07. November 2017

Der FAZ-Leninist Dietmar Dath und die „Schmarotzmonster“

von Gastbeitrag / 20 Kommentare

In der FAZ erschien vor wenigen Tagen ein Beitrag von Dietmar Dath, der sichtlich verärgert ob der sozialen Neuausrichtung neurechter Strukturen zum Rundumschlag ausholte. Hierzu ein Gastbeitrag von Wolfgang Hübner

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  • Ungeachtet stetig sinkender Auflage leistet sich die selbsternannte „Zeitung für Deutschland“ die Beschäftigung eines bekennenden Leninisten in der Feuilletonredaktion. Dietmar Dath, so heißt der FAZ-Kommunist, setzt seine journalistischen Schwerpunkte bei Themen wie Wissenschaftskultur, elektronische Lebensaspekte, Science-Fiction, schreibt auch sonst viel, sogar Romane: Die liest jedoch fast keiner, weil sie zu elitär und versponnen sind. Es wäre wirklich übertrieben zu befürchten, der späte Lenin-Jünger könnte – außer bei seinem Arbeitgeber – wirklichen Schaden anrichten.

    In der FAZ-Ausgabe vom 3. November 2017 durfte Dath nun die erste Seite des Feuilletons für seinen langen Text mit der zweideutigen Überschrift „Der rechte Lohn“ beanspruchen. Illustriert ist das mit einem knallig-martialischen Propaganda-Bild der kommunistisch dominierten Internationalen Brigaden aus dem Jahr 1937. Die hat im Spanischen Bürgerkrieg bekanntlich gegen die nationalen Kräfte gekämpft und verloren.

    Doch damit beschäftigt sich Dath nicht. Vielmehr sucht er Antwort auf die selbstgestellte Frage: „Wie links und internationalistisch ist die soziale Frage noch?“ Bevor wir erfahren, warum sich ausgerechnet ein Kommunist eine Frage stellt, die für seinesgleichen eigentlich gar keine sein kann, bringt er betrübliche Beispiele fehlenden richtigen Bewusstseins in der europäischen Arbeiterklasse in Erinnerung. Dath zitiert anklagend einen französischen kommunistischen Parteifunktionär, der einst seufzte: „Was wollen wir machen? Die Arbeiterklasse ist halt rassistisch, kolonialistisch und imperialistisch“.

    Da unser Lenin 2.0 dieses Problem als „nicht neu“ bezeichnet, ahnen wir nun schon, was ihn umtreibt. Mit Seitenhieben gegen Intellektuelle, Kleinbürger und die deutsche Sozialdemokratie macht der Autor dann auch deutlich, mit wem er nichts zu tun haben will. Dath hält es lieber mit dem toten Karl Marx, der schon in einem Brief an Abraham Lincoln Ende 1864 das Dilemma der ungleichen Entwicklung auf der Welt erkannt haben soll: Entweder resultiere aus der Globalisierung ein unerträglicher Abgrund zwischen Gewinnern und Verlierern. Oder es werde die – noch zu erkämpfende – solidarische (kommunistische) Weltgesellschaft geben.

    Jetzt können wir uns denken, warum der Redakteur eine Vorliebe für Science Fiction hat. Denn in diesem Genre wird ja ganz gerne von künftigen Weltgesellschaften, meist allerdings unerfreulichen Charakters, fabuliert. Für Dath ist klar, daß nur der Totalkommunismus die Menschheit retten wird. Leider gibt es keine Protokolle von Redaktionskonferenzen der FAZ, in denen der hagere Weltenretter seine Kollegen agitiert – nicht gänzlich erfolglos übrigens.

    Doch gibt es arge Hindernisse auf dem Weg ins irdische Paradies: Da ist allerorten eine fehlgeleitete Arbeiterklasse, die zum Beispiel jüngst in Deutschland und Österreich besonders gerne AfD oder FPÖ wählte. Und da ist auch der liberale „Lieblingsteufel“ Götz Kubitschek. Der verantworte die Website Sezession, in der von einem Politikwissenschaftler namens Benedikt Kaiser zu lesen gewesen sei, es gehe nun „um eine Forcierung einer authentisch sozialen Ausrichtung bei dem Bewusstsein für die Bedeutung der popularen Klassen und des tatsächlichen Mittelstandes“.

    Diese Querfront-Terminologie bringt Dath so in Rage, daß sich ein längeres Zitat aus seinem Text lohnt:

    Man versteht diese Rechte nur, wenn man sie als Schmarotzmonster in den Blick nimmt, das seine faulen Eier in inhaltlich ausgehöhlte und äußerlich verhärtete linke Konstruktionen legt und dann auf die Hitze sozialer Konflikte baut, die seine gefräßigen Jungen ausbrüten sollen.

    Daths Empörung klingt echt, denn daß die Kubitscheks „Kaderarbeit“ und die „Mobilisierung der ökonomisch Unselbständigen“ zu betreiben wagen – sowas verstößt provokativ gegen das linke Copyright. Dabei, so schreibt er, habe „die Rechte in Europa seit 1789 einfach keine eigene Idee hervorgebracht“.

    Kommentare (20)

    Thomas S.
    07. November 2017 14:38

    Möglicherweise ist sich Dath nicht der Tatsache bewusst, dass es sich bei katholischen Soziallehre nicht nur um eine christlich verbrämte Variante des Marxismus oder der Sozialdemokratie handelt.

