Lazio, Hitzlsperger und der Pragmatismus

Sorgenvoll berichtet die Financial Times Deutschland unter der Überschrift „Ein Stuttgarter sieht braun“ über den Wechsel des Stuttgarter Fußballspielers Hitzlsperger zu Lazio Rom. Einige Antifa-Seiten haben diese Meldung aufgegriffen, denn H. bloggt auf der Seite Störungsmelder „gegen Nazis“.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Das wäre ja nicht wei­ter schlimm, wenn nicht die poli­ti­sche Aus­rich­tung eini­ger Lazio-Fans Bauch­schmer­zen berei­ten wür­de. So heißt es:

Irri­du­ci­bi­li, die Unbeug­sa­men, so nennt sich die neo­fa­schis­ti­sche Ultra-Grup­pie­rung von Lazio Rom. Seit 1987 bil­det sie den har­ten Kern der Cur­va Nord im Olym­pia­sta­di­on. Immer wie­der pfei­fen die Tifo­si schwar­ze Spie­ler aus und beglei­ten deren Ball­kon­tak­te mit Affen­lau­ten. Die Geschich­te rechts­ra­di­ka­ler Aus­fäl­le bei Lazio ist lang und reicht vom römi­schen Gruß des beken­nen­den Neo­fa­schis­ten und ehe­ma­li­gen Spie­lers Pao­lo Di Canio bis zu “Ausch­witz ist eure Heimat”-Transparenten beim Der­by 2007 gegen den AS Rom.

Es sei „mehr als eine Fuß­no­te“, daß der „enga­giert gegen Neo­na­zis ein­tre­ten­de Natio­nal­spie­ler“ nun zu dem Ver­ein gehe, des­sen Kur­ve „Hort rechts­ra­di­ka­ler Gesin­nung“ sei. Der “Kampf gegen Rechts” stellt sich also schlicht die Fra­ge, war­um H. dies tut, wenn er doch so ein auf­rech­ter Anti­fa­schist ist.

Dar­auf sind drei Ant­wor­ten mög­lich: Ent­we­der ist es H. mit sei­ner Gesin­nung nicht so ernst oder Lazio ist doch nicht so schlimm, und der Anti­fa­schist H. hat nach gründ­li­cher Ana­ly­se des welt­an­schau­li­chen Umfelds von Lazio ent­schie­den, daß er ohne Gewis­sens­bis­se hier sein Glück ver­su­chen kann. Oder aber H. meint, daß es ihm als deut­schem Gut­men­schen gege­ben sei, im Sin­ne anti­fa­schis­ti­scher Welt­an­schau­ung auf die Irri­du­ci­bi­li einzuwirken.

Getreu sei­ner Welt­an­schau­ung hät­te H. eigent­lich zum AS Livor­no gehen müs­sen, der für sei­ne anti­fa­schis­ti­schen bzw. kom­mu­nis­ti­schen Ultras bekannt ist. Die sind zwar genau­so gewalt­tä­tig wie die Unbeug­sa­men von Lazio, ste­hen aber welt­an­schau­lich auf der rich­ti­gen Sei­te. Aber viel­leicht darf H. in Rom zur Abwechs­lung mal wie­der das tun, wofür er bezahlt wird: Fuß­ball spie­len. Wenn er das gut macht, wer­den die Irri­du­ci­bi­li, ganz prag­ma­tisch, ihm sei­ne poli­ti­sche Ver­gan­gen­heit ver­mut­lich nicht wei­ter übelnehmen.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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