23. Dezember 2016

Zwischen den Stühlen I – Alte Freunde

von Lutz Meyer / 39 Kommentare

Es ist immer wieder schön, alte Freunde zu treffen. Besonders dann, wenn – wie in diesem Fall – ein paar Jahre vergangen sind.

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

A: Du bist ja ziemlich abgedriftet nach rechts. Ich habe das übrigens schon im Studium kommen sehen. Heidegger, Schmitt, Jünger – das Abdriften war schon vorgezeichnet bei dir. Trotz deiner wilden Anarcho-Phantasien damals.

B: Ach? Und du bist nach wie vor links? Wie damals vor dreißig Jahren, als du einen RAF-Stern am Revers trugst? Oh, entschuldige, daß ich dich daran erinnere... Muß jedenfalls lange vor deiner Verbeamtung als Lehrer und dem Eigenheim gewesen sein...

A: Auch ich hab mich geändert, ist doch klar. Aber nicht so radikal wie du.

B: Ich hab mich eigentlich gar nicht verändert. Die Lage ist eine andere. Mich wundert, daß ausgerechnet du als Immer-noch-Linker das nicht bemerkst. Ich hab immer geglaubt, ihr Linken wäret besonders sensibel für gesellschaftliche Veränderungen.

A: Was sollte ich bemerkt oder nicht bemerkt haben?

B: Kommt es dir nicht komisch vor, daß die heutigen Ziele der Linken eine auffällige Ähnlichkeit haben mit den Zielen der Globalisierer? Daß viele linke und sogar linksextreme Initiativen finanziell von milliardenschweren Stiftungen unterstützt werden, deren Zentralen in den USA sitzen? Wo könnte die Schnittmenge zwischen euch und denen liegen?

A: Die haben eben erkannt, daß man nicht so weitermachen kann mit der Ausbeutung. Deshalb fördern sie humanitäre Projekte weltweit, wollen den Ausgleich zwischen Arm und Reich, unterstützen deshalb zum Beispiel auch die Migration ins reiche Europa.

B: Du meinst, ein George Soros wäre auf seine alten Tage sentimental geworden? Ich bin da jetzt ein wenig sprachlos, das muß ich gestehen...

A: Warum denn nicht? Empathie, soziales Denken, Humanismus, Weltbürgertum, man setzt sich ein für offene Grenzen und unterstützt solche Projekte finanziell – was ist daran schlimm?

B: Versuch es für einen Moment mal anders zu sehen: Leute wie Soros haben sich überhaupt nicht verändert, sondern sind sich sehr treu geblieben. Es geht ihnen nicht um das Soziale im Sinne der Verbesserung der Lebenssituation der Ärmsten der Armen – das Soziale, das offensiv vorgetragene Humanitäre nutzen sie als Vehikel, um ökonomische Ziele zu erreichen.

Sehr geschickt übrigens, denn wer wollte sich schon offen gegen das Humanitäre wenden. Und ihr fallt darauf rein. Ihr seid der perfekte nützliche Idiot für Großkonzerne und Finanzwirtschaft. Ihr helft denen, die Menschen dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden – als Billiglöhner und als willige Konsumenten.

Mehr noch: Man mißbraucht sie als Druckmittel. Denn mit der Waffe des Lohndumpings hält man die Arbeitnehmer der Industriegesellschaften in Schach. Wenn du aufmuckst, wirst du eben ersetzt – je mieser du bezahlt wirst, desto leichter bist du zu ersetzen.

Die an Charles Dickens’ Zeiten erinnernde Gewalttätigkeit so mancher der Herbeigerufenen unterstreicht das eindrucksvoll – das ist ein weiteres Drohszenario gegenüber den Stelleninhabern und Wohlstandsteilhabern: Wir machen euch fertig, in jeder Hinsicht.

No nations, no borders – das ist nicht links, das ist der feuchteste aller Träume eines jeden Großinvestors. Ressourcen, Kapitalströme, Waren, Technologien und Menschen – alles ist ungehindert in Bewegung und kann dorthin dirigiert werden, wo der größte Gewinn zu erwarten ist.

A: Wer sagt dir, daß es sich nicht umgekehrt verhält? Die Linke benutzt die Kapitalisten – wir nehmen deren Kohle für den guten Zweck, sorgen für die Umverteilung und...

B: ... und dann macht ihr Revolution? Hofft ihr also wirklich darauf, daß die Entrechteten der Erde, sobald sie alle hier sind, euch an die Macht wählen werden?

Ich denke eher, daß ihr, sobald ihr euren Job getan habt, den verdienten Tritt in den Arsch bekommen werdet. Fragt sich nur, wessen Stiefel sich als erster da reinbohren wird. Und wessen Stiefel spitzer sein wird...

Aber ich möchte auf etwas zurückkommen, was du eben gesagt hast – was wäre schlimm an Empathie, sozialem Denken und Humanismus oder so ähnlich... Das klang so, als würdest du all diese Dinge mir und jenen, die du als rechts bezeichnest, nicht zutrauen, ja sogar absprechen.

A: Richtig. Rechts, das ist soziale Kälte. Rechts ist die Unfähigkeit zur Empathie. Rechts ist inhuman. Schau dir doch mal die AfD an. Eine Mischung aus Nationalismus und Wirtschaftsliberalismus à la Thatcher und Reagan. Ich nehme da sehr viel soziale Kälte wahr.

B: Dem könnte man wenigstens teilweise zustimmen – die AfD würde mittelständische Unternehmen vermutlich anständiger behandeln als die derzeitige Regierung unter SPD-Beteiligung. Aber sonst?

Es ist doch heute so, daß gerade die Großkonzerne und die Finanzindustrie sich über die weltweiten humanitären Stiftungen mit linken Gruppen vernetzen – und dann gemeinsam Front machen gegen das, was du und sie als rechts bezeichnen. Die Zeiten haben sich wirklich radikal geändert.

„Rechts“ wird von der Globalisierungsseite als Feind wahrgenommen, weil kulturelle und auch nationale Identität, das Beharren auf so etwas wie Heimat, Herkunft und Grenzen das ungehemmte Strömen von Geld, Waren, Rohstoffen und Arbeitssklaven erschwert. Rechts ist das neue Links, so könnte man es stark verkürzt sagen.

Zumindest was die soziale Frage angeht. Das scheint auch manchen Linken zu dämmern – Lafontaine, Wagenknecht und in den USA Michael Moore...

A: Ach, jetzt kommst du mir auch noch mit Trump.

B: Was seine im Wahlkampf erklärten Absichten angeht, könnte ich das wohl. Bleibt aber abzuwarten, was daraus wird. Ansonsten: Wenn er TTIP beendet, müsste dir das doch auch gefallen, oder?