    Die Soziallehre befürwortet etwa den Nationalstaat als auf dem Subsidiaritätsprinzip beruhenden abendländischen Gegenentwurf zu imperialen Staatsgebilden. Als Erweiterung der natürlichen Gemeinschaft der Familie beruhe er auf Bindungen, die das gemeinsame Verfolgen des Gemeinwohls fördern würden, wie es Johannes Paul II. beschrieben hatte.

    Die Soziallehre bewertet Migration zudem sehr zurückhaltend und ist sich iher Risiken bewusst. Auf diesen Gedanken beruht die im Katechismus der Katholischen Kirche festgehaltene Position, der zufolge Migranten als Gäste auch Verpflichtungen gegenüber ihren Gastgebern hätten, etwa „das materielle und geistige Erbe seines Gastlandes dankbar zu achten, dessen Gesetzen zu gehorchen und die Lasten mit zu tragen.“

    Johannes Paul II sagte in diesem Zusammenhang, dass Staaten sittlich verantwortlich seien, eine “Kontrolle der Zuwanderungsströme unter Berücksichtigung der Erfordernisse des Gemeinwohls durchzuführen. Die Aufnahme muß immer unter Einhaltung der Gesetze erfolgen und daher, wenn nötig, mit der Ausschaltung von Mißbräuchen einhergehen.“ Es müsse zudem das „besondere kulturelle Erbe jeder Nation bewahrt werden“.

    Dath wird also noch einen weiten geistigen Weg zurücklegen müssen, bevor er mit der Soziallehre argumentieren kann.

    Roland W.
    07. November 2017 15:34

    Dath hat tatsächlich nur einen guten SF geschrieben. Das ist die "Abschaffung der Arten".  Alles danach schien mir nur Schrott zu sein. Und ansonsten gilt bei ihm - wie bei so vielen anderen - der von Waldstein-Satz "Die Linke war noch nie so dumm."

    Maiordomus
    07. November 2017 15:58

    @ Das letzte Zitat des Leninisten Dath gegen Schluss des Hauptartikels ist in der Tat hochinteressant. Desgleichen bringt @Thomas S. mit Berufung auf Papst Johannes Paul II. eine bedenkenwerte differenzierende Ergänzung. Statt sich über den Opportunismus der Kirchenoberen zu ärgern, lohnt es sich durchaus, mit der nun selbst von einem Leninisten als eine Art Strohhalm als interessant bezeichneten katholischen Soziallehre sich auseinanderzusetzen. 

    Die genannte Soziallehre, 1891 konstituiert durch die Enzyclica "Rerum novarum" von Papst Leo XIII., kurz nach der Verurteilung der kapitalistischen Freimaurerei (1880) durch den selben klugen und weisen Papst, ist in der Tat eine Abrechnung mit dem Liberalismus bei gleichzeitiger Aequidistanz zum Sozialismus, wobei jedoch das bereits im obigen Artikel genannte Subsidiaritätsprinzip nicht etwa eine katholische Errungenschaft ist, sondern auf den deutschen Protestanten Johannes Althusius aus Ostfriesland zurückgeht.

    Man muss nicht extra katholisch werden, um die Sozialpflichtigkeit des Eigentums zu reflektieren und daraus Konsequenzen für eine vernünftige Sozialpolitik zu ziehen, die nichtsdestotrotz an der Eigenverantwortung und natürlich auch am Grundsatz des Privateigentums betr. Produktionsmittel festhält. Im Zweifelsfall soll jedes soziale Problem eher gesellschaftlich als staatlich gelöst werden, nicht zuletzt übrigens auch die Asylpolitik, die im Prinzip ganz der Nächstenliebe jenseits von Steuergelderverwendung überlassen werden sollte, wodurch etwa auch der Gedanke des Kirchenasyls Sinn erhalten würde, wobei es dort freilich ohne Obergrenze sicher nicht abgeht. Hingegen sind Landesverteidigung, Sicherheitspolitik und etw die Bewahrung des Landes vor Eroberung, z.B. islamischer Eroberung, klassische Staatsaufgaben. Immer abgelehnt hat jedoch die Kirche den Brutalkapitalismus, wiewohl schon nach der Wahl von Papst Martin V. in Konstanz vor genau 600 Jahren (11. Nov. 1417) mit der Lockerung des Zinsverbotes ein historischer Kompromiss mit dem Frühkapitalismus geschlossen wurde, gewiss auch deshalb, um das Geldverleihen nicht zu einer rein jüdischen Angelegenzeit zu machen und den Bankhäusern von Florenz, Siena und anderswo Sukkurs zu bieten. Die Christliche Soziallehre wurde weiterentwickelt, so unter Papst Pius IX. durch die Enzyklika Quadragesimo anno 1931, später durch Mater et Magistra von Papst Johannes XXIII. und Populorum Progression von Papst Paul VI., auf welchen Text sich zum Teil Befreiungstheologen gestützt haben. Natürlich gab es neben konservativen Interpretationen dieser Soziallehre, so weiland einst durch den "Rheinischen Merkur", stets auch christlichsoziale und christlichsozialistische Interpretationen, für die ein gewisser Spielraum vorhanden war.

