Machtwechsel

Der Publizist Harald Martenstein hat am vergangenen Wochenende Jean Raspails Roman Das Heerlager der Heiligen in der Welt am Sonntag als Blaupause für die überrannte Grenze in Ceuta angeführt und empfohlen. Antaios war als der herausgebende Verlag verlinkt. Seither sind über 500 Exemplare davon verkauft worden.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek leitet den Verlag Antaios

Das sind Zah­len, die man noch vor 25 Jah­ren nach einer gut geschrie­be­nen FAZ-Rezen­si­on abset­zen konn­te, und zwar ohne Ver­lin­kung. Man hät­te es aber damals nur dann machen kön­nen, wenn man als Ver­lag bei einem der drei rele­van­ten Gros­sis­ten (Libri, KNV, Umbreit) gelis­tet, also in des­sen Sor­ti­ment und Daten­bank für jeden Buch­händ­ler auf­find­bar gewe­sen wäre.

Antai­os ist bei kei­nem die­ser drei Gros­sis­ten mehr gelis­tet, die Kün­di­gun­gen erfolg­ten schon vor Jah­ren ohne Anga­be von Grün­den. Das Heer­la­ger der Hei­li­gen kann also über den Buch­han­del nicht ohne wei­te­res bestellt wer­den – eine Über-Nacht-Lie­fe­rung ist dort­hin seit der Strei­chung sowie­so völ­lig ausgeschlossen.

Der Wett­be­werbs­nach­teil im Rin­gen um Leser und Prä­senz (über den ich mich nicht bekla­ge, den ich hier­mit aber wie­der ein­mal kon­sta­tie­re) ist für einen Ver­lag mit meta­po­li­ti­schem Anspruch eine erns­te Sache. Es geht im “erwei­ter­ten Ver­le­ger­tum” nicht nur um den Brot­er­werb, son­dern auch um welt­an­schau­li­chen Einfluß.

Der eige­ne, über Jah­re pro­fes­sio­nell auf­ge­bau­te Ver­sand und die zuver­läs­si­gen Zweit­ver­käu­fer kom­pen­sie­ren die Benach­tei­li­gung nicht voll­stän­dig. Die par­ti­el­le Unsicht­bar­keit ist für einen Ver­lag also kein Pap­pen­stiel, und die direk­te Ver­lin­kung ist aus die­sem Grund wie ein offe­nes Tür­chen in einer Brandmauer.

Die­ses Tür­chen hat der ehe­ma­li­ge Welt-Jour­na­list Robin Alex­an­der bemerkt. Er spricht dar­über mit sei­ner Kol­le­gin Dag­mar Rosen­feld im Pod­cast “Macht­wech­sel” (hier ab Minu­te 24.30) , den sie zusam­men seit 2021 betrei­ben, und mißt der Emp­feh­lung des Heer­la­gers durch Mar­ten­stein ein grö­ße­res Gewicht bei als wei­te­ren erober­ten zwei Pro­zent­punk­ten für die AfD bei einer Landtagswahl.

Um dies zu begrün­den, holt Alex­an­der weit aus und beschreibt die Emp­feh­lung durch Mar­ten­stein als Ergeb­nis eines stra­te­gi­schen Han­delns, mit dem mein Ver­lag früh begon­nen habe. Drei Pha­sen erkennt er:

1. Bis zur Grün­dung der AfD habe Antai­os Schu­lun­gen in gutem Beneh­men für Dorf­na­zis angeboten.

2. Mit Grün­dung der AfD sei man auf Kaper­fahrt gegan­gen und habe mit Wucht und Skru­pel­lo­sig­keit die AfD jenen euro­kri­ti­schen Pro­fes­so­ren, die sie gegrün­det hat­ten, aus der Hand gewun­den und zu einem dezi­diert neu­rech­ten Pro­jekt gemacht.

3. Seit­her habe Antai­os mit Esels­ge­duld einen Boh­rer nach dem ande­ren ange­setzt, um durch die Brand­mau­er im Feuil­le­ton zu sto­ßen und Din­ge an Stel­len zu pla­zie­ren, wo sie zuvor nicht waren.

Das alles stimmt. Nur die läs­si­ge Beschrei­bung von Pha­se 1 bedarf einer Kor­rek­tur: Der Schu­lungs­an­satz der Neu­en Rech­ten setz­te nicht bei Dorf­na­zis an, son­dern beim gebil­de­ten Teil jener Jahr­gän­ge, die in Ober­stu­fe und Uni­ver­si­tät eine Gedan­ken­welt rechts der Mit­te nicht antra­fen und sich auf die Suche danach bega­ben. Das waren im Ver­lauf der letz­ten 25 Jah­re ein paar Tau­send, und ein paar Hun­dert davon arbei­ten mitt­ler­wei­le in Ver­la­gen, Medi­en­häu­sern, bei der AfD. Fünf Dut­zend sind Mandatsträger.

Ich bin davon über­zeugt, daß vie­le Ver­la­ge und vie­le Publi­zis­ten (auch sol­che vom Schla­ge Robin Alex­an­ders) viel dafür geben wür­den, wenn auch sie stun­den­lang von einem Auf­bruch und Auf­bau erzäh­len könn­ten, wie Antai­os ihn meis­ter­te. Fast alles war neu, erst­mals, ein­ma­lig, und es ver­dich­te­te sich von Jahr zu Jahr, und die­se Ver­dich­tung war zugleich eine Suche und ein Abwarten.

Denn das, was über die neu­rech­te Sze­ne, die eine Nische war, hin­aus­füh­ren konn­te, muß­te aus der Mit­te kom­men, und es kam.

Man­che Beob­ach­ter der Sze­ne sind bis heu­te der Mei­nung, als sei es nicht legi­tim gewe­sen, die AfD 2015 zu kapern. Indes: War­um soll­te es nicht statt­haft gewe­sen sein? Es funk­tio­nier­te, weil tau­sen­de AfD-Mit­glie­der sehr rasch begrif­fen, daß Luckes Ange­bot zu schmal sei und daß viel mehr not­wen­dig wer­den würde.

Um das zu sehen, muß­te man kei­nen Gramsci gele­sen haben (hat­te auch kei­ner), son­dern aktu­el­le­res, etwas aus der jün­ge­ren Geschich­te der BRD, aus der Hoch­pha­se der Neu­en Lin­ken. Drei Vor­bil­der, drei Stu­di­en­ob­jek­te: Wenn wir etwas getan haben, dann genau zu ana­ly­sie­ren und nach der Lek­tü­re die Pro­zes­se zu verinnerlichen:

Da war zum einen die Über­nah­me der gro­ßen, per se kon­ser­va­ti­ven, hei­mat­ver­bun­de­nen Pfad­fin­der­bün­de und bün­di­schen Grup­pen durch lin­ke, sozia­lis­ti­sche Grup­pen. Die Beschäf­ti­gung damit lag nahe: Man war ja selbst auch bün­disch. Die Lek­tü­re war in die­sem Bereich spär­lich, sehr viel ergie­bi­ger waren Gesprä­che mit Zeit­zeu­gen – Ende der 60er, Anfang der 70er Jah­re lief das ab.

Pro­mi­nen­ter war die Kape­rung der frü­hen Grü­nen durch K‑Gruppen rund um Fischer, Trit­tin, Strö­be­le und ande­re. Die grü­nen Impul­se aus der Uni­on waren stets gebun­den gewe­sen an Hei­mat­schutz, Land­schafts­schutz, regio­na­le Ver­or­tung und Anti­glo­ba­lis­mus. Gegen die­ses unbe­darft Gras­wur­ze­li­ge hat­ten die kom­mu­nis­tisch geschul­ten Kader leich­tes Spiel. Die Lite­ra­tur­la­ge war satt, die Gesprä­che mit Rabehl, Maschke, Spring­mann, Gruhl sehr ergiebig.

Wich­tig war zuletzt das Stu­di­um der Durch­drin­gung von Uni­ver­si­tä­ten und Leh­rer­ver­bän­den mit links­ra­di­ka­len päd­ago­gi­schen Ansät­zen und Lehr­sät­zen. Drei Vor­le­sun­gen bei Wolf­gang Klaf­ki, eini­ge bei Micha Brum­lik und sei­ner päd­ago­gi­schen Assis­ten­tin Sabi­ne And­re­sen (heu­te Pro­fes­so­rin in Frankfurt/Main), dane­ben die Hilf­lo­sig­keit von Chris­ta Meves – das ersetz­te einen hal­ben Regal­me­ter Ana­ly­se. Man stand fas­sungs­los vor der nai­ven Netz­werk­po­li­tik kon­ser­va­ti­ver Pro­fes­so­ren, vor ihrer selbst­mör­de­ri­schen Groß­zü­gig­keit, wenn es dar­um ging, dezi­diert lin­ke Bewer­ber in Ämter heben zu helfen.

Was also? Soll­ten wir, als es 2014, 2015 end­lich soweit war, mit dem­sel­ben kon­ser­va­tiv-vor­neh­men Skru­pel zuse­hen, wie etwas, das rechts hät­te sein kön­nen, libe­ral­kon­ser­va­tiv ste­hen­blieb? Es ist völ­lig uner­heb­lich, ob in Thü­rin­gen, Sach­sen-Anhalt, Bran­den­burg die AfD trotz oder wegen die­ser ein­deu­ti­gen Kurs­vor­ga­be nach rechts so erfolg­reich ist und sogar bun­des­weit alle ande­ren weit abge­hängt hat. Sie ist da, sie ist rechts, sie greift nach der Macht, und Mil­lio­nen Wäh­ler wol­len nichts ande­res als einen Macht­wech­sel, also: die­sen Machtwechsel.

Wie­viel am Ende von der welt­an­schau­li­chen Grund­sätz­lich­keit übrig­ge­blie­ben sein wird, wenn eine Wei­le regiert wor­den ist, das weiß kei­ner. Das ursprüng­lich Libe­ral­kon­ser­va­ti­ve hät­te jeden­falls nur etwas Nicht-Spür­ba­res nach sich gezogen.

Spür­bar ist jetzt schon das, was spä­ter in Rück­bli­cken letzt­lich als das maxi­mal Erreich­ba­re beschrie­ben wer­den wird: In Deutsch­land bil­det sich ein gro­ßes, welt­an­schau­lich alter­na­ti­ves, bis­her nicht vor­han­de­nes Milieu her­aus, das in andert­halb Jahr­zehn­ten eine Par­tei, Ver­la­ge, Pro­jek­te, Insti­tu­tio­nen, Medi­en, Häu­ser, Lehr­stüh­le, Ver­ei­ne, Stif­tun­gen, Unter­neh­mer- und Arbei­ter­ver­bän­de und Seg­men­te einer rekon­stru­ier­ten Gläu­big­keit umfas­sen wird. Die­ses Milieu wird Archi­tek­ten, Künst­ler, Leh­rer, Musi­ker, Poli­ti­ker, Minis­ter, Publi­zis­ten, Poli­zis­ten, Bür­ger­meis­ter her­vor­brin­gen und sicht­bar und wirk­mäch­tig sein.

