Xenophobie als Gesundheitsprophylaxe

Eine Zeitschriftenredaktion wie die der Schweizer Weltwoche wird man hierzulande vergebens suchen. Was Felix Menzel gestern über die (Un-)Möglichkeit einer Verquickung ...

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

von „rech­tem“ Den­ken und Pop schrieb – in die­sem Maga­zin wird sicht­bar, daß es funk­tio­nie­ren kann. Das nur am Rande.

Die Welt­wo­che ist wirt­schafts­li­be­ral und dabei ziem­lich rechts, sowohl die SVP im all­ge­mei­nen als auch die Anti-Mina­rett-Initia­ti­ve wur­den offen­siv unter­stützt. Die Auf­la­ge liegt bei traum­haf­ten 83.000 Exem­pla­ren – also bei­nah mehr, als es Schwei­zer gibt …

Der sechs­sei­ti­ge Haupt­ar­ti­kel der aktu­el­len Aus­ga­be sucht aus der War­te neu­er aka­de­mi­scher Erkennt­nis­se zu begrün­den, war­um „Skep­sis gegen­über Aus­län­dern und Unbe­kann­ten ver­nünf­tig“ sei. An die vor­ders­te Argu­men­ta­ti­ons­front wird Mark Schal­ler geschickt, der in Kana­da Psy­cho­lo­gie lehrt. Das Fazit sei­ner natur­wis­sen­schaft­lich unter­füt­ter­ten Xeno­pho­bie­for­schung: Frem­den­furcht nut­ze unse­rem Immun­sys­tem, und „Feind­auf­klä­rung“ sei ein Teil unse­rer intui­ti­ven Gefah­ren­ab­wehr. Welt­wo­che-Autor Kai Michel führt gründ­lich aus, wie Schal­ler und sei­ne wis­sen­schaft­li­chen Sekun­dan­ten den Ter­mi­nus eines „ver­hal­tens­ba­sier­ten Immun­sys­tems“ begrün­den. Ver­stärk­te Distanz bzw. ein „Urmiß­trau­en“ gegen­über Frem­den wäre dem­nach nicht als „Cha­rak­ter­feh­ler“ zu wer­ten, son­dern als höhe­re Ver­nunft. Jeden­falls, so Michel

„berei­tet sich ein Para­dig­men­wech­sel vor. Die Beweis­la­ge, daß wir es in Sachen Frem­den­angst mit einer anthro­po­lo­gi­schen Kon­stan­te zu tun haben, wird erdrückend.“

Gemut­maßt wird auch, ob die „gefühl­te“ Bedro­hung durch die Schwei­ne­grip­pe und Anti-Mina­rett-Votum even­tu­ell in einem enge­ren Zusam­men­hang stan­den. Erforscht sei immer­hin an Schwan­ge­ren sowie an Men­schen mit ver­stärk­ter Angst vor Krank­hei­ten, daß die­se Grup­pen extrem „star­ke Affek­te gegen Aus­län­der aus für sie unver­trau­ten Kul­tu­ren“ aufwiesen.

Wer´s aus­führ­lich nach­le­sen will, muß heu­te noch zuschla­gen – mor­gen soll­te nur mehr die nächs­te Aus­ga­be der Welt­wo­che erhält­lich sein. Lei­der macht sich die (1933 gegrün­de­te) Zeit­schrift an deut­schen Kios­ken ziem­lich rar (übri­gens gilt der Welt­wo­che auch der ver­stärk­te Zulauf von Deut­schen in ihr Länd­chen als “Ver­aus­län­de­rung” …); in Frank­furt etwa oder gar hier in Mit­tel­deutsch­land hab ich nie ein Exem­plar gefunden.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Verein für Staatspolitik e.V.
DE86 5185 0079 0027 1669 62
HELADEF1FRI

Kommentare (0)

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.