    Vom Subsidiaritätsprinzip her ist aber die katholische Soziallehre nicht mit Sozialdemokratie zu verwecheln, wiewohl nicht vergessen sein dürfte, dass es neben dem Prinzip der Subsidiarität noch dasjenige der Solidarität gibt, welches ebenfalls verpflichtend ist. Es genügt also nicht, sich ausschliesslich auf Selbstverantwortung zu berufen.

    Der wohl bedeutendste neuere Denker der christlichen Soziallehre war und bleibt der deutsche Jesuit Oswald von Nell-Breuning, bei dem die gelegentliche Sezession-Mitarbeiterin und Foristin Monika Leiser noch studiert hat. Es bleibt aber ein nicht kleines Problem, dass die christlich-katholische Soziallehre heute weder an katholischen Schulen noch bei der Ausbildung von Theologen noch angemessen vermittelt wird und in der Regel zum Beispiel bei Jungpolitikern der christdemokratischen Parteien in Europa kaum mehr vorausgesetzt werden kann. Am allerweitesten ist, auch von ihrer Biographie her, Angela Merkel von diesen alternativen Konzepten zu Sozialismus und Liberalismus entfernt. Dabei hat jedoch der gelernte Christdemokrat Juncker immerhin an Sonntagsreden zugunsten der Europäischen Union auch schon das Subsidiaritätsprinzip als zur EU passend und angemessen bezeichnet, wiewohl etwa die Griechenlandrettungspolitik kaum je etwas damit zu tun hatte.

    Eines muss aber schon klar sein: Ohne dass die katholische Soziallehre ähnlich internationalistisch ist wie der Leninsche Kommunismus oder wenigstens trotzkistische Sozialismus, auch nicht so internationalistisch wie der globalisierte Totalfreihandel einschliesslich des Freihandels mit billigen Arbeitskräften, so ist die katholische Soziallehre aber bei weitem nicht  nicht nationalistisch oder national orientiert. Noch spannend ist es, ein Standardwerk über "Staat und Kirche in Katalonien und Aragon während des Mittelalters" zu lesen, welches 1931 im stockkatholischen Münster in Westfalen erschienen ist. Es geht in jenem Buch, am Beispiel der Grenze zwischen Katalonien, Navarra und Kastilien,  grundsätzlich um die Frage nach Staatsgrenzen. Im letzten Abschnitt des 398 Seiten starken Buches des grossen katholischen Gelehrten Johannes Vincke, damals Professor an der Universität Freiburg im Breisgau, lesen wir:

    "Die Erscheinung, dass die Kirche in steigendem Masse den staatlichen Wünschen betreffs Angleichung der kirchlichen an die politischen Grenzen entgegenkam, bedeutet aber nicht, dass sie selbst sich ihrer Rechte in diesen Fragen begeben hat. Sie lernte es allerdings bei dem Vordringen des Individualismus im öffentlichen und privaten Leben, ihre Interessen besser gewahrt zu sehen, wenn sie Reibungsflächen mit dem Staate möglichst beseitigte. (...) Und für die Kirche, die sich über die ganze Welt erstreckt, die überhaupt keine Grenzen kennt, ist die Frage der Provinzialgrenzen viel nebensächlicher als für den Staat, den lebenslänglich seine Grenzen zu schmerzen pflegen."

    Interessant ist, auch das wohl eine Erklärung des Befundes, dass sich die katalonischen Bischöfe und Äbte derzeit in der Frage der klar nationalistischen Abspaltung Kataloniens eher zurückhalten und in einer Verlautbarung zur illegalen Volksabstimmung vom 1. Oktober  gemahnt  haben, man solle darauf verzichten, "unumkehrbare Entscheidungen" zu fällen. Dabei ging es interessanterweise eher um die Abgrenzung Katalonien/Spanien als etwa um die Rückeinwanderung der Muslime, die man vor Jahrhunderten aus dem eigenen Herrschaftsbereich vertrieben oder zwangsbekehrt hat. In Sachen Flüchtlingspolitik gebärdet sich Katalonien, trotz gewaltiger Jugendarbeitslosigkeit, wohl aus propagandistischen Gründen  gegenüber der EU als grosszügiger als der Rest Spaniens, so wie in Italien bekanntlich Papst Franziskus propagandistisch die sogenannten bedingungslose und nicht näher hinschauende Nächstenliebe als wichtiger hinstellt wie die Gebetsaufrufe seiner Vorgänger nach 1453 (Fall von Byzanz) gegen islamische Eroberungen.

    Der Hinweis, sich mit der Soziallehre der katholischen Kirche auseinanderzusetzen ist nicht damit zu verwechseln, dass sich die Führung dieser Institution seit jeher in der Praxis natürlich opportunistisch zu verhalten pflegt. Hochaktuell scheint mir die Aussage des deutschen Professors aus dem Jahre 1931, dass den "Staat seine Grenzen lebenslänglich zu schmerzen pflegen". Mit anderen Worten: Wenn die Frage nach den Grenzen den Staat nicht mehr schmerzt, hört er auf, ein Staat zu sein. Nicht nur Dath, @ Thomas S, sondern wir alle müssen wohl noch einen weiten geistigen Weg zurücklegen, bevor wir mit der Soziallehre argumentieren können. Für Nichtkatholiken könnte es überdies sinnvoll sein, statt bei kirchlichen Texten etwa bei der Grundlegung des Naturrechts durch Samuel Pufendorf anzusetzen.

