30. Mai 2017

Ein vergifteter Brunnen - Alan Posener zugedacht

von Götz Kubitschek / 38 Kommentare

1998 legte der Schriftsteller Martin Walser unter dem Titel Ein springender Brunnen seinen Versuch vor, die eigene Kindheit und Jugend im Dritten Reich erzählerisch zu fassen.

So etwas ist in Deutschland stets ein Wagnis von der Art der berühmten Schiffspassage zwischen Skylla und Charybdis: Während hier der Vorwurf der Verharmlosung und der Rechtfertigung des Unbegreiflichen lauert, beteiligt man sich dort rasch an der moralischen, spät-intensiven, jedenfalls ungefährlichen Bekämpfung Hitlers, die, je länger sein Reich zurückliegt, desto heftiger betrieben wird.

Walser wagte den Versuch einer »reinen« Beschreibung, gemäß dem Grundsatz, daß alles, was ist, solange es ist, nicht dasselbe ist, was es ist, wenn es gewesen sein wird. Oder anders ausgedrückt: »Wenn etwas vorbei ist, ist man nicht mehr der, dem es passierte.« Walser meinte damit nichts anderes, als daß alles Geschehen und Erleben im Nachgang erzählerisch glattgezogen oder umgebogen, jedenfalls eingefärbt oder sogar eingetrübt werde, daß die Sprache dies ermögliche und hergebe, dabei jedoch jene Reinheit eines springenden Brunnens verliere, die ihr eigen sei, wenn sie sozusagen an der Quelle des Erlebens unmittelbaren sprudle – unvernutzt, nicht eingebettet, im Überfluß.

Als Walsers Roman erschien, wurde sein Ansatz kritisch beäugt: Liegt in der »reinen« Erzählfreude über eine Zeit, in der – so die Nachgeborenen – jedes anständige Leben einen Geschwister-Scholl-Verlauf hätte nehmen sollen, nicht bereits eine Verharmlosung? Suggeriert der Roman nicht, es habe ein wahres Leben im Falschen gegeben? Darf man sich der schwarzen Zeit überhaupt naiv, kindlich, rein nähern? Darf da die Sprache übersprudeln oder sollte sie nicht doch lieber in der für diesen Trunk vorgesehenen Schale abgeschöpft und dem Leser vorgesetzt werden? Oder darf der Versuch Walsers als vorbildlich für ein Hüteamt an der Sprache an sich gelten?

Die Sprache unserer Zeit – sie ist kein springender Brunnen mehr, sondern ein vergifteter. Die Enthemmung hat sie vergiftet. Sie ist hemmungslos geworden, weil die Entgrenzung an den Grenzen stattfinden konnte und die Gegner dieser Entgrenzung denunziert, verleumdet, wissentlich mißverstanden und verdächtigt werden, also mit sprachlichen Mitteln und unter Ausnutzung der Zugänge zur veröffentlichten Sprache. Nichts wirkt zersetzender als der Mißbrauch der Sprache durch Institutionen mit seriösem Ruf. An diesem Punkt sind wir angekommen.

Dem schmutzigen Einsatz der Sprache ist kaum ein Riegel mehr vorgeschoben. Es gibt weniger und weniger ein Innehalten vor der bösartigen und kalkulierten Feindmarkierung mit vernichtenden Vokabeln (»Nazi«, »Brandstifter«, »Volksverräter«, »Lügenpresse«). Das sprachliche Gift entfaltet seine Wirkung langsam, aber gründlich: Es zersetzt die Verständigungsstränge, es vergällt uns die Lektüre und das Zuhören. Bald werden private Projekte (die Amadeu-Antonio-Stiftung oder die »Rechercheplattform« correktiv.org) mit staatlichem Auftrag versehen da­rüber entscheiden, welche Äußerung »Haß« transportiere. Von solchen Instanzen wird das sprachliche Gift mit feinen Nadel injiziert, die Denunziation wird mit vergifteten Wörtern abgesichert.

Seit Walsers Brunnenfest sind fast zwanzig Jahre vergangen. Wenn sein Bild vom aufspringenden Wasser letztlich darauf abzielte, der Geschichtserzählung »aus ihrer Zeit heraus« aufzuhelfen und die Sprache auf diesem Feld zu enttrüben, muß man sagen: Er ist gescheitert – nicht in seinem Roman zwar, aber auf’s Ganze gesehen.

Unsere Hoffnung geht dahin, daß es mit der Sprache unserer Tage einmal so sein wird wie mit allem, was in konkreter Lage und Zeit seine Färbung erfährt: Man wird nicht mehr nachvollziehen können, wie es dazu hatte kommen können. Der Springbrunnen der Sprache muß tabu sein, an ihm müssen sich Freund und Feind laben dürfen, und niemand darf ihn vergiften, noch nicht einmal der Korrespondent einer Tageszeitung, deren Bedeutungsschwund einen seiner Gründe in der Arroganz und verleumderischen Neigung eben dieses Korrespondenten hat. 

-- -- --

5. August 1942 – Die Marschetappen werden jetzt nach Brunnen festgelegt, die manchmal ohne zugehörige Siedlung einsam aus der Weite ragen. In der Nacht erkennt man ihre Balkenwippen erst spät, aber die richtigen Wege sind nicht zu verfehlen. Einheimische erzählen, daß oft deutsche Truppen und russische Fahrzeuge sich geradezu bei den Brunnen ablösten. Anfangs befürchtete man Brunnenvergiftungen, doch ist das uralte Gesetz der Steppe bisher von keinem übertreten worden: Das Wasser ist tabu.

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (38)

deutscheridentitärer
30. Mai 2017 10:22

Der Text von Alan Posener ist nur lächerlich. Lustig ist, wie er von seinen Claqueuren dafür gefeiert wird. hurr durr Hitler hat auch gesagt, die Juden wären ein Volk ohne Land. RIchtiges Beobachtungsgenie, dieser Hitler, hat sonst sicher niemand gemerkt, klar dass Kubitschek zu dieser Erkenntnis nur durch intenisve, bejahende Lektüre von Hitlers Schriften gekommen sein kann. Lustig in dieser Schar natürlich auch nach wie vor Frau Bednarz, die sich derzeit an Matussek abarbeitet, bzw. es jedenfalls versucht. Dazu postet sie Screenshots seiner Beiträge in sozialen Medien und kommentiert sie im Stil von "die Radikalisierung geht weiter, tragisch", "er war doch so ein guter Journalist, wie konnte er nur so tief fallen, tragisch" usw.

Es ist absurd.

Hartwig aus LG8
30. Mai 2017 11:51

G.K. hebt nur auf die vergiftete Sprache ab.

Posener scheint den letzten Tenenbom gelesen zu haben. So hat er auch das Kapitel "Der Volksfeind" lesen können. Da geht es schon um mehr, als nur vergiftete Sprache, sondern um die Zersetzung einer Person. Er hätte sich auch kundig machen können, unter welchen Bedingungen AfD-Mitglieder Wahlkampf machen müssen; er hätte in Köln Kenntnis erlangen können, unter welcher Belagerung die AfD einen satzungsgemäßen Parteitag abhalten musste. Und unschwer hätte er sich auch darüber informieren können, das bestimmte Ehepaare von politischen  Gegnern z.B. in Kinos festgesetzt werden.  Ich gehe davon aus, das Posener das alles kennt und weiss. Wenn er dann dennoch wiederholt in seinem dürftigen Artikel süffisant dieses "das wird man doch noch sagen dürfen" zu persiflieren versucht, dann zeugt das von nichts anderem, als von einem miesen Charakter.

