Alternative für Deutschland – Mit Mimikry ins Establishment?

Was die Alternative für Deutschland betrifft, so teile ich im Wesentlichen die Einschätzung von Manfred Kleine-Hartlage.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Und sonst: mir fällt zur AfD nichts ein. Das The­ma lang­weilt mich sogar ein biß­chen, und zwar von Beginn an.  Die über­mä­ßi­ge Begeis­te­rung, die seit eini­gen Mona­ten durchs kon­ser­va­tiv-liber­tä­re Lager geht, ist mir etwas rät­sel­haft und erin­nert mich (ohne nun jeman­den belei­di­gen zu wol­len) ein wenig an die Nas­hör­ner von Ionesco.

Kuri­os ist auch, daß die nach Anga­ben vie­ler Leser reich­lich vor­han­de­ne kon­ser­va­ti­ve Basis der Par­tei offen­bar von der­sel­ben Vor­stel­lung wie ihre Geg­ner von Links­au­ßen aus­geht: näm­lich, daß die AfD eine Art “tro­ja­ni­sches Pferd” sei, das erst­mal alle übli­chen Sprüch­lein auf­sa­gen und Kon­zes­sio­nen machen muß, um einen Platz im par­la­men­ta­ri­schen Sand­kas­ten zu bekommen.

Wenn man nun die bis­he­ri­gen offi­zi­el­len Ver­laut­ba­run­gen der AfD 1:1 nimmt, dann gäbe es kaum einen Grund für eine der­ar­ti­ge Advent­stim­mung im kon­ser­va­ti­ven Lager. Letzt­lich han­delt es sich nur um klei­ne­re Kos­me­ti­ken am Gesamt­sys­tem, die vor­ge­se­hen sind. Das Pro­gramm der AfD ver­weist kei­nes­wegs auf eine kon­ser­va­ti­ve Poli­tik der alten BRD-Schu­le, wie etwa wie unter der CSU anno Strauß.

Offen­bar erwar­tet man sich also mehr unter der inzwi­schen strom­li­ni­en­ge­form­ten Ober­flä­che, ist inzwi­schen schon so aus­ge­hun­gert, daß die kleins­ten Kru­men genü­gen, um üppi­ge Visio­nen her­vor­zu­ru­fen, gleich dem Hei­li­gen Anto­ni­us in der Wüs­te. Die Kon­ser­va­ti­ven grün­den ihre Hoff­nun­gen letzt­lich dar­auf, daß die Par­tei, sofern sie an Macht gewinnt, hand­fes­ter als erwar­tet und ange­kün­digt durch­grei­fen und etwa ein “sar­ra­zines­kes” Pro­gramm umset­zen wird. Nach aller Erfah­rung wird aller­dings eher das Gegen­teil der Fall sein.

Wir erken­nen hier unschwer und nicht ohne Iro­nie das alt­be­kann­te The­ma der poli­ti­schen “Mimi­kry” wie­der. Das sieht in der anti­fan­ti­schen Fas­sung so aus, daß alles, was die Rech­ten und Kon­ser­va­ti­ven sagen, tun, mei­nen, nichts ande­res als eine tak­ti­sche Mas­ke sei, um inner­halb des gül­ti­gen Sys­tems eine neu­er­li­che faschis­ti­sche Macht­er­grei­fung voranzutreiben.

Zum all­er­min­des­ten wer­den kon­ser­va­ti­ve bzw. rech­te Posi­tio­nen mit dem Ruch eines ethi­schen Defekts und der mora­li­schen Ver­werf­lich­keit belegt. Das mani­fes­tiert sich dann im ste­reo­ty­pen Duk­tus des “Ent­lar­vens”, zumeist also mehr oder weni­ger der Dif­fa­mie­rung durch Unter­stel­lun­gen, Spe­ku­la­tio­nen, Kon­takt­be­schul­di­gung und krea­ti­ve Interpretationen.

Nun ist es so, daß die Band­brei­te des­sen, was man jen­seits der eta­blier­ten Poli­tik über­haupt noch poli­tisch ver­tre­ten kann, der­art geschrumpft ist, daß jeder, der real­po­li­tisch wir­ken will, mehr oder weni­ger zu Anpas­sun­gen gezwun­gen ist – und das bedeu­tet in ers­ter Linie Anpas­sung an den herr­schen­den Sprach­ge­brauch. Die­ser Grat ist viel, viel schma­ler als jener, den man noch publi­zis­tisch beschrei­ten kann, wo es immer noch eini­ge nen­nens­wer­te Gala­pa­gos­in­seln und Gefil­de, auch abseits der Jun­gen Frei­heit, gibt (ich den­ke etwa an die Ach­se des Guten und die diver­sen Ali­bi-Kon­ser­va­ti­ven des Spie­gels.)

Vie­le Kon­ser­va­ti­ve hof­fen nun, daß die Anpas­sung an die­sen Sprach­ge­brauch sei­tens der AfD tat­säch­lich nur “Mimi­kry” ist, und daß die ent­spre­chen­den AfD-Ver­tre­ter eben nicht so recht mei­nen, was sie sagen. (Von den­je­ni­gen, die die Voka­beln die­ses Sprechs für bare Mün­ze neh­men, oder gar nicht mer­ken, inwie­fern sie links­ideo­lo­gi­scher Her­kunft sind, das Koor­di­na­ten­sys­tem abste­cken und die Marsch­rich­tung zu ihren Unguns­ten fest­schrei­ben, will ich nicht reden. Da sind ohne­hin schon Hop­fen wie Malz verlorengegangen.)

Die­ser Sprach­ge­brauch funk­tio­niert wie eine ziem­lich har­te Schei­de­wand: denn in ihm kodie­ren sich die herr­schen­den meta­po­li­ti­schen Wer­te und Prä­mis­sen. Hier könn­te man wit­zi­ger­wei­se nun eine ech­te “Entlarvungs”-Arbeit betrei­ben, und bei­spiels­wei­se eine Art dis­kurs­ana­ly­ti­sches “Wör­ter­buch” anle­gen, eine Art aktua­li­sier­ten Vik­tor Klem­pe­rer (“LRPFG – Lin­gua Rei Publi­cae Foe­de­ra­tae Ger­ma­niae”), in dem unter die Lupe genom­men wird, wel­che ideo­lo­gi­sche Bedeu­tung die gän­gi­gen Polit­vo­ka­beln eigent­lich tat­säch­lich haben:  “Demo­kra­tie”, “Viel­falt” , “Inte­gra­ti­on”, “Tole­ranz”, “Grund­wer­te”, “Berei­che­rung”, “Welt­of­fen­heit”, “Euro­pa”, “Alter­na­tiv­lo­sig­keit” usw. usf.

“Aus­län­der­feind­lich­keit” ist auch so ein Wort. Im April gab Bernd Lucke dem Cice­ro ein Inter­view, in dem er zumin­dest den Sprung durch eini­ge klei­ne­re Rin­ge ver­wei­gern und umschif­fen konn­te. Über ein paar Umwe­ge und per­so­na­le Bezü­ge kam der Inter­view­er auf die Repu­bli­ka­ner zu spre­chen, und stell­te fest, daß die­se doch “klar aus­län­der­feind­lich” sei­en. Luckes extrem über­ra­schen­de Ant­wort: “Unse­re Par­tei lehnt Aus­län­der­feind­lich­keit ganz aus­drück­lich ab.” Die Beti­te­lung des Cice­ro-Inter­views, extrem unüberraschend:

“Wir leh­nen Aus­län­der­feind­lich­keit ab.” Ein Inter­view mit Bernd Lucke.

Den­ken Sie jetzt nicht an einen rosa­ro­ten Elefanten!

Die Macht­ha­ber, Akteu­re und Nutz­nie­ßer der kul­tu­rel­len Hege­mo­nie und der meta­po­li­ti­schen Kon­zep­te, die die­sen Begrif­fen zugrun­de­lie­gen, sind jeden­falls äußerst feind­spü­rig, sobald sich irgend­je­mand dar­an schickt, sie in sei­nem Sin­ne umzu­deu­ten, was bei vie­len ja durch­aus mög­lich ist. Ein Bei­spiel dafür habe ich neu­lich auf die­sem Blog bespro­chen – Hel­mut Kel­ler­s­hohn erläu­ter­te in einem Inter­view mit der Jun­gen Welt, war­um die AfD (unter dem Eti­kett “Jung­kon­ser­va­ti­ve” qua­si gleich­ge­setzt mit dem “Umfeld” der Jun­gen Frei­heit) das “Fal­sche” meint, wenn sie das schein­bar “Rich­ti­ge” sagt:

In der Jun­gen Frei­heit gibt es, was die EU betrifft, eine Kri­tik an der Aus­schal­tung demo­kra­ti­scher Insti­tu­tio­nen von Brüs­sel her. Ist das nicht auch aus einer lin­ken Per­spek­ti­ve schlüssig?

Die Autoren der Jun­gen Frei­heit argu­men­tie­ren zwei­stu­fig. Auf der ers­ten Stu­fe kri­ti­sie­ren sie die Ent­lee­rung demo­kra­ti­scher Insti­tu­tio­nen. Sie wen­den sich gegen Mecha­nis­men, die dazu füh­ren, daß von oben durch­re­giert wird. Auf die­ser Ebe­ne gibt es Über­ein­stim­mun­gen mit der Lin­ken. Das ändert sich auf der nächs­ten Stu­fe. Wenn es dar­um geht, wie man der Ent­lee­rung demo­kra­ti­scher Insti­tu­tio­nen begeg­nen soll, grei­fen sie näm­lich auf die rech­ten Ant­wor­ten der zwan­zi­ger Jah­re zurück: Zurück­drän­gung der Par­tei­en­macht, Ver­än­de­rung des Wahl­rechts, etwa in Rich­tung einer höhe­ren Gewich­tung der Per­sön­lich­keits­wahl, und ein ple­bis­zi­tä­res Präsidialsystem.

