14. Oktober 2011

"Fjordman verteidigen"

von Martin Lichtmesz / 0 Kommentare

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Dies ist der Titel eines langen Aufsatzes, den ich der von Manfred Kleine-Hartlage und mir besorgten Fjordman-Textsammlung "Europa verteidigen" als Bonus beigegeben habe. Diese Verteidigung ist aus vielen Gründen notwendig, und deren nicht geringster ist, daß "Fjordman" Peder Jensen zur Zeit in den skandinavischen Medien zum Buhmann gemacht wird, ohne daß er eine Chance auf adäquate Gegenwehr hätte.

Jensen veröffentlichte am 10. Oktober nach längerer Pause wieder einen Artikel, der als Antwort auf einen Beitrag in der norwegischen Aftenposten gedacht war, der prominente Islamkritiker wie Robert Spencer, Bat Ye’or (Gisèle Littman) sowie ihn selbst mit "Nazis" gleichsetzte. Jensen stand mit Aftenposten in Verhandlungen über einen Abdruck seiner Replik. Er berief sich dabei auf den ethischen Kodex des norwegischen Pressebundes, wonach jedermann das Recht bekommen solle, auf öffentliche Anschuldigungen zu antworten.

Aber wenn es dann tatsächlich ums Eingemachte geht, sind auch in Skandinavien Fairplay und "Ethik" Fremdwörter für die Macher der Mainstreammedien. Nach langem Hin- und Her verweigerte die Zeitung den Abdruck unter fadenscheinigen Begründungen. Wieder war Jensen, wie schon zu Beginn seiner Karriere als "Fjordman", auf das Internet angewiesen.  Seine Replik kann man hier auf deutsch (in einer nicht sehr guten Übersetzung), hier auf englisch und norwegisch nachlesen.

Fjordman führt darin aus, daß im "Nationalsozialismus" der "Sozialismus" stecke, den er in allen Formen ablehne. Alle totalitären Bewegungen seien mehr oder weniger "sozialistisch" gewesen. Darüberhinaus gäbe es weitaus mehr strukturelle Ähnlichkeiten zwischen dem Nationalsozialismus und dem Islam, als zwischen dem Nationalsozialismus und seinen Positionen, wofür er mehrere Beispiele anführt.

Wie tief in den norwegischen Medien in die unterste Schublade der Diffamierung gegriffen wurde, zeigt etwa ein Fernsehsketch, in dem Fjordman als verklemmter, frauenfeindlicher Krüppel in Naziuniform dargestellt wird. Dazu Jensen:
Thomas Seltzer, ein Talkmaster auf NRK3, hat eine Karikatur von mir gebracht, die mich als mehrfach behinderten Schriftsteller in einem Rollstuhl sitzend präsentiert. Ich nehme an, daß dies das norwegische Äquivalent von Stephen Hawking darstellen soll, was ich als Kompliment betrachte. Andererseits könnte man sich auch vorstellen, daß es unterstellt, daß Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, sabbernde Idioten sind, was nicht gerade geschmackvoll wäre.

Der Unterschied zwischen Satire und Einschüchterung (between a humorist and a bully) ist der, daß sich ein wahrer Satiriker über die Mächtigen lustig macht, nicht über die Schwachen. Seltzer kann sich über Menschen wie mich lustig machen, weil er weiß, dass wir ihn nicht angreifen werden, aber er würde sich nicht trauen, einen sabbernden Yusuf al-Qaradawi in einem Rollstuhl zu zeigen, der den Muslimen erklärt, daß Pädophilie OK ist.

Jensens Conclusio:
Manche Menschen mögen geltend machen, daß ich mir das gefallen lassen muß, weil ich die Grenzen der Redefreiheit ausgedehnt habe. Möglicherweise. Der Unterschied liegt darin, daß die Bürger für meine Artikel nichts bezahlen müssen. Durch die Rundfunkgebühren [ähnlich wie die GEZ in Deutschland] müssen sie für das bezahlen, was auf NRK [norwegisches Staatsfernsehen] gesendet wird, ob sie es wollen oder nicht.

In einem Zeitalter, in dem eine stark nach links orientierte Presse wie ein flächendeckender Wandteppich der multikulturellen Propaganda aussieht, muß man sich fragen, warum dies so ist. Hunderttausende Norweger haben es satt, daß jene, die tief besorgt sind um die Zukunft ihrer Kinder wegen der Massenimmigration, die in der Menschheitsgeschichte ohne Beispiel ist, von ihrer eigenen Presse schikaniert und als Extremisten, Rassisten und Nazis gebrandmarkt werden.

Test


Im Zentrum der Kampagnen gegen Fjordman stehen natürlich die Untaten seines selbsterklärten Fans Anders Breivik.  Dieser hat übrigens nie behauptet, von Fjordman kausal beeinflußt zu sein: in seinem "Manifest" berichtet er, daß seine Weltsicht als auch seine nach eigenen Angaben seit 2002 gehegten Attentatspläne bereits voll entwickelt waren, ehe er auf die Essays seines etwa gleichaltrigen Landsmanns stieß.

