15. Juni 2016

Wachstumskritik (IX): Unsichtbarkeitsspirale

von Felix Menzel / 26 Kommentare

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

oekonomie_aufmerksamkeitDie etablierten Medien zu kritisieren, weil sie lügen, verzerren, Probleme beschönigen, diffamieren und das Banale bevorzugen, greift immer etwas zu kurz, weil wir es ja sind, die ihnen immer noch Aufmerksamkeit schenken, obwohl wir sie auch einfach konsequent ignorieren könnten, wenn wir unser angestrebtes Weltwissen ausschließlich über alternative Kanäle und in der Bibliothek zusammensuchen würden.



Warum wir dazu so wenig in der Lage sind, kann nur begreifen, wer die große Paradoxie des mentalen Kapitalismus erkennt. Der Wachstumszwang der Gegenwart besteht gerade nicht darin, zu einer ständigen eigenen Fortentwicklung aus der Tradition heraus angehalten zu sein, um die Permanenz der Gesellschaft sicherzustellen. Vielmehr handelt es sich um einen „Fortschritt“, der in jeder Sekunde fordert, daß wir daran partizipieren, mehr zu verwirklichen und das Höhere, Weitere und Bessere anzustreben. Das wiederum befördert die Obsession, ständig über die Medien an das Weltgeschehen konnektiert sein zu wollen, um keine Neuigkeit zu verpassen.

Seltsamerweise verhalten wir uns dabei äußerst unökonomisch. Wir investieren ständig Aufmerksamkeit und Zeit für unnütze und belanglose Dinge, erhalten aber im Gegenzug viel weniger Anteilnahme, Zuwendung, Interesse und Neugierde für das, was wir selbst produzieren und was uns wirklich bewegt. Dies ist auf den ersten Blick umso verwunderlicher, da „nicht der sorglose Genuß, nein, die Sorge, daß die andern auch schauen, (…) zum tragenden Lebensgefühl in der Wohlstandsgesellschaft“ geworden ist, wie es Georg Franck in seiner Ökonomie der Aufmerksamkeit (1998) schön beschrieben hat.

Doch sie schauen nicht. Sie schauen nur, wenn man sich in besonders provokanter, alberner oder exzentrischer Weise präsentiert, wobei dann der eigentliche Inhalt und die eigene Persönlichkeit in den Hintergrund zu rücken drohen.

Politisch ist dies von Bedeutung, weil an die Stelle des Glaubens an den Parlamentarismus, der durch kontroverse Debatten „die wahre und richtige Gesetzgebung“ (Carl Schmitt) finden sollte, eine Skandalokratie getreten ist, die beim Agenda Setting ausschließlich von den tagesaktuellen Effekten lebt. Herausgebildet hat sich deshalb eine Provokationsästhetik, deren Gesetzmäßigkeiten beherrschen muß, wer öffentlich wahrnehmbar werden will, und darauf hofft, diese Wahrnehmbarkeit in echten Einfluß umwandeln zu können.

Funktionieren kann die Skandalokratie jedoch nur, solange die unpolitischen Bürger gleichgültig bleiben und die politisch Interessierten die Austauschbarkeit der emotionalisierten Informationshäppchen akzeptieren und eine weitestgehende Wahllosigkeit ihres Verlangens nach Sensationen und Empörungsgründen an den Tag legen.

Während nun Georg Franck die nervöse Grundstimmung in der Aufmerksamkeitsökonomie aufgrund ihres Mangels an langfristigem Denken ganz nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“ in Richtung eines Zuwachses an „moralischer Eleganz“ verändern will und damit in die Falle der Hypermoral tappt, lohnt es sich, ein wenig länger über die Unsichtbarkeitsspirale nachzudenken, die sozusagen das notwendige und zwangsläufige Gegenstück zur Skandalokratie ist.

Erfassen lassen sich mit diesem Begriff die mediale Verdrängung des Normalen und des (aus Sicht des Medienprofis langweiligen) Weltwissens, das nur zu erlangen ist, wenn neben der Verinnerlichung von historischen Informationen die Sinnfragen „Wer sind wir?“, „Woher kommen wir?“ und „Was wollen wir?“ beantwortet werden.

In diese Unsichtbarkeitsspirale begeben sich die Bürger nicht freiwillig hinein. Im Gegenteil: Zum einen werden sie gebeten, am „Fortschritt“ zu partizipieren und dies dem Nachbarn auch zu zeigen. Zum anderen haben sie das menschlich-allzumenschliche Bedürfnis nach 15 Minuten Ruhm – und zwar nicht mehr auf dem Dorffest, sondern am besten im Fernsehen.

Gänzlich unerwünscht ist dagegen, daß sich die Bürger vor ihren 15 Minuten Ruhm zunächst einmal Gedanken darüber machen, was sie wirklich mitzuteilen haben. Dies müßte im Idealfall das Ergebnis einer sehr gründlichen Überlegung darüber sein, wie man selbst leben möchte und welche Dinge den eigenen Lebensplan und den der eigenen Gemeinschaft gefährden.

Nötig wäre dazu vor allem Selbstaufmerksamkeit. Dieses Hineinhören in sich selbst anstelle des medialen Erlebens dürfte auch die Voraussetzung für die Ausbildung einer echten Persönlichkeit sein, der es einfacher gelingen dürfte, Zeit und Aufmerksamkeit für die richtigen Dinge zu investieren und souverän mit der erhaltenen sowie nicht-erhaltenen Aufmerksamkeit umzugehen.

Daß die Bürger von sich aus beginnen, nach Selbsterkenntnis und Tiefenwahrnehmung zu suchen, ist aber natürlich genauso eine Illusion wie die Hoffnung auf moralische Eleganz. Vielleicht öffnet sich jedoch eine Hintertür, die eine Überwindung der Lethargie ermöglicht, die zugleich permanente Nervosität ist: Die Provokationsästhetik dürfte immer häufiger ihre eigentlich beabsichtigte Wirkung verfehlen und könnte durch fehlgeleitete Überspitzung Widerstand auslösen.

