08. November 2016

Wer das Schwert gegen das Volk erhebt ... Adnoten zu Marcel Beyer und Georg Büchner

von Ellen Kositza / 23 Kommentare

So wie ein Volk sich einmal über dem Fremden vergißt, so wie es seinen Nationalcharakter, das Band, das es zusammenhält, aufgibt, so wie es einmal in geistiger Bildung der Sklave eines andern wird, so geht auch leicht die politische Freiheit unter, auf die ihr stolz jetzt pocht…!


Dies Deutsche, dies wird euer Los sein; wenn ihr euch jetzt nicht zu neuem, kräftigen Leben wieder erhebt, wenn ihr nicht wieder bald anfangt Deutsche zu werden, wenn ihr euch nicht eure Nationalität, rein und geläutert von allem Fremden wieder erwerbt, werden eure Nachkommen sich eures gebrandmarkten Namens schämen und untergehen werdet ihr ein Spott der Nachwelt und der Gegenwart.

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Schon klar: Nicht mein Stil. Zur (sicher vergeblichen) Irreführung habe ich aus „Teutsche“ „Deutsche“ gemacht. Wer war’s also? Hitler? Also bitte, nein! Der Arndt, Ernst Moritz? Oder… Nein, nein: Georg Büchner. Namensträger des renommiertesten deutschen Literaturpreieses. Ein, hm, Liberaler eigentlich.

Schrieb ich nicht neulich, das leidenschaftliche Rennen durch sperrangelweit geöffnete Scheunentore sei gleichsam eine condititio sine qua non, um hierzulande eine begehrten Kulturpreis zu ergattern? Damals ging es um Carolin Emcke, frischgekürte Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, und um ihre Rede. Nun geht es wieder um Reden (vulgo: Geschwätzwissenschaften, wie Inhaber nichtgeisteswissenschaftlicher akademischer Titel gern sagen). Genauer: Um Marcel Beyer, frischester Büchnerpreisträger. Noch genauer aber: Um die personifizierten Halterungen, die dafür sorgen, daß das Scheunentor nicht zuklappt, während der Traktor in die Hütte bzw. den Palast einfährt.

Der Traktor, das wäre hier Marcel Beyer. Geboren 1965 auf der Schwäbischen Alb, seit zwanzig Jahren Wahldresdner, Poet. Träger des Kleist-, des Oskar-Pastior-, des Erich-Fried-Preises, usw.usf. In der Wochenzeitung für Debatte (JF) machten sie vergangene Woche Beyer unbarmherzig nieder: Die Preisvergabe als Schandmal, gewissermaßen. Hier, in der Sezession, wurde Beyer differenziert und sehr unterschiedlich beurteilt (siehe Sez. 65/2015 und Sez. 28/2009).

Nochmal O-Ton Büchner, Hessischer Landbote, Novemberfassung:


„Ich sage euch: Wer das Schwert gegen das Volk erhebt, wird durch das Volk umkommen. Das Volk ist ein Leib, ihr seid ein Glied dieses Leibes. Es ist einerlei, wo diese Scheinleiche zu zucken anfängt. Wann der Herr euch seine Zeichen gibt durch die Männer, durch welche er die Völker aus der Dienstbarkeit zur Freiheit führt, dann erhebt euch und der ganze Leib wird mit euch auferstehen.“

Marcel Breyers Dankesrede zum Erhalt des gutdotierten Büchnerpreises wurde allenthalben gelobt. Drei Anmerkungen dazu:

1: Warum hat bislang niemand Beyer als Bundespräsidenten ins Spiel gebracht? Im meistgebrauchten Photo zur Dankensrede sieht er ja bereits aus wie ein Gauck junior!

2: Beyers Rede war natürlich (so ist das bei solchen Staatselitepreisen) an die superintellektuellen 0,2% des Volkes gerichtet. An die, die sofort wissen, was Beyer beispielswiese mit seiner Anspielung auf „jenen Hund mit der graphitgrauen Schnauze“ meinte, den „ Goya in seiner Quinta del Sordo in den Putz gezeichnet hat.“ Ich wette, daß 50% der illustren Hörerschaft artig schmunzelten, wiewohl sie sich rein gar nichts unter Goyas Graphithund vorstellen konnten. Daß sie weiterschmunzelten, als Beyer gegen jene Menschen ätzte, die „auf dem Nationalschlauch stehen dürften“, weil sie nie von einem „Fela Anikulapo Kuti“ gehört haben. (Es ist davon auszugehen, daß 95% der Zuhörerschaft der Name Fela Kuti nichts sagt.)

3., und in meinen Augen bedeutsam: Die (allesamt wohlgefälligen) Kommentatoren zur Beyerrede unterstellten dem Poeten Eigenschaften, die ihm lesbar abgehen. Zunächst Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Sie, als Laudatorin, empfand Beyer als „Provokateur“ (gegen was?) als „Verwegenen“ (inwiefern?):

Wir brauchen, davon bin ich überzeugt, die provozierenden Künstler, die verwegenen Denker. Wir brauchen die Utopien, die sie entwerfen, die Phantasie, die sie antreibt. Aber auch die Schärfe ihres Verstandes. Sie verhindern damit, das intellektuelle Trägheit, argumentative Fantasielosigkeit und ja, auch politische Bequemlichkeit die Demokratie einschläfern.


