26. August 2013

Alternative für Deutschland - Mit Mimikry ins Establishment?

von Martin Lichtmesz / 26 Kommentare

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

LuckeWas die Alternative für Deutschland betrifft, so teile ich im Wesentlichen die Einschätzung von Manfred Kleine-Hartlage (hier und hier).  Und sonst: mir fällt zur AfD nichts ein. Das Thema langweilt mich sogar ein bißchen, und zwar von Beginn an.  Die übermäßige Begeisterung, die seit einigen Monaten durchs konservativ-libertäre Lager geht, ist mir etwas rätselhaft und erinnert mich (ohne nun jemanden beleidigen zu wollen) ein wenig an die Nashörner von Ionesco. 

Kurios ist auch, daß die nach Angaben vieler Leser reichlich vorhandene konservative Basis der Partei offenbar von derselben Vorstellung wie ihre Gegner von Linksaußen ausgeht: nämlich, daß die AfD eine Art "trojanisches Pferd" sei, das erstmal alle üblichen Sprüchlein aufsagen und Konzessionen machen muß, um einen Platz im parlamentarischen Sandkasten zu bekommen.

Wenn man nun die bisherigen offiziellen Verlautbarungen der AfD 1:1 nimmt, dann gäbe es kaum einen Grund für eine derartige Adventstimmung im konservativen Lager. Letztlich handelt es sich nur um kleinere Kosmetiken am Gesamtsystem, die vorgesehen sind. Das Programm der AfD verweist keineswegs auf eine konservative Politik der alten BRD-Schule, wie etwa wie unter der CSU anno Strauß.

Offenbar erwartet man sich also mehr unter der inzwischen stromliniengeformten Oberfläche, ist inzwischen schon so ausgehungert, daß die kleinsten Krumen genügen, um üppige Visionen hervorzurufen, gleich dem Heiligen Antonius in der Wüste. Die Konservativen gründen ihre Hoffnungen letztlich darauf, daß die Partei, sofern sie an Macht gewinnt, handfester als erwartet und angekündigt durchgreifen und etwa ein "sarrazineskes" Programm umsetzen wird. Nach aller Erfahrung wird allerdings eher das Gegenteil der Fall sein.

Wir erkennen hier unschwer und nicht ohne Ironie das altbekannte Thema der politischen "Mimikry" wieder. Das sieht in der antifantischen Fassung so aus, daß alles, was die Rechten und Konservativen sagen, tun, meinen, nichts anderes als eine taktische Maske sei, um innerhalb des gültigen Systems eine neuerliche faschistische Machtergreifung voranzutreiben.

Zum allermindesten werden konservative bzw. rechte Positionen mit dem Ruch eines ethischen Defekts und der moralischen Verwerflichkeit belegt. Das manifestiert sich dann im stereotypen Duktus des "Entlarvens", zumeist also mehr oder weniger der Diffamierung durch Unterstellungen, Spekulationen, Kontaktbeschuldigung und kreative Interpretationen.

Nun ist es so, daß die Bandbreite dessen, was man jenseits der etablierten Politik überhaupt noch politisch vertreten kann, derart geschrumpft ist, daß jeder, der realpolitisch wirken will, mehr oder weniger zu Anpassungen gezwungen ist - und das bedeutet in erster Linie Anpassung an den herrschenden Sprachgebrauch. Dieser Grat ist viel, viel schmaler als jener, den man noch publizistisch beschreiten kann, wo es immer noch einige nennenswerte Galapagosinseln und Gefilde, auch abseits der Jungen Freiheit, gibt (ich denke etwa an die Achse des Guten und die diversen Alibi-Konservativen des Spiegels.)

Viele Konservative hoffen nun, daß die Anpassung an diesen Sprachgebrauch seitens der AfD tatsächlich nur "Mimikry" ist, und daß die entsprechenden AfD-Vertreter eben nicht so recht meinen, was sie sagen. (Von denjenigen, die die Vokabeln dieses Sprechs für bare Münze nehmen, oder gar nicht merken, inwiefern sie linksideologischer Herkunft sind, das Koordinatensystem abstecken und die Marschrichtung zu ihren Ungunsten festschreiben, will ich nicht reden. Da sind ohnehin schon Hopfen wie Malz verlorengegangen.)

Dieser Sprachgebrauch funktioniert wie eine ziemlich harte Scheidewand: denn in ihm kodieren sich die herrschenden metapolitischen Werte und Prämissen. Hier könnte man witzigerweise nun eine echte "Entlarvungs"-Arbeit betreiben, und beispielsweise eine Art diskursanalytisches "Wörterbuch" anlegen, eine Art aktualisierten Viktor Klemperer ("LRPFG - Lingua Rei Publicae Foederatae Germaniae"), in dem unter die Lupe genommen wird, welche ideologische Bedeutung die gängigen Politvokabeln eigentlich tatsächlich haben:  "Demokratie", "Vielfalt" , "Integration", "Toleranz", "Grundwerte", "Bereicherung", "Weltoffenheit", "Europa", "Alternativlosigkeit" usw. usf.


"Ausländerfeindlichkeit" ist auch so ein Wort. Im April gab Bernd Lucke dem Cicero ein Interview, in dem er zumindest den Sprung durch einige kleinere Ringe verweigern und umschiffen konnte. Über ein paar Umwege und personale Bezüge kam der Interviewer auf die Republikaner zu sprechen, und stellte fest, daß diese doch "klar ausländerfeindlich" seien. Luckes extrem überraschende Antwort: "Unsere Partei lehnt Ausländerfeindlichkeit ganz ausdrücklich ab." Die Betitelung des Cicero-Interviews, extrem unüberraschend:
"Wir lehnen Ausländerfeindlichkeit ab." Ein Interview mit Bernd Lucke.

Denken Sie jetzt nicht an einen rosaroten Elefanten!

Die Machthaber, Akteure und Nutznießer der kulturellen Hegemonie und der metapolitischen Konzepte, die diesen Begriffen zugrundeliegen, sind jedenfalls äußerst feindspürig, sobald sich irgendjemand daran schickt, sie in seinem Sinne umzudeuten, was bei vielen ja durchaus möglich ist. Ein Beispiel dafür habe ich neulich auf diesem Blog besprochen - Helmut Kellershohn erläuterte in einem Interview mit der Jungen Welt, warum die AfD (unter dem Etikett "Jungkonservative" quasi gleichgesetzt mit dem "Umfeld" der Jungen Freiheit) das "Falsche" meint, wenn sie das scheinbar "Richtige" sagt:
In der Jungen Freiheit gibt es, was die EU betrifft, eine Kritik an der Ausschaltung demokratischer Institutionen von Brüssel her. Ist das nicht auch aus einer linken Perspektive schlüssig?


Die Autoren der Jungen Freiheit argumentieren zweistufig. Auf der ersten Stufe kritisieren sie die Entleerung demokratischer Institutionen. Sie wenden sich gegen Mechanismen, die dazu führen, daß von oben durchregiert wird. Auf dieser Ebene gibt es Übereinstimmungen mit der Linken. Das ändert sich auf der nächsten Stufe. Wenn es darum geht, wie man der Entleerung demokratischer Institutionen begegnen soll, greifen sie nämlich auf die rechten Antworten der zwanziger Jahre zurück: Zurückdrängung der Parteienmacht, Veränderung des Wahlrechts, etwa in Richtung einer höheren Gewichtung der Persönlichkeitswahl, und ein plebiszitäres Präsidialsystem.

Ich könnte mir vorstellen, daß viele Leser diese zweistufige Argumentation nicht durchschauen. Sie lesen in der Jungen Freiheit einen gut recherchierten Artikel über den Demokratieabbau in der EU und überlegen dann, bei der Bundestagswahl der Alternative für Deutschland (AfD) ihre Stimme zu geben, um das zu stoppen. Wie bewerten Sie die Erfolgsaussichten dieser Partei und die des Jungkonservatismus?


Die Forderung der AfD nach mehr direkter Demokratie klingt so, als ob man sie auch als Linker unterschreiben könnte. Doch der Kontext ist ein anderer. Die Partei ist wirtschaftsliberal orientiert. Würde die AfD langfristig Erfolg haben, was nicht ausgeschlossen ist, könnte sich daraus ein politischer Resonanzboden für den heutigen Jungkonservatismus entwickeln.

Es darf an der metapolitischen Basis nicht gerüttelt werden, und darum muß es auch ein Deutungsmonopol geben. Das führt dann dazu, daß etwa auch Begriffe wie "Vielfalt" oder "Pluralismus" dogmatisch zementiert werden, damit nicht einer auf die Idee kommt, sie "vielfältig" oder "pluralistisch" auszulegen. Das gilt auch für einen so teuren Begriff wie "Meinungsfreiheit", die heute ohne Ende behindert und verkrüppelt wird, auch wenn sie von den in Stein gemeißelten Lettern der Grundgesetzestafeln "garantiert" wird.

