06. Januar 2015

Theo Faulhaber: Thesen zum Islam

von Martin Lichtmesz / 44 Kommentare

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

trojabrenntmalwiederPegidas Wellen schlagen auch bis nach Österreich, wobei sich der Tonfall der Berichterstattung kaum von dem der bundesdeutschen Medien unterscheidet. Momentan scheint vor allem die immer noch als "konservativ" geltende Presse vom Ehrgeiz getrieben zu sein, alle anderen Zeitungen im Schmutzwerfen zu überbieten.

Das Ziel ist immer das gleiche: die Teilnehmer und Sympathisanten der Dresdener Demos und ihrer Ableger sollen als gefährlicher, dummer oder irregeleiteter Abschaum hingestellt werden, als Ansammlung aus ethisch defekten Angstneurotikern und Extremisten, während die Inhalte ihres Programms und ihre Forderungen kaum diskutiert werden.

In der Druckausgabe der Presse vom 5. 1. erschienen gleich zwei Artikel mit dieser Zielrichtung: hier und hier, wobei man in letzterem eine seltsame Mischung aus Irritation und Diffamierung erkennen kann.

Angesichts einer für Mitte bis Ende Jänner geplanten Kundgebung in Wien räumt die Autorin Anne-Catherine Simon zunächst ein, daß auch hier eine heterogene Mischung zu erwarten sei:
Und wie in Deutschland werden wohl auch in Österreich keineswegs nur rechtsextreme Xenophobe mitspazieren, sondern alle möglichen Menschen, junge und alte, sehr und moderat rechte, unbestimmt konservative, ja, sogar linke. Zumal das Positionspapier von Pegida eine Ramschkiste ist, aus der man herausklauben kann, was einem gefällt.

Nur kurz eingeschoben: nicht mehr und nicht weniger eine beliebig anwendbare "Ramschkiste", wie die Zauberwortsammlungen à la "Vielfalt", "Buntheit", "Toleranz", "Demokratie", "breites Bündnis" und so weiter und so fort, mit denen die Gegenseite hantiert.
Pegida ist für die „christlich-jüdisch geprägte Abendlandkultur“, für die Aufnahme von Flüchtlingen und für sich integrierende Muslime, aber gegen „eine frauenfeindliche politische Ideologie“, für „sexuelle Selbstbestimmung“ (auch wenn diese von der „christlich-jüdisch geprägten Abendlandkultur“ traditionell nicht gerade gefördert wurde), aber auch gegen „dieses wahnwitzige Gender-Mainstreaming“.

Als "gemeinsamen Nenner" nennt sie  "ein diffuses kulturkonservatives Gefühl".
Auf der Facebook-Seite des österreichischen Pegida-Ablegers zitiert man Kraus als Ankläger der verlogenen Medien, Schiller und Gabalier als Verfechter eines positiven Heimatbegriffs. Gabalier hat kürzlich das Christkind verteidigt, davor die töchterlose österreichische Bundeshymne. „Mein Ursprung, meine Wurzeln, mein Daheim. Meine Heimat, bei dir muss ich sein“, zitiert ihn die Pegida-Seite.

Gleich neben den "Volksrock'n'roller" Andreas Gabalier, der durch seine Weigerung, die "gegenderte" Bundeshymne, zu singen zur innerösterreichischen Symbolfigur geworden ist, stellt  Simon nun aparterweise den norwegischen Massenmörder Anders Breivik, dessen Schatten sie effektvoll über die gesamte Pegida-Bewegung wirft. Von Andreas zu Anders bedarf es also offenbar nur eines Rösselsprungs:
Bevor Anders Breivik an einem Sommertag auf einer Insel 69 Menschen erschossen hatte, stellte er ein Manifest ins Netz, das er „Europäische Unabhängigkeitserklärung“ nannte. Der norwegische Massenmörder wollte Europa retten, vor allem Möglichen, aber vor allem vor dem Islam. Auch die Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes, kurz Pegida, bekennen sich zu Europa und wollen die „Islamisierung“ stoppen: aber nicht mit Gewalt, sondern seit Oktober mit „Spaziergängen“ jeden Montag in Dresden und in anderen deutschen Städten – und bald auch in Wien. Hier ist die erste Kundgebung für Mitte bis Ende Jänner geplant.

So wäre die dicke Breivikberta mal wieder in Stellung gebracht, und wenn Simon auch einräumt, daß Pegidas "Mitläufer" "großteils nicht extrem" seien, so müssen sie sich doch  gefallen lassen, in die Nähe eines Monsters gerückt  oder gar selbst als potenzielle Mörder verdächtigt zu werden.  Das ist wohl nicht mehr steigerungsfähig, und es bleibt abzuwarten, ob das Pulver damit verschossen ist.

Allerdings ist bei der Autorin offenbar auch ein großes Fragezeichen aufgetaucht:
Es ist genau wie auf der unerhört beliebten deutschen Internetseite Politically Incorrect. Sie strotzt von hasserfüllten Postings; aber groß ist sie durch die vielen Leser, die hier und nur hier zu finden meinen, was sie in der offiziellen Diskussion vermissen: unzensurierte Information und Diskussion. Und Menschen, die ihr Unbehagen teilen.

Als die Schweizer für ein Minarettverbot stimmten, wurden sie von fast allen ausländischen Medien für dumm erklärt. Auch die Pegida-Demonstranten werden jetzt gern als Idioten abgetan. Das ist noch gefährlicher, als die Aktivisten hinter Pegida, Politically Incorrect und Co. zu verharmlosen.

„Proamerikanisch. Proisraelisch. Gegen die Islamisierung Europas. Für Grundgesetz und Menschenrechte“, lautet der Untertitel der Seite Politically Incorrect. Das klingt wie ein Freibrief in Deutschland und Österreich, wo man immer noch so tut, als wäre der Antisemitismus die größte Gefahr. Auch Pegida ist für die „christlich-jüdisch geprägte Abendlandkultur“ – ebenso wie Breivik für ein „christlich-jüdisches Europa“ eintrat. Und noch eines haben Pegida, Politically Incorrect und Breivik gemeinsam: Da kämpfen nicht Deutsche, Schweizer oder Schweden für ihre Nation, sondern alle gemeinsam für „Europa“. Klingt doch nicht so schlimm wie Neonazis, die die arische Rasse hochhalten, oder?

Ja, der offizielle Sprachgebrauch hat das Wort Europa mit schönen Bildern von Frieden und Versöhnung besetzt. Die Realität ist anders. Wer hätte sich im Juni 2011 Breiviks Bluttat auf Utøya vorgestellt? Projüdisch, proeuropäisch, pro Menschenrechte – man sollte dringend genauer hinsehen, was sich im Internet schon seit Langem hinter solchen Wörtern zusammenbraut.

Die Autorin scheint zu ahnen, daß bloße Beschimpfung, Ignoranz oder Diffamierung nicht mehr weiterhilft, daß die üblichen Kategorien nicht mehr passen, daß die Öffentlichkeit hier womöglich ernsthafte Versäumnisse nachzuholen hat. Sie schließt ihren Artikel mit dem Satz:
Noch viel wichtiger aber ist die Frage, welche Ängste und welches Unbehagen so viele dazu treibt, bei den „Spaziergängen“ von Pegida mitzuspazieren.

Vieles würde sich klären, wenn Journalisten wie die Simon endlich aus ihrem Dämmerschlaf erwachen und den vollen Ernst und Umfang der Lage begreifen würden. Kapiert man allmählich, daß Pegida "keine Krankheit, sondern ein Symptom" ist, wie Monika Maron in der Welt formulierte? Wer sich schon länger und ohne Scheuklappen mit der Lage beschäftigt, wird sich wundern, warum sich diese Leute immer noch am Kopf kratzen und herumrätseln. Die Gefahr einer weitgehenden Islamisierung Europas und seiner langfristigen Spaltung und Fragmentierung entlang konfliktgeladener ethnisch-kultureller Bruchlinien ist real, absehbar und bereits jetzt an fünf Fingern abzuzählen.

Kein geringerer als Michel Houellebecq hat diese Aussicht nun in einem Roman thematisiert, der zur Zeit fleißig skandalisiert wird: "Unterwerfung" schildert die Machtergreifung radikaler Islamisten in einem Frankreich der nahen Zukunft. Wer nicht erkennen will, daß die "diffusen Ängste" der Bürger, von denen nun so oft im teils salbungsvollen, teils herablassenden, teils pathologisierenden Tonfall die Rede ist, mehr sind als nur Hirngespinste von ein paar schlechten und ungebildeten Menschen, wird freilich nichts verstehen können. Ihm wird nichts anderes übrig bleiben, als Phänomene wie Pegida einseitig zu dämonisieren. Und dazu eignet sich Breivik natürlich vortrefflich.

Der Verlag Antaios hat bereits 2011 ein Buch herausgebracht, das meines Erachtens unentbehrlich ist, um den von der Presse-Autorin angeschnittenen Fragen- und Motivekomplex zu begreifen. Im Anhang dieser Sammlung von Essays und Polemiken des norwegischen Bloggers "Fjordman" Peder Jensen habe ich versucht, den Kontext darzustellen, der eine pathologische Gestalt wie Breivik hervorgebracht hat. Ich sehe ihn als eine Art Okkupator und Tretmine auf dem Pfad der Islamkritik, die dringend entschärft werden muß. Die Linke benutzt ihn als Apotropaion, um ihre Kritiker mundtot zu machen; so ist er quasi zu ihrem Quisling geworden. In eine noch kältere Zone hat sich Houellebeqs Schriftstellerkollege Richard Millet begeben, um sich der Frage nach der Bedeutung Breiviks zu stellen: nachzulesen in dem Band "Verlorene Posten".

Während nun die Presse am 5.1. Stimmung gegen Pegida gemacht hat, erschien ausgerechnet im bürgerlich-linksliberalen, politisch korrekten Kurier ein verblüffender Gastbeitrag von Theo Faulhaber, Autor eines eben erschienenen Buches, dessen plakativer Titel "Abschied von Europa. Aus Abendland wird Morgenland" ziemlich deutlich die Richtung weist:

Die derzeitige Entwicklung führe binnen weniger Jahrzehnte zu einem Abschied von jenem Europa, wie wir es bisher kannten, dies bedeute eine welthistorische Wende, so Faulhaber.


Europa durchlaufe derzeit nicht nur eine veritable wirtschaftliche Krise, sondern auch eine der Werte und Orientierung, so der Autor. Er analysiert die gesellschaftspolitischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte. Ein Zeitalter der Verluste präge unseren Kontinent: des Verlustes des Maßes und der Mitte, an Bindung und Gemeinschaft, an Natur und Stille, an Bildung und historischem Wissen, an Menschlichkeit, an Qualität, an Orientierung und Vertrauen, an Sprache und Identität, an Glauben und Geistigkeit.


Diese massive Dekadenz führe schließlich zu einem Verlust Europas als Folge der bereits im Gange befindlichen Islamisierung. Ein grundlegendes philosophisches Kapitel und die Frage, welche Auswege es in die Zukunft gebe, runden das Buch, das mit einem reichhaltigen Quellen- und Literaturverzeichnis versehen ist, ab. (Quelle.)



Faulhaber schließt hier offenbar zu Vordenkern wie Manfred Kleine-Hartlage und Peder Jensen auf: eine Kritik der Islamisierung Europas muß auch gleichzeitig eine Kritik des aus dem Ufer gelaufenen Liberalismus, der alle Bindungen und Identifikationen löst, beinhalten. Ansonsten reitet man Scylla, während man auf Charybdis schimpft und zum alleinigen Sündenbock macht. Die Islamisierung Europas ist vor allem ein Symptom einer systemischen Selbstzersetzung und einer tiefgehenden Identitätskrise, die destruktive und zum Teil wahnhafte Züge angenommen hat.

Ich will nun einige der Thesen Faulhabers zitieren und kommentieren.
These 1: Es gibt keinen "normalen" und einen "radikalen", sondern nur EINEN Islam: Da ist dem türkischen Präsidenten Recep Erdogan ebenso zuzustimmen wie Leon de Winter und anderen. Der Koran ist unveränderliches Gotteswort, wer ein guter Moslem sein will, nimmt ihn ernst.

These 2: Infolge seiner ihm "innewohnenden Militanz" und "Ethik der Unterwerfung" (Peter Sloterdijk u. v. a.) gibt es daher auch keinen "Islam light". Wieso man sich über die Grausamkeiten der Al-Kaida, des IS, der Boko Haram usw. wundert, ist erstaunlich: Sie agieren nicht anders als Mohammed.

