Sezession
15. Januar 2010

Der Burschenschafter Arne Schimmer

Götz Kubitschek / 60 Kommentare

In der jüngsten Ausgabe der Burschenschaftlichen Blätter findet sich ein Interview mit Arne Schimmer, seines Zeichens Angehöriger einer verehrlichen Burschenschaft Dresdensia-Rugia (als Mensch) sowie des Sächsischen Landtags (als NPD-Abgeordneter).

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Nach der Lektüre steht fest: Die beiden Interviewer F. Roland A. Richter sowie Jörg Haverkamp II schaffen es nicht, die Partei ihres Verbandsbruders Arne Schimmer des offenen oder latenten Nationalsozialismus zu überführen (obwohl sie sich das vorgenommen hatten) oder ihn davon zu überzeugen, daß er mit seiner politischen Verortung keinen Platz mehr in der Deutschen Burschenschaft haben könne (obwohl sie auch dieses Minimalziel ansteuerten).

FRARichter und HaverkampZwo werden dem Leser ja als diejenigen präsentiert, die das Gespräch wagen. Mit wem eigentlich? Mit einem Kinderficker, dem Kannibalen von Wüstefeld oder dem Betreiber eines Privat-KZ? Oder ist es doch bloß ein NPD-Abgeordneter?

Dessen Zugehörigkeit zu einem Männer-Lebens-Bund scheint den Interviewern sehr weh zu tun. Dabei wohnt doch dem, was Schimmer treibt, noch der Zauber der Unschuld inne: Noch hat seine Partei nicht ganz die interne Oligarchisierung ereilt, die jeder Partei unausweichlich bevorsteht. Und noch trägt seine Partei keine Verantwortung für die praktische Politik, deren Bilanz nach dem Links-Links-Links-Mitte-Mitte-Ping-Pong der letzten Jahrzehnte doch wirklich vom feinsten ist: 2 Billionen Staatsschulden, Überfremdung, Aushöhlung der Institutionen, Apparatswucherungen und eine spürbare Unfähigkeit, die Masse hinter einer Zukunftsidee zu versammeln, um bloß ein paar zu nennen. Man könnte sich also kasperltheaternd doch innerburschenschaftlich einmal die CDU-FDP-SPD-Funktionäre zur Brust nehmen und fragen, wann sie das Panier ergreifen und der geschundenen Nation zu Hilfe eilen wollen ...

Aber bitte: Es geht auch eine Nummer kleiner, wenn wir einfach einmal die demokratische Grundprämisse der Wahrheitsfindung durch Dialog ernstnehmen. Richter, Haverkamp und Schimmer lösen also mit ihrem Gespräch das ein, was der inzwischen verstorbene Historiker Reinhard Koselleck 2005 in einem vor Tagen erst in der FAZ publizierten Interview sagte. Was er sagt, ist nicht neu. Aber es ist schön, daß er es sagt:

Ich hab natürlich schon die Vorstellung, daß kluge, nüchterne Aufsätze oder Beiträge in der politischen Debatte Wirkung haben können. Aber die Hoffnung, daß man durch nüchterne Art der Diskussion einen Stil herbeiführt, der offene Probleme anzusprechen erlaubt und keine politische Korrektheit züchtet, die ja nichts anderes als Feigheit ist, diese Hoffnung ist eine Chance, die man wahrnehmen kann bei jeder Gelegenheit: daß man offen und frei auch delikate und scheinbar unansprechbare Dinge diskutabel macht, machen muß, rückhaltlos.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (60)

Ureinwohner
15. Januar 2010 18:47

Immerhin "wagten" diese das Gespräch mit einem modernen Aussätzigen, was Schimmer auch ganz richtig am Ende des Interviews honorierte.
Aber wer jene Interviewmethoden schon für groben Unfug hällt, sollte sich einmal folgende Erklärung zu Gemüte führen: https://www.hallenser-wingolf.de/index.php/Blog:Lesen/Leipziger%20Erkl%E4rung%20-%20Wir%20sind%20dabei!

Regor
15. Januar 2010 18:49

Das Interview ist sehr gelungen und auf hohem Niveau. Schimmer antwortet souverän und geistreich, die Gesprächspartner sind exzellent vorbereitet, auch wenn die Fragen etwas "angestrengt kritisch" wirken (nur mein persönlicher Eindruck), und: keiner Seite mangelt es an Respekt und Höflichkeit. Schön wäre es, wenn sich liberale und nationalkonservative Burschenschafter von dieser fairen Streitkultur noch mehr beeinflussen lassen würden - das würde der DB insgesamt gut tuen und mehr noch: es würde den Anspruch der DB einlösen, ein politischer Verband zu sein, in dem eine rege politische Diskurskultur herrscht und Meinungsfreiheit gelebt wird, auch wenn es "an Schmerzgrenzen geht". Aber darum geht es! Dem politisch Nahestehenden Meinungsfreiheit und Achtung zu gewähren, ist keine Herkulesarbeit, sie dem als Gegner betrachteten einzuräumen, kann hingegen "weh" tuen und "politischen Druck" herausfordern. Diesem muss man standhalten. Zum Zweiten: Das Interview zeigt, dass es "die" NPD nicht gibt und dass man auch in ihr Strömungen antreffen kann, die national-konservativ und schwarzrotgolden sind. Beileibe keine Minderheit und vernachlässigenswerte Größe! Sogar der im Interview erwähnte Torsten Heise, sicher kein nationaldemokratischer Klosterschüler, hat auf "Altermedia" eingeräumt dass es diese zwei Flügel gibt und dass sie selbstverständlich zur Partei gehören - auch wenn er den von der Sachsen-NPD eingeschlagenen "Sächsischen Weg" ablehnt. Wir sollten uns also nicht immer von den abgenutzten und schon fast grotesken Tagesschau- und Infotainment-Einblendungen (Bild von 16-Loch Docmartens mit weißen Schnürsenkeln, Glatzen und Baseballschläger) täuschen lassen. Es ist interessant, den Weg zu verfolgen, den Teile der NPD eingeschlagen haben. Immerhin, und das hat sie anderen Rechtsparteien wie PRO vorraus, hat sie in Sachsen zwei Dinge geschafft: den Wiedereinzug und die Erarbeitung einer Stammwählerschaft. Dass sie nicht in Konkurrenz zu H. Nitzsche steht und bewußt auf eine Kandidatur in seinem Wahlkreis verzichtet hat, darf als weiterer Fingerzeig aufgefasst werden, "politikfähig" ist das zutreffende Schlagwort.

Sebastian
15. Januar 2010 19:45

In Bezugnahme auf "Regor":

In der Tat, diese innerparteiliche Heterogenität besteht noch (sage ich als überzeugter Parteiloser), droht aber zu kippen. Udo Voigt versucht zwar noch etwas verzweifelt, die innere Einheit von Flügeln, Splittergruppen und Randständigen zu beschwören (Stichwort: "Deutscher Weg"); wird aber von bereits "durcholigarchisierten" Kreisen (absolut richtig beobachtet, GK! Systemisches denken führt nicht automatisch zum "sektiererischen Narrensaum") torpediert, wo es nur geht. Siehe Holger Apfel mit seinem "sächsischen Weg". Letztere werden auf lange Sicht unweigerlich die Oberhand gewinnen. Das bundesrepublikanische Parteiensystem ist so gestrickt, dass es solche Leute nach oben spült.

Ich empfehle uns "wahren, guten und schönen", nicht nur die ebenso schicken (weil schwarz-weiß fotografierten) Theoretiker der 20er wie Niekisch anzusehen, sondern auch diejenigen, die sein Denken heute aktualisieren, was in dieser dürftigen Zeit natürlich weniger sexy ist.
Wie wäre es z.B. mit einem "Autorenportrait Jürgen Schwab"? Oder zumindest mit einem intensiven Interview...

Rüting
15. Januar 2010 20:27

Der demonstrativ kritische Umgang mit Schimmer entspringt möglicherweise nicht nur der der inneren Überzeugung der Herren Richter und Haverkamp, sondern möglicherweise auch, dies ist natürlich reine Spekulation, der Notwendigkeit, als DB "Schaufensterreden" halten zu müssen, die nach außen hin den "tatkräftigen Einsatz für eine demokratische und soziale Rechtsordnung" belegen können. Ein NPD'ler (und somit Vertreter des absolut Bösen in unserer BRD) als "Sparringspartner" macht sich da natürlich ausgesprochen gut. Steht doch auch die DB für ihr Tun unter einem ständigen Rechtfertigungsdruck der veröffentlichten Meinung, nicht erst, seitdem das "konservative" Unionsland Bayern einige Aktivitates unter VS-Beobachtung nahm und einem Danuben der Zugang zum öffentlichen Dienst versagt wurde. Gesellschaftlichen Zwängen können sich offenbar auch Burschenschafter nicht entziehen, zumindest diejenigen nicht, die noch eine bürgerliche Karriere in diesem Staat anstreben. Inwieweit die Herren Havekamp und Richter selber noch den burschenschaftlichen Idealen entsprechen, sei einmal dahingestellt.

Nils Wegner
15. Januar 2010 21:01

@ Sebastian: Ist es nicht überall so, dass Ideen und Kurse, die sich bewähren, sich auch gegen Altes und Überholtes durchsetzen? Wieso also dem "bundesrepublikanischen Parteiensystem" die Schuld daran geben, wenn Herr Voigt mit seinem Kameradschaftsgekuschel allmählich gegenüber Herrn Apfel mit seinem (zumindest für mich Außenstehenden) scheinbar durchintellektualisierten "Sächsischen Weg" an Land verlieren sollte?

Faustus
15. Januar 2010 22:50

Die NPD ist - aufgrund des größtenteils unmöglichen Mitgliederbestandes und ihrer Inhalte - nicht wählbar. Schade, daß gerade die JF keine klare Grenze zu ziehen vermag.

