03. September 2015

Wachstumskritik (III): Die unterste Milliarde

von Felix Menzel / 33 Kommentare

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

kongoMittlerweile glaubt jeder über die Bekämpfung von Migrationsursachen fachsimpeln zu müssen. Dies ist deshalb so einfach, weil klar ist, was dabei herauskommen soll: Die Intellektuellen des Westens sind sich weitestgehend einig, daß die ärmsten Länder der Welt sowie alle Krisenregionen Frieden, Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und Wirtschaftswachstum brauchen. Doch genau das ist falsch.

Die Ursachen der Probleme liegen viel tiefer und können nur durch eine Beschäftigung mit der Geschichte der Länder, in denen die Menschen der „untersten Milliarde“ leben, ergründet werden. Erstaunlich ist dabei jedoch, daß die Ursachen, auf die man bei einer solchen Auseinandersetzung stößt, keineswegs als fremd erscheinen. Vielmehr scheint es so, als hätten Europa und der Westen die Krise, in der die ärmsten Staaten der Welt bereits seit Jahrzehnten stecken, noch vor sich.

So kommt etwa der belgische Historiker und Schriftsteller David Van Reybrouck in seinem, in vielerlei Hinsicht grandiosen Buch Kongo. Eine Geschichte (2010) zu dem Ergebnis: „Der Kongo ist nicht in der Geschichte zurückgeblieben – er ist der Geschichte voraus.“ Van Reybrouck hat in diesem gescheiterten Staat etliche Jahre vor Ort recherchiert, unzählige Interviews geführt, und er wertete zahlreiche Quellen klug aus. Seine Darstellung der Geschichte dieses Landes, das so groß ist wie Westeuropa, beginnt mit der Berliner Kongo-Konferenz (1884/85) und führt bis in die Gegenwart.

Als roten Faden hat er die Zerstörung von Traditionen gewählt, die den Kongo Stück für Stück zu dem gemacht haben, was er heute ist: eines der ärmsten und instabilsten Länder der Welt. Ohne in einen anklagenden Ton zu verfallen, schildert er dabei auch die geopolitischen und geoökonomischen Fehler des Westens und der Großmächte, die bis heute fortgesetzt werden, obwohl längst eine grundsätzliche Kurskorrektur notwendig wäre.

Im Großen und Ganzen geht es in dem Buch um vier Hauptprobleme, die ich als die tatsächlichen Migrationsursachen in den ärmsten Ländern der Welt einschätze:

  1. Die Mißachtung des Rechts auf politische und ökonomische Andersartigkeit;

  2. Eine zu frühe Eigenständigkeit nach dem Zeitalter des Kolonialismus;

  3. Das Aufeinanderprallen der verschiedenen Logiken der Großmächte (Europa, USA, Rußland und seit einiger Zeit China), supranationaler Gebilde, sezessionistischer Bewegungen, der einheimischen Herrscherklasse (in diesem Fall des Kongo), seiner Nachbarländer und fremder Konzerne;

  4. Die Deformationen durch die Globalisierung.


Zum ersten Punkt erklärt Van Reybrouck:
In einer Gesellschaft, die in so hohem Maße durch Gemeinschaftssinn gekennzeichnet war, bedeutete die „Autonomie des Individuums“ nicht Freiheit, wie sie in Europa seit der Renaissance proklamiert wird, sondern Einsamkeit und Zerrüttung. Du bist der, den andere kennen; und wenn dich keiner kennt, bist du nichts. Sklaverei, das war nicht geknechtet sein, sondern entwurzelt sein, heimatlos.

Van Reybrouck schätzt, daß die Entwurzelung der „Kongolesen“ (ob es diese überhaupt gibt, wird unter 3. zu klären sein) bis Anfang der 1930er-Jahre abgeschlossen war. Der Stammesverband und die dörflichen Strukturen verloren an Bedeutung. Währenddessen versuchten die Kolonialherren rückblickend äußerst erfolgreich, die Gesellschaft so zu ordnen, daß die Wirtschaftsleistung maximiert werden kann.

Dies ging nicht ohne Gewalt und Zwang, aber dies ist ja bekannt. Viel bemerkenswerter ist jedoch die Rolle des Geldes. Der Schriftsteller, Journalist und Politiker Paul Lomami Tshibamba notierte über seine Kindheit und Jugend in den 1920er-Jahren:
In meiner Generation kannten wir die Traditionen unserer Eltern nicht mehr: Wir waren in dieser Stadt (Léopoldville, heute: Kinshasa) geboren, die von den Kolonisatoren gegründet worden war, in dieser Stadt, in der ein Menschenleben der Macht des Geldes untergeordnet war.

Tshibamba berichtet davon, daß Geld für die vorhergehende Generation noch völlig unbekannt war. Doch in seinem Leben drehte sich schon in der Jugend alles darum. Von klein auf sollten die jungen Leute aus den entstandenen städtischen Arbeitermilieus in Firmenkulturen hineinwachsen. Die Unternehmen bauten Schulen, Krankenhäuser und Freizeitclubs und Ende der 30er-Jahre gab es sogar Anfänge eines Rentensystems. Van Reybrouck betont dazu: „Man zog sich vollkommene Arbeiter heran: glücklich und fügsam.“

Zum Ende der Kolonialzeit (1960) stand der Kongo schließlich deutlich besser da als heute. Man könnte diese Tatsache heranziehen, um ein Loblied auf den Kolonialismus anzustimmen, doch dies geht vollkommen an der Realität vorbei, weil der ökonomische Aufstieg mit einem seelischen Verfall einherging. Vladimir Drachoussoff, ein russisch-belgischer Landwirtschaftsingenieur, der 1940 in den Kongo ging, schrieb darüber in seinem Tagebuch:
„Zivilisieren“ im Namen einer Zivilisation, die zerfällt und nicht mehr an sich glaubt? (…) Wir bringen Frieden und bewahren ihn, wir überhäufen das Land mit Straßen, Plantagen, Fabriken, wir bauen Schulen, wir sorgen für eine medizinische Betreuung. Als Gegenleistung nutzen wir ihre Bodenschätze und ihr Land und lassen sie für uns arbeiten, gegen Bezahlung.