Sehr ähnlich hat es Manfred Kleine-Hartlage in seinem Buch "Dschihad-System" beschrieben. Ich habe zu diesen beiden Thesen, zumindest in dieser Formulierung, allerdings einige Einwände. Es gibt empirisch natürlich einen "Islam light" und es gibt auch "Moslems light", also solche, die den Koran nicht wortwörtlich ernst nehmen, ihn durch eine Vielzahl kultureller Filter und Modifaktionen aufnehmen und auch sonst "anders als Mohammed" leben und agieren. Und ein solcher Islam ist es auch, dem man in Europa in der Regel begegnet.

Auf die in Europa lebenden Moslems pauschal den Schatten des IS zu werfen, scheint mir ähnlich perfide, wie die Europäer, die solche bleiben zu wollen, zu "breivikisieren".  Es ist generell niederträchtig und gifterzeugend, Menschen gedankenlos auf eine Stufe mit Mördern zu stellen, ob direkt oder indirekt, auch wenn rhetorische Kniffe dieser Art leicht zu handhaben sind - oder gerade deswegen. Soviel sollte eigentlich jedem, auch aus der täglichen Anschauung heraus, klar sein.

Der Akzent bei Faulhaber scheint mir allerdings woanders zu liegen: man kann freilich auch nicht die Exzesse der islamischen Welt aus ihrem Fundament lösen und als bloße Betriebsunfälle hinstellen, wie es die Beschwichtiger und Verharmloser gerne tun. Die Handlungen der IS-Milizen strahlen unweigerlich ins Nervensystem des islamischen Gesamtkörpers aus, der weltweiten Umma, und die tausenden Freiwilligen, die sich aus europäischen Ländern zum Kampf an der Seit des IS gemeldet haben, zeigen, wie weit die Nervenenden reichen und was sie alles anstossen können.

Daher auch
These 4: Viele Moslems und ihre Freunde behaupten, das, was IS, Boko Haram etc. "veranstalten", habe nichts mit dem Islam zu tun. Das ist Realitätsverweigerung. Kein Christ, Jude, Hindu, Buddhist oder Anbeter Manitous kämpft im Djihad. Also müssen die täglichen Terror-Grausamkeiten etwas mit dem Islam zu tun haben.

Das ist gewiß der Fall, aber man sollte nun auch nicht den Fehler begehen, den Islam und seine Gläubigen allein aufgrund des Verhaltens des Gelichters zu beurteilen.

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These 3: Eine Religion und deren Inhalte zu beanstanden, muss erlaubt sein. Wer christliche Kirchen kritisiert, muss nicht automatisch "links" sein, wer dies beim Islam tut, nicht automatisch "rechts". Die Nazikeule wird zu oft geschwungen, als Totschlagargument. Weinerlich wird bedauert, dass immer wieder die Tötungsgebote des Korans zitiert werden, anstatt zu beklagen, dass sie in ihm überhaupt formuliert sind.

Hier finde ich ein Detail interessant: in der Tat, wer die christlichen Kirchen kritisiert, sofern sie noch konservativ-christlich sind, gilt in der Regel als "links", wer den Islam kritisiert, als "rechts". Warum eigentlich? Auffallend an der heutigen Linken ist, daß sie nur in Ausnahmefällen wagt, sich gegen den Islam zu wenden (Alice Schwarzer wäre so ein Beispiel), wo sie doch reichlich Futter für geradezu klassisch linke Fundamentalkritik finden würde: Religionskritik, Geschlechterverhältnisse, Sexualmoral, "patriarchale Strukturen", Antisemitismus, Homophobie, Männerbünde, autoritärer Herrschaftsstil u.s.w.

Zum Teil liegt das wohl an der Angst vor den Folgen: es ist ungefährlicher, immer wieder zu treten, was an unserer Kultur ohnehin schon am Boden liegt und zum xten Mal die unbewachten Zitadellen mit den offenen Toren zu stürmen, als sich moslemischen Widerstand einzuhandeln, der bekanntlich sehr ungemütlich werden kann. Zudem sticht hier der "Rassismus"- und "Fremdenfeindlichkeit"-Joker alles: Ausländer und Migranten stehen an der Spitze der Antidiskriminierungskette der geheiligten Stämme. Linke denken ironischerweise insofern "rassistisch", als sie Einwanderer und ihre Kulturen weitgehend von linker Kritik ausnehmen, eben weil sie fremden Ethnien angehören. Sie sind sozusagen "Autorassisten".

Komplementär dazu sind die linken Attacken gegen das Christentum und seine Symbole heute weitgehend von einem Haß auf das Eigene getrieben, insofern das Christentum eine entscheidende Grundlage unserer Kultur und wesentlicher Bestandteil unserer Geschichte ist. Das Christentum steht hier als Symbol für das Eigene und wird auch als solches wahrgenommen; um die Religion an sich geht es nur sekundär. Dieser Haß auf das Eigene ist es vor allem, der die Leute heute in sogenannte "Rechte" und "Linke" scheidet. Derjenige, der ihn nicht teilt, kann dabei so liberal oder auch links im alten, sozial-solidarischen Sinne sein, wie er will: er wird immer als "Rechter" abgestempelt werden, und damit als "Rechtsextremer","Nazi" usw. In seinem tiefsten Kern geht es bei den heutigen Auseinandersetzungen zwischen "Linken" und "Rechten" also um ein Identitätsproblem (und nicht, wie in früheren Zeiten, um Klassenkämpfe).

Denn in der Tat steht der überwiegende Teil der heutigen Islamkritik auf liberalem, nicht konservativem oder rechtem Boden: seine "Stars" wie Geert Wilders, Leon de Winter, Henryk Broder, Michael Stürzenberger etc. attackieren den Islam, weil er nicht "demokratisch", säkular, "emanzipiert", feministisch, individualistisch, pro-"westlich" oder schwulenfreundlich genug ist, gegen Menschenrechte, Grundgesetz und Laizismus ist und so weiter. Nüchterner könnte man aber auch zusammenfassen: deswegen, weil er anti-liberale Werte verkündet, also solche, die das Individuum verbindlich in eine Gemeinschaft einbinden wollen und in dieser die Priorität sehen.

Hier gründen auch die Sympathien vieler Konservativer für den Islam - denn von den orientalischen Fremdartigkeiten und Exzessen abgesehen (die indes nicht immer auf religiöse Ursachen zurückzuführen sind), findet sich hier doch vieles, was unserer Gesellschaft zu ihrem Schaden abhanden gekommen ist: der Glaube an einen Gott und einen Sinn der eigenen Existenz, die Einbettung in ein größeres Ganzes, die Solidarität mit dem Eigenen und der Stolz auf das Eigene, die Familie als oberer Wert, die klare Verteilung der Geschlechterrollen, die so vieles erleichtert, Würde und eine Aufgabe gibt usw. Dinge, die noch dazu einen erheblichen "biologischen" Vorteil mit sich bringen, wie die Fertilität islamisch geprägter Populationen zeigt.

Ein Freund, der sich für Sufismus und islamische Mystik interessiert, äußerte neulich einen interessanten Gedanken. Der Islam befinde sich heute im Zustand des Hasses auf alles, was anders ist und sich ihm nicht unterwerfen will. Das Christentum dagegen - oder was davon übrig ist -  sei vom Haß auf sich selbst zerfressen und nur zu bereitwillig, sich dem Fremden zu unterwerfen. Dem Christentum fehlen heute der Stolz und das Kämpferische des Islams, dem Islam dagegen das Reflektierende, Selbstprüfende, Demütige des Christentums. Ich glaube, hierin liegt ein wahrer Kern.
These 5: Integrationsprobleme in Europa gibt es fast ausschließlich bei Moslems. Insbesondere Wien war stets eine Einwandererstadt, aber es gab kaum Probleme mit Tschechen, Ungarn, Südslawen, auch Asiaten. Integrationsschwierigkeiten liegen kaum an der Ethnie, sondern in hohem Maße an der Religion.

Na - Tschechen, Ungarn, Slawen, (Deutsch-)Österreicher sind eng verwandte Ethnien. Asiaten haben in Wien nur eine geringe Rolle gespielt, und diese bilden weltweit die "model minorities", die sich am unauffälligsten und erfolgreichsten integrieren. Dagegen sind etwa die USA heute von Rassenspannungen zerrissen, die nichts mit Religion zu tun haben. Die Geschichte zeigt auch, daß unterschiedliche Ethnien die Religionen unterschiedlich absorbieren und umformen. Es sollte gefragt werden, inwiefern die mangelnde Integrationsfähigkeit moslemischer Einwanderer auch mit ethnischen Faktoren zu tun hat.
These 6: Der Islam ist weitgehend anpassungsunfähig. Das entspricht seiner inneren Logik: Der Koran ist Gottes Wort, daher unveränderlich. Der Vergleich mit den Gräueltaten des Christentums (Kreuzfahrer, Mission mit dem Schwert) hinkt: Das Christentum verübte seine Verbrechen gegen die Gebote seines Gründers. Die Unveränderlichkeit des Gotteswortes, des Islams, führte zu "1400 Jahren Stillstand" in seinem Herrschaftsgebiet, zu einer "versiegelten Zeit". Diese Zeitkapsel will sich der Islam bewahren.

These 7: Europa hat sich aus den Fängen eines falsch verstandenen Christentums und der Herrschaft der Kirche befreit, es hat sich durch die Aufklärung emanzipiert. Diese jahrhundertelange Entwicklung fehlt dem Islam. Er ist im Mittelalter stecken geblieben. Wer verlangt, der Islam möge die Aufklärung nachvollziehen, verlangt auch, dass Moslems aufhören, den Koran als Gottes Wort anzusehen.

Historisch stimmt das alles sicher, sofern man in einem solchen Aufstiegs- und Fortschrittsrahmen denkt, nur daß uns befreiten Europäern bei unserer emanzipatorisch-aufgeklärten Gottähnlichkeit inzwischen etwas bange geworden ist, und wir im Gegensatz zum im glorreichen Fortschritt steckengebliebenen Islam leider nicht mehr so taufrisch aussehen wie noch vor hundert Jahren, vielmehr nun auch biologisch am Sterben sind. Mehr dazu in meinem neuen Buch.
These 9: Die Hoffnung auf einen Wandel des Islams ruht auf vor allem auf den Schultern der Frauen, die sich aus den Klauen und Fängen einer mittelalterlichen Macho-Unkultur befreien sollten. Der Machismo des Islams ist im Koran und seinen vielen frauenfeindlichen Passagen begründet. Viele feministisch bewegte Frauen verteidigen einäugig eine Frauen verachtende Ideologie.

Das schreit geradezu nach einer zynischen Glossierung... ich sehe eine Pointe nach der anderen kommen. Ein anderes Mal...

Die Kernsätze stehen hier, und ich stimme zu:
These 10: Es geht demokratiepolitisch nicht an, den Islam zu immunisieren und Islamkritik mit der Nazi- und Faschismuskeule zu verfolgen. Dies ist ein Symptom jener Orientierungslosigkeit und tiefen Dekadenz, in der sich Europa befindet. Wenn sich Europa nicht auf seine Wurzeln und Identität besinnt, wird sich die im Gange befindliche Islamisierung beschleunigen, und dann könnte es bald Schluss sein mit der vielgerühmten Toleranz, wie viele Beispiele zeigen. Fazit: Die Wahrheit muss zumutbar sein – auch über den Islam …

Und ich füge hinzu: auch über den Liberalismus und die Ursachen der "Dekadenz". Die Zeit ist überreif!

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (44)

Harald de Azania
06. Januar 2015 09:14
Verehrter ML!

Volks (pardon: MultiKulti)frontberichterstattung detto in "Die Welt' 6.1.15.

Es lebe die RLMKRT= real existierende MultiKultirepublik Tolerantia!

HdeA
Hartwig
06. Januar 2015 10:21
Sehr gut, Herr Lichtmesz.
Das sind Grundsatzfragen.
Ich kenne Ihr neues Buch (noch) nicht. Vielleicht enthält es Antworten auf die Frage nach dem Anzustrebenden, der Idee, der Alternative.
Ich habe mich in den letzten beiden Jahren in das Thema Preußen vertieft. Über den Nationalsozialismus ein objektives Bild zu gewinnen ist schwer, dennoch einen Versuch wert. Die DDR mit ihrem unbeschreiblichen Mix aus Gleichschaltung, (preußischer) Inpflichtnahme, intellektueller Unterforderung und - Unterwerfung, und der (national)sozialistischen Vergemeinschaftung kenne ich aus eigenem Erleben. Und die liberale Gesellschaft ist gegenwärtig und hier oft charakterisiert.
Vor diesem Hintergrund fällt es wie oben angedeutet nicht leicht, eine funktionierende Alternative zu denken.
Vielleicht könnte sich das IfS des Themas annehmen.
Carl Sand
06. Januar 2015 10:27
These 0:

Der Islam ist nicht das Problem, sondern das Symptom.