Ich könn­te mir vor­stel­len, daß vie­le Leser die­se zwei­stu­fi­ge Argu­men­ta­ti­on nicht durch­schau­en. Sie lesen in der Jun­gen Frei­heit einen gut recher­chier­ten Arti­kel über den Demo­kra­tie­ab­bau in der EU und über­le­gen dann, bei der Bun­des­tags­wahl der Alter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD) ihre Stim­me zu geben, um das zu stop­pen. Wie bewer­ten Sie die Erfolgs­aus­sich­ten die­ser Par­tei und die des Jungkonservatismus?

Die For­de­rung der AfD nach mehr direk­ter Demo­kra­tie klingt so, als ob man sie auch als Lin­ker unter­schrei­ben könn­te. Doch der Kon­text ist ein ande­rer. Die Par­tei ist wirt­schafts­li­be­ral ori­en­tiert. Wür­de die AfD lang­fris­tig Erfolg haben, was nicht aus­ge­schlos­sen ist, könn­te sich dar­aus ein poli­ti­scher Reso­nanz­bo­den für den heu­ti­gen Jung­kon­ser­va­tis­mus entwickeln.

Es darf an der meta­po­li­ti­schen Basis nicht gerüt­telt wer­den, und dar­um muß es auch ein Deu­tungs­mo­no­pol geben. Das führt dann dazu, daß etwa auch Begrif­fe wie “Viel­falt” oder “Plu­ra­lis­mus” dog­ma­tisch zemen­tiert wer­den, damit nicht einer auf die Idee kommt, sie “viel­fäl­tig” oder “plu­ra­lis­tisch” aus­zu­le­gen. Das gilt auch für einen so teu­ren Begriff wie “Mei­nungs­frei­heit”, die heu­te ohne Ende behin­dert und ver­krüp­pelt wird, auch wenn sie von den in Stein gemei­ßel­ten Let­tern der Grund­ge­set­zes­ta­feln “garan­tiert” wird.

Da nützt es dann auch nichts, wenn man­che Kon­ser­va­ti­ve, die das Spiel noch nicht ver­stan­den haben, treu­her­zig pro­tes­tie­ren, daß sie ja doch das “Rich­ti­ge” mei­nen, anstän­di­ge und ehr­li­che Demo­kra­ten sei­en, und daß das alles frei nach Josef K. nur ein Miß­ver­ständ­nis sein müsse.

Ist es aber lei­der nicht. Son­dern es hat Sys­tem. Wer heu­te von “Demo­kra­tie” redet, und dabei mehr an Theo­dor Kör­ner als an Haber­mas und an 1848 statt 1945 (sic) denkt, ist lei­der aus dem Spiel drau­ßen und ver­däch­tig, ein “böser” Demo­krat, ein Pseu­do-Demo­krat, ein “Anti­de­mo­krat” zu sein.

Man­fred Klei­ne-Hart­la­ge hat voll­kom­men recht, wenn er sagt, daß die AfD mit Pro­gramm­punk­ten wie die­sem die­ses Spiel nur mit­spielt und zementiert:

Wir set­zen uns dafür ein, dass auch unkon­ven­tio­nel­le Mei­nun­gen im öffent­li­chen Dis­kurs ergeb­nis­of­fen dis­ku­tiert wer­den, solan­ge die Mei­nun­gen nicht gegen die Wer­te des Grund­ge­set­zes verstoßen.

Schon die For­mu­lie­rung ist rein defen­siv. “Bit­te schont uns, wir ver­die­nen es, dazu­zu­ge­hö­ren, schlagt lie­ber die da drü­ben, die kön­nen wir auch nicht lei­den.” Es ist ja schon selt­sam, daß in einem Land, in dem die “Mei­nungs­frei­heit” als beson­de­res Kron­ju­wel der Ver­fas­sung und als unhin­ter­frag­ba­rer Grund­wert gilt, über­haupt Leu­te auf die Stra­ßen gehen müs­sen, um dafür zu demons­trie­ren, wie es Anhän­ger der AfD an die­sem Sonn­tag in Ber­lin taten, also sogar Ver­tre­ter einer Par­tei, die alles in allem doch rela­tiv mode­ra­te und kei­nes­wegs “unkon­ven­tio­nel­le” Mei­nun­gen vertritt.

Da stellt sich eben wie­der die Macht­fra­ge: wer ist es eigent­lich, der die Kon­ven­tio­nen (= der gül­ti­ge meta­po­li­ti­sche Rah­men), das com­me il faut der bien-pensants, fest­legt, etwa daß die pau­sen­lo­se Anpran­ge­rung von sog. “Homo­pho­bie” eine “kon­ven­tio­nel­le” Mei­nung sei? Deren Ver­tre­ter haben jeden­falls kein Pro­blem im “öffent­li­chen Dis­kurs” wahr­ge­nom­men zu wer­den, es sind viel­mehr oft die­sel­ben, die sei­ne Spiel­re­geln vorgeben.

Real­po­li­tisch gilt eben doch: Frei­heit ist vor allem die Frei­heit der Gleich­den­ken­den, und genau die­ses Prin­zip wird von der AfD in dem zitier­ten Pro­gramm­punkt abge­nickt, womit sie nicht nur ihr Anpas­sungs-Soll über­erfüllt, son­dern sich selbst ein kon­zep­tu­el­les Eigen­tor geschos­sen hat.

Am Sams­tag wur­de Bernd Lucke, der Vor­sit­zen­de der AfD, mit­ten in einer Wahl­kampf­re­de in Bre­men von zwei, drei Links­ex­tre­mis­ten tät­lich ange­grif­fen.  Die Angrei­fer beschimpf­ten ihn als “Scheiß-Nazi”. “Die Grün­de für den Angriff sei­en noch unklar”, so wird unter ande­rem in der Süd­deut­schen Zei­tung in indi­rek­ter Rede eine Poli­zei­spre­che­rin zitiert, also etwa so “unklar” wie die Moti­ve eines Selbst­mord­at­ten­tä­ters, der sich mit einem “Allahu-Akhbar”-Ruf in die Luft bumst. Vor Ort soll es noch mehr Stunk gege­ben haben:

Die Angrei­fer sei­en mit Reiz­gas, Pfef­fer­spray und min­des­tens einem Mes­ser bewaff­net gewe­sen. Sie hät­ten sich ver­mut­lich wäh­rend der Rede Luckes unbe­merkt in einem an die Büh­ne angren­zen­den Wald­stück genä­hert. Die Poli­zei geht davon aus, dass sich bis zu 20 Angrei­fer “in den Büschen ver­steckt” hat­ten. Beim Hand­ge­men­ge auf der Büh­ne und bei der anschlie­ßen­den Ver­fol­gungs­jagd wur­den den Anga­ben zufol­ge 15 Per­so­nen durch Reiz­gas, ein AfD-Mit­glied zudem durch einen Mes­ser­schnitt an der Hand verletzt.

Das war übri­gens bei wei­tem nicht der ers­te Über­griff auf AfD-Leu­te. Tät­li­che Angrif­fe auf Wahl­kampf­hel­fer, zum Teil mit schwe­rer Kör­per­ver­let­zung, wer­den aus Ber­lin, Gie­ßen und Nürn­berg berich­tet. In Stutt­gart wur­den in einer offen­bar kon­zer­tier­ten Akti­on nicht weni­ger als 500 Wahl­pla­ka­te zer­stört. Des­glei­chen in Göt­tin­gen, wo sogar ein Brand­an­schlag ver­sucht wur­de. Dort hat auch die “Grü­ne Jugend”, die sich per­so­nell ver­mut­lich mit der Anti­fa zu einem guten Teil über­schnei­det, demons­triert, mit der phan­ta­sie­vol­len Begründung:

Wir wol­len nicht, daß sol­che und ande­re rech­te Par­tei­en ihr natio­na­lis­ti­sches, ras­sis­ti­sches, anti­se­mi­ti­sches und islam­feind­li­ches Gedan­ken­gut ver­brei­ten kön­nen, auch nicht im Wahlkampf.

Auf­fal­lend ist, wie auch André Licht­schlag anmerk­te, die Zurück­hal­tung der Pres­se, die ansons­ten nicht gera­de zim­per­lich ist, wenn es dar­um geht, Alarm zu schla­gen. Nach Pro­test oder Empö­rung oder den übli­chen Sire­nen, wie schreck­lich nun die Demo­kra­tie in Deutsch­land bedroht sei, sucht man ohne­hin ver­geb­lich. Hät­ten Rechts­ex­tre­mis­ten das­sel­be mit einem grü­nen oder SPD-Poli­ti­ker gemacht, wäre wohl lan­des­weit der Aus­nah­me­zu­stand aus­ge­ru­fen wor­den und es hät­te wochen­lang hys­te­ri­sche Leit­ar­ti­kel und Brand­re­den geha­gelt. (Der Witz ist lei­der nicht mehr ori­gi­nell, weil sein Anlaß mit ermü­den­der Regel­mä­ßig­keit wiederkehrt.)

Statt­des­sen wird durch­weg, quer durch alle Zei­tun­gen, zu erken­nen gege­ben, daß man skep­tisch ist, daß man auf Distanz bleibt und die Anga­ben der AfD für über­trie­ben und unzu­ver­läs­sig hält. Was an zwei­fels­frei doku­men­tier­ten Anti­fa-Über­grif­fen vor­liegt, wird schul­ter­zu­ckend als “busi­ness as usu­al” hin­ge­nom­men, aber nicht wei­ter skan­da­li­siert oder pro­ble­ma­ti­siert.  “Die Poli­zei wun­dert sich” über die Beschwer­den der AfD-Leu­te, heißt es in dem oben ver­link­ten FAZ-Arti­kel über Göttingen:

Ein Poli­zei­be­am­ter, der die Anti­fa in Göt­tin­gen gut kennt, sagt, es sei „aty­pisch“ für die Sze­ne, dass sie Leib und Leben bedro­he. Sach­be­schä­di­gung ja, aber Gewalt­dro­hun­gen sei­en unwahrscheinlich.

