Sezession
22. Februar 2010

Hartz-IV-Debatte: Soziale Wärme durch weniger Geld

Felix Menzel

Die Hartz-IV-Debatte ist in vollem Gang. FDP-Chef Guido Westerwelle hat jetzt noch einmal in der BILD am Sonntag nachgelegt und gefordert, Arbeitslose sollten Schnee schippen. Außerdem müsse der Staat aufpassen, daß sie das Geld für ihre Kinder nicht „in einen neuen Fernseher“ investieren. Um dies zu verhindern, sollten Bildungsgutscheine und Ganztagsschulen an die Stelle von finanziellen Zuwendungen treten.

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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Was Westerwelle fordert, liegt nicht jenseits des Vorstellbaren: Wer vom Staat Geld erhält, kann wohl auch eine kleine Gegenleistung erbringen – Schnee schippen halt oder was auch immer. Und weil der Arbeitslose das staatliche Geld tatsächlich entweder für einen Fernseher verwenden oder in die Bildung seiner Kinder investieren kann, könnte man den Verwendungszweck doch wirklich sinnvoll vorwegbestimmen.

Der Haken an der Hartz-IV-Debatte: Es geht die ganze Zeit ums Geld. Keine Partei macht sich Gedanken darüber, wie die Lebenschancen der Arbeitslosen durch nicht-monetäre Anreize und Vorteile erhöht werden könnten.

Dieses Problem ließe sich ganz einfach lösen. Die Eltern erhalten weniger Geld vom Staat, ihre soziale Wärme sollten Arbeitslose deshalb nicht beim Blick auf ihr Konto spüren. Vielmehr könnten sie kostenlose Bus- und Bahntickets, freien Zugang zu Vereinen, Museen, Kursen der Volkshochschulen etc. erhalten.

Ein Beispiel aus meinem Alltag: Seit über 15 Jahren engagiere ich mich in einem Sportverein, in dem auch viele Kinder von Hartz-IV-Eltern Mitglied sind. Wir lassen diese Kinder zu besonders günstigen Preisen trainieren, weil es uns – den Übungsleitern – nicht ums Geldverdienen geht, sondern um die Erziehung. Dennoch müssen wir uns ständig mit Fällen herumschlagen, bei denen sich die arbeitslosen Eltern mit dem Kauf von Handys, Fernsehern und ungesundem Essen so übernommen haben, daß für das Training ihrer Kinder gar nichts mehr übrigbleibt.

In diesem Fall wäre es besser, der Staat kürzte den Eltern die Leistungen. Die Kinder dürften dann kostenlos unseren Sportverein besuchen, und der Staat übernähme die anfallenden Kosten selbst. Bei zwei Vereinsmitgliedern aus dem Jugendheim läuft das übrigens auf diese Weise, und es ist für alle von Vorteil.

Bild: © Matthias Balzer / PIXELIO


Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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