20. April 2017

Zweierlei Maß - vom Umgang mit der AfD

von Götz Kubitschek / 40 Kommentare

Der "Spiegel" nennt die AfD die "untalentiertesten Populisten Europas", die "Junge Freiheit" macht bei der Partei eine "Lust an der Selbstbeschädigung" aus, und in der Tat:

Während die "Zivilgesellschaft" in Köln gegen den AfD-Parteitag mobilisiert, denken seit gestern etliche AfDler vor allem darüber nach, wie sie aus den Fällen Petry und Bystron für sich und ihre Netzwerke Kapital schlagen könnten. Man wird also entzweit, unentschlossen, unversöhnlich und einander belauernd in eine Stadt fahren, die seit Wochen mit staatlichen, kommunalen, kirchlichen, gesellschaftlichen und parteilichen Mitteln und Methoden in einen Hexenkessel verwandelt wird.

Die AfD-Delegierten sollen weder per Bahn noch zu Fuß noch mit dem Auto anreisen können, die Partei selbst warnt vor jedweder Form von Übergriffen, verbalen und körperlichen, denunziatorischen und enthemmten, solchen gegen Sachen und solchen gegen Personen, und wenn nun kirchliche Arbeitskreise unter dem Motto "Unser Kreuz hat keine Haken" zu Gebeten gegen den Parteitag und seine Teilnehmer aufrufen, sind Prügelattacken, Tortenwürfe, Blockaden und Hetzjagden unter demselben Zeichen gesegnet, an das der IS in seinem Einflußbereich Christen nagelt.

Es werden am Wochenende in Köln Grundrechte mit Füßen getreten und außer Kraft gesetzt werden, und unsere parteiverseuchte juristische Führung wird behaupten, daß diejenigen, die ein Viertes Reich oder so etwas installieren wollten, sich selbst um diese Grundrechte brächten und daß ihnen zurecht gewehrt werde, siehe den Fall Bystron.

Petr Bystron, AfD-Landesvorsitzender in Bayern, ist ins Visier des bayerischen Verfassungsschutzes geraten, weil er Sympathie für die Identitäre Bewegung geäußert hat, die ihrerseits bereits seit Jahren in diversen Bundesländern und auf Bundesebene vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Man ist es ja mittlerweile leid, immer und immer wieder aufzuzeigen, was für ein schäbiges, wiederum parteipolitisch verseuchtes Instrument der Verfassungsschutz ist, man weiß das ja spätestens seit der der erfolgreichen Klage der Jungen Freiheit vor dem Bundesverfassungsgericht: Das Urteil bestätigte damals die Vermutung, es handle sich bei der Beobachtung um einen Denunziations- und Einschüchterungsprojekt mittels staatlicher Mittel, mithin um die Bekämpfung eines politisch-publizistischen Kontrahenten und eben keines Verfassungsfeindes.

Auch über die Identitäre Bewegung ist alles gesagt: Sie leistet dezidiert, also ausdrücklich, gewaltlosen Widerstand gegen eine gegen unser Volk und Land gerichtete Politik eines Komplexes, der schon viel zu lange ungestört sein Unwesen treiben darf. Und Petr Bystron sitzt einem Landesverband einer Partei vor, die die Wahlbeteiligung um jeweils mindestens 10 Prozentpunkte nach oben treibt, wenn sie antritt, und die sich ein Programm gegeben hat, das jeder CSU-Kreisverband vor 20 Jahren als zu liberal und zu wenig scharf konturiert zurückgewiesen hätte.

Die IB und Bystron und wohl bald ganze Landesverbände zu beobachten, ist nichts weniger als eine staatlich getragene Kriminalisierung unliebsamer Stimmen und politischer Gegner, und von Seiten der Partei sollte es zwei Reaktionen geben:

  1. Landeschef für Landeschef, Landesverband für Landesverband, Abgeordneter für Abgeordneter sollte die angeprangerten Aussagen Bystrons öffentlich wiederholen und sich als Beobachtungsobjekt anbieten. Dies könnte mittels Handy-Kurzfilm zu einem Selbstanzeigemosaik ausgebaut werden, und nichts würde das Verdächtigungsgeraune dieser verlogenen Heuchler in Politik, Verwaltung, Presse und Ämtern gründlicher zur Kenntlichkeit entstellen und sie zur Stellungnahme zwingen.
  2. Die Partei sollte die Verfassungsschutzbehörden auffordern, glasklare Kriterien für die Rechtfertigung einer Beobachtung aufzustellen und im Umkehrschluß die Möglichkeit aufzeigen, wie ein gemäßes Verhalten aussähe, wiederum unmißverständlich und ohne irgendeinen Interpretationsspielraum.

Man könnte darüber hinaus hunderte prominente Autoren, Publizisten, Politiker, Musiker einer Beobachtung anempfehlen – mit Dietmar Dath, diesem sich offen als Kommunisten bekennenden Liebling des Feuilletons, sei hiermit begonnen: Er ist ein gutes Beispiel dafür, wie man sich mit einer En-vogue-Gesinnung wie der Fisch selbst im trübsten, extremistischsten Wasser bewegen kann. Wir nehmen uns dazu ein Interview vor, das er der Welt gab, es erschien – Dath zitierend – unter dem Titel "In Lenins Schriften ist viel Nützliches". Daraus nun nur eine Frage und eine Antwort:

WELT ONLINE: Darf man die Leichenberge Lenins einfach so übergehen, wie Sie das in Ihrem Buch getan haben? 

DATH: Wenn jemand die Vorzüge der bürgerlichen Demokratie erläutert, muss er dann auch immer darüber reden, wie viele Bauern bei der Französischen Revolution ermordet wurden und dass die Gründer des modernen, liberalen Parlamentarismus ihre Feinde sogar in verschlossenen Booten im Fluss versenkt haben? Revolutionen verlaufen hässlich. Je rückständiger und barbarischer die Gegenden, wo sie stattfinden, desto schlimmer. Moralische Bewertung ersetzt niemals historische Analyse, die geht auf engem Raum aber nicht, und das Buch liefert Programmatik, nicht Geschichtsbilder.

Das ist nun in etwa so, als würden Karlheinz Weißmann oder Martin Lichtmesz oder wir hier über eine NS-Größe sagten, daß sich in ihren Schriften viel Nützliches finde, und es müßte schon eine NS-Größe sein, die nicht nur schrieb (also etwa Baeumler oder Vesper oder so), sondern eine, die zugleich schrieb und als verantwortlicher Politiker in Blut watete.

Als wir uns vor einigen Wochen auf der Leipziger Buchmesse das Gestammel von Volker Weiß anhörten, raunte dieser ins Publikum, wir bezögen uns auf Leute wie Carl Schmitt, Ernst Jünger und sogar Edgar Julius Jung. Müssen wir uns für diese drei rechtfertigen (von denen der eine nach 1936 abgemeldet war, der zweite dem konservativem Widerstand sehr nahe stand und der dritte den 30. Juni 1934 nicht überlebte, weil er eine todesmutige Rede gegen den NS verfaßt hatte)? Müssen wir sie überhaupt mit Lenin vergleichen? Oder wären da nicht Walther Benjamin oder Thomas Mann oder Jean-Paul Sartre die angemesseneren Größen, während für Lenin Hitler und Himmler übrigblieben? Aber weiter:

Die junge Welt betrieb im vergangenen Jahr im Rahmen eines Festivals eine "Lenin-Bar", und natürlich war Dath nicht weit – er trug dort vor. Dokumentiert sei nur mal eben der fröhliche Aufruf zur Ausstaffierung:

Wir wollen Lenin!
Liebe Leserinnen und Leser, zur Gestaltung unserer Lenin-Bar suchen wir Leninporträts, Fotografien, Gemälde, Briefmarken, kurz Abbildungen des großen Arbeiterführers in allen Formen, um damit unsere Lenin-Bar zu gestalten. Bitte bringen oder schicken Sie uns Ihre Abbildungen, Kopien oder eigene Werke an das Aktionsbüro (Torstraße 6 in 10119 Berlin) oder bringen Sie diese auf dem Pressefest an der Lenin-Bar vorbei!