Dann scheint es sich bei der Göt­tin­ger Anti­fa offen­bar auch um eine äußerst “aty­pi­sche” Sze­ne zu han­deln. Ihre “Stra­te­gien” haben jeden­falls den übli­chen Erfolg:

Der Wirt des Gast­hofs „Zur Lin­de“ hat sich bis vor kur­zem wenig Gedan­ken über die AfD gemacht. „Die wol­len den Euro abschaf­fen“, weiß er. Das stand auf einem Fly­er, den die Par­tei nach einem Stamm­tisch im Gast­hof lie­gen gelas­sen hat. Den nächs­ten Stamm­tisch sag­te sie ab. Statt der AfD kamen 70 Anti­fa-Anhän­ger, die das nicht mit­be­kom­men hat­ten. Sie stan­den auf der Stra­ße, schwenk­ten rote Fah­nen und rie­fen Paro­len. Die AfD will der Wirt seit­dem nicht mehr im Haus haben. Der Gast­hof war nachts mit Far­be beschmiert wor­den.

Die AfD in Göt­tin­gen jeden­falls hat sich natür­lich flugs in die Defen­si­ve drän­gen und spal­ten las­sen – wir ken­nen die­ses öde und vor­her­sag­ba­re Spiel. Der AfD-Vor­sit­zen­de von Nie­der­sach­sen, Ulrich Abra­mow­ski, wird zitiert:

Bei der Fra­ge nach dem Brand­an­schlag spricht Abra­mow­ski von einem „gro­ßen Wirr­warr“ und „Ver­wir­rung“, die auf­grund der ange­spann­ten Lage bei eini­gen Mit­glie­dern bestehe. Die ver­mehr­ten Angrif­fe auf die AfD sei­en auch das Resul­tat von Medi­en­be­rich­ten, die die AfD in eine rechts­ra­di­ka­le Ecke stell­ten. Aber Mit­glied­schaf­ten oder eine Nähe zu NPD, DVU oder Repu­bli­ka­nern sei­en ein Aus­schluss­kri­te­ri­um: „Das sind Men­schen, die bei uns kei­ne Hei­mat haben.“ Dass ein Kreis­vor­stands­mit­glied aus Göt­tin­gen wegen rechts­ex­tre­mer Äuße­run­gen eines ande­ren Göt­tin­ger Mit­glieds zurück­trat, erklärt Abra­mow­ski mit der poli­ti­schen Her­kunft des Zurück­ge­tre­te­nen: „Er ist ein ehe­ma­li­ges Mit­glied der Lin­ken, wel­che Absicht dahin­ter­steht, da mache ich mal ein Fragezeichen.“

Der Zusam­men­hang zwi­schen Medi­en­be­rich­ten und Anti­fa-Atta­cken, den Abra­mow­ski her­vor­hebt, besteht zwei­fel­los. Nicht zuletzt sind Links­ex­tre­mis­ten und Anti­fan­ten in Deutsch­land des­we­gen so hem­mungs­los, weil sie ein gutes Gewis­sen haben. Das hat damit zu tun, daß letzt­lich auch sie dem meta­po­li­ti­schen Kon­sens ange­hö­ren, und allen­falls als des­sen uner­zo­ge­ne Kin­der betrach­tet wer­den, die es ja nur “gut” mei­nen, aber lei­der ein bis­sel arg über­trei­ben müs­sen. Schon dar­um wird hier oft mehr als ein Auge zuge­drückt. Und natür­lich wür­de eine all­zu hef­ti­ge Anpran­ge­rung des Links­ex­tre­mis­mus den öffent­li­chen “Dis­kurs” nach Rechts hin ver­schie­ben, was nicht im Sin­ne der über­wie­gend links­ge­rich­te­ten Jour­na­lis­ten sein kann.

Das ist übri­gens offi­zi­el­le Dok­trin, die von Ver­fas­sungs­schutz­stel­len selbst ver­brei­tet wird. Wer es nicht glaubt: Vor Jah­ren habe ich auf die­sem Blog einen päd­ago­gi­schen Comic für Schul­kin­der bespro­chen, der vom VS Nord­rhein-West­fa­len her­aus­ge­ge­ben wur­de. Dar­in bekom­men es vier reprä­sen­ta­ti­ve Jugend­li­che,  Andi, Ays­he, Murat und Ben (also eine 50:50 Ver­tei­lung von Bio­deut­schen und Migra­ti­ons­hin­ter­gründ­lern, Ays­he übri­gens mit Kopf­tuch), mit Links- und Rechts­ex­tre­mis­ten sowie mit lsla­mis­ten zu tun.

Die Lin­ken stel­len kurz­fris­tig eine Ver­su­chung für Ben, die Isla­mis­ten eine für Murat dar. Nur die Rechts­ex­tre­mis­ten wer­den rund­um von allen ver­ab­scheut. Den Links­ex­tre­mis­ten wird ein gewis­ses Ver­ständ­nis für ihre Moti­ve und urspüng­lich “guten Absich­ten” zuge­stan­den, woge­gen die Rech­ten das ganz Ande­re, ganz Böse, ganz Ille­gi­ti­me dar­stel­len. Die “rich­ti­ge” Ord­nung, die der Comic anpreist, habe ich so zusammengefaßt:

Die­se Ord­nung, reprä­sen­tiert durch Andi und sei­ne  Freun­de, ist expli­zit mul­ti­kul­tu­rell, ega­li­tär, „west­lich“, anti­fa­schis­tisch, markt­wirt­schaft­lich und menschenrechtsorientiert.

Die Links­ex­tre­mis­ten schmie­gen sich die­sem Bild natür­lich leich­ter an als die Rechts­ex­tre­mis­ten. Was das “Markt­wirt­schaft­li­che” betrifft, so gäbe es ohne Markt­wirt­schaft und ohne den aus dem Wohl­stand wun­der­sam erblü­hen­den Sozi­al­staat wohl auch kei­ne Anti­fan­ten: in sozia­lis­ti­schen Län­dern säs­sen sie ent­we­der im Sta­si-Appa­rat oder im Umer­zie­hungs- und Arbeits­la­ger für Aso­zia­le und Arbeitsscheue.

Was ist nun der Grund, war­um gewalt­tä­ti­ge Anti­fan­ten eher noch als Sand­kas­ten­mit­glie­der tole­riert wer­den, als eine so harm­lo­se, bür­ger­li­che und libe­ra­le Par­tei wie die Alter­na­ti­ve für Deutsch­land? Irgend­ei­nen guten Grund muß es doch geben, war­um die Medi­en so kühl bis ungüns­tig über sie berich­ten (daß es theo­re­tisch auch anders gin­ge, zeigt das Bei­spiel der wild hoch­ge­schrie­be­nen “Piraten”-Partei), war­um lin­ke Sozio­lo­gen und sog. “Exper­ten” aller­orts “War­nun­gen” auspre­chen, Anti­fan­ten sich mit solch frisch erwach­tem Eifer auf sie stür­zen, und war­um so vie­le Kon­ser­va­ti­ve ihr fie­ber­haft ver­fal­len sind.

Weder die Feind­spü­rig­keit der einen noch die Hoff­nun­gen der ande­ren sind gänz­lich sub­stanz­los. Die AfD hat näm­lich doch einen Punkt getrof­fen, der das abso­lu­te, obers­te No-Go der herr­schen­den Poli­tik und Meta­po­li­tik berührt. Sie ist wohl eher zufäl­lig und um ein paar Ecken dahin­ge­kom­men. Neu­lich teil­te mir ein klu­ger Mann und auf­merk­sa­mer Beob­ach­ter der rech­ten poli­ti­schen Sze­ne sei­ne Ein­schät­zung der AfD mit: sie sei in ers­ter Linie eine Par­tei von Leu­ten, die “ihren Geld­sack und ihren Bauch wäh­len”, sag­te er. “Das ist natür­lich zuwe­nig.” Es ist immer­hin mehr als nichts. Ich hät­te auch lie­ber eine Regie­rung, die sich zumin­dest für den Erhalt mei­nes Spar­schweins und nicht um den Geld­sack von Gold­man-Sachs kümmert.

Aber wenn nun der Staat eben das nicht tut, son­dern sich viel­mehr aktiv dafür ein­setzt, daß sei­ne Unter­ta­nen noch bis in die kom­men­de “Enkel­ge­nera­ti­on als Gei­seln” genom­men wer­den, “indem er sie für poli­ti­sche Flau­sen in Gestalt von mul­ti­la­te­ra­len Mil­li­ar­den­um­schich­tungs-Pro­gram­men zur Ali­men­tie­rung frem­der Volks­wirt­schaf­ten finan­zi­ell haf­ten lässt” (Klo­n­ovs­ky dixit)?

Was ist nun unum­gäng­lich, um einer sol­chen Poli­tik ent­ge­gen­zu­steu­ern? Rich­tig: die Wie­der­her­stel­lung und Prio­ri­sie­rung der natio­na­len Sou­ve­rä­ni­tät. Und was ist von der natio­na­len Sou­ve­rä­ni­tät nicht zu tren­nen, was braucht man, um sie zu legi­ti­mie­ren? Rich­tig: die natio­na­le Identität.

Das Sym­bol für die natio­na­le Sou­ve­rä­ni­tät und Iden­ti­tät Deutsch­lands ist heu­te die schwarz-rot-gol­de­ne Fah­ne. Die darf abge­se­hen von Regie­rungs­ak­ten nur mehr auf der Spaß- und Fuß­bal­l­e­be­ne geschwenkt wer­den, aber nicht mehr dort, wo es ernst wird. Ein Leser die­ses Blogs berich­te­te fol­gen­de Anekdote:

Auf der Ham­bur­ger AfD-Demons­tra­ti­on haben eini­ge Mit­glie­der in der ers­ten Rei­hen Deutsch­land­flag­gen getra­gen. Schon am Auf­stell­ort, am Haupt­bahn­hof, wur­de ein Fah­nen­trä­ger ange­spro­chen, das er “ die­se Fah­ne“ eigent­lich hier nicht zei­gen dür­fe ohne gleich­zei­tig die Euro­pa­fah­ne mit zu tra­gen, denn die AfD sei ja für Euro­pa. Nach­dem der Demons­tra­ti­ons­zug sich in Bewe­gung setz­te beka­men die Fah­nen­trä­ger Besuch von Bernd Lucke und Bea­trix von Storch, mit er Auf­for­de­rung sich doch mit den Fah­nen in den hin­te­ren Rei­hen ein­zu­ord­nen, weil, wört­lich Bernd Lucke: eigent­lich nur rech­te Par­tei­en mit Deutsch­land­fah­nen auf­tre­ten und man kön­ne sich doch noch an den Par­tei­tag in Ber­lin erin­nern, wo ein Teil­neh­mer mit Deutsch­land­fah­ne sofort von den Medi­en bela­gert wurde.