Wir wer­den auf dem Weg dort­hin Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen rech­ten Fun­dis und rech­ten Rea­los erle­ben, aber rechts wer­den sie alle sein. Das poli­ti­sche Sys­tem der BRD wird ergänzt wor­den sein. Harald Mar­ten­stein wird noch etli­che Male sym­pa­thi­siert, Robin Alex­an­der noch in dut­zen­den Fol­gen sei­nes Pod­casts dar­über gere­det haben, wie es so weit hat kom­men kön­nen. Dabei weiß er es doch: So füh­len sich Macht­wech­sel an, exak­ter ver­mut­lich Macht­be­tei­li­gun­gen. Nichts ist nor­ma­ler für das ins abnor­ma­le abge­rutsch­te Deutschland.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek leitet den Verlag Antaios

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Kommentare (81)

Beta Jas

12. August 2026 17:33

Man hat den Eindruck, dass sich alle gegenseitig beobachten – besonders, wenn man es mit einem linken Journalisten zu tun hat, der genau darauf achtet, was die prägenden Köpfe die nicht mehr so links sind, schreiben und was beispielsweise Martenstein an Büchern empfiehlt. Ich besitze das Buch und finde es allenfalls aus einer prophetischen Perspektive aufschlussreich. Ein paar Stellen stören allerdings, vor allem die vulgäre Sprache. Ich empfehle es privat aber dennoch regelmäßig!
Wenn Robin Alexander den „Dorfnazi“ aber zitiert, der mit seiner Hässlichkeit in Skinhead-Kleidung oder einfach wie Christian Worch aussehend, eine Zumutung ist; sollten sich tatsächlich alle fragen, woher diese Krankheit im politischen Auftreten kommt. Wer nicht einmal in der Lage ist, sein eigenes Äußeres nach traditionellen Maßstäben zu pflegen – mit gepflegtem Auftreten, ordentlicher Kleidung, niveauvolle Sprache –, dem traut man erst recht nicht zu, politisch Verantwortung zu übernehmen oder irgendetwas im Land zu verändern. Mit solchen Menschen im Volk, wird der Machtwechsel ein Klotz am Bein haben, das waren sie schon in den frühen 90ern!

Le Chasseur

12. August 2026 18:43

"Bis zur Gründung der AfD habe Antaios Schulungen in gutem Benehmen für Dorfnazis angeboten."
Tja, hätte Antaois stattdessen Schulungen zum  Töten von Russen für echte ukrainische Dorfnazis angeboten, würde niemand was sagen. 

Majestyk

12. August 2026 19:13

Der Artikel deckt sich weitestgehend mit meinen Beobachtungen, von einem Satz abgesehen.
"Sie ist da, sie ist rechts, sie greift nach der Macht, und Millionen Wähler wollen nichts anderes als einen Machtwechsel, also: diesen Machtwechsel."
Ich denke nicht, daß Millionen Wähler ihre Überzeugungen gewechselt haben, sondern eher, daß die veränderte Lebenswirklichkeit steten Druck erzeugt. Ein Martenstein ist ja auch nicht über Nacht rechts geworden. Man wechselt Überzeugungen doch nicht wie die Hemden. Was die meisten Wähler spüren ist eine Veränderung ihrer Lebensumstände und sie wollen ökonomischen Bestandschutz, möglichst ohne sich selbst ändern zu müssen.
Was ich vor allem nicht glaube, daß die AfD, insbesondere in Mitteldeutschland wirklich eine rechte Partei ist. Der Erfolg der AfD erklärt sich ja vor allem dadurch, daß sie den Wählern keine inhaltliche Veränderung abverlangt. Ob das gut geht, wird sich erst nach einem politischen Machtwechsel zeigen. Dann muß die AfD nämlich nicht mehr nur kritisieren, sondern aktiv liefern. Bei klammen Kassen entzaubert man sich dann aber leicht.
Zudem zeigt z.B. derzeit Trump, daß man vor der Macht viel versprechen kann, mit Erreichen der Macht aber derart in Zwänge eingebunden wird, daß man so einige Versprechen brechen muß. Grundsätzlich würde ich ohnehin das Fell des Bären noch nicht verteilen, ehe jener erlegt ist.

Majestyk

12. August 2026 19:52

@ Bata Jas:
"Wer nicht einmal in der Lage ist, sein eigenes Äußeres nach traditionellen Maßstäben zu pflegen – mit gepflegtem Auftreten, ordentlicher Kleidung, niveauvolle Sprache"
Interessante Einstellung. Erst läßt man Jugend verwahrlosen, nimmt ihr vielfach Jobchancen, vernichtet tausende Arbeitsplätze in vielen Regionen, subventioniert den Wegzug jener Arbeitsplätze, bevorzugt und subventioniert lieber echte oder vermeintliche Minderheiten, fördert alles mögliche, am liebsten im Ausland oder Ausländer im Inland, natürlich vor allem linke Frauen, läßt vielfach deutsche Jugend perspektivlos zurück. Und wenn sich jene Jugend ohne Perspektive einfachen Lösungen zuwendet, dann stellt man deren Charakter oder Wert in Frage.
Haben Sie das bezüglich linken Punks oder Antifanten auch schonmal getan?
Wenn die Jugend schicke Klamotten trägt und dann in ihren Überzeugungen so endet wie Günter, Wüst, Baerbock, Böhmermann, Kebekus etc. dann ist aber alles in Ordnung, oder?

Majestyk

12. August 2026 19:55

Nachsatz:
"Ein paar Stellen stören allerdings, vor allem die vulgäre Sprache." - Beta Jas.
Hatten wir schon einmal, ich wurde ja auch schon gerügt.
Frau Jas, wenn Sie sonst keine Probleme haben, dann müssen Sie ein unglaublich glücklicher und sorgenfreier Mensch sein.

das kapital

12. August 2026 19:55

Das ins Abnormale abgerutschte Deutschland. Allerdings. Hunderttausende sind schon geflohen, weil sie den ganzen perspektivlosen Müll hier nicht mehr aushalten. Andere kämpfen weiter. Sachsen–Anhalt ist ein echter Lichtblick.Nach mehr als einem Jahrzehnt der Vorbereitung. /// Wie es soweit kommen können? Weil die Mehrzahl der Wähler nicht durch Wahrheit sondern durch Propaganda bestimmt wird. Die lassen sich willig schlachten, wenn es ihnen massenmedial schmackhaft gemacht wird. Dann wird Deutschland eben zum Schlachthaus, statt zu einem Land mit Zukunft. So geht "unsere" substanzlose Demokratie. /// Wenn Menschen aber im Wesentlichen durch Propaganda gesteuert werden, wie gewinnt dann das Gute Wahre und Schöne an Gestaltungsmacht? Da seid ihr ja mit einer Metapolitik über den Tag hinaus auf dem richtigen Wege. /// Allerdings wurde Deutschland mal von mehreren Leitlinien der Metapolitik seit  1945 getragen. "Nie wieder Krieg" sagte und lebte die Kriegsgeneration. "Wir sind ein geschlagenes Land, aber dennoch eine Kulturnation von bleibender Bedeutung." "Wohlstand für alle" - Ludwig Erhard      "Mehr Demokratie wagen" Willy Brandt. Nach 1990 hat die Politik alle diese Leitlinien verraten und die Bürger verkauft.

Kurativ

12. August 2026 19:57

Was noch fehlt: Dieses Buch. Es ist eine Singularität. Schon wenn man die ersten Seiten liest, fragt man sich immer wieder: Wie kann das sein? Ein Buch von Anfang der 1970er und die Beschreibungen treffen 2015 und 2026 beschrieben aus damaliger Zeit. Das klingt abstrakt, ist aber eine außergewöhnliche Reise. 

RMH

12. August 2026 20:11

"Nur die lässige Beschreibung von Phase 1"
Das war nicht "lässig", das ist eine ignorrante Unverschämtheit. Sollte R. Alexander mitlesen, dann schaue er mal ins online zugängliche Archiv der Sezession & sehe sich nur mal an, mit was für 3 Ausgaben anno 2003 gestartet wurde. Das war damals faktisch konkurrenzlos und nix Drf-Nzi.
"... sei es nicht legitim gewesen, die AfD 2015 zu kapern."
Ich hab das nicht als "kapern" in Erinnerung sondern als organisierte Mehrheiten auf Parteitagen (wo andere eben träger waren) & das liberal-kons. Element ist damit auch nicht aus der AfD verschwunden, sondern hat nach wie vor tiefe Spuren & Teilbereiche in der AfD-Programmatik eingenommen. Die Wirtschaftspolitik zeigt das deutlich. Aber gut, wenn das jetzt alles salopp "rechts" sein soll ...
"Es ist völlig unerheblich, ob ..., Sachsen-Anhalt,... die AfD trotz oder wegen dieser eindeutigen Kursvorgabe nach rechts so erfolgreich ist"
Also zumindest Siegmund geht öffentlich doch sehr auf Richtung "Mitte", hat nichts dagegen, wenn ausl. Arbeitnehmer von Handwerksbetrieben in SA hier bleiben etc. Der Erfolg von Siegmund ist es doch gerade, dass er nicht den rechten Beckmesser gibt, sondern sympathisch auf alle zugeht & inhaltlich sich flexibel & sehr pragmatisch zeigt. Als Gralshüter der rechten Lehre würde aber auch vermutlich bei 10 % herumdümpeln.
Aber: Jeder, der fürs Arbeiten aufs Auto angewiesen ist, bekommt bei jeder Fahrt zur Tanke genug Gründe, diesesmal AfD zu wählen ...

Joerg

12. August 2026 20:21

Die partielle Unsichtbarkeit existiert! Ich habe trotz stets aneckender migrationskritischer Meinungsäußerungen bis etwa 2017 nicht gewusst, dass es ein zukunftsgewandtes rechtes Verlegertum gibt. Ein wichtiger Text von Akif Pirincci - "Das Schlachten hat begonnen"-  wurde mir zufällig von einem Arbeitskollegen empfohlen und führte nach einer Google Suche zum Video von Akifs Lesereise für den Verlag Antaios. ("Akif auf Achse" ist leider im Zuge der ersten Löschung des Kanals nicht mehr zurückgekommen. Es war ein sehr ansprechender Film .)
Oder war es der Trubel um "Finis Germaniae" ? Auch möglich. 
Jedenfalls braucht es externe Ereignisse, um die Unsichtbarkeit zu durchbrechen.
 
 
 

Umlautkombinat

12. August 2026 20:24

Kann mich Majestyks kritischem Anteil seines postings im Prinzip 1:1 anschliessen und moechte zu folgendem Punkt noch untersetzen:

Dieses Milieu wird Architekten, Künstler, Lehrer, Musiker, Politiker, Minister, Publizisten, Polizisten, Bürgermeister hervorbringen

Hier fehlen sowohl signifikante Professionen wie andere sichtbar ueberrepraesentiert sind. Kein Zufall m.E., sondern ein Ausdruck der stark etaistisch gepraegten Richtung, die der nationalromatischen Auffassung des Autors oder auch Hoeckes entspricht. Das genuegt nicht fuer den Grad an Transformation, der noetig ist  

Dann muß die AfD nämlich nicht mehr nur kritisieren, sondern aktiv liefern.

Geliefert werden muessen Dinge, die gerade die oben fehlenden Leute erfordern. Und v.a.D. Randbedingungen fuer sie, die all diesen Staatsdienern Schmerzen verursachen, weil sie Kontrollverlust nicht aushalten. Das gilt explizit auch fuer rechts.Migration ist ein notwendiges Thema welches derart treibt, das es fuer mich persoenlich und wohl den Osten generell i.M. in Prioritaet keine Alternative zur Alternative gibt, dahingehend herrscht Konsens. Der ist aber zeitgebunden, danach wird neu gemischt und wenn die dann relevanten Themen nicht echte der AfD sind, wird es schwierig fuer sie. "dann" ist dabei eigentlich ein Euphemismus, die von mir gemeinten Themen sind es schon jetzt und ich sehe erst einmal wenig davon in dieser Partei irgendeine Rolle spielen. Sie sind auch eigentlich keine engen politischen Themen. Dafuer ist der Zerfall schon zu weit fortgeschritten.
 

