Frank Franz kennt die roten Linien

PDF der Druckausgabe aus Sezession 125/ April 2025

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Die Fra­gen stell­te Ellen Kositza

Herr Franz, Sie haben Ihr Amt als Vor­sit­zen­der der Par­tei Die Hei­mat, vor­mals NPD, Ende 2024 auf­ge­ge­ben. Das erstaunt auch des­halb, weil Sie doch in den Sozia­len Medi­en einen soge­nann­ten Lauf haben. Man mag Sie, Sie kom­men gut an mit ihrer wit­zi­gen und auch aus­glei­chen­den Art. Sie sind das per­so­ni­fi­zier­te »wohl­tem­pe­rier­te Kla­vier«. Was ist los?

Ich habe mich in den zurück­lie­gen­den Jah­ren immer wie­der gefragt, ob ich noch der Rich­ti­ge für das Amt bin. Mir ist wich­tig anzu­mer­ken, daß ich die Ent­schei­dung, nicht mehr zu kan­di­die­ren, allei­ne getrof­fen habe und nicht koope­ra­tiv mit dem Prä­si­di­um oder dem Vor­stand. Ich wur­de auch nicht dazu genö­tigt. Mir war wich­tig, die Ent­schei­dung für mich zu tref­fen und sie dann den rele­van­ten Per­so­nen und den Gre­mi­en mit­zu­tei­len. Ich woll­te kei­ne Situa­ti­on schaf­fen, bei der ich zum Wei­ter­ma­chen ani­miert wer­de. Also habe ich mei­nen Ent­schluß unmiß­ver­ständ­lich mit­ge­teilt. Ich hal­te das nach wie vor für die rich­ti­ge Entscheidung.

Man könn­te es so deu­ten, als hät­ten Sie kei­ne Haus­macht mehr hin­ter sich gehabt?

Als ich vor zehn Jah­ren zum Par­tei­vor­sit­zen­den gewählt wur­de, titel­te Zeit-Online: »Ein Chef ohne Haus­macht«. Im Text hieß es dann wei­ter: »ist wenig beliebt in der Par­tei« und daß ich vor­mals bei einer Wahl zum Stell­ver­tre­ter »kra­chend« durch­ge­fal­len sei. Der Spie­gel sprach von einer »Ver­le­gen­heits­lö­sung«. Das beschrieb aber die Gemenge­la­ge zum dama­li­gen Zeit­punkt. Klar, die Arti­kel waren zuge­spitzt und über­zo­gen. Aber wir waren in einer schwie­ri­gen Zeit, in der die Par­tei auch ein wenig ori­en­tie­rungs­los war.

Nicht zuletzt die Anzahl und die voll­kom­men unter­schied­li­chen Cha­rak­te­re der Kan­di­da­ten zeig­ten, daß es nach die­sem Par­tei­tag ent­we­der einen dau­ern­den Wech­sel der Vor­sit­zen­den geben oder daß die Par­tei in ruhi­ge­re Fahr­was­ser manö­vriert wer­den wür­de. Und tat­säch­lich ist es uns gelun­gen, die Par­tei mit Fleiß und per­sön­li­chen Ent­beh­run­gen zu stabilisieren.

Die Haus­macht habe ich mir erar­bei­tet, und aus der »Ver­le­gen­heits­lö­sung« ist ein Par­tei­vor­sit­zen­der gewor­den, der, bis auf das Jahr 2017, ent­we­der gar kei­ne Gegen­kan­di­da­ten hat­te oder kei­ne ernst­zu­neh­men­den. 2014 hät­te es sicher nie­mand für mög­lich gehal­ten, daß ich, die Ver­le­gen­heits­lö­sung, der Par­tei eine Umbe­nen­nung ver­ord­ne, die zum dama­li­gen Zeit­punkt voll­kom­men undenk­bar war. Ob und inwie­weit das sinn­voll und für die Zukunft trag­fä­hig ist, klä­ren wir sicher noch im Ver­lauf des Gesprächs.