    Maiordomus
    07. November 2017 16:19

    @ Man beachte den Satz, bei dem oben aus Versehen ein doppeltes "nicht" für ein Missverständnis sorgen könnte. Es muss lauten: "Die katholische Soziallehre ist aber bei weitem nicht nationalistisch oder national orientiert."

    Mit anderen Worten: die rein national Denkenden in diesem Lager hier werden sich an der katholischen Soziallehre immer zu reiben haben,  wiewohl dieselbe, etwa im Zusammenhang mit dem Subsidiaritätsprinzip, dem Solidaritätsprinzip und dem Freiheitsprinzip auf jeden Fall vernünftige und diskutable Elemente enthält, die man gegen die schlimmsten Missstände der heutigen Politik ins Feld führen könnte. Vor allem müsste man sich nicht in der Art von Lucke und Henckel nach dem sogenannten Neoliberalismus orientieren, der heute notabene im Vergleich zu den Zeiten eines Wilhelm Röpke einigermassen entartet scheint.

    Thomas S.
    07. November 2017 17:03

    @Maiordomus

    Die Soziallehre ist m.E. keinesfalls gegen die Nation gerichtet, sondern nur gegen ihre Verabsolutierung. Johannes Paul II. sprach sogar von einer „Theologie der Nation“, die bereits im Alten Testament angelegt sei, in dem Stämme und Nationen der Träger des Geschehens seien.

    In "Erinnerung und Identität" schreibt Johannes Paul II. ausführlich über das katholische Verständnis des Nationalstaates, den zu schützen für ihn eine Forderung des Gebotes sei, Vater und Mutter zu ehren. Einige Auszüge:

    „Die Nation ist tatsächlich die große Gemeinschaft der Menschen, die durch verschiedene Bindungen, vor allem aber durch die Kultur, vereint sind. [...] Die Nation existiert durch die Kultur und für die Kultur. Und gerade aus diesem Grunde ist sie die große Erzieherin der Menschen, damit diese in der Gemeinschaft mehr sein können. Die Nation ist die Gemeinschaft, deren Geschichte über die des einzelnen Individuums und der einzelnen Familie hinausgeht.“

    „Patriotismus bedeutet Liebe zu allem, was zum Vaterland gehört: zu seiner Geschichte, seinen Traditionen, seiner Sprache und seiner eigenen Beschaffenheit. Es ist eine Liebe, die sich auch auf die Werke der eigenen Landsleute und auf die Früchte ihres Geistes erstreckt. Jede Gefahr, die das große Gut des Vaterlands bedroht, wird zu einer Gelegenheit, diese Liebe zu überprüfen.“

    „Der Begriff ‚Vaterland‘ verbindet sich mit dem Begriff und der Realität von ‚Vater‘ (pater). Das Vaterland ist in gewisser Weise gleichzusetzen mit dem Erbe (patrimonium), d.h. mit der Gesamtheit der Güter, die wir als Hinterlassenschaft von unseren Vätern empfangen haben. [...] Das Vaterland als Patrimonium des Vaters kommt von Gott, zugleich kommt es in gewissem Maße auch von der Welt."

    Thomas Martini
    07. November 2017 17:03

    *Daths Romane, so der Spiegel, handelten von „Darwin, Marx, Fantasy, Heavy Metal, Zombies und Gentechnik.*

    Wer würde so etwas nicht gerne über sich lesen?

    Das ist jetzt kein Witz, aber in der katholischen Kirche warten sie auf Typen wie Dietmar Dath. Selbst der amtierende Papst gilt heute als Kommunist, was Dath einige Bonuspunkte einbringen könnte, sollte er den heiligen Entschluß fassen, in den Schoß der katholischen Kirche zu kriechen. Vielleicht wird dann aus Bruder Dietmar, seinem geistigen Vorbild Lenin und seiner Vorliebe für Science-Fiction folged, noch eine Art "Dath Vader".  

    Zur Zeit aber weisen die Zitate des Mannes immer noch dieses infantile Element auf, das immer bei allen Bundesdeutschen zur Geltung kommt, denen alles streng verdächtig ist, was in der BRD als rechts erscheint. Irgendwo lauert immer noch ein Nazi, irgendwo gibt es immer noch einen rechtsextremen Sumpf trocken zu legen. Und sie halten sich für selbstbestimmt, kritisch, frei, womöglich für "gebildet". <- Bitte an der Stelle noch einmal die Aussagen von Dietmar Dath überfliegen; das war jetzt ein Witz.

    Dabei möchte ich mich heute einmal entschuldigen, für meine Zurückhaltung, was die Buchbestellungen bei Antaios angeht. Das Angebot ist sehr gut, und es gibt zahlreiche Bücher, die ich liebend gerne schon gelesen hätte. Leider fehlte dafür bisher die Zeit, und ich habe genügend Bücher zu Hause, die nur darauf warteten, gelesen zu werden.

    Passend zum Weg in die Una Sancta, wühle ich mich zur Zeit wieder durch den Wälzer "Wider Willkür und Machtrausch" von Emmanuel Johannes Reichenberger. Das wäre eine Lektüre, die das vermeintlich heile Weltbild der allermeisten BundesbürgerInnen, gleich ob links, rechts, alt, jung, hetero, lesbisch oder schwul, nachhaltig zusammenklappen ließe, bloß wem sage ich das; die wenigsten Zeitgenossen würden es verkraften.