Regor
16. Januar 2010 09:47

@ Sebastian War das jetzt ein Plädoyer für Voigt? Natürlich gibt es in der NPD nocht nicht die parteitypische Oligarchisierung, SPD (das Küchenkabinett Nahles, Gabriel, das sich erst hochputschte und nun auf Basisdemokratie macht, ist ein Beispiel; CDU: jeder, der die Partei kennt weiß, das zwischen den Ortsvereinen/Basis und der zurechtgemerkelten Führung (Pofalla, Kauder, Bosbach und die anderen Merkel-Cheerleader) Welten klaffen, so ist die Basis weit "rechter" als die Führung. Leider hängen viele CDUler an den Traditionszipfeln ihrer Partei, sind persönlich verwoben, haben durch das Parteibuch Karrierevorteile gehabt und sind zudem noch gutbürgerlich-feige. Deshalb entlädt sich diese Spannung nicht vollständig, es kommt nur zu Eruptionen, siehe der offene Brief in der FAS (u.a. Mike Mohring). Diese werden dann in Berlin weggelächelt und durch Verbalpflaster versorgt, hinter den Türen wird dann über diese "alten Deppen" und ihrem jungen störrischen Anhang gelacht. Das wars dann. Dass eine Partei jedoch politisch "erfolgreich" sein kann, ohne eine solche starke Oligarchisierung zeigen die Grünen, die als 5-9% Partei die Republik nachhaltig nach ihren Wünschen verändert haben: Austausch des Volkes, Masseneinwanderung etc. Warum sollte nicht auch der NPD dies gelingen? Halbwegs lebendig und authentisch bleiben (man vergleiche nur die Realo-Fundi-Problematik und die Diskrepanz der Grünen in BW und Berlin), sich eine Stammwählerschaft erarbeiten, auf die etablierten Parteien (analog dazu: CDU) Druck ausüben, sie sanft nach rechts verschieben...? Am Beispiel der LINKEN lässt sich doch ablesen, dass so etwas möglich ist. Sie hat mit deutlich unter 10% es geschafft, der SPD Beine zu machen, nun ist der linke Flügel dort am Ruder, Steinmeier nur noch eine Handpuppe. Hierin sehe ich die Perspektive für die NPD. Ob Apfel tatsächlich die Partei zu Gunsten seines Flügels "säubern" will, dass sei mal dahingestellt. Die Sachsen-NPD hat nur erkannt, wie man vorgehen muss, um langfristig und nachhaltig parteipolitisch erfolgreich zu sein. Soll das im Westen auch gelingen, geht es nur so und nicht mit dem Kameradschaftszirkus und der NS-Schiene.

Regor
16. Januar 2010 12:01

@Faustus Am Mitgliederbestand läßt sich etwas ändern, indem man eintritt z.B. Der "unmögliche Mitgliederbestand" ist doch in vielen Fällen auch vorgeschoben. Man traut es sich nicht zu sagen: Ich kann nicht eintreten, weil ich mir nicht leisten kann (Familie) und leisten will (man hat sich etwas im bürgerlichen Leben erarbeitet, das soll nicht für die Katz sein) zur "sozialen Leiche" gemacht zu werden. Völlig verständlich. Nochmal zum Mitgliederbestand: Es gibt eben solche und solche NPD-Mitglieder. Schimmer, Franz, Gansel, Schäfer sind für mich nicht per se indiskutabel, solange die bräsige Linke keine "eindeutige Trennungslinie" gegenüber "ihren" Linksextremisten zieht. Man schaue sich die Kumpanei doch bei den Autoabfacklern an: mit dabei ein Sohn eine Linksparteiabgeordneten (Berlin), die TAZ aus Berlin hofiert einen der Täter gibt ihm bereitwillig ein Forum ("Wir können nicht immer den Halter ermitteln, das ist Quatsch") usw. usf.

Ch. Birghan
16. Januar 2010 12:53

Warum diese dumme Polemik, Herr Kubitschek?

Natürlich gibt es in einem Verband wie der DB unterschiedlichste politische Grundhaltungen, die mal näher mal ferner dem politischen Mainstream sind. Jedoch kenne ich keine Organisation ähnlicher Art wo so offen und in gegenseitiger Achtung lagerübergreifend miteinander diskutiert wird. Eine Diskussionsfähigkeit, die ich gerade im sog. "rechten" Spektrum vermisse. Man siehe nur ihre kindlichen Auseinandersetzungen mit Herrn Stein.

Sicher sind Teile ihrer Kritik nicht unberechtigt, jedoch wundert mich dabei der polemische Ton, der eine innere Ablehnung vermuten lässt, die so gar nicht zu ihrem häufigen Auftreten bei Verbindungen unter bereitwilliger Nutzungen der dort zur Verfügung gestellten Infrastruktur passt. Aber Opportunisten sind natürlich immer nur die anderen.

Antwort Kubitschek:
Ich denke, Sie verstehen mich im Kern schon richtig. Herr Birghan. Sie ahnen wie ich, welch ungeheure Power in einem akademischen Verband stecken könnte, wenn er seine über 10 000 Akademiker ein wenig formieren würde, das heißt: in Stellung bringen, mobilisieren für eine Gründungsidee - die Möglichkeit zum freien Wort. Es ging vor 200 Jahren um die Nation, und es geht heute um die Nation. Wir wissen, was wir an den von Ihnen angesprochenen Orten in Berlin, München, Linz, Marburg, Mainz haben. Aber das sind Leuchttürme, und wir haben schon oft und heftig an Türen geklopft, die sich nicht öffneten.

Sebastian
16. Januar 2010 13:00

@Nils
Ist es nicht überall so, dass Ideen und Kurse, die sich bewähren, sich auch gegen Altes und Überholtes durchsetzen?

Ist mir so zu diffus und in der Sache, denke ich, auch nicht richtig. Wenn die zersetzenden Gegenkräfte zu stark sind (man möge mir diese etwas verschwörerische Begrifflichkeit nachsehen, aber so lässt es sich am kürzesten umschreiben), setzt sich eben gar nichts qua "Naturgesetz" durch, wie Deine Formulierung andeutet.

Voigt kuschelt nicht nur mit den Kameradschaften, sondern mit so ziemlich allem und jedem innerhalb des "Spektrums", um den Erosionen durch VS-Skandale, Kontenkündigung, Rundumüberwachung und allg. Schikane entgegenzuwirken. Voigt ist im Grunde ein verbitterter und verzweifelter Typ, der ständig zwischen seinem verblieben Rest an Idealismus und parteipolitischen "Sachzwängen" vermitteln muss und daran kaputtgeht.

Was hat der "sächsische Weg" mit Intellektualismus zu tun? Das sind doch Scheingegensätze: Auf der einen das "linke", pöbelhafte Anbandeln mit dem "braunen Mob", auf der anderen das prätentiöse Abgegrenze, nicht um der Sache willen, sondern zur Durchsetzung persönlicher Interessen. Um Holger Apfel, Peter Marx und andere hat sich eine Clique gebildet, die (wie schon DVU und REPs in der Vergangenheit) versucht, Profilneurosen, Geltungszwänge und Machtgeilheit mit zur Schau gestellter "Politikfähigkeit" zu verwirklichen/ sich ausleben zu lassen und dafür guten Gewissens jedweden Idealismus über Bord zu werfen. Das ist übrigens eine der wichtigsten Triebfedern der Parteienoligarchie.

@Regor
Das sind keine Plädoyers für irgendwen, sondern nur Psychogramme und Versuche, systemisch zu Denken und nicht in m.E. unangemessenen Dezisionismus und Voluntarismus zu verfallen.

Die Entscheidungsträger der Grünen sind nicht durcholigarchisiert? Weniger als die der SPD oder CDU? Das ist mir neu.
Der Erfolg der Grünen liegt im hintergründigen Grundkonsens mit SPD, Linken, Teilen der Union und... ja, mit wem eigentlich nicht? Und was die politischen Alleinstellungsmerkmale der Grünen angeht (die im Übrigen bekanntermaßen konservativ sind): Hast Du das Gefühl in einem Staat zu leben, in dem wohlverstandene Ökologie und Nachhaltigkeit normbestimmende Prinzipien sind?

Mit Prozenten ist in diesem System nichts zu holen. Und eine NPD mit 51% im Bundestag wäre notwendigerweise keine Partei mehr, die man wählen könnte (unbeschadet der Tatsache, dass man sie - wie gesagt - u.U. jetzt schon nicht wählen kann).

M.L.
16. Januar 2010 13:35

Sei noch kurz der offensichtliche Spiritus rector hinter Schimmers Ausführungen hervorgehoben: Hans-Dietrich Sander.

Merus
16. Januar 2010 14:43

Lange nicht ein so geistreiches Gespräch gelesen! Toll!

Oskar
16. Januar 2010 14:50

Kann der Polemik von Götz nur zustimmen. Das Interview mit Schimmer entspringt offensichtlich nicht aus einem ernsthaften Interesse heraus an dessen Person, seiner Gedanken und Sichtweisen. Das Interview, in der Form wie es stattfindet, befriedigt die bekannten Profilneurosen der Herren Franz-Roland-Adolf-Richter und Junker Jörg Haverkamp dem Zweiten. Schimmer soll als Schmuddelkind herhalten, anhand dessen die werten Herren ihre scheinbar liberale Toleranz zur Schau stellen wollen. Schimmer kann den Part, den man ihm zugedenkt gar nicht spielen. Allein deshalb wird noch ein durchaus lesenswertes Interview draus.

Franz-Roland-Adolf-Richter und Junker Jörg Haverkamp der Zweite: Bei den Fragestellungen solltet ihr euch schon an Leute wie Bordin oder Steiner wenden. Sicher, keine Mitglieder in der Burschenschaft, aber es liesen sich sicher solche Schmuddelkinder finden, wenn man denn wirklich welche hätte finden und präsentieren wollen. Man, hier könntet ihr eure wahrhaft liberale Ader demonstrieren und preisen lassen!

derherold
16. Januar 2010 15:14

Die Burschenschaften sind "fertig" - folglich kann man von ihnen auch nicht erwarten, daß sie "irgendeinen" Mut zeigen werden ... da wird es nur hinter verschlossenen Türe und "ganz entrez-nous" so etwas wie klare Aussagen geben.

Das war aber im wesentlichen schon vor 20 Jahren so. Darf man mehr erwarten ?

Ich weiß zwar nicht, ob die "sächsischer Weg"-Diskussion nicht ein wenig thematisch deplaziert ist und ich bin ja auch nur stiller Beobachter aber ich würde empfehlen, den einen oder anderen "alten Hasen" zu befragen: staats- und obrigkeitstreu, bieder, bürgerlich war die NPD schon als Mußgnug-Partei. ;-)

Faustus
16. Januar 2010 15:21

Es ist unglaublich, da befinden wir uns in Deutschland, einem hochentwickelten Land, in dem jeder von uns eine Partei gründen könnte - aber das schafft ,,die" Rechte ja nicht, denn sie ist so zerstritten! .. Und da kommt nun die ultima ratio in Form des Sammelbeckens namens NPD, Saugschwamm für die Opfer des Wertevakuums im Osten, Profiteur der weggebrochenen Jugendarbeit nach der Wende, Option für den primitiven Opa, der den ,,Adi" gar nicht so schlimmt fand.. Und ja, das soll jetzt also unsere Hoffnung sein, die Hoffnung von uns Rechten, die wir seit Jahr und Tag über die Rettung unseres Landes Träumen?