Genau, näm­lich ger­ne jetzt. Inwie­fern dach­ten Sie denn, daß die Umbe­nen­nung von NPD zu Die Hei­mat ein gro­ßer Wurf sein könn­te? »Rai­der heißt jetzt Twix, und sonst ändert sich nix«, ist das nicht so?

So ist das ganz und gar nicht. So war das zumin­dest nicht gedacht. Die Umbe­nen­nung selbst war nur einer von vie­len Bau­stei­nen in einem Gesamt­kon­zept. Aller­dings wur­de die Namens­än­de­rung am hit­zigs­ten dis­ku­tiert. Wir hat­ten vier gro­ße Berei­che ins Auge gefaßt. Ers­tens: Wir woll­ten uns als Anti­par­tei­en­be­we­gung neu erfinden.

Das mag, weil wir selbst eine Par­tei sind, zunächst para­dox klin­gen. Aber vie­le Bür­ger ver­trau­en dem Par­tei­en­sys­tem nicht mehr, gene­rell, das ist ins­be­son­de­re bei den vie­len Demos wäh­rend der Coro­na-Zeit in Mit­tel­deutsch­land deut­lich gewor­den. Wir haben das stel­len­wei­se sehr erfolg­reich gemacht, bei­spiels­wei­se mit Ste­fan Har­tung im Erz­ge­bir­ge und in Hes­sen. Es war gut zu erken­nen, daß die Leu­te viel lie­ber zu einer Pro­test­ver­an­stal­tung gin­gen, die – zumin­dest vor­der­grün­dig – par­tei­un­ab­hän­gig war. Es ging uns dar­um, zu ver­deut­li­chen, daß wir uns nicht als Teil des eta­blier­ten Par­tei­en­kar­tells ver­ste­hen und nicht dazu gehö­ren wollen.

Wir woll­ten uns zwei­tens ver­stärkt als Netz­wer­ker anbie­ten. Uns war klar, daß wir auf der Wahl­ebe­ne in abseh­ba­rer Zeit kei­ne Rol­le spie­len wür­den. Dar­um woll­ten wir vor dem Ein­druck der viel­fa­chen Coro­na-Pro­tes­te als eine Art Dienst­leis­ter fun­gie­ren. Vie­ler­orts kamen Bür­ger auf uns zu und baten um Hil­fe bei der Orga­ni­sa­ti­on ihrer Pro­test­ak­ti­vi­tä­ten. Mal baten sie um einen Red­ner, mal um tech­ni­sche Aus­rüs­tung, mal um Hil­fe bei den For­ma­li­tä­ten mit den Behör­den. Inso­fern waren wir viel stär­ker ein­ge­bun­den, als man das ver­mu­ten wür­de. Das hat zu vie­len neu­en Kon­tak­ten und Ver­bin­dun­gen geführt und hat auch unse­ren Akti­vis­ten vor Ort eine Auf­ga­be gege­ben, ohne daß sie selbst im Ram­pen­licht standen.

Drit­tens: Vie­ler­orts ist eine neue Form von Lokal­pa­trio­tis­mus ent­stan­den. Das bes­te Bei­spiel sind die Frei­en Sach­sen. Aber auch in ande­ren Regio­nen scheint es, daß die Bür­ger sich man­gels Iden­ti­fi­ka­ti­on mit der BRD dem Regio­na­len zuwen­den. Das ist in Meck­len­burg und Pom­mern so, wie es auch in Fran­ken oder Würt­tem­berg zu beob­ach­ten war. Hin­zu kommt, daß bestimm­te Pro­ble­me, bei­spiels­wei­se das Migra­ti­ons­pro­blem, je nach Regi­on unter­schied­lich wahr­ge­nom­men werden.

Wäh­rend jemand in einem länd­li­chen Ort in Sach­sen-Anhalt sicher noch einen kon­ser­va­ti­ve­ren Bezug zum The­ma hat, wird jemand aus Mann­heim schon froh sein, wenn ihm die Zustän­de der BRD der 1980er Jah­re win­ken könn­ten. Es bedarf also auch einer regio­nal unter­schied­li­chen Anspra­che. Das woll­ten wir umsetzen.

