16. Mai 2017

Wie Sieferles Geist in die Flasche zurückgepreßt werden soll

von Götz Kubitschek / 32 Kommentare

Im Verlag Antaios ist eines der nachgelassenen Werke Rolf Peter Sieferles erschienen: Finis Germania. Nun hat Jan Grossarth in der FAZ unter anderem anhand dieses Buches geistiges Gift ausgemacht:

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Sieferle sei seit 2014 nicht mehr der Alte gewesen, referiert Grossarth, der sich in seinem Artikel immer wieder auf "Freunde" des Wirtschaftshistorikers und Kulturphilosophen bezieht (leider wollen diese Freunde allesamt anonym bleiben). Er sei nicht mehr der Alte gewesen, sondern "verbittert, todernst, vereinsamend". Aus dieser persönlichen, teils krankheitsbedingt aussichtslosen Lebenssituation heraus hätten dann Texte wie Das Migrationsproblem oder eben Finis Germania entstehen können, und Sieferle habe, da er sich im September 2016 umbrachte, gar nicht wissen können, daß und wo sein letztes Werk erscheinen würde.

Dieser Satz klingt ein bißchen nach Kafka und Max Brod: Wo Kafka nicht verbrannt hatte, was nie gedruckt hätte werden sollen, lag eine Veröffentlichung im Ermessen seines Nachlaßverwalters Brod, der sich über den Wunsch Kafkas auf Vernichtung seines Werkes hinwegsetzte.

Und Sieferle? Hatte er bloß vergessen, das, was an ihm "nicht mehr der Alte" war, in den Papierkorb zu verschieben und ihn hernach zu entleeren? Mitnichten: Sein Rechner sei aufgeräumt gewesen, gelöscht all das, was für eine Veröffentlichung nicht vorgesehen war, berichtet ein nichtanonymer Freund Sieferles, Raimund Th. Kolb, im Nachwort zu Finis Germania.

"Das letzte Buch hätte er niemals schreiben dürfen", zitiert Grossarth aber wiederum einen Freund, wiederum anonym, und er ist sich sicher: Am Grab jedenfalls habe die Wissenschaft "um den alten Sieferle" geweint und nicht um jenen, dessen geistige Schlußsteine seine Witwe uns Verlegern anvertraute.

Das alles – die Wertung, der Ton, die Herleitung der späten Schriften aus Krankheit und Kränkung – ist ziemlich arrogant von Jan Grossarth. Er steht mit dieser Arroganz aber nicht allein da, sondern darf sich in Gemeinschaft wissen mit den vielen anderen Intellektuellen und Köpfen, die spätestens 2014, 2015 ihr Denken einer besonders krasse Form der geistigen Parteidisziplin unterworfen haben.

Nicht, daß es zuvor besonders viel Unabhängigkeit und Bandbreite in den Geistes-, also Deutungswissenschaften gegeben hätte. Daß aber ein Staatsstreich von oben, ein rechtlicher Epochenwechsel, eine Willkommenstaumel bar jeder Vernunftsgrundlage und ein nachgereichtes, mittlerweile bereits ein gutes Jahr andauerndes Geheuchel der Verantwortlichen von der universitären Welt beinahe lückenlos begrüßt, unterstützt, zurechtgelogen, verteidigt und mit Tabus bewehrt wurde und wird, ist ein Offenbarungseid, und vielleicht sollte man den Begriff der geistigen Parteidisziplin noch steigern und von einer Art gegenseitiger Gleichschaltung sprechen:

Ganze Fachbereiche sind gesäubert von jenen, die eine abweichende Sicht einnehmen könnten. Als neu und gewagt gilt nicht mehr der Widerspruch (er ist unstatthaft!), sondern die Steigerung des Applauses ins Irrwitzige: Parteitagsatmosphäre, geglättetes Denken, 102% Zustimmung.

Jede Überspannung aber führt zur Erschlaffung, daher: Grossarths Arroganz und die Arroganz der vielen anderen, die meinen, man könne über Gesellschaftsschwellen hinwegsteigen und müsse hernach doch bitte noch immer "der Alte" sein, ist die Haltung jener, die den Paradigmenwechsel verpassen werden. Dies klingt gewagt, aber Grossarth selbst gibt uns in seinem Text einen Hinweis. Einer der anonymen Freunde wird mit den Worten zitiert:

Ich respektiere, daß er durch Nachdenken und die Analyse seiner Gegenwart zu manchen dieser Schlüsse gekommen ist. Ich habe Peter Sieferle für einen der klügsten Deutschen der letzten 20 Jahre gehalten, und wenn er zu diesen Schlüssen kommt, ist das nicht trivial.

So etwas zu konstatieren ist redlich: Der Freund, dem man auf seinem Denkweg folgte, zieht Schlüsse, die einem nicht egal sein können, weil man bisher nie enttäuscht wurde und vor allem frappiert vor soviel Geist, Gelehrsamkeit und Unbestechlichkeit stand.

Sieferle war nicht erfolgreich im dauerpräsenten Sinne, sondern trotz aller Sprach- und Wortschöpfungsgewalt ungeschmeidig, und er siedelte zwischen den Lagern: zu konservativ für die Grünen, zu ökologisch für die Christdemokratie, zu gebildet für jedermann, zu interdisziplinär und zu wenig knetbar für eine Karriere.

Dies alles weiß und meinte der Freund, der Sieferles Denkbewegung nicht auf die leichte Schulter nehmen oder sie als krankheitsbedingten Altersradikalismus abtun wollte.

Aber es kommt noch besser, denn es findet sich in Grossarths Text noch ein Zitat, noch so ein Satz; er ist lapidar und deswegen wichtig und mehr: die Markierung eines Zustands, eine intellektuelle Wegmarke. Er lautet:

Wir drehen derzeit fast alle nach rechts.

Ja, so ist es wohl. Bißchen spät vielleicht, Sieferle war schon viel früher in der Lage, die Zeichen der Zeit, die Fakten, die blauäugige, verfrühte Freude über den liberalen Endsieg zu begreifen, zu deuten und skeptisch zu hinterfragen oder gar zurückzuweisen. Aber egal: nun drehen derzeit also fast alle nach rechts, das können wir bestätigen, denn manche davon stehen einfach vor unserer Haustür und wollen reden, in der Sicherheit des Schweigens reden. Dann reden wir.

Es könnten nicht zuletzt die nachgelassenen Werke Sieferles sein, die jene, welche sich drehen, darin bestärken, daß sie sich zu Recht von dem abwendeten, was sie bisher für geistige Nahrung, eine stimmige Deutung oder gar die Realität hielten.

Finis Germania: Sieferle sammelte die Gärung für dieses Büchlein an, es ist eine Essenz seiner Schlußfolgerungen aus einem jahrzehntelangen, intensiven, produktiven Lektüreleben. Was Grossarth in diesem Buch so rechts und radikal und die Schmerzgrenze der berühmten Zivilgesellschaft überschreitend hält, hat Michael Klonovsky in seinen Acta diurna bereits an den tatsächlichen Textstellen abgeglichen.

Raimund Th. Kolb faßt die Stoßrichtung in seinem Nachwort zusammen:

Wir werden dominiert von instabilen, verhaltensunsicheren und arm an Selbstbewußtsein agierenden „Herrschaftseliten“ mit einem vom tief-verwurzelten Sozialdemokratismus geprägten „kleinbürgerlich-amorphen Politikstil“.  Ein in alle  Lebensbereiche sich  hineinfressender Relativismus und eine zivilreligiös mit „Auschwitz“ aufgeladene Kollektivschuld inklusive dem Gebot permanenter Buße bedrängen unser ohnehin zu Furcht, Angst und gelegentlich Panik neigendes „Hühner-Volk“, das Volk der Nazis, das als „negativ auserwähltes Volk“ seine einzige Bestimmung im Verschwinden aus der realen Geschichte findet und sich entsprechend zu fügen weiß.

