27. Oktober 2016

Szene-Kaleidoskop II: Sextäter, Sellner-TV, Schlapphut, Superheld

von Nils Wegner / 30 Kommentare

Es gibt wieder einmal viel zu sehen und zu hören: Ellen Kositza präsentiert ihr neues Buch, Martin Sellner stellte sich im österreichischen Fernsehen Abgeordneten der Grünen, die Jungs von "Laut Gedacht" bekamen geheimdienstlichen Besuch – und die AltRight erörterte die Metapolitik von Batman. Ja, richtig gelesen!

Einerseits gibt es das dröhnende Schweigen der Frauenbewegung zu den ungezählten "Einzelfällen", in denen Fremde deutschen Frauen und Mädchen gegenüber sexuell übergriffig wurden und werden. Andererseits wird um jede öffentlichkeitswirksame Anschuldigung des "Sexismus" sogleich ein multimedialer #aufschrei gestrickt.

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Warum ist das so? Ellen Kositzas neues Buch Die Einzelfalle. Warum der Feminismus ständig die Straßenseite wechselt beantwortet nicht nur diese Frage (hier einsehen und bestellen!).



Bereits am 20. Oktober strahlte der österreichische Sender Servus TV eine Episode seines Formats Talk im Hangar-7 aus, in der Martin Sellner mit vier anderen Diskutanten über die Radikalisierung junger Muslime hätte sprechen sollen. Drei der vier anderen geladenen Gäste, darunter ein Imam, weigerten sich jedoch, dem IBÖ-Leiter die "Gunst" ihrer Anwesenheit zu erweisen, und so mußte der Sender kurzfristig umplanen.

Was dabei herausgekommen ist, kann man inzwischen bei YouTube nachsehen – es lohnt sich!



In Mitteldeutschland gehen die Schlapphüte um – das ist spätestens jetzt klar, wo der neue stern Sachsen »das dunkelste Bundesland« nannte. So erklärt sich denn auch, daß sich ausgerechnet in der Episode 007 ein Agent zu den Vlog-Aktivisten von "Laut Gedacht" gesellte. Trotzdem gibt es Anlaß zur Beruhigung: Es handelt sich scheints um einen befreundeten Dienst. Und es geht inhaltlich nur sehr bedingt um Anetta Kahane.



Den Anfang machte wohl der Verlag Counter-Currents, als er einen Schreibaufruf für den Sammelband The Dark Right: Right-Wing Readings of Batman startete: Neben vielen anderen popkulturellen Ikonen wird mittlerweile auch Batman auf seine politische Textur hin abgeklopft. Richard Spencer, Vorsitzender des National Policy Institute in den USA (siehe Sezession 69), verantwortet neben dem Radix-Blog und der dazugehörigen Zeitschrift auch einen Podcast. Jüngst kam er dort mit John Morgan, Leiter des Arktos-Verlags, und dem ehemaligen Génération-Identitaire-Aktivisten Roman Bernard zusammen, um über den fließenden Übergang zwischen Popkultur und Metapolitik zu sprechen. Herausgekommen sind 80 Minuten tiefsinniger, gleichwohl sehr amüsanter Plauderei über den »reinen Schurken«, das Paradoxon der Souveränität und die Abwesenheit der Todes im Populären. Wer des Englischen mächtig ist, sollte hier ruhig ein Ohr riskieren – allein die Batman-Imitationen sind es wert!

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Kommentare (30)

Antillectual
27. Oktober 2016 10:54
Die Alt-Right hat begriffen, daß Politik stromabwärts von Kultur liegt, und daß die politischen Erfolge der Linken aus ihrer kulturellen Hegemonie herrühren.

Wie sonst ist zu erklären, daß eine relative kleine Partei wie die Grünen, die niemals mehr als 11 % der Stimmen bundesweit errungen hat, die politische Agenda bestimmt wie keine andere?

Die Konservativen besitzen dagegen keinen Begriff der Metapolitik. Ihr Blick reicht traditionell nur bis zum Tellerrand der konkreten Politik (engl. policy). Deshalb wundern sie sich immer, warum sie ständig verlieren.

Da es aber in Deutschland in Politik und Medien ohnehin keine konservative Kraft mehr gibt, die den Namen verdient hätte, müssen wir uns auch nicht mehr mit ihrem Verlierertum auseinandersetzen.

Wir halten es einfach direkt mit der Alt-Right, erklären die politische Korrektheit für beendet und die Linke für illegitim und fordern unumwunden die Remigration und die Festung Europa.

Denn das ist doch der einzige Weg, oder?