Doch was geschieht, wenn die jungen Afrikaner die Macht in ihrem Land irgendwann selbst für sich beanspruchen, fragte sich Drachoussoff weiter.
Nehmen wir einmal an – eine Annahme, die bewusst absurd ist –, der Kongo sei im Jahre 1970 unabhängig. Welch ein Berg von Problemen! Wir in Europa hatten nie einen unüberwindbaren Konflikt zwischen unserer gesellschaftlichen Organisation und unseren technischen Errungenschaften: Beide haben sich mehr oder weniger Hand in Hand entwickelt. In Afrika dagegen stößt eine archaische Gesellschaftsform mit der Allmacht einer technischen Zivilisation zusammen, die sie zerfallen läßt, ohne sie durch etwas Neues zu ersetzen.

Selbstverständlich tritt der Kongo peu à peu in die Moderne ein. (…) Aber geschieht das nicht auf Kosten einer traditionellen Welt, die sich überlebt hat und doch noch immer notwendig und – noch für eine Weile – unersetzbar ist? (…) Indem wir nichts als wir selbst sind, zerstören wir Traditionen, die manchmal grausam, aber ehrwürdig waren, und bieten als Ersatz nur weiße Hosen und schwarze Brillen an, nebst etwas Wissen und einem unermesslichen Warten.

Das Dilemma, das Drachousoff hier beschreibt, besteht bis heute, weil das rasante Tempo der technischen Entwicklung angehalten hat oder sich vielleicht sogar noch beschleunigte. Die bedeutendste Innovation war dabei für ganz Afrika das internetfähige Handy. Fast alle Afrikaner sind darüber mittlerweile an das weltweite Netz angeschlossen, was jedoch nicht zu einem Wirtschaftsaufschwung führen wird, sondern zu einem Massenexodus, den die wohlhabenden Staaten durch ihren fehlenden Selbstbehauptungswillen begünstigen.

Fortsetzung folgt.

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

Kommentare (33)

Karl-Heinz Labskaus
03. September 2015 14:34
Ich habe das Buch nicht gelesen, beziehe mich also auf die Zusammenfassung des Artikels. Und da fällt mir sofort auf, das wieder mal, wenn es um Schwarzafrika geht, mit keinem Wort ein kleines interessantes Wort fällt, auch nicht indirekt oder in irgendeiner Variante: Selbstverantwortung. Und zwar des Landes und der Leute.
Alle die im Artikel aufgezählten Probleme, die Verblassung der Traditionen, Entwurzelung, die ideologischen Auswirkungen des Kalten Kriegs, Konzerninteressen, Globalisierung, all das gilt für die ganze Welt. Aber was haben Nordamerika, Europa, viele Länder Ostasiens daraus gemacht, und was hat Schwarzafrika daraus gemacht? Aber nein, wieder mal will uns ein Autor erzählen, was sonst nicht einmal mehr Fußballer nach einer Niederlage sich zu erzählen trauen: Der Rasen war zu nass. Denn wie wir alle wissen: Der Rasen war für alle nass.
Davon abgesehen fingen Schwarzafrikas Probleme nicht mit der Kolonialisierung an, sondern gut 2500 Jahre vorher, weil es ab dieser Zeit dort keine oder nicht mehr genug technologische und gesellschaftliche Entwicklungen gab. Folglich gab es gute Gründe, warum Europa vor mehreren hundert Jahren auf ein vollkommen schwaches und wehrloses Schwarzafrika traf, das dem Kolonialismus weder gesellschaftlich (durch Nationenbildung) oder technologisch einen nennenswerten Widerstand bieten konnte. Der Kolonialismus, der war nur die Folge dieser Schwäche, nicht die Ursache.
Teja
03. September 2015 15:27
@ Karl-Heinz Labskaus
Alle die im Artikel aufgezählten Probleme, die Verblassung der Traditionen, Entwurzelung, die ideologischen Auswirkungen des Kalten Kriegs, Konzerninteressen, Globalisierung, all das gilt für die ganze Welt. Aber was haben Nordamerika, Europa, viele Länder Ostasiens daraus gemacht, und was hat Schwarzafrika daraus gemacht?


Ich zitiere Herrn Menzel:
Vielmehr scheint es so, als hätten Europa und der Westen die Krise, in der die ärmsten Staaten der Welt bereits seit Jahrzehnten stecken, noch vor sich.
Nichtliberaler
03. September 2015 15:27
@Karl-Heinrich Labskaus ; So ähnlich wie ihr Kommentar wird wohl in 100 Jahren die Reaktion eines Chinesen auf den Versuch einer Erklärung eines chinesischen Historikers, warum die europäisch-westliche Kultur untergegangen ist, lauten.
Der_Jürgen
03. September 2015 15:44
Was van Reybrouck schreibt, mag ja durchaus stimmen, ist jedoch bloss ein Teil der Wahrheit. Karl-Heinz Labskaus kommt dieser schon näher, indem er darauf hinweist, dass Schwarzafrikas Probleme nicht mit dem Kolonialismus begannen, versäumt es jedoch, das wichtigste dieser Problemen beim Namen zu nennen: Den niedrigen durchschnittlichen Intelligenzquotienten der Schwarzafrikaner.