A: Nein, der Protest gegen TTIP ist genuin links.

B: Moment mal – es kommt also darauf an, wer das brennende Haus löscht und nicht darauf, daß es überhaupt gelöscht wird? Glaubt ihr ein Protestmonopol zu haben oder so was? Ich verstehe euch da nicht. Warum sollte man sich nicht, wenn man gemeinsame Ziele hat, gemeinsam ans Werk machen? Ich hätte da nicht die geringsten Skrupel...

A: Ihr nennt das Querfront, nicht wahr? So was wie Le Pen in Frankreich. Nationalismus und Sozialismus ergibt – na?

B: Ich soll jetzt wohl „Nationalsozialismus“ sagen, was? Nein, das mache ich nicht. Aber es könnte unter dem Strich etwas Gutes dabei herauskommen, wenn Rechte und Linke kooperieren. Sind in den letzten Jahren nicht auch viele Exsozialisten und Kommunisten zu Le Pen übergelaufen?

A: Lassen wir das. Noch eine andere Sache. Hast du nicht mal grün gewählt damals?

B: Klar, öfter sogar. Zuletzt 1998. Das ist mir etwas peinlich heute, das gebe ich zu... Danach kam dann schnell so eine Art Erwachen, das ich mal als „böses“ bezeichnen würde. Ich konnte nicht glauben, was dann in den Folgejahren kam... Davor hatte ich die Grünen zwar nicht gerade idealisiert, aber immerhin als eine Art bessere SPD gesehen – besser, weil sie neben sozialen auch ökologische Themen bediente, die mir immer wichtig waren und es auch heute noch sind.

A: Darauf wollte ich hinaus. Wo siehst du denn das Ökologische bei den Rechten? Sag jetzt nicht, daß du Umwelt & Aktiv liest, dieses Bauernfängerblatt der NPD...

B: Doch, das tue ich gelegentlich. Fangen lasse ich mich allerdings nicht. Ist inhaltlich übrigens teilweise gar nicht mal so ganz daneben, das Blatt. Streckenweise etwas naiv und furchtbar schlecht gestaltet, es erinnert mich ein wenig an die Anfänge der Grünen, wie ich sie damals noch zu Schulzeiten in Schleswig-Holstein wahrgenommen habe.

Aber um auf deine Frage zurückzukommen: Das ist genau der Punkt, an dem ich mir bei den Rechten am meisten Sorgen mache. Daß die Betonköpfe und Technokraten alten Schlages sich durchsetzen. Nicht, daß ich ein Freund der Windräder und Biogasanlagen wäre, aber ich will auch nicht in das Zeitalter der klassischen Kohle- und Atomenergie zurück.

Trump könnte gerade an diesem Punkt völlig versagen. Der AfD traue ich da auch nicht über den Weg. Allerdings sind in Sachen Respekt vor der Schöpfung auch die US-Demokraten keine Waisenknaben. Das waren sie nie. Und auch die Energiewende-Grünen sind es nicht.

A: So, mein Freund, jetzt hab ich dich. Ich merke, daß die ökologische Frage dein wunder Punkt ist. Glaubst du wirklich, daß beispielsweise die Klimaerwärmung nationalstaatlich geregelt werden kann? Und auch technische Katastrophen entziehen sich dem.

Weder der Meeresspiegelanstieg noch, sagen wir mal, radioaktiver Fallout von Tihange würden vor Grenzen haltmachen. Auch die Frage des sozialen Überlebens kann nur grenzenlos, kann nur global gelöst werden. One World – oder wir gehen unter!

B: Gewiß, angesichts globaler Veränderungen werden Grenzen fragwürdig. Doch zum einen sind Grenzen auch angesichts einer drohenden Katastrophe immer noch wie die Schotten an Bord eines Schiffes – reißt der Rumpf auf, mag in ein oder zwei Kammern Wasser eindringen, doch das Schiff wird nicht sinken.

Das betrifft insbesondere die soziale Frage und die Massenmigration. Was das Klima angeht: Die Veränderungen sind nach meiner Überzeugung überwiegend nicht anthropogen und können wohl auch nicht durch den Menschen gestoppt werden – in dieser Hinsicht ist die Grenzfrage also wirklich nebensächlich.

Das aber ist alles andere als ein ökologischer Freibrief für die Rechte. Hier sind noch Hausaufgaben zu machen.

Demnächst geht es weiter mit „Neue Freunde“.

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

Kommentare (39)

Ein Fremder aus Elea
23. Dezember 2016 16:14

Vielleicht hätten Sie Ihrem alten Freund schlicht sagen sollen: Krieg bedeutet Krieg.

Oder: Revolution bedeutet Blutvergießen.

Und danach vielleicht: Ist dein Leben so langweilig?

Der_Jürgen
23. Dezember 2016 16:50

Lutz Meyers Linker ist ein Ausnahmelinker; er hört seinem Widerpart ruhig zu und geht auf seine Argumente ein, ohne dass ihm dabei Schaum vor den Mund tritt. Er versucht, statt sich mit dem Herunterleiern von tumben Schlagwörtern zufriedenzugeben, den Standpunkt des Rechten zu widerlegen. Dass ihm  das nicht gelingt, liegt in der Natur der Sache. Auch der gewiefteste Debatteur wird ja in einer Debatte mit einem geschulten Geographen oder Astronomen nicht glaubwürdig die These vertreten können, die Erde stehe unbeweglich im Zentrum des Alls.

Ich würde gerne ein Streitgespräch zwischen einem Sezessionisten (jeder Autor und jede Autorin dieses Blogs käme in Frage) und Sahra Wagenknecht miterleben, der einzigen Linken, der ich noch ein gewisses Mass an Respekt entgegenbringen kann, weil sie in einigen zentralen Fragen nicht mit den Hyänen mitheult. Je länger diese Frau Mitglied einer Partei ist, die dem antideutschen Kartell angehört und deren Spitze alle Schurkereien vom Gender Mainstreaming bis hin zu Ankurbelung der Flut mitträgt,  desto mehr schrumpft allerdings der ihr noch verbleibende Rest an Glaubwürdigkeit.

Könnte Kubitschek oder Kositza ihr nicht einmal ein direktes Dialogangebot unterbreiten?  

Ein gebürtiger Hesse
23. Dezember 2016 18:00

Toller Dialog, egal ob er echt ist oder erfunden wurde. Genau so laufen solche Gespräche - wenn sie laufen und wenn sie durchgehalten werden (beides bezeugt die Echtheit, den Wert einer "alten Freundschaft").

