Die “Alternative für Deutschland” – Interview mit Wolfgang Hübner

von Manfred Kleine-Hartlage

Wolfgang Hübner ist Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Frankfurter Römer und seit kurzem Mitglied der Partei "Alternative für Deutschland". Im folgenden Interview befrage ich über die Gründe für seinen Wechsel und seine Einschätzung der AfD.

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SEZESSION: Herr Hüb­ner, Sie haben sich von der Bun­des­par­tei der Frei­en Wäh­ler getrennt und sich der Alter­na­ti­ve für Deutsch­land zuge­wandt. Zunächst: War­um die Tren­nung von den Frei­en Wählern?

HÜBNER: Zuerst: Ich tren­ne mich nicht von den Frei­en Wäh­lern in Frank­furt, die ich 1994 – damals noch unter der Bezeich­nung Bür­ger Für Frank­furt (BFF) – mit­ge­grün­det habe. Ich habe mich aber von der FW-Par­tei unter dem Vor­sit­zen­den Hubert Aiwan­ger getrennt, weil die­se Par­tei poli­tisch, geis­tig und orga­ni­sa­to­risch in einem deso­la­ten Zustand ist, den ich mit Aus­sicht auf Erfolg nicht mehr posi­tiv beein­flus­sen kann und will. Die FW-Par­tei hat die gro­ße Chan­ce der Unter­stüt­zung durch die Wahl­al­ter­na­tiv 2013 leicht­fer­tig ver­spielt. Zudem war ich seit eini­gen Mona­ten unsäg­li­chen Angrif­fen aus der Par­tei­spit­ze in Bay­ern und Hes­sen aus­ge­setzt. Der Abschied war not­wen­dig und ist mir nicht mehr schwer gefallen.

SEZESSION: Es gibt meh­re­re alter­na­ti­ve libe­ra­le und kon­ser­va­ti­ve Par­tei­en. Was zieht Sie gera­de zur AfD hin?

HÜBNER: Die AfD hat im Gegen­satz zu ande­ren klei­nen Par­tei­en eine Kon­zep­ti­on, die mir inhalt­lich am meis­ten ent­ge­gen­kommt. Dazu hat sie ein Mit­glie­der- und Wäh­ler­po­ten­ti­al, das poli­ti­schen Erfolg ver­spricht. Wer real etwas ver­än­dern will, darf sich nicht in Klein­par­tei­en oder gar Sek­ten organisieren.

SEZESSION: Es gibt im AfD-Pro­gramm nur zwei kla­re For­de­run­gen, näm­lich das Ende des Euro und die Rück­ver­la­ge­rung von Kom­pe­ten­zen von der EU auf die Natio­nal­staa­ten. Alles ande­re ist – par­don – Wischi­wa­schi. Ist ein sol­ches Ein-Punkt- oder Zwei-Punk­te-Pro­gramm nicht ein biß­chen wenig für eine Par­tei, die für sich in Anspruch nimmt, eine „Alter­na­ti­ve für Deutsch­land“ zu sein?

HÜBNER: Die Beschrän­kung auf weni­ge Punk­te, die aller­dings ganz wesent­lich sind, kann gewiß kein Dau­er­zu­stand sein, ist aber weni­ge Mona­te vor der Bun­des­tags­wahl völ­lig rich­tig. Die Arbeit an einem umfas­sen­den Par­tei­pro­gramm hat erst begon­nen und wird sehr demo­kra­tisch, also lang­wie­rig erfol­gen. Das ist der rich­ti­ge Weg. Wenn das Pro­gramm for­mu­liert ist, wird die AfD eine ech­te Alter­na­ti­ve auch in vie­len ande­ren Fra­gen sein – ich bin da sehr optimistisch.

SEZESSION: Ein in den kon­kre­ten Sach­aus­sa­gen so schma­ler Ansatz ergibt eigent­lich nur einen Sinn, wenn er auf sofor­ti­ge Regie­rungs­be­tei­li­gung zielt. Wie stark ist unter die­ser Vor­aus­set­zung die Ver­hand­lungs­po­si­ti­on einer Klein­par­tei, deren ein­zi­ger denk­ba­rer Koali­ti­ons­part­ner die Uni­on ist, wenn die­se Uni­on ihrer­seits freie Hand hat, durch­aus auch mit der SPD, not­falls sogar mit den Grü­nen zu koalieren?