Ich selbst flog ja unter anderem aufgrund einer Gedenklesung zu Ernst Jüngers Tod aus der Bndeswehr, die ich mit einigen Offizierskameraden in Sarajewo abhielt, mit Passagen aus den Marmorklippen und den Stahlgewittern. Aber jetzt stelle man sich mal einen Sezession-Stand auf einem Festival vor, der als Heinz-Guderian-Bar konzipiert wäre, ausgeschmückt mit Konterfeis, Panzermodellen und Ordensspangen, und dann kämen Jörg Friedrich, Alexander Gauland und der Herausgeber der Landser-Hefte zur Lesung – wobei Guderian dann doch eher mit Schukow als mit Lenin verglichen werden sollte (man will ja einen deutschen Panzergeneral nicht neben einen Schlächter stellen, und sei dieser noch so intellektuell).

Dietmar Dath in den VS-Bericht? Mindestens, wenn man dieselben Maßstäbe anlegt, die an Bystron oder die IB angelegt werden.

Gut, nun haben wir uns im Gelände verfahren. Vergleiche, Vergleiche, Offensichtliches, Assoziatives, einsame Schreibstube, intellektuelle Bewaffnung, während in Köln die Zivilgesellschaft ihre hypermoralischen Muskeln spielen lassen will und wird, und diese Leute würden sogar den Tod eines AfD-Delegierten wo nicht gutheißen, so doch wenigstens hinnehmen als unvermeidliche Verbrennung, die sich holt, wer auf die Herdplatte faßt.

Wir werden die Entladung des Hasses der Guten auf das Böse erleben, wir werden die Staatsorgane nurmehr eine Mindestordnung aufrechterhalten sehen, denn das, was geschehen soll, soll uns alle erziehen und in Zukunft von dem verrückten Versuch abhalten, uns massenhaft zu versammeln gegen das große Gesellschaftsexperiment der Etablierten.

Wir werden eine in sich uneinige AfD erleben, der Rechenschieber wird den Parteitag dominieren, und die Hygieneklugscheißer aus den eigenen Reihen werden – wie immer – Björn Höcke und Alexander Gauland und vielleicht nun auch Petr Bystron mit Nazigrößen vergleichen, weil es doch nur einer ganz, ganz sauberen Partei gelingen kann, vaselinefettig als Arschtorpedo weiter voranzukommen.

Entschuldigung.

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (40)

Der Gehenkte
20. April 2017 13:26

Dath hat recht: In Lenins Schriften ist viel Nützliches.

Wir sollten ihn als Theoretiker in den erweiterten Kreis der Aufmerksam aufnehmen - das hülfe uns wohl auch im Hinblick auf die Bewertung durch den VS; ein kleines taktisches Manöver ganz im Sinne Lenins ...

Starhemberg
20. April 2017 13:39

Dieser Text ist direkt aus dem Druckkochtopf herausgeschossen. Heiß und fettig. Als Österreicher mit mehr als 30 Jahren FPÖ-Erfahrung rufe ich meinen deutschen Brüdern und Schwestern zu: "Ruhe ist die erste Bürgerpflicht!" Unsere Freiheitlichen hatten massivste, existenzgefährdende Krisen, eine Spaltung (BZÖ), eine Fakepartei (Stronach), ein Absinken auf 3% Kernwähler. Und nun? Latent über 30%, ganz egal was die anderen machen oder sagen.

Ergo - die AfD wird ALLES überleben, einfach weil sie tatsächlich die einzige ALTERNATIVE ist. Ein passendes Spitzenteam wäre hilfreich, ist aber nicht zwingend notwendig. Nach den zu erwartenden Fremdenströmen des kommenden Sommers wird man die AfD auch dann wählen, wenn sie einen Fahrradständer als Spitzenkandidat präsentiert. Im Übrigen finde ich Alice Weidel eine ganz, ganz starke Personalreserve. Mein Team wäre Gauland, Meuthen, Weidel. Und Höcke ist eben dann der Stegner der AfD.

Andrenio
20. April 2017 14:00

Gut gebrüllt, Löwe!

RMH
20. April 2017 14:10

"Wir werden die Entladung des Hasses der Guten auf das Böse erleben, wir werden die Staatsorgane nurmehr eine Mindestordnung aufrechterhalten sehen, denn das, was geschenen soll, soll uns alle erziehen und in Zukunft von dem verrückten Versuch abhalten, uns massenhaft zu versammeln gegen das große Gesellschaftsexperiment der Etablierten."

Jeder, der an einer West-Pegida-Veranstaltung teilgenommen hat, konnte dies bereits in kleinerem Maßstab deutlich erfahren. Man wurde in Gattern kanalisiert und eingepfercht zum Anpöblen, Anspucken etc. vorgeführt wie an einem Pranger. Es war wie bei Orwells wöchentlichen Haßminuten.

Je suis Emmanuel Goldstein, quasi.

Wie auch immer, die Quittung gibt es in den Wahlkabinen - und auch hier sei 1% für seine Wahlbeobachtung gedankt.

Der Verlust jeglicher Verhältnismäßigkeit lässt einen schaudern und übel werden, da hat G.K. in seinem Beitrag vollkommen recht.

Im Debattenstrang zuvor hat der Debattenteilnehmer rautenklause auf den entsprechenden rechtlichen Rahmen, den das BVerfG nunmehr vorgegeben hat, hingwiesen. Mit diesem Rahmen lässt sich nunmehr wahrlich fast noch jeder als Verfassungsfeind hinstellen, der so etwas wie "Volk" für existent hält. Mit diesem Rahmen kann man auch jede x-beliebige Moschee unter "Beobachtung" zu stellen.

Es ist an der Zeit, dass Rechte wieder für Recht stehen - es ist maßgeblich eben auch ein "Kampf ums Recht."

Gerrit
20. April 2017 14:32

Na, da wird Höcke sich aber bedanken. Ausgerechnet Stegner. Aber gut. Ich rate dem Thema "Verfassungsschutz" generell mehr Gelassenheit entgegenzubringen. Der Verfassungsschutz hat praktisch keine Kompetenzen und noch weniger Personal - dank der neuen Mitbürger pfeifen die auf dem letzten Loch. Grundsätzlich, so viel Staatsfreundlichkeit sei mir erlaubt, halte ich es für völlig legitim, wenn der Staat die gesellschaftlichen Kräfte BEOBACHTET, die ihm zumindest kritisch gegenüberstehen. Sollen sie doch. Entsprechende Veröffentlichungen können dann inhaltlich geprüft und ggf. gerichtlich angegriffen werden. Ein Geheimdienst ist das ja wahrlich nicht. Dafür haben die 68er schon selbst gesorgt. Und: Wer liest schon den Verfassungsschutzbericht, wenn er dafür kein Geld erhält? Die Verteidigung des Eigenen beginnt im eigenen Umfeld. Und dazu gehört, seine Einstellung nicht zu verheimlichen, sondern mannhaft dazu zu stehen. Gleich, ob gegenüber dem Arbeitgeber, den Nachbarn oder eben den staatlichen Organen. Ich wünsche der AFD viel Erfolg und einen erfolgreichen Bundesparteitag.

deutscheridentitärer
20. April 2017 14:52

"Jeder, der an einer West-Pegida-Veranstaltung teilgenommen hat, konnte dies bereits in kleinerem Maßstab deutlich erfahren. Man wurde in Gattern kanalisiert und eingepfercht zum Anpöblen, Anspucken etc. vorgeführt wie an einem Pranger. Es war wie bei Orwells wöchentlichen Haßminuten. Je suis Emmanuel Goldstein, quasi." Das kann man sich nicht oft genug vergegenwärtigen. Diese aufgepeitschten, hsyterischen Massen glauben ernsthaft, dass sie "gegen Hass" demonstrieren. 

"Wie auch immer, die Quittung gibt es in den Wahlkabinen - und auch hier sei 1% für seine Wahlbeobachtung gedankt." Schön wäre es - bisher ist davon allerdings nicht viel zu merken.