Zwei Beispiele dazu: Das Cover der Frankfurter Allgemeinen Woche vom 29. April 2016 sollte das angeblich rückwärtsgewandte Familienbild der AfD bloßstellen. Abgebildet ist eine glücklich aussehende Familie mit drei Kindern und Hund. Die Mehrheit, die sich dieses Bild angesehen hat, dürfte sich zumindest insgeheim gesagt haben: „Ja, genau so möchte ich leben.“ Was soll man denn auch an einer solchen Familie anstößig finden?

faz-woche-afd

Etwas länger zurück liegt ein Wahlplakat der Grünen. 2009 warben sie für das, was jetzt Finanzminister Wolfgang Schäuble mit seiner „Inzucht“-Äußerung offen aussprach. Das Plakat kann nur dahingehend interpretiert werden, daß sich jeder Einheimische gefälligst einen schwarzen Sexualpartner zur rassischen Durchmischung der Völker suchen sollte.

schwarz_waehlen

Genau das geht dem unsichtbaren Volk definitiv zu weit, weil mit dieser Bildaussage jeder Betrachter in seiner bürgerlichen Normalität, seiner Intimsphäre und privaten Freiheit verletzt wird. Wenn sich nun jeweils ein paar Deutsche bei jeder Aktion dieser Art die Frage nach ihrer Herkunft und Zukunft stellen, ist dies der notwendige erste Schritt hin zu einem Bewußtseinswandel.

Viel schwieriger wird es danach allerdings noch, das unsichtbare, normale Volk dazu zu bringen, sich das unsichtbar gemachte Weltwissen anzueignen, was nötig ist, um sich aus der Tradition heraus fortentwickeln zu können. Das gilt insbesondere für Zeiten wie die Gegenwart, wo all diejenigen, die über dieses Weltwissen noch verfügen, ihre Kraft darauf konzentrieren, einen ebenso wichtigen politischen Kampf zu führen.

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

Kommentare (26)

Emblem
15. Juni 2016 08:35
Die besten Gegenmittel gegen die anti-weisse Dauerpropaganda sind Humor, Satire und Ironie, an besten mit starken Bezügen zur Populärkultur. Im Zuge der Trump-Bewegung, aber auch schon vorher, hat sich in den USA ein medialer Untergrund herausgebildet, der das vorexerziert. Man kann auf YouTube nach "You Can't Stump The Trump! Mix! OUT OUT OUT!" suchen oder nach "300: Making America Great Again [Donald Trump Parody]", um das zu sehen. Diese Propaganda unterläuft nicht nur das politisch-korrekte Narrativ, sie ist auch noch sehr unterhaltsam und erreicht damit Kreise, denen nicht-linke Botschaften bisher zu dröge und ernst daherkamen.
Teebaum
15. Juni 2016 09:14
Man könnte sogar sagen, in den Medien werden vor allem Abweichungen vom "Normalen"/Alltag gebracht. Dadurch entsteht ein völlig verzerrtes Abbild der Realität.

Noch was "Unsichtbares" in den Medien:
https://swisspropaganda.wordpress.com/der-propaganda-multiplikator/
Heinrich L.
15. Juni 2016 10:13
Ein guter Artikel, aber der "mentale Kapitalismus" macht sich nunmal die Menschliche Natur zunutzen wodurch es schwer wird sich ihm zu entziehen. Ich würde es mit einer Anfälligkeit für Sucht beschreiben.

@Emblem
Ein weiteres gutes Beispiel (Lied) könnt ihr finden wenn ihr "IQ Tests Walt Bismarck" bei youtube sucht. Vorallem weil hier auch wirklich eine inhaltliche Botschaft steckt und es nicht nur darum geht das Trump cool aussieht.
tOm~!
15. Juni 2016 10:25
Vorab, die Wachstumskritik (IX) von Felix Menzel ist ausgezeichnet.

Emblem: Die besten Gegenmittel gegen die anti-weisse Dauerpropaganda sind Humor, Satire und Ironie, an besten mit starken Bezügen zur Populärkultur.


Aber dann ein solcher Kommentar.

Denn logisch, in der sogenannten "Populärkultur" findet man ja ausschließlich seine eigene Kultur und Identität wieder.

Letztlich muss es jeder für sich selbst entscheiden, aber ich frage mich schon, inwiefern es Sinn machen sollte, immer nur weiter im Jauchebad der US-Globalisierung zu baden und darin abzusaufen.

Wer es noch nicht bemerkt hat, die Menschen sollen global gespalten und aufgehetzt werden. Und wer diese Spalter sind, dürfte für jeden der noch einen letzten Rest Verstand in der Birne hat, klar ersichtlich sein.

Schwarz/Weiß
Mann/Weib
Hetero/Homo
Alt/Jung
Links/Rechts

usw.

Diese Spaltung ist von "oben" gewollt. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht den Anschein hat, weil die westlichen Regierungen so tun, als wollten sie diese nicht. Die denken aber schon drei Schritte weiter und die Demokraten sind keine Idioten, das waren sie noch nie.

Im Prinzip gibt es nämlich nur zwei Klassen:

Arm und Reich.

Genau da soll nicht gespalten werden, und es wird alles dafür getan, diese beiden Klassen zusammenzuhalten, und die exorbitant anwachsende Ungleichheit zu negieren.

Warum kommen denn "Flüchtlinge" mit anderer Hautfarbe, Kultur und Religion nach Deutschland?

Es ist leider die typische Reaktion der Deutschen, nach unten zu treten und nach zu oben buckeln. Und das war irgendwie schon immer so. Es fällt heute leichter, gegen "Flüchtlinge" zu hetzen, als die Besatzungsmacht USA anzugreifen, und diese dafür anzuprangern, daß sie mit ihrer Politik dafür gesorgt hat, daß Europa geflutet wird.

