Ich bin nicht Charlie (Teil 4) – Die Freiheit und die Andersdenkenden

Vierzig internationale Staatschefs haben "an der Spitze" der großen Gedenkkundgebung in Paris für die Opfer des Anschlags auf Charlie Hebdo teilgenommen, augenscheinlich nicht nur, um Gewalt und Terrorismus zu verurteilen, sondern vor allem, um sich als Bollwerk für "unsere Freiheit" und "unsere Grundwerte" in Szene zu setzen.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Hier hat sich ein Blog­ger die Mühe gemacht, auf­zu­zei­gen, daß in der Pra­xis kei­ner von ihnen die “Mei­nungs”- oder “Pres­se­frei­heit” so tie­risch ernst nimmt, wie er gera­de vor­ge­ben mag. In der Tat fin­de ich die­se klei­ne Stich­pro­ben­lis­te noch ziem­lich mil­de, und selbst­ver­ständ­lich muß man, ihrem eige­nen Anspruch gemäß, an die west­li­chen Staa­ten stren­ge­re Maß­stä­be anlegen.

So fehlt etwa Deutsch­lands Ange­la Mer­kel, die vor ver­zu­cker­ter Unred­lich­keit mal wie­der aus allen Näh­ten platzt. Ges­tern noch hat sie ver­eint mit ande­ren Häupt­lin­gen ihrer Kas­te und den Fabri­ka­to­ren der öffent­li­chen Mei­nung alle Hebel in Bewe­gung gesetzt, um die Pegi­da-Bewe­gung zu dis­kre­di­tie­ren und mund­tot zu machen, heu­te pumpt sie wie­der hei­ße Luft wie die­se in ihren Macht­bal­lon: Das Atten­tat stel­le “auch einen Angriff auf die Mei­nungs- und Pres­se­frei­heit dar, ein Kern­ele­ment unse­rer frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Kul­tur, der durch nichts zu recht­fer­ti­gen ist”, ver­kün­de­te sie in einem offi­zi­el­len Tele­gramm an Fran­çois Hollande. 

In Wahr­heit ver­hält es sich so, daß das offi­zi­ell pla­ka­tier­te Pathos von der “Mei­nungs­frei­heit” vor allem jene Mei­nun­gen meint, die im herr­schen­den Dis­kurs erwünscht sind. Was davon abweicht, wird mit Ent­wer­tung, Mar­gi­na­li­sie­rung, Tot­schwei­gen, Dif­fa­mie­rung und sogar lega­len Sank­tio­nen bedroht.

Wenn Mer­kel sagt, das Buch von Sar­ra­zin, das ihre Poli­tik kri­ti­siert, sei “nicht hilf­reich”, oder wenn Frank­reichs Pre­mier­mi­nis­ter Manu­el Valls ein in der Ten­denz sehr ähn­li­ches Buch von Eric Zem­mour “als der Lek­tü­re nicht wert” bezeich­net, dann ist das nur die ers­te Stu­fe der Aus­gren­zungs­ver­su­che. Auf der nächs­ten Stu­fe wird flä­chen­de­ckend der per­sön­li­che Ruf zer­stört, und anschlie­ßend kann es pas­sie­ren, daß man von sei­nem Arbeits­platz sus­pen­diert wird – so ist es Richard Mil­let geschehen.

Die letz­te Stu­fe ist die gesetz­li­che Ver­fol­gung: Der Komi­ker Dieudon­né M’ba­la M’ba­la, auf des­sen Fall ich zurück­kom­men wer­de, wur­de wegen anti­zio­nis­ti­scher Äuße­run­gen und Wit­ze mehr­fach zu Geld­stra­fen ver­ur­teilt, wäh­rend sich die Schau­spie­le­rin Bri­git­te Bar­dot wegen islam­kri­ti­scher Äuße­run­gen vor Gericht zu ver­ant­wor­ten hat­te. Die­se Pro­zes­se die­nen vor allem der öffent­li­chen Signal­wir­kung: bestimm­te Mei­nun­gen sol­len kri­mi­na­li­siert und sozi­al stig­ma­ti­siert wer­den, um ihre Aus­brei­tung zu verhindern.

Ein sol­ches Damo­kles­schwert hat man auch über Mari­ne Le Pen auf­ge­hängt: nach einer miß­lie­bi­gen Äuße­rung droh­te ihr straf­recht­li­che Ver­fol­gung, und um eine sol­che in Zukunft mög­lich zu machen, hob das Euro­pa­par­la­ment 2013 ihre Immu­ni­tät auf. Der Grund: sie hat­te die öffent­li­chen Stra­ßen­ge­be­te von Mus­li­men als “Form der Okku­pa­ti­on” bezeich­net, und damit impli­zit auch auf die deut­sche Besat­zung Frank­reichs im 2. Welt­krieg angespielt.

Das sind Bei­spie­le, die sich belie­big ver­meh­ren lie­ßen. In der Tat gibt es in Frank­reich heu­te eine Viel­zahl von poli­tisch moti­vier­ten Geset­zen, die unter dem Ban­ner von “Anti­dis­kri­mi­nie­rung” und “Anti­ras­sis­mus” die Mei­nungs­frei­heit stark beschnei­den und erheb­li­chen Druck auf­bau­en, der zu “poli­tisch kor­rek­ter” Kon­for­mi­tät zwin­gen soll.

Der fran­zö­si­sche Schrift­stel­ler Jean Ras­pail ließ 2010 sei­nen sati­ri­schen Klas­si­ker “Das Heer­la­ger der Hei­li­gen” (eine über­ar­bei­te­te deut­sche Neu­aus­ga­be wird im Früh­jahr bei Antai­os erschei­nen) juris­tisch prü­fen: sei­ne Anwäl­te fan­den gezähl­te sie­ben­und­acht­zig Stel­len, die heu­te zu einer Straf­ver­fol­gung des Autors auf der Grund­la­ge von Volks­ver­het­zungs­pa­ra­gra­phen füh­ren könnten.

Im Vor­wort zur Neu­auf­la­ge sei­nes bekann­tes­ten Buches (nach­zu­le­sen in dem Kapla­ken­bänd­chen “Der letz­te Fran­zo­se”) schrieb Raspail:

Aus Neu­gier habe ich zwei ver­schie­de­ne, spe­zia­li­sier­te Anwäl­te zu die­sen Fra­gen kon­sul­tiert. Es stell­te sich her­aus, daß das “Heer­la­ger”, wür­de es heu­te zum ers­ten Mal erschei­nen, nicht mehr publi­zier­bar wäre. Zumin­dest müß­te es erheb­lich zen­siert wer­den. Dar­an kann man ermes­sen, wie stark die Mei­nungs­frei­heit, ins­be­son­de­re zu die­sem The­ma, seit­her ein­ge­schränkt und ein­ge­zäunt wur­de, eine Ent­wick­lung, die seit der Lex Gayssot mit bru­ta­ler Rasanz an Fahrt auf­ge­nom­men hat.

Dabei wur­de sein Buch hin­ter den Kulis­sen eif­rig gele­sen, und durch­aus anders beur­teilt, als öffent­lich zuge­ge­ben wurde:

Anläß­lich der Neu­auf­la­ge von 1985 habe ich per­sön­lich diver­se Pres­se­diens­te und Per­sön­lich­kei­ten, vor allem Poli­ti­ker, sowohl der Rech­ten als auch der Lin­ken, kon­tak­tiert. Vie­le haben mir mit ein paar Zei­len geant­wor­tet, manch­mal auch aus­führ­li­cher. Eini­ge Namen in loser Rei­hen­fol­ge: Fran­çois Mit­te­rand, Jean-Lou­is Debré, Lio­nel Jos­pin, Lou­is Mer­maz, Robert Bad­in­ter, Jean-Pierre Che­vè­ne­ment, Denis Oli­ven­nes, Fran­çois Pin­ault, Jac­ques Tou­bon, Max Gal­lo, oder, um wei­ter in der Zeit zurück­zu­ge­hen: Ray­mond Bar­re, Mau­rice Schu­mann, Alain Poher, Loui­se Weiss, André Mal­raux. Brie­fe oder Post­kar­ten, Hand­schrift­li­ches oder Dik­tier­tes, ich habe alles auf­be­wahrt. Das ist sozu­sa­gen mein Fall­schirm. Eini­ge Doku­men­te sind ein­fa­che Dan­kes­schrei­ben, ande­re gehen mehr oder weni­ger in die Tie­fe, mit star­ken Vor­be­hal­ten oder wohl­be­mes­se­ner Zustim­mung, aber alle­samt sind sie in einem Ton gehal­ten, der nichts gemein hat mit den Dif­fa­mie­run­gen durch die vier Geset­ze, für die die Absen­der, mit Aus­nah­me der Nicht-Par­la­men­ta­ri­er, eil­fer­tig gestimmt hatten. (…)

Man­che Brie­fe waren gera­de­zu ent­ge­gen­kom­mend und ver­tief­ten sich in Betrach­tun­gen, die über die übli­che Kon­sens­hal­tung und die auto­ma­ti­schen Refle­xe des herr­schen­den Gedan­ken­guts, die jeden Anflug einer ech­ten Debat­te im Keim ersti­cken, weit hinausgingen.

Alain de Benoist kom­men­tier­te anläß­lich des Ter­ror­an­schlags nüch­tern die Rhe­to­rik von der “Mei­nungs­frei­heit”:

Wenn nach Rosa Luxem­burg “Frei­heit immer die Frei­heit der Anders­den­ken­den ist”, dann bedeu­tet das, daß wir sie auch dann ver­tei­di­gen müs­sen, wenn es denen nützt, die wir ver­ab­scheu­en. Aber genau das wei­gert sich die herr­schen­de Ideo­lo­gie zu tun, in Frank­reich eben­so wie in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, wo zwar der “First Amend­ment”, der ers­te Zusatz­ar­ti­kel der Ver­fas­sung gilt, wonach jeder­mann sagen und schrei­ben darf, was er will, wo aber non­kon­for­me Ansich­ten noch mehr an den Rand gedrängt wer­den als in Frank­reich. Wie das Recht auf Arbeit noch nie jeman­dem einen Arbeits­stel­le ver­schafft hat, so garan­tiert das Recht auf Rede­frei­heit nicht, daß man eine Chan­ce bekommt, gehört zu werden.

