Presseschau, 27. Februar 2010

Auswahlpresseschau, erstellt aus diversen Zeitungen, Magazinen und Blogs. Einige Schwerpunkte diese Woche: Bundeswehr („Gebirgsjäger-Affäre“ und NH90-Probleme); Griechenland holt die Nazikeule heraus; Integrationsdebatten diesseits und jenseits des Rheins; exemplarische Fälle von Ausländergewalt; Jungen in der Krise.

 Gastbeitrag

Gastbeitrag


Äuße­res, Kriegs- und Konfliktforschung

Auf­nah­me­ri­tua­le
Von Mar­tin Böcker
Die Bun­des­wehr sorgt mal wie­der für Auf­re­gung. Es geht um ver­meint­lich „ent­wür­di­gen­de Auf­nah­me­ri­tua­le“, die „Gebirgs­jä­ger-Affä­re“ und den „Tes­to­ste­ron-Irr­sinn“. Alle sind erschro­cken und furcht­bar auf­ge­regt. Aber war­um? Gehö­ren Auf­nah­me­ri­tua­le nicht genau so zum Mili­tär wie das all­mor­gend­li­che Antreten?

Kri­tik am neu­en Bundeswehr-Hubschrauber
Das lan­ge War­ten auf den NH90
Der neue Trans­port­hub­schrau­ber NH90 der Bun­des­wehr macht sei­nen Besit­zern wenig Freu­de: Ein inter­ner Bericht der Mili­tärs offen­bart eine lan­ge Män­gel­lis­te, die Kos­ten explo­die­ren, und es wird noch Jah­re dau­ern, bis der Hub­schrau­ber tat­säch­lich in der bestell­ten Ver­si­on abhebt. Die Ver­öf­fent­li­chung von Details in der „Bild“-Zeitung sorg­te für Auf­re­gung und bei Exper­ten vor allem für Ärger.

Des­pot in Rage
Gad­da­fi ruft zum Dschi­had gegen die Schweiz auf
Muammar al-Gad­da­fis Angrif­fe gegen die Schweiz wer­den immer schril­ler: Nach mona­te­lan­gen diplo­ma­ti­schen Que­re­len ruft Liby­ens Staats­chef nun zum Hei­li­gen Krieg gegen die Alpen­re­pu­blik auf. Als Begrün­dung nennt er das Mina­rett-Ver­bot der Eid­ge­nos­sen – und for­dert einen „Kampf mit allen Mitteln“.

Öl befeu­ert den Falkland-Konflikt
Von Tho­mas Kielinger
Argen­ti­ni­en ist wütend über Boh­run­gen rund um bri­ti­sches Ter­ri­to­ri­um und will die Ver­ein­ten Natio­nen ein­schal­ten – Pro­tes­te gegen London

Medi­en-Streit
Auf den Stin­ke­fin­ger folgt das Hakenkreuz
Als „Betrü­ger in der Euro-Fami­lie“ beti­telt der „Focus“ das ver­schul­de­te Grie­chen­land, zeigt dazu Aphro­di­te mit dem Stin­ke­fin­ger. Die grie­chi­sche Pres­se reagiert empört mit einer Mon­ta­ge der Göt­tin Vik­to­ria auf der Sie­ges­säu­le mit einem Haken­kreuz. Nun fol­gen Pro­tes­te und eine Beschwer­de beim deut­schen Botschafter.

Jetzt wird die Naz­i­keu­le erst rich­tig rausgeholt …
Grie­chen erhe­ben Nazi-Vor­wür­fe gegen Deutsche
Am Tag des Gene­ral­streiks lenkt die grie­chi­sche Regie­rung ihr Augen­merk auf Deutsch­land: Grie­chen­land sei für die Nazi-Besat­zung im Zwei­ten Welt­krieg nicht ent­schä­digt wor­den, sagt Vize-Regie­rungs­chef Theo­do­ros Pan­ga­los. Und stellt – vor dem Hin­ter­grund hor­ren­der Staatschul­den – Forderungen.

Staat, Demo­gra­phie, Wirtschaft

Kom­men­tar
Die Deut­schen haben recht mit ihrer Euroskepsis
Von Jörg Eigendorf
Die Deut­schen glau­ben immer weni­ger an die Euro­päi­sche Uni­on. Und sie lie­gen rich­tig. Vor dem Hin­ter­grund der Grie­chen­land­kri­se zeigt sich deut­lich: Die EU ist eine Schön­wet­ter­ver­an­stal­tung. Unfä­hig, Spiel­ver­der­ber zur Ver­nunft zu brin­gen. Und die­se Kri­se trifft die Men­schen direkt in ihrem Geldbeutel.