Die Künstler, so Grütters, seien imstande, die Gesellschaft vor


gefährlicher Lethargie und damit auch natürlich vor neueren gefährlichen Anwandlungen zu bewahren.


Dieses Raunen! „Gefährlich!“ „Lethargie!“ „Provozierende Künstler, verwegene Denker!“ Ich sehe keinen, der hierzulande für genau diese Eigenschaften mit Preisen überhäuft wird. Ich sehe nur selbstgefällige, intellektuell träge und argumentativ fantasielose Staats- und Kulturcliquen, die ihresgleichen einseifen.

Was also meint Grütters? Inwiefern genau empfiehlt sich gerade Beyer für solche Eigenschaften und Taten? Ich meine: Ja, Beyer rühmt den Rebellengestus eines Büchner und mimt ihn. Wie? Indem er jene „Zeitgenossen“ blamieren will die „vor lauter Nationalempfinden schwitzen“, die eine „grundverunglückte Heiligabendsprache zelebrieren, die Deutschlandretter mit einem Dschihadistenernst zelebrieren, daß mir das Blut in den Adern gefriert. (…) Büchner beruhigt mich. Er redet mir gut zu.“

Ach ja? Hier etwa, Büchner im April 1833 an seine Familie:


„Meine Meinung ist die: Wenn in unserer Zeit etwas helfen soll, so ist es Gewalt. (…) Man wirft den jungen Leuten den Gebrauch der Gewalt vor. Sind wir denn aber nicht in einem ewigen Gewaltzustand? Weil wir im Kerker geboren und großgezogen sind, merken wir nicht mehr, daß wir im Loch stecken mit angeschmiedeten Händen und Füßen und einem Knebel im Munde.“


Gut. Beruhigend für Herr Beyer. Sein durch tumbe "Deutschlandretter" geforenes Blut fließt nach solcher Lektüre also wieder brav durch die Adern.

Dann, Betrachtung aus NZZ:


Dem Ruhme Büchners liess der Preisträger am Ende einen Abgesang auf das «Spreizdeutsch» und die «Heiligabendsprache» (…) Das galt, ohne Namen zu nennen, der Rhetorik von Pegida, die den «Sprachsäufer» Beyer schlucken und speien lässt, blieb aber selbst als Polemik noch überaus kunstreich. Eine erstaunliche Rede!


Stimmt insoweit: Das Wort „Pegida“ fiel nicht. Aber, was heißt hier „speien“? Es ist ein Synonym für „pöbeln“, oder? Also pöbelt Beyer. Hübsche Augenhöhe mit denen, die er verhöhnt! Und Büchner selbst?


Soweit ein Tyrann blicket, verdorret Land und Volk. Aber wie der Prophet schreibt, so wird es bald stehen in Deutschland: Der Tag der Auferstehung wird nicht säumen. In dem Leichenfelde wird sichs regen und wird rauschen und der Neubelebten wird ein großes Heer sein. Die besten Männer aller großen Stämme des großen deutschen Vaterlandes werden (…) sich versammeln, um, da, wo die babylonische Hure, der Bundestag, nach dem Willen der Götzen Recht und Wahrheit verhöhnt, christlich über Brüder regieren.


Zuletzt lassen wir die fraglos hochtalentierte Mara Delius (Welt)zu Wort kommen:


Was aber ist, wenn das, was einen umgibt, gerade nicht hell scheint, sondern dunkel, schwer in die Sprache, mit der man sich befasst, sickert und trieft; wie lässt sich heute, jetzt, wenn „Identitäre“ und „Völkische“ in ihr umhertönen, über das Deutsche sprechen? Dass sich diese Frage überhaupt wieder stellt, ist zunächst widerlich und dann interessant.


Delius weiter:


Der Autor als Mahner, der sich den dunkel-tumben Gedanken Parolenpöbelnder entgegenstellt, sicher, dachte man sich weiter hinten, aber was heißt das nun genau (…)?


Ja, was?

Ein letztes mal Höcke, äh, Büchner:


„Das ganze deutsche Volk muß sich die Freiheit erringen. Und diese Zeit, geliebte Mitbürger, ist nicht fern.- Der Herr hat das schöne deutsche Land, das viele Jahrhunderte das herrlichste Reich der Erde war, in die Hände der fremden und einheimischen Schinder gegeben. (…) Der Herr wird auch die Götzenbilder unserer einheimischen Tyrannen zerbrechen durch die Hände des Volks.“


Abschließend nochmal Beyer über Büchner:


Über das selbstbesoffene Eierlikördeutsch seiner Zeitgenossen – süßlich, klebrig, sittenrein – kann er nicht mal mehr lachen, "das ästhethische Geschlapp" steht ihm "bis am Hals".