Wegner:
Aller Achtung, damit haben Sie vielleicht eine bessere kurz-bündige Konkretisierung des AltRight-Wesens formuliert, als das jenseits des Großen Teichs in den letzten Wochen und Monaten jemand vollbracht hat.
Carsten
27. Oktober 2016 10:59
Dass die Talkshow trotz dreier Protestabsagen dennoch mit Sellner stattfindet, wäre in Deutschland völlig undenkbar! Und wenn alle Grünen so wären, wie der Türke in der Runde, käme man miteinander klar. Wenn man diese Sendung sieht, fällt einem krass auf, wie eng das Meinungskorsett dagegen bei uns ist.
Hartwig aus LG8
27. Oktober 2016 11:18
Sellner bei Servus-TV:
Sellner hat das Nötige gesagt. Stopp der Masseneinwanderung, Remigration.
Die identitären Grundpositionen kamen leider zu kurz, in der Ethnie und Kultur eine Schlüsselrolle spielen.
Diese Fersehdebatte war symbolisch ein Meilenstein, weil der Sender an Sellner als Gast festhielt.
Die Debatte selbst hätte inhaltlich bemerkenswert werden können, wenn die alten Herren außen vor geblieben wären und nur die beiden jungen Männer (Sellner und Dönmez) hätten diskutieren können; abendländischer Patriotismus vs. Verfassungspatriotismus.
Meier Pirmin
27. Oktober 2016 11:31
@Festung Europa ist lächerlich. das gab es nie, wie kann man nur auf eine solche Feindsprache hereinfallen!? Halbwegs nur normale Grenzkontrollen wie sagen wir vor 30 Jahren in freien Ländern, nicht gemeint DDR, das wäre eine mögliche realistische politische Forderung. Wenn das "faschistisch" ist, dann nenne man das, wozu zum Beispiel damals ein Karl Popper aufforderte, dann nenne man sich halt "Faschist"!
cherusker69
27. Oktober 2016 12:03
Die Frage warum sich die Linken durchgesetzt haben ist sehr interessant. Ich glaube das die Globalisierung ihnen in die Hände spielt und natürlich auch die Geopolitik der USA. Auf den ersten Blick könnte man ja meinen, das linkes Denken und Globalisierung sich ausschließt, weil Großkonzerne ja die Heuschrecken für dieses Klientel sind.

Die heutige linke hat doch das Ziel der Auflösung der Nationalstaaten und genau das haben eben Großkonzerne und die EU auch. Es lässt sich eben viel Geld damit verdienen. Der Mensch als Ware, der hin und her geschoben werden kann wie man es braucht.

Zu Martin Sellners Auftritt muss man sagen, das eine solche Sendung bei uns in Deutschland nicht möglich wäre. Man sieht ja, wie schwierig das in Österreich schon ist. In Deutschland halte ich das für unmöglich. All die Claudia Roths und CO würden sofort ihre Beißreflexe bekommen und das 4.Reich aufziehen sehen.
PackEsel
27. Oktober 2016 12:10
Nach der "Wende" stürzte ich mich als alleinerziehende Mutter auf die EMMA und Alice Schwarzers Schriften, wurde aber bald enttäuscht und kündigte mein Abo. Ausschlaggebend dafür waren zwei Kampagnen von Schwarzer, nämlich die gegen Helmut Newton und die für die "Gleichberechtigung" der Frauen in der Bundeswehr. Damals kam mir der Gedanke, daß der Feminismus nicht für eine bessere Welt oder die Lösung tatsächlich anstehender Probleme kämpft, sondern implizit, seinen Akteurinnen evtl. unbewußt, sich das von ihm sog. Patriarchat zum Vorbild nimmt. Was hätte Anfang der 90er näher gelegen als für Abrüstung und Frieden zu kämpfen und die Friedensdividende einzufordern? Aber nein, "Frauen in die Bundeswehr" war das Thema. Wahrscheinlich hängt das auch damit zusammen, daß die führenden Feministinnen von der Lebenswirklichkeit der Frauen sehr weit entfernt und jedenfalls keine Mütter sind. Schwarzer hat noch etwas gesunden Menschenverstand, was mit ihrem Alter und der Tatsache, daß sie nie studiert hat zusammenhängen kann. Sie hat auch schon sehr früh auf das problematische Frauenbild des Islam hingewiesen, zu einer Zeit als die Vorgänge im Iran unter Khomeini auch in der DDR als Revolution gepriesen und damit positiv konnotiert wurden. Nach dem langen Text noch ein wenig Musik: https://www.youtube.com/watch?v=ecJUqhm2g08
Johannisthaler
27. Oktober 2016 13:35
Sellners Auftritt war gut. Natürlich wäre es besser gewesen, statt des Gelabers von dem alten Grünen mehr über die Positionen der IB zu hören, aber das hängt von der Moderation ab.
Wichtig war auch die klare Kritik von Dönmez an der Kollaboration der SPÖ mit den konservativen Islamverbänden. So deutliche, aus dem linksliberalen Spektrum selbst kommende Worte entziehen der offiziellen islamfreundlichen Politik und Propaganda die Glaubwürdigkeit am meisten.
John Haase
27. Oktober 2016 14:19
Was die amerikanische Alt-right -wie ich finde- der deutschen Rechten voraus hat ist ihr deutlich leichterer Humor und ihr angelsächsisch fehlender Bildungsdünkel.

In Deutschland ist das alles schon sehr bierernst und wenn sich doch einmal einer an Satire versucht, so hat das ganze meist etwas sehr bemühtes, das gilt für PI genauso wie für Wiedenroth-Karikaturen und Percy Hoven. Eigentlich ist das einzige Rechte, bei dem ich regelmäßig lachen muß, Frau Kositzas Das-war's-Kolumne, sonst fällt mir nichts ein. Alles andere sind höchstens mal Glückstreffer.

