09. November 2016

Kontrakultur Halle: die Gesichter der ersten Reihe

von Nils Wegner / 34 Kommentare

Mit offenem Visier für Meinung und Ideal einzustehen, hat bei der Identitären Bewegung (IB) bereits Tradition: von der ersten »Kriegserklärung« der französischen Génération Identitaire über das deutsch-österreichische Pendant bis hin zur Selbstvorstellung der Regionalgruppe Bayern. In Halle ist die Gruppe Kontrakultur mit aufsehenerregenden Aktionen ins Blickfeld gerückt – viele besorgte Kommilitonen fürchten nun um ihren Safespace.

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Nun provoziert eine solche erhöhte Aufmerksamkeit in aller Regel alsbald die "andere Feldpostnummer", und Denunzierungen in Nachbarschaft und Internet sind längst eher die Regel als die Ausnahme. Darauf folgen dann die unvermeidlichen "Aktionen" in der Überzahl: In Halle attackierten am 11. Oktober 30 vermummte Linksextremisten neun Identitäre in der Innenstadt, und zwar nicht nur verbal und im Vorübergehen, sondern handfest und im Stil einer Verfolgungsjagd.  Die Hallenser Aktivisten haben sich gut gewehrt und daraufhin entschlossen, nun eben gerade nicht abzutauchen und den aufgescheuchten Linken das Feld zu überlassen:

Seit dem 30. Oktoberstellen sich auf der Facebook-Präsenz von Kontrakultur die jungen Aktivisten selbst vor. Ihre Absage an das anonyme, feige Online-Heldentum der Gegenseite wirkt entwaffnend und für noch Unentschlossene anziehend; die atmosphärischen Bilder und zugespitzten Losungen zeugen von Engagement und dem nötigen Idealismus. Wie auch sonst ließe sich auf Drohungen aufrecht reagieren?

»Während die einen selbstkritisch beweisen möchten, daß man sie zu Unrecht stoße, wächst bei den anderen die Verachtung für diese Zeit und ihr Personal – beide Reaktionen sind Kennzeichen der Ohnmacht«, schrieb Kubitschek hier vor geraumer Zeit. Melanie, Mario, Dorian, Till und Andreas zeigen, wie es geht: Statt immer nur auszuweichen, kann man eben auch stehenbleiben und sich selbst als Persönlichkeit, Gesicht, Aktivist und wirklich mutiger, junger Mensch in die Waagschale werfen – das Beispiel der Kontrakulturalisten könnte und sollte Schule machen! Hier sind alle Bilder!

triplett

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Kommentare (34)

deutscheridentitärer
09. November 2016 21:27
Sehr gut - nur, es sind noch viel zu wenige.

Es ist zu viel Feigheit in unseren Reihen, als junger Mensch hat man heute nichts zu verlieren (und auch nicht mehr viel zu befürchten).
Hartwig aus LG8
09. November 2016 21:32
Das hat schon Stil und Klasse - am 09. November 2016, um 21:09 Uhr, ein Beitrag über die jungen Leute von Kontrakultur Halle. Respekt.
Wie schrieb Klonovsky: Schweigen und Tanzen.
Caroline Sommerfeld
09. November 2016 22:15
Na klar suchen wir alle an diesem historischen Tag nach Trump-Kommentaren und jämmerlichen Medien-Angstmachern in lustiger Defensivstellung. Die ZEIT kündigte heut die neueste Ausgabe für morgen an, darin, "Wir müssen jetzt die westlichen Werte verteidigen".
Gut, nehmen wir sie beim Wort - die IB voran, und alle, die da eine historische Zäsur spüren, mit. Westliche Werte verteidigen heißt auch, nicht mehr mit der Lüge zu leben, die antike Tugend der parrhesía (etwa: das freie Aussprechen) ist ein westlicher Wert. Und daß sich die nicht gegen Trump richtet, wie die ZEIT es gern hätte, sondern der uns da gerade frische Maßstäbe gesetzt hat, bestätigt, daß es ganz genau darauf ankommt: sich trauen, Position zu beziehen, öffentlich. Danke, Ihr Hallenser IBsters, ich hab mich schon in Schnellroda über Euch gefreut!
la vie est belle
09. November 2016 22:53
meinnen zuspruch habt ihr auf jeden fall. ich kann aber auch die leute verstehen, die sich (noch) nicht trauen in die öffentlichkeit zu gehen, es ist eben offensichtlich nicht ganz risikolos. das heißt aber, dass man euch umso mehr unterstützen soll und kann: geld, material, organisatorische hilfe. tut mir nur einen gefallen: jetzt nicht paranoid werden, es ist die gezielte masche dieser brd euch ins mark des selbstbewusstseins zu treffen.

(ps. naja, das interview von komplott mit jäger und sammler war eher so ne art übungseinheit, das kriegt ihr bestimmt noch besser hin.)
Winston Smith 78699
10. November 2016 07:35
@ Caroline Sommerfeld
... daß es ganz genau darauf ankommt: sich trauen, Position zu beziehen, öffentlich.