Eini­ge erin­nern sich viel­leicht in der Tat noch an den von den Medi­en insze­nier­ten und genüß­lich breit getre­te­nen “Deutschlandfahnen”-Eklat im Früh­jahr. Am Grün­dungs­par­tei­tag tauch­te ein wald­schrat­ar­ti­ger Kauz mit dem pas­sen­den Namen Vik­tor Kas­per in einem vage mili­tär­ar­tig geschnit­te­nen und gefärb­ten Hemd auf, trug eine brei­te schwarz­rot­gol­den­de Schär­pe zur Schau und schwenk­te eine gro­ße Deutsch­land­fah­ne mit Bundesadler.

Die Pres­se­pho­to­gra­phen stürz­ten sich auf ihn wie auf die Busen­mo­dels bei den Film­fest­spie­len in Can­nes. Flugs war die Sto­ry fer­tig­ge­ba­cken, daß nun “Rech­te in die neue Par­tei drän­gen”, und BILD wuß­te sogar von “NPD-Kon­tak­ten” des Übel­tä­ters zu berichten.

Kas­per hat­te sei­ne fünf­zehn Minu­ten Ruhm, die AfD den natio­na­lis­ti­schen Ruch wie von einem Stink­tier­sprit­zer, und Lucke und Storch haben offen­bar ihre Leh­re aus die­ser Geschich­te gezo­gen. Ich gehe nun jede Wet­te ein, daß sie die­se deutsch­land­fahno­pho­ben Refle­xe nicht ent­wi­ckelt hät­ten, wenn der wich­tig­tue­ri­sche Wald­schrat, der viel­leicht sogar ein ein­ge­schleus­ter agent pro­vo­ca­teur war, ein­fach igno­riert wor­den wäre. Aber so funk­tio­niert sie eben, die erzie­he­ri­sche Konditionierung.

Im April schrieb Wolf­gang Mün­chau, Co-Chef­re­dak­teur der Finan­cial Times Deutsch­land im Spiegel:

Bis zur Bun­des­tags­wahl wer­den sicher noch unvor­her­seh­ba­re Din­ge pas­sie­ren. Wenn sich bei der AfD die inter­nen Pan­nen häu­fen soll­ten, dann kann es mit der Par­tei genau­so schnell berg­ab gehen wie jetzt berg­auf. Wich­tig für sie ist vor allem die kla­re Abgren­zung nach rechts. Sie darf nicht zum Sam­mel­be­cken poli­tisch hei­mat­lo­ser Deutsch­tüm­ler wer­den. Wenn die Par­tei sol­che Pan­nen ver­mei­det und ihr The­ma scharf umreißt, dann ste­hen die Chan­cen auf einen Ein­zug in den Bun­des­tag nicht schlecht.

Dann gäbe es aller­dings nur more of the same mit roter statt schwar­zer Krawatte:

Und dann wäre auch das Gesamt-Wahl­er­geb­nis wie­der offen. Man könn­te sagen: Die AfD ist Peer Stein­brücks ein­zi­ge Chance.

Wie auch immer: an den Tip Mün­chaus haben Lucke und Co. sich jeden­falls gehal­ten. Wenn “das Ziel ist, vor der Bun­des­tags­wahl kei­ne Angriffs­punk­te mehr zu bie­ten”, dann ist ducken, Sla­lom und “Mimi­kry” ange­sagt. Denn was “Angriffs­punk­te” sind, das bestimmt immer noch der Geg­ner (ange­grif­fen wird indes, wie der Über­fall auf Lucke zeigt, auch so). Was zum Bei­spiel ist über­haupt ein “Deutsch­tüm­ler”? Auch die­ser Begriff ist über­aus dehn­bar. Wie oft haben wir im letz­ten Jahr gehört, “Euro­kri­ti­ker” wie Karl Albrecht Schacht­schnei­der, Wil­helm Hank­el oder Bru­no Ban­dulet sei­en “Natio­na­lis­ten” oder “Stamm­tischöko­no­men” oder “deutsch­tü­meln­de Pro­test-Pro­fes­so­ren” oder ähn­li­ches aus dem Gen­re? Im Bedarf kann die­se Keu­le jeden tref­fen. Alles hängt davon ab, wer die Macht hat, die Begrif­fe zu münzen.

Deutsch­land ist wahr­schein­lich das ein­zi­ge Land Euro­pas, in dem es ver­pönt ist, auf Wahl­ver­an­stal­tun­gen die Natio­nal­flag­ge zu schwen­ken. Das allein ist schon recht aus­sa­ge­kräf­tig. Es kommt indes­sen über­haupt nicht auf das Schwarz­rot­gold-Gewe­del an, auf das man mei­net­hal­ber auch ver­zich­ten kann. Es kommt auf die Sym­bo­lik und den Wil­len zur Sou­ve­rä­ni­tät und Iden­ti­tät an, der sich dar­in aus­drückt. Daß die AfD eines Tages die Deutsch­land­fah­nen aus der Kis­te holt, wenn sie die 25% Wäh­ler­stim­men­an­teil über­schrit­ten hat, und allen eine lan­ge Nase dreht – “Ätsch, wir sind doch Super-Patrio­ten”- , an denen sie sich bis­her vor­bei­la­viert hat, ist nicht zu erwarten. 

Wer aber die Geld­beu­tel­fra­ge und die “Demokratie”-Frage auf­wirft, kommt frü­her oder spä­ter nicht dar­an vor­bei, auch die natio­na­le Fra­ge mit all ihrem Sack und Pack auf­zu­wer­fen. Das ist aber genau der Punkt, gegen den sich der gebün­del­te Kon­sens der “kul­tu­rel­len Hege­mo­nie” stellt, also der Macht­ha­ber, also nicht nur der Medi­en und Mei­nungs­pro­du­zen­ten, son­dern auch der Block­par­tei­en und der Regie­rung von Gauck und Mer­kel abwärts.  Die “Abschaf­fung Deutsch­lands” ist “alter­na­tiv­lo­se”,  aus­ge­mach­te Sache. Dar­über las­sen die Taten und Aus­sa­gen der Regie­ren­den kei­nen Zwei­fel zu.

Und das ist auch der Grund, war­um die Kon­ser­va­ti­ven die Illu­si­on auf­ge­ben müs­sen, daß sie noch eine irgend­wie “staats­tra­gen­de” Rol­le spie­len könn­ten wie in den hal­kyo­ni­schen Tagen unter Ade­nau­er. Nie­mand will und braucht das heu­te mehr, am wenigs­ten der deut­sche Staat. Wer ver­hin­dern will, daß “Deutsch­land abge­schafft” wird, wird viel­mehr rasch als Staats­feind, oder genau­er: als “Ver­fas­sungs­feind” mar­kiert, “beob­ach­tet” und aus­ge­son­dert . Ob er sich selbst als grund­ge­setz­treu­er, libe­ra­ler “Demo­krat” sieht, ist dabei fast völ­lig unbedeutend.

Sie dür­fen auch nicht erwar­ten, daß eines Tages, wenn Luck dann Bun­des­kanz­ler ist, jemand kommt, und ihnen sagt: “End­lich haben wir erkannt, daß ihr es doch nur gut gemeint habt. Das mit dem Ver­fas­sungs­schutz­be­richt war lei­der ein Irr­tum, wir Dep­pen haben ein­fach die Fal­schen erwischt. Zum Trost gibt es nun doch noch einen Mit­re­de­platz am rech­ten Rand des Sand­kas­tens, gleich neben Arnulf Barings Mumie und als side­kick der Bro­der-Gang. Immer schön mit­la­chen, wenn die euch mal wie­der durch den Kakao zie­hen, es soll ja kei­ner den­ken, daß ihr humor­los wäret. Dafür wird’s in eurer Sand­burg wie­der genau­so schön wie Anno Lud­wig Erhard. Ihr dürft euch sogar einen schwarz­rot­gol­de­nen Cock­tail­wim­pel dran­ste­cken. Aber nur dort, ver­stan­den?” – “Hur­rah! Super, es hat sich also gelohnt, daß wir unse­re Deutsch­land­fah­nen ein­ge­mot­tet, Zuwan­de­rung als Berei­che­rung akzep­tiert und uns von allen Radi­ka­linskis distan­ziert haben.”

Ich will nun weder als Spiel­ver­der­ber erschei­nen, noch als einer, der sich beschwert, weil das Pro­gramm der AfD kei­ne Maxi­malst­for­de­run­gen ent­hält, oder als einer, der ver­ges­sen hat, daß Poli­tik die “Kunst des Mach­ba­ren” ist. Wie gesagt: die AfD geht mich nichts an, und Bernd Lucke ist ohne Zwei­fel der­zeit einer der ver­nünf­ti­ge­ren, sym­pa­thi­sche­ren und wähl­ba­re­ren Poli­ti­ker des Lan­des. Ich kon­sta­tie­re nur, was ist, und ich glau­be, daß es kei­nen Grund gibt, sich hier Illu­sio­nen zu machen.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (26)

Raskolnikow

26. August 2013 09:19

"Paula,
mach die Bluse zu!
Du bist doch sonst so nett!"
(Ludwig Arno)

Eigentlich,

hatte ich beschlossen, Lichtmesz nicht mehr leiden zu können, nachdem er konstatierte, Pfarrer Milchs Vorträge seien schrecklich.