Der_Jürgen
30. Mai 2017 13:48

Tut mir leid, ich verstehe managels Hinweis nicht, auf welchen Text des Herrn Poseners sich dieser Artikel konkret bezieht.  Da @Deutscheridentitärer von "diesem Text von Posener" schreibt, muss es wohl einen konkreten Aufhänger geben.

Unabhängig von Posener: Wenn Götz Kubitschek in seinem wie immer wunderschön formulierten Beitrag schreibt, das Gift zersetze die "Verständigungsstränge", muss er sich fragen lassen, von welcher Verständigung er spricht. Wünschen Herr Maas, wünschen Frau Kahane eine Verständigung? Wünschen Herr Posener und seine Zunftgenossen von der Springerpresse eine solche?

Man mag einwenden, Claus Leggewie habe sich doch, als er sich zu einem Briefwechsel mit Kubitschek bereit erklärte, um eine Verständigung bemüht. Leggewie verzichtete dabei weitgehend auf diffamatorische Formulierungen, doch die absolute Inhaltslosigkeit seiner Argumente zeigte, dass eine Verständigung im Grunde nicht möglich ist. Man konstatiert hüben und drüben, dass man sich nicht einigen kann. Nur darüber ist man sich einig.

Über das weiterhin dringlichste, weil existentiellste Problem, die Migrantenfrage, ist eigentlich alles gesagt. Man kann natürlich ad infinitum neue Facetten der Frage beleuchten, neue Beweise für den Bankrott der "Multikultur" anführen, neue Statistiken über den demographischen Schwund der Deutschen und die Ausländerkriminalität zitieren, doch wirklich neu ist das alles längst nicht mehr.

Welche Verständigung ist also gemeint? Der Feind (im Schmittschen Sinne) will, dass die Deutschen und die anderen Europäer aussterben; uneinig sind sich die verschiedenen Fraktionen im Feindeslager nur noch über das Tempo, in dem das idealerweise geschehen soll (den Grünen und der Antifa zufolge am liebsten schon gestern, den Seehofers mit ihrer jährlichen Limite von 200.000 Zuwanderern zufolge erst in einem halben Jahrhundert. Wir wollen nicht, dass die Europäer, insbesondere die Deutschen, aussterben. Wie will man angesichts dieser Ausgangspositionen zu einer "Verständigung" kommen? Die "Verständigungsstränge" sind in der Tat blockiert, so gründlich, wie sie nicht einmal bei Stalingrad blockiert waren, denn dort wäre ja zumindest theoretisch noch ein Kompromissfrieden in Frage gekommen.

Caroline Sommerfeld
30. Mai 2017 14:09

Im AltRight-Kontext, der ja argumentativ immer an der Grenze zum Psychologisieren entlangwandert, stößt man auf die Figur der "toxic people". Solche Beziehungsvergifter siedeln im narzißtischen Spektrum, und hinterlassen unerkannt eine tiefe Spur der Vewüstung. Im Psychokrieg mit Linken sind das die Figuren, mit denen keine Auseinandersetzung mehr möglich ist. Meide sie wer kann! Zum Angewöhnen ein Mainstream-Link, aber schon der charakterisiert Freund Posener nicht schlecht als Panzer-Typus.

#7: A Tank - A tank crushes everything in its wake. A human tank is always right, doesn’t take anyone else’s feelings or ideas into account and constantly puts themselves first. In a relationship, tanks are incredibly arrogant and see their personal opinions as facts. This is because they often think they are the smartest person in the room and so they see every conversation and person as a challenge that must be won over. They rarely see others as equals—and this can be challenging when trying to form a loving connection. If you feel your ideas are being run over, or you are not being respected, get out while you still can!

Und daß manche Narzißten inzwischen gemerkt haben, daß es um sie geht, zeigt dieser Beitrag in der ZEIT.

Der Gehenkte
30. Mai 2017 15:03

Wäre hilfreich, wenn man besagten Artikel konkret kenntlich machte. Kann im Moment weder in der "Welt" noch in der "Zeit" etwas finden.

Martin Lichtmesz
30. Mai 2017 15:06

Da ist der Anlaßtext, geballte, nackte Niedertracht:

https://starke-meinungen.de/blog/2017/05/25/der-antisemitismus-des-goetz-kubitschek/

Lotta Vorbeck
30. Mai 2017 16:07

@Der_Jürgen

30. Mai 2017 13:48

Tut mir leid, ich verstehe managels Hinweis nicht, auf welchen Text des Herrn Poseners sich dieser Artikel konkret bezieht.

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Es ging um das hier: Götz Kubitschek und die Juden – starke-meinungen.de

Nach fast einem Jahr breitet sich Posener zum dem im Frühsommer 2016 veröffentlichten Briefwechsel zwischen Jongen und Kubitschek aus, wobei er das Ganze mit dem nur wenige Wochen zurückliegenden Besuch seines angeblichen Freundes Tennebom auf dem Rittergut zusammenrührt.

Martin Lichtmesz
30. Mai 2017 16:33

Ich finde allerdings, daß die Slogans "Lügenpresse" und "Volksverräter" häufig genug verdient und angemessen sind.

Henrik Linkerhand
30. Mai 2017 17:13

Der Text von Posner ist wirklich eine Frechheit. Der Mann kann seinen Haß kaum noch zügeln. So viel Bösartigkeit und Niedertracht sieht man selten.

Ein gebürtiger Hesse
30. Mai 2017 17:16

Der Posener-Text markiert eine neue Perfiditäts-Stufe. Manchmal denkt man, das Faß ohne Boden laufe demnächst einmal über, aber täuscht sich doch jedesmal. Tief unten ist immer noch Platz.

Der_Jürgen
30. Mai 2017 17:46

@Lotta Vorbeck  @Martin Lichtmesz

Danke für den Hinweis auf den Posener-Artikel. Ich kann diesen zwar nicht öffnen, fand aber einen zweifellos vollwertigen Ersatz dafür:

https://www.welt.de/print/die_welt/politik/article163939037/Mit-Handkuss-abserviert.html

Perfid und widerlich, wie praktisch alles von diesem Burschen.