Kürzlich habe ich mit einem aufrichtigen Linken darüber gesprochen; er hat zwar anerkannt, dass die terroristischen Verhaltensweisen der Antifa zwar real und ein Übel seien, aber es "hätte sie schon immer gegeben, ohne dass unsere Demokratie davon Schaden genommen hätte". Das lässt sich natürlich leicht sagen, wenn nur der politische Gegner betroffen ist.

Erdhummel
20. April 2017 16:56

Was soll das Gejammer? Die Partei "Die Linke" stand seit Gründung 2006 bis 2014 unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Einige besonders observierte Mitglieder dieser Partei tragen diese unappetitliche Tatsache heute wohl  wie einen Orden an der Kämpferbrust. Das hält man aus und lässt die Zeit arbeiten (und die Gerichte).

Um die sich immer mehr enthemmende "Zivilgesellschaft" aber zu zähmen, die lange Liste der  Übergriffe auf Grundrechte anzuprangern und überhaupt erst einmal bekannt zu machen - braucht es eine in sich  geschlossene AfD mit einem Programm, das dem Namen der Partei gerecht wird, um  zur Wahl und dann als  starke und lautstarke Fraktion im Bundestag anzutreten.

Wer etwas verändern will braucht Macht - politische Macht. Diese kann der politische  Gegner nicht mehr einfach ignorieren, niederschreiben oder sie durch die bekannten heißen oder klirrenden Erziehungs- und Zersetzungsmaßnahmen einschüchternd kleinhalten. "Opposition ist Mist" (Müntefering). Richtig! Außerparlamentarische Opposition und auch Fundamentalopposition aber sind  Selbstbefriedigung. Ich hoffe, die im letzten Absatz beschriebenen Zustände nicht zu erleben. Es wäre abgrundtief dumm. Doch ganz ohne ein wenig "Vaselinefettigkeit" bewegt sich in der Maschinerie dieser Partei auch nicht viel mehr als der Arsch auf dem Sitz - auch und besonders in Köln.

Simplicius Teutsch
20. April 2017 17:10

Die AfD kann nur von Innen her zerstört werden. Das galt damals auch für die Republikaner; die haben es allerdings geschafft, sich zu demontieren.

Das aktuell auf dem Kölner Parteitag offenbar angestrebte Petry-Experiment einer Abspaltung des „bösen“ rechten AfD-Flügels mit Hilfe eines dogmatischen „Zukunftsantrags“ wird innerparteiliche Zerfleischungsreflexe wecken, die das schnelle Ende der Partei einläuten werden; - wenn es denn in Angriff genommen und befördert wird. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche und das Beten gegen „diese haßerfüllte Frust-Truppe … das soll eine Alternative sein? Vielleicht für Arschlöcher. Aber nicht für Deutschland!“ (Worte des Herrn, gesprochen durch seinen Zeitgeist-Apostel Stefan Zimmermann, Chefredakteur des offiziellen Internetportals der katholischen Kirche in Deutschland über Twitter. – Ich habe das Zitat aus „neue ordnung“ I/17 entnommen).

Das Überleben der Partei zu organisieren und zu unterstützen ist im Moment die erste Mitgliederpflicht. Erst einmal das Naheliegende und Notwendige tun, eine Kölner Wagenburg bilden. Tages-Taktik geht jetzt vor Strategie. Sich gegenseitig stabilisieren, sich selbst zurücknehmen. Durchaus vielfältig und schillernd im Auftritt sein. Wieso sollte da grundsätzlich nicht Platz sowohl für Höcke als auch Petry sein? Die einen Anhänger und Wähler wollen eine gut aussehende Mutter mit fünf Kindern, die sich im politischen Tagesgeschäft wehren und behaupten kann, und andere wollen einen penetranten Geschichtslehrer, der ja nicht dumm ist.  Nur nicht intolerant oder zickig sein und keine tödlichen Schüsse in die eigenen Reihen. – Ob Alexander Gauland das als Kölner Wagenburg-Konzept durchsetzen kann? Ihm würde ich es zutrauen. 

 Die Tage habe ich sinngemäß folgende, ich meine zutreffende, Einschätzung zur AfD gelesen: Die AfD sei die Projektionsfläche für Wähler, die eine Alternative zur etablierten Politik herbeiwünschen. Deshalb werde die AfD gewählt. Und nicht weil sie schon jetzt eine Strategie ausformuliert habe, wie sie in vier Jahren eine Koalition mit der CDU oder SPD bilden will.

Schneekette
20. April 2017 17:11

Zustimmung bis auf zwei Punkte:

1. Ich bin recht guter Hoffnung, dass wir eine recht einige AfD erleben werden. Dass Petry de facto abgedankt hat und Höcke fernbleibt war hierfür Voraussetzung.

2. Ich hoffe, es ist mir in diesem Hause erlaubt zu äußern, dass ich Höcke für kein politisches Talent halte. Inhaltlich teile ich einen Großteil seiner Positionen. In der Form halte ich sein vergangenes Handeln für vermeidbar schwer fehlerhaft.

Wolfram Amadeus
20. April 2017 17:26

Ich hab' wieder angefangen in Alexander Solschenizyn's "Der Archipel GULAG" zu lesen. Das ist nicht nur eine Aufzählung von Erlebnissen als politischer Gefangener der ehemaligen Sowjetunion, sondern es steckt auch viel Analyse des damaligen Leninismus drinnen. Ich finde auch viele Paralellen zu heute in diesem Buch.                                                                                                                           

"In Lenins Schriften ist viel Nützliches", wird dieser Jounalist in der Welt-online  zitiert, vielleicht meint er "die Säuberung der (russischen) Welt von allem Ungeziefer" zwecks Errichtung einer streng revolutionären Ordnung, oder die "außergerichtliche Verfolgung mißliebiger Menschen", die mich an die Demonstration gegen den AfD Parteitag erinnert, ebenso wie an die geplante exorbitant hohe Bestrafung der Verbreitung von "Fake-news". - Personenkult und Einschüchterung statt Überzeugungskraft, da tun sich wieder Möglichkeiten auf für unsere Sozis. - Solschenizyn könnte man wieder mal lesen.

Dirk Ahlbrecht
20. April 2017 18:03

Ganz großes Kino, Herr Kubitschek.

Maiordomus
20. April 2017 19:16

Ja, Solchenizyn sollte man wieder lesen, auch die Brutalitäten Lenins und des Leninismus betreffend. Das ändert nichts daran, dass Lenin, kein untalentierter Politiker, vieles richtig gesehen hat, warum sollte er nicht? Und klar, dass jedes Poster und T-Shirt von Che Guevara auch ein Bekenntnis zur Hinrichtung politischer Gegner ist, wie es der Mann ja reichlich praktiziert hat, bis er selber dran kam. Allerdings sollte das Beobachtetwerden durch den Verfassungsschutz nicht verharmlost werden, weil es ein faktisches Berufs- und Amtsverbot bedeutet. Und natürlich muss man zwischen Petr Bystron unterscheiden und zum Beispiel Horst Mahler, dessen im Gefängnis geschriebenes  neueres Buch viel Wirres enthält, nicht mit zu Unterschreibendes, aber dennoch im Hinblick auf eine mehrjährige Haftstrafe ein klares Unrecht darstellt, und an den Tag legt, dass es in der Bundesrepublik nun mal politische Gefangene gibt. Diese Kritik wäre aber in keiner Weise mit einer Aufnahme der Thesen Mahlers in ein Parteiprogramm zu verwechseln, so wie man sich über Sektiererisches am rechten Flügel keine Illusionen machen soll. In der besagten Tendenz liegt der junge Sellner zweifellos richtig. Es genügt indessen, dass die Kriminalisierung politischer Meinungen oft über Analogieschlüsse erfolgt bzw. über Wortschatz und partielle Schnittmengen, siehe Lenin, der doch nicht immer Unrecht hatte. Und wer etwa die die Protokolle der vielstündigen Nürnberger Selbst-Verteidigung Görings liest, stellt fest, dass dieser Mann in Nürnberg weniger dumm geschwatzt hat als zur Zeit seiner ausgelebten Machtwillkür als Vorsitzender des Bundestages und als Politiker in den Dreissigerjahren, als er viele Fake-News verbreitete, nicht zuletzt auch im Zusammenhang mit dem Röhm-Putsch, zu dessen Opfern bekanntlich der von Kubitschek erwähnte Edgar Julius Jung gehörte, zu dem auch der Religionsphilosoph Leopold Ziegler noch nach dem 2. Weltkrieg gestanden ist.  Und Jünger verdient es natürlich, abgesehen von einigen extremistischen Äusserungen in den Zwanziger Jahren, dass man zu ihm steht. So wie Brecht, der auch nicht immer so extremistisch und totalitär war wie in der "Massnahme", mit welcher er schon den Geist der chinesischen Kulturrevolution und der stalinistischen Geständnisse vorweggenommen hat. Allerdings wurde bei Brechts Abdankung in Ostberlin nur gerade die "Massnahme" zitiert, eines der radikalsten Zeugnisse des Totalitarismus in der gesamten Weltliteratur.