Die Populärkultur wird ebenfalls so gut wie gar nicht behandelt. Stattdessen Jünger, Evola und Heidegger Heidegger Heidegger. Die Beschäftigung mit diesen als Beispiel genannten Autoren ist aller Ehren wert und dringend notwendig, jedoch könnte es denke ich nicht schaden, sich etwas öfter auch mit der Populärkultur zu befassen.

Nicht alles, was aus Amerika kommt und beliebt ist, ist nur belangloser Müll. Warum habe ich auf deutschen rechten Internetseiten noch nie etwas über beispielsweise Game of Thrones gelesen? Da gäbe es doch wirklich genug Material. Warum feiert die halbe Welt inklusive linker Journalisten eine fiktive Feudalgesellschaft? Warum könnte man diese Serie nicht in Deutschland drehen?

Wie sähe ein deutsches Downton Abbey aus? Warum könnte man das ebenfalls nicht drehen?

Sicherlich könnte man auch insbesondere junge Menschen gut an unsere Gedanken heranführen, wenn wir ihnen darlegen würden, daß sie vieles, was sie mögen, eben deswegen mögen, weil es rechts und damit natürlich ist.

Oder bin ich der Einzige hier, der amerikanische und britische Serien und Filme schaut?
Hartwig aus LG8
27. Oktober 2016 15:22
""Oder bin ich der Einzige hier, der amerikanische und britische Serien und Filme schaut?""

Nöö.

Was GoT betrifft, oder wie ich es vor Jahren in Buchform als "Lied von Eis und Feuer" kennenlernte, so haben Sie unbedingt recht. Heldentum und Feigheit. Familie und Rasse. Vassallen und Verrat. Und der Sieg des Starken über den Schwachen, was im Buch oft genug der Sieg des Gemeinen über den Edlen, des Verräters über den Ehrbaren, des Schlauen über den Klugen, des Reichen über den Armen, des Harten über den Weichen bedeutet. Also das rechte Leben, wie es ist.
Monika
27. Oktober 2016 15:59
Ich habe mir die Mühe gemacht und mir die angesprochene Sendung auf Youtube angesehen. Hm, allein von dieser Talkrunde ausgehend, muß ich der Beurteilung von Martin Sellner durch Herrn Baumgärtner Recht geben: Sellner kommt mit seiner leicht verschmitzten Art sehr angenehm ´rüber, argumentiert vernünftig und spricht offen über seinen Fehler früher in einer rechtsextremen Gruppe gewesen zu sein. Dieser positive Eindruck von Sellners Auftritt ist so klar erkennbar, daß ich mich frage, ob der Autor des Artikel, Herr Sebastian Eder, überhaupt diese Sendung gesehen hat? So wie Herr Eder im Artikel formuliert, bleibt leider ein Geschmäckle übrig.

Leserbrief in "Der Absturz der FAZ"
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/felix-baumgartner-faellt-mit-facebook-posts-negativ-auf-14498424.html

Man beachte auch die übrigen Leserbriefe.....
Platon
27. Oktober 2016 16:45
@John Haase: Nein, Sie sind nicht der Einzige, der us-amerikanische Fernsehserien und Filme guckt. Ich schaue diese sogar häufiger als deutsche Produktionen, weil m. E. hochwertiger; was nicht heißt, dass man diese unkritisch konsumieren sollte, wie es die Herren im von Wegner erwähnten Podcast mit den Batman-Filmen gut vormachen.

Zur Alt-Right: Ich teile Ihre Beurteilung. Sie kommt leichter daher als etwa die Sezession. Das macht die Alt-Right für Neuankömmlinge sicherlich zugänglicher, ohne dass ihr die geistige Tiefe fehlte; dafür sorgt schon Greg Johnson, promovierter Philosoph, mit seinen Bezügen auf Platon, Aristoteles et al. Auch die Auseinandersetzung mit der Popkultur sorgt für die lockerere Art und drückt zugleich aus, dass man nicht bereit ist, dieses Feld dem politischen Gegner zu überlassen. Auch so kann erfolgreich um die metapolitische Deutungshoheit gestritten werden und ein jüngeres Publikum erreicht man damit zweifelsohne. Insofern wäre etwa eine deutsche Übersetzung des angekündigten Batman-Buches von Counter Currents zu begrüßen.
Maxx
27. Oktober 2016 17:43
@John Haase.
Warum habe ich auf deutschen rechten Internetseiten noch nie etwas über beispielsweise Game of Thrones gelesen?

Keine Ahnung, vielleicht, weil das Thema ausgelutscht ist oder da nicht so relevant ist? Schreiben Sie mal was drüber. Würde gern mal so etwas aus rechter Perspektive lesen. Wenn man hier liest, wie Leute hier im Grunde vollwertige Blogartikel in die Kommentarspalte quetschen, spürt man, wie viel Potential verschenkt wird. Ihre Kritik am fehlenden Bezug zur Populärkultur teile ich aber auch.

Ich mag US-Serien jedenfalls sehr: GoT, Fargo, Breaking Bad, True Detective, House of Cards, The Walking Dead - ist doch das Beste vom Besten. Hab kein Problem damit, hätte aber auch net so viel Lust, da irgendwelche Fanartikel drüber zu verfassen. zeit ist geld.
Schnarchnasige deutsche Filme oder Serien schau ich hingegen kaum noch. GEZ-Fernsehen ist stark linksideologisch beeinflusst und echt zum Gähnen ...