M.L.: Da hatte ich gerade meinen diplomatischen Tag. Pfarrer Milchs Vortragsstil (um es zu präzisieren) rollt mir die Socken ein und zieht mir die Zehennägel raus.

Aber man muss ihn einfach mögen. Denn er trifft hier (fast) genau den entscheidenden Punkt: diese AfD verwischt noch mehr Grenzen, verwirrt noch mehr Begriffe. Man sieht ja, wie labil die scheue Rechte ist. Gleich laufen alle quietschend durcheinander und wedeln mit den dünnen Ärmchen, wenn da so ein Lucke kommt ...

Ich staune wirklich sehr über den neuen Dreh. Wir sind jetzt also "realpolitisch"! So, so ...

Es giebt zwei Sorten anständiger Mädchen, Inselbauer als alte Puffmutter wird das bestätigen: die eine verweigert bereits Gespräch und Tanz mit dem Wüstling, die zweite tritt erst ab, wenn er die Hand schon in ihrem Schlüpfer hat. Muss wohl jeder selbst entscheiden, welche Art von Anständigkeit die seine ist ...

Und tut mir leid, aber ich muss das sagen: Jeder, der sich an der AfD oder anderen Parteien schmutzig macht, kann kein Konservativer sein!

Gerade der Einklang von Uniform und Gesinnung ist doch der entscheidende Ausdruck von Haltung, von bedingungsloser Haltung! Wird auf der städtischen Müllkippe ein Goldbarren von unschätzbarem Wert vermutet, dann kann keiner, der da mit den erfolgsuchenden Massen im Müll wühlt, vom echten Manne jemals ernstgenommen werden - auch wenn er den Barren findet und sich danach in kostbare Folien hüllt! Da hat man die Nase zu rümpfen, das Monokel einzusetzen und weiter den Dienstgeschäften nachzugehen! Seid Ihr Müllwühler? Habt Ihr manchmal fremde Hände in Euren Miedern?

Man muss die Wahrheit sagen! Die hier so bewunderten "Grünen" haben in den 70ern schon die Auflösung der Geschlechter propagiert, Deutschland zum Einwanderungsland erklärt usw ... damals äußerst unrealistische Positionen - heute Realität! Dieses neurechte Rumgeschwule von kleinstmöglichen Nennern ist lächerlich! Wir haben doch die besseren Argumente und sind zweifelsohne im Gleichschritt mit der Ordnung.

Wir sollten denen da draußen sagen, warum Frauenwahlrecht ein Holzweg ist, wir sollten bekennen, dass in unserem Deutschland der Kühlschrank leerer sein wird und Schokolade und Kaffee teuere Luxusgüter; wir sollten zugeben, dass wir Zunftordnungen wieder in Kraft setzen und das teuflische metrische System abschaffen, dass jemand der bei Bachs Weihnachtsoratorium nicht ergriffen ist, ausgepeitscht gehört, das Fernsehen abgeschaltet wird und wir keine Ahnung haben, wohin all die Journalisten verschwunden sind ... Wir sollten drauf scheißen, wie mehrheitsfähig, das heute ist!

Gerade der Verlust klarer Sprache und eben klarer Begriffe hat doch die Revolution so erfolgreich gemacht. Das "sowohl-als-auch" ist die Alcohol-Lösung für die großen Grenzverwischungen ... "na, heute kann man das ja so nicht mehr ..."; "... wir leben ja schließlich nicht mehr im XX. Jahrhundert ..."; " ...so kann man das aber nicht mehr sagen ...".Versüßt werden einem diese Medicinen mit Zuckerstreuseln wie "Kompromißbereitschaft", "Dialog", "gemeinsames Ziel", "realistisch bleiben" ...

Wer aus Rücksicht auf den Zeitgeist, nicht die Abschaffung des Frauenwahlrechts fordert, braucht nicht über gender mainstreaming zu klagen! Wer meint, das Volk wäre auf wundersame Weise kompetent genug, über die politischen Geschicke eines Staates zu entscheiden, im Angesichte von RTL2 und Cro nicht flennen!

Ich trage weiterhin Zylinder!

Ein System, das alleinstehende Mütter in die gleiche Sozialamtswarteschlange zwingt, wie den levanthinischen Dunklen; ein System, das ungeborene Kinder mordet, Rentner zu Flaschensammlern macht, aber überheblich grinsend 700 Mrd. für Banken bereitstellt, das alles zerschlägt, was wahr ist: Familie, Heimat, Glaube usw. ... solch ein System ist falsch! Und es giebt keinen Grund aktiv zu kollaborieren! Keinen einzigen! Ich meine nicht die Duldung der passiven Aussaugung, wie Unke andeutete: Steuern, Gesetze, Infrastrukturen etc.; sondern das handfeste Mittun! Wer mitmacht, ist ein Schuft!

Und seit wann sind wir eigentlich Demokraten?

Wir verlieren nicht, wie dieser jugoslawische CD-Illustrator schreibt, weil wir nicht die Regeln zeitgemäßer PR befolgen, sondern, weil es "uns" gar nicht giebt! Die sich "konservativ" nennen, hängen an den Tastaturen irgendwelcher dicker Zeichner oder lauschen gebannt auf die uckermärkischen Klagelieder theaterregierender Großmütter (Ja, ich meine die Plurimi-Oma!), träumen von demokratischen Wahlerfolgen, streiten für den obszönsten Manchester-Kapitalismus und finden Gewalt bedingungslos doof. Einige (Extremisten?) wünschen sich dann doch das Deutschland zwischen 1815 und 1914 zurück und möchten am liebsten in ihrer Sissi-DVD-Trilogie leben!

Ich mag auch kleine Kätzchen ...

Ergebenster Diener,

R.

M.L.: Ich fang schon an, das zu sammeln und als etwaigen Kaplakenband zusammenzustellen...

Ein Fremder aus Elea

26. August 2013 09:30

Ich schätze, was sich die meisten von der AfD erwarten, ist schlicht, daß Deutschland nicht der EUdSSR beitritt.

Kleinigkeit, unwichtig, Kosmetik.

Deutsche Steuergelder zur Finanzierung der Planwirtschaft in Südeuropa, um deren Wirtschaften auf Vordermann zu bringen, da man beim Aufbau Ost so gute Erfahrungen mit staatlich geplanten Investitionen gemacht hat.

Das kommt ja alles noch, es geht ja nicht nur darum, was ist, sondern auch darum, was angekündigt wurde.

Wer denkt hier eigentlich, daß die nur spielen wollen?

Wenn das Geld schließlich weg ist, kann und wird die Politik alles machen.

M.L.: Soviel ich weiß, ist Deutschland Mitglied der EUdSSR, aber auch egal.

Rumpelstilzchen

26. August 2013 09:50

Eine hervorragende Analyse, die der Linken sehr viel Arbeit erspart, Herr Lichtmesz. Die müssen nur noch gegenlesen.

Im Zusammenhang mit dem Pädophilieskandal bei den Grünen ( "Befreites Menschenmaterial") gab es einen aufschlußreichen Leserbrief in der FAZ und ich bin etwas stolz, dass er von einer Frau stammt:
" Es ist symptomatisch (Anmerkung: für die Grünen) aus einem Überlegenheitsgefühl ( und der damit einhergehenden Feindbildpflege) heraus per se auf der richtigen Seite zu sein, und somit die Kritik der anderen erst gar nicht ernst nehmen zu müssen, bzw. die eigenen Verfehlungen als unbedeutende Kollateralschäden abtun zu können.
Das kapiert der Normalsterbliche natürlich nicht, weil es schließlich um nichts weniger geht als die Rettung der Welt - und da darf auch mal gehuddelt werden."
Dieser Beitrag bringt es m. E. Auf den Punkt.
Den Rechtskonservativen fehlt das Gefühl, auf der richtigen Seite zu sein und zwar per se. Das sieht man an der eingebauten Selbstzensur, die diktiert wird von der Linken. Das Gefühl, auf der richtigen Seite zu sein, haben nur Ideologen.
Die ideologische Rechte hat daher auch die Chupze, zu fordern: "Geld für die Oma, statt für Sinti und Roma".
Die linke Ideologie klingt menschenfreundlicher und hat einen klaren Vorteil.
Sie ist pseudoreligiös. Und für viele immer noch Religionsersatz.
Auf der rechten Seite schafft es m.E. Nur der Islam, zu einer Ersatzreligion zu werden. Er behauptet selbstbewußt seine Position ohne Rücksicht auf Kollateralschäden und hat ein klares Feindbild.
Da Rechtsideologen und Islam keine Option sind, bleibt nur eine nüchterne Pragmatische Parteipolitik.
Die entscheidenden Schlachten werden m. E. auf der metapolitischen Ebene geschlagen. Und hier muß alles diskutiert werden dürfen !

Christoph Nahr

26. August 2013 10:08

Das ist alles durchaus wahr und richtig, scheint mir aber wie vorgegange Kritiken den wesentlichen Punkt zu verfehlen, obwohl Seite 4 schon die Vorarbeit leistet: die gegenwärtige EU-Konstruktion inklusive Euro hat als Ziel die Abschaffung nationaler Selbstbestimmung unter zwangsweiser massiver Vermögensumverteilung. Diese Erkenntnis aus der deutschen Öffentlichkeit herauszuhalten, ist ein wesentliches Ziel der "Alternativlos"-Propaganda. Das Programm der Eurokritik greift diese Propaganda frontal an, und zwar mit relativ großer öffentlicher Aufmerksamkeit und Zustimmung.

Deshalb ist es tatsächlich ganz unwichtig, was die AfD geschweige denn ihr Führungspersonal denkt oder sagt oder ggf. im Bundestag tun wird. Sie hat bereits jetzt ihre wesentliche Funktion erfüllt, nämlich zu zeigen, daß eine Gegenposition zur gleichgeschalteten veröffentlichten Meinung möglich ist und breite Unterstützung hat. Nach einer möglichen und in der Tat wahrscheinlichen Enttäuschung wird sich das Fußvolk anderweitig organisieren. Ein Kommentator im vorigen Artikel hat deshalb die AfD sehr schön als Nikolaikirche bezeichnet. Ihr Wert besteht im Charakter als Sammelbewegung, nicht unbedingt in ihren Funktionären.

