20. April 2016

Der astronautische Blick

von Lutz Meyer / 80 Kommentare

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

NASA-Apollo8-Dec24-EarthriseDie Erde als Heimatplanet, als „Raumschiff Erde“, hat den angestammten Heimatbegriff verdrängt. Heimat ist primär nicht mehr die von uns bewohnte geografische Region samt ihrer Historie, ihren Menschen und deren gewachsenen Eigenarten, Heimat ist auch nicht mehr das Vaterland oder der abendländisch-christliche Kulturraum. Heimat ist jetzt das große Ganze. Was bedeutet das für konservative/rechte Positionen?




Das Vertrackte an neugewonnenen Perspektiven ist: Wer sie einmal eingenommen hat, wird sie kaum wieder los. Einmal erlangtes Wissen kann man, ohne Zweifel an der eigenen Zurechnungsfähigkeit zu riskieren, nicht wieder ablegen. Man weiß es einfach. Nach der kopernikanischen Wende war es unmöglich geworden, zum geozentrischen Weltbild zurückzukehren. Mit dem wissend gewordenen Geist ist es wie mit der verlorenen Unschuld – der Urzustand kann nie wieder erreicht werden.

Folgerichtig geht es in dieser Erörterung nicht um die Rettung des konservativen Heimatbegriffs – diese sentimentale Heimat, dieses Krähwinkel, ist längst verloren gegangen an übergeordnete Raumplanung und die Einspannung in harte ökonomische Interessen, verloren gegangen im medialen Chaos der Gleichzeitigkeit und Beliebigkeit.

Entsprechend schwinden für jeden sicht- und spürbar auch die Unterschiede – man baut im Norden wie im Süden, bestellt seinen Acker im Osten wie im Westen, genießt in Kiel wie in Freiburg und Dresden auf austauschbare Weise. Letzte kleine regionalen Besonderheiten und Unterschiede werden nach Kräften touristisch vermarktet, doch sie spielen im realen Leben kaum noch eine Rolle.

Auch Länder- und Kontinentalgrenzen und Ozeane werden vom globalisierten Geist spielend überwunden – die gleichen Vorlieben herrschen rund um den ganzen Globus: Geldgier, Sexgier, seichtes Entertainment, Statussymbole, ungezügelter Genuss - moralisch aufgewertet durch das Sahnehäubchen eines wohlfeilen Humanitarismus. Man gibt sich weltoffen, versteht sich als Weltbürger und ist überall und nirgends zu Hause. Die modernen Verkehrsmittel und die digitalisierte Nachrichtentechnik unterstützen dieses Lebensgefühl durch jederzeitige Präsenz und Nutzbarkeit.

Der astronautische Blick – sei es der vom Mond, der aus der Internationalen Raumstation oder der des in höheren Sphären schwebenden Denkers – nimmt den blauen Heimatplaneten als ebenso schön wie verletzlich wahr und eben als dieses Eine, bei dem Unterschiede und Differenzen kaum noch eine Rolle spielen. An Bord des Raumschiffs sitzen alle im selben Boot.



Dieser universalistische Ansatz wurde ursprünglich vom Gedanken des Weltreichs, des Empire, getragen, in den vergangenen Jahrzehnten aber (als Korrektiv zur ökonomischen Empire-Perspektive) vor allem auch auf der ökologischen Ebene – die Abholzung des Regenwaldes etwa hat immense Folgen für das Leben auch außerhalb der Tropen. Inzwischen hat als dritte universalistische Perspektive die soziale aufgeholt: Nicht nur Ökonomie und Ökologie sind global vernetzt, auch das Soziale existiert nirgendwo losgelöst von globalen Rahmenbedingungen.

Die Perspektive auf die eine Welt ist real geworden – und es dürfte unmöglich sein, diese Perspektive wieder loszuwerden, um in die Verfolgung reiner Partikularinteressen zurückzuverfallen. Ist es also nicht völlig in Ordnung, wenn jeder dort hingeht, wo es ihm am besten gefällt? Warum nicht als Afghane nach Schleswig-Holstein streben, warum nicht als Sachse oder Ostfriese geschäftlich im Kongo sein Glück versuchen, warum nicht einfach seinen Wünschen und Sehnsüchten freien Lauf lassen – es ist doch die eine Welt, die allen gehört? Der gegenüber seinen Krähwinkel-Tagen längst weiterentwickelte konservative/rechte Standpunkt erhebt vehement Einspruch, weil das „Raumschiff Erde“ eben kein Bällchenbad ist, sondern nach konkreten Ordnungsmustern funktioniert. Fehlen diese, wird es erst irre- und dann untergehen. Wie geht es zu an Bord des „Raumschiffs Erde“? Peter Sloterdijk hat in seinem jüngsten Buch („Was geschah im 20. Jahrhundert?“) über eine „Philosophie der Raumstation“ nachgedacht:
„Die Menschen im globalen Zeitalter schauen erneut an den nächtlichen Himmel. Sie glauben aber nicht nur, daß sie beobachtet werden, sie wissen es auch, und indem sie dieses Wissen ernst nehmen, werden sie fähig zu handeln, wie ihr Gewissen es fordert. Die Bilder, die unser starker Beobachter uns zusendet, sprechen eine klare Sprache. Sie reden zum Gewissen für die Erde. Die Gewissenlosen aber müssen wissen, daß man ihre Gewissenlosigkeit schon vom Weltraum aus sieht. Es wäre falsch zu verschweigen, daß diese Bilder in einem Prozeß gegen jene, die noch immer nichts wissen wollen, als belastendes Material vorgelegt werden können.“

Der Gedanke, daß die Erde nicht bloß eine beobachtende Raumstation, sondern im Ganzen ein Raumschiff sei, wurde erstmals im 19. Jahrhundert gedacht von Henry George, einem amerikanischen Ökonomen (in „Progress and Poverty“: “It is a well-provisioned ship, this on which we sail through space.“)

1968 erschien mit “Operating Manual for Spaceship Earth” von Buckminster Fuller ein Essay, der sich auf so etwas wie eine umfassende Handlungsanweisung für die globale Ordnung bezog – gedacht vor dem Hintergrund der Raumschiff-Metapher. Buckminster Fuller, dessen Einfluss auf das heutige globale Denken bedeutender sein dürfte als allgemein angenommen, hat mit seiner „Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde“ eine bis heute andauernde Lawine von Überlegungen losgetreten, wie so ein globales Management aussehen könnte. Auch wenn dem konservativen/rechten Geist viele dieser Überlegungen vor allem in den Konsequenzen für den eigenen Standpunkt missfallen dürften, so kann kein vernünftiger Zweifel daran bestehen, daß eine solche globale Perspektive unausweichlich ist – ein Zurück hinter die globale Perspektive könnte es allenfalls unter den Bedingungen einer globalen Katastrophe (Ausbruch des Yellowstone, Asteroideneinschlag, Seuchen) geben, die einen Großteil der heute lebenden Menschen auslöschen würde, nicht aber als Folge einer politischen Willensanstrengung. Das also dürfte die eigentliche geistige Aufgabe der nächsten Zeit werden: Eine Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde aus dezidiert konservativer bzw. rechter Sicht zu entwerfen. Denn das Raumschiff ist keine Phantasie, sondern Realität.

Vielleicht fällt die Aufgabe etwas leichter, wenn man einfach die etwas weniger abstrakte Realität eines nicht im Raum, sondern auf dem Meer segelnden Schiffes betrachtet. Worauf kommt es an Bord an? Richtig: Jeder hat an seinem Platz zu sein und muss jederzeit wissen, was zu tun ist – gerade der universalistische Ansatz verlangt strikte Disziplin und den Verzicht auf individuelle Selbstverwirklichung. Hier, in diesem Verzicht, die Abgrenzung zum gleichmacherischen Ameisenstaat zu schaffen, wird eine der schwierigsten und zugleich spannendsten Gratwanderungen sein.

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

Kommentare (80)

Nordlaender
20. April 2016 08:40
"Ist es also nicht völlig in Ordnung, wenn jeder dort hingeht, wo es ihm am besten gefällt? Warum nicht als Afghane nach Schleswig-Holstein streben, warum nicht als Sachse oder Ostfriese geschäftlich im Kongo sein Glück versuchen, warum nicht einfach seinen Wünschen und Sehnsüchten freien Lauf lassen – es ist doch die eine Welt, die allen gehört?"

Ganz einfach: Dem Rheinländer gefällt es im Norden nicht, weil ihn die mangelnde Bereitschaft des Taxifahrers, mit ihm ein Dauergespräch zu führen, in die Verzweiflung treibt.

Und Jens Jensen aus Niebüll empfindet es als freche Distanzlosigkeit, wenn der wildfremde Dortmunder sich für sein Privat- und Intimleben interessiert.

Da trifft man die sympathische Polin. Bis auf minimalen Akzent spricht diese dem Anschein nach ein perfektes Deutsch. Und dann ein Mißverständnis nach dem anderen, weil die Nichtmuttersprachlerin die komplette Bedeutungstiefe der Begriffe nicht kennt, mit Sprachbildern und -Spielen nicht umzugehen weiß.

Unterhalb der Benutzeroberfläche des Planeten, dem sterilen Mief des globalen Dorfes, ist noch jede Menge bunte Vielfalt erhalten geblieben.
t.gygax
20. April 2016 08:43
@ eine Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde aus dezidiert konservativer bez. rechter Sicht zu entwerfen...

Sämtliche Bücher von Herbert Gruhl ( 1921-1993) waren in diesem Sinne "Bedienungsanleitungen für das Raumschiff Erde".

Ist doch schon alles gesagt, es muss nur umgesetzt werden.

Heute sehe ich Gruhl etwas zückhaltend, vor allem seine letztendlich depressive Weltsicht ist übel, aber vor Jahrzehnten habe ich einmal einen Vortrag mit ihm veranstaltet, nun, der Mann hatte etwas Prophetisches an sich und war als Person unbestechlich...kein Wunder, dass er im Politikbetrieb schließlich scheiterte.

Ironie am Schluss: fragen Sie mal heutige GRÜNE, wer eigentlich ihre Partei gegründet hat...Hihi.
Winston Smith 78699
20. April 2016 08:57
Man kann die Schiffsausrüstung auch breit vermarkten:

http://www.wholeearth.com/index.php

Hierin waren die US-Hippies gegenüber den deutschen vom Monte Verità einen Schritt weiter (sie erst hatten ja auch das Foto): gegenüber dem Ultraedel-Aussteigertourismus von einst nun eine Bewegung in die Breite, was für Normalos, einen Teil des Unbegreiflichen, Gottähnlichen zum Kaufen und Anfassen, so wie heute das Parfüm mit dem Prominamen drauf, die Reliquie oder besser die Ikone, in einer Abfolge von heiligen Wieder-Abbildungen letztlich mit dem Antlitz des Heilands in Berührung.

Wenn man sich aber die Harry-Potter-Filme oder den Herr der Ringe ansieht (zu lesen finde ich beides unerträglich), dann scheint es ja auch darum zu gehen, dass man in jedem Dorf anders ißt, andere Lieder singt, dass wie im Anthroposophendorf Schlumpfhausen jedes Häuschen anders aussieht. (Moment mal: Jedes Häuschen – haben die dann noch was Gemeinsames, das das Dorf ausmacht?) Die verlorene Regionalität als Sehnsuchtsbild, das Gestern als Utopie – gab es das nicht schon mal in der Zeit der Romantik, die man sich ja nicht ohne Fabriklärm denken soll?

Schon im Mittelalter selbst, auf welches die Romantik sich bezieht, wurden Bücher übrigens „auf alt“ gemacht, um sie würdiger wirken zu lassen und vielleicht auch näher dran am eigentlichen Geschehen – jenem, welches die historische Mitte der ganzen (!) Welt ausmachte, die in dieser Vorstellung durchgängig bis zu ihren Enden, von ihren Enden her nach Galiläa blickte, wo der Zirkel eingestochen war für eine neue konzentrische raumzeitliche Ordnung ex post des ganzen machtpolitischen und weltanschaulichen Saustalls, den die Griechen und Römer und die Völkerwanderung angezettelt hatten.
Monika
20. April 2016 09:24
.
"Viel zu oft haben wir euch nicht aufgenommen. Vergebt die Abschottung und die Gleichgültigkeit", sagte er am Dienstag in einer Videobotschaft an das Zentrum des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes in Rom. Wer immer aufgrund von Verfolgung, Krieg, Umweltschäden oder ungerechter Verteilung von Ressourcen aus seiner Heimat fliehe, sei "ein Bruder, mit dem man das Brot, das Haus, das Leben teilt".

Papst Franziskus
dort: http://www.kath.net/news/54869

Danke an Lutz Meyer für diesen großartigen Beitrag, der das Dilemma der globalen Welt auf den Punkt bringt.
Es gibt kein Zurück hinter die Globalisierung und keine Zukunftsperspektive, wenn das Recht auf individuelle Selbstverwirklichung einzig reduziert ist auf gleiche Vorlieben wie Geldgier, Sexgier, Konsumgier, seichte Unterhaltung, usw.
Hier muß nun ein jeder in sich gehen.