HÜBNER: Die AfD wird über eine mög­li­che Koali­ti­on ihre Mit­glie­der ent­schei­den las­sen. Ich sehe aber nicht, wel­che Koali­ti­on sich da abzeich­nen könn­te: Nach Lage der Din­ge wird es – erst recht bei einem Erfolg der AfD – eine soge­nann­te Gro­ße Koali­ti­on geben.

SEZESSION: Auch unschar­fe Pro­gramm­aus­sa­gen las­sen Rück­schlüs­se auf die ihnen zugrun­de­lie­gen­de Ideo­lo­gie zu. Betrach­tet die AfD nicht all­zu­sehr die Din­ge aus einer öko­no­mi­schen Per­spek­ti­ve, und hat dies mög­li­cher­wei­se mit der Domi­nanz von Öko­no­men in der Füh­rung zu tun?

HÜBNER: Die bun­des­deut­sche Iden­ti­tät speist sich immer noch aus dem öko­no­mi­schen Erfolg nach dem natio­na­len Zusam­men­bruch 1945. Es ist nur fol­ge­rich­tig, daß die fak­ti­sche Zer­stö­rung die­ser sicher pro­ble­ma­ti­schen Iden­ti­tät durch das Euro-Desas­ter nun in hohem Maße zum Grün­dungs­in­halt der neu­en Par­tei wird. Aller­dings ist ein ande­res wich­ti­ges Motiv der AfD auch der fort­ge­setz­te Rechts­bruch der Regie­rung und der eta­blier­ten Par­tei­en. Und übri­gens: bes­ser eine Domi­nanz von Öko­no­men als von Juris­ten und selbst­has­sen­den Volkserziehern.

SEZESSION: Zum The­men­kom­plex „Immi­gra­ti­on“ fin­den sich die Aus­sa­gen, Deutsch­land brau­che die Ein­wan­de­rung von Fach­kräf­ten, und das Asyl­recht müs­se erhal­ten blei­ben. Angst vor Bei­fall von der fal­schen Sei­te hat man bei der AfD also nicht – aber was soll dar­an „alter­na­tiv“ sein?

HÜBNER: Die jet­zi­gen Aus­sa­gen gehen mir und vie­len ande­ren gewiß nicht weit genug. Aber das wird sich im Lau­fe der Pro­gramm­erstel­lung sicher noch ändern. Einst­wei­len muß und kann ich damit leben, zumal die Frei­en Wäh­ler in Frank­furt eine sehr aus­ge­feil­te Posi­ti­on haben, die mir nicht genom­men wird.

SEZESSION: Über unse­rem Land liegt der Mehl­tau einer öden poli­ti­cal cor­rect­ness, auf­grund derer exis­ten­ti­el­le Pro­ble­me nicht ein­mal dis­ku­tiert, geschwei­ge denn ange­gan­gen wer­den kön­nen. Wird eine Par­tei, die schon bei ihrer Grün­dung vor den Geß­ler­hü­ten der PC auf die Knie fällt, dazu bei­tra­gen, daß dies sich ändert? Anders gefragt: Begibt man sich mit pro­gram­ma­ti­scher Lei­se­tre­te­rei nicht auf eine Schie­ne, von der man dann kaum noch herunterkommt?

HÜBNER: Ich erken­ne Vor­sicht, kei­ne „Lei­se­tre­te­rei“. Wer die Berich­te und Kom­men­ta­re in den Medi­en ver­folgt, kann doch erken­nen, wie wütend dar­auf reagiert wird, daß die AfD so wenig Respekt vor der poli­ti­cal cor­rect­ness hat, das aber sehr unauf­ge­regt ver­tritt. Man muß nicht immer mit Anlauf gegen die Wand ren­nen, son­dern die­se mit Geduld und Geschick zum Ein­sturz brin­gen. Ich weiß, wovon ich rede, weil ich das seit vie­len Jah­ren tue.

SEZESSION: Die Unzu­frie­den­heit mit der herr­schen­den Poli­tik ist ver­brei­tet, ins­be­son­de­re unter klei­nen Leu­ten und bis weit in die Wäh­ler­schaft von SPD und Links­par­tei hin­ein. Kann eine Par­tei, die im Kern so offen­kun­dig eine Milieu­par­tei von libe­ral­kon­ser­va­ti­ven Hono­ra­tio­ren ist wie die AfD, die­ses Poten­ti­al auch nur annä­hernd aus­schöp­fen und der Mehr­heit des Vol­kes glaub­wür­dig eine Stim­me geben? Anders gefragt: Wel­cher Arbei­ter wählt AfD?