Laurenz

12. August 2026 20:36

Wie auch immer das Verlagswesen der Zukunft aussehen wird, Prognosen kann ich hier nicht liefern, so wird sich der Wettbewerb eher neutralisieren oder sagen wir, marktwirtschaftlichen Voraussetzungen unterwerfen müssen. Denn es werden keine mit Steuerknete gepamperten Verlage mehr geben. Entweder kauft jemand Publikationen oder er tut es nicht. Dann werden auch Verlagsorganisationen sich wieder anderes orientieren müssen. Die Zeiten des Haltungs-Schmarotzertums werden bei knappen Kassen vorbei sein.

Karin Wendt

12. August 2026 20:47

Danke für Ihren Artikel.
Ich bin so offen zu gestehen, dass ich zu denen gehöre, die Angst vor dem haben, was Sie an Umgestaltung unseres Landes in Aussicht stellen. Konkret in dem, was Sachsen-Anhalt als programmatische Vision für Deutschland entwirft, kann ich keine Zukunft erkennen. Ich bin dankbar für die Entwicklung, die unser Land seit 1945 genommen hat. Und - nicht provokant sondern aufrichtig gemeint - ich war 2015 besonders stolz auf mein Land und seine Bürger:innen. -
Daher nur eine Verständnisfrage: was sind "Segmente einer rekonstruierten Gläubigkeit"?

dojon86

12. August 2026 20:54

@Joerg Auch bei mir war die Entdeckung rechten Schrifttums reiner Zufall. Ich tippte irgendwann vor ca. 16 Jahren im Zorn im google Eingabefenster die Worte "Ich bin kein Linker mehr" ein und stieß im Ergebnis auf das Buch von Kleine-Hartlage "Warum ich kein Linker mehr bin". Davor war ich buchstäblich mit meinem seit Mitte der 90ger Jahre wachsenden Ärger allein.

Maiordomus

12. August 2026 21:05

Wegen einer einzigen  weit zurückliegenden registrierten erst noch vorzüglich  kritischen aber absolut nicht "rechts-tagespolitischen" Publikation bei Antaios hat einer der bestgeschätzten Kollegen meines Lebens einen deutschen Literaturpreis nicht erhalten können. Darum gratuliere ich GK, für mich immer auch Herausgeben von Sieferle, den ich meinerseits nicht bei Ihnen erstmals gelesen habe, sondern über einen ihm vorgesetzt gewesenen Studienkollegen ihn indirekt kannte als wirklich anerkannten Akademiker auch in der Schweiz, wiewohl einen ausgesprochenen Stillen im Lande analog zum oben genannten Freund und Kollegen. @Laurenz. Es ist keine Kleinigkeit, wie sich  nun mal zumal  die  mittleren Buchhändler ideologisch ausrichten. Selbst wenn sie mit der Zeit  gut gehende Publikationen, die ihnen nicht zupass kommen, nicht mehr einfach boykottieren können, falls sie überhaupt was verdienen wollen, ist nun mal die Einstiegshürde zumal für den Start eines Autors hoch. Man wäre auf eine gewisse Sympathie angewiesen, und wer etwa nicht im Fernsehen existiert, gehört nicht richtig zum sog. Geistesleben.     

Laurenz

12. August 2026 21:17

@Karin Wendt ... kann ich keine Zukunft erkennen ... Ich schon. Da wir kein Germanisches Budgetrecht haben, wo jeder nur dafür Geld gibt, was er für gut befindet, waren Sie 2015 stolz auf anderer Leutes Kosten. Wie viele Invasoren haben Sie bei Sich aufgenommen? Wie viele Bürgschaften haben Sie für junge männliche Invasoren abgegeben? Wir brauchen keine linke Bigotterie. Wir haben den Kanal gestrichen voll. Man kann Geld nur 1x ausgeben. Wir müßten für Linksextreme, wie Sie, den Artikel 1 des Grundgesetzes ändern. "Die Würde des Deutschen Steuer- & Beitragszahlers ist antastbar". Wir sind zu einem Fron- & Sklavenstaat mutiert. Wir haben in Europa mit das geringste Pro-Kopf-Vermögen & die höchsten Steuerbelastungen & Energiepreise. Wenn Sie wissen wollen, was Ulrich Siegmund & Oliver Kirchner, 2 echte Volkstribune, in Sachsen-Anhalt planen, können Sie einfach das 100-Tage-Programm lesen. Dieses Programm wurde auf den sozialen Medien auch noch ausführlicher erklärt. https://afd-lsa.de/wp-content/uploads/2026/07/100-Tage-Sofortprogramm.pdf Wenn Sie echtes Interesse empfinden würden, wüßten Sie, anstatt hier teure Maulaffen feilzubieten.

Karin Wendt

12. August 2026 21:30

@Laurenz
Einzig das "Linksextreme wie Sie" möchte ich nicht unwidersprochen lassen. Alles andere ist natürlich Ihre freie Meinung und Beurteilung.
Das "Regierungsprogramm" von Siegmund / Tillschneider habe ich in Gänze gelesen. Daher meine Einschätzung.

Majestyk

12. August 2026 21:33

 @ Karin Wendt:
"ich war 2015 besonders stolz auf mein Land und seine Bürger:innen."
Ach, ihretwegen sollte ich also was schaffen und muß sprachlich umerzogen werden. Danke für nichts.
Wenn Sie nicht so ein Problem mit dem Begriff Volk hätten, bräuchten Sie sich beim Begriff Bürger nicht derart verbiegen.
Wenn Ihnen aber nur mögliche Veränderungen nach einem Wahlsieg der Opposition sorgen machen, muß es Ihnen noch verdammt gut gehen. Vielleicht ist aber genau, dies der Punkt der Sorgen bereitet. Was die einen als Niedergang wahrnehmen, ist für andere Einkommensquelle. 
Ich habe mich übrigens 2015 für mein Land geschämt, wenn ich nicht gerade zornig war, 2020 ff. ebenfalls. Falls Sie es wissen wollen.
@ das kapital:
"Nie wieder Krieg" hat die deutsche Industrie nicht abgehalten Rüstungsweltmeister zu werden. "Wohlstand für alle" konnte man nur aus der Perspektive bestimmter Schichten erkennen und  "Mehr Demokratie wagen" läuft doch. Keine Entscheidung ohne Bürgerräte. Irgendwo findet sich immer ein Feldhamster, mit dem man Infrastruktur sabotieren kann. 
Wie sich Kulturnation mit Fremdenimport ab den 50ern verträgt, weiß ich auch nicht. Dabei gab es schon recht früh Baukrise, Stahlkrise und Kohlekrise, letztere ab Ende der 50er. Ist wohl wie bei John Ford: "When the legend becomes fact, print the legend!“ 

Laurenz

12. August 2026 21:38

@Maiordomus @L. ... Das Erkennen einer marktwirtschaftlichen & gesellschaftlichen Nische im Büchermarkt ist eine eklatante unternehmerische Leistung. Dazu zähle ich auch SD, die nach meinem Gefühl intuitiver agiert. Wer hier in einer feindlichen gesinnten, politischen Umwelt überlebt, vor dem ziehe ich meinen Hut. Das TV ist bereits tot oder stirbt mit Ihrer Generation oder der direkt älteren Generation, die sich gerade im Sterben befindet. Deswegen weigerte ich mich auch, eine Prognose abzugeben, weil ich die Zukunft der publizistischen Medien nicht vorhersehen kann. Was ich aber weiß, ist, daß der Westen pleite ist, weil sich der völlig ahnungslose, dämliche Kohl bei den Verhandlungen zur Wiedervereinigung die Bundesbank abschwatzen ließ. Durch diesen Schachzug programmierte Mitterand höchst persönlich den anstehenden Französischen Staatsbankrott. Das heißt, es wird in Zukunft kein Geld mehr für Schmarotzer-Institutionen geben, was bedeutet, daß sich nur echte Mehrheiten durchsetzen werden. Die Zeiten eines GEZ-Staates sind absehbar Geschichte. Ein Verleger muß hier einfach wissen, was Er der Leserschaft anbietet. Das ist auf einer anderen Ebene mit dem Aktienmarkt vergleichbar. Der Profi-Spekulant weiß einfach in mehr als 50% der Fälle, welche Firmen zukünftig das meiste Potenzial haben.

Majestyk

12. August 2026 21:45

@ dojon86:
"Ich bin kein Linker mehr"
Ich möchte Ihnen nicht zu Nahe treten oder Sie attackieren. Lese Sie gerne. Aber bei der Aussage hege ich berechtigte Zweifel. Aus meiner Perspektive sind Sie links, nur eben ab einem bestimmten Punkt stehen geblieben. Sie haben den Rutsch nach noch mehr links nicht mitgemacht. Hat Elon Musk ja auch mal mit einem netten Meme beschrieben. Das macht Sie aber zu keinem Rechten. Gilt für die Mehrheit des oppositionellen Mileus.
@Laurenz:
Danke für Ihre Antwort an Karin Wendt. Danke auch an den Moderator vom Dienst. 

Le Chasseur

12. August 2026 22:15

@Majestyk
""Mehr Demokratie wagen" läuft doch. Keine Entscheidung ohne Bürgerräte. Irgendwo findet sich immer ein Feldhamster, mit dem man Infrastruktur sabotieren kann."
Wird doch momentan alles abgeräumt. Bei uns in der Region wird bspw. gerade alles gegen den Willen der Bevölkerung mit Photovoltaik und Windrädern zugestellt, Batteriespeicher kommen voraussichtlich auch bald dazu. Und dass das Regime gegen alle Widerstände etwas gnadenlos durchzieht, wenn es wirklich will, hat man doch schon vor 16 Jahren bei Stuttgart 21 gesehen. Bei diesem sinnlosen Infrastrukturprojekt wird auch ihr Steuergeld verbrannt. 

Karin Wendt

12. August 2026 22:15

@Majestyk.
Wenn Sie meinen, dass ich Sie mit meiner Entscheidung, Begriffe zu schreiben, erziehen will, ist das eigentlich Ihr Problem. Ich lasse Ihnen doch auch Ihr SZ (ß).

Laurenz

12. August 2026 22:27

@Karin Wendt @L. ... Selbst Sahra Wagenknecht hat nach Ihrem Wirtschaftsstudium & sicherlich einigen Diskussionen mit Oskar feststellen müssen, daß eine Solidar-Gemeinschaft nicht nur solidarisch Geld ausgeben kann, sondern, daß auch solidarisch eingezahlt werden muß. Also kann selbst laut Wagenknecht, nur ein Nationalstaat ein Sozialstaat sein. Denn das solidarische Auszahlen ist erstmal für Notlagen der Einzahler gedacht. Wer darüber hinaus die Welt retten will, muß auch irgendwie selbst die Finanzierung der Welt stemmen. Es gibt Staaten mit unbegrenzter Zuwanderung, wie zB Brasilien. Dort kann jeder sofort eine Aufenthaltserlaubnis erwirken. Aber, Brasilien ist kein Sozialstaat. Dort gibt es keinen Centavo, der das Überleben sichert, weil die Einwanderung sonst nicht finanzierbar ist. Da Sie hier über keine staatsökonomischen Erkenntnisse verfügen, sondern einzig Ihrem narzißtischen Egoismus des Gutmenschentums nachgeben & keine Verantwortung für Ihresgleichen übernehmen wollen, kennzeichnet Sie als Linksextremen. Linksextreme, welche angeblich die Welt retten wollen, wünschen in Wahrheit, nicht nur einen Staat, sondern die Welt zu beherrschen & damit die vielen Völker der Menschheit zu entmündigen. Denn Leute, wie Sie, wissen ja am besten, was gut für die Welt ist.