Hoffnungslos sentimental und regional und mehr als ernüchtert von der geistigen und geistlichen Armut dieses Papstes
sucht weiter
Monika
Stefan ohne Metaphysik
20. April 2016 09:36
Ja, in der Tat, das sind Perspektiven, die dem Rechten und Konservativen sauer aufstoßen. "Die eine Welt, die allen gehört" - allein bei diesem Satz eruptiert bei mir der Widerwille ganz gewaltig. Dennoch: so weit wird es nicht kommen, dass sich zukünftig jeder aussuchen kann, wo er auf dem Planeten eben mal seine Zelte aufschlägt. Von wegen heute Kongo, morgen Buxtehude, und wenn es wieder langweilig wird halt weiter nach Yokohama.

Diese "Eine-Welt"- und "No-Borders"-Propaganda ist m. E. nur für die jetzige Phase gedacht, solange die alten Grenzen, Regionen und Nationen noch greifbare Realität sind. Diese gilt es im Sinne einer zukünftigen Weltregierung zu schleifen. Und genau bis zum Erreichen dieses Zieles sollen die Leute kreuz und quer auf dem Planeten herumwandern. Die einen als Refugees, die besser gestellten als Touristen, Global-Hedonisten oder was auch immer. Hauptsache die Bedeutungslosigkeit und Überkommenheit von Grenzen, die uns heute permanent als lichte Zukunft verkauft wird, wird in möglichst vielen Köpfen verankert.
Ist dieser Plan jedoch erstmal verwirklicht, dürfte alsbald schluss mit lustig sein. Ein Riesenschiff wie die Erde, das sieht Herr Meyer völlig richtig, ist nur mit Disziplin und straffer Führung vernünftig zu steuern. Will heißen, eine zukünftige Weltregierung wird dem Einzelnen schon ziemlich klar sagen, wo sein Platz ist und wo nicht. - Meines Wissens nach musste Scotty schließlich auch bis zur letzten Folge im Maschinenraum der Enterprise hocken bleiben!

In unserer nicht allzu fernen Zukunft - sehr wahrscheinlich totalitär durchorganisiert und lückenlos überwacht - wird es hienieden jedenfalls keine hippen Aussteigerparadiese und noch weniger ein glücklich verschlafenes Krähwinkel mehr geben.
Die globalistische Perspektive mögen wir vielleicht nie mehr los werden. Wird aber nichts daran ändern, dass die zukünftigen Menschen in der großen Mehrheit ihr Leben genau an dem Platz verbringen werden, wo sie der oder die allmächtigen Lenker des "Spaceship Earth" haben wollen.
Der Gutmensch
20. April 2016 10:10
@Winston Smith

Wenn man sich aber die Harry-Potter-Filme oder den Herr der Ringe ansieht (zu lesen finde ich beides unerträglich),


?!?

Die ersten drei Bände im Original machen aber schon Spaß; rein technisch betrachtet, kann die Frau sehr gut schreiben. Durch den fiktiven Kontext ist es auch nicht so dramatisch, wenn sie überzeichnet; der erweitert ihren Spielraum adäquat (was ich allerdings abscheulich fand, war ihr Versuch, diesen Stil später in der realen Welt anzusiedeln, da wirkt das Ergebnis auch so zynisch, wie es gemeint ist). Ab spätestens dem vierten Band hatte ich den Eindruck, dass streckenweise Ghostwriter eingesetzt wurden und überdies begonnen wurde, sich an den amerikanischen Markt anzupassen. Die Filme sollten dann von Anfang an weltweit vermarktet werden ...

Die Jackson-Verfilmung vom Herrn der Ringe hält sich wiederum sehr genau an die literarische Vorlage (das ist beim Hobbit anders, da sollte eigentlich auch ein anderer ran). Man kann also lesen oder ansehen - wenn man den Atem hat, das durchzuhalten. Sich auf eher pathetisch gezeichnete Charaktere und langen Handlungsstränge einzulassen, ist aber nicht jedermanns Sache (ich finde es allerdings beruhigend).

dann scheint es ja auch darum zu gehen, dass man in jedem Dorf anders ißt, andere Lieder singt, dass wie im Anthroposophendorf Schlumpfhausen jedes Häuschen anders aussieht.


?!?!???

Bei Tolkien werden die Unterschiede betont und es wird herausgestellt, dass es für den gemeinsamen Erfolg auch genau darauf ankommt (ohne Kampf an der einen Front kein dauerhafter Erfolg an der anderen) und dass die Last der vollen Verantwortung für das eigene (einsam entschiedene) Handeln eben der zu zahlende Preis ist. - Aber in Hobbingen selber haben die Häuser eben alle runde Fenster und runde Türen und beispielsweise sind die Hobbinge selber auch deutlich als Gruppe erkennbar, bei allen individuellen Unterschieden.

Bei Rowling hingegen wird die Konformität der Nichtzauberer überbetont; sowohl im Buch als auch im Film. Die Deutungshoheit und die Möglichkeit der Differenzierung als solche wird ausschließlich bei den Zauberern verortet (auch wenns da auch bloß vier Gruppen gibt). Regionale Unterschiede werden politisiert, auch wenn man das Gegenteil propagiert und im übrigen marginalisiert, indem man sie auf Folklore reduziert. Der Erfolg aller hängt "von dem einen" ab, der wiederum nicht nur seine eigenen Handlungen verantwortet, sondern die aller.

Zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen. Im übrigen beide, so scheint es mir, jeweils hoch professionell - mithin auf dem Stand der Philosophie ihrer Zeit.

d. G.
Carsten
20. April 2016 10:11
"Unterhalb der Benutzeroberfläche des Planeten, dem sterilen Mief des globalen Dorfes, ist noch jede Menge bunte Vielfalt erhalten geblieben."

Welch herrlicher Satz!
Arminius Arndt
20. April 2016 10:49
Ich persönlich habe den Eindruck, dass sich die Menschen die Welt gerne nach dem aktuell Wegweisenden in Technik und Handel vorstellen. Das Schiff war die Schlüsseltechnologie zur Schaffung von Imperien (ich schreibe es zum x-ten mal: Am „Nomos der Erde“ von Carl Schmitt kommt man einfach nicht vorbei). Die Vorstellung des Schiffes und der Mannschaft war daher naheliegend.

Im 20 Jhdt. war dann die Vorstellung, dass das, was mit den Schiffen auf der Erde geklappt hat, die Landnahme etc., könnte auch mit dem Weltall und den Planeten funktionieren. Die gesamte Sci-Fi und Space- Literatur legt dies nahe, die Rede von Kennedy zur Mondmission an der Rice University 1962 geht auch in diese Richtung unter eindeutiger Bezugnahme auf die bisherige Landnahme. Letztlich sind die Space-Utopien zum derzeitigen Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte mehr oder weniger gescheitert, was für Leute, die mit den Zeitschriften wie Hobby, PM, Literatur von Asimov bis Lem sowie Serien wie Star-Treck groß wurden, schade ist (gerade Star Treck The Next Generation war ja in Bezug auf eine friedliche, Eine-Erden-Welt visionär).

Im 21 Jhdt. jedoch zeigte sich das tellurische, das kriegerische, der Urzustand des Kampfes um Lebensraum und Ressourcen, all das, was man überwunden glaubte, wieder mit aller Schärfe – der Weltraum und Reisen zu Planeten sind in unerreichbare Ferne gerückt und man tröstet sich ein bisschen mit den demnächst sicher möglichen kurzen, touristischen Sprüngen in die eine oder andere Erdumlaufbahn.

Das 21. Jhdt. ist aber auch das sog. Informationszeitalter und das Zeitalter der Datenverarbeitung, der Datenspeicher etc. Ja es gibt sogar konkrete Visionen davon, menschliches Leben bzw. einzelne Individuen durch Speicherung von deren Gehirnfunktionen und Erinnerungen quasi unsterblich zu machen. Von daher läge es m.M.n. näher, als auf die frühere Schiffs- oder Raumschiffsperspektive erneut abzustellen, die Erde und das Leben darauf – ganz im Zeichen unserer heutigen Zeit als Informationszeitalter - als gigantischen Biocomputer und Biodatenspeicher zu interpretieren.

Die DNS eines jeden Lebewesens als Informationscode, der im Lebewesen biologisch gespeichert wird und zur Stabilisierung des lebenden Datenträgers zwar mittels Sex verändert werden kann bzw. sich rekombinieren und mischen kann, aber das, was der Philosoph als „Idee“ bezeichnen könnte, bliebe immer erhalten. Es geht daher um Information, deren Speicherung und auch um Meme, die sich zusätzlich zum organischen Datenträger alleine deshalb, weil nahtlos die lebenden Datenträger (Menschen) existieren, erhalten können. Ein derartiger Blickwinkel lässt dann ganz andere Schlüsse, als eine One World Denkweise zu (unter Umständen eher dystopische, Kampf um Informationsweitergabe etc.).
Raskolnikow
20. April 2016 10:51
Ach, Quatsch ...

Ich habe die Welt noch nie gesehen.
Die Menscheit traf ich bisher auch nicht.
Und keine Sekunde spűrte ich je das Drehen der Erde.

Jeden Tag aber bescheint die Sonne, die sich um meine Welt bewegt (von rechts nach links am Himmel), meine Umgebung und die Personen, die mir nahe sind. Das ist meine "Perspektive"!

Wir sind und bleiben Provinzler mit stark einschränkter Sicht!

Und Sie, Meyer, Sie sind eitel!

Demütigst,

R.


Meyer: Ach, Quatsch, allerwertester Raskolnikow. Natürlich haben die wenigsten die blaue Kugel jemals aus der Ferne gesehen oder so was wie "Menschheit" (ich kennen meinen Schmitt auch) erlebt. Aber wir haben die BILDER davon im Kopf. Und diese Bilder und die durch sie erzeugten Träume oder schlimmstenfalls auch Wahnvorstellungen steuern uns mehr als unsere reale Weltsicht das je vermöchte.
Winston Smith 78699
20. April 2016 10:51
@ Der Gutmensch

Danke für die Korrekturen. Ich hatte diese Verfilmungen als Ausläufer im jugendfreien Strang der Fantasy-Tradition der 70er (Heavy Metal Magazine) und insofern als Kindeskinder der Hippiekultur verortet. Vielleicht war das falsch. Zu Rowling: Ich gestehe: mein einziger Versuch war ein zufällig herumliegender Band, wo auf der ersten Seite die Hexe erzählt, dass die Hexen auf den Scheiterhaufen in Wirklichkeit nur kichern, weil die Flammen so kitzeln. Buch sofort wieder zu, Ende. Zu Tolkien: Ich brauche Ihnen doch nicht zeigen, was im Vergleich dazu gute Fantasy-Literatur ist, oder?

@ Monika

... ernüchtert von der geistigen und geistlichen Armut dieses Papstes ...


Hmm, hat er vielleicht im Buch gelesen? Ein extrem schlauer und gebildeter Katholik scherzte mal zu mir: "Nee, da drin lesen? Da wirst' ja verrückt!"

Argumentation J.v.N.: um die Freunde zu lieben und die Feinde zu hassen, braucht's keine neue Religion, braucht's eigentlich gar keine. Also was wollt Ihr hier eigentlich? Eine Bigotteriefolklore könnt Ihr Euch irgendwo anders holen. Wartet am besten noch 600 Jahre, dann kommt einer, der hat das alles genau kapiert und gibt Euch sowas. Oder ihr hört einfach auf den Christenzerstörer aus Tarsus, den Wortverdreher (Durcheinanderwerfer), den Zauberkünstler, dann könnt ich Euch das alles so zurechtlügen, dass Eure Gemeinschaft überdauert - aber meine Worte sind das nicht.

Auf dem Sessel ist so eine Art Luther auf Steroid und Speed, ein Durchgeknallter oder Radikalinski vielleicht, ein Münzer und Savonarola meinetwegen, aber "geistlich arm"? Und wenn doch: ist er dann nicht selig und wird ins Himmelreich kommen?
Hesperiolus
20. April 2016 10:59
Mit dem blue marble-Kitsch der brotherhood of man Gemeinde kann und will ich nichts anfangen. Als reaktionärer Ästhet beschränke ich mich auf ein mesoskopisches Weltverhältnis, verabscheue bereits den aeronautischen Blick. Dazu eine Stelle bei Nebel: "Es ist herrlich auf einer Frühlingswiese zu liegen und mit den Wolken dahinzufliegen, es ist erhaben wenn vor einem Gewitter sich Weltuntergangs-Kulissen aufbauen, aber es ist widerlich, in das dumpfe Gebrodel hinabzustarren, und nur eine Chauffeurseele konnte die Schönheit des Überwolken-Flugs preisen." Von solcher Idiosynkrasie abgesehen, steht bildsprachlich für das Weltganze der globus cruciger immer noch besser an als eine NASA Ikone.
Arminius Arndt
20. April 2016 11:12
Die Menschheit traf ich bisher auch nicht.