Warum könnte man diese Serie nicht in Deutschland drehen?

Drehen könnte man schon was, aber wären hierzulande künstlerisch freie Serien oder Filme unabhängig von staatlichen Töpfen und ideologischen Einflüssen überhaupt finanzierbar? Finanzstarke freie Kabelkanäle gibts hier nicht. Nur GEZ-Staatsmedien, denen man in den Hintern kriechen müsste.

Sicherlich könnte man auch insbesondere junge Menschen gut an unsere Gedanken heranführen, wenn wir ihnen darlegen würden, daß sie vieles, was sie mögen, eben deswegen mögen, weil es rechts und damit natürlich ist.


Im Grunde bin ich auch Ihrer Ansicht, aber das wäre nur als Aufgabe der Eltern erfolgversprechend. Nach meiner Erfahrung ist es am sinnvollsten, sein eigenes Ding einfach durchzuziehen, ohne groß nach rechts oder links zu schauen - leading by example - anständig, aufrecht, hilfsbereit, arbeitsam und ehrlich bleiben - einfach nur ein rechtes Leben führen ... Alles andere ergibt sich oder auch nicht.
Monika
27. Oktober 2016 18:00
Es ist natürlich etwas schade, dass Frau Kositza ihr eigenes Buch vorstellen muß.
Ich würde mir wünschen, Emitis Pohl würde dieses Buch besprechen.
Noch besser, beide Frauen würden im Servus- TV ein Gespräch führen.
Beide Frauen sind fast gleich alt, gleich attraktiv. Eine mit langem blonden Haar, die andere mit langem braunen Haar. Das wäre ein Bild.
Noch besser als Sellner/ Dönmez.
Leider bin ich nicht Dietrich Mateschitz. Aber mein Tipp an Servus TV:
Holt diese beiden hübschen Damen. Super Einschaltquoten garantiert.
Die eine spricht über " Deutschsein für Anfänger", die andere über "Deutschsein für Fortgeschrittene".
Dass Frau Pohl mit der politischen Korrektheit in Deutschland kollidiert, führt sie übrigens auf ihr "persisches Temperament" zurück. Sie sollte deshalb auch mit dem "offenbacher Temperament" keine Probleme haben.
Es lebe die Frauensolidarität !
Ach, bevor ich es vergesse: Wer ist Emitis Pohl ? siehe auch da:

https://www.welt.de/vermischtes/article158636601/Aus-dem-Iran-aber-deutscher-als-Deutsche.html
Ralf Beez Oberfeldwebel der Reserve
27. Oktober 2016 18:02
Was mir bei "Talk im Hangar 7" wieder äußerst negativ aufgefallen ist,
das Sellner und und Unterberger dauernd ins Wort gefallen wird,
während die beiden anderen Herren immer in Ruhe ausreden konnten.

Gleichwohl Respekt vor den Machern dieser Sendung, es sollte aber im
Fernsehen gang und gäbe sein, daß man so diskutiert.

In Deutschland derzeit NOCH undenkbar und ich freue mich auf den
Tag, an dem wieder frei und unabhängig debattiert wird und zwar ohne
diese teuflische PC.
Trouver
27. Oktober 2016 19:25
Wie sonst ist zu erklären, daß eine relative kleine Partei wie die Grünen, die niemals mehr als 11 % der Stimmen bundesweit errungen hat, die politische Agenda bestimmt wie keine andere?


Aller Achtung, damit haben Sie vielleicht eine bessere kurz-bündige Konkretisierung des AltRight-Wesens formuliert, als das jenseits des Großen Teichs in den letzten Wochen und Monaten jemand vollbracht hat.


Lieber Antillectual, lieber Nils Wegner.

daß feind grün steht, ist seit 1989 manifest.

in blutroter DDR hätt kein zugereister Angolaner resp. Kubaner gewagt zu künden, seine gastgeber seien eine Köterrasse.
Der_Jürgen
27. Oktober 2016 20:43
Es gibt bei der amerikanischen Alt-Right eine breite Spannweite, von intellektuell hochstehenden Autoren wie Kevin MacDonald oder dem von

@Platon

erwähnten Greg Johnson, bis zu der populären Website The Daily Stormer, die mit bewusst aggressiver Sprache und bewusst provokativen Karikaturen operiert, aber wichtige Informationen bringt, z. B. über die Anti-Trump-Kampagne und ihre Urheber. Das Niveau der Leserkomentare ist dort unter aller Kanone, weit niedriger als bei PI.

Jedem das Seine. Dasselbe gilt auch für Deutschland. Wer geistig eher einfach gestrickt ist, für den ist PI (wo wohlverstanden auch gute Kommentare erscheinen, z. B. von "Kewill") das Richtige. Wer Wert auf eine intellektuell gehobene Debatte legt, ist bei Sezession am besten aufgehoben, was ihn nicht daran hindern muss, ab und zu bei PI vorbeizuschauen, um Informationen über die neusten Volksbeglückungsaktionen der Kulturbereicherer zu erhalten.