Damit ist auch Deutschlands Rolle in der Weltgeschichte besiegelt. Die einst bürgerliche Gesellschaft erreicht mit der Negation des Eigenen ein naturwüchsiges Stadium: „Nachdem das Aas des Leviathan verzehrt ist, gehen die Würmer einander an den Kragen.“ - Gemeint ist ein Rückfall auf das Niveau von Multitribalismus und der ihm inhärenten Agonalität.

Ja, dieses Buch ist erschütternd, es ist nackt und es ist – man muß das so sagen – für diejenigen geschrieben, die den Raum politischer Hoffnungen bereits verlassen haben – trotz aller Widerstandsprojekte, publizistischen Wellen und trotz der neuen Partei.

Noch einmal Kolb, die Stimmung aus seinen Gesprächen mit Sieferle zusammenfassend:

Aus der intensiven Korrespondenz und den Gesprächen mit ihm geht wohlbegründet und klar hervor,  daß wir nach seiner Überzeugung den Folgen einer demographischen Überwältigung der ethnisch-deutschen Bevölkerung zugunsten einer Multikulti-Gesellschaft und dem infantil-utopischen Finalkonstrukt einer „weltbürgerlichen Kollektivität“ entgegensehen und alles, was uns heute noch lieb und teuer ist, in absehbarer Zeit verschwunden sein wird.

Aber auch vor dieser schwarzen Wand ist das ewige Pendelgesetz, das alternierende Prinzip wirksam, das jeder kennt, der leiden kann und Leidenschaft hat: Es sind nicht wenige, die nach der Lektüre ausgebeinter Lageanalysen zum Widerstand gegen das Geschwätz und zur Würde des klaren Denkens finden und die Rückstellkräfte wirksam werden lassen: Denn endlich war da einer, der sich nicht drückte, während er dachte, schrieb und ging.

Dieser Geist kann nicht mehr in die Flasche zurückgepreßt werden. Und wenn Grossarth ihn einen Molotowcocktail gegen die Demokraten nennt, bitte, es gibt eben Bücher, die halbe Regalmeter überflüssig machen. Lesen kann brutal sein, wir haben kein Mitleid. Man weiß ja nicht, was Grossarth lieber liest. Richard David Precht? Carolin Emcke? Das wäre mal einen Artikel wert: Herr Grossarths Gespür für Schnee von gestern.

Uninteressant.

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Die beiden von Grossarth angefaßten, nachgelassenen Bücher Sieferles:

Finis Germania. Verlag Antaios, 104 Seiten, mit einem Nachwort von Raimund Th. Kolb, 8.50 €, hier bestellen.
Das Migrationsproblem. Werkreihe Tumult, Band 1, 136 Seiten, 16 €, hier bestellen.

Ich bitte ausdrücklich um Bestellung über unseren Verlag. Amazon hat Finis Germania vor einigen Tagen aus dem Direktverkauf entfernt, es ist dort nur noch über Zweitanbieter erhältlich.

Ellen Kositza hat Sieferles Finis Germania übrigens in einem Video-Blog besprochen. Hier ist er.

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (32)

Der_Jürgen
16. Mai 2017 10:12

Vielen Dank für diesen Artikel, Götz Kubitschek. Es stimmt einen traurig,  dass Rolf Peter Sieferle nicht mehr die Kraft hatte, durchzuhalten. Begreifen kann man es freilich.

Die beiden am Schluss angeführten Zitate von Raimund Kolb sind schlicht grossartig. So formulieren können nur ganz wenige.

H. M. Richter
16. Mai 2017 10:44

Wer nach 1989 erlebt hat, zu welchen Pirouetten, Purzelbäumen, Verdrehungen, und Gesamtverdrängungen die gewendeten Diktaturermöglicher und -erhalter der DDR fähig gewesen sind, der wird sich nicht mehr wundern, wenn es eines vielleicht gar nicht mehr so fernen Tages von einem Herrn G. heißen wird, er habe sich doch damals, als sich der Sieferle das Leben genommen habe, nahezu als einziger getraut, über dessen großartiges Buch Finis Germania zu schreiben, - der Kubitschek könne es bezeugen, denn der war ihm damals als Verleger so unendlich dankbar dafür ...

Der Gehenkte
16. Mai 2017 10:50

Nach Lothar Fritze "Der böse gute Wille" ist das "Migrationsproblem" das zweite kanonische Kompendium zur Lage, überragt das erste aber deutlich.

Wo Fritze auf stringente Art und Weise all das zusammenfaßt, was jedem common-sense-Inhaber bewußt und einleuchtend sein muß, geht Sieferle weiter, denkt einerseits um die Ecke, deckt die Dialektik und die Paradoxien des Prozesses auf, nimmt aber auch die Außenposition ein und ist so in der Lage, das jüngere Geschehen in die großen historischen Prozesse einzuordnen.

Dabei steht das Buch vollkommen organisch in der Denktradition dieses Autors - wer jetzt überrascht tut, kann Sieferle gar nicht gekannt haben, denn in den wesentlichen Vorgängerwerken scheint sein Konservatismus, seine Fortschrittsungläubigkeit überall durch. Freilich hat die Akzeleration der Geschichte zu einer Radikalisierung des Ausdrucks geführt – wie auch nicht, stand doch die Existenz des Staates, des Rechts-, des National- und des Sozialstaates, plötzlich zur Disposition. Wer da nicht alarmiert reagiert, kann nur durch den selbsterbauten Ideologieblock ausgebremst worden sein.

Kurz nach Fertigstellung dieses Textes nahm sich Rolf Peter Sieferle das Leben. Ob es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen diesem Testament und der suizidalen Entscheidung gab, bleibt Spekulation. Mir wurde für einen Moment ebenfalls übel und dunkle Visionen stellten sich ein. Weiß man darüber Genaueres?

Es ist bezeichnend, daß die Presse das wichtigste Buch des Jahres kontinuierlich beschweigt und dann eine üble Denunziation gebiert. Volker Weiß hingegen, dessen Buch bereits durchgängig mit einer Entlarvungsgeste geschrieben wurde, bekommt die ganze liebevolle Aufmerksamkeit. Gäbe es noch qualitative Kriterien, müßte es exakt umgekehrt laufen.

stimmviech
16. Mai 2017 11:54

Was ich,der ich die Selbstabschaffung Deutschlands seit den 80ern erkannt habe,nicht verstehe:warum bringt sich jemand um,dessen Volk sich abschafft? Man kann doch mit zynischem Spaß Chronist des Untergangs sein.

Starhemberg
16. Mai 2017 12:03

Ich habe den Inhalt beider Bücher in mich aufgesogen, als wäre ich zuvor jahrelang durch die Wüste getaumelt. Die persönliche Tragödie dahinter hat mich tief erschüttert. Was irgendwelche Systembüttel darüber schreiben, ist meines Erachtens vollkommen irrelevant.

Zitat: "Es ist für diejenigen geschrieben, die den Raum politischer Hoffnungen bereits verlassen haben."

Ja und nein. Ich hoffe nach wie vor. Und nachdem ich mir heute mal die "Football Army Dynamo Dresden" etwas genauer angesehen habe, denn eigentlich interessiere ich mich eher wenig für diesen schönen Mannschaftssport, glaube ich, dass die Widerstandskraft des Teutonen noch nicht gänzlich erlahmt ist. Auch wenn man jetzt versucht, die Bundeswehr endgültig zu zerstören. Der Grund dafür sind meines Erachtens nicht die vollkommen hanebüchenen und geistig degenerierten Erklärungen der unsäglichen sogenannten Verteidigungsministerin, sondern zunehmende Panik bei den Volksverrätern an der Spitze des sogenannten Staates.

