04. Februar 2016

Le Bohémien über die Neue Rechte (I)

von Martin Lichtmesz / 40 Kommentare

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

tumblr_nnzgn3JcAt1rjr9llo1_1280Le Bohémien ist ein linksgerichtetes Netzmagazin, dessen Autoren sich zum Teil überraschend quer zum landläufigen "linksgrünen Generalkonsens" positionieren. Ein Beispiel wäre etwa dieser Beitrag des Herausgebers Sebastian Müller, der apropos Köln "die Auswüchse ideologisierten und realitätsfernen Denkens" in Deutschland scharf kritisiert, freilich nicht ohne gleichzeitig vor "Rechtspopulisten" zu warnen.

Ein paar Kostproben:
Die Dimensionen der Vorfälle in Köln und anderen deutschen und europäischen Großstädten erwiesen sich in den vergangenen Tagen als immer größer. (...) Das Versagen des Rechtsstaates, der Integrations- und der Flüchtlingspolitik lässt sich nicht länger vertuschen. Die Beispiellosigkeit der sexuellen Übergriffe machen eine Auseinandersetzung nunmehr unvermeidlich. (...)

Lange, erst recht nach der Zunahme der Fremdenfeindlichkeit in den letzten Jahren, wollte kaum einer über die Integrationsprobleme sprechen. Probleme, von denen eigentlich jeder weiß, das es sie schon lange gibt. Wie etwa das in allen Städten zu beobachtende, aggressive Gruppenauftreten halbstarker Jungs mit nordafrikanischen, arabischen oder türkischen Migrationshintergrund – wenn auch bisher in kleineren Maßstäben. (...)

Mit den Stigmatisierungen und dem in “die rechte Ecke stellen”, trägt der linksgrüne Generalkonsens maßgeblich zum Erfolg des Rechtspopulismus bei. Denn wer in “die rechte Ecke gestellt” wird, kann mitunter auch von rechts abgeholt werden. Dass man sich zwar die Bekämpfung von Faschismus und Patriarchalismus auf die Fahnen schreibt, diesen aber nicht im Islamismus zu erkennen imstande oder willens ist, zeugt im Übrigen von einem blinden Fleck im linken Denken.

Am 3. 2. erschien dort auch ein Beitrag von Paul Simon mit dem Titel "Laßt uns über die Neue Rechte reden", ein "Nachtrag zu dem kontroversen Briefwechsel zwischen Armin Nassehi und Götz Kubitschek" (nachzulesen hier; mehr dazu hier; und etwas zum Schmunzeln gibt es hier).

Auch dieser Artikel ist einem unaufgeregten Ton gehalten, der für eine linke Seite ungewohnt ist. Hinzu kommt, daß der Autor zumindest ein bißchen Ahnung über die Hintergründe des rechten Denkens hat. Nicht nur hat er Fortgeschrittenenliteratur wie den Gesprächsband Tristesse Droite gelesen, er weist auch apropos Kubitschek & Nassehi darauf hin, daß es einmal Zeiten gab, in denen politische Antipoden wie Gehlen und Adorno imstande waren, miteinander respektvolle Gespräche führten.

Nun, diese Zeiten sind lange vorbei, und heute finden sich - zumindest in Deutschland - weder auf der Linken noch auf der Rechten Köpfe auf der Höhe dieser beiden Meisterdenker. Und die Tatsache, daß man es heute vorzieht, unliebsame Konsensabweichler routinemäßig und reflexartig mundtot zu machen, hat die hiesige "Debattenkultur" nicht gerade spannender gemacht. Insofern muß ich Simon hier aus tiefster Seele beipflichten, und dies nicht nur in eigener Sache:
Aber ebenso falsch ist es nun einmal, extreme Ansichten automatisch aus der Öffentlichkeit zu verbannen. Linksextreme liest man ja auch (und gerne), denn selbst wenn man deren Positionen nicht teilt, haben sie oft etwas interessantes zu sagen. Und überhaupt, wenn dieses sterbenslangweilige Land namens Bundesrepublik eines nicht braucht, dann ist es mehr Harmlosigkeit in der öffentlichen Debatte.

Ich möchte im folgenden ein paar Punkte aus diesem Artikel kommentieren. Dabei beanspruche ich nicht, im Namen der Rechten oder der Sezession überhaupt zu sprechen: auch unser Autorenstamm ist durchaus "pluralistisch" und nicht auf einen Nenner zu bringen.

Simon schreibt also:
Die Sezession ist radikal und kompromisslos rechts, also rechtsradikal. Diese Bezeichnung scheint mir durchaus angemessen, angemessener zumindest als das vage Label “konservativ”. Wie der Name Sezession schon besagt, liegt der Standpunkt, den die Zeitschrift einnimmt, außerhalb aller etablierten politischen und gesellschaftlichen Lager, stellt also unsere Gesellschaft sehr grundlegend in Frage.

Auch wenn ich aufgrund seiner einschlägigen Konnotationen keine große Freude an dem Wörtchen "rechtsradikal" habe, so stimme ich im Großen und Ganzen zu: Während sich gewisse Konservative, oder solche, die sich aus irgendeinem Grund dafür halten, immer wieder von uns "distanzieren", um ihre "saubere" Weste zu demonstrieren, so legen wir unsererseits Wert darauf, nicht mit diversen CDU-Schnarchnasen verwechselt zu werden.

Der Begriff "konservativ" bezeichnet im heutigen Spät-BRD-Diskurs vor allem eine Schwundstufe oder eine "Kantenschere" (dixit Kubitschek). Er dient in der Regel lediglich dazu, die eigene Harmlosigkeit oder den Grad der Anpassung an den etablierten Sandkasten zu markieren. "Konservative" dürfen ab und zu rein und im rechten Eck ein paar hübsche Sandburgen bauen, "Rechte" müssen generell draußen bleiben. Was aber "konservativ" oder "rechts" ist, wird in der Regel von links her definiert und gefiltert. Dabei wird der Begriff des Konservativen zunehmend verdünnt - siehe Gehlen, der in den sechziger Jahren noch als respektabler Konservativer galt, und heute wohl als unerträglich harter Knochen ausgesondert würde.

Nichtsdestotrotz lehne ich eine strikte Trennung zwischen den Begriffen "rechts" und "konservativ" ab. Der Konservatismus ist ideengeschichtlich selbstverständlich eine Bewegung der Rechten. Ich werde also im folgenden die Begriffe "rechts" und "konservativ" weitgehend synonym benutzen. Wo es um ein "bigger picture" geht, muß man verallgemeinern.

Wenn sie ihre geistige und politische Souveränität nicht verlieren wollen, ist es entscheidend, daß die sich Rechten oder Konservativen die Definitionshoheit über sich selbst nicht aus der Hand nehmen lassen. Der grandiose "konservative Katechismus" von Karlheinz Weißmann ist in dieser Hinsicht nach wie vor eine maßgebliche und nützliche Leitlinie.

Gerade Weißmann hat immer wieder betont, daß der Konservatismus Zähne haben muß, schon allein aus dem Grund, um nicht eine Veranstaltung für Langweiler zu werden. Im Gespräch mit Dieter Stein über Nutzen und Nachteil des Begriffs der "Neuen Rechten" betonte er:
Es ist eben nicht so, daß es keine Bemühungen gibt, den Begriff zu besetzen. (...) Die Attraktivität erklärt sich aus zwei Motiven: erstens der Unverbindlichkeit dieser Art Konservatismus, dem ganzen Gerede über „Werte“, das noch nie zu irgend etwas geführt hat, und dann aus der Möglichkeit für diese „neuen Bürgerlichen“, sich ganz konservativ auf Besitzstandswahrung zu konzentrieren. Da erkläre ich allerdings entschieden meinen Dissens und möchte nicht verwechselt werden, was auch immer freudig akzeptiert wird, wenn ich erkläre, daß ich nicht nur konservativ bin, sondern rechts. (...) Wir stehen also vor dem Problem, daß es entweder gar keine Möglichkeit der Selbstbezeichnung gibt, eine unscharfe – konservativ – oder eine trennscharfe – rechts. Und wenn wir schon martialisch werden: es geht um die Alternativen Kapitulation, Kollaboration oder Guerilla. Da bin ich dann zugegebenermaßen für Guerilla – also den kleinen Krieg; dazu gehört Beweglichkeit, Deckung nutzen, Angriffslust und selbstverständlich Provokation des Gegners.

Hier noch ein paar Zitate aus dem "Konservativen Katechismus":
Prüfe kritisch, ob es sich nicht nur um typbedingtes Phlegma oder altersbedingte Resignation handelt. Es gibt auch eine verbreitete Neigung, Faulheit und Konservatismus zu verwechseln, oder fehlende Anstrengungsbereitschaft weltanschaulich aufzuhübschen. (...) Insofern es dem Konservativen darum geht, etwas Lebendiges – seine Kultur, seine Nation, seine Religion, seine Familie – zu erhalten, kann er sich das Nachlassen nicht erlauben.

(...)

Die authentisch Konservativen sind ein buntes Völkchen: katholische Integristen und Junghegelianer, Dandys und Neo-Folk-Jünger, Computerfachleute in Jeans und eine Müslifraktion, Eurasier und Atlantiker und Nationale.

(...)

Die Stärke des Konservativen ist sein Realitätssinn, die Ablehnung von ideologischen Wunschbildern und Träumereien, für den Konservativen ist die Wirklichkeit der Maßstab, und wenn sich die Gegenwart so weit von der Wirklichkeit entfernt hat, muß man darauf reagieren. Also wende man sich dem »Essentialismus « zu, der nicht nur Konstruktion und Erfindung sieht, sondern die Substanz der Dinge; vollziehe den Schluß vom Sein auf das Sollen, weil das Natürliche und die Normalität tatsächlich Hinweise für das Richtige geben und plädiere für den gesunden Menschenverstand, der nicht nur die eigene Erfahrung auf seiner Seite hat, sondern auch die Tradition.

(...)