Das (Haupt)Problem ist die Masseneinwanderung.

Masseneinwanderung ist Völkermord.

Im Vergleich dazu kann alles sonstige dahinstehen.
Sternenfrau
06. Januar 2015 10:32
Lieber Martin,

danke für diese großartige Reflexion.

Ach würden doch auch Journalisten ihr Hirn zum differenzierten Denken benutzen !
Thomas Wawerka
06. Januar 2015 11:06
Hier finde ich ein Detail interessant: in der Tat, wer die christlichen Kirchen kritisiert, sofern sie noch konservativ-christlich sind, gilt in der Regel als „links“, wer den Islam kritisiert, als „rechts“. Warum eigentlich?

Man soll ja anderen nicht "Angst" oder "Hass" unterstellen, aber dennoch beschleicht mich desöfteren das Gefühl, diese fanatische Fremdenfreundlichkeit (egal, um welches Fremde es geht, selbst wenn es den eigenen Positionen so sehr widerspricht wie der Islam der Linken) könnte eine aus Angst geborene Reaktion sein. Oder, böser formuliert, eine Unterwerfungsgeste mit der Bitte um Schonung.
Wie anders als "Ich bin eine von euch!" soll man das sonst verstehen:
http://iraniangerman.files.wordpress.com/2011/02/roth_iran.jpg
(Okay, Frau Roth als Beispiel aufzuführen ist wohlfeil ...)


Das Christentum steht hier als Symbol für das Eigene und wird auch als solches wahrgenommen; um die Religion an sich geht es nur sekundär.


So habe ich das noch gar nicht gesehen. Wenn das so ist, ist vielleicht doch noch nicht alles verloren ... Eine Würdigung jedenfalls, auch im Modus der Ablehnung.

Ansonsten danke für die Differenzierungen, Herr Lichtmesz. Ich will jetzt nicht meinen "Dönermann" bemühen, aber es ist ebenso unangebracht, jeden Moslem unter Generalverdacht zu stellen, wie jeden Konservativen mit Breivik zu vereinnahmen.
Ein Fremder aus Elea
06. Januar 2015 11:21
IS hat tatsächlich nichts mit dem Islam zu tun, es handelt sich um eine Showveranstaltung, welche nur deshalb aufrecht erhalten bleibt, weil alle von ihr profitieren, insbesondere die der Baath-Partei verbandelten Sunniten im Irak, denn sollte der Druck auf den IS zu groß werden, kommen sie als Retter in der Not ins Spiel, anstatt wie bisher als Relikte des Bösen.

Man muß sich Abu Bakr Al Baghdadi nur auf YouTube ansehen, um zu wissen, daß er weder militärischer noch geistlicher Führer ist, sondern wahrscheinlich ein Student des Maschinenbaus oder sowas in der Art, also bevor er rekrutiert wurde.

https://www.youtube.com/watch?v=VOORW63ioY0

Aber was diese ganze wörtliche Koranauslegung angeht, ich möchte da auf folgendes hinweisen, was ausgesprochen witzig ist, anders kann man's ja nicht bezeichnen:

Laut Koran sendet Gott JEDEM Volk einen Propheten.

Ebenfalls laut Koran ist Mohammed der LETZTE Prophet.

Das heißt einerseits, daß seit Mohammed keine neuen Völker entstanden sein können, was, meines Wissens nach, einfach nicht stimmt, und andererseits, selbst wenn es stimmte, hieße es doch, daß Gott

- den Nordfriesen einen Propheten gesendet hat
- den Ostfriesen einen Propheten gesendet hat
- den Wenden einen Propheten gesendet hat
- den Zulu einen Propheten gesendet hat
- den Rätoromanen einen Propheten gesendet hat
- den Türken einen Propheten gesendet hat
- den Berbern einen Propheten gesendet hat
- den australischen Ureinwohnern einen Propheten gesendet hat
- den Persern einen Propheten gesendet hat
- den Bengali einen Propheten gesendet hat
- den Tschetschenen einen Propheten gesendet hat
- den Georgiern einen Propheten gesendet hat
- den Basken einen Propheten gesendet hat
- den Angeln einen Propheten gesendet hat
- den Dänen einen Propheten gesendet hat
- den Schweden einen Propheten gesendet hat
- den Norwegern einen Propheten gesendet hat
- den Finnen einen Propheten gesendet hat
- den Fulani einen Propheten gesendet hat
- den Hausa einen Propheten gesendet hat
- den Russen einen Propheten gesendet hat
- den Letten einen Propheten gesendet hat
- den Kalahari Buschmännern einen Propheten gesendet hat
- den Armeniern einen Propheten gesendet hat

und so weiter, noch 800 Mal oder so, und NACHDEM Gott das alles getan hatte, hat er sich gedacht:

"Na gut, bleibt ja kein anderer mehr übrig, sende ich also auch den Arabern noch einen Propheten."
Ein Fremder aus Elea
06. Januar 2015 11:51
Ach ja, bevor jemand meint, ich hätte das falsch verstanden, die Stelle lautet:

Und für jedes Volk gibt es einen Boten. Und wenn ihr Bote kommt, werden sie gerecht mit einander verkehren, und ihnen wird kein Unrecht angetan. 10:47

Da ist davon die Rede, daß der Bote SELBER kommt, nicht nur seine Botschaft.

M.L.: Wo ist er? Her mit ihm!
John Haase
06. Januar 2015 11:55
Ich finde es beeindruckend, wie es Herr Lichtmesz immer noch aushält, Mainstreammedien nicht nur zu lesen sondern auch noch zu kommentieren. Ich kann das nicht mehr lesen. gar nicht mal, weil ich mich so sehr aufrege, sondern weil mich beim Lesen ein gewaltiges Ekelgefühl vor meinem eigenen Volk überkommt.

Ich habe mittlerweile einen derartigen Haß auf die "Zivilgesellschaft" entwickelt, daß ich ohne weiteres die Aufnahme von 2.000.000 Moslems unterstützen würde, wenn ich dafür 2.000.000 Deutsche, die ich selbst aussuchen kann, abschieben dürfte. Wäre ein guter Deal. Es ist mir eigentlich egal ob die Moslems in Berlin ein mittleres oder ein großes Ghetto haben oder ob hier in Zukunft noch mehr Dönerbuden rumstehen etc. Mit den meisten Moslems kann man leben, und mit denjenigen, mit denen man das nicht kann würde der Rechtsstaat schon fertig werden, wenn er nur endlich seine eigenen Gesetze mal befolgte. Aber mit unseren Toleranten, Weltoffenen und Bunten kann man nicht leben.

Wenn ich eine Zeitung aufschlage, eine Rede im Landtag höre, und all die degenerierten Männer und fetten kurzhaarigen Frauen sehe, die an den behindertesten Stellen überhaupt applaudieren, das Getrillerpfeife bei den Breites-Bündnis-Demos höre (gestern hat übrigens -kein Witz- auch das Kölner Schokoladenmuseum seine Fassade verdunkelt) und das ewige Zeckengekeife ertragen muß; wenn überall im Fernsehen, in der Zeitung, in der Straßenbahn, im Stadtbild, im Stadion nur noch Respekt, Weltoffenheit, Integration propagiert und gefordert werden und jeder kleinste verbale Verstoß dagegen immer Gefahr läuft, von irgend einem miesen kleinen Denunzianten zur Anzeige gebracht zu werden; wenn ich die ganze Häßlichkeit der modernen Kunst, Architektur, Städte, ja überhaupt Lebensweise sehe und die Ideologie dahinter, die seit 50 Jahren nichts mehr aufgebaut hat, sondern immer nur noch weiter kaputtmachen und schleifen kann, ja nicht einmal mehr ernsthaft behauptet, daß es anders wäre - dann sehe ich den Untermenschen, in all seiner Widerwärtigkeit. Echt, stirb endlich.

Ich verstehe es im übrigen vollkommen, wenn dieser Kommentar nicht veröffentlicht wird. Aber Untermensch ist einfach das richtige Wort, ich kann es auch nicht ändern.

M.L.: Wollen wir das als "célinesk" durchgehen lassen... ;-)
Thomas Wawerka
06. Januar 2015 12:03
NTV erklärt den "Sieg über PEGIDA":
http://www.n-tv.de/politik/Pegida-ist-gescheitert-Und-nun-article14262801.html

So kann man's natürlich auch machen ... Immerhin mal was Neues!
Martin Lichtmesz
06. Januar 2015 12:09
Aus Klonovskys Acta Diurna:

27. Dezember 2014

Was ist von der Pegida-Bewegung zu halten, von deren Schmähung derzeit die halbe Medienöffentlichkeit lebt, ohne deren Erwähnung kein Nachrichtenportal auszukommen scheint und zu deren Stichwortgebern ein großes deutsches sogenanntes Intelligenzblatt u.a. mich kürte? Unstrittig scheint mir zu sein, dass unter dem Motto "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" die Habermas’sche "Lebenswelt" beziehungsweise ein Teil derselben auf die Straße geht. Als ein spezieller Verehrer des Starnberger Transzendentaldemokraten sowie Großakklameur des im Grundgesetz verankerten Gundrechtes auf Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit begrüße ich die Kundgebungen ausdrücklich, zumal weder Sponsoren noch Parteien dahinterstehen wie bei den Gegendemonstranten und der üblichen subventionierten Protestfolklore „gegen rechts“, sondern die Menschen sich aus freien Stücken und gegen erheblichen Widerstand des etablierten Herrschaftsmilieus versammeln.

Diese Leute sind, ob es den politisch Verantwortlichen nun passt oder nicht, Bürgerrechtler. Was ihre Anzahl betrifft, darf getrost von einer Neuauflage der außerparlamentarischen Opposition gesprochen werden, nur dass die Mitglieder dieser APO im Gegensatz zum alimentierten Original mehrheitlich ihr eigenes Geld verdienen dürften. Da sich auf beiden Seiten Extremisten unters Volk mischen, muss man es nicht für eine Seite betonen; dieses beliebte und vor allem einseitige Exerzitium überlassen wir gern den bewährten z.T. bärtigen Tanten von der Gesinnungspresse. Welche Seite mehr Deppen aufzubieten hat, vermag ich nicht zu beurteilen, aber ganz gewiss gehört mehr Courage dazu, bei den „Patrioten“ Gesicht zu zeigen als bei ihren von sämtlichen Parteien, Gewerkschaften, Medien, Theatern, der evangelischen Kirche, den Zentralräten der Juden und Muslime unterstützten Kontrahenten, während die Verworfenen einzig das Privileg genießen, nicht zu allem Übel noch die Gefechtsmusik von Konstantin Wecker oder der Sportfreunde Stiller über sich ergehen lassen zu müssen.

Liest man freilich die Positionspapiere der Pegida, stehen dort lauter vernünftige Forderungen, von der notwendigen Unterscheidung zwischen normalen Muslimen und politischen Islamisten, zwischen tatsächlichen Flüchtlingen, die Deutschland aufnehmen, und unerwünschten Einwanderern, denen man nolens volens die Tür weisen soll; man fordert die Abschiebung ausländischer Straftäter, das Primat der heimischen Kultur, keinen Polizeiabbau und dergleichen Selbstverständlichkeiten mehr. Im Grunde steht dort dasselbe wie in Grundsatzerklärungen von bürgerlichen Parteien überall auf der Welt, aber dass solche Lippenbekenntnisse hierzulande plötzlich beim Wort genommen und als Forderungen auf die Straße getragen werden, irritiert die politischen Gouvernanten unserer Republik, interessanterweise auch in der CDU/CSU, also in jenen Parteien, von denen man in den vergangenen beiden Jahrzehnten die Etablierung einer intelligenzgesteuerten Zuwanderungspolitik erwartet hätte. Undenunziert demonstrieren darf man in der Bunten Republik Deutschland allerdings und bekanntlich nur gegen das Atom, gegen die Banken, gegen Putin und vor allem gegen "rechts". Beim Umgang mit Pegida ist ein ähnliches Muster zu beobachten wie bei den politisch-medialen Reaktionen auf die Petition gegen die sogenannte "Akzeptanz sexueller Vielfalt" in den Schulen Baden-Württembergs, wo immerhin 200.000 Unterzeichner die grün-rote Landesregierung nicht bewegen konnten, von ihren Plänen abzurücken oder sich wenigstens einer offenen Diskussion zu stellen. Hier wie dort sehen wir also, was das speziell von den Grünen strapazierte, aber gewiss auch die Bundesregierung amüsierende Motto "Mehr Bürgerbeteiligung!" wert ist. Wobei die Beschimpfungen, die sich über die Bürgerbewegten im Ländle ergossen, fast moderat wirken verglichen mit jenen, die seit Wochen aus den Mündern der üblichen journalistischen Kretins und parlamentarischen Apparatschiks, von Bundesfreiheitsbuffo Gauck und sogar seitens der Kanzlerin über die Pegida-Demonstranten gekübelt werden, garniert mit ein paar taktischen "Gegenstimmen" (Schäuble, Geißler), die freilich nur äußerten, man möge die protestierenden Kleinen wenigstens ernstnehmen, aber nicht, man möge auf sie hören, die also das paternalistische Leitmotiv nur eine Nuance variiert ableierten.