Da nützt es dann auch nichts, wenn manche Konservative, die das Spiel noch nicht verstanden haben, treuherzig protestieren, daß sie ja doch das "Richtige" meinen, anständige und ehrliche Demokraten seien, und daß das alles frei nach Josef K. nur ein Mißverständnis sein müsse.

Ist es aber leider nicht. Sondern es hat System. Wer heute von "Demokratie" redet, und dabei mehr an Theodor Körner als an Habermas und an 1848 statt 1945 (sic) denkt, ist leider aus dem Spiel draußen und verdächtig, ein "böser" Demokrat, ein Pseudo-Demokrat, ein "Antidemokrat" zu sein.


Manfred Kleine-Hartlage hat vollkommen recht, wenn er sagt, daß die AfD mit Programmpunkten wie diesem dieses Spiel nur mitspielt und zementiert:
Wir setzen uns dafür ein, dass auch unkonventionelle Meinungen im öffentlichen Diskurs ergebnisoffen diskutiert werden, solange die Meinungen nicht gegen die Werte des Grundgesetzes verstoßen.

Schon die Formulierung ist rein defensiv. "Bitte schont uns, wir verdienen es, dazuzugehören, schlagt lieber die da drüben, die können wir auch nicht leiden." Es ist ja schon seltsam, daß in einem Land, in dem die "Meinungsfreiheit" als besonderes Kronjuwel der Verfassung und als unhinterfragbarer Grundwert gilt, überhaupt Leute auf die Straßen gehen müssen, um dafür zu demonstrieren, wie es Anhänger der AfD an diesem Sonntag in Berlin taten, also sogar Vertreter einer Partei, die alles in allem doch relativ moderate und keineswegs "unkonventionelle" Meinungen vertritt.

Da stellt sich eben wieder die Machtfrage: wer ist es eigentlich, der die Konventionen (= der gültige metapolitische Rahmen), das comme il faut der bien-pensants, festlegt, etwa daß die pausenlose Anprangerung von sog. "Homophobie" eine "konventionelle" Meinung sei? Deren Vertreter haben jedenfalls kein Problem im "öffentlichen Diskurs" wahrgenommen zu werden, es sind vielmehr oft dieselben, die seine Spielregeln vorgeben.

Realpolitisch gilt eben doch: Freiheit ist vor allem die Freiheit der Gleichdenkenden, und genau dieses Prinzip wird von der AfD in dem zitierten Programmpunkt abgenickt, womit sie nicht nur ihr Anpassungs-Soll übererfüllt, sondern sich selbst ein konzeptuelles Eigentor geschossen hat.

Am Samstag wurde Bernd Lucke, der Vorsitzende der AfD, mitten in einer Wahlkampfrede in Bremen von zwei, drei Linksextremisten tätlich angegriffen.  Die Angreifer beschimpften ihn als "Scheiß-Nazi". "Die Gründe für den Angriff seien noch unklar", so wird unter anderem in der Süddeutschen Zeitung in indirekter Rede eine Polizeisprecherin zitiert, also etwa so "unklar" wie die Motive eines Selbstmordattentäters, der sich mit einem "Allahu-Akhbar"-Ruf in die Luft bumst. Vor Ort soll es noch mehr Stunk gegeben haben:
Die Angreifer seien mit Reizgas, Pfefferspray und mindestens einem Messer bewaffnet gewesen. Sie hätten sich vermutlich während der Rede Luckes unbemerkt in einem an die Bühne angrenzenden Waldstück genähert. Die Polizei geht davon aus, dass sich bis zu 20 Angreifer "in den Büschen versteckt" hatten. Beim Handgemenge auf der Bühne und bei der anschließenden Verfolgungsjagd wurden den Angaben zufolge 15 Personen durch Reizgas, ein AfD-Mitglied zudem durch einen Messerschnitt an der Hand verletzt.

Das war übrigens bei weitem nicht der erste Übergriff auf AfD-Leute. Tätliche Angriffe auf Wahlkampfhelfer, zum Teil mit schwerer Körperverletzung, werden aus Berlin, Gießen und Nürnberg berichtet. In Stuttgart wurden in einer offenbar konzertierten Aktion nicht weniger als 500 Wahlplakate zerstört. Desgleichen in Göttingen, wo sogar ein Brandanschlag versucht wurde. Dort hat auch die "Grüne Jugend", die sich personell vermutlich mit der Antifa zu einem guten Teil überschneidet, demonstriert, mit der phantasievollen Begründung:
Wir wollen nicht, daß solche und andere rechte Parteien ihr nationalistisches, rassistisches, antisemitisches und islamfeindliches Gedankengut verbreiten können, auch nicht im Wahlkampf.

Auffallend ist, wie auch André Lichtschlag anmerkte, die Zurückhaltung der Presse, die ansonsten nicht gerade zimperlich ist, wenn es darum geht, Alarm zu schlagen. Nach Protest oder Empörung oder den üblichen Sirenen, wie schrecklich nun die Demokratie in Deutschland bedroht sei, sucht man ohnehin vergeblich. Hätten Rechtsextremisten dasselbe mit einem grünen oder SPD-Politiker gemacht, wäre wohl landesweit der Ausnahmezustand ausgerufen worden und es hätte wochenlang hysterische Leitartikel und Brandreden gehagelt. (Der Witz ist leider nicht mehr originell, weil sein Anlaß mit ermüdender Regelmäßigkeit wiederkehrt.)


Stattdessen wird durchweg, quer durch alle Zeitungen, zu erkennen gegeben, daß man skeptisch ist, daß man auf Distanz bleibt und die Angaben der AfD für übertrieben und unzuverlässig hält. Was an zweifelsfrei dokumentierten Antifa-Übergriffen vorliegt, wird schulterzuckend als "business as usual" hingenommen, aber nicht weiter skandalisiert oder problematisiert.  "Die Polizei wundert sich" über die Beschwerden der AfD-Leute, heißt es in dem oben verlinkten FAZ-Artikel über Göttingen:
Ein Polizeibeamter, der die Antifa in Göttingen gut kennt, sagt, es sei „atypisch“ für die Szene, dass sie Leib und Leben bedrohe. Sachbeschädigung ja, aber Gewaltdrohungen seien unwahrscheinlich.

Dann scheint es sich bei der Göttinger Antifa offenbar auch um eine äußerst "atypische" Szene zu handeln. Ihre "Strategien" haben jedenfalls den üblichen Erfolg:
Der Wirt des Gasthofs „Zur Linde“ hat sich bis vor kurzem wenig Gedanken über die AfD gemacht. „Die wollen den Euro abschaffen“, weiß er. Das stand auf einem Flyer, den die Partei nach einem Stammtisch im Gasthof liegen gelassen hat. Den nächsten Stammtisch sagte sie ab. Statt der AfD kamen 70 Antifa-Anhänger, die das nicht mitbekommen hatten. Sie standen auf der Straße, schwenkten rote Fahnen und riefen Parolen. Die AfD will der Wirt seitdem nicht mehr im Haus haben. Der Gasthof war nachts mit Farbe beschmiert worden.

Die AfD in Göttingen jedenfalls hat sich natürlich flugs in die Defensive drängen und spalten lassen - wir kennen dieses öde und vorhersagbare Spiel. Der AfD-Vorsitzende von Niedersachsen, Ulrich Abramowski, wird zitiert:
Bei der Frage nach dem Brandanschlag spricht Abramowski von einem „großen Wirrwarr“ und „Verwirrung“, die aufgrund der angespannten Lage bei einigen Mitgliedern bestehe. Die vermehrten Angriffe auf die AfD seien auch das Resultat von Medienberichten, die die AfD in eine rechtsradikale Ecke stellten. Aber Mitgliedschaften oder eine Nähe zu NPD, DVU oder Republikanern seien ein Ausschlusskriterium: „Das sind Menschen, die bei uns keine Heimat haben.“ Dass ein Kreisvorstandsmitglied aus Göttingen wegen rechtsextremer Äußerungen eines anderen Göttinger Mitglieds zurücktrat, erklärt Abramowski mit der politischen Herkunft des Zurückgetretenen: „Er ist ein ehemaliges Mitglied der Linken, welche Absicht dahintersteht, da mache ich mal ein Fragezeichen.“

Der Zusammenhang zwischen Medienberichten und Antifa-Attacken, den Abramowski hervorhebt, besteht zweifellos. Nicht zuletzt sind Linksextremisten und Antifanten in Deutschland deswegen so hemmungslos, weil sie ein gutes Gewissen haben. Das hat damit zu tun, daß letztlich auch sie dem metapolitischen Konsens angehören, und allenfalls als dessen unerzogene Kinder betrachtet werden, die es ja nur "gut" meinen, aber leider ein bissel arg übertreiben müssen. Schon darum wird hier oft mehr als ein Auge zugedrückt. Und natürlich würde eine allzu heftige Anprangerung des Linksextremismus den öffentlichen "Diskurs" nach Rechts hin verschieben, was nicht im Sinne der überwiegend linksgerichteten Journalisten sein kann.