HÜBNER: Ich den­ke und hof­fe: vie­le. Mit der Euro-Fra­ge ist die sozia­le Fra­ge sehr eng ver­bun­den. Wir wer­den das im Lau­fe der nächs­ten Mona­te und im Wahl­kampf noch mas­sen­wirk­sam her­aus­ar­bei­ten, gera­de für die soge­nann­ten „klei­nen Leu­te“. Ich habe dafür vie­le Ideen. Nie­mand muß übri­gens so besorgt vor dem Auf­kom­men der AfD sein wie die Links­par­tei und auch die SPD.

SEZESSION: Als ehe­ma­li­ger Lin­ker, der sich eines Bes­se­ren beson­nen hat, wis­sen Sie, wie sich Links­sein „von innen“ anfühlt. Hand aufs Herz – wenn Sie noch links wären: Wür­den Sie sich vor der AfD fürchten?

HÜBNER: Nicht unbe­dingt fürch­ten, aber unbe­dingt Respekt haben. Denn die AfD ist das poli­ti­sche Signal, daß sich die Mei­nungs­ho­heit der Lin­ken und Links­li­be­ra­len dem wohl­ver­dien­ten Ende nähert. Wenn der Vor­sit­zen­de der Links­par­tei der AfD Gefähr­lich­keit attes­tiert, weil die­se so weit nach „rechts“ offen sei, ist das ein Indiz dafür, daß von feind­li­cher Sei­te eine Gefahr erkannt wird – und das ist gut so!

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Kommentare (22)

OG d.R.

25. April 2013 15:24

Weil richtig rechte Parteien zu einem Gespenst (Popanz) erklärt werden, probieren es alle Jahre wieder welche auf die seichte Tour. Dabei, was spricht dagegen »richtig rechts« zu sein außer die erhobenen Zeigefinger in alten Medien, die immer weniger Leute lesen bzw. einschalten? Oder glauben wir selbst schon an den Popanz?

Uwe Weiß

25. April 2013 15:25

Sehr geehrter Herr Hübner,
ich beglückwünsche Sie zum Wechsel in die AfD. Das war ein guter Schritt. Wir freuen uns sehr. Bitte bleiben Sie bei Ihrer Meinung und so werden wir hoffentlich bald zu einer starken Partei zusammenwachsen.
Sie haben ein wirklich sehr gutes Interview gegeben. MfG. Uwe Weiß ,AfD

Markus

25. April 2013 16:57

Ich lebe in Berlin, und kein einziger Deutscher hier will noch mehr Einwanderung sehen. Daher verstehe ich nicht, warum sie sich so davor scheuen, die Meinung der einfachen Leute zu vertreten. Nämlich: Stoppt die Einwanderung!

Unke

25. April 2013 17:23

Hübner rockt. Die FW sind in Frankfurt die einzig Wählbaren (eine Zeitlang waren auch die Republikaner im Stadtparlament; weiß gar nicht was aus denen geworden ist).
Zur AfD:
1. Die Fokussierung auf 1 Thema ist genau das Richtige. Es wäre tödlich, würden die Parteistrategen auf die Journaille hören und sich im Verzetteln. Womit kamen die Grünen in die Parlamente? -Genau...
2. Der Begriff "Honoratioren" hat einen etwas abwertenden Beigeschmack; dieser Begriff ist von der bolschewistischen Asphaltpresse leider schon "verbraucht" worden.
Inhaltlich ist es jedoch richtig und hat zweierlei Folgen:
2.1 Die AfD hat gute Kontakte zum Establishment, auch zu den Medien. Das unterscheidet sie von teilweise wesentlich älteren Bewegungen ähnlicher Zielsetzung (PdV, die Freiheit etc.) und erlaubt es ihr aus dem Stand, nicht vollständig ignoriert werden zu können.
2.2 Die AfD besteht (zum größen Teil? soweit die tonangebenden Mitglieder betroffen?) aus Staatsparasiten: Ex-Verbandspräsidenten, Universitätsprofessoren etc.
Deshalb traue ich denen auch gerade mal so weit wie mein Arm reicht. Die werden aus rein taktischen Gründen (eben genau wegen jenes EINEN Themas) gewählt!
Das Kern

Martin von Hallermunt

25. April 2013 18:24

Vielen Dank für das Interview. Ist eigentlich schon klar, wie sich die AfD kommunalpolitisch verhalten wird?