Vor "rechtem Rock" habe ich einen Horror. Eiten (möglicherweise) guter Inhalt in einer dermassen miserablen Verpackung ist für mich ungeniessbar, aber die Geschmäcker sind halt verschieden.
schneekette
27. Oktober 2016 21:15
@cherusker69

„Die Frage warum sich die Linken durchgesetzt haben ist sehr interessant. Ich glaube das die Globalisierung ihnen in die Hände spielt und natürlich auch die Geopolitik der USA“.

Ich bin mir sicher, es war umgekehrt. Die „Linke“, d.h. die Neo“linke“ spielte den Globalisten in die Hände.

Dafür wurde sie von denen erschaffen, finanziert und installiert.

@Hartwig aus LGB

"Und der Sieg des Starken über den Schwachen, was im Buch oft genug der Sieg des Gemeinen über den Edlen, des Verräters über den Ehrbaren, des Schlauen über den Klugen, des Reichen über den Armen, des Harten über den Weichen bedeutet. Also das rechte Leben, wie es ist".

Sehen Sie, dieser Satz, zumindest missverständlich, ist genau der Grund, warum die Rechte so wenig sympathisch erscheint. Man kann diesen Satz zumindest als das Hohelied der Grausamkeit lesen.

Und da gehe ich nicht mit. Dass das Leben so ist, bestreite ich nicht. Dass das Leben so sein soll, ist mir zuwider. Dass es nur unter "rechten" Bedingungen möglich ist, abzumildern, dass das Harte über das Weiche siegt, ist mein Ziel.

Das ist das rechte Leben.
Platon
27. Oktober 2016 21:31
@Jürgen: Dass die Alt-Right voll von "cooks", Verschwörungstheoretikern und anderen Bekloppten ist, hat Greg Johnson mehrfach selbst beklagt, man braucht dazu nur in seine bisher erschienenen Bücher (Essaysammlungen, das meiste auf Counter Currents zu finden) schauen. Er betont immer wieder, wie wichtig es für die Bewegung ist, "normale" Menschen anzuziehen und präsentieren zu können. Aber die Kommentarspalten kann man ja auch ignorieren, und sich stattdessen auf die präsentierten Inhalte der Autoren konzentrieren.

Hier noch ein anderer Bereich, in dem die Alt-Right als Beispiel dienen kann, bspw. für die AfD, nämlich die richtige und geschickte Nutzung der Social Media .
t.gygax
27. Oktober 2016 21:51
@der_jurgen
Zur Populärkultur: was die Frauen von "les brigandes" musikalisch machen, ist populär, aber ihre Texte sind dermaßen zugespitzt, heftig, wirklich provozierend , dass es kaum fassbar ist.Hören Sie einmal "le grand remplacement" in der unzensierten Fassung bei youtube an, mit deutschen Untertiteln.
Das wäre ein lohnendes Projekt, die mal über den Rhein zu holen.......
Zumal Deutschland im Kulturbereich frankophil ist bis zum geht nicht mehr: seit 10 Jahren ZAZ, sein 25 Jahren Patricia Kaas, seit 50 Jahren Georges Moustaki, Barbara, Francoise Hardy, Georg Brassens etc...sogar der uralte Polnareff schwankt noch auf der Bühne umher....und Reinhard Mey hat in Frankreich angefangen und kam dann erst nach Deutschland.
Vor zwei oder drei Jahren wurde hier im blog mal Jean Pax Mefret vorgestllt, das gab viele Kommentare zur Populärkultur.
Und in Frankreich gibt es sehr verschiedene Musikgruppen, die sich dem "rock identitaire" verbunden fühlen.
Das . was sich hier Rechtsrock nennt, ist in weiten Teilen derart subkulturell, dass es auch die Leute abstößt, die die Inhalte nachdenkenswert finden.
Das ist schade. Statt immer irgendwelcher Redner wäre eine gediegene Rockband mit guten Texten auf Veranstaltungen auch nicht übel.
Richard Cobden
27. Oktober 2016 22:33
Wenn es für den Jungeuropa Verlag eine Nische gibt, dann ist es die Interpretation und Dekonstruktion der Populärkultur aus neurechter Sicht.

Speziell die amerikanischen und englischen Serien werden von Studierenden begeistert kosumiert, d.h. sie sind mit deren Themen, Bildern, Dialogen und Charaktären bestens vertraut.

Es wäre metapolitisch eine großartiger Erfolg, wenn es uns gelänge mit unserer Weltsicht an diese popkulturellen Trends anzuknüpfen.

Zwei Besipiele: In Serien wie Criminal Minds greifen greifen die Ermittler oft auch soziobiologische Erklärungsmuster zurück und in Downton Abbey wird die Gesellschaft aus der konservativen und teils reaktionären Perspektive des englischen Adels interpretiert.

Greg Johnson hat mit seinem "White Nationalist Guide to the Movies" (2 Bände) wertvolle Vorarbeit dazu geleistet, allerdings müsste man bei einer Übersetzung ins Deutsche einige ärgerliche antisemitische Passagen entfernen.
Roman.U
27. Oktober 2016 23:11
Sellners Auftritt ist rein formell nicht zu kritisieren. Er wirkt auch auf einen Unbeteiligten sympathisch. Jedenfalls ist es sehr viel besser als die üblichen reservierten Auftritt von Neurechten vor der Kamera.