Das dabei verwendete Vokabular illustriert vor allem eines: Es soll in der Bundesrepublik keine politische Mitsprache über das turnusmäßige Stimmzetteleinwerfen und Kandidatenabnicken hinaus geben, es soll ferner keine nach festen Regeln stattfindende Zuwanderung geben, es sollen auch keine Kriterien festgelegt werden, wer nach Deutschland einwandern darf und wer nicht, es soll nicht einmal der Begriff Flüchtling exakt definiert werden, was ja bedeuten würde, dass auch der Nicht-Flüchtling sowie eine so heikle Sache wie die nationale Souveränität definiert werden müssten. Es soll kein Recht auf Heimat mehr geben, bei Strafe des Faschismusvorwurfes. Warum das so ist, weiß ich nicht; wohin meine Vermutungen gehen, habe ich in diesem Diarium gelegentlich erwähnt.

Was ich aber weiß, ist eine Antwort auf die vielbeschwätzte, wenngleich verlässlich mit Herablassung traktierte Frage, warum Pegida vor allem in den sogenannten neuen Bundesländern so viele Menschen mobilisiert. Diese Frage habe ich schon lange vor dem Auftauchen der "Patrioten" in diversen privaten Gesprächen beantwortet, und ich will es gern wiederholen: weil die Gehirnwäsche im Westen viel smarter und solider war als in der untalentierten und erfolglosen DDR, wo sowieso kein Mensch die Parolen glaubte, die ihm täglich verabfolgt wurden. Der Durchschnitts-Westdeutsche indessen glaubt mit einer Inbrunst an den Endsieg des westlichen Systems, wie sie nicht einmal unter SED-Funktionären sonderlich oft anzutreffen war. Ob mit Recht, wird sich zeigen; mein altersmildes Haupt würde ich nicht darauf verwetten.

Viele Menschen im ehemals Mitteldeutschland geheißenen Osten, namentlich in Dresden, haben wahrscheinlich deshalb – also wegen der missratenen Gehirnwäsche – so etwas wie Gemeinschafts- und Bürgersinn bewahrt, gerade nach den Elendsjahren unter dem SED-Joch. Viele Menschen im Osten sind, zumindest potentiell, gegen die geistige Kolonisation immunisiert, sie sind bereits geimpft worden, weshalb der Versuch, heute mit der sogenannten Politischen Korrektheit das zu vollziehen, was der Realsozialismus nicht schaffte, nämlich ihnen ihren gesunden Menschenverstand, ihre Alltagserfahrungen und ihren Sinn für das Angemessene auszureden, besonders im Osten an seine Grenzen stößt, einstweilen zumindest. Viele Menschen dort betrachten ihr Gemeinwesen als ihre Angelegenheit, anders als im Westen, wo man, zumindest in der "besseren" Gesellschaft und vor allem in jenem Milieu, das es sich leisten kann, die Grünen zu wählen, sturfrömmst an das Wunder des anything goes glaubt, sich überdies als Weltbürger fühlt und im Zweifelsfalle wegschaut oder, wer kann, wegzieht, weil für die Tonangeber dieses Landes längst nur das Ich zählt und nichts außerdem (ich spreche hier naturgemäß al fresco über meine lieben westelbischen Landsleute). Der sächsische Ausländerbeauftragte Martin Gillo, ein CDUler, hat eine dortzulande vielzitierte Unterscheidung zwischen "Herkunftsdeutschen" und "Zukunftsdeutschen" getroffen. Wie die meisten westdeutschen Herkunftsdeutschen, denen der Zustand ihrer Kommune egal ist und die das für fortschrittlich halten (wenn sie Glück haben, mit Recht, wenn sie Pech haben, bis man ihnen oder ihren Kindern, sofern vorhanden, die Kehle durchschneidet oder den Schädel eintritt), haben die meisten Ostdeutschen nichts gegen Herrn Gillos einwandernde Zukunftsdeutsche – sie wollen lediglich ein Wörtchen dabei mitreden, mit wem sie künftig zusammenleben.

Schon der Wiederaufbau der Frauenkirche war ein deutliches Signal der Dresdner an den Rest der Republik. Ich wage die Behauptung, dass keine Stadt in den westlichen Bundesländern eine vergleichbare Leistung hätte vollbringen können, weil es dort eben keine größeren Bürgerkollektive mehr gibt, sondern nur "die Menschen draußen im Land" (A. Merkel), über deren Steuergelder auf bewährte Weise zentralistisch verfügt wird; überdies handelte es sich um eine christliche Kirche, nicht um eine Shopping Mall, ein antifaschistisches Mahnmal oder ein multikulturelles Begegnungszentrum. Und ob sich in München oder Hamburg ein vergleichbar kultiviertes Publikum finden würde, das nach einer Aufführung von Beethovens "Missa solemnis" zum Gedenken an die Opfer des Luftkriegs geschlossen auf den Applaus verzichtet, sei dahingestellt. Unter anderem deswegen ist Dresden ja auch in jedem Februar von Neuem ein Betreuungsobjekt vor allem westlicher Volkspädagogen.

Wiederholt ist gegen Pegida vorgebracht worden, in Dresden und überhaupt im Osten lebten doch kaum Ausländer bzw. Muslime, jedenfalls weit weniger als im Westen, weshalb den Aufmärschen etwas Surreales und Spiegelfechterisches eigne. Wieso demonstriere man gegen Probleme, die, wenn überhaupt, anderswo dräuten? Die Publizistin Cora Stephan hat in diesem Zusammenhang daran erinnert, in welcher Entfernung von deutschen Landen und Gauen jenes Reaktorkataströphchen vorstellig wurde, um dessentwillen unser Stimmungskanzlerin aus der Atomenergie retirierte. Ich würde allenfalls noch ergänzen, dass man dann auch unmöglich zu Berlin gegen den Vietnam- und später den Golfkrieg hätte demonstrieren dürfen; vom "Kampf gegen rechts", der ja meist ohne anwesenden Gegner stattfindet (was seine vergleichsweise Popularität erklärt), ganz zu schweigen. Die Herbeischaffung weiterer Beispiele sei jedem selbst anheimgestellt.

Zuletzt: Dass sich sogar mein guter Freund M., der eigentlich alles weiß, darüber mokiert, er habe keine Ahnung, wofür diese Pediga-Leute stünden, und fragt, warum sie keine Erklärungen abgäben, keine Reden hielten etc., bringt uns nicht zu eigentlichen Problem, aber zur abstoßendsten Sphäre dieser Republik, der sogenannten Medienöffentlichkeit. Nichts erfuhr man dort von den Motiven der Demonstranten, sondern lediglich, dass man sie als braver Bürger dieser Republik für Nazis, Rechtsextremisten, Ausländerfeinde, Hetzer oder mindestens von den modernen Zeiten überforderte Wutbürger zu halten habe, für Ewiggestrige, die Deutschland abschotten und ins Mittelalter zurückwerfen wollten, dass man mit diesen Leuten nicht reden oder verhandeln dürfe, dass sie eine Schande für Deutschland seien, dass man ihnen mit Null Toleranz zu begegnen (demnächst: kurzen Prozess zu machen?) habe und dergleichen angewandte Pluralismen mehr. So las ich zum Beispiel zwischen den Klatsch-, Sport- und Katastrophenmeldungen auf der Startseite meines im Grunde zu weltanschaulicher Neutralität verpflichteten Mail-Anbieters die Schlagzeile "Pegida wuchert weiter". Die Saat der Toleranz geht auf. Die Sprache des Unmenschen richtet sich gegen eine vollkommen friedfertig protestierende Volksgruppe. Die demokratische Humanistenpresse will ihr Publikum in Bürgerkriegsstimmung bringen. Aber keine Angst, es sind nur Papiertiger; nie würde sich das mit einem ernsthaften Gegner anlegen (auf Pegida gewendet: Ab 50.000 Mann pro Kundgebung wird die Berichterstattung entschieden freundlicher, ab 100.000 hatte man selber von Anfang an Verständnis für die Demonstranten). Erinnern wir uns nur daran, wie zahm unsere Medienschaffenden samt ihrer parlamentarischen Vor- und Nachbeter auf die antiisraelischen Ausschreitungen in deutschen Städten vor einem halben Jahr reagierten, als eine der wirklichen potentiellen Bürgerkriegsparteien erstmals in größerem Stil Gassi ging...

Es wird in den nächsten Jahren eine Spaltung dieses Landes in zwei Lager stattfinden, wie sie in den USA bereits weitgehend vollzogen ist. Die Bruchlinien sind mit Namen wie Sarrazin, Pirincci, AfD und Pegiga markiert, desgleichen gehören die Petitionsbetreiber gegen die Schulsexualisierung in bald vielen Bundesländern dazu, vielleicht auch die Maskulinisten, ein paar HoGeSa-Leute und die Handvoll deutsche Libertäre. Es wird eine antisozialistische Bürgerbewegung werden, die sich die amerikanische Tea-Party zum Vorbild nehmen dürfte, sie wird ähnliche Blüten an Dummheit und Unappetitlichkeit treiben, wie in Übersee zu beobachten, aber es doch wahrscheinlich niemals schaffen, in puncto Widerwärtigkeit und Niedertracht mit den Figuren zu konkurrieren, die momentan in diesem schönen Land die öffentliche Meinung bestimmen. Ich für meinen Teil werde wenig mit diesen Leuten zu tun haben, aber ein gewisses Maß an Verständnis für sie hegen, denn mir fällt kein Argument ein, warum diejenigen, so da seit Jahren für das humanitaristische Theater blechen und sich gleichzeitig von den Lautsprechern des Zeitgeistes als dumpfdeutsche Mitte-Extremisten schmähen lassen müssen (in den Öffentlich-Rechtlichen sogar auf eigene Kosten), sich nicht endlich einmal spürbar gegen diese Plage zur Wehr setzen sollten (sofern sie nicht zu den Seligen gehören, die sich bisweilen noch durch die Lektüre der Zeit oder des Stern sedieren lassen). Der Erfolg dieser Bürgerbewegung wird davon abhängen, inwieweit man es versteht, jene Riesenschar von Zuwanderen oder Frischdeutschen einzubeziehen, die gern hier leben, ihre Rechnungen selber bezahlen und sich ihre neue Heimat nicht von grün-roten Spitzbuben sukzessive miserabilisieren und demolieren lassen wollen. Die Fronten müssen völlig neu gezogen werden.

Wir berichten weiter.
Carl Sand
06. Januar 2015 12:34
@John Haase

Erstens:

Oh Mann, ich kann Sie ja so gut verstehen.

Trotzdem ist das "Wir sind selber schuld und haben es verdient, auszusterben"-Mem Gift.
Tödliches Gift.

Es handelt sich nicht um elbstmord, sondern Mord.

Zweitens:

Was mir hilft und sicher auch Ihnen helfen kann, ist sich klarzumachen, dass wir in einer faktischen totalitären Diktatur leben.

Und so ist das nun einmal, wenn man in einer Diktatur lebt.

Mindestens 90% der Menschen sind feige Mitläufer. Ganz normal.

Und falls es uns oder anderen gelingen sollte, die Demokratie wieder einzuführen,

werden genau dieselben Menschen aus Mitläufertum ganz deokratisch und volksverbunden daherreden.

Tröstlich.
Carl Sand
06. Januar 2015 12:37
Fummelhandys mit Grabschtastatur werden dann als erstes verboten.