Seneca
30. Mai 2017 20:29

Wie link muss ein Mensch (Walser) beschaffen sein, der seinen besten, linken Freund betrügt und ihm ein "linkes" Kuckuckskind unterschiebt, um heute im Alter die AfD zu verdammen, nachdem sein und anderer Versuch einer Neubestimmung nicht funktioniert hat ? Wer jemals Martin Walser hat persönlich kennen lernen "dürfen" (ich durfte einmal einen ganzen Abend mit ihm den Tisch "teilen"), weiss dass es sich in Essens um einen alten, eitlen "Fatzken" handelt, der für meinen Geschmack schwurbelig und schwülstig schreibt und menschlich schlicht ein krummer Hund ist, womit auch die gestellte Frage beantwortet wäre...über den WELT-"Korrespondenten" AP, der mir eher wie seine eigene Dauer-Echokammer vorkommt,  erübrigt sich jeder Kommentar ...   

deutscheridentitärer
30. Mai 2017 21:31

"Der Posener-Text markiert eine neue Perfiditäts-Stufe. Manchmal denkt man, das Faß ohne Boden laufe demnächst einmal über, aber täuscht sich doch jedesmal. Tief unten ist immer noch Platz." Ich kehre leider immer wieder in die Regionen des Internets zurück, in denen sich diese Kreaturen ihre Bubble eingerichtet haben. Ich weiß nicht, ob es der Gegenseite ähnlich ergeht, wenn sie unsere Seiten zur Feindrechereche besucht - mich jedenfalls überkommt dabei eine große Verstörung, Verunsicherung, Ekel und auch Hass darüber, was man dort zu sehen bekommt. Am krassesten ist diesbezüglich natürlich Twitter, wo sich diverse intersektionale Queer-Sekten völlig enthemmt haben, aber auch das Mainstreamangebot der Gegenseite hat es in sich. So empfinde ich diesen Text von Posener (Satire, haha) als wirklichen Tiefschlag, ich begreife einfach nicht, warum jemand über Dinge, die einen positiven Wert für die Menschen haben können, so niedrig und ätzend herziehen muss:

https://starke-meinungen.de/blog/2017/05/08/leitkultur-alphabetisch/

Ich begreife auch gar nicht, warum diese Leute so ein Problem damit haben, menschliche Gruppenidentitäten anzuerkennen:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/eine-dokumentation-ueber-die-neue-rechte-in-europa-15038030.html?GEPC=s3

Klar ist der Nationalismus ein Produkt der Moderne, aber die Tatsache, dass Menschen immer in Gruppenverbänden existierten, in Kooperation wie Wettbewerb mit anderen Gruppen, ist es nicht. Klar ist kollektive Identität nur ein subjektives Gefühl - was soll Identität psycholgisch sonst sein? Wenn sie wenigstens anerkennen würden, dass ethnische Identitäten nun mal ein wesentlicher Teil der empirisch vorgefundenen Realität sind - ob man das jetzt gutheißt oder nicht - und man deshalb nicht so tun darf, als wäre dem nicht so. Aber davon ist nichts zu spüren. Das ist für mich das Unverständlichste: wie etwas, das mir zwanglos und selbstverständlich zukam, nämlich ein nationales Identitätsbewusstsein, bei anderen völlig fehlen kann.

Monika L.
30. Mai 2017 21:40

Wer ein wirklich inspirierendes Buch über MARIA schreibt, kann nicht ganz toxic sein: http://www.kath.net/news/18297

P. hätte an diesen Themen weiter arbeiten sollen. Ich denke, daß das vor allem persönliche Eitelkeiten sind. Der Freund geht fremd, gar in die Höhle des Löwen. Gibt wohl doch so was wie Völkerpsychologie. Deshalb:

Was juckt es die deutsche Eiche.....

RMH
30. Mai 2017 21:45

Na, da hat der Herr P. ja zum großen Tritt zwischen die Beine angesetzt und dann gnadenlos in den Rasen versemmelt. Immerhin hat, nach Herrn P., der Herr K. es geschafft, den "Antisemitismus" zu rehabilitieren - Chapeau, dafür sind andere in den Knast gegangen.

Und genaue diese Tendenz des Herrn P., jetzt einmal ultimativ den Herrn K. zu vermahlern, um endlich von diesem, seinem persönlichen Alp befreit zu werden, quillt aus den Zeilen des Herrn P. so offenbar hervor, dass diese eben nicht mehr ernst genommen werden können, da die kritische Distanz Herrn P. vollkommen abhanden gegangen ist - offenbar war der Neid auf Herrn K. zu groß, weil dieser jetzt schon mehr als die allgemein zugebilligten 15 Minuten Ruhm hatte und hat und der Herr P. schon seine liebe Mühe hat, überhaupt auf 15 Minuten zu kommen.

Im Übrigen hat den Geist des "Antisemitismus" für das breitere Volk - wohl oder Übel und vermutlich unabsichtlich - in der Tat M. Luther heraus gelassen, in dem er die Bibel ins Deutsche übertragen hat und nunmehr jeder Hinz und Kunz, der sich dazu berufen fühlte, nachlesen oder heraus interpretieren konnte, was es wohl mit dem auserwählten Volk auf sich haben könnte. Herr P. rühmt sich, die Bibel gelesen zu haben (kommt irgendwo in den Kommentaren in dem gennanten Blog vor), schreibt aber in seinem Artikel (Quelle: siehe oben, link im Beitrag von ML):

"Denn dass diese Auserwähltheit den Juden – im Gegensatz zu Christen, Muslimen und Ariern – besondere Bürden auferlegt, ihnen geradezu das Auftrumpfen, Unterwerfen und Vernichten verbietet, wie man es von jenen Nachfolgern kennt, das weiß jeder, der nur ein Buch über das Judentum gelesen hat, das nicht aus der Feder eines ausgemachten Scharlatans und Antisemiten stammt."

Tja, die Bibel ist dann wohl entweder kein Buch über das Judentum oder in Teilen von ausgemachten Scharlatanen und Antisemiten geschrieben worden - nach Posener, q.e.d. ... ;)

PS: Das soll jetzt keine Rolle rückwärts oder Distanzierung werden, aber ich kann für mich persönlich aus der Bibel keinen Antisemitismus herleiten, muss aber rein historisch feststellen, dass die Bibel eine der ersten Referenzquellen für antisemitsche Schreiber war und als dann die Schriften des Talmuds übersetzt waren, wurden diese mit herangezogen (und hier gibt es in der Tat eine Parallele zu der heutigen "islamkritischen" Szene: Diese operiert mit dem Koran als Referenz, ähnlich wie die klassischen Antisemiten mit der Bibel und dem Talmud).

H. M. Richter
30. Mai 2017 21:52

"Die Sprache unserer Zeit - sie ist kein springender Brunnen mehr, sondern ein vergifteter." [G. K.]

Dazu gehört, oben wird es von K. benannt, das wissentliche Mißverstehen. An Sarrazin, Pirinçci und von Storch wurde eindrucksvoll gezeigt, wie derlei funktioniert. Mutwilliges Mißverstehen ist ein Werk der Zerstörung. Warten auf ein Stichwort. Kommt es, wird es herausgerissen, - die Jagd, die Hatz eröffnet. Und so wird - möchte man wetten, würde man wetten - aus K.'s Beschreibung der Vorwurf konstruiert werden, er hätte, alle einschlägigen Klischees bedienend, das ehemalige Mitglied des Kommunistischen Studentenverbandes sowie der maoistischen KPD-AO, Alan Posener, einen Brunnenvergifter genannt.

Der_Jürgen
30. Mai 2017 22:26

@Deutscheridentitärer

"... Ich begreife einfach nicht, warum jemand über Dinge, die für die Menschen einen positiven Wert haben können, so niedrig und ätzend herziehen muss..."

