12. Juni 2017

Panikreaktionen - Sieferle auf Platz 1

von Götz Kubitschek / 43 Kommentare

"Das Buch im Haus nebenan", schrieb Ray Bradbury in seinem Roman Fahrenheit 451, "ist wie ein scharfgeladenes Gewehr." Er hat recht.

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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  • Wer doch noch irgendwie an der Macht des bedruckten Papiers zwischen zwei Buchdeckeln auf der einen und an der Dummheit hysterischer Reaktionen bei geistiger Herausforderung auf der anderen Seite zweifelte, ist heute wieder einmal eines Besseren belehrt worden: Finis Germania, das bei Antaios erschienene Bändchen aus dem Nachlaß des Kulturphilosophen Rolf Peter Sieferle, steht seit Stunden auf Verkaufsrang Nr. 1 bei amazon (obwohl es nicht direkt, sondern nur über Zweitanbieter bestellt werden kann).

    Der Grund dieser für unseren "Kleinverlag" (wikipedia) außergewöhnliche Platzierung ist die Aufnahme von Finis Germania in die Empfehlungsliste "Sachbücher des Monats", in der Sieferles Destillat seltsamerweise nicht Platz 1, sondern nur Platz 9 erringen konnte. Selbst der 1. Rang in dieser Liste hätte die Absatzzahlen nicht wesentlich gesteigert - zu erwartbar, zu langweilig, mit zuviel Konsenswärme erfüllt ist diese Liste, und das Prozedere ihres Zustandekommens selbst verweist schon auf eine langweilige Institution.

    Da darf also jedes Jury-Mitglied Punkte vergeben für Bücher, die es empfehlen möchte. Es findet keine Vorauswahl statt, keine Diskussion, kein inhaltlicher Streit - das Ganze ist ein unengagiertes, mithin erwartbares Teilstückchen einer mit sich selbst und ihrer Selbstbestätigung beschäftigten linksliberalen Kultur-Nomenklatur.

    Man nahm dort das Votum "Sieferle, Platz 9" kommentarlos hin: Kein Juror interessiert sich ernsthaft für das, was ein anderer empfahl, denn der eine Schluck Wasser gleicht dem anderen - sinnlos, davon zu kosten. Das sind Profis der Klappentextlektüre, diese Leute, und was sie selbst entdecken oder empfohlen bekommen könnten, paßt ohne anzukanten durch ihren engen Meinungskorridor wie die Rollatoren der Greise durch den Flur eines Altersheims.

    Also mußte ein linksradikaler taz-Autor die "Juroren" mit der Nase drauf stoßen, ein Autor übrigens, der mal vor unserer Haustür in Schnellroda herumstand und genau wußte, daß er ebenso wie jeder andere geistig Bedürftige seinen Bettelsack aufspannen und - in unserer Küche sitzend - ein bißchen von jener echten Lesebegeisterung und -freiheit abbekommen würde, die vor allem Ellen Kositza vom ersten Satz an ausstrahlt.

    Die taz also, die alte Tante mit den verläßlichen Minenhunden, von denen Andreas Speit der berechenbarste ist (dicht gefolgt von Liane Bednarz und Volker Weiß): Man kann sich blind, wirklich blind darauf verlassen, daß diese Leute - geil auf jede Zeile, die sie zu ihrem Lebensinhalt absetzen können - jedes unserer Themen, das eigentlich keines ist, zu einem machen. In gewissem Sinne gehören sie zum Team, aber das beste: Wir müssen sie nicht bezahlen.

    Es folgten FAZ und Südeutsche, dann der NDR, und heute der ganze Rest. So gehen Rechnungen auf, und deswegen drucken wir auch erst nach, seit Speit, der Großmeister des vermasselten Keulenhiebs, in der taz die Kugel in den Automaten schnellen ließ. Der Sachbuchliste selbst wegen hätten wir noch nicht einmal eine Absatzbeule wahrgenommen.

    -- -- -- 

    Zum ernsteren Teil der Sache: Man möchte an Rolf Peter Sieferle Rufmord begehen. Der Gipfel dieses Versuchs ist derzeit bei Christian Schröder vom tagesspiegel zu sehen, aber wir werden noch andere Höhen erreichen. Schröders denunziatorische Bestandsaufnahme ist jedenfalls mit der Fotografie eines gewissen Lagertors illustriert - man muß zugeben: schwindelnder geht es kaum.