Halt Dich nicht damit auf, alles Alte zu bewahren! Der Konservative ist kein Trödler und kein Nostalgiker. Er will keine Konserven, in denen nur noch ein Schein des Lebens vorgewiesen werden kann. (...) Es geht auch nicht um das Alte, sondern um das Erbe, nicht ums Archivieren, sondern ums Tradieren. Es geht um den lebendigen Zusammenhang. Wenn der zerstört ist, bleibt Pietät vielleicht oder Trauer, aber nicht das, was die Anstrengungsbereitschaft des Konservativen wert ist.

Die mir persönlich wichtigste Stelle ist diese:
Kultiviere Deine Leidenschaft für die Vielfalt! Vielfalt ist das Gegenteil von Einfalt. Schütze das Konkrete, das immer ein Besonderes ist, gegen Simplifizierung und Gleichmacherei, die Unfähigkeit, im Mannigfaltigen das Schöne zu erkennen. Vive la différence! Was heißt das? Konrad Lorenz hat einmal gesagt, daß heute dem Gleichheitswahn entgegenzutreten so gefährlich sei, wie im Mittelalter zu bestreiten, daß die Erde fest stehe und sich im Mittelpunkt des Universums befinde. Der Egalitarismus ist der zäheste Teil unter den konventionellen Lügen, die alle wiederholen und die niemand glaubt. Deshalb muß der Konservative die elementaren wie die kulturellen Unterschiede verteidigen: zwischen Mann und Frau, zwischen Deutschen und Franzosen, zwischen Christen und Juden, zwischen Gott und Mensch, zwischen Kolbe und Hrdlicka, schön und häßlich, gut und böse, dumm und klug, rechts und links. Das Konkrete ist das Wirkliche.

Ich zitiere aus diesem exemplarischen Programm deshalb so ausführlich, weil ich immer wieder darüber wundere, wie beharrlich interessierte Linke Entwürfe wie diese ignorieren, und sich stattdessen auf ein paar magere Begriffe fokussieren, anhand derer sie dann das Phänomen der Rechten durchklinieren und auf einen Nenner bringen wollen. Das betrifft Nassehi ebenso wie den le Bohémien-Autor Simon; ich werde gleich darauf zurückkommen.
Zunächst aber zu dieser Stelle:
Dass die Sezession und ihr Umkreis (auch die Junge Freiheit, etc.) in den letzten Monaten aus dem Nischendasein ausbrechen und immer mehr in die Öffentlichkeit vordringen konnte, war eigentlich auf Jahre überfällig. Hatte man doch lange versucht, mit metapolitischer Arbeit den Boden für einen gesellschaftlichen Rechtsruck zu bereiten. Nach Jahren der relativen Isolation und Erfolglosigkeit trägt dieses Projekt jetzt Früchte. Mit der Flüchtlingskrise hat sich quasi ein Einfalltor in immer größere Kreise des konservativen Bürgertums geöffnet, welches zuvor von Sarrazin, Sloterdijk und eurokritischen Ökonomen mühsam Stück für Stück aufgestemmt worden war. Alles, was sich in der AfD um “Erfurter Resolution” und “Patriotische Plattform” gruppiert (und das eigentliche Machtzentrum in der Partei bildet), ist ideologisch eindeutig von Kubitschek&Co. geprägt. Einer Auseinandersetzung kann man also nicht länger aus dem Weg gehen.

Diese Konjunktur steht und fällt nach Simon allerdings mit der laufenden Krise:
Ohne Euro- oder Flüchtlingskrise würden wir diese Diskussion gar nicht führen.

Wenn (oder falls) das durch diese Krisen geschaffene Protestwählerpotential verschwindet, wird die AfD auf die 3 Prozent, die sie im Sommer hatte, zurückfallen, und auch die Sezession wird wieder in der Isolation verschwinden. Diese Isolation hat nämlich nicht nur mit der aggressiven Marginalisierungstaktik des politischen Gegners zu tun, sondern ist objektiv darin begründet, dass hier genuin extreme Ansichten vertreten werden, im Sinne von: Ansichten, die nur von einem Bruchteil der Gesellschaft geteilt, geschweige denn überhaupt verstanden werden (nicht weil die Menschen dumm sind, sondern weil ihnen derartige Gedanken so unvertraut sind, so fremd).

Nun: es ist äußerst unwahrscheinlich, daß diese Krise so rasch wieder abschwellen wird; vielmehr stehen alle Anzeichen dafür, daß wir uns erst in ihrem Anfangsstadium befinden. Selbst wenn die deutsche Regierung plötzlich ihrem bisherigen Kurs radikal abschwören sollte, so ist der bereits angerichtete Schaden riesig. Und diese Krise ist  nicht etwa erst im Sommer 2015 aus dem Nichts entstanden, sondern ist der Kulminationspunkt von Entwicklungen, die bereits seit Jahrzehnten andauern und ebenso lange von Konservativen kritisiert werden.

Wie so oft, handelt es sich um Dinge, vor denen die konservativen Kassandren schon lange gewarnt haben und die in einem weitreichenden historischen Kontext stehen, dessen sich die wenigsten bewußt sind. Wenn nun eine breitere Öffentlichkeit für konservative und rechte Positionen offen ist, dann schlicht deswegen, weil die Analysen der wie alle Kassandren geächteten und ignorierten Konservativen faustschlagartig von der Realität bestätigt werden, während das Boot deutlich nach links und durch links am Kentern ist.

Insofern ist es nicht richtig, daß in der Sezession lediglich "genuin extreme Ansichten vertreten werden", oder solche, die nur "von einem Bruchteil der Gesellschaft" verstanden werden. Gewiß sind für den Durchschnittsleser Diskussionen über, sagen wir, Martin Heidegger oder Oswald Spengler oder, noch weiter draußen, Julius Evola und René Guénon kaum verständlich. Aber niemand kann mir sagen, daß etwa die Momentaufnahmen von Ellen Kositza  unzugänglich oder esoterisch oder gar "genuin extrem" seien, auch wenn nicht jeder die listige Ironie oder die hintergründigen Pointen ihrer Anspielungen wahrnehmen mag. Und das gilt erst recht für den Stoff, den etwa die Junge Freiheit oder auch pi-news behandeln - vielmehr handelt es sich hier um Themen, die ohne Zweifel das Potenzial haben, breite, sagen wir: "bürgerliche" Schichten anzusprechen, auch solche, die Martin Sellners oder Lutz Meyers komplizierteren Höheflügen nicht folgen können.

Umgekehrt hat auch die Linke ihre Esoterik - die Kritik Paul Simons am "Neoliberalismus" und "Sozialdarwinismus" von Thilo Sarrazin basiert ihrerseits auf Begrifflichkeiten und Ansichten, "die nur von einem Bruchteil der Gesellschaft geteilt, geschweige denn überhaupt verstanden werden" - im Gegensatz zu Sarrazins eigenen Ansichten. Daß sich der Autor hier nichts vormacht!

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Nun aber zum eigentlich interessanten Teil. Was Simon an Nassehis Herangehensweise mißfällt, ist, daß er mit Kubitschek zu sehr spricht
 als sei dieser selbst vor allem ein Intellektueller oder gar Soziologe, dem es an einer Analyse und Beschreibung der Gesellschaft gelegen ist. Die eigentliche Dynamik, aber auch die eigentlichen Antriebe von Kubitscheks Denken, und dem rechten Denken allgemein, entgehen ihm auf diese Weise.

Und diesen Kern glaubt er mithilfe des Buches The Reactionary Mind von Corey Allen gefunden zu haben, der als Grundgedanken des Konservatismus die Annahme nennt, "that some are fit, and thus ought, to rule others."
Rechte glauben an Hierarchien und an die Ungleichheit der Menschen. Wenn sie von der Stabilität und der Notwendigkeit fester sozialer Normen und Institutionen sprechen, dann ist damit immer erstens eine hierarchischere Ordnung gemeint, und zweitens eine, die sich dadurch auszeichnet, dass konkreter, fester, und freier Kontrolle und Macht von einigen Menschen über andere Menschen ausgeübt wird. Ob der Staat gegenüber Arbeitslosen, die Justiz gegenüber Kriminellen, der Unternehmer gegenüber Angestellten, der Lehrer gegenüber Schülern, oder der Vater gegenüber Frau und Kind: Immer geht es darum, die Freiheit und Macht “natürlicher” Autoritäten über die zu stärken, die auf Kontrolle und Leitung angewiesen sind.

Im Briefwechsel Nassehi-Kubitschek würden dagegen Begriffe wie "Hierarchie, Macht, Herrschaft, Unterordnung, Kontrolle oder Klassenbewusstsein" keine Rolle spielen; und damit wäre auch der Kern verfehlt. Man ahnt in Zeilen wie diesen die Foucault-Lektüre: demnach werden Konservative also vor allem von dem Drang bewegt, zu herrschen, zu kontrollieren, zu überwachen und strafen, oder andere zu diskriminieren, zur eigenen Selbstüberhöhung oder zur Wahrung von Klassenprivilegien:
Es geht Rechten vor allem darum, klarere und strengere Herrschaftsverhältnisse herzustellen, das ist es, woran sie glauben. Wie ich schon einmal am Beispiel Sarrazin versucht habe zu belegen, missfällt ihnen an der ausländischen Bevölkerung oft ja nicht einfach nur ihre Anwesenheit. Es ist mehr die Tatsache, dass die ausländische Bevölkerung (die zumindest bei Sarrazin mit der deutschen Unterschicht verschwimmt) nicht der unmittelbaren Kontrolle der deutschen bürgerlichen Gesellschaft untersteht.