Mit dem klebrigen Eierlikördeutsch und dem rezenten verbalen Geschlapp hat sich Manfred Kleine-Hartlage mustergültig (Büchner hätt’s gefallen!) in seiner Sprache der BRD auseinandergesetzt. Aber Beyer? In seinen schlechteren Texten praktiziert er’s ja selbst.

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (23)

t.gygax
08. November 2016 21:36
Es galt den Männern aller Zeiten
als ihres Strebens schönster, höchster Lohn
fürs Vaterland zu kämpfen und zu streiten
als ganzer Mann und als getreuer Sohn

Und rief die Not sie alle auf zur Wehre
da fehlte keiner in den wackren Reihn
sie waren stolz sich auf dem Feld der Ehre
mit Leib und Blut dem Vaterland zu weihn

Doch heute sind verhallt die Kampfeslieder
herein bricht eine neue feige Zeit
erbärmlich murmeln sie: die Waffen nieder
genug genug wir wollen keinen Streit

Das sind die ersten drei Strophen des Gedichtes "Antwort auf den Ruf " Die Waffen nieder"

Verfasser : Rainer Maria Rilke

Na, das haben die Macher des Rilke-Projektes (war damals eine gute Sache) oder die Interpreten des "Panther-Gedichtes" wohl auch noch nie gelesen......
Maxx
08. November 2016 21:37
Haha, Spitze. Die gegenübergestellten Büchner-Zitate sprechen für sich. Da hat er ein ziemliches Eigentor geschossen, der talentierte Mr. Beyer.
Und Beyer fällt hinab. Hinab. Hinab.
Rumpelstilzchen
08. November 2016 21:42
Auf mich wirkt's irgendwie komisch:
https://m.youtube.com/watch?v=RAx0P-8n5K4

Darauf einen Eierlikör !
Wer Sorgen hat, hat auch einen Eierlikör ....hurz...
Nemo Obligatur
08. November 2016 21:44
Das ist eine treffliche Aufmunterung am Abend, Frau Kositza. Den Namen des Preisträgers will ich mir gar nicht merken müssen. Er gehört zur intellektuellen Nachhut, während die Klügeren sich schon in irgendeine Toscana abgesetzt haben. Man kann aber durch jede Zeile Ihrer feinen Betrachtung lesen, dass die alte Zeit an ihr Ende gekommen ist. Marx, Hegel, Lenin - die hätten es sofort gewusst: Wer so verknöchert und verholzt ist, wie unsere "Elite", der hat gründlich abgewirtschaftet und wird nächstens im Orkus der Geschichte verschwinden. Mags auch noch ein Jahrzehnt dauern, das Ende ist nicht zweifelhaft.
Aristoteles
08. November 2016 22:01
"Es ist möglich, daß der Deutsche noch einmal von der Weltbühne verschwindet; denn er hat alle Eigenschaften, sich den Himmel zu erwerben, aber keine einzige, sich auf Erden zu behaupten, und alle Nationen hassen ihn wie die Bösen den Guten. Wenn es ihnen aber wirklich einmal gelingt, ihn zu verdrängen, wird ein Zustand entstehen, in dem sie ihn wieder mit den Nägeln aus dem Grabe kratzen möchten."

(Friedrich Hebbel, Tagebücher, 4.1.1860)
Paul
08. November 2016 23:29
In derartigen Sphären wird die Luft derweilen recht dünn. Kanonenbootpoesie, Pathos und Standesdünkel auf beiden Seiten der Frontlinie, Intellektuelle Hochruestung am eisernen Bücherregal. Bloß ein paar Assoziationen meinerseits.
Stil-Blüte
09. November 2016 02:41
@ Rumpelstilzchen
Huurz!


Da haben Sie bei mir für eine schöne Erheiterung gesorgt.

@ Ellen Kositza
Schon als Gymnasiast, der Marcel Beyer ja recht eigentlich bis heute geblieben ist, soll er prätentiös, altklug, streberhaft gewesen sein und so 'verknöchert und verholzt', also wie Joachim Gauck ausgesehen haben. Er weiß viel, aber nichts sagt ihm was. Auch folgendes wäre in seiner Rede tendentiell als Material nur gebraucht, verbraucht, mißbraucht worden:

Die nationalliberale deutsche Studentenvereinigung Germania in Zürich ließ Georg Büchners sterbliche Überreste 1875 vom aufzulösenden Friedhof in ein Ehrengrab auf dem Germania-Hügel, Treffpunkt der Studenten, umbetten, ja retten.

Ein großer Zug von Studenten und Verehrern kam zur Einweihung des Grabes, es wehte die schwarz-rot-goldene Flagge und eine deutsche Linde wurde gepflanzt. 2010 wurde das Grab vollständig saniert und die vom Sturm umgestürzte Linde durch eine neue ersetzt.