In der EU und der "deutschen" Regierung haben sie die passenden Kollaborateure.

Man kann auf YouTube nach „You Can’t Stump The Trump! Mix! OUT OUT OUT!“ suchen oder nach „300: Making America Great Again [Donald Trump Parody]“, um das zu sehen.


Man kann auf YouTube auch "Madame Butterfly" aufrufen. Schon Puccini demonstrierte im Jahre 1904, in seiner gleichnamigen Oper, daß es immer fatal endet, wenn man sich mit Amerikanern einlässt. Für die Geisha Cio-Cio-San endet die Liebschaft zum Pinkerton tödlich, und wen wundert's, sie bringt sich am Ende selbst um.

Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor? #ethnosuizid

Was die Anbiederung der Deutschen ( speziell von Frau Merkel ) an die USA und allgemein an abgestumpfte "Populärkultur" angeht:

https://www.youtube.com/watch?v=9Op7RmV7S3c

<>

https://de.wikipedia.org/wiki/Madama_Butterfly
Der_Jürgen
15. Juni 2016 11:40
@Felix Menzel
Durch diesen Beitrag bin ich auf Ihren früheren Artikel über die "Skandalokratie" gestossen, den ich mit grossem Gewinn gelesen habe. Als er erschien, kannte ich Sezession noch nicht.

Die beiden Bilder am Ende Ihres neuen Beitrags sagen mehr als tausend Worte. Vielen Dank.

@Teebaum
Besten Dank für den wertvollen Hinweis auf swisspropaganda. Die Quelle war mir bisher nicht bekannt.

Besonders aufschlussreich war der Teil über Syrien. Eine deutsche Zeitschrift, die aus erster Hand über die Ereignisse in jenem Land berichtet, weil ihr Korrespondent Manuel Ochsenreiter sich häufig dort aufhält, ist "Zuerst!" Die Lügenpresse übernimmt ihre propagandistische Darstellung der Geschehnisse von den grossen Nachrichtenagenturen.
Ein gebürtiger Hesse
15. Juni 2016 11:46
Viel schwieriger wird es danach allerdings noch, das unsichtbare, normale Volk dazu zu bringen, sich das unsichtbar gemachte Weltwissen anzueignen, was nötig ist, um sich aus der Tradition heraus fortentwickeln zu können.

Vielleicht ist es sogar noch einfacher: Angesichts der ständigen speichelleckerischen Berichterstattung von NICHTS ALS NEGATIVEM seitens der Medien, gilt es, das "normale Volk", zu dem man immer auch selbst gehört, an Gutes, Schönes, Kräftigendes heranzuführen. Und das muß bei einem selbst beginnen. Ansonsten blickt man als Karnickel bloß der Schlange in die Augen und versucht, ihre nächste Bewegung zu antizipieren. Doch braucht man für alles, was ansteht, Besseres im Blick.

Gleichwohl ein wichtiger Aufsatz von Menzel, der Wesentliches anspricht. Danke dafür.
cherusker69
15. Juni 2016 12:07
das grosse Problem ist das diese antideutschen ein perfektes Netzwerk haben, Einrichtungen der totalen Kontrolle des Menschen.. Es geht im Kindergarten an weiter zur Schule und zur Universität. Im laufe des Leben begleiten natürlich die Medien unser Handeln. Ein selbst denkender Mensch ist eben eine Gefahr für deren Vorhaben..Das wichtige wird ausgeblendet und das banale wird in den Vordergrund gerückt..Man sieht es jeden Tag aufs neue..
Wir wissen all das zu gut wie das funktioniert, die Frage ist was tun? wie kommt man aus dieser ganzen Spirale heraus? Medien bilden Meinungen das ist das ganze Verhängnis.. Viel Zeit hat man nicht mehr
niekisch
15. Juni 2016 13:08
"Wir wissen all das zu gut wie das funktioniert, die Frage ist was tun? wie kommt man aus dieser ganzen Spirale heraus? Medien bilden Meinungen das ist das ganze Verhängnis.. Viel Zeit hat man nicht mehr"

@ cherusker69: aufgrund der Wegerziehung ganzer Generationen vom Deutschsein gibt es keine wirkmächtigen Milieus des Eigenen mehr. Wir sind immer nur Einzelkämpfer oder relativ unbedeutende Ansammlungen von Einzelkämpfern. Die Wählerzahlen nehmen zu, sind aber metapolitisch bedeutungslos, da diese Menschen zu feige sind, um nach außen hervorzutreten.

Wir können nur hoffen, daß die Internationalisten jeglicher Couleur bedeutende Fehler machen, die ausländischen Insurgenten das Chaos befeuern und wir begleitend dazu bedingungslos mit j e d e m Deutschdenkenden solidarische Netzwerke bilden, die Nadelstich um Nadelstich versetzen.
Valjean72
15. Juni 2016 13:11
Ein interessanter Beitrag!
Winston Smith 78699
15. Juni 2016 14:43
Ein paar Worte über ein Beispiel für die psychologische Kriegsführung

Wenn ein SPD-Mitglied einen (Wehrlosen) psycho-terrorisiert und mobbt, dann kündigt so jemand das gerne mit einem Gerede über Fürsorge an und mit einem Spruch wie "Laß dir mal helfen, ich geh mal mit ...", um in Wirklichkeit nur zu spitzeln und kleine Fehler zu sammeln. (Hütet Euch vor ALLEN und JEDEM aus der SPD!)

Wir werden das sogleich woanders wiederfinden. Die Sinnfragen „Wer sind wir?“, „Woher kommen wir?“ und „Was wollen wir?“ sollen nämlich am "wir" scheitern.