WalterMartinez
23. Dezember 2016 19:36

Ja, ganz nett soweit. Und spiegelt das Gos der linken Mitläufer. Aber es igonoriert zwei grundlegende Punkte, die ich als Essenz meiner vielen Diskussionen mit Linken, insbes. Antinationalen mitgenommen habe.

1. Der Kommunismus kann erst kommen, wenn der Kapitalismus sein höchstes Stadium erreicht hat. Das hat er in der letzten Ausbaustufe der Globalisierung. Der "Endsieg" des Kapitalismus soll diesem also quasi zum Verhängnis werden.

2. Wenn schonmal Volk&Nation als spalterische Entitäten wegfallen, ist die Transformation zur klassenlosen Gesellschaft umso einfacher. Volk & Nation fallen natürlich ebenfalls erst in der letzten Ausbaustufe des Kapitalismus weg, weil es keine Identitäten mehr gibt, außer die des Konsumenten und Produzenten. Stiefelträger und Stiefelopfer. Der Satz "Die Ausgebeuteten sind in der Mehrheit" ist wichtig. "Klasse statt Rasse" salopp.

 

Die haben Zeit, viel Zeit. Wir nicht.

Hartwig aus LG8
23. Dezember 2016 20:03

Die ökologische Frage wurde ein linkes Thema, als die soziale Frage gelöst schien, und im nationalen Rahmen bzw. europaweit auch weitgehend gelöst war.

Wenn rechte Themen wie Volk, Heimat, Nation gelöst sein werden, dann wird sich die Rechte auch der ökologischen Frage zuwenden.

Aber heute: Warum einen Acker doppelt pflügen, wenn daneben Brachland verödet und nach dem Pfluge schreit?

Fridolin Kiesewetter
23. Dezember 2016 22:36

Also kein Freund von Wind- und Biogasanlagen (bin ich auch nicht). Und zurück zu Atom- und Kohle auch nicht. (wieso eigentlich "zurück"?). Wo soll also der zuverlässige und preiswerte Strom herkommen? Woher, wenn nicht aus Kohle und Atom? Nicht mal die Grundlast könnte ohne die beiden sichergestellt werden.

Aristoteles
23. Dezember 2016 23:15

@Lutz Meyer

Ein gutes Lehrstück.

Meine Fragen dazu?

1) Wie viele Ärmste der Armen hat Ihr Freund bei sich zu Hause aufgenommen?

2) Schmiert Ihr Freund die Wände seiner Wohnung dreckig, um sich mit den Ärmsten der Armen zu solidarisieren?

3) Ist Ihr Freund der Meinung, dass, wenn schon nicht der Millionär Boateng für einen Ausgleich mit den Armen sorgt, dann die nächsten Afrikaner und Macho-Orientalen in Deutschland für einen kommunistischen Weltausgleich sorgen?

4) Ist Ihr Freund der Meinung, dass die Ausrottung der Indianer Amerikas zurecht geschah, weil sich diese der Globalisierung widersetzten?

5) Glaubt Ihr Freund, dass die Menschen irgendwann alle gut sein werden, oder wird er irgendwann erwachsen?

Rumpelstilzchen
24. Dezember 2016 08:55

Was heißt hier zwischen den Stühlen ?

Lieber den Talar an als das Kreuz ab:

http://www.evangelisch.de/inhalte/140990/23-12-2016/kirche-kritisiert-missbrauch-von-talar-auf-afd-demo

 

Meier Pirmin
24. Dezember 2016 09:12

@Aristoteles. Ihre Fragen an den linken Freund von Lutz Meyer übersehen das Ideologieproblem. Ich versuchte es auf der Kolonne "Mahnwache" zwischen Wortmeldung 80 und Wortmeldung 90 ausführlich und methodisch zu erklären. Natürlich das Gegenteil einer Entschuldigung der in Ideologien vorkommenden Realitätsabschottung. Ideologieprobleme haben mit identitätsstabilisierenden Wahnvorstellungen zu tun, sind oft untherapierbar, bedeuten aber nicht schlechthin eine Pathologisierung des Gegners, wie noch z.B. "Nordländer" glaubte. Dagegen lässt sich im Prinzip nichts machen. Sie müssen es wie Lutz Meyer als weltanschauliche Selbstbornierung durchgehen lassen oder wenigstens zur Kenntnis nehmen.

Zu Ihren eigenen fixen Ideen @Aristoteles gehört die dem modernen Wohlfahrtsstaat nicht gemässe Vorstellung, irgendjemand, besonders ein Linker, sei dazu verpflichtet, als Flüchtlinge bezeichnete Afrikaner bei sich aufzunehmen. Das sind Vorstellungen über das Asylwesen um 1848, wie ich das im "Schweizerzeitmagazin", übrigens für Sie auf youtube abrufbar, dargestellt habe. Sie machten mir ja selber die Empfehlung, Ruander usw. aufzunehmen in der Annahme, dass es in meiner Wohnung ein Sofa gebe oder dergleichen und sowieso machten Sie in einem früheren Blog allerlei Klischees über den Durchschnittsschweizer. Dabei berücksichtigten Sie nicht, was Sie ebenfalls dem Internet hätten entnehmen können http://www.srf.ch/play/tv/10vor10/video/ein-verbrechen-aus-liebe?id=a5dd9e27-1392-4612-acb9-a6bc60e2dc05

dass ich nun mal umständehalber fast 30 Jahre lang in einer im Winter zu kalten und im Sommer zu warmen Dachmansarde lebte mit Büchern im abgestellten Kühlschrank als intellektuelles Alleinstellungsmerkmal , und dass diese Wohnung, die nächstes Jahr zwar vom Vermieter repariert wird, nun mal nicht ohne weiteres für Asylbewerber sozial zumutbar gewesen wäre, eher schon an das Spitzwegbild vom Armen Poeten erinnerte, wobei ich jedoch diese Existenzform, aus Gründen, die hier nicht auszuführen sind, für freies Lesen und Arbeiten selber gewählt habe. Ich kann auch damit leben, dass für zwei historische Bücher von mir, die dieses Jahr erschienen sind, je Fr. 5000.- zu verdienen waren, nicht zu vergleichen mit den Sozial- und Therapiekosten einer von ihrem weitergeflohenen Oberhaupt verlassenen Afrikanerfamilie, welche Kosten laut "Weltwoche" in einem einzigen Jahr um die Fr. 390 000.- betragen haben sollen, letzteres eine rein ideologische Opfergabe aufgrund von Wahnvorstellungen, die Humanität betreffend, vergleichbar mit Ausgaben, die man früher mit Kirchenbauten für Ablässe machte, das ist historisch für mich gut erklärbar und erfüllt mich nicht mit Ressentiments. Selber bin ich mit meiner halben Lehrerpension mit meinem Leben aber sehr zufrieden, fühle mich in einer geistigen Existenz mit jahrzehntelanger täglicher Lektüre, auch der Gesamtausgabe von Platon und Aristoteles, natürlich als einer, der gegenüber den meisten unbelesenen Milliardären tiefes Mitleid empfindem kann. Wer nichts gelesen hat, hat nichts erlebt, vermerkte mal Canetti. Sie müssen aber verstehen, dass es mir in den besagten Wohnverhältnissen, auch nicht in der von mir derzeit bezogenen mit Büchern vollgestopften Zweitwohnung nicht möglich ist, Asylbewerber aufzunehmen, was ich zwar nur bei offenbarten Widerstandskämpfern von der Liga Lenins machen würde, welch letzterer aber mutmasslich nicht hätte bei mir leben wollen.  Hingegen wünsche ich mir auf Weihnachten, dass Sie sich für in einem früheren Blog gemachte läppische Unterstellungen zwar nicht gerade entschuldigen, aber dieselben wenigstens vor sich selber korrigieren.