Haben Sie bitte Nachsicht mit jenen, deren Kinder auf Schulen in den alten Bundesländern gehen, noch dazu nicht in unmittelbarer Obhut. Manche Fanatiker, ob religiöse oder etwa marxistische, hätten wohl weniger Skrupel, deren Wohlergehen aufs Spiel zu setzen, als ausgerechnet Konservative - worin eine unserer Ketten auszumachen ist.
Erik
10. November 2016 08:19
Herr Wegner / Vielen Dank für Ihren heldischen Abriss zur Kontrakultur Halle. So romantisch dieser auch sein mag, die Realität ist mitunter eine andere. Natürlich kann man, nein, man sollte, mit offenen Visier kämpfen. Nur sollte man hier die Machbarkeit abwägen. Was denken Sie denn, warum 99 Prozent der Sezessions-Kommentatoren unter Pseudonym auftreten? Fakt ist, dass diejenigen, welche nicht das Glück haben bei Antaios angestellt zu sein (um nur ein Besipiel zu nennen), irgendwie ihre Familien ernähren und die Miete zahlen müssen. Und genau diese monetäre Abhängigkeit steht zumeist dem offenen Visier diametral gegenüber.

Wegner:
Diese Abwägung sei Ihnen unbenommen. Nichtsdestoweniger gibt es eben auch Leute, deren Endergebnis bei dieser Abwägung anders ausgefallen ist – sei es nun bei der IB oder anderswo.
calculus
10. November 2016 09:21
@Erik
"So romantisch dieser auch sein mag, die Realität ist mitunter eine andere."

M.E. ist da nichts Romantisches dabei. Martin Sellner erklärt warum:

https://www.youtube.com/watch?v=BAxZQ5PAe-s&feature=youtu.be&t=1230

Für diejenigen, die es nicht wissen sollten: die Schriften von Sharp, Popovics et.al. gelten gemeinhin als die Grundlage der "farbigen Revolutionen" aus dem Umfeld der CIA.
Der_Jürgen
10. November 2016 09:23
@Erik

Es gibt unter den sezession-Foristen den einen oder den anderen, der durchaus bereit wäre, unter seinem wirklichen Namen zu schreiben, dem dies aber von den Bademeistern verboten wurde.

@deutscheridentitärer

Nicht ganz einverstanden; auch als junger Mensch hat man noch einiges zu verlieren und einiges zu befürchten, zumal es durchaus möglich ist, dass die Repression noch drastisch zunehmen wird. Es wäre ja zu schön, wenn das antideutsche Kartell nach dem Trump-Sieg jetzt entmutigt das Handtuch werfen und abdanken würde, aber dieser fromme Wunschtraum wird schwerlich in Erfüllung gehen. Ganz abgesehen davon, dass Trump - über dessen Sieg ich mich natürlich unbändig freue - als Präsident beweisen werden muss, dass er es ernst gemeint hat.

Um so mehr Respekt vor den jungen Menschen aus Halle. Je mehr es ihnen gleichtun, desto geringer wird naturgemäss der Druck, der auf ihnen lasten wird. Möge ihr Beispiel Schule machen!
Ein gebürtiger Hesse
10. November 2016 10:05
Sehr wichtiges Signal, das diese jungen mutigen Hallenser da aussenden. Das freimütige Gesicht-Zeigen schlägt ein neues Kapitel im Einstehen für den eigenen Patriotismus auf und wird uns anderen fortan ein Beispiel sein. Selbst wenn wir unsere Masken noch nicht ablegen sollten, ziehen wir doch alle unsere Hüte!
Matthias Görbing
10. November 2016 10:28
Guten Tag
Eine sehr gute Aktion. Ich bin bereit auch mein Gesicht zu zeigen.

Beste Grüße
Matthias
Erik
10. November 2016 11:26
Jürgen / Die hiesige Kommentarspalte war ein unpassendes Beispiel. So revolutionär geht es hier in der Tat nicht zu. ;) Spaß beiseite. Glauben Sie mir jedoch, ich weiß wovon ich spreche. Ich kenne Vorladungen in die Personalabteilung nur zu gut. In meinem Fall blieb es bei Gesprächen, bei vielen meiner damaligen Mitstreiter jedoch nicht. Die Kündigung war die Folge. Will heißen: Wer nicht kann, muss nicht. Idealerweise müssen Netzwerke geschaffen werden, um die negativen Mitbringsel für den visierlosen Aktivisten abzufedern. Und hier macht Einprozent/Kubitschek/Identitäre, zumindest nach meiner Einschätzung, einen sehr guten Job.
Th. Wawerka
10. November 2016 12:11
Die Leute sind nicht nur mutig, sie sehen einfach auch gut aus!
deutscheridentitärer
10. November 2016 13:18
Nicht ganz einverstanden; auch als junger Mensch hat man noch einiges zu verlieren und einiges zu befürchten, zumal es durchaus möglich ist, dass die Repression noch drastisch zunehmen wird.



Wie oben bereits jemand geschrieben hat, ist eine Abwägung sowohl legitim als auch taktisch notwendig.