Und nun kommt eine Stelle, die mich schlichtweg frappiert hat:
Überspitzt gesagt: Eine migrantische Bevölkerung, die nicht durch staatsbürgerliche Rechte, ein Klima der Toleranz und Gleichberechtigung, sowie den Sozialstaat geschützt und zu gleichberechtigten, autonomen Subjekten gemacht werden würde, wäre auch für die Rechte akzeptabel. Und wer weiß, vielleicht würde das vorgeschobene Argument der “Fremdheit” schnell an Bedeutung verlieren, wenn man Immigranten so wie in vielen anderen Ländern (Singapur, Saudi-Arabien, etc.) zu einer fast rechtlosen, niedrigen Kaste degradieren würde…

Dies gehört zu den orginellsten und bizarrsten Dingen, die ich jemals über die Rechte gelesen habe. Demnach wäre sie in ihrem Durst nach absoluter, radikaler Ungleichheit erst dann zufrieden, wenn man Millionen von Migrantionshintergründlern und Immigranten völlig entrechten und zu vogelfreien Pariahs erklären würde!  Inwiefern soll dann die "Kontrolle" der "bürgerlichen Gesellschaft" über diese Massen besser gewährleistet sein? Weil "man"dann mit ihnen quasi machen kann, was "man" will (was für eine Logik!)? Und das "Argument der Fremdheit" ist also nur vorgeschoben, weil "die Rechte" in Wirklichkeit nach einer abstrakten "Ungleichheit" giert? Wenn die Immigranten und die "migrantische Bevölkerung" (zwei in vieler Hinsicht verschiedene Gruppen, ist das dem Autor eigentlich bewußt?) völlig rechtlos sind, dann muß man sie nicht mehr als "Fremde" betrachten? Und dies alles soll nun welchen Sinn haben?

Einmal abgesehen davon, daß eine solche Situation eine soziale Atombombe für die innere Sicherheit und die relative Balance der Gesellschaft wäre, die dem Konservatismus doch so wichtig ist, so ist es in der realen Welt eher so, daß die Rechte eine "migrantische Bevölkerung" vor allem dann für "akzeptabel" hält, wenn zwei Dinge gegeben sind: wenn sie 1) ausreichend assimiliert/integriert ist, und 2) wenn ihre Zahl proportional zur Gesamtbevölkerung relativ gering ist, wobei Punkt 2 das Gelingen von Punkt 1 wesentlich begünstigt; und ab einer bestimmten Zahl wird die Integration/Assimilation verunmöglicht.

Simons verabsolutierende Interpretation des rechten Schlüsselbegriffs der "Ungleichheit" kulminiert schließlich im Bild einer wahren Orgie der antiegalitären Freiheitsberaubung aus bloßem Machtwillen heraus:
Um es klar zu stellen: Ich glaube nicht, dass jeder einzelne Rechte von dem persönlichen Drang nach Macht und Herrschaft getrieben ist, obwohl das sicher oft die Motivation ist. Aber jeder Rechte glaubt, dass eine Gesellschaft nur funktioniert, wenn es in ihr Hierarchien und Herrschaft gibt, wenn also vielen Menschen ganz konkret Freiheiten und Autonomie genommen werden: den Armen, den Arbeitslosen, den Arbeitern, den Muslimen, den Fremden, den Studenten, den Faulen, den weniger Klugen, den Kindern, den Frauen, den Schülern, den Kulturschaffenden, den Medien, etc. Auch marktradikale Libertäre, die ja eigentlich die “individuelle Freiheit” hoch halten, sind in diesem Sinne “Rechts”: Sie glauben bloß, dass die Disziplinierung, Herrschaft und Hierarchisierung, um die es ihnen eigentlich geht, am wirksamsten und gerechtesten von einer freien Marktwirtschaft vollzogen werden kann.

Ein weiteres seltsames Zerrbild, dessen schiefe Perspektiven sich offenbar aus im Wortsinne "radikal" egalitären, "genuin extremen" Prämissen ergeben. Wie löst man dieses Knäuel auf? Erstens würde ich gern ein Beispiel für irgendeine funktionierende Gesellschaft hören, in der es weder Hierarchien noch Herrschaft gibt, und in denen "vielen Menschen" NICHT "ganz konkret Freiheiten und Autonomie genommen werden". Eine solche Gesellschaft hat niemals existiert, und sie ist auch nicht vorstellbar, gerade bei fortschreitender Komplexität.

Auch eine Gesellschaft, die egalitäre Werte hochhält und in der etwa Klassenschranken gelockert oder stark aufgelöst sind oder sich die Bildungsunterschiede einander annähern (meist eher im Niveau nach unten nivelliert statt nach oben gehoben), kann nur durch ein gewisses Maß an Herrschaft, Hierarchie und durch Beschränkung von Freiheiten existieren. Wenn alle uneingeschränkt "autonom" sind, kann es keiner sein. Und wer sagt, daß jedermann die Befähigung, die Reife oder auch nur den Willen zur Autonomie hat? Wer etwa Kindern oder Schülern volle "Freiheiten" und volle "Autonomie" zugesteht, darf sich nicht wundern, wenn das Ergebnis regressive und haltlose Individuen sind, die etwa so frei und autonom sind, wie es ihnen ihre herumschwirrenden Teilaffekte erlauben.

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Ich breche an dieser Stelle ab, denn langsam wird es langweilig. Die Tatsache, daß Menschen der Erziehung und der Anleitung bedürfen, daß der Aufbau und Erhalt von Kultur und Zivilisation einer stetigen Anstrengung bedarf, sollte, wie man im angloamerikanischen Raum so schön salopp sagt, ein "no-brainer" sein. Wir haben es hier mit einer klassischen linken Fehlkonzeption zu tun: Freiheit und Autonomie sind nicht etwas, das man in einem repressionslosen Urzustand einfach "hat". Der Mensch ist nicht notwendigerweise "frei" oder "autonom", weil er ohne "Hierarchien" oder "Herrschaft" lebt, was ihm ohnedies kaum möglich ist, schon allein deshalb, weil er auch immer ein soziales, von anderen abhängiges Wesen ist und sich mit anderen im Wettstreit befindet.

Und "Hierarchien" oder "Herrschaft" oder "Ungleichheit" sind keine starren Dinge oder bloße Ansprüche, die irgendwelche selbstherrlichen Individuen willkürlich erheben, um an anderen, Schwächeren, ihre Macht- und Kontrollgelüste zu befriedigen. Das gibt es auch, aber das ist natürlich nicht Sinn der Sache der Rede von der "Ungleichheit", die ein relativer Begriff, also stets kontextabhängig ist, und stets in Relation zu anderen Begriffen und Seinsebenen steht. Wenn Linke mit Begriffen wie "Homogenität" oder "Ungleichheit" operieren, um die Rechte zu erfassen, dann gehen sie oft irrigerweise davon aus, als hätten sie es mit absoluten, abstrakten Prinzipien zu tun.

Dagegen ist die Ansicht der Konservativen -oder sagen wir einfach: aller Realisten - schlicht: Hierarchie, Ungleichheit, Herrschaft, Machtverhältnisse usw. sind nicht Dinge, die man "wollen" muß, aus was für sinistren Motiven auch immer. Sie sind Tatsachen, die stets zur Hintertür hineinschleichen, wenn man sie zur Vordertür hinausschmeißt. Sie hören nicht auf, bestimmende Faktoren der menschliche Gesellschaft zu sein, nur weil man das gern so hätte, oder weil man sie höflich kaschiert. Sie können natürlich zu Tyrannei und Ungerechtigkeit führen; aber ohne sie gibt es auch keine Freiheit und keine Gerechtigkeit, keinen Fortschritt, keine Tugend, keine Form, keine Exzellenz, keine Qualität, keine Größe (um ein pathetisches Wort zu benutzen). Die Möglichkeiten, die hier zum Guten wie zum Schlechten führen sind zahllos. Wenn man dagegen von (radikal) egalitären Prinzipien ausgeht, landet man zwangsläufig immer im Schlechten; ein auf der schiefen Ebene gebautes Haus stürzt irgendwann ein.

Demnächst mehr dazu, auch Simons Interpretation von diversen Kubitschek-Zitaten bedarf eines Kommentars.

Zum Abschluß noch ein weiteres Zitat von Karlheinz Weißmann, aus dem alten Sezession-Themenheft "Rechts" (2003/3):
Nolte hat es vermieden, der „ewigen Linken“ eine „ewige Rechte“ gegenüber zu stellen, etwa als Repräsentanten der herrschenden Klassen. Die Zusammensetzung der Rechten habe sich im Lauf der Zeit sehr stark verändert, und mit ihr die der rechten Weltanschauungen und Programme. Diese Heterogenität hat der Rechten den Ruf eingetragen, die Partei der Ungleichheit und des wahllosen Konservatismus zu sein. Aber schon oberflächliche Betrachtung zeigt, daß die Rechte nicht die Ungleichheit als solche verteidigt und daß sie nicht jede Ordnung bejaht.

Die Ablehnung des zentralen Inhalts linker Ideologie ist für die Rechte vielleicht zuerst eine Stilfrage. Man empfindet Gleichheit als Gleichförmigkeit, als Uniformität und die als ästhetisch störend. Die Wertschätzung der Höflichkeit, der nuancierten Signale von Über- und Unterordnung ist insofern typisch rechts. Die Bevorzugung des Geschlossenen gegenüber dem Diffusen steht dazu nur scheinbar im Widerspruch, weil Geschlossenheit eine Gestalt verbürgt, die das Einzelne eingliedert und zum Teil eines Ganzen macht, das mehr ist als die Summe seiner Teile.

Für die Rechte ist die Hierarchie schön und mit ihr der liturgische Ausdruck. Es rührt aus dieser Wahrnehmung auch die Sympathie für authentische Volkskulturen einerseits und die Ablehnung des Multikulturalismus an dererseits. Die Rechte sieht in der Kultur immer ein Gesamt von Herkunft, Heimat und spezifischen Ausdrucksweisen, für die Linke ist die Kultur patchwork , dessen Elemente man um der Buntheit willen beliebig vertauschen kann.

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Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (40)

Jennie
04. Februar 2016 05:02
Sehr interessanter Artikel! Hoffentlich verzichten die üblichen Bedenkenträger wenigstens hier darauf, Hr. Lichtmesz vorschreiben zu wollen, welchen Themen er sich widmen soll und welchen nicht.
Urwinkel
04. Februar 2016 08:25
Es gibt eine verlässliche Größe in Bezug auf linksradikalen, ökonomischen Wahn: Geldnot. Wo nichts mehr an Subventionen zu holen ist, schwindet ihr Interesse an eigenen Idealen, wie Schnee im Frühling. Die degradieren sich selbst zu geldgeilen Langweilern und Lästermäulern. Solche Tüpen nimmt man nicht ernst. Bin auf Teil II gespannt.
Balkanakke
04. Februar 2016 09:52
Vielen Dank für diesen grossartigen, inspirierenden Text! Bravo! Von linker Seite wird aufgrund der argumentativen Sackgassen, in die man sich in wahnhaft verbohrter Realitaetsabgewandheit begab, ein derart überzeugendes Niveau derzeit kaum zu erwarten sein. Doch der im Sinne der Wiederbelebung eines überlebensnotwendigen, übergeordneten Volksbewusstseins dringend erforderliche Diskurs scheint durch diesen Text auch auf hochintellektueller Ebene eine neue Stufe der Intensitaet und Qualitaet zu erreichen. Das macht Hoffnung.
Valjean72
04. Februar 2016 09:56
Wieder ein interessanter und angenehm zu lesender Beitrag von Martin Lichtmesz.