Da Sie, wie aus Ihren Beiträgen hervorgeht, über eine gute Kenntnis der Zusammenhänge verfügen, wundert mich dieser Satz nicht schlecht. Man begreift das "niedrige und ätzende Herziehen" dieses Herrn im Gegenteil sehr gut, wenn man weiss, welcher Agenda er verpflichtet ist. Lesen Sie alles, was dieser Herr in der "Welt" und anderen Organen der Lügenpresse je geschrieben hat, und suchen Sie dort nach einer auch noch so milden Kritik an Israel, das seine Grenzen durch einen Zaun gegen illegale Immigranten abgeschirmt hat und bemüht ist, die zuvor eingedrungenen Sudanesen und Eriträer abzuschieben. Sie können lesen, bis Ihnen die Augen den Dienst versagen, und werden keine solche Kritik finden, denn, so Bibi Netanyahu:

"Wenn wir sie nicht daran hindern, hierher zu kommen, können aus den 60.000 leicht 600.000 werden, und das bedroht unsere Identität als jüdischen Staat."

www.theguardian.com/world/2012/may/20/israel-netanyahu-african-immigrants/jewish

"Nationalismus für uns, Internationalismus für alle anderen", lautet die Devise dieser Leute. Elementary, dear German Identitarian!

Lotta Vorbeck
30. Mai 2017 22:39

@deutscheridentitärer, 30. Mai 2017, 09:31 PM

Wenn sie wenigstens anerkennen würden, dass ethnische Identitäten nun mal ein wesentlicher Teil der empirisch vorgefundenen Realität sind - ob man das jetzt gutheißt oder nicht - und man deshalb nicht so tun darf, als wäre dem nicht so. Aber davon ist nichts zu spüren. Das ist für mich das Unverständlichste: wie etwas, das mir zwanglos und selbstverständlich zukam, nämlich ein nationales Identitätsbewusstsein, bei anderen völlig fehlen kann.

Es ist wohl nicht so, daß Figuren wie Posner keine Identität besäßen. Sie leben freilich - und zwar sehr gut und kommod - justament davon, diese eigene Identität zu leugnen und sich - fürstlich alimentiert - untertänigst beflissen vor den neuzeitlichen Gessler-Hüten im Staube zu wälzen. Dieses kriecherische, streberhafte Untertanentum läßt sie wiederum wesentlich deutscher erscheinen, als ihnen selber bewußt sein dürfte.

JensN.
30. Mai 2017 23:25

@deutscheridentitärer

"Das ist für mich das Unverständlichste: wie etwas, das mir zwanglos und selbstverständlich zukam, nämlich ein nationales Identitätsbewusstsein, bei anderen völlig fehlen kann."

 

Das ist eine Frage die sich wohl viele von uns stellen. Besonders in West- und Nordeuropa ist diese identitätsfeindliche Weltsicht verbreitet, in Osteuropa weniger oder fast gar nicht. Nationalgefühl ist, wie das Wort schon richtig beschreibt, eine Gefühlssache, etwas Immaterielles. Leuten wie Alan Posener fehlt genau das. Sie sind die skrupel- und gewissenlosen Helfer einer politischen Kaste, deren Mitglieder sich selbst als Weltbürger verstehen.

 

Paracelsus
31. Mai 2017 00:14

Mir fiel an Poseners "starker" Meinung besonders der persönlich verächtlich machende Duktus auf: "Um es vorwegzunehmen: Schlimmer als der Antisemitismus Kubitscheks, über den gleich zu reden sein wird, ist die  Attitüde dieses Halbgebildeten, der sich als Großintellektuellen inszeniert."

"Selbsterhebung Kubitscheks zum Großdenker", Jongen als "Hobbyphilosoph", um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Das erste Zitat zeigt zudem die gekonnte Denk-Verdrehung, um nicht zu sagen: demagogische Begabung des Autors: natürlich ist das Skandalon, welches er zu konstruieren soll, der Kubitschek unterstellte Antisemitismus. Und die unterstellten "Attitüden"  werden nur benötigt, um den Angegriffenen persönlich herabzuwürdigen. Das ist schäbig, und da hilft es auch nicht, einmal ein Buch über die Gottesmutter geschrieben zu haben. Immerhin stellt er selbst klar, dass seine Herleitung, mit welcher er Kubitschek den Anitisemiten anhängen will, eine Unterstellung ist. ich zitiere die ganze Passage: 

"Nur darf man unterstellen, dass wer „die weltgeschichtliche Bedeutung des Judentums, des Zionismus oder der Holocaustindustrie“ in einem Atemzug nennt, es mit den Juden nicht so gut meint wie der gute Wolfgang Gedeon mit den Deutschen. Und dann sollte man das auch laut und deutlich sagen. Für Leute, dies es mit den Juden nicht gut meinen, gibt es eine Bezeichnung, und die lautet: Antisemit"

Zwischenzeitlich hat der Posener nochmals nachgelegt und seiner Arroganz wiederum freien Lauf gelassen: "Ach, der Kubitschek kann nichts dafür, es muss aus ihm sprechen. Dass er für mich unter all den zur Verfügung stehenden Herabsetzungsmöglichkeiten ausgerechnet das Bild des Brunnenvergifters wählt, das sagt mehr aus über diesen armen Wicht als alles, was meine Feder vermochte. Und dafür wiederum muss man ihm in gewisser Weise dankbar sein."

Interessant: man möchte antworten, was für ein armer Siech ein Mensch sein muss, der einen anderen "armen Wicht" nennt und sich sogar noch zur "Dankbarkeit" herniederlässt. - Und täte nur spiegelbildlich die Geste des Posener. - Was also tun? Vielleicht: beten.

Monika L.
31. Mai 2017 06:02

Statt immer wieder auf die gleichen rechts =böse Spielchen einzugehen, sollten wir mal einen Perspektivewechsel vornehmen. Stichwort : disruptives Denken.

http://www.power-research-seminare.com/fileadmin/2016-09-29_25_querdenken_oder_disruptives_denken.mp3

Ein Muß für alle rechtshirnigen Kreativen und Querdenker. Viel Spaß beim Perspektivewechsel. Es kann doch nicht angehen, daß sich eine ganze "Geschwätzwissenschaften-Generation" immer wieder an den gleichen Themen abarbeiten muß: an Ziegenkäse, gefährlichen Frauen, kruden Gedanken, umstrittenen Höckern, Rittergütern, Schlössern und Einraumwohnungen, Intelektuellen, Scheinriesen, Halbwahrheiten und, und, und.

Der Gehenkte
31. Mai 2017 09:33

@ Paracelsus

Sie haben das recht treffend an zwei Bsp. dargelegt.

Die Crux dieser Denke ist doch die: man weiß, was man will, man hat seine festen Bilder, Begriffe und Klischees und die sucht man dann in den Texten und Aussagen. Es gibt fast nie ein ergebnisoffenes Herangehen an die Texte, man ist nicht wirklich neugierig, man läßt sich auf die Ideen der anderen Seite nicht ein, man durchdenkt nicht wirklich, man ist auch nicht kritisch ..., sondern auf der permanenten Suche nach der Bestätigung der eigenen Konstrukte. Und zum "Rechten" gehört nun mal der Antisemit dazu. Also muß sich ja irgendwo verstecken und ausfindig machen lassen. Man sitzt mit der Stoppuhr und wartet, wann der Höcke z.B. wieder "ein Wort" sagt ...

Diese Herangehensweise ist es ja, die die Linke so unendlich langweilig macht und die reicht - wenn es um "die braune Gefahr" geht - fast über das gesamte Spektrum.

Umgekehrt muß man freilich aufmerksam bleiben, nicht selbst in diese Schiene einzubiegen.

