18. Januar 2017

Björn Höcke und das »Denkmal der Schande«

von Götz Kubitschek / 51 Kommentare

Björn Höcke sprach gestern auf Einladung der Jungen Alternative vor 500 Hörern in Dresden unter anderem über geschichtspolitische Fragen. Die Empörung darüber ist groß. Warum?

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Die Holocaustforschung, die Aufarbeitung der deutschen Verbrechen zwischen 1933 und 1945, die Frage, wie eines der gebildetsten und zivilisiertesten Völker es zu einem solchen Zivilisationsbruch habe kommen lassen können – dies alles hat breiten Raum eingenommen in der deutschen Forschung, Politik und Erziehung nach 1945.
 
Es ist über den geradezu pathologischen Umgang der Deutschen mit ihrer eigenen Geschichte alles gesagt worden, was es zu sagen gibt. Der Selbsthaß der Deutschen ist keine Erfindung, die Verachtung des Eigenen auch nicht, und für Leute, die sonst bloß Individuen sehen wollen, ist es in dieser Frage keine Frage, daß »wir« das taten.
 
Was hat das mit uns Deutschen gemacht, was macht es noch immer mit uns? Unstrittig ist, daß aus der notwendigen Erinnerung jene politisches Kapital zu schlagen begannen, die sich davon einen moralischen Vorsprung versprachen: Man kann bis heute Debatten dadurch beenden, daß man einen Konservativen oder Rechtsintellektuellen beispielsweise zu einer Rechtfertigung seiner kritischen Haltung zur Einwanderungsfrage vor dem Hintergrund von Auschwitz zwingt.
 
Dabei hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Aber die geschichtspolitische Macht ist nun einmal vorhanden, sie befindet sich in der Hand derjenigen, die unser Volk nicht mögen und die es lieber heute als morgen in seiner Eigenart umgebaut und in seinem Bestand ausgedünnt sähen.
 
Der Historiker Karlheinz Weißmann hat diesen Mechanismus vor knapp fünf Jahren in der Wochenzeitung Junge Freiheit als Verwendung und Durchsetzung »politisch-theologischer Formeln« beschrieben:
Es handelt sich bei den Bezugnahmen auf „Gründungsmythos“ und „Staatsräson“ um theologische, genauer: politisch-theologische, Formeln. Darüber kann auch die Rede von der Staatsräson nicht hinwegtäuschen, denn der liegt die Behauptung zugrunde, daß die Verantwortung der Deutschen (heute) für Israel (heute) aus den Taten von Deutschen (damals) an Juden (damals) resultiere. Solche Sinnkonstruktion ergibt sich nicht zwingend aus der Vergangenheit, sondern als Folge einer bestimmten Deutung, vorgenommen und durchgesetzt von denen, die die Macht dazu haben, als Ersatz früherer Deutungen und in Abwehr konkurrierender.

Allerdings muß ein politisch-theologischer Satz auch Glauben finden, und seine Verfechter müssen auf Gerngläubigkeit hoffen. Die fördert nichts so sehr wie eine große Erzählung, ein Mythos eben, eine möglichst bildhafte, in klaren Antagonismen gehaltene, dramatische und in einem Entscheidungsakt zwischen Gut und Böse aufgipfelnde Geschichte.

Die Erzählung von „Auschwitz“, von der untilgbaren Schuld, die Wir in der großen Schlacht zwischen Gut und Böse auf uns geladen haben, als Wir auf die Seite des Bösen traten gegen die Guten und die Juden der Vernichtung preisgaben, bevor sie durch eine Fügung Gottes oder der Vorsehung vom bewaffneten Arm der Menschheit im letzten Moment gerettet und Wir niedergeworfen wurden, woraufhin Wir zur Erkenntnis kamen und dem Bösen absagten, weshalb Wir nicht vollständig ausgetilgt wurden, aber das Kainsmal tragen, auf daß jeder sieht und Wir selbst nie vergessen, was Wir getan haben, daß Wir nichtswürdig sind weil Nachkommen von Nichtswürdigen.
Es war Joschka Fischer, der Auschwitz zum Gründungsmythos der Bundesrepublik Deutschland erklärte, mithin den Abgrund der eigenen Geschichte zu dem, worauf nun etwas gebaut werden solle, und dieser Gründungsmythos bekam – das ist konsequent – in Berlin, im Zentrum der Hauptstadt, ein Denkmal gesetzt. Das Holocaust-Mahnmal, das riesige Stelenfeld, liegt ein paar Gehminuten vom Brandenburger Tor, dem Reichstagsgebäude und dem Bundeskanzleramt entfernt – räumlich wie erinnerungspolitisch zentral.
 
Gegen diese Zentralität hat sich Björn Höcke in seiner Rede gewandt. Er hat das Holocaust-Mahnmal als »Denkmal der Schande« bezeichnet und ausgeführt, daß man auf einen Negativmythos nichts Gedeihliches würde gründen können. Er forderte eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad und kann sie dreifach begründen:
  • Zum einen mit dem Verweis auf die schlichte Tatsache, daß kaum ein Volk in der Weltgeschichte so gründlich bezahlt habe für einen verlorenen Krieg und die darin begangenen Verbrechen wie das deutsche Volk (Zerstörung der Städte, Vertreibung, Gebietsverluste, Millionen Tote noch nach dem Waffenstillstand), und daß kaum eines so hart mit sich selbst ins Gericht gegangen sei.
  • Zum anderen damit, daß die deutsche Geschichte in der Tat nicht zu reduzieren sei auf jene zwölf Jahre, auf die man es immer wieder stoße, wenn es geschichtspolitisch opportun erscheine.
  • Drittens mit dem politischen Anspruch, die Geschichtserzählung jenen aus der Hand zu nehmen, die sie verzerren und gegen die Zukunft des eigenen Volkes richten.
»Denkmal der Schande«: Aus der Verwendung dieses Begriffes soll seit heute früh Höcke ein Strick gedreht werden. "Denkmal der Schande" bedeutet nicht, es sei eine Schande, daß es dieses Denkmal gebe, sondern ist schlicht die Beschreibung dafür, daß die Schandtat Deutschlands in einem Denkmal dauerpräsent sei.
 
Denn dies ist wiederum einmalig: Keine andere Nation hat dem negativen Anteil seiner Geschichte im Herzen seiner Hauptstadt den zentralen Erinnerungsort zugeteilt.
 
Höcke befindet sich mit dieser Bestandsaufnahme und seiner Forderung nach einer ins Positive gewendeten Erinnerungs- und Geschichtspolitik in bester Gesellschaft, und zwar bis in die Begrifflichkeiten hinein. Es ist da zunächst die Initiative »Freiheits- und Einheitsdenkmal« zu nennen, zu deren Initiatoren unter anderem Lothar de Maizière gehört. Man liest in der Beschreibung der Idee zu einem solchen Nationaldenkmal folgende Passage:

Den Initiatoren ist von Anfang an klar, dass es nicht leicht sein wird, die Denkmalinitiative in Deutschland umzusetzen: „Wir Deutsche tun uns schwer mit Denkmälern und Gedenkstätten. Es wird auch um ein Denkmal der deutschen Einheit Streit geben.“ Trotzdem sind sie der Überzeugung, dass für ein Denkmal zu „streiten“ sich lohnt: „Denkmäler der Schande und der Trauer, des Stolzes und der Freude sind notwendige Grundstein des neuen Deutschland und der neuen Bundeshauptstadt.“

Im Grunde könnte die AfD ihre erinnerungspolitische Wende damit beginnen, die erst im Frühsommer 2016 endgültig verworfene Idee dieses Freiheits- und Einheitsdenkmals aufzugreifen und seine Finanzierung und Umsetzung jetzt erst recht zu fordern.

Beinahe zum Allgemeinwissen gehören einige Passagen aus Martin Walsers Paulskirchenrede von 1998:

Kein ernstzunehmender Mensch leugnet Auschwitz; kein noch zurechnungsfähiger Mensch deutelt an der Grauenhaftigkeit von Auschwitz herum; wenn mir aber jeden Tag in den Medien diese Vergangenheit vorgehalten wird, merke ich, daß sich in mir etwas gegen diese Dauerpräsentation unserer Schande wehrt. Anstatt dankbar zu sein für die unaufhörliche Präsentation unserer Schande, fange ich an wegzuschauen.  […] In der Diskussion um das Holocaustdenkmal in Berlin kann die Nachwelt einmal nachlesen, was Leute anrichteten, die sich für das Gewissen von anderen verantwortlich fühlten. Die Betonierung des Zentrums der Hauptstadt mit einem fußballfeldgroßen Alptraum. Die Monumentalisierung der Schande. Der Historiker Heinrich August Winkler nennt das »negativen Nationalismus«. Daß der, auch wenn er sich tausendmal besser vorkommt, kein bißchen besser ist als sein Gegenteil, wage ich zu vermuten. Wahrscheinlich gibt es auch eine Banalität des Guten.

Rudolf Augstein setzte sich damals im Spiegel mit Walsers Rede auseinander und notierte unter anderem folgenden Gedanken:

Nun soll in der Mitte der wiedergewonnenen Hauptstadt Berlin ein Mahnmal an unsere fortwährende Schande erinnern. Anderen Nationen wäre ein solcher Umgang mit ihrer Vergangenheit fremd. Man ahnt, daß dieses Schandmal gegen die Hauptstadt und das in Berlin sich neu formierende Deutschland gerichtet ist. Man wird es aber nicht wagen, so sehr die Muskeln auch schwellen, mit Rücksicht auf die New Yorker Presse und die Haifische im Anwaltsgewand, die Mitte Berlins freizuhalten von solch einer Monstrosität.

Wer Höckes gestrige Rede skandalisiert, instrumentalisiert die noch immer wirkmächtige erinnerungs- und geschichtspolitische Deutungsmacht eines unter Druck geratenen politisch-medialen Komplexes, der seine Politik und sein Wirken gegen unser Volk ausgerichtet hat. Höckes Rede und die Reaktionen darauf werden zeigen, wo diese Deutungsmacht ihre Risse bekommen hat oder bekommen wird.

Dies unter anderem ist die Aufgabe einer Partei, die alternative Politik betreiben will.

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (51)

Ein gebürtiger Hesse
18. Januar 2017 12:09

Liest man das hervorragende Zitat aus Walsers Paulskirchenrede (man hatte sie fast schon vergessen, oder?), ist es nichts als bestürzend, das jüngste Konsensgeschwätz des Mannes - contra AfD, pro Merkel - zu hören. Man möchte an einen Persönlichkeitsaustausch glauben oder an "Invasion of the Body Snatchers".

H. M. Richter
18. Januar 2017 12:09

Es ist ganz offensichtlich, daß man Höcke bei der Wortfolge "Mahnmal der Schande" mißverstehen will. Oder mit anderen Worten: Das Wahljahr 2017 nimmt Fahrt auf ...