Von entscheidender Bedeutung in der gegenwärtigen Situation – und nach meiner Überzeugung quasi der kleinste gemeinsame Nenner – ist das Eintreten und Einstehen für ein Überleben und schliesslich für eine Zukunft der deutschen (deutschsprachigen) Kultur im angestammten Siedlungsraum.

Allerdings Personen wie beispielsweise Olaf Henkel, Ikonen des Neoliberalismus, bzw. was geheimhin darunter verstanden und subsumiert wird, stossen mich ab und zwar nicht aufgrund ihrer Persönlichkeit, sondern aufgrund dessen wofür sie einstehen.
Monika
04. Februar 2016 10:51
Als Arnold Gehlen kurz vor seinem Tode über seine Meinung zum Thema Konservatismus in Deutschland gefragt wurde, meinte er:
" Hitler hat ihn geächtet. Es ist sehr schwer, ihn jetzt wieder irgendwie zur Geltung zu bringen, wenngleich ich glaube, daß sich einige Anzeichen in diese Richtung geltend machen.
Der Konservative hat keine Ideologie....Ideologen sind weltfremd. Sie sehen die Realitäten nicht. Aus diesem Grund hat der Konservative heute Chancen.

In Gerd-Klaus Kaltenbrunner, Europa Bd.1

Köln war ein Realitätsschock. Für Linke - aber, auch für Rechte !

@Paul Simon
Arnold Gehlen ist zu "Unrecht vom Zeitgeist aussortiert worden".
Er ist aktueller denn je.


Rechts - Radikal Wo ist eigentlich genau das Problem ?
Radikal bedeutet: vollständig, gründlich, an die Wurzel gehend, letztlich:
Die Realitäten sehend.
Die Linken sehen die Realitäten nicht . Gerade auch Feministinnen mildern die Attacken an Silvester ab. ( Augstein: "ein paar grapschende Ausländer. Und schon reißt bei uns der Firnis der Zivilisation")

Wenn ein Linker die Realitäten sieht, dann kann er eigentlich kein Linker mehr sein . (siehe Manfred Kleine-Hartlage)

Natürlich kann auch ein Rechter einen Realitätsschock erleiden. Dann hatte seine Denke zu viele ideologische Anteile. Das passiert.
Trotzdem muss man zwischen konservativ und rechts nicht strikt differenzieren. Das würde das eigene Denken einschränken.
Das tut die Junge Freiheit. Distanzeritis ist auch schon eine Ideologie.
Ich sag' es mal so:
Der Konservative ist radikal ( er stellt sich Realitäten, geht im Denken an die Wurzel), geht, da selbstkritisch, gelassen mit Rechtsideologen um.
Hat im Denken keine Berührungsängste. Kann die Geister scheiden. Hat keine Angst vor rechten Gespenstern.
Denkt manchmal heimlich:
Die Identitären könnten auch mehr Identität gebrauchen.

Teil [1]
P. S. Danke für diesen tollen Text, Herr Lichtmesz.
Jetzt geht es an die Wurzel. Das tut weh.
Schön, wenn der Schmerz nachlässt.
Realist
04. Februar 2016 11:22
Großartiger Text!

Wer etwa Kindern oder Schülern volle „Freiheiten“ und volle „Autonomie“ zugesteht, darf sich nicht wundern, wenn das Ergebnis regressive und haltlose Individuen sind, die etwa so frei und autonom sind, wie es ihnen ihre herumschwirrenden Teilaffekte erlauben.


Wenn es denn nur die haltlosen Individuen betreffen würde. Aber da gibt es ja leider noch das häßliche kleine Geheimnis des Liberalismus, daß er konsequent die benachteiligt die zur Zurückhaltung bereit sind, um im Gegenzug von den Zumutungen anderer verschont zu bleiben.

In der täglichen Leben wunderbar zu beobachten, z.B. in der Grundschulklasse meiner Tochter. Einige Schüler sind Sklaven ihrer Launen, der Rest der Klasse und die Lehrer Sklaven derer Launigkeit.

Da bleibt die Freiheit für jeden auf der Strecke. Erstaunlich für mich immer wieder, wie ehrlich überrascht Linke tatsächlich sind, wenn sie mit diesen für mich offensichtlichen Wahrheiten konfrontiert werden. Die Klassenlehrerin war sichtlich peinlich berührt, als ich im Elterngespräch erwähnte, daß meine Tochter, beileibe kein autoritätshöriger Charakter, Zuhause bereits mehrfach den Wunsch nach mehr Strenge im Unterricht äußerte - die ständige Unruhe belaste sie zunehmend.
Rabenfeder
04. Februar 2016 11:34
@ Lichtmesz

Bezugnehmend auf den Beitrag in Le Bohémien über die neue Rechte schreiben Sie:
„Dies gehört zu den orginellsten und bizarrsten Dingen, die ich jemals über die Rechte gelesen habe. Demnach wäre sie in ihrem Durst nach absoluter, radikaler Ungleichheit erst dann zufrieden, wenn man Millionen von Migrantionshintergründlern und Immigranten völlig entrechten und zu vogelfreien Pariahs erklären würde!  Inwiefern soll dann die „Kontrolle“ der „bürgerlichen Gesellschaft“ über diese Massen besser gewährleistet sein? Weil „man“dann mit ihnen quasi machen kann, was „man“ will (was für eine Logik!)? Und das „Argument der Fremdheit“ ist also nur vorgeschoben, weil „die Rechte“ in Wirklichkeit nach einer abstrakten „Ungleichheit“ giert?“


Die „Rechte“ ( nämlich die, die dem Verfasser des Beitrags vor dem geistigen, linken, Auge steht) kann die Millionenschar der Migranten nur dann akzeptieren, sie gar wünschen, wenn eben der einzelne Migrant nicht als Person auf Augenhöhe wahrgenommen wird.
Wenn die Migrantenmasse als Sklaven auf den Latifundien und in den Bergwerken der eigenen Erhöhung nutzbar gemacht werden kann, dann ist es der „Rechte“ zufrieden.
Solange die Barbaren und die in die Schuldknechtschaft getriebenen, ehemals freien eigenen Bauern weitgehend rechtlos blieben, gefiel sich der an Land und Sklaven reiche Römer unter seinesgleichen und ignorierte den ungehobelten Bodensatz.
Kam es zu Aufständen (und vor denen hatte man, wenn man es auch so gut es ging verdrängte, eine Heidenangst), dann half nur die eiserne Knute und viele Holzkreuze.
Solange die Türken (und anderes Gelichter) fremde Gastarbeiter waren, die die niedrigen Arbeiten verrichteten, ansonsten aber unter sich blieben und den Kulturbetrieb nicht weiter störten (höchstens der eigene Pöbel musste sich mit denen in den Vorstädten abgeben, aber niedrig gesellt sich eben gern zu niedrig...), gefiel sich der „Rechte“ unter seinesgleichen und verdrängte die potentielle Gefahr so gut es ging.


Können wir uns die Sichtweise des Beitragsverfassers in etwa so vorstellen?

Vermutlich würde er beim Blick auf die römische Republik Tiberius und Gaius Gracchus als „Linke“ in sein Weltbild einordnen, die die „rechten“ Großgrundbesitzer herausforderten und deshalb sterben mussten.

Laut Plutarch schrieb Gaius über seinen Bruder:
„Als Tiberius auf einer Reise nach Numantia durch Etrurien kam und die Öde des Landes sah und als er beobachtete, dass alle Feldarbeiter und Hirten aus der Fremde stammende kriegsgefangene Sklaven waren, da sei zuerst jener Plan in ihm entstanden...“

Was nun wollte Tiberius tun?
Wollte er den ager publicus nun den fremden Scharen zu eigen geben und noch mehr nach Italien hereinschaffen, weil alle Menschen ja gleich sind?
Oder war er ein Konservativer, der sich den veränderten Umständen keineswegs verschloss und der doch danach trachtete, das eigene italische freie Bauerntum wieder zu stärken, weil ohne dieses die Republik der Ahnen verloren gehen musste?

War Tiberius Gracchus ein echter Rechter?

Was waren dann seine Gegner in der Nobilität, unter seinesgleichen also?
Der_Jürgen
04. Februar 2016 11:35
Ich habe den hier besprochene Beitrag von Paul Simon gelesen. Dieser steht zwar deutlich über dem Geschreibsel der Liane Bednarz und besteht nicht ausschliesslich aus Klischees, enthält aber einige dermassen monumetale Eseleien (von denen Martin Lichtmesz zwei oder drei genüsslich zitiert), dass auch dieser Gegner den von ihm Kritisierten nicht im entferntesten das Wasser reichen kann.

Ein Vorschlag: Könnte Lichtmesz diesem Paul Simon, der ja immerhin imstande ist, gegnerische Argumente zur Kenntnis zu nehmen, kein Streitgespräch anbieten? Es gab ja auf Sezession vor ca. zwei Monaten ein solches Streitgespräch zwischen Ellen Kositza und Andre Lichtschlag (der Simon allerdings an Wissen und intellektueller Statur klar überlegen ist). Es wäre doch allzu interessant, beispielsweise Simons Antwort auf die Frage zu erfahren, wie er sich eine nicht-hierarchische Gesellschaft, in der die Freiheit des einzelnen nicht eingeschränkt ist, vorstellt.

