Sezession
16. Februar 2009

Geburtenarithmetik mit Ursula

Götz Kubitschek

Familienministerin Ursula von der Leyen hat heute ihren Familienreport 2008 präsentiert und mit verhaltenem Stolz erzählt, daß 2007 in Deutschland insgesamt 12 000 Kinder mehr als 2006 zur Welt gekommen seien, und daß es 2008 nochmals einen Nachschlag um rund 5000 auf nun insgesamt 690 000 Geburten gegeben habe. Ist das jetzt eine gute Nachricht?

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Darüber kann man  nur befinden, wenn die Zahlen eingeordnet sind:

1. Deutschland kann laut von der Leyen einen Anstieg auf nunmehr 1,37 Kinder pro Frau verzeichnen. Der Wert lag vor drei Jahren bei 1,33. Notwendig sind 2,1 Kinder pro Frau, wenn die Bevölkerung nicht schrumpfen soll.

2. Laut von der Leyen sind es vor allem die Paare zwischen 30 und 40, die für diese kleine demographische Freuden-Beule sorgen. Weil die Jahrgänge 1968 bis 1978 noch sehr stark bis stark waren, handelt es sich bei der geringfüigen Steigerungsrate meistenteils um eine sogenannte "Sekundäre Geburtenwelle". Zur Veranschaulichung: Die Kinder der jetzigen "Sekundären Geburtenwelle" werden selbst für eine wiederum abgeschwächte "Tertiäre Geburtenwelle" sorgen - etwa 2040.

3. Völlig offen ist also, ob die Regierungsprogramme zur Familienförderung etwas bewirkt haben. Von der Leyen spricht zwar von einem "veränderten Vaterbild", außerdem mutmaßen Experten, daß das 2007 eingeführte Elterngeld den späten Kinderwunsch im ein oder anderen Fall beflügelt haben könnte. Der Anteil dieser Programme an der kleinen Beule ist jedoch kaum meßbar.

4. Entscheidend bleibt (und nicht diskutiert wird), welche Bevölkerungsschicht für den Zuwachs sorgt: Zuständig für die Dynamik und die Zukunftsfähigkeit eines Volkes sind die Kinder leistungsstarker, gebildeter, intelligenter Eltern, die den Nachwuchs nicht vor der Spielkonsole verrotten läßt. Und für den inneren Frieden und die Zukunft des deutschen Volkes ist der Anteil der Kinder deutscher Eltern entscheidend.

Fazit: Die seit etwa fünf Jahren intensiv geführte Diskussion über die Bevölkerungsentwicklung hat bisher nicht für Klarheit der Begriffe gesorgt. Quantität und Qualität sind die beidermaßen notwendigen Aspekte der Debatte über die demographische Zukunft der Deutschen. Wer zuverlässiges Zahlenmaterial und Ansätze qualitativer Argumentation grundlegend nachlesen möchte, sei auf das Standardwerk Die ausgefallene Generation von Herwig Birg verwiesen.

Zuletzt etwas Positives: Sogar von der Leyen spricht davon, daß wirtschaftlich schwierige Zeiten eine Rückbesinnung auf die Familie nach sich zögen. Wenn es stimmt, dann sind das sind Kennzeichen für eine Bewegung weg von rein materiellen Argumenten der Familien- und Kinderpolitik hin zu den ideellen Aspekten.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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