15. Januar 2015

Ich bin nicht Charlie (Teil 4) - Die Freiheit und die Andersdenkenden

von Martin Lichtmesz / 39 Kommentare

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

pensercommetoutelmondeVierzig internationale Staatschefs haben "an der Spitze" der großen Gedenkkundgebung in Paris für die Opfer des Anschlags auf Charlie Hebdo teilgenommen, augenscheinlich nicht nur, um Gewalt und Terrorismus zu verurteilen, sondern vor allem, um sich als Bollwerk für "unsere Freiheit" und "unsere Grundwerte" in Szene zu setzen.



 Hier hat sich ein Blogger die Mühe gemacht, aufzuzeigen, daß in der Praxis keiner von ihnen die "Meinungs"- oder "Pressefreiheit" so tierisch ernst nimmt, wie er gerade vorgeben mag. In der Tat finde ich diese kleine Stichprobenliste noch ziemlich milde, und selbstverständlich muß man, ihrem eigenen Anspruch gemäß, an die westlichen Staaten strengere Maßstäbe anlegen.

So fehlt etwa Deutschlands Angela Merkel, die vor verzuckerter Unredlichkeit mal wieder aus allen Nähten platzt. Gestern noch hat sie vereint mit anderen Häuptlingen ihrer Kaste und den Fabrikatoren der öffentlichen Meinung alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Pegida-Bewegung zu diskreditieren und mundtot zu machen, heute pumpt sie wieder heiße Luft wie diese in ihren Machtballon: Das Attentat stelle "auch einen Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit dar, ein Kernelement unserer freiheitlich-demokratischen Kultur, der durch nichts zu rechtfertigen ist", verkündete sie in einem offiziellen Telegramm an François Hollande.

In Wahrheit verhält es sich so, daß das offiziell plakatierte Pathos von der "Meinungsfreiheit" vor allem jene Meinungen meint, die im herrschenden Diskurs erwünscht sind. Was davon abweicht, wird mit Entwertung, Marginalisierung, Totschweigen, Diffamierung und sogar legalen Sanktionen bedroht.

Wenn Merkel sagt, das Buch von Sarrazin, das ihre Politik kritisiert, sei "nicht hilfreich", oder wenn Frankreichs Premierminister Manuel Valls ein in der Tendenz sehr ähnliches Buch von Eric Zemmour "als der Lektüre nicht wert" bezeichnet, dann ist das nur die erste Stufe der Ausgrenzungsversuche. Auf der nächsten Stufe wird flächendeckend der persönliche Ruf zerstört, und anschließend kann es passieren, daß man von seinem Arbeitsplatz suspendiert wird - so ist es Richard Millet geschehen.

Die letzte Stufe ist die gesetzliche Verfolgung: Der Komiker Dieudonné M'bala M'bala, auf dessen Fall ich zurückkommen werde, wurde wegen antizionistischer Äußerungen und Witze mehrfach zu Geldstrafen verurteilt, während sich die Schauspielerin Brigitte Bardot wegen islamkritischer Äußerungen vor Gericht zu verantworten hatte. Diese Prozesse dienen vor allem der öffentlichen Signalwirkung: bestimmte Meinungen sollen kriminalisiert und sozial stigmatisiert werden, um ihre Ausbreitung zu verhindern.

Ein solches Damoklesschwert hat man auch über Marine Le Pen aufgehängt: nach einer mißliebigen Äußerung drohte ihr strafrechtliche Verfolgung, und um eine solche in Zukunft möglich zu machen, hob das Europaparlament 2013 ihre Immunität auf. Der Grund: sie hatte die öffentlichen Straßengebete von Muslimen als "Form der Okkupation" bezeichnet, und damit implizit auch auf die deutsche Besatzung Frankreichs im 2. Weltkrieg angespielt.

Das sind Beispiele, die sich beliebig vermehren ließen. In der Tat gibt es in Frankreich heute eine Vielzahl von politisch motivierten Gesetzen, die unter dem Banner von "Antidiskriminierung" und "Antirassismus" die Meinungsfreiheit stark beschneiden und erheblichen Druck aufbauen, der zu "politisch korrekter" Konformität zwingen soll.

Der französische Schriftsteller Jean Raspail ließ 2010 seinen satirischen Klassiker "Das Heerlager der Heiligen" (eine überarbeitete deutsche Neuausgabe wird im Frühjahr bei Antaios erscheinen) juristisch prüfen: seine Anwälte fanden gezählte siebenundachtzig Stellen, die heute zu einer Strafverfolgung des Autors auf der Grundlage von Volksverhetzungsparagraphen führen könnten.

Im Vorwort zur Neuauflage seines bekanntesten Buches (nachzulesen in dem Kaplakenbändchen "Der letzte Franzose") schrieb Raspail:
Aus Neugier habe ich zwei verschiedene, spezialisierte Anwälte zu diesen Fragen konsultiert. Es stellte sich heraus, daß das "Heerlager", würde es heute zum ersten Mal erscheinen, nicht mehr publizierbar wäre. Zumindest müßte es erheblich zensiert werden. Daran kann man ermessen, wie stark die Meinungsfreiheit, insbesondere zu diesem Thema, seither eingeschränkt und eingezäunt wurde, eine Entwicklung, die seit der Lex Gayssot mit brutaler Rasanz an Fahrt aufgenommen hat.

Dabei wurde sein Buch hinter den Kulissen eifrig gelesen, und durchaus anders beurteilt, als öffentlich zugegeben wurde:
Anläßlich der Neuauflage von 1985 habe ich persönlich diverse Pressedienste und Persönlichkeiten, vor allem Politiker, sowohl der Rechten als auch der Linken, kontaktiert. Viele haben mir mit ein paar Zeilen geantwortet, manchmal auch ausführlicher. Einige Namen in loser Reihenfolge: François Mitterand, Jean-Louis Debré, Lionel Jospin, Louis Mermaz, Robert Badinter, Jean-Pierre Chevènement, Denis Olivennes, François Pinault, Jacques Toubon, Max Gallo, oder, um weiter in der Zeit zurückzugehen: Raymond Barre, Maurice Schumann, Alain Poher, Louise Weiss, André Malraux. Briefe oder Postkarten, Handschriftliches oder Diktiertes, ich habe alles aufbewahrt. Das ist sozusagen mein Fallschirm. Einige Dokumente sind einfache Dankesschreiben, andere gehen mehr oder weniger in die Tiefe, mit starken Vorbehalten oder wohlbemessener Zustimmung, aber allesamt sind sie in einem Ton gehalten, der nichts gemein hat mit den Diffamierungen durch die vier Gesetze, für die die Absender, mit Ausnahme der Nicht-Parlamentarier, eilfertig gestimmt hatten. (...)

Manche Briefe waren geradezu entgegenkommend und vertieften sich in Betrachtungen, die über die übliche Konsenshaltung und die automatischen Reflexe des herrschenden Gedankenguts, die jeden Anflug einer echten Debatte im Keim ersticken, weit hinausgingen.
Charlie1Charlie3 Spitzenprodukte der westlichen Wertegemeinschaft



Alain de Benoist kommentierte anläßlich des Terroranschlags nüchtern die Rhetorik von der "Meinungsfreiheit":
Wenn nach Rosa Luxemburg "Freiheit immer die Freiheit der Andersdenkenden ist", dann bedeutet das, daß wir sie auch dann verteidigen müssen, wenn es denen nützt, die wir verabscheuen. Aber genau das weigert sich die herrschende Ideologie zu tun, in Frankreich ebenso wie in den Vereinigten Staaten, wo zwar der "First Amendment", der erste Zusatzartikel der Verfassung gilt, wonach jedermann sagen und schreiben darf, was er will, wo aber nonkonforme Ansichten noch mehr an den Rand gedrängt werden als in Frankreich. Wie das Recht auf Arbeit noch nie jemandem einen Arbeitsstelle verschaft hat, so garantiert das Recht auf Redefreiheit nicht, daß man eine Chance bekommt, gehört zu werden.

Benoist identifiziert auch Charlie Hebdo als einen prominenten Vertreter des politischen Establishments:




Die Regierung hätte gewiß nicht von der "nationalen Einheit" (ein mystifizierendes Schlagwort par excellence, denn eine solche "Einheit" kommt immer denen zugute, die an der Macht sind und von einem Konsens profitieren wollen) hätte es [die konservative Zeitschrift] Valeurs actuelles erwischt. (...) Charlie Hebdo ist eines der Organe der herrschenden Ideologie geworden. Man erkennt einander.



Als linksradikales Blatt war das Magazin fester Bestandteil des erlaubten Diskurses, der auch in Frankreich extrem ungleichgewichtig zugunsten der Linken ausfällt, auch wenn ihm manche linke Stimmen hin und wieder "Rassismus" oder "Islamophobie" vorgeworfen haben.


