11. Februar 2009

Die Junge Freiheit, Hinrich Rohbohm und die Hoffnung auf Fairneß

von Götz Kubitschek / 0 Kommentare

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Klarer als Dieter Stein (Chef der Jungen Freiheit) kann man seine Signale nicht setzen: Stein hat in den letzten Wochen und Monaten unbeirrt und mit gesteigerter Dringlichkeit die Bezeichnung "Neue Rechte" für sich und seine Zeitung abgelehnt, den Begriff "rechts" an sich problematisiert und als Selbstverortung das Wort "konservativ" reklamiert. Es handelt sich dabei nicht um einen taktischen Versuch, sondern um Überzeugung, und Stein handelt konsequent nach dieser Linie.

Seine erfolgreiche Abonnenten-Kampagne mit Fürst Bismarck als Aushängeschild zielte in Ton, Form und Thematik auf eine Lesergruppe, die sich in Habitus und Lebensgefühl als "konservativ" bezeichnet. "Konservativ" ist dabei nicht politisch gemeint, sondern schon im Sinne einer Schwundstufe, vor der Karlheinz Weißmann in seinem Konservativen Minimum und nun auch in seinem Konservativen Katechismus warnt.

Von Schwundstufe kann man sprechen, weil vom Konservatismus dieser Prägung keine fundamentale Opposition gegen die Fehlentwicklungen in unserem Land zu erwarten ist. Aber sei's drum: Das Fundamentale ist nicht jedermanns Sache, und anschlußfähiger ist, wer nicht immer die ganz schweren Brocken schleppen möchte. Es gibt genügend Wunden, in die die Junge Freiheit den Finger auch weiterhin legt, es gibt genug zu korrigieren, es muß nicht immer finis germaniae sein.

Was nun angesichts der unmißverständlichen Selbstverortung der Jungen Freiheit (zuletzt nochmals im Interview auf dieser Seite) verwundert: Die Leute glaubens anscheinend nicht. Jüngst muß der Reporter der JF, Hinrich Rohbohm, die Herrschaft des Verdachts am eigenen Leibe verspüren: Er ist CDU-Fraktionsvorsitzender im niedersächsischen Jork und soll nun abgesägt werden, weil er für die JF arbeitet, für eine konservative Wochenzeitung also, in der auch Norbert Geis und Alexander Gauland schreiben, und die den Begriff "rechts" für fragwürdig hält. Wenn also selbst das nicht zur Entspannung beiträgt?

Darf ich eine Interpretation anbieten, ganz holzschnittartig, ganz kühl? Wer im politischen Feld auf Fairneß hofft, macht sich etwas vor. In der Politik wird über das Mitmachen-Dürfen anders entschieden: Ein Angebot erhält, wer für Machtzuwachs sorgt oder wer für die eigene Machtposition gefährlich zu werden droht. So wurde die Neue Linke umarmt, JF-Autor Werner Olles und andere haben das wiederholt schön nachgezeichnet: Fischer, Trittin und andere erhielten Zugang zu den Futtertrögen in dem Moment, als sie nicht mehr aufzuhalten waren.

Hinrich Rohbohm ist noch aufzuhalten. Es ist nicht notwendig, ihn zu umarmen. Es ist auch nicht notwendig, die Junge Freiheit zu umarmen: Sie ist nicht mächtig und nicht gefährlich genug. Wobei ich wieder am Anfang bin, und dort, wo Karlheinz Weißmann in unserem Interview vor einem Nachlassen der Anstrengungsbereitschaft sprach: Es ist zu früh, um auf Fairneß zu hoffen. Selbst für Konservative.

Fairneß ohne Blick auf die Machtverhältnisse ist eine Tugend unter Persönlichkeiten. Hinrich Rohbohm wird sich retten können, wenn er vor Ort genügend persönlichen Kredit angehäuft hat und Anstand einfordern kann. Mit politisch weicher oder harter Selbstverortung hat das nichts zu tun.

Und die JF wird über eine Kampagne alle Hebel in Bewegung setzen, die sie greifen kann: Das ist wiederum ein Machtkampf, und sie hat den ein oder anderen Kampf dieser Art ja schon gewonnen, etwa den vor drei Jahren gegen die Leipziger Buchmesse. Mit politisch weicher oder harter Selbstverortung hat auch das nichts zu tun.

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (0)

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.