Benoist iden­ti­fi­ziert auch Char­lie Heb­do als einen pro­mi­nen­ten Ver­tre­ter des poli­ti­schen Establishments:

Die Regie­rung hät­te gewiß nicht von der “natio­na­len Ein­heit” (ein mys­ti­fi­zie­ren­des Schlag­wort par excel­lence, denn eine sol­che “Ein­heit” kommt immer denen zugu­te, die an der Macht sind und von einem Kon­sens pro­fi­tie­ren wol­len) hät­te es [die kon­ser­va­ti­ve Zeit­schrift] Val­eurs actu­el­les erwischt. (…) Char­lie Heb­do ist eines der Orga­ne der herr­schen­den Ideo­lo­gie gewor­den. Man erkennt einander.

Als links­ra­di­ka­les Blatt war das Maga­zin fes­ter Bestand­teil des erlaub­ten Dis­kur­ses, der auch in Frank­reich extrem ungleich­ge­wich­tig zuguns­ten der Lin­ken aus­fällt, auch wenn ihm man­che lin­ke Stim­men hin und wie­der “Ras­sis­mus” oder “Isla­mo­pho­bie” vor­ge­wor­fen haben.

Hier zum Bei­spiel ver­sucht ein wacke­rer deut­scher Autor, der auch nicht Char­lie sein will, Char­lie Heb­do links zu über­ho­len, womit er lus­ti­ger­wei­se tat­säch­lich ein Stück gegen den lau­fen­den Strom zu schwim­men beginnt. Die Zeit­schrift sei “kein Vor­bild für die Mei­nungs­frei­heit”, außer­dem “kom­pa­ti­bel mit dem Front Natio­nal und Pegi­da” und vom bösen Geist des “wei­ßen Mit­tel­schichts­ras­sis­mus” durch­tränkt. “Die anti­is­la­mi­schen Zeich­nun­gen” haben

… ohne jede Zurück­hal­tung auf Pro­vo­ka­ti­on und Belei­di­gung gezielt und sich damit die mit­nich­ten pro­gres­si­ve Grund­ten­denz west­li­cher Kari­ka­tu­ris­ten zuei­gen gemacht. Wenn aber eine Redak­ti­on aus wei­ßen, männ­li­chen, gut gebil­de­ten und sozi­al abge­si­cher­ten Mit­glie­dern – sei es auch nur sati­risch – auf sozia­le Min­der­hei­ten ein­drischt, dann ist das kein Garant für künst­le­ri­schen Wert.

Auch die aggres­si­ven Reak­tio­nen auf die bewuss­te Pro­vo­ka­ti­on in der Ver­gan­gen­heit sind kein Prä­di­kat “Beson­ders wert­voll”. Und es kommt noch här­ter: Auch der kalt­blü­ti­ge Mord an zehn Redak­ti­ons­mit­glie­dern macht ihre Arbeit in die­sem einen Aspekt nicht bes­ser. Ein erheb­li­cher Teil der anti­is­la­mi­schen Kari­ka­tu­ren waren ras­sis­ti­scher, sexis­ti­scher und men­schen­ver­ach­ten­der Schrott, der hier­zu­lan­de zu Recht skan­da­li­siert wor­den wäre.

Daß Char­lie nicht min­der hef­tig und “men­schen­ver­ach­tend” auf Patrio­ten und Katho­li­ken ein­ge­dro­schen hat, erscheint dem Schrei­ben­den dabei nicht erwäh­nens­wert – das hält er wahr­schein­lich für “pro­gres­siv”. Weil die Fron­ten hier und anders­wo klar gezo­gen waren, genos­sen sei­ne Macher auch bei Moti­ven, die das poli­tisch Unkor­rek­te streif­ten, eine gewis­se Nar­ren­frei­heit, und dar­um wer­den sie nun auch so vor­be­halts­los zu “Mär­ty­rern” ver­klärt, was mit Sicher­heit aus­blei­ben wür­de, hät­te es eine rech­te Zei­tung oder Mari­ne Le Pen erwischt.

Es geht eben nicht um Pres­se- und Mei­nungs­frei­heit als uni­ver­sa­les Prin­zip, das unab­hän­gig von Inhal­ten Gül­tig­keit hät­te, son­dern eben doch um spe­zi­fi­sche Inhal­te. Inso­fern ist es bezeich­nend, daß die Kam­pa­gne, die den Ter­ror­schock kana­li­sie­ren soll, zur Iden­ti­fi­ka­ti­on mit Char­lie aufruft.

Wenn ich das Atten­tat von Paris ver­dam­me, und den Opfern zuge­ste­he, daß sie immer­hin mutig waren, den Dro­hun­gen so lan­ge stand­zu­hal­ten, dann bedeu­tet das jedoch noch lan­ge nicht, daß ich Charlie“bin” und mich mit sei­nen Inhal­ten iden­ti­fi­zie­re. Es ist näm­lich kei­nes­wegs zwin­gend, daß aus mei­ner Ver­ur­tei­lung eines Angriffs auf ihre Mei­nungs­frei­heit auch folgt, daß ich die betrof­fe­ne ange­grif­fe­ne Mei­nung auch selbst tei­le. In die­ser struk­tu­rel­len Ent­kop­pe­lung besteht ja das “Libe­ra­le” und Unteil­ba­re, die eigent­li­che Poin­te die­ses Grundrechts.

Im Kli­ma des all­ge­mei­nen Kon­for­mi­täts­drucks gerät die­se Tat­sa­che jedoch immer mehr in Ver­ges­sen­heit. Mei­nungs­frei­heit ist heu­te impli­zit (und manch­mal expli­zit) nur mehr die Frei­heit der Gleich­den­ken­den, und inzwi­schen auch die Frei­heit der herr­schen­den Gleich­den­ken­den, die macht­lo­sen Anders­den­ken­den auf gröbs­te Wei­se zu ver­leum­den – man betrach­te den Ter­ror der deut­schen Leit­me­di­en und Poli­ti­ker gegen die Mei­nungs­frei­heit von Pegi­da.  Nur weni­ge wagen es daher, das Recht der soge­nann­ten “Umstrit­te­nen” auf Mei­nungs­frei­heit, von Sar­ra­zin abwärts bis hin­ab in die diver­sen lun­a­tic frin­ges,  zu ver­tei­di­gen, weil die Angst vor­herrscht, dann sel­ber als “Rech­ter” ver­däch­tigt und aus­ge­grenzt zu werden.

Und wann immer der idio­ti­sche, fälsch­li­cher­wei­se Vol­taire zuge­schrie­be­ne Spruch “Ich mag ver­dam­men, was Sie sagen, aber ich wer­de mein Leben dafür ein­set­zen, daß Sie es sagen kön­nen” geklopft wird, kann man mit Sicher­heit davon aus­ge­hen, daß hier einer um Gehör für sich selbst bet­telt, nicht aber, daß er allen Erns­tes “sein Leben ein­set­zen wür­de”, um die Mei­nung eines ande­ren zu Gehör zu brin­gen, schon gar nicht, wenn die­ser sein Geg­ner ist.

Der bekann­te Ver­schwö­rungs­jour­na­list Ger­hard Wis­new­ski ver­ga­lop­pier­te sich in sei­nem Bei­trag zu dem Ter­ror­an­schlag zwar mal wie­der gründ­lich, aber für einen genia­len Geis­tes­blitz muß man ihm dank­bar sein. Die Fra­ge nach dem “cui bono” führt ihn zu der Fest­stel­lung, daß der Ter­ror Gele­gen­heit bie­tet, die Pres­se in einen unan­greif­ba­ren Opfer­sta­tus zu erhe­ben – was in Deutsch­land zur Zeit exzes­siv und sys­te­ma­tisch betrie­ben wird, indem Pegi­da und die Ter­ro­ris­ten zu einem ein­zi­gen Phan­tom­feind der “offe­nen Gesell­schaft” zusam­men­ge­kne­tet werden.

Der zwei­te Nut­zen besteht in der Bekämp­fung des Auf­stan­des gegen die eta­blier­te Lügen­pres­se. Indem »Jour­na­lis­ten« in einer glo­ba­len Tra­gö­die zu Opfern gemacht wer­den, wird die Bevöl­ke­rung gezwun­gen, sich mit ihnen zu soli­da­ri­sie­ren und wer­den die Kri­ti­ker zum Schwei­gen gebracht. Der jüngs­te Brand­an­schlag auf die Ham­bur­gerMor­gen­post vom 11. Janu­ar 2015 gehört in die­sel­be Kategorie.

Man muß Wis­new­skis Theo­rien über eine etwai­ge  “Fal­se Flag”-Operation nicht tei­len, um zu erken­nen, daß an die­ser Beob­ach­tung viel dran ist. Nach dem Anschlag wäre jeder rück­grat­lo­se, vom Estab­lish­ment gedeck­te Jour­na­list in Deutsch­land ger­ne Char­lie, und man bestäubt sich aller­seits mit immu­ni­sie­ren­dem Opfer­par­füm: Leu­te, die in ihrem Leben nichts ris­kiert haben, und die ihren eige­nen Schiß nun kom­pen­sie­ren, indem sie nach dem Sturm auf die Baro­me­ter eindreschen.

 

Der FPÖ-Mann Harald Vilims­ky kommentierte:

Nein, ihr seid nicht Char­lie. Ganz im Gegen­teil. Ein beträcht­li­cher Teil von euch trägt Mit­schuld dar­an, dass es genau­so gekom­men ist. Ihr habt Hand in Hand mit Poli­ti­kern von Grü­nen und der Lin­ken über Jah­re und Jahr­zehn­te genau das erst mög­lich gemacht: Immer mehr Ein­wan­de­rung, immer weni­ger Regeln. Dafür aber mit all eurer Kraft gegen jene, die ihr Unbe­ha­gen dar­an arti­ku­liert haben. Jetzt kommt der Ter­ror aus der Mit­te der Gesell­schaft. Aus jenen radi­ka­li­sier­ten Ban­lieus der Hoff­nungs­lo­sig­keit, die durch euer Weg­se­hen erst ent­ste­hen konnten.