Hier zum Beispiel versucht ein wackerer deutscher Autor, der auch nicht Charlie sein will, Charlie Hebdo links zu überholen, womit er lustigerweise tatsächlich ein Stück gegen den laufenden Strom zu schwimmen beginnt. Die Zeitschrift sei "kein Vorbild für die Meinungsfreiheit", außerdem "kompatibel mit dem Front National und Pegida" und vom bösen Geist des "weißen Mittelschichtsrassismus" durchtränkt. "Die antiislamischen Zeichnungen" haben




... ohne jede Zurückhaltung auf Provokation und Beleidigung gezielt und sich damit die mitnichten progressive Grundtendenz westlicher Karikaturisten zueigen gemacht. Wenn aber eine Redaktion aus weißen, männlichen, gut gebildeten und sozial abgesicherten Mitgliedern - sei es auch nur satirisch - auf soziale Minderheiten eindrischt, dann ist das kein Garant für künstlerischen Wert.


Auch die aggressiven Reaktionen auf die bewusste Provokation in der Vergangenheit sind kein Prädikat "Besonders wertvoll". Und es kommt noch härter: Auch der kaltblütige Mord an zehn Redaktionsmitgliedern macht ihre Arbeit in diesem einen Aspekt nicht besser. Ein erheblicher Teil der antiislamischen Karikaturen waren rassistischer, sexistischer und menschenverachtender Schrott, der hierzulande zu Recht skandalisiert worden wäre.



Daß Charlie nicht minder heftig und "menschenverachtend" auf Patrioten und Katholiken eingedroschen hat, erscheint dem Schreibenden dabei nicht erwähnenswert - das hält er wahrscheinlich für "progressiv". Weil die Fronten hier und anderswo klar gezogen waren, genossen seine Macher auch bei Motiven, die das politisch Unkorrekte streiften, eine gewisse Narrenfreiheit, und darum werden sie nun auch so vorbehaltslos zu "Märtyrern" verklärt, was mit Sicherheit ausbleiben würde, hätte es eine rechte Zeitung oder Marine Le Pen erwischt.

Es geht eben nicht um Presse- und Meinungsfreiheit als universales Prinzip, das unabhängig von Inhalten Gültigkeit hätte, sondern eben doch um spezifische Inhalte. Insofern ist es bezeichnend, daß die Kampagne, die den Terrorschock kanalisieren soll, zur Identifikation mit Charlie aufruft.

Wenn ich das Attentat von Paris verdamme, und den Opfern zugestehe, daß sie immerhin mutig waren, den Drohungen so lange standzuhalten, dann bedeutet das jedoch noch lange nicht, daß ich Charlie"bin" und mich mit seinen Inhalten identifiziere. Es ist nämlich keineswegs zwingend, daß aus meiner Verurteilung eines Angriffs auf ihre Meinungsfreiheit auch folgt, daß ich die betroffene angegriffene Meinung auch selbst teile. In dieser strukturellen Entkoppelung besteht ja das "Liberale" und Unteilbare, die eigentliche Pointe dieses Grundrechts.

Im Klima des allgemeinen Konformitätsdrucks gerät diese Tatsache jedoch immer mehr in Vergessenheit. Meinungsfreiheit ist heute implizit (und manchmal explizit) nur mehr die Freiheit der Gleichdenkenden, und inzwischen auch die Freiheit der herrschenden Gleichdenkenden, die machtlosen Andersdenkenden auf gröbste Weise zu verleumden - man betrachte den Terror der deutschen Leitmedien und Politiker gegen die Meinungsfreiheit von Pegida.  Nur wenige wagen es daher, das Recht der sogenannten "Umstrittenen" auf Meinungsfreiheit, von Sarrazin abwärts bis hinab in die diversen lunatic fringes,  zu verteidigen, weil die Angst vorherrscht, dann selber als "Rechter" verdächtigt und ausgegrenzt zu werden.

Und wann immer der idiotische, fälschlicherweise Voltaire zugeschriebene Spruch "Ich mag verdammen, was Sie sagen, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, daß Sie es sagen können" geklopft wird, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, daß hier einer um Gehör für sich selbst bettelt, nicht aber, daß er allen Ernstes "sein Leben einsetzen würde", um die Meinung eines anderen zu Gehör zu bringen, schon gar nicht, wenn dieser sein Gegner ist.

Der bekannte Verschwörungsjournalist Gerhard Wisnewski vergaloppierte sich in seinem Beitrag zu dem Terroranschlag zwar mal wieder gründlich, aber für einen genialen Geistesblitz muß man ihm dankbar sein. Die Frage nach dem "cui bono" führt ihn zu der Feststellung, daß der Terror Gelegenheit bietet, die Presse in einen unangreifbaren Opferstatus zu erheben - was in Deutschland zur Zeit exzessiv und systematisch betrieben wird, indem Pegida und die Terroristen zu einem einzigen Phantomfeind der "offenen Gesellschaft" zusammengeknetet werden.
Der zweite Nutzen besteht in der Bekämpfung des Aufstandes gegen die etablierte Lügenpresse. Indem »Journalisten« in einer globalen Tragödie zu Opfern gemacht werden, wird die Bevölkerung gezwungen, sich mit ihnen zu solidarisieren und werden die Kritiker zum Schweigen gebracht. Der jüngste Brandanschlag auf die HamburgerMorgenpost vom 11. Januar 2015 gehört in dieselbe Kategorie.

Man muß Wisnewskis Theorien über eine etwaige  "False Flag"-Operation nicht teilen, um zu erkennen, daß an dieser Beobachtung viel dran ist. Nach dem Anschlag wäre jeder rückgratlose, vom Establishment gedeckte Journalist in Deutschland gerne Charlie, und man bestäubt sich allerseits mit immunisierendem Opferparfüm: Leute, die in ihrem Leben nichts riskiert haben, und die ihren eigenen Schiß nun kompensieren, indem sie nach dem Sturm auf die Barometer eindreschen.
Charlie1938Charlie Hebdo und deutsche Lizenzausgabe von 1938


Der FPÖ-Mann Harald Vilimsky kommentierte:



Nein, ihr seid nicht Charlie. Ganz im Gegenteil. Ein beträchtlicher Teil von euch trägt Mitschuld daran, dass es genauso gekommen ist. Ihr habt Hand in Hand mit Politikern von Grünen und der Linken über Jahre und Jahrzehnte genau das erst möglich gemacht: Immer mehr Einwanderung, immer weniger Regeln. Dafür aber mit all eurer Kraft gegen jene, die ihr Unbehagen daran artikuliert haben. Jetzt kommt der Terror aus der Mitte der Gesellschaft. Aus jenen radikalisierten Banlieus der Hoffnungslosigkeit, die durch euer Wegsehen erst entstehen konnten.

Ähnlich argumentiert dieser Autor des Schweiz-Magazins:
Grosse Aufmacher in vielen Zeitungen. Journalisten zeigen es auf Plakaten, Verlage titeln damit in ihren Publikationen und TV-Sendeanstalten blenden es als Banner ein "Wir sind Charlie". Sie machen, was sie immer gemacht haben, sie heucheln, verdrehen und verschweigen. Deshalb ein paar Worte an sie.

Ihr seid die ewigen Beschwichter, Verschweiger und Vertuscher der Wahrheit und gleichzeitig Förderer solcher grausamen Anschläge. Ihr bereitet diesen muslimischen Attentätern den Weg, indem ihr Euch seit Jahrzehnten gegen Eure Nationalität, Kultur und Religion gestellt und all das geschwächt habt und uns Euren Mulitikultiwahn aufzwingen wollt.

Ihr seid emsig damit beschäftigt alles zu zerstören und zu vernichten, was zu unseren Nationen und Völkern gehört. Ihr verdrängt, was uns ausmacht und versucht es durch Fremdes zu ersetzen, sei es amerikanisch oder aus einer anderen Kultur. Euer Verhalten in Europa ist beispiellos für die Welt. Auf keinem anderen Kontinent ist die Zerstörung aller nationalen Werte und Identitäten Dank Euch so gross, wie auf dem Europäischen.

Ihr bekämpft und verleugnet all das, um damit den Medienkonsumenten Sand in die Augen zu streuen über die wahren Verhältnisse auf unseren Strassen. Ihr seid die, die nicht darüber berichten wenn die einheimische Bevölkerung von eben diesen Leuten diskriminiert, rassistisch beleidigt und körperlich angegriffen wird und die Täter verklärt Ihr zu Opfern.

Eh bien: in diesem Sinne sind die Angeklagten allerdings tatsächlich durch und durch Charlie, denn trotz seines nihilistischen "Scheiß auf alles"-Gestus, war das Magazin wie gesagt im wesentlichen durchaus in jenem Mainstream angesiedelt, der sich aggressiv gegen "Nationalität, Kultur und Religion" wendet. Auch war es mit der Liberalität der Macher gegenüber Andersdenkenden nicht weit her. 1995 setzte sich das freiheitsliebende Magazin sogar öffentlich für ein Verbot des Front National ein, und zeigte auf der Titelseite Jean-Marie Le Pen in Handschellen. Freiheit ist eben immer die Freiheit der Gleichdenkenden...

Dem Material nach zu urteilen, das man im Internet zu sehen bekommt, war Charlie Hebdo eine minderwertige und nur mäßig komische Klitsche aus der untersten Schublade.  Die berüchtigten Titelseiten bewegen sich auf einem grellen Fäkal- und Genitalniveau, und auch als eher schludriger und dem Paganen zuneigender Katholik muß ich sagen, daß ich insbesondere die antichristlichen und antikatholischen Cartoons als weitaus ekelhafter und beleidigender empfinde als die Mohammed-Karikaturen.