(S)elbstmord.

de(M)okratisch.
Zadok Allen
06. Januar 2015 12:51
@ John Haase

Zu viel Killerbee gelesen? ;-)

@ Carl Sand

Sie bringen es auf den Punkt. Und genau in diesem Zusammenhang, weniger in dem unlängst von Herrn Lichtmesz aufgeworfenen, scheint mir die PEGIDA-Bewegung als "Falle" tauglich zu sein.

Es läßt sich kaum bestreiten, daß eines der Ziele der Herrschenden und ihres gleichgeschalteten massenmedialen Apparats im Aufbau (!) eines "Feindbildes Islam" besteht. Bevor man auf mich eindrischt, bedenke man den 11.09., die Beziehungen zwischen den US-Diensten und Al Kaida / IS, die Duldung und freundliche Unterstützung der "Terrorfinanzierung" durch die Golfmonarchien seitens der USA usw.

Ich bin weit davon entfernt, den Islam positiver einzuschätzen als er ist, doch ich kann nicht anders, als in der Fokussierung auf den Islam als vermeintliche Gefahr für Europa, die bei PI vollständig durchgesetzt ist und sich Gott sei Dank bei PEGIDA nicht einzustellen scheint, einen genialen taktischen Zug der Herrschenden zu sehen.

Divide et impera! Man importiert in großem Maßstab mohammedische Einwanderer, duldet oder unterstützt deren immanente Radikalisierungstendenzen, dann läßt man sie auf Einheimischen los, denen man gleichzeitig mittels Massenmedien Angst vor dem Islam macht.

So hat man erst einmal von den eigenen Machenschaften abgelenkt und kann ggf. noch als "Retter in der Not" auftreten, indem man die Grundrechte abschafft, allgemeine Überwachung einführt und vielleicht auch das Netz stranguliert ("Terrorfinanzierung" hier, "Volksverhetzung" da).

Das Problem ist nicht mohammedanische Einwanderung. Das Problem ist Einwanderung an sich. Einwanderung schadet allen; denen, zu denen eingewandert wird, denen, von denen weggewandert wird und denen, die einwandern. Diese Prämisse muß sich verankern. (Daß es faktisch trotzdem hie und da immer ein paar Einwanderer geben wird, ist geschenkt.)

Einwanderung ist ein Unwert, denn sie zerstört das, was hunderte Generationen vor uns geschaffen haben. Auf die Bewahrung der Seßhaftigkeit des Menschen müssen alle Anstrengungen gerichtet sein. Ich habe eine gewisse Hoffnung, daß es diese Auffassung ist, die sich "dumpf" in den Köpfen der Pegidisten regt.

Insofern freue ich mich auch über die Schwammigkeit und absurde Heterogenität der PEGIDA-Thesensammlungen. Ein Indiz, daß man nicht in die Islam-Falle tappt.
Juliane R.
06. Januar 2015 12:57
Gestern Abend in Köln (nach D´dorf und Bonn):
Ca. 300 Pegida-Leute auf dem Ottoplatz stehend, eingekesselt von Polizei, dahinter die Gegendemonstranten, laut und aggressiv,geradezu fanatisch und hysterisch, aber längst nicht so viele, wie überall verbreitet wurde.
Ein wahrer Hexenkessel, dazu der verdunkelte Dom, der dadurch ja erst und geradezu prophetisch zu unserer Kulisse wurde.
Die Pegida-Redner und Reden... - nicht erwähnenswert bis blamabel. Der Gesang ebenfalls.
Der Wirkung tat es keinen Abbruch. Die Auflösung ging nur durch ein von der Polizei abgeschirmtes Spalier bis zum Bahnhof.
Blanker Hass auf Knopfdruck schlug uns entgegen.
Ein "bunter" Spießrutenlauf.
Nicht das "gute breite Bündnis" hat gestern das Spazierengehen verhindert, sondern die angedrohte Aggressivität der Gegendemonstranten und das Eingeständnis der Polizei, uns nicht ausreichend schützen zu können.
So absurd das Ganze war, mehr Wirkung kann man mit relativ geringem Aufwand wohl kaum erreichen.
Nächsten Montag in Düsseldorf.
Hartwig
06. Januar 2015 13:01
@ Wawerka schrieb:
" ... diese fanatische Fremdenfreundlichkeit ... könnte eine aus Angst geborene Reaktion sein. Oder, böser formuliert, eine Unterwerfungsgeste mit der Bitte um Schonung ... "

So ähnlich. aber nicht genau so.
Es ist m.E. eine Position der Feigheit, aber noch mehr äußerster Bequemlichkeit. Das sieht man ja auch beim Geschichtsbild. Die 'Schuld auf sich nehmen' bedeutet, sich nicht mehr verteidigen zu müssen, keine eigene Poition gegen die Position anderer stellen zu müssen. Das hätte etwas mit Anstrengung zu tun. Genau so ist es bei der Formulierung und Durchsetzung eigener Interessen gegen die Interessen anderer. Bedeutet automatisch 'Kampf'. Und die 90 Prozent Mitläufer, von denen @Carl Sand schreibt, scheuen sich vor nichts mehr als vor irgendeiner Art von Kampf.
Frederick van Portshoven
06. Januar 2015 13:04
@ John Haase: Des Öfteren erwische ich mich selbst auch bei solchen Gedanken. Allein heute morgen beim Radiohören hätte ich selbiges aus dem Fenster werfen können, so ätzend parteiisch äußerte sich die Sprecherin beim Verlesen der Nachrichten hinsichtlich der jüngsten PEGIDA-Demonstration. Vielleicht sollte die Islamisierung schleunigst einen großen Sprung nach vorn machen, damit es auch die behütetsten Mitbürger, die sich wohl selbst zu den sog. "Anständigen" zählen, endlich merken, was in diesem Lande von Statten geht. Ich habe das Glück, gegenwärtig in einer eher ruhigen bürgerlichen Gegend mit vielen Mitdreißigern samt Nachwuchs, die allesamt mehrheitlich keine Migrationsgeschichte haben, zu leben. Denen geht es noch gut. Was für Perspektiven malen sich diese Menschen denn für ihre Kinder aus? Dass sie später alle zusammen händchenhaltend unter einem Regenbogen und der lachenden Sonne tanzen werden? Um zu sehen, wie die Realität auch aussehen kann, muss man hier nicht einmal weit in die nächsten Stadtteile fahren. Als angehender Politiklehrer graut es mir gewissermaßen allerdings schon vor dem Unterricht...
Irrlicht
06. Januar 2015 13:39
Die übliche "Islamkritik" krankt daran, dass sie den Gegenstand ihrer Kritik nicht ansatzweise in ihr Blickfeld nimmt. Ein religiöser Grundlagentext, sei es die Bibel oder der Koran,ist keine wissenschaftliche Theorie, in der die Aussagen aus einer endlichen Menge von Postulaten/Axiomen deduziert werden können, es sind hochgradig interpretationsfähige, fragmentarische Texte, die im Fall des Koran zu einer Unzahl von Richtungen und Schulen führten. Eine Kritik des Islam als politische wirksame Ideenlehre müßte auf die Interpretationen der theologischen Schulen aufsetzen, nicht zitatfleddernd eine neue, in der Folge als Strohmann dienende, Auslegung des Koran liefern.

Zum politisch-strategischen Aspekt: Al-Qaida entstand als Widerstandsbewegung gegen die amerikanische Truppenpräsenz in Saudi-Arabien, und z.B. die Anschlagsplanungen der Saulerland-Gruppe richteten sich gegen US-Militäreinrichtungen in Deutschland, nicht gegen Deutschland. Der Konflikt weitete sich seitdem auf andere politische, kulturelle und religiöse Felder aus, im Kern besteht er zwischen den USA (und Teilen der von ihr geführten sog. "westlichen Welt") und Teilen der islamischen Welt. Politisch fungieren die Islamkritiker dabei, wie es Lorenz Jäger in "Adieu, Kameraden" formulierte, als "eingeborene Hilfstruppen, Askaris", die fremden Strategien dienen.

Eine Frage, die sich dabei stellt, ist, wer der eigentliche politische Feind ist. Eine andere, ob, als Folge von PEGIDA und in Anknüpfung an die Vor-Breivik-Zeit, die "'Islamkritik' in allen Spielarten, bis hinunter zur offenen Demagogie, fast das einzige Prunk- und Ehrenzeichen konservativer Politik" (Jäger) wird. Die derzeitige publizistische Aktivität im rechten/konservativen Spektrum deutet darauf hin. Die dritte ist, ob die, im Gegensatz zum Ausland, bemerkenswerte Erfolglosigkeit der zahlreichen Versuche, eine massenwirksame islamkritische Bewegung in Deutschland zu etablieren, anhält.
Arkanthus
06. Januar 2015 14:43
Wahrscheinlich beginnt das neue Jahrhundert erst jetzt. Die tiefen Umwälzungen, die die Islamisierung andeutet, zeigen, daß auch das neue Jahrtausend Anlauf nimmt: Hält man sich die ethnokulturelle Verschiebung vor Augen, dann ist diese Wende größer noch als die vom 19. zum 20., ja vom 18. zum 19. Jahrhundert, oder sogar vom Mittelalter zur Neuzeit.

Spengler läßt grüßen. Allerdings - und das hat er, meine ich, nicht berücksichtigt - können Individuen den Unterschied machen. Die Eliten streben dem Untergang zu, die Geisteshaltungen, Theologien und Ideologien. Insoweit paßt sein Determinismus. Aber energische Kämpfernaturen, die das Schicksal immer zur rechten Zeit heranspült, die können Geschichte machen, wenn sie sich erkennen.
Heinrich Brück
06. Januar 2015 15:20
Warum hat Breivik seine kalte Mörderhand in Aktion treten lassen? Aus Wut; aus Rachemotiven.
Die Frustration und der Umgang mit ihr, zeigt eine Morallosigkeit die nicht ausgebremst werden konnte. In diesem Sinne war Breivik linksverhunzt.
Diese ermordeten Kinder waren in Breiviks Welt schon tot; denn auf sie wartete nur das linke Leben der Zerstörung, der kompletten Auslöschung des norwegischen Volkes. Was ihre Eltern in ihren Kindern weitergeben wollten, mußte bestraft werden. Die Eltern mußten bestraft werden (Breivik hatte nie gescheite Eltern). Scheidungskinder müssen wohl mit einer Wut leben, die den eigenen Eltern den Tod wünscht.
Diese Wut hat Breivik unverstanden positiv verbrämt kompensiert durch eine im Größenwahn befangenen selbstauferlegten Retterrolle
des Abendlandes (oder zumindest des eigenen Landes).
Ein Rechter hätte sich selbst geopfert (siehe Dominique Venner).
Breivik ist nicht nur Täter, er ist auch Opfer eines linken Welt- und Menschenbildes; deren vergangene Jahrzehnte verantwortlich gemacht werden können für das Muster seiner Sozialisation und des Fehlenden (in seinem Fall die richtige Einschätzung seiner Tat).
Zadok Allen
06. Januar 2015 17:22
Ich möchte jene, die es noch über sich bringen, "Qualitätspresse" zu konsumieren, auf das heutige Gruselkabinett in der Zeitung mit den vier großen Buchstaben hinweisen:

http://tinyurl.com/l7oybgm

Die Photos und die hohlen Phrasen bedürfen keines Kommentars mehr. Das dürfte das letzte Aufgebot sein. Die BRD, wie wir sie kannten, ist am Ende.
Harald de Azania
06. Januar 2015 17:32
Verehrter ML!

Einige 'unfrisierte' Gedanken:

"Das Imperium schlaegt zurueck" und wirkt laecherlich.

Wer das Licht abschaltet feiert die Finsternis. Wer ist denn der Herr der Finsternis?

M.L.: Nieder mit den Verdunkelmännern! Licht ins Dunkel! Das wäre doch ein Slogan für Pegida...

Qualitaet: Was sind Tausende des p.c. mobs mit massivem Rueckenwind des Establsihments gegenueber ein paar Hundert Aufrechten?

Dresden: Die erste befreite Zone Deutschlands.

Politik heute: Charakterlich enthemmmte Non-Valours + kulturnihilistische Hegemonie + Mob ( teilweise importiert)

In der 'spin' Welt von heute heiszt so gut wie jeder politisch verwendete Begriff das Gegenteil.

Jeder, eine Gemeinschaft, ein Volk wird nicht so behandelt wie sie es sich verdienen, sondern wie sie sich behandeln lassen.

Parteienfinanzierung + Pressefoerderung + Kirchenbeitrag + sonstige Subventionierte und Gefoerderte: Kleingreissler des p.c. und Shoa-business.

