05. Februar 2016

Le Bohémien über die Neue Rechte (II) - Gleichheit vs. Ungleichheit

von Martin Lichtmesz / 76 Kommentare

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

IhrseidalleindividuenZu Beginn möchte ich ein paar Bemerkungen über Armin Nassehi  loswerden. Der inzwischen an mehreren Orten publizierte Briefwechsel zwischen ihm und Götz Kubitschek war Anlaß des Artikels auf le Bohémien, auf den ich hier antworte.

Nassehi hat inzwischen ein wenig den seligen Mathias Brodkorb (falls sich noch jemand an diese Golden Days erinnert) in der Rolle des "Neue-Rechte-Verstehers" abgelöst und gilt manchen als der große argumentative Nußknacker, etwa diesem Autor der FAZ, der den Briefwechsel als "Sternstunde der Aufklärung" bezeichnete und jubelnd den Endsieg verkündete:
Nach Lektüre dieses ebenso intelligent wie respektvoll geführten Schlagabtauschs lässt sich ziemlich genau nachvollziehen, wo der denkerische Weg Kubitscheks zum Holzweg wird.

In Wahrheit ist es natürlich so: Diejenigen, die so denken wie Kubitschek, glauben, er habe die Partie gewonnen, und diejenigen, die so denken wie Nassehi, glauben, er habe gewonnen. Am Ende sind sie beide nur an dem üblichen Sackgassenpunkt des „Ich-seh-etwas-was-du-nicht-siehst“-Spiels zwischen Linken und Rechten angelangt. Die Wirklichkeit steht auf unserer Seite! Steht die Wirklichkeit auf unserer Seite?

(Indes hat sich Nassehi - wie weiland Brodkorb - auch bei einigen Linken schwer unbeliebt gemacht, dieser Netzfund etwa hat mir ein wenig den Abend versüßt.)

Um nun aber beim Thema zu bleiben, in seinem ironisch betitelten Buch "Die letzte Stunde der Wahrheit" bietet Nassehi eine simple Formel an, um das rechte Prinzip auf einen Nenner zu bringen:
Wenn man das Rechte auf einen Begriff bringen will, dann ist es eine merkwürdige Konstellation von Gleichheit und Ungleichheit, nämlich Gleichheit nach innen und Ungleichheit nach außen.

Da frage ich mich gleich als erstes, wieso Nassehi eine solche Konstellation für "merkwürdig", und zweitens, wieso er sie für spezifisch "rechts" hält. Diese Formel scheint mir vielmehr konstitutiv für jegliche Art von Gruppenidentität zu sein. Das hat sogar der Verfasser dieses Neue-Rechte-für-Dummies-Guides auf Krautreporter en passant kapiert:
Das klingt sehr abstrakt, er meint damit aber eigentlich etwas sehr Einfaches: dass wir Menschen uns mit anderen Menschen zusammentun, die uns ähneln und die wir deswegen als ebenbürtig oder eben als uns gleich empfinden. Menschen, die uns nicht ähneln, können nicht Mitglied dieser Gruppe werden.

Na eben. Das versteht jede Schulhofbande. Man mache einmal das umgekehrte Gedankenexperiment und frage sich, wie denn eine Gruppe beschaffen sein muß, die auf "Ungleichheit nach innen und Gleichheit nach außen" basiert. Ich für meinen Teil kann mir derartiges jedenfalls nicht vorstellen. Und eine Gruppe, die einzig und allein auf Gleichheit oder Ungleichheit nach innen wie außen aufbaut, würde logischerweise aufhören, eine zu sein. Sie würde sich entweder in einen Haufen Individualisten auflösen, oder nach außen zerstreuen, und ihr weiteres Schicksal entscheidet sich je nachdem, ob sie da draußen auf andere Gruppen stößt, die sie als Ungleiche ablehnen oder als Gleiche akzeptieren.

Der Einwand wird auch in dem "Neue-Rechte"-Guide aufgeworfen:

Moment mal! Borussia-Dortmund-Fans, Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr und des Lesezirkels, die ähneln sich ja auch – sind die etwa alle rechts?


Natürlich nicht. Der Bezug ist entscheidend. Fan von einem bestimmten Fußball-Verein zu sein, wirkt sich nicht darauf aus, wie ich die Welt politisch sehe. Aber wenn ich mich stark mit meinem Deutsch-Sein identifiziere schon. Kultur und Ethnie, kurzum die Herkunft, sind Dinge, die das Denken von Rechten sehr stark beeinflussen.

Damit wären wir einen, wenn auch nicht sehr befriedigenden, Schritt weiter gekommen. Es ist klar, daß eine Gruppe, die sich in einem Wettbewerb oder frei nach Armin Mohler in einem "Agon" mit anderen Gruppen befindet, als Brennstoff ihrer Raison d'être einen gewissen "Patriotismus" braucht, um zu bestehen, sich durchzusetzen und in Form zu halten. Fußballvereine sind dafür klassische, harmlose Beispiele: sie sind für ihre Anhänger oft so etwas wie Surrogat-Nationen und vorpolitische Simulakren, und die Fußballspiele symbolisch ausgetragene, unblutige Kriege, ritterlich geregelt wie die Kabinettskriege des Absolutismus, dabei enorme Emotionen (und Agressionen) auslösend und befriedigend.

Das Beispiel zeigt uns jedoch, daß auch die Formel "Gleichheit nach innen" zu einfach ist. Auch innerhalb der Schulhofbande sind nicht alle gleich, gibt es Anführer und Sidekicks, Hierarchien und Rollenverteilungen. Wie ich bereits im ersten Teil dieses Beitrags angedeutet habe, sind Gleichheit und Ungleichheit Relationsbegriffe und nicht etwa starre Kategorien. Sie modellieren unser Dasein in komplexen Schichten, wie einander ergänzende und wechselseitig stützende konkave und konvexe Wölbungen.

So auch im Fußballverein und den mit ihm verbundenen Fanclubs: hier gibt es augenfällig Tiere, die "ungleicher" sind als die anderen, und von denen man geradezu erwartet Ungleiche, "Stars", zu sein, also die aktiven Sportler, die Mannschaft, die alle Schlachten schlägt, und um deren Kampf und Agon sich die ganze Veranstaltung überhaupt dreht. Und auch hier gibt es wiederum Hierarchien: einen Trainer als General etwa und die Spitzenstürmer als die Alphatiere und Aushängeschilder des Vereins, dessen Ruhm sie mehren.

Ähnliche Hierarchien gibt es auch in den Fanclubs, allerdings steht hier vor allem, insbesondere während der Spiele, das rauschhafte Massenerlebnis, Gleicher unter Gleichen zu sein im Mittelpunkt (ein Hochgefühl, das nicht zuletzt dadurch befördert wird, daß auf der anderen Seite der Zuschauerreihen die Ungleichen, die gegnerischen Fans sitzen), und gleichzeitig am Ruhm ihrer Stars, ihre Hektore und Achilles, teilhaben zu können und sich ihnen damit auch wieder ein bißchen gleichzustellen.

Das sollte einstweilen genügen, um zu verdeutlichen, daß niemals von Gleichheit oder Ungleichheit, sondern immer von Sowohl-als-auch die Rede sein kann. Es ist also gar nichts "Merkwürdiges" an dieser Konstellation. Mit Norberto Bobbio könnte man nun sagen, daß die Linke das Schwergewicht auf die Gleichheit, die Rechte auf die Ungleichheit legt.

Beide kennen und fürchten Formen der Tyrannis der radikalisierten Ungleichheit oder Gleichheit: ein klassischer, bis ins alte Rom und Athen zurückreichender konservativer Impuls ist die Abscheu vor der Masse, der Herde, dem Kollektiv, dem Pöbel und anderer demokratischer Mobilisierungseinheiten, die von Neid, Ressentiment, Rachsucht getrieben werden, und auf ihrem Weg alles plattzumachen und auf ihr Niveau herunter zu zerren versuchen.

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Besonders schön hat das Stefan George dargestellt (Martin Sellner und ich können das Gedicht auswendig):
Larven aus faulenden hirnen gekrochen
Sind nun ins leben hereingebrochen

Breiten sich dreist über alle gassen:
›Das reich ist unser: wir kommen in massen.

Der geht noch aufrecht – reisset ihn um
Der hat noch ein antlitz – zerret es krumm!

Der schreitet noch – er schleiche und hinke
Der schaut noch – macht dass er schiele und zwinke!

Kein arm: wir brauchen nur taster und greifer
Kein blut: wir brauchen nur gallert und geifer.

Hinweg mit seelen mit höhen und himmeln
Wir brauchen nur staub: wir die kriechen und wimmeln.‹

Etwa solche Bilder tauchen auf, wenn man als Rechter das Wörtchen "Gleichheit" hört. Das mag einem übertrieben erscheinen, jedenfalls sollte sich spätestens seit Nietzsche herumgesprochen haben, daß sich auch hinter der Forderung nach Gleichheit ein Macht-, Kontroll-, Ausbeutungs-, Herrschaftswille größeren Stils verbergen kann - und seit Orwell, daß zu böser Letzt doch immer manche Tiere gleicher sind als andere.

Gewiß gibt es auch, apropos Nietzsche, innerhalb der rechten Denkfamilie Strömungen, wie sie etwa in den Faschismus gemündet sind, die die Macht als Macht verherrlichen, wobei wohl einiges davon auch eine Reaktion auf die Heucheleien der Linken gewesen sein mag, die ihren Willen zur Macht besser zu tarnen versteht. Und dann gibt es noch Dostojewskijs Großinquisitor, Joseph de Maistre oder Dr. Zaius aus dem alten "Planet der Affen"-Film, die sich alle darin einig sind, daß es dem Glück der Menschen dient, wenn sie in Unfreiheit und Unwissenheit und unter einer elastischen autoritären Kontrolle gehalten werden, wofür sie äußerst gewichtige und beunruhigende Argumente ins Feld zu führen wissen.

Ähnlich gelagert wie die Diskussion um die Freiheit ist jene um die "Homogenität", die nicht minder mißverstanden wird wie die "Ungleichheit". Hier zeigt sich die kuriose Tatsache, daß Linke die "Gleichheit" preisen, die "Homogenität" allerdings abhorreszieren, obwohl beide Begriffe eng miteinander verwandt sind, wenn nicht gar im Kern synonym. Bei Rechten ist es genau umgekehrt: "Gleichheit" ist schlecht, "Homogenität" gut, meistens als ethnisch-kulturelle Homogenität verstanden (dies widerspricht nicht dem bisher Gesagten, sondern bestätigt es vielmehr).

Auch die "Homogenität" ist - als Form der "Gleichheit" - ein relativer, in Relation stehender, in Schichtungen und Gradabstufungen wirksamer Begriff. Wenn wir Rechte etwa von "ethno-kultureller Homogenität" sprechen, dann meinen wir nicht ein "rassereines" Volk oder einen Staat, in dem alle gleich denken und gleich aussehen und auf die gleiche Weise "deutsch" sind wie jeder andere. Das wäre natürlich absurd.

Das "Homogene" ist wie im Fußballverein oder sonst einer Gruppierung all dies, was durchaus heterogene Gruppen zu einer Einheit, zu einer Interessens- und "Schicksalsgemeinschaft" zusammenfaßt, und dies können Momente geographischer, kultureller, religiöser, sprachlicher, rassischer/ethnischer Natur sein. Vorausgesetzt, daß für diese Gemeinsamkeiten auch ein starkes und emotional tiefreichendes Bewußtsein vorhanden ist, das eine gemeinsame Identität und eine übergreifende Solidarität erzeugt, die den Wettbewerb und die Ungleichheiten im Inneren abfedert und ausgleicht.

Auch das kann immer nur ein relativer, sich in stetiger dynamischer Bewegung befindlicher Zustand sein. Die heterogenen Momente unter dem homogenen Dach haben immer wieder die Tendenz, die erlangte relative Homogenität zu sprengen, und wieder neue, eigene Einheiten zu bilden. Darum bezeichnete der französische Philosoph Raymond Aron - auch er ein bedeutender Kopf des rechten Spektrums - den kulturell homogenen Nationalstaat als das "politische Meisterwerk" par excellence, mitunter als ein Gebilde, das sich keineswegs von selbst versteht, das einer Anstrengung und einer Willensleistung bedarf, das aber, wenn es gelingt, eine überaus stabilisierende Wirkung entfalten kann. In der Tat ist der im 19. Jahrhundert begründete Nationalstaat in Europa immer noch die gängige politische Einheit; die Nationen (also die Völker und ihre historischen Narrative) die ihm zugrunde liegen, sind freilich viel älter.

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Die Einheit in der Vielheit (benutzen wir nicht das orwellianisch kontaminierte Wort "Vielfalt"), die Balance von Gleichheit und Ungleichheit - das ist in der Tat eine Frage der politischen Meisterschaft, und gelingt selten genug. Blaise Pascal bemerkte in den Pensées:
Die Vielheit, die sich nicht zur Einheit zusammenschließt, ist Verwirrung, die Einheit, die nicht von der Vielheit abhängig ist, ist Tyrannis.

Inwiefern ein solcher von Aron gepriesener Nationalstaat auch "ethnisch homogen" sein muß, um zu funktionieren und stabil zu bleiben, ist auch im rechten bzw. konservativen Spektrum ein Streitpunkt. (Übrigens, freundlichen Gruß an Herrn Lichtschlag, ein ethno-kulturell weitgehend homogener Staat ist immer auch ein Staat mit weniger Staat und weniger Polizei, wogegen "diversity" und Multikulturalismus aufgrund der darin enttstehenden Konflikte den Staat, insbesondere den Überwachungs- und Gesinnnungsstaat, erheblich anwachsen lassen, wie wir ja momentan deutlich beobachten können. Darum fände ich es logisch und in ihrem eigenen Interesse, wenn auch Libertäre die ethnisch homogene Nation unterstützen würden. Millionen von eingewanderten Hispanics in den USA stimmen nicht für Trump oder Ron Paul selig, sondern für Obama und Sozialstaatalimentierung.)

Auch bezüglich der "ethnischen Homogenität" gibt es, wie gesagt, eine Menge Mißverständnisse. Ich kann das Thema an dieser Stelle wieder nur skizzieren, und zitiere darum mich selber aus meinem Büchlein "Die Verteidigung des Eigenen":
Der Konservative weiß um die historischen, biologischen und räumlichen Faktoren, die das Entstehen und den Erhalt von »Mannigfaltigkeit« überhaupt erst bedingen. Und er weiß auch, daß es keineswegs der Zufuhr fremder Ethnien oder Religionen bedarf, um eine Nation oder ein Volk »vielfältig« zu machen. Die Behauptung, ethnische Homogenität und »Vielfalt« würden einander ausschließen, ist blanker Unsinn, es sei denn man reduziert den Begriff unzulässig aufs Ethnisch-Rassische, wie es gerade die Antirassisten ständig tun. In einer einzigen größeren Familie kann eine erhebliche »Vielfalt« an Charakteren, physischen Konstitutionen, sozialen Konstellationen und Herkunftsunterschieden aufeinanderprallen. Nicht anders ist es mit einer ganzen Nation, die unter ihrem Dach eine große Zahl komplexer Strukturen versammeln kann. Dies haben nun ausgerechnet die Deutschen vergessen, deren komplizierte Nation, »von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt«, immer schon ausreichend »multikulturell« war und einen ungeheuren und nicht immer unproblematischen Reichtum an physiognomischen Typen, Temperamenten, Mundarten, Mentalitäten, Landschaften und historischen Kontinuitäten umfaßte.

Armin Mohler schilderte in seinem Buch Der "Nasenring" wie überrascht er während seines Aufenthalts in Deutschland im Jahre 1942 über dessen »eigenartige und wohl auch einzigartige Vielfalt« war: »Das Volk, das sich in den Augen des Auslandes, von Freund und Feind, als Phalanx von Gleichgerichteten mit einheitlichem Willen ausnahm, erwies sich bei näherem Zusehen als ein verwirrendes Geflecht von Eigenheiten, Besonderheiten und Verschiedenheiten.« Diese Beobachtung verband er mit einer seiner typischen Provokationen: »Und doch hielt es zusammen und war imstande, einen Krieg – und was für einen! – zu führen!«, und dies in einem einzigen Jahrhundert gar zweimal. Er kommt zu einem Schluß, der ironischerweise an den »diversity is strength«-Slogan der amerikanischen Multikulturalisten erinnert: »Vielleicht war es gerade die labyrinthische Vielfalt Deutschlands, die den Deutschen eine solche Leistung ermöglichte; durch ein so gewachsenes Gehäuse fegt ein Sturm nie ganz durch; die Abschottungen schaffen Freiräume (›Nischen‹ im Sinne Gehlens), aus denen immer neue Kraft gewonnen werden kann.«

Die Linken und Linksliberalen können die »Vielfalt« dagegen nur ortlos und schematisch denken. Sie ist für sie nur insofern interessant, als sie als »Ferment der Zersetzung« gegen die »Mehrheitsgesellschaft« einsetzbar ist. Das führt dazu, daß am Ende doch wieder der typisch linke Haß auf jedes Anderswo und Anderswie zum Vorschein kommt. Alles muß »bunt« gemischt sein, und wehe jedem gleich dem Gallierdorf des Asterix verteidigten Flecken, der es noch wagt, sich den Zwangssegnungen der »Diversity« zu verweigern. Die »Diversen«, die die »Buntheit« bringen sollen, die uns nie gefehlt hat, werden dabei stets aus denselben außereuropäischen Reservoirs geschöpft, die überbersten von
»ethnisch homogenen« Menschenmassen. In Europa angekommen, verharren sie in der Segregation, bilden raumgreifende Kontingente, die die Städte afrikanisieren, orientalisieren, asiatisieren und einander angleichen. Damit wird uns auch die Freude am Exotischen und Fremden zerstört, wenn dieses unseren Alltag besetzt und vor unserer Haustür regiert.