M.L.: Wenn er darauf Bock hat, und nicht nur über, sondern auch mit der "Neuen Rechten" reden will, why not? Vielleicht ermutigt ihn seine peer-group ja auch dazu,und schätzt meine intellektuellen Kapazitäten ähnlich hoch ein, wie Sie die seine...;-) Diese Bohémien-Seite ist jedenfalls eine Entdeckung...
Winston Smith 78699
04. Februar 2016 12:55
Bürgermeister lesen keine Bücher ...
... oder warum Kleinstadtbürgermeister in der Regel keine interessanten Bücher Lesen

Vom "Langweiler" (S. 2), der neuesten Eintrag im bestiarium finis germaniae: Die furchteinflößende Ahnung, selbst ein austauschbarer Klon zu sein, muss sorgsam verdrängt werden. Der Langweiler trat in den 80ern in die Junge Union ein, war in den 2000ern in einer freien Wählergemeinschaft, in den 80ern und 90ern irgendwie technikbegeistert oder glänzte in den 90ern mit Wirtschafts- und Anlagegeschwafel, gerne auch mit nachgequasselten rigide neoliberalen Phrasen, die er nicht verstand, wie etwa der, dass der Sozialismus nun ja engültig tot sei.

Ob er der klassische Jasager ist? Vor allem ist er meist unfähig, "Nein" zu sagen, weil in ihm drin nichts ist, worauf man einen Widerspruch bauen könnte. "Leer" bedeutet: weltanschaulich ungebildet und von überindividuellen Fragen (nicht Phrasen) insgeheim überfordert, die er dann als theoretisches Klugscheißergerede "über Gott und die Welt" abtut. Überfordert ist er verständlicherweise, weil auszubrechen aus der permanenten Umerziehung eine Mammutaufgabe ist und höhere Schulbildung hierfür sogar eher ein Hindernis.

(Die aufwendigen Anti-Matrix-Übungen wie etwa Extremsport in der unerbittlichen Natur, künstlerische Anstrengung durch redliches Abmühen am harten Objekt und fundamental hinterfragendes wissenschaftliches Studium sind den meisten verbaut, zumal dem Impuls zu ihrer Ausübung vielleicht erstmal eine existenzielle Verzweiflung vorausgehen muss, wie sie sich dem Bequemling im Wohlstand gar nicht stellt.)

Seine außerberuflichen Interessen könnten heute SUV-Kauf, Trendsport, Trendmusik und irgendein erhenamtliches Engagement mit Presse und Blog sein. Das Langweilerweibchen ist etwa Volleyballfan nur deshalb, weil die örtliche Mannschaft gesponsort wird, war in den 90ern "Powerfrau" und hatte als außerberufliche Interessen Karriere, Karriere, und soziale Netzwerke - und irgendwas mit Garten. Das Interesse an den eigenen Kindern war dagegen eher professionell.

Aktuell geht der Langweiler z.B. zum Karneval, weil dies dem braven Deutschen als Protestform gegen die allgemeine Lage verordnet ist und man sich doch nicht erschrecken läßt - nein, DAS läßt man sich jetzt nicht vermiesen!

Der Langweiler ist gefährlich. Er ist der wahre Mitläufer und lächelnde Apparatschik. Manche schwimmen aktiv mit dem Strom, die meisten aber haben vor allem Angst, aufzufallen. Das nämlich würde sie nötigen, ihre Ansichten zu offenbaren. Sie haben Angst vor dieser Blamage, weil sie nämlich gar keine Ansichten haben. Den Mut, sich als Musterbeispiel des neuen, leeren Menschen auch noch zu exponieren, haben nur besonders schrille Exemplare in den Medien für Mindergebildete. Einen Rest von Scham also gibt es wohl noch, aber der hindert bestimmt nicht daran, allein der Anpassung zuliebe mal kräftig mitzumobben. Gibt es kombinierte Asch-Milgram-Experimente "Langweiler und Moral"? Jedenfalls gibt es eines, in dem die Versuchsperson ihr vorheriges moralisches Urteil gänzlich vergißt und einfach das ihr untergejubelte gegenteilige Urteil begründet als wäre es das eigene.

In eine Machtposition gelangt ist der Langweiler autoritär und inhaltsleer machtorientiert. Denn wenn er nach dem Tag in Amt oder Firma (Hightech oder Cargo) nach hause kommt, hat er keine eigenen Gedanken außer über die Bundesliga und keine andere Phantasiewelt außer einer vorgestanzten wie des Star-Wars-Universums ... und spürt in seinem Rest von knöcheltiefstem Inneren, dass er in konsumgerecht konfektionierten Schablonen lebt und denkt.

Die jeweils opportune Maske (etwa der Befürwortung von flachen Hierarchien mit offenen Türen, Vielfalt, Inklusion und der Kindersprache) behält er aber bei. Brutal Macht ausüben bedeutet der Mode nach jetzt den Anschein wahren, als übe man keine aus ... nein, als wolle man eigentlich ja keine ausüben, aber diese Umstände lassen einem gerade eben keine andere Wahl. Und wenn man als langweiliger Vorgesetzter jemanden Unbequemes (etwa einen Querdenker) mal so richtig korrekt fertigmachen will, muss man dabei heute nur so oft wie möglich einen von der Fürsorgepflicht (etwa des Ausbilders, Offiziers, Lehrers oder Arbeitgebers) erzählen, und dass man ihm doch nur helfen wolle.

Wie ging es mir als Langweiler, als die Kassandren zeitig warnten? Dass die irgendwo auch recht haben, ahnte man trotz aller Indoktrination mit dem (tellurischen?) Bauch. Man wagte deren Dämonisierung nicht zu widersprechen, weil man ja verschämt um die Leere wußte. Erst mußte mal Extremsport (viel Natur) her, und Kunst und Studium.
Andreas Walter
04. Februar 2016 12:58
Hahahahaha, wäre die Welt egalitär wären wir alle schwul oder lesbisch, oder würde jede Frau, jeder Mann so aussehen wie ... (hier bitte persönliche Traumfrau, persönlichen Traummann eintragen).

Alle Menschen ähneln (in etwa) zu 50% einer Banane, zu 98,5% einem Schimpansen und zu 99,5% allen anderen Menschen.

http://www.morgenpost.de/kultur/berlin-kultur/article115517396/Erbgut-der-Mensch-ist-zur-Haelfte-eine-Banane.html

Einer Maus ähneln wir sogar zu 99%.

„Wir besitzen sogar die Gene, die einen Schwanz machen könnten“

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/genetik-genetisch-gleicht-die-maus-dem-menschen-fast-genau-182247.html

Doch auch das nur auf der materiellen Ebene der Genetik. Auf der geistigen Ebene sieht alles wieder ganz anders aus.

Alle Menschen sind doch aber vor dem Gesetz gleich, oder? Auch Unsinn. Autoren von Katzenkrimis bekommen keine Anzeigen wegen Volksverhetzung, nur weil eine Katze im Krimi das rechte Pfötchen hebt, um sie einer Anderen, Dominanten, Herrschsüchtigen, Autoritären, Freiheitsberaubenden, Intriganten, Repressiven quer durch das Gesicht zu ziehen.

Wie auch ein Recht auf Genitalverstümmelung nur jüdischen und muslimischen, männlichen Menschen in Deutschland zugestanden wird, nicht jedoch den Weiblichen einer dieser beiden Volks-/Religionsgruppen, obwohl auch das in deren Kulturkreis sehr weit verbreitet ist, wie aber auch bei Afrikanern an sich.

http://waitbutwhy.com/wp-content/uploads/2014/03/Circumcision-FEATURE.png

http://www.terre-des-femmes.ch/images/pics/FGM_Genitalverstümmlung_Karte_Verbreitung.png

Nein nein, wir sind nicht alle gleich, und auf Menschen die sich selbst und andere verstümmeln, tottreten, abstechen, sexuell belästigen, unterdrücken, bestehlen, missbrauchen, betrügen und vieles mehr habe ich keinen Bock.

http://berlin-woman.de/wp-content/uploads/2014/10/Haut-ab1.jpeg
Heinrich Brück
04. Februar 2016 13:38
"genuin extreme Ansichten vertreten werden"
Also ist ohne Krise der größte Brocken der "deutschen Gesellschaft" auf Selbstmordkurs. Aber Machtausübung über andere, eine gescheite Führung, widerspricht den zu machenden "autonomen Subjekten".
Aus der Perspektive dieses Größenwahns, der linke gemeinsame Nenner, sind alle Weltmenschen potenzielle Deutsche.
Linkes Denken reduziert immer das Deutsche auf Durchschnittsniveau ihrer nie aufgegebenen internationalen Menschheitsbeglückung. Nicht das Eigene in seiner Gesamtheit ist die Voraussetzung, sondern die Menschheit im Ganzen der Welt.
Wie die Fremden über solche Loserdestruktionen denken, wurde in Köln sichtbar.
Die Rechte verteidigt die Freiheit. Linke Freiheiten bekommen immer die Realität zu spüren, deshalb die Wahrheiten der Rechten als Realitätsbeschreibungen den Linken die eigene Unfähigkeit zum einprügeln darbietet.
Den Freiheitsbegriff der Linken lehnt die Wirklichkeit ab, nicht der böse Machtmensch, der nur ihr Prügelknabe ist, während die Ordnung der Gleichheit aus utopischer Friedenssehnsucht im Grunde die menschliche Natur einer permanenten Umerziehung unterwirft. Störenfriede, nicht das eigene Weltbild, sind dann gefährliche Bürger.
Die Ausbeutungskulisse wirkt vorgeschoben, desgleichen die Unterstellungen um den großen Betrug zu kaschieren, anders ist das Scheitern nicht mehr für Gold zu verkaufen.
Bohémien ungleich Schnellroda, immer. Der unaufgeregte Ton der Sezession kündet den Sieg.
Carla Junke
04. Februar 2016 13:58
Ein sehr guter Artikel. Vielen Dank.
Georg Mogel
04. Februar 2016 13:58
"...Nun: es ist äußerst unwahrscheinlich, daß diese Krise so rasch wieder abschwellen wird; vielmehr stehen alle Anzeichen dafür, daß wir uns erst in ihrem Anfangsstadium befinden. Selbst wenn die deutsche Regierung plötzlich ihrem bisherigen Kurs radikal abschwören sollte, so ist der bereits angerichtete Schaden riesig. Und diese Krise ist nicht etwa erst im Sommer 2015 aus dem Nichts entstanden, sondern ist der Kulminationspunkt von Entwicklungen, die bereits seit Jahrzehnten andauern und ebenso lange von Konservativen kritisiert werden...."