Heinrich v. Langen
20. April 2017 19:20

Nach Silvester 15 bekommen die Kölner nun die nächste Lektion mit dem Aufstand der Selbsthasser gegen die einzige Partei, die noch bereit ist, das Eigene zu verteidigen. Das wird wieder für das ein oder andere Erwachen sorgen. Die Seite des Widerstands wird wachsen und das Erreichen der kritischen Masse näher rücken.

Wäre der VS nicht mal ein schönes Ziel für eine gelungene IB-Aktion?

nom de guerre
20. April 2017 19:50

"...vaselinefettig als Arschtorpedo weiter voranzukommen."

Autsch!

Maiordomus
20. April 2017 20:39

PS. Göring war natürlich Vorsitzender des Reichstages, nicht des Bundestages. Und dass er gegenüber seinen Nürnberger Anklägern in nicht wenigen Fällen schlagend argumentierte, im Einzelfall im Recht war, ändert nichts daran, dass sein Charakter nicht nur in Sachen Aneignung von Kunst auch kriminelle Züge an sich trug. Erstaunlich zukunftsweisend argumentierte er als Politiker im Jahre 1934, von einigen völkischen Luftblasen abgesehen, auf dem Gebiet des Tierschutzes, hier wirkt er schon fast wie ein Frühgrüner. Diese Art politischer Einschätzung, natürlich noch differenzierter, sollte mithin zu einer postulierbaren  Normalisierung geschichtlicher Debatten gehören, und zwar ohne dass jede einigermassen differenzierende Darstellung im moralistischen Sinn als Relativierung von Verbrechen angesehen werden müsste.  Auch nicht schon mal ein einziger Mord muss "relativiert" werden. Es ist theoretisch denkbar, dass eines Tages Krankenhausleitungen und Krankenhausmitarbeiter von Spitälern, in denen leichtsinnig Frühabtreibungen vorgenommen werden, wie in der Weltwoche in zwei neueren Nummern beschrieben, eines Tages analog zur Rechenschaft gezogen werden wie Mitarbeitende von Todeslagern aus dem 3. Reich oder aus dem Gulag, das ist aber freilich eine Frage des Geschichtsbildes und der Kriterien für Moral und Unmoral. Im Allgmeinen würde ich auch bei diesem Thema vor zu viel Moralismus warnen, weil der Moralismus nach Nietzsche einer Rachegesinnung entspringt. Statt gerecht sein will man, dass die Folgen der Unmoral  "gerächt" sind.

Nemo Obligatur
20. April 2017 20:41

Die Zersetzungsmaschinerie läuft auf vollen Touren. Lebt eigentlich Mielke noch?

Anderseits: Was haben wir erwartet? Die AfD bedroht das Machtkartell der Altparteien. Ist sie erfolgreich, wird es ihr Schicksal sein, selbst Teil des Kartells zu werden. Das kann man hinnehmen, vorausgesetzt, sie bleibt eine Plattform für Patrioten. Mit dem Zwischenresultat kann man zufrieden sein. Die AfD ist in so vielen Landtagen vertreten, dass man mit dem Zählen kaum nachkommt. Besser noch wäre der Einzug in den Bundestag. Da die AfD in den Umfragen bei 9% liegt, kann man davon ausgehen, dass sie die 5%-Hürde überwindet. Die AfD muss bis dahin eigentlich nur noch leidlich regelmäßig medial, aber nicht allzu radikal präsent sein. Und ab DANN kommt es drauf an. So wie die Dinge liegen, wird es im Bund wieder eine große Koalition  mit Merkel an der Spitze geben. Die AfD dürfte die einzige echte Opposition sein, einerlei, ob die FDP mit dabei ist oder nicht. Besser kann es für so eine junge Partei nicht laufen. Ich gehe davon aus, dass es aus der CDU im Laufe der nächsten vier Jahre einige Überläufer geben wird, denn das System Merkel geht dem Ende entgegen und es wird sich ins Trockene bringen wollen, wer noch kann.

Die große Frage bleibt: Wird danach für das ausgelaugte, gealterte und müde Deutschland noch etwas zu retten sein?

Donald Trump
20. April 2017 21:13

Die AfD wird länger am Leben bleiben als FDP, Grüne und Linke zusammen. Schließlich versinkt der deutsche Michel immer tiefer im Asylanten-"Mohren"-Moor, was wie Treibstoff für die Partei wirkt. Soll das Establishmentt ruhig 50000 Fußsoldaten in Köln aufbieten - jeder mehr wird der AfD am 24.09. zum Durchbruch verhelfen.

Ludovicus
20. April 2017 21:18

Schneekette, Sie werten gegen B. Höcke: "In der Form halte ich sein vergangenes Handeln für vermeidbar schwer fehlerhaft". Das ist der Ausdruck einer Emotion, aber kein Argument. B. Höcke ist das größte politische Talent seit den Alten, Strauß und Wehner. Dass er so und so radikal bekämpft wird, zeigt nur, wie groß sein Talent ist.

Sie machen die Hetzjagd der Gegner und die Nicht-Bereitschaft der Partei, sich gegen die Gegner zu verteidigen, zum Nicht-Qualitätsmerkmal von Höcke, unglaublich. Denn hätte die Partei von Anfang an gesagt, es ist Unsere Sache, Reden zu halten, und wir lassen hier kein  Scherbengericht über jede Rede eines der Unseren zu, dann hätte sich die Vernichtungslust schnell gelegt und auf das nächste Ziel sich gerichtet.

marodeur
20. April 2017 21:23

Kubitscheks schweren Ausfall am Schluß halte ich für angemessen. Vor einem Jahr hätte ich noch mitgefettet, aber wir sind heute gefühlt freier und gefestigter als damals. Die Penetrationsversuche haben nichts gebracht und nur sinnlos Kräfte gebunden. Wir sollten uns von all den geistigen Fesseln lösen. Die ewige Angst vor dem Verfassungsschutz gehört sicherlich dazu. Das heißt nicht, dass ich jetzt in die Heinz-Guderian-Bar gehe, um mir ein Feierabendbier zu kaufen. Aber wenn das alles so weiter geht, würde ich für nächstes Jahr nichts ausschließen.

Das erinnert an die "Warning" am Anfang des Sprechgesangalbums "Home Invasion" von Ice-T, was ich als junger Bengel gern auf meinem tragbaren Kassettenabspielgerät gehört hatte:

If you are offended by words like:
Hass!! - Populist!! - Verfassungsschutz!! - Rechts!! - Höcke!! - .. - whatever..
Take the tape out NOW!

Zadok Allen
20. April 2017 22:04

Herr Kubitschek, halten Sie es wirklich noch für politisch relevant, was der Orwellsch benamte "Verfassungsschutz" publiziert? Liest das noch jemand? Nimmt das noch jemand zur Kenntnis?

Der VS ist doch ein Dinosaurier der Alt-BRD, eines jener Phänomene, bei denen, wenn sie erwähnt werden, man sich mit einem "Ach, gibt's die auch noch!" aufs Knie schlägt. Also so etwas ähnliches wie der BdV oder die Deutsche Welle.

