Bedingungslos!

Yes, they can: Wenn nicht alles trügt, hat vor einer Stunde die erste Online-Petition den Weg in den Deutschen Bundestag gefunden.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Wegen Ser­ver-Pro­ble­men war die ursprüng­lich sechs­wö­chi­ge Zeich­nungs­frist um eine Woche ver­län­gert wor­den. Nun hat man wohl kurz vor Schluß die vor­ge­schrie­be­ne 50.000er-Marke erfüllt. Rund 52.000 Bür­ger haben online das aus „spon­ta­nem Ent­schluß” gebo­re­ne Anlie­gen der Greifs­wal­der Tages­mut­ter Susan­ne Wiest unter­stützt: Ein bedin­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men für Jedermann.

Das Ansin­nen ist so grund­sym­pa­thisch wie Rädels­füh­re­rin Wiest selbst. Trans­fer­leis­tun­gen, Steu­ern und Sub­ven­tio­nen ein­stel­len oder radi­kal mini­mie­ren, statt des­sen ein Grund­ein­kom­men als Lebens­er­hal­tungs­ba­sis. Vivá Büro­kra­tie­ab­bau, Tod der Recht­fer­ti­gungs­zet­te­lei und dem Schlupf­loch­ge­bud­del des Steu­er­staats! Die Crux ist, daß das vor­ge­schla­ge­ne Sys­tem (anders als bei­spiels­wei­se das alt­haus­sche „soli­da­ri­sche Bür­ger­geld”) von einem Volk und Men­schen­bild aus­geht, daß größ­ten­teils aus schö­nen, wah­ren, guten oder jeden­falls flei­ßi­gen und krea­ti­ven Teil­ha­bern besteht. Anders wären die staat­li­cher­seits ver­ur­sach­ten Kos­ten von 1.355.222.400.000 Euro (sprich: knapp andert­halb Bil­lio­nen) jähr­lich auch kaum zu recht­fer­ti­gen. Gut – nun reicht ein Blick auf die reich­lich vor­han­de­nen Hartz-IV-Dynas­tien, die jeder in der Nach­bar­schaft hat: wahr, schön, gut, flei­ßig und krea­tiv – und vor allem ver­edel­bar durch ein bedin­gungs­lo­ses Grundeinkommen?

War­um also sol­che Kon­zep­te eines „garan­tis­ti­schen Wohl­fahrts­staa­tes” (Grund­ein­kom­men-Befür­wor­ter Micha­el Opiel­ka) zum Schei­tern ver­ur­teilt sind, habe ich mal auf­grund einer hand­fes­ten Pri­vat­rech­nung zu ver­deut­li­chen ver­sucht. Mit dem von Wiest anvi­sier­ten Grund­ein­kom­men von 1000 Euro/Kind und 1500/Erwachsener käme unse­re Fami­lie nichts­tu­end auf 9000 Euro pro Monat. Als Teil­zeit-Selbst­ver­sor­ger, zugleich gewohn­heits­mä­ßig so spar- wie arbeit­sa­me Zeit­ge­nos­sen wäre uns das bedin­gungs­lo­se Zubrot zwei­fel­los genehm! Frau von der Ley­en könn­te sich ihr eman­zi­pa­to­ri­sches Eltern­geld an den nicht­vor­han­de­nen Hut ste­cken. Das alte und damals – in den Fünf­zi­ger Jah­ren – zu unrecht ange­wand­te Schmäh­wort der „Kar­ni­ckel­prä­mie” fän­de hier sei­ne Recht­fer­ti­gung. Aber gut: Nun, nach anschei­nend erfolg­rei­cher Unter­schrif­ten­samm­lung, dür­fen die regen Initia­to­ren ihr all­zu­mensch­li­ches Anlie­gen per­sön­lich dem Bun­des­tag vor­tra­gen. Soll sein!

 

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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