Das geht auf de Maistre zurück ... (kleiner Klugschiss).
Ein Fremder aus Elea
20. April 2016 11:19
Verzeihung, Herr Meyer, aber es ist eine reine Definitionsfrage, und keine Frage des Wissens, wo sich das Zentrum des Universums befindet.

Soweit es mich betrifft, mag sich das Zentrum des Universums irgendwo in meinem Hinterkopf befinden.
Milarepa
20. April 2016 11:36
Aus dem Weltraum kann ich auch keine Ampeln sehen.
Und trotzdem muss ich bei Rot halten.
Realist
20. April 2016 12:12
"Ich bin nicht eitel!"

Sehr schön...
niekisch
20. April 2016 12:29
Am heutigen denkwürdigen Tag, der auch noch mit dem entsprechenden Wetter ausgesattet ist, geht mir der Gedanke durch den Kopf, ob nicht das Subjekt dieser Denkwürdigkeit der erste wirkliche Antiglobalist war, zugleich auch Globalist. Denn sein Reichssozialismus sollte zwar kein Exportartikel sein, nach seiner Vorstellung sollten aber möglichst viele der 1000 Völker der Welt aus idealistischen Antrieb heraus ihren eigenen, un-
verwechelsbaren Heilsweg in der Familie der anderen Völker finden mit dem Ziel eines Bundes sozialistischer Staaten.
Der Gutmensch
20. April 2016 12:30
wo auf der ersten Seite die Hexe erzählt, dass die Hexen auf den Scheiterhaufen in Wirklichkeit nur kichern, weil die Flammen so kitzeln. Buch sofort wieder zu, Ende.


Hm, "witchburning was completely pointless - discuss!" Ich entsinne mich. - Die respektlose Aufgabenstellung kann einen zweifellos ärgern; aber wieso kommen Sie denn anlasslos und coram publico auf ein Kinderbuch zu sprechen, das Ihren Widerwillen erregt hat?

Zu Tolkien: Ich brauche Ihnen doch nicht zeigen, was im Vergleich dazu gute Fantasy-Literatur ist, oder?


Auch den armen Tolkien haben Sie doch ganz alleine in die Arena gezerrt! Falls Sie sich damit dauerhaft konfrontiert sehen sollten, so rate ich dazu, künftig einfach darüber einzuschlafen, das klappt ganz prima (über dem Buch wie auch über dem Film). Solange Sie sich keiner unbotmäßigen Vergleiche Ihres Wohnzimmers mit Mordor zu erwehren haben, besteht kein Grund zur Aufregung; kein Ork wird aus dem Buch gesprungen kommen und Schlamm auf ihren Teppich tropfen; auch Tolkien selber ist schon lange tot und schreibt nichts mehr, das können Sie bei Wikipedia nachlesen.

Falls ich Ihnen also einen Vorschlag unterbreiten dürfte: Erfreuen Sie uns demnächst mit Argumenten aus dem Teil der Literatur, die Ihre volle Wertschätzung genießt. Was mich angeht - ich werde Ihnen jede einzelne Zeile davon recht von Herzen gönnen, versprochen.

d. G.
der Gehenkte
20. April 2016 12:31
@ Monika
Danke an Lutz Meyer für diesen großartigen Beitrag, der das Dilemma der globalen Welt auf den Punkt bringt.


Warum nicht besser gleich Sloterdijk lesen - kein einziger Gedanke, keine einzige Idee, die hier nicht von Sloterdijk abgeschrieben wurde. Nach der ersten Seite hatte ich mich schon fremdgeschämt, aber dann kam wenigstens noch das Zitat.

"Was geschah im 20. Jahrhundert" (Meyers Vorlage), "Im Weltinnenraum des Kapitals", "Sphären"-Trilogie - liest sich besser, ist tiefer und bietet unendlich mehr Seitenpfade. Nichts für ungut ...
Nils Wegner
20. April 2016 12:33
Eine solche Einnahme der "ultimativen Außenperspektive" erinnert mich immer wohlig an Yockeys Imperium. Nicht die schlechteste Herangehensweise.
Winston Smith 78699
20. April 2016 13:01
@ der Gehenkte

"Warum nicht besser gleich Sloterdijk lesen ..."

Weil der hier nicht erscheint, oberhalb von so brillianten Senfzugebern wie dem Gehenkten. Schreibe doch dieser selbst einen Gastbeitrag mit Paraphrase der besten Sprüche vom badischen Asterix.
Weltversteher
20. April 2016 13:04
Einmal erlangtes Wissen kann man,...,nicht wieder ablegen.


Das würde ich weniger eng und fatalistisch sehen. Was "weiß" man denn schon... Vielen stehen, gerade derzeit, noch bedeutende Erweiterungen des Horizontes bevor, wonach die Dinge möglichweise schon wieder ganz anders, jedenfalls ganzer und wahrhaftiger erscheinen.

Habt weniger Angst vor der Welt, begegnet ihr vielmehr! Im Ganzen liegt ein Sinn.
Winston Smith 78699
20. April 2016 13:17
@ der Gehenkte

„Warum nicht besser gleich Sloterdijk lesen …“

Weil der hier nicht erscheint, oberhalb von so brillianten Senfzugebern wie dem Gehenkten. Schreibe doch dieser selbst einen Gastbeitrag mit Paraphrase der besten Sprüche vom badischen Asterix.

@ Raskolnikow

"von rechts nach links am Himmel"

Schauen Sie wirklich immer ins Dunkle, in Richtung der arktischen Reinheit? Des Deutschen Fernwehland ist doch dort, wo die Zitronen blühn.
Heinrich Brück
20. April 2016 13:23
Die Kinder der Astronauten werden zurückschlagen, weil dieser Blick in der Praxis seine Gottlosigkeit in Tränen verwandelt.
Die Definition des großen Ganzen wird zum Offenbarungseid des eigenen Gewissens, welches doch eher protestantisch definiert sein mag. Der Kathole braucht einen Gott, er gibt sich mit einem Gewissen allein nicht zufrieden.
Die Konsequenz, im Bild der Niedertracht des naiven Astronauten, eine politische Entmündigung schlechthin, kann durch irgendwelchen vorgeschobenen Humanitarismus nicht kompensiert werden.
Die Schiffsnummer am Schluß sollte doch nicht verschweigen wollen, nämlich die Gründe warum ab und zu einer über Bord fliegt? So tyrannisch kann es zugehen.
Und wer bleibt übrig? Die Vererbten. Voraussetzung: Erziehung.
Ordnung ist doch ein sehr deutsches Wort. Und fehlt dem Deutschen die Ordnung, wird das Leben unschön.
Am Ende dieses Jahrhunderts könnte die Welt deutscher sein, als jemals zuvor. Es darf nur keine linkische Ordnungsvorstellung so weitermachen.
Und sogar die Lückenpresse (verabscheuungswürdig) verhält sich zuweilen verhaltensoriginell: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/viele-kinder-werden-narzissten-14169998.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
Nordlaender
20. April 2016 13:39
@ Winston Smith 78699

"Schauen Sie wirklich immer ins Dunkle, in Richtung der arktischen Reinheit? Des Deutschen Fernwehland ist doch dort, wo die Zitronen blühn."

Na schön, aber dieses süße Laster des Fernwehs funktioniert doch nur genauso lange, wie man die Fremde konsequent meidet.
der Gehenkte
20. April 2016 13:52
@ Winston Smith 78699

Weil der hier nicht erscheint, oberhalb von so brillianten Senfzugebern wie dem Gehenkten. Schreibe doch dieser selbst einen Gastbeitrag mit Paraphrase der besten Sprüche vom badischen Asterix.


Ich schreibe mehr, als Sie vermutlich ahnen und versuche dabei durchaus selber zu denken und keine Para-Phrasen zu dreschen. Das geht sicherlich auch mal schief, kann ich aber wenigstens selber verantworten. Und ja, Sloterdijk spielt dabei - neben vielen anderen - eine wichtige Rolle; nicht weil ich Asterix-Fan wäre (eher Digedags), sondern weil er nun mal ein sehr heller Kopf ist.

Hoffentlich ist sich die community hier einig, daß die "Sezession" ein Organ sein sollte, in dem originelle und originäre Beiträge verfaßt werden sollten - dieser Standard wurde hier unterboten, mehr habe ich nicht gesagt. Basta!
Rüdiger
20. April 2016 14:04
Es sei einmal in aller Schlichtheit festgehalten:

Die Projekte derer, die sich heute so blasiert über die Krähwinkler lustig machen, sind utopisch und grössenwahnsing, beschwören nur furchtbare Verheerungen herauf. Die Krähwinkler dagegen schmeissen (noch) den Laden. Die Krähwinkler bleiben sich selber treu. Gepriesen seien die dumpfen Spiesser aus Krähwinkel! Ich erhebe mein Glas zu ihren Ehren!

Es ist nicht einzusehen, wieso die Verbesserungen in Handel, Verkehr und Kommunikation die organischen Gesetze obsolet machen sollten, nach denen menschliche Gemeinschaften entstehen und bestehen bleiben. Da gibt es keine grundsätzlich neuen Herausforderungen, das regelt das Leben selbst. Das einzige, was gewachsenen Ordnungen wirklich gefährdet - und das wird immer listig mit all dem anderen zu einem Mischmasch angerichtet - ist die massenhafte Migration von Menschen über den Planeten, angelockt vom Abbau unserer ach so bösen Grenzen ("du denkst doch auch global, na also, dann musst du auch den Grossen Austausch akzeptieren").

Diejenigen, die das vorantreiben, weil sie die Krähwinkler so spiessig finden und ihren bescheidenen Hochmut an ihnen nähren, können es in der Tat schaffen, Krähwinkel zerstören. Sie werden allerdings nicht in einer zivilen, toleranten Weltgemeinschaft aufwachen, in der sich alle dümmlich-bunt grinsend die Hände reichen, sondern in einem gnadenlosen Kampf neuer, anderer Gemeinschaften um die Vorherrschaft. Nicht nur die Krähwinkler werden dahin sein, sondern mit ihnen die Traditionen Europas, die durch sie weitergetragen wurden.
niekisch
20. April 2016 15:14
"Die Krähwinkler bleiben sich selber treu. Gepriesen seien die dumpfen Spiesser aus Krähwinkel! Ich erhebe mein Glas zu ihren Ehren!"

Und ich erlaube mir, Ihnen zuzuprosten, Rüdiger.
Johannes Konstantin Poensgen
20. April 2016 15:23
Mag sein, dass wir die globale Perspektive nicht mehr los werden. In der Konsequenz wären aber die einzigen interessanten Fragen, wer der Kapitän des Raumschiffs Erde und welches die effizienteste Hinrichtungsmethode für Meuterer ist, die auf diesem Raumschiff als technische Störung liquidiert werden müssten. Schreckliche Konsequenzen machen eine Tatsache natürlich nicht weniger wirklich.
Nero
20. April 2016 16:11
Guten Tag Herr Meyer,

ich mag Ihre Kommentare. Die haben immer etwas tröstendes.

Nur ein Hinweis:

Die Erde IST der Mittelpunkt des Universums. Warum?
Das uns bekannte Universum dehnt sich aus. Wir wissen das, weil die Rotverschiebung uns anzeigt, das die Grenzen sich von uns weg bewegen.
Die Grenzen des Universums werden von der Erde aus gemessen. In jede Richtung. Die Rotverschiebung zeigt uns an, dass es immer den gleichen Abstand zur Grenze gibt.
D.h. wir befinden uns im Mittelpunkt einer Kugel, deren Oberfläche die Grenze des Universums ist.

Ergo: Die Erde ist der Mittelpunkt des Universums.

Wir sind nicht der Mittelpunkt des Sonnensystems. Das ist die Sonne. Der Name unseres Sterns. Wir sind auch nicht der Mittelpunkt unserer Galaxie, der Milchstraße. Das ist ein schwarzes Loch in das wir gesogen werden.

Relativ gesehen sind wir wirklich nie der Mittelpunkt. Aber absolut, also in unserem Universum, da sind wir das Zentrum.
Schopi
20. April 2016 16:13
Mit Sicherheit sind mehr als zweidrittel der heutigen Menschen Krähwinkler.

Wir sehen das nur aus unserer (krähwinklerisch globalistischen) Perpektive, welche durch materielle Sattheit und kapitalistisch orientierte, weltumspannende Ausbeutung von Menschen und Ressourcen bestimmt wird.

Die Kombinationen Afghane siedelt in Schleswig-Holstein und der weisse Mann pilgert aus Geschäftsinteresse in den Kongo sprechen für sich. Oder welcher halbwegs normale Europäer würde etwa im Kongo Asyl beantragen?
Es gibt immer nur eine Richtung. Globalisierer ("Flüchtlinge") aus der dritten Welt sind eine kleine Minderheit.

Die allermeisten Menschen haben noch nie ein Flugzeug bestiegen und wohl auch nur eine Minderheit fährt einen Untersatz mit Verbrennungsmotor - Gott sei Dank!!
Waldgänger
20. April 2016 17:04
Im Gegensatz zu anderen Lesern finde ich diesen Text von Herrn Meyer gar nicht gelungen.