    Das ist also der Ansatz, den Jan Grossarth von der FAZ und der einer eklatanten Aufsichtsunfähigkeit überführte Jury-Chef Andreas Wang wählten:

    Denunzierung dessen, was auch durch sie erst ins Galoppieren kam. Die Verdrehungen im Einzelnen, wir zitieren Grossarth:

    Auschwitz sei ein „Mythos“, welcher „der Diskussion entzogen werden soll“, schreibt Sieferle. Der Jury-Vorsitzende Andreas Wang hatte der „tageszeitung“ gesagt, „dass das Buch die Liste nicht gerade ziert“. Womöglich enthält das Buch strafbare Inhalte. Die begriffliche Verbindung von Auschwitz und „Mythos“ weist eine Nähe zum strafbaren Ausdruck der „Auschwitz-Lüge“ auf.

    Zur Beurteilung dieser Spekulationen zunächst Sieferle im ausführlichen Zitat:

    Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

    Kommentare (43)

    Der Gehenkte
    12. Juni 2017 23:09

    Den ganzen Tag schon verfolge ich diesen organsierten Rufmord. Geschockt! Ich hätte es nicht für möglich gehalten. Empfinde es wie eine Zäsur, eine neue Stufe der Entgrenzung. Habe das Buch selber gelesen und diskutiert - nichts von den Unterstellungen hat Hand und Fuß. Der "Lügenäther" wird immer dichter - nimmt mir die Luft zum atmen. Erster Impuls: weg aus diesem Land! Mehr Licht!

    Monika L.
    12. Juni 2017 23:16

    Gratulation !

    Der Sieg für die dumme Linke wird zum Sieg für die kluge Rechte !

    https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2017/ein-sieg-der-dummen-linken/

    RMH
    12. Juni 2017 23:22

    "Das Buch im Haus nebenan ist wie ein scharfgeladenes Gewehr."

    Und entsichert hat die Büchse ein Mitarbeiter des Spiegel Fuilletons - der damit vermutlich beruflichen Selbstmord begangen hat (evtl. hat er bereits ordentlich was auf der hohen Kante und konnte es sich erlauben), so wie jetzt das aufgeregte Gegaggere und Überschlagen der Meldungen zeigt.

    Merken die eigentlich nicht, wie sie mit ihrem offenen Ruf nach Zensur, Verbannung, dem Staatsanwalt etc. erst die Lust auf dieses Buch wecken und dabei gleichzeitig ihren letzten Rest Glaubwürdigkeit verspielen?

    Ich gönne Sieferle den späten Erfolg, dass seine Schrift jetzt größeren Absatz findet (und natürlich auch dem Verlag).

    Leo
    12. Juni 2017 23:41

    Tja, da waren die Genossen wohl nicht wachsam genug... Wie konnte DAS nur geschehen?!? Um die interessantere Frage zu stellen: Hatte denn wirklich niemand (außer dem nun geouteten Schuldigen) vorher den Namen Sieferle auch nur gehört? Oder anders: Gibt es dort wirklich keine TUMULT-Leser?

    'Dummheit schützt vor Strafe nicht' hieß es früher... Aber darum geht es ja  gar nicht. Was wirklich vollkommen unglaublich ist, ist nicht die offenbar politische Unbedarftheit der Juroren. Aber die Art und Weise, sich zu distanzieren, Besserung zu geloben, ein Projekt nun quasi zu beenden - das ist doch neo-stalinistische Selbstkritik-Kultur der Extraklasse. Oder merken all die Möchtegern-Ingenieure der menschlichen Seele vielleicht nicht einmal, welches Stück sie damit aufführen? Und das im Jahre 2017, im freiesten Deutschland, das es jemals gab...? 

    @ Der Gehenkte

    Weg aus diesem Land? Nix da: Wir bleiben hier! (Oder wie's vor '89 hieß: Bleibe im Lande und wehre Dich täglich.) ;-)

    E.
    12. Juni 2017 23:46

    "(...) Das sind Profis der Klappentextlektüre, diese Leute, und was sie selbst entdecken oder empfohlen bekommen könnten, paßt ohne anzukanten durch ihren engen Meinungskorridor wie die Rollatoren der Greise durch den Flur eines Altersheims. (...)"