Die par­tei­in­ter­ne Umstruk­tu­rie­rung soll­te, das war der vier­te Punkt, das gesam­te Erschei­nungs­bild der Par­tei ver­bes­sern. Rhe­to­rik, Habi­tus, Öffent­lich­keits­ar­beit usw. soll­ten noch­mals in Angriff genom­men wer­den. Damit hing der fünf­te Punkt zusam­men: Als krö­nen­de und kom­plet­tie­ren­de Maß­nah­me die­ses Pakets soll­te die Par­tei umbe­nannt werden.

Alles beim alten zu belas­sen und die Par­tei nur umzu­be­nen­nen, das wäre Quatsch gewe­sen. Es wäre aber auch Unfug gewe­sen, viel Mühe in eine Neu­ord­nung zu ste­cken, um es dann beim kon­ta­mi­nier­ten Namen NPD zu belas­sen. Man muß das als ein Gesamt­pa­ket ver­ste­hen. Ob das alles sinn­voll, not­wen­dig, ertrag­reich war oder sein wird, dar­über kann man gewiß strei­ten. Heu­te muß ich fest­stel­len, daß wir weder die Kraft noch die Mit­tel hat­ten, solch ein Pro­jekt auch mar­ke­ting­mä­ßig aus­rei­chend zu begleiten.

Wes­halb aber, um noch mal auf 2014 zurück­zu­kom­men, haben Sie sich über­haupt die Mühe gemacht, Ihre Par­tei wei­ter vor­an­zu­trei­ben? Gab es denn die berech­tig­te Hoff­nung, daß dar­aus noch etwas wer­den könnte?

Als ich damals ent­schie­den hat­te, das Wag­nis, die Par­tei­füh­rung zu über­neh­men, ein­zu­ge­hen, woll­te ich aus der NPD eine zeit­ge­mä­ße rech­te Par­tei machen. 2014 war auch noch nicht sicher, was aus der AfD wer­den wür­de. Die For­ma­ti­on, die damals eben ganz anders als heu­te auf­ge­stellt war, war am Strau­cheln und nach einem kurz­zei­ti­gen Hoch wie­der deut­lich unter fünf Pro­zent. Es war also alles ande­re als sicher, daß sich dar­aus eine Par­tei ent­wi­ckeln wür­de, die in den Bun­des­tag ein­zie­hen könnte.

Wir als NPD hin­ge­gen hat­ten damals noch zwei Land­tags­frak­tio­nen. Das Bild war also ein ganz ande­res als heu­te. Vor die­sen Ein­drü­cken habe ich nach weni­gen Mona­ten der Vor­ge­sprä­che ent­schie­den, für das Amt des Par­tei­vor­sit­zen­den zu kan­di­die­ren, mit der Vor­stel­lung, eine rech­te Par­tei zu schaf­fen, die ein mit Hän­den zu grei­fen­des Vaku­um zwi­schen dem Main­stream und der bis dato unbe­haus­ten Rech­ten schlie­ßen könnte.

Klar, wir wären nicht zu dem gewor­den, was die AfD heu­te ist. Aber die Zeit war reif. Dann kamen drei ent­schei­den­de Wen­dun­gen, die unser Vor­ha­ben ver­ei­tel­ten. 1. Das zwei­te Ver­bots­ver­fah­ren gegen unse­re Par­tei. 2. Frau­ke Petry setz­te sich gegen Bernd Lucke durch, was die Rich­tung der AfD durch­aus ver­än­der­te. 3. Die Migra­ti­ons­kri­se 2015, die die AfD wie­der hoch­spül­te und ihr maß­geb­lich den Weg ebnete.

Jeden­falls sind Sie nun zurück­ge­tre­ten. Das muß ja wohl wesent­li­che Grün­de haben?