Sven Jacobsen
24. Dezember 2016 09:36

Man weiß gar nicht, wo man zuerst einhaken soll bei so vielen Aussagen innerhalb der gekonnt inszenierten Diskussion zwischen A und B, die an der Wortlust kitzeln. Gut wäre es übrigens, wenn in der Realität viele Gespräche in der Form stattfinden würden, ausreden zu können. Beide Seiten haben sich etwas zu sagen.

Ich möchte die gängige Theorie der Linken am Ende aufgreifen, dass sich nur der globalen Kooperation nennenswerte Chancen eröffnen, die großen Probleme wie beispielsweise ökologische zu überblicken und anschließend in den Griff zu bekommen. Mit jeder fallenden Grenze und dem damit verbundenen Verzicht auf Nationalstaatlichkeit steigen dieser Theorie nach also die Chancen auf eine weise Lösung. Es scheint, dass die Begriffe Nationalstaat, Abschottung und Kooperationsverweigerung bei den Linken in eins gesetzt werden. Eben das ist falsch. Funktionierende Nationalstaatlichkeit heißt, dass Staaten ihre Eigenarten bewahren und zugleich die souveräne Möglichkeit zum Wettstreit der Ideen mit der Aussicht antreten, überzeugende Maßnahmen zu übernehmen, weil sie einen Nutzen bringen. Die tatsächlich unkluge Verweigerung der Kooperation in ökologischen Fragen ist so gesehen nicht die Schuld des Nationalstaates, sondern die einer inkompetenten Regierung bzw. einer Bevölkerung, die es im 21. Jahrhundert versäumt, auf ihre Regierung entsprechend Druck auszuüben. Intakte Nationalstaaten, die es verstehen, die eigene Gesellschaft zum Mitdenken anzuregen, erhöhen meiner Meinung nach deutlich die zur Auswahl stehenden vernünftigen Optionen. Das liegt auch daran, dass der Bürger sich besser mit dem identifizieren kann, was er überblickt und wofür er sich genau deswegen einsetzen wird, weil es ihn unmittelbar betrifft.

 

Frohe Weihnachten!

Dieter Rose
24. Dezember 2016 10:27

@ Meier Pirmin

Dreissig Jahre - das ist bei Ihnen ja fast ein halbes Leben.

Eine Schande, wenn man Ihr Werk kennt -

zumindest, was Themen und Umfang angeht.

Die Prioritäten werden bei uns falsch gesetzt.

Nochmals: eine Schande.

Und unsere Kinder und Enkel werden es büssen.

Ein Ausweg? ich sehe keinen...

Der_Jürgen
24. Dezember 2016 11:16

 Frohe Weihnachten allen Autoren, Foristen und Lesern. Kubitschek, Kositza und ihrem Team Dank für die hervorragende Arbeit. Ich möchte keinen Autor und keine Autorin missen. Ohne Sezession wäre Deutschland merklich ärmer. 

Für mich sind nicht nur jene Foristen wichtig, mit denen ich praktisch immer übereinstimme (Raskolnikow etwa, oder Deutschidentitärer), sondern auch jene, die auf intelligente Weise Thesen und Argumente vorbringen, denen ich in manchen Fällen nicht beipflichten kann (Beispiele: Pirmin Meyer, Morbrecht, in minderem Umfang auch Arminius Arndt oder der Schwäbische Waldgänger). Sie zwingen mich bisweilen, meinen Standpunkt zu überdenken, wenn erforderlich, die nötigen Korrekturen daran vorzunehmen oder meine Ansichten zumindest ausgereifter zu formulieren.

Herr k.
24. Dezember 2016 11:18

Hervorragender Artikel! Bitte weiter so!

Arminius Arndt
24. Dezember 2016 12:13

@WalterMartinez,

Ihre genannten 2 Punkte sind richtig festgestellt. Zumindest einen ernsthaft an Marx und anderen linken Kernautoren geschulten Linken kann man daran erkennen (die hiesigen Sozis haben meist keinen Dunst davon).

Das interessante ist, dass diese Punkte Übereinstimmungen mit gewissen christlichen Anschauungen haben, die jegliches, rechtes, katechontische Verhalten als verwerfliche Aufhaltung der Wiederkunft Christi sehen und die - und ab hier beginnt das satanische - dann auch noch meinen, man könne das Rad beschleunigen und damit die Wiederkunft Christ vorzeitig herbeiführen, quasi heraufbeschwören oder erzwingen. Die Geschichte wird hier wie dort quasi als Heilsgeschehen gedeutet (und manche meinen eben, man könne diese in ihrem jeweiligen Sinne beeinflussen).

Ich persönlich habe den Eindruck, dass der aktuelle Pabst Anhänger derartiger Überzeugungen ist (lasse mich hier aber gerne von Kundigeren widerlegen).

Der_Neugierige
24. Dezember 2016 12:21

@Der_Jürgen

 

Ich möchte mich Ihnen anschliessen. Ich bin froh das ich hier gelandet bin. Relativ spät aber immerhin. Man fühlt sich wohl verstanden zu werden in dieser dunklen Zeit. Wo es um alles oder nichts geht ist die Sezession ein Fels in der Brandung.

Ich wünsche allen ein frohes Fest, wie ich schon einmal geschrieben habe. Mir fällt das zur Zeit sehr schwer in Anbetracht dieser Lage.