Ich möchte zugespitzt sagen, daß es um Leute, die eine Partei oder Bewegung heutzutage noch ablehnen, weil sie im "Verfassungsschutzbericht" steht, nicht schade ist. Was sollte man mit diesen Leuten als Parteigängern, auch als Wählern, anfangen? Wo die Aufklärung ein solches Vakuum füllen müßte, bevor auch nur eine Gesprächsgrundlage geschaffen ist, ist doch ohnehin Hopfen und Malz verloren.

nordlicht
21. April 2017 08:47

Danke, Herr Kubitschek...das macht wieder Mut. Und zum Thema AfD-Parteitag in Köln: Glaubt eigentlich irgendjemand; daß sich die Chaoten der Autonomen oder der Antifa jemals ernsthaft mit dem Parteiprogramm der AfD auseinandergesetzt haben? Darum geht es dieser Klientel nicht ernsthaft. Köln ist nur deren Spielwiese für Größeres oder um neue Taktiken für dieses Größere auszuprobieren. Der 1. Mai steht bevor und dann im Juli der G20-Gipfel in Hamburg. Viel Arbeit für den Verfassungsschutz...eigentlich. Warum nur werden antidemokratische Kräfte in Deutschland von der Politik, der Kirche und den Medien in Watte gepackt; während die AfD als demokratische Partei bis zum Exzeß politisch verfolgt und diffamiert wird?

Schneekette
21. April 2017 08:57

@Ludovicus

Strauss? Wehner? Hätten Sie ihre Linie mit Bismarck, Karl dem Grossen und Cicero fortgesetzt, hätte ich Sie glatt des Emotionalitätsverdachtes zeihen müssen.

Nun habe ich absolut gar nichts gegen Zuspitzung und Provokation. Von Trump auf diesem Felde lernen, heißt siegen lernen.

Aber auf dem Felde der ,Vergangenheitsbewältigung'? Es gibt viel mehr und geeignetere Baustellen als dieses Lieblingsthema mancher Konservativer. Dazu habe ich achon viel geschrieben. Also kurz: WEIL ES NICHT FUNKTIONIERT. Und das hätte er wissen müssen.

Gerrit
21. April 2017 10:06

Nach dem Abgang von Petry sieht es doch wieder gut aus. Es läuft doch auf Gauland/Weidel hinaus, was ich persönlich sehr begrüße. Langfristig sehe ich von Storch als die Führungskraft der AFD. Ich kenne Herrn Höcke nicht persönlich, als politisches Talent sehe ich ihn aber auch nicht. Dafür fehlt ihm schlicht das Auftreten. Und ein wenig taktisches Denken schadet sicher nicht. Mit der Aufarbeitung der deutschen Geschichte ist schlicht nichts mehr zu holen. Das muss der Literatur und der Wissenschaft vorbehalten bleiben. Aber: Man kann ein ganz feiner Mensch sein, ohne auch nur ein Fünkchen politisches Talent zu haben. Ernst Nolte wäre zB ein lausiger Politiker gewesen, war aber zweifellos ein großer Historiker.

Joachim K.
21. April 2017 10:15

Wer sagt denn, daß "der" Verfassungschutz nicht auch die Vertreter der Regierungsparteien "beobachtet"? Natürlich nicht offiziell, aber trotzdem sehr aufmerksam. Viele der Mitarbeiter dieser zur Zeit so mißbrauchten Einrichtung sind persönlich sehr konservativ - oft durch längere Bundeswehrzeit geprägt -und dürften mit ihrem Brötchengeber hadern. Die machen sich so ihre Gedanken und möglicherweise auch Notizen - rein privat, versteht sich.

Thomas S.
21. April 2017 10:21

Mit der Einführung des bewusst vage definierten Konzepts der "verfassungsschutzrelevanten Islamfeindlichkeit"  lässt sich die Beobachtung bzw. die öffentliche Denunzierung als Extremist beinahe willkürlich ausweiten.

Das Konzept ist so vage definiert, dass man bereits den Verzicht auf umfangreiche Erläuterungen über verschiedene Strömungen im Islam bei islambezogenen Aussagen oder das Ansprechen offenkundiger Fakten, etwa die durch zahlreiche Umfragen bestätigte Tatsache dass durchaus Mehrheiten unter Muslimen liberale gesellschaftpolitische Vorstellungen ablehnen, den Verdacht der extremistischen Islamfeindlichkeit begründen können.

Ein Großteil der mit dem Thema Islamismus befassten Mitarbeiter von Verfassungssschutzbehörden müssten nach dieser Definition als beobachtungsrelevante Islamfeinde eingestuft werden. Dem Vernehmen nach sind viele Mitarbeiter alles andere als glücklich über die parteiliche Instrumentalisierung ihrer Behörde durch eine Politik, die jahrelang Warnungen ignorierte und durch ihr Handeln Bedingungen geschaffen hat, die massiven Schaden für Deutschland erzeugen.

Monika L.
21. April 2017 10:21

"Findet der Gottesdienst in Köln gegen die AfD vor oder erst nach den Krawallen statt? Und wo darf man die Fürbitten für den Gottesdienst abgeben? Sollte der Pfarrer in seiner Predikt etwas über die Hölle erzählen, so muss er dann eigentlich nur noch die Türe öffnen und zusammen mit den Gläubigen nach draußen blicken."

Aus einer Leserzuschrift im Focus

 

Man kann das alles nur noch mi Sarkasmus ertragen !

Maiordomus
21. April 2017 11:44

Was ich die Normalisierung des Geschichtsbildes nenne, meines Erachtens nicht mit herkömmlichem Revisionismus zu verwechseln, weil dieser seinerseits parteiisch ist, kann in der Tat nicht die Basis eines Parteitriumphes bei den nächsten Bundestagswahlen sein, ist eine viel langfristigere Angelegenheit und rein politisch nicht zu erreichen. Insofern setzte Höcke wohl falsche Prioritäten, hat er sich selber aus dem Rennen um die Parteiführung genommen. Sinnvollerweise sollte man in einem Politiker, wie er  es ist, gilt wohl auch für Kubitschek, nicht eine politische Macht sehen, sondern ein Element. Ein Element ist dann langfristig geschichtswirksam, wenn es, wie einst Nolte, als integer einzuschätzen ist. Auf Elemente dieser Art kommt es aber durchaus an, wiewohl es weder Parteivorsitzender noch Fraktionsvorsitzender sein kann. Klar ist, dass weder Lenin noch die viel kleinere und unbedeutendere Nummer Stegner für ein solches "Element" das Modell sein kann. Von Göring natürlich ganz zu schweigen, der jedoch wie Lenin zu intelligentem Argumentieren fähig war. Es bleibt bloss festzuhalten, dass auch politisch negative Figuren manches richtig einschätzen und einen durchaus raffinierten Umgang mit der Wahrheit haben. Letztlich hängt aber die langfristige Möglichkeit, politisch Zustimmungsbereitschaft zu erzeugen, glücklicherweise auch von der Integrität ab. Um es noch mit einem amerikanischen Beispiel zu illustrieren: der Politiker Nixon war keineswegs dumm, schätzte vieles richtig ein, war aber nicht integer. Reagan hingegen war durchaus nicht politisch genial, aber integer, und kann, wiewohl an seiner Politik vieles nicht richtig war, vor dem Gericht der Geschichte bestehen. Noch ausgeprägter gilt dies für den rechten Präsidentschaftskandidaten von 1964, Barry Goldwater, dessen Integrität und Format freilich erst in der Ära der Bush-Präsidenten entdeckt und angemessen eingeschätzt wurde, als Präsidentschaftskandidat wurde er von der internationalen Mainstreampresse unverfroren mit Hitler verglichen. Für die moralische, nicht moralistische Aufrüstung der Republikaner im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts hat aber Goldwater als konservativer Politiker wohl unumstrittene Verdienste. Geistig befand sich der zweifache Buchautor auf einem anderen Level als Trump, zweifelsohne.