Ich bin nicht zurück­ge­tre­ten, son­dern habe ent­schie­den, nicht mehr zu kan­di­die­ren. Ich hal­te es im all­ge­mei­nen für eine wesent­li­che Füh­rungs­auf­ga­be, sich und sei­ne Eigen­schaf­ten immer wie­der aufs neue zu hin­ter­fra­gen. Zumin­dest dann, wenn die­se Füh­rungs­auf­ga­be kein ego­is­ti­scher Selbst­zweck sein soll. Das muß nicht bedeu­ten, daß man selbst irgend­wie schlech­ter gewor­den ist. Aber in jeder Part­ner­schaft ent­wickeln sich die Part­ner auch unter­schied­lich. Auch unter­schied­lich schnell. Man ent­wi­ckelt womög­lich ande­re Schwer­punk­te, betrach­tet bestimm­te Aspek­te anders als vor­her. Man muß also immer wie­der abglei­chen, ob die bei­den Sei­ten der Glei­chung noch passen.

Außer­dem ist nie­mand davor gefeit, eine gewis­se Amts­mü­dig­keit zu ent­wi­ckeln. Eine Rou­ti­ne schleicht sich ein, die weder für den Vor­sit­zen­den noch für die Par­tei gut ist. Klar, Rou­ti­ne ist prin­zi­pi­ell nichts Schlech­tes. Sie gibt Sicher­heit und Ver­läß­lich­keit in den Abläu­fen. Im schlimms­ten Fall raubt sie uns aber die not­wen­di­ge Agi­li­tät, die nötig ist, um immer wie­der neue Impul­se set­zen zu kön­nen, damit die Arbeit nicht sta­gniert. Das hängt von vie­len Fak­to­ren ab. Wenn man merkt, daß man nicht mehr mit 100 Pro­zent bei der Sache ist, dann tut man sich und der Par­tei kei­nen Gefal­len, mit ange­zo­ge­ner Hand­brem­se weiterzumachen.

Aller­dings klingt die Ant­wort selbst nach »ange­zo­ge­ner Hand­brem­se«. Wes­halb haben Sie denn die Hand­brem­se angezogen?

Ich kam irgend­wann an den Punkt, an dem ich der Par­tei nichts mehr geben konn­te oder aber die Par­tei nichts mehr von mir neh­men woll­te. Man kann eine Par­tei, die jahr­zehn­te­lang in eine bestimm­te Rich­tung sozia­li­siert wur­de, nur zu einem bestimm­ten Teil for­men und neu erzie­hen. Habi­tus, Rhe­to­rik usw. haben sich zu tief in ihrer DNS ver­wur­zelt, als daß man alles ver­än­dern könn­te. Irgend­wann läßt die Moti­va­ti­on nach. Zu Recht kri­ti­sie­ren wir es doch, wenn ande­re an ihren Ämtern und in ihren Ses­seln kleben.

So bin ich nicht, und so woll­te ich nie sein. Es sind schließ­lich nicht nur die zehn Jah­re Vor­sitz. Davor war ich bereits über Jah­re im Par­tei­vor­stand und im Par­tei­prä­si­di­um, davor sie­ben Jah­re Lan­des­vor­sit­zen­der im Saar­land und davor Kreis­vor­sit­zen­der. Und ich genie­ße es, end­lich mal nur für mich allei­ne ver­ant­wort­lich zu sein. Als Vor­sit­zen­der hat man schließ­lich auch eine gewis­se Loya­li­täts­pflicht. Man kann öffent­lich nicht immer so scharf kri­ti­sie­ren, wie man das ger­ne will. Da hat man zuerst die eige­nen Leu­te in Schutz zu neh­men. Ob einem das schmeckt oder nicht.

Gibt es ein »zu radi­kal« für Sie oder »rote Lini­en«? Was sagen (oder sag­ten) Sie Leu­ten, die die­se überschreiten?

Das müs­sen wir auf unter­schied­li­chen Ebe­nen betrach­ten. Wenn wir es dem Begriff nach bewer­ten, dann bedingt. Radi­kal bedeu­tet erst mal, daß wir Pro­ble­me bei den Wur­zeln packen wol­len und auch müs­sen. Fehl­ent­wick­lun­gen las­sen sich nur nach­hal­tig besei­ti­gen, wenn die Ursa­chen erkannt wer­den. Alles ande­re ist Sym­ptom­pfu­sche­rei. Radi­kal zu sein bedeu­tet, kon­se­quent zu sein. Das ist für mich nicht nega­tiv, son­dern hat was mit Glaub­wür­dig­keit zu tun.

