attac – 10 Jahre

Heute vor 10 Jahren gründeten 120 Globalisierungskritiker den deutschen Ableger von attac. Mittlerweile gehören der NGO rund 22.000 Mitglieder an. Ihr Gründungsslogan „Entwaffnet die Finanzmärkte“ bekam mit Anbruch der weltweiten Wirtschaftskrise im Herbst 2008 enorme Aktualität. Inzwischen schreiben sich selbst Regierungspolitiker solche Parolen auf die Fahnen.

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

Aus die­sem Grund habe attac „intel­lek­tu­ell gesiegt“, sagt eines der pro­mi­nen­tes­ten Mit­glie­der, das CDU-Urge­stein Hei­ner Geiß­ler, zum heu­ti­gen Jubi­lä­um der Chem­nit­zer Frei­en Pres­se.

Die Idee, wegen der attac gegrün­det wor­den ist, die Ein­füh­rung einer inter­na­tio­na­len Trans­ak­ti­ons­steu­er, steht inzwi­schen auf der Agen­da der Staa­ten. Neben Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel plä­diert mitt­ler­wei­le auch der fran­zö­si­sche Staats­prä­si­dent Nico­las Sar­ko­zy für die Transaktionssteuer.

Den­noch lei­det die Pro­test­or­ga­ni­sa­ti­on in gewis­ser Wei­se dar­un­ter, daß vie­le Regie­run­gen ihre Zie­le über­nom­men haben, denn dadurch wer­den ihre eige­nen Aktio­nen weni­ger stark wahr­ge­nom­men. Auf ein rich­tig gro­ßes neu­es Leit­the­ma haben sich die Glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­ker noch nicht eini­gen kön­nen. Wür­de der Sozio­lo­ge Pierre Bour­dieu, einer der bekann­tes­ten Mit­be­grün­der in Frank­reich, noch leben, wür­de er wahr­schein­lich vor­schla­gen, die Schaf­fung eines gemein­sa­men euro­päi­schen Sozi­al­staa­tes zur Bekämp­fung des Neo­li­be­ra­lis­mus als eine Kern­auf­ga­be zu begrei­fen. attac aber posi­tio­niert sich zu die­sem The­ma genau­so schwam­mig wie alle gro­ßen Par­tei­en. Man kämp­fe „für ein sozia­les, frie­dens­fä­hi­ges und demo­kra­ti­sches Euro­pa“, heißt es auf ihrer Netzseite.

Die­se For­de­run­gen zei­gen, daß die lin­ke Glo­ba­li­sie­rungs­kri­tik am fal­schen Hebel ansetzt, denn die Haupt­ur­sa­che der Finanz­kri­se ist struk­tu­rel­ler Art. Die­se kann auch nicht mit­tels wohl­fahrts­staat­li­cher Maß­nah­men, neu­er Steu­ern oder Restrik­tio­nen sei­tens der EU gelöst werden.

Mit Arnold Geh­len gespro­chen sehen wir heu­te die Aus­wir­kun­gen ethisch indif­fe­ren­ter Super­struk­tu­ren. Die Finanz­märk­te und die EU sind sol­che Super­struk­tu­ren, die voll­kom­men ent­or­tet und los­ge­löst von den Pro­ble­men der ein­fa­chen Men­schen ein Eigen­le­ben fris­ten. In Die See­le im tech­ni­schen Zeit­al­ter (1957) kri­ti­sier­te Geh­len den „schwin­den­den per­so­na­len Cha­rak­ter der öko­no­mi­schen und poli­ti­schen Gewalt­ver­hält­nis­se“. Ohne die­sen sei­en Insti­tu­tio­nen nicht kon­trol­lier­bar und ver­lö­ren ihr Verantwortungsbewußtsein.

Solan­ge die Kon­sum­kul­tur aller­dings eini­ger­ma­ßen funk­tio­niert, rebel­lie­ren die Men­schen gegen die­se wur­zel­lo­sen Gebil­de nicht wirk­lich. Sie pas­sen sich viel­mehr an, weil sie glau­ben, nur durch die Erfül­lung der Ansprü­che die­ser ent­or­te­ten Welt (z.B. Fle­xi­bi­li­tät) ihre Kon­sum­be­dürf­nis­se stil­len zu können.

Wel­cher Weg könn­te nun aus die­ser Situa­ti­on her­aus­füh­ren? Geh­len sprach schon vor über 50 Jah­ren davon, man müs­se „ein sta­bi­les mora­li­sches Ver­hält­nis zur indus­tri­el­len Kul­tur“ fin­den. Davon sind wir auch in der heu­ti­gen Dienst­leis­tungs- und Wis­sens­ge­sell­schaft mei­len­weit ent­fernt. Es klingt zwar uto­pisch, aber letzt­end­lich hilft doch nichts ande­res, als die Super­struk­tu­ren zu zer­schla­gen und neue ein­fach auf­ge­bau­te Hier­ar­chien mit ört­li­chem Bezug zu konstruieren?

(Bild via pixelio von Ste­pha­nie Hofschlaeger)

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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