    Im Gegensatz zu den heutigen Daths und Böhmermanns, denen man für ihren "Widerstand" und KgR in der BRD auf die Schultern klopft, kann für Herr Reichenberger ein weites Zeugnis seines Widerstands gegen den echten Hitler und die echten Nationalsozialisten abgegeben werden, die demokratische Anerkennung blieb ihm jedoch versagt. Als Neonazi hat man den katholischen Priester nach dem Krieg verunglimpft. Dafür gibt es ein passendes Wort in der deutschen Sprache: Frechheit.

    Dieser Umgang seitens des Staates und des Auslands, mit Deutschen, die sich für das Lebensrecht und die Freiheit des deutschen Volkes einsetzen, zieht sich seit 1945 wie ein roter Faden durch die deutsche Geschichte.

    Statt E.J.R., den ich eigentlich zu zitieren beabsichtigte, passt hier eine Textzeile aus dem Rapsong "Verständnis" des Rappers Curse wie die Faust auf's Auge:

    "Das Leben ist hart, doch alles geht seinen Weg, wie gehabt, Menschen ändern sich nie, nur der Ort und der Tag. Wenn alles fehlt, bleibt mir immer noch mein Wort, das ich hab, doch manchmal weiß ich nicht, ob irgendeiner hört, was ich sag."

    Thomas S.
    07. November 2017 17:11

    P.S. Auch der vielgeschmähte Papst Franziskus teilt das positive Bild der Nation der katholischen Soziallehre vollständig. Erst vor wenigen Tagen sagte er:  Ohne Wurzeln „kann man nicht leben: ein Volk ohne Wurzeln oder ein Volk, das sich nicht um seine Wurzeln kümmert, ist ein krankes Volk“.

    https://bundsanktmichael.org/2017/10/05/papst-franziskus-ein-volk-ohne-wurzeln-ist-ein-krankes-volk/

    Maiordomus
    07. November 2017 17:57

    @Martini. In Buenos Aires galt der dortige Erzbischof Bergoglio, der zwar bei weitem weniger verdiente als ein durchschnittlicher Geistlicher etwa im Kanton Zürich, keinesfalls als Kommunist, war jüngeren Jesuiten, selbst noch in der Schweiz, längst nicht links genug. Aber es bleibt dabei, dass für den südamerikanischen und übrigens auch spanischen Klerus soziale Fragen wichtiger bleiben als dogmatische Angelegenheiten. Nicht mal der berühmte linke Erzbischof Dom Helder Camara Pessoa aus Recife in Nordostbrasilien ging je als Kommunist durch, startete als junger Priester noch ganz rechts. Der Kommunismus wurde  von den Pius-Päpsten, etwa Pius XI. (er gab 1931 die Enzyklika Quadragesimo Anno heraus, nicht Pius IX.) und Pius XII., schon deshalb klar verurteilt, weil es  bekanntlich nie grössere Massenmorde an Priestern und Klerikern gab wie durch Linke im spanischen Bürgerkrieg, die Gesamtopferzahl beträgt deutlich über 6000 usw. Rein ideologisch ist es mit Sicherheit absurd, den gegenwärtigen Papst als Kommunisten hinzustellen. Eher hat er etwas von Giovanni Guareschis  Don Camillo an sich, der sich letztlich mit dem kommunistischen Bürgermeister Peppone trotz beinahe satirischer Meinungsverschiedenheiten noch gut verstand. Das waren nun mal die Verhältnisse in Italien, der Urheimat der Bergoglios, nach dem 2. Weltkrieg. Aus derselben Mentalität heraus mochte dann Papst Johannes XXIII. den Kommunismus nicht mehr verurteilen.

     

     

    Gustav Grambauer
    07. November 2017 18:12

    "Man versteht diese Rechte nur, wenn man sie als Schmarotzmonster in den Blick nimmt, das seine faulen Eier in inhaltlich ausgehöhlte und äußerlich verhärtete linke Konstruktionen legt und dann auf die Hitze sozialer Konflikte baut, die seine gefräßigen Jungen ausbrüten sollen." (- D. D:)

    "Mit Seitenhieben gegen Intellektuelle, Kleinbürger und die deutsche Sozialdemokratie" (- W. H.)

    Um Dath und Obiges zu verstehen, muß man seinen geistigen Kosmos verstehen. Dieser dreht sich um eine ästhetische Position, nämlich um die von Hacks erschaffene und von Dath um den Transhumanismus und den Techno-Drall (auch nur "Sowjetmacht plus Elektrifizierung" ...) erweiterte "Sozialistische Klassik":

    http://www.peter-hacks-gesellschaft.de/aktuelles/62-vortrag-von-dietmar-dath-auf-der-hacks-tagung-2010.html

    https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Hacks#.C3.84sthetik

    Dies erklärt schon mal einen Gutteil seiner von Herrn Hübner treffend angemerkten elitären Versponnenheit.

    Ein Exkurs ist nötig:

    Diese Sozialistische Klassik war sie die allerletzte Interferenz-Wellenbewegung auf der Wasseroberfläche, die 150 Jahre zuvor die Weimarer Hochklassik ausgelöst gehabt hatte. Bereits die vorvorletze solche Welle hatten die Stalinisten in den 50er Jahren für ihre Zwecke ausgenutzt gehabt und damit viele edle Seelen eingefangen, die irgendeine Form geistiger Höhe gesucht hatten. (Selbst ich war noch in den 90er Jahren geneigt, vorsichtig abwägend dazu zu sagen: "immerhin besser als gar nichts", und Leute wie Dath, - danke -, haben mir geholfen, die Farce in ihrer häßlichen politischen Dimension zu sehen. Dath spricht in aller Frechheit der Anmaßung und in aller Selbstentlarvung von der "ideologischen Antike".)