Meier Pirmin
24. Dezember 2016 12:52

Eine wichtige Maxime scheint mir: "Dass derjenige, der sich beklagt, immer unrecht hat." Danke für den anregenden Austausch, hoffe _derjürgen, Sie nächstes Jahr doch mal zu sehen, es gibt ab Januar nicht wenige öffentliche Auftritte in AG GR  LU SO TG SG, die Sie im Netz leicht finden. Halte zu viel Bestätigung und Übereinstimmung für potentiell geisttötend. @Dieter Rose. Falls Sie möglicherweise mal in Rothrist lebten: Habe das dortige Auswandererdenkmal in meiner Biographie von Eduard Spörri dargestellt sowie dort die 150-Jahr- Gedenkansprache gehalten. Eine ganz andere Perspektive von Migration, es lohnt sich, sich diese vor Augen zu stellen. Noch lesenswert der heutige Leitartikel von Markus Somm in www.bazonline.ch. Er begnügt sich nicht damit, auf Merkel loszuhauen, vermerkt aber mit Recht, dass eine jede Regierung sich solche Journalisten wünsche, wie sie in Deutschland der Normalfall seien.   

KW
24. Dezember 2016 15:05

Ich hätte noch Folgendes zum grenzfreien Fluß von Prsonen, Waren, Dienstleistungen und Kapital gesagt, daß sich dieser nicht kontrollieren läßt und die Kriminalität befeuert. Gerade die Linken müßte interessierren, ob der Teppich durch Kinderarbeit entstand und unter welchen Sicherheits- und Lohnbedingungen etwas hergestellt wird. Mich interessiert das nur am Rande, eher, was in den Lebensmitteln enthalten ist. Z.B. die Fische und Meeresfrüchte aus Asien möchte ich lieber nicht essen. Da bevorzuge ich meinen Teichfischer aus dem Nachbarort. Da ist alles kontrollierbar. Was ist mit Geschäften mit Briefkastenfirmen mit Klageweg in Honduras? Sind die Linken so blöd, das alles nicht zu durchschauen?

Wenn jeder vor seinem Haus fegt, ist die ganze Straße sauber. Der vergleich, daß die Linken ins Horn der Oligarchen blasen, gegen die sie einmal angetreten sind, grenzt an Schizophrenie.

Nordlaender
24. Dezember 2016 17:48

@ Meier Pirmin

"Ihre Fragen an den linken Freund von Lutz Meyer übersehen das Ideologieproblem. Ich versuchte es auf der Kolonne "Mahnwache" zwischen Wortmeldung 80 und Wortmeldung 90 ausführlich und methodisch zu erklären. Natürlich das Gegenteil einer Entschuldigung der in Ideologien vorkommenden Realitätsabschottung. Ideologieprobleme haben mit identitätsstabilisierenden Wahnvorstellungen zu tun, sind oft untherapierbar, bedeuten aber nicht schlechthin eine Pathologisierung des Gegners, wie noch z.B. "Nordländer" glaubte. Dagegen lässt sich im Prinzip nichts machen. Sie müssen es wie Lutz Meyer als weltanschauliche Selbstbornierung durchgehen lassen oder wenigstens zur Kenntnis nehmen."

Wie schätzen Sie das prozentual ein? Auf wieviel Prozent der Ideologen käme mit dem ICD10-Code die Diagnose F99 infrage (Wahn), bei wieviel Prozent sprächen Sie lediglich von charakterlichen Mängeln (Borniertheit)? Als Anhänger einer nationalistischen Ideologie interessiert mich das sehr.

Oder ist der Freund des Herrn Meier gar kein Ideologe, sondern nur Anhänger einer Weltanschauung?

 

 

Caroline Sommerfeld
24. Dezember 2016 20:56

Sie haben offensichtlich, so er denn real ist, einen ähnlich besonnenen alten Freund, wie ich einen besonnenen alten Mann habe. Wahrscheinlicher im Leben sind jedoch Begegnungen mit den scheuklappenbewehrten oder den grenzenlos naiven Linken, die schlicht nicht wissen, daß jemand ihr Weltbild vielleicht auch nicht teilen könnte. Denn die, von denen sie durch die Medien wissen, daß sie ihr Weltbild nicht teilen, sind ja derartig böse, daß sie sie nicht kennen können.

Mir schrieben zwei alte Freundinnen auf ihren UNICEF-Weihnachtskarten, was ihre Kinder und Männer so alles trieben und, ja,  sie selber engagierten sich jetzt sozial in der Flüchtlingshilfe. Ich schrieb ihnen zurück, auf gebastelten Karten, was meine Kinder und mein Mann so alles treiben, und daß ich mich in der Identitären Bewegung engagiere.

Ich bin sehr gespannt auf ihre nächste Reaktion.

Lutz Meyer
25. Dezember 2016 11:00

@ Caroline Sommerfeld: Freund A. ist das, was der Winzer als Cuvée bezeichnen würde. Nichts vorsätzlich Gepanschtes, aber so eine Art Auszug aus verschiedenen realen Gesprächssituationen mit verschiedenen realen Freunden innerhalb eines überschaubaren Zeitraums, von mir abschließend komponiert und abgestimmt. Eine authentische Wiedergabe dieser Gespräche wäre nicht nur ermüdend, sondern vor allem formatsprengend. Mir kam es darauf an, Sortentypisches zu destillieren. Die demnächst folgenden "Neuen Freunde" werden das fortsetzen. Ob es danach noch die Folge "Keine Freunde"  geben wird, bleibt abzwarten ;-)

Lutz Meyer
25. Dezember 2016 11:09

@ Caroline Sommerfeld: Noch kurz zur Besonnenheit - es gab selbstverständlich auch in meinem Umfeld jene anderen. Doch denen sei hier kein Raum mehr gegeben.

Monika
25. Dezember 2016 12:43

Es geht den meisten Systematikern im Verhältnis zu ihren Systemen , wie wenn ein Mann ein ungeheures Schloss baut und selber daneben in einer Scheune wohnt:  Sie leben selber nicht in dem ungeheuren systematischen Gebäude. Aber in den Verhältnissen des Geistes ist und bleibt das ein entscheidender Einwand. Geistig verstanden müssen eines Mannes Gedanken das Gebäude sein, worin er wohnt, sonst ist es verkehrt. (Soren Kierkegard)

@Nordlaender

Es ist völlig egal, ob die Realitätsabschottung durch eine Ideologie ( auch eine nationalistische) oder durch Wahn geschieht. Das Resultat ist dasselbe: Fühllosigkeit. Wir sprachen an anderer Stelle über die nicht vorhandenen Tränen der Angela Merkel. Die uns nichts angehen.

Es stimmt aber: "Die Tränen dieser Erde werden getrocknet von denen, die selber weinen können"( Peter Lippert)

P. S. Frage an Pirmin Meier: Welche drei Bücher würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen ?

Nordlaender
25. Dezember 2016 14:34

@ Monika

"Es ist völlig egal, ob die Realitätsabschottung durch eine Ideologie ( auch eine nationalistische) oder durch Wahn geschieht. Das Resultat ist dasselbe: Fühllosigkeit."