Ähn­lich argu­men­tiert die­ser Autor des Schweiz-Magazins:

Gros­se Auf­ma­cher in vie­len Zei­tun­gen. Jour­na­lis­ten zei­gen es auf Pla­ka­ten, Ver­la­ge titeln damit in ihren Publi­ka­tio­nen und TV-Sen­de­an­stal­ten blen­den es als Ban­ner ein “Wir sind Char­lie”. Sie machen, was sie immer gemacht haben, sie heu­cheln, ver­dre­hen und ver­schwei­gen. Des­halb ein paar Wor­te an sie.

Ihr seid die ewi­gen Beschwich­ter, Ver­schwei­ger und Ver­tu­scher der Wahr­heit und gleich­zei­tig För­de­rer sol­cher grau­sa­men Anschlä­ge. Ihr berei­tet die­sen mus­li­mi­schen Atten­tä­tern den Weg, indem ihr Euch seit Jahr­zehn­ten gegen Eure Natio­na­li­tät, Kul­tur und Reli­gi­on gestellt und all das geschwächt habt und uns Euren Muli­ti­kul­ti­wahn auf­zwin­gen wollt.

Ihr seid emsig damit beschäf­tigt alles zu zer­stö­ren und zu ver­nich­ten, was zu unse­ren Natio­nen und Völ­kern gehört. Ihr ver­drängt, was uns aus­macht und ver­sucht es durch Frem­des zu erset­zen, sei es ame­ri­ka­nisch oder aus einer ande­ren Kul­tur. Euer Ver­hal­ten in Euro­pa ist bei­spiel­los für die Welt. Auf kei­nem ande­ren Kon­ti­nent ist die Zer­stö­rung aller natio­na­len Wer­te und Iden­ti­tä­ten Dank Euch so gross, wie auf dem Europäischen.

Ihr bekämpft und ver­leug­net all das, um damit den Medi­en­kon­su­men­ten Sand in die Augen zu streu­en über die wah­ren Ver­hält­nis­se auf unse­ren Stras­sen. Ihr seid die, die nicht dar­über berich­ten wenn die ein­hei­mi­sche Bevöl­ke­rung von eben die­sen Leu­ten dis­kri­mi­niert, ras­sis­tisch belei­digt und kör­per­lich ange­grif­fen wird und die Täter ver­klärt Ihr zu Opfern.

Eh bien: in die­sem Sin­ne sind die Ange­klag­ten aller­dings tat­säch­lich durch und durch Char­lie, denn trotz sei­nes nihi­lis­ti­schen “Scheiß auf alles”-Gestus, war das Maga­zin wie gesagt im wesent­li­chen durch­aus in jenem Main­stream ange­sie­delt, der sich aggres­siv gegen “Natio­na­li­tät, Kul­tur und Reli­gi­on” wen­det. Auch war es mit der Libe­ra­li­tät der Macher gegen­über Anders­den­ken­den nicht weit her. 1995 setz­te sich das frei­heits­lie­ben­de Maga­zin sogar öffent­lich für ein Ver­bot des Front Natio­nal ein, und zeig­te auf der Titel­sei­te Jean-Marie Le Pen in Hand­schel­len. Frei­heit ist eben immer die Frei­heit der Gleichdenkenden…

Dem Mate­ri­al nach zu urtei­len, das man im Inter­net zu sehen bekommt, war Char­lie Heb­do eine min­der­wer­ti­ge und nur mäßig komi­sche Klit­sche aus der unters­ten Schub­la­de.  Die berüch­tig­ten Titel­sei­ten bewe­gen sich auf einem grel­len Fäkal- und Geni­tal­ni­veau, und auch als eher schlud­ri­ger und dem Paga­nen zunei­gen­der Katho­lik muß ich sagen, daß ich ins­be­son­de­re die anti­christ­li­chen und anti­ka­tho­li­schen Car­toons als weit­aus ekel­haf­ter und belei­di­gen­der emp­fin­de als die Mohammed-Karikaturen.

Gott selbst, der am län­ge­ren Ast sitzt und sei­ne Rech­nung beim Jüngs­ten Gericht schon prä­sen­tie­ren wird, kann das nun frei­lich egal sein. Aber von den Gläu­bi­gen zu ver­lan­gen, daß sie die Schän­dung des ihnen Hei­li­gen nicht nur tole­rie­ren, son­dern auch noch aus­drück­lich begrü­ßen sol­len, ist wohl etwas viel verlangt.

Ich habe gene­rell kei­ne Sym­pa­thie für Blas­phe­mie um der Blas­phe­mie wil­len, schon gar nicht wenn sie so minus­be­seelt und bil­lig betrie­ben wird wie von Char­lie Heb­do (oder auch Tita­nic). Wenn nun Gestal­ten auf­tau­chen, die der­lei als Gip­fel der abend­län­disch-zivi­li­sa­to­ri­schen Errun­gen­schaf­ten prei­sen, wie die­ser Kom­men­ta­tor des Spie­gels (“Mehr Blas­phe­mie bit­te!”), dann bin ich erst recht nicht Char­lie. All das ist nichts ande­res als das Äqui­va­lent von “Pus­sy Riot” oder den Tit­ten­dum­mies von Femen, die von ihren Hin­ter­män­nern wie Nut­ten auf den Pro­test­strich geschickt und von ame­ri­ka­ni­schen Geschäfts­män­nern gespon­sert wer­den.

 

Ange­sichts der frag­li­chen Car­toons klingt das gan­ze gech­wol­le­ne Gedöns von der “Frei­heit” und den “Grund­wer­ten”, das nun von allen Kan­zeln ver­kün­det wird, ziem­lich hohl. Es erin­nert an die euro­pa­wei­te Jubel­pres­sen-Sti­li­sie­rung von Con­chi­ta Wurst zur Frei­heits­sta­tue “west­li­cher Wer­te”, deren Fackel Putins homo­pho­bes Empi­re of Evil erhel­len soll.

Man ver­zei­he mir, wenn sich mein Enthu­si­as­mus in Gren­zen hält. Eher fra­ge ich mich: Ist das alles, wirk­lich alles, was ihr anzu­bie­ten habt? Alles, was ihr mit eurer glo­rio­sen “Frei­heit” anfan­gen könnt? Alles, was wir, was ich damit anfan­gen soll? Oder, um ein ande­res Bei­spiel aus einem ähn­li­chen Kon­text zu erwäh­nen: bedeu­tet es auch “Frei­heit”, einen über­di­men­sio­na­len Anal­dil­do, der absicht­lich an einen Weih­nachts­baum erin­nern soll, am Place Ven­dô­me auf­zu­stel­len? Wird erwar­tet, daß das Volk jubelt über soviel Frei­heit der Kunst und soviel tol­le Pro­vo­ka­ti­on im Ein­klang mit “unse­ren Grundwerten”?

Ein unbe­kann­ter Frei­heits­feind, wahr­schein­lich vom glei­chen into­le­ran­ten Unter­men­schen­schlag wie Pegi­da und die Isla­mis­ten, hat die­sem Arte­fakt ästhe­ti­schen Ter­rors über Nacht die Luft her­aus­ge­las­sen. Wer war in die­ser Geschich­te der Sub­ver­si­ve, der Wider­stän­di­ge? In einem Frank­reich, in dem rie­si­ge Butt-plug-Skulp­tu­ren vom Staat gespon­sert und öffent­lich auf­ge­stellt wer­den, ist eine Num­mer wie Char­lie Heb­do viel­leicht nicht mehr gar so gewagt sub­ver­siv, wie ihre geal­ter­ten Macher dachten.

Char­lie Heb­do stand natür­lich auf der Sei­ten der Ein­wan­de­rungs­be­für­wor­ter. Das ist irgend­wie drol­lig, und auch irgend­wie “links”, nicht? Zuerst die Mus­li­me ein­la­den, und danach ihre Reli­gi­on belei­di­gen, sozu­sa­gen als “repu­bli­ka­ni­sches” Auf­nah­me­ri­tu­al in die “west­li­che Wer­te­ge­mein­schaft”. Da sage ich als böser “Rech­ter”: Lie­ber die Mus­li­me zuhau­se blei­ben las­sen und ihre Reli­gi­on respektieren.

Ich tei­le nicht die Ver­eh­rung, die gene­rell Car­too­nis­ten und Kari­ka­tu­ris­ten ent­ge­gen gebracht wird. Was man komisch fin­det oder für erlaubt hält, ist stets eine Fra­ge der Per­spek­ti­ve. Eben­so, was einem luzi­de, scharf­sin­nig oder “ent­lar­vend” scheint. Poli­ti­sche Car­toons amü­sie­ren fast immer nur die Bekehr­ten. Im Diens­te der Schwa­chen sind sie eben­so eine Waf­fe wie in den Hän­den der Mäch­ti­gen, und heu­te eher noch der Mäch­ti­gen. Wirk­lich non­kon­for­me, zeit­geist­kri­ti­sche Car­too­nis­ten sind eben­so rar wie nicht-lin­kes Kaba­rett. Car­toons sind idea­le Vehi­kel für Pro­pa­gan­da, Dem­ago­gie, “schreck­li­che Ver­ein­fa­chun­gen” und Mani­pu­la­tio­nen aller Art.

Die Dumm­köp­fe glau­ben, daß eine Sache schon dadurch erle­digt sei, wenn es gelingt, sie lächer­lich zu machen, und sei es nur, daß man den Geg­ner à la Char­lie Heb­do mit her­un­ter­ge­las­se­nen Hosen zeich­net. Ob man dar­über lacht, ist nicht nur eine Humor‑, son­dern auch eine Gesin­nungs­fra­ge. Wie lus­tig, “mutig”, “pro­vo­ka­tiv”, “tabu­los”, “sub­ver­siv” und “pro­gres­siv” gro­ber und kras­ser Humor für einen Lin­ken doch sein kann – solan­ge nicht sei­ne eige­nen hei­li­gen Kühe atta­ckiert wer­den. Dann ver­steht er kei­nen Spaß mehr, und dann hat es auch ein Ende mit der Meinungsfreiheit.

Zum Abschluß der, wie ich fin­de, iro­ni­sche Kicker des Tages: der berüch­tig­te schwar­ze Komi­ker Dieudon­né M’ba­la M’ba­la, Frank­reichs Ober­t­roll vom Dienst, ist wegen eines maka­bren Scher­zes ver­haf­tet wor­den, der im jet­zi­gen Kli­ma nicht gar so doll ange­kom­men ist.

