Ist Eva Herman dumm?

Vor gut zwei Wochen lieferte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung einen boulevardesken Einblick über die Arithmetik der Vergebung:

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Wel­cher Pro­mi­nen­te hat sich wel­chen Ver­ge­hens schul­dig gemacht, und für wie lan­ge wur­de er des­halb von der Matt­schei­be ver­bannt? Für Eva Her­man (die anders als ande­re, längst reha­bi­li­tier­te Schla­wi­ner weder Zwangs­pro­sti­tu­ier­te noch har­te Dro­gen kon­su­mier­te) wur­de da ein „dau­er­haf­ter Aus­schluß aus der Fern­seh­ge­mein­de” fest­ge­stellt. Stimmt nicht, wur­de ges­tern rundumgemeldet.

Einem Leu­te-Maga­zin hat Her­man mit­ge­teilt, sie ste­he in Ver­hand­lun­gen mit einem inter­es­sier­ten Pri­vat­sen­der. Nur: Auf Anfra­gen von Jour­na­lis­ten hin wei­sen sämt­li­che bedeu­ten­de­ren Sen­der ein sol­ches Inter­es­se weit von sich…

Soweit dies. Die Häme gegen Her­man hört ja nicht auf. Sie sei doch Mut­ter! Und, ha, gehör­ten Müt­ter nach Her­mans eige­ner Dik­ti­on nicht an den Herd? Wohl­ge­merkt: Der Her­man-Sohn ist 12, und Her­man hat nir­gends gesagt, daß Her­an­wach­sen­de einer fami­liä­ren Rund­um­be­treu­ung, oder gar einer Voll­zeit-Beko­chung (Herd!) bedürf­ten. Das Bri­san­te am Her­man-Skan­dal war ja, daß ihre Müt­ter­lich­keits­the­sen weder neu noch beson­ders fin­dig for­mu­liert waren. Die öffent­li­che Auf­re­gung war dar­in begrün­det, daß eine Pro­mi­nen­te rück­bli­ckend die eige­ne kar­rie­re­tech­ni­sche Ego­zen­trik bedau­er­te und Frag­wür­dig­kei­ten wie den aktu­el­len Krip­pen­wahn kritisierte.

Als ich damals in der Jun­gen Frei­heit eini­ge Arti­kel zur Debat­te ver­öf­fent­licht hat­te, bekam ich viel Zustim­mung. Das Pro­blem, so hieß es fast uni­so­no, sei nur, daß „die­se Frau so grund­dumm” sei. Ist sie das? Dumm im Ver­gleich zu wem? Zu einem, sagen wir Psy­cho­lo­gie­pro­fes­sor – oder zum Gros der Kol­le­gin­nen? Ich jeden­falls sehe nicht, wo die mar­kant unter­durch­schnitt­li­che Intel­li­genz von Eva Her­man zuta­ge tre­ten soll­te. Denn dumm geht bei­spiels­wei­se so:

Ges­tern hat­te ich ein Geburts­tags­ge­schenk zu besor­gen. Eine mei­ner Töch­ter ist bei einer Freun­din ein­ge­la­den, die Pfer­de­n­är­rin ist. Nahe­lie­gend, da ein Pfer­de­buch zu kau­fen. Im gro­ßen Ein­kaufs­markt lagen ein paar ent­spre­chen­de Mäd­chen­ro­ma­ne auf dem Grab­bel­tisch, aber die waren, logisch, ange­grab­belt. Also in die ört­li­che Buch­hand­lung. Ungern aller­dings, weil man dort die Waren nicht sor­tiert (und wenn, dann in Drei­er­rei­hen hin­ter­ein­an­der) und sich bei Anfra­gen mit einem aus­ge­präg­ten, schwer­ver­ständ­li­chen Dia­lekt aus­ein­an­der­set­zen muß. Beim Stö­bern im Durch­ein­an­der wur­de ich Ohren­zeu­ge fol­gen­den Dia­logs: „Ich suche eine Bal­la­den-Samm­lung!”- „Hm. Wie jetzt, Bal­la­den?” – „Ja, also… so Gedich­te halt.” Die Buch­händ­le­rin geht zur Kas­se, dort ein Büch­lein-Auf­stel­ler mit Ver­sen & Bil­dern zu unter­schied­li­chen Anläs­sen. „Hier, so was hät­ten wir da; Poe­sie für Ver­lieb­te, für Trau­ern­de… viel­leicht fin­den Sie dar­un­ter was…” Kun­de: „Nee, Bal­la­den, also, das sind so län­ge­re Gedich­te…” Buch­händ­le­rin (kramt wei­ter): „Hm. Also län­ge­re… Hier haben wir noch für Kran­ke, für Jubi­la­re…” Ich hab dann kein Pfer­de­buch gekauft. Eine gute Ent­schei­dung. Die Toch­ter sag­te, die Klas­sen­ka­me­ra­din lese gar kei­ne Bücher. Die wird 12, die bei­den gehen aufs Gym­na­si­um. Soviel zur Dumm­heit und zu Eva Her­man, mit­hin ein wei­tes Feld.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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