Der "Norwegian Psycho" hat sich im Endeffekt zum Quisling all jener gemacht, die danach trachten, abweichende Ansichten zur sogenannten Multikulturalisierung Europas mit dem Stigma eines ethischen Defekts zu brandmarken.  "Dank" Breivik sind Kritik am Islam, Masseneinwanderung, Liberalismus etc. illegitim besetztes Gelände, und mit meinem Aufsatz versuche ich dieses von seiner verbrecherischen Okkupation freizuräumen.

Dabei vertrete ich die Ansicht, daß der in vielerlei Hinsicht außergewöhnliche Fall Breivik  (wie alle anderen Dinge auch) am besten von rechts her in den Griff zu bekommen ist.  Ich verspreche, daß es spannend wird. Leser dieses Blogs haben bereits einen Vorgeschmack erhalten. Für die Linken und Linksliberalen steht fest, daß islamkritische Blogs und "Rechtspopulisten" schuld seien, während Konservative und Rechtsliberale entweder Breiviks Psychopathologie betonen oder auf die verstopften Meinungsventile einer von der PC dominierten Gesellschaft verweisen: der Wutbürger als Massenmörder quasi. All diese Deutungen haben Teilwahrheiten für sich, können aber für sich genommen nicht befriedigen. Der Schlüssel liegt für mich darin, daß, wie bei allen Tätern seiner Art, Breiviks Pathologie nicht allein seine Privatsache ist.

Noch ein paar Worte zu Fjordman selbst. Seine Texte haben die Kraft, starke Reaktionen wie  Zorn, Verblüffung und Verzweiflung hervorzurufen.  Dies geschieht jedoch nicht durch einen Appell an die Gefühle oder eine aufpeitschende Sprache - im Gegenteil. Kühl reiht er Fakt an Fakt, Nachricht an Nachricht, Link an Link, Zitat an Zitat, Referenz an Referenz und bündelt das Zusammengetragene zu einem klaren, meistens überzeugenden Gesamtbild, in dem plötzlich Linien deutlich werden, die man in solcher Schärfe bisher nicht gesehen hat.

Zugleich offenbart er eine Sensibilität und ideologische Feinhörigkeit, wie sie den Renegaten aus dem linksliberalen Lager oft zu eigen ist, zu denen auch Kleine-Hartlage und in gewisser Weise auch ich zählen, obwohl ich schon als Zehnjähriger via Tschernobyl zum konservativen Apokalyptiker wurde.  In einer Welt voller Schlafwandler, die am Dachsims entlangtorkeln, ist Fjordman einer der wenigen, die wach geblieben sind, und er wird gehaßt, weil er es wagt, am kollektiven Schlaf der Illusionen zu rütteln. El sueño de la razón produce monstruos.

Wir dagegen sagen den Beschwichtigern und Schlafmützen: wer heute die Gefahr einer zukünftigen Islamisierung Europas für ein xenophobes Hirngespinst hält,  ist schlicht und ergreifend nicht ausreichend über die Lage informiert. Wer, wie unser Spezi a. D. und sozialistischer Selbstkritiker Lorenz Jäger, die "political correctness" für einen bloßen Witz hält, mit dem man sich hin und wieder ein paar launig-geistreiche Feuilleton-Brötchen schmieren kann, hat den Ernst der Lage nicht annähernd begriffen. Die PC ist ein "Clown mit einem Messer" (Derek Turner), eine entscheidende Waffe in einem allumfassenden, neo-marxistischen Psycho-Dschihad gegen die Identität des westlichen Menschen.  Auch ihr liebstes Kind, der sogenannte "Multikulturalismus" hat "nichts mit Toleranz und Vielfalt zu tun", er ist nichts weniger als "eine anti-westliche Haßideologie, die entworfen wurde, um die westliche Zivilisation zu zerstören." (Fjordman) Dasselbe gilt für den Feminismus, der weitaus destruktivere Ziele verfolgt, als für "Frauenrechte"  und "Gleichberechtigung" zu streiten, wie das landläufige Gerücht lautet.

Wie gesagt: wer das für zu drastisch ausgedrückt hält, ist einfach noch nicht ausreichend informiert.  Gerade an dieser Stelle kann die Leküre von Fjordmans Essays einen augenöffnenden Effekt haben - und sie überzeugen durch Fakten und Argumente, nicht durch Rhetorik. Das bedeutet nicht, daß der Autor vor scharfen und provokanten Urteilen, Schlußfolgerungen und Zuspitzungen zurückschrecken würde.  Vor allem in seinen späteren Texten der Jahre 2010 und 2011, in denen sich eine gewisse Radikalisierung abzeichnet, wird sich so mancher Leser die Zehe an krassen Formulierungen anstossen. Auch wir Herausgeber haben uns oft genug daran die Füsse verstaucht, und wir sehen manche von Fjordmans Thesen und Positionierungen keineswegs unkritisch. Wir sind aber der Ansicht, daß diese Stimme angesichts der mehr als gefährlichen Lage Europas gehört und bedacht werden muß, von allen Menschen guten Willens, die bereit sind, dem Abgrund ins Auge zu blicken und zu handeln.

Lektüre:
Fjordman: Europa verteidigen. Zehn Texte, hier einsehen beim Verlag und hier beim Internet-Laden.
Test

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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