Wer Familie hat und beruflich in Schwierigkeiten geraten könnte, muss sich eben normalerweise "hinter den Kulissen" engagieren.

Auch wer bspw. Lehramt studiert hat einen guten Grund anonym zu bleiben, was schade ist, da dass oft sehr gute Leute sind.


Aber aus eigener Erfahrung in der IBD weiß ich, dass es leider eine große Menge an Studenten gibt, die aus Überschätzung der linksterroristischen Gefahr (die so nur in einigen Brennpunkten wie Leipzig/Göttingen etc. existiert) und eben auch Bequemlichkeit sich nicht trauen Gesicht zu zeigen.


Aber wie Sie schon sagten, jeder der Gesicht zeigt, nimmt den Druck von denen weg, die bereits geoutet sind.

Und es ist eine große Menge, die noch nicht geoutet ist, wären die alle bekannt, würde die Drohkulisse der Antifa zusammenbrechen.


Aber, naja, mühsam nährt sich das Eichhörnchen und es macht keinen Sinn die menschliche Konstitution zu beklagen - es müssen sich eben erst die Mutigen trauen, bis eine kritische Masse erreicht ist und ein Schneeballeffekt ins Rollen kommt.
Ein gebürtiger Hesse
10. November 2016 16:47
@ Th. Wawerka

Die Leute sind nicht nur mutig, sie sehen einfach auch gut aus!

Nicht wahr? Das erweist sich doch immer wieder als ein Grundzug unseres Lagers. Wert zu legen auf Stil und Gebaren, wobei das Äußere eine Spiegelung und Konsequenz des Inneren ist, zahlt sich eben auf SCHÖNE WEISE aus. Auch dieser Aspekt unterscheidet unsere Leute von ihren Gegnern.
Solution
10. November 2016 17:08
Bei allem Respekt: die paar Leute wirken wie die verlorenen 300. Doch können sie nicht mit einem gleichen Ergebnis aufwarten.

Meiner Ansicht nach kann man nur in eine offene Feldschlacht ziehen, wenn man über eine Armee verfügt, die für den anstehenden Kampf groß genug ist. Diese Armee gilt es aber erst noch zu schaffen. Ihre Aufstellung muß notfalls unter dem feindlichen Radar erfolgen.

Sie existiert noch nicht. Daher besteht die Gefahr, daß die paar Leute sich sinnlos zu früh opfern.
Winston Smith 78699
10. November 2016 20:17
@ deutscheridentitärer
Auch wer bspw. Lehramt studiert hat einen guten Grund anonym zu bleiben, was schade ist, da dass oft sehr gute Leute sind.

Bescheiden möchte ich die Frage erwähnen, ob nicht der eine oder andere, welcher in den letzten Jahren oder vorher ein erstes oder zweites Staatsexamen aus dubiosen Gründen nicht bestanden hat, vielleicht lediglich eine Art Voight-Kampff-Test für aufrechte Menschen mit Verstand bestanden hat. Vielleicht dürfen diese ja auf Rehabilitierung hoffen, dereinst. Danke.
Martin S.
10. November 2016 21:02
Ich arbeite im öffentlichen Dienst. An kulturpolitisch hochsensibler Stelle. Ich habe aufgrund meiner politischen Einstellung oft daran gedacht, diese verlogene Drecksarbeit zu kündigen.
Zeige ich auch nur ansatzweise mein "Gesicht", schmeissen die mich sofort raus. Ich bin daher im inneren Exil und tröste mich damit, dass mein Gehalt bei mir landet und nicht bei irgendeiner linken Kulturzecke.
Ich bin zwar schon ein wenig älter, aber es bereitet mir ein grimmiges Vergnügen, nachts identitäre Aufkleber zu verbreiten ...
Den jungen Gesichtern wünsche ich viel Glück und Widerstandskraft!
Beste Grüße
Martin S.
thotho
11. November 2016 12:32
"Ich arbeite im öffentlichen Dienst. An kulturpolitisch hochsensibler Stelle."

Wohnen Sie in der BRD? Also bei uns in der BRÖ sind die fast alle pragmatisiert. Ich kenne auch Beamte, die rechts sind, sich aber TROTZ der Unkündbarkeit nichts trauen: "Meine Oberen können mir auch mit der Dienstzeit auf die Nerven gehen, wenn sie erkennen, dass ich ein Dissident bin." An Lächerlichkeit kaum zu überbieten, diese angeblichen Bedrohungen.

Ich studiere noch, zeige aber oft genug Flagge (das geht auch mal subtil, hier ist Kreativität gefragt, gerade in der Sprache). Man fasst mich einerseits mit etwas spitzen Fingern an, auf der anderen Seite merke ich, dass man irgendwie interessiert ist an dem, was ich sage oder tue, mitunter ist der Lehrkörper ("Nazi-Code?") auch etwas nervös. Diesen Eindruck habe ich auf dieser internationalistischen Irrenanstalt für angehende Bologna-Akademiker.