Über den Haufen mit Bürgertum, Christlichkeit, Kultur, der Zweck (welcher eigentlich in diesem Falle?) heiligt die Mittel.

traurig ist dies anzusehn
ich möcht mich schämen gehn

Nihil
16. Januar 2010 15:23

Schimmer schlägt sich wirklich herausragend gut in diesem Gespräch. Meiner Auffassung nach ist allerdings ein Engagement im Verbindungsmilieu Zeitverschwendung (entweder man lebt noch im 19. Jahrhundert oder man ist im Zeitgeist aufgegangen; eine sehr kleine Gruppe fühlt sich dem NS zugehörig). Ob die NPD "reformierbar" ist halt ich für äußerst fraglich - Arne Schimmer und andere leisten sicher gute Arbeit, aber letztlich überwiegt in den Parteistrukturen (bis hin zum jetzigen Vorsitzenden) ein Politikertypus der uns nicht weiterhilft. Ich wünsche Arne Schimmer trotzdem viel Erfolg ...

Sebastian
16. Januar 2010 16:25

@ M.L.

Jein. Auf einer Sandertagung im Rhinland vor einigen Monaten hat sich Schimmer von Sanders ausführungen - natürlich! - beeindruckt gezeigt, gleichzeitig lies er im persönlichen Gespräch aber auch anklingen, dass ihn der Rückgriff auf ghibellinisches Staatsverständnis nicht sonderlich überzeugt. Und dass das HRRDN mit den Idealen von 1848 (wenn diese Bewegung auch bei weitem nicht so homogen war, wie es heute dargestellt wird) auf Kriegsfuß gestanden hätte, sollte auch klar sein.

M.L.
16. Januar 2010 17:51

@Sebastian

Was allerdings die Ausführungen zum NS und dessen Verfehlung des Staatsgedankens betrifft, so liegt er ganz auf der Sander-Linie. Ansonsten ist Schimmer klarer Republikaner.

Pat Bateman
16. Januar 2010 18:59

@Faustus

1. Wer behauptet den ernsthaft, die NPD wäre so etwas wie eine Hoffnung?

2. Ist es nicht genau dieses feige "Bürgertum" dem wir die heutige Situation verdanken? Ist nicht genau sie der Totengräber dieser Nation?

Rudolf
16. Januar 2010 19:54

Nun, ja Burschenschafter sind auch nur Menschen und dafür gehen sie im heutigen "Anti-Rechts-Klima" noch anständig mit ihrem Paria-Bundesbruder um.

Lars
16. Januar 2010 19:58

Das die Burschenschaften nicht fertig sind, beweisen doch gerade Personen wir Schimmer und viele Andere. Was für ein Blödsinn und zeugt von wahren Kennern der Burschenschaften. So wie es nicht DIE NPD gibt, gibt es auch nicht DIE Burschenschaft. Auch hier findet sich ein Querschnitt der Gesellschaft. Das viele Burschenschaften ihre Möglichkeiten und vor allem die Erziehung ihrer Mitglieder viel ernster nehmen müssen, ist sicherlich klar, aber hier hat sich einiges zum Positiven in den letzten Jahren getan.

Reichsvogt
17. Januar 2010 01:25

Ist die NPD irgendwie wichtig? Sie erweist der nationalen Sache allenfalls einen Bärendienst.

waldemar
17. Januar 2010 08:51

Ich habe das Schimmer-Interview ganz anders gelesen. Die Fragenden hatten nie eine Chance, Schimmer in die besagte Ecke zu drängen, dafür waren die Fragen - mit Verlaub - viel zu dümmlich, zu pc-haltig.
Ich sehe das vielmehr so, daß die BBl. die Sache so arrangiert hat, daß Schimmer als Sieger herausgehen mußte. Dazu gehört nicht viel; es genügt dazu - ein gewisses geistiges Niveau beim Interviewten vorausgesetzt - nur eine normale Portion Höflichkeit und Fairness.

Toni München
17. Januar 2010 12:10

Furchtbar traurig in diesem Zusammenhang, und „das wird auch nicht relativiert“, sondern „mit aller Entschiedenheit“ kommentiert, ist die sogenannte „Leipziger Erklärung“, mitgetragen und publiziert vom „Hallenser Wingolf“, vom 9. November 2009, worauf der „Ureinwohner“ mit seinem Kommentar (siehe dort den Link) interessanter Weise hingewiesen hat.

Ich habe mir die Internet-Verlautbarung auf der Webseite dieser Studentenverbindung durchgelesen und bin erschüttert über soviel deutsche Erbärmlichkeit und „geschichtsbewusste“ Unterwerfungsbereitschaft.

Angesichts der bedrohlichen Zwiespältigkeit, wie sie in uns Menschen als Potential zum Guten oder eben auch zum Bösen stets und in allen Völkern vorhanden ist, mag man ein offiziöses, akademisches Auftreten in solcher moralischer Aufgeblasenheit und Einseitigkeit nicht für möglich halten.

Schrecklich beschränkt und lächerlich auftrumpfend nach innen und nach außen werden hier die „klaren Grenzen“ (sic!) der erlaubten Gesinnung den eigenen Mitgliedern „kompromisslos“ anbefohlen und vor der Öffentlichkeit großkotzig propagiert.

In dieser ach so deutschen Erklärung erhebt sich der Geist der bedingungslosen Kapitulation zum herrischen Machtanspruch.

– Unerträglich intolerante Distanzierungswichser!, kann ich da nur „aufs Schärfste“ antworten. Wer aber hat überhaupt diese (Gesinnungs-)Vorlage geliefert? Auf so etwas kommt doch freiwillig keine körperlich und seelisch halbwegs gesunde Aktivitas. O alte Burschenherrlichkeit, wohin bist du entschwunden ..?

Arne Schimmer
17. Januar 2010 14:23

@ M.L.

Zustimmung; dem aufmerksamen Leser wird nicht entgehen, daß meine Antworten ziemlich sanderistisch ausfallen. Und, bei dieser Gelegenheit: Beste Grüße nach Berlin!

@ Sebastian

Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, daß ich mich damals allzu sehr über das ghibelliniische Staatsverständnis mokiert habe. Dazu schätze ich den "größten Friedrich" einfach zu sehr - weil er während seiner Regentschaft den Dualismus Kaiser - Papst klar für sich entschied, wegen seiner Immunität gegen alle religiösen Fanatismen, wegen seiner desinvolture, mit der er mehrere Exkommunikationen und das Pfaffengeschwätz, er sei ein Wiedergänger des Satans, über sich ergehen ließ, wegen seiner Gabe zur präzisen Naturbeobachtung, wegen seiner geschickten, konsequenten und oft auch robusten Art, sich seiner politischen Gegner zu entledigen, die 250 Jahre vor Machiavelli ein tiefes Verständnis des Wesens der Politik offenbarte, und, und, und. Seine vielleicht genialste Schöpfung war die Bändigung des sizilischen Chaos zum Staat - und dies einige Jahrhunderte vor Beginn der frühen Neuzeit; nicht umsonst zählt ihn Nietzsche neben Leonardo und Cäsar zu den "Rätselmenschen" der letzten Jahrtausende. Sein Staat war freilich eine für damalige Verhältnisse unglaublich perfekt arbeitende Verwaltung, über der ein Monarch mit absolutistischer Verfügungsgewalt thronte. Ich stelle es mir schwierig bis unmöglich vor, einen solchen Staatsaufbau - also ohne Gewaltenteilung und ohne Volkssouveränität - im 21. Jahrhundert zu wiederholen, dies mag damals der skeptische Teil meiner Betrachtung gewesen sein.

Ich kann mich zwar noch gut an Dich erinnern - Du warst doch der Evola-Leser, der zusammen mit Martin kam - aber komischerweise nicht mehr daran, daß wir uns über das ghibellinische Staatsverständnis unterhalten haben. Sei`s drum, vielleicht hast Du das besser im Gedächtnis.

Nils Wegner
17. Januar 2010 15:34

@ Toni München:
In der Tat, die sogenannte "Leipziger Erklärung" ist eine Schande, eine unerträgliche Buckelei.

Aber gerade dieses Verhalten ist - so bitter es ist, das sagen zu müssen - der Korporations"szene" nun einmal ganz und gar nicht fremd, eher sogar der Regelfall. Und eben darum hat Kubitschek (in seiner Antwort auf den Kommentar von Ch. B. noch einmal zugespitzt) Recht: So unbedeutend der Anteil korporierter Studenten, auf die Gesamtheit aufgerechnet, heute auch sein mag - er birgt beträchtliches Potential. Beziehungsweise würde es bergen, wenn es eine gemeinsame Stoßrichtung gäbe. Dem ist aber nicht so, man zerfleischt sich lieber untereinander.

Auf die Burschenschaften wird hier nur besonders abgehoben, da sie der einzige Verbindungstypus sind, der qua Selbstdefinition politisch ist.

Martin
17. Januar 2010 20:01

Wenn man bedenkt, dass Burschenschaften seit Jahrzehnten existieren und dass das Wort "Vaterland" dort angeblich hoch geschrieben wird und Verbindungsstudenten zu allen Generationen zumindest einen kleinen Teil des akademischen Führungspersonals unserer Republik gestellt haben, ist das Ergebnis des Wirkens dieser aus Verbindung stammenden Herren aus patriotischer Sicht - und damit fürs Vaterland - sehr höflich ausgedrückt, doch nur als äußerst "bescheiden" zu titulieren. Die Linke kann jedenfalls äußerst beruhigt sein, wenn es um Verbindungen geht ...

Leute, die Verbindungen (Burschenschaften, Corps) wohl nur als Trittbrett für was auch immer verstehen oder den "Bund fürs Leben" als Wettbewerbsvorteil gegenüber unorganisierten Kommilitonen sehen, haben kein Recht, jemanden, der dezidierte Meinungen hat, die das Wort "Vaterland" nicht als hohle Hülse erscheinen lassen und in einer demokratischen Wahl in ein politsches Amt gelangt ist, in Bezug auf sein Parteibuch zu kritisieren - wenns denen nicht passt, dann können sie ja zum zitierten Hallenser Wingolf und Konsorten gehen ... Burschenschaft ist ja nicht gleich Burschenschaft ...

Sebastian
17. Januar 2010 20:22

@ Arne

Wirklich seltsam... vielleicht fiel das Wort ghibellinisch nicht, ich benutze es weitgehend gleichbedeutend mit "traditional" und noch einigen anderen Termini aus diesem Bereich. Können wir ja bei der nächsten Gelegenheit besprechen - in dem Rahmen war ein vertiefendes Gespräch ohnehin nicht möglich.

Die H&J hat ja (u.a. durch dein Sander-Interview) in der Vergangenheit schon einiges dazu beigetragen, traditionales Staatsverständnis in den nationalen Diskurs zu tragen. Das könnte man doch vertiefen, zumal die Staatsbriefe offline und für die meisten nicht leicht zu beschaffen sind.