Unvergessen ist mir, wie auf der Feier zum fünften Jahrestag der Denkmaleröffnung in Berlin der Historiker Jäckel den unfaßbaren Satz sagte: "In anderen Ländern beneiden manche die Deutschen um dieses Denkmal." Siehe ab 5:18 min: https://www.youtube.com/watch?v=Z3yGxVo9DDk                                         

Broder, der dies erlebte, nimmt Bezug darauf in seinem WELT-Artikel vom 6. September 2013: https://www.welt.de/vermischtes/article119765895/Lindners-falsche-Reaktion-auf-Mahnmal-Shitstorm.html

Darin heißt es u.a.: "Das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas wurde nicht zu Ehren der ermordeten Juden gebaut, sondern um die Täter zu rehabilitieren. Es ist ein Ausdruck des deutschen Sündenstolzes. Nicht zufällig hat ein Festredner bei der Feier zum fünften Jahrestag der Denkmaleröffnung gesagt, es gebe Völker, die uns um ein solches Denkmal beneiden würden. Nicht nur der Tod ist ein Meister aus Deutschland, die gespielte Reue ist es auch."

Zadok Allen
18. Januar 2017 13:02

Zwei kurze Anmerkungen:

1. Höcke hat den falschen Gegner attackiert. Der besagte narrative Komplex ist heute in raschem Absterben begriffen. Die Anforderungen und Gegebenheiten der Gegenwart überrollen ihn geradezu. Schweigen und ein Ins-Leere-laufen-Lassen der noch geübten Sprechrituale stellen m.E. den sinnvollsten Beitrag zur notwendigen Historisierung des Komplexes dar.

2. Ich stehe mit dieser Sicht wahrscheinlich allein auf weiter Flur, aber ich kann bis heute nicht begreifen, inwiefern die Eisenman-Anlage ein "Denkmal der Schande" sein soll. Ich habe es bei jeder Besichtigung als ausgesprochen subversiv empfunden; es ist mehr ein innerstädtischer Ort der Stille und Einkehr ohne plakative inhaltliche Botschaft. Ähnlich wie beim zeitgenössischen Kunstwerk stellt der Titel nur eine mögliche Interpretation dar, und das dürfte wohl vom Architekten auch so beabsichtigt gewesen sein. Zur Bestärkung des Narrativs hat das Denkmal aus meiner Sicht jedenfalls nicht das Geringste beigetragen - also auch an dieser Stelle der falsche Zielpunkt für Kritik.

Gotlandfahrer
18. Januar 2017 13:14

Zunächst: Wieder einmal unerreicht auf den Punkt gebracht, was entweder sprachlos macht oder zu vielschichtiger Argumentation verleitet. Es gipfelt in der so einfachen wie treffenden Formulierung: 

"für Leute, die sonst bloß Individuen sehen wollen, ist es in dieser Frage keine Frage, daß »wir« das taten."

Darüber hinaus: Höcke macht es nicht nur sachlich, sondern auch in der Wirkung genau richtig. Er lässt die Gegenseite nicht zur Ruhe kommen in einem Moment, wo sie an so vielen Punkten ihre Unstimmigkeiten immer mehr Menschen offenbart. Es geht ja jetzt nicht um die absolute Mehrheit, sondern dass sich nicht setzt, der sich gerne setzen würde. Weiter so! Danke!

Sozialpatriot
18. Januar 2017 13:30

Sehr gut analysiert, Herr Kubitschek.

Der politisch-korrekte Zeitgeist japst in seinen letzten Zügen. Höcke wird natürlich für dieselben wahren Aussagen härter kritisiert werden als Walser, weil er nicht in dem Verdacht steht, der SPD nahe zu stehen.

Höcke hat die Paranoia und Neurosen des politisch-medialen Geschichtsbildes gnadenlos entlarvt und dem verlogenen Mainstream die Maske vom Gesicht gerissen. Nur mit seinem Kurs kann die AfD wirklich etwas grundlegend verändern.

Ich schließe mit Ferdinand Lassale:

"Alle große politische Tat bebsteht in dem Aussprechen dessen was ist und sie beginnt damit. Alle politische Kleingeisterei besteht in dem Beschweigen und Bemänteln dessen was ist."

Wahrheitssucher
18. Januar 2017 13:34

Herr Kubitschek, ein gekonnter Beitrag im Sinne dessen, was die Titelzeile Ihres letzten Buches aussagt...!

Fernmelder
18. Januar 2017 13:44

Ich habe die Rede von Björn Höcke bei Compact gesehen und ich kann nur sagen,wer diese Rede missverstehen will der macht es natürlich. Ich kann aber Björn Höcke zustimmen, weil er genau dort ansetzt wo es bei uns krankt. Frauke Petry und Marcus Pretzell, haben sich laut JF natürlich schon von Höcke distanziert. Ich habe nichts anderes erwartet. Beste Freunde werden diese sowieso nicht mehr um es milde auszudrücken.

Herr Kubitschek, ihren Artikel kann man nur zustimmen, sie beschreiben genau die Lage in der wir stecken.

Georg
18. Januar 2017 13:54

Abstoßend, wenngleich wenig überraschend, die Geschlossenheit und routiniert vorgespielte Hysterie, mit der sämtliche Mainstreamer sogleich mit der stets griffbereiten Nazikeule herumfuchteln.

Eine gute Gelegenheit für die AfD-Oberen, den plumpen Mechanismus des absichtsvollen Falschverstehens - und des allzu offenen Für-dumm-verkaufens der Schlagzeilenkonsumenten - geschlossen zu verurteilen. Indes wetzt man da heute (Petry, Pretzell) lieber beflissen die Kantenschere.

Monika L.
18. Januar 2017 14:22

Der Genitiv hat im Deutschen viele Bedeutungen, und bei manchen Konstruktionen sind mehrere Bedeutungen gleichzeitig möglich. Doppeldeutig ist etwa die Wendung „Denkmal der Schande“. Bedeuten kann sie einerseits, dass es sich um ein „Denkmal zur Erinnerung an eine Schande“ handelt. Andererseits und genauso aber kann damit ein „schändliches Denkmal“ gemeint sein.

Der frühere Gymnasiallehrer Björn Höcke, AfD-Fraktionschef und Landesvorsitzender seiner Partei in Thüringen, dürfte gebildet genug sein, um sich dieser Doppeldeutigkeit bewusst zu sein. Höcke sagte am Dienstagabend auf einer Veranstaltung der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA) in Dresden mit Blick auf das Berliner Holocaust-Mahnmal folgenden Satz: „Wir Deutschen sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“

Ob Höcke hierbei nur eine der beiden möglichen Bedeutungen im Sinn hatte – und wenn: welche – wurde nicht klar. Hinterher jedoch, in einer am Mittwoch verschickten „Persönlichen Erklärung“, behauptete Höcke, es sei ihm nur um die Bedeutung „Denkmal zur Erinnerung an eine Schande“ gegangen. Er sei „erstaunt über die Berichterstattung“, schrieb Höcke. Denn tatsächlich habe er „den Holocaust, also den von Deutschen verübten Völkermord an den Juden, als Schande für unser Volk bezeichnet“.

Die Welt

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Herr Höcke nicht um "den plumpen Mechanismus des absichtsvollen Mißverstehens" weiß. 

Daß er dann diesen plumpen Mechanismus gerne mal bedient, mag seine spezielle Art der Provokation sein. Im öffentlichen politischen Auftreten empfinde ich soche Provokationen eher als kontraproduktiv. Cui bono?

Altbayer
18. Januar 2017 14:51

Als ich am Morgen die ersten Schlagzeilen zur Rede Höckes las, ahnte ich schon, dass da eine Lawine kommen wird. Ich bin mal gespannt, zu was das führt - auch AFD-intern. Ich erinnere mich gerade reflexartig an die Herren Hohmann und General Günzel.

cso
18. Januar 2017 15:17

Welche "Hysterie", welche "Lawine der Empörung" denn? Davon ist heute nachmittag schon nichts mehr übrig und ich rechne auch nicht damit, daß da "noch etwas auf uns zukommt". Ermüdungserscheinungen. Nächstes Thema, bittesehr.

Rosenkranz
18. Januar 2017 15:27

Ich erinnere mich noch gut an Herrn Höckes Rede vom "Ausbreitungstyp" in Schnellroda und was dann anschließend die Presse daraus machte. Da ich selbst vor Ort war, war es mir unbegreiflich, wie man anschließend nach dem Haar in der Suppe suchte. 

Ich habe nie Ausschwitz oder Mahnmale wie das in Berlin besucht. Es zieht mich nicht zu solchen Orten, und in der Schulzeit unternahm zum Glück auch kein Lehrer solche Reisen. Wir hatten aber einen Geschichtslehrer, der ca. 2 Jahre nach der Wende, einen ehemaligen Stalingrad-Soldaten in den Unterricht eingeladen hatte. Was dieser von der anschließenden russischen Gefangenschaft berichtete, war für mich sehr erschütternd. Er sprach dabei aber nie ein Wort des Hasses gegen den ehemaligen Gegner aus. Auch gab er zu, daß er uns leider nicht alles erzählen könne. Wie mein Großvater väterlicherseits, nehmen all diese Menschen ihre schrecklichsten Erlebnisse unausgesprochen mit ins Grab.

Viele Grüße und vielen Dank nach Schnellroda. Danke auch für die Geduld mit mir und die versteckten Hinweise, da ich auch hin und wieder mit meinen Kommentaren über die Strenge schlage. 

Cicero
18. Januar 2017 15:47

Björn Höcke ist vom Mainstream missverstanden worden. Das war abzusehen und nach meiner Überzeugung auch von ihm gewollt, denn er ist zu klug, um das bei dieser Formulierung nicht vorauszusehen. Er wollte provozieren und hat es - selbstverständlich - geschafft. Seine richtigstellende Erklärung lag wahrscheinlich schon vor der Rede fertig in der Schublade. 

War das zum Auftakt des Super-Wahljahres 2017 klug?Von mir dazu ein klares Nein! Natürlich brauchen wir auch ein positives Verhältnis zu unserer Geschichte und dürfen uns nicht nur über das Negativste schlechthin definieren. Dieser Aufgabe müssen wir uns langfristig auch stellen. Aber jetzt und in dieser Weise? Nochmals Nein!

Die Probleme unserer Zeit - vom Establishment gewollte und geförderte Masseneinwanderung; rapider Niedergang der inneren und bald auch sozialen Sicherheit; Auflösung des Staates in die EU; Kriegs- und Krisenherde in der Ukraine, in Nordafrika, im Nahen Osten mit den entsprechenden Auswirkungen auf uns etc. etc. - türmen sich in schwindelerregender Höhe immer weiter auf. Das müssen wir jetzt ansprechen und nicht eine vergangenheitsbezogene Diskussion führen. Damit können wir uns nur selbst ins Aus befördern.

Der Vorwurf der Distanzeritis an Petry, der jetzt von einigen erhoben wird, ist m. E. unfair. Zu einer Rede, die soviel Wirbel verursacht, muss sie sich als Parteivorsitzende verhalten. Das sie sich davon distanziert ist nachvollziehbar. Am Sonnabend findet auf Initiative Petrys in Koblenz ein historisches Treffen mit der Crème de la crème der europäischen "Rechtspopulisten" von FPÖ, Front National (Marine Le Pen), PVV (Geert Wilders) Lega Nord (Matteo Salvini) etc. statt. Trotzdem wird aus hiesiger Richtung aber immer gerne der Vorwurf der "Kantenschere" erhoben. Wie weit rechts hättet ihr's denn gerne? Und wie Erfolg versprechend wäre das dann?