    Very splendid, indeed. Jedes Wort ein Stich mit dem Florett, nicht mit dem Säbel. - Und ein großer Jammer, dass Herr Sieferle tot ist und sich gegen diese werten Herrschaften (vulgo: die kleinen Würmchen aus dem "Mainstream") nicht zur Wehr setzen kann.

    Thomas S.
    12. Juni 2017 23:54

    Hunderte Seiten Analysen und Argumente hätten die Geistlosigkeit der offiziösen Publizistik nicht besser bloßstellen können als deren eigenes Auftreten in diesem Fall es wieder einmal tat. Aus jedem ihrer Worte spricht die nackte Angst vor der Kraft der verbotenen Bücher und der verbotenen Gedanken.  So klingen keine Sieger, sondern Personen, die sich der geistigen Auseinandersetzung nicht zu stellen wagen. Viel weiter können diese Leute dabei nicht gehen, ohne nicht nur den Geist, sondern auch der Formen des liberalen Staates gänzlich aufzugeben. Man darf gespannt sein, was als nächstes kommt.

    Ostens Sohn
    12. Juni 2017 23:57

    Die Reaktionen finde ich nicht verwunderlich, wenn überhaupt dann, daß sich mal einer getraut hat.

    Übrigens wurde auch von Björn Höcke das Buch diese Woche auf Facebook beworben.

    Martin Himstedt
    13. Juni 2017 00:08

    Ich bin damals über TUMULT auf Sieferle gestoßen und war völlig erstaunt, dass ich auf sezession.de nichts über ihn fand. Damals schrieb ich, soweit ich mich erinnern kann, Martin Lichtmesz an, mit der Bitte, den Freitod zu thematisieren. Die beiden Bücher standen damals wohl schon in den Startlöchern.

    Kaum zu glauben, was heute, nur wenige Monate später, daraus geworden ist: Bleibt zu hoffen, dass der Verlag mit dem Ansturm fertig wird.

    E.
    13. Juni 2017 00:15

    @ Thomas S.: "Man darf gespannt sein, was als nächstes kommt."

    Was als Nächstes kommt? Mit Sicherheit in den nächsten Jahren eine Art Zwangsabgabe, pardon "Demokratieabgabe" (analog GEZ = "Ihr Beitragsservice") für die Zeitschriften des "Mainstream", denen die Leser scharenweise davonlaufen; tja - und blöd - die neuen "Fachkräfte" haben es ja nicht so mit den Abonnements...:). - Komisch, ich bin ja in der alten Bundesrepubik aufgewachsen, aber warum kommt mir so bekannt vor, was in der alten DDR passierte?

    E.
    13. Juni 2017 00:46

    "In einer Liste, die ein allgemeines Publikum erreichen soll, das sich Belehrung und Erkenntnis und möglicherweise auch intellektuelle Unterhaltung verspricht, hat ein solches Buch nichts zu suchen."

    Das ist das Statement eines Literaturkritikers einer süddeutschen Tageszeitung in einem Radiobeitrag eines überregionalen öffentlichrechtlichen Senders. http://www.deutschlandfunkkultur.de/streit-um-ndr-bestenliste-rechtsruck-im-feuilleton.1270.de.html?dram:article_id=388465

    Das ist so irre kafkaesk, dass es einen aus den Schuhen haut. Und die öffentlichrechtlich alimentierte Redakteurin eilt sich, pflichtschuldigst zuzustimmen, obwohl sie einräumt, das Buch nicht gelesen zu haben. In welchem Land lebe ich? Jedenfalls gehöre ich nicht zum "allgemeinen Publikum", ein kleiner Trost.

    Der Feinsinnige
    13. Juni 2017 01:07

    Meines Erachtens ein grandioser PR-Erfolg für Antaios!