Wer für Afrikas Rückständigkeit immer nur den Kolonialismus verantwortlich macht, sollte einmal fragen, warum die Länder Asiens, von denen viele ebenfalls kolonisiert und ausgebeutet wurden, so ungleich erfolgreicher sind. Südkorea war Mitte der fünfziger Jahre, nach einem mehrjährigen mörderischen Krieg, dem Jahrzehnte harter japanischer Fermdherrschaft vorausgegange waren, ein Trümmerhaufen. Bodenschätze hatte das Land kaum. Dennoch schufen die Koreaner in relaiv kurzer Zeit ein Wirtschaftswunder. Wie war das möglich? Es war möglich, weil ihr durchschnittlicher IQ bei 105 liegt, im Vergleich zu etwa 70 bei den Schwarzafrikaner. (Siehe z. B. Richard Lynn und Tatu Vanhanen, "IQ and the Wealth of Nations").

Solche nackten Fakten zu erwähnen, ist für linke und liberale GutmenschInnen ein "Gedankenverbrechen" (Orwell). Doch niemand ignoriert naturgegegebene Fakten ungestraft. Die UdSSR musste einen hohen Preis dafür bezahlen, dass sie sich in ihrer Agrarpolitik von den Theorien des Scharlatans Lyssenko beeinflussen liess.

Ohne jeden Zweifel liegt der Ankurbelung der afrikanischen Masseneinwanderung in Europa das Ziel zugrunde, eine Bevölkerung zu schaffen, der nicht nur gemeinsame Ideale und Traditionen abgehen werden, sondern die sich auch durch einen relativ niedrigen IQ (vielleicht 85 bis 90) auszeichnen wird. Zum Bedienen einfacher Maschinen und zum Befolgen von Befehlen wird dieser IQ vollkommen ausreichen.
Radbot
03. September 2015 15:58
Naja, ich verstehe Sie, Herrn Labskaus, aber der erforderliche "Kultursprung" war auf der Zeitschiene für das in der Eisenzeit befindliche dunkle Afrika doch sehr abrupt und mit einer harten Landung verbunden. Ihre "guten Gründe" beziehen sich nicht nur auf Kultur, sondern auf Biologie ...
Karl-Heinz Labskaus
03. September 2015 18:01
Naja, ich verstehe Sie, Herrn Labskaus, aber der erforderliche „Kultursprung“ war auf der Zeitschiene für das in der Eisenzeit befindliche dunkle Afrika doch sehr abrupt und mit einer harten Landung verbunden. Ihre „guten Gründe“ beziehen sich nicht nur auf Kultur, sondern auf Biologie...


Die Gründe sind letztlich egal, warum Schwarzafrika seit so langer Zeit so sehr hinterherhinkt. Es ist seit über 2 Jahrtausenden ein Opferkontinent geworden. Selbst wer die Gründe genau kennen würde, was wäre das Rezept zur Heilung? Ich sehe da keinen Arzt und keine Behandlung. Die Behandlung würde auch wieder mal von Außen kommen, wie die "Entwicklungshilfe", die nur sich selbst hilft. Es ist außerdem zugegebenermaßen viel leichter, angebliche Gründe als solche zu erkennen, als wirkliche Gründe mit belastbaren Beweisen angeben zu können. Jedenfalls stört es mich doch ein wenig, das offenbar wieder mal so getan wird, als wäre Afrika plötzlich vom Himmel gefallen, zufällig gerade dann, als die ersten europäischen Kolonisatoren sich auf den Weg machten. Übrigens wie üblich in der Buchbesprechung keine Rede von zwei Gründen, die auch nicht gerade entwicklungsfördernd für Schwarzafrika waren, nämlich erstens die islamische Ausbreitung und zweitens die bis heute nicht ganz zu stillende Neigung des weißen Islam zur Haltung von schwarzen Sklaven. Seltsamerweise gelten ja weiße Moslems nicht als "böser weißer Mann", verantwortlich für alles Elend der Welt. Ich weiß nicht, wie die das machen. Immerhin ein Kunststück.
von_der_Marwitz
03. September 2015 18:26
Bravo, Herr Menzel! Man nimmt diesem Artikel ab, dass es Ihnen um eine komplexe Aufarbeitung der Gründe für die Flüchtlingströmen geht - mit einer deutlichen Sympathie für autochthone, tribale Strukturen. Ethnopluralismus darf keine leere Hülle oder bloße Alibiveranstaltung sein, sondern setzt ein globales Interesse voraus.
Weltversteher
03. September 2015 18:34
Ich sehe auch nicht ein, warum immer eine "Entwicklung" für solche Gegenden erwartet wird, auch hier.
Wieso hätte sie den Europäern standhalten, ihnen ebenbürtig sein sollen?
Die Afrikaner waren ihrem Lebensraum bestens angepaßt. Was das beudeutet, übersehen entwurzelte Europäer allzuleicht.

Ein durchaus harmloser Schweizer sagte mir neulich: "Man kriegt den Neger aus dem Busch, aber nicht den Busch aus dem Neger."
Soll heißen - die sind für keine andere Lebensweise geeignet, als die, welche die Europäer (um nicht zu sagen "wir") ihnen genommen haben.
Grau
03. September 2015 19:23
" Van Reybrouck schätzt, daß die Entwurzelung der „Kongolesen“ (ob es diese überhaupt gibt, wird unter 3. zu klären sein) bis Anfang der 1930er-Jahre abgeschlossen war." usw. usf.

Was solche Entwurzelungen angeht, war bei eventuellem Fehlen der Kolonialherren, für die es jedoch stets ausreichenden Ersatz gab, der Rasen zu anderen Zeiten auch anderswo nass.
Karl Blomquist
03. September 2015 19:34
Solange das Wirken der Besatzungsmacht nicht thematisiert wird, kann man sich die ganze Diskussion schenken

Deutschland ist nicht souverän. Die Macht im Besatzungsstaat BRD haben die USA. Und auch die EU, über die sich viele so beschweren, ist bekanntermaßen nur eine US-Filialholding. Die Flutung Deutschlands mit Mohammedanern wird von den USA betrieben, aus geopolitischen Interessen.
Ist das denn so schwer, diese einfachsten Zusammenhänge mal zu erwähnen?
Martin S.
03. September 2015 21:36
Ich habe das Buch nicht gelesen, aber der Artikel klingt doch arg nach dem Klischee des "edlen Wilden", dem durch die pöhsen Kolonisatoren die Heimat geraubt wurde. Schuld sind natürlich immer die anderen ...