Regor
17. Januar 2010 21:45

@Sebastian
>>Mit Prozenten ist in diesem System nichts zu holen. Und eine NPD mit 51% im Bundestag wäre notwendigerweise keine Partei mehr, die man wählen könnte (unbeschadet der Tatsache, dass man sie – wie gesagt – u.U. jetzt schon nicht wählen kann).<<
Ich höre das eigentlich sehr oft: man kann niemanden wählen, das System ist durch Parteien nicht zu verändern, die NPD ist von den Diensten gesteuert, man sollte lieber viel Kinder machen statt Parteiarbeit oder wählen gehen, die NPD hat zuviele Glatzen, Neurotiker usw.
Ich denke, aber dass bei realistischer Zielsetzung und Augenmaß was Nahziele angeht, der Weg eine Partei zu unterstützen, nicht der schlechteste ist. Rechte legen sehr oft einen idealen Maßstab an das Parteileben an, ziehen sich an den sicher vorhandenen Mängeln hoch. Dennoch halte ich den parlamentarischen Weg trotz des langen Atems, den man haben muß, für langfristig zweckmäßig. Natürlich kann durch die Mauer der Etablierten die NPD in den Landtagen von MV und Sachsen direkt nichts erreichen. Man darf aber nicht verkennen, dass sie indirekt wirken kann. Der Appell der CDU-"Rebellen" für mehr "Konservatismus" kommt nicht ungefähr aus Thüringen und Sachsen-Anhalt, zudem erinnere ich an die Republikaner, ohne deren Wahlerfolge es die Verschärfung des Asylparagraphen nicht gegeben hätte. Das sich dieser Druck nicht verstetigt hat, liegt auch am inneren Zerfall der REP. Auch ein Blick auf Österreich zeigt parlamentarische Möglichkeiten auf: Die FPÖ, in den 70ern noch eine randständige Kleintruppe, liegt im Wählersegment der 15-29J. bei über 31%, sie schafft es geradezu virtuos das konservative Waffenstudentum zu "bedienen" und zugleich den jungen Facharbeiter anzusprechen, der irgendwie "rechts" ist und ab und zu in die Disse geht. Sie treibt die ÖVP vor sich her, Ö. hat nun das schärfste Ausländerrecht. Stürzt sie im Oktober den Wiener SPÖ-Bürgermeister wird sie langfristig eine Regierungsoption gewinnen, sie hat damit erfolgreich die seit Jahrzehnten zubetonierte politische Landschaft gesprengt.
Zu den Burschenschaften: Auch hier nicht den absoluten Idealmaßstab anlegen. Natürlich gibt es Vereinsmeierei etc. und de facto unpolitische Bünde, die sich mehr mit "Vereinsfragen" beschäftigen, als wachen Geistes das politische Leben zu beobachten und einzuwirken versuchen. Dennoch: Ich kann z.B. jedem jungen Mann durchaus empfehlen in eine B! einzutreten, insbesondere in einen BG-Bund. Die BG ist aktivistisch und hier kommt das Politische nicht zu kurz, gerade die österreichischen Bünde leben eigentlich die ideale Mischung aus männerbündisch-korporiertem Leben, das einem auch etwas in Richtung Persönlichkeitsentwicklung bringt, und politischer Betätigung vor - geht natürlich einfacher, wenn man einen politischen Arm wie die FPÖ zur Verfügung hat.

christian
18. Januar 2010 10:31

@arne:
..... desinvolture, mit der er mehrere Exkommunikationen und das Pfaffengeschwätz ....

sie sind so ein opfer; wer gott und seinen stellvertretern lästert, wird nie ein konservativer sein.
und mal wieder: die npd ist eine linke, heidnische, modernistische sozialistische partei.

auch die rechten in ihrer interpretation sind modernistisch und pro revolution, es geht aber gerade um mit voegelin und strauss zu sprechen um die wiederfindung des mythos

regor @ auch die fpö ist eine linke spastenpartei, der kickl hat ja schwere komplexe, weil er immer mal wieder den marcuse zitieren muss. und burschenschaften sind gleich peinlich wie die antifa. immer diese julfestgeseiere, strache ist ja nicht mal satisfaktionsfähig mit seinem wortschatz von 400 wörteern.

der deutsche fluch ist und bleibt hegel, marx und der egalitäre (internationale und nationale) sozialismus

M.R.
18. Januar 2010 13:38

„religiösen Fanatismen“

Da haben wir's wieder.

Sebastian
18. Januar 2010 15:59

@ Christian
Ist korrekte Groß- und Kleinschreibung nicht auch konservativ?
Wenn Du Dich mit dem ghibellinischen Staats- und Gottesverständnis auseinandersetzen würdest, dürfte sich schnell herausstellen, dass wir es hier keineswegs mit Gottlosigkeit zu tun haben, sondern mit solarer Geistigkeit, die m.E. der lunaren, priesterlichen Geistigkeit weit überlegen ist. So verwirklichte Friedrich II. wie vor ihm z.B. Julian Apostata die alte indo-europäische Tradition des rex et sacerdos vorzüglich. Er hat lediglich die uranfängliche Frechheit des Papsttums, den königlichen Titel des "gewaltigen Brückenbauers" zu okkupieren, nicht hingenommen. Das spricht meiner Einschätzung nach für wahre Geistigkeit.

Deine Einschätzung der NPD hingegen ist in mancherlei Hinsicht sogar diskutabel, verkennt aber den durchaus vorhandenen Binnenpluralismus der Partei. Im übrigen kann man durchaus pragmatisch sein und sagen: an dem Punkt der totalen Auflösung, um den wir seit einigen Jahrzehnten kreisen, ist eine schrittweise Rückformung Europas über die sozial organisierte Nation durchaus naheliegend (ich sage nicht sozialistisch, da der Begriff definitorisch einfach zu schillernd ist).

REgor
18. Januar 2010 16:21

@christian ja, alles klar. Geh bitte in Dein Studierzimmerchen und arbeite noch einige Reclamheftchen durch. Falls Du mal wieder Lust empfindest, den Elfenbeinturm in Puschen zu verlassen, um uns "Spasten" mit Deinen präzisen und realitätsnahen Analysen zu beglücken: geh lieber "Bayern Alpha" gucken (so ab 22.30 wird es für Dich interessant) oder fahr mit dem Rentnerbus noch Lourdes. Da bist Du besser aufgehoben, wir können Deinen Erhabenheiten geistig sowieso nicht folgen.

Arne Schimmer
18. Januar 2010 16:53

@ Sebastian

Also ich verwende die Begriffe "traditional" und "ghibellinisch" nicht synonym. Traditionalismus ist für mich eine philosophische, streng antimodern und an zyklischen Theorien ausgerichtete Schule.

Das "Ghibellinische" - und insbesondere das ghibellinische Staatsverständnis - ist für mich im Kern ein historisches Phänomen; also die Herschaft der staufischen Könige und Kaiser im 12. und 13. Jahrhundert.

Wenn Du Zeit und Lust hast kannst Du darüber ja mal was zu Papier bringen und mir zuschicken.

Reichsvogt
18. Januar 2010 18:34

Springe Christian bei! Ich bin der Ansicht dass Evola- und Friedrich-Anhänger nicht minder im Elfenbeiturm hocken. Selbststilisierung und "ich-bin-intellektuell-und-anders-als-die-Masse"-Getue. Hilft uns nicht weiter, obwohl ich Reichsverfassungsentwürfe und auch Schriften von Evola eigentlich ganz gern mag und auch einen Hang zu "ich-bin-anders-als-die-masse" habe. Eins ist aber klar: Die Rechte als solche gibt es nicht. Allein die Fragen "Wie stehst du zu Stauffenberg" und "Wie stehst Du zum Christentum" sollten das jedem klar machen. Trotzdem haben wir gemeinsame Feinde! Das Problem zu lösen ist sehr schwer. Befürchte nach Sieg über den gemeinsamen Feind würden wir uns gegenseitig zerfleischen.

Sebastian
18. Januar 2010 18:42

@ Arne
Das die Begriffe faktisch nicht synonym sind, ist natürlich klar. Dennoch steht hinter der ghibellinischen Reichsidee m.E. eine Staats-, Königs- und Gottesauffassung, die im wesentlichen der traditionalen Doktrin entspricht. Das Stauferreich wäre demnach eine (letzte) Aktualisierung der übergeordneten Idee, wenngleich in ihrer äußeren Gestalt und Anpassung an die Umstände sicherlich einzigartig.

Eine Ausarbeitung dazu brennt mir schon seit Längerem auf den Nägeln, zumal einige Vertreter des Traditionalismus eine dezidiert antinationale Haltung pflegen, was ,wie ich finde, das Kind mit dem Bade ausschüttet. Wenn der Examensstress nachlässt, bringe ich das Ganze sicherlich mal zu Papier.

Martin
18. Januar 2010 20:47

... nette Evola- Seitendiskussion ... aber J. Evola hat schließlich auch Cavalcare la tigre geschrieben, was zum Evola Studium einfach dazu gehört und besser in die heutige Zeit passt ....

Eine wie auch immer "solare", einheitliche und "traditionale" (was ist das eigentlich für eine seltsame Übertragung aus dem italienischen? Traditionell hätte es auch getan, aber nein, dann würde es ja nicht mehr evolaesk klingen ...) Bewegung gibt es ja heutzutage noch ... wie so etwas aussieht? Fragt mal bei den Islamisten nach ... (nicht umsonst war Guénon zum Islam übergetreten ...)

Viel Spass also noch im Elfenbeinturm, die Kärnerarbeit der NPD in Sachsen und Meck-Pomm sowie von pro NRW in NRW erscheint mir da dann doch als evtl. zielführender ...

christian
18. Januar 2010 21:22

@ sebastian: sondern mit solarer Geistigkeit, die m.E. der lunaren, priesterlichen Geistigkeit weit überlegen ist. So verwirklichte Friedrich II. wie vor ihm z.B. Julian Apostata die alte indo-europäische Tradition des rex et sacerdos vorzüglich.

Das kenne ich wirklich nicht, vielleicht hätten Sie da einen Lektüretipp, auch das Argument mit der Großschreibung von Ihnen ist durchaus angebracht. Aber bei der Arbeit habe ich meistens keine Zeit dafür, dieser Blog ist ja vor allem Rerechetool für mich.

@regor: was spricht gegen Wallfahrten und Busreisen?; geh auch gerne Bergsteigen und verteidige gerne jedes Gipfelkreuz. Muss ja nicht der Jakobsweg sein, da ist mir zu viel los. Lieber in der Einsamkeit und in den Gipfelhöhen für Deutschland kämpfen. Das Kreuz lass ich mir nicht verbieten, weder von der EU noch von den Genderweibern.

Ich verstehe einfach die deutschen Rechten nicht und ihre Obsession mit Hegel und dem deutschen Idealismus und dem Protestantismus. Ich fände es so schön, dass Deutschland wieder wie weiland bei Hölderlin, Heine wieder neue Höhen erklimmen würde. Immer nur USA 2.0 spielen, ist zu wenig für eine Kulturnation.