Wanderer, kommst Du nach Zürich, steig auf den Rigliberg und erweise Georg Büchner mit Waldblümchen aus dem Wald nebenan eine liebevollere Ehre als Marcel Beyer mit seiner Rede!
Trouver
09. November 2016 04:28
Ich, als Freiheitlicher, genoss den Text ganz besonders.

Herzlichsten Dank, liebe Ellen Kositza!
Großstadtpauker
09. November 2016 06:36
06:34 Uhr , Sieg an allen Fronten , Overlord Trump gewinnt die Wahl und ich freue mich auf ganz viele Tränen !
neuewelt
09. November 2016 07:22
Entschuldigung, es passt nur bedingt zum hiesigen Faden, aber es muss einfach raus:

Ich bin so glücklich!

Der vom linken Establishment, der Wall Street, den Globalisten, den roten Zeitungsschmierern, der EU, Merkel, und von allen Volksverräter so extrem gehasste und bespuckte Donald Trump ist neuer US-Präsident.

Gratulation! Danke, USA, Ich hätte nie gedacht, daß es von dort aus losgeht, aber ich freue mich irsinng gleich die bedröppelten Gesichter meiner linken Gutmenschen-Kollegen sehen zu dürfen....riesig. Toll. Großartig.

Jes, we can!

So, und ab jetzt weht ein neuer Wind von rechts....das kann ich euch mal flüstern, ihr linken Zecken.

Ab jetzt ist die politische Rechte weltweit massiv auf der Überholspur, jetzt kommen wir.
Ab jetzt werden wir aufräumen und eurer multikulturelles Gebilde und euren verkommen Kulturmarxismus angreifen, zerstören und für immer auf den Müllhaufen der Geschichte verdammen.

Es geht los!
KW
09. November 2016 08:18
Danke, Frau Kositza, daß der Büchner so patriotische Worte fand in einer leidvollen Zeit fand, war mir neu. Ich hatte ihn in der DDR nie gemocht wegen seines Gewäschs für die Armen. Damals war ich im Gleichmachstaat eher für soziale Unterschiede nach dem Motto: Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott. Habe es hier in der BRD auch im klein-klein verwirklichen können. Ich werde mich mit Büchner und seiner Zeit beschäftigen, dafür vielen Dank einer Generation, die geschichtlich seit 70 Jahren im Dunkeln tappen mußte.
bran
09. November 2016 08:49
Heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit. Das Radio läuft seit Jahren wieder mal im Auto, weil man sich ja nichts entgehen lassen will nach der überall so genannten "historischen Wahlnacht".
Überraschung: Dünne Radioreporterstimmchen, betroffen und fast am brechen, erzählen vom Undenkbaren. Die amerikanischen Wähler haben sich nicht um die Gefühle des hiesigen Journaillengesocks geschert, nein, sie sind regelrecht darauf herumgetrumpelt.
Fassungslosigkeit, Enttäuschung und Erklärungsversuche blubbern aus den Radioboxen, verkleben das Fahrzeuginterieur und wollen sich in mein Gehirn schleimen.
Und mit Etwas Verspätung stelle ich fest, dass sich auf meinem Gesicht ein fettes, böses Grinsen ausgebreitet hat. Ich habe schon lange nicht mehr gelacht, wenn Andere weinten, aber heute fühlt es sich gut an.
Dietrich Stahl
09. November 2016 10:22
Liebe Ellen Kositza,

Danke für Ihre Büchner Worte, die der Dichter heute geschrieben haben könnte.

Besonders Ihr letztes Zitat verdient eine Wiederholung:

„Das ganze deutsche Volk muß sich die Freiheit erringen. Und diese Zeit, geliebte Mitbürger, ist nicht fern.- Der Herr hat das schöne deutsche Land, das viele Jahrhunderte das herrlichste Reich der Erde war, in die Hände der fremden und einheimischen Schinder gegeben. (…) Der Herr wird auch die Götzenbilder unserer einheimischen Tyrannen zerbrechen durch die Hände des Volks.“


Prophetische Worte. Die an Kraft gewinnen durch das kleine Wunder, das wir gerade erleben.

Katja Ebstein - Wunder gibt es immer wieder

https://www.youtube.com/watch?v=veEHPthI3kY

Fast alle in den USA waren gegen Trump – außer seinen Wählern.
Diese Wahl ist ein Zeichen. Nicht nur für Amerika.

Ellen Kositza, Ihr Kürzel EK bedeutet in Sanskrit das Eine. Im Sinne von der Heilige Geist. Die Verbindung mit der Wahl des deutschstämmigen, konservativen und nationalen Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten geben „Ihren“ Büchner Worten eine besondere Bedeutung.

Das war heute Morgen eine freudige Überraschung für mich.

Für die meisten deutschen Politiker ist der Sieg von Trump ein Schock. Es gibt Ausnahmen.

Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments:

Es gibt eine weltweite Welle des Protestes gegen die etablierte Politik.
Man darf die Leute, die Trump gewählt haben, nicht beschimpfen. Viele haben Sorgen, die man ernst nehmen muss.