Gott selbst, der am längeren Ast sitzt und seine Rechnung beim Jüngsten Gericht schon präsentieren wird, kann das nun freilich egal sein. Aber von den Gläubigen zu verlangen, daß sie die Schändung des ihnen Heiligen nicht nur tolerieren, sondern auch noch ausdrücklich begrüßen sollen, ist wohl etwas viel verlangt.

Ich habe generell keine Sympathie für Blasphemie um der Blasphemie willen, schon gar nicht wenn sie so minusbeseelt und billig betrieben wird wie von Charlie Hebdo (oder auch Titanic). Wenn nun Gestalten auftauchen, die derlei als Gipfel der abendländisch-zivilisatorischen Errungenschaften preisen, wie dieser Kommentator des Spiegels ("Mehr Blasphemie bitte!"), dann bin ich erst recht nicht Charlie. All das ist nichts anderes als das Äquivalent von "Pussy Riot" oder den Tittendummies von Femen, die von ihren Hintermännern wie Nutten auf den Proteststrich geschickt und von amerikanischen Geschäftsmännern gesponsert werden.
FemenFemen gegen Fundamentalismus... "Huch! Wie obszön!"

liberte"Der Schleier ist ein Symbol der Unterdrückung, Djamila... Denk an deine WÜR-DE!"

allocsputes"Finger weg von unseren Familienbeihilfen!" - "Wir sind ukranische Nutten, die von einem amerikanischen Milliardär bezahlt werden..."


Angesichts der fraglichen Cartoons klingt das ganze geschwollene Gedöns von der "Freiheit" und den "Grundwerten", das nun von allen Kanzeln verkündet wird, ziemlich hohl. Es erinnert an die europaweite Jubelpressen-Stilisierung von Conchita Wurst zur Freiheitsstatue "westlicher Werte", deren Fackel Putins homophobes Empire of Evil erhellen soll.

Man verzeihe mir, wenn sich mein Enthusiasmus in Grenzen hält. Eher frage ich mich: Ist das alles, wirklich alles, was ihr anzubieten habt? Alles, was ihr mit eurer gloriosen "Freiheit" anfangen könnt? Alles, was wir, was ich damit anfangen soll? Oder, um ein anderes Beispiel aus einem ähnlichen Kontext zu erwähnen: bedeutet es auch "Freiheit", einen überdimensionalen Analdildo, der absichtlich an einen Weihnachtsbaum erinnern soll, am Place Vendôme aufzustellen? Wird erwartet, daß das Volk jubelt über soviel Freiheit der Kunst und soviel tolle Provokation im Einklang mit "unseren Grundwerten"?Buttplug
Ceci n'est pas un plug.

Ein unbekannter Freiheitsfeind, wahrscheinlich vom gleichen intoleranten Untermenschenschlag wie Pegida und die Islamisten, hat diesem Artefakt ästhetischen Terrors über Nacht die Luft herausgelassen. Wer war in dieser Geschichte der Subversive, der Widerständige? In einem Frankreich, in dem riesige Butt-plug-Skulpturen vom Staat gesponsert und öffentlich aufgestellt werden, ist eine Nummer wie Charlie Hebdo vielleicht nicht mehr gar so gewagt subversiv, wie ihre gealterten Macher dachten.

Charlie Hebdo stand natürlich auf der Seiten der Einwanderungsbefürworter. Das ist irgendwie drollig, und auch irgendwie "links", nicht? Zuerst die Muslime einladen, und danach ihre Religion beleidigen, sozusagen als "republikanisches" Aufnahmeritual in die "westliche Wertegemeinschaft". Da sage ich als böser "Rechter": Lieber die Muslime zuhause bleiben lassen und ihre Religion respektieren.

Ich teile nicht die Verehrung, die generell Cartoonisten und Karikaturisten entgegen gebracht wird. Was man komisch findet oder für erlaubt hält, ist stets eine Frage der Perspektive. Ebenso, was einem luzide, scharfsinnig oder "entlarvend" scheint. Politische Cartoons amüsieren fast immer nur die Bekehrten. Im Dienste der Schwachen sind sie ebenso eine Waffe wie in den Händen der Mächtigen, und heute eher noch der Mächtigen. Wirklich nonkonforme, zeitgeistkritische Cartoonisten sind ebenso rar wie nicht-linkes Kabarett. Cartoons sind ideale Vehikel für Propaganda, Demagogie, "schreckliche Vereinfachungen" und Manipulationen aller Art.

Die Dummköpfe glauben, daß eine Sache schon dadurch erledigt sei, wenn es gelingt, sie lächerlich zu machen, und sei es nur, daß man den Gegner à la Charlie Hebdo mit heruntergelassenen Hosen zeichnet. Ob man darüber lacht, ist nicht nur eine Humor-, sondern auch eine Gesinnungsfrage. Wie lustig, "mutig", "provokativ", "tabulos", "subversiv" und "progressiv" grober und krasser Humor für einen Linken doch sein kann - solange nicht seine eigenen heiligen Kühe attackiert werden. Dann versteht er keinen Spaß mehr, und dann hat es auch ein Ende mit der Meinungsfreiheit.
MerdeImmer noch lustig? "Der Koran ist Scheiße. Er hält keine Kugeln auf." - "Charlie Hebdo ist Scheiße..."


Zum Abschluß der, wie ich finde, ironische Kicker des Tages: der berüchtigte schwarze Komiker Dieudonné M'bala M'bala, Frankreichs Obertroll vom Dienst, ist wegen eines makabren Scherzes verhaftet worden, der im jetzigen Klima nicht gar so doll angekommen ist.
Der 48-Jährige hatte in einem Facebook-Eintrag den Solidaritäts-Spruch "Ich bin Charlie" für die Anschlagsopfer mit dem Namen des Attentäters in einem jüdischen Supermarkt vermischt. Konkret hatte er das Bekenntnis "Ich bin Charlie" in "Ich fühle mich wie Charlie Coulibaly" umgewandelt. Er verwendete dabei den Nachnamen des Islamisten Amédy Coulibaly, der bei zwei Anschlägen fünf Menschen getötet haben soll, bevor er von Polizisten erschossen wurde.

Verhaftet - wegen eines Facebookeintrags! (Inzwischen gibt es Dutzende weitere Fälle.)

Dieudonné ist zusammen mit seinem Querfront-Mitstreiter Alain Soral ein langjähriger Lieblingsfeind von Charlie Hebdo, eine Fehde, die seit Jahren mit gegenseitigen groben Verspottungen ausgetragen wird. Dieudonné hat einen antikolonialistischen, antirassistischen und antiimperalistischen Hintergrund, dem er im wesentlichen treu geblieben ist.Vor allem aber ist er scharf antzionistisch und macht sich mit Vorliebe über den Holocaust lustig, den er vor allem als politischen Mythos betrachtet, der von den USA und Israel als ideologische Waffe gebraucht wird. Frankreich sieht er beherrscht von jüdisch-zionistischen Lobbies.

Damit hat er sich natürlich in die absolute No-Go-Kopfschuß-Zone des westlichen Diskurses begeben, dorthin, wo noch die letzten religiösen Gefühle Unterschlupf gefunden haben und wo es noch echte Tabus gibt, deren Bruch immense Affekte freisetzt.  Zu seinen zahlreichen Provokationen gehörte unter anderem, daß er schlingensiefartig den berüchtigten Radikalrevisionisten Robert Faurisson, einen der geächtetsten Männer des Landes, in Sketchen auftreten ließ.

Dieudonne pflegt gute Kontakte zu anderen Pariahs, Randständigen und Militanten wie der Hisbollah und pan-afrikanischen Nationalisten. Jean-Marie Le Pen ist der Taufpate eines seiner Kinder. Er kritisiert scharf die vorherrschenden Doppelstandards, wonach man sich über Moslems lustig machen darf, nicht aber über Juden. (Charlie Hebdo hat sich trotz einiger antireligiöser Karikaturen von orthodoxen Juden weitgehend an diese Spielregel gehalten, und sogar einmal einen Mitarbeiter wegen einer angeblich antisemitischen Äußerung gefeuert.)

Auf das Konto von Dieudonnés Umfeld geht auch eine Persiflage namens "Shoah Hebdo", die häufig mit echten Charlie-Covers verwechselt wird (zuletzt ist die Berliner Zeitung in die Falle getappt.)
Charlies"100 Peitschenhiebe für alle, die sich nicht totlachen!" - "1 Million Rabbat auf die 6, im Austausch für Palästina."

Wer das nun als haarsträubend, skandalös, unerträglich und unkomisch empfindet, sollte sich fragen, ob viele Muslime und Katholiken angesichts der Cartoons von Charlie Hebdo nicht ähnliches gefühlt haben. Was dem einen als "Kritik" gilt, gilt dem anderen als "Hetze", was dem einen "Satire" ist, ist für den anderen Diffamierung, was dem einen sein Heiligtum bedeutet, ist für den anderen eine Zielscheibe des Spotts. Da sich das kaum unparteiisch entscheiden läßt, muß die Meinungsfreiheit als unteilbares Prinzip Geltung haben.

Tatsache ist, daß es in der Praxis offenbar doch Grenzen der Satire gibt, die nichts mit Geschmacklosigkeit oder schlechten Witzen zu tun haben (in dieser Hinsicht kann es Dieudonné durchaus mit Charlie aufnehmen), sondern schlicht und einfach von politischen Interessen.