Inhaltlich wird aber leider in die vom Gegner gewollte Richtung geschlagen. Herr Sellner stimmte den schwammigen Phantasien von der angeblichen Schuld des Westens für die Zustände vor Ort zu. Man stiess auch gemeinsam in das Horn der Lösbarkeit dieser Probleme vor Ort durch den Westen.

Dabei sind beide Positionen abzulehnen.

Die EU kann beispielsweise gerne solche Schweinereien wie das Leerfischen von afrikanischen Küsten betreiben und trotzdem kommen wir nicht in den Bereich einer tatsächlichen Verantwortung für die Zustände vor Ort, nicht einmal im Ansatz. Die Bevölkerungsexplosion und die aus ihr resultierenden Zustände hat der Westen nur insofern zu verantworten, dass ohne die schlimmen Folgen des Kolonialismus nicht so viele Kinder überlebt hätten. Die Korruption und gegenseitige Gewalt ist ebenfalls den Gesellschaften selbst anzulasten. Wenn die Linke mit Recht darauf hinweist, dass nach dem Krieg irgendwie Niemand in der Partei gewesen ist, wirkt es ulkig, wenn bei im Süden irgendwelche dunklen Fremdmächte die Verantwortung tragen sollen.

Der Kolonialismus ist nach allen Abstrichen als eine gute Sache für die Völker vor Ort zu bezeichnen. Die Eroberungen und Massenmorde gab es auch ohne den verhassten Imperialismus. Den Gedanken, dass solche Praktiken nicht geduldet werden sollten, hat aber eben diese böse westliche Zivilisation in die Welt getragen. Ohne die Gaben des weissen Mannes hätte man nicht einmal die Worte um ihn bezichtigen zu können.

Stimmt man der Geschichte von der Verantwortung zu, hat man moralisch schon verloren.

Der zweite Punkt ist aber wichtiger. Man kann die Probleme vor Ort nicht mehr lösen, jedenfalls nicht ohne massive Gewalt. Der Zug ist schon abgefahren. Hier fällt einem nämlich der Unsinn von der Verantwortung auf die Füsse. Weil man meint, irgendwie die Zustände verursacht zu haben, entsteht auch die Illusion von Eingreifmöglichkeit. Ich will sehen wie die Studiogäste allein den 80.000.000 Millionen Ägyptern Änderungen aufzwingen wollen. Ja, das Geld wird man schon nehmen, um "Fachkräfte" vor Ort auszubilden, so wie seit Jahrzehnten im mit Geld überschütteten Palästina.

Der Zug ist abgefahren. Der Süden hat zu viele junge Männer in die Welt gesetzt, ohne eine Möglichkeit zu einer Selbstverwirklichung. Das bedeutet Krieg. Europa muss die Folgen dieser Idiotie nicht ausbaden, weder moralisch, noch wirtschaftlich, noch als Schauplatz. Schlimmer noch: Europa kann es einfach nicht, weder von der Moral her, noch von der Wirtschaft, noch als Schauplatz.
deutscheridentitärer
27. Oktober 2016 23:34
Nur ganz kurz OT:

Es gibt eine deutsche Serie, die mit den amerikanischen mindestens (!) mithalten kann:

Im Angesicht des Verbrechens von Dominik Graf

http://www.zeit.de/2010/16/Dominik-Graf

Es ist eine ebenso künsterlisch wertvolle wie subversiv rechte Serie.


Breaking Bad, Game of Thrones etc. bleibt deutlich hinter diesem Meisterwerk zurück.
Der_Jürgen
28. Oktober 2016 00:28
@t.gygax

Die Brigandes kenne und schätze ich. Mit meinem abfälligen Urteil über "rechten Rock" habe ich die nicht gemeint. Ich dachte z. B. an Ian Stuart und seine Nachahmer.
G.W.
28. Oktober 2016 00:40
Ein paar Ergänzungen zu den vielen bedenkenswerten Kommentare vor mir.

1. Was die Alt-Right den deutschen Rechten wirklich voraus hat, ist nicht nur Leichtigkeit und Humor, sondern vor allem der erste Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung. Genau hier kommt man nicht an der "JQ" vorbei...

2. Amerikanische Populärkultur ist natürlich handwerklich und dramaturgisch besser gemacht. Dies wiederum aber die linksliberale, gesellschaftspolitische Propaganda nur effektiver macht, nicht weniger geschmackloser und zerstörerischer

3. Die harte Alt Right (1488er) hat ihren Platz und ihre Funktion, ist aber nicht übertragbar (siehe Punkt 1.). Im Kern bin ich überzeugt, dass diese Schocktruppe ähnlich erfolgreich bei der Nachwuchsrekrutierung ist, als schöne Artikel zum traditionalistischen Aspekten des letzten Hollywoodfilmchens. (Schlagwörter Trolling und Shitposting).

4. Kritik an der überzogenen Kritik der Kommentatoren an der neuen Rechten in Deutschland. Jeder durchschnittliche Beitrag von Lichtmesz auf dieser Seite ist oft mit popkulturellen Verweisen gespickt und oft sehr komisch. Schwarzer Galgenhumor und manchmal sardonisch, aber lustig.

PS Freue mich auf das Batmanbuch von Johnson, hab aber schon eine Zeit lang nichts mehr darüber gehört.