Zuletzt, mit all dem Vorangehenden im Hinterkopf: Paul Simon zitiert in seinem Artikel Kubitschek aus "Tristesse Droite":
Wir leben indes in einer Zeit, in der jedes Schicksal abgefedert, jeder Lebensirrtum ausgebügelt, der Schrott jedes Experiments weggeräumt wird – wo sollte da eine konservative Handlungslehre herkommen, die tiefer reichte und tiefer wirkte als irgendein Lack?

Der Kern dieser Aussage ist doch folgender. Eine "konservative Handlungslehre" sagt: bedenke die Voraussetzungen der Grundlagen deines Seins und die Folgen deines Tuns, verschleudere sie nicht in Experimenten und voreiligen utopischen Räuschen, zumal, wenn dies auch andere, gar eine ganze Gesellschaft affiziert. Derlei muß man sich leisten können, und wir leben in einer Gesellschaft, die nicht nur in diesem Punkt über ihre Verhältnisse lebt.

Simon kommentiert bzw. interpretiert dies so:
Kubitschek macht sehr deutlich, warum er gerade für schwächere Menschen härtere Lebensumstände für begrüßenswert hält: Nur eine unabgefederte, unsichere, härtere Existenz könne sie zu einer würdigen Lebensführung verleiten – die Abfederung von Druck führt zu Dekadenz. (...)

Die praktische politische Dimension dieses Gedankens, nämlich seine Anschlussfähigkeit für ein Bürgertum, das sich größere Kontrolle und weniger (staatlich erzwungene) Solidarität mit den Schwächeren und Anderen wünscht, wird von Nassehi übersehen, der Kubitschek vor allem mit den Begriffen Homogenität und Komplexität zu greifen versucht. Aber um gesellschaftliche Homogenität allein geht es den Rechten nicht. Die Vorstellung unauflöslich fremder, ja prinzipiell feindlicher kultureller Identitäten ist vielmehr Bedingung des Gedankens der Ungleichheit, und dieser wiederum ist der notwendige, grundlegende Schritt zur Schärfung von Hierarchien.

Rechten geht es um den Angriff auf die Freiheit der Vielen, zugunsten der Freiheit und der Macht der Wenigen.

Ich protestiere und bleibe dabei, daß dies eine ungedeckte Unterstellung ist, der ein falscher Freiheits-, ein falscher Gleichheits-, und ein falscher Machtbegriff zugrunde liegen. Hierarchie, Autorität und Ungleichheit sind keine Selbstzwecke, die dazu dienen sollen, Macht- und Kontrollgelüste zu befriedigen oder selbstherrliche Klassenprivilegien zu installieren und zu rechtfertigen. Das wäre in der Tat ein Mißbrauch, und so ist es nicht gemeint.

Es ist auch nirgendwo die Rede davon, daß Kubitschek "gerade für schwächere Menschen" härtere Lebensumstände für "begrüßenswert" hält. Wo steht das? Nirgends. Der Akzent ist ganz woanders, und er hat in der Tat mit der Dekadenz zu tun, mit all jenen Dingen, die man sich auf Kosten von Beständen leistet, die eben dadurch aufgebraucht werden, weil sich mit zunehmender Gewöhnung niemand mehr Gedanken über ihre Voraussetzungen macht.

Die Frage nach ist nicht, wie man Mittel finden kann, "Schwächere" zu beherrschen oder gar auf der Strecke bleiben zu lassen oder Hierarchien um ihrer selbst willen zu verschärfen. Nein, es handelt sich vielmehr um das eigentliche und tiefste Anliegen der "Ungleichheit": die Frage nach der Qualität vor der Quantität. Die egalitäre, (wie Gehlen sagen würde)"eudämonistische", die Menschen in einen therapeutischen Wohlfahrtsstaat einbettende Gesellschaft ist ein Feind der Qualitäten, denn diese erzeugen Agon, Wettbewerb,Ungleichheit, Dinge, die sie, müde geworden, befrieden und pensionieren will.

Aber eine Gesellschaft, die aufhört, den Menschen zu fordern und ein bißchen mehr aus ihm herauszuholen, als er braucht, um zum wahlzettelausfüllenden Konsumenten zu werden, beraubt sich ihrer eigenen Vitalität und Schaffenskraft, "schafft sich ab", um Simons bête noire Sarrazin zu zitieren. Diese Tendenzen sind unverkennbar, und besonders fatal wirkt sich aus, daß die Erziehungs- und Bildungsstandards an den Schulen immer weiter gesenkt werden. Pointiert gesagt: was die Rechten und Konservativen hier befürchten und kritisieren, ist der Abstieg in eine - frei nach der gleichnamigen Filmsatire - "Idiocracy" amerikanischen Zuschnitts.

Oder, um ein ernsthafteres Beispiel zu nennen: in die von "letzten Menschen" bevölkerte "Brave New World" Huxleys, der bereits 1932 alles gesagt und gesehen hat. Das ist eine Aussicht, die freilich neben der anderen, inzwischen viel wahrscheinlicher gewordenen Möglichkeit, wie die Geschichte endet, verblasst: ich meine den Abstieg von der Dekadenz in die Barbarei, in die "kommende Revolte", den "kommenden Aufstand", den "Selbstmord des Abendlandes", den "Selbstmord des Systems", den "Großen Austausch" und so weiter und so fort.

Simon zitiert ein weiteres, längeres Stück von Kubitschek aus "Tristesse Droite":
Heute kann alles abgefedert werden. Jeder Schicksalsschlag, jede falsche Entscheidung im Leben kann abgefedert werden dadurch, daß man unendliche Mengen Kompensationsmaterie nachkippen kann – zum Beispiel, um eine völlig verranzte Erziehung zu kompensieren. Das sieht man hier an den Schulen überall. Man erzieht die Leute nicht mehr, sondern man kompensiert, wenn sie verzogen rumstehen und noch nicht mal eine simple Lehre absolvieren können. Die werden mitgeschleppt auf Teufel komm raus, die hungern und frieren nicht, die spüren von klein auf: Es geht immer ziemlich komfortabel weiter. Es wird immer alles kompensiert. Da hat dann der konservative Begriff vom Leben, unser Begriff vom Leben, überhaupt keine Chance mehr. Überhaupt in die Tiefe vorstoßen zu können ist ja nurmehr ein frommer Wunsch. Die Aushebelung des Schicksals, die Aushebelung der falschen Entscheidung hat das Konservative an sich zerstört. Also die Hierarchie, die Würdigung der besseren Leistung, die Würdigung der besseren Erziehung, die Würdigung der Anstrengungsbereitschaft, die Würdigung dessen, der Schmerz aushalten, der sich zusammenreißen kann, das ist ja alles passé. Sich nicht zu verkrümeln, wenn’s drauf ankommt – das spielt keine Rolle mehr. All das, was ein Konservativer unterschreiben kann als notwendiges Sortierungskriterium innerhalb einer Gesellschaft – wenn das alles ausgehebelt ist, dann haben wir, mit unserer Weltanschauung, überhaupt keine Chance mehr. Das Schlimmste, was uns geschehen kann, ist das energetische perpetuum mobile, also daß es mit den materiellen Kompensationsmöglichkeiten immer weiter geht.

Simon zoomt nun in diesen Text hinein, pickt sich ein Wörtchen heraus, isoliert es, friert es ein, beraubt es seines Sinns im Ganzen und sieht ein weiteres Mal einen sinistren Selbstzweck am Werk:
“Sortierungskriterium” – darum geht es.

Ich passe! Für dieses Mal.

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (76)

Sternenfrau
05. Februar 2016 07:39
Lieber M.L.

Ich habe einen großen Wunsch:

Ich wünsche mir alle Lichtmesz Artikel gesammelt in einem schönen Buch.

Das wäre wahrscheinlich der Bestseller von Antaios.

Es ist immer wieder ein Genuss, solch` klare, kluge und pointierte Abhandlungen zu lesen.

Dankeschön !
Schopi
05. Februar 2016 09:15
Hervorragender Artikel, danke Herr Lichtmesz, auch Anregung und Inspiration jenseits von "links" oder "rechts" - wenn man es zulässt und ideologische Scheuklappen absetzt.

...ein ethno-kulturell weitgehend homogener Staat ist immer auch ein Staat mit weniger Staat und weniger Polizei, wogegen „diversity“ und Multikulturalismus aufgrund der darin enttstehenden Konflikte den Staat, insbesondere den Überwachungs- und Gesinnnungsstaat, erheblich anwachsen lassen...


das stimmt natürlich, aber wo bleiben hier Gestapo und Stasi, die in ethno kulturell homogenen Staaten ihr Unwesen treiben konnten?

M.L.: Klar. Das sind Sonderfälle, die man genauer betrachten müßte. Eine "ethno-kulturelle" Homogenität allein genügt nicht, um Freiheit und Stabilität zu gewähren. In den genannten Beispielen war der Aufwand von Staat und Polizei vor allem dazu nötig, um eine totalitäre Ideologie durchzusetzen, die offenbar weder im Ethnos noch in der Kultur ausreichend verankert war.
Monika
05. Februar 2016 09:16
Ôte-toi de la, que je m'y mette !
(Hebe dich weg, damit ich deine Stelle einnehme!)

Saint Simon

https://m.youtube.com/watch?v=7aYZ-SMZzTY

"Das ist immer und überall die wahre Parole, welche hinter dem Feldgeschrei "Gleichheit" steckt, mit dem Diejenigen, die herrschen wollen, anstürmen gegen Diejenigen, die herrschen."

Hugo Preuss

@Sternenfrau
Diesen Wunsch hätte ich auch, gerade auch, wenn es zu einem Salongespräch mit der Bohème kommt.
Bonjour tristesse....
Benedikt Kaiser
05. Februar 2016 09:20
@Sternenfrau:
Es ist ja nicht so, daß es Ähnliches nicht geben würde:
+ Die Verteidigung des Eigenen
+ Ich bin nicht Charlie. Meinungsfreiheit nach dem Terror
Und dann das Tagesgeschäft wesentlich sprengende:
+ Kann nur ein Gott uns retten?
Alle Titel sind übrigens sofort lieferbar.
Falkenflug
05. Februar 2016 09:39
Im Lichte dieses Zusammenspiels von Homogenität und Heterogenität liest sich die Definition von Volk etwas anders als üblich:
Ein Volk ist jene Zusammenkunft an verschiedenen Charaktertypen, welche über eine ausreichende Balance an Ähnlichkeit und Verschiedenheit verfügt.
Erstere wird benötig, um den Zusammenhalt zu sichern, letztere um überhaupt eine effektive Gesellschaft aufbauen zu können (man denke hier mal daran, wie ein rein aus Akademikern bestehendes Volk wohl ausschauen würde).
Mit dieser Definition hat man sogleich der für jedermann sichtbaren Unterschiedlichkeit innerhalb des eigenen Volkes Rechnung getragen, als auch jene Zuckung des Gleichheitswahns, welche sich ideengeschichtlich im Nationalismus entlud (Hyper-Homogenität nach Innen) überwunden.

Die Ablehnung weiterer "Diversifikation" ließe sich ebenfalls damit begründen, mit der Klarstellung, man befinde sich ja bereits was die Vieltfalt der Charaktertypen angeht in einem Optimumsbereich.
Winston Smith 78699
05. Februar 2016 09:47
Was sich in diesem (so langsam sich erfreulich vertiefenden) Diskurs inhaltlich zwar unweigerlich aufdrängt, birgt auch einschlägige Gefahren. Herr Lichtmesz wird wissen, dass er sich mit folgenden Termini die philosophischen Fachschwätzerfliegen anzieht und sich wappnen, indem er auf seine Begriffe gut aufpaßt: Qualität und Quantität, Ordnung und Unordnung, Gleichheit und Ungleichheit, Komplexität ... Manege frei! Wenn er einen Crashkurs als Fliegendompteur möchte, ziehe er sich schnell noch naive Mengenlehre für Kinder rein (kennt er als 76er Jahrgang vielleicht noch aus der Grundschule) und von Aristoteles die Anleitung zur Widerlegung von Fehlschlüssen und Sprachmüll, das genügt erstmal für's gewöhnliche Geschmeiß. Aber lästig kann das jetzt allemal werden.
Ein gebürtiger Hesse
05. Februar 2016 10:39
Zum letzten Absatz: Wer wie der "Bohémien" aus dem Kubitschek-Zitat nur ein einziges Wort herausschneidet und inkriminiert, bei dem kann man wirklich nur noch "passen". Bei dem ist bereits als Leser Hopfen und Malz verloren. Denn er ist offenbar so unempfänglich für die Art und Weise, WIE da gesprochen wird, er sieht, hört, spürt so derart nicht die romantische Grundierung der Worte, vermag so wenig ihr natürliches Pathos in sein Gemüt dringen zu lassen, daß ... ja, am Ende tatsächlich nur ein paar Begriffe übrig bleiben oder, bei weiterer Dekonstruktion, nurmehr Buchstaben.
Monika
05. Februar 2016 10:40
Das Schlimmste, was uns geschehen kann, ist das energetische perpetuum mobile, also daß es mit den materiellen Kompensationsmöglichkeiten immer weiter geht.


Es wird mit den materiellen Kompensationsmöglichkeiten nicht endlos weitergehen. Und selbst wenn es noch eine Weile weitergeht, zeigt sich jetzt schon die ganze Härte und Unmenschlichkeit dieses kompensatorischen linken Menschenbildes , wenn auch in der Form : Killing me softly

Ein Mensch wird nur betrachtet unter dem Aspekt seiner Verwertbarkeit:
1. seiner unmittelbaren als Arbeitskraft
2. seiner mittelbaren als Mängelwesen: traumatisiert, behindert, ausgegrenzt, an denen sich ein Heer von Pädagogen, Psychologen abarbeitet...
Nur: als Mensch wird er nicht behandelt.

https://m.youtube.com/watch?v=MiHjeFbTc7w

In einem Themenabend auf arte über die "Flüchtlingskrise" wurden Migranten gefragt, warum sie nach Deutschland wollen. Die meisten hatten dieses kompensatorische Menschenbild samt seiner Ausreden schon verinnerlicht: uns wird schon irgendwie geholfen, da ist alles organisiert, wir sind traumatisiert, etc.
man begibt sich freiwillig in eine Heim- und Betreuungssituation, eine Abhängigkeit...
Friedhelm
05. Februar 2016 10:50
nicht mal eine simple Lehre absolvieren können


Das ist ja ein Resultat des Sozialstaates: Menschen, die früher ausgesiebt worden wären, die sich nicht hätten fortpflanzen können, bekommen nun Kinder. Aber von Eugenik will man ja auch hier nichts hören. Auch die (außereuropäischen) Einwanderer sind zu mehr als 90% Menschen, die sich eigentlich nicht fortpflanzen dürften, jedenfalls nicht auf Kosten des Steuerzahlers. Daher hat Sarrazin vollkommen recht: mehr Kinder von den Klugen, bevor es zu spät ist! (Und weniger von den Dummen und Unbegabten -- und erst recht den Ausländern.)

@Falkenflug

(man denke hier mal daran, wie ein rein aus Akademikern bestehendes Volk wohl ausschauen würde).


Ja, wie würde es aussehen? Ziemlich gut, wenn ausreichend MINTler dabei sind. Die würden nämlich die Robotik vorantreiben und die Produktion komplett automatisieren: wie die Japaner das ja vorhaben (die Japaner sind führend in der Robotik). Daher wird Japan wahrscheinlich auch recht gut die Krise überstehen, da es aufgrund seiner Homogenität weniger Konflikte und mehr Solidarität geben dürfte. Man denke nur daran, wie emsig die Japaner nach Fukushima aufgeräumt haben. Das ist top!

An den Nordostasiaten sollte man sich, wenn überhaupt, orientieren, nicht an den Moslems, die doch bloß faul und bildungsfeindlich sind, die nichts auf die Reihe kriegen. Nicht einmal die Geburtenrate stimmt bei denen, da auch diese dysgenisch ist.