Um auf die deutschen Verhältnisse zurückzukommen: Von F. J. Strauss gibt es sehr kluge Ueberlegungen gegen die Bewusstseinsveränderungspolitik der 68er, sowohl die Moral wie auch das Geschichtsbild betreffend. Aber Strauss argumentierte da doch klar geschickter als Höcke, wusste noch besser, auf welchem vermintem Gelände man sich sich bewegt. Allerdings war zu seiner Zeit das Erfahrungswissen über den 2. Weltkrieg, auch im Hinblick auf die Eigenopfer der Deutschen, noch klar grösser. Auf das Wissen herkömmlich ausgebildeter Geschichtslehrer usw. kann man sich natürlich nicht verlassen. Auch muss klar gesehen werden, dass in den ersten Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg noch der Antitotalitarismus das Geschichtsbild bestimmte, erst als die 68er Professoren an die Macht kamen, begann der noch stärker ideologische Antifaschismus zu dominieren bis hin zu einer heutigen Antifa-Mentalität.

 

Simplicius Teutsch
21. April 2017 12:20

Zadok Allen

20. April 2017 22:04

"Herr Kubitschek, halten Sie es wirklich noch für politisch relevant, was der Orwellsch benamte "Verfassungsschutz" publiziert? Liest das noch jemand? Nimmt das noch jemand zur Kenntnis?

Der VS ist doch ein Dinosaurier der Alt-BRD, eines jener Phänomene, bei denen, wenn sie erwähnt werden, man sich mit einem "Ach, gibt's die auch noch!" aufs Knie schlägt. Also so etwas ähnliches wie der BdV oder die Deutsche Welle."

Lieber @ Zadok Allen,
ich würde Ihnen gerne recht geben, aber da muss ich widersprechen. Und fragen: Haben Sie einen Ruf zu verlieren? Haben Sie Freunde, Nachbarn, Vereinskollegen, Eltern, Geschwister, Familie, Kinder, die Sie voranbringen oder zumindest nicht belasten möchten? Ein Berufsleben, das in die Öffentlichkeit reicht? Wenn ja, dann sind Sie einer unter 10.000, der resistent ist gegen diese Exkommunikations-Maßnahme, die hinter der fiesen „Beobachtung durch den Verfassungsschutz“ steht.

Es nützt ja nichts, wenn Sie selber den Verfassungsschutz durchschauen, da bin ich bei Ihnen, aber in Politik und Gesellschaft ist er ein sehr wirksames, schlagendes Instrument einer durchgeplanten, perfiden psychologischen Kriegsführung hier gegen die AfD.

Die Identitären sind keine wirkliche Gefahr für die bestehenden politischen, gesellschaftlichen Machtverhältnisse. Die AfD schon. Wer kennt die Identitären? Schon der sperrige Name. Das wird wohl so ein Haufen rechter Spinner (Ex-Präsident Gauck) sein! Und daher kann man ihnen bequem nächtliche Besenausfahrten mit dem Teufel unterstellen. Dass sie diese Ausfahrten vor dem journalistischen Inquisitionsgericht, als Vorstufe weiterer Maßnahmen, abstreiten, ist doch nur logisch. Aber irgendwas wird schon dran sein, und Vorwürfe gibt es zuhauf.

- Und über diesen personellen Zusammenhang Identitäre-Bystron kriegt man dann auch einen untadeligen Bürger wie Peter Bystron von der AfD in die Inquisitionszange. Und damit zappelt auch schon der AfD-Landesverband Bayern am Haken über dem Inquisitionsfeuer. So einfach ist das.

Ich gehe mal bis ins Mittelalter zurück, als das Papsttum über seine Bischöfe, Priester, Pfaffen und vor allem die Klöster massive, ideologische Versuche einleitete, sich machtpolitisch über das Kaisertum zu erheben. Konkret erinnert sei an Kaiser Heinrich IV. und seinen Gang nach Canossa (1077).

Exkommunikation

Exkommuniziert zu sein, bedeutete den Ausschluss aus der Gemeinschaft der Guten, die Verweigerung der Teilhabe an der Messe und allen Sakramenten (Hochzeit, Taufe, etc.). Die Exkommunikation bedeutete dem mittelalterlichen Menschen nicht nur den Verlust des Seelenheils, denken Sie an die Höllenqualen in Dantes Inferno oder später an Luthers verzweifelte Gottsuche, sondern hatte oft den wirtschaftlichen oder politischen Ruin zur Folge; einem Exkommunizierten gegenüber waren alle (Lehens-)Eide und Verträge gelöst. Er war vogelfrei.

Gemäß Kirchenrecht zog der Umgang mit solchen Exkommunizierten automatisch die eigene Exkommunikation nach sich. In extremen Zeiten des Machtkampfes von Papst gegen Kaiser war die Lebensführung auch der politisch korrekt auf Papstseite Stehenden ständig gefährdet. Denn was geschah, wenn man, ohne es zu wissen (!), Umgang mit Exkommunizierten pflog. Die Hardliner unter den Theologen behaupteten, dass dies automatisch den Ausschluss aus der Heilsgemeinschaft der Kirche nach sich zog.

So brutal und gnadenlos im Namen des allmächtigen und einzigen Gottes in der Dreieinigkeit von Gottvater, Gottsohn und Heiliger Geist lief es damals ab, wenn man als Aufmüpfiger nicht doch  den Gang nach Canossa antrat und sich vollständig niederwarf. Petry so scheint's wollte oder will die Partei zwingen, diesen Gang zu gehen.

„Bürger“-Kriege, Leid, Verwirrung der Menschen und Verwüstung waren damals die Folge. Bin gespannt, wie die Innenstadt von Köln am Sonntag Abend ausschauen wird.

Moeller
21. April 2017 13:17

Großartige und kraftvolle Worte, Herr Kubitschek! Sie sprechen mir aus dem Herzen, so dermaßen aus dem Herzen!

Cacatum non est pictum
21. April 2017 18:50

@nordlicht

Und zum Thema AfD-Parteitag in Köln: Glaubt eigentlich irgendjemand; daß sich die Chaoten der Autonomen oder der Antifa jemals ernsthaft mit dem Parteiprogramm der AfD auseinandergesetzt haben? Darum geht es dieser Klientel nicht ernsthaft. Köln ist nur deren Spielwiese für Größeres oder um neue Taktiken für dieses Größere auszuprobieren. Der 1. Mai steht bevor und dann im Juli der G20-Gipfel in Hamburg.

Dass diese irregeleiteten, feigen und schwachen Wohlstandskinder am Wochenende Rabatz machen, ist zwar unschön. Aber viel bedeutender finde ich, dass sich darüber hinaus 50 000 Menschen einfinden wollen, die jene geplanten Chaostage flankieren und ihnen den Anschein der Legitimitation verleihen werden.

Was geht eigentlich in diesen Hundehirnen vor? Kann das mal jemand sozialpsychologisch aufdröseln? Parteien, Gewerkschaften, Karnevalsvereine, Amtskirchen und mutige Einzelbürger versammeln sich zum Protest gegen die gesetzlich vorgeschriebene Zusammenkunft einer demokratischen Partei - um genau was zu bewirken? Wo waren diese Pharisäer an Silvester 2015, als Horden von Fremden das christliche Wahrzeichen der Stadt anurinierten und mit Raketen beschossen und anschließend in großer Masse hilflose Frauen sexuell bedrängten? Wo waren sie in den Tagen danach? Wie konnten die fröhlichen Lokalpatrioten fortan nur diesen Schandfleck auf dem Tuch ihrer Stadtgeschichte vergessen und zur Tagesordnung übergehen?

Aber jetzt, da eine leidlich rechte Partei es wagt, in ihrer schönen Stadt eine nichtöffentliche Versammlung abzuhalten - jetzt kommen die Ratten aus ihren Löchern und schreien scheinheilig Zeter und Mordio. Welch erbarmungswürdiges Schauspiel!

Desprecio
21. April 2017 21:05

@ "Zadok Allen" / 20.April 2017 , 22:04 Uhr

"Wo die Aufklärung ein solches Vakuum füllen muesste, bevor auch nur eine Gespraechsgrundlage geschaffen ist, ist doch ohnehin Hopfen und Malz verloren."

