kleinkarierter.
Ekelhaft, diese selbsternannten Experten.
al-Muschrik
09. November 2015 16:36
Herzlichen Dank Frau Kositza, ich lese Ihre pointilistischen Impressionen aus Muravarta, dem weltumspannenden Irrenhaus der letzten Menschen und Glückserfinder immer wieder gerne.

Bei „Neeneenee. Aber dort sind Sie versichert.“ ist mir gleich Oswald Spenglers „Jahre der Entscheidung“ eingefallen. In meiner Ausgabe von 1933 findet sich auf S. 113:
Die Sucht des Versichertseinwollens — gegen Alter, Unfall, Krankheit, Erwerbslosigkeit, also gegen das Schicksal in jeder denkbaren Erscheinungsform, ein Zeichen sinkender Lebenskraft — hat sich von Deutschland ausgehend im Denken aller weißen Völker irgendwie eingenistet. Wer ins Unglück gerät, schreit nach den andern, ohne sich selbst helfen zu wollen.

Und um womöglich Lust zu erregen auf die Lektüre dieses wahrhaft prophetischen Büchleins (XIV + 165 Seiten) S. 150:
Die weißen Herrenvölker sind von ihrem einstigen Rang herabgestiegen. Sie verhandeln heute, wo sie gestern befahlen, und werden morgen schmeicheln müssen, um verhandeln zu dürfen. Sie haben das Bewußtsein der Selbstverständlichkeit ihrer Macht verloren und merken es nicht einmal. Sie haben in der "Revolution von außen" die Wahl der Stunde aus der Hand gegeben, an Amerika und vor allem an Asien, dessen Grenze heute an der Weichsel und den Karpathen liegt. Sie sind seit der Belagerung Wiens durch die Türken zum erstenmal wieder in die Verteidigung gedrängt worden, und werden große Kräfte, seelisch wie militärisch, in der Hand sehr großer Männer aufbringen müssen, wenn sie den ersten gewaltigen Sturm überstehen wollen, der nicht lange auf sich warten lassen wird.

oder S. 5:
redselige Kritik aus fröhlicher Unwissenheit

Volk der Schwätzer und Hetzer

Diese Lektüre vermöchte vielleicht auch manchem den Star zu stechen, der den Untergang des Abendlandes oder Niedergang des Westens auf ein spezifisch deutsches Problem, resultierend allein aus der reeducation nach dem 2. Weltbürgerkrieg, reduziert.
Andreas Kammnagel
09. November 2015 17:55
Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da habe ich mich über solche Experten geärgert, Gegenargumente gesucht, und ich bin auch aufgeregt gewesen. Aber mittlerweile - Belustigung und Mitleid. Sein Verhalten ähnelt dem eines verrückt gewordenen Infrastrukturgegners, der am Straßenrand sitzt und Bordsteine vermisst, um den Bau eben dieser Straße nachzuweisen.
limette
09. November 2015 19:01
Diese sog. Experten kennt man ja. Der Typ scheint ein Prototyp zu sein. Viel Einzelwissen unverdaut angehäuft, ähnlich wie Röpke, aber nichts tiefergehend durchdrungen. Solche Typen werden dann aufgrund des Gesellschaftsklimas zum Experten, aber sogar an linksgedrallten sozialwissenschaftlichen Fachbereichen will sich kein Professor mit so unterbelichteten Doktoranden umgeben. Mehr als Hilfsdienste zum Thema "Rechts" ist nicht drinnen, mal Lückenfüller beim dRadio.
ulex
09. November 2015 23:05
"Hallo Frollein,

darf ich Ihnen den grossen Hecht zeigen?"

Ich glaub ich muss mal nen Anglerschein machen ;-)
Ellen Kositza
10. November 2015 21:38
Danke, Ende!

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