PPS GRR Martin ist ein linker Romantiker. Seine Welten sind grausam, aber nie hoffnungslos und die Menschen zu gutem fähig @Hartwig aus LG8
G.W.
28. Oktober 2016 00:43
PPPS In Deutschland noch recht unbekannt, aber in Amerika ein neuer, steil aufsteigender Stern der Alt Right: Lawrence Murray

https://atlanticcenturion.wordpress.com/
Rabenfeder
28. Oktober 2016 04:38
@ John Haase

tatsächlich gibt es sehenswerte amerikanische Fernsehserien;
Breaking Bad sei als ein herausragendes Beispiel genannt.

Sie schreiben jedoch:

„Wie sähe ein deutsches Downton Abbey aus? Warum könnte man das ebenfalls nicht drehen?“

Ist Downton Abbey ihnen ein Beispiel für eine gute Serie, die nicht belangloser Müll ist? Ich sag' es mal angriffslustig frei heraus: Wer eine seichte Seifenoper mit erschreckend schwachen, schablonenhaften Charakteren mag, wo sich bei tatsächlich beeindruckendem Produktionsaufwand und in tollen Kostümen ein feuchter Tory-Traum auf den Bildschirm ergießt, man beachte das fiese und hinterhältige Dunkelvolk und die treuen Diener-Seelen downstairs sowie die edelmütige Oberschicht upstairs, der kommt hier voll auf seine Kosten. Für weniger Enthusiastische kann selbst eine Maggie Smith in diesem leichtgewichtigen Propaganda-Märchen nichts mehr retten!

Das soll eine rechte Produktion sein? Wenn wir alle derart rechts werden sollen, dann muss man sich ja ernsthaft mit dem Gedanken tragen, links zu werden...

Ich hörte auch davon, dass True Detectives (gemeint war die erste Staffel mit Harrelson und McConaughey) eine exzellente und irgendwie rechte Fernsehserie sei, die sich wohltuend vom Mainstream abheben würde.
Es soll sich jeder sein eigenes Bild machen und sich dem filosofisch dunklen Genuschel und seltsam bizarren Ehegesprächen für acht Episoden aussetzen; aber in welchem inzestuösen Kreis die Detektive schließlich fündig werden, kann für uns keine Überraschung sein und findet man so tausendfach im Mainstream. Wenn ich ein Urteil sprechen wollte, dann sehen wir einen in die Länge gezogenen und professionell gemachten und schon durch den betriebenen Aufwand besseren und sehr amerikanischen Tatort, aber kaum mehr.

Ist das das neue, alternative rechte Fernsehen?

Oder Game of Thrones? Eine Serie mit guten Momenten, beinahe ausschließlich in den ersten Staffeln konzentriert, die mitnichten rechts ist -oder sind Gewalt und Titten rechts?- , sondern schlicht Mainstream und ganz ohne zu erwartenden Überraschungen, außer im Detail, wenn uns schließlich die gerechte Herrschaft triumphal im Serienfinale verkündet werden wird. Ich beziehe mich auf die Fernsehserie; Im Lied von Eis und Feuer bin ich im ersten Buch stecken geblieben. Obwohl George R. R. Martin selbst ein Fan sein soll, ist er sicherlich kein neuer Jack Vance.

Der (Jack Vance) erscheint mir übrigens ein echter rechter Autor zu sein: Phantastisch und mit einer übersprudelnden Vorstellungskraft, freiheitsliebend und heimatverbunden, im besten US-amerikansichen Sinne positiv, zukunfts-zutraulich und zutiefst romantisch, mitunter auch mal naiv, aber vor allen Dingen mit einem gesunden rechten Menschenverstand gesegnet.

Als Einstieg für Interessierte (unbedingt im Original lesen!) empfehle ich Alastor mit drei kurzen Romanen, oder die Cadwal-Chronicles. Für Fortgeschrittene The grey prince und den Demon prince-Zyklus. Auch der Planet of Adventure ist unbedingt eine Reise wert. Und die Lyonesse-Saga war meine erste Berührung mit Vance, der in Europa (Niederlande, Frankreich z.B) populärer als in den Staaten zu sein scheint.

Für mich als Jack Vance-Liebhaber sind aber Cugel the Clever und auch Rhialto the Marvellous und überhaupt die Dying Earth-Serie, sein eher anarchisches Frühwerk, die eigentlichen Leckerbissen. Doch nach diesem Ausflug in die Pop-Culture wenden wir uns wieder dem Ernst...Jünger zu und den Stahlgewittern des rechten Lebens:
Rabenfeder
28. Oktober 2016 04:43
@ Richard Cobden


Sie schreiben:

„Greg Johnson hat mit seinem „White Nationalist Guide to the Movies“ (2 Bände) wertvolle Vorarbeit dazu geleistet, allerdings müsste man bei einer Übersetzung ins Deutsche einige ärgerliche antisemitische Passagen entfernen.“


Mich dünkt, eine derart kastrierte alternative Rechte für den deutschen Duckmich-Hausgebrauch ist weder alternativ noch rechts und so überflüssig wie ein Kropf.
Hartwig aus LG8
28. Oktober 2016 06:50
@Schneekette schrieb:
""Sehen Sie, dieser Satz, zumindest missverständlich, ist genau der Grund, warum die Rechte so wenig sympathisch erscheint. Man kann diesen Satz zumindest als das Hohelied der Grausamkeit lesen.""