Der 48-Jäh­ri­ge hat­te in einem Face­book-Ein­trag den Soli­da­ri­täts-Spruch “Ich bin Char­lie” für die Anschlags­op­fer mit dem Namen des Atten­tä­ters in einem jüdi­schen Super­markt ver­mischt. Kon­kret hat­te er das Bekennt­nis “Ich bin Char­lie” in “Ich füh­le mich wie Char­lie Couli­ba­ly” umge­wan­delt. Er ver­wen­de­te dabei den Nach­na­men des Isla­mis­ten Amé­dy Couli­ba­ly, der bei zwei Anschlä­gen fünf Men­schen getö­tet haben soll, bevor er von Poli­zis­ten erschos­sen wurde.

Ver­haf­tet – wegen eines Face­bookein­trags! (Inzwi­schen gibt es Dut­zen­de wei­te­re Fälle.)

Dieudon­né ist zusam­men mit sei­nem Quer­front-Mit­strei­ter Alain Soral ein lang­jäh­ri­ger Lieb­lings­feind von Char­lie Heb­do, eine Feh­de, die seit Jah­ren mit gegen­sei­ti­gen gro­ben Ver­spot­tun­gen aus­ge­tra­gen wird. Dieudon­né hat einen anti­ko­lo­nia­lis­ti­schen, anti­ras­sis­ti­schen und anti­im­pe­ra­lis­ti­schen Hin­ter­grund, dem er im wesent­li­chen treu geblie­ben ist.Vor allem aber ist er scharf ant­zio­nis­tisch und macht sich mit Vor­lie­be über den Holo­caust lus­tig, den er vor allem als poli­ti­schen Mythos betrach­tet, der von den USA und Isra­el als ideo­lo­gi­sche Waf­fe gebraucht wird. Frank­reich sieht er beherrscht von jüdisch-zio­nis­ti­schen Lobbies.

Damit hat er sich natür­lich in die abso­lu­te No-Go-Kopf­schuß-Zone des west­li­chen Dis­kur­ses bege­ben, dort­hin, wo noch die letz­ten reli­giö­sen Gefüh­le Unter­schlupf gefun­den haben und wo es noch ech­te Tabus gibt, deren Bruch immense Affek­te frei­setzt.  Zu sei­nen zahl­rei­chen Pro­vo­ka­tio­nen gehör­te unter ande­rem, daß er schlin­gen­sief­ar­tig den berüch­tig­ten Radi­kal­re­vi­sio­nis­ten Robert Fau­ris­son, einen der geäch­tets­ten Män­ner des Lan­des, in Sket­chen auf­tre­ten ließ.

Dieudon­ne pflegt gute Kon­tak­te zu ande­ren Pariahs, Rand­stän­di­gen und Mili­tan­ten wie der His­bol­lah und pan-afri­ka­ni­schen Natio­na­lis­ten. Jean-Marie Le Pen ist der Tauf­pa­te eines sei­ner Kin­der. Er kri­ti­siert scharf die vor­herr­schen­den Dop­pel­stan­dards, wonach man sich über Mos­lems lus­tig machen darf, nicht aber über Juden. (Char­lie Heb­do hat sich trotz eini­ger anti­re­li­giö­ser Kari­ka­tu­ren von ortho­do­xen Juden weit­ge­hend an die­se Spiel­re­gel gehal­ten, und sogar ein­mal einen Mit­ar­bei­ter wegen einer angeb­lich anti­se­mi­ti­schen Äuße­rung gefeu­ert.)

Auf das Kon­to von Dieudon­nés Umfeld geht auch eine Per­si­fla­ge namens “Sho­ah Heb­do”, die häu­fig mit ech­ten Char­lie-Covers ver­wech­selt wird (zuletzt ist die Ber­li­ner Zei­tung in die Fal­le getappt.)

Wer das nun als haar­sträu­bend, skan­da­lös, uner­träg­lich und unko­misch emp­fin­det, soll­te sich fra­gen, ob vie­le Mus­li­me und Katho­li­ken ange­sichts der Car­toons von Char­lie Heb­do nicht ähn­li­ches gefühlt haben. Was dem einen als “Kri­tik” gilt, gilt dem ande­ren als “Het­ze”, was dem einen “Sati­re” ist, ist für den ande­ren Dif­fa­mie­rung, was dem einen sein Hei­lig­tum bedeu­tet, ist für den ande­ren eine Ziel­schei­be des Spotts. Da sich das kaum unpar­tei­isch ent­schei­den läßt, muß die Mei­nungs­frei­heit als unteil­ba­res Prin­zip Gel­tung haben.

Tat­sa­che ist, daß es in der Pra­xis offen­bar doch Gren­zen der Sati­re gibt, die nichts mit Geschmack­lo­sig­keit oder schlech­ten Wit­zen zu tun haben (in die­ser Hin­sicht kann es Dieudon­né durch­aus mit Char­lie auf­neh­men), son­dern schlicht und ein­fach von poli­ti­schen Interessen.

Im Gegen­satz zu Char­lie Heb­do wird Dieudon­né als eine Art Staats­feind betrach­tet und ent­spre­chend behan­delt. Er hat bis­her dut­zen­de Geld­stra­fen erhal­ten, wäh­rend Pre­mier­mi­nis­ter Valls sich zu sei­ner Neme­sis gemacht und per­sön­lich für ein Auf­tritts­ver­bot ein­ge­setzt hat, das auch in Kraft getre­ten ist.

In einem offe­nen Brief an Innen­mi­nis­ter Caze­neuve schreib Dieudonné:

Ges­tern waren wir alle Char­lie, gemein­sam mar­schie­rend, auf­recht ste­hend, für die Frei­hei­ten. Damit wir wei­ter über alles lachen. Alle Ver­tre­ter der Regie­rung, Sie ein­ge­schlos­sen, mar­schier­ten zusam­men in die­se Richtung.

Auf der Rück­kehr von die­sem Marsch habe ich mich sehr allei­ne gefühlt. Seit einem Jahr hat mich der Staat im Visier und ver­sucht mich mit allen Mit­teln zu ver­nich­ten. Media­les Lyn­chen, Ver­bot mei­ner Auf­füh­run­gen, Steu­er­prü­fun­gen, Gerichts­voll­zie­her, Haus­durch­su­chun­gen, Ankla­ge­er­he­bun­gen… mehr als acht­zig gericht­li­che Ver­fah­ren sind auf mich und mei­ne Fami­lie niedergegangen.

Und der Staat fährt fort, mein Leben zu ver­pes­ten. Acht­zig Gerichts­ver­fah­ren. Seit einem Jahr wer­de ich als öffent­li­cher Staats­feind Num­mer 1 behan­delt, obgleich ich nur zum Lachen anre­gen will, und auch um über den Tod zu lachen, denn der Tod, er, er lacht über uns, so wie Char­lie es weiß, leider.

Obgleich ich den Frie­den unter Ihrer Auto­ri­tät seit meh­re­ren Wochen vor­schla­ge, blei­be ich ohne Ant­wort von Ihnen.Doch sobald ich mich äuße­re, ver­sucht man nicht mich zu ver­ste­hen, man will mir nicht zuhö­ren. Man sucht nach einem Vor­wand, um mich zu ver­bie­ten. Man betrach­tet mich als einen Ame­dy Couli­ba­ly, obgleich ich nicht anders bin als Charlie.

Anschei­nend fin­den mei­ne Äuße­run­gen nur dann Ihr Inter­es­se, wenn Sie sie ver­dre­hen kön­nen, um sich bes­ser empö­ren zu können.

Herr Minis­ter, ich erin­ne­re Sie dar­an, denn Sie schei­nen mir jetzt zuzuhören:

Ich schla­ge Frie­den vor.

Dieudon­né M’bala M’bala

Für die Dum­mies sei es noch extra gesagt: ich iden­ti­fi­zie­re mich weder mit den Posi­tio­nen von Dieudon­né noch mit jenen von Char­lie Heb­do. Ich sehe nur nicht ein, war­um die Trol­lerei des einen wert­vol­ler sein soll als die des ande­ren. Der Punkt ist, auf­zu­zei­gen, daß es in dem öffent­li­chen Spiel nicht um “Frei­heit” oder “Mei­nungs­frei­heit” an sich geht, son­dern immer nur um bestimm­te Frei­hei­ten, bestimm­te Meinungen.

Unter der Ober­flä­che der lau­fen­den “Rufe zur Ein­heit” wird außer­dem sicht­bar, daß die­se Ein­heit kei­ne “Spal­ter” mehr braucht, son­dern längst nicht mehr exis­tent ist. Die Front­ver­läu­fe sind heu­te zum Teil ver­wir­rend kom­plex und wider­sprüch­lich gezo­gen, und nicht mit Schlag­wor­ten wie “Offe­ne Gesell­schaft vs. ihre Fein­de” oder “Islam vs. Abend­land”  oder “Ter­ro­ris­ten vs. Demo­kra­ten” oder “Ein­ge­bo­re­ne vs. Ein­wan­de­rer” und so wei­ter auf einen Nen­ner zu brin­gen. Ich glau­be nicht, daß der Char­lie-Schock tat­säch­lich lan­ge aus­rei­chen wird, um eine rela­ti­ve Ein­heit zu stiften.

Übri­gens: die neue Num­mer von Char­lie Hed­bo star­tet mit einer Auf­la­ge von 5 Mil­lio­nen. Darf man das auch als einen Busi­ness-Erfolg bezeichnen?

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (39)

Harald de Azania

15. Januar 2015 09:19

Verehrter ML,

Alles gut und richtig. Das schoenste aber ist die blossgestellte Feigheit der REHAKLA, die bestens gesichert sich ein Demo-Staendchen geben. Wenn man daran denkt, dasz Kaiser franz Josef ganz allein uber die Ischler promenade spazierte und das zu einer Zeit, in der anarchistische Attentate zahlreich waren. Aber unsere REHAKLA ist halt einmalig und unverzichtbar. Das ist das Gute am Weltnetz: Derartige Manipulationen sind sofort aufgedeckt. Dasz die an der Nadel des eigenen Kulturnihilismus Haengenden immer nur nach Erhoehung der Dosis japsen koenne, ist klar.

EURO/EU Krise ?>>> Noch mehr Europa!
Kulturzersetzung ?>>> Noch mehr Vulgaritaeten!
Blasphemie ? >>>> Noch mehr davon, na klar!