Ralf Kaiser
31. Mai 2017 10:14

Noch eine kleine Beobachtung, sicher vergleichsweise unwichtig, aber doch hinsichtlich der Arroganz dieses Herrn ganz aufschlußreich:

Naserümpfend sieht er Kubitscheks Formulierung "unserem und anderen Völkern" als Grammatikfehler an, was sie keineswegs ist, und plappert andererseits über "das Pluralis Majestatis". Es handelt sich natürlich um "den Pluralis". Wenn er ein Neutrum wäre, hieße er nämlich "das Plurale". Peinlich für jemanden, der als Philologe daherkommt.   

RMH
31. Mai 2017 11:22

@Ralf Kaiser,

da sind auch noch andere Böcke in dem Artikel drin. Aber bei dem Ganzen, nicht-lektorierten Blog- und Zeitungsgeschwalle, was man seit Jahren über sich ergehen lassen muss, wird man langsam großzügig - und selber ist man ja auch meist nicht ohne Fehl und Tadel in diesem Bereich (habe keinen Lektor und nur eine Klippschulbildung).

Nach einer Nacht drüber schlafen, gehe ich auch (wie andere es schon geäußert haben) davon aus, dass der Herr P., statt den Herrn T. zusammen zu schimpfen, warum er denn den "Quotenjuden" auf dem Rittergut gegebn hat, eben den vermeintlichen "Verführer" ran genommen hat. Mit mäßigem Ergebnis.

@H.M. Richter,

Sie haben richtig gewettet, Herr P. geht davon aus, dass Herr K. ihn als "Brunnenvergifter" bezeichnet hat (siehe oben).

@Der_Jürgen,

"Diese Leute" waren immerhin die (Mit-) Erfinder des Nationalismus, zumindest ist er bei ihnen am längsten dokumentiert (evtl. gab´s das ja auch schon früher, wer weiß schon, was der Wüstenssand der Geschichte alles begraben hat).

Lotta Vorbeck
31. Mai 2017 13:25

Was Posner hier zusammensalbadert ist nichts weiter, als der allzu durchsichtige Versuch Götz Kubitschek mit braunem Dreck zu beschmieren. Im ersten Moment möchte man Kubitschek empfehlen, dem aufgeblasenen Posner einfach mal passend 1:1 herauszugeben. Posner wäre freilich, wie @Monika 30. Mai 2017 - 09:40 PM bereits feststellte, dieser Mühe nicht wert. Zu fragen wäre auch:

# Welche Leserreichweite erzielen Plattformen wie starke-meinungen.de überhaupt?

# Wer mag seine eigene, kostbare Lebenszeit damit verschwenden, diesen immergleichen Schmonzes noch zu lesen?

# Wen will Posener eigentlich erschröcken? Ist dererelei Mumpitz tatsächlich dazu angetan, sezessionsbereite Leute wieder an die Leimruten des Sytems zurück zu locken?

Der Stern der Propagandisten vom Schlage eines Posener hat seinen Zenit längst überschritten. Die sich unaufhaltsam im Sturzflug befindlichen Auflagezahlen ihrer Postillen legen davon beredt Zeugnis ab. Mainstreampresse stapelt sich, für jedermann tagtäglich sichtbar, in den Zeitungsläden als druckfrisches Altpapier.

Monika L.
31. Mai 2017 14:26

Schlimm ist der Antisemitismus in Deutschen Schulen in Berlin.

http://www.bz-berlin.de/berlin/tempelhof-schoeneberg/jetzt-spricht-ferdinand-14-ich-fuerchtete-um-mein-leben

Hier sollten sich die " Starken Meinungen" mal stark machen. 

Der_Jürgen
31. Mai 2017 15:20

@RMH

Da rennen Sie bei mir offene Türen ein. Ich weise Sie in diese Zusammenhang auf folgendes eminent wichtige Buch hin: Von besonderem Interesse wird für Sie das sechste Kapitel sein. (Es  existiert auch auf Deutsch, aber in einer so scheusslichen Übersetzung, dass ich mich nicht einmal dazu durchringen kann, den Titel hier zu nennen. Die anderen Bücher desselben Autors sind sehr viel besser übersetzt.

http://cnqzu.com/library/Philosophy/neoreaction/Kevin%20MacDonald%20(Joojoo%20Squakers)/CofC02%20Separation%20and%20Its%20Discontents.pdf

Neffe Mannheims
31. Mai 2017 19:59

Posener Buch "Der gefährliche Papst" war so wegweisend, prophetisch und weise, dass man bei Momox nicht mal mehr die 15 Cent kriegt, die man normalerweise für Billig-Literatur mindestens noch erhält.

Findling
31. Mai 2017 20:04

Und der Erich Kästner? Ich stelle nur eine ganz harmlose Frage: Warum war der Kästner nicht im KZ? Alle anderen waren doch bekanntermaßen Nazis oder Emigrierte. Nur der Abschaum blieb, wir wissen es inzwischen haargenau!

"Herr Kästner, was haben Sie gegen die Gewaltherrschaft der Nazis unternommen?" Keine Frage, nein, ein Urteil von solch richtender Gewalt, dass von nun an Kästner-Bücher toxisch sind und aus den Schränken der Schulen und Bibliotheken entfernt werden müssen. 

Hartwig aus LG8
31. Mai 2017 20:59

Vergifteter Brunnen.

Erstaunlich, dass einer, der auf diesen Seiten bekannte, auf die Rückkehr zur Verzauberung der Welt zu warten, und ein anderer, der die Werke der Romantiker als Hilferuf zur Umkehr deutete, dass diese beiden sich als Antipoden dieses Forums gerieren.

Monika L.
31. Mai 2017 21:40

In der Juni Ausgabe des " Cicero" findet sich ein interessanter Beitrag von Sonja Margolina, einer jüdischen Journalistin, die 1986 aus der Sowjetunion in die Bundesrepublik emigrierte. Unter dem Titel " Eine Geschichte, die vergangen ist", beschreibt sie die Hilflosigkeit der Deutschen im Umgang mit dem neuen Antisemitismus . Etwa durch Muslime ( Ergänzung: Alan Posener hat sich mit dem antisemitischen Vorfall in der Friedenauer Schule befasst). 

Gedankenführung Margolinas:

" Die Deutschen sind die einzige Nation der Welt, die sich als Volk der Täter ein positives Nationalbewußtsein und Nationalstolz verbietet. Die deutsche Schuld ist ein unantastbares Dogma, das politisches Handeln prägt".

........

Dogmen setzen Denkverbote voraus. ( Stichwort: Historikerstreit) . 

"Nach dem Krieg lebte in der Bundesrepublik... nur eine Handvoll Juden. Umso einfacher war es, das Judentum pauschal und zeitlos, also nicht nur die Opfer des Holocaust, als Opferkollektiv festzuschreiben und zur Projektionsfläche  der moralischen Überlegenheit reuiger Täter zu machen. Dass Juden nicht immer und nicht überall nur passive Objekte und ewige Opfer der Geschichte, sondern auch deren Subjekte und Akteure sein konnten, passte nicht zum naiven " Philosemitismus ohne Juden", der in der Totalität der deutschen Schuld ihren Ausdruck fand".

...............

Der "  naive Philosemitismus ohne Juden" wurde in Frage gestellt

a) durch viele aus der ehemaligen Sowjetunion eingewanderte Juden,
b) durch den realen Antisemitismus ( insbesondere der israelbezogene Antisemitismus) vieler Muslime.

