30. April 2015

Nationale Verantwortung und globale Gerechtigkeit

von Felix Menzel / 17 Kommentare

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

david_millerDer englische Politologe David Miller, der in Oxford lehrt, ist in Deutschland ein Unbekannter. Das ist deshalb schade, weil sein Buch National Responsibility and Global Justice (2007) bestens dafür geeignet wäre, die derzeitige Debatte über Flüchtlinge und illegale Einwanderer voranzubringen.

Miller entwirft in dem Buch eine Gerechtigkeitstheorie „für eine Welt der Unterschiede“ und geht dabei in einem Kapitel explizit auf das Problem der Einwanderung ein. Er meint, wir könnten „nicht gänzlich gleichgültig“ gegenüber dem Schicksal aller Menschen sein, „selbst wenn wir in keinerlei Beziehung zu ihnen stehen“.
Da ist etwas, was wir ihnen schulden. Ein solches lockeres Verständnis von Weltbürgertum sagt jedoch nicht, was dieses „Etwas“ ist und verpflichtet uns erst recht nicht zu einer gleichen Behandlung aller Menschen in einem substantiellen Sinne.

Bezogen auf Flüchtlinge und Einwanderer stelle uns dies vor eine Wahl: Entweder sorgen wir dafür, daß die grundlegenden Rechte der Menschen in ihrer Heimat geschützt werden oder wir müssen ihnen gestatten, in andere Gemeinschaften zu ziehen, wo dies gewährleistet ist. „Einfach die Grenzen dicht zu machen und nichts Weiteres zu unternehmen, ist hier keine Option, die sich moralisch verteidigen läßt“, betont Miller.

Ausgehend davon erklärt der Politologe, warum es besser ist, etwas für die Menschen in ihrer Heimat zu tun, anstatt sie einwandern zu lassen. Wer auf globale Ungerechtigkeit mit offenen Grenzen antworte, sorge nur dafür, daß es den ganz Armen, die sich keine Migration leisten können, mittelfristig noch schlechter gehen wird. Bei offenen Grenzen ergibt es logischerweise für die ärmsten Länder keinen Sinn mehr, in Bildung zu investieren, da die klügsten Köpfe sowieso auswandern. Genauso sehe es auch beim Thema Geburtenkontrolle aus:
Solche Staaten haben wenig oder gar keinen Anreiz, derartige Maßnahmen zu ergreifen, wenn sie ihren Bevölkerungsüberschuß durch internationale Migration „exportieren“ können, und weil solche Maßnahmen gewöhnlich unpopulär sind, besteht ein positiver Anreiz, sie nicht zu verfolgen.

Bereits diese Argumente müßten eigentlich genügen, um den Hypermoralisten zu beweisen, daß sie an der falschen Stelle helfen wollen. Statt Flüchtlinge am besten gleich von der libyschen Küste abzuholen, wäre es doch zum Beispiel viel wichtiger und effektiver, sich auf den Kampf gegen den weltweiten Hunger zu konzentrieren. Schließlich sind über 800 Millionen Menschen unterernährt und ca. 30.000 verhungern jeden Tag.

Doch das Problem ist natürlich komplexer. Das weiß auch Miller. Er kritisiert deshalb die Tendenz, die Menschenrechte auf eine viel zu umfassende Weise auszulegen. Obwohl es in den letzten Jahrzehnten noch nicht einmal ansatzweise gelungen ist, die vier Freiheiten (Meinungs- und Religionsfreiheit, Freiheit von Not und Furcht) weltweit durchzusetzen, erheben Menschenrechtler immer neue Forderungen. Dazu gehört auch ein angebliches „Menschenrecht auf Einwanderung“.

Von so etwas zu sprechen, ist jedoch großer Unfug. Zu den existentiellen Rechten des Menschen zähle zwar die Bewegungsfreiheit, erklärt Miller. Es sei deshalb ein Verbrechen, Menschen ohne Grund auf engstem Raum einzusperren. Sehr wohl müsse es aber Staaten gestattet sein, Menschen die Einreise zu verweigern. Für Flüchtlinge muß sichergestellt sein, daß sie eine genügende Anzahl von Optionen haben. Freiheit bedeutet jedoch nicht, immer alle Optionen offen zu haben. Man könne auch immer nur die Frau heiraten, die einen auch heiraten möchte, und eben nicht jede.