Das ist übrigens offizielle Doktrin, die von Verfassungsschutzstellen selbst verbreitet wird. Wer es nicht glaubt: Vor Jahren habe ich auf diesem Blog einen pädagogischen Comic für Schulkinder besprochen, der vom VS Nordrhein-Westfalen herausgegeben wurde. Darin bekommen es vier repräsentative Jugendliche,  Andi, Ayshe, Murat und Ben (also eine 50:50 Verteilung von Biodeutschen und Migrationshintergründlern, Ayshe übrigens mit Kopftuch), mit Links- und Rechtsextremisten sowie mit lslamisten zu tun.

Die Linken stellen kurzfristig eine Versuchung für Ben, die Islamisten eine für Murat dar. Nur die Rechtsextremisten werden rundum von allen verabscheut. Den Linksextremisten wird ein gewisses Verständnis für ihre Motive und urspünglich "guten Absichten" zugestanden, wogegen die Rechten das ganz Andere, ganz Böse, ganz Illegitime darstellen. Die "richtige" Ordnung, die der Comic anpreist, habe ich so zusammengefaßt:
Diese Ordnung, repräsentiert durch Andi und seine  Freunde, ist explizit multikulturell, egalitär, „westlich“, antifaschistisch, marktwirtschaftlich und menschenrechtsorientiert.

Die Linksextremisten schmiegen sich diesem Bild natürlich leichter an als die Rechtsextremisten. Was das "Marktwirtschaftliche" betrifft, so gäbe es ohne Marktwirtschaft und ohne den aus dem Wohlstand wundersam erblühenden Sozialstaat wohl auch keine Antifanten: in sozialistischen Ländern sässen sie entweder im Stasi-Apparat oder im Umerziehungs- und Arbeitslager für Asoziale und Arbeitsscheue.

Was ist nun der Grund, warum gewalttätige Antifanten eher noch als Sandkastenmitglieder toleriert werden, als eine so harmlose, bürgerliche und liberale Partei wie die Alternative für Deutschland? Irgendeinen guten Grund muß es doch geben, warum die Medien so kühl bis ungünstig über sie berichten (daß es theoretisch auch anders ginge, zeigt das Beispiel der wild hochgeschriebenen "Piraten"-Partei), warum linke Soziologen und sog. "Experten" allerorts "Warnungen" ausprechen, Antifanten sich mit solch frisch erwachtem Eifer auf sie stürzen, und warum so viele Konservative ihr fieberhaft verfallen sind.

Weder die Feindspürigkeit der einen noch die Hoffnungen der anderen sind gänzlich substanzlos. Die AfD hat nämlich doch einen Punkt getroffen, der das absolute, oberste No-Go der herrschenden Politik und Metapolitik berührt. Sie ist wohl eher zufällig und um ein paar Ecken dahingekommen. Neulich teilte mir ein kluger Mann und aufmerksamer Beobachter der rechten politischen Szene seine Einschätzung der AfD mit: sie sei in erster Linie eine Partei von Leuten, die "ihren Geldsack und ihren Bauch wählen", sagte er. "Das ist natürlich zuwenig." Es ist immerhin mehr als nichts. Ich hätte auch lieber eine Regierung, die sich zumindest für den Erhalt meines Sparschweins und nicht um den Geldsack von Goldman-Sachs kümmert.

Aber wenn nun der Staat eben das nicht tut, sondern sich vielmehr aktiv dafür einsetzt, daß seine Untertanen noch bis in die kommende "Enkelgeneration als Geiseln" genommen werden, "indem er sie für politische Flausen in Gestalt von multilateralen Milliardenumschichtungs-Programmen zur Alimentierung fremder Volkswirtschaften finanziell haften lässt" (Klonovsky dixit)?

Was ist nun unumgänglich, um einer solchen Politik entgegenzusteuern? Richtig: die Wiederherstellung und Priorisierung der nationalen Souveränität. Und was ist von der nationalen Souveränität nicht zu trennen, was braucht man, um sie zu legitimieren? Richtig: die nationale Identität.


Das Symbol für die nationale Souveränität und Identität Deutschlands ist heute die schwarz-rot-goldene Fahne. Die darf abgesehen von Regierungsakten nur mehr auf der Spaß- und Fußballebene geschwenkt werden, aber nicht mehr dort, wo es ernst wird. Ein Leser dieses Blogs berichtete folgende Anekdote:
Auf der Hamburger AfD-Demonstration haben einige Mitglieder in der ersten Reihen Deutschlandflaggen getragen. Schon am Aufstellort, am Hauptbahnhof, wurde ein Fahnenträger angesprochen, das er “ diese Fahne“ eigentlich hier nicht zeigen dürfe ohne gleichzeitig die Europafahne mit zu tragen, denn die AfD sei ja für Europa. Nachdem der Demonstrationszug sich in Bewegung setzte bekamen die Fahnenträger Besuch von Bernd Lucke und Beatrix von Storch, mit er Aufforderung sich doch mit den Fahnen in den hinteren Reihen einzuordnen, weil, wörtlich Bernd Lucke: eigentlich nur rechte Parteien mit Deutschlandfahnen auftreten und man könne sich doch noch an den Parteitag in Berlin erinnern, wo ein Teilnehmer mit Deutschlandfahne sofort von den Medien belagert wurde.

Einige erinnern sich vielleicht in der Tat noch an den von den Medien inszenierten und genüßlich breit getretenen "Deutschlandfahnen"-Eklat im Frühjahr. Am Gründungsparteitag tauchte ein waldschratartiger Kauz mit dem passenden Namen Viktor Kasper in einem vage militärartig geschnittenen und gefärbten Hemd auf, trug eine breite schwarzrotgoldende Schärpe zur Schau und schwenkte eine große Deutschlandfahne mit Bundesadler.

Die Pressephotographen stürzten sich auf ihn wie auf die Busenmodels bei den Filmfestspielen in Cannes. Flugs war die Story fertiggebacken, daß nun "Rechte in die neue Partei drängen", und BILD wußte sogar von "NPD-Kontakten" des Übeltäters zu berichten.

Kasper hatte seine fünfzehn Minuten Ruhm, die AfD den nationalistischen Ruch wie von einem Stinktierspritzer, und Lucke und Storch haben offenbar ihre Lehre aus dieser Geschichte gezogen. Ich gehe nun jede Wette ein, daß sie diese deutschlandfahnophoben Reflexe nicht entwickelt hätten, wenn der wichtigtuerische Waldschrat, der vielleicht sogar ein eingeschleuster agent provocateur war, einfach ignoriert worden wäre. Aber so funktioniert sie eben, die erzieherische Konditionierung.

Im April schrieb Wolfgang Münchau, Co-Chefredakteur der Financial Times Deutschland im Spiegel:
Bis zur Bundestagswahl werden sicher noch unvorhersehbare Dinge passieren. Wenn sich bei der AfD die internen Pannen häufen sollten, dann kann es mit der Partei genauso schnell bergab gehen wie jetzt bergauf. Wichtig für sie ist vor allem die klare Abgrenzung nach rechts. Sie darf nicht zum Sammelbecken politisch heimatloser Deutschtümler werden. Wenn die Partei solche Pannen vermeidet und ihr Thema scharf umreißt, dann stehen die Chancen auf einen Einzug in den Bundestag nicht schlecht.

Dann gäbe es allerdings nur more of the same mit roter statt schwarzer Krawatte:
Und dann wäre auch das Gesamt-Wahlergebnis wieder offen. Man könnte sagen: Die AfD ist Peer Steinbrücks einzige Chance.

Wie auch immer: an den Tip Münchaus haben Lucke und Co. sich jedenfalls gehalten. Wenn "das Ziel ist, vor der Bundestagswahl keine Angriffspunkte mehr zu bieten", dann ist ducken, Slalom und "Mimikry" angesagt. Denn was "Angriffspunkte" sind, das bestimmt immer noch der Gegner (angegriffen wird indes, wie der Überfall auf Lucke zeigt, auch so). Was zum Beispiel ist überhaupt ein "Deutschtümler"? Auch dieser Begriff ist überaus dehnbar. Wie oft haben wir im letzten Jahr gehört, "Eurokritiker" wie Karl Albrecht Schachtschneider, Wilhelm Hankel oder Bruno Bandulet seien "Nationalisten" oder "Stammtischökonomen" oder “deutschtümelnde Protest-Professoren" oder ähnliches aus dem Genre? Im Bedarf kann diese Keule jeden treffen. Alles hängt davon ab, wer die Macht hat, die Begriffe zu münzen.