Der Wind hebt an zu wehen.

Der Trump Sieg kann ein Zeichen für die Verzagten und Pessimistischen sein.

In Deutschland, für das deutsche Volk, die deutsche Nation, ist Veränderung möglich.

Nena - Wunder gescheh´n

https://www.youtube.com/watch?v=6vaGV9wBmt0

Freiheit und Wahrheit sind ewig und unzerstörbar.
Th. Wawerka
09. November 2016 12:31
Auch erheiternd und ermutigend:
https://www.youtube.com/watch?v=DglTb-HATQQ
Westpreuße
09. November 2016 18:27
Liebe Frau Kositza,

da ist Ihnen ja ein richtiger Coup gelungen!
Man(n) meint immer, etwas oder jemanden zu kennen...und lernt doch noch etwas dazu! Besten Dank für die erweiterte Sichtweise...

Es ist aber schwer für uns Heutige, Georg BÜCHNER richtig einzuordnen. Auf jeden Fall: Die obig Geehrten, die sich gegenseitig ehren und mit seinem Namen schmücken, könnten keine freiheitlichen Gesinnungsgenossen von ihm gewesen sein. Ich glaube, er würde sich das ganze Theater verbitten...

Eigentlich müßte man einen "Alternativen-Georg-Büchner-Preis" ins Leben rufen. Geringes Preisgeld, aus Spenden finanziert, zwei Übernachtungen in einem besseren Dorfgasthof; Preisverleihung immer am 17. Juni, immer unter freiem Himmel, immer an einem anderen Flecken Erde in Restdeutschland...Buffet: Schnittchen, Kaffee, Tee, Wasser, Bier, Wein (falls in der Region vorhanden), dazu einen Schlag Suppe mit trocken Brot, wer will.. (er war ja ein Ruheloser, daher dieses "Setting"...).

Aber Büchners Leben kann man ja nur verstehen auf dem Hintergrund seiner damaligen Zeit. Sein Leben legt sich also wie eine Folie auf die Folie der damaligen politischen Zustände, wie er sie sah, erlebte, erlitt...
Der handelnde Mensch, den geschichtlichen Zeitumständen ausgeliefert, so Büchner: "Schaum auf der Welle", trotzdem zum Handeln aufgerufen...

Das Fremde: Wohl keine Fremden für ihn, die aus fernen Ländern kamen, sondern das Fremde im Gewand der Herrschenden und ihrer Büttel, damals...

Ähnlich wie Heinrich Hoffmann von FALLERSLEBEN, auch ein sich fremd Fühlender, unruhig zwangsläufig, weil aus einem deutschen Land in ein anderes deutsches Land vertrieben, fliehend, bis er sein Leben im Schloß Corvey bei Höxter an der Weser, als Bibliothekar fristen konnte. Dortselbst ist er auch begraben. Zweimal habe ich ihn besucht und ihm meine Achtung gezollt. Einfach bei einer Fahrt auf der Autobahn A 2 Ruhrgebiet...Berlin einen Schlenker machen.
Das Grab war immer gepflegt, schlicht und einfach:
WIE KÖNNT ICH DEIN VERGESSEN auf der Grabstele, aus einem seiner Gedichte, das Vaterland betreffend:

Hier:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f2/Hoffmann_von_Fallersleben.grave.Corvey.JPG

Büchner und Hoffmann von Fallersleben. Ich habe leider nicht herausfinden können, ob die beiden sich jemals begegnet sind. Einige Jahre nach Büchners Tod dichtete er ja sein "Lied der Deutschen" auf Helgoland;
er hat Büchner noch viele Jahre überlebt, eher ärmlich lebend, aber geschützt durch seinen Gönner...
: Grüße von der Weichsel
Chris Benthe
09. November 2016 18:29
Das Gute an der Karawane: sie zieht weiter.
Darauf mal einen Eierlikör, ich schwör'.
Stil-Blüte
09. November 2016 19:50
@ Th. Wawerka

Nununuuu


Nicht wenige Steimle nehmen sich die Narrenfreiheit heraus, zu sagen, was sie denken. Aber - wo ist sein König, sein Souverän, sein Volks-Vertreter, der fähig wäre, den Worten zu lauschen? In dieser Runde jedenfalls sitzen nur Hofschranzen, Schauspieler, , Alimentierten, Wegelagerer an den fetten Weiden der Steuerzahler.

Herr Steimle, das Volks wird wieder souverän/ein Souverän und kein Pack sein. Nununuu!
Urwinkel
10. November 2016 02:18
Diese Meldung ging vielleicht etwas unter im seifigen Herbstpreisverleiungsregen:

Frau Grütters offenbarte jüngst, sie hätte "noch nie ein Buch online gekauft".