Auf das folgende Beispiel war ich durch diverse Äußerungen von Möchtegernintellektuellen vorbereitet, dass es ein deutsches Volk ja eigentlich überhaupt nie so recht gegeben habe, wegen multiethnisches Konstrukt und so weiter.

Dann kommt diese freudige Einladung zur eigentlich identitären Frage

"Gehören die Deutschen in West- und in Mitteldeutschland nun wieder oder noch oder - lange nach der Wende - endlich zu EINEM Volk?"
,

denn als solche war der Titel der Propagandasendung "Sind wir ein Volk" ja zu verstehen. Wie auch nahezu jede öffentlich-rechtliche Talkshow gezielt das Thema verfehlt und unter seinem Titel neue Inhalte in die Köpfe pflanzen will, so wird in dieser Sendung dann aber die Frage

Sind "wir" überhaupt ein VOLK?

behandelt und unterschwellig im Sekundentakt beantwortet.*

Diese Sendung sollte mal von einem Psychologen Bild für Bild und Satz für Satz seziert werden. Sie hat also versucht, über die affirmative, positive Stimmung des Zuschauers eine entwertende, morbide, selbstzerstörerische, vielleicht suizidale Botschaft zu übermitteln - nein: unterzujubeln, zu implantieren, denn nur getarnt im Feiergewand und ohne Bewußtheit funktioniert diese Hypnose (NLP?).

Das war auch der Trick des Mobbers von der SPD. Vielleicht ist es überhaupt einer der großen Tricks der SPD.

(*... woran man auch wieder sieht, dass das Ganze eine sehr groß angelegte Nummer ist.)
niekisch
15. Juni 2016 14:56
Jeden Tag gibt es Gelegenheit für ein neues Hoffen auf Wandel:

M o r g e n

So oft die Sonne aufersteht,

Erneuert sich mein Hoffen

Und bleibet, bis sie untergeht,

Wie eine Blume offen;

Dann schlummert es ermattet

Im dunklen Schatten ein,

Doch eilig wacht es wieder auf

Mit ihrem ersten Schein.



Das ist die Kraft, die nimmer stirbt

Und immer wieder streitet,

Das gute Blut, das nie verdirbt,

Geheimnisvoll verbreitet!

Solang noch Morgenwinde

Voran der Sonne wehn,

Wird nie der Freiheit Fechterschar

In Nacht und Schlaf vergehn!


( Gottfried Keller, deutscher Dichter, 1819 – 1890 )
W.Wagner
15. Juni 2016 15:44
Ein wunderbarer Text, Felix! Er ist wirklich an jeden von uns gerichtet, weil wir wohl alle viel Zeit verplempern. ...
maria
15. Juni 2016 17:10
@cherusker

Es ist eigentlich ganz einfach: leben Sie so, wie es richtig wäre und zeigen Sie ihrem Umfeld dadurch nicht nur, was RICHTIG ist, sondern auch WIE es geht. Und mit Rumflennen geht's schon mal nicht, das ist unsexy und unterwürfig, da fährt niemand drauf ab.
(Ist nicht persönlich gemeint, allerdings hör ich das in den Kommentaren andauernd.)
tOm~!
15. Juni 2016 17:50
Erfassen lassen sich mit diesem Begriff die mediale Verdrängung des Normalen und des (aus Sicht des Medienprofis langweiligen) Weltwissens, das nur zu erlangen ist, wenn neben der Verinnerlichung von historischen Informationen die Sinnfragen „Wer sind wir?“, „Woher kommen wir?“ und „Was wollen wir?“ beantwortet werden.


Genau darum geht es, das wurde vom Autor hier einwandfrei hervorgehoben.

Auf diese Fragen wird es in der BRD sicherlich sehr viele unterschiedliche Ansichten geben, weil wir bedingt durch die demokratischen Strukturen, schon lange ein zerrüttetes und gespaltenes Volk sind.

Meiner Meinung nach wären diese drei Kernfragen wie folgt zu beantworten:

1. Wir sind die Deutschen, ein gutmütiges und fleißiges Volk, welches sich nach der Belle Epoque, in zwei Weltkriege treiben ließ, dort bis zur bedingungslosen Kapitulation geschlagen wurde und von einer fremden Großmacht besetzt und unterjocht wurde.

Ohne dabei allzu revisionistisch zu werden, ein Verweis auf den legendären Komponisten Hans Pfitzner:

Wenn wir Deutschen aber einmal eine Gegenrechnung der Grausamkeiten aufstellen wollten, die an uns verübt wurden […], da würde sich das Verhältnis von Schuld und Anklage von Verbrechen und Richteramt gewaltig ändern und umkehren.


Gebüßt und bezahlt haben wir Deutschen für unsere "Verbrechen" allemal. Selbst die Nachfolgegenerationen, werden dafür bis heute in Sippenhaft genommen.

2. Woher wir kommen, schließt sich dem sofort an, denn Deutschland wurde zu einem besetzen Land. Blickt man von oben auf die Welt, dann ist die BRD nichts weiter als eine Kolonie, ein Vasallenstaat, bestenfalls ein "Wirtschaftsstandort". Über 70 Jahre haben wir willenlos eine Amerikanisierung und Demokratisierung hingenommen und irgendwann begonnen, in Uncle Sam einen Beschützer und Verbündeten zu erkennen. Wie sich das heute auswirkt, wird hier bei SiN in beinahe jedem Artikel mehr oder weniger beschrieben, hier von Felix Menzel wurde es deutlich aufgezeigt, es herrscht "Skandalokratie" und fast alle entscheidenden Stellen in Medien, Wirtschaft und Politik sind mit servilen Dienern und Kollaborateuren besetzt. Man könnte durchaus sagen, daß die Deutschen heute versuchen noch demokratischer als das große Vorbild USA zu sein, und noch päpstlicher als der Papst. "Demokratie leben", für eine "bunte, tolerante und offene Gesellschaft" werben, und obwohl die NATO uns seit 1998 immer weiter munter in Kriegsabenteuer stürzt, kann sich kaum mehr jemand daran erinnern, daß "von deutschem Boden" kein Krieg mehr ausgehen sollte.