Vielleicht muss der deutsche Michel erst so tief wie nur irgend möglich sinken, um sich dann seiner Stärken zu besinnen. Der "furor teutonicus" schläft tief und fest. Doch er ist noch nicht tot.

Dietrich Stahl
16. Mai 2017 13:03

@ Starhemberg, vor einem Jahr spielte ich mit dem Gedanken, vor Spielen von Hertha BSC Handzettel zu verteilen. Sachsen ist wohl der bessere Ort dafür.

Football Army Dynamo Dresden:

https://www.youtube.com/watch?v=F6Cdpd5hjxI

Nemo Obligatur
16. Mai 2017 20:03

Ich habe Sieferles "Migrationsproblem", "Finis Germania" und Grossarths - darf man es so nennen? - Nachruf auch. Durch Grossarth wird klar, warum Sieferle seinen letzten Weg so gegangen ist, wie er es für richtig hielt. Mir fehlt leider die Lektüre von Sieferles Frühwerk. Ich werde das gelegentlich nachholen. In gewisser Weise sind wir Leser es ihm schuldig, dem Spätentdeckten.

Zu Grossarth kann man wohl sagen: Einerlei, ob man das "Migrationsproblem" für überflüssig oder brilliant hält, ob "Finis Germania" subversiv oder längst überfällig ist - nicht ohne Grund hatten die Römer den Grundsatz "de mortius nihil nisi bene". Aber das Zeilenhonorar in der FAZ ist sicher auch nicht zu verachten.

quarz
16. Mai 2017 20:15

"Das alles – die Wertung, der Ton, die Herleitung der späten Schriften aus Krankheit und Kränkung – ist ziemlich arrogant von Jan Grossarth."

Dieses Verhalten beobachte ich oft bei enttäuschten (ehemaligen) Fans von (tatsächlichen oder vermeintlichen) Renegaten. So zum Beispiel beim vormals weltweit prominentesten Theoretiker des Atheismus, Antony Flew, als dieser kurz vor seinem Tod ein Buch über seine Konversion zum Theismus schrieb. Von denselben Leuten, die ihn zuvor als scharfsinnigen Analytiker gepriesen haben, musste er sich nun sinngemäß anhören, ihm sei im Zuge seines Greisentums seine intellektuelle Zurechnungsfähigkeit abhanden gekommen; seinen bleibenden Verdiensten würde dieses Finale aber keinen Abbruch tun.

Ich rege eine Anthologie an, in der migrationskritische Texte von vormals von den Friseuren des Zeitgeistes hofierten Leute wie Botho Strauß, Imre Kertesz, Gerhard Richter, Rüdiger Safraski, Henri Boulad etc.  in geballter Batterie versammelt sind. Da würden dann Reaktionen wie die von Grossarth eher wie das geflügelte "So viele Geisterfahrer!" erscheinen.

Hartwig aus LG8
16. Mai 2017 22:15

fernab von Sieferle bitte ich Sie um eine Einschätzung der Stimmung innerhalb der Generalität der Bundeswehr. Kurzum: Wird es ein Aufbegehren gegen die zuständige Ministerin geben? Ist es vielleicht schon im Gange? Oder wird der Durchgriff einer Frau von der Leyen einfach geschluckt werden?

antwort kubitschek:

klar ist der aufstand im gange, wir schlagen heute abend um 19.33 zu. es wird dann zwar heißen: sie sind wieder da!, aber das ist doch egal, wenn es ums vaterland geht, nicht? nein, im ernst: natürlich wird es nicht einmal den hauch eines aufbegehrens geben, nicht einmal ein ordentliches "ego non". weitere gute junge offiziere, mannschaften, mittlere dienstgrade werden diesen club verlassen, indem sie ihre dienstzeit nicht verlängern, sondern sich etwas privates suchen. das wars. der rest steckt die köpfe zusammen, wie es sich für richtige männer gehört ...

Monika L.
17. Mai 2017 09:08

"Ja, dieses Buch ist erschütternd, es ist nackt und es ist - man muß das so sagen - für diejenigen, die den Raum politischer Hoffnungen bereits verlassen haben - trotz aller Widerstandsprojekte, publizistischer Wellen und trotz der neuen Partei." (Götz Kubitschek, Mai 2017)

Zwischen Thilo Sarrazins DEUTSCHLAND SCHAFFT SICH AB ( 2010) und Rolf Peter Sieferles FINIS GERMANIA 2017) liegen gerade mal 7 Jahre!  Den Raum politischer Hoffnungen bereits verlassen zu  haben, dies ist die Erfahrung vieler ehemaliger osteuropäischer Dissidenten. Am beklemmendsten wurde ein solches autototalitäre  System durch Alexander Sinowjew beschrieben. Etwa in GÄHNENDE HÖHEN. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14323979.html

Der Unterschied: Jenseits des real-existierenden Sozialismus gab es reale und denkbare politischen Alternativen. Die gibt es bei Sieferle für Deutschland ( und damit auch für Europa) nicht mehr. Über seine Bücher schrieb Sinowjew:" Die einen sehen darin eine Verleumdung, die anderen die Wahrheit".

Die Sichtweise macht den Unterschied. Nicht die Unterstellung, der Andere sei nicht mehr der Alte. Das erinnert an die Pathologisierung der Dissidenten in der Sowjetunion. Wer neben Hoffnungen auf politische Änderungen keine anderen Hoffnungen mehr hat ( Stichwort: Kann nur ein Gott uns retten ? Persönliche Ergänzung: Und wenn ja, welcher ?) , für den  wird es eng, beklemmend, ausweglos.... Welche Auswege es aus posttotalitären Strukturen gibt, hat u.a. Václav Havel beschrieben. Als Versuch, in der Wahrheit zu leben. Bei diesem Versuch kann man sich durchaus mal nach Schnellroda " verirren". Soll vorkommen. Und beißen tun die dort nicht, Herr Grossarth!

Maiordomus
17. Mai 2017 11:15

Nie war die Lage so ernst wie heute, würde Adenauer sagen. Unterdessen wird in Deutschland die Existenz einer deutschen Kultur regierungsamtlich geleugnet, vergleich die Verlautbarung der linksextremistischen türkischen Integrationsbeauftragten, welche durch ihre Äusserung im Forum der Jungen Freiheit einen legitimen Shitstorm ausgelöst hat. Solche Aussagen auf einer solchen Ebene sind für Deutschland meines Erachtens bei weitem katastrophaler als was immer ein zu vieljähriger Zuchthausstrafe verurteilter angeblicher Rechtstextremist und bedeutendster politischer Gefangener der Bundesrepublik aus politischer Verzweiflung abgesondert haben mag. Keine Partei, die solche Regierungsbeamte beschäftigt, kann als koalitionsfähig eingeschätzt werden. Insofern befindet sich Deutschland an einem schicksalhaften Scheideweg. Es bleibt zu wünschen und zu hoffen, dass wenigstens der Jungpolitiker Sebastian Kurz als möglicher künftiger Bundeskanzler Oesterreichs nicht so denkt wie Merkels türkische Besatzungsbeauftragte, wiewohl seine Linie keineswegs mit derjenigen der "Identitären Bewegung" identisch ist. Letztere sollte sich symbolpolitisch von der schwarzen Farbe und der für den Durchschnittsbetrachter nicht transparenten gelben Symbolgrafik trennen.