H. M. Richter
18. Januar 2017 16:03

Nun, da der Vorgang im Laufe des Tages die ihm eigene Dynamik entwickelt, eine Sahra Wagenknecht u. a. ankündigt, Strafanzeige gegen Höcke stellen zu wollen und sich die eine oder andere Zeitung mit verleumderischen und ehrabschneidenden Überschriften an ihre Leser wendet, ist nur zu hoffen, daß Höcke längst einen erfahrenen Rechtsanwalt mit der Verteidigung seiner Interessen beauftragt hat und sich entsprechende Anträge auf einstweilige Verfügungen bereits auf dem Wege befinden.

Wenn noch nicht, sollte er nicht allzulang damit warten.

marodeur
18. Januar 2017 16:28

Das ist zweifellos richtig, aber war Höckes Rede politisch klug? Die Geschichte wird von Siegern gemacht. Hat uns das dem Sieg wirklich näher gebracht, oder macht es den Sieg des Gegners total? Es nützt ja nichts, wenn wir uns hier alle die Schultern klopfen.

Hartwig aus LG8
18. Januar 2017 17:01

Na, zumindest online hält sich doch der Aufschrei in Grenzen. Jedenfalls ist er eingebettet zwischen allerlei sonstigem. Die Sau wird schnell durchs Dorf gejagt sein, und nächste Woche kräht kein Hahn (außerhalb der AfD) mehr danach.

Erstaunlicher, dass ich erst nach Lektüre der jf-online von der Rede erfuhr, und zwar auch nur durch die Nachricht, Petry distanziere sich.  Der Wahlkampf rückt näher, und da werden AfD-intern die Fronten vermessen. Dagegen scheint kein Kraut gewachsen.

Frieda Helbig
18. Januar 2017 17:42

Klonovsky gibt seiner Chefin Petry heute contra. Schaun mer mal. Bin gespannt. Gott sei Dank hat Höcke nicht Nafri gesagt.

solitude
18. Januar 2017 18:23

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich im eine gewollte und gut vorbereitete Provokation handelt. Sie traf mit dem Erinnerungskult an die "deutsche Schuld" ins Herz des Zeitgeists, welcher sich zur Verteidigung sofort anschickte (Spiegel, Welt, FAZ, Zeit usw.). Daneben sind jedoch auch die Organe der Rechten mit der Direktübertragung durch "Compact TV", der Bereitstellung auf Youtube und Besprechung auf sezession.de durch Kubitschek zur Stelle. In der medialen Wirksamkeit ein gelungener Coup.

@Monika L.: Nun, wem nützt es?

Die banale Antwort des Öffentlichkeitsberaters lautet zunächst: Auch schlechte Schlagzeilen sind Schlagzeilen. Womöglich bleibt der Eindruck hängen, Höcke tue (wenigstens) etwas gegen den Zeitgeist. Daneben ist es Kubitscheks erklärtes Ziel, Lücken im bröckelnden Wall des Zeitgeists zu finden und zu nutzen. Ohne dies nicht wenigstens zu versuchen, ändert sich gar nichts.
Zugleich polarisieren sich die Kräfte in der AfD nach der enttäuschenden Distanzierung von Petry und Pretzell noch weiter. Man muss sehen, dass sich die Partei noch für die kommenden Bundestagswahlen aufstellen muss und der Machtkampf offenbar nun auch öffentlich geführt wird. Es ist eine riskante Machtprobe für Höcke, klärt aber sicherlich die Fronten. Wie gut er sich parteiintern vorbereitet hat, weiß ich nicht.

Inhaltlich möchte ich hervorheben, dass Ausschwitz tatsächlich der Gründungsmythos der BRD (Joseph Martin Fischer; der selbigen im Übrigen auch für die Rechtfertigung des Kosovo-Kriegs instrumentalisierte) ist, weswegen ich auch strukturell immer mehr zu ihr in Opposition gehe; anders ausdrücklich Höcke, der in seiner Rede nur eine inhaltliche Fundamentalopposition anstrebt. Wie soll die Remigration denn schnell und effizient mit dieser liberalen Verfassung bewerkstelligt werden?  Ein längerer Denkprozess freilich, an dessen Anfang ich mich erst befinde. Aber eine neue Verfassung ist schließlich auch vom Grundgesetz in Art. 146 GG ausdrücklich vorgesehen. Man kann mithin noch nicht einmal behaupten, die Forderung einer neuen Verfassung sei grundgesetzwidrig.

O.C.
18. Januar 2017 18:30

Es darf heute, bei aller Wichtigkeit des obigenThemas, an die 146. Wiederkehr des Tages der Reichsgründung erinnert werden, den man gemeinsam mit ein paar sportlichen Kameraden vorzugsweise in einer linken Szenekneipe ausklingen lassen sollte, damit´s richtig Spaß macht.

E.
18. Januar 2017 18:44

Zitat: "´Denkmal der Schande´bedeutet nicht, es sei eine Schande, daß es dieses Denkmal gebe, sondern ist schlicht die Beschreibung dafür, daß die Schandtat Deutschlands in einem Denkmal dauerpräsent sei."

Meines Erachtens ist es einfach unklug, in dem Jahr entscheidender Wahlen eine Begrifflichkeit zu verwenden, von der man im vorhinein weiß, dass die Journalisten sie bewusst eben in einem anderen Sinne verstehen und gegen die AfD instrumenalisieren wollen, nämlich dass das Gedenken an den Holocaust sebst eine Schande sei. Als ich diese Schlagzeilen lies, dachte ich auch zunächst, "Mein Gott, wie kann man so etwas nur sagen!" Erst beim zweiten Nachdenken kam ich darauf, dass es Herr Höcke natürlich nicht in dem zuerst genannten Sinne gemeint haben wird. Aber ich bin ein Wohlmeinender, viele potentielle AfD-Wähler machen sich diese Gedankenarbeit nicht und werden jetzt denken, "die kann man doch nicht wählen".

Ich schätze Herrn Höcke an und für sich und fand auch seinen legendären Auftritt bei "Anne Will" sehr gelungen, ich weiß aber nicht, ob er gut beraten ist, wenn er bewusst solche begriffliche Akrobatik vollführt, von der man im vorhinein weiß, dass sie genüsslich in einem anderen Sinne verstanden werden will. Ich habe mir seinerzeit eine andere "umstrittene" Rede auf Youtube angesehen, die Herr Höcke in Schnellroda hielt. Auch diese Rede fand ich der Sache nach sehr vernünftig, nur auch da war ein Topos, nämlich der "Afrikaner"-Topos, so gewählt, dass sich die Medien genüsslich daraufstürzen konnten.

Im Übrigen bin ich tatsächlich der Meinung, dass ein schreckliches Verbrechen wie der Holocaust "in einem Denkmal dauerpräsent"sein muss. Gleichwohl kann man die "Flüchtlingspolitik" der letzten Jahre scharf kritisieren. Es ist einfach töricht, diese beiden Dinge in einen Kontext zu bringen.

 

Solution
18. Januar 2017 18:56

GK hat hier sehr zutreffend alles geschrieben, was es dazu zu sagen gibt. 

Es ist bezeichnend, daß Petry und Anhang gleich öffentlich gegen ihren "Parteifreund" Stellung bezogen haben. Sie hätten sich statt dessen ohne Einschränkung sofort hinter ihn stellen sollen.

Höckes Rede war vollkommen in Ordnung.

Henrik Linkerhand
18. Januar 2017 18:56

Björn Höcke ist der Landesvorsitzende einer jungen, dynamischen Partei, die das Potential hat im Superwahljahr 2017 das politische Koordinatensystem in Deutschland nachhaltig zu verändern. In seiner Eigenschaft als ein führender Repräsentant dieser Partei hätte er wissen müssen, daß diese Rede nur missverstanden werden kann, ja vom politisch gelenkten Medienbetrieb "missverstanden werden muss". Also Provokation? Nur wird diese Partei jeden Prozentpunkt Zuwachs von Rechts mit zwei Prozentpunkten Verlust in der Mitte bezahlen. Dies weiß Petry und Co, daher kann ich deren Unmut nachvollziehen.

Ein gebürtiger Hesse
18. Januar 2017 19:07

Bei allem lauten Drumherum, das für jedes der Lager (unseres, das der verschiedenen anderen) naheligend ist, sollte doch nicht völlig unter den Tisch fallen, das Höcke etwas ausgesprochen Zentrales (so zentral wie das Stelenfeld in Berlins Mitte) und Wahres angesprochen hat. Man darf ihm dafür durchaus seinen Respekt zollen, selbst wenn es im Stillen beim Schlafengehen passiert.

Heinrich Brück
18. Januar 2017 19:33

Wenn Ralf Stegner, SPD, von "Neonazipack" twittern darf, und dafür keine Kritik einstecken muß, dann möchte ich diese Formulierung auch mißverstehen dürfen. Oder hat jemand von der AfD schon einmal "Vergangenheitsbewältigungspack" getwittert?

Es geht um Macht, alles andere ist verlogen! Nicht die ermordeten Juden, nicht die lebenden Deutschen spielen eine Rolle; nur die verlogensten Politikerdarsteller beschimpfen ihre eigenen anständigen Landsleute, und glauben dann, man würde ihnen die geheuchelten Bewältigungsgesten abnehmen.

Dieses Volk wird sich im Herbst entscheiden müssen! Sollte es sich für eine Stegner-Zukunft entscheiden, bekommen nicht die Kritiker Höckes Recht, sondern genau umgekehrt. Ein Unterscheidungskriterium wird nie verschwinden, den Unterschied zwischen anständig und unanständig kennen zu müssen.

Casa Lupus
18. Januar 2017 20:22

Lieber Herr Kubitschek,

Ihr geistreicher Kommentar ist das Klügste und Fundierteste, das es zu der zugegeben pointierten Rede Höckes zu Lesen gab. Es ist schade, dass diese Sichtweisen nicht als Gegenrede Eingang in die Presse findet. Denn eigentlich sollte in einem Land mit erklärter Pressevielfalt eine solche Gegenrede publiziert werden. Stattdessen trifft sie in diesem Forum auf Gehör und Zustimmung. Das ist schön, aber letztendlich affirmativ und wohlfeil. Leider bietet die hysterische Onlinemedienlandschaft wenig Forum zu gelassener fundierter Replik und inhaltlicher Auseinandersetzung. Moralfundamentalistische Anwürfe des politischen Gegners sind schneller gedruckt.

quarz
18. Januar 2017 20:53

@gebürtiger Hesse

Ich frage mich auch manchmal, wieviel von Walsers Bekundungsgebaren sich der Loyalität zu seinem Sohn Jakob Augstein verdankt.

Georg Mogel
18. Januar 2017 21:27

Gute Analyse, Herr Kubitschek. Die Keile, die auf die Partei der Alternative für Deutschland gesetzt werden, werden grober und wie zu erwarten, von innerparteilichen Konkurrenten Höckes zugereicht.  Ist das dysmorphe System "BRD" grundsätzlich  reformierbar, wie Petry, Pretzell, Storch, Weidel etc.  zu glauben scheinen?  Der von Joseph Fischer reklamierte, negative Gründungsmythos dieses deutschen Staates jedenfalls führt je länger, je sicherer zur völligen  Auflösung der deutschen Nation.

 

 

Nemo Obligatur
18. Januar 2017 21:28

Mein Eindruck von der Rede (ich höre sie gerade an): Höcke spielt nicht auf Platz, er zockt auf Sieg! Einiges am Tremolo Höckes ist wohl auch der Bierzeltatmosphäre geschuldet, aber es ist eine programmatische Rede, ein Grundsatzreferat, mit dem er vielleicht sogar die ganze AfD, auf jeden Fall aber seine Anhänger in eine bestimmte Richtung treiben will. Wohin genau, kann ich nicht präzise beschreiben. "Rechtsruck" trifft es nicht - viel zu abgegriffen der Begriff.