Sicherlich könnte man darüber ein Buch schreiben, aber woher wir kommen, lässt sich 1:1 auf die Umerziehung zurückführen, die wir Deutschen nach dem zweiten Weltkrieg erfahren durften. Das hat nie jemanden großartig gestört, wirklich nur die wenigsten. Meine Wenigkeit musste selbst erst einmal "aufwachen", viele Informationen verarbeiten, um sich der Realität bewusst zu werden. In diesem Sinne, werde ich dem „guten Juden“ ( O-Ton Henryk M. Broder ) Noam Chomsky immer dankbar sein, der mich mit seinen „“10 Strategien der Manipulation“ brutal aus einer Traumwelt riss.

Nun, seit letztem September, stören sich sehr viele Menschen an einer "Islamisierung" des Abendlandes. Auf einmal sehen nicht wenige den "demokratischen Rechtsstaat" in der BRD bedroht. Sie sorgen sich um ihre „liberalen" und "westlichen“ Werte. Und jetzt auf einmal entdecken eine ganze Menge Leute ihre "Identität" und fürchten gar eine "Umvolkung".

Und dann blicken sie über den großen Teich, sehen dort einen blonden, alten "American Dad", der mit billigstem Populismus glänzt und das Blaue vom Himmel verspricht und hoffen, das ausgerechnet dieser Demokrat ein System umkrempeln wird, daß uns diese ganze Misere nachweislich erst eingebrockt hat.

Daß im Iran vor einigen Jahren ein Präsident an der Macht war, der sich für die Freiheit des deutschen Volkes einsetzte, wollen sie nicht zur Kenntnis nehmen, denn die Perser stecken längst im selben "Islam-Topf", in den die Amerikaner mit ihrer hinterhältigen Nahost-Politik alle Moslems rein geworfen haben. Daß die Iraner sich aber wehrhaft gegen die Amerikaner durchgesetzt haben und das Wichtigste, ihre Souveränität erkämpft haben, spielt dabei für den deutschen Michel keine Rolle.

3. Was wir wollen? Tja, was wohl. An der Seite der USA demokratisch absaufen und zusehen, wie alles in der Katastrophe endet? Schritt für Schritt die rechtsextreme Agenda der EU akzeptieren und uns weiter ausbeuten lassen? Oder wäre es nicht vielleicht doch erstrebenswert, sich irgendwann noch einmal aus der Tyrannei der Siegermacht zu befreien und wieder ein freies Volk zu werden, daß in einem souveränen Staat, seine Geschicke selbst bestimmen darf?

Ich für meinen Teil würde mir das wünschen, denn alles andere ist nur eine Illusion, solange man "Verbündeter" der USA bleibt, für die wir Deutschen immer nur ein Opfer bleiben werden, daß man nach Lust und Laune mit Dreck bewerfen kann, eine Kolonie, die sich ganz hübsch ausnutzen lässt, solange es ihren Interessen dient.

Auf die Weise werden wir alles verlieren. Unser Volksvermögen, unsere Sprache und unsere einzigartige Kultur, von dessen Wurzeln wir uns Tag für Tag weiter entfernen.

Richard Strauss trat schon zum Ende des zweiten Weltkriegs auf die Bühne, als eine seiner Opernaufführungen in München wegen alliiertem Bombenterror unterbrochen werden musste, und meinte zu seinem Orchester und den Sängern:

„Das ist das Ende der abendländischen Kultur.“

Siebzig Jahre bevor jemand an PEGIDA dachte, könnte man diesen Satz durchaus als Prophezeiung betrachten.
Andreas Walter
15. Juni 2016 23:07
http://de.sputniknews.com/panorama/20160614/310606613/bosnien-araber-jungfrauen.html

Die Familie des Mädchens ist damit versorgt, sie auch, und er bekommt dafür eine hübsche, junge, gesunde Frau als Partnerin und zukünftige Mutter seiner Kinder. Solange das alles ohne Druck und freiwillig, mit dem Einverständnis aller passiert, was spricht dagegen?

Natürlich wirkt so etwas auf uns aus heutiger Sicht womöglich erstmal eigenartig, war aber auch hier vor 100 Jahren noch nicht viel anders. Arrangierte Ehen sind auch heute noch auch unter orthodoxen Juden zum Beispiel nichts ungewöhnliches, und warum sollen sich junge Menschen nicht auf die Erfahrung und das Wissen, den Weitblick ihrer Eltern oder darauf geschulte Berater verlassen.

https://www.youtube.com/watch?v=SMoFQhOG_Ok

Den finanziellen Aspekt des Ganzen kann man ja auch so oder so verstehen, als Form von Prostitution oder als Zeichen der hohen Wertschätzung, wie ja auch spirituelle Reinheit von Menschen unterschiedlich verstanden wird.

Allerdings sieht man dabei auch, wie unterschiedlich Muslime offenbar Frauen unterschiedlicher Kulturen wertschätzen. Sie können schon, wenn sie wollen.
ene
16. Juni 2016 00:32
Die Familie des Mädchens ist damit versorgt, sie auch, und er bekommt dafür eine hübsche, junge, gesunde Frau als Partnerin und zukünftige Mutter seiner Kinder. Solange das alles ohne Druck und freiwillig, mit dem Einverständnis aller passiert, was spricht dagegen?

Lieber Andreas Walter,
zwar wirkt so etwas auf uns aus heutiger Sicht womöglich erstmal eigenartig,, wie Sie ja selber sagen, aber lassen Sie uns ganz vorurteilsfrei die Angelegenheit doch mal unter anderem Vorzeichen betrachten, was ja immer sehr aufschlußreich ist, nämlich so:

Die Familie des Jünglings ist damit versorgt, er auch, und sie bekommt dafür einen hübschen, jungen, gesunden Mann als Partner und zukünftigen Vater ihrer Kinder. Solange das alles ohne Druck und freiwillig, mit dem Einverständnis aller passiert, was spricht dagegen?