Der "astronautische Blick" ist entweder bloß eine romantische Metapher oder aber eine Umschreibung globalistischer Ideologie.

Lutz Meyer übernimmt – für meine Begriffe unnötig und vorschnell – linksliberale Ideologiemuster und erklärt sie außerdem sogar noch alternativlos.
Dabei vernachlässigt er völlig die politische Ebene, denn eine Vielzahl der Länder und Kulturen auf diesem Globus ist mitnichten dazu bereit, auf „Partikularinteressen“ zu verzichten. Man denke nur allein an China, Russland, Indien, Iran oder Saudi Arabien! Nirgends ist dort die Bereitschaft erkennbar, das linksliberale Credo der sog. „Einen Welt“ zu übernehmen bzw. einen „astronautischen Blick“ zu üben.
Lediglich im Hegemoniebereich der Amerikaner wird das vorgebetet und – vielleicht - sogar von manchen geglaubt.

Wenn Meyer schreibt …
„Die Perspektive auf die eine Welt ist real geworden – und es dürfte unmöglich sein, diese Perspektive wieder loszuwerden, um in die Verfolgung reiner Partikularinteressen zurückzuverfallen.“

… dann stimmt das schon allein deshalb nicht, weil die Mehrheit der Länder und Völker diese partikulare Sichtweise ja nie verlassen hat, diese Sicht noch immer hat und insofern gar nicht dorthin zurückverfallen kann.

Die Annäherung von kulturellen Äußerlichkeiten einerseits und das hegemonial gemeinte „Eine Welt“-Geschwätz andererseits sollten uns nicht dazu verführen, von einer Schwäche der Partikularinteressen auszugehen und uns Weltstaatsfantasien hinzugeben.

Außerdem muss doch jedem wachen Menschen klar sein, dass alles, was irgendwie nach einer „Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde“ aussieht, in der Praxis auf autoritäre und zentrale Steuerung hinauslaufen würde!


Möglicherweise hat Herr Meyer auch gerade ein bisschen zu viel in Jüngers „Weltstaat“-Essay von 1960 gelesen, einem für meine Begriffe eher schwächeren Text von Ernst Jünger.
Ein ausschließlich kulturphilosophischer Blickwinkel erfasst eben auch nur kulturphilosophische Dinge und vermag die explizit politische Komponente – die dazugehört – nicht auszuloten.

Dass ein Zurück zur vorindustriellen und beschaulichen "Krähwinkel"-Heimatwelt nicht geht, darf uns doch nicht zu dem Trugschluss verführen, nun nur noch global denken zu müssen!
Aber es wird doch auch nirgends die Rückkehr zu "Krähwinkel" gefordert, Herr Meyer!!

Sie praktizieren hier übrigens etwas, was wir sonst nur von der Gegenseite gewohnt sind: Aus einer übertriebenen und unzutreffenden Behauptung (gewollte Rückkehr zu Krähwinkel) wird weit über das Ziel hinausschießend eine ebenfalls unzutreffende Konsequenz gezogen ("Eine Welt", astronautischer Blick).
der demograph
20. April 2016 17:25
gerade die globale Perspektive kann doch auch sehr hilfreich sein. Wenn etwa islamistischer Terror in Belgien von mainstream Intellektuellen durch lokale kulturellen Besonderheiten in Belgien erklärt werden (sie sagen dann "es sind doch unsere Jungs"), hilft es etwa auf ein Länder wie Bangladesh, Philippinen oder Nigeria zu verweisen wo ebenfalls islamistischer Terror wütet.
Wenn es um die Beziehungen zwischen Subsaharaafrikanern und Europäern geht und den Vorwurf des Rassismus hilft es zu schauen wie das Verhältnis zwischen Subsaharaafrikanern und Chinesen aussieht.
Global zu erkennende Muster werden heutzutage gerne lokalisiert, voneinander getrennt, so dass das Gesamtbild verzerrt wird.
Stefan Fischer
20. April 2016 18:09
"Was bedeutet das für konservative/rechte Positionen?"

Das bedeutet daß eine wichtige Begrifflichkeit von den Anscheinkonservativen preisgegeben wurde und wir sie okkupieren können.

Das vom Autor beschriebene heimatlose Lebensgefühl muß nur mit der Sehnsucht nach einer Heimat infiziert werden. Lasst uns sagen: "Ach Du armer Mensch, Du hast ja gar keine Heimat." Und schuld daran könnte wer sein? Na, wer zerstört die Heimat aus ideologischen Gründen? Wer nimmt den Menschen ihre Heimat? Joa, Linksgrün macht sowas...

Auch wenn es jetzt nicht Trennscharf ist, die Konservativen/Rechten kämpfen für "die Heimat", während die linksgrünen Salonweltbürger in ihrer Abscheu davor schon die Definition der Begrifflichkeit verweigern werden. Sie werden selbst dafür sorgen, daß die Formel "Heimat=Rechts" von der Bürgerschaft anerkannt werden wird.

Klingt simpel, ist es auch - und es wird funktionieren.
Monika
20. April 2016 18:13
@Raskolnikow
Ja, auch ich bin ein Provinzler mit stark eingeschränkter Sicht. Und die Menschheit habe ich auch noch nicht gesehen.
Aber wenn ich in unser Städtchen gehe, vorbei am "morgens schon nach Korn riechenden " Stadtpenner, trifft es mich doch schon mal wie ein Schlag:

Am Reisebüro hängt eine Werbung von Chamäleon Reisen ( "Die Reise Ihres Lebens" ) . Darauf abgebildet ist ein Schwarzer Mann in Massai-Kleidung mit Speer in der Hand. Unter dem Foto steht: "Lernen Sie mal ein paar nette Leute kennen". Und ich denke:" Dafür muß ich jetzt aber nicht nach Afrika fliegen. Da muß ich doch nur an den Bahnhof gehen".
Das ist zwar keine globale Weltsicht, aber doch ein Paradigmenwechsel.
Den bemerkt sogar ein Provinzler.
So jedenfalls kann heute kein Reisebüro mehr werben. Das hat sogar Herr Schlotterteig bemerkt. Da entsteht eine gewisse Komik. Oder ?
Vielleicht steht am Laden des türkischen Gemüsehändlers bald wieder Kolonialwarenhandel ?

Der astronautische Blick erfährt doch noch eine Einschränkung. Vielleicht liegt es am heutigen Tag. Nordkorea sieht man jedenfalls nicht aus dem All:
http://www.abendblatt.de/vermischtes/article125215870/Nordkorea-und-die-dunkle-Seite-der-Macht.html
Aber das kann ja nicht die Politische Lösung sein.
Fredy
20. April 2016 18:49
Beim Blick auf die Welt aus dem All sehe ich keine Menschen. Hier ist der Mensch überflüssig, das menschliche Dasein sinnfrei. Wenn aber jemand stirbt, ganz plötzlich, mit nur 35 Jahren, wie heute morgen ein guter Bekannter (Freund will ich nicht sagen, ich bin aber auch sehr geizig damit), dann blickt man ähnlich auf die Welt wie aus dem All, man ist sich der Unwesentlichkeit und Vergänglichkeit des einzelnen Menschen bewußt, ist aber im Gegensatz dazu ganz nah am Menschsein dran. Der Blick ins ausgehobene Grab ist vielleicht besser als der Blick aus dem All.
Winston Smith 78699
20. April 2016 18:50
@ Nero

Die Mitte ist aber überall. Die Grenze ist der sogenannte Urknall, insofern die weiter entfernten (röter verschobenen) Objekte mit ihrer Lichtlaufzeit in die Nähe des Alters überhaupt des ganzen Schlamassels geraten, welches sich aus Rückrechnung der Expansion ergibt. Diese Beobachtung ist aber von jedem Raumpunkt aus dieselbe. Auf der Oberfläche einer Kugel ist auch überall die Mitte der Fläche. Nur kann man, um im Bild zu bleiben, nicht einmal ganz um die Kugel herumschauen, weil der Urknall dazwischen liegt und das Licht der "dahinter" liegenden Objekte gar nicht angekommen sein kann. Berichtigung durch Fachleute bitte.
Milarepa
20. April 2016 19:09
Nero.
Sie meinen den für uns sichtbaren Teil des Universums.
Der Gutmensch
20. April 2016 19:13
Das ist ein bißchen sehr allgemein:

"Eine Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde aus dezidiert konservativer bzw. rechter Sicht zu entwerfen. Denn das Raumschiff ist keine Phantasie, sondern Realität."

DIE Bedienungsanleitung wird es auch nicht geben, das ist ein Irrweg. Es wird beim Interessenausgleich bleiben; so friedlich wie möglich, so kriegerisch wie eben unumgänglich. Wie der Finanzminister schon sagte: Die Politik ist zurückgekehrt (mithin: sie war schonmal da)!

Womit er dann wohl in erster Linie die Außenpolitik meinte; oder ich habe ihn völlig falsch verstanden. Eine demokratisch bestimmte Außenpolitik in Zeiten, da wir es international zunehmend mit Autokraten zu tun haben - das ist in der Tat keine kleine Herausforderung, denn die zu schluckenden Kröten stehen bereits Schlange.

Wenn es an dieser Entwicklung irgendetwas Positives geben kann, dann ggf. ein gewisser Disziplinierungseffekt bei der Innenpolitik; also eine verstärkte Orientierung an den Sachaufgaben und ein Zurückweichen der ideologischen Verzerrungen, die wir uns dann nämlich gar nicht mehr werden leisten können. Sowas liegt den Rechten meistens eher als den Linken, aber insgesamt denke ich da eher an "Trümmerfrauenarbeit" als an einen euphorischen Aufbruch zu neuen Ufern.

Und was die individuellen Traumstrände betrifft ... Muss man sich zwischen "dem Land wo die Zitronen blühen" und Spitzbergen (wo die Schneekönigin wohnt) entscheiden, Ihr - deutschen Konsequenzmacher, Ihr?! Das konnte ich schon als Kind nicht. Vielleicht bin ich deshalb zu Haus geblieben, so.

d. G.
marodeur
20. April 2016 19:23
Herr Meyer, meistens sind ihre Beiträge sehr treffend und ich fühle mich oft ertappt. Diesmal bin ich nicht so sicher, ob ich den Kern erfasst habe. Ja, ich hatte wirklich mit dem Gedanken geliebäugelt, dass man irgendwie dem wildgewordenen Haufen auf dem sinkenden Schiff davonrudern könne. Aber wenn es schon kein Entrinnen gibt, dann würde es zumindest helfen, wenn die Brücke nicht ständig mit wilden Piraten geflutet würde. Im Ernst: Was interessiert mich der Regenwald, wenn kulturlose barbarische Völkerschaften einfallen und meinen Kindern auflauern. Ist das vielleicht der "Astronautenblick", wenn Claus Kleber uns mit seinem betroffen runterhängenden Augenlied einreden will, dass beide Themen zusammen hängen und ich (wiedermal) irgendwie die Schuld trage? Sicher können wir uns nicht abkapseln und ein bisschen Heimat spielen. Aber was ist denn jetzt genau falsch an Partikularinteressen? Wir können doch einen Führungsanspruch entwickeln, der aus nationalen Interessen auch globale Strategien ableitet, oder? Wäre zumindest mal was Neues ...
Der Gutmensch
20. April 2016 19:33
Und Nachtrag zu dieser Debatte, wer oder was nun deutsch ist: Die Frage wird ebenfalls sehr pragmatisch beantwortet werden. Vielleicht - hoffentlich!! - in den meisten Fällen nicht gar so pragmatisch wie Herr Kubitschek da in den Raum stellt ("Willst Du für Deutschland sterben?"); das möge uns erspart bleiben!

Aber wer sich im kommenden Tohuwabohu, das wohl noch ein Weilchen anschwellen wird, bevor es wieder besser wird, überhaupt orientieren will/muss, der tut sich leichter, wenn er eine Vorstellung von seinem eigenen (inneren) Zuhause hat und wem klar ist, dass er das bewahren muss. Ich kann mir gut vorstellen, dass "die Welt als solche" viele als Referenzrahmen überfordert, wenn man "die Welt" erstmal konkret vor der Nase hat; wer kennt sich denn schon überall aus und kommt mit allen gleich gut klar?

Also werden wohl zukünftig soziale Codes wiederbelebt werden müssen, damit man sich wieder einen gültigen Referenzrahmen erarbeitet, der Halt und Orientierung bietet. Bin gespannt auf die Reichweite dessen; derzeit bin ich da ziemlich pessimistisch, aber ich hoffe ja immer noch auf eine gesamtdeutsches Angebot; mit europäischen Auslegern, versteht sich.


d. G.
Winston Smith 78699
20. April 2016 19:39
Von wegen, keiner fordere die Rückkehr. Ich lobe mir mein Krähwinkel, es ist die Mitte der Welt. Mystische Erlebnisse sind dort zuhause, in die Großstädte werden sie eher mit allerlei Aufwand hineingedichtet. Krähwinkel ist die Klause aus den Marmorklippen, ist die Kleinstadt, in der alles zu finden ist, wenn man nur sehen kann, eine der unsichtbaren Städte, an die Calvino noch nicht gedacht hat, oder wo er vielleicht mit seinen Übungen hinführen will: Venedig ist überall. Krähwinkel ist das, was man seinen Kindern zeigen, sie erleben lassen will - eben auch die Langeweile, in der sie zum Nachdenken, Singen und Lesen kommen.