Die Grinsemieze hier im Aufmacherfoto, Link:

"Monika Grütters vergibt Buchhandlungspreis"

http://www.deutschlandradiokultur.de/monika-gruetters-vergibt-buchhandlungspreis-ich-habe-noch.1008.de.html?dram:article_id=367739

Der Radioartikel vom 05. Oktober steht zum Hören und Lesen online.

Zwei Zitate daraus:

"Es geht um kulturelle Vielfalt, es geht um Meinungsvielfalt, Demokratieverständnis, um Austausch und auch mal um kritische Anregungen - die finden Sie ja nicht, wenn Sie alleine vor einem Bildschirm sitzen."


"Mir macht das keinen Spaß. Ich brauche den Spaß der sinnlichen Anmutung. Ich brauch' den Spaß des Gespräches und ich möchte die Bücher sehen, die ich noch nicht kenne und die ich dann vielleicht kennenlerne und mit nach Hause nehme."


Anmerkung dazu: Bücher kaufe ich nicht aus Spaßlaune. Das ist das Feld der Trödelmärkte. Ich suche auch keine ablenkenden "Gespräche" während des Stöberns. Und überhaupt finde ich die "innhabergeführte Buchhandlung" meines Vertrauens erst einen Tagesausflug weit entfernt.

Ende.

(erinnert an Merkels Gequatsche vom Internet-Neuland)
Ludwig Witzani
10. November 2016 06:08
Die Anzeichen einer sich andeutenden Zeitenwende sind kaum noch zu übersehen. Mitten in der höchsten Gischt läuft die rotgrüne Wirklichkeitsüberfremdungsflotte mit ihren Flaggschiffen „Massenmigration“, „Euro“, „Klimawandel“ und „Gender“ plötzlich auf Riffe. Sie erscheinen völlig unerwartet vor einer Küste, die man als ruhig und einladend und leicht besetzbar eingeschätzt hatte. Zuerst waren es viel kleine Riffe, die die Namen sogenannter "rechtsextremistischer Parteien" trugen. Dann erschien ein größeres mit dem Namen „Brexit“, mit dem man überhaupt nicht gerechnet hatte und das eine Kursänderung der ganzen Flotte erforderte. Nun ist ein noch größeres erschienen und die Kapitäne der rotgrünen Wirklichkeitsüberfremdungsflotte geraten in Panik. Dieses Riff heißt „Trump“, und wie es aussieht, könnte an ihm die moslemischen Massenausbreitung in der Welt, die Klimareligion und die Genderideologie zerschellen. In diesem Geschehen fallen solch peinliche Auftritte wie die des diesjährigen Büchner-Preisträgers nicht ins Gewicht.
H. M. Richter
10. November 2016 09:43
Man schaue sich die Liste der Preise an, die Beyer bisher erhalten hat.
Eine schier endlose Reihe ...

Daß er dabei den Büchner-Preis bisher nicht verliehen bekommen hatte, ließ ihn leiden - ich selbst habe es mehrfach erlebt, wenn die Rede darauf kam.

Als ich erfuhr, wer heuer den Büchner-Preis erhält, war mein erster Gedanke: Nun hat er es endlich geschafft.

Und ich erinnerte, mit welch' an Peinlichkeit nicht zu überbietenden Einlassungen er in den letzten Jahren versuchte, sich ganz oben zu empfehlen. Beispielsweise mit dem Anti-Pegida-Text "Roland Kaiser ist mein Held" ...
https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article136260068/Roland-Kaiser-ist-mein-Held.html

Als mir dann meine Frau kurze Zeit später sagte, er hätte geweint, als er telefonisch mitgeteilt bekam, den Preis zu erhalten, mußte ich lachen.

Und danach an Büchner denken ...:

Steckbrief

Der hierunter signalisierte Georg Büchner,
Student der Medizin aus Darmstadt, hat sich
der gerichtlichen Untersuchung seiner indicirten
Theilnahme an staatsverrätherischen Handlungen
durch die Entfernung aus dem Vaterlande ent-
zogen. Man ersucht deshalb die öffentlichen Be-
hörden des In- und Auslandes, denselben im Be-
tretungsfalle festnehmen und wohlverwahrt an
die unterzeichnete Stelle abliefern zu lassen.
Darmstadt, den 13. Juni 1835.
Der von Großh. Hess. Hofgericht der Pro-
vinz Oberhessen bestellte Untersuchungs-Rich-
ter, Hofgerichtsrath
Georgi

P e r s o n a l - B e s c h r e i b u n g

Alter: 21 Jahre,
Größe: 6 Schuh, 9 Zoll neuen Hessischen Maases,
Haare: blond,
Stirne: sehr gewölbt,
Augenbraunen: blond,
Augen: grau,
Nase: stark,
Mund: klein,
Bart: blond,
Kinn: rund,
Angesicht: oval,
Gesichtsfarbe: frisch,
Statur: kräftig, schlank,
Besondere Kennzeichen: Kurzsichtigkeit
Stil-Blüte
12. November 2016 22:58
@ H. M. Richter

Büchners Steckbrief: Obduktion. Ein modernes Gedicht.