In der derzeitigen Situation müßte dies zur Folge haben, internationale Richtlinien zu etablieren, „nach denen Flüchtlinge entsprechend den vorhandenen Kapazitäten der Gastländer aufgenommen, untergebracht und, falls notwendig, integriert werden“, so Miller in einem kürzlich geführten Interview.
Ohne solche Richtlinien muß jede Gesellschaft ernsthafte Anstrengungen unternehmen, um die Verteilung der Lasten und ihre quantitativen Obergrenzen angemessen einzuschätzen. Falls doch mehr Flüchtlinge ankommen, muß es möglich sein, die Flüchtlinge in andere Ländern zu schicken – solange ihre Menschenrechte dort garantiert werden können.

Statt ein Grundrecht auf Asyl bereitzustellen, sollte die Bundesrepublik solche internationalen Richtlinien einfordern und sogar noch einige Schritte weitergehen: Wenn jetzt ausführlich darüber gesprochen wird, wie der Westen Fluchtursachen in Afrika und Asien bekämpfen könnte, ist dies der zweite Schritt vor dem ersten. Zunächst einmal müssen wir erwarten, daß die Herkunftsländer der Auswanderer selbst etwas dagegen unternehmen, Maßnahmen gegen die Überbevölkerung ergreifen und Asylsysteme installieren, die es möglich machen, die meisten Flüchtlinge der Region aufzunehmen.

In meinem Büchlein Die Ausländer. Warum es immer mehr werden habe ich mich noch etwas ausführlicher mit David Miller beschäftigt.

David Miller: National Responsibility and Global Justice. 298 Seiten. Oxford 2007.

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

Kommentare (17)

Heinrich Brück
30. April 2015 09:11
Würden die Deutschen in einem Volksstaat leben, der sich nicht moralisch
verteidigen müßte, sondern politisch, und hätte dieses Volk eine Deutsche Verfassung, eine Nationalerziehung, dann würde deutsches Recht gelten und nicht schon wieder die Menschenrechte.
Nationale Verantwortung heißt, die große Lüge von den Menschenrechten
zu erkennen, die Grenzen dicht zu machen, Ausländer nicht wie Inländer
zu behandeln, und einen gesunden Egoismus staatsmännisch umzusetzen.
Die Weltbevölkerung wächst, die damit einhergehenden Tötungen werden
erschreckende Ausmaße annehmen, und hierbei Kapazitäten zur Verfügung zu stellen, käme einem nationalen Selbstmord gleich.
Globale Gerechtigkeit? Anstatt die Weltherrschaft anzustreben, kann wirklich nur einem Engländer einfallen, und die Staaten moralisch zu erpressen, die Völker durch Vermischung aufzulösen, wäre eine nationale
Gerechtigkeit zum Schutz der Völker und ihrer Staaten zuerst auf
der Tagesordnung.
Die Menschenrechte sind ein Konstrukt moralischer Erpressung, für die große Politik untauglich. Völker können sich nur in Nationalstaaten
organisieren, existieren, oder in der NWO der Menschenrechte untergehen.
Rosenkranz
30. April 2015 09:36
Die Zahl der Menschen nimmt zu, weil es durch die moderne Medizin immer mehr Kinder schaffen, die ersten schwierigen Jahre zu überleben. Auch für eine Frau ist das Risiko bei der Geburt zu sterben, deutlich geringer, als es noch vor vielen Jahrhunderten der Fall war.

Ist es denn ein Segen, wenn wir in den sogenannten Entwicklungsländern Hilfe leisten? Die Entwicklungshilfe in Afrika hat nur dazu geführt, daß viele Afrikaner denken: Der "Weiße Mann" hat Geld. Wir müssen nur laut genug betteln und er baut uns Häuser, Brunnen, Schulen und Krankenhäuser. Das damit auch ein Teil der afrikanischen Kultur stirbt, versteht sich von selbst.

Man kann aus einem Afrikaner keinen preußischen Beamten machen. Deshalb bin ich dafür diese Länder in Ruhe zu lassen, sie mit unserem Lebensstil nicht zu belästigen und sich selbst so abzuschotten, wie die Japaner.

Noch eines zum Hunger. Auch in den etwas dichter besiedelten Gebieten Afrikas müßte niemand an Hunger leiden. Aber wenn man aus rassistischen Gründen die weißen Farmer vertreibt (Südafrika, Simbabwe), die Ausbreitung der Wüsten beschleunigt (durch zu intensive Weide- und falsche Landwirtschaft), sich das Land von fremden Mächten nehmen läßt, ständig mit den Nachbarn im Konflikt ist, sich in die Katastrophe hinein zu zahlreich vermehrt und erwartet das andere helfen kommen, statt selbst tätig zu werden, dann regelt das die Natur auf die harte Weise.