Definition ex "Wikipaedia": Blasphemie (altgr. ἡ βλασφημία, τῆς βλασφημίας – blasphêmía – die ‚Rufschädigung‘, zusammengesetzt aus βλάπτειν – bláptein – ‚Schaden bringen‘, ‚benachteiligen‘ und ἡ φήμη – phếmê oder dorisch ἡ φάμα – pháma – ‚die Kunde‘, ‚der Ruf‘) bezeichnet das Verhöhnen oder Verfluchen bestimmter Glaubensinhalte einer Religion. Eine öffentliche, ärgerniserregende Beschimpfung Gottes wird als Gotteslästerung bezeichnet.

Davon mehr ? Noch mehr Rufmord ? Noch mehr Obszoenitaten? Dasz kann nur mehr die Position von Durchgedrehten sein. Dasz Euer heutiges System bereits stark totalitaere und repressive Elemente hat und vor Heuchelei trift und stinkt, ist evident. Aber man kann sich koordiniert gut wehren, oder ?

"Erkenne die Lage' sagte Altmeister CS. Klar erkennen wir Angela Merkl ( natuerlich nicht im biblischen Sinne, das waere doch zu grauslich ...) Wenn ich mir all die Kommentare durchsehe, ist die Folgerung; Wir koennen diskutieren und kommentieren und die Kommentare wiederum kommentieren und sind offenbar tuechtige Mundwerksburschen der rechten Debatte ( Nehme mich davon auch nicht aus). Wunderbr aber soll das l'art pour l'art sein? Doch nicht! Bisher haben wir interpretiert, jetzt kommt es darauf an, zu veraendern. Submissest darf ich aus der Ferne ein Diskussion ueber Ziele und Taktik vorschlagen.

"Was tun?" Beurteilung der Lage >>> Entschluss >>>> Auftrag und Befehl ( haben wir doch alle im Offizierskurs gelernt). In diesem Sinne, nochmals hohen Respekt fuer den geistigen Kampf, den die Sezssion und Ihre Autoren bewundernswert seit Jahren fuehren ( und dies ist sicherlich schwieriger als hier in Suedafrika, wo sogar die Kommunisten rechts von der CDU stehen). Gehen wir es an:

Frage: was sind unsere Ziele? Was wollen wir?
HdeA

Monika

15. Januar 2015 10:14

Danke für den dichten Text.
Kommentar Teil I

1. Presse-Medien und Meinungsfreiheit

Wir erleben dieser Tage

" den Auflagen- und Bedeutungsschwund sämtlicher in ihrer Wahrnehmung immer noch hochbedeutender Zeitungen und Magazine"

(Klonovsky, acta 9.1.15) und

"zum blöden Gefühl, die Deutungshoheit über das Tagesgeschehen an das basisdemokratische Internet verloren zu haben, gesellt sich bei vielen Journalisten die schiere Existenzangst"

ebd.

Zu dieser Klonovsky Erkenntnis zwei Belege aus der hochbedeutenden FAZ und deren flachadeligen Redakteuren:

a) Mathias Müller von Blumencron schreibt über die "Propagandaschlacht im Internet als " Unsere tägliche Desinformation"
https://www.faz.net/aktuell/politik/das-internet-als-propagandavehikel-obskurer-theorien-13364530.html
b) Jasper von Altenbockum bescheinigt Pegida-Anhängern einen "Verkümmerten Realitätssinn" : "Pegida-Anhänger leben in ihrer eigenen, unzugänglichen Welt. Voller Stolz nehmen sie aus der Flut der Informationen nur das auf, was die Filter ihrer Vorurteile durchlaufen hat."
https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/

Dies zur Realitätswahrnehmung flachadeliger Journalisten der *****Presse.
Warum auch sollte es ihnen besser gehen ( schiere Existenzangst) als Vertretern der Wahrheitspresse. Und da ist nicht die Prawda gemeint!

Ein Kommentar , den ich dazu gelesen habe :

" Immer häufiger werden Foren vorzeitig geschlossen, weil trotz intensiver Zensur die Beiträge nicht zu den Ansichten der hauptberuflichen Meinungs-Besitzer in der Redaktion passen."

Das führt dann dazu, dass das Volk nicht mehr zu den Herrschenden paßt !

Je suis ein Teil des basisdemokratischen Internets.
Je suis Monique

Carsten

15. Januar 2015 11:11

Fürchtet euch nicht!

IVW Zahlen 3. Quartal 2014:

Süddeutsche Zeitung minus 5,76 %

FAZ minus 8,7 %

Die Welt minus 10 %

BILD minus 8,4 %

taz minus 3,6 %

Durchschnittsalter Zuschauer ARD und ZDF: 61 Jahre

Carsten

15. Januar 2015 11:12

Zum Luxemburg-Zitat:

"...dass Rosa Luxemburgs
berühmtes Wort von der Freiheit der
Andersdenkenden, das seit neunzig Jahren
als Ausdruck ihrer angeblich demokratischen
Gesinnung zitiert wird, ganz anders
gemeint war. Dieses Wort entstammt
ihrer Schrift Zur russischen Revolution
(1922), die erst drei Jahre nach ihrem Tod
erschien und von Lenin heftig bekämpft
wurde. Darin kritisierte sie, dass der russische
Revolutionsführer 200 Sozialrevolutionäre,
die "anders dachten" als die
Bolschewisten, hatte erschießen lassen.
Darüber, dass zur gleichen Zeit "Klassenfeinde"
aus dem russischen Bürgertum
zu Tausenden erschlagen und erschossen
wurden, verlor sie kein Wort. Stattdessen
rief sie 1918 in der Roten Fahne zur
Liquidierung der Feinde des Kommunismus
auf. Ihr ging es lediglich um die
"Freiheit des Denkens innerhalb der kommunistischen
Bewegung". Der andersdenkende
Kommunist soll geschützt sein,
der andersdenkende Klassenfeind, "soll liquidiert werden".

hubschrauberpilot

15. Januar 2015 11:24

Es mag zwar neben dem Artikel liegen, gehört aber doch unmittelbar dazu:

Wenn mich nicht alles täuscht, bereitet sich in Dresden gerade eine "Sebnitzierung" des Sächsischen Frühlings vor. Ein Asylbewerber aus Eritrea wurde erstochen in Dresden aufgefunden, Zitat Sächsische Zeitung: "Das Tatmotiv liegt noch im Dunkeln. Dennoch zogen Flüchtlinge gestern durch die Stadt. Klar ist: Sie haben Angst." Die Lobby fängt schon an zu arbeiten, und wenn Allah oder die große Menschenrechtsgöttin will, findet sich bald auch der dazu passende Montagabendspazierer, ein Täter eben aus dem notorischen Täter-Volk. Dann werden wir in Dresden einen Totenkult erleben, der die seinerzeitige Seligsprechung der von einem psychotischen Russen ermordeten Marwa in den Schatten stellt. Und wir werden dann auch noch ganz anderes in diesem "bornierten und engherzigen Provinznest" (Lichdi/Grüne Dresden) erleben ...

eulenfurz

15. Januar 2015 12:20

FAZ minus 8,7 %

Heute nach Jahren mal wieder einen Feuilletonbeitrag in der FAZ gelesen: Der angebliche "Rechtsextremismusexperte" Olaf Sundermann berichtet über Qualitätsjournalismus und seine Gewissensbisse, sich vom Sender RT als "Naziexperte" interviewen zu lassen, was er dann doch annimmt und dabei völlig versagt:

In diesem Augenblick entscheide ich, keiner Einladung von „RT deutsch“ mehr nachzukommen, und jedem zu empfehlen, es ebenso zu halten, der auf seine journalistische, politische oder wissenschaftliche Integrität Wert legt.

Die Meinungsmacher sind eine abgehobene linke Clique, die jedem, der nicht im Gleichschritt mitmarschiert, die Augen aushacken:

In „RT deutsch“ sieht er eine Gefahr für die Pressefreiheit. Der Sender nutze die Medienfreiheit, um den unabhängigen Journalismus zu diskreditieren und eine durchaus wachsende Medienverdrossenheit noch anzustacheln, meint er. Ich teile diese Einschätzung.

So kann man Pressefreiheit natürlich auch definieren: Die Freiheit mächtiger Verlage, die Meinung der Herrschenden als unantastbare Dogmen zu propagieren und vermutete Andersdenkende auszugrenzen.

Das Niveau der ehemals ehrwürdigen FAZ ist im Sturzflug, was mit sinkenden Absätzen ein Teufelskreis sein dürfte: Es kann nur noch unbegabtes Personal geordert werden, das flachen Einheitsquark absondert, intellektuell überfordert ist und sich nach allen Seiten hin absichert, wenn es einen auch nur ansatzweise investigativen Schritt wagt:

Ich frage Kollegen, ob ich meine journalistische Integrität verliere, wenn ich die Einladung annehme. Die Resonanz ist recht eindeutig: „Yes“ (BBC); „ja, oder du nutzt die Gelegenheit, denen zu sagen, was du von ihnen hältst“ (Netzwerk Recherche); „ja“ (rbb); „schwierig“ (NDR); „sehr schwierig“ (Deutsche Welle); „die Frage ist nicht, wer dich eingeladen hat, sondern was du sagst!“ (WDR). Ein Radiokollege empfiehlt, das Gespräch aufzuzeichnen, um es im Nachgang zu thematisieren. Ein Weiterer sagt: Lehne doch ab mit dem freundlichen Hinweis, du kämest gerne, wenn es gelte, „über rechtsradikale Tendenzen in russischen Stadien, Politik und Gesellschaft“ zu reden.

Martin

15. Januar 2015 12:22

Vielen Dank für diesen Beitrag!

Erst jetzt wurde mir einmal deutlich gemacht, warum die Quenaille (sorry, für diese Wortschöpfung) Dieudonné M'bala M'bala überhaupt auf die dem ersten Anschein nach mehr als fragwürdige Äußerung "Je suis Charlie Coulibaly" kommen konnte. Er hat damit auf den sehr gut im Beitrag von M.L. geschilderten Zwiespalt der sog. "Meinungsfreiheit" hingewiesen, insbesondere auch in Bezug auf seine Person, Dieudonné, und so wird diese Äußerung zumindest jetzt nachvollziehbar.

M.L.: Er hat sogar gesagt "Je me SENS Charlie Coulibaly", ich "komme mir vor" wie ein Charlie Coulibaly, einer der quasi zum (Meinungs-)Terroristen erklärt wurde.