Daher meide ich Klonovsky, da er Spinnern wie dem schlechten Spengler-Imitator ("Letzter Germane ein Moslem") eine Plattform bietet. Klonovsky hat den Text ja nur veröffentlicht, weil er als Goethe-Bewunderer glaubt, dem Orient irgendetwas abgewinnen zu müßen. Das ist Quatsch, da Goethe heute sicherlich einen Ekel vor der moslemischen Welt hätte. (Davon ab war Goethe ja Spinozist, und hat eher die orientalischen Dichter als den Koran geschätzt.)

Hier trifft die Beobachtung von Herrn Lichtmesz zu: je näher das Fremde rückt, desto weniger zieht es einen an.
Westpreuße
05. Februar 2016 10:58
Herr Lichtmesz,

und letzten Endes umkreisen wir hier, Leser, Kommentatoren, weitere Interessierte, ... Aha - Effekt - Leser; oder aber fassungslos Erstaunte,
was hier verhandelt wird, ob wir es wollen oder nicht, den Berg, der da Deutschland heißt...
Meinetwegen den Brocken, schrieb Heinrich Heine nicht, daß er "ein Deutscher" sei...?!

Und das Gesehene wird immer wieder neu und anders geschaut und interpretiert. Je nachdem, wo der Betrachter sich befindet. Ab Fuße des Berges, von Norden, Süden, Osten oder Westen blickend. Halbwegs der Höhe zustrebend, den Gipfel im Blick, oder aber von ihm weit ins Land blickend...

Und dann entstehen in den Hirnwindungen und im Herzen so "merkwürdige" Sichtweisen wie...

"WIE KÖNNT ICH DEIN VERGESSEN", auf Hoffmann von Fallerslebens Grabstele auf dem Friedhof von Schloß Corvey bei Höxter...
Ein Gedicht von ihm, auf Deutschland bezogen...
...und...
"Deutschland du mieses Stück Scheiße"..., in Hannover (?), und die Grabschaufler - Kader, schamlos, aber fürstlich bezahlt von uns Steuerzahlern, liefen hinter dem schwarzen Pack her...

http://altmod.de/?page_id=2007
Gerd-Klaus Kaltenbrunner: Was ist deutsch?
Die Unvermeidlichkeit, eine Nation zu sein

Anmerkungen nebenbei:
--Mathias Brodkorb, so erzählte mir ein Besucher, ist intensivst damit beschäftigt, den Kulturetat in Mecklenburg-Vorpommern zusammen zu streichen. Thorsten Hinz von der JF schrieb da vor einiger Zeit etwas drüber...
--Herr Lichtmesz, beim Lesen Ihres Artikels, eigentlich ein Essay, kam ich wundersam durch Ihre Verlinkungen auf das OSTHEIM in Bad Pyrmont. Sie haben da mal etwas drüber geschrieben. Das Ostheim steht wohl zum Verkauf. Die Landsmannschaft Ostpreußen hat es aufgegeben...

M.L.: Habe ich? Weiß ich nimmer...

--@ Winston Smith 78699
Ich empfehle: Arthur Schopenhauer: Die Kunst, recht zu behalten
Für ein paar Märker neu oder antiquarisch zu erhalten. Zeitlos gültig trotz altertümlicher Sprache. Bitte eine Ausgabe wählen, in der die lateinischen und griechischen Hinweise, Zitate...übersetzt sind. Unbedingt lesenswert...
--Ach, ich bin heute so unwirsch. Der erwähnte Besuch erzählte mir, daß das Kindergeld in D. ab Januar um 2 (zwei) Euro erhöht worden sei.
Kann das sein? Um soviel...?! Toll...
: Patriotische Grüße aus Posen, Bromberg und Thorn an der Weichsel
Exmeyer
05. Februar 2016 10:58
Wenn man den einen oder anderen Gedanken scharf zu formulieren hätte, so müßte man Herrn Lichtmesz doch widersprechen. So zum Beispiel bei dem Protest gegen diesen Satz: "Rechten geht es um den Angriff auf die Freiheit der Vielen, zugunsten der Freiheit und der Macht der Wenigen." Wem es nicht im Wesentlichen darum geht, ist nicht rechts.

M.L.: In einem gewissen Sinne ja. Ich bestreite allerdings, daß dies die Kernaussage des Kubitschek-Zitats sei.

Ein oben erwähntes Schlagwort, das es ebenfalls auf den Punkt bringt: Ebenbürtigkeit. Ähnlichkeit/Homogenität ist als ein Symptom für den primären Grund der Ebenbürtigkeit zweitrangig.

Kaste/Rang/Stand/Adel sind rechte Begriffe, genauso wie Nation. Eine Nation wird zum linken Begriff, wenn sie inkludierend nach Innen die Abschaffung der Kasten fordert.

Jedes aus Menschen errichtete Gebäude hält zusammen durch das Zusammenwirken von Zug und Druck: Vertrauen und Angst.
Exmeyer
05. Februar 2016 11:05
Zu Spinoza: Dieser hat das Fahrrad auseinander geschraubt. Nur zusammen bekommt er es nicht mehr. Das könnte man Nietzsche auch unterstellen; aber nur, wenn man seine Andeutungen zum Zusammenschrauben übersehen hat. Aber dieses Zusammenschrauben habe ich bei ihm selbst allerdings nicht gefunden. Bin aber auch nur Laie.

Jede Dienststelle nimmt diesbezügliche Hinweise entgegen.
Exmeyer
05. Februar 2016 11:24
PS zu Spinoza: Ich meine das Zusammenschrauben des Fahrrades, nicht das Zusammenschrauben der Idee eines Fahrrades. Das machen beide, Spinoza und Nietzsche. Nur fährt dieses ideale Fahrrad nicht.

Dumm nur, daß alle realen Fahrräder völlig verrostet sind.
Westpreuße
05. Februar 2016 11:27
Herr Lichtmesz, Kommando zurück. Tut mir leid.
Ein Artikel von Herrn Lehnert...
Nur zur Richtigstellung, bin ja jetzt fernab von Ihrem Thema...

http://www.sezession.de/38750/in-eigener-sache-landsmannschaft-ostpreusen-versus-institut-fur-staatspolitik.html
: Grüße von der Weichsel
Winston Smith 78699
05. Februar 2016 11:34
@ Westpreuße
Ich empfehle: Arthur Schopenhauer: Die Kunst, recht zu behalten ...

Klar, es gäbe noch sehr viel mehr. Ich wollte den Cineasten nur kurz auf das stoßen, was ihm von seiner Richtung her vielleicht am wenigsten vertraut ist. Übrigens denke ich, dass er Eristik (fiese Streitkunst) gar keine nötig hat (außer Sie meinen, um sich auf das einzustellen, was da kommen könnte). Metaphysisch sind ja m.E. keine größeren Fehler im Text. Natürlich kann man grundsätzlich überall herumkritteln oder sich additiv gescheit ergießen, aber unter größter Mühe der Selbstbeherrschung verkneife ich mir gerade alles, was andere erst noch aufstacheln könnte. Es ist schwer, glauben Sie mir's.

M.L.: Nur zu!
Monika
05. Februar 2016 11:44
Bis heute wollen uns Leute wie Lamya Kaddor und Ayman Mazyek weismachen, das abartige Sexualverhalten bestimmter muslimischer Männer habe nichts mit dem Sittenkodex ihrer Religion, sondern mit ihrer traurigen Situation in unserem Land zu tun.


Monika Maron, FAZ 14.1.16

Sortierung ! Das klingt übel: Selektion, Rampe , abartig

Sekundiert !

Es wird immer und überall sortiert. Die entscheidende Frage ist:
Wer sortiert und nach welchen Kriterien wird sortiert:

1. links-grüne Sortierung:

http://www.sueddeutsche.de/bayern/fluechtlinge-in-nuernberg-eroeffnet-eine-asylunterkunft-fuer-homosexuelle-1.2833979

2. christliche Sortierung:

http://www.kath.net/news/53814

3. Gutbürgerlich, schwäbische Sortierung:
http://asylterror.com/2016/01/21/behoerden-eroeffnen-nahe-stuttgart-erste-unterkunft-fuer-kriminelle-fluechtlinge-stuttgart/


Wo nicht sortiert wird, muß zur " Integration gezwungen werden"
( Stanislaw Tillich)
Für den Leiter des Stuttgarter Sozialamtes ,Stefan Spatz, sind die Flüchtlingsunterkünfte gar "so etwas wie die Vereinten Nationen in klein.die Leute müssen spätestens hier lernen, miteinander klarzukommen."
Weshalb Herr Spatz Sortierungen ablehnt.
Da bleibt nur ein:
Wir integrieren uns zu Tode !

Umerziehungslager für Leute mit abartigem Sexualverhalten ?
Das will keiner.

Nicht mal der missverstandene Herr Kubitschek.
Realist
05. Februar 2016 12:27
Das Schlimmste, was uns geschehen kann, ist das energetische perpetuum mobile, also daß es mit den materiellen Kompensationsmöglichkeiten immer weiter geht.


Seien wir also Angela Merkel dankbar, daß sie das Akku so rasant leersaugt.

Noch gibt es hoffentlich genug, denen
die Würdigung der besseren Leistung, die Würdigung der besseren Erziehung, die Würdigung der Anstrengungsbereitschaft, die Würdigung dessen, der Schmerz aushalten, der sich zusammenreißen kann, das ist ja alles passé. Sich nicht zu verkrümeln, wenn’s drauf ankommt
etwas bedeutet, die den Sinn, die Notwendigkeit der Hingabe begreifen.

In 20 oder 30 Jahren sähe das womöglich anders aus.
Heinrich Brück
05. Februar 2016 12:29
Die Kompensationsmöglichkeiten sind über das Gelddrucken gegeben. Diese Leute werden nicht nachgeben.
Angst macht denen nur die Einigkeit im deutschen Volk; so es zusammenstehen würde, und das Sortierungskriterium Großer Austausch zurückgeworfen werden könnte. - Es gibt nur noch eine richtige Seite.
Einigkeit ist Stärke.
Falkenflug
05. Februar 2016 12:30
@Friedhelm

Ein derartiges Volk wäre politisch noch weiter links als die Bewohner einer westdeutschen Universitätsstadt.

Die MINTler sind zumeist vom Konkreten sehr weit abgehobene Individualisten ("Nerds"). Sie beherrschen ein Gebiet in ihrer jeweiligen Fachrichtung, sind jedoch in der Regel blinder als blind was gesellschaftliche Belange angeht.
Somit würden beispielsweise jene Robotik-Spezialisten mit ihren Kenntnissen letztlich internationalen Konzernen und somit der VSA-Oligarchie dienen - womit sie jenes System, welches den Großen Austausch voran bringt faktisch massiv stützen würden.

Es ist kein Zufall, dass jene vormodernen Kulturen indo-europäischer Prägung über ein dreiteiliges Ständesystem verfügten.

Technischen Spezialisten (damals wohl vorallem Schmiede) gehörten dabei zum dritten, dem produzierenden Stand.

Wenn man sich die Geschichte des Abendlandes vor Augen führt, könnte der Eindruck entstehen, dass gewissen Kräften sehr daran lag, eben jene uralte Stände-Struktur zu beseitigen.
Realist
05. Februar 2016 12:36
Übrigens ein Text, der durch seine Klarheit und Logik eigentlich geeignet sein sollte, jeden halbwegs gebildeten Menschen ins rechte Lager wechseln zu lassen.

Wenn derartiges wirkungslos abprallt, wundere ich mich nicht mehr über meine eigene Unfähigkeit, mit meinen begrenzten sprachlichen Mitteln zum Durschnittslinken durchzudringen.

Wahrscheinlich sollte ich in Zukunft mehr schweigen, und, wie hier im Kommentarbereich schon des öfteren angeregt, das eigene Sein und Handeln seine Strahlkraft ohne störendes Rauschen entfalten lassen.
Gustav
05. Februar 2016 12:47
Linke nehmen halt wie selbstverständlich an, die gute und richtige Seite zu repräsentieren. Das liegt vielfach an der verdrängten und verschönten Geschichte ihres wiederholten historischen Scheiterns. Unterstützt wurden sie dabei immer von der umfänglichen Macht ihrer Unterstützer in der Finanzoligarchie, die zugleich Erfinder dieser ganzen Ideologien waren. Sie haben bis heute nicht bemerkt, bzw. bemerken wollen, das sie dabei jeweils nur die "nützlichen Idioten" verkörpert haben. Das "Scheitern" war auch immer nur für die davon betroffenen Menschen die Hölle auf Erden, die wirklich Mächtigen waren jeweils einen Schritt weiter in ihren Plänen.

"Die Demokraten nach 1945 haben in ihrem antifaschistischen Eifer das Faschismusphänomen in seiner globalen Ausdehnung chronisch unterschätzt. Die Wahrheit ist, daß der Faschismus von Lissabon bis nach Shanghai reichte. Das ganze 20. Jahrhundert ist vom faschistischen Affekt, vom Enthusiasmus des Ressentiments durchzogen.
Daß sich der linke Faschismus als Kommunismus zu präsentieren beliebte, war eine Falle für Moralisten. Mao Tse-tung war nie etwas anderes als ein linksfaschistischer chinesischer Nationalist, der anfangs den Jargon der Moskauer Internationale pflegte. Gegen Maos fröhlichen Exterminismus gehalten, erscheint Hitler wie ein rachitischer Briefträger. Doch man scheut noch immer den Vergleich der Monstren.
Das massivste ideologische Manöver des Jahrhunderts bestand ja darin, daß der linke Faschismus nach 1945 den rechten lauthals anklagte, um ja als dessen Opponent zu gelten. In Wahrheit ging es immer nur um Selbstamnestie. Je mehr die Unverzeihlichkeit der Untaten von rechts exponiert wurde, desto mehr verschwanden die der Linken aus der Sichtlinie.
In dem Zusammenhang muss man die Mao-Plakate über den Köpfen der Revoltierenden von damals verstehen. Die radikale Linke hatte sich selbst die Absolution erteilt, und die Ikone Mao war ein Garant ihres Verständnisses für den guten Terror. Die Zersetzungsprodukte dieser Hyperlüge gehen uns bis heute auf die Nerven.“ (Sloterdijk)

Linke übersehen gerne, das es auch bei ihrer Ideologie nur um Macht und Herrschaft geht, der einzelne Mensch dabei überhaupt nicht zählt, die Demokratie nur die Maske der Plutokratie ist.

Bezüglich eines besseren Verständnisses hinsichtlich der Demokratie empfehle ich gerne die Lektüre von Alexis de Tocqueville, den viele von ihnen immer noch für eine Art Sozialdemokrat halten, denn "rechte" Philosophen meiden sie meist wie der Teufel das Weihwasser.

Alexis de Tocqueville: Gleichheit und allzuständige Demokratie führen, einer inneren Dynamik folgend, zu mehr Staat und weniger Freiheit. - Wir haben nur die Wahl zwischen Gleichheit in Unfreiheit oder Ungleichheit in Freiheit.

"Ich bin der Ansicht, die Art der Unterdrückung, die den demokratischen Völkern droht, wird mit nichts, was ihr in der Welt voraufging, zu vergleichen sein; ... die alten Begriffe Despotismus und Tyrannei passen nicht."

"...wir finden im menschlichen Herzen auch einen verderbten Gleichheitstrieb, der bewirkt, daß die Schwachen die Starken zu sich herunterziehen wollen und daß die Menschen die Gleichheit in der Knechtschaft der Ungleichheit in der Freiheit vorziehen."

"Während die natürlichen Neigungen der Demokratie das Volk dazu bringen, die bedeutenden Männer von der Macht auszuschließen, veranlaßt eine nicht minder starke Neigung diese Männer, sich der politischen Laufbahn fernzuhalten, in der es so schwer ist, man selbst zu bleiben und voranzukommen, ohne sich billig zu machen."

Dazu das Buch "Psychologie der Massen" von Gustav le Bon, und dann hoffen, das der ein oder andere noch die Kurve kriegt.
Nero
05. Februar 2016 13:10
Grüßgott Herr Lichtmesz,

ich mag Ihre Schreibe und kann da einiges lernen. Stilistisch wie inhaltlich.
Sie schreiben mit Niveau aber bringen es trotzdem verständlich auf den Punkt. Sie sind der Grund warum ich überhaupt zur Sezession gefunden habe. Die Übersetzung von ,,Heerlager der Heiligen'' hat mich neugierig werden lassen, wer Sie sind.
Warum haben Sie eigentlich den Teil mit der gelben Flut aus Heerlager der Heiligen entfernt? Sie haben zwar geschrieben, dass das nicht mehr relevant wäre (klar die Sowjetunion die bedroht wird gibts nicht mehr), aber mich würde schon interessieren wie groß dieser Anteil war und welche Rolle es in dem Roman spielt.

M.L.: Den habe nicht ich entfernt, sondern Jean Raspail ab der dritten Auflage. Es handelte sich um ein kurzes Kapitel von zwei, drei Seiten und ein paar Absätze, das ist auch schon alles.