Karin Wendt

12. August 2026 22:43

@Laurenz
Ich will nicht die Welt retten, das kann keiner, und auch keine Völker entmündigen. Mit Wagenknecht hab ich auch nichts am Hut. Ökonomische Fachkenntnis habe ich in der Tat keine. Aber das führt hier nicht weiter. Wenn ich für Sie linksextrem bin, kann ich damit leben.

ofeliaa

12. August 2026 22:44

Fragte mich immer, ob Schnellroda quasi nur Nazis waren und ihre Schulungen einfach hielten, weil sie Ausländer nicht mochten und einer alten Zeit hinterherweinten und es quasi mehr als alles andere Zufall ist, dass diese Partei, die daraus entsprang, nun tatsächlich der letzte kleine Hoffnungsschimmer ist. Ich glaube nicht, dass bei Gründung des Verlags oder des Instituts unser Land bereits so überschwemmt von fremder Kultur und dem Islam war, oder doch? Jetzt aber, wenn man durch die Städte fährt, weiß man dass es quasi fast Schicksal oder ein Geschenk des Himmels ist, dass es diese Partei gibt. Es interessiert mich nicht mehr, ob alles mit Dorfnazis begann. Und wer weiß, ob die sogenannten Dorfnazis nicht damals schon schlauer waren. Das Argument der Dummheit wird immer allzu gerne in den Ring geworfen. Es gibt kaum Worte dafür, wie wichtig die AfD und dieses Vorfeld heute sind. 

Lady

12. August 2026 23:22

Karin Wendt
Sie gendern. Gendern aber ist falsifiziert, es ist eine Irrlehre, die sich aus einem linguistischen Irrtum herleitet. Über kurz oder lang werden Teile der deutschen Germanistik abgewickelt werden!

Speng

12. August 2026 23:31

@Le Chasseur
Wobei Bürgerräte, welche vom allseits bekannten Juste Milieu aus Rentnern, "Kulturschaffenden" und öffentlichen Dienst dominiert und aus diesem rekrutiert werden, für die Klientel eher kein Problem darstellen. 
Direktdemokratische Bürgerbegehren und -entscheide gegen linienkonforme Projekte bekommen die ganze (kafkaeske) Härte der öffentlichen Verwaltung (u. a.) zu spüren.
Ästhetisch widerlich, wirtschaftlich ruinös (außer man gehört zu den Absahnern) und umweltpolitisch absolut schädlich, aber für die Nicht-Zyniker-Fraktion auf der Gewinnerseite vll. sogar noch emotional-erbaulich. 
 
Wo wir dann zur Frau @Wendt kommen:
Ich hoffe, hier schreibt eine zu satirischen Zwecken erdachte Kunstfigur,. Anderfall bleibt einem geradezu die Spucke weg, wie sie es schaffen, in wenigen Zeilen, zielgenau und idealtypische, quasi alles zu verkörpern, was mich abstößt.
 

heinrichbrueck

13. August 2026 00:30

"Segmente einer rekonstruierten Gläubigkeit"
Von der dörflichen Handschlagsmentalität bis in die große Welt von Gaddis' "Letzte Instanz" ist ein breiter Vertrauensbogen gespannt worden, und damit ist eine "Menschheit" sichtbar geworden, deren Voraussetzungen einer Rekonstruktion bedürfen. 
Die Handschlagsgemeinschaft lebt davon, daß das Wort etwas gilt. Die Gaddis-Gesellschaft lebt davon, daß das Wort vor Gericht beweisbar ist. Dazwischen liegt die Frage, was mit einem Land passiert, wenn die Sprache selbst unglaubwürdig geworden ist. Eine rigorose Entwertung ("unser Land seit 1945") der Texte, trotz reinigender Lesart des Vertrauens. 

Majestyk

13. August 2026 00:57

@ Le Chasseur:
"Bei uns in der Region wird bspw. gerade alles gegen den Willen der Bevölkerung mit Photovoltaik und Windrädern zugestellt," 
Wohl kaum gegen die ganze Bevölkerung. Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen, E-Autos nebst Ladestationen sieht man bei mir überall und jeder findet es normal, daß er selber Subventionen einstreichen kann. Es stört stets nur die Korruption "da oben", nicht wo man sich selber korrumpiert. Irgendwer hat jene Regierungen ja gewählt. Ist wohl eher so, daß viele auf einmal selber wirtschaftlich betroffen sind und wie immer war gestern niemand dabei. In meinem Ort sind die ganzen Stop-Tihange-Plakate auch mittlerweile aus den Geschäften verschwunden. Vor nicht allzu langer Zeit war man als Abweichler bei Themen wie Klima, Ausländer, Corona noch ein Paria. Die Mehrheit fängt gerade an durch Schmerz zu lernen. Habe da wenig Mitgefühl, hatte die Mehrheit mit mir auch nie. 
@ Karin Wend:
"Wenn Sie meinen, dass ich Sie mit meiner Entscheidung, Begriffe zu schreiben, erziehen will, ist das eigentlich Ihr Problem."
Nö, von mir aus können Sie sich blamieren so viel Sie wollen. Ich habe kein Problem. Meine Art zu leben neigt sich ja nicht dem Ende entgegen, so oder so. 
@ Laurenz:
"Da wir kein Germanisches Budgetrecht haben, wo jeder nur dafür Geld gibt, was er für gut befindet"
Gefällt mir. Bin ich etwa ein Spätgermane mit ökonomischer Wertetradition.?  ;-)

Guilelmia

13. August 2026 02:03

Was schlimm ist, bei einer rechten Partei im gutbürgerlichen Charlottenburg dem niederen Fußvolk anzugehören.
Was schlimm ist, seine Kolleginnen (und auch mich) auf Arbeit mit der AfD zu nerven; ja selbst bei Pflegekunden politisch zu werden, anstatt einfach die Pflegeleistung zu erbringen.
Sehr schlimm: seine eigenen Grenzen und die Grenzen des Politischen zu verkennen. – Schnellroda dürfte dem scheidenden Kollegen ein Fremdwort sein.

DrSticken

13. August 2026 02:12

@Karin WEndt Ich vermute, daß Götz Kubitschek mit "Segmenten einer rekonstruierten Gläubigkeit" ebensolche religiösen Segmente meint; seien es Hauskreise, evangelikale Gemeinden, konservative Katholiken, kirchenfreie Christen, evtl. auch paganistische Elemente. Aber im Zweifel kann diese Frage nur Götz Kubitschek selbst beantworten, falls er sie zum jetzigen Zitpunkt beantworten kann. Wie heißt es noch so schön? Mit Vorraussagen soll man vorsichtig sein, wenn sie sich auf zukünftige Entwicklungen richten. Im religiösen (esoterischen?) Bereich gilt dies allemal.

das kapital

13. August 2026 03:57

@ Karin Wendt Ist Ulli Siegmund wirklich jemand, vor dem man (oder frau) Angst haben müßte ? (Willkommen im SZ) Generell ist es doch erstmal so, dass Deutschland nie mehr so leistungsfähig liebenswert und erfolgreich sein wird, wie es am 3. Oktober 1990 war. Die Substanz ist weg und die gute Zukunft auch. Es ist naheliegend, dass die zentrale Ursache dafür ist, wer wo und wie nach 1990 regiert und verwaltet hat. Das was Deutschland (insbesondere den Westen) von 1945 bis 1990 getragen hat ist inhaltlich wie materiell zu Staub zerfallen und Deutschland ist hinter die meisten Nachbarländer zurückgefallen. Einfaches Beispiel die Bahn. Jedes Nachbarland hat einen besseren Bahnverkehr als wir. Jedes (!). Pünktlichkeitsquote 60 Prozent. Bis zu sechs Minuten Verpätung zählen nicht rein. Honecker Ulbricht Mielke. Die kleine DDR war besser in der Lage, einen Bahnverkehr zu organisieren als die nach 1990 Regierenden. Die alte Bundesrepu-blik auch. Das allerdings macht mir Sorgen. Die reale Verschlechterung der Lebensverhältnisse. Nun ist der Bahnverkehr Bundessache und eine blaue Mehrheit dort noch in weiter Ferne. Nur die schmalen Gestaltungsräume, die eine Landesregierung hat, werden Ulli Siegmund und die Seinen nutzen.

das kapital

13. August 2026 04:14

@ Karin Wendt 2  Die schmalen Gestaltungsräume, die eine Landesregierung hat, werden Ulli Siegmund und die Seinen nutzen. Schauen Sie sich doch bitte einfach mal an, wie die Demokratie jetzt schon im Vorfeld von den Anhängern "unserer" Demokratie untergraben wird. Kein Vizepräsident im Bundestag, keine Ausschuss-vorsitze. Streichung der kommunalen Kandidaten von den Wahllisten in Ludwigshafen, Niedersachsen und anderswo. Bambule in Gießen und Erfurt. Zig millionenschwere '"NGOs" bekriegen zusätzlich zu den Wahlkampfgeldern "unserer" Demokraten die Blauen. Die außereuropäische kulturfremde unqualifizierte Massenmigration - aktuell in Ceuta und Melilla - greift nach wie vor um sich. An der Stelle haben Ulli Siegmund und die Seinen eine Stellschraube, weil Abschiebung nach wie vor Ländersache ist. Wenn die damit Erfolg haben, wird Magdeburg sauberer. Die meisten Ausreisepflichtigen allerdings werden einfach in die "liberalen" deutschen Nachbarländer ausweichen, siehe Köln. Die Zumutungen bleiben, die Lasten für die Bürger bleiben, auch wenn die Blauen Sachsen-Anhalt regieren. Die EU und die Bundespolitik, die Nachbarländer innen wie außen und die NATO und die Weltmächte überlagern alles, was eine Landesregierung überhaupt erreichen kann. Und dann kommt auch noch der Stasi Hübner von der GdP daher und fordert die Polizei dazu auf, der Landesregierung den Gehorsam zu verweigern.

das kapital

13. August 2026 04:44

@ Laurenz 22:27 Nun traut sich mit Frau Wendt jemand von außerhalb sich zu melden. Ist ja dann eine "Suchende". Wollen Sie nicht mal versuchen, sie inhaltlich zu überzeugen, statt ihr nur zu sagen, "was sie für eine ist"? Habe ich mit 2 Beiträgen versucht, die ja wohl demnächst freigeschaltet werden. "Immer dichte bei den Menschen bleiben" war eines der Erfolgsgeheimnisse von Manfred Stolpe, dem ersten Ministerpräsidenten in Brandenburg nach der "Wende". Erwarte ich von Ulli Siegmund und den Seinen auch. Die Blauen können gewinnen, wenn sie genau das beherzigen. Den Suchenden eine neue Perspektive für ihre Zukunft zu geben. Ich glaube, das genau ist es, was Metapolitik bewegt und bewegen soll.