Unke

26. August 2013 11:10

Ja also was nun?

Auf der einen Seite ruft es "die AfD ist nur more of the same", nur um dann lang und breit von der Behinderung und (versuchten) Stigmatisierung der AfD zu berichten...
Warum haben Blockparteien und Systemmedien solche Angst, dass sie ihre Vorfeldorganisationen ("Antifa") glauben losschicken zu müssen...?
Weil diese Partei so harmlos ist?

M.L: Ihnen ist nicht aufgefallen, daß ich in dem Artikel genau diese Frage zu beantworten versuche?

Manchmal frage ich mich schon, warum nach 2 Beiträgen zur AfD nun der Dritte in Folge nachgeschoben werden muss (richtig: weil zwar alles, aber noch nicht von allen gesagt wurde...).

W.Wagner

26. August 2013 11:12

Da Lichtmesz die gestrige Demo der AfD in Berlin anspricht: Ich war ab 14:40 da. Bereits anwesend waren ca. 5 Personen, jeder weitere wurde mit Handschlag begrüßt. Es kamen bis vor 15:00 (mit drei Kleinkindern) sicher nicht mehr als 40 Personen zusammen, alles sicher ehrenwerte Männer und Frauen. Polizei war auch zugegen. Keine Gegendemonstraten zu dem Zeitpunkt (15:00). Ob letztendlich doch noch etwas mehr Demonstraten zusammenkamen, weiß ich nicht, weil ich mich lieber lesend in den Tiergarten zurückgezogen habe.

Wiener Melange

26. August 2013 13:07

Niemand ist perfect.
Schon gar nicht eine neugegründete Partei.
Aber das was die AfD anspricht und auch will ist nicht nur gut für Deutschland sondern für die gesamte EU.
Ich weis nur nicht warum eigentlich die wenigen "auserwählten" das nicht erkennen wollen und 100erten Millionen EU-Bürgern vorschreiben wollen,was sie tun und lassen sollen.
Oder man will den Einheitsbürger vom Nordcap bis Sizilien- den sogenannten Euro-Mäc-Buerger.

Mann

26. August 2013 13:31

"die AfD geht mich nichts an"
Doch, Herr Lichtmesz, das tut sie. Sonst hätten Sie auch nicht fünf Seiten dazu geschrieben. Die Alternative ist der erste Versuch einer teilweise volksfreundlichen Partei, der tatsächlich Aussicht auf Einzug in den Bundestag hat. Ich stimme zwar mit Ihnen darin überein, dass sie keineswegs "Mimikri" betreibt, sondern vielmehr eine brave BRD-treue Partei ist. Entscheidend ist aber etwas anderes, was einige hier schon genannt haben: Sie bietet einen Raum für Gespräche und Vernetzung und überhaupt Aktivierung nichtlinker Bürger. Das allein ist eine Messe wert!! Sogar mehrere! Und selbst wenn die Parteiführung bei Einwanderungs- und Souveränitätsfragen deutlich naiver bzw. konventioneller denkt als viele Mitglieder, es geht um einen Anfang.
Wie lange schon leben Sie in Restdeutschland, in Berlin? Sollten es weniger als 5 Jahre sein, muss ich Sie bitten, zurückhaltender mit Urteilen über die BRD-Politik zu sein - einfach deshalb, weil Sie dann womöglich den Hunger, die Not der deutschen Patrioten gar nicht recht verstehen können. Es gibt bei uns keine FPÖ in den Parlamenten, die Meinungsfreiheit wurde in letzter Zeit Schritt für Schritt zurechtgestutzt. Wir brauchen dringend mehr Luft zum Atmen, und das ist der allererste und allerwichtigste Schritt!!

M.L.: Ich war fünfzehn Jahre in Deutschland, und die hungrigen Patrioten kenne ich nur zu gut.

neocromagnon

26. August 2013 14:02

Es ist doch relativ egal was die AfD sagt, solange sie bei ihrer Position gegen den Euro bleibt. Das reicht fürs Erste. Der totale Eurostaat ist doch deren heiliges Lamm, er steht auch für den Multikulturalismus, die Unterdrückung eines deutschen Patriotismus, die Verfügungsmasse entwurzelter Mensch für Staat und Wirtschaft, die Christenfeindlichkeit, aus dem folgt die Unterwerfung des Volkes unter die politische Korrektheit (weil wir so böse sind).
Sollte sich tatsächlich eine starke Euroopposition in Deutschland etablieren, könnte in Europa einiges ins Rutschen geraten (vielleicht sogar die EU selber). Wenn nicht, wird es vorerst keiner auch nur konservativ angehauchten Partei gelingen aus der Defensive zu kommen und nennenswertes Gehör zu finden. Die AfD ist die einzige und vielleicht letzte Chance. Vier Jahre weiter könnte der brüsseler Superstaat Realität sein, mit eigenem Geheimdienst, eigener Polizei, eigenen Steuereinnahmen. Dann werden wir den so schnell nicht mehr los, denn der wird sich hemmungslos und mit allen lauteren und unlauteren Mitteln gegen seine Abschaffung wehren.

Theosebeios

26. August 2013 15:37

Ich will nun weder als Spielverderber erscheinen, noch als einer, der sich beschwert, weil das Programm der AfD keine Maximalstforderungen enthält, oder als einer, der vergessen hat, daß Politik die „Kunst des Machbaren“ ist.

Nun, das ist doch erfreulich, Herr Lichtmesz.
Erinnern Sie sich an "Richter Gnadenlos"? Schill war als Innensenator und CSU-Freund kein Problem für Ole Beust, er löste aber bei seiner Rede im Bundestag (als Hamburger Vertreter im Bundesrat) vor zehn Jahren mit einer Anti-Migrationsrede gewaltige Unruhe aus. Schill, der sich so energisch "gegen Rechts" abgrenzte, wurde zum "Sicherheitsrisiko". Daher wurden ihm mehrere Leimspuren gelegt. Auf einer blieb er hängen. Mit etwas Nachhilfe demontierte sich anschließend die P.R.O. binnen eines Jahres auf mustergültige Weise selbst.

Die AfD hat offenbar viel mehr Qualität als die Schill-Partei. Als AfD-Skeptiker der ersten Stunde bewundere ich die Lucke-Zitate, die Sie u.a. hier servieren. An wohl durchdachten Lucke-Reden im Bundestag kämen auch unsere medialen Moralwächter nicht mehr vorbei.
Die Antifa erkennt das Gefährdungspotential von Lucke (mehr das von ihm als von der AfD) viel besser als wir. Daher die Warnung. Man wird den Druck noch erhöhen.
Aber: Politik ist immer noch mehr Rhetorik als nackte Gewalt.

Marcus Junge

26. August 2013 15:41

Zuerst ein Verweis auf Eigentümlich Frei, weil es da auch um die AFD geht:

https://ef-magazin.de/2013/08/26/4419-landtagswahl-bayernpartei-als-alternative-fuer-bayern

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Danke für den Artikel Herr Lichtmesz.

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Gleich an den Anfang; Ich konnte und kann den Hype um die AFD nicht nachvollziehen, was ich hier, als auch an anderen Orten, so zum Ausdruck brachte und jetzt wieder bringe.

Lese ich die Kommentare, dann stehen da die gleichen Sprüche.

Die AFD kann ja nicht perfekt sein, so als Neugründung.
Man muß (darf) nicht Streiten, sondern einen Minimalkonsens verbreiten, den dann jeder zu schlucken hat.
Die AFD ist ein Ort um Kontakte zu knüpfen und Leute zu aktiveren.
Glaubt nicht alles, was jetzt so aus der AFD kommt, später wird es anders.
Wer jetzt nicht für die AFD ist, der vergibt die einzige / letzte Chance.
...

Ich sage dazu: Reine Wunschvorstellungen prägen diese Ansichten. Mir kommen die Leute so vor, als ob sie in einer anderen, einer Traumwelt leben, in der mit ein wenig Kosmetik, alle Probleme lösbar sind. Das ist hier aber die Endzeit des bestehenden Systems, in der nur radikale, wenn nicht extreme Maßnahmen, noch etwas bessern könnten. Wer mit dem System mitspielt, der glaubt immer noch an dieses System und belügt sich in seiner Lageanalyse ganz massiv und zum eigenen Schaden. Der Punkte ohne Wiederkehr ist lange überschritten! Finanziell kann man das System nicht mehr retten, nur gelenkt sterben lassen, um den Neuaufbau besser bewerkstelligen zu können. Niemand, auch nicht Lucke und Co., kann diese Schuldenberge noch abbauen oder unter Kontrolle halten. Was heute als Kontrolle verkauft wird, ist nur der Deckel auf dem überkochenden Vulkan und der sitzt nur noch drauf, weil dauernde Rechtsbrüche begangen werden. Der Spielraum für weitere, ist jedoch endlich. Von Energiewendewendewahn, Umvolkung und Auflösung in der EUdSSR, fange ich jetzt dann nicht auch noch an. Am Ende hängt alles an den Finanzen. Thema durch.

Aber lassen wir das mal etwas außer außen vor. Was würde passieren, wenn die AFD in den Bundestag käme? Was bitte soll die AFD bewegen, außer sie käme sofort mit 50,1% Stimmen zur Regierungsmacht? Nichts wird sie bewegen, dann gibt's halt große Koalition, wenn se 10% bekommen und in den folgenden 4 Jahren, da wird die AFD von Innen zersetzt. Kennt man ja von NPD bis REP, Muster 08/15.