Wieso ist die heutige herschende Klasse die Erste in der Weltgeschichte, die keine Kultur hervorbringt ?

Es gibt Fellachen und es gibt Wiederhallmenschen. Wo diese Gruppen wohl zu finden sind?

Wieso klingen Siegesmeldungen ueber PEGIDA wie der Wehrmachtsbericht 1944?

? No pasaran?

!Pasaremos!

HdeA
Marcus Junge
06. Januar 2015 19:08
"Der Vergleich mit den Gräueltaten des Christentums (Kreuzfahrer, Mission mit dem Schwert) hinkt:"

Der gute Mann hat entweder nur die "Bildung" zum Thema Kreuzzüge, welche die Verblödungsanstalten von Bundland (auch Österreich ist ein Bundland) bringen, oder verkürzt hier unzulässig. Aber das wäre eine extra Geschichtsstunde wert, da es aber im Artikel nicht darum geht, gibt es Ausfall. Nur eines noch, "Kreuzfahrer" sind also eine Gräueltat? Nicht vielleicht doch eher die Taten von Kreuzfahrern?
Demo Goge aus der polis germania
06. Januar 2015 19:33
Irrlicht,
Politisch fungieren die Islamkritiker dabei, wie es Lorenz Jäger in „Adieu, Kameraden“ formulierte, als „eingeborene Hilfstruppen, Askaris“, die fremden Strategien dienen.


Warum sind dann gerade Lucke und Henkel, die immer wieder als die 'Amerikafraktion' der AfD bezeichnet werden, so zurückhaltend ?
Revolte
06. Januar 2015 19:36
@Heinrich Brück
Warum hat Breivik seine kalte Mörderhand in Aktion treten lassen? Aus Wut; aus Rachemotiven.


Ja, und dennoch hat Norwegens Politik nichts daraus gelernt. Denn die Antwort der Linsklinken ist immer dieselbe: wer das Fremde noch nicht liebt, hat es nur noch nicht richtig kennengelernt, deshalb fluten wir seine Umgebung mit noch mehr Fremden. Es wird daher, fürchte ich, in Zukunft noch häufiger zu derartigen Eskalationen kommen.
Luise Werner
06. Januar 2015 19:49
"
Die Photos und die hohlen Phrasen bedürfen keines Kommentars mehr. Das dürfte das letzte Aufgebot sein. Die BRD, wie wir sie kannten, ist am Ende. "

Zadok Allen: Gestern hörte ich im MDR einen Reporter, der vorgab oder vorzugeben versuchte, ratlos über die "Lügenpresse, Lügenpresse"-Rufe zu sein.
Er sollte sich zur Erleuchtung diese von Ihnen verlinkten "BILD-Prominenten" und deren Kommentare ansehen. Die meisten sind indiskutabel. Aber dann auch: Ich bin gegen Pegida, weil ich ... und dann kommt eine Position aus dem Pegida-Positionspapier. Seltsamerweise entsprechen die Kommentare von Manuela Schwesig und Entwicklungsminister Müller dem Pegida-Positionspapier.
Und dann wundert sich der MDR-Reporter ...
ingres
06. Januar 2015 20:02
Es stellen sich für mich in diesem Zusammenhang zwei Fragen: wie kann man die Islamisierung verhindern, wie kann man das todkranke westliche System noch retten? Wäre die Islamisierung zu stoppen wenn das westliche System gesunden würde? Wäre die Verhinderung der Islamisierung eine automatische Folge eines gesunden westlichen Systems? Und würde der Versuch seiner Gesundung nicht automatisch mit einer Verhinderung seiner Islamisierung parallel laufen.
Wenn man das so sieht, müßte man eigentlich in der Praxis nicht zwischen liberaler und "konservativer" Islam"kritik" unterscheiden, wiewohl es in der Theorie Unterschiede gibt. In der Praxis wäre es dann einfach so, dass eben eine Kritik am System an dessen Kollaboration mit dem Islam, sofern der mit rechtsstaatlichen Prinzipien nicht vereinbar ist, ansetzen würde. Damit wäre das System über das Thema Islam kritisiert. Und eben nicht nur das System, wiewohl es natürlich auch reine System-Entlarvung ohne Bezug zum Islam gibt.
Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
06. Januar 2015 20:31
Alles an PEGIDA ist ein Rätsel.

Der genial-einfältige Name, die führenden Köpfe, das Positionspapier, das die Fortsetzung der Dialogverweigerung mit anderen Mitteln ist, der Schwerpunkt gerade in Dresden.

Am unverständlichsten aber ist die hysterische Reaktion der Nomenklatura. Jeder, der auch nur ein bisschen Gefühl für die Psychologie der Masse hat, weiß, dass die Demonstrationen sich schon längst tot gelaufen hätten, würde über sie unaufgeregt und kurz berichtet.

Ich verstehe es nicht, widersage aber der Versuchung, einen geheimen Plan hinter all dem zu vermuten. PEGIDA sehe ich nicht als Falle etwa im Zusammenhang mit der Euro-Krise, die wohl jetzt erst so richtig beginnt.
Um es mit Helmut Kohl zu sagen: Der Mantel der Geschichte streift uns.
Keats
06. Januar 2015 21:52
Es gibt 1400 Jahre islamische Geschichte, fast 60 Länder, in denen der Islam heute an der Macht ist. Seine Grundlagen sind völlig eindeutig. Für Diskussionen bleibt da kein Spielraum. Die Counterjihad-Islamkritik verfolgt bekannte Extra-Interessen, aber das ändert nichts an den Fakten. Allein die Aufklärung über die Lügen zu den Themen Kreuzzüge, Sklaverei und Al-Andalus war schon sehr wertvoll. Die Islamkritik darf allerdings nur eine Abwehrwaffe sein, nicht zur Einmischung in islamische Länder mißbraucht werden. Natürlich sind weit über 90% aller Moslems Mitläufer, aber um die geht es nicht. Um die geht es nie, auch wenn sie in Deutschland sehr gut u.a. von der Ditib in der Spur gehalten werden. Es ist eine gefährliche Illusion, bei Moslems, die auf deutschem Boden leben wollen, Verbündete für oppositionelle Deutsche zu sehen. Wie viele Türken würden der Aussage zustimmen, daß Deutschland das Land der Deutschen ist? Jeder Hürriyet-Leser würde das als Nazi-Meinung bezeichnen.

Es wird immer eine Doppelstrategie gefahren. Die USA und ihre Vasallen bringen Tod und Verwüstung in islamische Länder, haben Millionen Menschen ermordet oder vertrieben, gleichzeitig sorgen sie dafür, daß Europa mit Moslems geflutet wird. In den Medien werden verharmlosende Lügen über den Islam erzählt, gleichzeitig wird permanent über islamische Mordanschläge berichtet. Einwanderer und Deutsche werden gezielt aufeinandergehetzt. Welcher Moslem, der hier gegen diese Politik protestiert, würde einsehen, daß er USA & Co seine Anwesenheit hier verdankt, genau deren Interessen bedient? Welcher Afrikaner, daß er ein Kolonialist ist?

Die veröffentlichte Meinung ist durch und durch bigott. Wenn man jemanden zwingt, etwas zu behaupten, das er selbst - zumindest unbewußt - als völlig unsinnig erkennt, macht man ihn aggressiv und fanatisch. Die Bigotten ahnen ihre Verblendung. Gibt es noch jemanden, der ehrlich und wohl begründet die Vorhersage wagen würde, daß Europa in 30 Jahren sozial, freiheitlich oder christlich sein wird? Oder lebenswert?

Deshalb haftet auch den Anti-Pegida-Propagandisten etwas zutiefst Würdeloses an. Ein gutes Beispiel bieten heute die Prominenten, meist die üblichen Politiker und Funktionäre, die in der Bild Anti-Pegida-Statements ablassen, wobei sie sich natürlich fast ausschließlich in den bekannten fauligen Phrasen erschöpfen. Besonders befremdlich, wie immer, ist das Unterwerfungsbedürfnis saturierter Rentner.
Udo Lindenberg: "Ich bin für 'ne knallebunte Republik – wie 'ne Schwester vom bunten New York." Ein ganzes Land in eine überfüllte Metropole verwandeln - eine wahrhaft schreckliche Dystopie.
Michael Gwisdek, 1942 geboren: "Ich fühle mich in ein Deutschland versetzt, das ich noch miterlebt habe, aber nie wieder haben möchte." Armer traumatisierter Kerl, mußte schon als 2-Jähriger spazierengehende Nazis / Rechtspopulisten / Wutbürger sehen.
Dieter Hallervorden: "Übrigens: Die Heiligen Drei Könige kamen aus dem Morgenland. Dumm gelaufen, oder?" Fast alle Protagonisten der Bibel kamen aus dem Morgenland und lebten dort. Diddis albernes Ätschebätsch ist albern.
Heino: "Wir sollten politisch Verfolgten aus anderen Ländern immer eine Heimat geben." Völlig up to date, Respekt! Es wird nicht mehr von Asyl gesprochen, sondern von der Ansiedlung fremder Völker auf deutschem Boden. Es hat geholfen, ihn jahrzehntelang mit der Nazikeule zu prügeln.
70 Jahre und kein bißchen weise ... traurig, traurig, traurig, traurig.
Nemo Obligatur
06. Januar 2015 22:06
Ehrlich gesagt bin ich grad völlig ratlos und versuche mal, meine konfusen Gedanken aufzunotieren, um darin einen Ansatzpunkt für die Einordnung des Gesehen, Gelesenen und Erlebten zu finden. (Wenn man so was mal vernünftig machen könnnte, käme gleich ein dickes Buch dabei raus).

Pegida ist DAS Thema in den Medien. Es hält sich schon länger als allgemein üblich und wenn nicht gerade die Griechen in den nächsten vier Wochen Konkurs anmelden, dann wird das wohl auch so bleiben. Vielleicht mal folgendes Experiment: Wir lesen NUR die Meldungen, besser noch: nur die Schlagzeilen der großen überregionalen Tageszeitungen und Medienportale und versuchen daraus wie Sherlock Holmes zu rekonstruieren, was Pegida eigentlich ist. Wahrscheinlich würden unbefangene Probanden, sofern diese in Deutschland überhaupt noch zu findden wären, auf eine Art Rebellenbewegung tippen, vielleicht der bewaffnete Arm der AfD, dessen Putschversuch im Berliner Regierungsviertel nur durch den Einsatz von Bundeswehr und Grenzschutz sowie eines Generalstreiks niedergeschlagen werden konnnte.

Tatsächlich ist Pegida ja nach wie vor überschaubar: Im wesentlichen in Dresden stattfindend, nicht mehr Menschen anziehend als eine durchschnittliche Partie der Fußballbundesliga. Zudem, das verdient nochmals hervorgehoben zu werden: jederzeit friedlich verlaufend.
Die Forderungen? Eigentlich nicht der Rede wert. Das berühmte 19-Punkte-Programm hätte in besseren Tagen jederzeit dem CSU-Parteiprogramm entnommen werden können, einiges davon ist sogar Kernbestand der Politik der Grünen. Die meisten Punkte sind jedenfalls geradezu stromlinienförmig grundgesetzkonform.

Dass die Medien Pegida kritisch gegenüberstehen, lässt sich m.E. dagegen ganz gut mit der Mauer des Schweigens bei den Demos und den Vorwurf an die "Lügenpresse" erklären. Wer wäre da nicht beleidigt? Die schon fast hysterische Reaktion der Politik ist gemessen am oberflächlichen Sachverhalt hingegen kaum erklärbar.

Der wahre Grund muss somit unter der Oberfläche zu finden sein. Vielleicht hat die etablierte Politik tatsächlich den richtigen Riecher. Für das gegenwärtige System ist Pegida eine Gefahr. Wir leben ja bereits in einer Postdemokratie mit etablierten Strukturen und Herrschaftszirkeln, in die zwwar gelegentliche neue Personen eindringen, neue Ideen aber nur noch selten. Und vielleicht ist Pegida auch längst nicht so angepasst, wie die 19 Punkte vermuten lassen. Hand auf's Herz: Die Kernpunkte sind doch nicht die sexuelle Selbstbestimmung und die Verbesserung des Betreuungsschlüssels für Asylsuchende! Hier geht es um die Formulierung der Interessen des deutschen Volkes in der nahen (Flüchtlingswelle) und fernen (Demographie) Zukunft. Deswegen wird Pegida - völlig zurecht - von den etablierten Parteien als Gefahr wahrgenommen und so radikal bekämpft, denn die Regierungsparteien haben genau diese Punkte überwiegend sträflich vernachlässigt bzw. für das Wohl das Landes die Wachstumrate des BIP bzw. die Arbeitslosenquote zum einzigen Maß genommen. Das ist - in normalen Zeiten - nicht an sich falsch, greift aber zu kurz, wenn doch mal eine historische Zäsur ansteht, wie man nun sehen kann.