Warum sollten muslimische Schüler an Informationsfahrten zu Konzentrationslagern teilnehmen, wenn das ' nicht deren Geschichte ist'?

...............

Margolina kommt zu dem Schluß:

"Der hilflose Umgang der Gesellschaft mit diesem neuen Antisemitismus lässt die einmalige Leistung der Deutschen - die Aufarbeitung ihrer Vergangenheit - zu einem Scherbenhaufen werden. Eine neue antisemitische Front aus Islamisten, linken Antizionisten und rechten Rassisten scheint keine Zukunftsmusik mehr zu sein. Die Geschichte wollte lange nicht vergehen. Viele Deutsche befürchteten, eine Historisierung würde die Verbrechen und die Schuld relativieren. Nun hat der neue Antisemitismus den " Schlussstrich", den die Rechte schon lange fordert, auf eigene Faust gezogen. So gesehen symbolisiert er einen Abschied vom deutschen Wunder". 

Diese ' unerwartete Historisierung' kann natürlich verschiedene Folgen haben. Gute, wie schlechte. Die "Neue Rechte" läßt sich von der alten Rechten m. E. durch die ' unerwartete Historisierung' klar unterscheiden ! Und hier zeigt sich Götz Kubitschek ganz klar als neuer Rechter, der eine Historisierung der Geschichte aus genau dem Grund erhofft, damit eine erneute Katastrophe (siehe Finis Germania) nicht geschieht. Soweit dies ein Verleger überhaupt tun kann. Ich würde fast sagen, dass eine ' sanfte ' Historisierung der einzige Garant ist, daß Verbrechen und Schuld nicht relativiert werden.

Den anderen Fall, die brutale Historisierung durch Islamisten, Antizionisten und rechte Rassisten mag ich mir gar nicht vorstellen.

Cacatum non est pictum
01. Juni 2017 19:23

@Monika L.

Ich lese ja viele Ihrer Beiträge mit Freude, aber dieser Geßlerhutgruß des Tages hätte nicht sein müssen. Warum führen Sie hier eine 30-jährige jüdische Immigrantin als Kronzeugin für deutsche Geschichtspolitik an? Die "Aufarbeitung" unserer Geschichte - in der Form, wie sie hier seit Kriegsende vonstattengeht - soll eine einmalige Leistung, ein Wunder gewesen sein? Oder habe ich Frau Margolina da falsch verstanden?

Ich habe es dermaßen satt, von Juden über das Schuldmaß meines Volkes und über den richtigen Weg der historischen Aufarbeitung belehrt zu werden. Reden wir doch mal über die Verbrechen, die den "Subjekten und Akteuren der Geschichte" (Margolina) anzulasten sind, die das jüdische Volk, wie die Autorin richtig erkennt, in Hülle und Fülle hervorgebracht hat. Von den zahllosen Ereignissen, die mir da spontan in den Sinn kommen, könnte man für den Anfang die bolschewistische Revolution in Russland anführen, die ja maßgeblich von Juden getragen worden ist. Über die triefende Blutspur, die sich von da aus durch das 20. Jahrhundert zog, erfährt man im Schwarzbuch des Kommunismus alles Nötige.

Ich kann übrigens das Unbehagen vieler hier lebender Juden gut verstehen, das der kompromisslos Antijudaismus der momentan massenhaft einwandernden Araber auslöst. Er wird das jüdische Leben in Deutschland auf Dauer gewiss nicht angenehmer machen. Nur sollten sich die Betroffenen in dieser Angelegenheit vor allem an ihre unzähligen einflussreichen Glaubensbrüder wenden, die keine Möglichkeit auslassen, der Masseneinwanderung nach Europa und dem Multikulturalismus öffentlich das Wort zu reden. Darauf hat, wenn ich mich recht entsinne, Der_Jürgen hier schon des Öfteren hingewiesen.

t.gygax
02. Juni 2017 06:00

@cacatum non est pictum

 

In der unzensierten Fassung von "le grand remplacement" von der Gruppe "les brigandes" wird im Intro der Satz eines Rabbis zitiert, der sich zur Masseneinwanderung muslimischer Heerscharen äußert.

Genau diesen Satz musste die Gruppe in der zensierten Fassung rauswerfen. Warum wohl?

Monika L.
02. Juni 2017 06:31

@cactatum non est pictum

"auch ich lese Ihre Beiträge mit Freude, aber dieser Gesslerhutgruß hätte nicht sein müssen...."

nach solchen Anfangssätzen lese ich meist nicht weiter, aber dann doch. Sie haben natürlich Recht. Nach der Lektüre von Rolf Peter Sieferles " Der ewige Nazi" (ein Stück aus finis germania) und diesem Beitrag: http://www.tagesspiegel.de/politik/rassismus-und-antisemitismus-in-deutschland-islamfeindliche-aktivisten-und-publizisten-sind-mir-zu-unkreativ/10669820-3.html wage ich zu sagen: Die Deutschen sind die neuen Juden.

Maiordomus
02. Juni 2017 09:34

@Cacatum non est pictum. Sie mögen recht haben in der Einschätzung, dass man Margolina nicht überschätzen sollte, schiessen dann aber weit über das Ziel hinaus mit Ihren Aussagen über Juden. Es ist völlig lächerlich, sage ich als radikaler Antikommunist seit 1956, die Verbrechen des Kommunismus, die Ideologie mit der weltgeschichtlich höchsten Opferzahl, wegen einiger oder vieler daran beteiligter Juden als jüdisch einzuschätzen, so wie die Verbrechen in Osteuropa bis 1945 objektiv keineswegs pauschal als "Verbrechen der Deutschen" einzuschätzen sind, das wäre schlicht idiotisch. Zu den schlimmsten "Auschwitzleugnern" schätze ich ohnehin und andererseits Leute wie Posener ein, für welche es nun plötzlich gar kein jüdisches Volk und keine jüdische Identität geben kann, dann könnte es logisch zwingend auch keinen Völkermord an den Juden gegeben haben, der zwar aufgrund des von mir überprüften Forschungsstandes nicht geleugnet werden kann, wiewohl er objektiv weniger schlimme Folgen haben konnte wie der Völkermord an den Indios in Westindien, welche nämlich dann in der Tat verschwunden sind.

 