Ich als Österreicher empfinde die NPD wirklich als gleich sozialistisch wie die Grünen. Sicher, Herr Schirner war im Interview besser und stringerter, vor mir auch aus symphatischer und menschlicher als Claudia Roth, aber was heißt das schon.
Weiters denke ich wirklich, dass Leo Strauss und Eric Voegelin, die großen Deutschen, der Wegweiser sein könnten.
Evola kenn ich nicht, wenn er wie Marinetti sein sollte, ist er mir zu modernistsch.

Das Neuheidentum ist für mich wirklich eine echte und ernste Bruchstelle zwischen Konservativen und Rechten. Ich finde ja vieles von den Rechten gut, aber bei Neudeidentum (auch dem cleveren wie Assmann) kann ich nicht mit, statt furor teutonicus gibts dann Kreuzzug.
Nix mit Jazzmesse und Busfahrt, da gibts den gerechten Krieg.

christian
18. Januar 2010 21:33

@regor :(innerösterreichisches argument) und umso unverschämter dass Herr Strache jetzt mit dem Kreuz herumläuft und sich firmen lässt. Er schleimt nicht nur bei Serben rum, sondern ist von seinem Stil, seinen Inhalten, seiner Sprache, seinem Denken eine Schande für jeden Rechten/Konservativen. Der Solarium Schmäh ist auch nur tiefergelegter Sozialismus, da hat der Andi Mölzer schon recht: Die FPÖ und die SPÖ eint mehr als die ÖVP und die FPÖ. Traut euch doch endlich: Macht ne Koalition mit Cap und Häupl. Werdet die sozialste aller Heimatparteien, ich wünsch Euch nur das Beste.

Buxe
18. Januar 2010 23:31

↑ Steffen Kailitz: Die nationalsozialistische Ideologie der NPD, in: Uwe Backes, Henrik Steglich (Hg.): Die NPD. Erfolgsbedingungen einer rechtsextremistischen Partei, Baden-Baden 2007, S. 337-354. "Die NPD ist keineswegs nur eine Partei, die Brücken ins nationalsozialistische Spektrum schlägt, sondern selbst eine originär nationalsozialistische Partei. […] Vor allem bedeutet die Einordnung nicht, es gebe keine bedeutsamen Unterschiede zwischen der historischen NSDAP und der NPD." S. 337, Kailitz versucht in seinem Artikel nachzuweisen, dass "[…] NPD und NSDAP sich als programmatisch eng verwandte Parteien erweisen […]." S. 337. In seinem Fazit bestätigt er dies nicht wortwörtlich so, allerdings kommt es zu dem Schluss: "Die von der NPD propagierte Ideologie ist als nationalsozialistische Spielart des völkischen Denkens zu bezeichnen. Sie weist eine ideologische Geschlossenheit auf, die deutlich über die von der NSDAP propagierten Variante des Nationalsozialismus hinausgeht.", S. 352

Regor
19. Januar 2010 09:00

Ich muss jetzt mal eine Lanze für HC Strache brechen! Ich habe ihn zweimal direkt erlebt und bin begeistert gewesen, zuletzt am 21.11. in der Hofburg in Wien, die Rede war fulminant und hatte Tiefgang. Wie Strache allein vom europäischen Standpunkt gegen die "Mitnahme" der Benesch-Dekrete in den TSR-EU-Vertrag argumentiert hat, sehr gut!. Was wirft man ihm vor, dass er auf sein Äußeres wert legt, kein Abi/Matura hat? Auch mal in der Disko Wahlkampf macht? Dass er die in Österreich lebenden Serben/Kroaten im Sinne einer Vergrößerung der Wählerbasis auch ansprechen will? Ich bin Akademiker, liebe Hölderlin und Hesse und habe mich jahrelang mit antimoderner Literatur beschäftigt (Evola, Jünger, Kosmiker, Davila, George-Kreis etc.), aber ich messe die politisch Realität nicht mit Studierstubenmesslaten und igele mich dann in einer rechten Weltabgewandtheit ein! Ich bin politisch aktiv und für mich sind auch der patriotische und rechte Maurer oder KFZ-Mechaniker völlig akzeptable Mitstreiter, den Begriff "Volk" meine ich nämlich ernst. Er umfasst alle Schichten! (hier sind wir wieder bei Hölderlin, übrigens). Das hat mit Sozialismus gar nichts zu tun. Übrigens: Von den ganzen Studierstubenrechten sind viele feige - Im Ernstfall machen sie von 15j Kickboxtürken die Biege. Ich will hier keinem Mackertum das Wort reden, aber das muss auch mal gesagt werden. Der Kampf um unsere kulturelle Existenz wird nicht an Gipfelkreuzen ausgetragen, sondern zunächst mal in Großstädten, und er bedeutet wie hier richtig beschrieben: kleinschrittige Kärrnerarbeit, die auch den Niederungen stattfinden muß. Auch mit Mitteln, die vielleicht primitiv/platt sind - nur so geht es, will man politisch etwas ändern. Nicht erhabene Visionäre werden gebraucht, sondern Macher. Zum Protestantismus/Heidentum - glaubst Du dass diese Diskussion bei der fortschreitenden Entkulturisierung und Entspiritualisierung in unseren Gesellschaften noch irgendwie sinnvoll ist? Unsere Aufgabe besteht zunächst einmal wieder darin, überhaupt eine grobes Wertegerüst zu vermitteln, das über den Materialismus, Konsumismus und Nihilismus hinausweist - erst eine kleinschrittige Rekulturisierung der Jugend (Sinn für Heimat, Volk, Sprache, Natur, Wehrhaftigkeit, Kameradschaft, Familie entwickeln) ist anzustreben - alles andere kommt danach. Warum beteiligst Du Dich nicht daran, anstatt über den Sinn oder Unsinn Hegels zu lamentieren? Uns helfen oben genannte Diskussionen gar nicht weiter, obwohl wir uns gerne mal in einer netten Plauderrunde über die "unsägliche" protestantische-sozialistische-heidnische NPD unterhalten könnten. Vielleicht liegt ja hier einfach nur ein übliches landsmannschaftliches Fremdeln zwischen Nord- und Süddeutschen vor - das vermute ich nämlich. FPÖ und NPD, sofern sie zZt. vergleichen kann, sind mit vielen Mängeln behaftet - den üblichen, die das "Menschenwerk" Partei mit sichbringen. Dennoch halte ich diesen Weg für viel zweckmäßiger. Wer sich an Gipfelkreuzen festhält und diese zu verteigen trachtet, wird feststellen müssen, dass das Multikulti-Massenmensch-Chaos aus den Niederrungen sehr wohl nach oben schwappen kann, wenn sich politisch und parteipolitisch nichts ändert - nur: dann ist es wahrscheinlich zu spät.

Regor
19. Januar 2010 09:16

@buxe: Der Auszug aus einem auf seriös gemachten Antifa-Werk ist wenig hilfreich - >>ist keineswegs nur eine Partei, die Brücken ins nationalsozialistische Spektrum schlägt, sondern selbst eine originär nationalsozialistische Partei<< - reichlich verquast. Dazu dann nochmal Schimmers Ausführungen zum "nationalen Sozialismus" lesen, er geht explizit auf Geschichte und Inhalt des Terminus ein.
Man stelle sich im Übrigen vor, jemand würde über die LINKE schreiben: " ist keineswegs nur eine Partei, die Brücken ins sozialistische Spektrum schlägt, sondern selbst eine originär sozialistische Partei" -Achso! Dat is ja echt'n Ding! Solche Unsinnsausführungen würden wohl keine großen Wellen schlagen.
Zum "Sozialismus" von NPD und FPÖ: Konservativ zu sein bedeutet zwar ganz sicher, den Menschen zum eigenen Unterhaltserwerb anzuhalten und nicht einer Alimentierung das Wort zu reden, ggf. auch und gerade soziale Differenz auf Leistungsunterschieden gründend als wertvoll zu erachten. Jedoch kann man dieses schwerlich verabsolutieren - gerade in Zeiten in einer völligen Ökonomisierung der Gesellschaft mit einer Profitlogik, die gerade doch Rechte nicht verkennen können (hierzu mal Evola lesen!).

Sebastian
19. Januar 2010 11:58

@ Martin

Fragt mal bei den Islamisten nach …

Vermutlich sind Muslime gemeint? Ja, es mag tatsächlich sein, dass der Islam des frühen zwanzigsten Jahrhunderts in gewissen Kreisen (bestimmte Sufiorden) über intaktere, validere Initiationsmöglichkeiten verfügte, als das moderne Christentum. Darüberhinaus bin ich jedoch kein großer Anhänger Guénons. Auch und gerade wegen der Möglichkeit einer egalitaristischen Lesart.

Ja, das Problem des Elfenbeinturms und des Sektierertums stellt sich durchaus; das gebe ich unumwunden zu. Das ist in dieser Art zu denken aber gewissermaßen strukturell angelegt und deshalb ist sie nicht ohne Folgeschäden in die Jetztzeit übertragbar, sofern es um konkrete Handlungsanweisungen geht. Dann bliebe tatsächlich nur, den "Tiger zu reiten". Den Tiebreak holt sich allerdings jeder Pragmatiker in Diskussion mit Idealisten und das meine ich wertneutral.

Andererseits: war es nicht Weißmann (oder Kubitschek), der im aktuellen Interviewbändchen meinte, dass Machbarkeitsfragen auf metapolitische Erwägungen keinen Einfluss haben dürften?

Aber wie gesagt, da bin auch ich mir unsicher.

@ Christian
Die erstklassige, kompakte Einführung in die integrale Tradition gibt es nicht. Eingeschränkt empfehlenswert ist das (allerdings an mangelhaftem Lektorat krankende) Büchlen "Raido - Der Weg der Tradition", oder man wagt sich gleich an den "dicken Wälzer" und nimmt sich Evolas "Revolte gegen die Moderne" vor.

Vielleicht bewirkt diese Lektüre sogar ein gewachsenes Verständnis für ein wohlverstandene Heidentum, sobald sich die Begriffe "Exoterik/Esoterik" sowie "Philosophia Perennis" für den Leser mit Inhalt füllen.

christian
19. Januar 2010 13:58

@ regor: überhaupt eine grobes Wertegerüst zu vermitteln, das über den Materialismus, Konsumismus und Nihilismus hinausweist

da haben Sie absolut Recht

" Im Ernstfall machen sie von 15j Kickboxtürken die Biege." also gekloppt habe ich mich immer gerne, gehört zu einem bergdeutschen Tiroler einfach dazu. Ich verstehe dennoch nicht ,warum es weltabgewandt sein soll, für Gipfelkreuze zu kämpfen (die die Linken ja aus unseren Klassenzimmern verbannen wollen, also ist die Gefahr konkret)

Aber Sie haben sicher Recht, ich sollte nicht mit Ihnen herumeiern, sondern was konkretes mache; mach ich eh, nur glaube ich eben, dass die ÖVP in Österreich "echtere" konservative Politik macht als HC Strache. Strache ist halt wirklich nur eine Sprechpuppe vöm Jörgl, der bis jetzt kein einzigen neuen Inhalt entwickelt hat. Klar, Kickl ist lustig, vor allem wenn er seiner alten Klassensprecherin Eva Glawischnig die Frankfurter Schule hochhält, aber er sollte endlich mal sein Diplom fertig machen.

