Das Januar-Gedicht: warmes Moor

Am 30. Dezember Nibelungen-Stammtisch in Frankfurt a.M., Kositza und ich waren dort. Man darf ja nicht mehr rauchen in...

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

die­sen Loka­len, und das setzt jedes­mal vor allem einen der Teil­neh­mer mäch­tig unter Druck: Gün­ter Masch­ke, den Fil­ter­lo­sen, der jüngst der emp­feh­lens­wer­ten Zeit­schrift hier&jetzt ein fei­nes Inter­view gab.

Masch­ke und ich kamen im Stim­men­ge­wir­re – es ging um zuerst!, Stadt-Land-Ant­ago­nis­men, Kon­dy­lis und Eitel­keit – doch wie­der zu einer inten­si­ven hal­ben Gesprächs­stun­de über Lite­ra­tur, und er zog ein Bänd­chen Benn aus der Tasche, nichts Sekun­dä­res, son­dern eine Aus­wahl der Gedich­te. Über­haupt war da ein Drang ins Pri­mä­re spür­bar bei Masch­ke, die­sem Ver­eh­rer der Fuß­no­te und des tau­send­sei­ti­gen Kom­men­tars – ins Ele­men­ta­re mit­tels abschüt­teln­der Lektüre.

Es wur­de nicht düs­ter, das Gespräch. Den­noch, was lag näher, als die ers­ten bei­den Stro­phen der Gesän­ge zu zitie­ren? Und wenn ich sie jetzt unten auf­schrei­be, dann soll­te vor der Lek­tü­re der Reso­nanz­raum durch den lang­sa­men Ver­zehr eines hal­ben Liters schwe­ren Rot­weins her­ge­stellt werden — :

O daß wir unse­re Urur­ah­nen wären.
Ein Klümp­chen Schleim in einem war­men Moor.
Leben und Tod, Befruch­ten und Gebären
glit­te aus unse­ren stum­men Säf­ten vor.

Ein Algen­blatt oder ein Dünenhügel,
vom Wind Geform­tes und nach unten schwer.
Schon ein Libel­len­kopf, ein Möwenflügel
wäre zu weit und lit­te schon zu sehr.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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