Gemes­sen an der Posi­ti­on des Over­ton-Fens­ters in einer bis ins Mark dege­ne­rier­ten Gesell­schaft, kann es radi­kal schei­nen, schlicht zur Nor­ma­li­tät im Sin­ne einer natür­li­chen Ord­nung zurück zu wol­len. Es kommt also auf den Stand­punkt des Betrach­ters an, auf das Bezugs­sys­tem. Von Volk im Sin­ne der Abstam­mungs­ge­mein­schaft zu spre­chen wirkt auf den einen nor­mal und löst beim ande­ren Wahn­vor­stel­lun­gen aus.

Ein ande­rer Bereich ist das Ver­mark­ten poli­ti­scher Bot­schaf­ten. Poli­tik und Kom­mu­ni­ka­ti­on sind zwei Sei­ten einer Medail­le. Und ja, da schrei­te ich oft ein. Nicht nur zu mei­ner Zeit als Vor­sit­zen­der, son­dern auch jetzt. Weil ich den­ke, daß das sehr wich­tig ist. Ins­be­son­de­re jun­gen Leu­ten muß man bei­spiel­haft vor­an­ge­hen und zei­gen, daß eine Bot­schaft klar und scharf sein kann, ohne Anzei­gen zu ris­kie­ren. Die deut­sche Spra­che ist unge­mein viel­sei­tig. Sie bie­tet aus­rei­chend Rüst­zeug, um radi­kal und gleich­zei­tig – man möge mir den Begriff nach­se­hen – anschluß­fä­hig zu sein. Dazu braucht man aber Gespür und natür­lich auch ein gewis­ses Maß an Rou­ti­ne im akti­vis­tisch-poli­ti­schen Leben.

Es gibt zwei Arten von roten Lini­en. Die eine ist dort, wo poli­ti­scher Akti­vis­mus in Extre­mis­mus kippt, also poli­ti­sche Zie­le mit Gewalt gegen ande­re durch­ge­setzt wer­den sol­len oder ander­wei­tig gegen Geset­ze ver­sto­ßen wird. Die ande­re rote Linie ist dort, wo Akti­vis­mus kon­tra­pro­duk­tiv ist, wo also durch Akti­vi­tä­ten mehr kaputt­ge­macht wird, als es dien­lich ist.

Unse­re Auf­ga­be ist es, mög­lichst vie­le unse­rer Lands­leu­te für uns zu gewin­nen. Wer bei­spiels­wei­se ver­bal stän­dig über das Ziel hin­aus­schießt und Leu­te nach­hal­tig ver­grault, der scha­det uns nur, unab­hän­gig davon, wie gut er es meint. Und das sage ich den ent­spre­chen­den Leu­ten dann auch. Wobei ich immer ver­su­che, einen erklä­ren­den und ver­mit­teln­den Ton anzuschlagen.

Gibt es denn bei Ihnen auch so etwas wie Fun­dis und Rea­los? Bezie­hungs­wei­se könn­te man etwas ver­ein­fa­chend sagen: Die rech­ten »Rea­los« fin­den sich in der oder im Umfeld der AfD, wäh­rend die »Fun­dis« sich in der Hei­mat sammeln?

Flü­gel­kämp­fe gibt es in jeder Par­tei. Eben­so wie Fun­dis und Rea­los. Man kann natür­lich immer treff­lich dar­über strei­ten, ob die Ein­ord­nung sinn­voll ist. Rea­los kön­nen, von außen betrach­tet, wie Fun­dis wir­ken. Das kommt auf die Per­spek­ti­ve an. Ich den­ke aber, daß Die Hei­mat falsch wahr­ge­nom­men wird. AfD­ler erklä­ren mir stän­dig, daß sie von den Medi­en voll­kom­men falsch dar­ge­stellt wür­den und daß es eine Frech­heit sei, wie ver­zerrt über sie berich­tet werde.