Im Gegensatz zu Charlie Hebdo wird Dieudonné als eine Art Staatsfeind betrachtet und entsprechend behandelt. Er hat bisher dutzende Geldstrafen erhalten, während Premierminister Valls sich zu seiner Nemesis gemacht und persönlich für ein Auftrittsverbot eingesetzt hat, das auch in Kraft getreten ist.

In einem offenen Brief an Innenminister Cazeneuve schreib Dieudonné:
Gestern waren wir alle Charlie, gemeinsam marschierend, aufrecht stehend, für die Freiheiten. Damit wir weiter über alles lachen. Alle Vertreter der Regierung, Sie eingeschlossen, marschierten zusammen in diese Richtung.


Auf der Rückkehr von diesem Marsch habe ich mich sehr alleine gefühlt. Seit einem Jahr hat mich der Staat im Visier und versucht mich mit allen Mitteln zu vernichten. Mediales Lynchen, Verbot meiner Aufführungen, Steuerprüfungen, Gerichtsvollzieher, Hausdurchsuchungen, Anklageerhebungen… mehr als achtzig gerichtliche Verfahren sind auf mich und meine Familie niedergegangen.

Und der Staat fährt fort, mein Leben zu verpesten. Achtzig Gerichtsverfahren. Seit einem Jahr werde ich als öffentlicher Staatsfeind Nummer 1 behandelt, obgleich ich nur zum Lachen anregen will, und auch um über den Tod zu lachen, denn der Tod, er, er lacht über uns, so wie Charlie es weiß, leider.

Obgleich ich den Frieden unter Ihrer Autorität seit mehreren Wochen vorschlage, bleibe ich ohne Antwort von Ihnen.Doch sobald ich mich äußere, versucht man nicht mich zu verstehen, man will mir nicht zuhören. Man sucht nach einem Vorwand, um mich zu verbieten. Man betrachtet mich als einen Amedy Coulibaly, obgleich ich nicht anders bin als Charlie.

Anscheinend finden meine Äußerungen nur dann Ihr Interesse, wenn Sie sie verdrehen können, um sich besser empören zu können.

Herr Minister, ich erinnere Sie daran, denn Sie scheinen mir jetzt zuzuhören:

Ich schlage Frieden vor.

Dieudonné M’bala M’bala


Für die Dummies sei es noch extra gesagt: ich identifiziere mich weder mit den Positionen von Dieudonné noch mit jenen von Charlie Hebdo. Ich sehe nur nicht ein, warum die Trollerei des einen wertvoller sein soll als die des anderen. Der Punkt ist, aufzuzeigen, daß es in dem öffentlichen Spiel nicht um "Freiheit" oder "Meinungsfreiheit" an sich geht, sondern immer nur um bestimmte Freiheiten, bestimmte Meinungen.

Unter der Oberfläche der laufenden "Rufe zur Einheit" wird außerdem sichtbar, daß diese Einheit keine "Spalter" mehr braucht, sondern längst nicht mehr existent ist. Die Frontverläufe sind heute zum Teil verwirrend komplex und widersprüchlich gezogen, und nicht mit Schlagworten wie "Offene Gesellschaft vs. ihre Feinde" oder "Islam vs. Abendland"  oder "Terroristen vs. Demokraten" oder "Eingeborene vs. Einwanderer" und so weiter auf einen Nenner zu bringen. Ich glaube nicht, daß der Charlie-Schock tatsächlich lange ausreichen wird, um eine relative Einheit zu stiften.

Übrigens: die neue Nummer von Charlie Hedbo startet mit einer Auflage von 5 Millionen. Darf man das auch als einen Business-Erfolg bezeichnen?
Elections européenes"Europawahlen: Einer von vier Wählern gab dem Front National seine Stimme.."

Die meisten verwendeten Cartoons stammen von der Netzseite von Alain Soral: www.egaliteetreconciliation.fr

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (39)

Harald de Azania
15. Januar 2015 09:19
Verehrter ML,

Alles gut und richtig. Das schoenste aber ist die blossgestellte Feigheit der REHAKLA, die bestens gesichert sich ein Demo-Staendchen geben. Wenn man daran denkt, dasz Kaiser franz Josef ganz allein uber die Ischler promenade spazierte und das zu einer Zeit, in der anarchistische Attentate zahlreich waren. Aber unsere REHAKLA ist halt einmalig und unverzichtbar. Das ist das Gute am Weltnetz: Derartige Manipulationen sind sofort aufgedeckt. Dasz die an der Nadel des eigenen Kulturnihilismus Haengenden immer nur nach Erhoehung der Dosis japsen koenne, ist klar.

EURO/EU Krise ?>>> Noch mehr Europa!
Kulturzersetzung ?>>> Noch mehr Vulgaritaeten!
Blasphemie ? >>>> Noch mehr davon, na klar!

Definition ex "Wikipaedia": Blasphemie (altgr. ἡ βλασφημία, τῆς βλασφημίας – blasphêmía – die ‚Rufschädigung‘, zusammengesetzt aus βλάπτειν – bláptein – ‚Schaden bringen‘, ‚benachteiligen‘ und ἡ φήμη – phếmê oder dorisch ἡ φάμα – pháma – ‚die Kunde‘, ‚der Ruf‘) bezeichnet das Verhöhnen oder Verfluchen bestimmter Glaubensinhalte einer Religion. Eine öffentliche, ärgerniserregende Beschimpfung Gottes wird als Gotteslästerung bezeichnet.

Davon mehr ? Noch mehr Rufmord ? Noch mehr Obszoenitaten? Dasz kann nur mehr die Position von Durchgedrehten sein. Dasz Euer heutiges System bereits stark totalitaere und repressive Elemente hat und vor Heuchelei trift und stinkt, ist evident. Aber man kann sich koordiniert gut wehren, oder ?

"Erkenne die Lage' sagte Altmeister CS. Klar erkennen wir Angela Merkl ( natuerlich nicht im biblischen Sinne, das waere doch zu grauslich ...) Wenn ich mir all die Kommentare durchsehe, ist die Folgerung; Wir koennen diskutieren und kommentieren und die Kommentare wiederum kommentieren und sind offenbar tuechtige Mundwerksburschen der rechten Debatte ( Nehme mich davon auch nicht aus). Wunderbr aber soll das l'art pour l'art sein? Doch nicht! Bisher haben wir interpretiert, jetzt kommt es darauf an, zu veraendern. Submissest darf ich aus der Ferne ein Diskussion ueber Ziele und Taktik vorschlagen.

"Was tun?" Beurteilung der Lage >>> Entschluss >>>> Auftrag und Befehl ( haben wir doch alle im Offizierskurs gelernt). In diesem Sinne, nochmals hohen Respekt fuer den geistigen Kampf, den die Sezssion und Ihre Autoren bewundernswert seit Jahren fuehren ( und dies ist sicherlich schwieriger als hier in Suedafrika, wo sogar die Kommunisten rechts von der CDU stehen). Gehen wir es an:

Frage: was sind unsere Ziele? Was wollen wir?
HdeA
Monika
15. Januar 2015 10:14
Danke für den dichten Text.
Kommentar Teil I

1. Presse-Medien und Meinungsfreiheit

Wir erleben dieser Tage
" den Auflagen- und Bedeutungsschwund sämtlicher in ihrer Wahrnehmung immer noch hochbedeutender Zeitungen und Magazine"

(Klonovsky, acta 9.1.15) und
"zum blöden Gefühl, die Deutungshoheit über das Tagesgeschehen an das basisdemokratische Internet verloren zu haben, gesellt sich bei vielen Journalisten die schiere Existenzangst"

ebd.

Zu dieser Klonovsky Erkenntnis zwei Belege aus der hochbedeutenden FAZ und deren flachadeligen Redakteuren:

a) Mathias Müller von Blumencron schreibt über die "Propagandaschlacht im Internet als " Unsere tägliche Desinformation"
http://www.faz.net/aktuell/politik/das-internet-als-propagandavehikel-obskurer-theorien-13364530.html
b) Jasper von Altenbockum bescheinigt Pegida-Anhängern einen "Verkümmerten Realitätssinn" : "Pegida-Anhänger leben in ihrer eigenen, unzugänglichen Welt. Voller Stolz nehmen sie aus der Flut der Informationen nur das auf, was die Filter ihrer Vorurteile durchlaufen hat."
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/

Dies zur Realitätswahrnehmung flachadeliger Journalisten der *****Presse.
Warum auch sollte es ihnen besser gehen ( schiere Existenzangst) als Vertretern der Wahrheitspresse. Und da ist nicht die Prawda gemeint!

Ein Kommentar , den ich dazu gelesen habe :
" Immer häufiger werden Foren vorzeitig geschlossen, weil trotz intensiver Zensur die Beiträge nicht zu den Ansichten der hauptberuflichen Meinungs-Besitzer in der Redaktion passen."


Das führt dann dazu, dass das Volk nicht mehr zu den Herrschenden paßt !


Je suis ein Teil des basisdemokratischen Internets.
Je suis Monique
Carsten
15. Januar 2015 11:11
Fürchtet euch nicht!