Eine köstliche Formulierung, die das uns umgebende Unverständnis bis hin zur Unwissenheit, diese völlige Unkenntnis der Linken, von SPD bis ANTIFA beschreibt und auf die Unmöglichkeit der Kommunikation mit diesen Realitaetsverweigerern hinweist.

Dies bestätigt mich in meiner des öfteren in diesem Forum schon geäußerten Erkenntnis und Ueberzeugung, dass weite Kreise der uns umgebenden BRD-Bevoelkerung aufgrund ihres durch Linksindoktrination verschobenen Weltbildes, ihrer nicht vorhandenen Geschichtskenntnisse und nicht zuletzt wegen Fehlens jeglicher Ansätze von Intelligenz in Verbindung mit einem kaum zu ueberbietendem Hedonismus ("Verhausschweinung" - nach Konrad Lorenz) für mich als Gesprächspartner definitiv nicht mehr Infrage kommen.

Ich betrachte sie ganz einfach nicht mehr als satisfaktionsfaehiges Gegenueber. Verachtung dieser Nihilisten bringt uns vermutlich weiter als die ständigen Versuche, uns in Distanzeritis selbst zu schwächen und uns in Teilbereichen dem für uns tödlichen Zeitgeist auszuliefern. 5,1 % der Stimmen fuer die AfD bei der kommenden Bundestagswahl mit Björn Hoecke sind mir persönlich mehr wert als 15% ohne ihn.

H. M. Richter
22. April 2017 07:29

Die AfD-Delegierten sollen weder per Bahn noch zu Fuß noch mit dem Auto anreisen können, die Partei selbst warnt vor jedweder Form von Übergriffen, verbalen und körperlichen, denunziatorischen und enthemmten, solchen gegen Sachen und solchen gegen Personen. [G. K.]

Mit dem heutigen Tag tritt die Bundesrepublik Deutschland in eine neue Phase ein. Die Einschüchterung, Behinderung, ja angestrebte Verhinderung oppositioneller parlamentarischer Arbeit (!) hat nunmehr einen Grad angenommen, der noch vor kurzem undenkbar schien.

Um ein Blutbad, zu dem es heute unweigerlich kommen würde, zu verhindern, werden zwar tausende Polizisten aufgeboten, doch auch dies dient dem Wahlvolk gegenüber letztlich als Drohkulisse und wird benötigt, um nicht vor aller Welt Bilder entstehen zu lassen, die russische und türkische Verhältnisse bei weitem übertreffen würden.

Der Kettenhund, die sog. Antifa, wird endgültig losgelassen. Ob dies zu früh oder zu spät geschieht, wird sich zeigen.

Als in der Endphase der DDR die Ordnungstruppen der FDJ, geschützt durch Motorradhelme, mit Knüppeln in der Hand und flankiert von anderen gesellschaftlichen Kräften wie den Kampftruppen der SED, den Untergang verhindern sollten, gelang dies jedenfalls nicht mehr. Die Widersprüche in der DDR hatten ein Ausmaß angenommen, das nicht mehr zu unterdrücken war.

Daß sich die beiden Amtskirchen im Gegensatz zu damals heute als gänzlich unfähig erweisen, die Lage zu erkennen, kann in einer Zeit, da ihre höchsten Repräsentanten meinen, ihr Kreuz ablegen zu müssen, um nicht zu provozieren, nicht überraschen. Wer sein Fundament verleugnet, braucht sich nicht wundern, wenn die Domplatten ins rutschen geraten.

Desprecio
22. April 2017 07:51

@ "Cacatum non est pictum" / 21.04.17, 18:50 Uhr

"Was geht eigentlich in diesen Hundehirnen vor ? ..............................................."

Ich persönlich suche seit Jahren nach passenden Begriffen und Worten für das, was in der Gedankenwelt dieser linken Asozialen vorgeht, falls dort ueberhaupt noch etwas vorgeht und doch alles nur noch von ungesteuerten niederen Instinkten geleitet ist. Bis vor einiger Zeit neigte ich noch dazu, diese nur partikular mit menschlichen Eigenschaften ausgestatteten Individuen als Ratten zu bezeichnen.

Man wird aber keinem Wesen aus der Tierwelt gerecht, wenn man es mit dieser menschlichen Ausschussware vergleicht, die mit Zustimmung und sogar mit Unterstützung der Regierenden in dieser BRD ihre tägliche Randale verbreitet. Dies gilt meiner Meinung nach für einen moeglichen Vergleich mit Ratten und noch viel mehr mit Hunden, den treuesten Begleitern von uns Menschen seit tausenden von Jahren.

Corvusacervus
22. April 2017 13:28

Immer mit der Ruhe. Daß das Bundesamt für Bundesverfassungsschutz (BVS) die Alternative für Deutschland beobachtet kann man erwarten und, mal ganz unter uns, man kann das eigentlich wunderbar nützen in der politischen Propaganda. Vorwärts und nicht vergessen: Die AfD ist die Partei, die die "Herrschaft des Unrechts" bekämpft und also ist sie auch die Partei, die den staatlichen Sicherheitsorganen hilft, die Verfassung zu schützen. Polizisten, Soldaten, Verfassungsschützer, Richter, Staatsanwälte sind natürliche Verbündete und Wähler der AfD und das darf und muß sie laut sagen. Die politischen Polizei- und Justizführungen behindern und verraten ihre Leute und das darf und muß die AfD scharf attackieren! Überrollt im Sommer eine neue Einwandererflut die deutschen Grenzen, marschiert die AfD Richtung 25% bei der Bundestagswahl, egal, wer was wie von der AfD kund tut. Sollten die Kartellparteien im Sommer 2017 eine weitere Einwanderungsüberflutung verstecken oder verhindern können, wird der AfD ein Erdrutschergebnis nicht gelingen. Das Bundestagswahlergebnis sollte dann zwischen 8% und 12% liegen. Für beide Ergebnisszenarien ist irrelevant, ob und wie der BVS die AfD beobachtet. In höchstem Maße relevant für den Erfolg der AfD ist allerdings, wen der BVS - hier als Werkzeug der Kartellparteien und deren Machterhalt agierend - in der Führung der AfD und im Unterstützerhintergrund auf der Honorarliste hat und ob es mit deren Hilfe gelingt, von innen heraus Chaos, Skandal und Zersetzung in der AfD zu befördern (wobei auch AfD-Personal behilflich sein kann, daß der BVS nicht bezahlt für seine Verräterdienste, sondern das mit gewissen Akteneinsichten und sonstigen Informationen über sein Vorleben und aus seinem Vorleben, na sagen wir, zur Mitarbeit ermuntert werden konnte).

Stil-Blüte
22. April 2017 13:40

Keine Nation ohne innernationale Feinde. Kein Staat ohne innerstaatliche Feindseligkeiten. Keine Partei ohne innerparteilichen Machtkämpfe. Keine Familie ohne innerfamliäre Streitigkeiten. Die Mittel: totalitär: Mord, Unruhen, ideologisch: Ruf-Mord; Spaltung.  Allgmein üblich: eiskaltes Kalkül, Intrige, Verstellung, Trennung, kalte Schulter zeigen, im besten Falle Taktik, Scheingefecht; Zwiespalt.

Warum sollte die AfD von Ränken, Klatsch und Tratsch, Enten, genannt facs, ausgenommen sein (passiv) oder werden (aktiv)? Überfordern wir sie nicht. Halten wir ihr den Daumen. Halten wir zu ihr! Haltung! Für mich ist Frauke Petrys Gravidität auch Metapher. Eben nicht nur Kabale, sondern auch -  Liebe: 'ooh, welch Freude! Ein kleines Kind entsteht in meinem Leibe' (Brecht, 'Der gute Mensch von Sezuan')

@ Desprecio

Antifa: Arme Würstchen. Und das meine ich nicht nur böse.

Klaus D.
22. April 2017 13:55

@H.M. Richter

Was sind (bzw. waren) "Ordnungstruppen der FDJ"? In unserer Stadt (damals Großstadt mit über 100000 Einwohnern) lief alles (zig Demos) ohne irgendeine erkennbare staatliche Gegenmaßnahme über die Bühne (bzw. Straße). Selbst auf deren Seite hatte man die Unzweckmäßigkeit solcher Aktionen erkannt. Keine Polizei, keine Kampfgruppen, keine NVA, keine Sowjetarmee, kein einziger Schuß! Aber das nur nebenbei.