Wie wärs denn mal mit Männerkauf, Väter freuen sich bestimmt, wenn sie Ihre jungen Söhne in die Arme überreifer Damen legen dürfen - von Prostitution wollen wir hier nicht sprechen - es gibt bestimmt viele Interessentinnen, insbesondere, wenn der hübsche Junge noch eine "helle Haut" und "große Augen" hat!
Gustav
16. Juni 2016 08:27
Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in der demokratischen Gesellschaft. Wer die ungesehenen Gesellschafts­mechanismen manipuliert, bildet eine unsichtbare Regierung, welche die wahre Herrschermacht unseres Landes ist. Wir werden regiert, unser Verstand geformt, unsere Geschmäcker gebildet, unsere Ideen größtenteils von Männern suggeriert, von denen wir nie gehört haben. Dies ist ein logisches Ergebnis der Art wie unsere demokratische Gesellschaft organisiert ist. Große Menschenzahlen müssen auf diese Weise kooperieren, wenn sie in einer ausgeglichen funktionierenden Gesell­schaft zusammenleben sollen. In beinahe jeder Handlung unseres Lebens, ob in der Sphäre der Politik oder bei Geschäften, in unserem sozialen Verhalten und unserem ethischen Denken werden wir durch eine relativ geringe Zahl an Personen dominiert, welche die mentalen Prozesse und Verhaltens­muster der Massen verstehen. Sie sind es, die die Fäden ziehen, welche das öffentliche Denken kontrollieren. (Edward Bernays (1891-1995) gilt als Vater der "Public Relations")


Die Rolle der Medien wird weitläufig unterschätzt. Und zwar selbst von denen, die glauben, sie hätten sich mit Medien beschäftigt.

Die Medien konstituieren in der heutigen Welt einen Staat. Ohne dass es Medien gibt, gibt es keinen Staat mehr. Ohne dass es einen Gleichklang an Medien gibt, ohne einen medialen Konsens darüber, was der Staat ist, gibt es keinen Staat mehr. Das heißt, die Medien bilden den Staat. Sie sind nicht nur bestimmend, sondern es ist eine Identität zwischen Medien und Staat. [...] Wenn die Medien jetzt auf einmal pro-russisch wären, dann wären wir ein pro-russischer Staat ... über kurz oder lang, oder pro-chinesisch, dann wären wir ein pro-chinesischer Staat, und wenn die Medien pro-amerikanisch sind, sind wir ein pro-amerikanischer Staat oder pro-französischer Staat, wenn die pro-französisch sind. Wenn die Medien die staatlichen Institutionen ablehnen, dann haben wir keine staatlichen Institutionen mehr, oder dann werden wir über kurz oder lang keine staatlichen Institutionen mehr haben. Das heißt, die Rolle der Medien ist der Schlüssel schlechthin. ( Marcel Bartels)


http://thoughtmaybe.com/the-century-of-the-self/
Ein Fremder aus Elea
16. Juni 2016 11:54
Wenn jeder seine 15 Minuten Ruhm für Substantielles nutzte, wären die Zuschauer nach dreimal 15 Minuten Ruhm hoffnungslos intellektuell überfordert.

Der Grund, warum wir an den Nachrichten hängen und nicht an unseren persönlichen Lebensumständen, besteht darin, daß wir unsere Lebensumstände nicht aus eigener Kraft gestalten können, sondern hilflos den großen Strömungen ausgeliefert sind, und der einzige Weg aus dieser geistigen Verfassung besteht darin, die eigene Ohnmacht zu akzeptieren, sich zugleich aber nicht länger von ihr lähmen zu lassen.

Egal wie meine Lebensumstände sein mögen, ich tue stets, was mir im Augenblick am wichtigsten erscheint, wenn ich die Möglichkeit dazu habe.
Rheinländer
16. Juni 2016 12:54
Zitat vom verlinkten Eckart-Beitrag:

"Dies liegt daran, daß die Massenmedien uns das Denken in einer falschen Weise beigebracht haben. Sie haben uns zu einer Hypernervosität (hyper attention) erzogen, statt uns eine Tiefenwahrnehmung (deep attention) zu ermöglichen. Einher geht dies mit einer unterbewußten Bevorzugung alles Kurzfristigen anstelle der wirklich wichtigen Beschäftigung mit langfristigen Problemen."

Genau darin sehe ich auch einen individuellen Ausweg, wenn man den ganzen Wahnsinn nicht mehr aushält: Sezession, Waldgang, Tiefenwahrnehmung.
Der Gutmensch
16. Juni 2016 19:27
(Hütet Euch vor ALLEN und JEDEM aus der SPD!)

SIE kommen doch auch aus der SPD, Winston, bestimmt! Werde mich hüten, so gut ich kann!!

d. G.
Winston Smith 78699
16. Juni 2016 21:45
@ Der Gutmensch

Komme aus einer traditionell SPD wählenden Arbeiterfamilie, war aber nie Mitglied in einer Partei. Mir war diese verfettete SPD früher ohnehin immer zu spießig, zu doof und kulturbedürftig und nicht sozialistisch genug. (Bzw. überhaupt sozialistisch? "Wer hat uns verraten ... ") Jedoch war sie in einem schwarzschwarzen Land eben die einzige Opposition. Aber ich hab sie immer nur gewählt, um diesen unerträglichen Kohl wegzukriegen, auf den meiner Meinung nach ein guter Teil des aktuellen Schlamassels zurückgeht. (Vielleicht empfinde ich das eben so, weil ich nur diesen Unsäglichen genauer beobachten konnte, Schmidt aber mein Idol gewesen ist und Brandt mir immer vor allem betrunken vorkam. Mutter hierauf: "Der redet immer so." Andere gehen in der Ursachen- oder Hauptfehlersuche natürlich weiter zurück, wobei ich die Adenauerfraktion besonders interessant finde.)