    Man muß dazu sagen, daß es sich - mit Nietzsche gesprochen - bei der Sozialistischen Klassik sowieso nur um ein apollinisches, ergo szientistisches Destillat der Weimarer Klassik handelt, das eigentlich viel stärker durch die Potenz der Linie Heine - Büchner - Marx wirkt, und das zwischendurch z. B. durch Heinrich Mann vermittelt worden war. Das Beste an Goethe war für diese Leute, so wie z. B. auch von der Süddeutschen Zeitung her für Gustav Seibt,

    https://www.dtv.de/buch/gustav-seibt-goethe-und-napoleon-34610/

    wohl dessen Begegnung mit und dessen Lob für Napoleon. Die Interpretationen z. B. von Goethes Faust aus dieser Ecke waren und sind dementsprechend abenteuerlich, und da rede ich nicht mal von Walter Ulbrichts (Hacks hätte gesagt: vom "Ulbrichtianischen") Verdikt über Goethe "Denn er war unser". Der Haß dieser Ideologen auf alles Dionysische ist notorisch, zumal es ihrer Charakterstruktur und ihrer politischen Intention nach sowieso Verdränger sind. (Diese Einseitigkeit führt zu einer großen suggestiven Stärke, die aber in Wahrheit nur eine große Schwäche ist.) Ein Paradebeispiel für diesen Haß ist Hacksens Pamphlet mit dem in stalinistischer Genickschuß-Mentalität abfertigenden (an Marx angelehnten) Titel "Zur Romantik".

    http://www.eulenspiegel.com/verlage/aurora/titel/salpeter-im-haus-peter-hacks-und-die-romantik.html

    Dabei zeigt sich die Lebenslüge dieser Szene z. B. darin, daß Hacks privat hochambitionierter Biedermeier-Möbel-Sammler und -Liebhaber war, so wie z. B. ja auch viele SED-Funktionäre. (Der halbe Leninplatz und die halbe Fischerinsel waren in dien 70er Jahren, auf dem Höhepunkt der von Hacksens "Ein Gespräch im Hause Stein ..." ausgelösten Biedermeier-Welle in Ostberlin, mit einheitlich-sozialistischen und unglaublich häßlichen Biedermeier-Raffgardinchen zugehängt.) Im Gegensatz zu denen war Hacks allerdings tatsächlich der Abklatsch des Oscar-Wilde-Dandys, der sich gern mit pseudo-aristokratischem Gepräge hervorgetan hat,

    http://www.peter-hacks-gesellschaft.de/aktuelles/53-die-peter-hacks-wohnung.html

    der es aber zugleich fertiggebracht hat, das hier zu dichten:

    http://songmeanings.com/songs/view/3530822107859471110/

    Dazu paßt "ästhetisch" auch so gar nicht, daß er zu seinem Hausverlag den Eulenspiegel-Verlag

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/3/37/Eulenspiegel_Logo.JPG

    erwählt hat, es paßt nur insofern als dieser Verlag bereits schon seit jeher sozusagen das geistige Zentrum der größten neostalinistischen Betonköpfe ist. Dieser Verlag wiederum residiert nicht zufällig, piekfein, am Gendarmenmarkt gegenüber dem Französischen (!) Dom, in dem Hacks ja auch ausgesegnet wurde.

    Selbst ein Schirrmacher war noch, und das kurz vor seinem Tod 2014, der Suggestivkraft dieser Ästhetik erlegen, freilich ohne den leninistischen Drive mitzuvollziehen, und dies erklärt vielleicht, ich weiß es nicht, die Position von Dath bei der FAZ:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/peter-hacks-i-er-denkt-also-wie-er-will-1515682.html

    ---

    "Wie links und internationalistisch ist die soziale Frage noch?“ Bevor wir erfahren, warum sich ausgerechnet ein Kommunist eine Frage stellt, die für seinesgleichen eigentlich gar keine sein kann"

    Vorsicht, Herr Hübner, ganz so einfach ist es nicht. Hier für Diethmar Dath, damit es auch so richtig weh tut, ein Lied des politischen Mißbrauchs der Heimatliebe während Phase II der Langzeitstrategie:

    https://www.youtube.com/watch?v=YohW_wCbrPA

    Halal: Heinrich Dathe

    Haram: Diethmar Dath

    - G. G.

    marodeur
    07. November 2017 18:40

    Auf die Frage nach seiner Poetik antwortete der Autor, er schreibe Texte, „die nicht davon handeln, wie es ist, sondern davon, wie es sein sollte, wie es hoffentlich nicht sein wird oder wie es ganz neutral sein könnte. Und das sind nun mal spekulative oder phantastische Texte.“

    Das scheint auch gleichzeitig das zentrale Motto der FAZ zu sein. Aber wen interessiert das noch. Anscheinend liest ja nicht mal der Verfassungsschutz bis zum Feuilleton.