Und es bleibt dabei, dass zahlreiche Juden und Jüdischstämmige oder "jüdisch Versippte" auszumachen sind aus den letzten 200 Jahren, die als deutsche Patrioten nun mal weder von Kubitschek noch von Sellner noch von Lichtmesz in ihrer patriotischen Lebensleistung für Deutschland bisher eingeholt worden sind. Für mein eigenes Deutschlandbild richtungsweisend wurden zum Beispiel der Preussenkenner Schoeps, der Erschliesser des ewigen Vorrats deutscher Poesie Rudolf Borchardt und der Polemiker, Publizist und Israelkritiker Willi Schlamm, der sich später William S. Schlamm nannte. 1962 unterzog er Kennedy und seinen Politikertypus der bis heute vernichtendsten Kritik, später schrieb er noch ein bedenkenswertes Buch "Wer ist Jude?", mit Kritik am "Verbauern" der Juden in Israel usw., ohne dessen Lektüre man über das Thema nicht mitreden kann. Nicht zu vergessen ist ferner, dass die schärfsten Kritiker von Marx (den man zwar problemlos als "Antisemiten" bezeichnen könnte) wiederum Juden waren, auch die best argumentierenden Kritiker von Hannah Arendt (ihre Ausführungen über Eichmann erscheinen aus jener Perspektive von lächerlicher Ignoranz) und Adorno waren und sind Juden. Den jüdischen Anteil an der deutschnationalen "Vaterlandsqualität" nicht zu sehen lässt auf kopfschussmässige Ignoranz oder tatsächlich auf Vulgär-Antisemitismus schliessen. Selber  bin ich aber mit dem Vorwurf des Antisemitismus mehr als zurückhaltend, weil Rechte heute oft reflexmässig als Antisemiten beschimpft werden. Dabei gilt jedoch für echte Antisemiten dasselbe wie für echte Hasser des Christentums, des Kommunismus und des Islam: undifferenzierte Aussagen über die vorgestellten Feinde, hier Juden,  schliessen von bedeutenden geistigen Leistungen und unter Umständen sogar von erheblichen Verdiensten nicht aus. So wenig wie dumme und falsche und feindbildorientierte Aussagen über Jesuiten, Freimaurer und Bilderberger.  Feindbildideologien sind natürlich in der Tat verdummend, das gilt für dummen Antifaschismus, dummen Antikommunismus, dummen Antisemitismus, dummen Antiislamismus, dumme Christentumskritik sehr pauschal. Klar muss man, um Wahlen zu gewinnen, manchmal Wahlbündnisse mit den Dummen in Kauf nehmen. Aber das ist dann wieder ein anderes Thema. So wie es historische Konstellationen geben kann, da man sich je nachdem mit Kommunisten oder Faschisten oder Muslimen verbündet. Als ein Gegner der linksliberalen bis linksfaschistischen Ideologie als Hauptgefahr nach 1968, was sich insofern bestätigt hat, setzte ich noch 1989 auf ein potentielles Bündnis von Rechten und Muslimen, was mir vorübergehend die Freundschaft des Konvertiten Ahmed Huber eingetragen hat. Letzterer wurde zu Lebzeiten allgemein als Antisemit geführt. Ich fand ihn aber nicht schlimmer als z.B. den Anti-Christen Karlheinz Deschner, von dem man, wie von Huber, so weit er gut informiert war, dann und wann etwas lernen konnte. Nur musste man von seinem primitiven Feindbild natürlich abstrahieren, was bei Carl Schmitts Feindbild, die Juden betreffend, dann auch die Aufgabe ist, will man seine tatsächlichen staatsphilosophischen Einsichten in den Blick bekommen. Zum Beispiel die Einsicht, dass es in jeder Ernstfall-Konstellation, in einer solchen leben wir heute, den Feind tatsächlich gibt. Der Feind war damals nicht das Judentum, und der Feind ist heute nicht der Islam, letzterer viel zu primitiv, um je Technik, Wirtschaft und Geistesleben der Menschheit je beherrschen zu können. Der wahre Kulturkampf findet anders statt. Obwohl ich selber von Trump wenig halte, hier aber noch ein Hinweis: In der Meute derjenigen, die in fast allem, was Trump sagt oder tut, eine Gefahr für die Menschheit sehen, steckt aus heutiger rechter Sicht "der Feind", der Gesinnungsverbrecher. Davon ausgenommen sind Kritiker, die normale pragmatische Kritik formulieren, z.B. am Waffendeal mit Saudiarabien oder an der Risikobereitschaft betr. Nordkorea. Aber klar: In Trump kristallisiert sich das Feindbild der linken Gutmenschenideologie, der gegenüber der Vorsitzende von China und der Präsident des Iran genauso wie Merkel als gemässigt und vernünftig denken. Schade ist nur, dass sich die Linken bei ihrem Feindbild mutmasslich täuschen. Er wird, innenpolitisch gebremst und auch mangels eigener geistiger strategischer Orientierung, weltpolitisch wenig bewegen und auch nur schon in seinem Einfluss auf das Weltklima weder nützen noch schaden. Kennedy, heute noch das Idol der politischen Ignoranten, war nicht nur psychisch und charakterlich schlimmer als Trump, auch mit nachweislichen mafiösen Verbindungen, er hat zu Beginn seiner Amtszeit auch schon unendlich mehr Schaden angerichtet. Objektiv ist es also falsch, auf Trump Hoffnungen oder Befürchtungen zu setzen. Lächerlich ist es sodann, in ihm und in seinem früheren Berater Bannon einen Antisemiten zu sehen, was natürlich wie bei der AfD auch bei ihm schon durchexerziert wurde, weil er nun mal die gegenwärtige Mainstream-Projektion des Menschheitsfeindes ist. 

 

Man ist dann kein Antisemit, wenn man sich nicht dabei ertappt, jemanden automatisch zu verdächtigen, weil er Jude ist. Meines Erachtens ist das die Einstellung von Monika Leiser. Es war aber zum Beispiel nicht die Einstellung eines der bedeutendsten Schweizer Rechtspolitiker der Geschichte, den ich vor 50 Jahren persönlich kannte. Der Vorschlag, die von ihm gegründete Partei mit noch schwacher intellektueller Basis durch zwei junge jüdische Gelehrte zu verstärken, wurde von ihm mit monokausaler Begründung zurückgewiesen. Die Partei hatte dementsprechend auch keine Zukunft. Aus diesem Grunde war gemäss meiner Erfahrung die Auseinandersetzung in der AfD Baden-Würrtemberg von 2015 notwendig, wiewohl ich Gedeon bei weitem nicht zu den Schlimmsten zählen würde und eine demokratische Grundhaltung bei ihm nicht ausschliesse. Mit solchen Leuten ist aber derzeit kein Staat zu machen. Übrigens setze ich Gedeon mit Höcke nicht gleich. Letzterer scheint mir zu realpolitischen Perspektiven durchaus fähig. Wäre er - wie z.B. Broder - Jude, hätte man seine Aussagen eher durchgehen lassen. Auch das gehört zur politischen Psychopathologie der Gegenwart.

 

Maiordomus
02. Juni 2017 09:50

@Monika. Die Deutschen sind so wenig die neuen Juden wie die Muslime, die sich liebend gern in diese zivilrelgiös fundierte Opferrolle hineinprojizieren. Die Juden sind nun mal ein vertrackt differenziertes Thema, vgl. mein oben erwähntes Buch "Wer ist Jude?" von William S. Schlamm, nicht zu vergessen das Thema des jüdischen Selbsthasses, das über Generationen ähnlich verlief wie der heutige und schon ältere deutsche Selbsthass. Nur den muslimischen Selbsthass gibt es nicht, was Nietzsche wohl als Zeichen der geistigen Gesundheit der Muslime interpretiert hätte. Das muss man ihnen sowieso lassen. Wie gesagt, und im Grunde hat es sogar der hartgesottene -derjürgen so gesehen, eignen sich der Islam und seine Anhänger nicht zum heutigen Hauptfeind im Weltbürgerkrieg, das galt vielleicht noch zur Zeit von Lepanto und zu der Zeit, als Papst Calixt III. für 500 Jahre jeweils um 11 Uhr gegen den Vormarsch des Islam läuten liess. Der Weltbürgerkrieg positonierte als Kulturkampf seine Lager in Amerika, an der Ostküste, wo Trump nicht nur normale Gegner hat, sondern Feinde, in Europa, und durchaus in Russland, Putin muss sich in Acht nehmen. Auch in der israelischen und sogar in der schweizerischen Innenpolitik findet der Weltbürgerkrieg statt.  In der Schweiz geht es um nicht mehr und nicht weniger als um das letzte direkt-demokratische Land der Welt. Der Weltbürgerkrieg fand auch am Evangelischen Kirchentag der letzten Woche statt. Derjenige, der gerufen hat "Ich schweige nicht!" sprach für Millionen und dieser Satz wird, wenn überhaupt, als einziger Satz jenes Kirchentages vielleicht eines Tages im Geschichtsbuch stehen. Die Deutschen aber sind ein für allemal nicht die neuen Juden. Wäre noch gespannt, was Broder zu dieser Aussage von Monika sagen würde. Unterschreiben würde er wohl kaum. 