IVW Zahlen 3. Quartal 2014:

Süddeutsche Zeitung minus 5,76 %

FAZ minus 8,7 %

Die Welt minus 10 %

BILD minus 8,4 %

taz minus 3,6 %

Durchschnittsalter Zuschauer ARD und ZDF: 61 Jahre
Carsten
15. Januar 2015 11:12
Zum Luxemburg-Zitat:

"...dass Rosa Luxemburgs
berühmtes Wort von der Freiheit der
Andersdenkenden, das seit neunzig Jahren
als Ausdruck ihrer angeblich demokratischen
Gesinnung zitiert wird, ganz anders
gemeint war. Dieses Wort entstammt
ihrer Schrift Zur russischen Revolution
(1922), die erst drei Jahre nach ihrem Tod
erschien und von Lenin heftig bekämpft
wurde. Darin kritisierte sie, dass der russische
Revolutionsführer 200 Sozialrevolutionäre,
die "anders dachten" als die
Bolschewisten, hatte erschießen lassen.
Darüber, dass zur gleichen Zeit "Klassenfeinde"
aus dem russischen Bürgertum
zu Tausenden erschlagen und erschossen
wurden, verlor sie kein Wort. Stattdessen
rief sie 1918 in der Roten Fahne zur
Liquidierung der Feinde des Kommunismus
auf. Ihr ging es lediglich um die
"Freiheit des Denkens innerhalb der kommunistischen
Bewegung". Der andersdenkende
Kommunist soll geschützt sein,
der andersdenkende Klassenfeind, "soll liquidiert werden".
hubschrauberpilot
15. Januar 2015 11:24
Es mag zwar neben dem Artikel liegen, gehört aber doch unmittelbar dazu:

Wenn mich nicht alles täuscht, bereitet sich in Dresden gerade eine "Sebnitzierung" des Sächsischen Frühlings vor. Ein Asylbewerber aus Eritrea wurde erstochen in Dresden aufgefunden, Zitat Sächsische Zeitung: "Das Tatmotiv liegt noch im Dunkeln. Dennoch zogen Flüchtlinge gestern durch die Stadt. Klar ist: Sie haben Angst." Die Lobby fängt schon an zu arbeiten, und wenn Allah oder die große Menschenrechtsgöttin will, findet sich bald auch der dazu passende Montagabendspazierer, ein Täter eben aus dem notorischen Täter-Volk. Dann werden wir in Dresden einen Totenkult erleben, der die seinerzeitige Seligsprechung der von einem psychotischen Russen ermordeten Marwa in den Schatten stellt. Und wir werden dann auch noch ganz anderes in diesem "bornierten und engherzigen Provinznest" (Lichdi/Grüne Dresden) erleben ...
eulenfurz
15. Januar 2015 12:20
FAZ minus 8,7 %


Heute nach Jahren mal wieder einen Feuilletonbeitrag in der FAZ gelesen: Der angebliche "Rechtsextremismusexperte" Olaf Sundermann berichtet über Qualitätsjournalismus und seine Gewissensbisse, sich vom Sender RT als "Naziexperte" interviewen zu lassen, was er dann doch annimmt und dabei völlig versagt:

In diesem Augenblick entscheide ich, keiner Einladung von „RT deutsch“ mehr nachzukommen, und jedem zu empfehlen, es ebenso zu halten, der auf seine journalistische, politische oder wissenschaftliche Integrität Wert legt.


Die Meinungsmacher sind eine abgehobene linke Clique, die jedem, der nicht im Gleichschritt mitmarschiert, die Augen aushacken:

In „RT deutsch“ sieht er eine Gefahr für die Pressefreiheit. Der Sender nutze die Medienfreiheit, um den unabhängigen Journalismus zu diskreditieren und eine durchaus wachsende Medienverdrossenheit noch anzustacheln, meint er. Ich teile diese Einschätzung.


So kann man Pressefreiheit natürlich auch definieren: Die Freiheit mächtiger Verlage, die Meinung der Herrschenden als unantastbare Dogmen zu propagieren und vermutete Andersdenkende auszugrenzen.

Das Niveau der ehemals ehrwürdigen FAZ ist im Sturzflug, was mit sinkenden Absätzen ein Teufelskreis sein dürfte: Es kann nur noch unbegabtes Personal geordert werden, das flachen Einheitsquark absondert, intellektuell überfordert ist und sich nach allen Seiten hin absichert, wenn es einen auch nur ansatzweise investigativen Schritt wagt:

Ich frage Kollegen, ob ich meine journalistische Integrität verliere, wenn ich die Einladung annehme. Die Resonanz ist recht eindeutig: „Yes“ (BBC); „ja, oder du nutzt die Gelegenheit, denen zu sagen, was du von ihnen hältst“ (Netzwerk Recherche); „ja“ (rbb); „schwierig“ (NDR); „sehr schwierig“ (Deutsche Welle); „die Frage ist nicht, wer dich eingeladen hat, sondern was du sagst!“ (WDR). Ein Radiokollege empfiehlt, das Gespräch aufzuzeichnen, um es im Nachgang zu thematisieren. Ein Weiterer sagt: Lehne doch ab mit dem freundlichen Hinweis, du kämest gerne, wenn es gelte, „über rechtsradikale Tendenzen in russischen Stadien, Politik und Gesellschaft“ zu reden.
Martin
15. Januar 2015 12:22
Vielen Dank für diesen Beitrag!

Erst jetzt wurde mir einmal deutlich gemacht, warum die Quenaille (sorry, für diese Wortschöpfung) Dieudonné M'bala M'bala überhaupt auf die dem ersten Anschein nach mehr als fragwürdige Äußerung "Je suis Charlie Coulibaly" kommen konnte. Er hat damit auf den sehr gut im Beitrag von M.L. geschilderten Zwiespalt der sog. "Meinungsfreiheit" hingewiesen, insbesondere auch in Bezug auf seine Person, Dieudonné, und so wird diese Äußerung zumindest jetzt nachvollziehbar.

M.L.: Er hat sogar gesagt "Je me SENS Charlie Coulibaly", ich "komme mir vor" wie ein Charlie Coulibaly, einer der quasi zum (Meinungs-)Terroristen erklärt wurde.

Dem Normalbürger wird so etwas Vertiefendes natürlich von den "Qualitätsmedien" nicht geliefert. Diese beschränken sich auf ihr täglich Handwerk von aus dem Zusammenhang reißen von Äußerungen, Perspektive nur auf das richten, was gefällt, Oberflächlichkeit und Propaganda gegen Entgelt etc.

Die ganze Pegida etc. - Thematik wird mehr und mehr zu einer Protestbewegung gegen eben diese etablierten Medien, die nicht erkannt haben, dass man darauf nicht mit Beleidigtsein, trotzigem "jetzt-erst-recht" und perfiden Denunziationen reagieren sollte, sondern eigentlich es als Ansporn dafür zu nehmen, guten Journalismus zu liefern und sich nicht darauf zu beschränken, in Oberflächlichkeit und reiner Propaganda zu verharren, wie bisher. Wo sind denn die wirklich fundierten Hintergrundberichte, die Analysen, bei denen man erkennt, hier hat der Verfasser nicht nur an der Oberfläche gescharrt, wie ein Huhn, dass jetzt endlich ein Wurm finden muss, um ein Ei legen zu können?

Diese findet man zunehmend nur noch abseits der gängigen Medien, bspw. auch hier.

Wenn die sog. etablierten Medien diese Herausforderung, endlich wieder echte Qualität zu liefern nicht annehmen, dann gehen sie unter, Carsten hat die schlechten Zahlen zuvor bereits genannt, und dass wäre vermutlich nicht einmal das schlechteste, wenn man berücksichtigt, wie diese Klasse der etablierten Journalisten mittlerweile nur noch die zickige, beleidigte Leberwurst gibt.
Der Gutmensch
15. Januar 2015 12:24
Die Frontverläufe sind heute zum Teil verwirrend komplex und widersprüchlich gezogen, und nicht mit Schlagworten wie „Offene Gesellschaft vs. ihre Feinde“ oder „Islam vs. Abendland“ oder „Terroristen vs. Demokraten“ oder „Eingeborene vs. Einwanderer“ und so weiter auf einen Nenner zu bringen.

Hm, lieber Herr M.L., so recht ich Ihnen gebe und so sehr ich Ihre Orientierungsschwierigkeiten schätze (das ist nicht ironisch gemeint, sondern anerkennend) - wir müssen ja sowas wie eine rudimentäre Freund/Feind-Kennung bewerkstelligen. Und wenn sie nur in 80% der Fälle funktioniert, so ist das besser als ein reines Zufallsergebnis! Also mal sehen - woran erkenne ich denn nun meinen Gegner? Was mich angeht, so entscheidet sich diese Frage stets an der SACHE, die mir gerade am Herzen liegt. Dabei handelt es sich mehrheitlich um einfache, alltägliche Dinge, also solche, von denen ich rein praktisch etwas verstehe und zwischen "zweckdienlich" und "unzweckmäßig" unterscheiden kann (hinsichtlich der Frage, ob, wann und wer aus dem Euro fliegen soll, maße ich mir z. B. kein Urteil an; das wäre von meinem Standpunkt aus töricht).