Deutschland ist wahrscheinlich das einzige Land Europas, in dem es verpönt ist, auf Wahlveranstaltungen die Nationalflagge zu schwenken. Das allein ist schon recht aussagekräftig. Es kommt indessen überhaupt nicht auf das Schwarzrotgold-Gewedel an, auf das man meinethalber auch verzichten kann. Es kommt auf die Symbolik und den Willen zur Souveränität und Identität an, der sich darin ausdrückt. Daß die AfD eines Tages die Deutschlandfahnen aus der Kiste holt, wenn sie die 25% Wählerstimmenanteil überschritten hat, und allen eine lange Nase dreht - "Ätsch, wir sind doch Super-Patrioten"- , an denen sie sich bisher vorbeilaviert hat, ist nicht zu erwarten.


Wer aber die Geldbeutelfrage und die "Demokratie"-Frage aufwirft, kommt früher oder später nicht daran vorbei, auch die nationale Frage mit all ihrem Sack und Pack aufzuwerfen. Das ist aber genau der Punkt, gegen den sich der gebündelte Konsens der "kulturellen Hegemonie" stellt, also der Machthaber, also nicht nur der Medien und Meinungsproduzenten, sondern auch der Blockparteien und der Regierung von Gauck und Merkel abwärts.  Die "Abschaffung Deutschlands" ist "alternativlose",  ausgemachte Sache. Darüber lassen die Taten und Aussagen der Regierenden keinen Zweifel zu.

Und das ist auch der Grund, warum die Konservativen die Illusion aufgeben müssen, daß sie noch eine irgendwie "staatstragende" Rolle spielen könnten wie in den halkyonischen Tagen unter Adenauer. Niemand will und braucht das heute mehr, am wenigsten der deutsche Staat. Wer verhindern will, daß "Deutschland abgeschafft" wird, wird vielmehr rasch als Staatsfeind, oder genauer: als "Verfassungsfeind" markiert, "beobachtet" und ausgesondert . Ob er sich selbst als grundgesetztreuer, liberaler "Demokrat" sieht, ist dabei fast völlig unbedeutend.

Sie dürfen auch nicht erwarten, daß eines Tages, wenn Luck dann Bundeskanzler ist, jemand kommt, und ihnen sagt: "Endlich haben wir erkannt, daß ihr es doch nur gut gemeint habt. Das mit dem Verfassungsschutzbericht war leider ein Irrtum, wir Deppen haben einfach die Falschen erwischt. Zum Trost gibt es nun doch noch einen Mitredeplatz am rechten Rand des Sandkastens, gleich neben Arnulf Barings Mumie und als sidekick der Broder-Gang. Immer schön mitlachen, wenn die euch mal wieder durch den Kakao ziehen, es soll ja keiner denken, daß ihr humorlos wäret. Dafür wird's in eurer Sandburg wieder genauso schön wie Anno Ludwig Erhard. Ihr dürft euch sogar einen schwarzrotgoldenen Cocktailwimpel dranstecken. Aber nur dort, verstanden?" - "Hurrah! Super, es hat sich also gelohnt, daß wir unsere Deutschlandfahnen eingemottet, Zuwanderung als Bereicherung akzeptiert und uns von allen Radikalinskis distanziert haben."

Ich will nun weder als Spielverderber erscheinen, noch als einer, der sich beschwert, weil das Programm der AfD keine Maximalstforderungen enthält, oder als einer, der vergessen hat, daß Politik die "Kunst des Machbaren" ist. Wie gesagt: die AfD geht mich nichts an, und Bernd Lucke ist ohne Zweifel derzeit einer der vernünftigeren, sympathischeren und wählbareren Politiker des Landes. Ich konstatiere nur, was ist, und ich glaube, daß es keinen Grund gibt, sich hier Illusionen zu machen.

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (26)

Raskolnikow
26. August 2013 09:19
"Paula,
mach die Bluse zu!
Du bist doch sonst so nett!"
(Ludwig Arno)


Eigentlich,

hatte ich beschlossen, Lichtmesz nicht mehr leiden zu können, nachdem er konstatierte, Pfarrer Milchs Vorträge seien schrecklich.

M.L.: Da hatte ich gerade meinen diplomatischen Tag. Pfarrer Milchs Vortragsstil (um es zu präzisieren) rollt mir die Socken ein und zieht mir die Zehennägel raus.

Aber man muss ihn einfach mögen. Denn er trifft hier (fast) genau den entscheidenden Punkt: diese AfD verwischt noch mehr Grenzen, verwirrt noch mehr Begriffe. Man sieht ja, wie labil die scheue Rechte ist. Gleich laufen alle quietschend durcheinander und wedeln mit den dünnen Ärmchen, wenn da so ein Lucke kommt ...

Ich staune wirklich sehr über den neuen Dreh. Wir sind jetzt also "realpolitisch"! So, so ...

Es giebt zwei Sorten anständiger Mädchen, Inselbauer als alte Puffmutter wird das bestätigen: die eine verweigert bereits Gespräch und Tanz mit dem Wüstling, die zweite tritt erst ab, wenn er die Hand schon in ihrem Schlüpfer hat. Muss wohl jeder selbst entscheiden, welche Art von Anständigkeit die seine ist ...

Und tut mir leid, aber ich muss das sagen: Jeder, der sich an der AfD oder anderen Parteien schmutzig macht, kann kein Konservativer sein!

Gerade der Einklang von Uniform und Gesinnung ist doch der entscheidende Ausdruck von Haltung, von bedingungsloser Haltung! Wird auf der städtischen Müllkippe ein Goldbarren von unschätzbarem Wert vermutet, dann kann keiner, der da mit den erfolgsuchenden Massen im Müll wühlt, vom echten Manne jemals ernstgenommen werden - auch wenn er den Barren findet und sich danach in kostbare Folien hüllt! Da hat man die Nase zu rümpfen, das Monokel einzusetzen und weiter den Dienstgeschäften nachzugehen! Seid Ihr Müllwühler? Habt Ihr manchmal fremde Hände in Euren Miedern?

Man muss die Wahrheit sagen! Die hier so bewunderten "Grünen" haben in den 70ern schon die Auflösung der Geschlechter propagiert, Deutschland zum Einwanderungsland erklärt usw ... damals äußerst unrealistische Positionen - heute Realität! Dieses neurechte Rumgeschwule von kleinstmöglichen Nennern ist lächerlich! Wir haben doch die besseren Argumente und sind zweifelsohne im Gleichschritt mit der Ordnung.

Wir sollten denen da draußen sagen, warum Frauenwahlrecht ein Holzweg ist, wir sollten bekennen, dass in unserem Deutschland der Kühlschrank leerer sein wird und Schokolade und Kaffee teuere Luxusgüter; wir sollten zugeben, dass wir Zunftordnungen wieder in Kraft setzen und das teuflische metrische System abschaffen, dass jemand der bei Bachs Weihnachtsoratorium nicht ergriffen ist, ausgepeitscht gehört, das Fernsehen abgeschaltet wird und wir keine Ahnung haben, wohin all die Journalisten verschwunden sind ... Wir sollten drauf scheißen, wie mehrheitsfähig, das heute ist!

Gerade der Verlust klarer Sprache und eben klarer Begriffe hat doch die Revolution so erfolgreich gemacht. Das "sowohl-als-auch" ist die Alcohol-Lösung für die großen Grenzverwischungen ... "na, heute kann man das ja so nicht mehr ..."; "... wir leben ja schließlich nicht mehr im XX. Jahrhundert ..."; " ...so kann man das aber nicht mehr sagen ...".Versüßt werden einem diese Medicinen mit Zuckerstreuseln wie "Kompromißbereitschaft", "Dialog", "gemeinsames Ziel", "realistisch bleiben" ...

Wer aus Rücksicht auf den Zeitgeist, nicht die Abschaffung des Frauenwahlrechts fordert, braucht nicht über gender mainstreaming zu klagen! Wer meint, das Volk wäre auf wundersame Weise kompetent genug, über die politischen Geschicke eines Staates zu entscheiden, im Angesichte von RTL2 und Cro nicht flennen!

Ich trage weiterhin Zylinder!

Ein System, das alleinstehende Mütter in die gleiche Sozialamtswarteschlange zwingt, wie den levanthinischen Dunklen; ein System, das ungeborene Kinder mordet, Rentner zu Flaschensammlern macht, aber überheblich grinsend 700 Mrd. für Banken bereitstellt, das alles zerschlägt, was wahr ist: Familie, Heimat, Glaube usw. ... solch ein System ist falsch! Und es giebt keinen Grund aktiv zu kollaborieren! Keinen einzigen! Ich meine nicht die Duldung der passiven Aussaugung, wie Unke andeutete: Steuern, Gesetze, Infrastrukturen etc.; sondern das handfeste Mittun! Wer mitmacht, ist ein Schuft!