Jeder hat sein Schicksal. Wir sind in diese Zeit hinein geboren worden und müssen damit klarkommen. Wir in Europa mit unserer eigenen Schwäche, unserer Seins-Vergessenheit. Die Menschen in den Entwicklungsländern eben mit fehlenden Grundbedürfnissen. Ich sehe nicht, daß es uns besser geht. Vielleicht haben wir zur Zeit mehr materiellen Luxus, aber unsere Zukunft sieht wesentlich düsterer aus.
Carsten
30. April 2015 10:17
Mir fliegt gerade der Hut hoch:

"Gerechtigkeitstheorie" - wenn ich das schon höre!
"Da ist etwas, was wir ihnen schulden" - nix schulde ich denen!
"Grenzen dicht ist keine Option" - doch!
"keine Option, die sich moralisch verteidigen läßt" - muss ich auch nicht!
"30.000 verhungern jeden Tag" - sorry, Problem der Afrikaner!
"wie der Westen Fluchtursachen in Afrika und Asien bekämpfen könnte" -
der Westen soll sich endlich einfach raushalten!
Jacobi
30. April 2015 11:00
Heinrich Brück:
...die große Lüge von den Menschenrechten...


Nun ja, eine Lüge sind sie ja nicht...

All das, was Miller vorschlägt und auch Sie, Herr Menzel, in ihrem Buch "Die Ausländer" vorbringen, ist der reinen Vernunft entsprungen, die jedoch im totalen Gegensatz zu dem steht, was die derzeitigen Meinungsführer mit ihrer utopischen Weltverbesserungsansicht bewegt.

Unseren Ideen wird einfach kein Raum geboten, und wir können, trotz aller Anstrengung, diese Ideen einfach nicht unter die Leute bringen in der Form, dass sich bei den Leuten etwas tut. Sie nehmen sie zwar auf, nicken vielleicht und stimmen zu - aber daraus ergibt sich nichts, es findet keine Reaktion statt. Wie Lemminge machen sie weiter. Scheinbar geht es Vielen einfach noch zu gut, laufen weiter in ihren Hamsterrädern und damit sie nicht auf andere Gedanken kommen, wird ihnen ein Fernseher, das neueste Iphone und alle zwei Jahre Fußballgroßereignisse vorgesetzt. Lethargisch ist der Zustand - zumindest im Westen, bei den Saturierten in Stadt und auf dem Land.

Was tun?
gerdb
30. April 2015 11:19
Wenn man bedenkt das jedem Schwarzafrikaner ungefähr ein Jahresdurchschnittseinkommen monatlich ausgezahlt wird, ist der Anreiz einfach zu gross.
Wieviele Deutsche würden nicht auch in andere Länder gehen für monatlich 15000 Euro geschenkt und längeres ausharren auf den Verwaltungsgerichten oder mit geduldetem Status?
Man kann die Leute nicht hierher locken und sich dann nicht um sie kümmern!
Gustav Grambauer
30. April 2015 11:51
Mich stören die sonstigen metapolitischen und metakulturellen Positionen von Kurtagic, aber seinen Titel

http://www.alexkurtagic.info/books.html
("Ja, Afrika muss zur Hölle gehen")

empfehle ich ausdrücklich.

Es ist eine Tragödie, ein Paradoxon und eine Ironie der Geschichte, sich zur Lektüre der am klarsten herausgearbeiteten Gegenposition heute ein Buch aus dem angelsächsischen Kulturkreis beschaffen zu müssen, denn was man bei K. nachlesen kann war noch bis vor kurzer Zeit unausgesprochen Konsens in Deutschland - das meine ich vor allem angesichts des völlig gegensätzlichen früheren Verständnisses von Kolonialpolitik in Westeuropa und Deutschland.

Allgemein gesprochen liegen der Analyse des Gegenstands im Kopf des jeweiligen Analysten zwei Weichenstellungen auf tieferer Ebene zugrunde:

1. Wenn man aus der Wohnung des Nachbars Gewalkt wahrnimmt - ist es dann eo ipso selbstverständlich, einzuschreiten oder muß dem erst noch die Abwägung des Rechtsgutes der Privatsphäre vorausgehen?

