Sezession
1. Januar 2006

Wer bringt die Verhältnisse zum Tanzen? Zur Frage des Subjekts eines konservativen Politikwechsels

Gastbeitrag

Für den Konservativismus sind derartige Vorstellungen kaum erträglich. Und wenn wir den modernen Konservativismus inhaltlich typisieren wollen, so finden wir bei allen großen inhaltlichen Differenzen der einzelnen Fraktionen – von einem religiös bis hin zu einem national motivierten Konservativismus – in der Beurteilung der fünf oben genannten Punkte der Gesellschaftsveränderung einen Minimalkonsens. Dieser besteht

1. in der Ablehnung des multikulturellen und multiethnischen Gesellschaftskonzepts. Das Projekt ist insgesamt gescheitert. Multikultur als Bevölkerungspolitik in Pauschaltouristenperspektive erweist sich als demographische, ökonomische, politische und kulturelle Katastrophe für die Einwanderungsländer. Soweit der konservative Konsens. In der Frage der Reaktion auf diese Herausforderung herrscht große Uneinigkeit: Die Empfehlungen reichen von größeren Rückführungsaktionen bis hin zu stärkerer Integration;
2. in der Forderung nach einer völlig anderen Familienpolitik. Familie (dabei ist gemeint: Frau, Mann, Kind) muß wieder in das Zentrum der Gesellschafts- und Sozialpolitik gestellt werden. Die etablierten Parteien (bis hinein in Teile der CDU) haben die Familie als eine Art Ad-hoc-Vereinigung angesehen, aus der der Mann beliebig vertrieben werden darf, während die Frau außerfamiliäre Karriereperspektiven zum Verlassen locken, während das Kind möglichst bald nach der Geburt in Kinderhorte und ähnliche Einrichtungen abgestellt werden soll. Gegen diese desaströse Politik ist wieder die Förderung der heterosexuellen, man wagt es kaum zu sagen, „Normalfamilie“ einzufordern, in der die Mutterschaft der Frau zumindest ein funktionales Äquivalent zur möglichen Karriere darstellt.
3. Konservativer Konsens besteht in der Frage, daß zum Wohle der einheimischen Bevölkerung mit dem Prozeß der Globalisierung zumindest listig und strategisch umzugehen ist. Globalisierung ist kein Naturgesetz und man muß dieses Land nicht schutzlos dem Heuschreckenfraß preisgeben.
4. Wir brauchen dringend eine Kehre in der Bildungspolitik. Der Spaß- und Erlebnispädagogik ist eine definitive Absage zu erteilen. Man muß der Wahrheit wieder zum Durchbruch verhelfen, daß Lernen mit Anstrengung und Mühe verbunden ist. In diesem Zusammenhang gilt es auch, den Pisa-Nebel zu vertreiben, dadurch hervorgerufen, daß man Glauben macht, es könne durch mehr Pädagogik und durch mehr sozialtherapeutische Betreuung die deutsche Bildungsmisere behoben werden. Das wäre lediglich mehr von dem, was uns diese Misere eingebrockt hat. Nein, wir brauchen eine andere Bildungspolitik, andere Bildungsinhalte und andere pädagogische Konzepte, die den jungen Menschen viel stärker mit Forderung und Förderung in die Pflicht nehmen!
5. Dem Werterelativismus ist nachdrücklich Einhalt zu gebieten. Aus der Tradition der abendländisch-christlichen Kultur heraus sind die spezifischen Wertebindungen gegen jede Form des Werterelativismus zu bringen. Insbesondere die jungen Menschen sollten wieder verstärkt eine wertebasierte Sozialisation erfahren.

Über diese fünf Punkte sollte im konservativen Lager Einigkeit bestehen. Sobald man aber die hier eingehaltene Abstraktionsebene verläßt, also politisch konkreter wird, wird man feststellen, daß es in den Vorstellungen zur inhaltlichen Umsetzung große Differenzen gibt.


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