Meine 5 Cent zu Ihrem Artikel:

Wenn man das Rechte auf einen Begriff bringen will, dann ist es eine merkwürdige Konstellation von Gleichheit und Ungleichheit, nämlich Gleichheit nach innen und Ungleichheit nach außen.

Diese Merkwürdige Konstellation nennt man Cluster, Herr Nassehi.
Nach innen homogen, nach außen heterogen. In einem Cluster wird das Individuum teil eines (Cluster-)Kollektivs. Das nennt man dann soziologisch gesehen Gemeinschaft und biologisch gesehen Volk. Boah ey... also das sind echt basics...
(Der ist Professor? Affirmative action sag ich da nur...)

Zu den Le Bohémien & Co:
Also erstens hat die Seite verglichen mit Sezession nur ein zehntel an Traffic. Das ist im WWW eine Welt. Achwas, zehn Welten!
Zweitens ist die Seite typisch Links (also das heutige Links i.e. libertär) und ich sehe da im Gegensatz zu Herrn Lichtmesz keine Position die
[...] zum Teil überraschend quer zum landläufigen „linksgrünen Generalkonsens“ [...]
ist.

Warum?
Es wird nur das zugegeben, was sich nicht mehr verleugnen lässt ohne sich komplett unglaubwürdig und lächerlich zu machen.

Ich habe Le Bohémien untersucht. Einige Artikel und Kommentare gelesen. Es war eine Qual.
Ein Gruselkabinett aus Sozialisten, Feministen und Deutschenfeinden.
Alleine dieser Pseudo-Artikel über die Begrenzung des Superreichtums... und die Kommentare dazu...
Unverschämterweise wird sogar die soziale Marktwirtschaft als Referenz genötigt um dann, wie sollte es anders auch sein, wieder die Gleichheit herzustellen. Und natürlich gibt es für die Linken nur die Wirtschaft, die Ökonomie... da muss die Gleichheit her, dann folgt auch der Rest.
Denn der Gesellschaftliche Überbau, also Kultur und die Menschen selbst, sind das Ergebnis der Ökonomie. Wenn die gleich ist, dann sind auch die Menschen gleich. Dem ist natürlich nicht so, aber deswegen ist Le Bohémien auch in schwarz weiß gehalten. So wenig Unterschiede wie möglich. Warum ist die Seite nicht bunt?

Fazit: Diese Leute können uns intellektuell nicht das Wasser reichen.
Sie profitieren von der institutionalisierten Links-Ausrichtung dieser Gesellschaft und dieses Staates und missverstehen das als Konsens.
Das geht jetzt aber zu Ende. Sie haben also Angst, dass Ihnen die Fälle davon schwimmen. Jetzt tut man so als wäre man an der Neuen Rechten interessiert. Vorsicht: Honey-Pot.

Der Herr Lichtmesz ist ein bunter Vogel, der fliegen muss. Also wird er sich auch im Linken Lager herumtreiben. Finde ich gut, hat was verwegenes. Aber was ist die Motivation von Leuten, die Rechte immer als Aussätzige behandelt haben?
Keine Meinung, sondern ein Verbrechen...
Die muss man ausgrenzen, isolieren...

Da möchte ich auf Le Bohémien über die Neue Rechte (I)
zurückgreifen:
Denn wer in “die rechte Ecke gestellt” wird, kann mitunter auch von rechts abgeholt werden.

Ich glaube die wollen einige von uns abholen, die diese Le Bohémien in der linken Ecke sehen.
Dieses Interesse an den Rechten ist ein plumper Abwerbeversuch.

Das zeigt uns: Wir sind auf dem richtigen Weg.
Ich will nicht unversöhnlich mit den Linken sein, nur sehe ich meine Position als die Richtige. Und wenn es eine Annäherung geben soll, dann muss die Linke Seite sich bewegen. Teilweise sind die Positionen aber fundamental unterschiedlich und unüberbrückbar. Sonst wären Linke plötzlich rechts. Ich halte es für eher wahrscheinlich, dass Linke ihre Position verlassen und zu uns überlaufen.
Le Bohémien ist so ein Anzeichen dafür, insofern ja, ein echtes Fundstück.
Rumpelstilzchen
05. Februar 2016 13:14
@Winston Smith 78699

Auch wenn es schwerfällt:
Herr Lichtmesz ist hier der gelbe Pöppel:
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Spielstein

Wir sind die blauen Pöppel, auch wenn Ihr Name anderes insinuiert .
( finde ein gutes deutsches Wort !)
Grobschlosser
05. Februar 2016 13:36
" ...und noch nicht mal eine simple Lehre absolvieren können ..." .

Moment : so einfach ist die Lehre dann doch nicht .

Eine 5-Achs NC-Werkzeugmaschine ist einigermaßen komplex und wird nicht unbedingt vom Kamelfachwirt verstanden ( auch wenn Gewerkschaften das Gegenteil behaupten ) .

Selbstverständlich hat man in der Vergangenheit immer wieder versucht bestimmte Leute an der o.g. Industrieausrüstung auszubilden - ohne Erfolg - wer jemals eine Maschinenbaumesse besucht hat wird bemerkt haben , daß sich dort weder Schwarzafrikaner , Türken , Araber oder social justice warrior aufhalten .

Dafür gibt es Gründe : Die Feinwerktechnik ist nicht beliebig - und sie führt nach wenigen Minuten zur Unterscheidung : A begreift , B begreift nicht ; C kann es nicht - wird es aber irgendwann lernen .

Die Behauptung man könne Menschen beliebiger Herkunft an hochkomplexen Maschinen ausbilden ist schlichtweg falsch - zwar wird gebetsmühlenartig das Gegenteil behauptet - aber nur von Leuten die kein eigenes Geld in die Ausbildung eines Schwarzafrikaners stecken .

Sicherlich gibt es kreative Schwarzafrikaner welche hübsche Figuren aus Holz oder Metall herstellen können - aber eben darauf kommt es in einem rohstoffarmen Industriestaat nicht an - wir definieren uns über den Maschinenbau , hier spielt die Mathematik und Physik eine entscheidende Rolle .

Wer sich mal umschaut erkennt : das Plastegehäuse des Rechners : Formenbau ; die Bestückung der Platine mit Kondensatoren : Automation ; die Herstellung einer Komponente für die Luft - und Raumfahrtindustrie : Feinwerktechnik .

Bereits vor 30 Jahren habe ich meinen damaligen Meister gefragt : " welche Rolle spielt denn hier der Ali ? Der liefert auch nach vier Jahren zuverlässig Schrott ab ( früher war man nicht pc ) . Der Meister erklärte : "die IG Metall will das so" .

alles ist eben "nur" eine Frage der Sozialisation -und man war in den 80ern bereit soziale Experimente auf dem Rücken politisch unorganisierter Facharbeiter durchzuführen . Hat nie funktioniert - die Produktion wurde teilweise verlagert ( Asien ) und teilweise eingestellt .

Soweit ich es beurteilen kann wird es weder in Afrika noch in der islamischen Welt bedeutende Fortschritte geben ( der Iran mag eine Ausnahme sein - Ausnahmen gab und gibt es immer ) .

Grundsätzlich bleiben bestimmte Techniken Europäern ( und ihren us -amerik.- japanischen Nachahmern ) vorbehalten . China kopiert , Korea kopiert - aber niemand war dort in den vergangenen 400 Jahren innovativ .
Hartwig aus LG8
05. Februar 2016 13:39
Wenn man Linke reden hört, so sehen die sich, so wie hier als Prämisse gehandelt, keineswegs an der Macht.
Das nach den kommunistischen Experimenten wohl größte linke Projekt, die Globalisierung, mit all ihren Verwerfungen, Ausbeutungen und Unterdrückungen wird unter Linken nicht als links, sondern als rechts betrachtet.
Wie, so ist zu fragen, gedeiht dieses Globalisierungsprojekt am besten dort, wo rechte Politik marginalisiert worden ist oder staatliche Ordnung seit jeher schwach ist und treibt dort seine giftigsten Blüten?
Und wieso bremst die Globalisierung in den Staaten, die im weitesten Sinne rechte Gesellschaftspolitik betreiben? Und warum gelten die als Schurkenstaaten?
Ich kann den Linken nur so viel sagen: Ihr könnt im Frankfurter Bankenviertel rund um die EZB noch so viele Scheiben zerkloppen, noch so viele Brände legen und Barrikaden bauen - oben, in der Vorstandsetage wird man auf Euch wohlwollend schauen, wie auf die, die die Grünanlage schon mal vorab zertrampeln, die man sowieso bald betonieren möchte.
Langer
05. Februar 2016 13:47
Aber eine Gesellschaft, die aufhört, den Menschen zu fordern und ein bißchen mehr aus ihm herauszuholen, als er braucht, um zum wahlzettelausfüllenden Konsumenten zu werden, beraubt sich ihrer eigenen Vitalität und Schaffenskraft, „schafft sich ab“, um Simons bête noire Sarrazin zu zitieren.


Begruessen wir also doch die Islamisierung, die diese Kraefte frisch erweckt? Dazu die Linke, damit auch der Druck innerhalb der Deutschen hoch bleibt und man sollte doch dankbar sein, oder? Woran stoert man sich?

M.L.: Rätsel über Rätsel!
bernardo
05. Februar 2016 13:56
"Heute kann alles abgefedert werden. Jeder Schicksalsschlag, jede falsche Entscheidung im Leben kann abgefedert werden"

Man fragt sich ja schon, wie ein Mitvierziger so daherreden kann. Was ein echter Schicksalsschlag ist, kann niemals durch Gelddrucken abgefdert werden. Wo Tod und Krankheit und Alter zuschlagen (und davon hat man in dem Jahrgang ja meist schon allerhand gesehen), hilft der Bankautomat nicht. Wo die Heuschrecke den Ingenieur mit Anfang 50 unwiderruflich als nutzlos auf die Straße setzt, auch nicht. Und dann: Wie ist die Tragik abzufedern, daß man seit Jahrzehnten den Untergang des eigenen Landes mitzuerleben hat?

Daher würde ich sagen: Keine Bange, es wird noch genug Gelegenheit geben, sich zusammenzureißen! Und genug Respekt für die, die das tun.
Balkanakke
05. Februar 2016 14:05
@M.L.: "Einheit in Vielheit" am Schopfe packend und das komplexe wiedersprüchlich scheinende Wechselwirken von Gleichheit/Homogenitaet und Ungleichheit/Heterogenitaet aufgreifend möchte ich in Rücksichtnahme auf gegenwaertige demographische Realitaeten auf folgendes, 2011 entstandenes Volksprojekt aufmerksam machen, und Sie fragen, ob Sie hinter solch einem Ansatz möglicherweise einen Wegweiser zu einer Harmonisierbarkeit linker und rechter Positionen im derzeitigen Deutschland erkenken können. Bitte das schlichte Lied einmal mit Video und einmal ohne die hineininterpretierten Bilder anhören:
http://youtu.be/7-3kcArUgK4
Andreas Walter
05. Februar 2016 14:34
Nix passe, Martin.

Für Paul Simon mag es um Auslese gehen, doch das ist sein persönliches Problem, seine Paranoia, die er mal mit Freud besprechen sollte, aber nicht mit uns.

In der Natur herrschen ganz andere Gesetze, die sowohl den Linken wie auch den Rechten recht geben, nur bekommen das die meisten Menschen eben nicht in ihren dafür viel zu kleinen Kopf.

"Entscheidet euch, Tag, oder Nacht, und nur der weise Mann darüber lacht - weint."

Oder will er etwa die dualistische Natur auch des Menschen verleugnen? Denn wenn der Mensch nur Geist und die Materie Illusion wäre, warum dann die Toten und Ermordeten betrauern? Was sind dann überhaupt Tote und Ermordete? Von Belang?

Was ist also mit der Natur, an die wir wie Prometheus an den Fels gekettet sind.

Sie betreibt Auslese, gnadenlos, ob es uns passt oder nicht. Wenn das "Rechts" ist, bitte, habe ich kein Problem damit. Weil es töricht, anmassend wäre zu glauben, sich dieser Macht entziehen, sie aushebeln, sie außer Kraft setzen zu können.

Manche versuchen sich dem lediglich durch Flucht zu entziehen, andere Kämpfen gleich. Doch die Zeit der Flucht ist vorbei, auch wenn die Millionen toten Ureinwohner Amerikas erfolgreich in unzähligen Western durch Hollywood stellvertretend für alle Amerikaner der VSA einfühlsam aufgearbeitet wurden.

Wenn willst du täuschen, Simon? Mich? Dich selbst? Andere?

Das ultimative "Böse" ist kein Mensch, Simon, und Linderung nur Zeitaufschub.
Winston Smith 78699
05. Februar 2016 15:50
M.L.: Nur zu!

Wirklich? Naja, was sich durch die metaphysische Begrifflichkeit und unter der Annahme aufgeschlossener und fairer Gegendiskutanten für heute abend andeutet, ist die Frage, in welcher Art von Welt (Gesellschaft) man denn leben möchte, also welche Arten von Vielfalt und Geregeltheit und in welchem Ausmaß diese zu befürworten sind. (Überspizt etwa: will ich eher Vielfalt der Künste oder der Konflikte?)

Eng verwandt ist die Frage, inwieweit Einschränkung der einen Freiheit eine andere erst ermöglicht - und dasselbe auch für Vielfalt und Reichtum der Formen bzw. Erscheinungen. (Riesenthemen! Ich deute jetzt nur eine von vielen Eskalationsrichtungen an.) wenn man noch ganz bei Trost ist, geht in die Beurteilung der Güte einer solchen Gesellschaft (oder Welt) unweigerlich dieses ästhetische Kriterium mit ein.

Sie können die Frankfurter Schwätzer vielleicht bändigen und vorausschauend einen Mindeststandard veranschlagen, indem Sie (zumindest sich) klar machen, wie altbekannt diese Szene* ist. Im (auch wegen seiner Verweise lesenswerten) ersten Kapitelchen STAGESETTING (nur wenige Seiten!) dieses Buches faßt Nicholas Rescher zusammen, wie Leibniz als "Güte" ein optimales Verhältnis von a) Reichtum (bzw. Vielfalt) der Phänomene (bzw. Formen) einerseits und b) Einfachheit der die Welt bestimmenden Gesetze auffassen könnte (und wohl auch tut):

"But just what is this criterion which a God who seeks to actualize the best of possible worlds employs in identifying it? By what criterion of merits does God determine whether one possible world is more or less perfect than another? This standard, Leibniz maintains, is the combination of variety and order. Accordingly, the best of possible worlds is that which successfully manages to achieve the greatest richness of phenomena (richesse des effects (Discours de métaphysique, §S), fecondité (Théodicée, §208) varietas formarum (Phil. Werke, ed. Gerhardt, VII, 303» that can be combined with (est en balance avec (Discours de métaphysique § 5), sont les plus fécondes par rapport à (Théodicee, § 208» the greatest simplicity of means (la simplicité des voyes (Discours de métaphysique, §5 and Théodicée, §208), Ie plus grand ordre (Principles of Nature and of Grace, § 10)). In the elegant 1697 essay De rerum originatione radicali, Leibniz puts the matter as follows:
Hence it is very clearly understood that out of the infinite combinations and series of possible things, one exists through which the greatest amount of essence or possibility is brought into existence. There is always a principle of determination in nature which must be sought by maxima and minima; namely, that a maximum effect should be achieved with a minimum outlay, so to speak. And at this point time and place, or in a word, the receptivity or capacity to the world, can be taken for the outlay, or the terrain on which a building is to be erected as commodiously as possible, the variety of forms corresponding to the spaciousness of the building and the number and elegance of its chambers. " (S. 3f)

Keine Sorge, ich biege jetzt nicht in Artenvielfalt und Evolution ab. Denn Rescher deutet auch an, wie hier die Theodizeefrage, die Monadologie und deren (uns interessierende) politische Interpretation zusammenkommen:

The basis of plausibility of this Leibnizian standard rests upon a whole network of analogies, three of which are clearly primary: ...
(2) Statecraft. Excellence can only be achieved in the political organization of affairs when variety (freedom) is duly combined with lawfulness (=order and the rule of law). (S.8)


Für diese politische Interpretation wäre die Bedeutung der o.g. Minima und Maxima zu klären. Natürlich wird irgendjemand hinterfragen, was "einfach" denn bedeuten soll: wenige Gesetze (im Extremfall keine?), strenge bzw. besonders wirksame Gesetze, faktische Homogenität oder Beliebigkeit der Zusammensetzung der Bevölkerung, Ständewesen oder Egalität ... ? Damit wiederum könnte man ganz schnell in einer abstrakten Thematik von "Ordnung und Chaos" landen, wo man z.B. fragen könnte, welche Abfolge denn hier "geordneter" bzw. "einfacher geordnet" ist:

xyyyyyyxxxxyxyxxyyyxyyyxxxxx
xxxxxxxxxxxxxxyyyyyyyyyyyyyy
xyxyxyxyxyxyxyxyxyxyxyxyxyxy

... oder welche von diesen beiden:

xyxxyyyxxxxxyyyyyyyy
yyyyyyyyyyyyxxxxxxxx

... und Sie landen bei diesem Wiener, zu dem Sie dieser unsägliche Zenbard Alien nötigen wollte. (@ Alle: Was ist das eigentlich: Informatik? Mathematik? Kybernetik?) "So ein Quark" sagen Sie? Warten Sie mal ab, bis die Schwätzer kommen.