Aber was solls: wenn jemand von Pfaffengewäsch redet, seh ich halt rot, so wie ein Gay-Aktivist rot läuft, wenn man von der Kulturellen Bedingheit der Homosexualität redet.

Und zu guter Letzt: ich verehre das Nordeutsche über alles, nur verstehen tu ich es leider nicht immer, auch ein Grund, warum ich die Sezession so gerne lese.

christian
19. Januar 2010 14:12

noch zwei Dinge:
a) erst eine kleinschrittige Rekulturisierung der Jugend (Sinn für Heimat, Volk, Sprache, Natur, Wehrhaftigkeit, Kameradschaft, Familie entwickeln) ist anzustreben
unbedingt, das klingt sehr schön, aber wie?
Denken Sie an Kracauers Text die Angestellten, die Moderne lässt sich nicht so leicht überwinden

b) und wer Davila und die Scholien gelesen hat, sollte doch nachvollziehen können, was am reaktionären Leben so schön ist.
Ich finde ja generell, dass die Vermassung auch durch den Niveauverlust auf Schulen und Universitäten bedingt ist: wer liest denn noch viel und gerne (vgl. Schirrmacher im aktuellen Buch Payback) Intelligenz wieder sexy machen ist doch nicht das Schlechteste.
(Kinzels nicht mehr Schreiben für die Sezession ist ja ein Jammer hoch zehn)

Bibliotheken sind Orte, die ich nicht unbedingt mit Weltabgehobenheit verbinden würde, aber wahrscheinlich liegt mir Schopenhauer doch näher als diese von der That zur Handlung. Vielleicht ist ihr Diplom auch noch nicht lange genug vorbei und Sie leiden einfach an Erschöpfung, weil Sie zuviel Judith Butler, Habermas und Foucault lesen mussten. Das ist allerdings die Höchststrafe und jeder Boxkampf (übrigens auch gene mit Autochtonen) erscheint selbst mir da viel sinnvoller.

Martin
19. Januar 2010 16:35

@Sebastian:

Evola gehört ganz klar dazu, weil er Dinge sehr schön darstellt und auf den Punkt bringt.

Aus heutiger Sicht kann man es aber nicht bei der Revolte gegen die Moderne belassen sondern man sollte unbedingt cavlcare la tigre und Menschen inmitten von Ruinen dazu lesen ...

wie aber bereits gesagt, alles sehr allgemeinbildend, aber für die konkrete politische Diskussion nicht zwingend.

Für mich jedenfalls bedarf es mehr Menschen mit guter Ausbildung und auch besonders hoher "bürgerlicher Fallhöhe" die sich "outen" und zu zu einer wie auch immer konservativen oder meinetwegen auch rechten Bewegung stehen.

Wenn man die Vita von Herrn Schimmer liest, scheint er doch mit seiner NPD Mitgliedschaft durchaus auch etwas zu risikieren und da sage ich dann doch "Chapeau", auch wenn mir die NPD in vielen Punkten und auch an falschen Punkten zu weit sozialistisch ist ...

Ich persönlich habe wiederholt schon gehört, "wenn die NPD wieder hoffähig wird, bin ich sofort dabei". Diese bourgeoise Einstellung mag den ganzen national-proletarischen SA-Freunden innerhalb der NPD nicht gefallen - politisch gesehen war es aber noch nie besonders klug, als Idealist einsam zu sterben. Der von Schröder beanspruchte "Aufstand der Anständigen" muss vielmehr neu inhaltlich und personell besetzt werden und dazu gehören Leute, die Flagge zeigen und bei denen viele sagen, wenn die das sagen, dann hat das Gewicht und nicht, die sagen das nur, weil sie ja ohnehin outsider sind ...

Ein Sarrazin hat für die Debatte mehr gebracht, als xy-Landtagseinzüge der DVU, von denen man dann aber nichts mehr gehört hat und die mit einem Wahldebakel bei der darauf folgenden Wahl wieder rausgekegelt wurden ...

Arne Schimmer
19. Januar 2010 19:47

@ christian

Na, Sie steigern sich ja beträchtlich. Erst bin ich nur "Opfer" und "Spasti", dann vergleichen Sie mich auch noch mit Claudia Roth. Letztere Injurie ist jetzt definitiv nicht mehr steigerungsfähig.

Mir ist schleierhaft, wie Sie meine kurzen Bemerkungen zu stupor mundi als Generalangriff auf das Christentum mißverstehen konnten. In meiner Bemerkung habe ich den Konflikt zweier Weltanschauungen angetippt; nämlich des tief von seiner Kaiseridee durchdrungenen Friedrich II., der sich gegen den Cäsaro-Papismus eines Honorius III., Gregor IX. und Innozenz IV. behaupten mußte. Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, daß das jemand als "Gotteslästerung" auffassen kann.

Sebastian
19. Januar 2010 19:48

@ Martin
Insgesamt war ich aber, wenn man die "Kerntrilogie" als ganzes betrachtet, von "Menschen inmitten von Ruinen" noch am ehesten enttäuscht. Da war "Cavalcare..." das stringentere und philosophisch gehaltvollere Buch. Was mir, bzw. dem politischen Aktivisten in mir (der ich durchaus bin) nicht so gepasst hat...

Man sollte das Selbstbild der "National-Proletarier" innerhalb der NPD allerdings keinesfalls für die Fremdzuschreibung "von außen" übernehmen: Diese Leute gerieren sich als "radikal", haben aber einen Radikalitätsbegriff, der nicht weiter trägt als bis zum nächsten Fahnenappell im Hinterhof (womit ich die kindischen Bürgerschrecks und Suffköppe schon mal ausgeschaltet habe). Radikalität heißt dann (sinngemäß): "Sobald 86a und 130 aufgehoben sind und die HK-Flagge wieder gezeigt werden kann, geht alles seinen Gang!" (Ralph Tegethoff) oder: "Wieso sollten wir uns über politische Theorie unterhalten? Wir haben "Mein Kampf und den "Mythus", das genügt." (Sven Skoda)

Heiko Luge meinte vor Jahren mal zu mir, das radikales Denken differenziertes Denken bedeute. Nach dieser Definition finden sich die radikalen in der NPD nunmal eher in Leuten wie Schimmer, Laus oder (vor seinem Austritt) Schwab.

christian
19. Januar 2010 22:31

@arne schimmer: Verzeihen Sie mir das bitte; ich zucke nur immer aus bei dem Wort "Pfaffengewäsch" aus, das ist für mich nur so ein Signalwort wie für Frau Roth ein Ponchomantel (natürlich umgekehrt); ich wollte Sie nicht beleidigen, sondern nur durch einen blöd-drastischen Vergleich darstellen, dass mir die NPD gleich fremd wie die Grünen sind vom Habitus her. Ich kenne echt nur die alten griechisch-deuschen Philosophen von der Uni, mit exoterisch/esoterisch verbinde ich nur Bücher wie das von Leo Strauss. Sie sind sicher gebildeter als die zwei Semester Theaterwissenschaften Studierende , sehen auch besser aus als Roth. Es ist auch bewundernswert, wie oben angemerkt, dass sie eine bürgerliche Karriere opferten für was größeres; aber ich verstehe die NPD einfach nicht; sicher, vieles von den autonomen Kameradschaften und die nshc Jungs find ich ästhetisch ansprechend; kann ich auch verstehen, so wie die neuen Bundesländer verarscht werden, auch alles für Deutschland leuchtet mir ein ( da glieder ich mich sofort ein, den Habsburg ist ein Witz), aber auch ohne ihr geschichtliches Wissen zu haben: ich versteh nicht, was an der NPD Deutschland helfen soll.
Mit Ausnahme vielleicht von den Texten von Herrn Prof. Rabehl; er spricht ja immer von den leuchtenden Augen bei der Jugend in Mitteldeutschland; vielleicht wird es doch an der Zeit, dieses für westsozialisierte so fremde Land einmal vorurteilsfrei kennenzulernen.
@sebastian: nachdem ich grad stress mit wellness- und funktionärskatholiken hab, die mir meinen Glauben an die Sakramente als Rechtsretardiert aulslegen, werde ich mir mal alle progressiven heidnischen Quellen zu Gemüte führen: ich weiß ja, wem wir den Tannenbaum, die Krippen mit Bergen und das "Räuchern" zu verdanken haben. Ich finde am Katholizismus nur die Übernahme der Griechisch-Römischen Begriffe so schön; und was kann es edleres geben als Pascal und Augustinus?

Regor
19. Januar 2010 23:18

@christian >>..also gekloppt habe ich mich immer gerne, gehört zu einem bergdeutschen Tiroler einfach dazu. Ich verstehe dennoch nicht ,warum es weltabgewandt sein soll, für Gipfelkreuze zu kämpfen (die die Linken ja aus unseren Klassenzimmern verbannen wollen, also ist die Gefahr konkret)<>Und zu guter Letzt: ich verehre das Nordeutsche über alles, nur verstehen tu ich es leider nicht immer, auch ein Grund, warum ich die Sezession so gerne lese.<>erst eine kleinschrittige Rekulturisierung der Jugend (Sinn für Heimat, Volk, Sprache, Natur, Wehrhaftigkeit, Kameradschaft, Familie entwickeln) ist anzustreben, unbedingt, das klingt sehr schön, aber wie?>> Indem man ganz banale Jugendarbeit macht, die zunächst einmal die Jugendlichen dort abholt, wo sie stehen, sie sind ja Produkte der Gesellschaft, sofern ein konservatives Elternhaus nicht geprägt hat: Sport, Fahrten, Geländespiele, Wanderungen, Vortragen üben, Singen, Zelten, Alte Menschen als Zeitzeugen treffen und zuhören, Bergsteigen - alles in guter Mischung und zunächst wohldosiert präsentiert. Das machen wir mit unseren Schülerfüxen und Interessenten (die sind teilweise erst 16J.). Die gehen voll darin auf. So etwas prägt, denn sie orientieren sich schnell an Älteren und wollen sich beweisen und dazugehören.
>>Vielleicht ist ihr Diplom auch noch nicht lange genug vorbei und Sie leiden einfach an Erschöpfung, weil Sie zuviel Judith Butler, Habermas und Foucault lesen mussten. Das ist allerdings die Höchststrafe und jeder Boxkampf (übrigens auch gene mit Autochtonen) erscheint selbst mir da viel sinnvoller.<< :-)) nicht ganz zutreffend, ist schon eine Weile her (bin "Alter Herr"), aber netter Gedanke. Ich habe früher aber wirklich viel Schund lesen müssen und habe tatsächlich im Uni-Sport Boxen gemacht, so zum Ausgleich.
Jetzt sind wir aber ziemlich vom Thema abgekommen!! :-))

Manuel
20. Januar 2010 11:04

"Die beiden Interviewer F. Roland A. Richter sowie Jörg Haverkamp II schaffen es nicht, die Partei ihres Verbandsbruders Arne Schimmer des offenen oder latenten Nationalsozialismus zu überführen (obwohl sie sich das vorgenommen hatten)"
- Letzteres steht zu bezweifeln. Wäre ein echter Wille dagewesen, hätte man bei einigen von Schimmers Nebelkerzen ein wenig nachhaken müssen.
Die Hommagen der NPD an den NS sind ziemlich augenfällig, auch ihre Toleranz von offensichtlich nationalsozialistischen Weltbildern. Im Sinne des Pluralismus ist dagegen nichts einzuwenden, aber die Leugnung in der Öffentlichkeit - wie in diesem Interview - ist Augenwischerei und einigermaßen rückgratlos.