Ich halte mal mit einem Zitat von Che Guevara dagegen:

(Sinngemäß. Quelle ist angeblich sein Tagebuch.) "Mit den Afrikanern ist keine Revolution zu machen, weil sie nur an Fressen, Saufen und Frivolitäten denken."
Karim El Ansari
03. September 2015 22:22
Sehr geehrter Herr Menzel,

was für eine spannende Sichtweise. So hatte ich die Tragödie Afrikas und auch die unsere bslang noch nicht gesehen. Vielen Dank für diese konkludente Betrachtung.

Liebe Grüße,

El
Grilleau
03. September 2015 22:47
@Martin S.
Der Film erzählt die Geschichte des europäischen Imperialismus und Kolonialismus in Afrika und seiner ungeheuren Verbrechen, deren Auswirkungen bis heute nachwirken. 1885 setzte die Kongo-Konferenz in Berlin den belgischen König Leopold II. als Herrscher des Kongo-Staates ein. Während der Monarch der Welt den selbstlosen Philanthropen vorgaukelte, verwandelte sich der Kongo in ein riesiges Arbeitslager. Leopolds Gier nach Kautschuk und Elfenbein blutete das Land aus. Als man ihm 1908 den Kongo wieder wegnahm, hatte der belgische König 1,1 Milliarden Dollar Gewinn aus seiner Kolonie gezogen. Schätzungsweise 10 Millionen Menschen mussten dafür mit ihrem Leben bezahlen. https://www.youtube.com/watch?v=a-V5hppHc0E
der demograph
03. September 2015 23:12
als der Kolonialismus in Kongo endete war die Situation dort besser weil dort nur ein Bruchteil der Menschen lebte die dort heute leben und weil ein gewisser Anatol der Bevölkerung noch Europäer waren. Insgesamt war es in Afrika vor der Kolonialisierung nicht besser als besser während er Kolonialisierung, und während der Kolonialisierung war es auch nicht gut. Es gab dort schlicht und und ergreifend noch nie Zivilisation die über ein paar europäischen Kolonialmächten erbauten und bewohnten Hafenstädte hinausging. Nur: früher war es so schlecht, die Sterblichkeit war so hoch, dass dieser riesiger Kontinent im Vergleich zu Asien, Europa und sogar dem präkolumbianischen Amerika dünn besiedelt blieb. Wenn man die Gründe der Armut erforschen möchte sollte man wohl mit genetische bedingten IQ Unterschieden beginnen.
Die unters Milliarde ist im Übrigen nur ein temporärer Begriff. Es ist nicht lange her da lebten in Subsaharaafrika halb so viele Menschen wie in den Ländern der heutigen EU, heute doppelt soviele, Ende des Jahrhunderts wohl doppelt so viele.
Don
03. September 2015 23:13
Sehr weise Einsichten. Das Unsichtbare Kommittee schreibt in An unsere Freunde:
"Worum es in den heutigen Aufständen geht, ist die Frage nach der wünschenswerten Art von Leben und nicht die nach dem Wesen der Institutionen, die es dominieren. Das anzuerkennen würde aber sofort bedeuten, die ethische Bedeutungslosigkeit des Westens anzuerkennen. Und es würde verbieten, den Sieg dieser oder jener islamischen Partei nach diesem oder jenem Aufstand der vermeintlichen geistigen Rückständigkeit der Bevölkerungen anzuhängen. Man müsste im Gegenteil zugeben, dass die Stärke der Islamisten gerade in der Tatsache liegt, dass sich ihre politische Ideologie in erster Linie als ein System ethischer Vorschriften präsentiert. Mit anderen Worten, dass sie erfolgreicher sind als die anderen Politiker, liegt gerade daran, dass sie sich nicht zentral auf das Terrain der Politik begeben."


Die Dekolonialisierung war von Anfang an zum Scheitern ausgemacht, weil die Institutionen vergiftet gegründet waren, weil Staatsgrenzen keinem Staatsvolk entsprechen, weil das UN System die Eliten korrumpiert usw. Metapolitik und scheinbar rückständiger Traditionalismus erweist sich als das nachhaltigste Programm gegen das westliche Modell. Die "Flüchtlinge" wären andernfalls die Avantgarde eines Sieges des Westens, des mauerfallartigen Regimewechsels in Afrika usw. In Wahrheit bedroht der "Flüchtling" nicht nur das hiesige Staatsvolk und seine Integrität, seine eigene Kultur wird sozusagen abgelöscht, sofern die aufnehmende Kultur machtvoll genug ist.

Man erinnere sich welche Abstoß-Effekte es in Russland hatte, als Mitarbeiter fremdfinanzierter Nichtregierungsorganisationen so deutlich mehr Geld in der Tasche hatten als die Parlamentarier oder Staatsbeamte des Landes. Entweder bilden sich Antikörper oder die totale Assimilation. Welch ein antideutscher Treppenwitz, wenn Flüchtlinge "Deutschland, Deutschland!" rufen... Es bleibt spannend.
Gert H. Köster
04. September 2015 02:40
@labskaus: profunde, schlichte Wahrheit.
Rucki
04. September 2015 08:44
Mag ja alles sein, was in dem Buch steht, der Ton ist aber wieder, der weiße Mann ist schuld für die Lage Afrikas, die armen Schwarzen tragen keine Verantwortung dafür.