Und seit wann sind wir eigentlich Demokraten?

Wir verlieren nicht, wie dieser jugoslawische CD-Illustrator schreibt, weil wir nicht die Regeln zeitgemäßer PR befolgen, sondern, weil es "uns" gar nicht giebt! Die sich "konservativ" nennen, hängen an den Tastaturen irgendwelcher dicker Zeichner oder lauschen gebannt auf die uckermärkischen Klagelieder theaterregierender Großmütter (Ja, ich meine die Plurimi-Oma!), träumen von demokratischen Wahlerfolgen, streiten für den obszönsten Manchester-Kapitalismus und finden Gewalt bedingungslos doof. Einige (Extremisten?) wünschen sich dann doch das Deutschland zwischen 1815 und 1914 zurück und möchten am liebsten in ihrer Sissi-DVD-Trilogie leben!

Ich mag auch kleine Kätzchen ...

Ergebenster Diener,

R.

M.L.: Ich fang schon an, das zu sammeln und als etwaigen Kaplakenband zusammenzustellen...
Ein Fremder aus Elea
26. August 2013 09:30
Ich schätze, was sich die meisten von der AfD erwarten, ist schlicht, daß Deutschland nicht der EUdSSR beitritt.

Kleinigkeit, unwichtig, Kosmetik.

Deutsche Steuergelder zur Finanzierung der Planwirtschaft in Südeuropa, um deren Wirtschaften auf Vordermann zu bringen, da man beim Aufbau Ost so gute Erfahrungen mit staatlich geplanten Investitionen gemacht hat.

Das kommt ja alles noch, es geht ja nicht nur darum, was ist, sondern auch darum, was angekündigt wurde.

Wer denkt hier eigentlich, daß die nur spielen wollen?

Wenn das Geld schließlich weg ist, kann und wird die Politik alles machen.

M.L.: Soviel ich weiß, ist Deutschland Mitglied der EUdSSR, aber auch egal.
Rumpelstilzchen
26. August 2013 09:50
Eine hervorragende Analyse, die der Linken sehr viel Arbeit erspart, Herr Lichtmesz. Die müssen nur noch gegenlesen.

Im Zusammenhang mit dem Pädophilieskandal bei den Grünen ( "Befreites Menschenmaterial") gab es einen aufschlußreichen Leserbrief in der FAZ und ich bin etwas stolz, dass er von einer Frau stammt:
" Es ist symptomatisch (Anmerkung: für die Grünen) aus einem Überlegenheitsgefühl ( und der damit einhergehenden Feindbildpflege) heraus per se auf der richtigen Seite zu sein, und somit die Kritik der anderen erst gar nicht ernst nehmen zu müssen, bzw. die eigenen Verfehlungen als unbedeutende Kollateralschäden abtun zu können.
Das kapiert der Normalsterbliche natürlich nicht, weil es schließlich um nichts weniger geht als die Rettung der Welt - und da darf auch mal gehuddelt werden."
Dieser Beitrag bringt es m. E. Auf den Punkt.
Den Rechtskonservativen fehlt das Gefühl, auf der richtigen Seite zu sein und zwar per se. Das sieht man an der eingebauten Selbstzensur, die diktiert wird von der Linken. Das Gefühl, auf der richtigen Seite zu sein, haben nur Ideologen.
Die ideologische Rechte hat daher auch die Chupze, zu fordern: "Geld für die Oma, statt für Sinti und Roma".
Die linke Ideologie klingt menschenfreundlicher und hat einen klaren Vorteil.
Sie ist pseudoreligiös. Und für viele immer noch Religionsersatz.
Auf der rechten Seite schafft es m.E. Nur der Islam, zu einer Ersatzreligion zu werden. Er behauptet selbstbewußt seine Position ohne Rücksicht auf Kollateralschäden und hat ein klares Feindbild.
Da Rechtsideologen und Islam keine Option sind, bleibt nur eine nüchterne Pragmatische Parteipolitik.
Die entscheidenden Schlachten werden m. E. auf der metapolitischen Ebene geschlagen. Und hier muß alles diskutiert werden dürfen !
Christoph Nahr
26. August 2013 10:08
Das ist alles durchaus wahr und richtig, scheint mir aber wie vorgegange Kritiken den wesentlichen Punkt zu verfehlen, obwohl Seite 4 schon die Vorarbeit leistet: die gegenwärtige EU-Konstruktion inklusive Euro hat als Ziel die Abschaffung nationaler Selbstbestimmung unter zwangsweiser massiver Vermögensumverteilung. Diese Erkenntnis aus der deutschen Öffentlichkeit herauszuhalten, ist ein wesentliches Ziel der "Alternativlos"-Propaganda. Das Programm der Eurokritik greift diese Propaganda frontal an, und zwar mit relativ großer öffentlicher Aufmerksamkeit und Zustimmung.

Deshalb ist es tatsächlich ganz unwichtig, was die AfD geschweige denn ihr Führungspersonal denkt oder sagt oder ggf. im Bundestag tun wird. Sie hat bereits jetzt ihre wesentliche Funktion erfüllt, nämlich zu zeigen, daß eine Gegenposition zur gleichgeschalteten veröffentlichten Meinung möglich ist und breite Unterstützung hat. Nach einer möglichen und in der Tat wahrscheinlichen Enttäuschung wird sich das Fußvolk anderweitig organisieren. Ein Kommentator im vorigen Artikel hat deshalb die AfD sehr schön als Nikolaikirche bezeichnet. Ihr Wert besteht im Charakter als Sammelbewegung, nicht unbedingt in ihren Funktionären.
Unke
26. August 2013 11:10
Ja also was nun?

Auf der einen Seite ruft es "die AfD ist nur more of the same", nur um dann lang und breit von der Behinderung und (versuchten) Stigmatisierung der AfD zu berichten...
Warum haben Blockparteien und Systemmedien solche Angst, dass sie ihre Vorfeldorganisationen ("Antifa") glauben losschicken zu müssen...?
Weil diese Partei so harmlos ist?

M.L: Ihnen ist nicht aufgefallen, daß ich in dem Artikel genau diese Frage zu beantworten versuche?


Manchmal frage ich mich schon, warum nach 2 Beiträgen zur AfD nun der Dritte in Folge nachgeschoben werden muss (richtig: weil zwar alles, aber noch nicht von allen gesagt wurde...).
W.Wagner
26. August 2013 11:12
Da Lichtmesz die gestrige Demo der AfD in Berlin anspricht: Ich war ab 14:40 da. Bereits anwesend waren ca. 5 Personen, jeder weitere wurde mit Handschlag begrüßt. Es kamen bis vor 15:00 (mit drei Kleinkindern) sicher nicht mehr als 40 Personen zusammen, alles sicher ehrenwerte Männer und Frauen. Polizei war auch zugegen. Keine Gegendemonstraten zu dem Zeitpunkt (15:00). Ob letztendlich doch noch etwas mehr Demonstraten zusammenkamen, weiß ich nicht, weil ich mich lieber lesend in den Tiergarten zurückgezogen habe.
Wiener Melange
26. August 2013 13:07
Niemand ist perfect.
Schon gar nicht eine neugegründete Partei.
Aber das was die AfD anspricht und auch will ist nicht nur gut für Deutschland sondern für die gesamte EU.
Ich weis nur nicht warum eigentlich die wenigen "auserwählten" das nicht erkennen wollen und 100erten Millionen EU-Bürgern vorschreiben wollen,was sie tun und lassen sollen.
Oder man will den Einheitsbürger vom Nordcap bis Sizilien- den sogenannten Euro-Mäc-Buerger.
Mann
26. August 2013 13:31
"die AfD geht mich nichts an"
Doch, Herr Lichtmesz, das tut sie. Sonst hätten Sie auch nicht fünf Seiten dazu geschrieben. Die Alternative ist der erste Versuch einer teilweise volksfreundlichen Partei, der tatsächlich Aussicht auf Einzug in den Bundestag hat. Ich stimme zwar mit Ihnen darin überein, dass sie keineswegs "Mimikri" betreibt, sondern vielmehr eine brave BRD-treue Partei ist. Entscheidend ist aber etwas anderes, was einige hier schon genannt haben: Sie bietet einen Raum für Gespräche und Vernetzung und überhaupt Aktivierung nichtlinker Bürger. Das allein ist eine Messe wert!! Sogar mehrere! Und selbst wenn die Parteiführung bei Einwanderungs- und Souveränitätsfragen deutlich naiver bzw. konventioneller denkt als viele Mitglieder, es geht um einen Anfang.
Wie lange schon leben Sie in Restdeutschland, in Berlin? Sollten es weniger als 5 Jahre sein, muss ich Sie bitten, zurückhaltender mit Urteilen über die BRD-Politik zu sein - einfach deshalb, weil Sie dann womöglich den Hunger, die Not der deutschen Patrioten gar nicht recht verstehen können. Es gibt bei uns keine FPÖ in den Parlamenten, die Meinungsfreiheit wurde in letzter Zeit Schritt für Schritt zurechtgestutzt. Wir brauchen dringend mehr Luft zum Atmen, und das ist der allererste und allerwichtigste Schritt!!