Man darf auch nicht immer so pessimistisch sein. Die Zeichen stehen für uns gar nicht schlecht. Und, bitte, dass hier auf den Fotos die Avantgarde steht, das ist doch wohl allen klar.
Entledigen wir uns doch etwas des konservativen Fatalismus und lassen uns von der traditionell linken Lust auf Revolution etwas anstecken.
Der Gutmensch
11. November 2016 15:54
Bescheiden möchte ich die Frage erwähnen, ob nicht der eine oder andere, welcher in den letzten Jahren oder vorher ein erstes oder zweites Staatsexamen aus dubiosen Gründen nicht bestanden hat, vielleicht lediglich eine Art Voight-Kampff-Test für aufrechte Menschen mit Verstand bestanden hat. Vielleicht dürfen diese ja auf Rehabilitierung hoffen, dereinst. Danke.


Dieser Apfel hat erfahrungsgemäß gute Chance, vergiftet zu sein. Ich kann kein, gar kein Indiz dafür erkennen, dass da jemand etwa "testen" würde. Wer sollte das auch sein? Jemand, der heimlich unterm Schreibtisch einen Orgonstrahler aufgestellt hat oder der immer brav sein Aluhütchen trägt, wenn keiner hinsieht? Oder wie sollte jemand bei Verstand geblieben sein und noch so clevere Pläne schmieden und durchführen (!) können? Und wen genau will er erreichen? - Auch wenn es einen "Politikwechsel" geben sollte; mit dem Austausch der Etiketten wäre nichts erreicht, den Zeitpunkt haben wir lange hinter uns gelassen, die Dinge haben sich verselbständigt. Der Konsens müsste sich jäh wieder vertiefen, um solchen Menschen eine Chance zu geben. Und wie um alles in der Welt sollte das geschehen? Ich bin in Italien über Straßen gefahren ... voller Löcher und die Italiener krachten darüber hinweg, als führen sie vor etwas davon ... 40 km/h über der zulässigen Höchstgeschwindigkeit waren sozusagen die Eintrittskarte, der Preis fürs Teilnehmen und temporäre Dazugehören, für das Fahren durch irrwitzig teure Tunnel und das Erschließen von Gegenden, wo man vermutlich über jede Dorfkirche ganze Romane schreiben könnte, verstünde man nur genug davon und könnte man irgendwie mit den Leuten reden. Und gleichzeitig riefen einem die Schlaglöcher ins Gedächtnis, dass man da eigentlich im Land der geistigen Väter der Autobahnen unterwegs ist. Und was davon blieb - teure Folgekosten der ehrgeizigen EU-Projekte, Schlaglöcher und tollkühne Nachfahren, die die Touristen zu halsbrecherischen Touren verleiten und bestimmt bald die Straßen zu ihren Kulturschätzen völlig abbrechen, damit sich daran endgültig niemand mehr vergreift.
Winston Smith 78699
11. November 2016 22:40
@ Gutmensch

Habe schon ja mal erwähnt, dass es wohl Akten geben müsse - zumindest vor dem Eintritt in einen schwer kündbaren Staatsdienst von Akademikern, also ab der Festanstellung, noch nicht mal Verbeamtung. Erinnere mich, dass Sie das nicht mochten und fragten, ob ich panikmachen wolle. Als mir jemand erstmals mit einem irren Blick folgendes zuflüsterte, hielt ich den jungen Mann für überreizt vom Prüfungsstress und mich selbst für nicht auf diese Weise betroffen: "Mittlerweile glaube ich, dass die wirklich alles über uns wissen."

Einmal klopfte ich unangemeldet an die Tür einer Professorin. Als ich mich vorstellte, nannte die Dame zu meinem Namen einen Vorfall, bei dem ich mich etwa sechs Jahre vorher exponiert hatte - als eher Linker, aber die Farbe zählt hier nicht, denn es ging gegen die Obrigkeit. Mittlerweile ist der Vorfall Jahrzehnte her, aber ich habe den Eindruck, dass er mich noch immer verfolgt. Sogar in einem anderen Bundesland saßen irgendwann plötzlich ein großer, etwas dicklicher Mann in einem ungewöhnlich feinen, braunen Anzug mit dünnen, helleren Streifen, und eine Dame, an die ich mich nicht mehr erinnern kann, im Büro vom Chef. Den Anzug kenne ich noch so genau, weil er für das Umfeld untypisch war und ich den beiden beim Rein- oder Rausgehen (das weiß ich nicht mehr) die Tür aufgehalten hatte. Bei der Kündigungs-Ankündigung noch am selben Tag berief man sich auf jenen erfolgten Besuch - angeblich meinetwegen, angeblich von der Regierung. Und so geht das immer wieder. Nennen Sie mich eben paranoid, das ist mir egal. Wenn Sie wüßten, was ich noch erzählen kann, kämen Sie mir da nicht so schräg.