Die Aufregung in den Medien ist vorhersehbar gewesen. Das sind verlässliche Beißreflexe. Nun kommt es darauf an - wie wird der Wähler reagieren? Ich bin da skeptisch. Man könnte auch sagen, Höcke hat sich verzockt. Ich bin der Ansicht, daß es nicht die Zeit ist, die deutsche Vergangenheit aufzurollen. Der Blick muss nach vorne gehen, denn Deutschland ist in seiner Existenz bedroht. Wie viel Zeit haben wir noch? Es mag für viele Patrioten angenehmer sein, sich im Glanz der Geschichte bis sagen wir 1913 zu sonnen, aber dazu haben wir keine Zeit mehr, denn sonst sind wir selbst bald Geschichte. Übrigens sagt Höcke das ziemlich genau selbst zum Ende seiner Rede hin, nur zieht er den falschen Schluss daraus. Es hat wenig Sinn, die Erinnerung an die Zeit '33 bis '45 durch noch weiter in der Vergangenheit liegende Epochen ersetzen zu wollen. Einen Gefallen hat er mit der Rede weder sich noch der AfD getan. Immerhin war er so klug, eine Kandidatur für den Bundestag vorab ausgeschlossen zu haben.

muotis
18. Januar 2017 21:30

Die Partei schießt sich völlig ins Aus. Nicht etwa durch Höcke, sondern durch die schwache Performance der Parteispitze (mit Ausnahme von Gauland; aber nicht einmal Poggenburg? was ist da los?), die sofort das Heulen kriegt, weil jemand "Jehova" gesagt hat. Warum verteidigen sie den Mann nicht? Ist das jetzt schon Schielen auf Posten und frühes Ausbooten möglicher Konkurrenten? Jetzt wäre die Chance da, mit gezielten Statements den Spalt des Sagbaren zu erweitern und Deutungshoheit zu gewinnen. Stattdessen will man wieder schnell innerhalb des "Demokratiebogens" stehen, was immer das sein soll. Höckes Ansatz war richtig und ich kann es nicht mehr ertragen, wenn Neunmalkluge  auch in den ansonsten recht zuverlässigen Kommentarfunktionen der Lückenpresse jetzt schwadronieren, daß sei aber unklug formuliert gewesen oder zur Unzeit - da vor der Wahl - gekommen. Reißt Euch mal zusammen und werdet Euch bewußt, daß ihr den sanftweichen und deshalb brandgefährlichen Ton der Schwachkopf-Eliten bereits als Euren eigenen übernommen habt und tatsächlich glaubt, dies oder jenes sei sagbar, manches gehe aber eben nicht wegen Ihr-wißt-schon-wem. Und nein, ich meine nicht Voldemort, Ihr Pfeifen!

Weiter so, Herr Höcke! Nicht unterkriegen lassen! Viel Feind, viel Ehr!

Tom Prox
18. Januar 2017 22:19

Was soll die Aufregung über die Höcke - Rede ?  Ich meine , hier soll jemand beseitigt werden , der besonders die Herzen und den Geist der patriotischen Deutschen anspricht .                                                                   

Was hat Höcke sinngemäß Anderes gesagt als Rudolf Augstein schon Jahre vor ihm. Ich kann mich nicht entsinnen, dass die damalige Linke ähnlich in schäumende Raserei verfallen ist, wie nach der Dresdner Höcke-Rede.

Rudolf Augstein im SPIEGEL 49/1998 :

„Nun soll in der Mitte der wiedergewonnenen Hauptstadt Berlin ein Mahnmal an unsere fortwährende Schande erinnern. Anderen Nationen wäre ein solcher Umgang mit ihrer Vergangenheit fremd. Man ahnt, daß dieses Schandmal gegen die Hauptstadt und das in Berlin sich neu formierende Deutschland gerichtet ist. Man wird es aber nicht wagen, so sehr die Muskeln auch schwellen, mit Rücksicht auf die New Yorker Presse und die Haifische im Anwaltsgewand, die Mitte Berlins freizuhalten von solch einer Monstrosität."

 

 

Erich Edmund Spindler
18. Januar 2017 23:00

Nach der Lektüre von ca. 250 Lesermeinungen zu Björn Höckes Dresdner Rede auf PI-NEWS tut es gut, mit Ihnen, sehr verehrter Herr Kubitschek, eine andere Höhe der Betrachtungsweise betreten zu dürfen. 
Herzlichen Dank!

Harding
18. Januar 2017 23:20

Da ist doch was falsch gelaufen!

Inhaltlich gebe ich Ihnen Herr Kubitschek und auch Herrn Höcke recht. Aber taktisch kann ich diese Rede nicht ganz einordnen?

1. Björn Höcke muss doch wissen, das der Mainstream auf "Denkmal der Schande" aus seinem Munde nur so gewartet hat und dies selbstverständlich verdrehen wird.

2. Björn Höcke muss doch wissen, das Ihm grosse Teile der Deutschen inhaltlich nicht folgen können. (bedingt durch Berichterstattung)

Was hat das ganze nun gebracht?

Bran
19. Januar 2017 07:58

An Alle, die es ungeschickt, unpassend oder unklug fanden, was Höcke äusserte: Ihr seid wie die ewigen Distanzierer. Ihr glaubt, durch Leisetreter-Taktik könnten wir Freunde oder Zustimmung in den öffentlichen Meinungskanälen finden. Weit gefehlt. Höcke hat es schon richtig gemacht. Wer Ohren hat, der höre.

Ein gebürtiger Hesse
19. Januar 2017 08:55

Einen Tag nach der medialen Geißelung Höckes wird es noch deutlicher: der Begriff "Denkmal der Schande" funktioniert wie eine Art Prüfstein oder Lackmustest. Je nachdem, wie man ihn versteht - als bloß beschreibend oder als pejorativ -, zeigt sich unmißverständlich, wo man steht: unter den Tabu-Bewahrern, die auf einem negativen Mythos beharren und sich an dessen Nasenring herumführen lassen, oder unter den anderen, die genau diese selbstverletzende Praxis aufgeben und etwas gesünderes für ihr Land wollen. Die Frage "which side are you on?" stellt sich in diesen drei Worten auf die luzideste Weise.

marodeur
19. Januar 2017 09:44

@bran

"Ihr glaubt, durch Leisetreter-Taktik könnten wir Freunde oder Zustimmung in den öffentlichen Meinungskanälen finden. Weit gefehlt. Höcke hat es schon richtig gemacht. Wer Ohren hat, der höre."

Lieber bran. Manchmal hadere ich mit meinem Schicksal, wenn ich solche Dinge lese. Rechts sein ist für mich Schicksal und Verhängnis zu gleich. Verhängnis deshalb, weil man als ehrgeiziger junger Mensch gerne im Gewinnerteam mitspielen möchte oder zumindest mal die nächste Liga anstrebt. Nun meinen einige Leute tatsächlich, dass sich die Wahrheit über kurz oder lang von alleine durchsetzen muss, wenn man sie bei jeder Gelegenheit furchtlos zum besten gibt. Soll das jetzt unsere neue Strategie sein? In dem Fall habe ich einen anderen Waldgänger gelesen.

In dem Zusammenhang muss ich auch einen Kernaspekt der Argumentation von Kubitschek und Höcke kritisieren. Wir machen uns das Leben leicht, wenn wir dem Schuldkult nur destruktive Wirkung unterstellen. Wer dem Kult anhängt, dem gibt er eine moralische Überlegenheit. Der geläuterte Deutsche wähnt sich im Besitz des dritten Auges. Die Kultanhänger glauben wirklich, sie hätten den 7. Sinn für die Früherkennung faschistischer Umtriebe. Das gibt ihnen einen ganz eigenen Stolz und schafft eine Art Identität, die wir nicht begreifen. Der Sinn richtet sich schließlich nie nach innen, sondern ist wie ein Bannstrahl auf uns gerichtet.

Pragmatiker wie Sellner haben diese Banalität längst erkannt. Wer siegen will, muss den Gegner mit den eigenen Mitteln schlagen. Der Kult ist mächtig. Über kurz oder lang wird nur mitspielen, wer eine Kerze im "Nie-wieder-Tempel" anzündet. Erst wenn wir uns des Kults bemächtigen, kontrollieren wir seine Kraft. Ich fürchte nur, dass diese Tatsache in seiner Radikalität hier nicht angenommen wird. So bleiben wir eben weiter die geheimen Hüter der Wahrheit.

kommentar kubitschek:

meinen Sie denn wirklich, mir sei das nicht klar? es gibt irgendwo einen text von mir, der die stabilisierende, mobilisierende und verbindende wirkung des schultkults beschreibt, der im sinne gehlens ordnend, alltagsentlastend und stiftend wirke. ich weiß nur auf die schnelle nicht, wo dieser text abgelegt ist.

Zarathustra
19. Januar 2017 10:42

Inhaltlich ist gegen Höckes Rede nichts einzuwenden. Und taktisch? War es der richtige Zeitpunkt, dieses spezielle Thema auszurollen? Wäre es nicht klüger gewesen, zuerst dafür zu sorgen, daß sich die gesellschaftliche Atmosphäre ändert und die hier beobachtbaren Skandalisierungsmechanismen demontiert werden? Hätte er das ganze Theater nicht kommen sehen müssen? Hat Höcke überhaupt einen Sinn für Strategie, oder will er nur Aufmerksamkeit? Darüber spricht man mit Höcke unter vier Augen und NICHT IN DER ÖFFENTLICHKEIT! Denn jetzt ist die Stunde der Solidarität nach Außen!

Es zeugt von Faulheit, Sittenverfall und menschlicher Schwäche in der AfD, daß die Vosrandsmitglieder und die Landesvorstände statt zum Telefon zu greifen und Höcke persönlich anzusprechen sofort ihre Tweets und ihre Facebook-Postings loslassen. Und die Junge Freiheit hat in der ganzen »Affäre« die gleiche destruktive Rolle gespielt, die jede nach Schlagzeilen und Stellungnahmen hungrige Zeitung in solchen Zeiten spielt. Hier wäre – wenn man bei Dieter Stein überhaupt guten Willen voraussetzt – ein verharmlosender Kommentar weit mehr angebracht gewesen als reißerische Schlagzeilen wie »Höcke ist eine Belastung für die Partei« oder Kommentare wie »Höckes Bärendienst«.

Denn eins sollte mittlerweile klar sein: Die Positionen, die die AfD zu einer echten Alternative machen, werden nicht argumentativ angegriffen, sondern vor allem durch Skandalisierung und Ausschaltung der sie vertretenden Personen, und diese Jagd nach Personen geschieht eine Person nach der anderen, was so manchem konkurrierenden »Parteifreund« willkommen ist, bis er eines Tages selber daran ist.