2. Ist es Aufgabe des Weltstaates, das Individuum vor dem Nationalstaat zu schützen oder gerade umgekehrt?

Diese Fragen werden sich von allein beantworten, das Eichelburg-Pendel erweist sich bereits heute stärker als als die intellektuell ausgelebten hypermoralischen Moden der Postmoderne:

https://www.hartgeld.com/media/pdf/2011/Art_2011-190_PolitschesPendel.pdf

Die linke Hypermoral ist tot, die neue Auseinandersetzung findet zwischen der Rechten und desjenigen Teils er Neue-Seidenstraße-Achse statt, welche den Progressismus über den Untergang der Postmoderne hinwegretten will, siehe zugespitzt hier:

https://www.bueso.de/artikel/historischen-wurzeln-des-gruenen-faschismus

Auch demgegenüber wird sich das "Pendel" als stärker erweisen, siehe wiederum deren Gegenpol:

http://www.faz.net/chinesische-universalismuskritik-wer-menschheit-sagt-will-betruegen-1939346.html

- G. G.
Simon
30. April 2015 14:53
"Die Menschenrechte sind ein Konstrukt moralischer Erpressung, für die große Politik untauglich."

Naja...

Die USA haben unter Verweis auf die Menschenrechte ein globales Imperium geschaffen und die Deutschen haben unter Verweis auf ihre Volksrechte ein Drittel ihres Territoriums und ihre Souveränität verloren.

Wenn der Verweis auf Menschenrechte für die große Politik "untauglich" ist, warum hat es sich dann auf ganzer Linie durchgesetzt?


Es ist wohl eher umgekehrt, selbst und gerade wenn man konsequent nationale Interessen verflogt, muss man das öffentlich immer mit dem Verweis auf die Menschenrechte tun.

In die Welt hinauszuposaunen, dass man nur egoistische Ziele verfolgt, ist taktisch dumm und damit gerade kein kluger Egoismus.
Karl Martell
30. April 2015 21:18
"Bezogen auf Flüchtlinge und Einwanderer stelle uns dies vor eine Wahl: Entweder sorgen wir dafür, daß die grundlegenden Rechte der Menschen in ihrer Heimat geschützt werden oder wir müssen ihnen gestatten, in andere Gemeinschaften zu ziehen, wo dies gewährleistet ist. „Einfach die Grenzen dicht zu machen und nichts Weiteres zu unternehmen, ist hier keine Option, die sich moralisch verteidigen läßt“, betont Miller."

Wer sind denn "wir"? Und WER stellt uns vor eine so dämliche Wahl? Wieso sind "wir" für die Welt verantwortlich? Wer kümmert sich in Grönland um meinen Arbeitsplatz, um meine Rechte? Wer in China beschützt meine Familie? Darf ich nach Israel "flüchten? Als betuchter Rentner? Nein!
Denn ich als weißer Europäer genieße kein Schutzrecht. Ganz im Gegenteil! Der Einzelne hat heute genug Sorgen damit, sich mit seiner Familie zu behaupten. Wie kann da jemand auf die Idee kommen, "wir" wären auch noch für andere zuständig? Menschenrechte? Sind weiße Europäer keine Menschen?

Ständig werden wir der Welt als Abschaum vorgeführt, sollen aber für das "Glück und Wohlbefinden" der "Menschheit" verantwortlich sein? Hallo?

Kann den anderen Völkern vielleicht mal jemand sagen, das sie für sich selbst verantwortlich sind!? Und das man sein Land in der Not NICHT verläßt, sondern energisch anpackt!? Das man seines eigenen Glückes Schmied sein muß?
Bernhard
30. April 2015 21:18
Der Roman "Sea Changes" von Derek Turner ist ebenso aktuell. Hier wird das Drama der Invasion aus mehreren Perspektiven, vom Eindringling über die Unterstützer bis zu den machtlosen Konservativen, kritisch betrachtet.

Diese Invasion hat gerade erst begonnen. Wir werden noch mit Besiedlungskolonisten regelrecht geflutet.