Das erste Kennzeichen meines Gegners ist, dass er im Hinblick auf diese SACHE mindestens ebenso viel Gestaltungswille an den Tag legt wie ich; die Gleichgültigen sind mir ebenfalls gleichgültig, so lange sie mir nicht im Wege stehen.

Das zweite Kennzeichen meines Gegners ist, dass sich sein Gestaltungswille in unzweckmäßiger Form präsentiert - er unterbreitet Vorschläge, die die SACHE ersichtlich nicht voran bringen! Da ich aber etwas von der Sache verstehe, versuche ich nun, den Gegner von seinen unzweckmäßigen Vorschlägen abzubringen; ich sinne über die einfachste Möglichkeit, jemandem etwas zu erklären, ich greife zu einleuchtenden Vergleichen ...

Allein, ich scheitere am dritten Punkt, den mein Gegenüber als Gegner indiziert: Die praktische Unbelehrbarkeit! Ob sich diese nun in Schmähungen meiner Person ob meiner bodenständigen Erläuterungsversuche niederschlägt - oder in geheucheltem Verständnis für mein Anliegen (nicht zu verwechseln mit einem praktischem Verständnis für die SACHE selber!) ausdrückt, das mich zermürben soll, damit ich meinen Lösungsvorschlag in der SACHE aufgebe oder, oder, oder ... das lese man bei Schopenhauer nach, oder man benutze den eigenen Kopf - denn der reicht in acht von zehn Fällen aus, um zu folgender Schlussfolgerung zu gelangen:

Vereinigt jemand die drei Indizien (aktiver Gestaltungswille, Unzweckmäßigkeit des Vorgehens, Unbelehrbarkeit) auf sich, so ist er IN DIESER SACHE also - mein Gegner. Das ist zunächst einmal keine moralische Kategorie - sondern eine praktische Schwierigkeit!

Sodann muss ich eine Entscheidung treffen - und hier wird es schwierig: Wie wichtig ist mir denn die SACHE? Bin ich bereit, deswegen jemanden als Gegner wahrzunehmen oder gebe ich die Sache vielleicht zugunsten einer wichtigeren auf?

So banal sich das vielleicht liest - nach meiner Erfahrung ist die Übung "erkenne Deinen Gegner" ein mühseliges Geschäft; sparen kann man es sich allerdings nicht.
Zadok Allen
15. Januar 2015 12:29
@ Harald de Azania

Klar erkennen wir Angela Merkl ( natuerlich nicht im biblischen Sinne, das waere doch zu grauslich …) ... Bisher haben wir interpretiert, jetzt kommt es darauf an, zu veraendern.


Vielen Dank für den grandiosen Kalauer, habe, was dieser Tage selten vorkommt, herzlich gelacht.

Freilich glaube ich nicht, daß es an "uns" ist, irgendetwas zu verändern. Man muß einen Sinn für die Relationen wahren: wir Kommentatoren hier sind ein paar Dutzend, die Leser wenige tausend. Wenn etwas in Bewegung gerät, dann nach der Logik der Emergenz; es laufen Prozesse ab, die sich der intentionalen Steuerung durch Einzelne (auch durch die Herrschenden!) grundsätzlich entziehen.

Die Zeit für immer neue 11. Feuerbachthesen ist vorbei. Das ist es übrigens, um wieder zur Sache zu kommen, was mich an den Handlungen der Herrschenden so sehr verwundert. Die "schnelle Destabilisierung", die sich derzeit in Europa an allen Enden vollzieht, ist, das wird niemand bestreiten, maßgeblich von ihnen angestoßen worden. Aber mit welcher Absicht? Warum gehen sie die damit verbundenen Risiken ein?

@ Carsten

Darf ich fragen, woher Sie die Zahlen beziehen? Ich habe unlängst versucht, aus dem Netzauftritt der IVW schlau zu werden und bin gescheitert. Gibt es irgendwie im Netz eine übersichtlich aufbereitete Statistik, am besten mit Verlaufskurven?
Monika
15. Januar 2015 12:48
Kommentar 2

Je suis Charlie - oder die Armseligkeit der liberté

Je suis Charlie,
das entspricht dem Jargon der Weltoffenheit, der Toleranz toujours, der Freiheit insgesamt ( Gauck) , der naiven Buntheit einer Kita :
(" Mamaa, wenn ich alle Farben mische, dann kommt ja nur Dreck raus !"
"Aber liebes Kind, das ist nur die Misch-poke")

Eine so unbestimmte Freiheit, was bringt sie hervor ? Die Freiheit, den nackten Popo eines Propheten zu zeigen, einen inkontinenten Papst ?

Das ist nicht die Freiheit eines Christenmenschen : http://www.kath.net/news/48997
und schon gar nicht die eines Muselmannes.
Der fühlt sich von dem 5-millionenfach gedruckten weinenden Mohammed, der ein blasphemischer Charlie sein soll, erneut verletzt. Zu Recht !
Tout est pardonné. Nein , nichts ist vergeben ! Oder vergessen.

Die bis an die Schmerzgrenze getriebene Aktion "je suis Charlie" hat in ihrer unsäglichen Dummheit etwas Entscheidendes hervorgebracht. Eine instinktive Abneigung gegen eine bisher nicht zu fassende Ideologie. Darüber hinaus kommt sie über die Ablehnung ( ich bin nicht Charlie)zu inhaltlichen Bestimmungen. Es wird bestimmter, bunter, kreativer, freier...
Herkömmliche Rechts-Links Schubladen sind zerbrochen. Es ist viel schicker, nicht mehr Charlie sein zu müssen. Claudia Roth als Charlie ?
Das ist zum Lachen und Weinen zugleich.
Nein, Je suis Claudia, Je suis Ali, Je suis Jesus,
Je me sens Dieudonné ( was darf man gar gar gar nicht sagen ?)
Je suis fatigué.
Und jetzt singen wir von der Freiheit, die wir meinen:

https://m.youtube.com/watch?v=m7cLtwkdskU
Carsten
15. Januar 2015 13:18
Hallo Zakok Allen, siehe hier:

http://meedia.de/2014/07/23/zeitungs-ma-sueddeutsche-verliert-10-f-a-z-und-welt-noch-mehr/

und hier:

http://www.horizont.net/medien/nachrichten/Auflagenzahlen-IVW-32014-Einzelverkauf-des-Spiegel-bricht-um-12-Prozent-ein-130996
cso
15. Januar 2015 13:28
@Zadok Allen
Wenigstens die Geschäftsberichte der Qualitäts-Verlagshäuser lassen sich doch im Bundesanzeiger www.bundesanzeiger.de einsehen. Dort kann man gezielt nach Quartals-, Halbjahres- und Jahresabschlüssen suchen. Vielleicht läßt sich dadurch auch ungefähr die Qualitäts-Auflage ermitteln.
Stil-Blüte
15. Januar 2015 13:37
@ Carsten

Luxemburg-Zitat


Wie sich doch Kommunisten, Sozis, Grüne, und - monotheistische Religionen gleichen, die - mit Ausnahme des Christentums, das im 'Nächsten' j e d e n A n d e r e n sieht - nur den Schutz der/des Eigenen meinen. Bis heute!
Alain
15. Januar 2015 14:05
Dieudonné ist kein Moslem, sondern Katholik. Soral erwähnte das vor kurzem erst in einem seiner Videos.

In dem verlinkten Interview ist von einer Allianz zwischen Christen und Moslems, nicht von Konversion die Rede.

M.L.: Danke, korrigiert!
Monika
15. Januar 2015 14:13
Ergänzung
Das Volk paßt nicht mehr zu den Herrschenden.
Das Volk steht auch nicht hinter den Herrschenden.
Was nicht paßt, wird passend gemacht:
http://meedia.de/2015/01/14/die-tagesschau-als-luegenpresse-wenn-dr-kai-gniffke-sauer-wird/
Marcus Junge
15. Januar 2015 14:21
"oder den Tittendummies von Femen, die von ihren Hintermännern wie Nutten auf den Proteststrich geschickt und von amerikanischen Geschäftsmännern gesponsert werden."

Es waren ja sogar schon echte Nutten, denen man Geld gegeben hatte, um als "echte" Femen einen Auftritt zu absolvieren.