Denn einerseits wird sicherlich so manches Mitglied ob des momentanen AfD-Hypes meinen, vor Kraft kaum gehen zu können, und daher auch kommunale Strukturen inkl. entsprechender Pöstchen anstreben - während es andererseits oftmals bereits konsequent kommunalpolitische Wählervereinigungen gibt - wie eben die Freien Wähler Frankfurt (FWF) oder Die Hannoveraner - welche die Ziele der AfD auf Landes- und Bundesebene mittragen würden.

Werden sich die FWF nun, ggf. angesichts der AfD-Übermacht gar gezwungenermaßen, in einen AfD-Ortsverband umwandeln oder ist man seitens der Parteiführung so vernünftig, in Kontinuität der WA2013 von der kommunalen Ebene die Finger zu lassen?

Schließlich ist die AfD sehr heterogen, weshalb es nur positiv wäre, es ihren Mitgliedern zu erlauben, sich zumindest kommunal ihrer Vielfalt entsprechend in unterschiedlichen solcher lokalen Wählervereinigungen auszudifferenzieren, ohne dadurch in Konkurrenz zur AfD zu geraten - zumal in noch längerwährender Ermangelung eines detaillierten Parteiprogramms und örtlicher Relevanz der Euro-Themen getrost davon auszugehen ist, daß sich die einzelnen AfD-Ortsvereine in ihrer sonstigen Ausrichtung ähnlich bunt voneinander unterscheiden würden wie gegenwärtig die diversen Gruppierungen des Labels "Freie Wähler".

Falls Herr Hübner auf diese Zusatzfrage zum Schicksal der FWF noch kurz in einem Kommentar eingehen könnte, so wäre dies für mich hochinteressant.

Franz Schmidt

25. April 2013 19:00

Während die AfD aus jenen Parteien Mitglieder rekrutiert, die an der Misere schuld sind und dort jahrzehntelang aktiv mitgearbeitet haben, grenzt sie jene aus, die in der Opposition angeblich "(rechts)extremen" Parteien und Organisationen angehört haben.

Ob PI, Ex-Reps oder Ex-NPD oder Ex-DVUler: Man nimmt sie nicht auf und man braucht sie angeblich nicht. Wen wundert es, wenn die AfD zunehmend auf der Rechten auf Skepsis stößt?

Vor allem:
Noch ist die AfD eine Partei der weiteren Einwanderung und der großzügigeren Handhabung der Asylgesetzgebung.

Zur angeblichen Zurückdrängung der PC: Wer hat jemals einen einzigen konkreten und relevanten Punkt hierzu zu hören bekommen?

Was ist eigentlich "konservativ" oder "rechts" an dieser Partei? Ihr Eintreten für einen kalkulierbareren Kapitalismus?

Ohne Führerschein

25. April 2013 20:14

Herr Hübner ist mir als Freier Wähler eher unangenehm aufgefallen. Nicht etwa daß ich seinen Aussagen widersprechen möchte, aber er hat keine Parteidisziplin geübt und der Bundespartei einiges an Ärger bereitet. Mitglieder, zumal solche mit Mandat, die ohne Absprache "ein Faß aufmachen" weil ihnen gerade danach ist sind auf Dauer in keiner Partei wohlgelitten.

Wie dem auch sei, Hübners neue Heimat dürfte zu ihm pers. besser passen als die alte, bei der man abseits der Lokalpolitik nie so recht wusste woran man ist. Bleibt zu hoffen daß die AfD sich da kein Ei ans Schienbein genagelt hat.

Die Annahme daß es bei einem Erfolg der AfD erst recht zu einer GroKo kommen teile ich mit Hr. Hübner. Aber wer weiss, viellicht hat die SPD ja doch genug Schneid und Instinkt um nicht darauf einzugehen um die Union nach rechts zu treiben um selbst wieder mehr Luft zum atmen zu haben. Das würde implizieren bewusst auf die Macht zu verzichten um die Chancen der Partei längerfristig zu verbessern. Die Reaktion könnte aber auch so ausfallen dass man es mit Rot/Rot/Grün auf Bundesebene versucht, die Merkel'sche Taktik der "tödlichen Umarmung" kopiert und versucht der Linken das Genick zu brechen. Würde sich auch aktuell anbieten wo der Vorzeigelinke (West) Lafontaine nicht mehr kanidieren will.

Mindestens ebenso interessant dürfte sein wie die Union ggf. damit umgeht und ob diese den Mut findet sich von ihrer Vorsitzenden und ihren Entourage zu befreien um einen Richtungswechsel einzuleiten. Tut sie es könnte es mit der AfD schnell wieder vorbei sein, tut sie es nicht dürfte der Siegeszug weitergehen.