Krähwinkel ist eine Medizin, die jungen Leuten meist nicht schmeckt, weil die sich ja zur Reproduktion möglichst umsehen möchten und dorthin drängen, wohin auch andere Reproduktionsbereite strömen - eine positive Rückkopplung natürlich, und in der Moderne übertrieben. Deswegen hassen junge Leute Adalbert Stifter - so ging es mir zumindest. Man braucht Jahrzehnte, um den Geschmack zu erkennen und gilt, wenn man ihn in jungen Jahren bereits lernt, als Sonderling. Dort wird geistige Weltgeschichte gemacht, sitzen Eigenbrödler, Aussteiger, Eremiten, Mönche. Schnellroda ist Krähwinkel.

Nur dass in Krähwinkel eben meist keine große Bibliothek steht, nach der man in der Eingewöhnungsphase verstärkt verlangt, bis man lernt, auch in jedem schrägen Regal noch ein Mußezentrum zu finden oder die Natur und die vermeintlich "einfachen" Menschen vor Ort zu lesen und zu behandeln, oder den eigenen Körper oder gar die Seele. (Internet ist sowieso überall - eher überall zu viel und zu schnell: man zockt 3D, anstatt langsam sich aufbauende Seiten zu lesen.)

Übrigens werden die Spiesbürger, die beschränkten Menschen der Provinz in Metropolis nicht etwa schlauer, weil städtischer - im Gegenteil: nur innerlich einheitlicher und äußelich individueller (-> Max Weber) - und eben oft auch verrohter. Nicht überall braucht es ja so zu sein, aber wenn diese letzten Reservate (von etwas, das man nicht endlich oder objektiv erfassen kann, nur künstlerisch) verschwinden, sind wieder mal Kulturbiotope zerstört und Identitätsräume. Ich fordere die Rückkehr!
Nordlaender
20. April 2016 19:43
@ Monika

"Aber das kann ja nicht die Politische Lösung sein."

Nordkorea ist ja nun der Prototyp eines Schurkenstaates. Das mit der Dialektik habe ich noch nicht ganz verstanden. Wie sieht das nun im Kleinen aus? Ich wohne direkt hinter einem schönen ausgedehnten Wald. An die Scholle bin ich gebunden, denn auf meine wöchentliche vertraute Stammtischrunde mag ich nicht verzichten. Verlöre ich mein Haus, wäre ich aber abreisebereit und schlösse mich gerne einer sympathischen Krähwinkelgemeinde an einem anderen deutschen Ort an.

Ich bin grundsätzlich nicht bereit, jedem Hinz und Kunz den Zugang zu meinem Schurkenhaus zu gestatten, denn ich bin alles andere als weltoffen. Es heißt ja immer, Konsequenz sei alles, wer A sagt, müsse auch B sagen. Ist es unter diesen Umständen jetzt irgendwie verlogen, womöglich bigott oder ehrlos gar, wenn ich nur ausnahmsweise diesem oder jenen Einlaß gewähre?
Alexander
20. April 2016 19:53
Natürlich: "Erkenne die Lage!" (Benn)
Allerdings erkenne ich nicht die Zwangsläufigkeit des Weltstaats.

Nero
Die Erde IST der Mittelpunkt des Universums. Warum?
Das uns bekannte Universum dehnt sich aus. Wir wissen das, weil die Rotverschiebung uns anzeigt, das die Grenzen sich von uns weg bewegen.
Die Grenzen des Universums werden von der Erde aus gemessen. In jede Richtung. Die Rotverschiebung zeigt uns an, dass es immer den gleichen Abstand zur Grenze gibt.
D.h. wir befinden uns im Mittelpunkt einer Kugel, deren Oberfläche die Grenze des Universums ist.

Ergo: Die Erde ist der Mittelpunkt des Universums.


Die von Ihnen genannten "Grenzen des Universums" sind vielmehr nur die Grenzen des sichtbaren Universums. Und aus diesen relativen Grenzen läßt sich keine absolute Position der Erde im Universum herleiten.
Der Vergleich hinkt zwar, aber stellen Sie sich trotzdem ein Schiff auf offener See (bei angenommener perfekter Kugelform der Erde sowie der Wasseroberfläche) vor. Stehen Sie auf dem Schiff und blicken umher, dann sehen Sie den Horizont überall in der gleichen Entfernung, was zu der Annahme verleitet, diese am weitesten schaubare Entfernung sei die Grenze der See. Tatsächlich reicht die See dahinter aber noch viel weiter und (das ist jetzt ausschlaggebend) in manchen Richtungen mehr, in anderen weniger weit.
Kurz und gut: Die sichtbaren Grenzen des Universums mögen zwar überall gleich weit von der Erde entfernt sein, aber nur, weil wir (noch) nicht weiter sehen können. Es handelt dabei eben nicht um die absoluten Grenzen des Weltalls.

Oder Sie stellen sich das Universum weniger wie eine Kugel, sondern wie die Oberfläche einer Kugel vor. Malen Sie einen roten und viele schwarze Punkte auf den Luftballon. Blasen Sie diesen dann auf, entfernen sich alle schwarzen Punkte von dem roten Punkt, ohne daß sich dieser in irgendeinem Mittelpunkt befindet.
Raskolnikow
20. April 2016 20:09
Lieber Meyer,

ich nahm oben das Wort, um deutlich zu machen, daß jener kosmonautische Blick (heliozentrisches Weltbild, Erdkugel) keineswegs allein "unserer Zeit" vorbehalten ist, sondern bereits seit Jahrhunderten jedem Tölpel innert hauset.

Der moderne Mensch macht viel zu viel überhebliches Geschiß um sein angebliches Wissen! Sintemalen bereits bewiesen ist, daß dadurch nichts als tumber Stumpfsinn, dem nimmer etwas so recht glücken will, sich Bahn bricht. (Als wären frühere Generationen Deppen gewesen, die scharenweise vor Bäume liefen ...)

Diese kugeligen Erderkenntnisse sind jedoch für nichts Wichtiges von Bedeutung. Für nichts!

Mein Hering in Aspik braucht kein CERN!

Werter Winston Smith,

meine ungelenke hyperboreale Anspielung ist Ihnen aufgefallen. In Wahrheit schaue ich tatsächlich meist abwechselnd auf Teller, Bücher und in Gläser. Also ja: Mitternacht!

Auch werter Nordlaender,

der Sehnsuchtsort (Sehnsuchtskrähwinkel?) ist so unerreichbar wie der Horizont.

Nun aber genug der Hauswirtschafterinnenphilosophie ...

In Liebe,

R.
Hartwig aus LG8
20. April 2016 20:25
Warum sollte ich mich an dieser Gotteslästerei eines erneuten Turmbaus zu Babel beteiligen, indem ich eine rechte Sicht oder Antwort darauf finde? Diese "one world" wird beizeiten in tausend Teile zersplittern. Wohl dem, der dann eine Familie oder ein Dorf das Seine nennen kann.
Herr Meyer, Sie täuschen sich. Die iberischen Eroberer des 16.Jh globalisierten die Welt nicht, sondern "hispanisierten" sie. Sie bauten im südamerikanischen Dschungel eine Kirche, die der im spanischen Heimatdorf glich.
Der Afgane, der in München aus dem Bus steigt, bringt seinen Gott, seine Kultur und Sprache mit; eigentlich auch sein ganzes Dorf, selbst wenn es physisch nie hier aufschlagen sollte. Er bringt seinen Krähwinkel mit, er sucht keinen Neuen. Ergebnis wird ein beispielloser Flickenteppich sein, aber keine "eine Welt".

Sofern uns keine Aliens angreifen, wird der Planet Erde nie Heimat sein.
Jürg Rückert
20. April 2016 20:46
Die erste und sehr prägende Heimat ist der Bauch der Mutter. Danach sind es Mutterbrust und Muttersprache. Allmählich kommt das enge Spielumfeld in den Blick, dann immer mehr weitere Gestalten und Formen. Kinder lieben und brauchen Rituale. Auch das ist ursprüngliche Heimat. „Hier riecht es am Morgen nicht einmal wie am Morgen“, lässt B. Brecht einen Bauern im Tal nebenan sagen - da sind die Prägephasen endgültig abgeschlossen.
Wenn nun der Planet Erde zur allgemeinen Heimat erhoben wird, ist das eine Überforderung der Menschen. Denn die Wüste ist eine ganz andere Heimat als Island. Wir könnten uns ja auch so freuen: „Liebe Raumfahrer, wir kommen nun zurück in unser heimatliches Sonnensystem“ oder etwas später „in unsere Heimatgalaxie“. Da geht denen gewiss sogleich das Herz auf.
Und die ewige Heimat? Nichts Genaues weiß man über die ewigen Jagdgründe nicht.
Milarepa
20. April 2016 20:49
Nehmen wir einfach mal an, nur der Schöpfer weiß es, die kosmische Inflation hat wirklich stattgefunden.
Hier arbeitet die theoretische Physik mit extrem unterschiedlichen Faktoren.
Ein Faktor von 100 würde bedeuten dass, sich das für uns sichtbare Universum, mit einem Radius von 46.200.000.000 Lichtjahren, im Vergleich zum "gesamten" Universum, wie ein Sandkorn zum Planeten Erde verhält.
Gustav Grambauer
20. April 2016 21:21
NDG dazu:

"Wir können schon die Mischung aus Bordell, Verlies und Zirkus vorausahnen, die das Universum von morgen sein wird, wenn der Mensch nicht wieder ein mittelalterliches Universum aufbaut."

Und vor allem:

"Alles ist trivial, wenn das Universum nicht in einem metaphysischen Abenteuer inbegriffen ist."

- G. G.
Winston Smith 78699
20. April 2016 22:01
@ Gustav Grambauer

"NDG"

NGD , nur um anderen die Kopfschmerzen zu ersparen. Irgendwann hab ich dann das Zitat gegogelt.
Paule
20. April 2016 23:53
Hallo Herr Meyer,
„Worauf kommt es an Bord an?“


Darauf was für einen Auftrag der Kapitän vom seinem Eigner bekommen hat!
Im Raumschiff Erde ist genügen Platz um jedem seine Heimat zu geben. Das ist Naturrecht eines jeden Menschen.
Das stört nur die, die aus dem Raumschiff ihr persönliches Eigentum machen wollen!

Das hat nichts mit Perspektive zu tun, sondern damit dass es nicht den Eigner des Raumschiffes geben darf. Es wird dann die Heimat genau dieses Menschen. Des Eigners.

Die Erde ist kein Schiff!

Wie der Widerspruch zwischen Auftrag des Eigners und die Rolle der Eliten (Offiziere) und das Interesse der Mannschaft, das Recht und Gerechtigkeit, Kunst und Kultur wirken kann man sehr gut in „Die Meuterei auf der Bounty“ lesen.
Zur Erinnerung am Ende steht der Untergang des Schiffes, der Tod der Mannschaften, die Primitivierung der beteiligten Kulturen, und der Bankrott des Eigners.
Die Reste dieser Geschichte lassen sich noch heute auf den Pitcairn - Endstation der Bounty besichtigen.

Gruß Paule

Meyer: Zugegeben, Paule, wie jede Metapher, so hinkt natürlich auch die (Raum)Schiffsmetapher irgendwann. Ich finde es trotzdem richtig, daß auch wir hier diese Perspektive im Sinne eines geistigen Experiments einnehmen. Denn sie ist heute eine weitverbreitete, steckt als BILDERkanon in den Hirnen und Herzen. Das meine ich, wenn ich sage, daß die "Eine Welt" Realität ist - ob wir Krähwinkler es wollen oder nicht. Es kommt wirklich nur noch darauf an, die Regeln, die an Bord gelten sollen, zu bestimmen. Und genau das dürfen wir nicht den anderen überlassen. Daher der Aufruf zum Perspektivenwechsel.
Nero
21. April 2016 00:27
Warum wusste ich, dass das kommt...?

@ Alexander @ Milarepa
Naja, also das mit der Rotverschiebung wissen wir wenigstens.
Kann dahinter noch mehr sein, vielleicht. Aber glauben kann man in der Kirche.
Wenn Sie beide etwas kennen, dass sich hinter den sichtbaren Grenzen des Universum befindet, lassen Sie es uns wissen!


@ Winston Smith 78699

Diese Beobachtung ist aber von jedem Raumpunkt aus dieselbe.


Okay, da könnten Sie einen Punkt haben. Das wäre wirklich interessant zu wissen ob das so ist.
Falls ja, dann nehme ich alles zurück und behaupte das Gegenteil.