    Der Gehenkte
    07. November 2017 21:44

    Tut mir leid, wenn ich hier wieder den Meckerer spielen muß, aber der Artikel zeugt leider von ziemlicher Unkenntnis des Werks dieses linken Intellektuellen. Selbst seine Science-Fiction werden hier falsch widergegeben - dies sind durchaus keine U- sondern Dystopien, die sich der Verselbständigung der Maschinerie widmen, der theoretischen Arbeit Thomas Wagners ("Robokratie") vergleichbar und im Kern nicht auch konservativ.

    Offensichtlich kennt Herr Hübner auch "Der Implex" nicht, Daths Hauptwerk. Es stimmt, es ist an vielen Stellen unerträglich verschwurbelt, die Sprache sperrig und widerspenstig - das ist z.T. schlechter Stil, z.T. bewußte Kryptisierung -, dennoch ist es ein maßgebliches Werk und eines der sehr wenigen linken Produkte, die zu lesen lohnen kann. Dort findet man übrigens auch die Beschreibung der Differenz zwischen den "Begründern des theoretischen Kommunsimus" und den "Launen und Denkschwächen des Proletariats". Das Buch als solches ist mißlungen, aber es bleibt eine Fudngrube origineller Gedanken.

    Dath versucht vor allem die Dialektik als Methode und Prinzip zu rehabilitieren und bezieht sich nicht nur auf Lenin, sondern auch auf aufregende Denker wie Hans-Heinz Holz, Peter Hacks und Wolfgang Harich (den auch Peter Feist zu seinen Lehrmeistern zählt).

    Im Übrigen halte ich diesen zynischen und vulgären PI-News-Ton auf Sezession für unpassend!

    Unabhängig davon sagt das natürlich nichts über den besprochenen Artikel.

    Fritz
    07. November 2017 22:11

    Immer wieder erstaunlich, dass diese Leute denken, die Migranten aus der III. Welt seine irgendwie ihre Verbündeten oder Gesinnungsgenossen. Dabei wollen die genau das Gegenteil, nämlich so leben wie die Europäer, sprich: die Früchte des Kapitalismus mit genießen. Sie müssten nur mal mit denen reden.

    Herr K.
    07. November 2017 22:28

    Gefällt mir wunderbar der Artikel, bisweilen wirklich unterhaltsam.

    Ich frage mich nur - wozu? Wozu dieser dieser prästalinistischen Flachflöte wertvolle Aufmerksamkeit des Dirigenten schenken? Wäre nicht eher die Frage "Wie schafft es die IB auch in der Breite als Jugendbewegung anzukommen?" oder "Wie schaffen es Konservative immer wieder als langweilig wahrgenommen zu werden?" interessant?

    RMH
    07. November 2017 22:41

    "Im Übrigen halte ich diesen zynischen und vulgären PI-News-Ton auf Sezession für unpassend!

    Unabhängig davon sagt das natürlich nichts über den besprochenen Artikel."

    Was denn jetzt?

    Ich persönlich begrüße das Veröffentlichen von Gastbeiträgen ausdrücklich, weil es zur Perspektiverweiterung beiträgt und einen vulgären Ton kann ich bei Herrn Hübner nicht wahrnehmen  - auch nicht bei seinen regelmäßiger erscheinenden Artikeln bei pi.

    Zur weiteren Perspektiverweiterung führen oftmals dann auch die Debattenbeiträge gerade infolge solcher Gastbeiträge. Von daher: Gerne mehr Gastbeiträge - das rechte Maß hält die Sezession ohnehin.

    Maiordomus
    07. November 2017 23:07

    @Der Gehenkte. Natürlich ist es nicht ausgeschlossen, dass der hier als Leninist bezeichnete Dietmar Dath interessanter sein könnte als andere FAZler, welche in der Sprache der 68er allenfalls eher als "Scheissliberale" durchgehen könnten. Immerhin löst er hier eine möglicherweise anregende Debatte aus.

    Obi Wan Kenobi
    07. November 2017 23:45

    Dank an Wolfgang Hübner für einen Gastbeitrag, in dem ich persönlich nicht einmal Spurenelemente eines "zynischen und vulgären PI-News-Ton" zu erkennen vermag.

    Die Kritik am jüngsten FAZ-Artikel von Dietmar Dath ist vollauf berechtigt. Dieser ist nämlich ein ziemlich undifferenzierter Rundumschlag nicht nur gegen die Neue Rechte, sondern auch gegen die "westliche Arbeiterbewegung", die Sozialistische Zweite Internationale, die französische PCF, gegen die Sozialdemokratie und marxistische Pharisäer. Allen gemeinsam wirft Dath vor, immer noch in den aus seiner Sicht überlebten Kategorien der Nationalstaatlichkeit zu denken. Wenn Dath seine eigene Argumentationsfigur konsequent durchhalten würde, dann müsste er freilich sein Idol Lenin mit auf die Anklagebank setzen, der eben kein reiner Kosmopolit war (und als solcher den Russischen Bürgerkrieg auch auch gar nicht hätte gewinnen können), sondern ein Inter-Nationalist, der zwar weltrevolutionär dachte, aber für den die Völker am Ende doch die Subjekte der Geschichte blieben - die Völker, denen Lenin sogar explizit gewisse Qualitäten zuwies, wobei Deutsche und Juden besonders gut wegkamen.