Aber genug der Spekulation, je grösser die Traum, desto grösser der Schmerz wenn er platzt.

Volker Faust

25. April 2013 20:39

Seit Jahren bin ich nun schon in den Kreisen der Neuen Rechten, Konservativen Revolution und Nationalrevolutionäre unterwegs. Ich beobachte seit Jahren, dass in Foren und kleinen Zirkeln viel gefordert wird, aber letztlich die Taten nicht folgen. Außer ein paar halbherzigen Aufkleber- und Flugblattaktionen kommt nicht viel. Demonstrationen gibt es seit Jahren nicht mehr und die KSA ist seit 2008 inaktiv. Auf den Akademien wird viel Theoretisches und außer Frage auch Sinnvolles gesprochen. Aber Taten folgen, wenn überhaupt, nur im Kleinen. Herr Kubitschek hat schon öfters mehr oder minder direkt beklagt, dass ihm die Jugend zu wenig Tatendrang zeigt.

Nun denn, genau aus diesem Grund bin ich auch Mitglied der AfD geworden und werde versuchen, dort aktiv zu wirken. Sicher, die AfD kann genauso untergehen, wie all die Kleinparteien zuvor. Aber seit Gründung der BRD hat noch keine neue Partei, die aus der Rechten kam, ein so großes Erfolgspotential gehabt. Dies kannte man davor nur aus der Linken, seien es die Grünen oder später die Piraten gewesen.
Auch ist mir klar, dass manche Forderungen der AfD vielleicht noch nicht weit genug gehen. Ihnen aber Unterwerfung unter die PK oder Leisetreterei vorzuwerfen ist zu kurz gefasst. Wenn ich hier teilweise lese, man solle doch einfach dazu stehen, rechts zu sein, dem muss ich im Gegenzug vorwerfen, dass die Kläger die politische Realität in Deutschland und Europa noch nicht begriffen. Wer zu offensiv für rechtes, nationales und/oder konservatives Gedankengut eintritt, wird doch zertreten oder unterwandert, bevor er von der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen werden kann.

Nein, eine neue Bewegung muss Zeit haben zu wachsen und sich zu entwickeln. Hier bietet sich der Vergleich mit einem Baum an. Der junge Spross eines Baums ist anfällig für Fressfeinde und Umwelteinwirkungen. Ist er zu auffällig oder wächst schnell und kraftlos, dann stehen seine Chancen schlecht ein großer Baum zu werden. Gibt man ihm aber im verborgenem Zeit sich zu entwickeln, Kräfte zu sammeln und zu bündeln, bietet wenig Angriffsfläche, zeigt aber durch die Blätter was einmal aus ihm werden kann, so ist zwar die Gefahr nicht gebannt aber minimiert. Und mit viel Glück wird daraus beispielsweise eine Eiche, der weder Stürme noch Dürren etwas anhaben kann und die keine Fressfeinde mehr fürchten muss.

Mithin, gebt der AfD, gebt uns Zeit und urteilt in einigen Jahren über uns. Und stimmt für uns im Herbst. Was habt Ihr zu verlieren? Wenn, dann habt ihr im Höchstfall etwas zu gewinnen. Denn das, was wir bis jetzt erreicht haben muss uns erst einmal einer nachmachen.

F451

25. April 2013 21:18

Schon traurig zu sehen, kaum geht es um den Mammon, schon kommen offenbar die Wähler angelaufen? Wenn es hingegen um die Heimat geht, ist offenbar schon ein Kreuz auf dem Wahlzettel zuviel verlangt.

Bei all der relativ "wohlwollenden" Berichterstattung der MSM, drängt sich mir der Verdacht auf, als wolle man da eine kontrollierte Opposition entstehen lassen. Hat man Sorgen, das sich die allgemeine Unzufriedenheit und Politikverdrossenheit sonst Bahnen suchen könnte, die man nicht so einfach kontrollieren kann? Ich würde mir da keine Sorgen machen, das BRD Völkchen ist extrem zahm und domestiziert. Es meckert und jammert zwar viel, aber es will eigentlich keine echten Veränderungen.