Danke für das Complemang. Die Wurzel meiner nationalistischen Ideologie ist meine Herzensverbundenheit mit unserem deutschen Volk.

Und die Ideologin Merkel ist auch nicht gefühllos. Sie steht in diesem Krieg eben nur auf der anderen Seite und wird mit ihren Mitstreitern der Westlichen Wertegemeinschaft schon verbunden sein.

Die Realität ist immer das, was die jeweils Herrschenden zu einer solchen erklären.

Meier Pirmin
26. Dezember 2016 08:27

@Als ich Abitur machte vor bald 5 Jahrzehnten, dachte ich ernsthaft mich eine Zeitlang mit der theologischen Summe des Thomas von Aquin ganz irgendwohin zurückzuziehen, nur nicht in ein Kloster. Heute würde ich die deutschen und lateinischen Predigten von Meister Eckhart wohl vorziehen. Aber, um die Weltlichkeit nicht zu vergessen, die Sophienausgabe der Werke Goethes noch hinzufügen, das wäre neben der Qualität auch noch ausreichend Quantität. Noch dazu die bestmögliche Einführung in das geometrische Meditieren aus dem Geist von Pythagoras, Nikolaus von Cues und Blaise Pascal. Die Bibel müsste es nicht sein, gehe davon aus, dass mir das Wichtigste von dort aus dem Gedächtnis geläufig ist.

Linker Rechter
26. Dezember 2016 12:29

 

Ich bin grundsätzlich liberal: "Deutschland verrecke"? Cool. So lange es nur hinreichend begründet ist. Die obige Diskussion? Geschenkt. Mir fällt jedoch auf, dass viele Menschen in meinem Umfeld mit nachweisbar falschen Argumenten agieren.

 

Das reicht von der weit verbreiteten Nazi-Keule, über "Die Muslime stellen doch überhaupt kein Problem dar – wenn überhaupt, sind Sinti und Roma ein Problem" (gar von einem Anhänger der "Willkommens-Ideologie"). Oder: "Die Knäste in Deutschland sind doch nur deshalb voller Ausländer, weil Polizei und Justiz von Nazis durchsetzt sind" (was bin ich froh, dass das eine Linke sagte ...). Ganz schön geschichtsvergessen auch: "Die Moslems sind die neuen Juden." Kenntnis der demographischen Probleme von Bio-Deutschland (um ein weiteres Beispiel zu nennen)? Nicht vorhanden. Mir sind auch viele Menschen bekannt, die lesen in erster Linie nur auf tagesschau.de und/oder ZON.

 

Wie gehen die Foristen damit um, wenn der Freundeskreis, vielleicht sogar der Lebenspartner, krude Thesen vertritt? Oder hat man vielleicht schon bei der "Rekrutierung" eben jener Personen einen Fehler begangen?

 

Urwinkel
26. Dezember 2016 16:53

 @ Linker Rechter,

Das von Ihnen aufgewärmte Prozedere nennt man kulturphilosophisch "Gaslightening" (nach dem Film). Und das kann sehr wohl zum Gruselfilm werden. Den Mollath hat es damit auch ordentlich erwischt. Das ist die Krankheit unserer Zeit: Jeder möchte jeden belehren, aber sie wissen nicht, welchen Schaden Sie damit  anrichten.

Rainer
26. Dezember 2016 17:40

Ich bewundere Herrn Mayer für seine stoische Geduld, mit solchen linksverstrahlten noch zu diskutieren, obwohl diskutieren kann man dies eigentlich nicht nennen, es ist meist nur ein Anhören andressierter Phrasen und Allgemeinplätze. Ich würde nach ein paar einleitenden Floskeln beim Gegenüber für Verunsicherung sorgen und bei ihm einen kleinen Stachel des Zweifels setzen, indem ich z.B. mit absolut seriöser Miene behaupte:

"Ich habe aus sicherer Quelle gehört, es soll einen neuen Gesetzentwurf geben, nachdem jeder, der sich öffentlich für eine Fortsetzung der Einwanderung ausspricht oder einer Partei angehört, die dies betreibt, in einen Fonds einzahlen muss, der die dafür notwendigen Kosten decken soll, in besonderen Fällen bis zur Pfändung von Wohneigentum und Gehalt und Vermögen. Die Planungen dafür sind noch geheim."

"Weiß du eigentlich, daß es bereits ein Medikament gegen krankhaften Altruismus gibt? In den USA laufen bereits erste Medikamententests, sie sollen sehr erfolgreich sein. Die Quelle habe ich gerade nicht, schicke sie dir aber zu, wenn ich sie gefunden habe."

"Hast du bereits Vorsorge im Falle eines Systemwechsels getroffen, d.h. dir ein Exil-Land ausgesucht und dort ein Konto angelegt? Ich würde an deiner Stelle bald damit beginnen."

Ich bin mir sicher, mein Gesprächspartner hat danach eine schlaflose Nacht.

Der Wundertäter
26. Dezember 2016 18:35

"Ideologieprobleme haben mit identitätsstabilisierenden Wahnvorstellungen zu tun, sind oft untherapierbar, bedeuten aber nicht schlechthin eine Pathologisierung des Gegners, wie noch z.B. "Nordländer" glaubte. Dagegen lässt sich im Prinzip nichts machen. Sie müssen es wie Lutz Meyer als weltanschauliche Selbstbornierung durchgehen lassen oder wenigstens zur Kenntnis nehmen."

Ihren Optimismus in allen Ehren, aber wenn Ideologie NICHT zur Pathologisierung des Gegners führen soll, so muss sie von anderen Kräften ausbalanciert werden. Welche - gesellschaftlich relevanten - haben Sie denn da im Auge? Oder soll der Wahnsinnige den Wahnsinnigen therapieren? Ich bin mir nicht so sicher, dass das klappen kann ...  Im übrigen habe ich das lange Zeit so wenig ernst genommen wie es halt ging; aber man kann sagen, dass Norbert Laschet mir da eine heilsame Ohrfeige verpasst hat. Er hat mir in meiner Eigenschaft als ehemaligem DDR-Bürger per Ferndiagnose im öffentlichen Fernsehen einen „total zerstörten Kopf“ attestiert; ganze Landstriche hätten keinen Anstand ... usw. usf.

Das betrifft natürlich nicht Sie, sehr geehrter Herr Dr. Meier. Aber ich kann mir spätestens seit dem die entlastende Fehlvorstellung nicht mehr leisten, ich hätte es mit Leuten zu tun, die mich nicht bereits allein aufgrund meiner Herkunft aus und in meinem eigenen Land, meiner eigenen Stadt pathologisieren würden. Aus meiner Position heraus wäre es vielmehr geradezu dekadent, würde ich mir auch noch eine Meinung darüber erlauben, ob und wie Moslems in eine solche Gesellschaft integriert werden könnten. Ich nicke daher freundlich zu entsprechenden Einlassungen und übe mich im Verschmelzen mit der Tapete.