Wie lange bräuchte die AFD, um so stark zu werden, bis sie wirklich Einfluß nehmen könnte, um in der Regierung entscheidend mitzumischen? Die Grünen haben 20 Jahre gebraucht. Ihre Hilfstruppen haben den Marsch durch die Institutionen über 30 Jahre betrieben und die Medien waren auch 15 bis 20 Jahren lang schon Grün. Hat die AFD solche Hilfstruppen, Medien? Haben wir (Deutschland) 20 Jahre?

Selbst die NSDAP hat fast 1,5 Jahrzehnte gebraucht und veritable Krisen als Hilfsmittel gehabt. Am Ende haben dann doch nur die Etablierte ihr die Macht angedienert und die SPD hat in der stillen Ecke gehockt derweil. Glaubt einer die AFD werde so viel Glück haben?

Ich schreib das seit die AFD aufgetaucht ist und auch schon davor (Griechen-"Rettung"), aus dem System heraus wird es keine Rettung geben, weil das System das zu lösende Problem ist (Parteiensystem) und weil die Zeit fehlt (Schuldenberge). Oder um Bismarck zu bemühen. Man wird den gordische Knoten deutscher Zustände nicht in Liebe auflösen, sondern nur militärisch zerhauen können. Die Lage ist heute zwar anders, aber doch ähnlich genug, daß dieser Satz wieder seine Berechtigung hat.

Depero

26. August 2013 15:45

Mir gefällt der Beitrag von Raskolnikow, zeigt er doch auf, welch radikale Maßnahmen nötig wären, um auch nur den kümmerlichen Rest vom "eigenen" ,der noch übrig ist, zu retten. Selbstverständlich wird das nicht geschehen, ob mit oder ohne AfD.
Allen anderen Lesern kann ich nur die US Serie House of Cards ans Herz legen, die den demokratischen Politikbetrieb so gut seziert, wie ich das zuvor noch nie gesehen habe. Naturgemäß wird das in der BRD ein paar Nummern kleiner ablaufen, die Mechanismen sind jedoch die gleichen. Danach kann man dann weiterträumen von einer AfD Machtergreifung..

Weltversteher

26. August 2013 15:46

Raskolnikow, ich wüßte gern einmal, wie Er aussieht, der mir so markig aus der Seele spricht. Seine Milieuschilderungen vergangener Monate lassen zweifeln, ob Er so rechtwincklig gebaut ist an Leib und Seele, daß Seine hier geäußerte Haltung auch Bestand hätte im wahren Leben.
Ob Er dortselbst nicht auch ein Mimikry pflegt, dieweil es für Seinesgleichen heutzutage gewöhnlich kurzen Prozeß giebt, wenn der Pöbel mit den Füßen abstimmt...

M.L.: Ich vermute, er sieht aus wie Peter Lorre.

Tedesci

26. August 2013 15:55

Umstimmen lasse ich mich mangels wählbarer und aussichtsreicher Alternativen nicht mehr.
Ich habe heute per Briefwahl für die AfD gestimmt. Für mich ist die AfD eine Partei, die es schaffen kann in den Bundestag einzuziehen. Ersteinmal dort angekommen wird man sie nicht mehr ignorieren können, selbst als Oppositionspartei. Was diese Partei mit meinem Vertrauen anfangen wird steht in den Sternen, aber ich möchte mal behaupten, dass die Gründer nicht angetreten sind um den bisherigen Kurs weiter zutragen.
Übrigens war heute eine gewaltige Schlange in meinem Bürgerbüro, zwecks Briefwahl.
Diese Wahl scheint wohl für viele sehr wichtig zu sein.

rautenklause

26. August 2013 16:45

Ich stimme ML auch hier mal wieder in weiten Teilen zu, sehe aber für die AfD noch eine ganz andere Aufgabe – und die ist es letztlich, worauf es MIR ankommt : wie groß (oder wie klein) ist die „Eiserne Division“ denn wirklich? Wie viel Prozent bekommen die „Sonstigen“?

„Diese Wahl ist wahrscheinlich die bedeutendste der bundesrepublikanischen Geschichte“ sagt Bazon Brock und ich bin geneigt, ihm beizupflichten. Aber wenn dem so ist, wenn für jeden der Irrsinn an buchstäblich jeder Ecke zu sehen und zu spüren ist und wenn es erstmals eine nichtstigmatisierte Partei gibt, die mit seriösen Honoratioren und nachvollziehbaren Sachargumenten pragmatische Dinge jenseits der Extremismusschwelle fordert … DANN ist es doch im höchsten Maße interessant, wie das liebe Stimmvieh reagiert. Denn – um den Rousseauismus der Rechten ins Spiel zu bringen, nach dem „das Volk“ gut ist – warum sollte das DEUTSCHE VOLK ( in das so viel Hoffnung gesetzt wird), dessen Cendies und Mandies und Kevins und Mavericks „immer noch den furor teutonicus des harten Geschlechts“ in ihrem Innern bergen (und nicht nur die halbvergorenen Brocken Junkfood mit Brause) denn nicht jetzt, wo es ihm ganz leicht gemacht wird und es nicht mal um die Ostgebiete und das Ehrenkleid der Wehrmacht geht sondern nur um die eigenen Groschen im Portemonnaie, ein harmlosen Kreuzchen machen und sagen: Nöö, irgendwie will ich was anderes. Das wäre doch dann mal eine ordentliche Bestandsaufnahme, womit man denn im besten aller denkbaren Fälle zahlenmäßig überhaupt rechnen kann.

Es geht mir also weniger um die AfD als konkrete Partei – für mich ist die AfD in erster Linie ein Konstrukt, das „Nein“ sagt und das auch genau als das von der Bevölkerung wahrgenommen wird. Und es werden Hoffnungen und Vorstellungen hineinprojeziert, die wohl im Herzen des Einzelnen, aber nicht in dem der Partei zu finden sind.

Und vielleicht wird auch deshalb das Projekt “AfD“ von vielen „Rechten“ kritisch beäugt, da hier – in meinen Augen – spätestens im September gesehen werden kann, wie es denn mit dem softcore Oppositionspotential in diesem unserem Land steht. Und welche Klientel (abzüglich der prozentual wohl zweistelligen
Nachrichtendienstmitarbeiter) man überhaupt umwerben kann zum eigenen Nutz und auch Nieß. Und ob man sich „die Wirklichkeit“ nicht einfach schöngerechnet hat. Das „der Linken“ immer mal wieder entgegengehaltene Pippi Langstrumpf Lied „Ich mach‘ mir die Welt, widde widde wie sie mir gefällt“ schlägt dann unversehens unbarmherzig zurück. Und es wird dann auch darüber zu reden sein, ob es eben doch „nur“ noch Punkt 4 von Weißmanns Wahlmöglichkeiten realistisch sein kann mit einem dann aber immer größeren Fragezeichen hinter „der Erwartung, künftig doch zum Zug zu kommen.“ Die vernetzte Einmannkaserne in einer Familie mit Kindern, mit Garten, mit Bibliothek und Überlebenswillen.

Also harre ich gespannt der Dinge und einer Antwort auf die Frage aller Fragen: was wird das liebe, in der Schweigespirale gefangene „deutsche Volk“ denn im September tun? Vielleicht überrascht es uns ja – vielleicht …

Weltversteher

26. August 2013 17:47

Ich habe inzwischen den Eindruck, der Streit um die AfD entbrennt deshalb so hitzig und gegensätzlich, weil es gar nicht um diese farblose "Partei" geht, sondern um den Bundestag und seine Anhängsel. Lichtmesz und MKH beschäftigt dieser nicht, und müssen deshalb aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen.
Die Mehrzahl der (neuen?) Kommentatoren hier scheint sich dagegen ein Deutschland ohne Bundestag nicht vorstellen zu können. Das darf man ihnen nicht übelnehmen. Ich glaube aber, aus rechter bzw. sezessionistischer Sicht darf man hoffen, daß sie darüber hinwegkommen.

alex

26. August 2013 19:15

An dieser Stelle vielleicht eine Bitte an Herrn Lichtmesz:
Koennte man nicht, anstelle das Elendswort "biodeutsch" zu benutzen, vielleicht etwas anderes dahernehmen?
Ich habe viele unertraegliche Assoziationen mit diesem Wort....
Ansonsten muss ich Herrn Kleine-Hartlage und Herrn Lichtmesz in ihren Ausfuehrungen zustimmen.

M.L.: Eben weil es "unerträglich" ist, darum benutze ich es ja - im Kontext, daß ich hier den Inhalt einer Propagandabroschüre wiedergebe.

ingres

26. August 2013 22:56

Das was mir auffällt ist, dass der Konservativismus (ich weiß nicht genau, wie man sich hier selbst sieht) hervorragende Analysen liefert (auch im schöngeistigen, ästhetischen Sinne), aber leider keine politische Partei damit gründen kann. Ich habe das mal so ausgedrückt: Man könnte ja eine politische Partei gründen, aber das nutzt nichts, da man immer gleich den Pöbel (wobei Pöbel auch für Eitelkeit, Geltungsbedürfnis usw. steht), drin haben wird. Ich sehe also keine existente rechte Partei, die sowohl todesmutig metapolitisch dem System die Stirn bietet, 5 % erreichen und Realpolitik betreiben kann. Nichts vorhanden. Was die AfD anbelangt habe ich keine illusionen. Leider habe ich jetzt nicht die entsprechenden Äußerungen parat. Aber ich meine es gab Äußerungen gegen Merkel, die sowohl sachlich gerechtfertigt, als auch polemisch waren. Das ist m. E. sensationell. Ein Prüfpunkt füre die AfD war für mich, ob sie auch polemisch sein kann, ohne die inhaltliche Argumentation (in erster Linei Euro) zu verlassen. Eine rechte Partei, wie ich sie in den einleitenden Sätzen beschrieben habe und die 5 % erreichen könnte wäre nicht schlecht, gibt es aber leider nicht.

ingres

26. August 2013 23:14

@Weltversteher

Ja damit wollte ich eigentlich meinen Beitrag abschließen. Die hier vertretene Position kann mangels Parteibildung faktisch nur auf einen konservativen Anarchismus ohne Parlament hinauslaufen. Das ist ja logisch, wenn man die AfD ohne eigene parteiliche Alternative, kritisiert.
Da die nächste Zukunft ohnehin erst nach dem offiziellen (faktisch ist es ja bereits passiert) Zusammenbruch des Euro beginnt, kann man dann ja versuchen mit diesem konservativem Anarchismus in den Wettbewerb zu treten. Innerhalb des Parlamentarismus geht das nicht. Das ist schon richtig.