Die Hei­mat glaubt man aber auf­grund der jahr­zehn­te­lan­gen Bericht­erstat­tung durch die – man muß schon sagen – Feind­me­di­en zu ken­nen. Natür­lich lau­fen da auch Spin­ner rum. Und natür­lich wird da auch mal unnö­tig über das Ziel hin­aus­ge­schos­sen. Aber es ist unred­lich, bei der Hei­mat so zu tun, als sei dies das ori­gi­nä­re Ver­hal­ten der gesam­ten Mit­glied­schaft, wäh­rend man bei der AfD den VS oder ande­re böse Absich­ten wittert.

Was hat Die Hei­mat, das die AfD nicht hat? Gibt es Punk­te der AfD, die Die Hei­mat nie mit­ge­hen wür­de, die aber Ihrer Mei­nung nach unhin­ter­geh­bar sind?

Ja, natür­lich gibt es auch Unter­schie­de. Das hat vor allem mit der Ent­wick­lung der Par­tei­en und der Sozia­li­sie­rung der Mit­glie­der zu tun. Das Pro­gramm der Hei­mat wird maß­geb­lich von ihrem soge­nann­ten Drei­klang getra­gen. Der besteht aus natio­na­ler Sou­ve­rä­ni­tät, natio­na­ler Iden­ti­tät und natio­na­ler Soli­da­ri­tät. Man könn­te sagen, daß Die Hei­mat in allen drei Berei­chen radi­ka­ler ist, im Sin­ne des Wor­tes: an die ursäch­li­chen Pro­ble­me gehend.

Sou­ve­rä­ni­tät bedeu­tet für Die Hei­mat, abge­se­hen von sinn­vol­len Part­ner­schaf­ten, Herr im eige­nen Hau­se zu sein, selbst­be­stimmt. Wir wol­len weder von Ruß­land noch von den USA fremd­ge­steu­ert wer­den. Dazu paßt die in der AfD teils kur­sie­ren­de Lieb­äu­ge­lei mit der soge­nann­ten West­bin­dung nicht. Ich per­sön­lich habe nichts gegen gute Bezie­hun­gen zu allen Sei­ten, wenn sie der eige­nen Sou­ve­rä­ni­tät nicht abträg­lich sind.

Ich möch­te aber als Natio­na­list nicht das Anhäng­sel eines Hege­mon sein, gleich auf wel­cher Sei­te. Was wir brau­chen, ist eine star­kes und sou­ve­rä­nes Deutsch­land in einem koope­ra­ti­ven Euro­pa der Vater­län­der. Aber auch das kann man bücher­wei­se bespre­chen. Mit dem Bereich der natio­na­len Iden­ti­tät ver­hält es sich ähn­lich. Die AfD ver­sucht sich in einer Art Kulturpatriotismus.

Stimmt, das Wort gebrau­chen Sie häu­fig. Aber eigent­lich ist »Kul­tur­pa­trio­tis­mus« doch gar kein popu­lä­rer Cla­im der AfD?

Das ist aber ein Kon­zept, das mei­ner Mei­nung nach auf Dau­er nicht funk­tio­nie­ren kann. Ich habe auf mei­nem You­Tube-Kanal schon etli­che Male dar­über gespro­chen und möch­te es hier kurz hal­ten. Die Kul­tur lebt nicht aus sich her­aus. Sie ist der Cha­rak­ter und der all­täg­li­che Lebens­aus­druck unse­res Vol­kes. Das Volk ist der Trä­ger der Kul­tur. Die Kul­tur ohne das Volk erhal­ten zu wol­len ist eine Rech­nung, die nicht auf­ge­hen kann. Des­we­gen muß der Schwer­punkt auf dem Volk lie­gen, das sei­ne Kul­tur nativ lebt und ori­gi­när entwickelt.

