04. Mai 2010

Achtung, Schildbürger! Aber respektable!

von Ellen Kositza / 0 Kommentare

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Der sich hier verbeißt, namentlich in ein Gebotsschild, ist der Schauspieler Peter Lohmeyer, bekannt u.a. aus dem Kleinen Vampir (daher wohl die Bissigkeit) und dem Wunder von Bern. Nun ist er ins volkspädagogische Fach übergewechselt und hat, „pünktlich zur Fußball-WM“ ein , ja, quasiphilosophisches Buch herausgegeben. 100 Philosophen (Dr. Theo Zwanziger, Johannes B. Kerner, Günter Wallraff, Dunja Hayali usw.) berichten, ergänzt um Fotos und DVD, „über ihre persönlichen Erfahrungen im Umgang mit Respekt“ und „geben ein klares Bekenntis gegen Rassismus und Diskriminierung“.

Das Meinungsschild, so staunt der Betrachter der Bildergalerie, kann man halt nicht nur wie Lohmeyer zwischen die Zähne nehmen, man kann es auch handhaben wie ein Moderationskärtchen (JBK), lässig wie 'ne Fluppe (Stefan Kretzschmar), es gekonnt vor dem Fuß positionieren oder in äußerst ängstlicher Anmutung vor die Brust halten wie Fußballer Michael Thurk, der dabei den Tränen nahe zu sein scheint, als wäre das Schild ein Stigma. Wir erfahren, daß „nur wenige wissen, daß der Fußballprofi einen italienischen Vater hat. Der Blondschopf kommt demnach eher nach seiner Mutter.“ Als wär das gleich ein Grund zum Weinen!

Einer der schönsten Werbe- Schild-Plätze ist mit Sicherheit direkt neben dem Holocaustmahnmal – eine hübsch dezente Idee der PR-Profis um Lohmeyer. Die Aktion „Kein Platz für Rassismus“ wurde Ende 2006 „geboren“ (sic!). Da nämlich zeigte der nigerianische Spieler Adebobawe Ogungbure (damals Sachen Leipzig) rassistischen Fans den Hitlergruß. Nun wird (Zitat!) die „Schilderaktion deutschlandweit ausgeweitet und an vielen öffentlichen Orten sichtbar werden. Und Respekt hat eine eigene Website, die demnächst an den Start ging: www. respekt.tv.“

Ja, warum denn nicht! Ein Kinderbuch flankiert die Aktion. Darin werden „Malte und Emil in kleinen Kurzgeschichten mit Rassismus und Vorurteilen konfrontiert“, und den „Kids“ werden „Handlungsanweisungen“ zu diesen Problemfeldern gegeben.

Allein steht die wackere Hundertschaft um Lohmeyer freilich nicht. Auch die Damen und Herren vom Berliner Ratschlag für Demokratie setzen auf die globalhumane Verbindlichkeit des Wortes "Respekt" - was auch hier eine mutige Frontstellung gegen "rechts" bedeutet. Jene, die hier für ein "weltoffenes Berlin" "Gesicht zeigen" (von Petra Pau bis Kardinal Sterzinsy und Joachim Gauck), unterstützen respektable Theaterstücke, in denen "Polizeibrutalität"  thematisiert wird, Kundgebungen mit griffigen Slogans wie " Nie wieder Nazi-Brandanschläge in Neu-Rudow" und standen jüngst gegen den Naziaufmarsch zum 1. Mai in Berlin ein. Wie es scheint, erfolgreich. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, waren für die 100 Verletzten als Folge der Mai-Randale tatsächlich zum allergrößten Teil tatsächlich nicht "Rechte" verantwortlich.

Und so sieht's Fußballgott J.W.v. Goethe:

"Sich im Respekt zu erhalten // Muß man recht borstig sein. // Alles jagt man mit Falken// Nur nicht das wilde Schwein.“

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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