Der psychologische Mechanismus dieser Jagd ist wie folgt: Eine unglückliche oder als unglücklich darstellbare Aussage der Zielperson wird aufgegriffen, eine im wörtlichen Sinne verrückte mediale Hexenjagd mit sich überbietenden Verteufelungen wird losgetreten, und die Partei gerät in Panik: »O Schei…! Jetzt rennen uns all die Wähler weg! Was ist schiefgelaufen? Wer bei uns ist Schuld daran?« Das Verlangen nach Wiedergutmachung des Imageschadens führt dann zu hastigen, unüberlegten Stellungnahmen gegen die gejagte Person. Statt das medial erzeugte falsche Bild dieser Person richtigzustellen, nimmt man dieses Bild als gegeben an und distanziert sich von diesem. Was geschieht im Ergebnis? Ein wackerer Kämpfer wird marginalisiert oder ganz verstoßen. Die Partei als Ganzes paßt sich ein weiteres Stück dem Feind an, der die manipulativen Hebel noch in der Hand hält.

Was ist daraus zu lernen fürs nächste Mal?

1. für Höcke, Tillschneider, Poggenburg, Gauland usw.: Rechnet damit, daß ihr Ziel einer solchen Hexenjagd werdet. Sorgt rechtzeitig dafür, daß die parteiinterne Unterstützung auf möglichst prominenter Ebene da und medial hörbar ist, so daß ihr am Ende keine Opfer seid. Handelt stets nach der Maxime: Welche Provokation ist zielführend? Welche Handlung nützt langfristig unserer Sache besser? Wie ist die Wirkung meines Handelns für das Leben meiner Enkel? Es kommt nicht primär darauf an, unterdrückte Wahrheiten auszusprechen. So erwachsen solltet ihr schon sein.

2. für die »Parteifreunde« der medial Gejagten: Geratet nicht in Panik! Bewahrt den kühlen Kopf, wenn ihr merkt, daß euch die Wähler fortgehetzt werden. Bleibt solidarisch. Bedenkt nur: Heute ist Höcke daran, aber morgen seid ihr daran, wenn ihr Höcke opfert. Und vor allem: Geht in die Offensive über!

»Es waren einmal zwei Mäuse, die lebten miteinander in bitterer Feindschaft und taten sich gegenseitig alles Böse an. Eines Tages fraß die Katze eine der beiden Mäuse. Die andere war hoch erfreut und fühlte sich zu einem persönlichen Dankbesuch bei der Katze verpflichtet. Bei dieser Gelegenheit wurde sie dann auch gefressen.« (Thor von Waldstein: Metapolitik, S. 52)

    Zarathustra

 

marodeur
19. Januar 2017 13:43

@kubitschek

"meinen Sie denn wirklich, mir sei das nicht klar?"

Genau deswegen hat mich die kritiklose Darstellung oben sehr verwundert. Ich erkläre mir das durch Ihre Loyalität zu Höcke. Das ist ehrenwert.

RMH
19. Januar 2017 14:44

Marodeur hat das schon richtig erkannt, der sog. "Schuldkult" ist in einem, für den ersten Blick unvermutet hohen Maße, Sinnstiftend. Aber eben nicht nur für seine Anhänger, sondern in einem (meiner Meinung nach) viel zu großem Maße offenbar auch für diejenigen, die sich an diesem reiben oder nicht an ihm teilnehmen wollen.

Ich stelle selber manchmal fest, dass ich, als in den 70er und 80er Jahren groß Gewordener, noch viel zu oft den Blick auf diese Periode richte. Damals, bis in die 90er hinein, hatte man aber auch genügend Zeugen erster Hand in der eigenen Verwandtschaft und in der Nachbarschaft. Die Zeit und ihre Zeitzeugen lebten und waren der lebendige Beweis für diese Zeit, selbst wenn diese einem nur wenig davon erzählten oder nur gelegentlich von den in dieser Zeit umgekommenen Verwandten berichteten.

Ich bin in einer Arbeitergegend groß geworden und da war SS-Mitglied gewesen zu sein und anschließend überzeugter SPD-Anhänger zu sein, kein erkennbarer Widerspruch. Es gab die Sozis und Gewerkschaftler und die "Schwarzen" und es gab tatsächlich auch ein paar echte Nazis - später dann ein paar Ökos und Grüne, die aber in der Arbeitergegend meistens nur die Kinder von den Bewohnern waren, die Bafög-und Nachkriegswohlstand-sei-Dank, in die große Stadt zum studieren gegangen waren. Die Kirchen wurden damals noch gut besucht.

Aber mittlerweile kommt mir das alles so fern vor. Von einer einstens großen Verwandtschaft ist im letzten Jahr der letzte, ehemals aktive Kriegsteilnehmer gestorben und auch der war eigentlich noch fast ein Kind, als er Soldat wurde und die letzten Kriegsjahre zum Einsatz kam. Jetzt habe ich nur noch einen betagten Onkel, der in der Jugend in der HJ war, als letzten Zeitzeugen in der Verwandtschaft, alle anderen, einschließlich meiner Eltern, waren bestenfalls kleine Kinder, als der Krieg zu Ende war.

Diese Zeit bzw. die Menschen dieser Zeit sind damit buchstäblich weggestorben und die allerletzten Reste sterben gerade. Ich frage mich daher, was das Rekurrieren auf diesen Teil der Geschichte überhaupt noch soll. Überlasst die Geschichte endlich den Historikern, schaut nach vorn. Auch Björn Höcke sollte nicht zu oft zurück schauen - dass ist doch irgendwie ein bisschen 80er, 90er aber nicht 2017. Wer meint, er müsse erst den Drachen des Schuldkultes töten, um frei zu sein, der sollte sich bewusst sein, dass dieser Drache faktisch tot ist und nur noch für politische Zwecke reanimiert wird.

Einer der Forenteilnehmer aus der Zeit des offenen Forums hier, hat zu recht regelmäßig darauf hingewiesen, dass man den "Untoten" nicht ständig auch noch selber bemühen und hervor beschwören sollte. Man läuft leicht Gefahr, das Geschäft des Gegners zu betreiben.

Und so meine ich, dass Höcke diese Themen doch einfach einmal sein lassen sollte. Die aktuelle Zeit bietet so viele Chancen für die AfD, dass man sich nicht an diesen Themen abarbeiten muss, wenn man aktiver Spitzenpoilitiker dieser Partei ist. Das können andere besser tun - insbesondere auch Metapolitiker und Rechtsintellektuelle ohne Parteibuch.

Ich mag Herrn Höcke als Person, da er einen sehr hohen und auch sehr hohen persönlichen Einsatz als Familienvater bringt, der echten Respekt abverlangt, aber hier halte ich Teile der Rede für Fehl am Platz und manche Ausdrücke oder Formulierungen kann ich auch nicht teilen. Insebesondere die Formulierung von einer 180-Grad-Wende. Das bedeutet doch, zugespitzt interpretiert, dass man Geschichte nicht historisch, wissenschaftlich behandeln will sondern nun seinerseits das machen will, was man dem Gegner vorwirft, nämlich Geschichte zu einem Narrativ, zu einem Mythos für die eigene politische Stoßkraft zu machen.

Das bereitet mir, um ehrlich zu sein, dann doch auch gewisse Bauchschmerzen. Nietzsches zweite unzeitgemäße Betrachtung "Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben" sollte evtl. von einigen einmal wieder entdeckt bzw. erneut gelesen werden.

Mein Appell:

Steht im Hier und Jetzt und bringt das Wahljahr 2017 zu einem guten Ende! Das ist der Auftrag, wie ich ihn für die AfD erkenne.

PS:

Ich dachte am Anfang auch, warum greifen Petry, Pretzell etc. nicht einfach mal zum Telefon und sagen Björn Höcke ihre Meinung, statt sie nach außen zu äußern. Mittlerweile sehe ich das etwas differenzierter, da die Äußerungen moderat waren und eine Parteiführung einer Partei, die das Potential von bis zu 30% oder mehr hat, eben auch Signale nach außen senden muss für all die Wähler, die selbstredend nicht den Stand und Informationshintergrund haben und haben können, wie die meisten Leser hier. Diese gilt es weiterhin von sich zu überzeugen und im Lager zu halten. Im übrigen glaube ich, dass die mediale Auffregung in diesem Fall unten, beim sog. Normalbürger, weit weniger ankommt, als all diese Medienleute, die jetzt die Hatz eröffnen, glauben. Die Normalbürger sind der ewigen Vergleiche und der ewigen Nazi-Beschimpfungen müde und schenken ihnen weniger Beachtung, als "oben" vermutet wird. Jetzt sollte die AfD eben eine andere Rakete zünden und dann geht es weiter. 

Thomas Zieringer
19. Januar 2017 15:57

Ein Denkmal der Schande?

Im Artikel heißt es "der Selbsthaß der Deutschen ist keine Erfindung...", das stimmt. Da die Deutschen bei ihrer Vergangenheitsbewältugung hängen geblieben sind schrieb ich bereits 1998 das Buch "Wendepunkt", darin ging es um die Wendung um 180 Grad hin zu einer positiven Gedenkkultur von der Höcke erst vor ein paar Tagen sprach. Das Buch war 19 wichtige Jahre früher, interessiert hatte es niemanden in der deutschen Kultur.  Zumindest ist mir nichts bekannt geworden. Über die Verwirklichung dieser positiven Gedenkkultur schreibt der Autor des Artikels in Sezession: "Es ist da zunächst die Initiative »Freiheits- und Einheitsdenkmal« zu nennen." - In meinem Buch wurde bereits ein Friedens- und Freiheitsmal vorgestellt, mit dem diese 180 Grad Wendung gelingen sollte. Es zeigt den "Baum des Lebens". Man geht in ihn hinein und will man wieder hinaus in die Welt gehen, muss man sich in der Mitte um 180 Grad drehen. Wer das getan hat redet aus einem tieferen Verständnis heraus aber nicht mehr so wie Björn Höcke. 

Im Gegensatz zu dem im Artikel angemahnten Freiheitsmal ist das in meinem Buch vorgeschlagene Friedens- und Freiheitsmal inzwischen verwirklicht. Sollte man nicht erst mal das wahrnehmen und wertschätzen was schon da ist, statt es zu ignorieren und nach Neuem zu rufen, das es noch gar nicht gibt? Vielleicht ist das auch sehr deutsch, aber was bitte bedeutet es denn konservativ zu sein?  - Ja, es war tatsächlich so schwer wie im Artikel beschrieben; "Wir Deutsche tun uns schwer mit Denkmälern und Gedenkstätten."  In unserem Fall führte das sogar zu einem Abrissbescheid auf Grund von ideologischen Vereinbarkeitsproblemen. Dieses erste Denkmal der Freiheit in Deutschland in diesem Kontext konnte aber dann doch noch gebaut werden, was vor allem einer Unterstützung aus dem Judentum zu danken war. Genehmigt worden war unser Denkmal von der Behörde unter den Namen "Friedensmal Wendepunkt" (jene Idee, welche die Konservativen nun zu verstehen beginnen). Eingeweiht wurde es Anfang 2013 schließlich als "Jerusalem Friedensmal" mit Hilfe der Jerusalem Post und Haaretz, weil in Deutschland damals so ein Freiheitsdenkmal schlicht niemanden interessierte, denn die deutschen Mainstreammedien verweigerten aus ideologischen Gründen die Berichterstattung und die Konservativen sehen leider bei dem Thema den Wald vor lauter Bäumen nicht. - Es geht nicht darum, dass mir die Anerkennung fehlt. Ich reise inzwischen viel und weiß, dass wer ein ganzes Land retten bzw. erlösen wollte selbst im Wahn ist. Im wahnhaften Handeln aber kann auch ein Land sich nicht wieder finden. Es ist genau dieser mühsame Prozess des Ringens um gegenseitiges Verständnis, was ich hier versuche, was zum herausfallen aus dem Wahn führte. Doch hier wird und wurde mir das Gespräch bei den Konservativen verweigert.  Es ist diese Verrat der sich konservativ Nennenden am eigenen Volk, der so schmerzt. Den Artikel kann ich so lesen, dass man mir also jetzt 19 Jahre  später - viel zu spät - Recht gibt mit der Idee vom "Friedensmal Wendepunkt". Nun aber ist das Projekt eben auch schon 19 Jahre weiter entwickelt und wenn es wieder bald 20 Jahre braucht für die Öffnung hin zu den neuen Sichtweisen, bei einer schon verwirklichten Idee, bei einem fertig gestellten Denkmal der Deutschen  - keine bloße  Traumtänzerei also - dann gibt es kein Deutschland mehr. Und so ist leider zu vermuten, dass in unserem Land die Gutmeinenden von Links und Rechts gemeinsam weiter in aktiver Ignoranz wüten und kämpfen und sich weiter verlieren.