Dem Normalbürger wird so etwas Vertiefendes natürlich von den "Qualitätsmedien" nicht geliefert. Diese beschränken sich auf ihr täglich Handwerk von aus dem Zusammenhang reißen von Äußerungen, Perspektive nur auf das richten, was gefällt, Oberflächlichkeit und Propaganda gegen Entgelt etc.

Die ganze Pegida etc. - Thematik wird mehr und mehr zu einer Protestbewegung gegen eben diese etablierten Medien, die nicht erkannt haben, dass man darauf nicht mit Beleidigtsein, trotzigem "jetzt-erst-recht" und perfiden Denunziationen reagieren sollte, sondern eigentlich es als Ansporn dafür zu nehmen, guten Journalismus zu liefern und sich nicht darauf zu beschränken, in Oberflächlichkeit und reiner Propaganda zu verharren, wie bisher. Wo sind denn die wirklich fundierten Hintergrundberichte, die Analysen, bei denen man erkennt, hier hat der Verfasser nicht nur an der Oberfläche gescharrt, wie ein Huhn, dass jetzt endlich ein Wurm finden muss, um ein Ei legen zu können?

Diese findet man zunehmend nur noch abseits der gängigen Medien, bspw. auch hier.

Wenn die sog. etablierten Medien diese Herausforderung, endlich wieder echte Qualität zu liefern nicht annehmen, dann gehen sie unter, Carsten hat die schlechten Zahlen zuvor bereits genannt, und dass wäre vermutlich nicht einmal das schlechteste, wenn man berücksichtigt, wie diese Klasse der etablierten Journalisten mittlerweile nur noch die zickige, beleidigte Leberwurst gibt.

Der Gutmensch

15. Januar 2015 12:24

Die Frontverläufe sind heute zum Teil verwirrend komplex und widersprüchlich gezogen, und nicht mit Schlagworten wie „Offene Gesellschaft vs. ihre Feinde“ oder „Islam vs. Abendland“ oder „Terroristen vs. Demokraten“ oder „Eingeborene vs. Einwanderer“ und so weiter auf einen Nenner zu bringen.

Hm, lieber Herr M.L., so recht ich Ihnen gebe und so sehr ich Ihre Orientierungsschwierigkeiten schätze (das ist nicht ironisch gemeint, sondern anerkennend) - wir müssen ja sowas wie eine rudimentäre Freund/Feind-Kennung bewerkstelligen. Und wenn sie nur in 80% der Fälle funktioniert, so ist das besser als ein reines Zufallsergebnis! Also mal sehen - woran erkenne ich denn nun meinen Gegner? Was mich angeht, so entscheidet sich diese Frage stets an der SACHE, die mir gerade am Herzen liegt. Dabei handelt es sich mehrheitlich um einfache, alltägliche Dinge, also solche, von denen ich rein praktisch etwas verstehe und zwischen "zweckdienlich" und "unzweckmäßig" unterscheiden kann (hinsichtlich der Frage, ob, wann und wer aus dem Euro fliegen soll, maße ich mir z. B. kein Urteil an; das wäre von meinem Standpunkt aus töricht).

Das erste Kennzeichen meines Gegners ist, dass er im Hinblick auf diese SACHE mindestens ebenso viel Gestaltungswille an den Tag legt wie ich; die Gleichgültigen sind mir ebenfalls gleichgültig, so lange sie mir nicht im Wege stehen.

Das zweite Kennzeichen meines Gegners ist, dass sich sein Gestaltungswille in unzweckmäßiger Form präsentiert - er unterbreitet Vorschläge, die die SACHE ersichtlich nicht voran bringen! Da ich aber etwas von der Sache verstehe, versuche ich nun, den Gegner von seinen unzweckmäßigen Vorschlägen abzubringen; ich sinne über die einfachste Möglichkeit, jemandem etwas zu erklären, ich greife zu einleuchtenden Vergleichen ...

Allein, ich scheitere am dritten Punkt, den mein Gegenüber als Gegner indiziert: Die praktische Unbelehrbarkeit! Ob sich diese nun in Schmähungen meiner Person ob meiner bodenständigen Erläuterungsversuche niederschlägt - oder in geheucheltem Verständnis für mein Anliegen (nicht zu verwechseln mit einem praktischem Verständnis für die SACHE selber!) ausdrückt, das mich zermürben soll, damit ich meinen Lösungsvorschlag in der SACHE aufgebe oder, oder, oder ... das lese man bei Schopenhauer nach, oder man benutze den eigenen Kopf - denn der reicht in acht von zehn Fällen aus, um zu folgender Schlussfolgerung zu gelangen:

Vereinigt jemand die drei Indizien (aktiver Gestaltungswille, Unzweckmäßigkeit des Vorgehens, Unbelehrbarkeit) auf sich, so ist er IN DIESER SACHE also - mein Gegner. Das ist zunächst einmal keine moralische Kategorie - sondern eine praktische Schwierigkeit!

Sodann muss ich eine Entscheidung treffen - und hier wird es schwierig: Wie wichtig ist mir denn die SACHE? Bin ich bereit, deswegen jemanden als Gegner wahrzunehmen oder gebe ich die Sache vielleicht zugunsten einer wichtigeren auf?

So banal sich das vielleicht liest - nach meiner Erfahrung ist die Übung "erkenne Deinen Gegner" ein mühseliges Geschäft; sparen kann man es sich allerdings nicht.

Zadok Allen

15. Januar 2015 12:29

@ Harald de Azania

Klar erkennen wir Angela Merkl ( natuerlich nicht im biblischen Sinne, das waere doch zu grauslich …) ... Bisher haben wir interpretiert, jetzt kommt es darauf an, zu veraendern.

Vielen Dank für den grandiosen Kalauer, habe, was dieser Tage selten vorkommt, herzlich gelacht.

Freilich glaube ich nicht, daß es an "uns" ist, irgendetwas zu verändern. Man muß einen Sinn für die Relationen wahren: wir Kommentatoren hier sind ein paar Dutzend, die Leser wenige tausend. Wenn etwas in Bewegung gerät, dann nach der Logik der Emergenz; es laufen Prozesse ab, die sich der intentionalen Steuerung durch Einzelne (auch durch die Herrschenden!) grundsätzlich entziehen.

Die Zeit für immer neue 11. Feuerbachthesen ist vorbei. Das ist es übrigens, um wieder zur Sache zu kommen, was mich an den Handlungen der Herrschenden so sehr verwundert. Die "schnelle Destabilisierung", die sich derzeit in Europa an allen Enden vollzieht, ist, das wird niemand bestreiten, maßgeblich von ihnen angestoßen worden. Aber mit welcher Absicht? Warum gehen sie die damit verbundenen Risiken ein?

@ Carsten

Darf ich fragen, woher Sie die Zahlen beziehen? Ich habe unlängst versucht, aus dem Netzauftritt der IVW schlau zu werden und bin gescheitert. Gibt es irgendwie im Netz eine übersichtlich aufbereitete Statistik, am besten mit Verlaufskurven?

Monika

15. Januar 2015 12:48

Kommentar 2

Je suis Charlie - oder die Armseligkeit der liberté

Je suis Charlie,
das entspricht dem Jargon der Weltoffenheit, der Toleranz toujours, der Freiheit insgesamt ( Gauck) , der naiven Buntheit einer Kita :
(" Mamaa, wenn ich alle Farben mische, dann kommt ja nur Dreck raus !"
"Aber liebes Kind, das ist nur die Misch-poke")

Eine so unbestimmte Freiheit, was bringt sie hervor ? Die Freiheit, den nackten Popo eines Propheten zu zeigen, einen inkontinenten Papst ?

Das ist nicht die Freiheit eines Christenmenschen : https://www.kath.net/news/48997
und schon gar nicht die eines Muselmannes.
Der fühlt sich von dem 5-millionenfach gedruckten weinenden Mohammed, der ein blasphemischer Charlie sein soll, erneut verletzt. Zu Recht !
Tout est pardonné. Nein , nichts ist vergeben ! Oder vergessen.

Die bis an die Schmerzgrenze getriebene Aktion "je suis Charlie" hat in ihrer unsäglichen Dummheit etwas Entscheidendes hervorgebracht. Eine instinktive Abneigung gegen eine bisher nicht zu fassende Ideologie. Darüber hinaus kommt sie über die Ablehnung ( ich bin nicht Charlie)zu inhaltlichen Bestimmungen. Es wird bestimmter, bunter, kreativer, freier...
Herkömmliche Rechts-Links Schubladen sind zerbrochen. Es ist viel schicker, nicht mehr Charlie sein zu müssen. Claudia Roth als Charlie ?
Das ist zum Lachen und Weinen zugleich.
Nein, Je suis Claudia, Je suis Ali, Je suis Jesus,
Je me sens Dieudonné ( was darf man gar gar gar nicht sagen ?)
Je suis fatigué.
Und jetzt singen wir von der Freiheit, die wir meinen:

https://m.youtube.com/watch?v=m7cLtwkdskU

Carsten

15. Januar 2015 13:18

Hallo Zakok Allen, siehe hier:

https://meedia.de/2014/07/23/zeitungs-ma-sueddeutsche-verliert-10-f-a-z-und-welt-noch-mehr/

und hier:

https://www.horizont.net/medien/nachrichten/Auflagenzahlen-IVW-32014-Einzelverkauf-des-Spiegel-bricht-um-12-Prozent-ein-130996

cso

15. Januar 2015 13:28

@Zadok Allen
Wenigstens die Geschäftsberichte der Qualitäts-Verlagshäuser lassen sich doch im Bundesanzeiger www.bundesanzeiger.de einsehen. Dort kann man gezielt nach Quartals-, Halbjahres- und Jahresabschlüssen suchen. Vielleicht läßt sich dadurch auch ungefähr die Qualitäts-Auflage ermitteln.

Stil-Blüte

15. Januar 2015 13:37

@ Carsten

Luxemburg-Zitat

Wie sich doch Kommunisten, Sozis, Grüne, und - monotheistische Religionen gleichen, die - mit Ausnahme des Christentums, das im 'Nächsten' j e d e n A n d e r e n sieht - nur den Schutz der/des Eigenen meinen. Bis heute!