PS. Auf sehr unterschiedliche Weise gelangten Sieferle und Horst Mahler in den letzten Jahren in den Zustand politischer Verzweiflung, was vernünftigem Wirken leider nicht zugutekommt. Dabei ist aber ein Exil, es muss nicht unbedingt Ungarn sein, das als EU-Mitglied hier schwerlich entgegenkommen kann, immer noch um Welten vernünftiger als Selbstmord. Dafür ist die schriftliche Hinterlassenschaft Sieferles bei weitem vernünftiger und politisch brauchbarer, als was etwa Mahler über Hegel und das Judentum abgesondert hat. Aber ohne dass man seine Auffassungen teilen müsste, verdient der am ungerechtesten verurteilte politische Gefangene Deutschlands, übrigens schwer krank und seit seiner Weigerung, sich von Terroristen freipressen zu lassen, ein Mann von Charakter, nach Möglichkeit eine angemessene Hilfe, wo immer er sich aufhalten mag.

Maiordomus
17. Mai 2017 11:23

@Starhemberg. Sie zitieren den Satz: "Es ist für diejenigen geschrieben, die den Raum politischer Hoffnung bereits verlassen haben." Grossartig gesagt, erinnert mich an den Satz von Günter Anders, den seiner Exfrau Hannah Arendt weit überlegenen Denker: "Die Hofferei muss aufhören." Dabei ist der Satz über das Ende der Hofferei durchaus als ein Mittel gegen Selbstmord gedacht und eine Widerstandslosung, hat man Anders richtig verstanden. Ich fürchte, Sieferle kam nicht mehr so weit. Ich lege übrigens Wert darauf, im Zusammenhang mit politischer Verzweiflung, was nicht mit Anders Ende der Hofferei zu verwechseln ist, dass ich Sieferle nicht mit Mahler gleichgesetzt habe, der nichtsdestoweniger eine historische Figur bleibt, sondern im Hinblick auf die politischen Aussagen vielmehr doch den Unterschied der beiden betont habe. Konkret können wir die politischen Probleme weder mit Hegel noch mit Fichte lösen, eventuell aber mit ein paar Gedanken, die man bei Sieferle nachlesen möchte.

Westpreuße
17. Mai 2017 12:39

Nach  Sören KIERKEGAARD kann man ein Leben nur im Blick nach rückwärts verstehen, nach vorwärts aber, so fährt er fort, muß es gelebt werden... Leben ist immer als ein Ganzes zu betrachten. Hier konkret: Man kann nicht sagen: Ach, welch ein geistreicher Mann auf diesem oder jenem Gebiet, aber dieses oder jenes von dir war nicht schicklich: So stehen wir Freunde und Journalisten sozusagen an deinem Grabe und rufen dir in die Grube hinterher: Wir können nur bedingt um dich trauern, teilweise, tut uns leid für dich, denn du dachtest anders, als wir es gerne gehabt hätten... Wer so denkt und schreibt wie die ungenannten Freunde, Freunde...(?), dazu eine inquisitorische Feder aus dem Hause FAZ, dem mag man, ganz ohne Häme, wünschen: Hoffentlich packt dich das Schicksal (etymologisch: Das Geschickte, was geschickt wird...) auch mal am Schlawittchen und beutelt dich durch. Daran wirst du wachsen.  Dann und danach werden dir die Augen aufgehen, denn: Ein Leben besteht auch aus Brüchen. Das ist so, muß so sein. Jeder von uns hier kennt es doch wohl, daß sich im privaten und beruflichen Bereich Menschen ändern. Uns unerklärlich. Freundschaften ändern sich, zerbrechen gar, sind Belastungen ausgesetzt. Wer kennt das denn nicht? Aber auch, wenn die Brücke eingestürzt ist, sehr wackelig geworden ist, gar unpassierbar; die Brückenpfeiler sind ja noch da. Und es ist schmerzlich, zu sehen, wie sich Menschen wandeln, von uns entfernen, aber wir doch auch. Manchmal hält Freundschaft, Kameradschaft, Liebe das aus, manchmal eben auch nicht... Jean - Paul SARTRE schrieb: Die Hölle, das sind die anderen...(Geschlossene Gesellschaft, 5. Auftritt).  Man wird Herrn Jan Grossarth ja zugetragen haben, daß hier (auch) über ihn geschrieben wird. So möchte ich ihm, wieder ohne Häme, in sein journalistisches Poesiealbum schreiben: Ja ja, aber wir sind für die anderen AUCH die Hölle. Gilt sogar für Journalisten...Nun also mal weg von der Schleimspur der diffamierenden Schreibe, die ja in heutigen Zeiten (noch) Brot und Lohn sichert, hin zum echten Leben: Steine klopfen, Holz hacken, etwas aufbauen. Nicht niederschreiben. Das Andere im anderen Menschen akzeptieren. "Ganze Fachbereiche sind gesäubert"...(oben, Kubitschek). Wohl wahr! Beispiel:  Ich verfolge aufmerksam das Historikergetue hinsichtlich der östlichen Provinzen im Staate Polen. Der Diskurs wird ausschließlich von den polnischen Historikern bestimmt. Als historischer Längsschnitt in die Geschichte zurück...Die deutschen Historiker schließen sich an, gefügig und beflissen. Bitten ab und zu um eine kleine Korrektur. Eine eigenständige deutsche historische Ostforschung findet nicht mehr statt. Erforschung der Ostsiedlung gar wird gemieden wie die Pest. Bloß nicht... Bei Widerspruch: Fördergelder fließen nicht mehr, vakante Posten werden mit den Geschmeidigen besetzt; es droht der Fingerzeig in Richtung rechte Ecke: Zieht immer! Und das natürlich von BERLIN aus, nicht von Warschau aus. So nebenbei: Das politische, geistige  Zentrum Polens ist Warschau, das geistliche Zentrum aber ist Gnesen, nicht Krakau, die Schöne...In Gnesen residiert der Erzbischof sowie Primas Poloniae... Herr Kubitschek, sich das Leben nehmen um einer höheren Sache willen ist ein seltsam Ding. Auch eher selten in unserem Kulturkreis. Wie überhaupt der politisch motivierte Suizid in unserem Kulturraum, letztlich ein Geheimnis. Es ist schwer, etwas Gültiges dazu zu sagen. Außer, man kann unmittelbar auf das zurückgreifen, was diejenigen denn sagten, die diesen Weg gegangen sind. Ich denke an Rolf Peter SIEFERLE, aus gegebenem Anlaß...-----Aber ich denke auch an Dominique  VENNER, in ein paar Tagen Jahrestag seines Todes: 21. Mai 2013. Sein Abschiedsbrief ist zu finden im Internet unter: 22. Mai 2013, Abschiedsbrief von Dominique VENNER, Sonderthema, Junge Freiheit-----Und ich denke auch an Oskar BRÜSEWITZ, 22. August 1976---und an die Nachahmungsfälle, die ich allerdings nicht beurteilen kann: Pfarrer Rolf GÜNTHER in Falkenstein/Vogtland, 17. September 1978-----und Pfarrer Roland WEIßELBERG am 31. Oktober 2006 im Erfurter Augustinerkloster... Ob zwischen diesen Genannten, ihrer Zeugenschaft, ein innerer Zusammenhang  hinsichtlich der Motivlage besteht, kann ich nicht beurteilen. Ich meine den schillerschen Gedanken des...Der Mensch ist frei in seinem Denken und Handeln für oder gegen etwas, was ihn befreit oder bedrückt... : Patriotische Grüße von der Weichsel...

stimmviech
17. Mai 2017 13:54

Den Ausweg beschreibt Ernst Jünger mit dem Typus des Anarchen in Eumeswil.