Kleist

27. August 2013 00:25

Eines vorweg, normalerweise teile ich Herrn Lichtmesz pointierte und scharfsinnige Analysen; als Autor des Sezession schätze ich ihn sehr.

Die AfD ist meines Erachtens ein Schritt in die richtige Richtung, den man auch unterstützen sollte, wenn man sich selbst weiter rechts im politischen Koordinatensystem verortet und keine Hoffnung auf eine wirkliche Trendwende hat.
Natürlich läuft die Zeit davon und der politische Aufstieg der AfD würde zu lange dauern, um den Untergang letztendlich aufhalten zu können. Dennoch ist die AfD ein Hoffnungsschimmer, den es mit ganzen Kräften zu unterstützen gilt.

Ein Einzug in den Bundestag mit um die 5 % wäre ein Paukenschlag, der ernsthafte Risse im System sichtbar machen würde. Die bislang von Meinungs-und Parteienforschern (ich weiß um die Manipulationen von Forsa & Co mittels Gefälligkeits-/ Auftragsgutachten mit vorgegebenem Ergebnis usw.) postulierten 20 % Wählerpotential für eine konservative Partei, könnten sich endlich nach und nach unter einem Banner sammeln - selbstverständlich kommt hier nur der kleinste gemeinsame Nenner zum Tragen - und damit einhergehend bislang marginalisierte und tabuisierte, zumindest moderat konservative, Positionen wieder mehrheitsfähig machen bzw. diese überhaupt wieder im öffentlichen Diskurs verankern.

Als neue Partei in einer Zeit des bis zum Äußersten geführten „Kampfes gegen rechts“ seitens des scheinbar allumfassenden Systems tut die AfD gut daran, moderat aufzutreten, was auch ihrem Wesenskern entspricht. Wenn der Schlüssel zur Macht auf demokratischem Wege in kompromisslose(re)m Auftreten läge, würde die Pro-Partei von Wahlerfolg zu Wahlerfolg eilen. Das ist aber nicht der Fall, die meisten werden von den medialen Hetzkampagnen abgeschreckt. Nebenbei bemerkt fehlt es Pro auch an hochkarätigem und charismatischem Personal.

Die Mehrheit der Deutschen ist von Kindesbeinen an indoktriniert, unfähig aus den vorgegebenen Denkschablonen des Systems auszubrechen. Der Wandel erfolgte schleichend über die Jahrzehnte. Ehemals konservative Positionen, die noch vor 20 Jahren mehrheitsfähig waren, gelten heute als Gedankenverbrechen und werden mit den Totschlagargumenten „rassistisch“, „ausländerfeindlich“, „nationalistisch“ usw. gebrandmarkt.
Viele können es sich nicht vorstellen, dass sie medial durchgehend manipuliert werden, dass fast die komplette etablierte Journaille, inklusive staatlichem Rotfunk, gegen die ureigenen Interessen der deutschen Noch-Mehrheitsbevölkerung mittels Agitprop handelt.

Die AfD bringt erstmals, wenn auch weichgespült, eine echte Gegenposition in den von links bestimmten öffentlichen Diskurs, die der weitverbreiteten Unzufriedenheit der politisch heimatlos gewordenen Konservativen und Teile der Rechten ein Ventil gibt und eine Stimme verleiht, die in der Bevölkerung aus Resonanz stößt.

Auch bei der AfD gab es Versuche, diese mit dem Label „rechts“ zu diskreditieren. Diese billige Propagandamasche verfängt sich dieses Mal jedoch nicht in den Köpfen der Menschen, im Gegenteil, die AfD scheint sogar einzelne Sympathisanten in den etablierten Medien wie z.B. der „Welt“ gewonnen zu haben, was ein unschätzbarer Vorteil ist. Das gab es zuvor nicht, Pro-Deutschland wurde beispielsweise sofort mit der NPD gleichgesetzt und durchweg tabuisiert.

Der Kern der AfD ist natürlich bürgerlich, christdemokratisch geprägt und lässt sich allenfalls als sehr moderat konservativ begreifen. Die AfD ist tatsächlich der kleinste gemeinsame Nenner des ansonsten hoffnungslos zersplitterten und marginalisierten rechten bis konservativen Lagers in Deutschland. Die AfD hat erleben müssen, dass der destruktive, psychotische „Kampf gegen rechts“ auch vor desillusionierten CDU-Wählern nicht Halt macht und die Rote SA/Antifa Teil des Systems ist, um straffrei Meinungen gewaltsam zu unterdrücken, wenn der mediale Macht- und Unterdrückungsapparat nicht ausreicht.

Aussagen von Lucke, endlich den Linksextremismus konsequent zu bekämpfen, Rechtsbrüche zu ahnden, anstatt Linksextreme als Kettenhunde des Systems zu tolerieren, das in seiner Stoßrichtung antideutsch ist, lässt hoffen. Auch die Forderung nach ausschließlich qualifizierter Einwanderung, neben den europakritischen Positionen sind ein Novum in der ansonsten gleichgeschalteten politischen Landschaft in der BRD. Allein schon dafür hat die AfD Unterstützung verdient. Natürlich ist dieser Minimalkonsens erbärmlich, doch haben wir eine andere Wahl? Ich bin es leid, unter 5 %-Parteien meine Stimme zu geben, die keine Chance auf politische Gestaltung haben – die AfD hat erstmals Potential zu weit mehr.

Keats

27. August 2013 01:00

Ich werde die AfD aus rein formalen Gründen wählen. Nicht wählen heißt zustimmen, "ungültig"-wählen ist nur die peinliche Variante, Blockparteien wählen idiotisch, von den Kleinparteien mit Chancen auf Wahlkampfkostenerstattung bleibt diesmal die AfD als die Partei der Wahl.

Natürlich erwarte ich von ihr nichts anderes als CDU-/FDP-Politik, d.h. das konsequente Hinarbeiten auf die Abschaffung Deutschlands zu Gunsten des imperialistischen EU-Superstaats, den alle rechten Eliten anstreben und der - ganz nebenbei - auch die namengebende "Alternative für Deutschland" ist. Ich rechne fest damit, daß es in den nächsten Wochen noch einen Mediencoup gibt, der die AdF in den Bundestag bringt. Der Spiegel könnte z.B. Schäuble-Unterlagen veröffentlichen, durch die AfD-Themen plötzlich im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen.

In den Führungsetagen der EU-Länder herrscht Einigkeit darüber, daß nur ein EU-Superstaat noch die Funktionen der alten Nationalstaaten erfüllen kann. Nur sie kann als "Global Player" weltweit überzeugend die Wirtschaftsinteressen sichern und im Innern bei der dafür notwendigen schmerzhaften Umgestaltung Europas für Stabilität sorgen. Das Ziel steht fest, über den Anteil der regionalen Eliten wird es heftige Konflikte geben. Eine EU-kritische Partei im Bundestag würde die deutschen Positionen stärken. "Deutsch" ist dabei wahrscheinlich das falsche Wort.

Wie gesagt, die Wahl der AfD ist diesmal alternativlos.

M.L.: Ich ergreife die Gelegenheit zu einem Statement, vielleicht zur Verwunderung mancher, die nicht verstanden habe, was ich sage: auch ich halte die AfD für die zur Zeit einzige wählbare Partei.

Martin Lichtmesz

27. August 2013 07:04

Nur mal zwischendurch gesagt: schlechte, oberflächliche, verständnislose Kommentare werden nach meinem Gutdünken und meiner Laune ausgesiebt. Ich erwarte keine Zustimmung, und gerne auch fundierten Widerspruch, zumindest aber die kognitiven Fähigkeiten, einen Text sinnerfassend zu verstehen. Wer die nicht aufbringen kann, soll lieber schweigen. Ich werde hier weiterhin als Brutal Gardener handeln, und dergleichen in den Spam-Eimer wandern lassen. Ich lösche nun auch alles, was nicht der Diskussion dient, Meta-Diskussionen über Wert und Unwert der Tiraden unseres geschätzten Raskolnikow inklusive.

Rumpelstilzchen

27. August 2013 08:21

@ML
meinen Sie jetzt verständnislose oder unverständliche Kommentare ?
Ich habe hier manchmal Probleme mit beidem.

M.L.: Grob Unverständliches verschwindet auch, ebenso wie alle Kommentare in denen Groß- und Kleinschreibung sowie Zeichensetzung derart mißachtet werden, daß das Lesen zur Qual wird. Hugh, ich habe gesprochen.

NoTarget

27. August 2013 12:12

Ohne dem Autor widersprechen zu wollen - dafür fehlen leider schlicht die Argumente, so ist für mich mit der AfD nach langen Jahren völliger Ratlosigkeit zumindest wieder eine Antwort auf die Frage nach dem geringsten Übel auf dem Wahlzettel in Sicht. Zumindest mit Blick auf ein eventuell mögliches Überschreiten der 5 Prozent Hürde. (Also auch da kein Widerspruch...)

Eine Kehrtwende - wie unwahrscheinlich die auch immer sein mag - muss zwangsläufig mit einer ersten Richtungsänderung beginnen und auch wenn viele Tatsachen in diesem Lande pessimistisch stimmen, so gibt es doch auch einige Entwicklungen, die mir vor wenigen Jahren noch unvorstellbar schienen. Eine mögliches politisches Korrektiv auf der anderen Seite der Union ist eine davon.

neocromagnon

27. August 2013 14:33

@NoTarget
Bevor man den Burgfried erobern kann, muß man die Burgmauern einreißen. Vor dem Aufbau steht die Zerstörung.

Martin Lichtmesz

27. August 2013 23:18

Badeschluß, dank an alle Teilnehmer.

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