*Hat die von mir heißgeliebte Sizilianerszene aus "True Romance" eigentlich ein Vorbild?
Trouver
05. Februar 2016 15:55
Neues aus der Colonia Claudia Ara Agrippinensium



In Köln soll ein 17 Jahre alter afghanischer Asylsuchender in der Weiberfastnacht eine 22jährige überfallen und vergewaltigt haben. „Die junge Frau wurde von dem Täter angesprochen. Er zeigte ihr pornographisches Videomaterial auf seinem Handy. Dann schlug er ihr unvermittelt so brutal ins Gesicht, daß sie das Bewußtsein verlor“, sagte ein Polizeisprecher der Bild. Nachdem die Frau erwachte, habe sie sofort gespürt, vergewaltigt worden zu sein. Nach einer Fahndung konnte der mutmaßliche Täter in einer Asylunterkunft festgenommen werden.
https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2016/asylbewerber-wegen-vergewaltigungen-festgenommen/


landnahme schreitet nun voran.
Schlesische Fachkraft
05. Februar 2016 15:55
Hat irgendwie auch mit dem "Gleichheit vs Ungleichheit"-Konflikt zu tun. Das westliche "Hausschwein" vs orientale Testosteronbombe.

http://www.welt.de/debatte/kolumnen/Fuhrs-Woche/article151881162/Der-moderne-Mann-hat-in-Koeln-versagt.html

Dieser Artikel ist fast schon "rechts". Aber vielleicht will Herr Fuhr damit nur auf den linksgrünen Busch klopfen, um etwas mehr über die aktuelle Stimmung im "Gleichberechtigungslager" zu erfahren ;)
ene
05. Februar 2016 16:05
Friedhelm

"Mehr Kinder von Klugen, bevor es zu spät ist"

Leonardos Eltern waren der zur Geburt Leonardos 25-jährige Notar Piero da Vinci (1427–1504) und die damals 22-jährige Magd Caterina.

Ob Leonardo da Vincis Eltern etwa Hochbegabte waren??

Kinder von "Klugen" sind durchaus nicht immer besonders klug, sondern oft einfach "normal" ( - ist ja auch schon was). Oder: in therapeutischer Behandlung. Das kann ich Ihnen nicht "beweisen", es sind Erfahrungen meinerseits.
Aber sie werden sozial besser durchgereicht. Viel wichtiger als "Klugheit"!
Hühnerbaron
05. Februar 2016 16:22
@M.L.:
Schöner Artikel!
Die soziobiologischen Hintergründe hat Nero schon angesprochen. Dieses Thema wäre noch mal einen eigenen Beitrag wert.
@Grobschlosser:
Teilweise richtig, doch sind die Asiaten längst übrer das Kopieren hinaus. Rein Wettbewerbsmäßig sollte man sich sorgen machen (vgl. Ruck-Rede Roman Herzogs). In diesem Artikel wird der Abstieg Deutschlands noch mit der Strenge des Patentamts euphemisiert:
Laut Hochrechnung der WIPO wurden 2011 weltweit erstmals mehr als zwei Millionen Patente beantragt. Die 2,14 Millionen im Jahr 2011 eingereichten Begehren sind ein Zuwachs von 7,8 Prozent gegenüber 2010 und mehr als doppelt so viel wie 1995. Rund 526.000 Anträge erreichten im Jahr 2011 das chinesische Patentamt, das damit erstmals zum größten der Welt wurde. In den 100 Jahren davor hatten nur Deutschland, Japan und die USA diese Spitzenposition innegehabt. Das zuletzt führende US-Patentamt (USPTO) zählte rund 504.000 neue Akten, in Japan waren es rund 343.000. Dahinter folgten Südkorea (179.000), das Europäische Patentamt (143.000) und Deutschland (59.000), noch vor Indien, Russland, Kanada und Australien.

Die Zahl der Patentanträge wächst über die Jahre insbesondere in China explosionsartig. Vergrößern

Auch bei den zuerkannten Patenten gibt es einen neuen Rekord: Im Vorjahr wurde fast eine Million neuer Patente erteilt (plus 9,7 Prozent). Die meisten Patente stellte das japanische Patentamt (238.000) vor dem USPTO (225.000) und China (172.000) aus. Das deutsche Amt war wohl strenger und stellte weniger als 12.000 Patente aus. Damit liegt es auf Rang 9.

Betrachtet man die Wohnsitze der Patentanmelder, führt Japan (472.000) vor China (436.000) und den USA (432.000). Mit deutlichem Abstand folgen Südkorea (187.000) und Deutschland (173.000). Bei den 2011 zugeteilten Patenten zeigt sich die selbe Reihenfolge, aber mit anderen relativen Abständen: Nach Japan gingen 305.000, in die USA 201.000, nach China 118.000, nach Südkorea 98.000 und nach Deutschland 72.000.
Belsøe
05. Februar 2016 16:26
Das nach den kommunistischen Experimenten wohl größte linke Projekt, die Globalisierung, mit all ihren Verwerfungen, Ausbeutungen und Unterdrückungen wird unter Linken nicht als links, sondern als rechts betrachtet.


Und umgekehrt. Wer Linken vorwirft, sie würden alles Mißliebige als rechts diskreditieren, sollte nicht mit dem anderen Fuß in genau denselben Haufen treten.

Was da auf höchster Ebene passiert, ist ganz sicher genau so wenig links wie rechts, verschmäht aber weder die einen noch die anderen als Erfüllungsgehilfen. Wenn Sie da willig mitsimpeln wollen - Bitte.
Andreas Walter
05. Februar 2016 17:32
Jetzt berichtet immerhin auch schon der Spiegel über Mord und Totschlag in "Asylheimen":

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/wolfsburg-asylbewerber-in-fluechtlingsunterkunft-getoetet-a-1075909.html

Ob diese Personen wohl auch vorher über das Für und Wider den Einsatz von Waffen debattiert haben, oder über ihre moralische Rechtfertigung?

Oder folgender Mann? Den möchte man auch nicht zum Feind haben, doch muss man sich darum gleich mit ihm befreunden, oder sich ihm unterwerfen?:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bild-1075914-953175.html

Dann hat mal wohl nur Furcht, sich die Fakten mal etwas genauer anzusehen:

https://www.youtube.com/watch?v=1RgbCH47PXo

Darauf möchte ich vorbereitet sein dürfen, solche Aggression mit adäquaten Mitteln abwehren zu dürfen, am besten schon an den europäischen Grenzen, spätestens aber an den Deutschen. Weil ich mir sonst persönlich Kriegswaffen unterschiedlicher Art wie auf dem Bild gezeigt irgendwie besorgen muss.

Dann erst können wir nämlich von "Gleichheit" sprechen.

Oder sind das die Fachkräfte, von denen die ganze Zeit gesprochen wurde?
Martino Taverniere
05. Februar 2016 17:33
Lieber Martin Lichtmesz, danke für die sorgfältigen Analysen!

Einwenden muss ich, dass Nolte sehr wohl der "ewigen Linken" eine "ewige Rechte" gegenübergestellt hat! Und zwar Anfang der 90-er Jahre in einem Interview des italienischen Fernsehens. Zur Zukunft Europas befragt und zur Frage, ob die Unterscheidung zwischen "rechts" und "links" noch Sinn habe, antwortete Nolte, Europa müsse vor allem zu etwas zurückfinden, das immer seine Stärke gewesen sei, zum scharfsinnigen Nachdenken. Und die Unterscheidung zwischen "rechts" und "links" sei zeitlos gültig, insofern Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit ewig linke Werte seien, während die Werte der Rechten auf ewig das genaue Gegenteil seien: Unterschied, Ordnung, Distanz.

Und dies impliziert einen zweiten Einwand gegenüber Weißmann: offenbar ist das "Gerede über Werte" eben doch nicht nur Gerede. Wir alle sind mehr oder weniger links und gleichzeitig mehr oder weniger rechts. Wer sich ausschließlich als das eine oder das andere definiert ist ein halber Mensch (im Sinne von Ernst Jünger) oder ein Visconte dimezzato (im Sinne von Italo Calvino).

Beste Grüße!
Nero
05. Februar 2016 17:41
@Belsøe
Hartwig hat vollkommen recht.
Das ist eine der vielen Parallelen die der Kapitalismus mit dem Sozialismus hat. Beide wollen Grenzen abschaffen.
Freier Verkehr von Waren, Kapital und Dienstleistungen.
Da ist sowas wie ein Nationalstaat mit eigenen Regeln nur hinderlich...
Kultur, Sprache, die Menschen selbst, das soll alles gleich sein. Das hat ökonomisch gesehen tatsächlich Vorteile.
Und idealistisch gesehen ist das der feuchte Traum der linken Gleichmacher.

Jetzt lassen sich aber Kapitalisten nicht von Linken an der Nase herumführen, sondern rammen die umgespitzt in den Erdboden.
All das was hier passiert, die Masseneinwanderung, die libertäre Gesellschaft nützt hauptsächlich dem Kapital.
Linke dachten, sie können das für ihre Zwecke missbrauchen. Ging natürlich schief.

Und jetzt muss ein Schuldiger her: Die Rechten.
Es ist mir in letzter Zeit schon öfter aufgefallen, dass Rechte plötzlich Kapitalisten sein sollen.

Und umgekehrt. Wer Linken vorwirft, sie würden alles Mißliebige als rechts diskreditieren, sollte nicht mit dem anderen Fuß in genau denselben Haufen treten.


Das macht doch keiner. Netter Strohmann den Sie da aufgebaut haben, aber letztendlich hilft es nicht von den Linken ablenken zu wollen.
Durch die massive Unterstützung der Gleichheit und Grenzenlosigkeit, haben Linke (Linke, Linke und nochmals Linke) dem Kapital die Tür geöffnet. Das können Sie nicht leugnen indem Sie hier alles in die Bedeutungslosigkeit drehen:
die Einen sagen die sind Schuld, die anderen sind's aber selber...also alle und niemand...

Deutschland hat sein Blut gegen Kapital eingetauscht. Und Linke haben mit den Kapitalisten gemeinsame Sache bei diesem Austausch gemacht.
Sternenfrau
05. Februar 2016 17:47
@ Benedikt Kaiser

Ich kenne die Bücher von M.L.natürlich. Ich habe sie gelesen und verschenke seine Bücher auch immer wieder oft und gern an Freund und "Feind" .

Aber trotzdem danke, dass Sie darauf hingewiesen haben.
OJ
05. Februar 2016 17:55
Ein sehr gut geschriebener Artikel, wie immer bestechend klar und "on point". Es wundert mich, dass einer wie M.L. nicht für eine größere Zeitung schreibt. Bevor jetzt alle "Lügenpresse" krähen - bei Klonovsky ging es doch auch (Focus).
Alarich
05. Februar 2016 17:59
Der deutsche Bundespraesident macht offen Werbung fuer die Neue Weltordnung mit der Zerstoerung der Voelker. In dem Schuelermagazin Spiesser ist auf der Rueckseite der Novemberausgabe 2015 eine grosse Anzeige des Bundespraesidenten geschaltet.
Dort ist ein sehr selbsterklaerendes Bild zu sehen.

Die Fotos sind als Links in dieser Nachricht angegeben.

http://www.pdf-archive.com/2016/02/05/spiessernovember2015nwo/

http://i.imgur.com/gvnUFa3.jpg

http://i.imgur.com/aMS8fUe.jpg
Andreas Walter
05. Februar 2016 18:47
Wobei eher zu vermuten ist, dass es manchen Linken einfach nur an Erdung, an Bodenhaftung, Kontakt zur Wirklichkeit fehlt. Wie anders lassen sich sonst so weltfremde, realitätsferne Tipps wie die von Frau Reker (eine Armlänge Abstand halten) oder das hier jetzt erklären, was aus Finnland kommt:

https://www.youtube.com/watch?v=gQ4EQFcFQQo

Das solche Menschen natürlich auch vollkommen außerstande sind, auch andere Menschen oder eine andere Partei, Kultur oder Religion realistisch einzuschätzen, ebenso wie eine Gefahrenlage, dass liegt auf der Hand. Darum spricht man ja zum Beispiel auch von interkultureller Kompetenz.

Links liegen lassen, mehr kann man da nicht empfehlen, und wenn sie sich einem aufdrängen auch abwehren, wie jeden anderen Aggressor auch. Mit angemessenen Mitteln. Das sind die Rules of Engagement (RoE), auf Deutsch Einsatzregeln. Wenn man fair spielt. Das tun aber Menschen selbst auf dem Fussballplatz nur mit Mühe und Not. Die Wirklichkeit, gerade auch in anderen Kulturen, ist meistens eine bei weitem Grausamere, und im Krieg macht eh jeder nur noch das und noch viel mehr als das was er schon tun muss, um zu überleben. Versteht natürlich niemand, der es noch nicht erlebt hat, dabei war.
lunaria
05. Februar 2016 19:11
Herr Lichtmesz,

generell, geht einiges durcheinander. Ich schreibe das hier, könnte es aber in fast jedem Beitrag von SiN wiederholen:


"Aber eine Gesellschaft, die aufhört, den Menschen zu fordern und ein bißchen mehr aus ihm herauszuholen, als er braucht, um zum wahlzettelausfüllenden Konsumenten zu werden, beraubt sich ihrer eigenen Vitalität und Schaffenskraft, „schafft sich ab“, um Simons bête noire Sarrazin zu zitieren. Diese Tendenzen sind unverkennbar, und besonders fatal wirkt sich aus, daß die Erziehungs- und Bildungsstandards an den Schulen immer weiter gesenkt werden."


1. Das ist KEIN Sozialismus oder Kommunismus. Im Gegenteil. Auch der real existierende Sozialismus (Bsp. DDR) war das ganze Gegenteil von dem was Sie und viele Kommentatoren als "links" bezeichnen!

2. Die beschriebenen Tendenzen sind Ergebnis von Technisierung, Rationalisierung, Entfremdung, also unserer anti-sozialen Existenzweise, zu der wir gezwungen werden.

3. Die Kategorien Links/Rechts helfen uns nicht weiter. Sondern?
Es sind die unvereinbaren Werte, Wertvorstellungen, die Menschen voneinander (auch politisch) trennt und die eine Verständigung unmöglich machen. Das ist übrigens empirisch-wissenschaftlich bewiesen:
https://www.youtube.com/watch?v=3mpgYBKig5M
(Der Neurologe und Netzwerkforscher Prof. Kruse im Vortrag)

Dass den Thesen von Simon ein " falscher Freiheits-, ein falscher Gleichheits-, und ein falscher Machtbegriff " zugrunde liegt, sehe ich übrigens auch und stimme mit Ihnen darin überein, dass "Linke" hier mit Unterstellungen und Konstruktionen arbeiten. Immer an der Realität vorbei.

Was jedoch Adorno angeht, so kann ich dem nur uneingeschränkt zustimmen, hören Sie sich das Gespräch mit Gehlen an (bei le-bohemien verlinkt).
Die Institutionen wirken in das Unbewusste der Menschen hinein und formen jeden einzelnen von uns. Die Schule lastet auf den Schülern und bestimmt ihr kognitives und emotionales Dasein, ... Gerade an Langzeitarbeitslosen die keiner Organisation, keinem Betrieb angehören sieht man, warum diese "Realitätsspaltung"(Oskar Negt) die Menschen zu Ausgeschlossenen macht und warum der Mensch immer Teil von etwas sein muss. Gerade das "Elend der Welt" (Titel der Untersuchung des Lebens von Arbeitslosen in den 1990 in Frankreich von Pierre Bourdieu) ist aber bei konservativen Systemstützen, Antikommunisten, Anti-Egalitären Theoretikern und Marktgläubigen kein Thema.

Beste Grüße

lunaria
Winston Smith 78699
05. Februar 2016 19:15
@ Rumpelstilzchen
insinuiert ( finde ein gutes deutsches Wort !)

"weismacht" ?