Maiordomus

13. August 2026 07:10

@kapital. Hätte nicht vermutet, dass Sie so ein Idealist sind mit den Vorstellungen von einer Partei, von denen keine ohne vergleichsweise beschränkte Idioten praktisch existieren kann und mag. Dabei sehe ich durchaus, dass die Debattenteilnehmer hier gewiss nicht nur Plakatklebereigenschaften haben, vielmehr mit Beiträgen, die Mühe machen können, die Situation einer Partei kenntlich machen. Sowieso schreibt absolut jeder hier zwischendurch mal einen Blödsinn oder zumindest Quatsch. Selber musste ich mal als Schüler eine Sprachübung zu den verschiedenen Buchstaben des Alphabets machen, auch den Buchstaben "Q". Ich schlug den Satz  vor: "'Quatsch', sagte der Quäker, als er die 'Quick' las." Aber immerhin war mein Gesinnungsfreund  Kaltenbrunner dort Kolumnist, wie mir dann viel später aufging. Im "Stern" üublizierte, bis sie ihn rauswarfen,  William S. Schlamm, der leider nicht gerade ohne Verirrungen blieb. Auch für die Springer-Presse wurde er mit der Zeit untragbar. 

RMH

13. August 2026 07:56

Heute jährt sich der Tag des Mauerbaus in Berlin zum 65ten mal. Je weiter das zurückliegt, je ferner die Teilung Restdeutschlands im Nebel der Geschichte versinkt, um so mehr zeigt sich, wie wenig daraus gelernt wurde, wie zerstritten das zänkische Volk der Deutschen ist, wie das Geteilte von den einst Geteilten allseitig nostalgisch verklärt wird und wie sich Deutsche nach wie vor nach belieben gegeneinander Ausspielen lassen. 

Laurenz

13. August 2026 08:17

@Das Kapital @L. ... WillkommensWendt/Teddywerfer ... ich weiß nicht, was Sie von mir wollen? Habe ich meine Sicht der Dinge nicht ausführlich, sachlich begründet? Man kann keine religiös Gläubigen überzeugen. Das vermag ich auf der SiN auch nicht, bin nur ein Sterblicher. Religion ist ein mindestens zu 90% nicht heilbarer Virus oder wie Marx sagte, eine Droge. Göring wurde erst in der Gefangenschaft clean von Opiaten. Das einzige, was die Wendts verändern kann, ist persönliche Betroffenheit. Nehmen Sie als Beispiel dieses Ehepaar, welches Mitglied in der Union ist & jetzt den Sohn verlor. Als die Kinder anderer Eltern vorher gemessert wurden, engagierte man sich das Paar auch nicht gegen die Brandmauerbauer, erst als man dieses beschissene Schicksal, das eigene Kind zu verlieren, teilen mußte.

Monika

13. August 2026 08:20

@ Karin Wendt. Danke für Ihren Beitrag. Ich gehöre zu denen, die Angst davor haben, was auf unser Land zukommt, wenn es nicht "umgestaltet" wird, vor allem auch in einer geistigen Wende ( die unter der CDU bekanntlich nie stattgefunden hat). Anders wird Deutschland keine Zukunft haben. Alles kann nur besser werden als es jetzt ist. Ich war 2015 nicht stolzer auf unser Land als zuvor. Warum ? Ich war vielleicht stolz auf meine Söhne, die sich in ihren damaligen linken Studienorten in Fahrradworkshops um sog. "Geflüchtete" gekümmert hatten, auch, weil ich sie zu einem offenen Umgang mit dem Nicht-Eigenen erzogen habe. Nun, die Realität hat uns eingeholt. Offenheit ist zu einem ideologischen Begriff mutiert. Heute würde ich sie zur Verteidigung des Eigenen erziehen. Und lassen Sie sich nicht von dem Herrenstammtisch hier ärgern. Es ist, wie Herr Kubitschek sagt, die Rechten werden sich zunehmend mit Rechten streiten, denn die Linke ist uninteressant geworden. Angst vor der AfD? Quatsch. Ich kenne inzwischen einige AfD Frauen, über deren Klugheit und Mut kann ich nur staunen. Das Heerlager der Heiligen kannte ich schon lange aus einem anderen Verlag davor. Zeit, daß endlich die geistigen Brandmauern fallen. 

kikl

13. August 2026 08:27

Das Beben im Blätterwald ist körperlich zu spüren. Die Begriffe der neuen Rechten werden langsam Mainstream. Glückwunsch!

Andreas J

13. August 2026 08:42

Die zunehmende Alarmiertheit des linksmedialen Establishments könnte, sofern man sie konstatiert, mit dem Aufkommen von Bestandsaufnahmen, Generaldebatten, einschließlich dem zur Dispositionstellen über jahrelang etablierter Selbstverständlichkeiten bezüglich Zuwanderung, AfD, dem Vernuftanspruch der CDU etc. zu tun haben. Gefühlt füllt sich der mediale Raum gerade mit Positionierern, Fingerzeigern, Leuten die Demarkationslinien frisch nachziehen und solchen, die einer neuen Kartierung zaghaft zustimmen.

Monika

13. August 2026 09:06

Die Durchdringung der Universitäten mit linksradikalen Theorien ab den späten Sechzigerjahren ist in der Tat ein riesiges Versagen vornehmer konservativ liberaler Kräfte. (Dasselbe gilt im Hinblick auf die Isalmisierung Deutschlands. Auch die gelang nur mit der CDU ). So konnten Professoren der Erziehungswissenschaft und grüne Abgeordnete gar behaupten, Heideggers Werk "Sein und Zeit" sei der "Inbegriff einer völkischen Philosophie." So einfach strukturiert ist nicht mal ein Rechter. 😂Siehe Micha Brumlik "Vom wahren Sein zur Volksgemeinschaft" Das alles bezahlt der dumme Deutsche mit seinen Steuergeldern. .https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/10582_Das_alte_Denken_der_Neuen_Rechten_Leseprobe.pdf

MARCEL

13. August 2026 09:14

Es gibt nichts hinzuzufügen, nur einen subjektiven (?) Satz, den ich hinter den, im Modus an Adorno erinnernden Schlußsatz, anhängen würde:
Ich traue dem "Frieden" nicht, weder dem nach innen, noch dem nach außen.
Waren Sonnenfinsternisse in alter Zeit nicht Vorboten u.a. von Kriegen?
Aber das ist Esoterik - hoffentlich!

Christa

13. August 2026 09:21

Ohne Kanalschnellroda hätte ich nicht erfahren, was ich nun alles lesen kann. Das ist eine echte geistige Bereicherung - das andere kannte ich ja schon. Dem Essay von Klein-Hartlage kann ich allerdings nicht viel abgewinnen, da es auf mich wie eine Abrechnung wirkt. 
Buchmessen wie Seitenwechsel werden bald als ganz normal gelten. 

Herr K aus O

13. August 2026 09:22

Das Einzige, was mir Sorgen macht - außer der Eskalation des Ukraine Kriegs, eines völligen Börsencrashes usw - ist, dass die AfD die Nachfolge von sowohl CDU als auch der SPD antritt. Dieses 2 (bzw. 2 1/2) Parteiensystem der alten Bundesrepublik hat mir sehr gefallen. Eventuell liefert Herr Siegmund den winzigen Anstoß, den Flügelschlag eines Schmetterlings, der die bleierne Merkelzeit, in der wir uns ja immer noch befinden, zu beenden.

dojon86

13. August 2026 09:37

@Majestyk Natürlich bin ich noch immer in gewissem Sinne links. Für mich gibt es in der Polis nach wie vor den Grundwiderspruch zwischen dem, was die Italiener der Renaissance den popolo grasso und den popolo minuto nannten. (Also dem fetten und dem kleinen Volk) Sie meinen, radikale Linke, sind unter anderem jene, die am CSD Tag in seltsame Gewänder gekleidet, herumhüpfen. Für mich sind das keine Linken. Für mich sind das Hofnarren der global agierenden Kapitalisten. Das sei zur Klärung angeführt.

Dietrichs Bern

13. August 2026 09:39

Martenstein vermittelt zumindest den Eindruck, die Realität erkannt zu haben, Alexander bewirbt sich öffentlich um einen Posten als Regierungssprecher. Da darf es notfalls auch primitiv sein.

RMH

13. August 2026 09:40

Ich würde mal sagen, bevor man jetzt den angeblich großen Durchbruch des "Rechten" räsoniert, irgendwelches Zähneklappern der "Anderen" diagnostiziert oder sich an der Debattenteilnehmerin Frau W. abarbeitet, warten wir doch alle einmal ab, was am 06.09.2026 am Ende raus kommt. Die AfD macht dort einen guten job, die Gegenseite ist nur noch am Organisieren der letzten Haltelinie, sprich, dass es zu keiner AfD-Mehrheit an Sitzen kommt. Alles andere, Inhalte, Abgrenzungen etc. - alles egal, schon abgeräumt. Das kann man bereits als ersten Erfolg sehn, aber am Ende zählt dann nur das Ergebnis. Der 2. an Sitzen kann der 1. Verlierer hinter dem "Block" sein. & alle, die evtl. ein bischen Bange vor der AfD haben, sollten das machen, was jeder Bürger ab & an tun sollte, Bilanz ziehen. Was erarbeite ich, was zahle ich überall ein & was kommt am Ende, im Alter raus. Das gilt insbesondere für alle ab 45. Sie werden voll besteuerte Renten haben & auch Krankenkasse & Pflegevers. werden sich daran & an baV, privater Vorsorge etc. gut tun. Dann werden Sie feststellen, dass sie nicht mit genug Mittelfingern geboren wurden .... die Bürger von Sachsen-Anhalt haben jetzt das Privileg, genügend davon zeigen zu können. Ich hoffe, sie tun es.

Le Chasseur

13. August 2026 09:55

@Karin Wendt
" ich war 2015 besonders stolz auf mein Land und seine Bürger:innen."
Sie haben sich vermutlich auch von den Fernsehbildern täuschen lassen? Sie dachten vermutlich auch, dass vor allem Familien mit Kindern kämen? Stattdessen kamen überwiegend junge Männer. Sie dachten vielleicht auch, dass sich die Menschen relativ schnell in den Arbeitsmarkt integrieren ließen? Dass die Masseneinwanderung zu einem Anstieg der Wohnungsmieten, vor allem in den Großstädten führen würde, hatten Sie vermutlich nicht auf dem Schirm? Vielleicht dachten Sie auch, dass die aus Syrien Stammenden in absehbarer Zeit in ihre Heimat zurückkehren würden?
Kurz, Sie waren naiv, und das mache ich Ihnen nicht zum Vorwurf. Problematisch wäre es nur, wenn Sie nach den Erfahrungen der letzten elf Jahre heute immer noch sagen würden, die Bundesregierung hätte mit der Grenzöffnung richtig gehandelt.

Maiordomus

13. August 2026 10:20

PS. Es wird hier, durchaus auch dann, wenn es einem nicht passt, nicht nur gelegentlich  "Quatsch" verzapft, sondern echt Bedenkenswertes aufgetischt, und fast jeder ist dann und wann für eine bedenkenswerte Überraschung gut. Was @Monika über den Herrenstammtisch schreibt, trifft natürlich ganz besonders zu.  

das kapital

13. August 2026 10:33

@ Monika Die "geistig-moralische Wende" eines Helmut Kohl blieb nur ein Wort. Die ungeistig-unmoralische Wende innerhalb der Union allerdings fand beginnend mit den Maastrichter Verträgen statt und läuft mit Merkel von der Leyen Merz Prien Günther Wüst und Söder zur Höchstform auf. Unionwähler allerdings merken das erst Jahrzehnte später. Karlspreis für von der Leyen für die komplette Zerstörung Deutschlands von Brüssel aus. Landespreise NRW und Bayern für Merkel für außereuropäische kulturfremde unqualifizierte Massenmigration, Energiewende ins Nichts, Installation der Deutschlandvernichterin in Brüssel und das Atomaus von 2011.Die Idiotie der Regierenden und der Regiertwerdenden feiert fröhliche Urständ.