M.L.: Ich war fünfzehn Jahre in Deutschland, und die hungrigen Patrioten kenne ich nur zu gut.
neocromagnon
26. August 2013 14:02
Es ist doch relativ egal was die AfD sagt, solange sie bei ihrer Position gegen den Euro bleibt. Das reicht fürs Erste. Der totale Eurostaat ist doch deren heiliges Lamm, er steht auch für den Multikulturalismus, die Unterdrückung eines deutschen Patriotismus, die Verfügungsmasse entwurzelter Mensch für Staat und Wirtschaft, die Christenfeindlichkeit, aus dem folgt die Unterwerfung des Volkes unter die politische Korrektheit (weil wir so böse sind).
Sollte sich tatsächlich eine starke Euroopposition in Deutschland etablieren, könnte in Europa einiges ins Rutschen geraten (vielleicht sogar die EU selber). Wenn nicht, wird es vorerst keiner auch nur konservativ angehauchten Partei gelingen aus der Defensive zu kommen und nennenswertes Gehör zu finden. Die AfD ist die einzige und vielleicht letzte Chance. Vier Jahre weiter könnte der brüsseler Superstaat Realität sein, mit eigenem Geheimdienst, eigener Polizei, eigenen Steuereinnahmen. Dann werden wir den so schnell nicht mehr los, denn der wird sich hemmungslos und mit allen lauteren und unlauteren Mitteln gegen seine Abschaffung wehren.
Theosebeios
26. August 2013 15:37
Ich will nun weder als Spielverderber erscheinen, noch als einer, der sich beschwert, weil das Programm der AfD keine Maximalstforderungen enthält, oder als einer, der vergessen hat, daß Politik die „Kunst des Machbaren“ ist.


Nun, das ist doch erfreulich, Herr Lichtmesz.
Erinnern Sie sich an "Richter Gnadenlos"? Schill war als Innensenator und CSU-Freund kein Problem für Ole Beust, er löste aber bei seiner Rede im Bundestag (als Hamburger Vertreter im Bundesrat) vor zehn Jahren mit einer Anti-Migrationsrede gewaltige Unruhe aus. Schill, der sich so energisch "gegen Rechts" abgrenzte, wurde zum "Sicherheitsrisiko". Daher wurden ihm mehrere Leimspuren gelegt. Auf einer blieb er hängen. Mit etwas Nachhilfe demontierte sich anschließend die P.R.O. binnen eines Jahres auf mustergültige Weise selbst.

Die AfD hat offenbar viel mehr Qualität als die Schill-Partei. Als AfD-Skeptiker der ersten Stunde bewundere ich die Lucke-Zitate, die Sie u.a. hier servieren. An wohl durchdachten Lucke-Reden im Bundestag kämen auch unsere medialen Moralwächter nicht mehr vorbei.
Die Antifa erkennt das Gefährdungspotential von Lucke (mehr das von ihm als von der AfD) viel besser als wir. Daher die Warnung. Man wird den Druck noch erhöhen.
Aber: Politik ist immer noch mehr Rhetorik als nackte Gewalt.
Marcus Junge
26. August 2013 15:41
Zuerst ein Verweis auf Eigentümlich Frei, weil es da auch um die AFD geht:

http://ef-magazin.de/2013/08/26/4419-landtagswahl-bayernpartei-als-alternative-fuer-bayern

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Danke für den Artikel Herr Lichtmesz.


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Gleich an den Anfang; Ich konnte und kann den Hype um die AFD nicht nachvollziehen, was ich hier, als auch an anderen Orten, so zum Ausdruck brachte und jetzt wieder bringe.


Lese ich die Kommentare, dann stehen da die gleichen Sprüche.

Die AFD kann ja nicht perfekt sein, so als Neugründung.
Man muß (darf) nicht Streiten, sondern einen Minimalkonsens verbreiten, den dann jeder zu schlucken hat.
Die AFD ist ein Ort um Kontakte zu knüpfen und Leute zu aktiveren.
Glaubt nicht alles, was jetzt so aus der AFD kommt, später wird es anders.
Wer jetzt nicht für die AFD ist, der vergibt die einzige / letzte Chance.
...

Ich sage dazu: Reine Wunschvorstellungen prägen diese Ansichten. Mir kommen die Leute so vor, als ob sie in einer anderen, einer Traumwelt leben, in der mit ein wenig Kosmetik, alle Probleme lösbar sind. Das ist hier aber die Endzeit des bestehenden Systems, in der nur radikale, wenn nicht extreme Maßnahmen, noch etwas bessern könnten. Wer mit dem System mitspielt, der glaubt immer noch an dieses System und belügt sich in seiner Lageanalyse ganz massiv und zum eigenen Schaden. Der Punkte ohne Wiederkehr ist lange überschritten! Finanziell kann man das System nicht mehr retten, nur gelenkt sterben lassen, um den Neuaufbau besser bewerkstelligen zu können. Niemand, auch nicht Lucke und Co., kann diese Schuldenberge noch abbauen oder unter Kontrolle halten. Was heute als Kontrolle verkauft wird, ist nur der Deckel auf dem überkochenden Vulkan und der sitzt nur noch drauf, weil dauernde Rechtsbrüche begangen werden. Der Spielraum für weitere, ist jedoch endlich. Von Energiewendewendewahn, Umvolkung und Auflösung in der EUdSSR, fange ich jetzt dann nicht auch noch an. Am Ende hängt alles an den Finanzen. Thema durch.


Aber lassen wir das mal etwas außer außen vor. Was würde passieren, wenn die AFD in den Bundestag käme? Was bitte soll die AFD bewegen, außer sie käme sofort mit 50,1% Stimmen zur Regierungsmacht? Nichts wird sie bewegen, dann gibt's halt große Koalition, wenn se 10% bekommen und in den folgenden 4 Jahren, da wird die AFD von Innen zersetzt. Kennt man ja von NPD bis REP, Muster 08/15.

Wie lange bräuchte die AFD, um so stark zu werden, bis sie wirklich Einfluß nehmen könnte, um in der Regierung entscheidend mitzumischen? Die Grünen haben 20 Jahre gebraucht. Ihre Hilfstruppen haben den Marsch durch die Institutionen über 30 Jahre betrieben und die Medien waren auch 15 bis 20 Jahren lang schon Grün. Hat die AFD solche Hilfstruppen, Medien? Haben wir (Deutschland) 20 Jahre?

Selbst die NSDAP hat fast 1,5 Jahrzehnte gebraucht und veritable Krisen als Hilfsmittel gehabt. Am Ende haben dann doch nur die Etablierte ihr die Macht angedienert und die SPD hat in der stillen Ecke gehockt derweil. Glaubt einer die AFD werde so viel Glück haben?

Ich schreib das seit die AFD aufgetaucht ist und auch schon davor (Griechen-"Rettung"), aus dem System heraus wird es keine Rettung geben, weil das System das zu lösende Problem ist (Parteiensystem) und weil die Zeit fehlt (Schuldenberge). Oder um Bismarck zu bemühen. Man wird den gordische Knoten deutscher Zustände nicht in Liebe auflösen, sondern nur militärisch zerhauen können. Die Lage ist heute zwar anders, aber doch ähnlich genug, daß dieser Satz wieder seine Berechtigung hat.
Depero
26. August 2013 15:45
Mir gefällt der Beitrag von Raskolnikow, zeigt er doch auf, welch radikale Maßnahmen nötig wären, um auch nur den kümmerlichen Rest vom "eigenen" ,der noch übrig ist, zu retten. Selbstverständlich wird das nicht geschehen, ob mit oder ohne AfD.
Allen anderen Lesern kann ich nur die US Serie House of Cards ans Herz legen, die den demokratischen Politikbetrieb so gut seziert, wie ich das zuvor noch nie gesehen habe. Naturgemäß wird das in der BRD ein paar Nummern kleiner ablaufen, die Mechanismen sind jedoch die gleichen. Danach kann man dann weiterträumen von einer AfD Machtergreifung..
Weltversteher
26. August 2013 15:46
Raskolnikow, ich wüßte gern einmal, wie Er aussieht, der mir so markig aus der Seele spricht. Seine Milieuschilderungen vergangener Monate lassen zweifeln, ob Er so rechtwincklig gebaut ist an Leib und Seele, daß Seine hier geäußerte Haltung auch Bestand hätte im wahren Leben.
Ob Er dortselbst nicht auch ein Mimikry pflegt, dieweil es für Seinesgleichen heutzutage gewöhnlich kurzen Prozeß giebt, wenn der Pöbel mit den Füßen abstimmt...