Wer sich als Individualist auch in "besseren Zeiten" unverstanden fühlt und das mit einer Art "Agentenspiel"bewältigt,fühlt sich in spannender Zeit eher wohl und seit Jahrzehnten gut vorbereitet.Nach Selbstmord war  mir nie,nun aber bin ich in Erwartung der "Untergangs-Action" regelrecht begeistert.Alles kommt so,wie ich es seit den 80ern prophezeit habe.

Der Gehenkte
17. Mai 2017 16:23

Ich erlaube mir noch ein Mal, auf eine ausführliche Besprechung Sieferles ("Migrationsproblem") hinzuweisen, die auch die Dringlichkeit der Lektüre begründet:

Augen auf und durch! Das Migrationsproblem

Gustav Grambauer
17. Mai 2017 19:16

Starhemberg, Dietrich Stahl

Wer mir das vor 15 Jahren gesagt hätte, den hätte ich für komplett verrückt erklärt: 

Aus der einst romanisch-katholisch geprägten rechtsintellektuellen Szene heraus, wo für manchen der slawische Untermensch aus der Wochenschau gleich hinter Fulda siedelte, werden im Jahr 2017 die Enkel des Berliner Arbeiterjungen Erich Mielke als Hoffnungsträger gesehen ("Von den Dynamo Fans lernen!"), weil sie den tief im Frankfurt a. M. eingewurzelten DFB und und den Schwiegersohn von Schäuble angreifen, noch dazu in der Etepetete-Stadt Karlsruhe!

Würde mir mal Gedanken machen, wer wohl die Liturgie für die Prozession geschrieben hat, und bei wem wohl die Rotkäppchen-Korken am lautesten geknallt haben - auch wenn das Management (!) von Dynamo Dresden immer gern nachträglich einen auf DDR-Widerstandskämpfer gemacht hat (habe noch das nachinszenierte Gejammer im Ohr: "Wir waren ja nur Volkspolizei und Mielkes Schiedsrichter haben uns immer gegen den BFC verlieren lassen"):

https://de.wikipedia.org/wiki/Sportvereinigung_Dynamo

Haben alle gesehen, daß die Monstranz der Prozession ein Pappkübel war - mit DDR-Hoheitszeichen! ... und die Botschaft verstanden?!

Bei 0:06:

https://www.youtube.com/watch?v=T-Dtommr7kM

Und bei 1:07:

https://www.youtube.com/watch?v=zy9Vk-gFvQE

Bin ja immer für einen Schuß Ostalgie zu haben, aber bei Stasi-Mafia (die heute subkutan nicht nur Brandenburg sondern auch und gerade Sachsen regiert!) hört selbst bei mir der Spaß auf.

- G. G.

Der_Jürgen
17. Mai 2017 21:43

@Der Gehenkte

Mit Gewinn las ich Ihre ausführliche Besprechung von Sieferles "Migrationsproblem". Ich bin gespannt auf die Lektüre des Buchs, das ich eben bestellt habe, wie auch "Finis Germaniae". 

@Maiordomus

Danke für das, was Sie über Mahler und seine Verfolgung schreiben. Wir sind uns über die charakterliche Grösse dieses Mannes offenbar einig, aber auch darüber, dass er leider ein monokausales Weltbild vertritt, das der komplexen Wirklichkeit nicht gerecht wird. Damit stösst er sehr viele Menschen vor den Kopf, die in anderen Fragen auf seiner Linie liegen. Man kann mit ihm leider nicht kontroversiell diskutieren.

Sein Entscheid, ausgerechnet in einem EU-Land um Asyl zu bitten, ist äusserlich gesehen rätselhaft; er muss doch wissen, dass Orban, der wegen seiner Haltung in der Migrantenfrage unter schwerem Druck steht, es sich nicht leisten kann, ihm Asyl zu gewähren, weil dann eine noch massivere Hetzkampagne einsetzen wird.

Falls es Mahler darum geht, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf seinen Fall zu ziehen,  liegen die Dinge anders. Doch leider sind die meisten Deutschen so gehirngewaschen, dass sie denken werden, einen "Nazi" (Mahler bezeichnet sich übrigens ausdrücklich als Nationalsozialisten) dürfe man ruhig einsperren, auch wenn er 81 sei und nur noch ein Bein habe.

Bei aller Hochachtung vor seiner Courage und Intelligenz: Mahlers Vorgehen ist ein Beispiel dafür, wie man es NICHT machen soll. 

deutscheridentitärer
17. Mai 2017 22:32

"Letztere sollte sich symbolpolitisch von der schwarzen Farbe und der für den Durchschnittsbetrachter nicht transparenten gelben Symbolgrafik trennen."

Gute Idee, wird gemacht!

Der Feinsinnige
18. Mai 2017 01:07

Ich erlaube mir, den Link zu dem Text Jan Grossarths hinzuzufügen, der im Netz wohl nicht bei der FAZ, aber hier zu finden ist:

http://www.mesop.de/mesop-culture-rolf-peter-sieferle-nachruf-die-geschichte-einer-spaetbuergerlichen-verbitterung/

Nach allem, was bekannt ist, ist Rolf Peter Sieferles Tod eine persönliche Tragödie, genauso wie der Tod Dominique Venners – und wer weiß wie vieler unbekannt bleibender Hellsichtiger, die das, was sie anhand der objektiven Zahlen, der offen ablaufenden Geschehnisse in Europa und der an Europa grenzenden Kontinente, angesichts der offensichtlichen Ignoranz oder auch Böswilligkeit der politisch Verantwortlichen, der medial Mächtigen, aber auch viel zu vieler einfacher Leute bzw. Wähler nicht mehr ertragen konnten und können. Zumindest bei Sieferle kam offenbar eine schwere Krankheit hinzu.

Auch bei dem im obigen Artikel Götz Kubitscheks beantworteten Artikel fällt wieder die teilweise kommunizierte völlige Ratlosigkeit auf, bei Jan Grossarth, aber auch mehreren anonym zitierten Freunden Sieferles. Insoweit verweise ich auf die Diskussion zu Pirinccis jüngstem Artikel in diesem Block („Lieber Christian Stöcker...“). Ist die Ratlosigkeit echt? Zu großen Teilen wohl ja. Ich empfinde diese Erkenntnis als unheimlich. Leicht provokativ könnte man fragen: Woher bloß diese Ratlosigkeit? Insoweit bin ich tatsächlich ratlos. Eine Erklärung ist sicher die Beschreibung der linken Denkstrukturen bei Manfred Kleine-Hartlage („Warum ich kein Linker mehr bin“), vgl. ebenfalls den o.g. Strang unter Pirincci. Diese Erklärung reicht mir jedoch nicht aus.

@ stimmviech:

Nein, bei allem Verständnis für das mitunter durchaus wohlige Gefühl, recht zu behalten: Die artikulierte Begeisterung (oder schwang da vielleicht etwas Ironie, Sarkasmus o.ä. mit?) kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Angesichts der Tragödie, die sich für unseren Kontinent und insbesondere für Deutschland teils am Horizont abzeichnet, teils heute bereits auf unseren Straßen begonnen hat, empfinde ich alles mögliche, Sorge, Trauer, Grauen, Zorn, jedoch keine Begeisterung darüber, daß sich diverse Voraussagen jetzt bestätigen. Auf diese Bestätigung könnte ich gerne verzichten.