So betütteln wir sie, leisten "Entwicklungshilfe", sorgen mit der Senkung der Kindersterblichkeitsrate für deren Bevölkerungsexplosion, und sind anschließend Schuld daran. Anschließend holen wir alle "Armen Neger" nach Schland, dem Land wo Milch und Honig fließt um Vergebung für unsere Schuld zu erlangen.

Der pöse technische Fortschritt aber auch, der Strukturen zerstört, ja nee ist klar. Wenn Familie, Volk, Nation zerstört wird, wenn gewachsene Solidaritätsstrukturen zerstört werden, wenn die Dekadenz Einzug hält, der technische Fortschritt ist schuld.

Vielleicht ist es sogar so.

Die imense Wertschöpfung durch stählerne Sklaven, lässt diejenigen, die zu faul zum Arbeiten, zu dumm für Naturwissenschaften und zu fein für Kranken- und Altenpflege sind, in die Geisterwissenschaften unserer Universitäten strömen, wo sie als Utopisten, also Narren, anschließend in Leerberufen und Politik ihr Utopia durchsetzen. Das ist unser Problem, und ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, dass im Kongo das auch so ist, was mir aber auch egal ist.
Teja
04. September 2015 09:30
Der Autor des Buches kommt zu dem Schluss:
Der Kongo ist nicht in der Geschichte zurückgeblieben – er ist der Geschichte voraus.
. Die Auflösung aller traditionellen Strukturen hat das Land ins Chaos gestürzt, woraus Menzel folgert:
Vielmehr scheint es so, als hätten Europa und der Westen die Krise, in der die ärmsten Staaten der Welt bereits seit Jahrzehnten stecken, noch vor sich.


Die behandelte These ist daher nicht als Anklage ("böser Weißer knechtet edlen Wilden") zu verstehen, sondern als Warnung davor, was geschieht, wenn man alles der Ökonomie und Nützlichkeit unterwirft.
Frederick van Portshoven
04. September 2015 11:27
Ich las jenes Buch 2012 - zugegebenermaßen nur zu Hälfte. Soweit ich mich erinnere, ging es keinesfalls um eine trivial gehaltene Anklage der Kolonisatoren. De facto haben die europäischen Mächte durch das Ziehen von Grenzen, die die regionale Aufteilung nach Stämmen, eigenen Kulturräumen, Sprachen etc. ignorierte, und der Überstülpung von für die indigenen Afrikaner fremden Gesellschaftsmodellen einen gewaltigen Stein ins Rollen gebracht. Das Bemängeln von Eigenverantwortung scheint mir hier etwas fehl am Platze. Zu wissen, wie sich das momentane Bild historisch überhaupt erst aufgebaut hat, kann nicht schaden. Die entscheidende Frage ist doch - und da sind wir im Hier und Jetzt -, wie Europa gegenwärtig mit der Migration aus Afrika umzugehen gewillt ist. Welche Schlüsse werden gezogen?

Wir heutigen Europäer tragen mitnichten die Verantwortung für das, was die Herrschenden während der Ära des Kolonialzeitalters verursacht haben mögen. Warum sollten wir (und damit meine ich die Völker Europas selbst, nicht die herrschende Klasse) jetzt dafür zur Rechenschaft gezogen werden? Ebenso stellt sich mir auch immer wieder die Frage, warum die allermeisten afrikanischen Staaten nach Erlangen ihrer Unabhängigkeit in der Regel von Putsch zu Putsch und Nepotismus gestolpert sind.
vorwärtsimmer
04. September 2015 11:31
Seine Darstellung der Geschichte dieses Landes, das so groß ist wie Westeuropa, beginnt mit der Berliner Kongo-Konferenz (1884/85) und führt bis in die Gegenwart.



Tja. Dann müsste sein Buch aber, "eine Geschichte des Kongos von 1884 bis zur Gegenwart" heißen.

Das subsaharische Afrika war nach allem, was bekannt ist, aber leider auch schon vor 1884 dysfunktional.

Die Vorstellung homogener, in ihrer Tradition verankerter Ethnien, die friedlich mit sich, den Anderen und der Natur ihrer Existenz frönten, ist absurd.

Das subsaharische Afrika war schon immer geprägt von tribalistischen Konflikten, grassierenden Krankheiten, archaischen Gewaltausbrüchen und prekärer Ernährungssituation.

Die Eingriffe der Europäer haben vieles verändert...manches zum Besseren, manches zum Schlechteren.

Den Eingriffen der Araber, die viel intensiver und früher erfolgten, waren humanitäre Aspekte übrigens völlig fremd.

Die Dysfunktionalität Schwarzafrikas braucht jedoch keine Einflüsse von außen, um sie zu erklären.

Die Einflüsse von außen vermögen lediglich, den Phänotyp der Dysfunktionalität etwas zu ändern.

Dass es mit Hilfe des Westens einem dysfuntkionelen Kontinent gelungen ist, zu einem explodierenden Bevölkerungswachstum zu gelangen, kann man je nach Sichtweise als autodestruktiv oder tragisch bezeichnen.
Rucki
04. September 2015 15:23
Wir betrachten jetzt mal Süd-Korea.

1950er Jahre ärmer als fast alle Staaten Afrikas, dazu Krieg.
Dann ökonomischer Aufstieg, man kann sagen, bis in die Weltspitze.

Religion traditionell Buddhismus, seit den 1950er Jahren zunehmend Christen, knapp die Hälfte. Also durchaus ein Traditionsbruch und ökonomischer Aufstieg.