M.L.: Ich vermute, er sieht aus wie Peter Lorre.
Tedesci
26. August 2013 15:55
Umstimmen lasse ich mich mangels wählbarer und aussichtsreicher Alternativen nicht mehr.
Ich habe heute per Briefwahl für die AfD gestimmt. Für mich ist die AfD eine Partei, die es schaffen kann in den Bundestag einzuziehen. Ersteinmal dort angekommen wird man sie nicht mehr ignorieren können, selbst als Oppositionspartei. Was diese Partei mit meinem Vertrauen anfangen wird steht in den Sternen, aber ich möchte mal behaupten, dass die Gründer nicht angetreten sind um den bisherigen Kurs weiter zutragen.
Übrigens war heute eine gewaltige Schlange in meinem Bürgerbüro, zwecks Briefwahl.
Diese Wahl scheint wohl für viele sehr wichtig zu sein.
rautenklause
26. August 2013 16:45
Ich stimme ML auch hier mal wieder in weiten Teilen zu, sehe aber für die AfD noch eine ganz andere Aufgabe – und die ist es letztlich, worauf es MIR ankommt : wie groß (oder wie klein) ist die „Eiserne Division“ denn wirklich? Wie viel Prozent bekommen die „Sonstigen“?

„Diese Wahl ist wahrscheinlich die bedeutendste der bundesrepublikanischen Geschichte“ sagt Bazon Brock und ich bin geneigt, ihm beizupflichten. Aber wenn dem so ist, wenn für jeden der Irrsinn an buchstäblich jeder Ecke zu sehen und zu spüren ist und wenn es erstmals eine nichtstigmatisierte Partei gibt, die mit seriösen Honoratioren und nachvollziehbaren Sachargumenten pragmatische Dinge jenseits der Extremismusschwelle fordert … DANN ist es doch im höchsten Maße interessant, wie das liebe Stimmvieh reagiert. Denn – um den Rousseauismus der Rechten ins Spiel zu bringen, nach dem „das Volk“ gut ist – warum sollte das DEUTSCHE VOLK ( in das so viel Hoffnung gesetzt wird), dessen Cendies und Mandies und Kevins und Mavericks „immer noch den furor teutonicus des harten Geschlechts“ in ihrem Innern bergen (und nicht nur die halbvergorenen Brocken Junkfood mit Brause) denn nicht jetzt, wo es ihm ganz leicht gemacht wird und es nicht mal um die Ostgebiete und das Ehrenkleid der Wehrmacht geht sondern nur um die eigenen Groschen im Portemonnaie, ein harmlosen Kreuzchen machen und sagen: Nöö, irgendwie will ich was anderes. Das wäre doch dann mal eine ordentliche Bestandsaufnahme, womit man denn im besten aller denkbaren Fälle zahlenmäßig überhaupt rechnen kann.

Es geht mir also weniger um die AfD als konkrete Partei – für mich ist die AfD in erster Linie ein Konstrukt, das „Nein“ sagt und das auch genau als das von der Bevölkerung wahrgenommen wird. Und es werden Hoffnungen und Vorstellungen hineinprojeziert, die wohl im Herzen des Einzelnen, aber nicht in dem der Partei zu finden sind.

Und vielleicht wird auch deshalb das Projekt “AfD“ von vielen „Rechten“ kritisch beäugt, da hier – in meinen Augen – spätestens im September gesehen werden kann, wie es denn mit dem softcore Oppositionspotential in diesem unserem Land steht. Und welche Klientel (abzüglich der prozentual wohl zweistelligen
Nachrichtendienstmitarbeiter) man überhaupt umwerben kann zum eigenen Nutz und auch Nieß. Und ob man sich „die Wirklichkeit“ nicht einfach schöngerechnet hat. Das „der Linken“ immer mal wieder entgegengehaltene Pippi Langstrumpf Lied „Ich mach‘ mir die Welt, widde widde wie sie mir gefällt“ schlägt dann unversehens unbarmherzig zurück. Und es wird dann auch darüber zu reden sein, ob es eben doch „nur“ noch Punkt 4 von Weißmanns Wahlmöglichkeiten realistisch sein kann mit einem dann aber immer größeren Fragezeichen hinter „der Erwartung, künftig doch zum Zug zu kommen.“ Die vernetzte Einmannkaserne in einer Familie mit Kindern, mit Garten, mit Bibliothek und Überlebenswillen.

Also harre ich gespannt der Dinge und einer Antwort auf die Frage aller Fragen: was wird das liebe, in der Schweigespirale gefangene „deutsche Volk“ denn im September tun? Vielleicht überrascht es uns ja – vielleicht …
Weltversteher
26. August 2013 17:47
Ich habe inzwischen den Eindruck, der Streit um die AfD entbrennt deshalb so hitzig und gegensätzlich, weil es gar nicht um diese farblose "Partei" geht, sondern um den Bundestag und seine Anhängsel. Lichtmesz und MKH beschäftigt dieser nicht, und müssen deshalb aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen.
Die Mehrzahl der (neuen?) Kommentatoren hier scheint sich dagegen ein Deutschland ohne Bundestag nicht vorstellen zu können. Das darf man ihnen nicht übelnehmen. Ich glaube aber, aus rechter bzw. sezessionistischer Sicht darf man hoffen, daß sie darüber hinwegkommen.
alex
26. August 2013 19:15
An dieser Stelle vielleicht eine Bitte an Herrn Lichtmesz:
Koennte man nicht, anstelle das Elendswort "biodeutsch" zu benutzen, vielleicht etwas anderes dahernehmen?
Ich habe viele unertraegliche Assoziationen mit diesem Wort....
Ansonsten muss ich Herrn Kleine-Hartlage und Herrn Lichtmesz in ihren Ausfuehrungen zustimmen.

M.L.: Eben weil es "unerträglich" ist, darum benutze ich es ja - im Kontext, daß ich hier den Inhalt einer Propagandabroschüre wiedergebe.
ingres
26. August 2013 22:56
Das was mir auffällt ist, dass der Konservativismus (ich weiß nicht genau, wie man sich hier selbst sieht) hervorragende Analysen liefert (auch im schöngeistigen, ästhetischen Sinne), aber leider keine politische Partei damit gründen kann. Ich habe das mal so ausgedrückt: Man könnte ja eine politische Partei gründen, aber das nutzt nichts, da man immer gleich den Pöbel (wobei Pöbel auch für Eitelkeit, Geltungsbedürfnis usw. steht), drin haben wird. Ich sehe also keine existente rechte Partei, die sowohl todesmutig metapolitisch dem System die Stirn bietet, 5 % erreichen und Realpolitik betreiben kann. Nichts vorhanden. Was die AfD anbelangt habe ich keine illusionen. Leider habe ich jetzt nicht die entsprechenden Äußerungen parat. Aber ich meine es gab Äußerungen gegen Merkel, die sowohl sachlich gerechtfertigt, als auch polemisch waren. Das ist m. E. sensationell. Ein Prüfpunkt füre die AfD war für mich, ob sie auch polemisch sein kann, ohne die inhaltliche Argumentation (in erster Linei Euro) zu verlassen. Eine rechte Partei, wie ich sie in den einleitenden Sätzen beschrieben habe und die 5 % erreichen könnte wäre nicht schlecht, gibt es aber leider nicht.
ingres
26. August 2013 23:14
@Weltversteher

Ja damit wollte ich eigentlich meinen Beitrag abschließen. Die hier vertretene Position kann mangels Parteibildung faktisch nur auf einen konservativen Anarchismus ohne Parlament hinauslaufen. Das ist ja logisch, wenn man die AfD ohne eigene parteiliche Alternative, kritisiert.
Da die nächste Zukunft ohnehin erst nach dem offiziellen (faktisch ist es ja bereits passiert) Zusammenbruch des Euro beginnt, kann man dann ja versuchen mit diesem konservativem Anarchismus in den Wettbewerb zu treten. Innerhalb des Parlamentarismus geht das nicht. Das ist schon richtig.
Kleist
27. August 2013 00:25
Eines vorweg, normalerweise teile ich Herrn Lichtmesz pointierte und scharfsinnige Analysen; als Autor des Sezession schätze ich ihn sehr.

Die AfD ist meines Erachtens ein Schritt in die richtige Richtung, den man auch unterstützen sollte, wenn man sich selbst weiter rechts im politischen Koordinatensystem verortet und keine Hoffnung auf eine wirkliche Trendwende hat.
Natürlich läuft die Zeit davon und der politische Aufstieg der AfD würde zu lange dauern, um den Untergang letztendlich aufhalten zu können. Dennoch ist die AfD ein Hoffnungsschimmer, den es mit ganzen Kräften zu unterstützen gilt.