Maiordomus
02. Juni 2017 10:24

Wer ist der Feind im Weltbürgerkrieg? In meinem langen Diskussionsbeitrag oben muss präzisiert werden: Trump ist, ohne eigentlich das Format eines Menschheitsfeindes zu haben, Katalysator einer global-westlichen Meutenbildung gegen ihn. Diese Meute ist soziologisch interessant und aufschlussreich für die Identifikation und Repräsenation eines nicht ungefährlichen Feindes, "unseres" Feindes sozusagen, selbst wenn wir selber meistenteils nicht Anhänger Trumps sind. In dieser Meute steckt als Teilmenge derjenige Feind, den wir eher im Gegensatz zu den nicht übertrieben zu fürchtenden Muslimen als unseren politischen und metapolitischen Gegner im Weltbürgerkrieg sehen könnten. Teilmenge. Es sind nämlich nicht diejenigen unter den Trump-Kritikern mitgemeint, die an Trump rein pragmatische Kritik üben, etwa betr. Waffendeal mit den Saudis oder Nordkorea-Politik. Für die wirklichen Gegner Trumps ist der Präsident als Populist allein schon aufgrund seiner Gesinnung der Menschheitsfeind, was er sagt und tut, es wird als Feindbildbestätigung eingeschätzt. Genau so geht es im Kleinen in Deutschland Lichtmesz, Sellner und Kubitschek bei ihrer Abwatschung durch den Intellektuellen mit dem griechischen Namen. Zumal Lichtmesz kann machen und sagen was er will, er bleibt derjenige, der nicht nur ein bisschen politisch anders denkt, sondern er muss wie Sellner und Kubitschek als Feind bekämpft werden. Es handelt sich um diejenigen politischen Gegner, die nicht aufkommen dürfen und entsprechend auch nicht satisfaktionsfähig sind. Wenn die Identitären und Pegida sich an die Gewaltlosigkeit halten, sind sie umso schlimmer im Vergleich zu IS, weil getarnte Mörder, und aus der Sicht des Antifaschismus ist ihre Gesinnung des Verbrechen schlechthin, während letztlich IS-Leute nur fehlgeleitete Muslime sind, ein Problem, das mit der Einrichtung von Islaminstituten an unseren Universitäten grundsätzlich lösbar scheint. Hingegen wären Lehraufträge für Lichtmesz oder Sellner an einer Hochschule für die Freihaltung Deutschlands vom schlimmsten aller politischen Verbrechen die eigentliche unverzeihliche Sünde gegen den heiligen Geist, nicht zu vergleichen mit plumpen Attentaten und ihren Opfern. Im Prinzip hat die frühneuzeitliche Inquisiton auch bereits so gedacht. 

Maiordomus
03. Juni 2017 11:33

PS. Es muss natürlich heissen "frühneuzeitliche Inquisition". Zu deren Einsichten gehörte laut Hexenhammer die Überzeugung von schuldhaften Eingriffen des Menschen in Wetter und Klima, so wie damals noch Wallfahrten vorgeschrieben wurden, z.B. in der Schweiz, gegen den Vormarsch der Gletscher, was existientell sich im Alpenraum stärker auswirkte als es eine Klimaerwärmung zwischen 1000 und 1300 ebenfalls tat, was ja zur Erschliessung der Alpen durch die Landwirtschaft wesentlich beitrug.

Nun aber noch abschliessend zu den Ausführungen Kubitscheks betr. Martin Walser, Bodenseeliteraturpreisträger 1957. Walser glaubte, führt Kubtischek aus, "dass im Nachgang alles Erzählte und Erlebt glattgezogen und umgebogen wird". Gut und treffend gesagt, nur stammt dies, als theoretisches Ferment des Erzählens überhaupt, aus der "Eberjagd" von Ernst Jünger, dem zwar unpolitischen, aber absolut paradigmatischen Beispiel für diese Erkenntnis, wohl das novellistische Meisterwerk Jüngers, so wie eigentlich nur "Ein fliehendes Pferd" von Martin Walser als Erzählung hohen und höchsten Ansprüchen genügt. Bei Jünger, dem wohl genauesten phänomenologischen Beobachter in der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts, vgl. das Abenteuerliche Herz, das 2. Pariser Tagebuch, die Standardwerke über Drogen und Rausch sowie über Käfer, ist freilich alles genauer erfasst. Das Spätwerk Martin Walsers verdöste leider in der Mittelmässigkeit, was man Jünger über alles gesehen nicht vorwerfen kann. Der von Jünger und Walser profilierte Gedanke des Einflusses der Folgen, ob zufällig oder beabsichtigt, auf die ursprüngliche Ausgangserzählung ist aber grundlegend und auch wesentlich für die Geschichtsschreibung und die Historiographie ganz allgemein. Selber könnte ich heute kaum mehr Geschichte studieren, aus Mangel an Hochschulprofessoren, die im Ernst Spitze sind, die ganz Guten sind in der Regel Regionalhistoriker oder Lokalhistoriker, wie es etwa der Geschichtsschreiber des Landes Salzburg, Heinz Dopsch, noch gewesen ist. Typischerweise schreibt der gegenwärtig bekannteste Historiker in Israel, Yuval Noah Harari, fast nur noch die Geschichte der Zukunft, etwa in der Art von Francis Fukuyama, sind doch seine Bezüge auf die biblische Geschichte eher schludrig und wissenschaftlich unter aller Kanone, wie sogar einer seiner Leser und Verehrer, ein deutscher Fundamentaltheologe, bedauernd kritisch zur Kenntis geben musste. Am wenigsten flunkern kann man im Prinzip in der Lokalgeschichte. Dies ist mir zum Beispiel an der Geschichte des Konzentrationslagers von Vaihingen an der Enz aufgefallen, welche ich mal mit einer Arbeitswoche von Gymnasialschülern etwas näher betrachtet habe. "Wirklich ist der Einzelfall." Hinter dieses Motto der mittelalterlichen Nominalisten und der frühneuzeitlichen Empiristen sollte man eigentlich nicht zurückfallen.

Das Bonmot eines Kritikers von Richard Strauss "Wenn schon Richard, dann Wagner, wenn schon Strauss, dann Johann", möchte ich ergänzen durch: "Wenn schon Walser, dann Robert."  Letzterer war in seiner feinen Ausdrucksweise ein Meister in der Kunst, Wichtigtuer auf ihre Proportionen zurückzubringen. Zu letzteren gehörte bzw. gehört nebst u.a. seinem Intimfeind Marcel Reich-Ranicki wohl auch Martin Walser, was ich in Überlingen mal persönlich erlebt habe.

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