Zur Zeit wird die AfD jedenfalls extrem hochgeschrieben, fast jeden Tag kann man von einem weiteren Prozentpunkt lesen, den sie angeblich erreichen werden. Bei den nächsten Wahlen könnte also ein Achtungserfolg drin sein. Dann jedoch wird das Parteienkartell seine schon hundertfach bewährten Methoden und Kampagnen inszenieren, um die neue Konkurrenz platt zu machen und dem Bürger die "Alternativlosigkeit" des Demokratischen Blocks der Volkskammer vor Augen zu führen.
Wie oft haben wie das schon erlebt?

Mal sehen, ob ich recht behalten werde...

Waldgänger aus Schwaben

25. April 2013 21:27

Ist die AfD erst Mal im Bundestag wird sie es sich gar nicht leisten können Felder rechts von der CDU brach liegen zu lassen. Die AfD hat keinen Sockel von Stammwählern der ihr die Treue hält. Drängt sie in die sogenannte Mitte als sechste sozialistische Blockpartei ist sie überflüssig und wird verschwinden. Jetzt gilt es den Einzug in den Bundestag zu schaffen. Dazu ist es am Besten sich auf die EU/Euro-Kritik zu konzentrieren und das Andere offen zu lassen.

apollinaris

25. April 2013 21:35

Die AfD muss in den Bundestag, alles andere wird sich finden. Dass man bis dahin programmatisch im Camouflage-Modus und monothematisch unterwegs ist, ist nur klug und richtig. Herr Hübner als kommunalpolitisch erfahrener Profi weiß das und äußert sich erfrischend sachlich und konsistent. Ein gutes Interview, das man so auch gerne in der Welt, der FAZ oder im Focus lesen würde.

OG d.R.

25. April 2013 22:26

@ Volker Faust: Mit Durchhalteparolen noch bevor es überhaupt losgegangen ist, kann ich nichts anfangen. Wieviel Zeit wollen Sie zur Umsetzung der »taktischen Meisterleistung« (Kubitschek) – 1 oder 2 Legislaturperioden? Das fiele allein aufgrund der Dauer dann aber in die Abteilung Strategie. Und jahrelang so tun, als wäre man gar nicht richtig rechts, sondern nur gegen dieses oder jenes, aber nicht so wie die NPD, um dann per Salamitaktik am Ende doch dort hinauszukommen, kann nicht gut gehen. Weniger wegen der Wähler oder der Presse, die würden Ihnen das vielleicht sogar alles mitmachen, doch welcher ehrliche Aktivist wird sich diese langwierige Selbstverleugnung antun (ohne selbst einen Schaden davon zu tragen)? Und sie brauchen viele davon, und sie müssen lange auf die rechte Metamorphose hinarbeiten, wie gute Verschwörer, ohne korrupt zu werden und ohne von den ganzen Professoren, Postenrittern und Proleten, die Ihre Partei schon angezogen hat, nicht einfach so verdrängt zu werden, bevor Sie dem Ziel auch nur ein bißchen nähergekommen sind.

eulenfurz

25. April 2013 23:01

"von feindlicher Seite ... und selbsthassenden Volkserziehern"

Friß, Phrasenschweinchen!

Mit solcherlei Bürgerkriegsvokabular wird man locker die 2%-Hürde schaffen und könnte damit der NPD die Parteienfinanzierung streitig machen, weil man deren Klientel abgefischt hat.

Die AfD erschien eigentlich ganz frisch, weil sie für Grundwerte und Grundprobleme stand (steht), die auch Klientel von SPD und Linke betreffen. Man kann ihr nur wünschen, daß x-mal gescheiterte Parteikader nicht das Ruder übernehmen und Stillstand erzeugen.

Axel Wahlder

25. April 2013 23:03

Nun interessieren mich eher die Ansätze der AfD als Befürworter von Direkter Demokratie; Euro hin oder her.

Ich bin bereit, mit der Währung v. Qualität eines Yens zu leben, wenn es keine mehr Taten, wie von Kirchweyhe statt finden.