Mitleser2

13. August 2026 10:41

"Durchdringung von Universitäten und Lehrerverbänden mit linksradikalen pädagogischen Ansätzen und Lehrsätzen."
Cambridge ist überall. Bei uns fällt es nur nicht so auf, weil wir weniger PoC in diesen Kreisen haben. Für mich mit das größte Problem für einen Machtwechsel. Neben der unterwanderten Justiz.

das kapital

13. August 2026 10:58

@ Laurenz Da haben wohlmöglich andere Foristen ein etwas anderes Verständnis von Sachlichkeit, als Sie es haben. Kam gerade auch bei Monika zum Ausdruck. "Und lassen Sie sich nicht von dem Herrenstammtisch hier ärgern." Das "Alther-ren" hat sie freundlicherweise unterschlagen. ;-) Aber ich bin ja auch schon jenseits der 48. /// Alle Herrschaftssysteme sind auch religiös motiviert. Propaganda ist die weltliche metapolitische Vervollkommnung einer Religion ohne Gott und ohne theologische Begrenzung der Herrschaft. Gott ist tot und der Mensch stirbt mit ihm. Weil er beliebig der weltlichen Macht unterworfen wird. /// Führt teils eben zu seltsamen Ergebnissen, siehe "Deutsche Christen" nach 1933. Du folgst einem jüdischen Rabbi gilt formell erstmal für alle Christen. Wer dann aber das Judentum generell verfemt, der möchte diesen geistigen Führer gerne beseitigen und "Thor" oder was auch immer an seine Stelle setzen. /// Resilienz gegen jede Form von Wahrheit ist allerdings vielen Menschen zu eigen. Sie wird durch massive Propaganda erzeugt und aufrechterhalten. Diese Art von Resilienz wird nur bei den Betroffenen an der Wirklichkeit zerschellen. 42 Prozent für Ulli Siegmund sprechen aber dafür, dass man auch regional der Demokratie-propaganda die Luft rauslassen kann. "Unsere" Demokratie ist Opium für das Volk.

Old Linkerhand

13. August 2026 11:02

Von der Sezession hatte ich in der JF im Mittelteil auf der linken Seite, ganz am äußeren linken Rand, eine kleine unscheinbare Annonce gelesen. Das muss 2001 gewesen sein. Da hörte ich auch zum erstenmal von Schnellroda. Kositza und Lichtmesz waren mir auch schon bekannt. Die Leiter des Projekts waren Karl-Heinz Weißmann und ein gewisser Götz Kubitschek. Schaut her, was daraus geworden ist. Leute, ich bin so stolz auf Euch! 
Zum Feldhamster: Vor unserem Gehöft hatten wir eine Magerrasen-Wiese mit seltenen Saftlingen; das sind Pilze, die auf der roten Liste- vom Aussterben bedroht- stehen. Das wurde alles für den Kommerz plattgemacht. Wir hatten gegen diese Arschlöcher keine Chance.
 

Karin Wendt

13. August 2026 11:31

@ Lady; @Speng
Nein, ich bin keine Kunstfigur, kein Bot, kein U-Boot, keine Agente provocatrice. Bin angemeldet und schreibe mit Klarnamen. Bin einfach interessiert am Gespräch und an der Auseinandersetzung.
Ich bedanke mich bei der SiN, dass sie dieses Forum nicht als closed circle führt und Beiträge (und Schreibweisen) wie meine veröffentlicht.
@ Monika; das Kapital
Eine Suchende in Ihrem Sinn bin ich wohl nicht. Aber danke für Ihre sachlichen und wohlwollenden Erwiderungen.

Majestyk

13. August 2026 11:32

@ RMH:
"wie das Geteilte von den einst Geteilten allseitig nostalgisch verklärt wird und wie sich Deutsche nach wie vor nach belieben gegeneinander Ausspielen lassen."
Alles richtig was Sie schreiben und doch. Wer glaubt, man könne den eigenen Geburtenrückgang durch Import von Fremden ausgleichen, weil es doch letztlich angeblich gleichgültig ist, welcher Kultur oder Ethnie jemand angehört ist für mich kein Landsmann mehr, auch keine Landsfrau. Diese Leute wollen Weltbürger sein und zeigen sehr deutlich, daß ihnen die eigene Kultur völlig egal ist. Fremde Kultur toll, eigene Kultur Mist oder deren Existenz wird gleich aberkannt. Muß man akzeptieren. Dann gilt aber umgekehrt, sie gehören nicht mehr zum Stamm. Wer sich gegen die eigene Familie wendet, der schließt sich ja auch aus. Für mich gehören Linksglobalisten egal in welchem Land, gar keinem Volk mehr an. Sollen Sie doch in Anywhere leben und dort glücklich werden. 

Karin Wendt

13. August 2026 11:40

@DrSticken
Vielen Dank für die Erläuterung!

Majestyk

13. August 2026 11:48

@ ofeliaa:
"Ich glaube nicht, dass bei Gründung des Verlags oder des Instituts unser Land bereits so überschwemmt von fremder Kultur und dem Islam war, oder doch?"
Also in meiner Geburtsstadt wurde 1987 ein Islamischer Arbeitskreis gegründet, aus dem 1994 der Zentralrat der Muslime hervorging. Mir hat die Überfremdung schon als Jugendlicher gereicht, wenn mein Vater nicht nach Hause kam, weil Türken oder Kurden wieder mal die Rheinbrücke blockierten. Hat hier eigentlich noch nie jemand etwas von wilden Türkenstreiks in den 70ern gehört? Als ich dann später öfters nach Köln mußte, kam mir das vor wie eine Reise ins Ausland. Und ich war furchtbar zornig, als beschlossen wurde, daß die Grenzen fallen, samt deutscher Währung, ohne, daß ich jemals gefragt worden wäre. Gilt auch für Wiedervereinigung und Beibehaltung von GG ohne Verfassunggsdebatte. Die Asylantenflut Anfang der 90er, die Änderung des Staatsbürgerrechts, die Gründung von Moscheen in nahezu jeder Stadt. Vorzeichen gab es doch nun mehr als genug. Manche Menschen sind halt sensibler als andere. Die gelten so lange als radikal bis die veränderten Lebensverhältnisse ihnen nachträglich recht geben. Ich frage mich nur immer, wie hat die Mehrheit es geschafft all die Vorzeichen zu ignorieren und all die volksfeindlichen Entwicklungen mit ihrem Gewissen zu vereinbaren. 

Dietrichs Bern

13. August 2026 11:53

Mir geht's wie @RMH, hier wird doch schon viel Fell verteilt, ohne dass der Bär schon erbeutet wäre. Mittlerweile können sogar Politoffiziere der DDR-Grenztruppen öffentlich die Opposition bekämpfen, ohne das das größeres Stirnrunzeln hervorruft. Ich rechne eher mit einem "dann eben später", was Regierungsbeteiligung der AFD angeht, fraglich ob alle Verantwortlichen dafür die Geduld und das Stehvermögen haben.

Le Chasseur

13. August 2026 11:55

@Herr K aus O"Eventuell liefert Herr Siegmund den winzigen Anstoß, den Flügelschlag eines Schmetterlings, der die bleierne Merkelzeit, in der wir uns ja immer noch befinden, zu beenden."
Da sehen Sie mal, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen sind. Ich empfinde die Gegenwart gar nicht als bleiern. Bedrückend ja, aber alles befindet sich in der Auflösung, alles rutscht. Allein wenn man sich anschaut, wie Angriffskriege und Völkerrechtsbrüche wieder salonfähig gemacht werden.
Und zu einem zweieinhalb Parteiensystem werden wir nicht mehr zurückkehren, dafür ist die Bevölkerung zu zersplittert. Manche teilen die Gesellschaften der Länder des Westens in zwei große Lager auf, die Somewheres und die Anywheres. Die AfD würde ich dem Somewhere-Lager zuordnen, obwohl sie gerade eine Anywhere-Parteivorsitzende hat.

Majestyk

13. August 2026 12:17

Kaum jemand hinterfragt seine Prägung. Manche klingen noch immer wie Sozialdemokraten, Frauen attackieren das Feindbild männlicher Verstand, wie die Reaktion auf Laurenz zeigt. Bei vielen liest man den CDU-Anhänger raus, hin und wieder finden sich Stimmen enttäuschter Ur-Grüner und BSW Sympathie läßt auch nicht gerade auf Veränderungswillen schließen, von taktischem Verständnis ganz zu schweigen. Immerhin hat der Krypto-Kommunist das BSW ja gründen lassen, damit es der AfD Stimmen stibitzt, linke Mehrheiten sichert und die CDU weiter nach links gezogen wird.
Aber ich schweife ab. Der Ist-Zustand des Landes hat seinen Ursprung doch nicht 2015 oder 1990. Beide deutsche Staaten hatten einen gewaltigen Geburtsfehler und waren mitnichten Staaten, die von deutscher Hand gegründet wurden. Und beide Staaten hatten im System ein Mißtrauen gegen den freien Willen des eigenen Volkes verankert. Warum wohl wurden weder die Westdeutschen, noch die wiedervereinigten Deutschen nie befragt, ob sie der EU angehören wollen, an Auslandsmissionen teilnehmen oder eine neue Währung nutzen? Stets wurde den Deutschen über Zwangsmedien und in der Schule eingehämmert, was sie gut zu finden haben. 
Die Schieflage nach 68 ist ja noch nicht einmal spezifisch deutsch. 68er kamen überall an die Macht. War Clinton etwa anders als Blair oder Schröder? Zwei antideutsche Staaten wuchsen zusammen und was anderes hätten sie bilden sollen als einen antideutschen Staat?
 
 

Boreas

13. August 2026 12:21

Gute Bestandsaufnahme durch GK. Robin Alexander ist ein CDUler par excellence. Er hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt, daher sein Weggang von Welt. Die These von den Dorfnazis auf den frühen Akademien ist falsch, die Diskreditierung beabsichtigt, daher durchschaubar. Gleichwohl weiß ich aus eigenem Erleben, das GK und seine Traditionskompanie auch bei den jungen einfachen Wilden dafür geworben hat, den Born, aus dem man seine Kraft zieht, nicht auf die 12 Jahre zu beschränken, nur weil sie für die Gegenseite ein Erregungspotential bietet. Schon vor 25 Jahren galt: "Warten können und bereit sein!" Die Zeit ist reif.

RMH

13. August 2026 12:25

"beginnend mit den Maastrichter Verträgen statt"
deren darauf beruhende "Kriterien" man dann in Folge noch nicht einmal eingehalten hat! Das sollte man ganz besonders hervorheben. Der Trick war, dass man diese Kriterien offenbar nur als Eintrittsticket für den Euro sich irgendwie zum Stichtag 1998 herbei zu tricksen hatte und danach waren sie dann egal. Italien hat die Kriterien noch nie erfüllt, und war von Anfang an beim Euro dabei. Deutschland erfüllt diese Kriterien seit 2002 (!), also genau dem Jahr, in dem der Euro auch als Bargeld ausgegeben wurde, nicht mehr und 2026 ist das dank Sondervermögen etc. auch komplett aus den Köpfen verschwunden. Interessiert offenbar keinen mehr. Ein Husarenstück an Bürgertäuschung! Erst Stabilitätskriterien vereinbaren und dann kommt der Spruch, was geht uns das Geschwätz von gestern an ...