Aber der Kampf selbst ist das Problem. Es wie bei jemanden der in seiner Gefängniszelle sitzt und gegen die Zellenmauern kämpft. Dabei war die Zellentür  die ganze Zeit nur angelehnt. Doch der Gefangene war die ganze Zeit so mit dem Kämpfen beschäftigt, dass er es nicht merkte. Das Jerusalem Friedensmal, das sich aus dem Friedensmal Wendepunkt entwickelt hat ist diese Tür, die den Deutschen schon die ganze Zeit offen stand. Sie müssen nur innehalten beim Kämpfen, zu sich kommen und durch diese Tür gehen. Das Überleben einer Kulturnation kann nur auf einem geistigen Feld gesichert werden. Doch dazu müssen die Grenzen der jeweiligen Ideologie überwunden werden, dass man dem Anderen zuhören mag und damit tun sich die Deutschen schwer und das wäre jetzt ihr Untergang.

Zum •Holocaust-Mahnmal": das Problem ist der Name. Juden benutzen aus Verständnisgründen nicht das Wort Holocaust, was Ganzbrandopfer bedeutet und aus dem Religiösen stammt. Eigentlich ist der Name eine Beleidigung des Jüdischen und er zeigt im Zentrum der Hauptstadt die Ignoranz der Deutschen. Schon alleine das rechtfertigt die Bezeichnung "Mahnmal". Juden nennen den millionenfachen Mord an ihrem Volk "Shoa", das bedeutet "große Katastrophe". Das wissen Höcke und viele andere vermeintliche und echte Konservative aber nicht, wie sie auch vieles andere nicht wissen und sie schwingen trotzdem große Reden. Diese Stimmen werden gehört; die leise Stimme des Jerusalem Friedensmals, das eben nicht nur aus Worten besteht, die so leicht "Schall und Rauch" sein können, sondern aus Rosenquarz, Marmor, Granit und Travertin, beständiges Zeichen über 100'erte von Jahren, formuliert in 18 Jahren an Arbeit als freiheitlich-bürgerliche Privatinitiative, was ja auch ein Bekenntnis und Zeichen ist, diese Stimme wird in diesem so selbstgerechten  Deutschland überhört. Wer merkt was wirklich falsch läuft in dieser Nation? Wir haben die Antwort in unserem kulturellen Fundament: "Die Wahrheit wird euch frei machen" steht in der christlichen Bibel, wobei die Wahrheit darin besteht, die offene Zellentür wahrzunehmen.

Das Holocaust-Mahnmal ist also sicherlich nicht wegen des Bekenntnisses zu einer großen Verfehlung der Deutschen eine Schande, im Gegenteil!, sondern wegen des  Namens, der sich leicht ändern ließe. Es ist künstlerisch, das sage ich selbst als Künstler, sehr gelungen. Bei Kunst ist es ja so, dass die endgültige Interpretation dem Betrachter überlassen bleibt. Nur soviel: der Architekt nannte seine Gestaltung zeitkritisch (Gegenwart) "Terror der Einsamkeit". "Die Juden" wollen den Deutschen gar nichts böses, sondern der Schlamassel findet in der eigenen kollektiven Seele der Deutschen statt; es geht darum mit sich selbst in Frieden zu kommen, statt vergebliche und unnötige Kämpfe auszufechten. Das ist der Weg in die Freiheit. Viel Zeit bleibt aber nicht mehr innezuhalten und aufzuhören immer nur wieder neues Chaos zu produzieren. Auch Frau Merkel ist nur der Spiegel der kollektiven Seele der Deutschen. 

Ich war Mitte letzten Jahres mit Yad Vashem in Auschwitz, als einziger deutscher nichtjüdischer Teilnehmer. Dort war meine Rolle in der Gedenkzeremonie die denkbar positivste, es war der lichtvollste Teil: ich las in Auschwitz Psalm 23 vor. Die Deutschen brauchen nur durch diese offene Tür gehen. Der Psalm 23 der Juden treibt jeden Selbsthass aus. 

Sehr viel genauer und gut verständlich habe ich es in der Beschreibung zum Jerusalem Friedensmal formuliert: www.jerusalem.vision

Nun möchte ich noch den Vorschlag machen, mit welcher Aktion - nicht Denken, sondern Tat und Zeichen - konkret die gar nicht verschlossene Tür aufgestoßen werden kann, so dass es jeder wahrnehmen wird:
Die konservativen Kräfte einigen sich darauf mit einer genügend großen Gruppe im Frühjahr einen Marsch von der Shoa-Gedenkstätte in Berlin - dann auch so genannt - zum Jerusalem Friedensmal bei Bensheim zu machen (die von dort aus sichtbare Rheinebene gilt als Geburtsstätte des Aschkenasischen Judentums). Das wäre der elegante, feine und schöne Weg - einer Kulturnation angemessen - und die 180 Grad-Wendung des Herrn Höcke gibt es gratis, wenn verstanden wird, dass diese Wanderung vom Mahnmal ins Friedensmal in der eigenen Seele stattfindet.

Heinrich Brück
19. Januar 2017 19:19

Eine Frage an die Runde: Hat der "Schuldkult" etwas mit der "demographischen Entwicklung" zu tun

Es geht jetzt wieder hin und her. Das Volk ist zu blöd für die Demokratie, na wenigstens in diesem Punkt ist man sich einig. Also schön vorsichtig reden, in der Demokratie gewannen schließlich immer die besten Lügner usw.

Oder die Motive der Kritik dieser Rede, sollten diese für die Demokratie ins Rennen gehen, bleibt von der Demokratie nur noch die Verachtung übrig?

Und wer eine Lohnerhöhung haben möchte, einfach langsamer arbeiten. Positiv dabei: höhere Renten, längeres Leben und mehrere Kinder (nach der Arbeit ist man dann nicht so kaputt)! Von dieser Wirtschaftsdemokratie gibt es auch etwas zu lernen, denn politisches Können ist dieser untergeordnet.

"Politische Bildung" ein leicht durchschaubares Muster unpolitischer Indoktrination, damit der Euro weiterrollt und der Wähler die Karte zieht, über die er sich nicht beschweren kann.

Höcke ist doch ein grundanständiger Kerl, was soll das Theater? Gibt es in dieser Demokratie vielleicht ein paar Angsthasen und Verbrecher zu viele, oder gibt es zu wenige richtige Politiker?

Findling
19. Januar 2017 20:48

- Die Infiltration der Hirne ab dem Schulalter mit der fixen Idee, nur Freuds Psychoanalyse im Sinne einer permanenten Aufarbeitung des Holocausts bewahre die Welt vor einem erneuten Vulkanausbruch der Teutonen. Die Folge ist eine kollektive Autophobie.

- Die Lehre von der Kollektivschuld hat sich subcutan einfach durchgesetzt. Ihr folgte unmerklich die erbliche Kollektivschuld, die Idee vom „Volk der Täter“. Zwar wird üblicherweise dem Rechtsempfinden geschuldet hinzugefügt, dass es keine erbliche Schuld gäbe, aber die Deutschen sollten sich doch bitteschön so verhalten, als ob es so wäre. Dem entspricht eine einfühlsame Verhaltenstherapie, die die Psychoanalyse flankiert.

- Es ist ein Kampf um den höchsten Opferstatus, ein Kampf um Macht. Der schuldig Gesprochene ist verurteilt, er schuldet, er duckt sich.

- Als das Holocaustdenkmal ins Gespräch kam, nahm zunächst ein Bild in mir Gestalt an: Ein Wolkenkratzer! Leuchtend weiß und klar und ganz oben: die Juden. Dann mit einigen Stockwerken Abstand (I. Bubis wehrte sich nachdrücklich gegen eine Einbeziehung der Roma) kamen andere Naziopfer wie z.B. die Roma, weiter unten und noch weniger licht die eher unspezifischen Toten, schließlich die guten Soldaten und so. Mein Onkel fiel knapp 18jährig in Italien – er war keiner der guten Soldaten, ihm gebührt nur ein Acker in Irgendwo. Ja, er wäre eine Belastung des Denkmals: Gut und Böse würden ungebührlich gemischt.

- Luthers Büchlein von der Freiheit eines Christenmenschen fiel ins Reich der Sage. Aber schau dich mal um, der Tetzel geht um.

Hartwig aus LG8
19. Januar 2017 21:04

Habe mit meiner Frau debattiert. 

Nun, mein holdes Weib ist gewiss nicht rechts; ich würde sie halbironisch als kulturkonservativ bezeichnen. Wie schon hin und wieder erwähnt, lassen wir Politik Politik sein. Aber diesmal hatte sie angefangen. "Was der da wieder gesagt hat" - Höcke war gemeint.

Ich blieb ohne Antwort auf die Frage, welches andere Land sich denn ein Denkmal der eigenen Schande ins Herz seiner Hauptstadt gebaut hätte. Ein Monument der Indianerauslöschung in Washington? Ein Denkmal für zig Millionen Tote des Stalinismus in Moskau? Die Schandtaten der Kolonialherren in London oder Paris? Oder der Kriegsverbrechen der britischen Airforce gegen die deutsche Zivilbevölkerung? Armenierdenkmal in Ankara? Oder das neue Gesetz in Polen, was es unter Strafe stellt zu behaupten, Polen hätten sich maßgeblich bei der Judenverfolgung in den 40er Jahren beteiligt?

Nein, wir sind die einzigen. Und ich fragte, warum das so ist. Warum sind wir die einzigen, die sich auf solche Art kasteien? Und schon kam Höcke wieder ins Spiel. Weil wir die Mentalität eines brutal besiegten Volkes verinnerlicht haben.

Frage in diese Runde:  Ist es klug, das jetzt zum Thema zu machen? Kurz vor wichtigen Landtagswahlen und der BTW?

Meine Antwort: Die AfD schafft keine 50 Prozent, sondern sie kämpft um 20 Prozent. Und dazu braucht sie einen Höcke und sein "Schnauze voll vom Schuldkult".

Paracelsus
19. Januar 2017 21:48

Soweit ich die Rede Höckes verstanden habe, sind da viele Gedanken enthalten, denen ich zustimmen kann. Das in der medialen und politischen Reaktion zentrale Thema der Vergangenheitspolitik ist meines Erachtens jedoch noch einiges zu grob umrissen; es bedarf, um von mehr Menschen verstanden werden zu können, der Differenzierung.