Mitten durch Büchner hindurch geht Tragik, Prosa, Komik, Wissenschaft, Politik. Mitten hindurch. Sezession, legt deutsches Schicksal bloß.

Was Leonhard Cohen, RiP, sanftmütig für Kosmopoliten, ist Büchner für Deutsche: Skalpelll.
Winston Smith 78699
15. November 2016 22:29
@ t.gygax

Na, das haben die Macher des Rilke-Projektes (war damals eine gute Sache) oder die Interpreten des „Panther-Gedichtes“ wohl auch noch nie gelesen……


Nana, Sie werden doch jetzt nicht damit anfangen, am Rilkebild vom introvertierten Frauenverstehr zu rühren! Autsch, jetzt isses passiert, konnten Sie nicht aufpassen? Jetzt sehen Sie sich mal diese Sauerei an:


I

Zum ersten Mal seh ich dich aufstehn
hörengesagter fernster unglaublicher Krieger-Gott.
Wie so dicht zwischen die friedliche Frucht
furchtbares Handeln gesät war, plötzlich erwachsenes.
Gestern war es noch klein, bedurfte der Nahrung, mannshoch
steht es schon da: morgen
überwächst es den Mann. Denn der glühende Gott
reißt mit Einem das Wachstum
aus dem wurzelnden Volk, und die Ernte beginnt.
Menschlich hebt sich das Feld ins Menschengewitter. Der Sommer
bleibt überholt zurück under den Spielen der Flur.
Kinder bleiben, die spielenden, Greise, gedenkende,
und die vertrauenden Frauen. Blühender Linden
rührender Ruch durchtränkt den gemeinsamen Abschied
und für Jahre hinaus behält es Bedeutung
diesen zu atmen, diesen erfüllten Geruch.
Bräute gehen erwählter: als hätte nicht Einer
sich zu ihnen entschlossen, sondern das ganze
Volk sich zu fühlen bestimmt. Mit langsam ermessendem Blick
umfangen die Knaben den Jüngling, der schon hineinreicht
in die gewagtere Zukunft: ihn, der noch eben
hundert Stimmen vernahm, unwissend, welche im Recht sei,
wie erleichtert ihn jetzt der einige Ruf; denn was
wäre nicht Willkür neben der frohen, neben der sicheren Not?
Endlich ein Gott. Da wir den friedlichen oft
nicht mehr ergriffen, ergreift uns plötzlich der Schlacht-Gott,
schleudert den Brand: und über dem Herzen voll Heimat
schreit, den er donnernd bewohnt, sein rötlicher Himmel.

II

Heil mir, dass ich Ergriffene sehe. Schon lange
war uns das Schauspiel nicht wahr
und das erfundene Bild sprach nicht entscheidend uns an.
Geliebte, nun redet wie ein Seher die Zeit
blind, aus dem ältesten Geist.
Hört. Noch hörtet ihrs nie. Jetzt seid ihr die Bäume,
die die gewaltige Luft lauter und lauter durchrauscht;
über die ebenen Jahre stürmt sie herüber
aus der Väter Gefühl, aus höheren Taten, vom hohen
Heldengebirg, das nächstens im Neuschnee
eures freudigen Ruhms reiner, näher erglänzt.
Wie verwandelt sich nun die lebendige Landschaft: es wandert
würziger Jungwald dahin und ältere Stämme,
und das kürzliche Reis biegt sich den Ziehenden nach.
Einmal schon, da ihr gebart, empfandet ihr Trennung, Mütter,
empfindet auch wieder das Glück, dass ihr die Gebenden seid.
Gebt wie Unendliche, gebt. Seid diesen treibenden Tagen
eine reiche Natur. Segnet die Söhne hinaus.
Und ihr Mädchen, gedenkt, dass sie euch lieben: in solchen
Herzen seid ihr gefühlt, so furchtbarer Andrang
ging, zur Milde verstellt, mit euch, Blumigen, um.
Vorsicht hielt euch zurück, nun dürft ihr unendlicher lieben,
sagenhaft Liebende sein wie die Mädchen der Vorzeit:
dass die Hoffende steht wie im hoffenden Garten;
dass die Weinende weint wie im Sternbild, das hoch
nach einer Weinenden heißt . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

III

Seit drei Tagen, was ists? Sing ich wirklich das Schrecknis,
wirklich den Gott, den ich als einen der frühern
nur noch erinnernden Götter ferne bewundernd geglaubt?
Wie ein vulkanischer Berg lag er im Weiten. Manchmal
flammend. Manchmal im Rauch. Traurig und göttlich.
Nur eine nahe vielleicht, ihm anliegende Ortschaft
bebte. Wir aber hoben die heile
Leier anderen zu: welchen kommenden Göttern?
Und nun aufstand er: steht: höher
als stehende Türme, höher
als die geatmete Luft unseres sonstigen Tags.
Steht. Übersteht. Und wir? Glühen in Eines zusammen,
in ein neues Geschöpf, das er tödlich belebt.
So auch bin ich nicht mehr; aus dem gemeinsamen Herzen
schlägt das meine den Schlag, und der gemeinsame Mund
bricht den meinigen auf.