Wer keine Sachbücher liest (das gibt es tatsächlich!), sollte zu diesem Roman greifen.
Heinrich Brück
01. Mai 2015 12:17
Ich staune, warum man sich Grenzen im Denken setzen könnte. Wie in
einem Gefängnis.
Ein philosophisches Volk im Knast der Menschenrechte. Oder haben
diese Rechte auch für die Deutschen Geltung?
Im Schatten der Menschenrechte wird Hitler täglich relativiert. Aber
die moralischen Deutschen, die Kämpfer für die Menschenrechte, arbeiten
fleißig an Hitlers Nachruhm.
Die Freiheit ist nicht für jedermann zugänglich, denn sie ist nicht eingesperrt in irgendwelchen Gesetzestexten, und deshalb machen andere
die Politik.
Mit der Moralkeule schaffen sie sich in dieser Welt keinen Respekt. Man
spuckt sogar auf ihre Leiche (auch im Namen der Menschenrechte,
wenn es denn unbedingt sein muß).
In der Politik ist die Moral eine Lüge, sonst wäre die Diplomatie überflüssig.
Die Deutschen wollen nicht mehr töten, also wollen sie nicht mehr
sein. Was aber auch wieder nur ein Widerspruch wäre.
http://www.geolitico.de/2015/05/01/das-geld-das-hitler-ermoeglichte/
lunaria
02. Mai 2015 09:01
Fragen an vernünftige Rechte

1. Der Multilateralismus ist in der Krise. Den überkommenen internationalen Institutionen, wie IWF, Weltbank und WTO, aber auch den Vereinten Nationen, von den exklusiven Klubs G7 bis G20 gar nicht zu reden, mangelt es nicht nur an Effektivität bei der Lösung globaler Probleme wie Bürgerkriege und Terrorismus und bei der Bereitstellung globaler öffentlicher Güter wie Finanzstabilität oder menschenwürdiger Arbeit. Oft fehlt ihnen auch die notwendige Legitimität, die zur Durchsetzung wirksamer Problemlösungen notwendig ist.

2. Linke aller Couleur befürchten den großen Gegenschlag gegen die Globalisierung in Form von Renationalisierungstendenzen oder gar neue Nationalismen mit zunehmendem Protektionismus, Balkanisierung und Xenophobie. Rechte wollen Freiheit des wirtschaftlichen Handelns und wünschen sich den Nationalstaat? Wie geht das heute zusammen?

3. Kann ein „neuer Multilateralismus“, der der Verwirklichung von Menschenrechten und nachhaltiger Entwicklung verpflichtet ist, gegen demokratische Nationalstaaten aufgebaut werden. Oder ist nur beides zugleich möglich und erstrebenswert?

4. Welche Institutionen können Reregulierung und Umbau der globalen Finanzmärkte durchführen? Wie soll dieser Prozess aussehen?

5. Ist TTIP ein imperialistisches Projekt zur Sicherung der Vorherrschaft der transatlantischen Geld-Machteliten, eine Wirtschafts-Nato zugunsten der Superreichen?
Langer
02. Mai 2015 10:17
Entweder sorgen wir dafür, daß die grundlegenden Rechte der Menschen in ihrer Heimat geschützt werden oder wir müssen ihnen gestatten, in andere Gemeinschaften zu ziehen, wo dies gewährleistet ist. „Einfach die Grenzen dicht zu machen und nichts Weiteres zu unternehmen, ist hier keine Option, die sich moralisch verteidigen läßt“, betont Miller.


Wieso denn? Wie waere es mit dem Konzept der Selbstverantwortung? Die Leute sollten mal alle in Ruhe gelassen werden, damit sie endlich anfangen koennen, sich selber um ihre Probleme zu kuemmern. Der Europaer ist nicht fuer den verhungernden Afrikaner zustaendig, sich dort einzumischen, verwehrt dem Afrikaner die Moeglichkeit, zu lernen und sich selbst zu helfen und bringt ihn in Abhaengigkeit. Noch mal: Das geht uns nichts an!
Hartwig
03. Mai 2015 11:43
Auf faz.net erschien unlängst ein Artikel, der auf intellektuelle Kreise Afrikas Bezug nahm. Konkret ging es um einige Artikel einer Plattform, auf der sich afrikanische Intellektuelle vernetzen.
Der für alle überraschende Tenor: "Wir Afrikaner schaffen es nicht ohne den weißen Mann." Die afrikanischen Herrschaftseliten plündern die eigenen Völker aus und bieten nicht die geringste Entwicklungsperspektive. Die afrikanischen "Völker" und Stämme (die sich nicht durch die aktuellen Staatsgrenzen abbilden) werden keine Chance erhalten, sich dieser Herrschaftsschicht zu entledigen. Im Fazit (und auf mehrmalige Nachfrage des Interviewers) wurde bestätigt, dass eine Rekolonialisierung zu wünschen wäre. Hinzu kamen ein paar Floskeln von "keine Ausbeutung" und "auf Augenhöhe" etc.
Ich zitieren hier sinngemäß und aus dem Gedächtnis. Der Link auf faz.net ist bestimmt noch zu finden.
Stil-Blüte
03. Mai 2015 15:13
Nationale Verantwortung und globale Gerechtigkeit