Paracelsus
18. Mai 2017 07:31

Das Besondere an H.P. Sieferles letzten Büchern ist, dass er darin vorführt, wie ein an der Wahrnehmung sich orientierendes Denken die Wirklichkeit beschreiben kann (und muss). Anders als viele andere Denker ist er nicht von Emotionen geleitet, nicht von dem Wunsch, zu einem bestimmten Ergebnis zu kommen, nicht von vorgefassten Meinungen.

Damit steht er in seiner menschlichen Reife auf einer Stufe, die zu erlangen den Gegenwartsmenschen eigentlich möglich ist; viele Menschen wollen das aber gar nicht erreichen. Es ist bequemer, sich einem Gruppendenken anzuschliessen...

Was Götz Kubitschek hier von Grossarth zitiert zeigt, dass dieser gar nicht in der Lage ist, zu der selbstlosen Anschauungsweise eines Sieferle aufzusteigen; er lässt sich von seinen Vorstellungen mitreißen und projiziert irgendwelche Absurditäten wie die vom "Molotowcocktail  gegen die Demokraten".

Übrigens: es ist nie zu spät. Jeder kann sofort damit beginnen, sein Denken an der Wahrnehmung zu schulen. Damit wäre das Notwendige getan für die Erhaltung und Weiterentwicklung der spezifisch deutschen und europäischen Kultur.

Dulcineafan
18. Mai 2017 11:42

Bitte nicht allzusehr auf Jan Grossarth eindreschen, seiner  ist immerhin so weit ich sehe der einzige Mainstream-Artikel zum spätem Sieferle weit und breit, und bei aller in der FAZ nötigen Distanzierung Grossarths haben die referierten Argumente Sieferles für den klugen Kopf die Kraft, ebenjene Distanzieriung, meinetwegen auch Schmähung, daneben kraftlos erscheinen zu lassen.

Bezeichnenderweise erscheint Grossarths Artikel weder im Politikteil noch im Feuilleton, sondern im Wirtschaftsteil (!), dem beinahe letzten Refugium von Vernunft und Liberalität in diesem Blatt, wie ich als langjähriger FAZ-Leser (seit 40 Jahren) zu behaupten wage.

In diesem Fall ist eine negative Besprechung besser als weiteres Totschweigen.

Der_Jürgen
18. Mai 2017 23:03

@stimmviech

Die Begeisterung für Ernst Jüngers geniales Alterswerk "Eumeswil" (für mich sein stärkster Wurf neben den "Marmorklippen" und "Heliopolis") teile ich mit Ihnen, aber ansonsten kann ich Ihnen nicht ganz folgen, um es mit der gebotenen Höflichkeit auszudrücken. ("I can't but remonstrate at your highly questionable utterance, Sir", sagt der kultivierte englische Gentleman bekanntlich und denkt dabei im stillen: "Don't talk bloody bullshit, man.")

Zynismus ist mir nicht fremd, aber so zynisch, angesichts der Katastrophe, die den westlichen Teil Europas heimsucht, erwartungsfroh der "Untergangs-Action" entgegenzufiebern, bin ich nicht, und ich hoffe es auch nicht zu werden.

Wenn sich der Mörder mit dem Hackebeilchen anschickt, Ihre Familie grausam abzuschlachten, empfinden Sie dann auch freudige Erwartung angesichts der unmittelbar bevorstehenden "Untergangs-Action"?

Im Gegensatz zu manchen Foristen bin ich der Ansicht, dass der Kampf noch nicht verloren ist - immer vorausgesetzt, die Zukunft ist ein offenes Buch und die menschliche Willensfreiheit keine blosse Chimäre.  In diesem Zusammenhang zitiere ich, nicht zum ersten Mal, einen wunderbaren Satz, mit dem Martin Sellner im Februar 2016 hier einen seiner besten Beiträge abschloss: "Wenn der Untergang des Abendlandes unvermeidbar sein sollte, wollen wir dafür sorgen, dass es wenigstens kein Strohtod wird."(Sinngemäss, nicht wortwörtlich wiedergegeben.) 

Unter dem "Strohtod" verstanden die alten Skandinavier den Tod durch Altersschwäche, der eines Kriegers für unwürdig galt.

E.
19. Mai 2017 09:47

@ Der Feinsinnige (18.05.2017, 1:07 h):

Danke für den Link zu dem FAZ-Artikel. Am Erschütterndsten empfinde ich den letzten Satz darin:

"Die Recherche basierte auch auf Gesprächen mit Freunden Sieferles, die anonym bleiben wollten."

In welchem Klima der Unfreiheit und Angst am offenen Austausch von Argumenten und Meinungen leben wir eigentlich?

Ich nehme einfach mal an, diese "Freunde" sind selbst abgesichert im staatlich alimentierten akademischen Milieu (sei es noch aktiv oder im Ruhestand). Das sind Leute, die sich auf die Wissenschafts- und Meinungsfreiheit berufen können, die finanziell und pensionsrechtlich abgesichert sind und sich differenziert ausdrücken können, ohne linkisch in die Fallen des Mainstream zu tappen. Und doch wollen diese "Freunde", die zu einem Freund befragt werden, der erwiesenermaßen ein sehr kluger Kopf war, der sich erhängt hat, "anonym" bleiben.

Das ist bestürzend: für die "Freunde", vor allem aber im Hinblick auf diesen Geist der Unfreiheit, der in diesem Land herrscht.

stimmviech
19. Mai 2017 09:48

Der Strohtod ist demographisch schon längst festgelegt.Ich bin wohl-mein Background läßt sich leicht ergooglen- genetisch bedingt und durch "Lerneffekt"verstärkt Psychopath genug,um die auch mir innewohnende Illusion des Lebens in und mit dem eigenen Volk als solche zu erkennen.Die Masse ist immer dumm-dreist,ein echtes Leben bleibt nur dem "Einzigen".Ich habe immer schon gefährlich gelebt-no risk no fun.Mir ist durchaus bewußt (Familie habe ich nicht),daß mich in hohem Alter mit einiger Wahrscheinlichkeit die Mißhandlung in der Altenverwahrung erwartet durch Gäste,die dann auch schon etwas länger hier sind.Ich habe aber vor,rechtzeitig vorher das neue Glaubensbekenntnis abzulegen.So wie ich früher meine Therapeuten getäuscht habe,werde ich das mit den neuen Herren wiederholen.Meine Predigten vor der verschleierten Frauengruppe des Altenheims werden Legende sein...

H. M. Richter
19. Mai 2017 11:25

@ Gustav Grambauer (17. Mai 2017 19:16)

Selbstredend haben Sie wieder einmal recht. Ob in der Einschätzung der beiden Dynamo-Vereine, ob in der Frage, wer Sachsen regiert oder heute mal eben so einen kleinen Truppenteil mit einem Trabant Kübel gen Karlsruhe schickt.

So mutet es heute fast als Ironie der Geschichte an, daß es am 4. Oktober 1989 bei der Schlacht um den Dresdner Hauptbahnhof nicht zuletzt Hooligans  von Dynamo Dresden waren, die das Tor zur Freiheit mehr als nur einen Spaltbreit auftstießen und damit einen nicht kleinen Beitrag zum Untergang des Dynamo-Landes lieferten ...

P.S.: Neulich träumte mir übrigens, Sie seien Mitglied einer deutschen Exilregierung mit Sitz in der Schweiz ...

Klaus D.
19. Mai 2017 17:24

@Gustav Grambauer (17. Mai 2017 19:16)

Nanana, die Fans eines Dresdener Fußballclubs 2017 als Enkel Erich Mielkes zu bezeichnen - da schießen Sie aber um einiges übers Ziel hinaus! Was hat die Bezeichnung "Dynamo" heute, 27 Jahre nach der Wende, mit der Stasi zu tun? "... Stasi-Mafia (die heute subkutan nicht nur Brandenburg sondern auch gerade Sachsen regiert!) ... Bitte um Nachweise! Ihre Überheblichkeit können Sie stecken lassen! Alles was aus dem Osten kommt ist minderwertig meinen Sie? So wird das nichts G.G. (als Mitglied einer deutschen Exilregierung)!