Maiordomus

13. August 2026 12:31

@Monika. Das Zitat eines Professors über Heideggers Sein und Zeit ist unteranalphabetisch, nur dass man Heidegger vorwerfen muss, seine eigenen Ausführungen über das alltägliche Selbstsein und das "man" selber nicht angemessen realisiert zu haben und in den Konsequenzen ernst genommen. 
Und natürlich ist es eher ein "Altherrenstamm"  als eine herkömmliche Männerrunde, was hier stattfindet. Und natürlich @Kapital, war Jesus ein jüdischer Rabbi,über dessen Ausbildung wir aber zu wenig wissen, weshalb er lieber mit dem Titel "Sohn Gottes" vereinfacht wird,. Sicher ist und bleibt er der menschgewordene Logos, um es in der Sprache der griech. Philosophie zu sagen. Wenn aber Teilhard als Religionsphilosoph auf eine Million Jahre vorausblickt, lässt sich an vergleichbar langer Nachwirkung dieses Rabbi durchaus zweifeln. Am ehesten könnte sich die Lehre von der Heiligen Dreifaltigkeit, vorläufig noch von der grossen Mehrheit unverstanden, als Weiterentwicklung der Idee, dass ein Gott in uns uns besser kennt als wir uns selber, noch über die Erinnerung an Jesus hinaus im Gedächtnis der Menschheit erhalten. Siehe Uedas "Gottesgeburt in der Seele". Die "Seele", mutmasslich mehr  als eine Abstraktion, wird sich als immaterielles Organ der Selbsterkenntnis wohl  "halten lassen", unabhängig, wie man sie nennen wird.  
 

Majestyk

13. August 2026 12:33

@ dojon86:
"Für mich sind das Hofnarren der global agierenden Kapitalisten."
Wieder mal das Kapital. Und Sie wollen kein Linker mehr sein? Ist Ihnen nie die Idee gekommen, daß US-Demokraten oder Labour Party Kommunisten sind? Recherchieren Sie mal Brock Chisholm "Um eine Weltregierung zu erreichen, muss der Individualismus, die Loyalität gegenüber Familientraditionen, nationaler Patriotismus und religiöse Dogmen aus den Köpfen der Menschen verschwinden." Die UNO wurde doch nicht gegründet, um die Integrität der Völker zu erhalten, sondern jene Spielregeln zu unterwerfen, die in NY oder Genf ausgeknobelt werden.
Ich sah die Tage eine Doku über Riefenstahl mit Bildern ihrer Zeit in Afrika. Den Bildband habe ich selber noch. Es war doch nicht der Kolonialismus, der diesen Völkern ihre traditionelle Lebensweise nahm, sondern der spätere Kulturimperialismus. Die sprachliche Umerziehung der Rheinländer erfolgte ja nicht durch die Besatzungsmächte, sondern durch die SPD, weswegen Bayern und Schwaben noch Dialekt sprechen, Rheinländer aber nur noch eine Primitivversion.
Links heißt anderen den eigenen Willen aufzwingen. Linksglobalismus ist nichts anderes als Weltkommunismus unter Einbettung und Nutzung des Kapitals. Ähnlich wie China heute Kapitalismus als Waffe nutzt und nicht mehr per se verdammt. Ein freies Land ist China trotz des Wohlstands nicht geworden.

Schobbepetzer

13. August 2026 12:49

Zur Diskussion um SA und Ulrich Siegmund.Es ist immer schwierig Vergleich zu ziehen zwischen Personen bzw. auch zu Situationen aus der Vergangenheit.
Allerdings erinnert mich Siegmund stark an den jungen Jörg Haider, nicht alles ist optimal, aber er hat Charisma und einen soliden Hintergrund. Damit ist er für viele inner- als auch außerparteilich ein Risiko. Er kann der Eisbrecher werden, der Haider in Österreich war. 
Sezession und der ganze intellektuelle Bereich hier in diesem Umfeld, ist ein wichtiger Teil der Veränderung. Aber Siegmund ist entscheidend auf der Strasse, dort findet das Vorspiel statt, bevor es ins Parlarment geht. 
Bewundernd finde ich die innerparteiliche Disziplin derzeit, hoffe es bleibt so und das jemand auf Ulli aufpasst. Leider lebt so jemand gefährlich.

Ekstroem

13. August 2026 13:50

Danke @Karin Wendt für die Belebung der Kommentare. Eine Frage: Sind Sie dankbar für all das was nach 1945 in Deutschland infolge von Bletchley Park geschah? Falls hier Nachholbedarf besteht: https://www.williamtoel.de/bletchley-park

Herr K aus O

13. August 2026 13:53

@Karin Wendt
Hier meine Interpretation des Handels von Merkel. Sie hat 2015 die Grenzen im Bewusstsein geöffnet, das wir/ihr/die anderen es NICHT schaffen. Warum? Um mit der Zerstörung der Sozialsysteme diese endlich reformieren - sprich privatisieren - zu können. Ich habe mich 2015 gefragt: "Ist das die Rentenreform? Aber wenn, wie wollen die das bewerkstelligen?" Ganz einfach, indem die Deutschen jetzt bis 70 arbeiten sollen. Es ist doch kein Zufall, dass ausgerechnet die CDU bei den Forderungen ganz vorne ist, dass die Deutschen, die Deutschen und immer wieder die Deutschen dazu aufgefordert werden, jetzt mal wieder etwas zu leisten. Insofern ist mein Blick "eigentlich" der Blick von Links auf die Klasse der Besitzenden. Die übrigens noch durch den Eingriff des Staates in den Mietmarkt durch die Übernahme von Millionen von Mietverträgen üppig beschenkt worden ist.

Monika

13. August 2026 14:39

Ich frage mich, ob es einen Machtwechsel bedeutet oder ein offenes Türchen in einer Brandmauer im Sinne einer linearen Entwicklung, wonach nunmehr die linke Kulturhegemonie zum Ende komme. Gab es diese offenen Türen nicht von Anfang an ? 2014 überschrieb Thorsten Hinz eine Rezension des Buches von Frank Böckelmann "Jargon der Weltoffenheit" mit dem Titel "Eine politische Linke gibt es nicht mehr". In den Stichworten zur Geistigen Situation der Zeit ( 1979 Erstausgabe) herausgegeben von Jürgen Habermas geht es in Bd. 1 über Nation und Republik. Iring Fetcher schreibt darin über die "Suche nach der nationalen Identität " und zitiert Thomas Schmid ( Journalist, 1945 die Welt, in jungen Jahren bei westdeutscher Studentenbewegung, SDS) mit den Worten:" Ich bin diesem Deutschland nicht nur verhaftet, ich liebe es auch. Und ich will hier eine Linke, die nicht nur kosmopolitisch, sondern auch deutsch ist...dadurch, daß sie eine spezifisch deutsche politische Kultur entwickelt." Verlief eine linke Kultur nicht von Anfang an parallel zur rechten und umgekehrt?  Und wie hängen die eigentlich zusammen ? Und wie ist das aufzulösen? 

Monika

13. August 2026 15:14

Heute ist der 65ste Jahrestag des Mauerbaus und , so heißt es in der FAZ, es kämpfen einige Zeitzeugen gegen die Verharmlosung des SED-Regimes durch die Partei Die Linke und auch durch die AfDhttps://www.faz.net/aktuell/politik/berliner-mauer-eine-zeitzeugin-kaempft-gegen-die-verharmlosung-accg-201118653.html
Daß die Neue Rechte , was Kritik des SED-Regimes und insgesamt des Real-existierenden Sozialismus betrifft, einige Defizite oder Versäumnisse aufweist, würde ich auch so sehen. Egal, die AfD wird, so sie in Regierungsverantwortung kommt, ihre ideologischen Wurzeln klären müssen. Umso wichtiger ist es m.E., sich mit metapolitischen Fragen zu beschäftigen. Das ist ein spannender Prozess.

Majestyk

13. August 2026 15:32

@ Maiordomus:
"Und natürlich ist es eher ein "Altherrenstamm" als eine herkömmliche Männerrunde, was hier stattfindet."
Was soll es sonst sein? Falls es sich noch nicht herumgesprochen hat, Frauen sind mehrheitlich links und zumindest vordergründig Systemprofiteure. Junge Männer werden sich kaum hierher verirren. Die nutzen andere Medien und sind überwiegend auch mehr in ihr Leben eingebunden. Sie, Laurenz oder ich, sind nicht mehr voll im Berufsleben. Wären wir es, würde man von uns deutlich weniger lesen. Zumindest hoffe ich, daß hier niemand während seiner Arbeitszeit Kommentare schreibt. 
Dieses "Altherrenrunde" ist auch nichts anderes als eine verbrämte Version von "alter weißer Mann". Genauso dümmlich wie Boomer-Bashing.
@ RMH:
"Ein Husarenstück an Bürgertäuschung!"
Aber nur für Bürger, die sich täuschen lassen wollten. Man gibt als souveräner Staat weder die Kontrolle über die eigenen Grenzen, noch die eigene Währung ab. Um zu verstehen, daß dies Souveränitätsaufgabe bedeute, braucht es kein Hochschulstudium. Eine eigene Währung würde Sinn ergeben bei Vereinigten Staaten von Europa. Dann aber auch ohne Transfer von Steuermitteln, von einem Land ins andere. Muß Texas etwa für Haushaltsschulden in Kalifornien aufkommen? Ich glaube nicht.

Majestyk

13. August 2026 15:44

Ich weiß gar nicht was ein Dorfnazi sein soll. Gab es etwa in Dörfern mehr Skinheads als in Städten, glaube kaum. 
Über wen oder was redet man da? Ich war mal aus beruflichen Gründen bei einer "Neonazi" Demo in Stolberg Rheinland. Eine handvoll echter oder vermeintlicher Nazis, mehrere Hundertschaften Polizei, mehr als hundert Journalisten, Kameraleute und besorgte Politiker, ein paar tausend Gegendemonstranten, davon mindestens dreihundert aus dem Schwarzen Block.
Welche Gefahr ging von jenen 20, 30, vielleicht mal 50 Glatzköpfen aus? Hier fand doch eine Dämonisierung und Instrumentalisierung ab, um von anderen Problemen abzulenken und vor allem um nationale Positionen zu diskreditieren. Scheinbar hat sich das aber immer noch nicht herumgesprochen. Warum läßt man sich überhaupt auf den Sprachkatalog des politischen Gegners ein, warum debattiert man auf dessen Spielfeld. Frei nach Mark Twain, mit Tauben spielt man nicht Schach. Es sei denn, man nimmt in Kauf, daß man das Schachbrett hinterher putzen muß oder wegwerfen.