--

Es ist ja nicht nur dieser Dieudonné, sondern es sind inzwischen viel mehr:

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/01/15/frankreich-54-verhaftungen-wegen-dummer-terror-sprueche/
Michael Schlenger
15. Januar 2015 14:36
@Carsten und Zadok Allen:

Der Niedergang der deutschen Druckmedien ist schon eine ganze Weile im Gange. Diese Herrschaften hier haben sich des Themas trefflich angenommen:

https://opendatacity.de/blog/

Hier das Resultat der Untersuchung für das einstige Erbauungsblatt des deutschen Bürgertums, die FAZ. Man sieht einen zuletzt beschleunigten Abwärtstrend, der nicht überraschen kann, wenn man langjähriger Leser ist. Bei den Herausgebern indessen dürfte die nackte Angst umgehen, was deren verzweifelte Profilierungsversuche erklärt:

http://apps.opendatacity.de/zeitungssterben/frankfurter-allgemeine-zeitung

Auf den ersten Blick erstaunen mag der stetige Aufstieg der ZEIT:
http://apps.opendatacity.de/zeitungssterben/die-zeit

Aber das dürfte dem Linksruck in der finanziell abgesicherten und sich "kritisch" dünkenden Mittelschicht geschuldet sein. Möglicherweise wird die ZEIT von der ergrauten 68er-Generation aber auch nur zwecks sichtbarer Präsentation im heimischen Wohnzimmer erworben und wird ebensowenig gelesen wie die Schiller-Gesamtausgabe im bürgerlichen Salon des 19. Jh...
Wahr-Sager
15. Januar 2015 14:57
Ich habe alle vier wieder mal sehr lohnenswerten Artikel von Martin Lichtmesz verschlungen, sehe es in Bezug auf Dieudonné aber anders als er: Für mich ist der französische Komiker ein Held im besten Sinne. Er hat sich mächtigen jüdisch-zionistischen Organisationen entgegengestellt, mit dem erwähnten Revisionisten Robert Faurisson auch schon eine Komödie gedreht ("Der Antisemit"), die - natürlich - indiziert wurde.
Man muss Eier wie Melonen haben, um sich - wie Dieudonné - gegen eine Übermacht zu stellen, die sämtliche Hebel in Bewegung setzt, um seinen Widersacher kampfunfähig zu machen - jetzt ist die günstige Gelegenheit dazu gekommen.
Während Dieudonné in Frankreich in einer Petition bereits über 180.000 Unterschriften für die Auflösung einer Lobbyvereinigung namens LICRA (Liga gegen Rassismus und Antisemitismus) verbuchen konnte (http://www.change.org/fr/p%C3%A9titions/pouvoirs-publics-dissoudre-la-licra-ligue-contre-le-racisme-et-l-antis%C3%A9mitisme), mit der er sich u. a. gegen die amerikanisch-zionistische Vorherrschaft und Verletzung der künstlerischen Freiheit und Meinungs-Freiheit stellt, lassen sich hierzulande nach wie vor Herden von blökenden Schafen mit Begriffen wie „Antisemitismus“ und „Rassismus“ beeindrucken - der „Kampf gegen rechts“ spornt dazu auch noch an. Eine solche Petition in der BRD? Unvorstellbar!

Je suis Dieudonné!

https://twitter.com/Wahr_Sager/status/555395629292474368
Monika
15. Januar 2015 15:00
@Marcus Junge
Selbst, wenn die "Tittendummies " ihre Glocken läuten lassen, wird der Papst nicht zu Charlie. Auch, wenn er manchmal ein bißchen Charlie ist.
http://www.kath.net/news/49003
Zadok Allen
15. Januar 2015 15:35
@ Michael Schlenger

Allerverbindlichsten Dank, mit diesem Link haben Sie meinen Tag erhellt! Besonders schön, daß man sich für praktisch jedes Printmedium, das einem in den Sinn kommt, die "Halbwertszeit" anzeigen lassen kann. Endlich einmal ein statistischer Trend, der einem nicht die Sorgen-, sondern die Lachfalten ins Gesicht treibt.
Ludwig
15. Januar 2015 15:36
Eigenartigerweise kommt unter allen immer wieder gezeigten Karikaturen von Charlie Hebdo eine ganz signifikante nicht mehr vor.
Ich meine die mit dem Dschihadisten, der mit erhobenen Zeigefinger sagt: " Noch immer kein Attentat in Fr, aber man kann sich ja bis Ende Januar was wünschen.."
Da sind wir doch schon ganz dicht an Wisnewki dran, oder?
Arkanthus
15. Januar 2015 16:41
Wie wird Muttis Reaktion eigentlich beim nächsten islamischen Terroranschlag ausfallen, wenn jetzt schon das ganz große, schleimige Pathos verschossen wurde ? Vielleicht wird das hier zum Dauertrend, "Je sui Charlie" und lichterkettende Politfunktionäre als Auftakt eines postmodernen Agitprop für die "Union der bunten Werte-Demokratien".
Schopi
15. Januar 2015 17:07
Danke Herr Lichtmesz!

@ Michael Schlenger

Die Druckmedien - oder auch Holzzeitungen- sind ein Anachronismus - ihre Auflagen sinken nicht, weil die Bürger plötzlich helle geworden, sondern weil sie technisch gesehen nicht mehr in die heutige Zeit passen - zu früh gefreut. Dem Link bin ich auch gefolgt - den dramatischsten Rückgang verzeichnet das Micky Maus Heft.
Magnus Göller
15. Januar 2015 18:27
“Sachez que ce soir, en ce qui me concerne, je me sens Charlie Coulibaly”
“Wissen Sie, was mich anbelangt, so fühle ich mich heute Abend wie Charlie Coulibaly.”
Das ist, laut http://tempsreel.nouvelobs.com/societe/20150114.AFP5418/dieudonne-sera-juge-en-correctionnelle-pour-apologie-du-terrorisme.html was Dieudonné tatsächlich sagte. Die deutsche Übersetzung oben ist von mir.

Dafür ist er jetzt wegen "apologie du terrorisme" angeklagt, was mit "Verherrlichung des Terroismus" auch noch halb falsch ins Deutsche gebracht wurde, bei den Schafsmedien, die sich, soweit ich's sah, wohlweislich um die Vollwiedergabe seiner Rede drückten. Für mich ist nicht erkennbar, dass der Komiker mittels dieser Aussage Terrorismus rechtfertigte; er sieht sich, wenn man diese sehr persönliche Aussage doch interpretieren will, selbst in einem Empfinden irgendwo zwischen Charlie und dem Attentäter bzw. der von diesem Ermordeten.

Er sieht sich selbst verteufelt und äußert dies. Er greift seinerseits, wie bewusst gezielt, das wissen wir nicht, zu einem heftigen Mittel, seine Frustration auszudrücken. Derweil zeigt sich Charlie als Mohammed. Die Welt steht ein bisschen Kopf. Ein Komiker war jetzt zu unlustig. Immerhin: Er wird nicht, wie sein Kollege in Saudi-Arabien, mittels tausend Peitschenhieben, fünfzig je Woche, langsam zutode gefoltert.
Harald de Azania
15. Januar 2015 19:05
Verehrte konservative und patriotosche Freunde,

Schom wieder der Naseweis aus Suedafrika ...:-) Bitte:


Ad "Monika'

Die bis an die Schmerzgrenze getriebene Aktion „je suis Charlie“ hat in ihrer unsäglichen Dummheit etwas Entscheidendes hervorgebracht. Eine instinktive Abneigung gegen eine bisher nicht zu fassende Ideologie. Darüber hinaus kommt sie über die Ablehnung ( ich bin nicht Charlie)zu inhaltlichen Bestimmungen. Es wird bestimmter, bunter, kreativer, freier…

Perfekt formuliert, die REHAKLA macht dzt erkennbar (!!!) jeden nur denkbaren Fehler, widerspricht sich erkennbar (!!!) eklatant und rudert erkennbar (!!!) nur mehr hillfos herum und das sollten wir nutzen. Wie sagte Napoleon so schoen:"Man soll niemals den Feind daran hindern, Fehler zu machen, das waere schlechtes Benehmen." Voila!


Ad "Zadok ( the priest ????) Allan"

Freilich glaube ich nicht, daß es an „uns“ ist, irgendetwas zu verändern. Man muß einen Sinn für die Relationen wahren: wir Kommentatoren hier sind ein paar Dutzend, die Leser wenige tausend. Wenn etwas in Bewegung gerät, dann nach der Logik der Emergenz; es laufen Prozesse ab, die sich der intentionalen Steuerung durch Einzelne (auch durch die Herrschenden!) grundsätzlich entziehen.

Ich darf respektvoll widersprechen. So kann es ja nicht sein, dasz die REHAKLA sich uber jede Dummheit und jeden Irrsinn hinwegturnt und wir das nur in anaemischer Schoenheit der reinen Theorie kommentieren!!

Erstens gehe ich davon aus, dasz die Kommentatoren auf "sezession' in die Hunderte gehen, zweitens auf Grund Ihrer Qualitaet entsprechend wirken, genauso wie die tausenden Leser der "sez" und auch die Courage haben, in publico et in campum rei publicae aufzutreten, Drittens haben wir mit PEGIDA einen ueberrraschend wirksamen Resonzraum, Viertens ist der Gegner verwirrt und dzt konzeptlos ( bzw sind die Regiespiele a la Demo in Paris blamabel danebengegeangen) , Fuenftens sind wir geistig auf Grund vergangener Diskussionen gut vorbereitet, Sechstens ist die REHAKLA dzt unglaubwuerdig wie noch nie, Siebentens ist die technische Struktur ( Internet etc) auf unserer Seite, Achtesn: Gott verlaesst die Seinen nicht, neuntens .. ach was, Gruende genug, oder ????

Also wage ich submissest zur Diskussion zu stellen, was ganz konkret - (ist erst die erste Serie, kommt noch mehr, seufz ...) zu tun ist (selbstverstaendlich immer im Rahmen der Rechtsordnung):

1.I Ueberwindung der Kulturevolution der 60er jahre. China ist dies gelungen. Der Erfolg laesst sich sehen. Ruecksichtslose Ausschaltung all dieser kulturnihilistischen Elemente, wo immer sie sich auch herumtreiben moegen.

2. Statt Kult der Quotenluege, des Abartigen, des Haesslichen, des Gemeinen und Niedrigen Orientierung an Stil, Eleganz, Schoenheit, Qualitaet ,eElitaerem Geschmack.