Das Jahr 2015 wird in der Geschichte des deutschen Volkes und der Nation rot geschrieben werden.
nobody
04. Februar 2016 14:04
Der Mensch ist nicht notwendigerweise „frei“ oder „autonom“, weil er ohne „Hierarchien“ oder „Herrschaft“ lebt, was ihm ohnedies kaum möglich ist...



Hierarchie, Ungleichheit, Herrschaft, Machtverhältnisse usw. sind nicht Dinge, die man „wollen“ muß, aus was für sinistren Motive auch immer. Sie sind Tatsachen, die stets zur Hintertür hineinschleichen, 


Das sind Aussagen! Die gehoeren ins Buch!

Unter Berücksichtigung das es Freiheit zwar nicht gibt, sondern nur die Abstinenz von Zwaengen, sind doch die meissten Menschen dazu bereit sich fuer die Befriedungung von luxurioesen Beduerfnissen in die Unfreiheit zu begeben. Heute ist dies der maechtigste Wirtschaftszweig: das Bankwesen.

Dazu sei vermerkt, dass meine nicht unwesentliche Erfahrung innerhalb der halbextremen Linken dahingehend ist, dass dort sehr starke Hirachien wirken. Selbst die Gruenen bewisen schon, dass man Machiavelli zwar oeffentlich ablehnen, aber gleichzeitig fast zur Perfektion beherschen kann...
Falkenflug
04. Februar 2016 14:31
Vielleicht eröffnen uns die von Herrn Simon dargelegten Ansichten tatsächlich neue Aussichten, falls wir für einen kurzen Moment der Unsitte des sofortigen Bewertens einer Aussage absagen und auf das "Zwischen" seiner Worte lauschen:
Da spricht ein unhierarchischer Mensch seine inneren Ängste vor hierarchischen Mitmenschen aus.
Ihm graust es vor der Neigung Letzterer, Ordnungstrukturen zu erschaffen und zu stützen.

Hier wird eine tiefgreifende Spaltung sichtbar, welche innerhalb eines im weltweiten Vergleich doch recht homogenen Volkes auftritt.
Man mag sie politisch deuten oder als ein Produkt unterschiedlicher Erziehung ansehen, aber greifen jene rein umweltlichen Erklärungsmuster nicht zu kurz - im Angesicht einer derartigen Spaltung?

Aus Sicht der unhierarchischen Linken stellen die hierarchischen Rechten/Konservativen eine subjektive Gefahr dar - ganz im Gegensatz zu den ebenfalls unhierarchischen "Neuankömmlingen".
Man mag sich an dieser Stelle an den Theorien eines Anonymous Conservative orientieren und diese Spaltung als natürlich (und somit vorpolitisch) erkennen - wodurch die Frage, wen man denn retten und erhalten will, eine neue Stoßrichtung erhält.
Waldgänger
04. Februar 2016 14:50
Danke für den Artikel! Richtig gut.

Ich wäre froh, wenn Sie uns darüber informieren würden, ob sich jemand von der anderen Seite - vom Bohemian, also z.B. Müller oder Simon - in irgendeiner Weise bei Ihnen gemeldet hat oder zumindest indirekt gezeigt hat, dass dieser Artikel gelesen wurde ... !
Heinrich Brück
04. Februar 2016 14:59
@ nobody
Arminius hat im Teutoburger Wald die Freiheit verteidigt, nicht die Freiheitsstatue.
Der Linke prügelt sich im Rechten selbst; solange der Rechte aber den Schmerz spürt, ist er nicht bereit die Macht zu übernehmen. Die Unfreiheit kann über Massenmord ins Recht gesetzt werden, was die Freiheit als Mißbrauch ihrer selbst über die Macht beweist.
Arkanthus
04. Februar 2016 15:02
Der radikale Egalitarismus war sicher gewalttätiger als jedes andere "Projekt", vom Dschihad und der christlichen Eroberung der Amerikas vll mal abgesehen. Daß Linke dennoch selten ins Grübeln kommen, ob das Ganze vll doch keine gute Idee ist, weil es der menschlichen Natur entgegensteht, kann ich mir nur damit erklären, daß es sich dabei eben auch um eine Religion handelt.

Als Christ kann man sich auf das Evangelium berufen, wenn man die Verbrechen der Conquistadores u.a. als Verirrungen brandmarkt, das Reich Gottes ist eben nicht von dieser Welt. Wenn die Linke und der Islam auf die Ideen ihrer Gründerfiguren abgeklopft werden, wird die Abstrahierung der Idee von der Wirklichkeit nicht gelingen.
Ostelbischer Junker
04. Februar 2016 15:39
@ Rabenfeder

Ach die Gracchen. Ein konservatives Ziel wohl sicher, aus welchen Gründen auch immer - echte Sorge um die Republik, gekränkter Adelsstolz, Neid - gebrauchten sie doch die Revolution und ihre unschönen Erscheinungen um es zu verwirklichen. Er rief das Volk und es kam der Pöbel (Mommsen?).
Es ist wie im deutschen Bauernkrieg: Konservative Ziele: Rückkehr zum alten guten Recht, Wahl der eigenen Pfarrer, Achtung der Allmende usw. Aber wie immer traten die Scharfmacher auf den Plan, machten Revolution und gaben so den am werdenden Staate zimmernden Fürsten (Pfui!) den Vorwand, das alte hergekommene Recht und die alten Freiheiten noch ungehemmter zu beseitigen.

Mich plagt die Sorge daß, wenn unsereins sich endlich aufrafft, die alten Freiheiten des Grundgesetzes handfest einzufordern, es ein ähnliches Ende nehmen wird....aber doch schön zu sehen, dass auf der anderen Seite des Grabens auch Leute stehen, die echte Sorge um das Gemeinwohl haben und abgesehen von einigen linken Dummheiten (,,dürfte diese überdurchschnittlich hohe Zahl vor allem der Perspektivlosigkeit geschuldet sein") Doch ehrliche Analysen betreiben wollen. Danke Herr Lichtmesz, dass sie solche Leute rausfischen....man glaubt ja sonst, wenn man taz usw liest um zu wissen was der Gegner denkt, dass die Linke restlos verblödet wäre ;)

Da mir gerade Salomons´ Kadetten aus dem Regal gefallen sind ein passendes Zitat von ihm: ,,Alle großen Bewegungen in der Welt, das Christentum wie der Humanismus, wie der Marxismus, sie alle werden von einer Art Krankheit befallen, eine göttliche Krankheit, der erhabenen Pest des ganzheitlichen Anspruchs. Das macht die Dinge so einfach für den, der sich bekennen will, und so schwer für den, der sie betrachtet"
Friedhelm
04. Februar 2016 15:39
Charles Murray einen Rassisten zu nennen ist nicht nur töricht, das grenzt bereits an Debilität.
Ostelbischer Junker
04. Februar 2016 15:44
P.S.

Statt Sorge sollte es wohl besser Gewißheit heißen.....
Schopi
04. Februar 2016 15:47
In Ostberlin fuhren Regierungsfahrzeuge die obersten Vertreter einer strammen Hierarchie ohne Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer oder Verkehrsregeln mit überhöhter Geschwindigkeit von A nach B.

In Kuba gibt es Nummernschilder in drei verschiedenen Farben - wenn sich Fahrzeuge mit höherer "Farbhierarchie" den niedriger stehenden nähern, so haben diese sofort Platz zu machen.
schornsteinfeger
04. Februar 2016 15:51
'Der Herrschaftswille von Menschen ueber Menschen ist, wie jede gute Beobachtung lehrt, eben keineswegs nur ein Mittel, um ueber Sachen Herrschaft zu erlangen, sondern etwas, was dem Menschen - wie Kant in seiner "Anthropologie" richtig lehrt - ganzurspruenglicheigen ist und auch bei idealer Produktionstechnik nie volkommen verschwinden wuerde.'

Max Scheler, 'Probleme einer Soziologie des Wissens', Franke Verlag Bern und Muenchen 1980, S.135
Ein gebürtiger Hesse
04. Februar 2016 16:10
Ein echter Grundlagentext - essentiell für Um- und Neueinsteiger in unserer Sphäre. Gerade die gesamte letzte Seite stellt vieles ganz wesentlich klar. Gab es den "Konservativen Katechismus" damals (wie weit weg das klingt, dabei war es doch erst 2009) nicht auch als Poster? Etliche Absätze dieses Textes möchte man sich ebenfalls an die Wand hängen ...

Schön am Rande, einmal wieder etwas von Weißmann in den Blick genommen zu sehen. Falls er (ähnlich wie die Dame, deren Name seit gestern für alle Zeiten genug gefallen ist), ebenfalls hier mitliest, mag er aufs Neue erkennen, wie groß das war, was er seinerzeit als "Rechter" formuliert hat.
Stefanie
04. Februar 2016 16:39
So sind sie die autonomen Denker. Die einen wollen als Prepper im deutschen Mittelgebirge mit Schießgewehr und Drahtschlinge von Wilderei und Viehdiebstahl in der Postcallapse-World ihre Freiheit von der Gesellschaft ausleben. Die professioneleren Querdenker dagegenlassen sich ihr Tofuwildbret und die Einsiedlerklause im Szeneviertel vom Staat bezahlen. Mag der das doch mit dem Schießgewehr durchsetzen, bei den hierarchiegläubigen Eingeborenen.
Anarchie ist zu einem großen Teil einfach Selbstüberschätzung von (hauptsächlich) jungen Männern, die noch keine existenziellen Krisen und ihre eigene dabei Ohnmacht erlebt haben. Die mangels Erprobung tatsächlich glauben ihre Waffen und Argumente wären unschlagbar. Gerade deshalb fürchten sie aber auch insgeheim die Klingen mit den Großen kreuzen zu müssen. Im stillen ahnt wohl jeder das es einen "Fitteren" da draußen gibt.
Ich war mit 13 auch mal überzeugte Anarchistin. Früher oder später holt fast alle das Leben mit seinen Zipperlein ein und dann finden sie so eine Gemeinschaft in die man sich zwar einordnen muß, die aber auch für einen sorgt auf einmal gar nicht mehr so schlimm. Frauen fällt diese Einsicht naturgemäß etwas leichter.
Die einen in der Sozialistischen Robin-Hood-Variante: von den Reichen nehmen und ein allgemeines Grundeinkommen einrichten.
Die Liberalen Der-Markt_wirds-schon-richten-Fraktion, sind oft viel näher an der Anarchie als sie glauben. Auch sie meinen jeder hätte eben selbst zu sehen wie er seinen Anteil erbeutet bzw. erwirtschaftet - schließlich wollen wir ja alle Leistungsgerechtigkeit-oder?
Oder eben der Konservative, der gern einen Teil vom Selbsterwirtschafteten ans Gemeinwohl abtritt, wenn es denn vernünftig - in einer intellegenten Hierarchie - verwaltet wird.
Zur Zeit spielen wir alle ein bisschen Anarchie. Surviving of the Fittest. Iron-Men an der Ägäis, Laufen über den Balkan, mit dem Fahrrad über die Russisch-Norwegische Grenze. Natürlich sind es die Jungmänner die in dieser Situation glänzen. Was passiert wohl wen diese das Leben einholt? Eigentlich ist es eine Auswahl an Nicht-Kämpfern, die eben keine Seite in den jeweiligen Konflikten gewählt haben. die mal kurz in Röszke ein paar Steine werfen, dann aber doch wieder den Weg des geringsten Widerstands gehen. Ist das unsere Chance? Ein dünner Strohhalm zugegeben.
Westpreuße
04. Februar 2016 17:06
Feine grundsätzliche Klarstellung!
Man lernt. Danke...!