Trotzdem begehet Süd-Korea keinen Volkssuizid? Auch ökonomisch scheint es weiter auf Wachstumskurs

Süd-Korea scheint dieses Irre-sein nicht zu kennen, wie Europa.
Andreas Walter
04. September 2015 16:06
Na dann, können wir Deutschen ja jetzt auch mit gutem Gewissen vor die Hunde gehen, verrecken. Uns hat man die Volksseele auch gestohlen, ausgetrieben. Schönes Schlusswort, Herr Menzel. Selbstmord durch Einsicht. Das hat Grösse. Ganz grosses Kino. Wohl zuviel Der letzte Samurai gesehen.

https://www.youtube.com/watch?v=yyH4Qy9TqWw

Wobei folgendes sehr wahrscheinlich ist. Selbst wenn die Befreiung noch mal gelingen würde, was ich sogar für möglich halte, wird man nicht zögern, diesmal auch Kernwaffen auf deutsche Städte abzuwerfen. Müssen ja nicht viele sein. Gerade so viele, bis der Wille gebrochen ist. Der Wunsch frei zu sein, selbstbestimmt und unabhängig in frieden Leben zu wollen. Christ ist man dann allerdings auch nicht mehr, denn Christen dienen nur einem Herrn.
Rainer gebhardt
04. September 2015 17:32
@ Teja: genau das ist das Thema, um das es geht. Die Analogie, die der Autor von "Kongo" aufbaut, ist einleuchtend. Sie umfasst aber nicht das Wesen der Prozesse, die uns uns bevorstehen. Hatten die Kolonialmächte den afrikan. tribes einen Überbau aufgedrückt, der der Produktionsweise der Kolonialmächte entsprach und der die Stammeskulturen beinahe komplett zerstörte, kommt der Kultur- und Traditionsabriss in den Gesellschaften des Westens aus ihrem eigenen Inneren, aus dem Charakter der Technik mit ihrem Expansionsdrang und Nivellierungszwang. Jüngers Überlegungen in DER ARBEITER: Eine Gestalt planetarischen Charakters betritt die Szene: der Arbeiter. Er ist kein Individuum mehr im ursprünglichen Sinne, sondern ein der Technik adäquates Wesen, ihre "Uniform". Alles was Tradition ist, Kultur im überliefert Sinn hindert dann nur noch, engt ein; es wird ein Vakuum geschaffen, in das neue Ideen genau so leicht vorstoßen wie fremde Völker. Daß die auf ihrer Wanderung von Smartphones als DER techn. Ikone des Westens geführt und geleitet werden, könnte Ironie sein, liegt aber durchaus im Plan. Noch ein Analogie: Was die unermesslichen Schätze Afrikas den ehemaligen Eroberern, sind unsere Sozialsysteme heute für die hereinströmenden Massen, auch sie lassen sich anschürfen wie Goldminen.
Harald de Azania
04. September 2015 20:05
Nurrr (!) ein Scherz (!!) ganz kurz >>>

"Anton Zischka, Laender der Zukunft, 1950" lesen!!

! Hasta la Vista!

Euer wohlaffektionierter HdeA
der demograph
04. September 2015 20:25
@ Rucki
sie sprechen mir aus der Seele. Es ist ein ungutes Spiel das getrieben wird. Mittlerweile gilt es als schick gegen Entwicklungshilfe zu sein. Durch Entwicklungshilfe würden Abhängigkeitsverhältnisse zementiert, und selbstverständlich sei Afrika zur gleichen wirtschaftlichen Entwicklung wie Asien in der Lage. Außerdem habe Entwicklungshilfe eh zumeist nur den Entwicklungshelfern selber und Despoten in den afrikanischen Ländern genutzt.
Das ist alles Unsinn. Ohne Entwicklungshilfe ginge es Afrika heute noch viel schlechter. Die Bevölkerungsexplosion der letzten Jahrzehnte hätte es ohne Entwicklungshilfe nicht gegeben, die der nächsten Jahrzehnte würde es nicht geben. Und zu behaupten die Afrikaner würden ja können, würde man sie nur alleine machen ist der Gipfel der Unterwürfigkeit. Nicht nur das man helfen soll, nein man soll es auch noch so machen dass sie sich nicht in ihrer Ehre gekränkt sehen, also versteckt. Und keiner von denen die gegen Entwicklungshilfe sind würde die Verantwortung übernehmen wollen wenn es nicht klappen würde, wenn es riesiige humanitäre Krisen gäbe.
MIt den Berufen haben sie auch absolut recht. Die einzigen die produktiv an der Wertschöpfung mitarbeiten sind Leute die im Kleinen Subsistenzwirtschaft betreiben und Techniker, das heiße Leute aus dem Mint Bereich, sowohl akademisch als auch nicht akademisch, mehr noch akademisch.
Frenchman
04. September 2015 21:28
Lesen Sie:

http://www.amazon.de/Wealth-Nations-Evolution-Behavior-Intelligence/dp/027597510X/ref=tmm_hrd_title_0?ie=UTF8&qid=1441394699&sr=1-3

In Afrika und anderen Gegenden der Erde geht eben nichts. Da wird nie was gehen.

Ebenso:

http://www.amazon.de/IQ-Global-Inequality-Richard-Lynn/dp/1593680244/ref=sr_1_1?s=books-intl-de&ie=UTF8&qid=1441394699&sr=1-1&keywords=Lynn+vanhanen
Martin S.
04. September 2015 22:29
Der Traditionsabriss kann aber auch aus schlichter Einsicht in die ökonomische Notwendigkeit erfolgen! Und das nicht zum Schlechteren einer Nation!

Was wäre denn aus Japan geworden, wenn es 1853 nicht von Commodore Perry gewaltsam geöffnet worden wäre? Dann wären die Samurai in ihren Rüstungen noch bis Anfang des 20. Jh. herumgeritten wie eh und je, um dann von den Russen annektiert und um so gewaltsamer in die Neuzeit katapultiert zu werden.