Maiordomus

13. August 2026 16:58

@Majestik. Sie erwähnen Genf. Ist auch die Stadt von Calvin, einen vom Ruf her und auch eher persönlich wenig attraktiven Denker. Ich musste 79 werden, um mich an sein Hauptwerk, die vielhundertseitige "Instituio religionis Christianae" zu machen. Natürlich nehme ich, nehmen wir mutmasslich seine Lehre von der Vorhersehung, was die Griechen "Schicksal" nannten, ihm kaum ab, wenn wir diese Lehre bloss per Lehrbuch oder aus dem Netz kennen. Überraschend zitiert er Homer, wobei man merkt, dass er ein Philosoph der Zeit ist. Darüber nachzudenken lohnt sich immer, es muss nicht das oben genannte "Sein und Zeit" sein: der ganze Hegel hängt daran, an dem der sich hier mehr oder weniger Wirrkopf genannte H. Mahler sich die Zähne ausbiss. Wirklich, wir müssen mehr über die Zeit nachdenken: Bibelleser ab Ausgangspunkt Johannes I,1 plus Geheimer Offenbarung, bei Kant zitiert als der Engel, der per Posaune verkündet, "dass hinfort keine Zeit mehr sein soll". Seine Gedanken über "das Ende der Zeit", sogar für Engels anregend, scheinen mir als Basis für weiterführende Gedanken bedenkenswert. Dazu bringt Bibellektüre noch was. Wir stehen zweifelsfrei der  "Ewigkeit" gegenüber, was Calvin uns illusionslos klar zu machen wusste, bei berechtigten Zweifeln betreff menschliche Vollkommenheit.   

Maiordomus

13. August 2026 17:14

@Majestik. "Dorfnazi". So was gab es zum Beispiel in Heitersheim im Badischen, der früheren ländlichen Johanniterhochburg. Die Bezeichnung hatte einen nahezu gemütlichen Unterton, weil er in einer stockkatholisch-zentristischen Umgebung sich einigermassen Mühe gab, das Nazitum in erträglichen Proportionen über die dörfliche Welt ergehen zu lassen, sozusagen eine vorübergehende Überbrückung in einem Einschnitt der Dorfgeschichte, die u.a. auch mal (1525)  vom Bauernkrieg heimgesucht worden war, später vom 30jährigen  Krieg und auch wegen der Nähe zum Elsass hatte man auch Lärm vom 1. Weltkrieg gehört. Es scheint nicht viele Juden gegeben zu haben. Meines Wissens gab es auch in der DDR-Provinz zwar gewiss nicht ländliche Idyllen, aber für eine eigentlich makabre Epoche bei entsprechend angepasstem Verhalten erträgliche Idyllen, Raststätten für eine  Art innere Emigration, so auch in der Gegend um Gaienhofen, wo der Künstler Otto Dix zur Zeit des 3.  Reichs  mehr oder weniger davonkam. Irgendwie hatte ich immer den Eindruck, dass unser hier mitschreibender Freund HB einer entsprechenden DDR-Nische nachzutrauern scheint. Dort gab es wohl den "Dorfkommunisten", siehe "Satantango" von Bela Tarr, natürlich machte dieser im Ungarn-Kaff  Notizen!  

Laurenz

13. August 2026 17:33

@RMH & Majestyk ... Björn Höcke hat per Videobotschaft Sahra Wagenknecht den Posten des Ministerpräsidenten Thüringens angeboten. Wagenknecht hat abgelehnt, schon recht dünne die Absage. https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/thueringen-wagenknecht-weist-hoecke-angebot-zurueck/100246948.html ... @Monika ... Die AfD an der Regierung muß gar nichts, außer leisten. Wer Ideologie wünscht, ist ein Linker. ... @Majestyk @Dojon86 ... Das Kapital existiert zwar, ist aber keine homogene Masse. ... @Majestyk ... Prägung ... Was für eine Prägung schwebt Ihnen denn vor. Wie wurden Sie denn gemünzt? Wir können das auch vereinfachen, in Bürger & charakterliche Schließmuskel. ... @Das Kapital @L. ich bin 61 & durch meinen früheren Beruf verbraucht. ... @Herr K aus O ... Es existieren faktisch nur noch 2 Parteien, die AfD & die Einheitsfront. Entweder regiert die AfD oder die Einheitsfront. Alice Weidel vertrat bei Lanz eine sofortigen Stop aller Rüstungslieferungen & Aufnahmen von Friedensverhandlungen. Und das mit dem Börsencrash wird schwierig. Den kann es im Grunde nur am Anleihemarkt geben. Auch Aktien können mal fallen, 5, 10, 15%. Aber wenn Sie Sich den DAX-Chart über mehrere Jahre anschauen, bildet der im Grunde immer steigende DAX einfach nur die Inflation ab.

Karin Wendt

13. August 2026 17:43

@Lady
"Sie gendern." Huch - "...abgewickelt werden!" - das ist genau die entpersonalisierte, autoritäre Sprache, die Angst machen kann.
@Ekstroem
Grundsätzlich ja. Bin aber im Detail nicht genug im Thema. Die Deutung und Darstellung von Wiiliam Toel teile ich sicher nicht, wie Sie sicher schon vermuteten.

Monika

13. August 2026 18:01

@ Majestyk "Frauen attackieren das Feindbild männlicher Verstand wie die Reaktion auf Laurenz zeigt" und "Frauen sind mehrheitlich links und Systemprofiteure". Hallo, was soll man erst vom Feinbild weiblicher Verstand sagen. Wie meinte schon Marie von Ebner Eschenbach : "Eine kluge Frau hat Millionen geborene Feinde: alle dummen Männer". 💁‍♂️ In der AfD gibt es zwar weniger Frauen ( in Führungspositionen glaube ich 15 Prozent), das kann sich aber schnell ändern, denn Frauen sind immer weniger Systemprofiteure. ( Abschaffung d. Witwenrente, keine Familienkrankenversicherung, Verlust der Sicherheit im öffentlichen Raum usw. Hier bei uns gibt es deshalb eine Gruppe: "Starke Frauen in der AfD" im analogen Raum. Dieses SiN-Forum hier sollte m.E. einer sachlichen Diskussion vorbehalten bleiben und damit auch Werbung für den großartigen Verlag bieten, der mit viel Geduld auch "spezielle" und kritische Meinungen zuläßt. Wäre schade, wenn das verloren ginge. Und ich weiß, daß hier auch jüngere Männer mitlesen.  Die sollte man nicht vergraulen und die jungen Frauen auch nicht. 

omega

13. August 2026 18:56

An einem Machtwechsel führt für mich kaum noch ein Weg vorbei. Aber gerade deshalb interessiert mich die Frage, was danach kommt: Wie groß ist der Scheiterhaufen, den man einer möglichen AfD-Regierung hinterlässt? Und wie viel Gestaltungsspielraum bleibt, wenn gleichzeitig Schulden und Zinslasten drücken, die Migrationsfrage bewältigt werden muss und der demografische Wandel mit Rente und Pflege bereits vor der Tür steht? Dazu kommen geopolitische Spannungen und mit KI und Robotik möglicherweise ein technologischer Umbruch, dessen wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen heute noch kaum abzuschätzen sind.
Mich würde deshalb weniger interessieren, ob die AfD an die Macht kommt, sondern ob sie unter diesen Bedingungen tatsächlich in der Lage wäre, ihre politischen Vorstellungen umzusetzen. Vielleicht ist die interessantere Frage also nicht, ob die AfD den Machtwechsel schafft, sondern ob sie ihn auch gestalten kann – oder ob sie am Ende nur Verwalter der Folgen einer Epoche wird, die sie selbst nicht mehr verändern kann.
 

ofeliaa

13. August 2026 20:56

Dorfnazis sind die, auf deren Golf "Wolfsschanze 88" steht. Den Golf sieht man immer nur im Hinterhof bei denen. Die weiblichen Dorfnazis verehren ihren Opa, die männlichen verehren ihre Oma (wohnen da auch oft). Wenn man Glück hat, macht deren Oma die beste Marmelade im Dorf. 

Majestyk

13. August 2026 20:57

@ Monika:
"Egal, die AfD wird, so sie in Regierungsverantwortung kommt, ihre ideologischen Wurzeln klären müssen."
Wäre nach der Wahl etwas spät, finden Sie nicht?

heinrichbrueck

13. August 2026 21:18

@ Maiordomus
Ein kurzes Leben verträgt keine langen Probleme. Wir haben nur eine begrenzte Lebenszeit. Deshalb ist die Frage nach der Zeit zwar unvermeidlich – aber wir müssen achtgeben, daß das Nachdenken darüber nicht unser Leben ersetzt. Man kann Jahrzehnte darüber nachdenken, was Zeit, Ewigkeit, Schicksal und Freiheit bedeuten – und dabei die konkrete Zeit, die man tatsächlich besitzt, verlieren. Die Endlichkeit des Lebens ist nicht nur ein philosophisches Problem, sondern eine praktische Zumutung.  
Wie kann eine Demokratie langfristig denken, obwohl die Menschen, die sie tragen, kurz leben?

Maiordomus

13. August 2026 21:21

Eine Idiotie, welche hier gewiss nicht mehrheitsfähig wäre: Trotzdem versucht ein alter Bekannter von mir, den ich vor 20 Jahren für einen klugen Mann hielt, mit dem Schlagwort "Sie wollen Weihnachten abschaffen!" für künftige Wahlen Panik zu verbreiten. Wer regelmässig SiN liest, welche Seite als angeblich besonders radikal und "rechtsextremistisch" verschrien wird, wenn man der Propaganda glauben will, weiss, dass diese Meinung auf diesem Forum wohl zu den am wenigsten mehrheitsfähigen gehört. Sogar unter dem Verbreitungsniveau von hier ebenfalls zurückgewiesenen Anhängern des Kürzels VSA. Es zeigt sich, dass gewisse subjektiv bei Nichtchristen in ihrem privaten Denken vertretene Optionen allein wegen dem gegenwärtigen offenenen oder zumindest unterschwelligen Kulturkampf mit dem Islam für ungläubige Rechtswähler derzeit erst recht unvertretbar bleiben. Es ist aber wahr, dass politisch extrem unvernünftige Eiferlinge auch als Einzelstimmen mit derlei Postulaten Haltungen einer mutmasslich grossen Mehrheit diskreditieren, indem sie auf eine Art schädlich auftreten, dass sie sogar bei Respektierung ihrer subjektiven Haltung als Gegner der bürgerlichen deutschen Kultur, zu deren besten Poeten der dezidiert ungläubige Theodor Storm gehörte, aus Partei und Kommunikationskanälen ausgeschlossen gehören. Meines Erachtens kennt Weimer dieses Mehrheitsdenken, polemisiert aber wohl zur Erhaltung der CDU-Wählerschaft  desto entschiedener gegen solche Kulturschädlinge. 

Majestyk

13. August 2026 21:21

@ Le Chasseur:
"Manche teilen die Gesellschaften der Länder des Westens in zwei große Lager auf, die Somewheres und die Anywheres."
Das Lager der Anywheres ist verschwindend klein. In etwa vergleichbar dem alten Hochadel oder dem Jetset. Eigentlich waren das die echten Anywheres. Die NGO-Funktionäre und Netzwerker sind eigentlich eher Antisomewheres. Nicht einmal die oberen Zehntausend denken und leben allesamt wie Anywheres. Die meisten Unterstützer der Anywheres geben sich einer bewußt erzeugten Illusion hin und erhalten für ihre Gefolgschaft gut dotierte Bullshitjobs, wo man nicht wirklich arbeiten muß. Ohne deutschen, schweizer, amerikanischen Paß in der Tasche reist es sich nicht durch die Welt, kann man nicht in steuersubventionierten Entwicklungshilfeprojekten arbeiten. Trump hat mit der Zerschlagung von USAID mehr gegen das Netzwerk der Antisomewheres getan als jeder andere. Über manche Themen kann man streiten, WHO, IPCC, UNESCO, sämtlichen Entwicklungshilfeorganisationen und Co. den Geldhahn zudrehen ist notwendig und das wäre dann auch eine vordringliche Aufgabe der AfD.