So greifen Sie mich doch bitte inhaltlich an, damit alle was davon haben! Befreien Sie sich aus Ihrer selbstgewählten Unmündigkeit als blauer Pöppel, damit ich mich nicht schämen muss, auch einer zu sein: zerfetzen Sie meinen Vorschlag einer Parallele zu Leibniz. Ich setze mal noch einen drauf:

Lichtmesz widmet der rechten Vorstellung von Homogenität zurecht eineinhalb Seiten (S.3-4), denn die Idee von einer identitätswahrenden, begrenzt durchlässigen, relativen Einheitlichkeit (anstelle des Durcheinanders auf einen und so was wie Reinrassigkeit auf der anderen Seite) ist nicht gerade simpel, zumal wenn man sie nicht nur von falschen polaren Vorstellungen abgrenzen, sondern ausbuchstabieren soll. (Zunächst fiel mir die alte Fuzzy-Logik als Analogie ein, aber auch hier muß man bestimmte Werte festlegen, so weit ich mich erinnere.)

Wenn man sich mit Leibniz darauf einläßt, daß die Natur in ihren Formen ein Maß an (auch ästhetischer) Güte hat, das man so einfach nicht erfolgreich nach menschlichen Vorstellungen erhöhen kann (siehe Monadologie §90) - also auch nicht mit eventuell noch so gutgemeinten sozialgestalterischen Experimenten - , kann man sich fragen, weswegen die Natur so krumm und schief ist und nicht den Vorstellungen von idealer Einfachheit entspricht. Hier wurde das für die Physik und die Brachistochrone anstelle der geraden und kürzesten Verbindung durchgespielt. Darin steckt die Idee, dass in den für das Ganze der Schöpfung optimalen Formen und Ordnungen nicht die simple und "einfachste" Vorstellung zählt, die einem Menschen zunächst einfällt, sondern gerne Mal eine deutlich komplexere, aber dann auch elegantere. Den Transfer auf die Homogenität überlasse ich Ihnen.
Inselbauer
05. Februar 2016 19:18
Zum Zitat aus dem ersten Teil des Artikels:

"Wie der Name Sezession schon besagt, liegt der Standpunkt, den die Zeitschrift einnimmt, außerhalb aller etablierten politischen und gesellschaftlichen Lager, stellt also unsere Gesellschaft sehr grundlegend in Frage."

Das ist aus meiner Sicht falsch. Ich hatte schon immer das Gefühl, dass man bei der Sezession einen Anspruch der Mehrheitsfähigkeit, wenn auch manchmal verschämt, zum Ausdruck gebracht hat. Derzeit gehen zumindest die Leute der geldverdienenden Mittelschicht so scharf nach rechts, dass ich immer wieder den Gedanken habe, "Herr Lichtmesz würde denen die vulgäre Ausländerfeindlichkeit nicht durchgehen lassen."

Der Begriff des Rechtsradikalismus ist doch eine reine Koketterie, hier herrscht doch eine fast schon spießige Vernunft vor, denke ich.
Und von "Gesellschaftskritik" kann auch keine Rede sein; ich nehme eher eine gewisse Freude über alles wahr, was noch irgendwie Gemeinwesen ist.
lunaria
05. Februar 2016 19:35
An die Kommentatoren:

Weil auch von Anachismus die Rede war. Das Grundprinzip ist:
Gegenseitige Hilfe, Kooperation, Zusammenarbeit. In der gesamten Menschheitsgeschichte, unterschiedlich institutionalisiert ist d a s die Klammer der Existenz. Lesen Sie Polanij, die Psychiater und Neurologen Joachim Bauer, G. Spitzer, kurz die Ergebnisse der modernen Hirnforschung zeigen:
Kooperation ist das lebenserhaltende, gemeinschaftsstiftende und friedenserhaltende Prinzip, Wettbewerb zwischen Menschen war immer nur darin eingebettet, Wettbewerb muss immer begrenzt und Regeln unterworfen sein.

Erst der Kapitalismus des 19.Jahrhunderts und besonders das falsche Ökonomische System der letzten 40 Jahre haben hier eine "Gehirnwäsche" vollbracht.

Also, schimpfen Sie nicht über die vermeintlichen "Linken", überlegen Sie mal, was Ihre Defizite sind.
Der Gutmensch
05. Februar 2016 19:48
Wenn man das Rechte auf einen Begriff bringen will, dann ist es eine merkwürdige Konstellation von Gleichheit und Ungleichheit, nämlich Gleichheit nach innen und Ungleichheit nach außen.


Mich wundert, dass M. L. auf so etwas Unsachliches noch eingeht? Wo leben wir denn eigentlich?! Als ich heute morgen aufgewacht bin, da lebte ich in einem Land, wo es schlichtweg nicht darauf ankommt, ob man die Gleichheit innen oder außen sucht! Sondern man war sich - dem GG sei Dank - von rechts bis links darüber einig, dass in der Regel Sachverhalte gleich sein können, weshalb man sie dann staatlicherseits gleich behandeln müsse, oder eben ungleich, weshalb man sie dann auch ungleich zu behandeln habe! Eine Aufforderung, die Gleichheit innen oder außen zu verorten, ist dem Art. 3 GG jedenfalls nicht zu entnehmen.

Also wie kommt jemand dazu, hier politische Wertungen daran festzumachen, ob gleiche Sachverhalte mehrheitlich innen oder mehrheitlich außen festgestellt werden? Die Fragestellung als solche geht an unseren Wertvorstellungen, bei denen es nur auf den konkreten Sachverhalt als solchen ankommt, jedenfalls vorbei.

Man möge mir verzeihen - aber ich habe aufgrund dieses m. E. einengenden Ansatzes in Bezug auf unsere Gleichbehandlungsstandards leider den höchstpersönlichen Eindruck gewonnen, dass der Herr Nassehi oder wie auch immer er heißt, ein Beispiel für leider nicht übermäßig erfolgreiche Integration in Deutschland darstellt.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass man gelegentlich auch Landsleute darüber aufklären muss, worauf sich der Gleichheitsgrundsatz - immerhin ein wichtiger Teil des Grundkonsens - bezieht; schlimm genug!

Eigentlich war man sich auch mal von rechts nach links darüber einig, dass eine grundgesetzfremde Bereicherung keine darstellt; wurde das irgendwann aufgegeben? Wann und weshalb?

Im übrigen - aber das ist eine Frage der Kinderstube - wäre es mir persönlich nicht im Traume eingefallen, im Ausland am dort gefundenen Grundkonsens zu mäkeln und diesen einschränkend zu interpretieren! Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das jemand begrüßt hätte? Aber - fremde Länder, fremde Sitten ... ausprobiert habe ich das nie.

d. G.
Urwinkel
05. Februar 2016 20:34
Wie schnell das gerade alles geht:

http://i.imgur.com/aMS8fUe.jpg


dieses, mir bislang unbekannte, Jugendmagazin übernimmt jetzt schon den Farbcode der Identitären. Das ist Popart-Stil. Kontrakultur aus Halle gehen noch einen Schritt weiter. Das bekannte Gelb wurde von denen durch Rot erstzt. Die Sezession trägt in diesem Jahr Blau. Wir sind nie zu fassen und unangreifbar. Die hinken gestalterisch hinterher.
Tassilo von Baiern
06. Februar 2016 00:35
Als Anhänger des rechten Spektrums, war und ist für mich die Quintessenz, oder besser der Urgrund allen rechten Denkens immer der "Kosmos" gewesen. Sprich: der Wille (oder die Erkenntnis des Wesens allen Seins) zur schöpferischen Schaffenskraft und formgebenden, konkreten Gestaltung. Während dazu konträr, die Linke für nivellierende Abstraktheit und Auflösung im Chaos steht.

Dem, uns Rechten, zugeschriebene Hang zur Differenzierung und dem Beharren auf Verschiedenheit bzw. Ungleichheit, liegt meines Erachtens dieser Wille zur Form zugrunde.
So fällt jedem Fußballer -um bei Ihrem Beispiel zu bleiben- seine ihm angedachte, spezifische Rolle zu. Er verfügt somit über seine eigene, ausdifferenzierte Identität, während die, in Wechselwirkung und Kooperation stehende Gesamtheit, der verschiedenen Spielertypen, den Kosmos bilden.

Ein wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Punkt des Sinns von allem Konservativen/Traditionalismus ist (oder besser gesagt, war), dass jede Form und jede organische Einheit "nach oben" ausgerichtet ist, also in der Transzendenz mündet.
Ein wesentlicher Bestandteil der rechten (Geistes-)Tradition, der hier in dem sonst brillanten Artikel leider komplett weggelassen wurde. Evola hat hier beispielsweise auch den Sinn jeder Hierarchie erkannt, welche die Legitimation der jeweils höher liegenden Kaste, mit ihrem ebenso höher liegenden Anteil an der Transzendenz begründet sieht. Sämtliche Königs- und Herrschergeschlechter sahen ihre Legitimation in göttlicher Abstammung bzw. im Mittelalter "von Gottes Gnaden" begründet.

Es ist natürlich klar, dass so ein Denken heute nicht mehr möglich wäre. Dennoch sollte hervorgehoben werden, dass sämtliche traditionalen (rechten) Gesellschaftsformen, ihre Langlebigkeit und die Bewahrung ihrer Form, solchen, über der "Welt des Werdens" hinausgehenden Vorstellungen verdankten.
Rumpelstilzchen
06. Februar 2016 08:11
Das Beispiel zeigt uns jedoch, daß auch die Formel „Gleichheit nach innen“ zu einfach ist. Auch innerhalb der Schulhofbande sind nicht alle gleich, gibt es Anführer und Sidekicks, Hierarchien und Rollenverteilungen.

@Winston Smith PLZ

Niemand muß sich schämen, ein blauer Pöppel zu sein.
Nur in dieser SiN Schulhofbande ist Gevatter Lichtmesz der gelbe Pöppel.
In einem anderen Spiel ist er vielleicht ein roter Pöppel.
Auch in der SiN-Schulhofbande sind nicht alle gleich.
Der eine muß "grundsätzlich überall herumkritteln oder sich additiv gescheit ergießen", der andere bringt gerne etwas Chaos in die rechte Ordnung, um dann wieder kreativ aufzuräumen.

Gleichheit, Ungleichheit, Ordnung, Unordnung, Rechts, Links

Die Linken sind die Chaoten, die Rechten sind die Aufräumer.
Die Aufräumer sind allerdings die kreativeren Menschen:


https://m.youtube.com/watch?v=GPeNVYKaYZE

M.L.: Und wie sieht's aus mit rechten Chaoten? ;-)
Bruno
06. Februar 2016 09:04
Sehr geehrter Herr Lichtmesz,

sie werfen Simon vor, falsche Begriffe zu haben. Aber warum sollen Ihre Begriffe die richtigen sein. Alles eine Frage des Standpunkts. Gerade den Gleichheitsbegriff interpretieren Sie sehr holzschnittartig. Für einen Linken bedeutet Gleichheit vor allem Chancengleichheit. Das heißt die gleichen Möglichkeiten in der Gesellschaft etwas zu erreichen (Bildung, Macht, sozialen Status). Das bedeutet, dass grundsätzlich auch im linke Denken Platz für Hierarchien und Eliten ist. Der Weg sollte aber nicht versperrt werden, durch soziale, ethnische, religiöse oder kulturelle Differenzen. Eine reine Elite des Geistes wenn Sie so wollen. Sie interpretieren Gleichheit als Gleichmacherei. Einen derlei aufgebauten Pappkameraden zu vermöbeln ist eitle Spiegelfechterei.

M.L.: Guter Punkt, "Gleichheit", wie sie Nassehi in dem eingangs zitierten Satz meint, ist aber offenbar etwas anderes als "Chancengleichheit". Daraus folgt alles weitere. Und wenn Ungleichheit (wie von Simon) so interpretiert wird, daß am Ende der Teufel von Repressions-, Diskriminierungs-, und Entrechtungsorgien an die Wand gemalt wird, dann scheint es mir nur recht und billig, mit dem Komplementärbild zu kontern.

Der entscheidende Unterschied ist das Menschenbild. Die Linke glaubt, dass der Mensch per se gut ist, von Natur nach Höherem strebt, sich entwickeln will -- daher auch die Chancengleichheit. Die rechte hält den Menschen von Natur für schlecht und will ihn daher in eine möglichst feste Ordnung/Hierarchie pressen. Und Ethnie, Kultur, Religion sind ein erster Ansatz für Struktur.
Ich weiß nicht, ob ich ein Linker bin, wenn ich es als ungerecht empfinde, wenn allein qua Geburt Menschen in einer Gesellschaft durch die soziale Wirklichkeit andere Chancen zukommen. Das sollte eigentlich auch dem rechten Leistungsdenken widersprechen. Auch das rechte Denken dürfte also nicht frei von Widersprüchen sein.

M.L.: Gewiß - aber das ist kein Einwand. Widersprüche lösen sich durch hierarchische Anordnung auf. :-)
Sixty
06. Februar 2016 10:13
Die Globalisierung ist weder "links" noch "rechts", sondern eine Sache der kapitalistischen Eliten in den USA und der EU, dieser "Relaisstation der Globalisierung" ( Jean-Pierre Chevènement).
Worauf es ankommt, ist, den Nationalstaat gegen selbige zu verteidigen. Dazu ist ein Zusammengehen von "national" denkenden "Linken" und "sozial" denkenden "Rechten" notwendig.
Buchempfehlung: Jürgen Elsässer, Nationalstaat und Globalisierung, 2009.
Gustav
06. Februar 2016 10:33
@ lunaria

Was jedoch Adorno angeht, so kann ich dem nur uneingeschränkt zustimmen......

„Mit dieser Welt gibt es keine Verständigung; wir gehören ihr nur in dem Maße an, wie wir uns gegen sie auflehnen.“
―Theodor W. Adorno

Ist das nicht der schönste Bockmist? Deshalb finde ich seinen nächsten Spruch voll auf ihn zutreffend:

„Gesundheit? - Was nützt einem Gesundheit, wenn man sonst ein Idiot ist?“

Der ist auch gut:

„Wer hart gegen sich ist, der erkauft sich das Recht, hart auch gegen andere zu sein, und rächt sich für den Schmerz, dessen Regungen er nicht zeigen durfte.“

In Bezug auf den Umgang mit dem Nationalsozialismus gewann der Aufsatz Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit von Theodor Adorno wegweisende Bedeutung.

Deutsche Geschichte sollte nicht im Sinne von Recht und Gerechtigkeit gelehrt werden, sondern als kollektive Erinnerung an Mord und Totschlag. Das deutsche Volk sollte sich für alles schämen, für seine Sprache, für seine Kultur, für seine Sitten und Gebräuche. Der deutsche Mensch wurde durch Lügen und Täuschung veranlaßt, für sich und seinesgleichen nur noch Abscheu und Verachtung zu empfinden.

Die heute führenden Eliten sind fast alle 68er oder entstammen deren anarchistisch-marxistischen Nachfolgeorganisationen. Sie waren auf ihrem langen Marsch durch die Institutionen erfolgreich. Die geistigen Väter waren Max Horkheimer, Theodor Ludwig Wiesengrund-Adorno, Herbert Marcuse, Erich Fromm, und andere, die in den dreißiger Jahren den Neomarxismus und die Psychoanalyse zur Kritischen Theorie verbanden.

Sie sollten sich erst genauer über Adorno und die Frankfurter Schule informieren, bevor sie hier Ansichten von Adorno empfehlen.

M.L.: Na, ich empfehle hiermit auch ein paar Ansichten von Adorno:
http://www.sezession.de/38704/adorno-und-die-idee-der-abstrakten-gleichheit-fundstucke-16.html
deutscheridentitärer
06. Februar 2016 11:43
Übrigens ein Text, der durch seine Klarheit und Logik eigentlich geeignet sein sollte, jeden halbwegs gebildeten Menschen ins rechte Lager wechseln zu lassen.
Wenn derartiges wirkungslos abprallt, wundere ich mich nicht mehr über meine eigene Unfähigkeit, mit meinen begrenzten sprachlichen Mitteln zum Durschnittslinken durchzudringen.
Wahrscheinlich sollte ich in Zukunft mehr schweigen, und, wie hier im Kommentarbereich schon des öfteren angeregt, das eigene Sein und Handeln seine Strahlkraft ohne störendes Rauschen entfalten lassen.


So ist es.

Denn seien Sie sich sicher, der Text wird wirkungslos beiben, so unverständlich das ist.

Ich habe mich in den letzten Jahren oft genug der Versuchung ergeben, mir nahestehende Personen mit Texten von Lichtmesz oder Klein-Hartlage zu konfrontieren; es ist letztlich die Frustration nicht wert, wenn man merkt, dass der Gegenüber damit nichts anfangen kann.

Wo kein Resonanzboden ist, wird auch die schärfste und klarste Analyse nichts zum Schwingen bringen.
Stil-Blüte
06. Februar 2016 12:20
Mögen die Horst-, Güntherchens in ihrem Blut sich wälzen und die Inges den polnischen Bordellen überwiesen werden.

Alles ist eingetreten, was man sich Jahre lang gewünscht hat, das Land vermüllt, Millionen von Hans-Jürgens und Utas tot.