Zum Abschluss noch ein sehr unvollständig formulierter Gedanke: Ich halte mich im allgemeinen nicht für einen dummen Menschen und bin geistig völlig klar. Mit diesem Rüstzeug sollte man irgendwo in der politischen Mitte stehen, meistens auf der Seite der Mehrheit, jedenfalls nie in der absoluten Minderheit. Praktisch das erste Mal in meinem Leben habe ich aber den Eindruck, ich stünde gegen die große Mehrheit von Politik, Kirchen, öffentlicher Meinung etc. Obwohl beide Seiten (die öffentliche Meinung und ich) die selben Dinge sehen, dieselben Informationen haben, sind die Schlussfolgerungen offenbar dramatisch unterschiedlich. Was ist da passiert? Ich glaube, der Psychologe nennt so etwas kognitive Dissonanz. Vielleicht mag ja der eine oder andere Sezessionist zu meiner Aufhellung beitragen. Vielen Dank.
Trouver
06. Januar 2015 22:09
Der norwegische Massenmörder wollte Europa retten, vor allem Möglichen, aber vor allem vor dem Islam. Auch die Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes

Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass derlei Geschmeiß jemanden errreicht

Selbst die schlichtesten Gemüte nicht.

Es sind die drei grossen Gruppen in der sog. "Zivilgesellschaft" - die expliziten Xenokraten, wie Angela Merkel oder eben diese Anne-Catherine Simon, es gibt uns unzufriedenen, und es gibt die Gleichgültigen.

Die dritte Gruppe ist passiv, träge und uninteressiert. Noch. denn es geht ihr noch vergleichsweise gut. Solange sie nicht Daniel Siefert heissen, sorgen sie wenig für irgendwelches klares Bild.

Doch eben aus dieser gigantischen Masse bekommen wir zug für zug zulauf.

Und nicht die Legion.
Schopi
06. Januar 2015 22:22
Sie wissen ganz genau warum sie solch schweres Geschütz auffahren - Bleibt PEGID mit 10000plus X Teilnehmern nicht auf Dresden beschränkt und in den meisten -insbesondere westdeutschen Großstädten- käme es zu vergleichbaren Demonstrationen, wäre der Bürgerkrieg oder Zustände vergleichbar mit den jüngsten Rassenunruhen in den USA wahrscheinlich schon jetzt Realität - und dabei würden wir Deutsche ganz alt aussehen - sieht man sich das Mobilisierungspotenzial und die Gewaltbereitschaft unter Moslems einmal an.
Irrlicht
06. Januar 2015 23:56
@Demo Goge aus der polis germania
Auch wenn ich mich kaum in der Lage sehe, mich in die Gedankengänge und Motivlagen von Lucke hineinzuversetzen, es gibt anscheinend unschiedliche Seinsweisen des Transatlantikerdaseins. Typische Islamkritiker wie Stürzenberger oder Wilders dürften mit ihrer Schrillheit und Primitivität auf Lucke als Vertreter des alt-bundesrepublikanen Establishments abstoßend wirken. Die Aussage über die Rolle der Islamkritiker als Askari war auch rein strukturell gemeint und bezieht sich nicht nur auf bekennende Pro-Westler, sondern auch auf jene, die taktischen Motiven folgen und z.B. islamkritische Bewegungen als Hebel zur metapolitischen Einflussnahme sehen.
Paule
07. Januar 2015 05:25
Einen schönen guten Morgen wünsche ich.

Ich bin bei Nachdenken über die Dinge die passieren und die Angst der „Eliten“ dieses Landes, auf eine alten Artikel des Spiegels gestoßen mit den schönen Titel: Mein Gott - was soll aus Deutschland werden? ADENAUER ZWISCHEN DEUTSCHLAND UND EUROPA (7/1961)

(Die Artikelreihe sollte man sich durchaus mal zur Gänze antun.)
Hier ein kurzes Zitat:
„Der eigentliche Unterschied zwischen Bismarck und Adenauer wird erst deutlich, wenn man nach Ziel und Inhalt der beiden außenpolitischen Konzeptionen fragt.
Inhalt der Bismarckischen Außenpolitik war: die deutsche nationale Souveränität zu schaffen und zu sichern.
Die Adenauersche Außenpolitik beabsichtigt jedoch das genaue Gegenteil - nämlich die deutsche Souveränität aufzuheben, oder, paradox formuliert: Ziel der deutschen Außenpolitik Adenauers ist der Verzicht auf deutsche Außenpolitik.
Daß es sich dabei nicht um einen Sonntagseinfall Adenauers, sondern um ein nach langen Erfahrungen gewonnenes und immer wieder an der Wirklichkeit geprüftes und korrigiertes Konzept handelt, geht auch aus der Beharrlichkeit hervor, mit der Adenauer an den Höhepunkten seiner politischen Laufbahn immer wieder zu ihm zurückgekehrt ist.“

Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43367501.html

Und die Endphase dieser Politik erleben wir heute.
Die Probe auf Exempel? Hier ein paar Themen aus dem letzten Wahlkampf:
zB: EU-Armee, EU-Polizei einschließlich Aufstandsbekämpfung und Todesstrafe für Deutschland aus Brüssel (Friedrich, Westerwelle)
Es sei an dieser Stelle ein dringender Blick nach Spanien und Portugal empfohlen!

zB: EU-Telekommunikationsüberwachung, EU-Strafverfolgungsorgane/Staatsanwälte für Deutschland (Justizminister)

zB: Haushaltsplanung keine nationale Angelegenheit (de Maizière)

zB: Steuern, Renten, ALG, Durchgriffsrecht (Kürzungen) des „Super“-Währungskommissars

zB: Spareinlagen, Einlagensicherung der Banken, Gefährdung unser Sparkassen, Vergabe der Bankenlizenzen, Staatsanleihe kauf „ohne Limit“ alles für und durch die EZB (Schäuble)

zB: Steuererhebung in Deutschland durch Brüssel

zB: Verfassungsrecht, Arbeitsrecht, Religionsrecht, Kindererziehung, Frauen und Homo-Politik aus Brüssel

Alles Themen an die heimlich, still und leise in Brüssel und Berlin gearbeitet wird.

Leider sind die Menschen in Dresden um 3 / 4 Jahre zu frühe darauf Aufmerksam geworden das ihnen die Heimat verloren geht und es besteht die Gefahr für die Eliten dass ihr schöner 50 Jahre alter Plan in allerletzter Minute doch noch schief geht.
Also haben sie (Elite) mit hilfe der Presse versucht erst mit gutem Zureden, und nach dem das nicht funktionierte, nun mit grober Defamierung und Drohunungen die Bewegung einzudämmen.
Das Problem: die 50 Jahre alten (Nazi)-Keulen funktioniert nicht mehr und mit noch gröberen Mittel sind sie ziemlich unerfahren...
Und warum im Osten?

Man kann die Geschichte des Ostdeutschen auch so erzählen: Flucht und Vertreibung aus Königsberg, Plünderung des Landes durch die Russen, Arbeitsdienst bei den Russen, Neuanfang und Enteignung durch Ulbricht, die Wende und Arbeits(losen)dienst für die neuen Herren und Enteignung durch die ECB und nun?
Die neuen Herren aus Brüssel. Sie schicken uns die Asylanten und nehmen uns wieder unser Land, unser Heimat und diesmal alles???
Und jede dieser Maßnahmen war verbunden mit den dezenten Hinweis ihr seid doch selber Schuld ihr Nazis, ihr Kommunisten, ihr Deutschen und neu „Deutschland verrecke und ihr habt den Krieg verloren... (Ich frage mich wieso einen Krieg?)
Und es ist wie im Märchen von des Kaisers neuen Kleidern Einer hat gerufen „der hat ja nichts an...“

Gruß Paule
Frederick van Portshoven
07. Januar 2015 10:38
Mir ist gerade, da viel über den neuen Roman Michel Houellebecqs geschrieben wird, ein Buch, dessen Ausgang zumindest in eine ähnliche Kerbe schlägt, in den Sinn gekommen: Das Reich Artam von Volkmar Weiss. Freilich hat es ein absolut anderes Setting und ist auch von der Leserführung und dem Stil her kein außerordentlicher Lesegenuss. Nichtsdestotrotz ist es inhaltlich und von seinen Implikationen her durchaus lesenswert (besonders im Hinblick auf die Fertilität muslimischer Populationen).
Einer aus der Mitte aus der Gesellschaft
07. Januar 2015 11:27
Lieber Martin Lichtmesz,
erst einmal besten Dank für Ihren guten Artiklel. Ich lese Ihre Beiträge immer mit großen Genuss und Gewinn.
Da ich vom Beruf und Ausbildung Betriebswirt bin und im finanzwirtschaftlichen Bereich arbeite, bin ich im geistig-philosophischen Diskurs nicht so bewandert und möchte einmal gerne Ihre Hilfe in Anspruch nehmen, meine Gedanken zu ordnen. Mich treibt seit einiger Zeit der Bedeutungswandel oder auch der Missbrauch des Wortes Respekt um.
Das Wort Respekt tritt ja immer im Gleichschritt mit seinen Geschwistern, Vielfalt, Toleranz, Offenheit, Buntheit etc. auf. Das die anderen Wörter von Linken so gern gebraucht werden liegt auf der Hand, aber Respekt?
Respekt ist eher ein konservatives Wort. Ein Wort dass Machtverhältnisse zum Ausdruck bringt. So hatte ich immer großen Respekt vor meinem strengen Mathematik-Lehrer. Also Angst, Anerkennung von Autoritäten, Obrigkeit. Respekt impliziert aber auch Stabilität und Ordnung.
Heute ist Respekt meiner Meinung nach eine Disziplinierungsvokabel um das störrische Volk für eine weitere Einwanderung zu manipulieren. Es soll der einheimischen Bevölkerung eine Empathie für das Fremde anerzogen werden. Und das Wort Respekt täuscht eine Sicherheit, Ordnung vor, die es ja gerade in einer multikulturelle Gesellschaft nicht gibt.
Ich finde übrigens trotz umfangreicher Recherche keinen guten Essay zum Wort Respekt.

M.L.: In der Tat, das verhält sich ähnlich wie "Toleranz" oder "Vielfalt" und andere Begriffe, die im laufenden Sprachgebrauch völlig verdreht werden. Ich werde einen "Traktat über den Respekt" ins Auge fassen.
eulenfurz
07. Januar 2015 14:32
In der Redaktion der Satirezeitung Charlie Hebdo in Paris hat es einen Anschlag gegeben. Schwer bewaffnete Männer sind nach Polizeiangaben in das Gebäude eingedrungen und haben mit einer Kalaschnikow und einem Raketenwerfer um sich geschossen. Zwölf Menschen seien getötet worden, neun weitere wurden verletzt. ... Laut dem Radiosender France Info haben die Männer gerufen, sie wollten den Propheten Mohammed rächen. Auf Videos ist zu sehen, dass die Angreifer mehrfach "Allah ist groß" riefen.

Auf dem Titel der Ausgabe thematisiert Charlie Hebdo das neue Buch Unterwerfung des französischen Autors Michel Houellebecq. Darin beschäftigt sich der Autor mit dem Szenario einer Islamisierung Frankreichs unter einem muslimischen Präsidenten. Im Mittelpunkt stehen die Frage nach dem Niedergang des dekadenten Westens und das Verhältnis der drei Religionen Judentum, Islam und Christentum zueinander.


Irre!
herbstlicht
07. Januar 2015 17:37
Mir ist's zunächst gleichgültig, ob und an welchen Gott jemand glaubt. Aber welches Menschenbild, Weltbild, welche politische Einstellung vertreten wird muß mich --- meist leider; Kraftvergeudung auf Dummköpfe --- interessieren bei den Leuten, welche auf mich, meine Lebensbedingungen, einwirken können.

Was Islam im Politischen bedeutet wird festgelegt durch die Cairo Declaration on Human Rights in Islam. Deren Artkel 1, Absatz a, läßt mich im Zweifel, ob ich ein "menschliches Wesen" im Sinne dieses UN-Dokuments bin: weder glaube ich an Allah noch an Stammvater Adam --- solches passt nicht in's Weltbild des Naturwissenschaftlers.