Luise Werner

26. April 2013 08:08

Warum sollte die AfD bekennen, rechts zu sein? M.E. nach ist sie das nicht. Sie hat ein öffentliches Thema: Euro und EU. Warum auch immer diese saturierten Herren sich aufgemacht haben, sie haben es jedenfalls getan, und das ist schon mal weit mehr, als die meisten tun.
Wenn der Wahlkampf der etablierten Parteien erstmal losgeht und uns die Medien die verschiedenen Farbenlehren wieder um die Ohren hauen, wer mit wem koalieren könnte und was möglich sein wird, jeden Tag eine neue Umfrage etc., dann wird sich erst erweisen, ob die AfD überhaupt die 5% schaffen kann. Sie wird dann auf jede Stimme angewiesen sein, d.h. nicht nur von rechts; Sozis, vielleicht ein paar Grünwähler, die im Kern konservativen Ost-Linken, und natürlich Nichtwähler müssen angesprochen werden.
Und dann: Eine kleine Fraktion der AfD im Bundestag würde gesetzgeberisch kaum Einfluss haben, aber sie würde die konservativen Teile von Union und FDP herausfordern und somit wohl stärken. Und sie wäre Stachel im Fleische des BRD- und EU-Establishments.
Mehr wird wahrscheinlich erstmal nicht drin sein, aber auch nicht weniger. Ein Anfang.
Wer seinerzeit miterlebt hat, wie klein, unscheinbar und thematisch getarnt (christlich) die DDR-Opposition begann, und wie wenig dazu gehörte, um die auf tönernen Füßen stehende Ruine einzureißen, der sollte sich solchen Anfängen und Versuchen nicht verschließen.

Ein Fremder aus Elea

26. April 2013 08:51

OG d.R., Volker Faust,

Sie legen vielleicht zu sehr das Augenmerk auf Verschwörung und dergleichen.

Es geht, denke ich, vielmehr um die Wiederherstellung der Normalität.

Sehen Sie, die "Rechte" hat kein Recht auch nur irgendwas zu fordern, weder innerhalb des Volkes als Ganzes, noch innerhalb einer Partei. Dieses Recht hat einzig das Volk selbst.

Das Problem besteht darin, daß dieses Volk mit vielen Komplexen kämpft, und jede politische Bewegung, welche etwas gutes bewirken will, muß therapeutisch wirken, indem sie den Bereich der Normalität vergrößert.

Es ist überhaupt nicht nötig, sich zu verschwören, niemand leidet gerne unter Komplexen. Wenn man einfach nur authentisch ist und nicht in ständiger Angst lebt - aber auch nicht in ständiger Obszession - fängt man an, eine Sogwirkung auf andere auszuüben, welche das auch gerne wären.

Die AfD hat diesbezüglich einen guten Start hingelegt, mich beunruhigt allerdings etwas der Eindruck, daß die zentralen Personen bei dieser Partei denken, daß alles gar nicht so schlimm sei. Einerseits ist das gut, weil es den Eindruck von Normalität verstärkt, andererseits mag sich darin auch eine Fehleinschätzung der Lage ausdrücken.

Das gilt auch allgemeiner, nicht nur Deutschland betreffend, uns erwartet nichts gutes, wenn die gemeinen Menschen denken, sie wären gut beraten, sich an Listen zu beteiligen. Um sich sinnvollerweise an Listen zu beteiligen, muß man Teil einer ausreichend straffen und gewichtigen Organisation sein, andernfalls ist man besser offen, denn nur so wird man Verbündete finden.

Wenn aber die Menschen so töricht sind, dann werden sie dadurch, daß sie sich nicht mehr verbünden können, das Gleichgewicht der Macht zwischen Herrschenden und Beherrschten in ein katastropeneinleitendes Ungleichgewicht zu Gunsten der Herrschenden verwandeln.

Letztere freuen sich vielleicht angesichts dieser Aussicht, aber ich wollte nicht der Hirte einer paranoiden, verleumderischen, heuchlerischen, linkischen, opportunistischen Herde sein.

Adam Smith meinte ja, ein Mittel für sie gefunden zu haben. "Selbst eine Menge von Teufeln." Das ist leicht dahin gesagt, aber es mag sich buchstäblich begeben. Dann werden wir ja sehen.

Na sowas

26. April 2013 08:53

Finde folgendes bemerkenswert: Habe mit einem mir bekannten glühendem Anhänger der Frankfurter Schule zusammen gestanden. Der ist neuerdings Fan der AfD und wird sie wählen. Warum ? Er hat in seiner "Peergroup" nach mutmaßlich angestrengtem Nachdenken herausgefunden, dass er so seinen Sozen die Machtchancen am meisten vergrößert. Hoffentlich ändert er seine Meinung nicht.

.

luxlimbus

26. April 2013 13:40

"SEZESSION: (AfD) ...klare Forderung(en), nämlich das Ende des Euro..."
Liebe Sezession - schön wärs.

Um es vorweg zu sagen - man wird sich nicht leisten können diese Partei am 22. September nicht zu wählen!
Bei näherer Sicht eröffnen sich allerdings mehr Fragen als Antworten.