----------

Ansonsten möchte ich meine Aussage revidieren, damit es dann auch vor dem Standgericht passt:

Die Erde ist der Mittelpunkt des Universums, unter der Bedingung, dass alle Radioteleskope auf der Erde verbleiben, die Grenzen des Universums nur die sichtbaren Grenzen sind, mathematische Annahmen über das alter des Universums und der damit verbundenen weiteren Dimensionen unterbleiben und wir keiner anderweitigen Illusion wie beispielsweise der Raum-Zeit Krümmung unterliegen.
Soo... das dürfte jetzt passen. Ja, das gibt Hoffnung...
Willkommenskulturlos
21. April 2016 00:52
Vielleicht fällt die Aufgabe etwas leichter, wenn man einfach die etwas weniger abstrakte Realität eines nicht im Raum, sondern auf dem Meer segelnden Schiffes betrachtet.


Auf einem komfortablen Kreuzfahrt-Schiff hat jede seine Kajüte.
Auf dem Sklavenschiff sitzt die Mehrheit in einem Gemeinschaftsraum im Unterdeck eingesperrt.

Aber ganz abgesehen davon:
wenn es so weiter geht mit dem globalistischen Turbo-Raubtierkapitalismus / Bevölkerungsexplosion, dann brauchen wir sehr bald ein zweites Schiff (Erde).
Willkommenskulturlos
21. April 2016 00:54
Interessant, dass sogar ein gealterter Linke (nennt sich deshalb „linkskonservativ“), den Nationalstaat anerkennt (sonst gibt es ja keine Gehalt / Rente mehr).
Und der NATIONALstaat soll SOZIAL sein.
Zwar will der Linkskonservative „national“ klein halten, trotzdem was für ein Tabu-Bruch (!!!)

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/merkel-ging-einen-teufelspakt-ein/story/16212849
Der Philosoph Peter Sloterdijk erklärt die Motive der deutschen Kanzlerin im Flüchtlingsdeal mit der Türkei.
Was nicht zur Diskussion steht, sind Rechtsstaatlichkeit und Sozialstaatlichkeit. Und diese Grössen sind nun mal bis auf weiteres ausschliesslich im sogenannten Nationalstaat inkarniert, nirgendwo sonst. Der Akzent fällt auf «Staat», nicht auf «national». Es gibt vorerst keinen anderen Träger dieser unentbehrlichen Prinzipien politischer Zivilisation.
Willkommenskulturlos
21. April 2016 01:11
@Nordlaender
Mittwoch, 20. April 2016, 8:40
„Ist es also nicht völlig in Ordnung, wenn jeder dort hingeht, wo es ihm am besten gefällt? Warum nicht als Afghane nach Schleswig-Holstein streben, warum nicht als Sachse oder Ostfriese geschäftlich im Kongo sein Glück versuchen, warum nicht einfach seinen Wünschen und Sehnsüchten freien Lauf lassen – es ist doch die eine Welt, die allen gehört?“

Ganz einfach: Dem Rheinländer gefällt es im Norden nicht, weil ihn die mangelnde Bereitschaft des Taxifahrers, mit ihm ein Dauergespräch zu führen, in die Verzweiflung treibt…


Das ist noch ein relativ kleines Problem in der ganzen Problematik.
Das Hauptproblem ist, dass zu viele Afghanen nach Schleswig-Holstein streben.

Wenn man bei der Schiff-Metapher bleibt:
das Schiff kentert, wenn man so etwas nicht radikal begrenzt.
Heinz Obst
21. April 2016 02:42
Die Erde als Heimatplanet, als „Raumschiff Erde“, hat den angestammten Heimatbegriff verdrängt. Heimat ist primär nicht mehr die von uns bewohnte geografische Region samt ihrer Historie, ihren Menschen und deren gewachsenen Eigenarten, Heimat ist auch nicht mehr das Vaterland oder der abendländisch-christliche Kulturraum. Heimat ist jetzt das große Ganze.


Nö!

Als Heimat empfinde ich nach wie vor den abendländisch-christichen Kulturraum - und diesen beileibe nicht als Ganzes, sondern nur ein winziges Bruchstücjk davon, nämlich der Landstrich, ergo Krähwinkel, wo ich im Elternhaus aufwuchs, die ersten anderhalb Jahrzehnte meines Lebens verbrachte.

Sicherlich, sein Leben verbringen kann man an vielen Orten auf dem Globus, ob es jemals gelingt, dort heimisch zu werden, steht freilich auf einem ganz anderen Blatt. Mitunter brauchts dazu den Zeitraum von mehreren Generationen. Wenn von außen ständig in dem Topf herumgerührt wird, soll heißen, die Leute zu fortwährender Mobilität gezwungen werden, kann letztendlich niemand mehr Heimatgefühle entwickeln.
Ob er dann "das große Ganze" als Heimat empfindet, erscheint zumindestens zweifelhaft. Möglicherweise ist er auch nur entwurzelt.

Jeder Nichtangehörige des Geldadels, der sich schon mal ernsthaft mit dem Thema Auswanderung beschäftigt hat, wird sehr schnell erkennen, daß es (unsereinem) eben schlicht nicht möglich ist, seinen Wohnsitz nach Belieben zu verlegen.

Wie es im Kongo, im Tschad oder Guinea Bissaau gehandhabt wird, entzieht sich meiner Kenntnis. In das ehemalige deutsche Schutzgebiet Samoa ist beispielsweise auch dann keine Einwanderung möglich, wenn man zu diesem Zwecke einen Samoaner ehelicht.
Milarepa
21. April 2016 08:25
Hallo Nero,
jeder Beobachter "besitzt" sein eigenes Beobachtbares Universum.
Auch der in 10.000.000.000 Lichtjahren Entfernung zu uns.

Dies hängt ja nur mit der Lichtlaufzeit von 13,8 Milliarden Lichtjahren ab.
Also alles ganz ohne Extra Dimension und Gott.
Wir sind halt nicht der Mittelpunkt.
Paule
21. April 2016 08:51
Hallo Herr Meyer,
Gleichnisse haben halt Stärken und Schwächen, richtig.

Zwei Anmerkungen dazu noch:
1.) Auf einen Schiff bestimmt nur einer was für Spielregel gelten der Kapitän und wohin das Schiff fährt und was es lädt bestimmt der Eigner. Deshalb will ich nicht dass die Erde ein Schiff ist. Sie wäre eine (!) Diktatur, mit einem Schlimmen Ziel und keine Heimat für kein Volk.

2.) Die Erde ist kein Raumschiff sie kann von keinem Menschen gesteuert werden und sie hat keinen Eigner. Das finde ich einfach gut und wir sollten alles dafür tun das das so bleibt.
Die Erde ist ein Planet. Die nicht Atheisten sagen, sie hat eine göttliche Seele, sie ist Geist und Materie, Melodie und Text, Feuer und Wasser, Boden und Luft, Ying und Yang, Vater und Mutter in einem. So war es schon immer und wird es immer sein. Die Erde hat kein Ziel. Die Erde „Ist“ und wird das bis zum Jüngsten Tag sein.
Das kann kein Mensch ändern (vielleicht ein Gott so es den diesen gibt) welche Bilder er auch im Kopf hat.

Deshalb kann sie für alle und jedem Menschen einen Platz bieten, den er mit den Seinen, im Widerstreit mit andern, zu seiner Heimat machen kann.
Und ich hoffe das kein Mensch versucht das zu ändern, die Strafe wird das schwinden des Menschen sein.

Gruß Paule und danke dass sie mir geantwortet haben.

Ps: Ein Afghane kann in Deutschland keine Heimat finden weil hier nicht die Seinen Wohnen, sonst wäre er kein Afghane. Zu Hause sein kann er aber wohl, wenn die Heimatbesitzer das wollen.
Ein Fremder aus Elea
21. April 2016 11:53
Nero,

Sie ärgern mich. Was ist denn überhaupt das Zentrum?

Das Gravitationszentrum?

Wir werden niemals wissen, wo das liegt, möglicherweise gibt es es sogar gar nicht.

Liegt das Gravitationszentrum eines Trichters innerhalb der Materie des Trichters oder außerhalb seiner Materie?

Wenn die Raumzeit nicht konvex ist, gibt es womöglich gar kein Zentrum innerhalb ihrer.

M.a.W., die ganze Zentrumsgeschichte ist bescheuert, ich kann mir mein Zentrum definieren, wo ich will, sei es in China, dem Reich der Mitte, Jerusalum, der Stadt in der Mitte, in Mekka oder in Rom, oder im 2. oder 3. Rom oder eben auch in meinem Hinterkopf.

Völlig egal.
thotho
21. April 2016 12:15
Liebend gerne wohne ich lieber in einem Nest, so, wie auch meine Vorfahren.
Selbstredend sind gewisse Entwicklungen Realität, was aber nicht heißt, dass ich diese anerkenne. Sie, Herr Meyer, schreiben von einem Schiff, in dem wir säßen. Glauben Sie mir, auf dem habe ich mich in meiner ganzen Existenz noch nie befunden.
Stil-Blüte
21. April 2016 16:14
Käpt'n Meyer, ahoi! Sie gehen, mit Heim- und Fernweh zugleich, wahrlich auf große Reise. Wenn ich die Kommentare der seetüchtigen, seekranken Mannschaft richtig deute, erzeugt Ihr Abenteuer nicht das, was man dafür braucht, nämlich Mut, sondern Unmut. Lassen Sie mich daher fragen:

H e i m a t - Was ist das? (Heimat = *)


- * ist Geheimnis, nicht Geschrei (Franz Hessel)
- Ist die * auch Stein, ist sie doch süß (kurdisches Sprichwort)
- Unsere * ist die Partei (SED-Funktionär)
- *: Ein typisch deutsches Wort (ein Sprachwissenschaftler)
- Meine *? Die Fußgängerzone (ein Obdachloser)
- Meine *: 'Lindenstraße' (ein treuer Fernsehzuschauer)
- * heute: 'Die zweite Heimat' (Edgar Reitz; Schlesierin in Dresden)
- Wo meine Familie ist (Deutschland), (eine Jüdin in Deutschland)
- *? Keine (eine andere Jüdin in Deutschland)
- * ist, wo noch niemand war (Ernst Bloch)
- Überall da, wo ich noch nie war (fränkischer Barde)
- *: Kein Ort. Nirgendwo (Christa Wolf)
- das andere Land (deutscher Franzose, französischer Deutsche)
- Uns're *, das sind nicht nur die Städte und Dörfer/uns're* sind auch all die Bäume im Wald/ uns're *, ist das Gras auf der Wiese, die Blumen im Feld und die Vögel/ in der Luft und die Tiere der Erde/ und die Fische im Fluß sind die */ und wir lieben die *, die Schöne, und wir schützen sie, weil sie dem Volke gehört, weil sie un-se-rem Vol-ke gehört// (heimliche deutsche Nationalhymne)
- *ist Unschuld. Einmal verloren - immer verloren.(I.P.)
- Hering in Aspik (Raskolnikow)
- Bismarkhering, Rollmops, Häckerle (ein Preuße)
- Deutschland ist, wo Deutsche leben (Kubischek)
- *: Rittergut Schnellroda (H-Ort, Host, ein Netz für Konservative)
- Die Erde als *planet hat den ...*begriff verdrängt (Käpt'n Meyer)
- *filme, (eine ältere *lose und invalide Dame)
- *: von Eichendorff, Phudys, Helene Fischer, VOXXClub, Max Raabe, Richard Wagner, Furtwängler-Dynastie...
- *: Kartoffelsalat mit Bockwurst und Senf
Andreas Walter
21. April 2016 20:03
Der sogenannte Internationalismus erblickte erstaunlicherweise sowohl in Ost und West, von Deutschland aus gesehen, im Jahr 1917 die Welt.

Doch auch an der historischen Bezeichnung Mittelmächte lässt sich erkennen, wo damals noch der Mittelpunkt der Erdoberfläche lag. Oder am Eisernen Vorhang, diesem Riss, der zumindest dort mitten durch Deutschland ging.

Die jeweiligen trojanischen Pferde dazu waren im Osten zwei Männer mit den Namen Lenin und Trotzki und im Westen ein Mann mit dem Namen Woodrow Wilson. Das Geld, das all dies ermöglichte sprudelte jedoch aus den gleichen Quellen, denen nur wenige Jahre zuvor (1913) Wilson bereits einen Bärendienst erwiesen hatte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Internationalismus

Danach folgte, was Yuri Slezkine verharmlosend als das jüdische Jahrhundert bezeichnet. Das der 1956 in der ehemaligen Sowjetunion Geborene jetzt ein "US-amerikanischer Historiker, Autor, Übersetzer und Hochschullehrer" ist, und "derzeit Jane K. Satter Professor an der University of California in Berkeley", das mag da wohl auch niemand mehr verwundern.