Maiordomus
19. Mai 2017 18:49

@deutsc her identitärer. Einigermassen betreten habe ich in den Schweizer Nachrichten soeben gehört, deutsche Rechtsextremisten, ein paar Sekunden später als Identitäre Bewegung namentlich genannt, hätten in Berlin beim Innenministerium in Berlin eine Aktion gemacht, und zwar gegen dessen Pläne zur Bekämpfung von hate-speach. Wüsste ich nicht, dass da wohl Martin Sellner dahintersteckt und wüsste ich nicht, dass Sellner nie annähernd so extremistisch war wie Joschka Fischer und Cohn-Bendit, ich hätte mich weniger aufgeregt und hätte wohl sogar, hätte ich gar keine Kenntnis der IB, vermutet, dass es sich hier um eine Gruppe im Umfeld von NPD und als Holocaustleugner qualifizierte Leute handelt. Die wohl schon routinemässige Abstempelung der IB als Rechtsextremisten bereits in Kurznachrichten ist keine Kleinigkeit, so wenig wie die nicht weiter begründete Qualifikation von Björn Höcke in der neuesten Nummer der Frankfurte Heften als infamer Hetzer durch einen deutschen Ordinarius für Politik. Das sind meines Erachtens keine Kleinigkeiten,  das kann bei politischen Jungtalenten wie Sellner langfristig nicht ohne Folgen bleiben. Dabei gehöre ich durchaus zu denjenigen, die schon voriges Jahr einige Aktionen der IB und ihr Erscheinungsbild in Frage gestellt haben, was mir von Ihnen, d.I., damals einen Rüffel eintrug. Sie wussten natürlich nicht, dass ich selber einst mit viel zahmeren Aktivitäten und sogar ausschliesslich konservativen Positionen, jedoch immerhin mit Neigung zu demonstrativen Auftritten, vor 45 Jahren deswegen in einem Polizeiprotokoll als rechtstextrem eingestuft wurde, was für mich für mindestens 15 Jahre berufliche Folgen hatte. Hauptsächlich aus diesem Grunde und nicht aus spiessiger Ängstlichkeit habe ich gegenüber der IB gewisse Warnungen formuliert, zu schweigen davon, dass diese Jungs auch politisch noch Fortschritte machen müsste. Bei Sellner hat sich dies im Prinzip  bereits mehr als nur angedeutet.

_derjürgen.

Noch eine Ergänzung zu Mahler, den wir über weite Strecken ähnlich kritisch einschätzen. Wenn Mahler dadurch provoziert, dass er sich "Nationalsozialist" wohl im Sinne von "nationaler Sozialist" nennt, so müsste er sich bewusst sein, dass ein so ketzerischer Typ wie er zur Zeit des Dritten Reiches mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nur aus dem Verkehrt gezogen worden wäre, sondern mutmasslich ziemlich unverzüglich  erschossen. Einen zum Gehorsam unfähigen Ketzer wie Mahler hätten sie damals wohl nicht mal in ein KZ gesperrt. Stalin hat gegen den harten Kern der Trotzkisten, denen es zwar selber an Mordlust nicht gebrach, seinerseits nur den Pickel auf den Kopf oder den Schuss ins Genick gekannt, galt auch gegen nicht wenige anständige Kommunisten. So weit Mahler für mich im Prinzip ein anständiger bleibt und der Prototyp eines provokatorischen Ketzers, so halte ich es schlicht für bescheuert, dass er sich noch in den letzten zwei Jahrzehnten "Nationalsozialist" nennen konnte. Eines schliesse ich bei ihm aus, im Gegensatz zu einigen Vollidioten, die neben konservativen Revolutionären am 30. Juni 1934 ebenfalls erschossen wurden: Hätten SS-Schergen Mahler erschossen, so hätten seine letzten Worte wohl gewiss nicht "Heil Hitler!" gelautet, was gewisse SA-Leute bei ihrer Erschiessung ausgerufen haben sollen.

Wie auch immer: Ich finde es schade um Mahler. Er ist und bleibt eine ganz andere Liga als jedes einzelne Mitglied der seinerzeitigen Baader-Meinhof-Bande, welche nicht nur in linksradikalen Kreisen vorzugsweise "Baader-Meinhof-Gruppe" genannt wurde, eine Nomenklatur, der sich Bundeskanzler Helmut Schmidt nie angeschlossen hat. Dass im übrigen das Bild von Schmidt in Offiziersuniform der Wehrmacht nunmehr nicht mehr öffentlich in einer Kaserne hängen darf, bleibt eine Aktion von einem Ausmass an ikonoklastischer Radikalität, wie man dieselbe seit den Auswüchsen der Reformation nur noch ganz selten gekannt hat. Wer so etwas veranlasst, müsste in den Schweizer Nachrichten eigentlich eher als Extremist oder Extremistin bezeichnet werden als wer beim deutschen Innenministerium gegen Internet-Zensur demonstriert.   

PS. Sollte Sellner mit der neuesten Aktion der Identitären Bewegung nichts zu tun haben, so bitte ich den Webmaster, dies zu korrigieren. Ich halte aber insgesamt die Aktion, ob mit oder ohne Sellner, von ihren Intentionen her nicht für rechtsextremistisch, vor allem nicht die entsprechende Abstempelung der IB, solange sie sich konequent an ihren Grundsatz der Gewaltlosigkeit hält.

Der Feinsinnige
19. Mai 2017 22:41

@Maiordomus

Danke für den Hinweis! Es war offenbar wieder eine richtig gute Aktion der IB in Berlin vor dem Maas-Ministerium, die Aufmerksamkeit erregen wird. Ich bewundere diese jungen Leute. Auf Youtube gibt es schon diverse Videos, auch bei der WELT und natürlich bei der IB auf Facebook. Aber auch rbb berichtet - und wie:

https://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2017/05/identitaere-bewegung-justizministerium-berlin.html

"Identitäre Bewegung marschiert vor Justizministerium auf" - Oh weh! Die "Rechten" können eben das Marschieren nicht lassen! ??

Da ist es wohl nur ein Versehen, daß das beigefügte Photo (wahrheitsgemäß) eine Sitz- oder vielleicht besser Liegeblockade zeigt. Jedes Medium blamiert sich eben so schlecht, wie es kann.

Danke IB!

Maiordomus
19. Mai 2017 23:16

@Der Feinsinnige. Glaube Sellner bis anhin nicht identifiziert zu haben auf dem Video, das auf youtube zu sehen ist, wiewohl ein Teilnehmender ihm annähernd ähnlich ist. Gegenüber den Sitzstreikenden die linken Gegendemonstranten mit ihren "Nazi"-Plakaten. Der ganze Auftritt neutralisiert sich einigermassen, der Durchschnittsbetrachter wird sich wohl mit keiner Seite identifizieren. Sellner, der das Zeug zum Vordenker hat, sollte sich, ob er nun dabei war oder nicht, an solchen Aktionen wohl besser nicht mehr beteiligen.

Gustav Grambauer
20. Mai 2017 01:25

Klaus D.