Es ist aber der Hacker welcher die charakteristische kulturelle Leistung des Abendlandes hevorbringt: Naturwissenschaft und Technik.

Genau dieser Menschentyp --- för den es Sinn des Lebens ist, sich auf eigene Faust und eigene Verantwortung und Gefahr mit der Welt auseinander zu setzen, so intensiv wie möglich --- wird durch die islamische Gesellschaftsordnung unterdrückt: diese ist
kollektivistisch und stellt das gesamte Leben unter ``Shariavorbehalt''; siehe hierzu insbesondere Artikel 13, Artikel 22a und Artikel 24 der Kairoer Erklärung --- eine Gesellschaftsordnung für Bonzen und Luser.

Die Folge hiervon schildert der pakistanische Physiker Pervez Hoodbhoy
in Muslimische Gesellschaften sind kollektiv gescheitert


Hoodbhoy: Es gibt rund 1,5 Milliarden Muslime in der ganzen Welt --- aber sie können in keinem Bereich eine substantielle Errungenschaft vorweisen. Nicht im politischen Bereich, nicht in gesellschaftlicher Hinsicht, weder in den Naturwissenschaften noch in der Kunst oder in der Literatur. Alles, was sie mit großer Hingabe tun, ist beten und fasten. Aber es gibt keine Bemühungen, die Lebensbedingungen innerhalb islamischer Gesellschaften zu verbessern.


Bereits das pure Vorhandensein einer größeren Gruppe von Mitbürgern mit solcher Einstellung ist für uns eine Bedrohung, denn ohne Hochtechnik kann Europa heute und in den kommenden Jahrzehnten weder seine Einwohner ernähren, noch sich gegen die hungrigen Menschenmassen, welche wohl herandrängen werden, wehren. Daß dieser Gesichtspunkt in der öffentlichen Debatte unterdrückt wird --- nicht "Integration" sondern Assimilation muß es heißen --- ist Grund genug, sich PEGIDA anzuschließen.


Wenn sich Europa nicht auf seine Wurzeln und Identität besinnt, wird sich die im Gange befindliche Islamisierung beschleunigen, ...


Die Besinnung auf Wurzeln und Identität scheint mir selbst bei der Neuen Rechten nur mangelhaft zu gelingen. Zum Beispiel macht sich das Lambda der Hopliten auf dem Schild der Identitären zwar "ganz nett" --- ist übrigens auch Lambda the Magnificent --- aber dorthin gehören etwa auch die Maxwell Gleichungen--- sehr frei nach Aimé Césaire, Ceux qui n'ont inventé ni la poudre ni la boussole: Wir haben die Nutzung der Elekrizität erfunden; auch das Pulver ...


... sofern man in einem solchen Aufstiegs- und Fortschrittsrahmen denkt, nur daß uns befreiten Europäern bei unserer emanzipatorisch-aufgeklärten Gottähnlichkeit inzwischen etwas bange geworden ist, ...


Wer sich jedoch einige Jahrzehnte lamg mit geschultem Auge angeschaut hat, was draußen steht und kreucht und fleucht, auch noch einige der naturwissenschaftlichen Theorien des 20.Jahrhunderts studiert und verstanden hat, bei dem wird von Gefühl der "Gottähnlichkeit" nichts vorhanden sein.

1. Alle unsere Theorien sind nur in beschränktem Bereich gültig
und dies nur "bis auf Weiteres". Näheres: Günther Ludwig, Einführung in die Grundlagen der Theoretischen Physik.

2. Nach dem Verlust des Glaubens an den Schöpfergott ist selbst die
Idee der Wirklichkeit zweifelhaft geworden. Siehe hierzu die Irritation Wigners in The Unreasonable Effectiveness of Mathematics in the Natural Sciences.

3. Die Begeisterung über die Erfolge der astronomischen Störungsrechnung führten Laplace auf den nach ihm benannten Dämon: die prinzipielle Berechenbarkeit der Welt. Hundert Jahre später wurde dann klar, daß viele Systeme von Differentialgleichungen, welche physische Systeme modellieren, keine analytischen Lösungen haben. Um 1970 (mittels numerischer Näherungen) erkannte man deren oft "chaotisches" Verhalten: geringe Unterschiede in den Anfangsbedingungen führen nach einiger Zeit zu qualitativ unterschiedlichen Zuständen --- also praktisch
unberechenbare Systeme. (Komplexe technische Systeme werden deshalb in weitgehend autarke Teile zerlegt, welche sich einzeln an eine irreguläre Umgebung anpassen können. Von daher erscheint das Streben nach immer größeren politischen Einheiten idiotisch; dagegen hat's die Evolution richtig gemacht: Familie, Sippe, Stamm,
Volk, Nation.)

4.Daß genau der Mensch teilhaben soll an der göttlichen Vernunft
und zur Erkenntnis dieser befähigt, erscheint vom Studium maschineller und tierische Intelligenz her genauso lächerlich, wie die Erde als Mittelpunkt des Universums.


Uns bleibt was Feynman
im Epilog seiner Lectures on Physics sagte:


Ich wollte Ihnen vorallem eine Wertschätzung der wundervollen Welt vermitteln und der Weise des Physikers, diese zu betrachten, welche, wie ich glaube, ein Hauptteil der wahren Kultur der Moderne ist. (...)

Vieleicht haben Sie nicht nur eine Wertschätzung dieser Kultur; vielleicht wollen Sie sogar mitmachen, bei dem größten Abenteuer, welches menschlicher Geist je begonnen hat.


Damit schließt sich der Bogen zu der Inschrift auf einem der berühmtesten Runenstein Schwedens, welchen eine Mutter der Wikingerzeit setzen ließ, zum Nachruf auf ihren Sohn:


Sie fuhren mannhaft in die Ferne nach Gold
und im Osten gaben sie den Adlern.
Sie starben im Süden, in Särkland.


Zarathustra --- Einsicht in das letzliche Scheitern des Menschen und das
uneingeschränkte Bejahen dieses Schicksals. Trotzdem!
herbstlicht
07. Januar 2015 17:44
Muß zwei Links korrigieren:

Cairo Declaration on Human Rights in Islam

Maxwell Gleichungen
Sascha
07. Januar 2015 18:23
Der These 1, dass es nur einen Islam gebe, kann ich nicht zustimmen. Sie ist politisch dumm. Andere sind da weiter: Putin hat schon im Tschetschenienkrieg aus einem Krieg zwischen Russen und Tschetschenen einen Krieg zwischen dem traditionell-tschetschenischen Sufismus, unterstützt von Russland, gegen den wahabitischen Islam-Import aus Saudi-Arabien gemacht, und heute ist Tschetschenien eine der stärksten Bastionen Russlands. Und südossetische Muslime kämpfen als Freiwillige in Neurussland für russische Interessen. Für ein Russland, welches keineswegs liberal ist, sondern orthodox, in weitaus größerem Maße als Europa christlich ist (wenn man es überhaupt noch so nennen kann).
Revolte
07. Januar 2015 18:33
Tja, eulenfurz, alles Panikmache und diffuse Ängste. Eine Islamisierung findet nicht statt.
Demo Goge aus der polis germania
07. Januar 2015 20:42
Was hinter dem Mordanschlag von Paris steckt ist ungewiss.
Das von linker Seite eine Instrumentalisierung dieser Morde zur Abschaffung der Meinungsfreiheit für Rechte folgen würde war abzusehen.

Aber das Berthold Kohler friedliche, Weihnachtslieder singende, ihre Grundrechte wahrnehmende deutsche Bürger mit den Mördern von Paris parallelisiert ist derart schändlich, daß ich es nicht für möglich gehalten hätte.:

"In Paris haben Terroristen der „Lügenpresse“ das Maul gestopft: Journalisten und Zeichner der Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ liegen in ihrem Blut."

http://www.faz.net/aktuell/politik/anschlag-in-paris-blut-auf-die-muehlen-13358326.html
Rumpelstilzchen
07. Januar 2015 22:22
@demogoge

Auch ich bin wirklich erschüttert und betroffen über die Berichterstattung der FAZ, den Kommentar von Herrn Kohler .
Aber auch die Berichte von Herrn Locke aus Dresden vermischen Meinung und neutralen Bericht auf grausame Weise. Ich erkenne meine FAZ nicht wieder !
Sympathisch zu lesen dagegen auf der Seite von Pegida:


auch wenn der heutige feige Anschlag in Paris, ein Anschlag auf Meinungsfreiheit, Demokratie, auf Europa, letztlich auf uns alle, Wasser auf unsere Mühlen zu sein scheint, nehmen wir dies nicht zum Anlass, uns damit zu brüsten, wir hätten es ja schon immer gewusst. Nein, eben weil wir keine Schreihälse sind, als die wir verunglimpft werden, keine Claqueure sind wie diejenigen, die uns reflexartig mit „Nie-wieder-Deutschland – hindern wollen, uns mit unseren Abendspaziergängen meistens schweigend zu artikulieren, lassen wir diejenigen aufschreien, die es immer tun, wenn sich aktuell etwas Außergewöhnliches, Furchtbares ereignet. Wir schweigen in Trauer und Demut und in Solidarität mit den Familien der französischen Redakteure, die jetzt erste Opfer wurden. Wir schweigen und werden am Montag wieder spazieren gehen: schweigend und mit einem Trauerflor!


Heißt es auf der facebookseite von pegida
G.W.
07. Januar 2015 23:58
Danke Lieber Demo Goge,

sie sind mir mit dem Verweis, auf diesen diesen unsäglichen Artikel, zuvorgekommen. Auch ich war überrascht, aber nicht enttäuscht. Die Niedertracht der derzeitigen Mannschaft der "Alten Tante" ist nur noch schwerlich auszuhalten.

Falls solche Verdrehungen auch nur noch die geringste Wirkung entfalten sollten, bei irgendjemandem.... der Glaube and die Menschheit wäre endgültig dahin. Soll dies das Muster der kommenden Kampagne sein?

Gegen Pegida? Gegen die Afd? Gegen die Rechte? Gegen dem Mann auf der Straße?
pbuh
09. Januar 2015 00:19
"Auf die in Europa lebenden Moslems pauschal den Schatten des IS zu werfen, scheint mir ähnlich perfide, wie die Europäer, die solche bleiben zu wollen, zu „breivikisieren“. Es ist generell niederträchtig und gifterzeugend, Menschen gedankenlos auf eine Stufe mit Mördern zu stellen, ob direkt oder indirekt, auch wenn rhetorische Kniffe dieser Art leicht zu handhaben sind – oder gerade deswegen. Soviel sollte eigentlich jedem, auch aus der täglichen Anschauung heraus, klar sein."

Klingt vernünftig und menschlich, dem ist daher zuzustimmen. Es gibt aber einen wie mir scheint unheilvollen Unterschied:

Breivik ist ironischerweise genau der Einzelfall, der gerade bei islamisch motivierten Gewalttaten immer bemüht wurde. Er ist nicht der Prophet der Europäer, der perfekte Mensch, der als zeitloses Vorbild dient. Mohammed hingegen ist dies für alle Muslime jedweder Spielart (und ja, es gibt unzählige davon). Mohammed war ein Sektenführer und grausamer Warlord, der Frauen und Kinder versklaven ließ und Kritiker (Spottpoesie, quasi die Karikaturen seiner Zeit) hat ermorden lassen. Eine Mischung aus Joseph Smith und Napoleon, allerdings erfolgreicher bzw. "nachhaltiger" als die beiden. Die Quellen dazu sind eben nicht etwa irgendwelche Anti-Islampropagandabüchlein oder PI und Konsorten, sondern die authentischen islamischen Quellen selbst (Sahih Al Buchari, Biografie des Propheten von Ibn Ishaq bzw. Ibn Hisham).

Dass der Religionsgründer selbst massive Gewalt legitimiert und durchgeführt hat und bis heute nunmal auch vom an sich harmlosen Raki trinkenden Osman-normal-Muslim unreflektiert verehrt wird ist in anderen mir bekannten Religionen schwerlich zu finden.

Sehr aufschlussreich dazu eine islamische Deutung und Rechtfertigung:

http://www.usc.edu/org/cmje/religious-texts/hadith/muslim/019-smt.php#019.4345

"It has been narrated on the authority of Ibn Umar that the Prophet (may peace be upon him) sent an expedition to Najd and I was among the troops. They got a large number of camels as a booty. Eleven or twelve camels fell to the lot of every fighter and each of them also got one extra camel."

An extra camel!

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