    Es ist intellektuell schon schwach, rechtes Denken auf den Wunsch zu reduzieren, "ein vom Weltmarkt abgeschnittenes Gefängnis für Autochthone" zu schaffen oder gleich Angriffskriege "mit Wunderwaffen" zu führen. Das Ganze paart sich bei Dath immer mit der Pose des allwissenden Salonbolschewisten, der freilich auch nichts dagegen hat, als erklärter "Leninist" seine monatliche Geldüberweisung von der tiefbourgeoisen FAZ zu erhalten. Und was ist sein alternativer Ansatz? Die Linken sollen afrikanische und asiatische Sprachen erlernen, um besser in den Kreisen der Zuwanderer agitieren zu können - gerade hier wird Dath aber seine von allen letzten Resten eines irgendwie national, ethnisch, kulturell oder konfessionell gebundenen Denkens reingewaschenen Wunschkommunisten auch nicht finden.

     
    Cubist
    08. November 2017 16:05

    Dank an Gustav Grambauer und den Gehenkten für die fundiertn Anmerkungen zum Artikel und an dessen oberflächlicher Wertung von Dath -- ich schließe mich an, der obige Artikel ist leider, um es vorsichtig zu sagen, ein Beispiel für eine gewisse intellektuelle Oberflächlichkeit mit der, eben nicht nur auf linker Seite, ideologische Gegner auf's Korn genommen und verächtlich gemacht werden. Sprich: Die Vorwürfe des Artikelverfassers gegenüber Dath sind reichlich unterkomplex; oder anders gesagt (in Anlehnung eines Ausspruchs Sloterdijks): Der Verfasser hat noch ein paar tausend Seiten Lektüre-Rückstand zu Dath. Denn Dath ist ganz sicher einer der linken Gegner, die es im Gegensatz zu vielen vielen anderen wirklich zu lesen lohnt und wo eine Auseinandersetzung stimulierend sein kann. Schade, dass diese wichtige Debatte nicht von Lichtmesz, der wenigstens die popculturelle Codierung und Daths Ästhetik im Blick gehabt hätte, oder Sommerfeld, die systemtheoretisch gestählt sicherlich intellektuell mit Dath auf Augenhöhe argumentieren kann, geführt wurde.

    Im übrigen: Dath hat wunderschöne "Romane" geschrieben: Dirac, Pulsarnacht oder Die Salzweißen Augen etc. Warum für einen Rechten gerade die Bestellerliste ästhetisches oder formales Argument für oder gegen den intellektuellen Wert eines Autors sein soll, erschließt sich mir nicht.

    Kositza: Jetzt verschnurpseln Sie aber, Cubist, die Aussage von Wolfnag Hübner, der nämlich schrieb: "Die liest jedoch fast keiner, weil sie zu elitär und versponnen sind." Objektiv: Die "Romane" sind Ladenhüter, obwohl sie reichlich (und oft wohlwollend) rezensiert wurden. Subjektiv (meinetwegen, wiewohl ich Hübners Ansicht teile): "elitär und versponnen." Daß es gegen einen Autor spräche, das seine Werke sich nicht bestsellen, sagt niemand!

    Rainer Gebhardt
    08. November 2017 19:54

    Der entscheidende Satz von Dath ist dieser: "Gewerkschaften und linke Parteien werden hierzulande Türkisch, Kurdisch, Arabisch, afrikanische und asiatische Sprachen lernen müssen. Das ist sogar wichtiger als das Reden mit Rechten."

    Übersetzt heißt das: Tschüß Arbeiterklasse (oder das, was davon noch übrig ist) und 'Willkommen Migranten und Flüchtlinge'.

    Anders gesagt: Die Linken haben sich mangels Basis in der wertschöpfenden Schicht ein neues 'revolutionäres Subjekt' auserkoren. Es spricht arabische und afrikanische Dialekte, nomadiesiert als ein prekäres, halbalphabetisertes und nach Millionen zählendes Heer um den Globus - Ziel Europa.
    Wir können davon ausgehen, dass sich der linke Haß auf die politisch unzuverlässigen deutschen Arbeiter und Mittelschichtler noch steigern wird und sie im Denken der neuen Linken wieder die ihnen schon von Sinowjew und der Komintern zugedachte Rolle einnehmen werden: der kleinbürgerlich-reaktionäre Steigbügelhalter des Faschismus.  

     

    Der_Jürgen
    08. November 2017 20:11

    Hoffentlich beherzigen die Linken den Vorschlag dieses profunden Denkers und stürzen sich auf afrikanische Sprachen. Am besten wäre, sie würden sich die Idiome der Kho und San (Hottentotten und Buschmänner) aneignen bzw. anzueignen versuchen. Bis sie die Klicklaute beherrschen, werden einige Jahrzehnte vergehen, und ihnen wird die Zeit für politische Aktivitäten gänzlich fehlen. Das wäre wirklich toll.

    Fritz
    08. November 2017 22:23

    @Rainer Gebhardt. Ich habe das ja oben schon geschrieben: Das wird nichts, die Migranten sind zu mindestens 95% konservativ, familienorientiert und religiös. Über Frauenrechte oder Homosexualität denken die völlig anders als die deutschen Linken. Ich kenne so einige Migranten über die Kirchengemeinde meiner Frau. Verstehe nicht, dass die Linken das nicht merken, sie scheinen wirklich keinerlei konkreten Kontakt mit Migranten zu haben.

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