Im gleichen Jahr seiner Geburt initierte Mao auch seine Hundert-Blumen-Bewegung:

https://en.wikipedia.org/wiki/Hundred_Flowers_Campaign

Die er kurz darauf gleich wieder stoppte, sehr zum Leid der Intellektuellen:

https://en.wikipedia.org/wiki/Anti-Rightist_Movement

Intellekt und Universalismus schliessen sich gegenseitig aus, Herr Meyer, denn ich bin keine Ameise, oder eine Biene. Oder ein Sklave in Surinam.

https://en.wikipedia.org/wiki/Anti-Rightist_Movement
Waldgänger
21. April 2016 20:07
Lieber Herr Meyer,

ich habe sonst die meisten Ihrer Texte mit Interesse, oft auch mit Zustimmung gelesen, doch diesen aktuellen Text finde ich - um ein zeitgeistiges Wort zu gebrauchen - verstörend.

Zwar haben Sie an einer späteren Stelle versucht zu präzisieren, aber auch das überzeugt nicht:
An @ Paule haben Sie geschrieben:
Ich finde es trotzdem richtig, daß auch wir hier diese Perspektive im Sinne eines geistigen Experiments einnehmen. Denn sie ist heute eine weitverbreitete, steckt als BILDERkanon in den Hirnen und Herzen. Das meine ich, wenn ich sage, daß die „Eine Welt“ Realität ist – ob wir Krähwinkler es wollen oder nicht. Es kommt wirklich nur noch darauf an, die Regeln, die an Bord gelten sollen, zu bestimmen. Und genau das dürfen wir nicht den anderen überlassen. Daher der Aufruf zum Perspektivenwechsel.


Können Sie denn belegen, dass die Eine-Welt-Perspektive als "Bilderkanon" wirklich in den Hirnen und Herzen drin ist??
Ich meine jetzt nicht bei Jakob Augstein oder Claudia Kipping, meine nicht nur Deutschland und Schweden, sondern weltweit!
Denn wenn Sie die Sache global angehen, dann müssen Sie sich auch einer globalen Überprüfung stellen, müssen also nachweisen, dass auch bei der Mehrheit der Menschen in Peking, Delhi, Moskau, Rom, Riad, Tehran, Rabat usw. eine derart globale Perspektive besteht!


Nun zu den "Regeln an Bord".
Das ist doch, verzeihen Sie mir, abwegig.
Globale Regeln wird es nicht geben, weil die gesunden Partikularinteressen eben immer stärker sein werden.
Und selbst im rein theoretischen Fall, dass es anders wäre, müssten diese Regeln von einer Art "global governance" entwickelt und autoritär durchgesetzt werden. Das liefe auf eine globale Diktatur hinaus.

Die Vorstellung, dass die "Regeln, die an Bord gelten sollen" das Ergebnis eines auch nur entfernt sachlichen, demokratischen und seriösen Diskurses sein könnten, ist doch absurd.
Gewiss, es gibt diese Kreise, die davon träumen, meist in den USA,
aber zu den wollen Sie doch nicht gehören.

Was jene Global-Governance-Vertreter unter Diskurs verstehen, hat man doch jüngst wieder beim Bresuch dieser zwei journalistischen Prostituierten von der FAZ in Schnellroda gesehen!
Andreas Walter
21. April 2016 20:11
Initiierte, mit 3 i, wie individuell, Intelligenzija und idiosynkratisch.
Andreas Walter
21. April 2016 21:13
Oh, und nach dem Komma schreibt man "das" auch mit ss, wenn man nicht auch welches sagen kann. Wie die Eliteeinheit SS, in der mein Opa Offizier war, Einsatzgruppe A, in Polen.

Ich kenne daher das "radikal Böse", persönlich. Besitze auch seine original Seite für Seite mit Schreibmaschine getippten Memoiren in zweifacher Ausfertigung. Wenn er das "radikal Böse" ist, dann ist es potentiell jeder.

http://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article123835471/Warum-junge-Maenner-im-Akkord-morden.html

Darum bin ich auch nicht wie er, was man mir aber auch als Feigheit oder Schwäche auslegen kann. Vielleicht aber kommt es auch nur auf die Situation an, in die ich entweder aus Unachtsamkeit oder durch Täuschung womöglich gerate. Doch zum Glück ist die Welt gross, und ich bescheiden und vorsichtig.

Darum aber eben auch kein Krieger, oder "Revolutionär", und deshalb auch arm. Hahaha, allein schon deshalb bin ich Nationalist, und nicht Kommunist. Damit es immer wenigstens noch ein paar Länder gibt, in denen die Freiheit und Individualität noch hochgehalten wird. In so einem Land würde auch ich mal Wache schieben, für eine Zeit, komme da was wolle.
Monika
21. April 2016 21:15
Dabei vernachlässigt er völlig die politische Ebene, denn eine Vielzahl der Länder und Kulturen auf diesem Globus ist mitnichten dazu bereit, auf „Partikularinteressen“ zu verzichten. Man denke nur allein an China, Russland, Indien, Iran oder Saudi Arabien! Nirgends ist dort die Bereitschaft erkennbar, das linksliberale Credo der sog. „Einen Welt“ zu übernehmen bzw. einen „astronautischen Blick“ zu üben.
Lediglich im Hegemoniebereich der Amerikaner wird das vorgebetet und – vielleicht – sogar von manchen geglaubt.


„Die Perspektive auf die eine Welt ist real geworden – und es dürfte unmöglich sein, diese Perspektive wieder loszuwerden, um in die Verfolgung reiner Partikularinteressen zurückzuverfallen.“
… dann stimmt das schon allein deshalb nicht, weil die Mehrheit der Länder und Völker diese partikulare Sichtweise ja nie verlassen hat, diese Sicht noch immer hat und insofern gar nicht dorthin zurückverfallen kann.


@Lieber Waldgänger,
ich verstehe Ihre Verstörung nicht !
Es geht nicht um ein linksliberales "Eine Welt"Credo, das alle Menschen dieser Welt als Ideologie zu teilen haben.
Fakt ist , dass der sogenannte "american way of life " und auch der europäische Lebensstil zum Sehnsuchtslebensstil vieler junger Menschen auch in China, Russland, Indien und Afrika geworden ist.
Etwa 10 Prozent der Chinesen können sich konsumtechnisch gesehen einen Lebensstil erlauben, der dem europäischen entspricht. Diese Chinesen huldigen keinem linksliberalen Credo, sondern die meisten verehren immer noch Mao Zedong. Und entschuldigen dessen Massenmorde ( Einstellung: Mao mußte das tun, um das Land voranzubringen).
Wenn diese Chinesen etwa nach Frankfurt reisen, dann nicht , weil sie was über die Nationalversammlung in der Paulskirche erfahren wollen, sondern um zu shoppen:
http://www.wsj.de/nachrichten/SB10001424052970204077104580121213852705940

Und im hintersten Krähwinkel in Bangladesh wissen die jungen Frauen, die unter unwürdigen Bedingungen die Klamotten für KIK und Primark und auch "noble" Marken nähen, langsam auch, dass sie es besser haben könnten, sprich, sie verlieren ihre partikulare Sichtweise.
Die minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge werden z.B. in Frankurt von ihren Betreuern zum Einkaufen bei Primark begleitet.
Dort würden die Chinesen wiederum nicht kaufen. Die wollen Made in Germany oder Made in France.
Ich verstehe unter dem erwähnten austronautischen Blick vor allem eine Politik globaler Wirtschaftsinteressen. Weniger eine Politik unter ideologischem Aspekt.
Andreas Walter
21. April 2016 21:33
Auf der anderen Seite waren mein Vorfahren (Verwandten?) selbst mal Polnische Könige, und da beisst sich die Katze dann schon wieder in den Schwanz. Die Welt ist eben polar, dualistisch, und universalistisch ist nur Gott, das Ganze selbst. Darum ja auch neti neti, und meidet die Extreme.
Paule
21. April 2016 22:20
Hallo Waldgänger,
„verstörend“.

Ja, das finde ich auch.
Und nach ihrem Text weiß ich auch warum, nicht weil die bengalische Näherin nach Frankfurt zum Shoppen kommt (@Monika) sondern weil mir klar wurde wie weit das Bild des steuerbaren, beherrschbaren Planeten bereits in den Köpfen ist.
@Herr Meyer sie haben Recht.

Aber auch das es noch eine Möglichkeit gibt dagegen zu halten das es keine Heimat für die Völker auf der Erde gibt.

Die die eigentliche Botschaft in dem Bild ist:
„Ihr Völker unterwerft Euch!
Wenn ihr noch einen Platz auf der Erde haben wollt, ergebt euch!
Ihr seid mein!
Ich bin die Elite der Welt.
Ich bin die der Einen-Welt-Regierung.
Ich bin der Herrscher!“


Das ist verstörend!

Gruß an die Runde, die auch ein Stück der deutschen Heimat ist.
Paule
PS: @Monika
Danke für das Lied meiner Jugend:
Hier zum Hören: https://www.youtube.com/watch?v=YohW_wCbrPA
Martin S.
21. April 2016 23:03
Der astronautische Blick ist untauglich für den Alltag, für das normale Leben. Genauso, wie die buddhistische Sichtweise der Vergänglichkeit untauglich für den Alltag ist. Was wirklich zählt, ist das dem Menschen eigene Maß. Wichtigster Anknüpfungspunkt ist: Heimat, hier und jetzt ganz gelebt.
Winston Smith 78699
22. April 2016 07:19
@ Andreas Walter
Vielleicht aber kommt es auch nur auf die Situation an, in die ich entweder aus Unachtsamkeit oder durch Täuschung womöglich gerate.

Vielleicht ist Krieg ja eigentlich der Normalzustand und Zeiten vermeintlichen Friedens nur Illusionen oder Phasen, in denen das Volk eingelullt wird, damit okkulte Kräfte die nächsten Kriege vorbereiten können.

Dieser Gedanke kam mir bei einer der Dokus zu Gartenbau auf Arte ("Magische Gärten"). Der Adelige wurde skizziert gegen das Bild des Müßiggängers, nämlich als botanischer Forscher zum Wohle des Volkes. Den Nährstand heben oder sichern wollte er mit der Kartoffel. Wie lieb und fürsorglich. Gut: er selbst wäre bei einer Weizen-Mißernte bestimmt nicht verhungert. Aber geht es ihm wirklich um die Sättigung der Untertanen?
Monika
22. April 2016 07:35
@Stil-Blüte

Heimat, was ist das ?

Danke für die Aufzählung....
doch wichtige Aspekte fehlen


Verein­samt

Die Krähen schrei’n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei’n -
Wohl dem, der jetzt noch — Heimat hat!

Nun stehst du starr,
Schaust rück­wärts, ach! wie lange schon!
Was bist du, Narr,
Vor winters in die Welt entflohn?

Die Welt — ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg, Vogel, schnarr
Dein Lied im Wüstenvogel-Ton! -
Versteck, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrei’n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei’n,
Weh dem, der keine Heimat hat!

Nietzsche

Und auch ein Kirchenlied fällt mir sofort ein:

Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh'
mit mancherlei Beschwerden der ewigen Heimat zu.

Diese Weltbetrachtung aus einer inneren Distanz zu allem, was nicht ewig ist, fehlt der "Generation Yolo" ( you only live once).

Aber nur aus dieser Distanz heraus konnten etwa die großen Dome des christlichen Abendlandes als Gemeinschaftsleistungen entstehen.
Heute Weltkulturerbe, bestaunt wie die Pyramiden von Touristen aus aller Welt.
denkbare Nachfolger : das höchste Hochhaus in Dubai oder China, der moderne Turm zu Babel







Waldgänger
22. April 2016 08:23
@ Monika

Wie so manchen Text von Lutz Meyer kann man auch diesen auf verschiedene Art lesen. Vielleicht liebt er es sogar, den Leser durch bewusst offen gehaltene Interpretationsmöglichkeiten zu testen?
Er spielt ja oft mit Gedanken und Sichtweisen und lässt mitunter offen, ob er eigentlich hinter ihnen steht oder nur mit ihnen jongliert.

Sie, Monika, betonen ganz richtig die sich global angleichende Alltagskultur - von der Kleidung bis hin zu Smartphones. Dass dem so ist, habe ich auch gar nicht bestritten.
Es ist nur fraglich, ob das wirklich so wichtig ist und zweitens, ob Lutz Meyer wirklich nur die sich annähernde Alltagskultur gemeint hat?

Schließlich hat er auch ganz explizit von Interessen und sogar von Regeln geschrieben und damit das Feld der Macht und der Machtpolitik berührt. etwa hier:
Die Perspektive auf die eine Welt ist real geworden – und es dürfte unmöglich sein, diese Perspektive wieder loszuwerden, um in die Verfolgung reiner Partikularinteressen zurückzuverfallen.


Was nun verblüffend ist, das ist der Umstand, dass er den Sieg und die Durchsetzung des globalistischen Konzepts und der globalistischen "Eine-Wel"-Ideologie bereits voraussetzt - obwohl es erstens noch gar nicht so weit ist und zweitens eben dies verhindert werden sollte.