"

„Wir schlagen vor, in den Südländern parallel zum Euro nationale Währungen einzuführen. Diese können zunächst auf den bargeldlosen Zahlungsverkehr beschränkt bleiben, während Barzahlungen weiter nur in Euro geleistet werden“, sagt Lucke. Bankguthaben und Schuldverträge nach ausländischem Recht blieben in Euro bestehen. „Deshalb gibt es keinen Bank run“, erklärt Lucke. Löhne werden aber zu einem gewissen Teil in der neuen Währung überwiesen.

"

Ich will nicht in Abrede stellen, daß diese Vorstellung möglicherweise ein Ideal an Lösung für alle darstellt.
Jedoch eine Rechnung mit Unbekannten, die den guten Willen aller (EU-)Beteiligten voraussetzen muß(!), hat keine Aussicht vom Einfluß des 'Politischen' verschont zu bleiben. Dies (miese) Geschäft - fähig entgegen der Intention alles notfalls auch ins Gegenteil zu verkehren, kennt anscheinend auch 'dieser' Herr Professor nicht.

Hätte also Herr Lucke die (intereuropäische) Taube auf dem Dach gelassen, und so als unverhandelbare Koalitionsbedingung einen einseitigen und sofortigen Austritt aus dem Euro vertreten, seine 'politische' Glaubwürdigkeit wäre just geboren gewesen.

"think global - act local" - nicht umgekehrt!

Schopi

26. April 2013 22:07

HÜBNER: ...Man muß nicht immer mit Anlauf gegen die Wand rennen, sondern diese mit Geduld und Geschick zum Einsturz bringen. Ich weiß, wovon ich rede, weil ich das seit vielen Jahren tue....

Nun, davon ist aber in den fast zwei Jahrzehnten Kommunalpolitik in der weltoffenen, europafreundlichen und multikulturell sehr weit fortgeschrittenen Bankenmetropole auch mit viel Geduld und Geschick nicht viel zu sehen.

Man wird mit denselben Sprechblasen und Selbstlobhudeleien gefüttert wie sonst auch üblich im Politgeschäft.

OG d.R.

27. April 2013 12:21

Man wird mit denselben Sprechblasen und Selbstlobhudeleien gefüttert wie sonst auch üblich im Politgeschäft.

Drum kann man auch keinem denkenden Menschen empfehlen, für die Akteure dieses Geschäfts den Wasserträger zu spielen. Wer hier mitliest, ist automatisch überqualifiziert deren Flugblätter zu verteilen und deren substanzarmes, Patrioten ausgrenzendes Vorhaben mit dem »dringend erbetenen« Prozentanteil (mind. 1%) seines Nettoeinkommens anzuheizen.

Franz Schmidt

27. April 2013 21:56

Wenn sich die AfD nicht klar inhaltlich und personell nach rechts öffnet, wird sie von rechts bekämpft werden.

Dann nutzen wir sie als Steinbruch, sobald sie in die Krise gerät. Dort gibt es bestimmt auch ein Menge neuer, guter Leute, die wir dann zu uns rüberziehen können.

agricola

30. April 2013 17:00

Die neue Anti-Euro-Bewegung ist Ausdruck einer tiefen Verunsicherung in breiten Schichten unseres Volkes. Man könnte auch sagen: Der Aufstand der Wohlstandsbürger gegen die Risiken einer immer unkalkulierbareren Politik der herrschenden Finanzoligarchie, die offensichtlich das Ziel einer Ausplünderung Deutschlands - seiner Steuerzahler - im Kalkül hat.
Dieser Gefahr wird durch das BRD-Parteien-System nahezu nichts entgegengesetzt. Man praktiziert vorbeugende Unterwerfung und verschleiert die Gefahren! Aber die Eurozone ist in Gefahr auseinanderzubrechen mit womöglich fatalen Folgen für Deutschland! Dieser heraufziehenden Gefahr wird jetzt eine neue, nichtlinke polit. Kraft entgegengesetzt ! Sie gibt sich betont moderat, liberal und eher zurückhaltend konservativ. Aus Erfahrung weiß man, dass eine allzu aggressive rechte Programmatik zu viele Angriffsflächen bietet. Deshalb gilt es jetzt erst mal abzuwarten, ob die "AFD" ihre Chance nutzen kann und eine wirkliche Alternative zum verbrauchten Establishment bietet! Wir haben viel zu verlieren - und nicht nur Wohlstand- , deshalb ist jeder Widerstand gegen das System und seine fatale volksfeindliche Politik zu begrüßen!

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