Kleine Ergänzung, um in den Strom des Denkens der Vordenker einzutauchen:

Freiheit und Institution - Arnold Gehlen & Theodor W. Adorno
(...im Gespräch). Teil 1 von 3 (...folgen nacheinander). Jeweils ca. 10 Min.
Bildqualität nicht so dolle, Sprache glasklar. Das hat schon etwas, wie die beiden ihre nun doch sehr unterschiedlichen Positionen formulieren und
"gegen-einander-setzen".

https://www.youtube.com/watch?v=0o3eITHmIek&list=PLA1t8BFKfAawlVcUvHLm9JcfXON8xjQSb

Erstaunlich, wie gesittet, höflich und mit gegenseitigem Respekt die beiden älteren Herren miteinander umgingen...Und heute...?!
: Grüße von der Weichsel
Roland
04. Februar 2016 17:24
Ähnliches kann man auch bei der kommunistischen Zeitschrift "Die rote Fahne" erleben.
Hier ein kleines Beispiel:

"Flüchtlinge können in die syrische Stadt Homs zurückkehren"
http://rotefahne.eu/2015/12/fluechtlinge-koennen-in-die-syrische-stadt-homs-zurueckkehren/

Die Linke bekommt zur Zeit keine nennenswerten großen Demos oder Kundgebungen zu Stande, sie ist zerstritten wie nie zuvor und dies trotz staatlicher Förderung und einem
großen Netzwerk von Freiräumen (Immobilien, Kaffees, Infoläden usw.).
Sebastian Müller
04. Februar 2016 18:22
Guten Abend,

Der Artikel von Martin Lichtmesz wurde sowohl von Paul Simon als auch von mir zur Kenntnis genommen. Ich persönlich habe den durchaus interessanten Text mit Gewinn gelesenen. Gewisse Argumente und Kritikpunkte zu gewissen linken Dogmen sind plausibel. Unter anderem schreibt Lichtmesz:

Dagegen ist die Ansicht der Konservativen -oder sagen wir einfach: aller Realisten – schlicht: Hierarchie, Ungleichheit, Herrschaft, Machtverhältnisse usw. sind nicht Dinge, die man „wollen“ muß, aus was für sinistren Motive auch immer. Sie sind Tatsachen, die stets zur Hintertür hineinschleichen, wenn man sie zur Vordertür hinausschmeißt. Sie hören nicht auf, bestimmende Faktoren der menschliche Gesellschaft zu sein (...).


Dem ist zumindest aus dem Blickwinkel einer empirisch historischen Analyse nicht zu widersprechen. Jede Revolution musste letztendlich ein Herrschaftsverhältnis durch ein anderes ersetzen. Macht und Formen der Herrschaft sind wohl aus anthropoligischer Sicht auch unabdingbar, der Anarchismus eine Utopie, libertärer Anarchismus vielmehr eine Dystopie. Daher muss es darum gehen, welche "Form" der Herrschaft - und auch Kontrolle der Herrschaft - wollen wir.

In diesem Sinne sind wir Bohémiens einem Streitgespräch nicht abgeneigt. In Kürze wird auch eine Replik von Paul Simon auf den obigen Artikel erscheinen.

Mit besten Grüßen

M.L.: Danke für die Rückmeldung! Auf die Replik bin ich gespannt. Teil II kommt noch, vielleicht bis dahin warten...
Andreas Walter
04. Februar 2016 18:48
Ich habe gestern auch nicht schlecht gestaunt zu erfahren, dass es ein 8(?) (10?) Minuten langes Interview von Ezra Pound durch Pier Paolo Pasolini gibt, aus dem Jahr 1967 (1968?). Leider ist es nirgendwo im Netz vollständig und mit deutschen oder wenigstens englischen Untertiteln zu finden, da jemand aus Urheberrechtsgründen die Verbreitung zumindest auf YouTube versucht zu unterbinden.

https://www.youtube.com/watch?v=jrwIbjwbT0o

http://www.filmaffinity.com/en/film437028.html

http://www.rai.tv/dl/RaiTV/programmi/media/ContentItem-4d7acb3a-6354-4c8b-b585-f51aa0c81f52-tg1.html

http://www.dailymotion.com/video/x2g0hm7

Das ganze Interview muss allerdings länger sein als 8 oder 10 Minuten, denn das was hier bei dailymotion davon gezeigt wird beginnt bei RAI TG1 erst ab Minute 8.

Im ganzen Netz wird also falsch darüber berichtet, selbst bei der IMDb.

http://www.letteratura.rai.it/articoli/pasolini-ed-ezra-pound-un-incontro-di-poesia-e-di-amicizia/18706/default.aspx

Auch hier, nur 4 Minuten. Warum?

Aha, eine Stunde ist es lang, un’ora.

"Pasolini e Pound si incontrarono per la prima volta nel 1967, alla fine di ottobre e dialogarono in un’intervistadocumentario di Vanni Ronsisvalle dal titolo “Pasolini-Pound. Un’ora con Ezra Pound”.

http://www.beniculturali.it/mibac/multimedia/MiBAC/documents/1291316830777_sinossi.pdf

M.L.: Ja, das dauert etwa eine Stunde, hab es mal in Berlin im Arsenal gesehen. PPP hat EP sehr geschätzt, im Film liest er auch Gedichte von ihm auf Italienisch. Ich glaube, daß "Salò" zum Teil vom "Usura"-Canto beeinflußt war.
Trouver
04. Februar 2016 20:23
gewisse Konservative, oder solche, die sich aus irgendeinem Grund dafür halten, immer wieder von uns „distanzieren“, um ihre saubere Weste zu demonstrieren


"saubere", lieber Herr Lichtmesz, "saubere".

M.L.:Stimmt,korrigiert...!
Gustav Grambauer
04. Februar 2016 20:57
Habe neulich die Charakterisierung der Anrede "Herr" in einem Kanon der guten Manieren gelesen. Im wohlverstandenen Sinne ist diese Anrede frei von jedwedem Rahmenbezug der VERGESELLSCHAFTUNG: als Herr wird angesprochen, von wem man annimmt, daß er sich selbst beherrscht, daß er der Herrscher über seine eigene - im Soziologenjargon: - Lebenswirklichkeit ist; von wem man annimmt, daß er für sein Schicksal grundsätzlich die Verantwortung übernimmt, kurz: es wird mit dieser Anrede betont, daß man einen Kosmos sui generis anspricht.

Ein solcher "Herr" wird sich zugleich die Maxime "Leben und Leben lassen" zu eigen gemacht haben - und aus meiner bescheidenen Menschenkenntnis heraus trifft all dies auf einen Großteil, ebenso der Damen, im Umfeld der Sezession zu. Umgekehrt habe ich hier noch keinen einzigen Zwangscharakter angetroffen, und das bei all der hiesigen Quere zur Lockerheit des Zeitgeistes. Zwangscharaktere (und ich tippe bei Simon mehr auf Reich-

http://www.fischerverlage.de/buch/rede_an_den_kleinen_mann/9783596267774

als auf Focault-Lektüre) finden sich umso mehr in (kleinen und großen) linken Sekten (alle Diederich-Heßling-Typen, die ich kenne, bei aller Ehrenrettung für Diederich Heßling durch Thorsten Hinz, sind mit Nachdruck von der linken Couleur ...). Sie zeigen sich dort nicht zuletzt in ihrer übersteigerten Angst vor Organizität, vermittelt darüber in einer aufdringlichen Herrschafts-Unterwerfungs-Riecherei auf allerhand Nebenschauplätzen bei ziemlich großen blinden Flecken für die ganz großen Versklavungs-Nummern.

- G. G.
Der Gutmensch
04. Februar 2016 20:57
Im Fernsehen lief kürzlich eine Reportage über - na, sagen wir, über "unerwünschte Bürger"; es ist völlig gleich, gegen wen sich das im einzelnen richtet.

Bezeichnend war die völlige Ehrlosigkeit des überlegenen Gegners öffentlich-rechtliches Fernsehen:

Entweder, die "Unerwünschten" sind nicht satisfaktionsfähig. Dann gehört es sich aber nicht, sein Mütchen an ihnen zu kühlen und es ist auch unsinnig.

Oder sie sind doch satisfaktionsfähig. Dann ist es ein Zeichen von Niedertracht, unter der Gürtellinie zu schlagen und ggf. dumm, weil man Solidarisierungseffekte riskiert.

Die erste Frage ist aber, welches Publikum man mit so einer unangenehmen Darbietung erreichen will?

Die Ehrlosen werden natürlich dem Stärkeren beipflichten und der steht ohnehin fest.