(Adorno)
Der Gutmensch
06. Februar 2016 12:34
Tja, der Verweis auf Adorno setzt dem noch die Krone auf. Ist ja eine ganz tolle Wurst, dass auch der irgendwann auch mal eingesehen hat, dass die Menschen nicht gleich sind und dass man das irgendwie auch nicht anordnen kann! Großartig, wäre er erst fünf Jahre alt, bekäme er bestimmt einen Keks dafür!

Nochmal: Das Grundgesetz wusste das schon leider vorher; die Kekse sind also alle. Dort steht folglich: "Alle Menschen sind VOR DEM GESETZ gleich. Vor dem GESETZ! Mit anderen Worten: Die (Ungleichheit) der Menschen darf vor dem Gesetz (unter das man nämlich SACHVERHALTE subsumiert, keine MENSCHEN, sonst wäre es ja eben kein GESETZ!) keine Rolle spielen. (Gegenprobe: Wären die Menschen gleich, bräuchte es dieses Gesetz nicht. Wollte das Gesetz aber anordnen, dass die Menschen gleich sein sollen, müsste es notwendig auf den Zusatz VOR DEM GESETZ verzichten.) - Das erklärt einem zur Not auch jedes noch so billige Grundrechtsskript, sofern es nur ein Jurist verfasst hat!

Aber - prügelt Euch mal ruhig mit einem verbeamteten Migranten, der verdammt nochmal auf das GG vereidigt wurde, darum, ob man den Standard nicht vielleicht noch ein bißchen niedriger ansetzen kann - die Gleichheit innen oder außen oder zwischen den Menschen suchen gehen kann, wie ein Osterei - erlaubt ist in der bunten Republik schließlich, was Spaß macht ...


d. G.
Ostelbischer Junker
06. Februar 2016 14:24
Gleichheit - Was ist das überhaupt? Es ist die Fotokopie, der immer gleiche (in diesem fall decken sich das Selbe und das Gleiche) Ton der auf dem Klavier angeschlagen wird.....Gleichheit hat also immer etwas mit Reproduktion, mit Wiederkäuen, mit Langeweile zu tun. Ein schönes Musikstück entsteht zwangsläufig nur durch höchst ungleiche Noten, Töne, Spielweisen.
Es ist die Meinung, die Ansicht, zu hören, die man schon tausend mal genau so gehört hat - es ist das Ende der Geschichte. Das Problem ist, das man ein vernünftiges politisches Konzept der Gleichheit nicht aufstellen kann ohne sich in endlose Widersprüche zu verreiten - muß tausend Schlenker gehen, Einschränkungen machen um sie passend hinzubiegen.
Es ist der Bombenhagel, der die schönsten, weil ungleichsten Städte in den immer gleichen Trümmerhaufen verwandelt. Der Gedanke der Gleichheit bombardiert das eigene ich.

Wenn Adorno sagt: ,,Eine emanzipierte Gesellschaft jedoch wäre kein Einheitsstaat, sondern die Verwirklichung des Allgemeinen in der Versöhnung der Differenzen" ist das doch wieder die abstrakte Idee der Gleichheit, sozusagen durch die Hintertür ;). Denn was heißt denn Versöhnung der Differenzen? Eine unglaublich komplizierte Addition (rassische; soziale Benachteiligung) und Subtraktion (White privilege etc.), damit auf beiden Seiten der Gleichung nur doch wieder das selbe steht.

Als Rechter muss ich sagen, dass es nun einmal Dinge gibt die sich nie werden miteinander versöhnen lassen.....Der ewige Frieden ist ein Traum und nicht einmal ein schöner.
Gustav
06. Februar 2016 14:41


M.L.: Na, ich empfehle hiermit auch ein paar Ansichten von Adorno:
http://www.sezession.de/38704/adorno-und-die-idee-der-abstrakten-gleichheit-fundstucke-16.html

"Adorno verwirft darin die Propagierung des Ideals der absoluten Gleichheit der Menschen, das er als totalitär und intolerant kennzeichnet...."




"...daher sind in Horkheimers Essay über die deutschen Juden (siehe Horkheimer 1974) der wahre Feind der Juden nichtjüdische Kollektivitäten aller Art, und insbesondere der Nationalismus. Obwohl es keine Erwähnung der kollektivistischen Natur des Judaismus, Zionismus oder des israelischen Nationalismus gibt, werden die kollektivistischen Tendenzen der modernen nichtjüdischen Gesellschaft beklagt, besonders Faschismus und Kommunismus. Das Rezept für die nichtjüdische Gesellschaft ist radikaler Individualismus und die Akzeptanz des Pluralismus. Menschen haben von Natur aus ein Recht, anders als andere zu sein und von anderen als anders akzeptiert zu werden. Tatsächlich bedeutet die Differenzierung von anderen die Erlangung des höchsten Niveaus der Menschlichkeit.

Als Folgesatz dieser These übernahm Adorno die Idee, daß die Grundfunktion der Philosophie die negative Rolle des Widerstands gegen Versuche sei, der Welt irgendeine „Universalität“, „Objektivität“ oder „Totalität“ zu bescheren, das heißt, ein einziges Organisationsprinzip für die Gesellschaft, das die Gesellschaft homogenisieren würde, weil es für alle Menschen gälte (also auch für Juden). Im Endeffekt war das einzige Kriterium für eine bessere Gesellschaft, daß es eine sei, in der „man ohne Angst anders sein kann“. Der ehemalige Kommunist war ein Verfechter des radikalen Individualismus geworden, zumindest für die Nichtjuden.

Angesichts von Adornos vorwiegender Beschäftigung mit jüdischen Fragen und seiner starken jüdischen Identität ist es vernünftig anzunehmen, daß diese ideologischen Strukturen als Rechtfertigung des jüdischen Partikularismus dienen sollen. Nach dieser Sichtweise muß das Judentum, wie jede andere historisch besondere Entität, außer Reichweite der Wissenschaft bleiben, für immer unbegreiflich in seiner Einzigartigkeit und immer in Opposition zu allen Versuchen, homogene Sozialstrukturen in der Gesellschaft als Ganzes zu schaffen.

Kollektivistische Kulturen (und Triandis [1990, S. 57] schließt das Judentum ausdrücklich in diese Kategorie ein) legen viel größeren Wert auf die Ziele und Bedürfnisse der Eigengruppe als auf individuelle Rechte und Interessen. Kollektivistische Kulturen entwickeln eine „unhinterfragte Bindung“ an die Eigengruppe, einschließlich „der Wahrnehmung, daß Normen der Eigengruppe universal gültig sind (eine Form des Ethnozentrismus), automatischen Gehorsams gegenüber Autoritäten der Eigengruppe und einer Bereitschaft, für die Eigengruppe zu kämpfen und zu sterben. Diese Eigenschaften sind gewöhnlich verbunden mit Mißtrauen gegenüber Fremdgruppen und Widerwillen, mit ihnen zu kooperieren“ (S. 55). In kollektivistischen Kulturen stellt man sich Moral als das vor, was der Gruppe nützt, und Aggression gegen Fremdgruppen und deren Ausbeutung sind akzeptabel (Triandis 1990, S. 90).

Solche Attribute bei Nichtjuden tendieren aufgrund sozialer Identitätsprozesse dazu, Antisemitismus zu bewirken. Juden könnten als Folge davon selber meinen, ein vitales Interesse an der Befürwortung einer sehr individualistischen, atomisierten nichtjüdischen Gesellschaft zu haben, während sie gleichzeitig ihre eigene, ausgeklügelte kollektivistische Subkultur beibehalten. Dies ist die Sichtweise, die von der Frankfurter Schule entwickelt wurde und durchgängig in Studies in Prejudice erkennbar ist.

Aus "Kultur der Kritik", Kevin MacDonald
Hermann Karst
06. Februar 2016 14:56
@ Stil-Blüte

Zitat tatsächlich authentisch? Können Sie eine genaue Quellenangabe machen?

M.L.:
http://www.taz.de/1/archiv/?dig=2004/01/17/a0186
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/die-vielen-hansjuergens-und-utes-1119685.html

Aber nun bitte keine Adorno-Metadiskussionen beginnen!
Harald de Azania
06. Februar 2016 16:03
Schliesse mich "Sternenfrau" an !

"Unterkomplex' im Netzfund ist so was von einer huebschen Begriffsgestaltung.

Diese Leute wissen nicht was sie reden und schreiben, weil sie nicht definieren koennen und gar nicht wissen, was bestimmte begriffe bedeuten.

"Dienende Begleitung fremder Kraft und Entscheidung (CS ueber die poltische Romantik) und sonst nix!

amuesiert, HdeA
Hühnerbaron
06. Februar 2016 17:29
Grundsätzlich zur Gleichheit bei Rechten und Linken:
1. Echte Gleichheit ist unter Menschen nicht möglich. Selbst Zwillinge sind wesentlich stärker differenziert als etwa zwei Basaltblöcke, aber selbst die sind nicht exakt gleich. Es geht also nur um Ähnlichkeit als stufenlos steigerbarer Relation von mindestens zwei Entitäten.
2. Die Linke geht von einer nahezu absoluten (idealen) Plastizität des Gehirns aus. Auch hinsichtlich der Körper geht sie von (zu) weitgehender Gleichheit aus, doch lässt sich das wegen der offensichtlichen Unterschiede nicht halten. Das ist als Voraussetzung unbedingt nötig, um überhaupt erstmal zur Chancengleichheit zu gelangen.
3. Soweit Unterschiede nicht geleugnet werden können, wird auf einen Nachteilsausgleich gedrungen. Der Nachteilsausgleich ist wieder immanent ungerecht (ungleich) weil einige Nachteile ausgeglichen werden, andere aber nicht. Wenn man bedenkt, dass sowohl Intelligenz als auch Willenskraft zu großen Teilen erblich sind, dürfte dies klar sein.
Im idealen Kommunismus wird das Problem dadurch gelöst, dass ein Rakenteningenieur und derjenige der den Schweinestall ausfegt, das identische Gehalt bekommen.
Je weiter rechts man steht, desto eher ist man geneigt nicht nur Unterschiede im ererbten Vermögen, sondern auch im Sein zu akzeptieren und hier dem freien Spiel der Kräfte seinen Lauf zu lassen. Darum ist der Kapitalismus der Anlage nach natürlich rechts.
4. Der Streit, wer Träger von Rechten und Pflichten sein sollen - Individuen oder Kollektive - dauert seit der Antike an. Er ist die „Urdifferenz“ zwischen Rechts und Links. Während auf der Linken zumindest verbal-radikale Positionen vertreten werden (totale Nivellierung durch Gleichmacherei, Abschaffung von Erbe, Privateigentum und Lohndifferenzen) gibt es eine totale Rechte nicht. Selbst die Libertären wollen einen Rumpfstaat behalten und Solidarsysteme minderer Art (auch Libertäre werden einmal krank). Das was wir heute unter "rechts" verstehen ist eine Melange zwischen klassischem Links und Rechts:
a) Eigentum und Erbe werden zugelassen und geschützt, sowohl materielle als auch immateriell.
b) Klubeigentum und Umlagebeiträge werden innerhalb einer abgegrenzten Gemeinschaft verteilt.
Dabei findet eine begrenzter Nachteilssausgleich statt. Einerseits um Härten aus reinem Mitleid abzufedern (Behinderungen, Krankheiten etc.), andererseits, um die Gemeinschaft unmittelbar leistungsfähig zu erhalten.
5. Da auch die Gemeinschaft wie das Individuum in ihr abgegrenzt (individuell) verstanden wird, ist der Rechten eine Vergesellschaftung der Sozialumlagen und des Klubeigentums mit Nichtteilnehmern fremd. Sie findet nur im absoluten Notfall (und auch dann nur teilweise, Spenden von denen die Individuell möchten, Fluthilfe der Armee etc.) oder aus bloßen Nützlichkeitsaspketen statt (Handel und Bündnisse mit fremden Staaten).
6. Man sieht: Es gibt keine - auch nicht utopisch - sinnvolle reine „rechte“ Lehre, die jemand vertreten würde. Niemand will ohne Gemeinschaft sich selbst den Zahnersatz aus dem Mammutknochen schnitzen. Die relativen Ziele der Rechten wurden bereits erreicht. Die Staaten die so aufgestellt sind oder waren, sind - im Hinblick auf das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl - die erfolgreichsten Gemeinschaften die es jemals gegeben hat und jemals geben wird. Von Natur aus ist der Mensch für sich Rechts (egoistisch) und für andere Links (altruistisch) eingestellt. Die heutige Rechte akzeptiert diese auf mittlere und lange Sicht unabänderliche Konstante und versucht den Menschen in seinem Widerspruch – wo weit dies möglich ist - zu versöhnen bzw. diesen Widerspruch auch ein Stück weit auszuhalten.
„Das Leben ist ungerecht, so ist das nun mal. Wahre Gerechtigkeit gibt es hier unten auf der Erde nicht.“
Die (utopische) Linke hingegen kann nur gleichsam als Nutznießer der Rechten deren Früchte ernten und verteilen oder muss selbst mit ihren Dogmen brechen (die frühen Erfolge der Udssr fußten auf den letzten Reformen des Zarenreichs oder waren durch einen (teils rechten) Nationalismus/Panslawismus befeuert, das man dort als Atomwissenschaftler doch Vorteile gegenüber dem Schweinehirten hatte, versteht sich von selbst). Ein funktionierendes Linkes (also stärker linkes als rechtes, eben links der Mitte liegendes) Gemeinwesen ist immer dem stärker Rechten unterlegen.
Dag Krienen
06. Februar 2016 17:33
Sehr geehrter Herr Lichtmesz,

Volle Zustimmung zu Ihrem Doppelbeitrag.

Die Schwierigkeiten der Kommunikation mit der "anderen" Seite beruhen nicht zuletzt auch darauf, daß man auf der Linken vorzugsweise mit und von abstrakten Begriffen her denkt. Das ist mir vor einigen Jahren schon bei der Lektüre von Stefan Breuers Buch "Ordnungen der Ungleichheit" aufgefallen, das praktisch Paul Simon die wesentlichen Stichworte liefert.
Breuers Argumentation ist im allgemeinen zwar durchaus differenziert und sein Buch lesenswert, doch auch er simplifiziert - wider seines an anderen Stellen durchaus zum Ausdruck gebrachten besseren Wissens - seine Argumentation, wonach rechte Denker eben die und die hierarchische Ordnungsidee entwickelt hätten, weil sie eben für Ungleichheit seien.
(Wenn das wirklich so wäre, so müßten "Rechte" die heutige Situation ja nahezu für ideal halten, weil es gesellschaftlich eine sehr eindeutige Hackordnung der politischen Meinungen von "Links" bis "Rechts" gibt, in der die Durchsetzungschancen maximal ungleich verteilt sind).
Die nicht zu leugnende rechte Präferenz für "Ordnungen der Ungleichheit" erklärt vielmehr dadurch, daß man auf dieser Seite des politischen Spektrums die real vorhandenen Ungleichheiten zwischen den Menschen, ihren angeborenen, anerzogenen und auch durch glückliche soziale Umstände erworbenen Begabungen und Temperamenten zunächst einmal als gegeben hinnimmt und aus dem vorhandenen "Material" das beste zu machen versucht. Politisch sind "Rechte" deshalb auf der Suche nach einer "Ordnung" und "Hierarchie" - deren Vorhandensein für sie Voraussetzung jedes höheren, zivilisierten Lebens ist - , die jeweils aus allen Menschen ein Optimum herauszuholen versucht, zugleich aber die jeweils Fähigsten in die höchsten, die Leitungsfunktionen einschließlich der Politischen bringt. Und zwar durchaus zum "allgemeien Wohle", auch derjenigen, die die unteren Ränge bekleiden.
Das kann "unten" zweifellos als Zynismus ausgelegt werden, wenn die reale Ausgestaltung der Ordnung diesem Anspruch nicht genügt und auf den oberen Rängen nur noch sinnloser Privilegiengenuß und Bereicherung auf Kosten aller anderen vorherrschen. Hier besteht auf Seiten der Rechten eine gewisse Blindstelle. Aufgrund ihrer Überzeugung von der absoluten Notwendigkeit von "Ordnung" und "Hierarchie" neigen sie oft dazu neigen, die jeweils konkret bestehende zu idealisieren. Doch die Macht übt leider ihre eigenen Reize aus, meist auf Menschentypen, die nicht unbedingt Platons Philosophenkönigen entsprechen.
Dennoch gilt, daß Rechte nicht deshalb eine hierarchisch geordnete Ordnung wünschen, um kleine Gruppen mit exklusiven Privilegien und Reichtum auszustatten und alle anderen davon auszuschließen. Sie sind vielmehr auf der Suche nach einer "gerechten", den menschlichen Dingen und den örtlichen und zeitlichen Verhältnissen angemessenen politischen Ordnung, anders ausgedrückt, auf der Suche nach Wegen, die jeweils richtigen und am besten geeigneten Menschen auf den jeweils richtigen Platz zu bringen. Anders ausgedrückt, die ideale rechte Ordnung ist keine der Ungleichheit als solcher, sondern wäre wohl am besten als "Meritokratie", als Herrschaft der Verdienstvollsten bzw. der Würdigsten zu beschreiben.
Über das, was eine "gerechte" Ordnung ausmacht, und wie man eine solche herstellt, und über die Formen der Auswahl, der "Selektion" der "Würdigsten", besteht auf der Rechten hingegen keine Einigkeit. Hier ist sie weitaus "bunter" aufgestellt als die Linke und wird es immer sein. (Deshalb finden sich auf der Rechten auch eine riesige Fülle von politischen Modellen und Utopien, während auf der Linken jenseits der Variation von demokratischen Ordnungsformen graue Monotonie herrscht).