Ein Einzug in den Bundestag mit um die 5 % wäre ein Paukenschlag, der ernsthafte Risse im System sichtbar machen würde. Die bislang von Meinungs-und Parteienforschern (ich weiß um die Manipulationen von Forsa & Co mittels Gefälligkeits-/ Auftragsgutachten mit vorgegebenem Ergebnis usw.) postulierten 20 % Wählerpotential für eine konservative Partei, könnten sich endlich nach und nach unter einem Banner sammeln - selbstverständlich kommt hier nur der kleinste gemeinsame Nenner zum Tragen - und damit einhergehend bislang marginalisierte und tabuisierte, zumindest moderat konservative, Positionen wieder mehrheitsfähig machen bzw. diese überhaupt wieder im öffentlichen Diskurs verankern.

Als neue Partei in einer Zeit des bis zum Äußersten geführten „Kampfes gegen rechts“ seitens des scheinbar allumfassenden Systems tut die AfD gut daran, moderat aufzutreten, was auch ihrem Wesenskern entspricht. Wenn der Schlüssel zur Macht auf demokratischem Wege in kompromisslose(re)m Auftreten läge, würde die Pro-Partei von Wahlerfolg zu Wahlerfolg eilen. Das ist aber nicht der Fall, die meisten werden von den medialen Hetzkampagnen abgeschreckt. Nebenbei bemerkt fehlt es Pro auch an hochkarätigem und charismatischem Personal.

Die Mehrheit der Deutschen ist von Kindesbeinen an indoktriniert, unfähig aus den vorgegebenen Denkschablonen des Systems auszubrechen. Der Wandel erfolgte schleichend über die Jahrzehnte. Ehemals konservative Positionen, die noch vor 20 Jahren mehrheitsfähig waren, gelten heute als Gedankenverbrechen und werden mit den Totschlagargumenten „rassistisch“, „ausländerfeindlich“, „nationalistisch“ usw. gebrandmarkt.
Viele können es sich nicht vorstellen, dass sie medial durchgehend manipuliert werden, dass fast die komplette etablierte Journaille, inklusive staatlichem Rotfunk, gegen die ureigenen Interessen der deutschen Noch-Mehrheitsbevölkerung mittels Agitprop handelt.

Die AfD bringt erstmals, wenn auch weichgespült, eine echte Gegenposition in den von links bestimmten öffentlichen Diskurs, die der weitverbreiteten Unzufriedenheit der politisch heimatlos gewordenen Konservativen und Teile der Rechten ein Ventil gibt und eine Stimme verleiht, die in der Bevölkerung aus Resonanz stößt.

Auch bei der AfD gab es Versuche, diese mit dem Label „rechts“ zu diskreditieren. Diese billige Propagandamasche verfängt sich dieses Mal jedoch nicht in den Köpfen der Menschen, im Gegenteil, die AfD scheint sogar einzelne Sympathisanten in den etablierten Medien wie z.B. der „Welt“ gewonnen zu haben, was ein unschätzbarer Vorteil ist. Das gab es zuvor nicht, Pro-Deutschland wurde beispielsweise sofort mit der NPD gleichgesetzt und durchweg tabuisiert.

Der Kern der AfD ist natürlich bürgerlich, christdemokratisch geprägt und lässt sich allenfalls als sehr moderat konservativ begreifen. Die AfD ist tatsächlich der kleinste gemeinsame Nenner des ansonsten hoffnungslos zersplitterten und marginalisierten rechten bis konservativen Lagers in Deutschland. Die AfD hat erleben müssen, dass der destruktive, psychotische „Kampf gegen rechts“ auch vor desillusionierten CDU-Wählern nicht Halt macht und die Rote SA/Antifa Teil des Systems ist, um straffrei Meinungen gewaltsam zu unterdrücken, wenn der mediale Macht- und Unterdrückungsapparat nicht ausreicht.

Aussagen von Lucke, endlich den Linksextremismus konsequent zu bekämpfen, Rechtsbrüche zu ahnden, anstatt Linksextreme als Kettenhunde des Systems zu tolerieren, das in seiner Stoßrichtung antideutsch ist, lässt hoffen. Auch die Forderung nach ausschließlich qualifizierter Einwanderung, neben den europakritischen Positionen sind ein Novum in der ansonsten gleichgeschalteten politischen Landschaft in der BRD. Allein schon dafür hat die AfD Unterstützung verdient. Natürlich ist dieser Minimalkonsens erbärmlich, doch haben wir eine andere Wahl? Ich bin es leid, unter 5 %-Parteien meine Stimme zu geben, die keine Chance auf politische Gestaltung haben – die AfD hat erstmals Potential zu weit mehr.
Keats
27. August 2013 01:00
Ich werde die AfD aus rein formalen Gründen wählen. Nicht wählen heißt zustimmen, "ungültig"-wählen ist nur die peinliche Variante, Blockparteien wählen idiotisch, von den Kleinparteien mit Chancen auf Wahlkampfkostenerstattung bleibt diesmal die AfD als die Partei der Wahl.

Natürlich erwarte ich von ihr nichts anderes als CDU-/FDP-Politik, d.h. das konsequente Hinarbeiten auf die Abschaffung Deutschlands zu Gunsten des imperialistischen EU-Superstaats, den alle rechten Eliten anstreben und der - ganz nebenbei - auch die namengebende "Alternative für Deutschland" ist. Ich rechne fest damit, daß es in den nächsten Wochen noch einen Mediencoup gibt, der die AdF in den Bundestag bringt. Der Spiegel könnte z.B. Schäuble-Unterlagen veröffentlichen, durch die AfD-Themen plötzlich im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen.

In den Führungsetagen der EU-Länder herrscht Einigkeit darüber, daß nur ein EU-Superstaat noch die Funktionen der alten Nationalstaaten erfüllen kann. Nur sie kann als "Global Player" weltweit überzeugend die Wirtschaftsinteressen sichern und im Innern bei der dafür notwendigen schmerzhaften Umgestaltung Europas für Stabilität sorgen. Das Ziel steht fest, über den Anteil der regionalen Eliten wird es heftige Konflikte geben. Eine EU-kritische Partei im Bundestag würde die deutschen Positionen stärken. "Deutsch" ist dabei wahrscheinlich das falsche Wort.

Wie gesagt, die Wahl der AfD ist diesmal alternativlos.

M.L.: Ich ergreife die Gelegenheit zu einem Statement, vielleicht zur Verwunderung mancher, die nicht verstanden habe, was ich sage: auch ich halte die AfD für die zur Zeit einzige wählbare Partei.
Martin Lichtmesz
27. August 2013 07:04
Nur mal zwischendurch gesagt: schlechte, oberflächliche, verständnislose Kommentare werden nach meinem Gutdünken und meiner Laune ausgesiebt. Ich erwarte keine Zustimmung, und gerne auch fundierten Widerspruch, zumindest aber die kognitiven Fähigkeiten, einen Text sinnerfassend zu verstehen. Wer die nicht aufbringen kann, soll lieber schweigen. Ich werde hier weiterhin als Brutal Gardener handeln, und dergleichen in den Spam-Eimer wandern lassen. Ich lösche nun auch alles, was nicht der Diskussion dient, Meta-Diskussionen über Wert und Unwert der Tiraden unseres geschätzten Raskolnikow inklusive.
Rumpelstilzchen
27. August 2013 08:21
@ML
meinen Sie jetzt verständnislose oder unverständliche Kommentare ?
Ich habe hier manchmal Probleme mit beidem.

M.L.: Grob Unverständliches verschwindet auch, ebenso wie alle Kommentare in denen Groß- und Kleinschreibung sowie Zeichensetzung derart mißachtet werden, daß das Lesen zur Qual wird. Hugh, ich habe gesprochen.
NoTarget
27. August 2013 12:12
Ohne dem Autor widersprechen zu wollen - dafür fehlen leider schlicht die Argumente, so ist für mich mit der AfD nach langen Jahren völliger Ratlosigkeit zumindest wieder eine Antwort auf die Frage nach dem geringsten Übel auf dem Wahlzettel in Sicht. Zumindest mit Blick auf ein eventuell mögliches Überschreiten der 5 Prozent Hürde. (Also auch da kein Widerspruch...)

Eine Kehrtwende - wie unwahrscheinlich die auch immer sein mag - muss zwangsläufig mit einer ersten Richtungsänderung beginnen und auch wenn viele Tatsachen in diesem Lande pessimistisch stimmen, so gibt es doch auch einige Entwicklungen, die mir vor wenigen Jahren noch unvorstellbar schienen. Eine mögliches politisches Korrektiv auf der anderen Seite der Union ist eine davon.
neocromagnon
27. August 2013 14:33
@NoTarget
Bevor man den Burgfried erobern kann, muß man die Burgmauern einreißen. Vor dem Aufbau steht die Zerstörung.
Martin Lichtmesz
27. August 2013 23:18
Badeschluß, dank an alle Teilnehmer.

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