Ich spre­che ger­ne von eth­ni­scher Kon­ti­nui­tät. Ich höre oft, daß jeder will­kom­men sei, der sei­ne Steu­ern zah­le und nicht kri­mi­nell sei. Das ist typi­sches Boo­mer­ge­schwätz. Wenn wir wei­ter­hin Mil­lio­nen Frem­de ins Land holen, die mei­net­we­gen alle arbei­ten, Steu­ern zah­len und nicht kri­mi­nell sind, wird sich das Land den­noch nach­hal­tig und nicht einer natür­li­chen Gene­se ent­spre­chend ver­än­dern. Die­se neue multi­ethnische Gesell­schaft wird dann natür­lich auch eine ihr ent­spre­chen­de Kul­tur ent­wi­ckeln. Es wird aber nicht mehr die unse­res Vol­kes sein, son­dern die Kul­tur die­ser neu­en Gesell­schaft. Daß das so sein wird, erle­ben wir schließ­lich gera­de. Wir ste­cken mittendrin.

Vie­len fällt das nicht auf, weil der Pro­zeß schlei­chend abläuft. Die AfD tut sich aus unter­schied­li­chen Grün­den schwer, sich als Anwalt des Vol­kes im Sin­ne einer Abstam­mungs­ge­mein­schaft zu ver­ste­hen. Eth­nie ist da ein schwie­ri­ger Begriff. Das hat recht­li­che Grün­de (Stich­wort Ver­bots­ver­fah­ren), aber auch poli­ti­sche. Ich den­ke, die meis­ten AfD­ler, auch teils rang­ho­he Funk­ti­ons­trä­ger, sind sich der Wich­tig­keit die­ser The­men und Dif­fe­ren­zie­run­gen gar nicht bewußt und haben schlicht kei­nen Schim­mer davon.

So, und zuletzt die natio­na­le Soli­da­ri­tät. Wir sind kei­ne Sozia­lis­ten. Wir sind aber auch nicht die Liber­tä­ren, von denen Frau Wei­del häu­fig spricht. Wir ver­ste­hen uns als Volk. Und inso­fern sind wir eine Schick­sals­ge­mein­schaft. Per­sön­lich habe ich eine gro­ße Schwä­che für frei­heit­li­che Ansät­ze. Mei­ne per­sön­li­che Frei­heit ist mir sehr wich­tig. Ich möch­te nicht, daß der Staat – egal, wie er aus­sieht – in mein pri­va­tes Leben pfuscht, zumin­dest nicht ohne Not. Aber ein liber­tä­res Welt­bild ist noch mal eine ande­re Hausnummer.

Ich den­ke, der ursprüng­li­che Gedan­ke der sozia­len Markt­wirt­schaft war in Ord­nung. Daß das Kon­zept durch die Aberzie­hung von Eigen­ver­ant­wor­tung zu einem BRD-Kla­mauk ver­kom­men ist, ist ein ande­res The­ma. Frei­heit und Gemein­schaft müs­sen zu ver­nünf­ti­gen Antei­len Hand in Hand gehen.

Wel­che Zukunft hat wohl Die Hei­mat? Im bes­ten Fall?

Die Hei­mat kann und wird auf abseh­ba­re Zeit nur außer­par­la­men­ta­risch agie­ren kön­nen, von Kom­mu­nal­man­da­ten abge­se­hen. Sie hat aber zu viel Erfah­rung im Bereich Akti­vis­mus, und sie hat auch noch zu vie­le gute und klu­ge Köp­fe, als daß man sie ein­fach an den Nagel hän­gen könn­te oder soll­te. Da sie ab Lan­des­ebe­ne par­la­men­ta­risch und in Wahl­kämp­fen nicht in Erschei­nung tre­ten wird, steht sie auch in kei­ner Kon­kur­renz zu ande­ren Par­tei­en. Den Ein­zug in Lan­des­par­la­men­te sehe ich nicht. Die mit­tel­deut­schen Bun­des­län­der sind in der Hand der AfD und in den meis­ten auch so, daß man die Füh­rung kaum kri­ti­sie­ren kann. Also: APO!

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