    Die obige Antwort Götz Kubitscheks ist schnell erfolgt und wie gewohnt fundiert. In der veröffentlichten Aufregung scheint, soweit ich das bislang verfolgen konnte, überwiegend auf den 3. Teil des Buches Bezug genommen zu werden „Mythos VB“. Dabei ist aus meiner Sicht der erste Teil, der dem Buch den Namen gegeben hat, der wohl wichtigste des Bandes. Von diesem soll offenbar abgelenkt werden. Dieses Ablenkungsmanöver wird aber zum Scheitern verurteilt sein. Wer das Buch wegen des „Mythos VB“ erwirbt und liest, wird selbstverständlich auch den ersten Teil zur Kenntnis nehmen – eine grandiose und fesselnde Analyse der gegenwärtigen Lage Deutschlands, die zusammen mit dem andernorts verlegten „Migrationsproblem“ für die politisch derzeit Herrschenden wirklich gefährlich werden kann, wenn sie denn eine größere Leserschaft gewinnt. Daher kann dem „SPIEGEL“-Autor Johannes Saltzwedel gar nicht genug gedankt werden für das Hervorrufen dieses „Skandals“. Nur einem kleinen Absatz der Analyse Götz Kubitscheks wage ich zu widersprechen:

    „Der Juror, der Sieferle auf die Empfehlungsliste setzte, wird im übrigen sehr schwere Tage vor sich haben. Er konnte diese feuilletonistische Putztruppe nicht kommen sehen. Hoffentlich überlebt er die Panikreaktionen beruflich.“

    Nein, ich kann mir nicht vorstellen, daß Johannes Saltzwedel nicht geahnt hat, was auf ihn zukommen würde. Derzeit kann ich nur auf das verweisen, was Johannes Saltzwedel selbst als Motivation geäußert hat: "Mit der Empfehlung des Buches 'Finis Germania' von Rolf Peter Sieferle habe ich bewusst ein sehr provokantes Buch der Geschichts- und Gegenwartsdeutung zur Diskussion bringen wollen. Sieferles Aufzeichnungen sind die eines final Erbitterten, gewollt riskant formuliert in aphoristischer Zuspitzung. Man möchte über jeden Satz mit dem Autor diskutieren, so dicht und wütend schreibt er.“     

    nachzulesen hier: http://www.spiegel.de/kultur/literatur/finis-germania-spiegel-redakteur-johannes-saltzwedel-tritt-aus-sachbuch-jury-zurueck-a-1151810.html

    Ob Saltzwedel noch andere Motivationen hatte, läßt sich wohl gegenwärtig nicht beurteilen. Aber warum sollte man ihn nicht beim Wort nehmen, daß er in eine (dringend notwendige) Diskussion einzutreten beabsichtigt?

    Lyrurus
    13. Juni 2017 01:09

    Johannes Saltzwedel, also der Spiegel-Journalist, der für die Aufnahme des Buches in die Sachbuchliste verantwortlich ist, ist für mich ein klarer Anwärter für den nächsten "Sonntagshelden". Was er tat, war mutig in einer Weise,  wie man es von einem Mitarbeiter der Mainstreampresse schon lange nicht mehr erwartet. Gerade wenn man sieht, wie seine Kollegen jetzt die Jagdhörner blasen, was für Herrn Saltzwedel als langjähriger Spiegelmitarbeiter nicht überraschend sein kann.

    Der ganze Vorgang und die wahrzunehmende Panik erinnert mich an die Veröffentlichung von "Deutschland schafft sich ab" vor sieben Jahren. Es knackt im Gebälk. Auch wenn die Repression zunächst vermutlich weiter zunehmen wird, gibt ein derartiges Ereignis mir Hoffnung. 

    Braunschweiger
    13. Juni 2017 01:21

    Da denkt man immer, all diese Herrschaften des Mainstreams stünden bereits auf tiefster Stufe, nur um dann wieder einmal auf die denkbar beschämendste Weise vorgeführt zu bekommen das es doch noch ein gutes Stückchen weiter nach unten geht. Entsetzlich! 

    Pigscantfly
    13. Juni 2017 06:47

    "There is only one thing worse than being talked about. Not being talked about." (Oscar Wilde)

    Gratulation an Antaios! Einmal zu Sieferles exzellentem Buch und dann zur kostenlosen PR durch die linken Tugendwächter. Der Freiheit eine Gasse.