@Schneekette:
Mit "rechtem Leben" meinte ich in dem Satz "richtiges Leben". Soweit eventuell missverständlich.
Aber Sie eröffnen ein weites Feld; die Zumutbarkeit einer Rechten Lebensweise, einer Rechten Auffassung, bzw. dessen, was viele darunter verstehen. Viele unserer Landsleute ordnen eine marktliberale Wirtschaft eher Rechts zu.
Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte sollte einem denkenden Menschen eines Besseren belehren. So sollte jeder wissen, dass man unter Deutschtum durchaus auch die kooperativen Elemente der deutschen Nationalökonomie verstehen kann.
Dennoch müsste der Sozialstaat reformiert werden - nicht nur hin zu einem nationalen Sozialstaat, auch hin zu einem fordernden Sozialstaat. Das Prinzip einer allgemeinen Niveauanhebung sollte Ziel sein. Das Entstehenlassen eines Proletariats, heute Prekariat genannt, war ursprünglich nicht der deutsche Weg.
Linke Politik, nicht zu verwechseln mit sozialistischer Politik (die u.U. auch Rechts sein kann), war es letztendlich, die zum jetzigen Zustand führte. G. Kubitschek hat Richtiges gesagt, so dass ich ihn hier zitieren will:

""Heute kann alles abgefedert werden. Jeder Schicksalsschlag, jede falsche Entscheidung im Leben kann abgefedert werden dadurch, dass man unendliche Mengen Kompensationsmaterie nachkippen kann – zum Beispiel, um eine völlig verranzte Erziehung zu kompensieren. Das sieht man hier an den Schulen überall. Man erzieht die Leute nicht mehr, sondern man kompensiert, wenn sie verzogen rumstehen und noch nicht mal eine simple Lehre absolvieren können. Die werden mitgeschleppt auf Teufel komm raus, die hungern und frieren nicht, die spüren von klein auf: Es geht immer ziemlich komfortabel weiter. Es wird immer alles kompensiert. Da hat dann der konservative Begriff vom Leben, unser Begriff vom Leben, überhaupt keine Chance mehr. Überhaupt in die Tiefe vorstoßen zu können ist ja nurmehr ein frommer Wunsch. Die Aushebelung des Schicksals, die Aushebelung der falschen Entscheidung hat das Konservative an sich zerstört. Also die Hierarchie, die Würdigung der besseren Leistung, die Würdigung der besseren Erziehung, die Würdigung der Anstrengungsbereitschaft, die Würdigung dessen, der Schmerz aushalten, der sich zusammenreißen kann, das ist ja alles passé. Sich nicht zu verkrümeln, wenn’s drauf ankommt – das spielt keine Rolle mehr. All das, was ein Konservativer unterschreiben kann als notwendiges Sortierungskriterium innerhalb einer Gesellschaft – wenn das alles ausgehebelt ist, dann haben wir, mit unserer Weltanschauung, überhaupt keine Chance mehr. Das Schlimmste, was uns geschehen kann, ist das energetische perpetuum mobile, also dass es mit den materiellen Kompensationsmöglichkeiten immer weiter geht.""
schneekette
28. Oktober 2016 08:58
@Hartwig aus LGB

Zustimmung. Ich wollte auch keinen Angriff gegen Sie fahren, sondern war mir schon sicher, Sie richtig verstanden zu haben. Mir ging es um die Missverständlichkeit der Aussage. Und um einige "Rechte" (oder sind das nicht eher "Liberale"?), die tatsächlich das Hohelied der Brutalität singen.

Zur Präzisierung meiner Ausführungen:

Das was ich will, ist ausschließlich unter rechten Bedingungen möglich.
Martin Bode
29. Oktober 2016 14:08
"Der Kolonialismus ist nach allen Abstrichen als eine gute Sache für die Völker vor Ort zu bezeichnen. Die Eroberungen und Massenmorde gab es auch ohne den verhassten Imperialismus. Den Gedanken, dass solche Praktiken nicht geduldet werden sollten, hat aber eben diese böse westliche Zivilisation in die Welt getragen. Ohne die Gaben des weissen Mannes hätte man nicht einmal die Worte um ihn bezichtigen zu können."


Was war denn gut an dem Kolonialismus? Der afrikanische Dreieckshandel? Die Sklaverei? Die Ausbeutung? Die willkürlichen Grenzziehungen nach der Entlassung in die Unabhängigkeit, plötzlich einen Staat organisieren zu müssen, ohne die Möglichkeit Erfahrungen sammeln zu können, ohne die notwendige Bildung zu besitzen - also all das, wofür Europäer Jahrtausende Zeit gehabt haben?

Eurozentrische Zivilisation ist kein Synonym für Glückseligkeit. Die Völker sind bestimmt nicht "glücklicher" als vorher.

Auf die Gabe des weißen Mannes konnten die Hochkulturen in Ägypten, zwischen Euphrat und Tigris, Zentralasiens, Chinas, Südosasiens Kmers, Indiens, der Mayas/Atzteken/Inkas in Amerika verzichten. Das hat auch ohne weiße Hautfarbe funktioniert, während Europa noch gänzlich unzivilisiert war.

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