Aber warum findet Menzels interessanter Artikel mit seinen farbigen Zwischentönen nur so relativ wenige Kommentare? Werden diese Töne nicht als problematisch empfunden? @W.Wagner etwa schreibt:
Ein wunderbarer Text, Felix! Er ist wirklich an jeden von uns gerichtet, weil wir wohl alle viel Zeit verplempern. …

Ja wenn das so ist, dann bleibe ich jetzt nicht mehr am Ball, widme mich lieber den Schubert-Transkriptionen für Gitarre und erreiche damit bestimmt etwas Gutes für das Volk, bis mich unversehens der jaulende Nachbar absticht.
Andreas Walter
17. Juni 2016 01:05
@ene

Sehen Sie, Sie hat der Feminismus auch schon "umgedreht", und bemerken es nicht einmal.

Wenn man alle Dinge einfach nur spiegeln könnte, dann wäre tatsächlich alles gleich, doch selbst das linksdrehende Enantiomer des Thalidomid (Contergan-Unglück, -Skandal) hat eben nicht die gleiche Wirkung wie das Rechtsdrehende.

Darum heisst es ja auch Yin und Yang, gibt es Frau und Mann.

Haben Sie sich jemals gefragt, warum die erwachsene Frau in allen Kulturkreisen im Durchschnitt kleiner und leichter ist als der Mann?

Oder warum auch schon so viele junge Frauen am liebsten den ganzen Tag lang Pferde und Ponys striegeln würden, gerne Wendy lesen, und nicht das Manifest?

Die sogenannte "Moderene", der Marxismus hat ja bisher noch nicht wirklich bewiesen, dass das tatsächlich der nächste Schritt auch der Evolution ist. Im Augenblick sieht es zumindest nicht danach aus, stehen die Zeichen eher auf Selbstbehauptung, Eroberung, Krieg, Abwehr und Verteidigung.

Bonobos war eben gestern, jetzt geht es wieder mehr um Schimpansen und Gorillas, Silberrücken, die sich entweder behaupten, oder verdrücken.

Denn ein "Jüngling", ein "hübscher Junge" ist eben noch kein Mann. Eine junge Mutter aber, wenn versorgt, beschützt und geliebt, auch von einer Älteren in nichts zu unterscheiden.
Der Gutmensch
17. Juni 2016 16:19
"Komme aus einer traditionell SPD wählenden Arbeiterfamilie, war aber nie Mitglied in einer Partei.(...)"

Hm ... Also es scheint wohl, Herr Smith, dass Sie immer alles wissen. Offenbar reineweg aus Langeweile.

Und zu Herrn Menzel gibts nicht viel zu sagen. Er fragt ja nicht, WARUM wir von den Medien derartig bombardiert werden (vermutlich weil er sich mit der Begründung, dass die eben den Kurs der Kanzlerin durchpeitschen wollen, schon zufrieden gibt). Er fragt auch nicht, wieso sie uns alle mehr oder weniger GLEICH bombardieren, wo ja nächstes Jahr Wahlen sind. Dabei hat er selber mal festgestellt, dass es Frau Merkel in der Hand hätte, das innenpolitische Spiel zu wenden.

Und schließlich fragt er nicht, was sich die dahinter stehenden Interessengruppen persönlich davon erhoffen; das können durchaus verschiedene Dinge sein. Einig ist man sich aber wohl darüber, von wem man sie haben will.

Das sind die großen, gruseligen Fragen. Ich krieg nicht mal die kleinen gruseligen beantwortet. Und eine Gitarre habe ich auch nicht. Aber ich geh jetzt Blockflöte blasen, um die Nachbarn zu ärgern.

d. G.
Winston Smith 78699
17. Juni 2016 18:25
@ Der Gutmensch

Also gut, ich muß korrigieren, zuerst die "Arbeiterfamilie". Da waren wohl Förster, Brauer, Soldaten, Dorflehrer, kleine Angestellte dabei - aber wie nennt man das Milieu? Kleinbürgerlich? Einblick zur Genüge hatte ich aber woanders, weswegen ich auch korrigiere: Hütet Euch vor jedem aus der SPD dort, wo diese an der Macht ist. Ich wünsche diese Erfahrung nur meinen Feinden, aber die sind ja ebendort und spielen sprichwörtlich Blockflöte. Langeweile würde ich das übrigens nicht nennen, sondern eher Trauma.

... wieso sie uns alle mehr oder weniger GLEICH bombardieren, wo ja nächstes Jahr Wahlen sind.

Uns alle gleichermaßen oder sie alle gleichermaßen? Letzteres wohl. Naja, dass nächstes Jahr eben keine Wahlen mehr sein werden, ist eine schon oft vermutete Variante. Die andere, an der ja immer wieder mal gebastelt wird, ist die historisch beispiellos schnelle Veränderung des Wahlvolks, übrigens vielleicht mehrgleisig. Am Fall der Ermordung von Cox wird soeben die Verknüpfung von "rechtsextrem" mit "psychisch krank" lanciert, und an der von "depressiv" mit "Mörder" war schon am Fall eines Copiloten gearbeitet worden. Mit einer schwerstmanipulierbaren Konsumentenmasse tun sich da doch Möglichkeiten auf. Das sind für Sie natürlich olle Kamellen, aber vielleicht nicht für jeden Neuleser.
Der Gutmensch
18. Juni 2016 10:32
ad Winston Smith:

Die Variante, dass es nächstes Jahr keine Wahlen mehr gibt, hatte ich zwischendrin auch mal erwogen, aber ich habe auch ein Hasenherz.