Und über die Methoden, die Kandidaten nicht nur auszuhorchen, sondern auf die Mentalität zu testen - die haben ja z.B. viele beobachtete Prüfungssituationen zu meistern und sich dann auch noch befragen zu lassen - brauche ich Ihnen doch nichts erzählen. Und selbst das wäre doch nur der Anfang der Wahrheit - zeitlich oder auch methodisch. Habe doch auch schon was zu Bespitzelung und zu angekündigten und unangekündigten Verhören "Gesprächen" gesagt, oder?
Winston Smith 78699
11. November 2016 22:49
@ Gutmensch

Der Vorfall hatte übrigens nichts mit der Uni zu tun und war dort auch nie Thema gewesen - nicht dass Sie meinen, ich hätte mich eben mit dem Institut angelegt gehabt oder so. Da gab es auch keine Verhaftung oder Vernehmung oder Anklage - gar nichts. Kein Brief, kein Anruf. Da war nämlich nichts dran auszusetzen gewesen - nur ging es eben mit offenem Visier und Klarnamen gegen die Obrigkeit, weil mir die in diesem Fall etwas zu sehr über die Stränge geschlagen und sich leicht despotisch, leicht totalitär geriert hatte. Die Professorin fragte mich damals schon, ob ich nicht meinte, mir damit weiteren Ärger eingehandelt zu haben. Von all diesen Dingen aber hatte ich bis dato gar nichts geahnt.
Stefan K.
11. November 2016 23:18
@Martin S.
Geht mir genauso wie Ihnen, bis auf das mit den Aufklebern kleben. Wenn ich mich offenbaren würde, dann würde ich klargestellt, innerhalb von Stunden, nicht von Tagen. Aber gut zu wissen, daß man nicht alleine ist. Und wenn sich in unseren Positionen ab und an etwas für die Identitäten tun läßt, umso besser
Der Gutmensch
12. November 2016 11:32
Winston, Sie verdrehen die Dinge. Ich bestreite natürlich nicht, dass es Seilschaften gibt. Aber von der Erkenntnis kann man sich aus meiner Perspektive nichts kaufen, im Gegenteil: Diese Seilschaften werden gezielt und systematisch mit Begriffen belegt, die geeignet sind, Menschen mit meiner Biographie oder ihre Kinder abzuwerten - als ob wir für sämtliche Sünden der Menschheit stünden. Davon - und Sie werden es noch erleben, dass das so ausgetragen wird, dass es jeder zur Kenntnis nimmt - werden Sie das Problem zwar nicht los, weil wir es ja gar nicht personifizieren, sondern nur zum Sündenbock erklärt wurden. Aber immerhin hat man damit mal wieder "die Menschen bewegt" wie mit HartzIV - und das ist doch das, was am Ende zählt, fragen Sie mal Frau Künast - wenn die Ihnen Geschichten erzählen würde, könnte sie dafür auf eine viel breitere gemeinsame kulturelle Basis mit Ihnen zurückgreifen, als ich das jemals könnte! Die war nämlich als Kind nicht in der Sowjetunion, sondern in der Toskana - und darauf kommt es hier an. Ihr Spiel, ihre Regeln.

- Das zu leugnen, streut den Menschen nur Sand in die Augen. Und das tun Sie: Sie nähren die Hoffnung bei denjenigen, die hinten runtergefallen sind, dass es auch für sie einen sicheren gäbe, dass sie jemand wahrnimmt, der sie mal in die Position brächte, die ihnen eigentlich zugestanden hätte, dass sie etwas zurückbekämen. Eine solche Hoffnung ist Schleichgift, denn das wird ja nicht passieren. Jemand wie Sie weiß das vielleicht nicht. Aber jemand, der um ein paar blinde Flecken in der eigenen Familiengeschichte weiß - der sie charakterbedingt überhaupt wahrnimmt - wüsste jedenfalls, dass so etwas nicht passieren wird, weil er den Unterschied zwischen einem Märchen und der Wirklichkeit kennt.
Der Gutmensch
12. November 2016 12:16
... und im übrigen, Herr Smith: Man kann auch so hinten runter fallen. Aus eigenem Verschulden. Es ist sehr trügerisch und verführerisch, nun alles an politischen Dingen festzumachen. Weitaus häufiger trifft man wohl auch folgendes Problem an: Da setzen andere vielfach nur einen kleinen (oder nachhaltigen oder mehrfach, vor allem unregelmäßig wiederholten Impuls in die leider ganz und gar falsche Richtung - und das Ganze nimmt schon aufgrund der LERNFÄHIGKEIT des Impulsempfängers eine ziemlich gruselige Eigendynamik an: ein paar Mal ausgebremst und dann, mit der Zeit, tatsächlich inkompetenter als andere.
Der Gutmensch
12. November 2016 14:26
und zum Dritten - Entschuldigung an Herrn Wegener, aber das geht hier nicht anders: Ja, Winston Smith, wenn jemand Informationen bekommen will, dann bekommt er die auch; alles andere ist völlig naiv. Und damit (mit den Infos) kann er sich dann ganz fein einsalzen lassen. Der Punkt ist - wer einem so kommt - worüber könnte man dem noch eine Geschichte erzählen? Was könnte der einzubringen haben, das auch nur den geringsten Wert hat? - Richtig: gar nichts! Der ist innerlich leer; sonst wäre er ja nicht kontrollsüchtig. Den hat seine eigene Dominanzgier gefressen, der geht noch bei Oma Krause durchs Schlüsselloch peepen, weil die ja vielleicht den falschen Keks in den Kaffee tunkt! Beim besten Willen - aber was solche Gestalten angeht, habe ich mehr Vorsprung, als Sie sich das überhaupt vorstellen können. Wenn der Mensch eine bestimmte Schwelle mal übertreten hat, gibt es danach kein zurück.
Winston Smith 78699
12. November 2016 15:35
@ Stefan K. @Martin S.
Vielleicht möchten Sie beide ja mal über eine kleine Geschichte nachdenken, deren Zusammenfassung ich zitieren darf:
... es gibt eine schöne Geschichte von Stanislaw Lem "Der Roboterplanet" [...] in seinem Buch "Sterntagebücher". [...] Auf einem Planeten wohnen nur Roboter. Körpergröße und Gestalt ähnlich wie Menschen. Es existiert dort eine allgemeine Anweisung, bei Verdacht, einen Menschen entdeckt zu haben, diesen sofort der "Obrigkeit" zu melden, damit dieser entsprechend bestraft werden kann. Einen Menschen kann man unter anderem daran erkennen, daß er Nahrung zu sich nimmt ... Die Geschichte stark abgekürzt ...am Ende:...... In JEDEM "Robotergehäuse" steckte ein Mensch.