Zum Einen ist das, was hier schon bald schlagwortartig als „Schuldkult“ bezeichnet wird, nicht nur, wie @marodeur sehr treffend beschreibt, für manche Leute Anlass sich für etwas Besonderes zu halten. Ich vermute, der größere Teil der Deutschen lebt damit weitgehend unbewußt, das heißt, man stimmt den erinnerungspolitischen Vorgaben von der Vergangenheitsbewältigung zu, hält die eigene Verantwortung für die mörderischen Exzesse der 12 Jahre mehr oder weniger für real usw. Diese Zustimmung zum antifaschistischen Grundkonsens wird weder als etwas besonders Erhabenes noch etwas Schwieriges erlebt, es wird einfach für wahr und gegeben gehalten. Für solche Menschen ist das Sprechen vom „Schuldkult“ etwas Befremdliches, sie finden in sich einfach kein eigenes Erlebnis dafür, und wenn sie beispielsweise denken würden: ein Buchtitel wie „Vergeßt Auschwitz“ – na, der Broder darf das schreiben, aber einer der nicht Jude ist darf das nicht… - da wird nicht weiter nachgefragt, wieso die Genetik in diesem Falle doch wichtig ist für das, was einer an Meinungsäußerungsfreiheit in Anspruch nehmen kann. Das ist man halt so, feddich, nächstes Thema.

Wo kein Rettungsbedarf gespürt wird, wird aber der Retter zur komischen Figur. Sprich: Wer unter der Geschichtspolitik nicht leidet, braucht da keine 180 Grad-Wende. – Deshalb dürfte es einige Abgehängte geben, die Höcke einfach nicht verstehen können – abgesehen von der Mediengeistlosigkeit, die nicht willens ist, den Gedanken eines Menschen korrekt zu erfassen und wiederzugeben.

Es ist aber neben diesem Vermittlungs-/ Kommunikationsaspekt auch inhaltlich zu ergänzen: Was ist so schlimm an der Konzentration der Vergangenheitsbetrachtung auf die 12 Jahre? Ist etwas schlimm daran? Erreicht dieses Erinnern nicht seinen guten Zweck?

Ich denke, es erreicht nicht den Zweck, unter dem es angewandt wird. Denn: selbst wenn es nicht explizit ausgesprochen wird, es ist die untergründige Botschaft, die ankommt und sich im Unbewußten festsetzt. Ich bin Schuld. Als Deutscher bin ich schuldig geboren. Ich kann machen was ich will, ich gehöre dazu. – Ich will aber nicht dazu gehören, ich will nicht schuldig sein. Also: ich will kein Deutscher sein, Deutscher sein ist etwas Schlechtes. Ich bin als Schlechter geboren. – Der untergründige Selbsthaß der Generationen von Unschuldigen, der Selbsthaß der Unschuldigen  – das ist das Resultat der aktuellen Form von Vergangenheitsbewältigung.

Sie erzeugt also geistige Krüppel. Und die Auswahl, wer zum geistigen Krüppel werden soll, wird genetisch getroffen.

Hannah Arendt dazu: „Moralisch gesehen ist es ebenso falsch, sich schuldig zu fühlen, ohne etwas Bestimmtes angerichtet zu haben, wie sich schuldlos zu fühlen, wenn man tatsächlich etwas begangen hat. Ich habe es immer für den Inbegriff moralischer Verwirrung [Hervorhebung von P.] gehalten, dass sich im Deutschland der Nachkriegszeit diejenigen, die völlig frei von Schuld waren, gegenseitig und aller Welt versicherten, wie schuldig sie sich fühlten. („Nach Auschwitz, 1989, S. 81f.)

Kann man das einsehen? Kann man das nachvollziehen, nachfühlen?

Ich denke, es ist wesentlich, nach Höckes Paukenschlag nicht sich in Schlagworten zu ergehen, sondern die Tiefendimension des inkriminierten Themas auszuloten. Eine „es ist genug geredet/bewältigt“-Debatte hat überhaupt keine Chance und ist auch nicht richtig.

Die Frage ist ja doch: was braucht es, dass das deutsche Volk etwas zum gedeihlichen Zusammenleben der Menschen und Völker weltweit beitragen kann, dass es seinen Beitrag dazu geben kann? – Dieser Beitrag wird ja, trotz (oder wegen?) aller Vergangenheitsbewältigung, NICHT gegeben! Oder wo erleben wir deutsche Diplomatie, friedensstiftend, Spaltungen überwindend, für Menschenrecht eintretend? Doppelsprech, Doppelstandards erleben wir. Die Russen sollen so wenig homophob sein wie die Westeuropäer. Obama ist sympathisch, egal, wie viele Menschen er per Drohne zu ermorden befahl. – Oder Impulse des Gemeinsinns? Freundschaft mit dem griechischen Volk, statt „Griechenland-Rettung“ als reale Bankenrettung. Nein, im Gegenteil, wir erleben Großmachtphantasien, Führungsphantasien für eine angeblich freie Welt…

Deutschland braucht seelisch freie Menschen, die im Herzen nicht die Selbstablehnung tragen – bewusst schmerzvoll wie hier auf dem Blog viele, unbewusst dazu schlafend wie sonst viele – sondern die ihre Menschenwürde fühlen und sich herzlich der Welt und den Mitmenschen zuwenden können, aus innerer Freiheit, nicht mit krummem Rücken.

Der Schuldkult ist die Gegenseite, die Spiegelung des Nationalismus: beide Haltungen nehmen das Volksmäßige im Menschen zu wichtig.

Es kommt aber darauf an, dass der Einzelmensch in Würdigung seiner Volkszugehörigkeit und in Freude an dem kulturellen Reichtum, den ihm sein Volk übermittelt, sich auf sich selbst besinnt und der inneren Stimme folgt, die immer Freude am Leben, Tun und Für-andere-Dasein spricht.

Cacatum non est pictum
20. Januar 2017 01:45

Dies war die beste und mitreißendste Rede, die ich von Björn Höcke bislang gesehen habe. Sie war mutig, inhaltlich tadellos, von geschliffener Rhetorik und voller Angriffslust auf den politischen Gegner. Ich sehe die Göring-Eckardts und Stegners regelrecht vor mir, wie sie bei jedem Tabu zusammenzucken, das Höcke in seinem Redefluss entweiht. Die Anwesenden in Dresden haben das honoriert, indem sie die Stimmungswogen im Saal bis unter die Decke schlagen ließen.

Ob die Rede strategisch klug war? Ich weiß es nicht. Dazu fehlt mir vielleicht das Politberater-Gen. Ich weiß aber, dass sie sich richtig anfühlte, weil sie das Korsett der Political Correctness - dieser Geißel unserer Streitkultur - endlich einmal mit Vehemenz zum Bersten gebracht hat. Das tosende Medienecho legt offen, wie treffsicher Höckes Provokationen auf der Zielscheibe der Moralheuchler gelandet sind.

Wenn die AfD überhaupt in die Lage kommen möchte, eine radikale politische Kehrtwende zu vollziehen - und wir alle wissen, das ist unumgänglich -, dann muss sie eine Höcke-AfD werden. Wird sie das nicht, dann versandet sie alsbald im Spektrum der Lobbyparteien, des Luckismus, der wohlfeilen politischen Sprechroboter. Die Vorgänge der vergangenen Monate im nordrhein-westfälischen Landesverband - die ich zum Teil aus der Nähe miterlebt habe - sind ein Fanal. Hier geben nun die Liberalen, die Sofort-Distanzierer den Ton an, die bereitwillig jeden Geßlerhut grüßen, den ihnen die Etablierten vor die Füße schmeißen. Man will schließlich auch mitmischen im großen politischen Spiel der Altparteien.

Nein, die meisten Konservativen haben noch nicht geschnallt, was die Stunde geschlagen hat. Sie glauben - vielleicht in einer Mischung aus Kurzsichtigkeit, nostalgischem Selbstbetrug und erbärmlicher Feigheit -, dass eine Neuauflage der alten CDU die politische Ordnung in unserem Staat wiederherstellen kann. Aber das wird diesmal nicht reichen. Vieles wird man vom Kopf auf die Füße stellen müssen, und dazu gehört meines Erachtens auch der Bruch mit dem größten aller BRD-Tabus. Der deutsche Schuldkult ist ein unüberwindbares Hemmnis für selbstbewusste Zukunftspolitik. Wenn es nicht beseitigt wird, kann es eine deutsche Zukunft nicht mehr geben. Das halte ich für sicher.

Aristoteles
20. Januar 2017 18:56

Ich bin immer noch begeistert von dem Schwung, der Schläue und der Weisheit von Höckes Rede. Dass 70 Prozent die Rede nicht verstehen oder nicht verstehen wollen - um die geht es in diesem Fall nicht.

Und ob das BRD-Regime seine Bomben nun vor aller Augen und massenweise abwirft oder wie sonst (Migrantenschwemme ausgenommen, das ist Merkels Verdienst) heimlich, still und leise seine Minen verlegt --- manchmal gehört die Wahrheit auch ausgesprochen. Danke also auch für Höckes Mut.

In den Diskussionen scheint mir (außer u.a. oben im Lichtmesz-Artikel @Rheinländer und @Hesse) allerdings der Kontext um die ominösen drei Worte etwas zu kurz zu kommen. Denn Parteitaktitk hin oder her: Dass die Polit- und Pressefuzzis im Dreieck oder Sechseck springen würden, das wird Björn Höcke geahnt haben.

Wenn Höcke sagt, dass er der AfD zu 51 % bei den Bundestagswahlen verhelfen will und seine Zuhörer auf einen langen und entbehrungsreichen Weg dorthin einstimmt -, wer kann ihm das angesichts des desolaten mentalen Zustands des deutschen Restvolks in der Bunten Republik glauben? Er selbst nicht.

Die Dimension ist eine ganz andere.

Nachdem das Buntesverfassungsgericht den Willen zum Völkermord an den Deutschen in seinem Urteil zum NPD-Verbotsverfahren quasi offiziell gemacht hat ("Auch verstoßen die zentralen Prinzipien [der NPD] ([...] [u.a.] ETHNISCHER VOLKSBEGRIFF [...]) gegen die Menschenwürde [...]") und der Volksaustauch eigentlich für jeden sichtbar ist, der mit offenen Augen durch sein Land läuft, geht es bei allen politischen Mikadospielerein nicht zuletzt um eine tiefere Selbstbesinnung der Deutschen, zu der jegliche gut gemeinte Initiative innerhalb des BRD-Politgeschehens nur ein Vehikel sein kann:

'Wer ist bereit, das Deutschtum, das Preußentum in den Deutschen Stämmen (Friesen, Hessen, Schwaben, Bayern, Sachsen, Thüringer) auf dem langen und entbehrungsreichen Weg in die Zukunft weiterzuleben und weiterzutragen?'

Höcke stellt in seiner Rede treffend fest, dass das Deutsche Volk in seiner physischen Existenz noch nie so bedroht war wie heute. Die Verinnerlichung und Vergeistigung der Deutschen Geschichte und Kultur ist bei der Rückbesinnung jedoch nur die eine Seite der Zukunft. Die Zukunft des Deutschtums ist auch eine religiöse, und diese religiöse hat etwas mit dem STIGMA zu tun.