"oder ihn davon zu überzeugen, daß er mit seiner politischen Verortung keinen Platz mehr in der Deutschen Burschenschaft haben könne (obwohl sie auch dieses Minimalziel ansteuerten)."
- Eine recht überspitzte Formulierung. Die beiden hinterfragen nur, inwieweit Parteiziele der NPD im Widerspruch zu den burschenschaftlichen Idealen stehen, und das muss legitim sein. Wäre Schimmer in der Linken, würde das niemand monieren.

Jan P.
20. Januar 2010 13:41

Letzteres steht zu bezweifeln. Wäre ein echter Wille dagewesen, hätte man bei einigen von Schimmers Nebelkerzen ein wenig nachhaken müssen.
Die Hommagen der NPD an den NS sind ziemlich augenfällig, auch ihre Toleranz von offensichtlich nationalsozialistischen Weltbildern. Im Sinne des Pluralismus ist dagegen nichts einzuwenden, aber die Leugnung in der Öffentlichkeit – wie in diesem Interview – ist Augenwischerei und einigermaßen rückgratlos.

Schimmer NS-nostalgisches Verhalten vorzuwerfen oder bereits der Versuch, ihm derartiges ansatzweise in die Schuhe zu schieben, geht eben kilometerweit am Kern vorbei, da Schimmer - das sollte bekannt sein - nicht dem NS-affinen Teil der Partei entstammt.
Eventuelles Leugnen der reinen Existenz eines solchen Flügels durch den Interviewten kann ich dem Gespräch ebenfalls nicht entnehmen.
Ein solcher Vorwurf wäre derzeit eher bei Angelika Willig angebracht, die erst durch ihre "neue, geschlossene Theorie" auf sich aufmerksam machte und in der DS dann einen merkwürdigen "A.H. = Deutscher Messias?" Artikel publizierte.

Die von Dir angesprochene Hommagen parteinahestehender Akteure an den historischen Nationalsozialismus sind relativ leicht zu erklären: Zum einen gibt es innerhalb des NS-Flügels eine bildungsresistente Mehrheit, die positive Bezüge zum Dritten Reich aus reiner Provokation, Unwissenheit oder Dummheit herstellt (Heise, Wulff); zum anderen gibt es überzeugte (orthodoxe) und intelligente Nationalsozialisten, die aus tiefer Überzeugung handeln. Das ist meiner Meinung nach jedoch die Minderheit in diesem Lager und somit in der Gesamtpartei marginal.
Das "Problem" war die Personalie Jürgen Rieger, die durch finanzielle Aufwendungen diesen Gruppen erheblichen Einfluß verschaffen konnte. Der jetzige desolat aufgestellte Bundesvorstand der NPD spricht diesbezüglich ja Bände.
Zudem ist Udo Voigt seit Jahren in der misslichen Lage, daß in weiten Teilen Westdeutschlands ausschließlich notorische NS-Fetischisten zur Parteiarbeit bereit sind; auch und vor allem eine Folge der gesellschaftlichen Isolation, die im Westen bedeutend größer ist als in Mitteldeutschland. Voigt muß den innerparteilichen Burgfrieden wahren und die Partei auch im Westen am Leben erhalten, lässt sich daher mit Reitz und Konsorten ein und schreckt dadurch vorzeigbare Persönlichkeiten erst recht ab - sozusagen ein Teufelskreis.
Dem konstruktiven Teil der NPD wäre allerdings sicher geholfen, wenn bürgerliche Rechtskonservative, die überhaupt etwas auf den parlamentarischen Weg geben, anstelle einer Alibi-CDU-Mitgliedschaft oder dem durchaus bekannten "warten-bis-die-npd-mal-vielleicht-salonfähig-werden-könnte" Initiative zeigen, und die NPD von innen erneuern und "politikfähig" machen.
Inwiefern sich da etwas ändert wird die Zeit zeigen, Arne Schimmer ist mit Sicherheit ein (oder das) Paradebeispiel dafür, daß es prinzipiell möglich ist vernünftige Parteiarbeit zu leisten.

Martin
20. Januar 2010 14:44

Manuel,

Sie schreiben:

Wäre Schimmer in der Linken, würde das niemand monieren.

Nun ja, zumindest die linken würden dann selbst monieren, dass er Mitglied in einer Burschenschaft ist - es gab da ja auch mal diverse "Unvereinbarkeitsbestrebungen" bei der SPD ...

Regor
20. Januar 2010 15:47

@christian: ein Teil der Nachricht ist nicht rübergekommen - entschuldige.

Regor
20. Januar 2010 16:00

@Jan P - so sehe ich das auch! Guter Beitrag. Die NS-Strömung ist vorhanden, durch ihren teilweise sinnlosen Aktivismus (Demo im Industriegebiet, Erlebniswelt Demo, Provokation um jeden Preis), werden sie genüsslich von den Medien hochgejazzt, sie produzieren eben damit die Bilder, die die Medien so dringend brauchen - um ihrem Auftrag gerecht zu werden. Ich kann mich an eine Radioansage erinnern, da ist eine Sprecherin am Wort "Rechtsextremismus" dreimal gescheitert, prompt kam die Entschuldigung: "Das liegt nur daran, dass ich Nazis sooo Scheisse find'". Der "Nazi" ist als Feindbild dringend nötig, gerade für das politische Establishment. Dieses Spiel spielen leider viele Jugendliche mit, inszenieren sich als "revolutionärer Bürgerschreck". Und der härteste Schnaps, den man sich und den Bürgern einschenken kann, ist eben das "Dritte Reich" mit seiner Symbolik und Schlagworten. Darüber wird viel Porzellan zerschlagen und man steht sich gerade im bevölkerungsreichen Westen selbst im Wege. Da man auf diese Gruppierung bei einer kleinen Zahl Mitglieder (ca. 8000 bundesweit) angewiesen ist, in Wahlkampfzeiten und zum Schutz von Veranstaltungen gegen Antifa-Schläger, findet keine Entwicklung statt.

Manuel
20. Januar 2010 16:29

Schimmer NS-nostalgisches Verhalten vorzuwerfen oder bereits der Versuch, ihm derartiges ansatzweise in die Schuhe zu schieben, geht eben kilometerweit am Kern vorbei, da Schimmer – das sollte bekannt sein – nicht dem NS-affinen Teil der Partei entstammt.

Ich habe Schimmer nichts dergleichen unterstellt.

Eventuelles Leugnen der reinen Existenz eines solchen Flügels durch den Interviewten kann ich dem Gespräch ebenfalls nicht entnehmen.

Ein solches Leugnen wäre auch ein ziemlich erfolgloses Unterfangen. Schimmer wird allerdings explizit nach den NS-Bezügen der NPD gefragt und spricht die Parteispitze implizit von diesen frei. Ansonsten weicht er aus. Für den kritischen Leser wird dieser Punkt, der die Kernproblematik der NPD berührt, absolut unbefriedigend beantwortet.

Voigt muß den innerparteilichen Burgfrieden wahren und die Partei auch im Westen am Leben erhalten, lässt sich daher mit Reitz und Konsorten ein und schreckt dadurch vorzeigbare Persönlichkeiten erst recht ab – sozusagen ein Teufelskreis.

Weniger ein Teufelskreis als ein Beleg dafür, dass sich auf zwei Bällen schwerlich tanzen lässt. Demokratie - oder auch nur eine freiheitliche Einstellung - lässt sich eben nicht unter einen Hut bringen mit dem NS. Die NPD gibt sich auch nicht die geringste Mühe, NS-Strömungen in ihrem Parteikörper weltanschaulich zu beeinflussen (ansonsten könnte sie argumentieren: "Wir assimilieren die Nazis"). Da ist es völlig absurd, ein Engagement von Liberalen/Libertären und/oder Demokraten in dieser Partei zu fordern.

Nun ja, zumindest die linken würden dann selbst monieren, dass er Mitglied in einer Burschenschaft ist – es gab da ja auch mal diverse „Unvereinbarkeitsbestrebungen“ bei der SPD …

Zweifelsohne. Aber gerade geht es ja um rechtes "Mit-zweierlei-Maß-Messen", rechte Augenwischerei und rechte Opferstilisierung.

Eric
21. Januar 2010 11:31

Werter Regor! Deine Analysen in Puncto „NS-Flügel“ (aber auch die der meisten anderen Schreiber hier) sind, mit Verlaub, sehr kurz gedacht und entsprechen nur Ansatzweise der Wirklichkeit. Nicht jeder Demonstrationsteilnehmer im schwarzen Kostüm ist auch selbstredend ein Nationalsozialist. Und apropos auch nicht jeder der dies von sich behauptet! Auch Jan P. fischt mit seiner Charakterisierung dieses Spektrums zu seicht. Sicherlich gibt es Nostalgiker welche Phrasen von damals dreschen, sicherlich gibt es viele Dumme die Dinge aus dem Zusammenhang reißen und wiederum die Phrasen der Nostalgiker nach schwatzen - aber es gibt auch viele Personen die durchaus in der Lage sind positive und negative Erscheinung der damaliger Zeit kritisch zu reflektieren und unter Zugrundelegung dieser Erkenntnisse die Möglichkeit haben diese Gedankengänge geistreich für Zukunftsfragen weiter zu denken. Diese Personen verorten sich unter Umständen auch unter der Begrifflichkeit eines Nationalsozialisten, stehen aber dem Personenkreis der NS-Nostalgiker völlig konträr gegenüber. Man sollte als hier nicht über jeden der die Synthese aus Nationalismus und Sozialismus vertritt und womöglich der Zeit von 33-45 neben kritikwürdigen Ereignissen auch positive Dinge abgewinnen kann einen Bannfluch verhängen, nur weil ein paar Nostalgiker oder Dogmatiker von sich behaupten die einzigen wahren nationalen Sozialisten zu sein.