    Jens Z
    13. Juni 2017 06:50

    Ich verfolgte am gestrigen Tage ebenso diese unsägliche Diskussion und bin immer noch geschockt, wütend und einfach nur sprachlos. Es ist eine Schande für unser Land, wie hier Journalisten - geleitet von der sogenannten 'politischen Elite' - und selbst nicht mehr fähig einen eigenen Gedanken/ eine eigene Meinung zu haben, hier ohne jeglichen Respekt und Achtung vor dem Schaffen eines großen Schriftstellers dermaßen denunziatorisch vorgehen! Es freut mich für GK und Antaios, so kann man wahrscheinlich noch dreimal nachdrucken lassen! 

    @Leo: Genau, wir bleiben selbstverständlich hier! Der Umbruch wird kommen, dies zeigt sich wieder einmal mehr an diesem Beispiel. 

    Danke noch einmal für diese großartigen Zeilen GK!  Grüsse aus dem Saalekreis.

    Frieda Helbig
    13. Juni 2017 08:01

    So sehr ich mich über diesen Marketing-Erfolg für die tapferen Streiter K&K freue, so sehr bin ich verbittert, ob des dafür zu zahlenden Preises.

    Nicht mal vor Toten machen die Tugendwächter halt. Ekelhaft.

    Meine Gedanken sind in diesen Tagen besonders bei der Familie und den Freunden des Toten. Ich wünsche ihnen viel Kraft, dies zu ertragen und richtig einzuordnen.

    Der_Jürgen
    13. Juni 2017 08:06

     @Jens Z  @Der Gehenkte

    So so, Sie beide sind "geschockt, wütend und einfach nur sprachlos"? Sie "hätten es einfach nicht für möglich gehalten"? Entschuldigung, aber in welchem Staat haben Sie in den letzten paar Jahrzehnten denn gelebt? In Papua-Neuguinea vielleicht? Wenn nicht, was haben Sie beide von DENEN denn erwartet?

    Monika L.
    13. Juni 2017 08:47

    Einfach nur grossarthig !

    Zadok Allen
    13. Juni 2017 08:54

    Man geht wohl nicht ganz fehl in der Annahme, daß ein Gutteil der rattenhaften Wut, die die Männer fürs Grobe der Journaille im vorliegenden Fall an den Tag legen, dem Umstand geschuldet ist, daß sie Herrn Sieferles aufgrund seines Freitods nicht mehr habhaft werden können.

    Es ist der ohnmächtige Haß des ungeistigen, in der Lüge lebenden Lohnschreibers auf den Denker, der seine geistige Souveränität endgültig besiegelt und vor dem Zugriff des pseudointellektuellen Pöbels gerettet hat. Bei aller persönlichen Tragik scheint sich das Leben Herrn Sieferles gerade jetzt glücklich zu runden.

    calculus
    13. Juni 2017 09:03

    Glückwunsch an Herrn Kubitschek zu diesem unübersehbaren Erfolg! Nach meinem Eindruck ist das der bislang erflogreichste Versuch, den Resonanzraum stetig auszuweiten!

    Stil-Blüte
    13. Juni 2017 09:11

    'Das meint dasselbe, was Joschka Fischer meinte, als er von Auschwitz als dem Gründungsmythos der Bundesrepublik Deutschland sprach: die tabubewerte, stiftende, große historische Erzählung, die aufgrund ihrer Dimension und Unvergleichlichkeit zu einem Mythos geworden sei. Der Unterschied: Wo Fischer diesen Mythos als sinnstiftend begrüßte und für die Bändigung des ewigen deutschen Täters als unverzichtbar erklärte, sieht Sieferle, das wird im Verlauf des Textes klar, in dieser Negativ-Erzählung nichts Stiftendes, sondern eine Totalinfragestellung des weiteren Weges eines (des eigenen) Volkes.'

    Mythen sind ja nicht statisch, sie werden überliefert, verändern sich und werdern erst nach langer Zeit als Sagen, Legenden, Geschichte 'festgeschrieben'. Hier war es umgekehrt, hier wurde von vorn herein 'festgeschrieben' Ist Joschka Fischers 'Gründungsmythos' eigentlich öffentlich je diskutiert worden?  Man führe sich seine Aussage noch einmal vor Augen: Nicht auf dem Grundgesetz baut die BRD auf, sondern auf einem Mythos namens Auschwitz. Mit Sieferles Frei-Tod und anderen, die mehr empor als voran strebtren ist sinnstiftender Mythos möglich. Möge 'Finis Germania' als Katechismus, als Flug-Schrift dazu beitragen (Übrigens schafft Johannes Saltzwedel als Spiegel-Journalist nicht nur für den Zeit-Geist, sondern er schafft auch oder vor allem als Sammler, Bibliograf, Bibliophiler, Bibliothekar für spätere Zeiten. Seine Internet-Seite 'Venturus' bietet die Schätze der Vergangenheit in schönster Willkommenskultur an.) Danke, GK! Früher schon mal Exemplare bestellt, jetzt gleich noch mal zum Ver-Teilen.