Zur AfD. Auffallend ist das in der AfD bzw. im Verhältnis zu ihr festzustellende doch sehr unterschiedliche politische Denken und Fühlen der Menschen in Ost- und Westdeutschland, was sich auch prinzipiell in den Strömungen (patriotisch, realpolitisch) wiederfindet. Ich hoffe sehr, daß eine geschlossene Front mit einem starken patriotischen Flügel hergestellt werden kann.

Balduin B.
22. April 2017 18:17

Sehr geehrter Herr Kubitschek, Sie sagen : „Wir werden eine in sich uneinige AfD erleben“…..

Mag sein. Dies ist allerdings nicht verwunderlich, ist die AfD ja schließlich eine extrem junge Partei, die ohne funktionierende Strukturen den Einzug in zahlreiche Parlamente auf Landes- und Kommunalebene meistern musste. Da ich selber auf kommunaler Ebene AfD-Mandatsträger bin, weiß ich ein Lied davon zu singen, wie schwierig das ist. Die Erwartungshaltung, eine reibungslos und professionell agierende Partei zu haben ist zwar nachvollziehbar, aber noch unrealistisch.

Der Verlauf des Parteitages gibt trotz aller Querelen Anlass zu Hoffnung: Die Partei ist keine „Ein Mann Veranstaltung“, wie die „Truppen“ um Trump oder Wilders, die sich in Luft auflösen, wenn die Führungsfigur, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr zur Verfügung steht. Die AfD ist trotz allem bereits extrem stabil und entwickelt sich in Richtung Standhaftigkeit gegenüber Bestrebungen einer Anpassung an das Establishment. Daß es stromlinienförmige Karrieristen auch gibt, ist klar; zu verlockend ist die Mitwirkung im System. Mit der Abstrafung des P&P-Gespanns in Köln sind die Weichen richtig gestellt, schädlichen Koalitionsbestrebungen wurde indirekt eine Absage erteilt.

Herr Kubitschek, ich verstehe Ihren Unmut angesichts des Streites in der AfD und weiß, er resultiert aus der Gewissheit, daß uns die Zeit die uns bleibt die Dinge in Deutschland zu richten, zwischen den Fingern zerrinnt. Björn Höcke hat mit seiner umstrittenen „Dresdner Rede“ bewirkt, daß sich in der AfD die Spreu vom Weizen trennt. Die Querelen, die das auslöst, müssen wir aushalten auch wenn der Zeitpunkt vor der Bundestagswahl ungünstig ist. Wir alle wissen ohnehin, daß die Wahl 2017 nicht die von uns herbeigesehnte Richtungsentscheidung bringen wird.

Ich sehe die Hauptaufgabe der AfD derzeit in der Verwurzelung in der Gesellschaft. Nur aus der Verwurzelung und feinsten Verästelungen bis in die letzten Winkel kann ein starker Stamm erwachsen. Auf diesem Weg, so mein Eindruck, kommen wir gut voran. Der Sturm der uns noch umwerfen kann, müsste schon gewaltig sein!

Cacatum non est pictum
22. April 2017 20:35

@Desprecio

Man wird aber keinem Wesen aus der Tierwelt gerecht, wenn man es mit dieser menschlichen Ausschussware vergleicht, die mit Zustimmung und sogar mit Unterstützung der Regierenden in dieser BRD ihre tägliche Randale verbreitet. Dies gilt meiner Meinung nach für einen moeglichen Vergleich mit Ratten und noch viel mehr mit Hunden, den treuesten Begleitern von uns Menschen seit tausenden von Jahren.

Ihre Ehrenrettung unserer Vierbeiner ist sympathisch. Sie wissen ja, wie es gemeint ist. Außerdem bezog ich mich nicht so sehr auf die Antifa-Chaoten, sondern mehr auf die übrigen Demonstranten, die sich heute in Köln todesmutig "gegen Rechts" versammelt haben. Auf die Vertreter der Amtskirchen, dieser unterwanderten Institutionen am Tropfe des Staates, die sich nicht entblödet haben, AfD-Delegierte als verirrte Seelen darzustellen. Auf die Taxifahrer, die sich unter Missachtung des Personenbeförderungsgesetzes geweigert haben, Mitglieder der AfD zu transportieren. Auf die toleranten Karnevalisten, die angekündigt haben, das Tagungshotel zukünftig zu boykottieren. Auf die Gastwirte, die keine Getränke an "Rassisten" ausschenken wollen. Und und und.

Auch für mich war der heutige Tag ein Einschnitt. Ich werde Köln, in dem ich mehrere Jahre gelebt habe, nicht mehr betreten. Das Ausmaß der Heuchelei und Niederträchtigkeit, das die Tonangebenden in dieser Stadt (und zahlreiche Mitläufer) heute an den Tag gelegt haben, hat mich nachhaltig angewidert und meine schlimmsten Befürchtungen übertroffen. Die selbstverliebten Wortmeldungen der linskradikalen Bürgermeisterin, die offenbar den Antifa-Terror (von dem die Lügenpresse einmal mehr nur marginal und völlig unzureichend berichtet hat; man befrage Delegierte und Polizisten) ungerührt unter die Stichworte "bunt und weltoffen" subsumierte, waren lediglich das Sahnehäubchen.

Meine Kinder werden keinen Schulgottesdienst mehr besuchen. Diese Weisung ergeht kommende Woche an die Schulleitung. Es wird langsam Zeit, auch im Privaten die Fronten zu klären und das Umfeld neu zu sortieren. Die Umstände hierzulande zwingen dazu.

@H. M. Richter

Um ein Blutbad, zu dem es heute unweigerlich kommen würde, zu verhindern, werden zwar tausende Polizisten aufgeboten, doch auch dies dient dem Wahlvolk gegenüber letztlich als Drohkulisse und wird benötigt, um nicht vor aller Welt Bilder entstehen zu lassen, die russische und türkische Verhältnisse bei weitem übertreffen würden.

Danke, dass Sie das aufgegriffen haben. Unsere Landsleute ergehen sich in Heuchelei, wenn sie mit dem Finger auf die Türkei zeigen. Was in Deutschland mittlerweile politisch passiert, ist möglicherweise schlimmer. Einzig die exekutive Gewalt scheint sich noch weitgehend in der Sphäre des Rechtsstaates zu halten. Und ganz klar: Ohne die Polizei hätte es heute Tote gegeben. Man schaue sich Privatvideos im Internet an.

Zugezogener Hesse
23. April 2017 11:07

Möchte den vielen guten Gedanken und das sind auch jene, deren Inhalt ich nicht teile, nur noch eine Gedankenrichtung hinzufügen. Höcke wird nach meinem Dafürhalten von einigen Spitzen-AfDlern weniger wegen der Betonung geschichtlicher Wendeansprüche, noch wegen der Konkurrenz-Gefahr,  sondern hauptsächlich wegen seiner Grundhaltung zur "Vaselinefettigkeit" nicht verteidigt. Und allein damit spalten jene von innen heraus objektiv die eigenen Reihen mehr, als  es die daran grundsätzlich Interessierten außerhalb der Partei wirklich könnten. Dadurch wird dann sogar der Name "Alternative" zur Leerformel. Oder will man eine Alternative in der Richtung sein, daß man seinen "Stegner" selbst entsorgt?

Hier halte ich es voll mit Ludovicus:

"Denn hätte die Partei von Anfang an gesagt, es ist Unsere Sache, Reden zu halten, und wir lassen hier kein  Scherbengericht über jede Rede eines der Unseren zu, dann hätte sich die Vernichtungslust schnell gelegt und auf das nächste Ziel sich gerichtet."

Kommando Rob
25. April 2017 15:05

Grossartig; es sollte aber erwähnt werden, dass auch die österreichischen Uhren von Schnellroda aus aufgezogen werden. Vermutlich wird auch die zukünftige Grösse der Löcher im Schweizer Käse durch ein Dekret von Kubitschek diktiert werden.

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