 

Nordlaender
26. Dezember 2016 20:49

Und wenn ich der einzige bin, der nicht der populären Ideologie der Ideologiefeindschaft anhängt, der hier nun steht und anders nicht kann:  Der Stempel "Ideologe" (im pejorativen Sinne, nicht im Sinne seriöser Wissenssoziologie) oder gar noch die Pathologisierung des Feindes ist das sichere Zeichen von argumentativem Notstand. Wenn ich - selber ein Ideologe - z.B. die Schriften eines libertären Ideologen wie Hoppe lese, fallen mir jede Menge inhaltliche Argumente ein, wie armselig und ehrlos, wenn jemand die ad-hominem-Karte zieht.

Und selbst wenn ich den Eindruck habe, daß ein einzelner glühender Fürsprecher für den BUNT-Bolschewismus irre ist, erstelle ich keine nervenärztlichen Diagnosen, sondern kritisiere den BUNT-Bolschewismus inhaltlich, falls ich Stellung nehme.

Mein Taktik: Verabreichung von Körnchen. Heute ein längeres Telephonat mit einem Bekannten, dieser zutiefst besorgt über die Wahl von Trump. Bezeichnete die Clinton als Falkin und kriegslüstern, steuerte das Gespräch dann zügig in Richtung völlig anderer Themen um, ging vom Kochen zum Weihnachtsfest bis zum Rock'n Roll.

Aristoteles.
26. Dezember 2016 21:53

 

@Meier Pirmin

 

"Ideologieproblem"

 

 

 

Ein unnötiges Ablenkungsmanöver. Lutz Meyers linker 'Freund' könnte Ihnen genau so vorwerfen, dass Sie ein Ideologieproblem haben, weil Ihr Credo die Vergebung der Sünden ist.

 

Wikipedia:
"Im engeren Sinne wird [mit Ideologie] auf Karl Marx zurückgehend das „falsche Bewusstsein“ einer Gesellschaft bezeichnet [...]. In der Wissenssoziologie hat sich Ideologie hingegen als Bezeichnung für ausformulierte Leitbilder sozialer Gruppen oder Organisationen durchgesetzt, die zur Begründung und Rechtfertigung ihres Handelns dienen – ihre Ideen, Erkenntnisse, Kategorien und Wertvorstellungen. Sie bilden demnach das notwendige „Wir-Gefühl“, das den inneren Zusammenhalt jeder menschlichen Gemeinschaft gewährleistet.

 

 

 

Ich glaube übrigens auch an die Vergebung der Sünden, durchaus im christlichen Sinne, auch wenn die Idee davon bereits in vielen anderen Kulturen und Mysterienkulten vorgegeben ist.

 

Ich glaube aber auch und uneingeschränkt an das Deutsche Volk. Das können Sie nicht nachempfinden. Wenn ich sage: 'Ich bin DEUTSCHER', dann bebt mein Körper. Deutschsein ist für mich etwas Heiliges wie für einen Juden möglicherweise das Judesein. Ich spüre dann, wie ein gewaltiger Strom von meiner Mutter Erde durch meine Füße, durch meinen Körper, durch meine Haarwipfel zu Gott im Himmel strömt.

 

 

 

"Zu Ihren eigenen fixen Ideen @Aristoteles gehört die dem modernen Wohlfahrtsstaat nicht gemässe Vorstellung, irgendjemand, besonders ein Linker, sei dazu verpflichtet, als Flüchtlinge bezeichnete Afrikaner bei sich aufzunehmen."

 

 

 

Wir leben nicht in erster Linie in einem Wohlfahrtsstaat, sondern in einem SCHULDENSTAAT, der mit dem PRIVATvermögen seiner Steuerzahler spekuliert.

 

Ich habe in diesem Zusammenhang überhaupt nicht gesagt, ein Linker sei "verpflichtet", 'Flüchtlinge' bei sich aufzunehmen.

 

Nehmen Sie bitte diese Unterstellung zurück.

 

Der linke Meinungsterrorist soll seinen Terror beenden und das VOLK durch FREIE Meinungsbildung darüber entscheiden lassen, ob es Fremde für einen gewissen Zeitraum aufnehmen will oder nicht.

 

 

 

"Sie machten mir ja selber die Empfehlung" der Aufnahme von 'Flüchtlingen'

 

Richtig. EMPFEHLUNG. Das hat nichts mit Verpflichtung zu tun.

 

 

 

"Dabei berücksichtigten Sie nicht, was Sie ebenfalls dem Internet hätten entnehmen können"

 

Soll ich immer erst im Internet herumschnüffeln und nachsehen, unter welchen Lebensumständen der Diskussionsteilnehmer lebt, um meine Vorschläge zu unterbreiten?

 

Auf dem Video konnte man jedenfalls gut sehen, dass Sie neben Ihrer Matratze noch genügend Platz haben, um Ihren Mantel mit dem Afrikaner zu teilen.

 

 

 

"Bücher[...] im abgestellten Kühlschrank als intellektuelles Alleinstellungsmerkmal"

 

Es wird sicherlich – auch in diesem Forum – einige geben, auf die Ihr intellektuelles Alleinstellungsmerkmal eine persuasive Wirkung erzielt ...

 

Im Gegensatz zu Schnellroda, das auf mich sehr authentisch wirkt, empfinde ich Ihre intellektuelle Selbstinszenierung eher als übereitel.

 

War das übrigens ein Photo von Ihnen selbst, dass Sie da von sich in Ihrer Wohnung hängen hatten? Oder war das Ihr Zwillingsbruder? Brauchen Sie Ihren Zwillingsbruder als Ego-Geber?

 

Ich meinerseits hänge in meiner Wohnung Bilder von meinen Kindern, Großeltern und Urgroßeltern auf, nicht von mir selbst.

 

 

 

"sowieso machten Sie in einem früheren Blog allerlei Klischees über den Durchschnittsschweizer"

 

Welche denn? Sagen Sie es doch bitte, dann können wir darüber diskutieren.

 

Ich habe Hochachtung vor jedem Schweizer, der an das Volk glaubt, dem er angehört. Vor einem gewissen Jürgen habe ich den allergrößten Respekt, weil er sich opfert statt selbst inszeniert.

 

Bemerkenswert Ihr Kniff einer Captatio Benevolentiae unter Schweizern, obwohl Sie an anderer Stelle verächtlich vom "ganze[n] ethnische[n] Zeugs" sprachen.