    Jens Z
    13. Juni 2017 09:24

    @ Der_Juergen: Erwartungen an DIE habe ich keine! Geschockt war ich nicht, weil diese Diskussion stattfindet, sondern eher in welcher Art und Weise das ganze passiert.

    Klar, viel erwarten kann man nicht- jedoch wenigstens ein Mindestmaß an Guten Benehmen, Anstand und Respekt. Einfach nur armselig..

    Starhemberg
    13. Juni 2017 10:12

    Nach langen Jahren Erfahrung als Büttel des Kapitalismus kann ich dazu nur sagen - "every promotion is good promotion"!

    Ich konnte es gestern abend nicht glauben, als ich Kaplaken 50 bei Amazon auf der NUMMER EINS sah. Ich glaube es eigentlich immer noch nicht. Das ist geradezu genial - denn es zeigt - IHR seid (wir sind) nicht aufzuhalten. Das Gute, das Wahre, das Echte - es bohrt sich selbst durch die dicksten Bretter. Nur - Geduld muss man haben und bisweilen einen guten Magen.

    Nautilus
    13. Juni 2017 12:46

    Gratulation Herr Kubitschek kann ich da nur sagen.

    Das Geheule des Establishment zeigt, dass Sieferle völlig recht hatte. Die Reaktion diese Leute wundert mich aber nicht, ist diesen linken Torwächter doch glatt eine Seite des Tores zerschlagen worden.

    Seneca
    13. Juni 2017 13:53

     Spiel, Satz und Sieg !

    Maiordomus
    13. Juni 2017 14:07

    Gratulation an Antaios, erwarte als Abonnent ausserhalb der Europäischen Union mit Ungeduld das neueste Heft von Sezession. Falls die TaZ-Leute das, was sie "Faschismus" nennen, nicht für eine Meinung halten, sondern für ein Verbrechen, so sehe ich bei denen und ihren Nachbetern ihrerseits von der kriminellen Energie her keinen Unterschied zu den Bücherverbrennern von 1933. Das damalige Verbranntwerden hat übrigens den meisten verbrannten Titeln langfristig genützt.

    Maiordomus
    13. Juni 2017 14:46

    @Frieda Helbig. Sie sehen noch etwas, was den anderen entgangen ist. Sich vor dem Andenken des toten Gelehrten Sieferle zu verneigen, ist das Eine, die Misshandlung seines Andenkens durch eine Dreck-Journaille das Andere, das geht an den Angehörigen gewiss nicht spurlos vorüber.

    Umdenker
    13. Juni 2017 15:20

    Ich beginne langsam zu begreifen, was Kubitschek meint, wenn er von einem "geistigen Bürgerkrieg" spricht.

    BORIQUA
    13. Juni 2017 15:45

    Hallo liebe SiN-Gemeinde,

    kann bitte jemand hier mit Lateinkenntnissen aufklären, was der Titel auf Deutsch übersetzt genau heißt (also ich glaube: Das Ende Deutschlands; jedenfalls intendiert), und ob es, wie in anderen Foren bereits angesprochen, nicht doch "Finis Germaniae" geschrieben gehöhrt.

    Wegner:

    Auch wenn die seit der ersten Werbung für das Buch nicht abreißenden Nachfragen und Verhohnepiepelungen damit wohl nicht kein Ende finden werden, hier in gültiger Form:

    Bei diesem natürlich grammatikalisch eindeutig falschen Titel (sofern man denn wirklich "das Ende Deutschlands" aussagen wollte), den Sieferle vor seinem Freitod ausdrücklich festgelegt hatte und den seine Hinterbliebenen gegenüber unserem Hause trotz grammatikpolizeilicher Bedenken durchfochten, handelt es sich um ein Syntagma im Sinne de Saussures; es ist also provokante Absicht, daß die beiden Worte in keiner grammatikalischen Beziehung zueinander stehen. Allein dadurch, daß sie zum Grübeln über ihre scheinbar verborgene Bedeutung anregt, ist der Zweck der Formulierung bereits erfüllt.

