22. Juli 2014

Alexander Dugin – Der postmoderne Antimoderne (1)

Martin Lichtmesz

Dugin-TitelDer russische Philosoph Alexander Dugin ist so etwas wie der Slavoj Žižek der Rechten, wenn auch eine Spur kohärenter in seinem Denken als der slowenische Neomarxist (der übrigens neulich überführt wurde, vom Klassenfeind abgeschrieben zu haben).  Nun hat es Dugin, bisher eher ein Fall für Spezialisten und Esoteriker, in das Leitmedium aller Leitmedien geschafft, den Spiegel, der ihn ausführlich interviewt hat.

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Als weltanschaulich schillernder Kopf, dessen Ideen man im Westen aufgrund mangelnder Übersetzungen eher vom Hörensagen als aus eigener Anschauung kennt, übt er eine nachhaltige Faszination auf viele Rechtsintellektuelle aus. Eingeweihte in Deutschland rezipieren das russische Fabeltier schon seit den Neunziger Jahren (etwa durch die damals einzigartigen Russland-Berichte von Wolfgang Strauss in den Staatsbriefen).

Fanatischen "Westlern" wie Richard Herzinger gilt Dugin seit langem als Vordenker der Mächte des Bösen schlechthin (so spukte er bereits 1995 an der Seite von Alain de Benoist und artverwandten Denkern durch Herzingers Schmöker "Endzeitpropheten - Die Offensive der Antiwestler").

Aber auch so mancher Konservative gruselt sich vor dem wahlweise als "Faschisten, Satanisten, Nationalbolschewisten, Monarchisten, Rassisten" usw. Titulierten (siehe etwa die im Februar in der Blauen Narzisse geführte Diskussion: hier, hier und hier.) Dagegen wird Dugin vor allem in der identitären Szene besonders geschätzt, die sein Buch "Die vierte politische Theorie" zur Pflichtlektüre erhoben hat. Und dieser schwärmerische Bericht von Theorieseite Der Funke betont seine charismatische Persönlichkeit:

Dugin ist auf jeden Fall eine beeindruckende Erscheinung, die allein schon den Rasputin-Vergleich rechtfertigen würde. Ein kantiges, eher asketisches Gesicht, umrahmt von einem imposanten Bart, der doch nicht von den zwei stechenden Augen ablenken kann - Wer könnte uns also diese Assoziation übel nehmen? Man merkte, wie der 9-sprachige Denker sich im Laufe seiner Rede selbst mitriss, ganz von seinen eigenen Gedanken fasziniert - einer Faszination, der der Schreiber dieser Zeilen, trotz einer „dicken Haut“ was politische Reden und akademische Vorträge betrifft, unweigerlich verfiel.

Der wesentliche Punkt, warum Dugin für die identitäre Theorie von so großem Interesse ist, ist dieser:

Dugins tiefstes Bekenntnis galt, und das zerstäubte alle Befürchtungen, einer MULTIPOLAREN Welt. Er ist ein Verfechter der Vielfalt und des Völkerrechts. (Hier wird auch sein Einfluss auf/Gleichklang mit Putins Politik erkennbar, der sich stets auf das Völkerrecht beruft.) Sein großer Feind ist die atlantische Pest des Westens, die er mit einer jugendlichen Wut bekämpft, welche auch uns Jüngeren imponieren kann.

Von besonderem Reiz ist dabei Dugins Beschwörung der Notwendigkeit einer neuen politischen "Theorie", die den Liberalismus (PT1), Kommunismus (PT2) und Faschismus (PT3) überwinden, also dem Rassen-, Klassen- UND Kassen-Kampf ein Ende setzen und ein neues Zeitalter einleiten könne. Hier bleibt es allerdings einstweilen bei Geraune und Heideggerei - denn der konkrete Angelpunkt, den diese kommende "vierte Theorie" haben soll, ist bislang eher unklar.

RassekasseklasseInoffizielle identitäre Fan-Graphik

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