3.Autoritaet, Hierarchie und Disziplin und hoechste geistige Freiheit im Rahmen dieser statt Gosse, Poebel und Gleichschaltung.


4. Klassisch-humanistische Bildung musz wieder Leitbild sein. Entsprechende Neugestaltung der Schulen und Universitaeten ( dasz dabei jede Menge gruen-alternative Lehrer arbeitslos werden, ist ein Schlagobershauberl !!)


5 . Abschaffung von Fristenloesung und Abwehr jedweder lebensfeindlicher Aktivitaten( zB: Sterbehilfe etc im Gegenteil; strafrechtliche Verschaerfung)

6. Abschaffung von Asylrecht ( besser –schwindel). Ruecksichtlose Abschaffung aller illegal Eingesickerter. Dies sowohl auf staatlicher als auch auf EU Ebene. Mob und Abschaum ist abzuschieben, ohne wenn und aber!

8. Schaffung eines fairen Einwanderungsrechtes. Wieso werden eigentlich solide, brave Einwanderer (von der “Grenzen Auf, Bleiberecht fuer Alle’ – Lobby nicht beachtet, sondern der Mob und Abschaum verehrt ?). Offenbar will man Mob und billiges Stimmvieh importieren. Zweck: liegt auf der Hand.

9. Rechtsstaat statt Rechtsmittelstaat. Ende der moralischen Erpressung durch Schlepperbanden.

Zur Diskussion gestellt. Bei Interesse kommen noch mehr Punkte....:-)

Der Weg dahin >> Taktik, die man nicht immer publik machen musz ...

HdeA
Eckesachs
15. Januar 2015 19:58
@Monika

Bei ,,unserem" Bundeskanzler ist das ein Versprecher.

Unterläuft ähnliches einem AFD-Maxen, wird der längst widerlegte Freud ausgegraben.
Nemo Obligatur
15. Januar 2015 21:59
Vielen Dank, Herr Lichtmesz, für Ihre rigorose Analyse!

Die ersten drei Teile habe ich nicht so konzentriert hinter mich bringen können, aber am Ende habe ich Sie wieder erkannt.

Was kann man noch ergänzen? Es sieht alles nach einer Zäsur aus. Endzeit, Wendezeit? Die Spaßgesellschaft macht schon lange keinen Spaß mehr. Statt des allgegenwärtigen Hofnarren könnten andere Figuren in Mode kommen. Krieger vielleicht (der Zulauf zu IS spricht dafür), Philosophen, Propheten. Wir haben uns in Deutschland jetzt mindestens ein Vierteljahrhundert der Ironie hingegeben. Dabei haben wir uns vielleicht an Spaß, Scherz und Witz etwas überfressen.

Eine Anmerkung zum Schluss: Der von Ihnen erwähnte Komiker Dieudonné ist wegen eines geschmacklosen Scherzes verhaftet worden? Wann und wo gab es das zuletzt in der Mitte Europas? Es wird Licht am Horizont! Ich sehe bessere Zeiten heraufdämmern.
Monika
15. Januar 2015 22:42
@Eckesachs
Wer sagt denn, daß "Lady Macbeth mit den toten Augen" ( Elsässer) nicht auch ein Latenznazi ist ?
https://juergenelsaesser.wordpress.com/2015/01/01/multikulti-merkel-gegen-pegida-elsassers-videoantwort-auf-merkels-neujahrsansprache/
Abendrot
15. Januar 2015 22:57
Lichtmesz stellt die naheliegende Frage, ob Analdildos auf der Place Vendome und Ähnliches alles ist, was den Gerechten unserer westlichen Zivililsation an praktischem Gebrauch der Freiheit einfällt. Zu dieser "Freiheit" hat sich Joachim Fernau in "Halleluja. Die Geschichte der USA" geäußert. Er weist darauf hin, dass die Statue der "Liberty" ein Geschenk der französischen Republik an die Vereinigten Staaten war. Und, fährt er fort, "da die Franzosen Scherzbolde sind, ist sie innen hohl".
AlbertZ
16. Januar 2015 00:02
Übrigens: die neue Nummer von Charlie Hedbo startet mit einer Auflage von 5 Millionen. Darf man das auch als einen Business-Erfolg bezeichnen?

Ja. Ich fühlte mich bei dieser Nachricht unmittelbar an einen Günter Wallraff "Ganz unten" erinnert.
Der hat damals rund 8 Millionen eingenommen, wie später im Streit mit den "Co-Autoren" herauskam.
Die Millionenauflagen von "Charlie Hebdo" sollten bei einem Einzelpreis von 3 EUR ähnliche Einnahmen erzeugen.
Wahr-Sager
16. Januar 2015 01:29
@Eckesachs:

Na, wenn man schon der AfD unterstellt, sich einen Freud'schen Versprecher geleistet zu haben, kann man das bei der Merkel auch machen:

http://www.focus.de/politik/videos/merkels-unangenehmster-versprecher-anitsemitismus-ist-unsere-staatliche-und-buergerliche-pflicht_id_4407049.html
Stil-Blüte
16. Januar 2015 07:08
Wir sind das Volk! - Je suis Volker!
Axel Wahlder
16. Januar 2015 07:50
Je suis Charlie Martell
Monika
16. Januar 2015 16:42
Nur noch ergänzend zur " Verherrlichung des Terrorismus", Dieudonné

http://www.faz.net/aktuell/nach-pariser-anschlaegen-herrscht-hass-in-frankreichs-schulen-13372074.html

Frage :
Dieudonné ist katholisch, aber wohl nicht befreundet mit Bischof Williamson. Ist die Schnittmenge mit Muslimen nur der Antisemitismus. Und verbindet Antisemitismus Muslime mit ideologischen Rechten . Und wenn ideologische Rechte Rassisten sind, benutzen sie einen Neger, um ihren Rassismus zu verbergen. Und Hitler konnte mit dem Muselmann. Aber nicht mit Katholiken.
Frage an Dieudonné: als antisemitischer katholischer Neger vereinigt er in sich alle Vorurteile , die man in Europa so haben.
Ist sein Spiel damit ein geniale Inszenierung der Freiheit oder ist er ein Arschloch. Hat ihn jemand schon mal live mit Publikum erlebt.
Das ist jetzt ja nicht mehr möglich. Straßburg ist abgesagt.

M.L.: Seine Show "Mahmoud" gibt es auf Youtube mit englischen UT... er hat zweifellos Charisma, aber besonders lustig finde ich ihn nicht.
Belsøe
16. Januar 2015 17:48
Mir kam bei Kaffee, Kuchen und einem Radiobeitrag zur belgischen Alarmbereitschaft folgende Verkettung in den wohl schon leicht paranoid gewordenen Sinn:

Kurz vor der unberechenbaren Wahl in Griechenland klinkt die Schweiz sich aus dem Euro aus. Gleichzeitig passieren in dem am besten gedeckelten Pleitekandidaten-Staat der EU sowie im Land ihres Zentralsitzes Dinge, die zu einer massiven Polizei- und Militärpräsenz an jeder Straßenecke führen. Was wiederum durch die Lissaboner Verfassung (nennen wir es ruhig so) sehr weitreichend mandatiert ist (Gewaltanwendung gegen Volksaufstände).

Ich erinnere hier auch noch mal an die große Schweizer Militärübung vor 1-2(?) Jahren, die den Zusammenbruch eines Nachbarlandes zum Thema hatte und sehr verschnupfte französische Reaktionen nach sich zog.

Fängt gut an, das Jahr.
Andreas Walter
16. Januar 2015 22:27
Es ist sehr wichtig sich erstmal von dem überholten politischen Denkmodell "links-rechts" gänzlich zu verabschieden wenn man verstehen möchte, was sich gerade fast überall auf der Welt abspielt und mit welchem Ziel. Erst dann kann man sich nämlich in die Gruppe von Menschen hineinversetzen und deren Ziele verstehen, die nämlich ein ganz anderes Denkmodell, eine ganz andere Weltsicht haben. Eine, die keine Grenzen mehr hat. Für sie.

https://www.youtube.com/watch?v=BO8pFBDSLPI
Matt Anon O'Herne
17. Januar 2015 00:27
Als eher schludriger und dem Katholizismus zuneigender Pagane ;) muß ich sagen, daß ich diese Analyse für scharfsinning und evident halte. Auch ich finde die antichristlichen und antikatholischen Cartoons Charlies für weitaus ekelhafter und beleidigender als die Mohammed-Karikaturen. Wie auch immer, wer Charlie Hebdo verteidigt, muß Shoah Hebdo ertragen. Es ist alles eine riesengroße Heuchelei! Die heilige Kuh "Meinungsfreiheit" ist eine Illusion und wird in jenem Moment ohne Hemmungen geopfert, wenn sie dem "Herrschaftsdiskurs" vehement entgegensteht. Der französische Schwarze ist der Beweis. Es bleibt uns einzig der Waldgang des rechten Anarchen und die sakralen Räume unserer Seelen und höherer Mächte.

"See the gods bow their heads for the sun is setting in the West." (T. Wakeford)

M.L.: "See a world of tanks, ruled by a world of banks ..."
Martin Lichtmesz
17. Januar 2015 12:57
Badeschluß, Karawane zieht weiter!

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