    Für weitere Informationen verweise ich auf Ellen Kositzas Rat aus der Video-Buchbesprechung: einfach das Buch bzw. dessen Nachwort lesen.

    Frieda Helbig
    13. Juni 2017 16:22

    @Maiordomus:

    Danke. Wenigstens Sie haben meinen Eintrag gelesen und richtig interpretiert.

    Der Feinsinnige
    13. Juni 2017 18:15

    @ BORIQUA und Wegner:

    Zur Diskussion um den Titel: Gerade angesichts der Hinweise im Nachwort habe ich von Anfang an als eine naheliegende Möglichkeit der Auslegung des Buchtitels an eine Feststellung in Form einer Anrede in Erwägung gezogen: Zwischen den beiden Wörtern könnte ein Komma gedacht werden, am Ende ein Ausrufezeichen, also in etwa: „(Es ist zu) Ende, Deutschland!“ - also ein Ausdruck völliger Hoffnungslosigkeit – politisch und offenbar aus Sicht Sieferles auch persönlich.

    Dieter Rose
    13. Juni 2017 18:30

    @BORIQUA

    so eindeutig falsch ist "Finis Germania" nicht:

    Germania als Ablativ zu lesen: die gegenwärtigen Ereignisse bedeuten das "Ende für (ergänze "pro") Deutschland" oder freier: "Deutschland am Ende", das klingt nicht  so definitiv abschließend wie "Deutschlands Ende".

    Osmond van Beck
    13. Juni 2017 19:06

    @BORIQUA
    Das "Geheimnis" des Titels klärt sich bei Lektüre des Büchleins. Ist zu empfehlen.

    Der_Jürgen
    13. Juni 2017 19:08

    "Gibt es in Amerika eigentlich kein Gesetz, das Hunden den Zutritt zu Friedhöfen verbietet?" fragte Baudelaire angewidert, nachdem sich einige amerikanische Qualiltätsmedien abfällig über den eben verstorbenen Poe geäussert hatten. Hätte Baudelaire die "Nachrufe" unserer Qualitätsmedien auf Sieferle gelesen, hätte er wohl gefragt: "Gibt es in Deutschland eigentlich kein Gesetz, das Schweinen den Zutritt zu Friedhöfen verbietet?"

    EJuLpz
    13. Juni 2017 22:21

    1976. Eine sächsische Kleinstadt, ich damals FDJler an einer EOS (Erweiterte Oberschule). Eilige Einberufung eines Fahnenappells. Daselbst Aufklärung über ein Ungeheuer: Wolf Biermann, dessen Wiedereinreise eben zum Wohle des unaufhaltsamen Fortschreitens des Sozialismus auf deutschem Boden unterbunden worden war. – Wer war denn das, was wollten sie denn nur von uns 14-18jährigen? Biermann? Nie gehört! Mir war das also ziemlich egal, denn in unsrer Klasse gabs süße Mädchen, die von manchen Sachen wohl schon viel mehr wußten als ich, zumindest gaben sie sich so ..., und das herauszufinden war viel, viel  interessanter.

    Wirklich brisant wurde der Inkriminierte dann erst während des Studiums zu Beginn der 1980er Jahre. Ins Rennen warf ich eine von Freunden in erbärmlicher Qualität beim Deutschlandfunk (Mittelwelle) mitgeschnittene Kassette, daselbst: „... ihr macht, was ihr verhindern wollt: Ihr macht mich populär ...“. In der Tat: ein Vademecum. -- Ja mei, haben den Grossarth et. al. nicht einmal DAS verstanden? Aber vielleicht ist ja hier Hegel im Spiel, und es geht ganz listig zu? Die Desavouierer als U-Boote, blindwütig torpetierend ihren eigenen, eigentlichen Geleitschutz, der einer realitätsverweigernden Linken aber nicht mehr folgen kann. Wissen sie’s oder wissen sie es nicht?