Diese Überschrift rein addiert, nicht einmal mit Fragezeichen, und Begriffen, die jedes Tagesblättchen jeden Tag herbetet, führt uns kaum weiter 'Verantwortung'... 'Gerechtigkeit' sind Schutzfloskeln, geschändete ausgehöhlte Begriffe der Linken, sind sie den Vormächten willkommen.

Verantwortung ausüben, verantwortlich sein, im wirklichen Sinne des Wortes können wir nur in einem begrenzten, uns gut zugänglichem Umkreis, es sei denn wir sind so grandiose Persönlichkeiten wie Bismark.

Wenn wir das im Kleinen vernachlässigen, werden wir es recht bald zu spüren bekommen. Anders bei den Herrschaften oben oder draußen: Ununterbrochen schwafeln sie von 'Verantwortung übernehmen', tun es aber nicht, wenn es schiefgeht. Sie sagen es nur, bleiben aber im Amt. Es gibt keine Konsequenzen ihrer Verantwortungslosigkeit. Sogar diejenigen, die bestraft werden, sind nur Sündenböcke. Daher, lieber Herr Lehnert, die ich Sie und Ihre Arbeit sehr schätze, kann ich diesmal damit wenig anfangen. Daß das ein heikler Ansatz ist, zeigt mir am deutlichsten

@ lunaria,
mit dessen Fragenkatalog ich nun gar nichts anzufangen weiß.

Daher orientiere ich mich eher an meinen (nicht unseren) unmittelbaren Verhältnissen halten (nicht umsonst ist dieses Wort im deutschen doppeldeutig): eigene - fremde Interessen, eigene - fremde Sitten/Kultur, Sympathie - Empathie, gesunder Menschenverstand - politische Korrektheit, Modernität - historisch Gewachsenes/Tradition, Impulse für das, was zu schaffen ist - geistige Ausflüge ins politisch Abstrakte/Allgemeine.

Verhältnismäßigkeit ist das, was ich immer wieder auf's Neue abfrage.
Hartwig
03. Mai 2015 16:52
Es war nicht faz.net sondern welt.de und hier ist der Link:

http://www.welt.de/kultur/article118718883/Warum-die-Weissen-nach-Afrika-zurueckkommen-sollen.html
Stil-Blüte
04. Mai 2015 11:20
@ Hartwig

Der Gedanke ist mir auch schon von alleine gekommen.

Die meisten haben bis heute die Definitionshoheit der Kolonialisierung, heute würde man Globalisierung sagen, als Schande akzeptiert.

Liest man dann Reiseberichte u. a. Dokumente aus Zeiten einzelner Persönlichkeiten, ist neben der Abenteuerlust auch eine große Aufgeschlossenheit zu spüren.

Ich denke an all die Missionare, Ärzte - Vorzeigekandidat Albert Schweizer -, Archeologen, Anthropologen, die sich diesen Völkern, Stämmen, Ethnien mit Hingabe gewidmet haben, damit wir ihre Sprachen (Verschriftung der Dialekte) Kunst (Picasso) und Kultur (Tänze, Rituale) schätzen lernen.

Es liegt in der Natur der Sache, daß so etwas immer zwiespältig, ambivalent ist. Der erste Antropologe, der einen Stamm der Urwaldindianer entdeckt und beschrieben ist gleichzeitig ein Eindringling in ihre einmalige Beschaffenheit. Danach wird, trotz größter Behutsamkeit, nichts mehr so sein wie bisher.
MaxxMurxx
15. August 2015 17:54
Ich hatte erwartet, daß von "geschichtlicher Verantwortung" westlicher Staaten und unserer im Besonderen schwadroniert wird. Das das demnächst einer unserer kollektiven Berufserinnerungspfleger so macht, halte ich für sehr wahrscheinlich. Mit einem Tritt ins kollektive Schambein läßt sich eben viel erreichen. Deshalb wird unsere Vergangenheit auch immer finsterer - im Gegensatz zu echten Erinnerungen.

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