Alain

15. Januar 2015 14:05

Dieudonné ist kein Moslem, sondern Katholik. Soral erwähnte das vor kurzem erst in einem seiner Videos.

In dem verlinkten Interview ist von einer Allianz zwischen Christen und Moslems, nicht von Konversion die Rede.

M.L.: Danke, korrigiert!

Monika

15. Januar 2015 14:13

Ergänzung
Das Volk paßt nicht mehr zu den Herrschenden.
Das Volk steht auch nicht hinter den Herrschenden.
Was nicht paßt, wird passend gemacht:
https://meedia.de/2015/01/14/die-tagesschau-als-luegenpresse-wenn-dr-kai-gniffke-sauer-wird/

Marcus Junge

15. Januar 2015 14:21

"oder den Tittendummies von Femen, die von ihren Hintermännern wie Nutten auf den Proteststrich geschickt und von amerikanischen Geschäftsmännern gesponsert werden."

Es waren ja sogar schon echte Nutten, denen man Geld gegeben hatte, um als "echte" Femen einen Auftritt zu absolvieren.

--

Es ist ja nicht nur dieser Dieudonné, sondern es sind inzwischen viel mehr:

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/01/15/frankreich-54-verhaftungen-wegen-dummer-terror-sprueche/

Michael Schlenger

15. Januar 2015 14:36

@Carsten und Zadok Allen:

Der Niedergang der deutschen Druckmedien ist schon eine ganze Weile im Gange. Diese Herrschaften hier haben sich des Themas trefflich angenommen:

https://opendatacity.de/blog/

Hier das Resultat der Untersuchung für das einstige Erbauungsblatt des deutschen Bürgertums, die FAZ. Man sieht einen zuletzt beschleunigten Abwärtstrend, der nicht überraschen kann, wenn man langjähriger Leser ist. Bei den Herausgebern indessen dürfte die nackte Angst umgehen, was deren verzweifelte Profilierungsversuche erklärt:

https://apps.opendatacity.de/zeitungssterben/frankfurter-allgemeine-zeitung

Auf den ersten Blick erstaunen mag der stetige Aufstieg der ZEIT:
https://apps.opendatacity.de/zeitungssterben/die-zeit

Aber das dürfte dem Linksruck in der finanziell abgesicherten und sich "kritisch" dünkenden Mittelschicht geschuldet sein. Möglicherweise wird die ZEIT von der ergrauten 68er-Generation aber auch nur zwecks sichtbarer Präsentation im heimischen Wohnzimmer erworben und wird ebensowenig gelesen wie die Schiller-Gesamtausgabe im bürgerlichen Salon des 19. Jh...

Wahr-Sager

15. Januar 2015 14:57

Ich habe alle vier wieder mal sehr lohnenswerten Artikel von Martin Lichtmesz verschlungen, sehe es in Bezug auf Dieudonné aber anders als er: Für mich ist der französische Komiker ein Held im besten Sinne. Er hat sich mächtigen jüdisch-zionistischen Organisationen entgegengestellt, mit dem erwähnten Revisionisten Robert Faurisson auch schon eine Komödie gedreht ("Der Antisemit"), die - natürlich - indiziert wurde.
Man muss Eier wie Melonen haben, um sich - wie Dieudonné - gegen eine Übermacht zu stellen, die sämtliche Hebel in Bewegung setzt, um seinen Widersacher kampfunfähig zu machen - jetzt ist die günstige Gelegenheit dazu gekommen.
Während Dieudonné in Frankreich in einer Petition bereits über 180.000 Unterschriften für die Auflösung einer Lobbyvereinigung namens LICRA (Liga gegen Rassismus und Antisemitismus) verbuchen konnte (https://www.change.org/fr/p%C3%A9titions/pouvoirs-publics-dissoudre-la-licra-ligue-contre-le-racisme-et-l-antis%C3%A9mitisme), mit der er sich u. a. gegen die amerikanisch-zionistische Vorherrschaft und Verletzung der künstlerischen Freiheit und Meinungs-Freiheit stellt, lassen sich hierzulande nach wie vor Herden von blökenden Schafen mit Begriffen wie „Antisemitismus“ und „Rassismus“ beeindrucken - der „Kampf gegen rechts“ spornt dazu auch noch an. Eine solche Petition in der BRD? Unvorstellbar!

Je suis Dieudonné!

https://twitter.com/Wahr_Sager/status/555395629292474368

Monika

15. Januar 2015 15:00

@Marcus Junge
Selbst, wenn die "Tittendummies " ihre Glocken läuten lassen, wird der Papst nicht zu Charlie. Auch, wenn er manchmal ein bißchen Charlie ist.
https://www.kath.net/news/49003

Zadok Allen

15. Januar 2015 15:35

@ Michael Schlenger

Allerverbindlichsten Dank, mit diesem Link haben Sie meinen Tag erhellt! Besonders schön, daß man sich für praktisch jedes Printmedium, das einem in den Sinn kommt, die "Halbwertszeit" anzeigen lassen kann. Endlich einmal ein statistischer Trend, der einem nicht die Sorgen-, sondern die Lachfalten ins Gesicht treibt.

Ludwig

15. Januar 2015 15:36

Eigenartigerweise kommt unter allen immer wieder gezeigten Karikaturen von Charlie Hebdo eine ganz signifikante nicht mehr vor.
Ich meine die mit dem Dschihadisten, der mit erhobenen Zeigefinger sagt: " Noch immer kein Attentat in Fr, aber man kann sich ja bis Ende Januar was wünschen.."
Da sind wir doch schon ganz dicht an Wisnewki dran, oder?

Arkanthus

15. Januar 2015 16:41

Wie wird Muttis Reaktion eigentlich beim nächsten islamischen Terroranschlag ausfallen, wenn jetzt schon das ganz große, schleimige Pathos verschossen wurde ? Vielleicht wird das hier zum Dauertrend, "Je sui Charlie" und lichterkettende Politfunktionäre als Auftakt eines postmodernen Agitprop für die "Union der bunten Werte-Demokratien".

Schopi

15. Januar 2015 17:07

Danke Herr Lichtmesz!

@ Michael Schlenger

Die Druckmedien - oder auch Holzzeitungen- sind ein Anachronismus - ihre Auflagen sinken nicht, weil die Bürger plötzlich helle geworden, sondern weil sie technisch gesehen nicht mehr in die heutige Zeit passen - zu früh gefreut. Dem Link bin ich auch gefolgt - den dramatischsten Rückgang verzeichnet das Micky Maus Heft.

Magnus Göller

15. Januar 2015 18:27

“Sachez que ce soir, en ce qui me concerne, je me sens Charlie Coulibaly”
“Wissen Sie, was mich anbelangt, so fühle ich mich heute Abend wie Charlie Coulibaly.”
Das ist, laut https://tempsreel.nouvelobs.com/societe/20150114.AFP5418/dieudonne-sera-juge-en-correctionnelle-pour-apologie-du-terrorisme.html was Dieudonné tatsächlich sagte. Die deutsche Übersetzung oben ist von mir.

Dafür ist er jetzt wegen "apologie du terrorisme" angeklagt, was mit "Verherrlichung des Terroismus" auch noch halb falsch ins Deutsche gebracht wurde, bei den Schafsmedien, die sich, soweit ich's sah, wohlweislich um die Vollwiedergabe seiner Rede drückten. Für mich ist nicht erkennbar, dass der Komiker mittels dieser Aussage Terrorismus rechtfertigte; er sieht sich, wenn man diese sehr persönliche Aussage doch interpretieren will, selbst in einem Empfinden irgendwo zwischen Charlie und dem Attentäter bzw. der von diesem Ermordeten.

Er sieht sich selbst verteufelt und äußert dies. Er greift seinerseits, wie bewusst gezielt, das wissen wir nicht, zu einem heftigen Mittel, seine Frustration auszudrücken. Derweil zeigt sich Charlie als Mohammed. Die Welt steht ein bisschen Kopf. Ein Komiker war jetzt zu unlustig. Immerhin: Er wird nicht, wie sein Kollege in Saudi-Arabien, mittels tausend Peitschenhieben, fünfzig je Woche, langsam zutode gefoltert.

Harald de Azania

15. Januar 2015 19:05

Verehrte konservative und patriotosche Freunde,

Schom wieder der Naseweis aus Suedafrika ...:-) Bitte:

Ad "Monika'

Die bis an die Schmerzgrenze getriebene Aktion „je suis Charlie“ hat in ihrer unsäglichen Dummheit etwas Entscheidendes hervorgebracht. Eine instinktive Abneigung gegen eine bisher nicht zu fassende Ideologie. Darüber hinaus kommt sie über die Ablehnung ( ich bin nicht Charlie)zu inhaltlichen Bestimmungen. Es wird bestimmter, bunter, kreativer, freier…

Perfekt formuliert, die REHAKLA macht dzt erkennbar (!!!) jeden nur denkbaren Fehler, widerspricht sich erkennbar (!!!) eklatant und rudert erkennbar (!!!) nur mehr hillfos herum und das sollten wir nutzen. Wie sagte Napoleon so schoen:"Man soll niemals den Feind daran hindern, Fehler zu machen, das waere schlechtes Benehmen." Voila!

Ad "Zadok ( the priest ????) Allan"

Freilich glaube ich nicht, daß es an „uns“ ist, irgendetwas zu verändern. Man muß einen Sinn für die Relationen wahren: wir Kommentatoren hier sind ein paar Dutzend, die Leser wenige tausend. Wenn etwas in Bewegung gerät, dann nach der Logik der Emergenz; es laufen Prozesse ab, die sich der intentionalen Steuerung durch Einzelne (auch durch die Herrschenden!) grundsätzlich entziehen.

Ich darf respektvoll widersprechen. So kann es ja nicht sein, dasz die REHAKLA sich uber jede Dummheit und jeden Irrsinn hinwegturnt und wir das nur in anaemischer Schoenheit der reinen Theorie kommentieren!!

Erstens gehe ich davon aus, dasz die Kommentatoren auf "sezession' in die Hunderte gehen, zweitens auf Grund Ihrer Qualitaet entsprechend wirken, genauso wie die tausenden Leser der "sez" und auch die Courage haben, in publico et in campum rei publicae aufzutreten, Drittens haben wir mit PEGIDA einen ueberrraschend wirksamen Resonzraum, Viertens ist der Gegner verwirrt und dzt konzeptlos ( bzw sind die Regiespiele a la Demo in Paris blamabel danebengegeangen) , Fuenftens sind wir geistig auf Grund vergangener Diskussionen gut vorbereitet, Sechstens ist die REHAKLA dzt unglaubwuerdig wie noch nie, Siebentens ist die technische Struktur ( Internet etc) auf unserer Seite, Achtesn: Gott verlaesst die Seinen nicht, neuntens .. ach was, Gruende genug, oder ????