Die BRD-Links- und Buntfetischisten, die Doppelpassbürger empfinden dieses STIGMA nicht als Wunde, wie oben richtig festgestellt wurde. Sie verwenden es als heißes Eisen, mit dem die Deutschen immer wieder gebranntmarkt werden sollen. Dazu brauchen sie auch keinen Höcke als Anlass; die geigenzirpsenden Schwarz-Weiß-Filme laufen fast jeden zweiten Tag durch Funk und Fernsehen).

Möglicherweise ist sich Höcke auch darüber im Klaren, dass die Deutschen immer wieder gebranntmarkt werden müssen, um die religiöse Dimension ihres Deutschseins zu erkennen. Die Deutschen, die an ihrem STIGMA wirklich leiden (in welcher Form auch immer, und darauf zielt die Vieldeutigkeit der ominösen drei Worte ab), werden diesen Schmerz in ein positives Deutschtum verwandeln, das nichts mit der buntesrepublikanischen Philosophie/Pseudo-Theologie zu tun haben kann. Doch die Kainsnarbe wird dabei immer bleiben, auch wenn sich das Deutsche Volk mit Hilfe der Wahrheit seinen Platz im Himmel und auf der Erde erkämpfen wird.

Der Weg der Deutschen ist wirklich ein ganz anderer.

E.
20. Januar 2017 19:51

Wer in diesem entscheidenden Wahljahr einen entscheidenden Wandel zur Rettung Deutschlands als Land der Deutschen erreichen will, möge sich nicht in selbstbefriedigender Theorieakrobatik ergehen, die den potentiellen AfD-Wähler (und das sind viele) nicht erreicht oder gar abschreckt und dem Gegner nur Futter gibt.  - Er möge sich vielmehr die heutige Inaugurationsrede von Herrn Trump als neuen US-Prösidenten durchlesen und anhören und statt "Amerika" und "Amerikaner" die Wörter "Deutschland" und "Deutsche" gebrauchen. Dann gäbe es Hoffnung für einen Wandel in Deutschland.

Cacatum non est pictum
21. Januar 2017 08:59

@E.

"Wer in diesem entscheidenden Wahljahr einen entscheidenden Wandel zur Rettung Deutschlands als Land der Deutschen erreichen will, möge sich nicht in selbstbefriedigender Theorieakrobatik ergehen, die den potentiellen AfD-Wähler (und das sind viele) nicht erreicht oder gar abschreckt und dem Gegner nur Futter gibt."

Ja, genau: Das muss unser Hauptaugenmerk sein - dem Gegner kein Futter zu liefern! Immer brav den Parcours abschreiten, den er säuberlich für uns abgesteckt hat. Und jedes Mal, wenn wir über eine Unebenheit stolpern, gewähren wir ihm demütig Schadenfreude. Wir lassen uns von ihm die Themen diktieren und den Rahmen des Sagbaren vorgeben. An seinen Tabus rühren wir nicht. Es fühlt sich einfach so gut an, in seine Talkshows eingeladen zu werden und die uns zugewiesene Rolle des oppositionellen Deppen zu mimen.

Merken Sie gar nicht, dass Sie vom Gegner nach Belieben gelenkt werden können, wenn Sie stets darauf achten, dass Sie ihm nur ja keine Munition zum Feuern geben? Warum schlagen Sie ihm nicht das Heft aus der Hand und gehen erhobenen Hauptes den eigenen Weg? So etwa, wie Björn Höcke es mutig versucht.

Werter Forist, ich schrieb es sinngemäß weiter oben schon einmal: Das Wasser steht uns Deutschen bis zum Hals. Die Uhr ist am Ticken und sie tickt gegen uns. Das schleichende Gift der Massenarmutseinwanderung hat sich inzwischen zu einer lebensbedrohlichen Menge angehäuft. Zu glauben, man könne den Kollaps noch auf bequeme Weise abwenden, ist eine Illusion des konservativen Lagers. Jeder Ausweg wird verbunden sein mit starken Widerständen und mit Schmerz. Er wird Opferbereitschaft verlangen. Sie dürfen getrost annehmen, dass mediengeile Sozis wie Guido Reil oder Brutusse wie Marcus Pretzell einen solchen Weg nicht beschreiten werden - selbst wenn sie in Westdeutschland ein paar Wählerstimmen mehr generierten, was immerhin zu beweisen wäre.

Es ist so erbärmlich: Die linientreuen Medien werfen ein Stöckchen, und die oppositionellen Rechten stürzen sich darauf und zerfleischen sich gegenseitig. Aus einer 47-minütigen Rede mit breitem Themenpanorama wird ein einziger Satz destilliert und - wiewohl er sachlich unangreifbar ist - zum Skandal aufgebauscht. Anstatt zu erkennen, dass es sich hier um spottbillige Wahlkampftaktik des politischen Gegners handelt, fällt das eigene Lager seinem Redner in den Rücken. Ein wirklich jämmerliches Schauspiel und ein weiterer Beleg für die vielbesagte bourgeoise Feigheit.

Wir werden uns entscheiden müssen: Wollen wir das Ungeheuer vertreiben und weiterleben, oder möchten wir bloß als Letzte gefressen werden?

E.
21. Januar 2017 18:13

@ Cacatum non est pictum:

Zitat: "Das Wasser steht uns Deutschen bis zum Hals. Die Uhr ist am Ticken und sie tickt gegen uns. Das schleichende Gift der Massenarmutseinwanderung hat sich inzwischen zu einer lebensbedrohlichen Menge angehäuft."

Ich stimme dem zu.

Und?  Was nutzt es dann, immer wieder selbst über die Zeit des Nationalsozialismus 1933- 45 - einer Zeit deutschen Unheils, einer Zeit auch des Unheils für Deutschland, selbstverständlich! - rückblickende Theorie- und Verbalakrobatik zu betreiben, die niemanden mehr interessiert (außer den politischen Gegner, weil es ein gefundenes Fressen für ihn ist), die im realpolitischen Hier und Jetzt Wahlchancen einer nationalkonservativen Alternative für Deutschland hintertreibt und schwächt?

Noch einmal: Einfach einmal die letzten Monate des Trump-Wahlkampfes in den USA studieren - eine Blaupause für den Erfolg der AfD in Deutschland. Man muss es nur wollen, Disziplin wahren und einig sein.

Desprecio
21. Januar 2017 18:24

@ "Cacatum non est pictum"

Da meine eigenen Kommentare offensichtlich nicht mehr die Zustimmung der Betreiber finden (sie werden triftige Gründe haben), beschränke ich mich an dieser Stelle darauf, Ihnen meine volle Zustimmung und Anerkennung auf die-sem Wege zukommen zu lassen. Ihre beiden Wortmeldungen und die Beiträge derer in diesem Forum, die die Rede Björn Höckes anerkennend und zustimmend kommentiert haben, machen nach all dem Dreck, der von allen Seiten über Höcke niederging, nun wieder etwas hoffnungsfroher. Sie machen Mut, die eigenen kleinen Kämpfe gegen all das Unrecht, das man jedem von uns, unserem Volk und unserer Kultur täglich antut, fortzuführen oder gar zu intensivieren. 

Nicht zuletzt sollten gerade Leute wie Höcke, die an vorderster Front für uns den Kopf hinhalten, von ihren Anhängern und Mitstreitern Anerkennung erfahren und wissen, daß hinter Ihnen noch eine erwähnenswerte Zahl von Personen stehen,die von der Hoffnung auf eine vielleicht doch noch lebenswerte Zukunft für unser Volk getragen werden.

Für ihre Haltung und ihre Worte dazu möchte ich mich bei den Angesprochenen ausdrücklich bedanken.

Cacatum non est pictum
22. Januar 2017 08:52

@E.

"Und?  Was nutzt es dann, immer wieder selbst über die Zeit des Nationalsozialismus 1933- 45 - einer Zeit deutschen Unheils, einer Zeit auch des Unheils für Deutschland, selbstverständlich! - rückblickende Theorie- und Verbalakrobatik zu betreiben, die niemanden mehr interessiert (außer den politischen Gegner, weil es ein gefundenes Fressen für ihn ist), die im realpolitischen Hier und Jetzt Wahlchancen einer nationalkonservativen Alternative für Deutschland hintertreibt und schwächt?"

In der Rede ging es doch so gut wie gar nicht um den Zeitraum zwischen 1933 und 1945. Das Panorama war viel weiter aufgespannt: Es ging um das Selbstbild der Deutschen, um die wahnhafte Fixierung auf einen negativen Ankerpunkt in der Geschichte. Wenn Sie fragen, was das mit Realpolitik zu tun hat, dann möchte ich antworten: extrem viel. Das, was beispielsweise im Jahr 2015 hier passiert ist, wäre schlechterdings undenkbar gewesen ohne dieses geschichtliche Selbstbild. Ein Volk mit gesundem Selbstbewusstsein hätte sich eine solche Invasion, diesen massiven Rechtsbruch seiner Regierenden niemals bieten lassen. Können Sie sich ein vergleichbares Szenario für Polen oder Tschechien vorstellen? Wohl kaum. Dort hätte man mit robustem Grenzschutz geantwortet, wenn das nicht geholfen hätte, mit militärischer Gewalt; und ich garantiere Ihnen: Das gesamte Volk hätte dabei mitgemacht.

Wir sind wehrlos, weil wir dem sogenannten Schuldkult frönen, und wir werden es sein, bis dieser Kult verbannt ist. Meines Erachtens wird er nicht von selbst verschwinden - zumal es offenkundig Kräfte gibt, die ihn aggressiv verteidigen -, also muss er bekämpft werden. Dazu hat Björn Höcke seinen Teil beigetragen. Eine "nationalkonservative Alternative für Deutschland" in Regierungsverantwortung wird auch bei allerbesten Absichten die Grenzen nicht überwinden können, die vom Schuldkult abgesteckt sind.

Stil-Blüte
22. Januar 2017 09:44

Als Kontrastprogramm empfehle ich jedem Berlinbesucher, jedem Berliner ohnehin, den Ort des 'ewigen Friedens', der ein jüdischer Friedhof nun einmal ist, weil er keine Fristenlösung wie die christlichen Friedhöfe kennt, den größten jüdischen Friedhofs Europas (Gründung Mitte des 19. Jhd.) in Berlin-Weißlensee mit über 115.000 Gräbern, da zumeist Familiengräber, also ca. mit 300.000 Gebeinen zu besuchen.

Das ist ein lebendiger Ort des stillen unspektakulären Gedenkens, gleichzeitig ein lebendiger Ort der jüdischen Geschichte in Berlin. Die vielen prächtigen Gruften erzählen uns von besseren Zeiten zwischen Juden und Deutschen und weisen mit ihrem 'ehernen Gesetz des Friedens' über unsere Zeit hinaus. Eine Gedenkstelle für die ermordeten Juden Europas gibt es ebenfalls. Man kann stundenlang in dem weiten Areal umhergehen und mit sich und der Welt Frieden schließen.

Ein weiterer Ort, der nicht geschändet wurde, ist der kleinere, aber ältere Friedhof in Berlin-Mitte,  Schönhauser Allee. Auf beiden Friedhöfen liegen Persönlichkeiten begraben (z. B. Max Liebermann).

P.S. Irre ich mich, oder hatte sich Peter Eisenman nicht selbst einen unbekümmerteren Umgang mit dem Mahnmal gewünscht?

 

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