Dennoch, es heult bei Nacht wie die Sirenen der Schiffe
in mir das Fragende, heult nach dem Weg, dem Weg.
Sieht ihn oben der Gott, hoch von der Schulter? Lodert
er als Leuchtturm hinaus einer ringenden Zukunft,
die uns lange gesucht? Ist er ein Wissender? Kann
er ein Wissender sein, dieser reißende Gott?
Da er doch alles Gewusste zerstört. Das lange, das liebreich,
unser vertraulich Gewusstes. Nun liegen die Häuser
nur noch wie Trümmer umher seines Tempels. Im Aufstehn
stieß er ihn höhnisch von sich und steht in die Himmel.

Eben noch Himmel des Sommers. Sommerhimmel. Des Sommers
innige Himmel über den Bäumen und uns.
Jetzt: wer fühlt, wer erkennt ihre unendliche Hütung
über den Wiesen? Wer
starrte nicht fremdlings hinein?

Andere sind wir, ins Gleiche Geänderte: jedem
sprang in die plötzlich
nicht mehr seinige Brust meteorisch ein Herz.
Heiß, ein eisernes Herz aus eisernem Weltall.

IV

Unser älteres Herz, ihr Freunde, wer vordenkts,
jenes vertraute, das uns noch gestern bewegt,
unwiederbringliche? Keiner
fühlt es wieder zurück, kein dann noch Seiender
hinter der hohen Verwandlung.

Denn ein Herz der Zeit, einer immer noch unauf-
gelebten Vorzeit älteres Herz
hat das nahe verdrängt, das langsam andere,
unser errungenes. Und nun
endiget, Freunde, das plötzlich
zugemutete Herz, braucht das gewaltsame auf!
Rühmend: denn immer wars rühmlich,
nicht in der Vorsicht einzelner Sorge zu sein, sondern in einem
wagenden Geiste, sondern in herrlich
gefühlter Gefahr, heilig gemeinsam. Gleich hoch
steht das Leben im Feld in den zahllosen Männern, und mitten in jedem
tritt ein gefürsteter Tod auf den erkühntesten Platz.
Aber im Rühmen, o Freunde, rühmet den Schmerz auch,
rühmt ohne Wehleid den Schmerz, dass wir die Künftigen nicht
waren, sondern verwandter
allem Vergangenen noch: rühmt es und klagt.
Sei euch die Klage nicht schmählich. Klaget. Wahr erst
wird das unkenntliche, das
keinem begreifliche Schicksal,
wenn ihr es maßlos beklagt und dennoch das maßlos,
dieses beklagteste, seht: wie ersehntes begeht.

V

Auf, und schreckt den schrecklichen Gott! Bestürzt ihn.
Kampf-Lust hat ihn vor Zeiten verwöhnt. Nun dränge der Schmerz euch,
dränge ein neuer, verwunderter Kampf-Schmerz
euch seinem Zorne zuvor.
Wenn schon ein Blut euch bezwingt, ein hoch von den Vätern
kommendes Blut: so sei das Gemüt doch
immer noch euer. Ahmt nicht
Früherem nach, Einstigem. Prüfet,
ob ihr nicht Schmerz seid. Handelnder Schmerz. Der Schmerz hat
auch seine Jubel. O, und dann wirft sich die Fahne
über euch auf, im Wind, der vom Feind kommt!
Welche? Des Schmerzes. Die Fahne des Schmerzes. Das schwere
schlagende Schmerztuch. Jeder von euch hat sein schweißend
nothaft heißes Gesicht mit ihr getrocknet. Euer
aller Gesicht dringt dort zu Zügen zusamm.
Zügen der Zukunft vielleicht. Dass sich der Hass nicht
dauernd drin hielte. Sondern ein Staunen, sondern entschlossener Schmerz,
sondern der herrliche Zorn, dass euch die Völker,
diese blinden umher, plötzlich im Einsehn gestört;
sie - , aus denen ihr ernst, wie aus Luft und aus Bergwerk,
Atem und Erde gewannt. Denn zu begreifen,
denn zu lernen und vieles in Ehren
innen zu halten, auch Fremdes, war euch gefühlter Beruf.
Nun seid ihr aufs Eigne wieder beschränkt. Doch größer
ist es geworden. Wenns auch nicht die Welt ist, bei weitem, -
nehmt es wie Welt! Und gebrauchts wie den Spiegel,
welcher die Sonne umfasst und in sich die Sonne
wider die Irrenden kehrt. (Euer eigenes Irrn
brenne im schmerzhaften auf, im schrecklichen Herzen.)


http://rainer-maria-rilke.de/100144fuenfgesaenge.html
ALD
17. November 2016 02:06
https://www.youtube.com/watch?v=iiZswGLY2zg

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