http://www.crossdresser-forum.de/phpBB3/viewtopic.php?t=5711
Martin S.
12. November 2016 16:59
M.E. sollte man sich bei der Frage, wie weit man sich "outet", NIE von dem Satz leiten lassen: "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." Doch, es gibt richtigeres, anständigeres Leben, auch wenn es nicht perfekt ist.

Natürlich mache ich mir den Vorwurf, dass ich beruflich im Polit-Kultur-Zirkus mitmache und mich vor mir selbst mit dem berühmten Satz rechtfertige: "Ich habe mitgemacht, um Schlimmeres zu verhindern!". (s.o.: "Das Gehalt landet besser bei mir als bei einer linken Kulturzecke.")

Meine Großmutter hat im 3. Reich immer fleissig Feindsender gehört, was mein Großvater immer mit dem Satz quittierte: "Du wirst uns alle noch ins Zuchthaus bringen!"
Weitere "Heldentaten" hat die Familiengeschichte nicht überliefert. Waren sie "Mitläufer"?

Und ich? Heute?

Mit diesem Spannungsverhältnis muss ich leben. Ich bemühe mich, die Kampfzone auszudehnen...

Beste Grüße
Martin S.
Winston Smith 78699
12. November 2016 18:54

@ Der Gutmensch

Habe ich das richtig gelesen? Haben Sie vorhin etwa unter einem Artikel, der die unterdrückten Systemgegner dazu ermutigen will, Gesicht zu zeigen, für den Fall von eventuell erstmal üblen Konsequenzen, die Hoffnung oder Aussicht auf spätere Rehabilitierung als das Streuen von Sand in die Augen bezeichnet (11:32 Uhr, 2. Abs. Z. 1)? Haben Sie dann suggeriert, dass die Rausgekickten selbst mit schuld (12:16 Uhr, Z. 2) wären? Ja soll man sie denn geschlagen liegenlassen, ist das Ihre Auffassung vom Konservativismus? Ich weiß ja nicht, wie Sie als Frau "Kompetenz" einsetzen, aber Mutmaßungen Ihrerseits über meine mögliche Inkompetenz (12:16 Uhr, letzte Zeile) haben sich mit dieser Glanzleistung wohl erledigt.
Der Gutmensch
12. November 2016 19:44
@Stefan K. und Martin S.:

Sehen Sie, das kommt dabei heraus, das meinte ich! - Lem war Pole. In Polen - wie überhaupt im Ostblock - galt die Behauptung der bloßen Existenz von Gestalten wie der Frau Frau Künast diesseits des eisernen Vorhangs offiziell als feindlich-negative Propaganda; jedenfalls als abergläubisch und rückschrittlich. Man glaubte ja schließlich auch nicht mehr an Hexen! Das hatte natürlich Auswirkungen auf die Kulturpolitik, weshalb so jemand wie Winston Smith den Lem eben gar nicht mit Gewinn lesen kann: Selbst Lem hätte die Wahrheit, dass in den Robotern nämlich Knöpfchendrücker stecken, vernünftiger Weise nicht aufschreiben dürfen. Dann nämlich wäre seine Kurzgeschichte als menschenfeindliche Dystopie abgetan und - wie z. B. der Roman "1984" - als dekadente Schund- und Schmutzliteratur eingeordnet worden, die nicht gedruckt und nicht gelesen werden durfte! Also - Hände weg vom Lem, vergessen Sie den ganz schnell wieder.


d. G.
schneekette
12. November 2016 21:11
(Rechtschreibkorrektur, verd.. Smartphone...)