Es liegt nahe aus der Präferenz der Rechten für meritokratische Herrschaftsformen eine gewisse Distanz zur Demokratie herauszulesen. Das trifft insoweit zu, als man hier der Rechtfertigung der Demokratie aus dem unveräußerlichen Recht der Individiuen, in gleicher Weise und mit gleichem (Stimm-)Recht an der Herrschaft teilzunehmen, mit einer gewissen Skepsis gegenübersteht. Die eigentliche Legitimation einer Herrschaft resultiert in rechter Sicht nicht aus einem abstrakten indiviellen Menschenrecht, sondern aus deren erwiesener Fähigkeit zur Bewältigung der zentralen Probleme eines Gemeinwesens. "Look at the results" (Edmund Burke). "Gute Herrschaft" zählt mehr als formaljuristisch korrekt abgeleitete. Auch hier gibt es die Präferenz für das konkrete Ergebnis.
Eine Recht auf gute Herrschaft haben innerhalb eines Gemeinwesens aber alle, auch die unteren Ränge. Als Antwort auf die Frage, wie man gute Herrschaft sichert, die Abschottungstendenzen in jeder führenden Kaste und ihre rein egoistische Entartung immer wieder aufbricht, spielen demokratische Elemente und Ideen auch auf rechter Seite immer wieder eine Rolle, vom Vormärz über Max Weber bis heute. Churchills (ich weiß, das der Mann in diesem Forum keinen guten Leumund hat) Diktum, daß Demokratie eine schlechte Form von Herrschaft sei, er aber keine bessere kenne, hat durchaus seine Berechtigung. Diese Sentenz, die bei der Integration der Konservativen in das System der alten Bundesrepublik eine gewisse Rolle spielte, läßt aber auch erkennen, daß auf der Rechten "Demokratie" immer als Mittel zum Zweck, nicht aber als Selbstzweck aufgefasst wird. Der "rechte Endzweck" ist: "Gute Herrschaft", wie immer sie im Einzelnen auch organisiert sein mag.
Das scheint mir das wichtige, die wechselseitige Kommuniktion hemmende Unterscheidungsmerkmal zu politischen Linken zu sein. Dort wird Herrschaft allein durch Ableitung aus obersten Prinzipien, höchsten Menschenrechten legitimierbar. Hat man eine solche deduktive Position erst einmal verinnerlicht, fällt es schwer, der rechten Gegenseite überhaupt "legitime" Argumente zuzuerkennen. Es wächst die Neigung, die rechte Art und Weise der Argumentation nur noch als Verschleierungen partikulärer egoistischer Interessen aufzufassen. Umgekehrt ist man als Rechter mit einer Neigung immer wieder baff erstaunt, welches Ausmaß an Realitätsverweigerung auf der Linken herrscht, weil man selbst die Lage induktiv von den konkreten Ergebnissen her zu beurteilen neigt, statt als Linker die ideale Lage von höchsten Prinzipien her zu deduzieren und die reale Lage maximal durch das Filter dieser rosaroten Brille zu betrachten bereit ist.
Hier eine gemeinsame Argumentationsbasis zu finden, dürfte sehr schwer sein.
Der Gutmensch
06. Februar 2016 18:42
Aber nun bitte keine Adorno-Metadiskussionen beginnen!


Bei allem Respekt, lieber Herr M.L., die Art der Debatte gibt Anlass zu noch weit schlimmeren und nötigeren Debatten!

M.L.: Gewiß, aber das debattieren wird dann in einem eigenen Kommentarstrang.

Wurde mir doch unversehens klar, wie es sein kann, dass in der Bundesrepublik so gruselige Debatten geführt werden, wie zu der von Herrn Nassehi aufgeworfenen, wahrhaft tiefschürfenden Frage, ob die Gleichheit wohl innen oder außen zu suchen sei?

Der verlinkte Adorno-Artikel enthält gleich eingangs folgenden Satz:

Adorno verwirft darin die Propagierung des Ideals der absoluten Gleichheit der Menschen, das er als totalitär und intolerant kennzeichnet. Weit entfernt davon, ein absolutes Gut zu verwirklichen, dient sie vielmehr vorrangig „den abgefeimtesten Tendenzen der Gesellschaft“, die kein Anderssein dulden.

und der geneigte Leser fragt sich, zu welchem Zweck Adorno eigentlich soviel Atem verschwendet?

Meine kurze Antwort - zumal wäre ich verbeamteter Professor - hätte gelautet: Unser GG kennt kein Postulat der Gleichheit der Menschen, also weiche von mir, verfassungsfeindlicher Geist, hier hast Du nichts zu propagieren! Privat hätte ich vielleicht folgendermaßen geäußert: Zu Geistesschwachen muss man freundlich sein; vielleicht kann denen mal ein Hausarzt auseinandersetzen, dass die Menschen alle unterschiedlich sind, weshalb auch immer jeder einzeln untersucht werden muss?

Aber nein - Adorno musste sich wohl plustern und Selbstverständlichkeiten begackern, womit er natürlich seinen Anhängern schmeichelt, denn die haben´s auch gewusst (so, wie auch jeder andere im Land)!


Womit er aber leider Positionen, die bei Lichte betrachtet den Verstand nur auf das Gröbste beleidigen können, erstmals in den Rang satisfaktionsfähiger Äußerungen erhebt. Und bloß, weil er es sich angelegen sein ließ, diesen Unfug zu adeln, bleibt selbiger nun in der Welt kleben wie ein Kaugummi unterm Schuh.

So nimmt dann das Unglück seinen Lauf und schließlich kommt noch wer des Weges und "philosophiert" tatsächlich darüber, ob es denn sein darf, dass sich Gruppenmitglieder irgendwie gleichen und Herr M. L. nimmt ihm das dann auch noch brav auseinander, als sei der Mann irgendwann nicht so gut in der Schule mitgekommen und er der zuständige Sonderschulpädagoge. Kafka wäre stolz auf Sie!

Wahrlich, das erklärt so einiges ... Ich sag Euch Freunde - aus Prinzip nie beleidigt zu sein, ist auch leider keine Lösung.


d. G.
Winston Smith 78699
06. Februar 2016 18:58
@ Rumpelstilzchen

Wenn ich mich hier angehen lassen muss, während zeitgleich einer der gelben Pöppel den Eigentorspruch raushaut, dass die Protestler gerade im Begriff sind, den Deutschen "die Zukunft zu nehmen" (anstelle "zurückzuholen"), dann frage ich mich einen Moment lang, wie weit es mit der gelben Leuchtkraft in Wirklichkeit her ist.
enickmar
06. Februar 2016 21:01
Man benötigt hier eigentlich keinen langen Briefwechsel um das Thema hinreichend abzuhandeln.
Das Denken in Gruppenexistenzen ist eine anthropologische Konstante und
durch die Evolution fester Bestandteil der conditio humana. Das ist der Stand der Wissenschaft. Punkt.
Belsøe
06. Februar 2016 21:13
letztendlich hilft es nicht von den Linken ablenken zu wollen.
Durch die massive Unterstützung der Gleichheit und Grenzenlosigkeit, haben Linke (Linke, Linke und nochmals Linke) dem Kapital die Tür geöffnet.


Rechte Regierungen haben sich auch schon brav für "das Kapital" gebückt. Kein Alleinstellungsmerkmal.

Richtig ist, dass die Strömung der letzten Jahrzehnte im westlich-liberalen Teil der Welt eher eine andere Richtung hatte und bestimmte Kreise das auszunutzen wussten. Aus diesen 40-50 Jahren verquieken Leute wie Sie dann "DIE LINKEN DIE LINKEN SCHON SEIT MENSCHENGEDENKEN". Die Anfälligkeit für diese Instrumentalisierung können sich die Lager aber mal schön teilen. Keines ist per se besser oder schlechter, wenn es um den harten Konflikt mit lagerunabhänigigen Globaleliten geht, da selbige es ja gerade perfektioniert haben, von allen Seiten unantastbar zu sein.

Nicht weniger, nicht mehr.
Rumpelstilzchen
06. Februar 2016 23:41
@ Winston Smith 78699

Viele kommen in diesen Zeiten an Grenzen, manche mehrfach, aber jedermann zu einem anderen Zeitpunkt – und wenn andere gerade schon wieder zynisch sind, kann man einander mißverstehen. Hier ist meine Verzweiflung ausgedrückt:
https://www.youtube.com/watch?v=PxEXJMs8V-k
Andre, die das Land so sehr nicht liebten
War‘n von Anfang an gewillt zu geh‘n
Ihnen, manche sind schon fort, ist besser
Ich doch müsste mit dem eig’nen Messer
Meine Wurzeln aus der Erde dreh‘n!
Keine Nacht hab‘ ich seither geschlafen
Und es ist mir mehr als weh zumut –
Viele Wochen sind seither verstrichen
Alle Kraft ist längst aus mir gewichen
Und ich fühl‘, dass ich daran verblut‘!
Und doch müsst ich mich von hinnen heben –
Sei’s auch nur zu bleiben, was ich war
Nimmer kann ich, wo ich bin, gedeihen
Draußen braucht ich wahrlich nicht zu schreien
Denn mein leises Wort war immer wahr!
Seiner wär ich wie in alten Tagen
Sicher; schluchzend wider mich gewandt
Hätt‘ ich Tag und Nacht mich nur zu heißen –
Mich samt meinen Wurzeln auszureißen
Und zu setzen in ein andres Land!
Andre, die das Land so sehr nicht liebten
War‘n von Anfang an gewillt zu geh‘n
Ihnen, manche sind schon fort, ist besser
Ich doch müsste mit dem eig’nen Messer
Meine Wurzeln aus der Erde dreh‘n!
Theodor Kramer / Zupfgeigenhansel


Winston Smith
Ja, es ist zum Verzweifeln.
Ich bitte um Verzeihung
R.
Winston Smith 78699
07. Februar 2016 10:01
@ Rumpelstilzchen

Vielen Dank für das Ausgraben dieses wunderschönen Lieds. Bedanken möchte ich mich mit musikalischen Grüßen vom Meistersänger des Widerstands - alle von derselben Scheibe "Carambolage", wobei beim dritten momentan nur eine Coverfassung verlinkbar ist, in der zwar der Text nicht optimal heraushörbar ist, aber die Wut umso besser:

War ein Land

Diesmal hat er sich gewehrt

Wenn die Stummen reden würden, und die Blinden könnten sehn ...
Kryptokonservativer
07. Februar 2016 11:02
Wenn die AfD in Sachsen-Anhalt zum Beispiel Schullehrpläne oder Programme der öffentlichen Theaterbühnen auf einen “deutschen Kurs” bringen will, dann ist das nicht nur das Bedürfnis nach ethnischer Reinheit. Es ist vor allem das Bedürfnis, über gesellschaftliche Bereiche Macht und Kontrolle auszuüben, die im Moment frei und unabhängig sind und nicht der unmittelbaren Kontrolle des konservativen Bürgertums unterliegen.


Wenn die [Grünen] in [Baden-Württemberg] zum Beispiel Schullehrpläne oder Programme der öffentlichen Theaterbühnen auf einen “[gendergerechten] Kurs” bringen will, dann ist das nicht nur das Bedürfnis nach [Toleranz und Vielfalt]. Es ist vor allem das Bedürfnis, über gesellschaftliche Bereiche Macht und Kontrolle auszuüben, die im Moment frei und unabhängig sind und nicht der unmittelbaren Kontrolle des [linksautoritären] Bürgertums unterliegen.

Der Simon'sche Erguss verdeutlicht, auf welchem Holzweg sich die "postmodern" gebende Linke befindet. Ihre Analyseinstrumente - insbesondere die Foucault'sche Diskursanalyse - führen, auf die eigene politische Praxis, angewendet, zu nämlichen Resultaten wie auf diejenige des Gegners: Ist nicht die sog. Gender-Hauptverströmung allen voran ein gewaltiger Disziplinar-, Kontroll- und Machtapparat, eine "Subjektmaschine" im besten Sinne? Resultiert der Hang zum Linksliberalismus nicht viel eher dem Distinktionsbedürfnis (Bourdieu!) soziologisch klar abgesteckter Milieus (Gymnasiallehrer, "Kulturschaffende" und sonstige "Lebenskünstler")? Der Widerspruch fällt dabei wahlweise auf die sie Anwendenden oder die Theorien selbst zurück.
enickmar
07. Februar 2016 11:26
Eigentlich schon ein “Klassiker”:

… This extreme sociality can make cooperation a stable strategy resistant to cheating even when group members are not related. But it does depend upon one key demographic feature: migration between groups must be kept low. If it is not, groups become homogenized, cheats can prosper and the driving force of group selection — differences between groups — fails. Wariness of strangers, for all its potentially ugly manifestations, may be deep in our psychological make-up.

If the view put forward here is correct, then human cultural diversity arises from two main forces. One is the drive to secede from larger groups whenever possible, the better to control some defensible resource; this is what gives rise to the geographical patterns of diversity. The second set of forces is social and behavioural. They maintain cooperation within groups and create cultural identity and coherence, causing barriers to gene flow and meaning that vertical cultural transmission dominates. Putting these forces together, we get a picture of humans as a highly social and group-focused species. …


http://www.nature.com/nature/journal/v428/n6980/full/428275a.html
Der Gutmensch
07. Februar 2016 11:30
M.L.: Gewiß, aber das debattieren wird dann in einem eigenen Kommentarstrang.


Das befürchte ich auch; Ihr pädagogischer Ehrgeiz macht mich erfürchtig schaudern.

Heulend und reuig mit den Zähnen klappernd,

Ihr ergebener Gutmensch.
Aristoteles.
07. Februar 2016 18:34
Martin Lichtmesz zitiert aus dem 'Neue-Rechte-für-Dummies-Guide':

" "Kultur und Ethnie, kurzum die Herkunft, sind Dinge, die das Denken von Rechten sehr stark beeinflussen." "

Krautreporter mag sich über 'Ethnie' wundern ..., aber 'Kultur'?
Scheinen dreiste Kerle zu sein, diese Rechten: Lassen sich von Kultur stark beeinflussen.


Martin Lichtmesz zitiert sich selber (von mir schon im Original gelesen!):

" "Alles muß »bunt« gemischt sein, und wehe jedem gleich dem Gallierdorf des Asterix verteidigten Flecken, der es noch wagt, sich den Zwangssegnungen der »Diversity« zu verweigern." "

Gestern demonstrierten und demolierten die Linken in Friedrichshain gegen Polizeieinsätze und für alternative "Freiräume".
(http://www.welt.de/vermischtes/article151922260/Bis-zu-100-Maskierte-demolieren-20-Autos-in-Berlin.html)

Ganz ehrlich, ich bin auch für alternative Freiräume.
Wahrscheinlich wären die imperialistischen Linken aber die ersten, die das verhindern wollten.
Der Gutmensch
07. Februar 2016 20:47
Ich empfehle: Arthur Schopenhauer: Die Kunst, recht zu behalten
Für ein paar Märker neu oder antiquarisch zu erhalten. Zeitlos gültig trotz altertümlicher Sprache. Bitte eine Ausgabe wählen, in der die lateinischen und griechischen Hinweise, Zitate…übersetzt sind. Unbedingt lesenswert…


Lieber Westpreuße -

vor allem ist die Lektüre doch aber ein probates Mittel gegen schlechte Laune! Lesen Sie das mal jemandem vor, der es noch nicht kennt - hab ich so gemacht - und wir haben uns die Bäuche gehalten vor Vergnügen. Schopenhauer ist so wunderbar miesepetrig, da kann man beim besten Willen und schlechtest möglicher Laune nicht mehr mithalten - und wird selber zwangsläufig zum Sonnenscheinchen.

Viele Grüße,

d. G.

PS: Für den Fall, dass es sich nicht um schlechte Laune, sondern um Kummer handelt, will ich nichts gesagt haben. Dann ist das die falsche Kur.
Trouver
07. Februar 2016 21:06
Die Verwestlichung Rußlands, eine Straßenszene:

https://www.youtube.com/watch?v=Qyzv7BMQZTg
Hühnerbaron
07. Februar 2016 22:25
Schopenhauer online hier:
http://www.rhetorik-netz.de/rhetorik/kunstgriff/
Martin Lichtmesz
08. Februar 2016 09:14
Badeschluß, Zapfenstreich!

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