@ Paule

Ich glaube, Sie haben genau den richtigen Treffer gelandet.
Die die eigentliche Botschaft in dem Bild ist:

„Ihr Völker unterwerft Euch!
Wenn ihr noch einen Platz auf der Erde haben wollt, ergebt euch!
Ihr seid mein!
Ich bin die Elite der Welt.
Ich bin die der Einen-Welt-Regierung.
Ich bin der Herrscher!“


Ja, das ist verstörend!

Doch wie stellt sich Lutz Meyer dazu? Mir scheint, dass er in seinem Spiel mit möglichen oder angesagten Blickwinkeln zwar etwas Wichtiges gefunden hat (nämlich den von den "Eliten" verordneten "astronautischen Blick"), hieraus aber seltsam unklare Schlüsse zieht.
Paule
22. April 2016 09:37
Hallo @Monika, @Stil-Blüte,
Danke und Entschuldigung.

Entschuldigung für die falsche Zitatzuschreibung in meiner obigen Post.
Das Zitat gehörte @Stil-Blüte. Danke.

Monika, Sie haben mir dafür die den Nitsche geschenkt. Er trifft die Melancholie die das einfache Lied „Unser Heimat“ in der Melodie hat. Mit einem doch so anderen und doch passenden Text.

Es ist als wenn Beide voneinander wußten, sich abgesprochen haben der eine beschreibt es aus dem Blick des Verlustes und des kommenden (möglichen) Todes, das andere „Unsere Heimat“ aus dem Blick des aufquellenden, ewig werdenden, dauernden Lebens.

Die Heimat ist eben nicht zu leugnen weder bei Nitsche noch bei den „Jungen Pionieren“.
Warum nicht auch bei den „Generation Yolo“?
Hoffnungsvoll Paule
Milarepa
22. April 2016 10:05
Ob gedanklich in den Weiten des Alls, oder beim Anblick meines Katers auf dem dem Katzenklo.
Das Mysterium.
Das Mysterium ist das Eigentliche.
Andreas Walter
22. April 2016 15:00
@Winston Smith 78699

Nein. Er will einfach nur Ruhe. Sein Dienst am Volk betrachtet er bestenfalls als Ausgleich für die Privilegien, die er dafür im Gegenzug geniest. Um sich auch seinen schöngeistigen Tätigkeiten und Forschungen zu widmen, die eben seinem Wesen entsprechen.

Ein zufriedenes Volk erfreuen ihn darum wie sein botanischer Garten und Sorge bereiten ihm nur die Unglücklichen. Weil die Ursache ihres Unglücks in ihnen selbst liegt.

Die sogenannten okkulten Kräfte sind im Grunde nur Ansammlungen, Agglomerationen, Zusammenschlüsse von Wesen mit einem jeweils spezifischen, in manchen Aspekten aber sogar beinahe universellen, kollektiven Schatten. Diese Schatten sind teilweise sehr alt und können sich auch von Generation zu Generation übertragen, sind manchmal darum auch sehr schwer zuzuordnen, zu erklären. Darum ist es richtig das Sie sagen, dass wir uns ständig auch im Krieg befinden, ausser vielleicht im Schlaf. Vielleicht ist es das, was ihn darum auch so wertvoll, so essentiell macht.
Andreas Walter
22. April 2016 21:34
Na ja, und nicht vergessen. Aus der Raumschiffperspektive verliert man auch ganz schnell den Blick für Details und vor allem auch die Bodenhaftung.

Die Welt jedoch ist Makrokosmos und Mikrokosmos zugleich, und wir hängen halt irgendwo dazwischen. Wie immer, bei allem.

Wer jedoch den Makrokosmos, den Blick von oben, den für das grosse Ganze überschätzt oder überbewertet und dabei den Mikrokosmos aus den Augen verliert, der braucht sich nicht zu wundern, wenn sich diese Vernachlässigung irgendwann bitter rächt.

Diese Analogie gilt nämlich für vieles, und nicht nur für "die da oben" und "die da unten". Auch in der Landwirtschaft können weitläufige Monokulturen zum Verhängnis werden, wie auch unsere vollkommen über den ganzen Planeten verteilte Wirtschaft. In einem zum Beispiel über den ganzen Globus verteilten und optimierten Produktionssystem darf nämlich nichts mehr schief gehen, weil es dann keine Redundanzen mehr gibt (preisoptimierte just in time Produktion).

Das Gleiche gilt für Versorgungsfragen, weil ich manche Dinge nicht von einem Moment auf den Anderen einfach sofort umstellen kann, wodurch dann aber wiederum in anderen Produktionslinien Engpässe entstehen können. Aspekte, die gerade globale Wirtschafts-, Preis- und Produktionskostenoptimierer gerne übersehen.

Aus dem Grund pendelt übrigens auch die Welt, beziehungsweise Regionen, zwischen Phasen des Nationalismus und Phasen des Globalismus, zwischen Kontraktion und Expansion, Imperialismus und Sezessionismus.

Wie aber auch die Kapitalmenge, die aber leider nicht in einer gleichmäßigen Sinuswelle verläuft, sondern bisher immer in einer exponentiell ansteigenden Kippschwingung (Sägezahnwelle). Die naturgemäß nicht so harmonisch ist, gelinde gesagt.

https://www2.informatik.uni-hamburg.de/~schaetti/musiksynth/technik/analog.html

https://www.youtube.com/watch?v=0ZBygN2DR0A
Stil-Blüte
23. April 2016 04:39
@ Monika @Paule Vielen Dank für die Heimkehr zur Heimat.

'...Weh dem, der keine Heimath hat.' (Nietzsche)


Oh ja! Und noch Trakl 'In der Heimat'. Und Hölderlin
...der Heimath/ verehrte sichre Grenzen.


Und hier noch das Motto unseres großen Leitbildes vom 'Heiligen Deutschland' Stauffenberg
Wir wollen ein Volk, das in der Erde der Heimat verwurzelt, den natürlichen Mächten nahebleibt, das im Wirken in den gegebenen Lebenskreisen ein Glück und ein Genügen findet.


Ja, sogar Brecht hatte diese enge Heimatsicht im Gedicht Pappel vom Karlsplatz), insbesondere in den 'Buckower Elegien. ''Den Regenwald retten' und gleichzeitig die alte Pappel vor der Haustür absägen, weil sie so viel Dreck macht, ist grünes Leit-Bild, Allmachtsphanthasie, ja, Alptraum von 'Masse und Macht' gleichbedeutend mit dem Leit-Bild, Flüchtlingsströme 'zu schaffen' (welch entlarvende doppelte Bedeutung des Wortsinnes 'schaffen').

Täusche ich mich? Im überlieferten Heimatverständnis liegt eine süße Schwere, ja Trauer, allzuoft ist die Rede von Sehnsucht, von Verlust und Abschied, als sei Heim-Weh der Heimat innewohnend. Heimat als Lebensmittelpunkt und Grenzregion.

Herr Meyer, wie auch immer, Heimat ist nur 'zu schaffen' als Krähwinkel, ist immer konkret, 'naheliegend'.

Ich verhehle nicht, daß sich die Weltphänomene allerorten gleichen: die ganze Welt trägt die Einheitskleidung Jeans, alle tragen Rucksack, hören auf Englisch Madonna, Gaga, fahren dieselben Autos, essen Burger und in allen Großstädten entstehen die gleichen Hochhäuser (demnächst soll die City of London dran sein).

Herr Meyer, kennen Sie dieses mittelalterlich naive Bild, auf dem das Himmelszelt als Halbrund mit Sonne, Mond und Sternchen zu sehen ist? Ein Menschlein steckt neugierig seinen Kopf durch dieses Himmelszelt. Sein Gesicht ist voller Schrecken, Entsetzen. Denn was sieht er? Das große Nichts; die totale Heimatlosigkeit.

Noch ein anderes Bild, das ich gestern in der Zeitung gesehen habe, möchte ich Ihnen vorstellen: Die Queen im Kreise ihrer sieben Ur-Enkeln. Das Bild in gedämpften, blassen 'englischen' Farben gehalten. Alles wirkt wie eine alte Fotografie, ja ein altes Gemälde. Der Inbegriff von Geborgenheit, Zu-Hause-Sein. Das vermittelt sie ihrem Volk. Diese Herrscherin versteht es wahrlich, Heimat zu schaffen.
Waldgänger
23. April 2016 11:20
@ Stilblüte

Ich verdichte Ihre Aussage:
Heimat ist "Krähwinkel" oder es gibt sie nicht.
Ja.


Die Vorstellung, ein Kontinent, ja die Erde als Himmelskörper, könnte "Heimat" sein, ist teils abwegig, teils bloß romantisch, teils globalistische Ideologie.
Wer in diesem Sinne tatsächliche Heimat abschafft oder die Abschaffung mit "astronautischem Blick" hinnimmt oder gar bejaht, der muss auch von den Folgen sprechen ...
Paule
23. April 2016 17:34
Hallo @Stil-Blüte,
„Ich verhehle nicht, daß sich die Weltphänomene allerorten gleichen: die ganze Welt trägt die Einheitskleidung Jeans, alle tragen Rucksack, hören auf Englisch Madonna, Gaga, fahren dieselben Autos, essen Burger und in allen Großstädten entstehen die gleichen Hochhäuser (demnächst soll die City of London dran sein).“


Das ist kein Phänomen, das ist das Werkzeug das bewusst gegen die Schaffung von „von Geborgenheit, Zu-Hause-Sein“ von „Heimat ... schaffen“ eingesetzt wird.

Das Bild vom große Raumschiff Erde oder das des verloren Kahns „Bounty“ ist dabei die Basis für Heimat-vergessen-machen, es ist die "Perspektive ohne Details" und ohne Netz und doppelten Boden (@Andreas Walter).

Wer nicht weiß aus welchem Boden die Heimat der Vorfahren und der eigenen wächst, wie Heimat sich anfühlt, anhört, riecht und schmeckt (Nitzsche) wer nicht weiß das es “Krähwinkel„ gibt, der weiß auch nicht was es ist nach dem er sich todesmutig, todesverachtend sehnt.*

Er ist ohne Hoffnung, ohne eigenen Willen, ohne Vergangenheit und Zukunft - aber ein guter Sklave.

Danke für die „Heimkehr zur Heimat“ – fürwahr und bei Gott!
Gruß Paule

Monika
23. April 2016 18:18
Täusche ich mich? Im überlieferten Heimatverständnis liegt eine süße Schwere, ja Trauer, allzuoft ist die Rede von Sehnsucht, von Verlust und Abschied, als sei Heim-Weh der Heimat innewohnend. Heimat als Lebensmittelpunkt und Grenzregion.


Liebe Stilblüte, Sie täuschen sich nicht.
In dem Buch "Die deutsche Seele" von Thea Dorn und Richard Wagner heißt es unter dem Titel Heimat:

Doch Heimat ! Es gibt sie ! Und sie ist dort, wo man etwas zum ersten Mal erlebt hat, etwas, das sich so stark einprägt, dass alles andere, alles spätere, einer Wiederholung gleichkommt. Das Gefühl aber, das man bei der Erinnerung an dieses erste Mal hat, nennt man Heimweh !
Eveline
23. April 2016 19:53
Mein astronautischer Blick .....

Erstmal zur Einstimmung das passende Lied, vor dem Fall der Menschheit aus dem Paradiese.

https://www.youtube.com/watch?v=nAOsC405WlU
Das Paradies liegt in einem Apfel.

Einen Apfel aufschneiden, jetzt haben wir einen Plasmabildschirm, zwei Seiten einmal Vergangenheit , einmal die Zukunft. Und wir sind ein träumender Apfelkern, wir sind Vergangenheit und wir sind Zukunft. Wir sind Bewusstsein.

Aufgegessen haben Adam und Eva die sorglose paradiesische Vergangenheit, für die Einhörner blieb - wie auf einem Computer - das Bild stehen, versteckt in einer Spalte, sahen die Menschen sie nicht mehr und vergaßen die Kommunikation mit ihnen.
Viele haben auch das Einhorn getötet, weil sie es nicht mehr erkannten.

Das Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“ haben helfende bewusste Hände aufgeschrieben . Zur Erinnerung an die Sternenheimat der Plejaden.
Die sieben Schwestern. https://www.youtube.com/watch?v=mAzusy7jCvw

„Sieben stolze Schwestern (Plejaden) küßt das eine Meer“ wurden in Rostock - vom Politbüro getarnt als Ostseewoche - fröhlich gefeiert. Heimat hier und dort, oben und unten.

http://www.treffpunkt-ostsee.de/sehenswertes/brunnen/rostock-brunnen-sieben-stolze-schwestern-kuesst-das-eine-meer.php

Auch das Märchen „Schneewittchen“ diente jahrhundertelang als Hinweisschild
Zu den Zwergen.
Klar ist, das alle Einseitigkeit immer Unheil / Vergiftung bringt. Aber die Zwerge wissen Rat. Gartenzwerge sind wieder in... auch Mann erinnert sich wieder.

So verloren wir unser Zentrum. Wer träumte die Zukunft für uns weiter?

Sonne, Mond und Sterne

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