@Winston Smith 78699
Ihre Vermutungen sind nicht halb so paranoid, wie sie teilweise dargestellt werden.

Allerdings funktionieren die Mechanismen, nach meinen bescheidenen Inneneinsichten, m.E. anders.

Es ist m.E. (und ich könnte falsch liegen) unwahrscheinlich, dass tatsächlich „Systemgeeignetheitsakten“ angelegt werden. Zuviel Arbeit.
Allerdings gibt es schon interessante Verzeichnisse, die offiziell dem Datenschutz unterliegen. Denkbar wären hier staatsanwaltschaftliche und polizeiliche Verzeichnisse. Da gibt es zum Beispiel die Mehrländer-Staatsanwaltschafts-Automation (MESTA), einem Verzeichnis zum Datenaustausch der Staatsanwaltschaften der Bundesländer, in dem, ich zitiere:

„In die Datei sind die Daten aller Beschuldigten aus einem Ermittlungs- und Strafverfahren sowie der Betroffenen in Bußgeldverfahren, soweit die Staatsanwaltschaften des Landes mit diesen befaßt sind, aufzunehmen. Solange das Ermittlungsverfahren nicht gegen eine bestimmte Person geführt wird, können die Personendaten der oder des Geschädigten oder der oder des Anzeigenden gespeichert werden (…)“.

Ja, das heißt, Daten jedes Ermittlungsverfahrens - auch Bußgeldsachen – und von jedem, der damit in irgendeinem Zusammenhang steht –unabhängig, ob dieses beispielsweise wegen mangelndem Tatverdacht später eingestellt wurde, ist prinzipiell erst einmal da drin.

Entsprechende Verzeichnisse gibt es auch bei der Polizei, ob sie INPOL, POLIKS, POLAS, etc. heißen. Da ist dann erst einmal wirklich jeder Beteiligte – und sei es der Nachbar, bei dem wegen eines Autoaufbruchs geklingelt wurde, drin.

Schließlich gibt es die „großen“ Bundeszentralregister. Als kleiner Referendar vor schon längerer Zeit hat mich schon nachdenklich gemacht, dass da jedes Verfahren, dass mangels Tatverdachts oder wegen geringer Schuld etc. eingestellt wurde, da drin ist. Und auch eingestellte Verfahren haben – das lässt sich gar nicht vermeiden – einen Einfluss auf das Bild, dass man als Vertreter der StA von einem Angeschuldigten hat.

Diese Verzeichnisse unterliegen offiziell einem strengen Datenschutz und dürfen nicht ohne weiteres weitergeben werden. Allein, mir fehlt der Glaube. Was da zum Teil auf dem „kurzen Dienstweg“ dann eben doch weiterkommt, ist erschreckend.

Und schließlich ein Beispiel aus der näheren Zeit, mit dem ich beruflich am Rande zu tun hatte.

Wie ich bereits sagte, halte ich es für unwahrscheinlich, dass bei einfachen Personen die nicht im Kreuzfeuer stehen, regelhaft Akten angelegt werden.

Es sei denn…
Es sei denn, irgendwo im Umfeld geschieht etwas von medialer und politischer Aufmerksamkeit. Nehmen wir mal ein Delikt aus dem Bereich Brandstiftung an herausgehobener Stelle an.

Dann neigen, von der Kette gelassen, die Staatschutzabteilungen dazu, vollkommen durchzudrehen.

Dann werden tatsächlich die im Tatumfeld wohnenden Personen in einem kilometerweiten Umkreis akribisch abgeklopft. Personelle Ressourcen spielen keine Rolle mehr.

Es wird tatsächlich von jeder Person im Umfeld die Aktivität in den sozialen Medien abgeklopft. Und Lächerlichkeiten selbst im cuckservitiven Bereich reichen zunächst für einen Anfangsverdacht aus. Kein Scherz.

Ein „Gefällt mir“ bei den JF reicht aus. Nicht nur, um die Personen auf das Radar zu nehmen. Nein, es setzt ein Aktivismus ein, der seinesgleichen sucht. Befragungen (nicht nur Vernehmungen) werden mit Hinweis auf die rechte Aktivität gerne am Arbeitsplatz vorgenommen. Arbeitgeber werden unter der Hand informiert. Noch einmal – kein Witz. Für ein "gefällt mir" bei der Jungen F..reiheit"!

Es ist leider kein Scherz, dass jegliche richterliche Kontrolle im Bereich "Rechts" fast vollständig unterbleibt. Für o.g. Lächerlichkeiten kann es im Zweifel einen Durchsuchungsbeschluss geben. Auch leider kein Scherz.

Es ist vor kurzem nicht nur die Privatwohnung, sondern auch die Kanzlei(!) eines Strafverteidigers(!) durchsucht worden - unter Beschlagnahme der Computer - ein wirtschaftlicher Ruin - der eine Fotomontage von diversen Politikern auf einer Anklagebank gefertigt hatte.