Die Anständigen fühlen sich abgestoßen und klinken sich aus.

Also will man die Ehrlosen erreichen; ob das erfolgreich ist, sagt einem die Einschaltquote.

Die zweite Frage lautet aber, welche Botschaft will man denn den Ehrlosen vermitteln? Nötig hat man deren Ansprache eigentlich nicht; denn die Gebühren gibt es ohnehin und billig wäre auch ein alter Film, über den sich keiner mehr aufregt.

Ich habe den Eindruck, die "Unerwünschten" dienen nur als wohlfeiler Köder, bestimmte Botschaften unter den Ehrlosen zu verbreiten und das beschränkt sich vielleicht nicht nur auf "refugees welcome".

Also vielleicht sollte man seinen Ekel und seine Empörung runterschlucken und die Perspektive wechseln? Was wird da im Einzelfall noch vermittelt, außer dass Schmuddelkinder eben pfui sind? Praktisch ... huckepack?


d. G.
marodeur
04. Februar 2016 21:15
Herr Lichtmesz, ich lese hier noch nicht lange mit, darum muss ich zugeben, dass ich Sie anfangs völlig flasch eingeschätzt habe. Heute lese ich ihre Beiträge mit anderen Augen. Ich unterstelle Ihnen mittlerweile eine gewisse "Liebe zum Feind". Das meine ich durchaus positiv. Ich glaube, im Grunde hängen Sie seelisch nicht an der Neuen Rechten.

M.L.: Ich hänge "seelisch" an dem, was ich für wahr, schön und gut halte.

Sie suchen hier Zuflucht, denn hier finden sich aktuell die klügsten Köpfe und die besten Erklärungsmodelle. Da Sie ein rastloser Geist sind, brauchen Sie aber ständig Sparingspartner mit möglichst konträrer Ansicht. Außerdem sind sie fasziniert von der geheimnisvollen Anziehungskraft der linken Seite.

M.L.: In der Tat, ich kann dem Sog kaum mehr standhalten, harhar...


Schauen Sie sich Fr. Bednarz an, die attraktive blonde Anwältin. Was bewegt diese Menschen wirklich?

M.L.: Bei Liane ahne ich es inzwischen...

Gibt es eine tiefe Wahrheit, die uns Rechten verborgen bleibt?

M.L.: Ohne Zweifel, aber ausgerechnet auf der linken Feldpostadresse würde ich nicht danach suchen.

Oder liegt es doch an uns? Vielleicht hat Herr Simon recht und wir möchten in Wahrheit nur Herren über ein Millionenheer rechtloser Arabersklaven sein.

M.L.: Grübel, studier... Beim Teutates. Stimmt, ich bin enttarnt! So eine Art cäsaropapistischer Sultanspharaoh und Sonnengottmussolini zu sein wäre die Erfüllung meiner Träume, aber als Harem hätte ich dann gerne ein paar tausend anmutige, wenn auch selbstverständlich rechtlose Germaninnen oder Ukrainerinnen... aber wie bringe ich das bloß mit meiner unwiderstehlichen Faszination für linke Ideen im Einklang???

In dem Fall wäre mir rechts-sein dann doch zu anstrengend ...

Auf jeden Fall habe ich den Beitrag oben mit ihren Augen gelesen. Herr Simon hat so hoffnungsvoll angefangen und dann diese absurde Zuspitzung. Man spürt Ihre Enttäuschung regelrecht. Es ist zum Verzweifeln!

Bitte Herr Lichtmesz, bleiben Sie dran. Vielleicht kommen Sie dem linken Stein der Weisen doch noch auf die Spur. Ich würde mir bitte auch wünschen, dass Sie uns ab und zu den Spiegel vorhalten. Versuchen Sie es z.Bsp. mal als Advocatus Diaboli. Das wäre besser, als wenn wir uns hier ständig nur auf die eigenen Schultern klopfen.
Nemo Obligatur
04. Februar 2016 22:03
Auch wenn ich aufgrund seiner einschlägigen Konnotationen keine große Freude an dem Wörtchen „rechtsradikal“ habe,



Ja, da fehlt ein Wort in der deutschen Sprache. Über "konservativ" bin ich schon hinaus, obgleich ich das Wort nicht für ehrenrührig halte. Es ist eher kraftlos. Aber "rechtsradika(h)l" - da sieht jeder gleich den Skinhead vor sich und damit möchte ich auch nicht gemein gemacht werden. Im Moment gefällt mir "rechtsdemokratisch" am besten. Obgleich das, da hat der Bohemien schon recht - nicht so richtig zum Wort "Sezession" passen will. Vielleicht wäre "rechts-sezessionistisch" nicht schlecht. Oder einfach nur "sezessionistisch". Aber damit ist nichts erklärt. Klar ersichtlich war es, als neulich (war es bei "Hart aber fair"?) Herr Gauland auf die Sezession angesprochen wurde und sich ein wenig gerierte wie ein Studienrat, der beim Lesen eines wohlbekannten Herrenmagazins ertappt wurde und versuchte, sich damit rauszureden, dass er nur die Interviews lese. Soweit ich mich entsinne sagte Gauland, die Sezession sei "neokonservativ", was ich völlig missverständlich finde, denn darunter würde ich eher einschlägige politische Magazine aus den USA rubrizieren, wobei ich kein Beispiel zur Hand habe.

M.L.: Rechts allein genügt doch.
Andreas Walter
04. Februar 2016 22:03
Nein, wie ist das denn möglich?:

"Stellen Sie sich vor, Sie wären in Deutschland wahlberechtigt. Welcher der Parteien würden Sie unter den derzeitigen Umständen Ihre Stimme geben ?"

Und dann sehe man sich mal die Umfrageergebnisse auf der rechten Seite an. Gut, ich habe das Ergebnis jetzt leider schon verfälscht, weil ich die Frage erst danach, zu spät gelesen habe, doch beeindruckend bleibt es alle mal. :D

http://www.schweizmagazin.ch/nachrichten/ausland/25932-Murmansk-Tut-uns-leid-Kln-ist-2500-Kilometer-weiter-sdlich-von-hier.html
Bender
04. Februar 2016 22:21
Ein sehr guter Artikel. Ich bin schon auf den zweiten Teil und die angesprochene Replik - die Sebastian Müller hier erwähnt - von Paul Simon auf der (durchaus interessanten) Seite le Bohémien gespannt. Dies ist endlich mal wieder eine geistige Auseinandersetzung bzw. ein "Austausch" den es lohnt zu lesen.
deutscheridentitärer
04. Februar 2016 22:59
Schauen Sie sich Fr. Bednarz an, die attraktive blonde Anwältin. Was bewegt diese Menschen wirklich?


Da soll noch jemand behaupten, Rechte hätten keinen Humor.
marodeur
04. Februar 2016 23:18
@Nemo Obligatur
Aber „rechtsradika(h)l“ – da sieht jeder gleich den Skinhead vor sich und damit möchte ich auch nicht gemein gemacht werden.

Seien Sie einfach ehrlich mit sich, Wenn Sie hier schon kommentieren, dann halte ich es für wahrscheinlich, dass sie zahlreichen radikalen Positionen zumindest offen gegenüberstehen. Mir war es früher auch unheimlich wichtig, irgendwie konservativ und gemäßigt eingestuft zu werden. Dabei waren viele meiner Ansichten schon damals radikal. Radikal ist eben kein Synonym für falsch. Im Übrigen kann es der Gesellschaft nicht schaden, wenn man dem ein oder anderen verwirrten Skinhead etwas Orientierung gibt. Ich halte es für das große Verdienst der Neuen Rechten, dass es kaum noch bekennende Neonazis gibt und dass wir eben keine rechtsmotivierten Progrome und Terroristen in Deutschland haben.
Rabenfeder
05. Februar 2016 00:51
@ Ostelbischer Junker

Sie schreiben:
„Ach die Gracchen. Ein konservatives Ziel wohl sicher, aus welchen Gründen auch immer – echte Sorge um die Republik, gekränkter Adelsstolz, Neid – gebrauchten sie doch die Revolution und ihre unschönen Erscheinungen um es zu verwirklichen. Er rief das Volk und es kam der Pöbel (Mommsen?).“

Kann man so sehen, muss man aber nicht.

Plutarch zumindest sieht das durchaus anders:
„ Das Gesetz entwarf Tiberius nicht allein, sondern zog würdige und angesehene Männer Roms als Berater hinzu, darunter den pontifex maximus Crassus, den Rechtsgelehrten Publius Mucius Scaevola, der damals Consul war, und seinen Schwiegervater Appius Claudius. Tatsächlich ist gegen ein solches Übermaß von Unrecht und Habgier wohl nie ein milderes und gemäßigteres Gesetz ergangen! Es verlangte von denen, die von Rechts wegen für ihren Ungehorsam hätten bestraft werden und die so lange widerrechtlich bebauten Felder gegen eine Geldbuße hätten herausgeben müssen, nur, daß sie ihren unrechtmäßigen Besitz an die hilfsbedürftigen Bürger abtreten und dafür eine Entschädigung bekommen sollten.“

Wenn wir noch anfügen, dass die Reichen über die Entschädigungssumme hinaus jeweils noch einen stattlichen Teil des Landes behalten durften ( ich glaube 500 iugera oder so und zusätzlich noch etwas für die Söhne), dann wird deutlich, wie wenig revolutionär das ernste Anliegen des Tiberius eigentlich war und angesichts der Tatsache (nach Plutarch), dass weitsichtigere Teile der Nobilität ihm durchaus zustimmten, sehen wir dann wohl eher einen konservativen Versuch, die kaum bestreitbaren Mißstände maßvoll zu beheben.

Wer war demnach dafür verantwortlich, dass der Pöbel kam?

Plutarch schreibt:
„Die Reichen und Besitzenden haßten aus Habgier das Gesetz, aus Zorn und Ehrgeiz seinen Urheber, und versuchten, das Volk von seiner früheren Zustimmung abzubringen: Die Neuaufteilung des Landes sei für Tiberius nur ein Vorwand, die res publica umzustürzen und eine Revolution herbeizuführen.“

Denken wir uns unseren Teil…
Martin Lichtmesz
05. Februar 2016 01:45
Karawane zieht weiter!

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