Jan P.
21. Januar 2010 18:09

An Eric:

aber es gibt auch viele Personen die durchaus in der Lage sind positive und negative Erscheinung der damaliger Zeit kritisch zu reflektieren und unter Zugrundelegung dieser Erkenntnisse die Möglichkeit haben diese Gedankengänge geistreich für Zukunftsfragen weiter zu denken. Diese Personen verorten sich unter Umständen auch unter der Begrifflichkeit eines Nationalsozialisten, stehen aber dem Personenkreis der NS-Nostalgiker völlig konträr gegenüber.

Das war die Gruppe, die ich als zweites erwähnte. Ich hätte diese ggf. erneut unterteilen sollen: einerseits die orthodoxen Dogmatiker, andererseits die pragmatischen und progressiven NSler. Das sei hiermit nachgeholt.

An Manuel:

. Da ist es völlig absurd, ein Engagement von Liberalen/Libertären und/oder Demokraten in dieser Partei zu fordern.

Dann gab es hier offensichtlich ein Mißverständnis.
Ich wünsche der NPD weder mehr Demokraten, noch andere liberale oder libertäre Staatsgegner. Auf so etwas würde ich auch im Traum nicht kommen. Es reicht schon aus, daß in dieser Partei Leute an Plebiszite und direkte Demokratie glauben, da brauchen sie nicht noch mehr potentielle Massenbefrager.

REgor
21. Januar 2010 21:33

@Eric, Jan P. Ich bin auch falsch verstanden wollen, die Gleichsetzung "Nationaler Sozialist" mit orthodoxem Nationalsozialisten mache ich nicht mit. Schimmer geht ja im Gespräch darauf ein, dass der Begriff und die Idee "Nationaler Sozialismus" kein genuin nationalsozialistischer bzw. hitleristischer ist.
Mir ist durchaus bewußt, dass sich die viele jugendliche Anhänger als "Befreiungsnationalisten", "nationale Antiimperialisten" etc. verstehen und sich von einem hitleristischen Weltbild "emanzipiert" haben - ich verweise auf zwei interessante Artikel in der von Schimmer herausgegebenen Zeitschrift "Hier und Jetzt" - sie kritisierten "NS-Nostalgie" und boten eine Abrechnung mit dem NS-Staat aus rechter Sicht - absolut wegweisend und offenkundig durchaus mehrheitsfähig, denn ein "Aufschrei" der "Nazis" fand offenkundig nicht statt. Nun ist aber die Frage: kommt das auch so bei der Normalbevölkerung rüber, gibt es überhaupt eine Möglichkeit, dass sie die Unterschiede verstehen kann? Gerade bei der Medienberichterstattung, die im Grunde eine Endlosschlaufe des "Glatzen, 16loch-Docmartens, weiße Schnürsenkel"-Bildes ist. Und hier gilt es anzusetzen. Denn es ist nunmal so, dass so ein schwarzer Block, der "Nationaler Sozialismus - jetzt!" ruft, nicht gerade die Normalbürger gewinnen kann, er verschreckt eher. Das "revolutionäre Potential" solcher Aufzüge ist null. Eine junge Familie hinterlässt dann doch einen anderen Eindruck. Und hier muss eine Entwicklung stattfinden, wie sie M. Schäfer (JN) sehr richtig auf den Punkt gebracht hat: die Partei muss den Normalbürger und Wahlen gewinnen, die Jugendorganisation darf ruhig etwas radikaler sein. Die NPD muss sich als Partei von dem ganzen NS-Klamauk distanzieren und anders auftreten. Nur so hat sie eine Chance. Wähler, die ja schließlich aus dem Reservoir der Nichtwähler (über 30%) gewonnen werden wollen, haben ja vorher CDU, SPD etc. gewählt und sind politisch in der BRD sozialisiert worden. Sie stehen für ein historisches "Reenactment" ohne konkrete Antworten auf aktuelle Fragen nicht zur Verfügung und parken lieber weiter in der Wahlverweigerung. Der NPD läuft nun aber die Zeit davon, die Strategiekommission war der Tropfen auf den heißen Stein. Im Grunde müssten Schimmer/Apfel/Gansel den Laden übernehmen und neu ausrichten.

Eric
25. Januar 2010 11:09

An Regor:

Ich bin auch falsch verstanden wollen, die Gleichsetzung „Nationaler Sozialist“ mit orthodoxem Nationalsozialisten mache ich nicht mit.

Mir wird ganz schwummrig bei deiner Argumentation. Warum denn gleich „orthodoxe Nationalsozialisten“, gibt es denn keine ohne dieses vorangestellte Adjektiv? Mache es dir doch nicht immer so einfach. Was wäre also bei einer Gleichstellung von Nationaler Sozialist und Nationalsozialist, sprich einfach mal ohne ein vorgeschobenes „orthodox“, „nostalgisch“ oder „dogmatisch“?

Schimmer geht ja im Gespräch darauf ein, dass der Begriff und die Idee „Nationaler Sozialismus“ kein genuin nationalsozialistischer bzw. hitleristischer ist.

Hier hat Schimmer auch Recht.

Mir ist durchaus bewußt, dass sich die viele jugendliche Anhänger als „Befreiungsnationalisten“, „nationale Antiimperialisten“ etc. verstehen und sich von einem hitleristischen Weltbild „emanzipiert“ haben.

Hier ist schon wieder ein merkwürdiger Unterton spürbar, welchen man fast schon als diskreditierend interpretieren könnte. Entschuldige wenn ich mich irren sollte. Die Befreiungsnationalisten sind die guten Nationalisten weil sie sich vom hitlerschen Weltbild gelöst haben und die hitlerschen Nationalisten sind die bösen Buben weil sie weiterhin in dieser „schändlichen“ Weltschau gefangen sind? Willst du mir das sagen? Hier erwarte ich einfach mehr. Hilter = Böse, Stauffenberg = Gut? Ist es nicht gerade dieses Schwarz-Weiß-Denken was wir durchbrechen wollen? Sollte nicht eine geistige Flexibilität unser Ziel sein, wo man sagen kann es gibt immer zwei Seiten der Medaille, so auch im hitlerschen Weltbild?

Ich verweise auf zwei interessante Artikel in der von Schimmer herausgegebenen Zeitschrift „Hier und Jetzt“ – sie kritisierten „NS-Nostalgie“ und boten eine Abrechnung mit dem NS-Staat aus rechter Sicht – absolut wegweisend und offenkundig durchaus mehrheitsfähig, denn ein „Aufschrei“ der „Nazis“ fand offenkundig nicht statt.

Abschied von einer Nostalgie welche sich in Form von Kostümierungen und kruden Nachgeblabber widerspiegelt ist zu unterstützen und der erste Schritt etwas Politikfähigkeit an den Tag zu legen. Wenn aber mit Nostalgie jegliche Gedankengebilde der damaligen Zeit gemeint sind, sprich auch durchaus richtige und wegweisende Ideen, dann ist dies eindeutig der falsche Weg. Hier muss man also wieder unterscheiden können und nicht immer nur blind pauschalisieren.

Nun ist aber die Frage: kommt das auch so bei der Normalbevölkerung rüber, gibt es überhaupt eine Möglichkeit, dass sie die Unterschiede verstehen kann?

Schwierig, aber ich kann doch wenigstens von den hiesigen Schreibern erwarten, welche immerhin einen gewissen intellektuellen Anspruch verkörpern möchten (den man einigen Personen auch durchaus zugestehen kann), die Unterschiede zu verstehen. Oder?

Gerade bei der Medienberichterstattung, die im Grunde eine Endlosschlaufe des „Glatzen, 16loch-Docmartens, weiße Schnürsenkel“-Bildes ist. Und hier gilt es anzusetzen. Denn es ist nunmal so, dass so ein schwarzer Block, der „Nationaler Sozialismus – jetzt!“ ruft, nicht gerade die Normalbürger gewinnen kann, er verschreckt eher.

Denkst du wenn ein Gruppe Menschen im Anzug marschiert und „Konservative Revolution – jetzt!“ ruft andere Bilder in den Medien gezeigt werden? Das auftreten auf Kundgebungen und Demonstration hat sich schon sehr zum positiven gewandelt (Ausnahmen bestätigen die Regel), dennoch greifen die Medien auf Bilder aus den 90iger Jahren zurück und die Masse schenkt dem Glauben. Und die paar Leute am Wegesrand, sprich hinter Polizei und linken Chaoten nehmen den nationalen Zug eh nicht wirklich bzw. sehr eingeschränkt wahr.

Das „revolutionäre Potential“ solcher Aufzüge ist null. Eine junge Familie hinterlässt dann doch einen anderen Eindruck. Und hier muss eine Entwicklung stattfinden, wie sie M. Schäfer (JN) sehr richtig auf den Punkt gebracht hat: die Partei muss den Normalbürger und Wahlen gewinnen, die Jugendorganisation darf ruhig etwas radikaler sein.

Richtig, ich favorisiere auch keine solchen Aufzüge, da ich den politischen Nutzen als sehr gering einschätze. Hier müssen andere Wege gefunden und vor allem konsequent gegangen werden.

Die NPD muss sich als Partei von dem ganzen NS-Klamauk distanzieren und anders auftreten. Nur so hat sie eine Chance.

Vom Klamauk durchaus, jedoch nicht distanzieren um des distanzieren willens. Siehe oben stehende Erklärungen.

Wähler, die ja schließlich aus dem Reservoir der Nichtwähler (über 30%) gewonnen werden wollen, haben ja vorher CDU, SPD etc. gewählt und sind politisch in der BRD sozialisiert worden. Sie stehen für ein historisches „Reenactment“ ohne konkrete Antworten auf aktuelle Fragen nicht zur Verfügung und parken lieber weiter in der Wahlverweigerung. Der NPD läuft nun aber die Zeit davon, die Strategiekommission war der Tropfen auf den heißen Stein. Im Grunde müssten Schimmer/Apfel/Gansel den Laden übernehmen und neu ausrichten.

Jawohl, hier muss man Wege finden diese Schichten anzusprechen. Zuvor muss eine Zielgruppenanalyse gestartet werden, um die Propaganda dahingehend auszurichten. Dies wurde versäumt. Dass von dir beschriebene Klientel erreiche ich nicht mit blinden Phrasen und Sozial-Populismus. Hier muss mehr getan werden. Manche Ansätze sind gut, aber es hängt denke ich an der Basis, welche eben zum Teil ein gewisses Klientel repräsentiert, welches man eigentlich gar nicht ansprechen und haben möchte.

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