Erstens ist das meinem durchaus qualifizierten Urteil nach durchaus noch von der Meinungsfreiheit gedeckt.

Zweitens ginge es maximal um ein Minimalstdelikt wie Beleidigung, dass regelmäßig auf den Privatklageweg verwiesen wird. Eine Durchsuchung von Privat- und Arbeitsräumen!

Drittens hat der Betroffene die Urheberschaft ohne jedes Zögern eingestanden. Es gab nicht den geringsten Grund für die Beschlagnahme.

Nein. Die wollen den stumpf ruinieren.

Dazu kommt, dass die Staatsschutzabteilungen personell gerade irrsinnig aufgebläht werden. Dafür weichen ganze Kommissariate in andere Gebäude aus. Wenn die loslegen, kriegen die alles ,was die beantragen. Personal. Richterliche Beschlüsse. Alles.

So, das ist ehrlich gesagt der Grund dafür, warum ich ums Verrecken nicht mit Klarnamen kommentiere. Warum ich Facebook meide, wie der Teufel das Weihwasser. Sicherlich weiß ich, dass alle meine Netzaktivitäten, wenn ich erst einmal ins Fadenkreuz geriete, auch so mit etwas Aufwand aufgedeckt werden könnten.
Aber ganz so leicht will ich denen es dann doch nicht machen…

Entsprechend eine kurze Anmerkung zum Kommentar von @Martin S.
Ich habe vollkommenes Verständnis für Ihr Handeln. Nicht unbedingt dafür, dass Sie noch immer mitmachen – aber das sagt sich als Selbstständiger leicht, ich weiß.

Ehrenhaft finde ich aber Ihre anonyme Tätigkeit im Rahmen des Möglichen – das nächtliche Aufkleberkleben. Viel mehr tue ich ja auch nicht, ganz ehrlich.

Wer sich allerdings nicht einmal das traut, hat meines Erachtens die Satisfaktionsfähigkeit verloren, Verzeihung.
Der Gutmensch
12. November 2016 21:19
Werter Winston Smith,

es geht darum, in den jungen Leuten keine falschen Hoffnungen zu wecken. Sie gehen ein hohes Risiko ein, die springen ohne jedes Netz und sie wissen nicht, wie hart der Aufschlag sein kann. Wenigstens das sollte ihnen bewusst sein.

Und wenn Sie mich verachten wollen, dann bleibt Ihnen das selbstverständlich unbenommen.

Und nein, ich habe natürlich nicht Sie als inkompetent darstellen wollen, ich halte Sie auch nicht für inkompetent, wie käme ich denn auch dazu. Ich habe mich da ungeschickt ausgedrückt und entschuldige mich in aller Form bei Ihnen.

d. G.
Stil-Blüte
12. November 2016 22:00
@ Martin S.
Wunderbar, daß Sie auf Ihre Groß-Eltern zurückgreifen. Keine Fragezeichen mehr ('waren sie 'Mitläufer''?). Das ist eine Falle. Nein. Sie waren I h r e Groß-Eltern. Basta.
Winston Smith 78699
12. November 2016 22:52
@ Der Gutmensch

Entschuldigung, ich hielt das für einen Schaukampf zu Unterhaltung der letzten drei Gäste im vierten Strang hinter der Gegenwart, um den verlorenen Posten vergnügt noch ein wenig zu halten. Mit der Lernfähigkeit und der verhängnisvollen Lenkung auch durch Nadelstiche haben Sie ja recht, und das kann sogar insofern stimmen, als man sich als Novize ja aus freien Stücken noch einmal unterwirft und tabula rasa vor den Meistern bereitet, dann alles richtig machen will und blind und unkritisch auf guten Rat und Lehre hofft, zumal bei mir, da ich so etwas wie einen Vater nie haben durfte und bis heute suche. Ehrlich gesagt hätte ich auch genauso oft die Gelegenheit, den Erfolg zu greifen. Aber der Weg schien mir immer zu einfach, die Zuneigung der Meister nicht errungen genug. Ich mißtraute ihnen und mußte sie prüfen, und das ging schief, wurde mißverstanden oder nur zu gut verstanden. Insofern: ja, selbstverschuldet mehrfach im letzten Moment gescheitert. Den Langstreckenläufer von Silitoe durfte ich nicht in der Schule kennenlernen, aber erinnerte, dass andere ihn gelesen hatten, so dass mir der Titel im Kopf spukte. Ein wichtiges Stück Literatur für mich. Narzisst eben und durch eine Politstory jetzt schön und geheimnisvoll bemäntelt. Sie haben mich durchschaut. Aber gelogen habe ich an keiner Stelle und könnte noch viel mehr erzählen. Die Taten gehen aber noch nicht. Die jungen Leute sollen auch mitbekommen: wenn sie was gemacht haben und dafür etwas abgekriegt, dann wird man ihnen zuhören und ihnen Glauben schenken und sie dafür achten. Wenn man sein Heldenreiselied singen darf, ist alles nicht mehr so schlimm. Singen Sie mir Ihres irgendwann?
Urd0987
17. November 2016 10:09
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