    Borstelspatz
    13. Juni 2017 23:03

    Diese Aktion bringt Eurem Verlag richtig gut Werbung. Habe mir das Buch auch gerade bestellt und noch so einige Bücher, u.a. 6 von diesen handlichen Kaplaken-Bändchen, die mich irgendwie an die "Kleinen Trompeter Bücher" in der DDR erinnern. ;-)

    E.
    13. Juni 2017 23:34

    @ EJuLpz (13.06., 22:21 h): Danke schön für Ihren so interessanten (und unterhaltsamen) Beitrag. Es sind Beiträge wie Ihrer, weswegen ich dieses Forum der Sezession so sehr schätze und nicht missen möchte!

    Stein
    14. Juni 2017 03:47

    Die Bundesschrifttumskammer gerät in Panik und verfällt in Hysterie, weil ihre Zensurmechanismen versagt haben. Nach heutigem Gebrauchszynismus eigentlich recht amüsant, wenn es nicht letztlich doch so furchbar ekelerregend wäre.

    calculus
    14. Juni 2017 04:56

    @EJuLpz: Wissen sie’s oder wissen sie es nicht?

    Das geht mir auch durch den Sinn. Er hat ja wohl alle seine 40 Stimmen auf den einen für Uneingeweihte vollkommen unbekannten Autor gesetzt. Das ist bestimmt kein Zufall.

    Löwenherz
    14. Juni 2017 14:39

    Ich hatte mir schon überlegt, das Büchlein zu kaufen. Nun weiss ich: Es wird für mich Pflichtlektüre sein. Das bizarr anmutende mediale Gezerre um einen renommierten, inzwischen verstorbenen Autor zeigt doch nur, dass da einer Dinge anrührt, mit denen eine Auseinandersetzung geboten wäre. Sind die Einsichten Sieferles manchen vielleicht einfach deshalb unerträglich, da sie den Mut nicht aufbringen, sich unvoreingenommen damit auseinanderzusetzen? Da sie dabei allenfalls mit ihren eigenen Lebenslügen konfrontiert würden?

    Katzbach
    14. Juni 2017 14:45

    Wieder ein böser, weisser, alter Man, der dass heilige Wort des Meisters wagte zu benutzen. Eckige, scharfkantige Wörter,  die immer wieder nachgearbeitet wurden um böse Wunden zu verursachen, möchte man nicht aus der Hand geben. Unachtsames fallen lassen, die falsche Behandlung,  würden  die Wörter bald abrunden wie  Flusskiesel, die jeder bequem im Hasensack tragen würde. Mögen doch die Kiesel vom Flusse der Ereignisse  als Sand an  die Strände der  Geschichtsmeere gespült werden.

    Borstelspatz
    14. Juni 2017 22:13

    Diese Aktion bringt Eurem Verlag richtig gut Werbung. Habe mir das Buch auch gerade bestellt und noch so einige Bücher, u.a. 6 von diesen handlichen Kaplaken-Bändchen, die mich irgendwie an die "Kleinen Trompeter Bücher" in der DDR erinnern. ;-)

    nom de guerre
    16. Juni 2017 21:03

    Sieferles Buch habe ich mit großem Interesse gelesen und kann darin nichts hetzterisches oder naziverdächtiges erkennen. Wohl aber das - betroffen machende - persönliche Vermächtnis eines Menschen, bei dem mich die Information, dass er sich umgebracht hat, nicht allzu sehr wundert. Insofern habe ich es mit etwas gemischten Gefühlen ins Regal gestellt.

    In Ihrem Artikel fand ich eine Stelle überraschend: Sie schreiben (ich paraphrasiere, finde die Stelle gerade nicht), diejenigen, die Sieferle eine verklausulierte Auschwitzlüge unterstellten, wüssten nicht, was diese Art Rufschädigung für die Reputation des toten Sieferle sowie für Ihren "Kleinverlag" bedeuteten. Ist das Ihr Ernst oder habe ich das falsch verstanden? Genau um diese Rufschädigung und um das Mundtotmachen (bzw. die Vernichtung der ökonomischen Existenz) eines jeden Rechtsgerichteten unter Zuhilfenahme der Nazikeule geht es diesen Leuten doch. Funktioniert halt nur nicht mehr so gut wie früher.

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