Oder man betrachte Tibet! Und zwar jenseits aller "Sieben Jahre in Tibet-Romantik". Glaubt jemand im Ernst, dass diese Menschen in ihrer total verkrusteten Priesterherrschaft, damals eines der ärmsten Völker der Welt, glücklich waren? Wollten die heute wirklich wieder zurück unter die Herrschaft eines Dalai Lama?

Individuum im ursprünglichen Sinne: Hat es das je gegeben? Das klingt so nach "goldener Urhorde". Gibt es dann auch eine Tradition im ursprünglichen Sinne? Und ab wann wird ein normaler Wandel der Tradition zu einem Traditionsabriss?

Sollten meine Fragen an anderer Stelle geklärt sein, bitte ich um Nachsicht. Ich bin philosophisch leider nicht sehr gebildet...
Rainer gebhardt
05. September 2015 11:40
@ Martin S.
Traditionsabriss - war eine Feststellung, keine Wertung.
"Individuum im ursprünglichen Sinne" - nicht anthropologisch zu verstehen, begriffsgeschichtlich und historisch ein Produkt der Neuzeit. Im "ursprünglichen Sinn" heißt also genauer: im Sinn seines neuzeitlichen Entwurfs.
Es geht erst einmal gar nicht darum, ob etwas zum Guten oder zum Schlechten wirkt. Ob hier ökonomische Notwendigkeiten oder aus den Verhältnissen sich ergebende Möglichkeiten "am Werk" sind, ist zweitrangig. Mein Hinweis auf E.Jüngers Arbeiter auch deshalb, weil er etwas Unerbittliches, Unabwendbares, beinahe Schicksalhaftes anzeigt: Er ist die Gestalt, die die techn. Notwendigkeiten bedient und die gesellschaftlichen Möglichkeiten ergreift. Grenzen sind für ihn bedeutungslos geworden, "er durchschreitet sie wie eine illusionäre Wand." Em Ende geht es doch darum: wer ist historisch in der Offensive und wer in der Defensive.
Andreas Walter
05. September 2015 12:56
@Martin S.

Wie soll denn die Zukunft Deutschlands Ihrer Meinung nach aussehen, Herr S.?

Ein Gebilde wie die VSA, was es jetzt schon fast leider ist?

https://www.youtube.com/watch?v=tfXLOtlYC7E

Deutschland als Teil des IS?

Ein Staat wie in Orwells 1984 oder Huxleys Schöne neue Welt?

Eine Welt wie in Blade Runner, oder wie in Die Matrix?

Ein Staat wie Israel?

Eine Welt wie Disneyland, in der es verschiedene Themenwelten gibt, die man alle besuchen und sogar darin leben kann, mit Deutschland als Schwarzwaldidylle in Voralpenkulisse?

Oder etwas ganz anderes, weil wir mit Hilfe neuer technischer Möglichkeiten Energie im Überfluss besitzen und wir darum das Spiel der Armutsverwalter (Ökonomen, Gelderzeuger und Geldverleiher) nicht mehr mitmachen?

Was ist am wahrscheinlichsten, wenn wir die Invasion nicht sofort stoppen?

Was interessiert mich daher gerade Afrika, der Kongo oder Angola. Ägypten war doch auch mal eine Hochkultur, Südafrika ging es doch auch schon mal besser. Was leistet denn der Islam in Afrika gerade an Entwicklungshilfe, oder sind die nur zum erobern, zum zerstören und in die "Steinzeit" (um 600 n. Chr.) zurückbomben gekommen? Was sollen auch uns dann solche Leute anderes bringen? Eine Kulturbereicherung ausser Döner sehe ich darin nicht. Höchstens eine Bereicherung für bestimmte Kreise, zum Beispiel mittels Lohndumping, oder durch den weiteren Ausbau der Sozialhelferindustrie, internationale Spekulanten und aus geostrategischen Erwägungen auch bestimmte Völker, Gruppen und Nationen, die Deutschland weiter im Zaum, in Steuersklaverei halten wollen zu deren Vorteil.

Will ich nicht, brauchen wir nicht, wir können mehr. Es ist unsere Kultur, wir sind eine Bereicherung für die Welt, nicht der IS. Genau darum wollen ja auch so viele von denen zu uns, sich an uns, bei uns und über uns bereichern. Nach Germany wollen sie, nicht zu den Anderen. Wir sind das Land von Milch und Honig, jedoch nicht durch Ausbeutung, sondern durch Geist und Arbeit. Wir sind der Motor der EU, besitzen das "Geheimnis", die richtige Mischung, den richtigen Weg, wurden darum in der Geschichte auch schon immer gehasst und beneidet. Doch warum lässt man uns dann nicht machen? Wenn wir die Welt retten können, warum dann nicht in Afrika? Wir können die doch nicht alle zu uns holen, dass ist doch Schwachsinn. Und wenn es doch nur Glück ist, warum sollten wir uns dann unser Glück kaputt machen lassen? Oder wenn es nur am günstigen Standort liegt, was ich auch sehr bezweifle, warum sollten wir uns den dann wegnehmen lassen? Es gibt keine ewige Verpflichtung für vergangene Taten vorhergehender Generationen. Wenn dem so wäre würden die VSA, Kanada und Lateinamerika heute wenigen Indianern gehören. Das Gleiche gilt für die gesamte Kolonialzeit wie auch für den Holocaust und auch jeden Krieg, den Menschen bisher geführt haben. Oder wir springen in der Zeit je nach belieben vor und zurück und fordern jetzt unsere Kolonien wieder ein, plus Deutschland in den Grenzen von 1942.