Aber mal ganz kurz und grundsätzlich: Wer sind hier eigentlich die Demokraten? Die, denen die Demokratie aufoktroyiert wurde und die sich dann aus ... „Treue zum Befreier“ dazu bekannten, oder die, die sich - meinetwegen aufgrund von Fehlvorstellungen - mal dafür entschieden haben und dann notgedrungen mit den Härten derselben fertig werden mussten?

Die alte BRD bot doch i. d. R. kaum Belastungsproben für die Demokratie; das waren reine Sandkastenspiele. Außenpolitisch war man nur im Schutze der Nato unterwegs und innenpolitisch war die Sahne immer noch dick genug für die meisten, für die „Mitte“. Da ging es doch i. d. R. um - fast nichts; entsprechend verständnislos blickte man auf jeden runter, der sich im Ernst für etwas engagierte und nicht bloß Wohlfühlpolitik vor Augen hatte.

Jetzt geht es aber auf einmal um viel. Und schwupp zeigt sich, dass die Alt-BRDler hoch nervös werden - wie, da machen welche tatsächlich von ihren Grundrechten Gebrauch, auch wenn das der Mehrheit aktiv nicht passt? Obacht! Hier wird zurück gepöbelt!

Auf diese Weise wird man das Problem nicht lösen. Unser politisches Engagement ist m. E. in weiten Teilen nicht mehr darstell- und öffentlich verhandelbar; mit TTIP fängt das an: So wenig es einem gefallen mag, was dort verhandelt wird, so wenig ist es schließlich eine Option, den Verhandlungstisch zu verlassen. - Es wird also zunehmend des Vertrauens in die handelnden Personen bedürfen, die dann - böseböse - entsprechende Autorität genießen. Man könnte sogar sagen, als „vertrauensbildende Maßnahme“ sind Wahlen unerlässlich, die Frage ist eher, ob die Gleichheit der Wahl (in Europa ohnehin schon durch das Prinzip der degressiven Proportionalität durchbrochen) aufrecht erhalten bleibt.

Es würde allerdings dem Anliegen (Vertrauen gewinnen) zuwiderlaufen, wenn man diesbezüglich offen politisch - oder gar finanziell - vorsortiert:

Die Methode, Menschen mit einer anderen Vorstellung von Gesellschaft als geisteskrank zu kennzeichnen, gefiel schon Onkel Stalin; das weiß auch jeder, so blöd ist keiner.

Auf die Flugzeugabsturz-Angelegenheit möchte ich hier nicht näher eingehen.

Aber wenn ein Zusammenhang Aggressionen-Depressionen suggeriert wird, mögen durchaus Gründe dahinter stehen; die Auswirkungen von gewissen Antidepressiva sehen mitunter wohl nicht ganz so aus, wie man sich das erhofft hat; wofür natürlich die Patienten am wenigsten können.

Naja - ein weites Feld, Luise.

Was war noch? Ach ja - SPD. Es ist lange her, dass Ihre und meine Großeltern und Urgroßeltern Fans waren. Falls Sie allerdings auf Thilo Sarrazin anspielen sollten, so ist es wohl ziemlich unerheblich, in welcher Partei der Mann nun zufällig ist; ich sag ja - sowas wie eine "politische Überzeugung" kann es nicht geben.

d. G.
Winston Smith 78699
22. Juni 2016 00:25
@ Der Gutmensch

Die Kommentarspalte ist hier noch auf, also darf man vielleicht noch einen Scheit nachlegen.

Die Landfrau, von der ich meine Gänse beziehe, schlachtet einzeln und diskret - besseres Geflügel, weil weniger Aufregung für das Getier. Das fiel mir nach jüngsten Gesprächen mit unglaublichen Gutmenschen ein, die auf ganz bizarre Art einerseits Realität leugneten und mich zum Verschwörungstheoretiker (Huuu!) erklärten, dann aber Sachen sagten wie, dass Europa schon überleben wird, was '45 und folgende Jahre gezeigt hätten, und dass man sehen müsse, dass hunderte Jahre lang die Kinder ja ÜBERHAUPT keine Schule besucht hätten. (Aha, na schön, aber mich darüber aufregen, dass es also dorthin geht, darf ich mich nicht, ach ja.)

Haben sie "Unten am Fluß" (Watership Down) gelesen - ich meine die letzten Kapitel aus dem ersten Buch? (Es gibt das komplette Hörbuch derzeit gut gelesen auf Youtube.) Da geht es um die Eloi (die von den Morlocks), aber mit interessanten neuen Facetten. Und haben Sie "Bambis Kinder" von Felix Salten gelesen (das vorletzte Kapitel)? (Davon gibt es ein grandioses Hörspiel, das mit Abstand Gruseligste, was man Kindern antun kann: https://www.discogs.com/Wolfgang-Kieling-Bambi-Und-Der-R%C3%A4tselhafte-R%C3%A4uber/release/4876574 - lassen Sie das nicht Ihre Kinder hören!) Dort sind es keine Eloi! (Gerne würde ich diese Vergleiche genauer ausführen.)

In so einem Zustand sind die Gutis gerade, und sie begrüßen dies: die haben aufgegeben, wollen zur Schlachtbank, wollen nur noch, dass es möglichst unsichtbar und vielleicht schmerzarm abläuft. Der aufgeschobene kollektive Suizid der Großeltern wird nun übernommen und vollzogen. Vorher hatte man allen Nachgeborenen systematisch eingeredet, dass sie einfach nur überflüssig sind, aller Welt nur im Wege, eine reine Last vor der Menschheit. Doch, hat man. die Saat geht auf. Es ist dies die Begleichung der Schuld im dritten oder vierten Glied (nachher geht es nicht mehr so recht, also muß es jetzt sein - nein, das ist nicht antxyisch gemeint, die haben damit nichts zu tun) mit lex talionis (auch hier: das ist bei den Gutis ein Psychoding, kommt nicht von außen).

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