 

 

 

"läppische Unterstellungen zwar nicht gerade entschuldigen, aber dieselben wenigstens vor sich selber korrigieren"

 

Ich habe mich in Foren schon des Öfteren entschuldigt und korrigiert, wenn ich Fehler erkannte. In Ihrem Fall bitte ich Sie allerdings darum, dass Sie Ihre jüngst gemachte ungeheuerliche Unterstellung, ich wolle "die Sioux-Indiander gegen die alten Schweizer Aelpler ausspielen", zurücknehmen.

 

Ich möchte nur jedem, der sich für den Erhalt der alpinen Vöker einsetzt, empfehlen, sich vor dem angeblich 'konservativen' (d.h. 'bewahrenden') Intellektuellengezwirbel von Leuten zu hüten, denen der Glaube an das Ethnische fehlt.

 

 

 

H. M. Richter
26. Dezember 2016 23:29

 @ Rumpelstilzchen 

Dank für die Nachricht.

_________________________

 

@ Thomas Wawerka

Danke für Ihren Mut, danke für Ihre constantia.

Für die Ermutigung.

Für das Zeugnis in nomine Jesu Christi.

 

Da

Nordlaender
27. Dezember 2016 00:08

@ Aristoteles

"Ich möchte nur jedem, der sich für den Erhalt der alpinen Vöker einsetzt, empfehlen, sich vor dem angeblich 'konservativen' (d.h. 'bewahrenden') Intellektuellengezwirbel von Leuten zu hüten, denen der Glaube an das Ethnische fehlt."

So eine Orientierung an einem Kollektiv ist auch eine Ideologie. Das Verfolgen partikularistischer Interessen, die nicht vorrangig die Erlösung der gesamten Menschheit verfolgen. Hier: eine völkische. Aber nicht jeder ist ein Ideologe. Ein Zimmermann z.B., der in Sachen Politik geschlechtsneutral ist, ist kein Ideologe. Ihm reicht es, wenn er auf Wanderschaft ist und in der Dorfschenke einkehrt, dort damit zu prahlen, was er in seinem Leben schon geleistet hat. Zu seinen Usancen gehört es, schmucke Hosenträger zu tragen, die er bei seinen Vorträgen von seinem Hemd abzieht, um sie dann effektvoll wieder gegen sein Hemd schnallen ("flipsen") zu lassen.

Solche Flipser sind Individualisten, für solche ist der Gewinn einfach höher, als Einzelpersonen den Rausch der Bewunderung erleben zu dürfen, als sich in den Dienst für etwas Höheres, über sich selbst Hinausweisendes zu begegeben.

 

Monika
27. Dezember 2016 10:48

@Nordlaender

Auch Hitler war nicht gefühllos. Er weinte sogar im Wahn. Am Ende seiner Ideologie: 

https://m.youtube.com/watch?v=tXzwZNCnVok

 

Monika
27. Dezember 2016 11:09

@ Monika

ER ist wieder da! Mit diesem Beitrag haben Sie sich die Godwin-Ehrenmedaille in Gold redlich verdient. Herzlichen Glückwunsch!

https://de.wikipedia.org/wiki/Godwin%E2%80%99s_law

 

Linker Rechter
27. Dezember 2016 16:04

@Urwinkel:

Mir stellt sich die Frage, wer hier "gegaslightet" wird: Ich, die – oder wir alle?

Wie in meinem letzten Beitrag bereits ausgeführt, sind mir Meinungen egal: Weil jeder eine haben darf. Ich habe eigentlich auch kein Bedürfnis, auf einer Geburtstagsfeier, in der Sauna oder Abends am Lagerfeuer über die "Flüchtlings"-Krise zu reden. Überhaupt erfuhr ich erst durch die sozialen Medien (aus welchen ich mich mittlerweile verabschiedet habe), welche politische Einstellung meine Mitmenschen haben. Hat man früher gewusst, dass man da gerade mit einem XYZ-Wähler am Tisch sitzt? Ich glaube a) nein und b), dass das ganz gut so war.

Monika
28. Dezember 2016 10:04

Interessant die Diskussion über Ideologie und Wahn ( Danke auch an Pirmin Meier) ! Der Hinweis auf Godwin ( Ehrenmedaille) stammt nicht von mir !!!

Da hat einer meinen Namen benutzt .

Wenn es mir zu ideologisch wird, verweise ich nicht auf Godwins Totschlagargument, sondern schlage nach in Ambrose Bierce "Des Teufels Wörterbuch", hier unter wahnsinnig. Der Deutsche hat es ja mit dem Wahn.

Ich lese also ( im Wörterbuch):

wahnsinnig , adj. - Der melancholische Geisteszustand eines Menschen, dessen Argumenten wir nichts entgegnen können.

so sei es .....

Nordlaender
28. Dezember 2016 12:19

@ Monika

"Der Hinweis auf Godwin ( Ehrenmedaille) stammt nicht von mir !!!

Da hat einer meinen Namen benutzt ."

Danke, gut, daß Sie darauf hinweisen! Dieser Beitrag stammt nämlich von mir, ein peinliches Versehen ist mir da unterlaufen, und ich möchte Sie deswegen um Entschuldigung bitten.

"Wenn es mir zu ideologisch wird, verweise ich nicht auf Godwins Totschlagargument, sondern schlage nach in Ambrose Bierce "Des Teufels Wörterbuch", hier unter wahnsinnig. "

Gehörte es zu meinen Usancen, ständig meinem politischen Feind den Schnäuz anzubappen, dann wäre mir die Theorie des Herrn Godwin auch nicht gerade recht.

In der Bildungssprache fällt die Pathologisierung des Meinungsgegners, dem eine vernichtende nervenärztliche Ferndiagnose ausgestellt wird, unter die Kategorie ad hominem - bzw. in der "Eristischen Dialektik" Schopenhauers ad personam.

https://de.wikipedia.org/wiki/Argumentum_ad_hominem

"Der Deutsche hat es ja mit dem Wahn."

Bin zufällig ein Deutscher. Und Sie? Vielen Dank für das Complemang.

 

 

Pirmin Meier
29. Dezember 2016 10:04

@Aristoteles. Die "Vergebung der Sünden" ist schlichte eine Haltung, keine Ideologie, das gelebte Vaterunser. Eine Ideologie lebt nun mal definitiv von ihrem Feindbild.

Nordlaender
29. Dezember 2016 12:38

@ Pirmin Meier

Eine jede Politik beginnt mit der Bestimmung des"Wir" und des "Die" (Feind).

Ihr Feind sind die "Ideologen" (Synonym für "Meinungsgegner").

Der Nichtideologe nimmt an der Politik als reiner Privatmensch nicht teil.

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