Oder oder oder, es läuft eh alles auf Autopilot, wer oder was immer das auch ist. Oder alles ist eine Folge von Wille und Geist, oder eine irre Mischung von allem. Sicher, dass sie das alles nicht nur geträumt haben, Her S.? Reisen bildet. Denn es gibt auch ein sehen, ein wahrnehmen ohne denken, ohne lesen. Lust auf Afrika? Bilder sagen mehr als Worte, Geruchsfernsehen gibt's leider noch nicht.

https://www.youtube.com/watch?v=ZRuSS0iiFyo
Stil-Blüte
06. September 2015 15:57
@ Grilleau

Auf Ihrer Seite begegnet man Alexander Kluge - nomen est omen - . Doch leider folgen Sie Ihrem Meister (?) nicht, sondern beginnen mittendrin, beim abgearbeiteten Erzfeind der Afrikaner, dem 'Kolonialismus'. Schade!

Andere Kommentatoren haben aber Gott sei Dank Ihre zu kurzgefaßte Betrachtung ergänzt.


Allgemeine Betrachtung: Die Entwicklung bzw. der sog. 'Fort-Schritt' hat auch mit klimatischen Bedingungen zu tun. Nicht umsonst liegt Deutschlandf nicht nur in der Mitte, in Mitteleuropa, sondern in der gemäßigten Zone. Was befördert Deutschland als gemäßigte Zone? Die Jahreszeiten. Warum? Die Erfahrung der wiederkehrenden 'mageren' nach den fetten' Zeit. Das nennt man Vorsorge, Vorausschau, Einbinden der Zukunft in die Gegenwart. Und zwar gesetzmäßig. Während in Afrika nach den sieben fetten Jahren nicht voraussehbar war, daß sieben mageren Jahre folgen würden. Propheten warnten. Aber was gilt schon ein Prophet im eigenen Lande.

Diese Kontinuität ist ein guter Lehrmeister, weil nähe an der Natur dran und nicht nur dem üppigen oder kargen Zufall überlassen.

Ein, ich gebe es zu, abwegiger Gedanke: Könnte das Reagieren auf die Flüchtlinge aus diesem natürlichen Reservoir schöpfen und vielleicht doch nicht nur politische Manipulation sein. Wenn ja, sollten wir es nicht auch als Übung, Prüfung unserer eigenen Fähigkeiten, Kapazitäten, Produktionskräften statt nur als Selbstpreisgabe betrachten?
Rainer gebhardt
07. September 2015 12:51
@ Stil-Blüte

Ihr "abwegiger Gedanke" ist interessant. Nur ist zu bedenken, daß die "Übung, Prüfung unserer eigenen Fähigkeiten, Kapazitäten, Produktionskräfte" (und Produktivkräfte aka Menschen) keine Schulstunde in der Unterprima sein wird, sondern einer der brutalsten Verwertungsprozesse (um nicht zu sagen: Ausleseprozesse), die uns bevorstehen. In der Logik dieses Prozesses liegt es "überflüssige" Menschen auszusortieren. Weshalb zu den 1. Mio. "Refugees" bald weitere 1 Mio. und mehr Deutsche kommen werden, die auf der Strecke bleiben. Und an dem Punkt stellt sich mir dann die Frage, wem gilt meine Anteilnahme? Der gesamten Menschheit oder meinem Nachbarn?
Keats
07. September 2015 17:20
Wenn Afrikaner im Mittelmeer ertrinken, ist das überall in Europa die Topmeldung. Die Afrikanische Union (AU) mit ihren 54 Mitgliedstaaten schweigt dazu, die Online-Auftritte afrikanischer Zeitungen beschäftigen sich mit lokalen Petitessen. Die eigenen Leute sterben, Afrikaner demonstrieren völlige Gleichgültigkeit und deutschen Medien reden von einer Schande für ... Europa? Afrika existiert in diese Provinzmedien nicht. Natürlich ist es auch keine Schande für "die Afrikaner", sondern nur für die afrikanischen Eliten. Ein ganzer Kontinent stiehlt sich aus der Verantwortung und die restliche Weltgemeinschaft ignoriert das oder ergeht sich in rassistischen Blame-Whitey-Spielen.

Niemand erwarte eine "nachhaltige" Entwicklung in Schwarzafrika. Die westliche Idee von der sinkenden Geburtenrate bei wachsendem Wohlstand funktioniert da offensichtlich nicht. Man könnte dazu die Kinderzahl afrikanischer Regierungschefs mit denen europäischer vergleichen. Die überschüssigen Afrikaner gehen nach Europa, aus den Kolonien, die sie dort bilden, fließt viel Geld in die Heimatländer zurück. Eine Win-Win-Situation, bei der einige Ertrunkene nicht ins Gewicht fallen.

"Du, Europäer, fängst den Kongolesen die ganzen Fische weg. Deshalb mußt du kräftig für sie spenden und sie in Europa willkommen heißen." - das ist reine Demagogie. Die Afrikaner müssen endlich aktiv für sich und ihren Kontinent die Verantwortung übernehmen, die sie de facto schon heute haben, auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen. Genau das bedeutet "Afrika den Afrikanern!"

Dazu gehört, daß man ganz klar sagen muß: Es gibt keine Siedlungsgebiete mehr! Wenn die UNO das Gegenteil betreibt und - wie im Fall Syrien - nicht einmal die Schuldigen benennt, sondern "Resettlement"-Programme auflegt und damit die Ziele der Aggressoren und Vertreiber unterstützt, so ist sie ganz klar eine Gefahr für den Weltfrieden und gehört abgeschafft. Der Vergleich der UNO mit der FIFA enthält eine tiefe Wahrheit. Bei beiden hat die Korruption zu gefährlicher Arterienverkalkung geführt.

Es gibt ein fetziges Spottlied, mit dem sich Afrikaner über die verrückten Deutschen lustig machen: "Jecken, Jecken!" Leider reichen meine Kölsch-Kenntnisse nicht, um den restlichen Text zu verstehen, und über Völkermord macht man keine Witze, aber ... das Lied ist wirklich sehr eingängig und hebt die Stimmung.

https://www.youtube.com/watch?v=cIUD1Z3pU1g

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