Was ich geschrieben habe, habe ich nicht aus Überheblichkeit geschrieben sondern aus dem schmerzlichen Mit-Erleben der Brutalität dieser, nennen wir sie mal "Struktur". Habe drei sehr enge Freunde in Sachsen, drei politische Solitäre und Enthusiasten, die sich untereinander über gesellige Abende hinaus nicht kennen und sich untereinander kaum verständigt haben dürften, einer war (!) Bürgermeister einer Kleinstadt / über die Freien Wähler damals, einer war (!) bei der Polizei, einer war (!) bei der TU Chemnitz. Alle drei wurden nach Intrigen abgesägt wie sie die wenigsten Mobbing-Berater in ihrer Laufbahn je zu hören kriegen, nur weil sie je an einer entscheidenden Weichenstellung mal ego non gesagt haben. Einer hatte seinen Anwalt für Arbeitsrecht nicht mit höchster Sorgfalt ausgewählt und und schlägt sich infolge dessen heute noch mit dessen Parteiverrat, 356 StGB, herum.

Alle drei sind unabhängig voneinenander (und selbstverständlich durch noch andere Einblicke vermittelt durch ihr Umfeld) zu dem Schluß gekommen, daß es wieder eine ZAIG gibt. Will nicht sagen, daß die Struktur schon die Sächsische Landesregierung übernommen hat (soweit sie in die Landespolitik eindringt, läuft das über die Linkspartei und über die CDU, die ja ihre Wurzeln in der DDR-CDU hat, die SPD und die Grünen werden von der Struktur immer noch gehaßt wie eh und je), aber ohne Abgleich mit deren Dateien und Grünes Licht von dorther wird in einem Großteil der sächsischen Kommunalverwaltungen niemand auch nur Hausmeister. Und wenn es z. B. einer wagt, in Sachsen ein Autohaus aufzumachen obwohl er - oder auch nur jemand aus seiner Familie - die Struktur irgendwann mal gestört hat (Autohäuser, Immobilienfirmen, Hotels usw. waren Anfang der 90er deren Schwungmasse), dann hat er es Ratz-Fatz gleich wieder mit dem Konkursverwalter zu tun, der mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit auch wieder an deren Leine läuft. Die Zersetzungsmethoden sind dieselben wie damals, heute nur geschmeidiger und geschäftsmäßiger.

Politisch ist die Struktur heute völlig indifferent, da ist nix mehr mit "Sozialismus": es geht einfach nur um Geld, Kaderpolitik, Beseitigung von Störern und den Ausbau der Macht als Selbstzweck, möglicherweise auch perspektivisch um den Anschluß an noch größere Strukturen, aber westliche: die KGB-Schiene, eine sächsische und insbesondere Dresdner Spezialität, wurde gleich 1990 eingerissen, nicht schwer vorstellbar warum. Es handelt sich auch nicht um die damalige erste Garnitur der Stasi (die ja einen straffen, stoischen, spartanischen Offiziers-Ehrenkodex und somit keine Vorliebe für Bussi-Bussi in der südländischen Gastronomie pflegte) sondern um die damals bereits halbseidenen, schmierigen, schleimigen Elemente, gern auch aus dem KoKo-Dunstkreis (aber weit, weit über Peanuts wie den Antikhandel Pirna hinaus). Wir haben früher bereits die Wartburg-Stasi von der Mercedes-Stasi, die Makarow-Stasi von der Sigg-220-Stasi unterschieden, diese Unterscheidung ist für mich noch heute leitend wenn ich das hier schreibe, zumal es, siehe da, nach 1990 auch bei den Autohäusern eine besondere Affinität zu Mercedes gab und gibt. Und das steht nicht im Widerspruch zu der anderen äußerst stark ausgeprägten Affinität: nämlich zu den alten Sportclubs, über die die nämlich - wie damals - ihren Nachwuchs trimmen, instrumentalisieren, testen und filtern.

Solche Strukturen haben Sie überall auf der Welt (nehmen Sie nur den Rotary-Sumpf, der unmittelbar zur NWO-Pyramide gehört und verglichen mit dem die Altstasi-Struktur ein possierlicher harmloser Streichelzoo und übrigens nur eine bemerkenswert schwache Reaktion auf die Kolonisierung Mitteldeutschlands ist). Lesen Sie Plichtas "Primzahlkreuz", da finden Sie die "Struktur", der Kurt Biedenkopf angehörte oder heute noch angehört, siehe

http://www.plichta.de/plichta/home/persoenlicher-lebenslauf  

"Alles was aus dem Osten kommt ist minderwertig meinen Sie?"

Na, stöbern Sie mal ein bißchen in meinen Beiträgen, da finden Sie mein mitteldeutsches Herz. Wenn Sie wüßten, was ich hier immer wieder für Heimweh-Schübe habe!

- G. G.

Dietrich Stahl
20. Mai 2017 14:46

 

Lieber Gustav Grambauer, da Sie mich weiter oben direkt angesprochen haben, möchte ich Ihnen antworten. Vorweg: Aus den meisten Ihrer Beiträge kann ich etwas lernen. Teile Ihrer exzellenten Analyse der Weihnachtsmarkt-False-Flag-Aktion habe ich beispielsweise in meinem Blog verwendet. Dankbar bin ich insbesondere auch für Ihren Hinweis auf den vineyardsaker. Für mich der beste deutschsprachige geopolitische Blog.

 

Hier schließe ich mich aber @ Klaus D. an, daß Sie über das Ziel hinausgeschossen sind. Kann ich verstehen. Ich habe für die Stasi auch nichts übrig, saß in der DDR politisch im Gefängnis, zum Glück relativ kurz.

 

Zum Thema Ultras. Die Dynamo Clubs sind ja nur ein paar. Bei denen mag es eine Gruppe geben, die mit Stasi-Strukturen verbunden ist. Es wird sicher auch eine Gruppe bei den Ultras geben [nicht nur bei den Dynamos], die mit anderen Strukturen verbunden ist. Den Rest überlasse ich der Phantasie.

 

Worum es mir eigentlich geht: Heute werde ich mir den letzten Tag der BL in der Sportschau anschaun. Eine der wenigen TV Sendungen, die ich mir über das Web anschaue. Dort werde ich wieder Mal die sogenannte Fankultur mit Fanchoreographie etc. bewundern dürfen. Meinen Ärger darüber habe ich schon abgearbeitet. Der Punkt dabei ist, daß zehntausende deutsche Männer in ihrer Blüte ihre Kreativität darauf verwenden, für das nächste Spiel ihrer Mannschaft zu basteln, schnippeln und nähen.

 

Diese Kraft und Kreativität in andere – unsere – Bahnen gelenkt … Das habe ich mit der Dynamo-Armee assoziiert.

 

P.S. Den Link zu meinem Blog habe ich mir oben (Weihnachtsmarkt) geschenkt, da er sowieso jedesmal gnadenlos entfernt wird - schade eigentlich.

 

Klaus D.
20. Mai 2017 18:13

@Gustav Grambauer

Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Sehr interessant, diese Zusammenhänge waren mir so nicht bekannt. Nur - ist es sinnvoll diese Art Machtstruktur, die es ja so ähnlich wohl auch in anderen Regionen gibt, als "Stasi" zu bezeichnen? Dies würde ja das in den Medien immer noch hochgehaltene Stasi-Thema unterstützen, das praktisch die gesamte ostdeutsche Bevolkerung (27 Jahre nach der Wende!) unter Generalverdacht stellt und m.M.n. nur dazu dienen soll, die Leute"klein zu halten". 

Anmerken möchte ich noch, daß ich diese neuen Aktivitäten der Dresdener Fußballfans erstmal positiv aufnehme, signalisieren diese doch prinzipiell eine Art Widerstand. Ein weiteres Merkmal der Dresdener ist ihre Heimatliebe, die nachfolgender Herr ganz besonders zum Ausdruck bringt:

https://www.youtube.com/watch?v=GwGwH9u-tC4

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