Also wage ich submissest zur Diskussion zu stellen, was ganz konkret - (ist erst die erste Serie, kommt noch mehr, seufz ...) zu tun ist (selbstverstaendlich immer im Rahmen der Rechtsordnung):

1.I Ueberwindung der Kulturevolution der 60er jahre. China ist dies gelungen. Der Erfolg laesst sich sehen. Ruecksichtslose Ausschaltung all dieser kulturnihilistischen Elemente, wo immer sie sich auch herumtreiben moegen.

2. Statt Kult der Quotenluege, des Abartigen, des Haesslichen, des Gemeinen und Niedrigen Orientierung an Stil, Eleganz, Schoenheit, Qualitaet ,eElitaerem Geschmack.

3.Autoritaet, Hierarchie und Disziplin und hoechste geistige Freiheit im Rahmen dieser statt Gosse, Poebel und Gleichschaltung.

4. Klassisch-humanistische Bildung musz wieder Leitbild sein. Entsprechende Neugestaltung der Schulen und Universitaeten ( dasz dabei jede Menge gruen-alternative Lehrer arbeitslos werden, ist ein Schlagobershauberl !!)

5 . Abschaffung von Fristenloesung und Abwehr jedweder lebensfeindlicher Aktivitaten( zB: Sterbehilfe etc im Gegenteil; strafrechtliche Verschaerfung)

6. Abschaffung von Asylrecht ( besser –schwindel). Ruecksichtlose Abschaffung aller illegal Eingesickerter. Dies sowohl auf staatlicher als auch auf EU Ebene. Mob und Abschaum ist abzuschieben, ohne wenn und aber!

8. Schaffung eines fairen Einwanderungsrechtes. Wieso werden eigentlich solide, brave Einwanderer (von der “Grenzen Auf, Bleiberecht fuer Alle’ – Lobby nicht beachtet, sondern der Mob und Abschaum verehrt ?). Offenbar will man Mob und billiges Stimmvieh importieren. Zweck: liegt auf der Hand.

9. Rechtsstaat statt Rechtsmittelstaat. Ende der moralischen Erpressung durch Schlepperbanden.

Zur Diskussion gestellt. Bei Interesse kommen noch mehr Punkte....:-)

Der Weg dahin >> Taktik, die man nicht immer publik machen musz ...

HdeA

Eckesachs

15. Januar 2015 19:58

@Monika

Bei ,,unserem" Bundeskanzler ist das ein Versprecher.

Unterläuft ähnliches einem AFD-Maxen, wird der längst widerlegte Freud ausgegraben.

Nemo Obligatur

15. Januar 2015 21:59

Vielen Dank, Herr Lichtmesz, für Ihre rigorose Analyse!

Die ersten drei Teile habe ich nicht so konzentriert hinter mich bringen können, aber am Ende habe ich Sie wieder erkannt.

Was kann man noch ergänzen? Es sieht alles nach einer Zäsur aus. Endzeit, Wendezeit? Die Spaßgesellschaft macht schon lange keinen Spaß mehr. Statt des allgegenwärtigen Hofnarren könnten andere Figuren in Mode kommen. Krieger vielleicht (der Zulauf zu IS spricht dafür), Philosophen, Propheten. Wir haben uns in Deutschland jetzt mindestens ein Vierteljahrhundert der Ironie hingegeben. Dabei haben wir uns vielleicht an Spaß, Scherz und Witz etwas überfressen.

Eine Anmerkung zum Schluss: Der von Ihnen erwähnte Komiker Dieudonné ist wegen eines geschmacklosen Scherzes verhaftet worden? Wann und wo gab es das zuletzt in der Mitte Europas? Es wird Licht am Horizont! Ich sehe bessere Zeiten heraufdämmern.

Monika

15. Januar 2015 22:42

@Eckesachs
Wer sagt denn, daß "Lady Macbeth mit den toten Augen" ( Elsässer) nicht auch ein Latenznazi ist ?
https://juergenelsaesser.wordpress.com/2015/01/01/multikulti-merkel-gegen-pegida-elsassers-videoantwort-auf-merkels-neujahrsansprache/

Abendrot

15. Januar 2015 22:57

Lichtmesz stellt die naheliegende Frage, ob Analdildos auf der Place Vendome und Ähnliches alles ist, was den Gerechten unserer westlichen Zivililsation an praktischem Gebrauch der Freiheit einfällt. Zu dieser "Freiheit" hat sich Joachim Fernau in "Halleluja. Die Geschichte der USA" geäußert. Er weist darauf hin, dass die Statue der "Liberty" ein Geschenk der französischen Republik an die Vereinigten Staaten war. Und, fährt er fort, "da die Franzosen Scherzbolde sind, ist sie innen hohl".

AlbertZ

16. Januar 2015 00:02

Übrigens: die neue Nummer von Charlie Hedbo startet mit einer Auflage von 5 Millionen. Darf man das auch als einen Business-Erfolg bezeichnen?

Ja. Ich fühlte mich bei dieser Nachricht unmittelbar an einen Günter Wallraff "Ganz unten" erinnert.
Der hat damals rund 8 Millionen eingenommen, wie später im Streit mit den "Co-Autoren" herauskam.
Die Millionenauflagen von "Charlie Hebdo" sollten bei einem Einzelpreis von 3 EUR ähnliche Einnahmen erzeugen.

Wahr-Sager

16. Januar 2015 01:29

@Eckesachs:

Na, wenn man schon der AfD unterstellt, sich einen Freud'schen Versprecher geleistet zu haben, kann man das bei der Merkel auch machen:

https://www.focus.de/politik/videos/merkels-unangenehmster-versprecher-anitsemitismus-ist-unsere-staatliche-und-buergerliche-pflicht_id_4407049.html

Stil-Blüte

16. Januar 2015 07:08

Wir sind das Volk! - Je suis Volker!

Axel Wahlder

16. Januar 2015 07:50

Je suis Charlie Martell

Monika

16. Januar 2015 16:42

Nur noch ergänzend zur " Verherrlichung des Terrorismus", Dieudonné

https://www.faz.net/aktuell/nach-pariser-anschlaegen-herrscht-hass-in-frankreichs-schulen-13372074.html

Frage :
Dieudonné ist katholisch, aber wohl nicht befreundet mit Bischof Williamson. Ist die Schnittmenge mit Muslimen nur der Antisemitismus. Und verbindet Antisemitismus Muslime mit ideologischen Rechten . Und wenn ideologische Rechte Rassisten sind, benutzen sie einen Neger, um ihren Rassismus zu verbergen. Und Hitler konnte mit dem Muselmann. Aber nicht mit Katholiken.
Frage an Dieudonné: als antisemitischer katholischer Neger vereinigt er in sich alle Vorurteile , die man in Europa so haben.
Ist sein Spiel damit ein geniale Inszenierung der Freiheit oder ist er ein Arschloch. Hat ihn jemand schon mal live mit Publikum erlebt.
Das ist jetzt ja nicht mehr möglich. Straßburg ist abgesagt.

M.L.: Seine Show "Mahmoud" gibt es auf Youtube mit englischen UT... er hat zweifellos Charisma, aber besonders lustig finde ich ihn nicht.

Belsøe

16. Januar 2015 17:48

Mir kam bei Kaffee, Kuchen und einem Radiobeitrag zur belgischen Alarmbereitschaft folgende Verkettung in den wohl schon leicht paranoid gewordenen Sinn:

Kurz vor der unberechenbaren Wahl in Griechenland klinkt die Schweiz sich aus dem Euro aus. Gleichzeitig passieren in dem am besten gedeckelten Pleitekandidaten-Staat der EU sowie im Land ihres Zentralsitzes Dinge, die zu einer massiven Polizei- und Militärpräsenz an jeder Straßenecke führen. Was wiederum durch die Lissaboner Verfassung (nennen wir es ruhig so) sehr weitreichend mandatiert ist (Gewaltanwendung gegen Volksaufstände).

Ich erinnere hier auch noch mal an die große Schweizer Militärübung vor 1-2(?) Jahren, die den Zusammenbruch eines Nachbarlandes zum Thema hatte und sehr verschnupfte französische Reaktionen nach sich zog.

Fängt gut an, das Jahr.

Andreas Walter

16. Januar 2015 22:27

Es ist sehr wichtig sich erstmal von dem überholten politischen Denkmodell "links-rechts" gänzlich zu verabschieden wenn man verstehen möchte, was sich gerade fast überall auf der Welt abspielt und mit welchem Ziel. Erst dann kann man sich nämlich in die Gruppe von Menschen hineinversetzen und deren Ziele verstehen, die nämlich ein ganz anderes Denkmodell, eine ganz andere Weltsicht haben. Eine, die keine Grenzen mehr hat. Für sie.

https://www.youtube.com/watch?v=BO8pFBDSLPI

Matt Anon O'Herne

17. Januar 2015 00:27

Als eher schludriger und dem Katholizismus zuneigender Pagane ;) muß ich sagen, daß ich diese Analyse für scharfsinning und evident halte. Auch ich finde die antichristlichen und antikatholischen Cartoons Charlies für weitaus ekelhafter und beleidigender als die Mohammed-Karikaturen. Wie auch immer, wer Charlie Hebdo verteidigt, muß Shoah Hebdo ertragen. Es ist alles eine riesengroße Heuchelei! Die heilige Kuh "Meinungsfreiheit" ist eine Illusion und wird in jenem Moment ohne Hemmungen geopfert, wenn sie dem "Herrschaftsdiskurs" vehement entgegensteht. Der französische Schwarze ist der Beweis. Es bleibt uns einzig der Waldgang des rechten Anarchen und die sakralen Räume unserer Seelen und höherer Mächte.

"See the gods bow their heads for the sun is setting in the West." (T. Wakeford)

M.L.: "See a world of tanks, ruled by a world of banks ..."

Martin Lichtmesz

17. Januar 2015 12:57

Badeschluß, Karawane zieht weiter!

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