Ham­burg: CDU stürzt ab
Von Insa Gall; Flo­ri­an Hanauer
Umfra­ge zur Halb­zeit der Legis­la­tur­pe­ri­ode – 69 Pro­zent unzu­frie­den mit Arbeit des Senats
Zur Halb­zeit der Legis­la­tur­pe­ri­ode ist die Ham­bur­ger CDU in der Gunst der Wäh­ler regel­recht abge­stürzt. Wür­de am Sonn­tag gewählt, ver­lö­ren die Christ­de­mo­kra­ten im Ver­gleich zur Bür­ger­schafts­wahl 2008 gan­ze 11,6 Pro­zent­punk­te und kämen nur noch auf 31 Pro­zent. Damit lägen CDU und SPD erst­mals seit dem Macht­wech­sel 2001 wie­der gleich­auf, denn auch die Sozi­al­de­mo­kra­ten erhal­ten 31 Prozent.


Die Lin­ke, Geschichts- und Iden­ti­täts­po­li­tik, His­to­ri­sches (Zeit­ge­schich­te)

Nach­trag zu Dres­den: Fund­stück aus dem Jah­re 1963:
Sodom in Sachsen
LUFTKRIEG
Sie­ben Tage und acht Näch­te lang stand die Stadt in Flam­men. Ihre Men­schen wur­den ver­brannt, erschla­gen, ver­gif­tet. Die bers­ten­den Mau­ern begru­ben 135 000 Tote, 75 000 mehr als in Hiroshima.

Afgha­ni­stan-Debat­te
Lam­mert schließt Lin­ke von Bun­des­tags­sit­zung aus
In der Bun­des­tags­de­bat­te über den Afgha­ni­stan-Ein­satz der Bun­des­wehr ist es zu einem Eklat gekom­men. Bun­des­tags­prä­si­dent Nor­bert Lam­mert schloß die Links­frak­ti­on von der Sit­zung aus, weil sie mit Pro­test­pla­ka­ten gegen den Ein­satz demons­triert hat­te. Über den Ein­satz darf die Oppo­si­ti­ons­par­tei aber wie­der abstimmen.

Debat­te um katho­li­schen Mißbrauch
Die Grü­nen, der Sex und die Kinder
Miß­brauch von Kin­dern als Fol­ge der sexu­el­len Revo­lu­ti­on? Auf Bischof Mixas Äuße­run­gen folg­te zu Recht Ent­rüs­tung. Ganz vor­ne dabei: die Grü­nen – und die hat­ten zum The­ma Sexua­li­tät und Kin­der einst Aben­teu­er­li­ches zu sagen. Eine klei­ne Zeit­rei­se von Jan Fleischhauer

Bun­des­re­pu­bli­ka­ni­sche Probleme …
Geschichte
Kapel­le mit Bau­ma­te­ri­al aus Hit­lers Berghof?

Land­nah­me und Überfremdung/Zuwanderung und Integration

Debat­te um natio­na­le Iden­ti­tät in Frankreich …
Weder ein Volk noch eine Sprache
Von Alain de Benoist
„Water­loo“, „Begräb­nis der poli­ti­schen Klas­se“, „bedin­gungs­lo­se Kapi­tu­la­ti­on“, „gra­vie­ren­de poli­ti­sche und ideo­lo­gi­sche Nie­der­la­ge“: Die Kom­men­ta­re zum Abschluß der im ver­gan­ge­nen Okto­ber von Staats­prä­si­dent Nico­las Sar­ko­zy aus­ge­ru­fe­nen „gro­ßen Debat­te über die natio­na­le Iden­ti­tät“ fal­len ein­deu­tig und ein­hel­lig aus. Ech­te Ergeb­nis­se hat die­se Debat­te nicht gebracht, und ob der beschlos­se­nen Maß­nah­men weiß man kaum, ob man lachen oder wei­nen soll.

Gro­ße Überraschung …
Inte­gra­ti­ons­be­auf­trag­te Böhmer
„Alar­mie­rend hoher Migran­ten­an­teil bei Hartz IV“
Die Inte­gra­ti­ons­be­auf­trag­te Maria Böh­mer ist beun­ru­higt über die hohe Migran­ten-Quo­te unter den Hartz-IV-Bezie­hern und mahnt bes­se­re Sprach­kennt­nis­se und eine gute Bil­dung an. Auch Kanz­le­rin Mer­kel beschäf­tigt das The­ma Hartz IV. Sie ver­langt Ver­bes­se­run­gen – doch der FDP ist das zu wenig.

Frank­furt am Main: Abschied von der Integration
Frank­furt kommt nicht zur Ruhe. Nach­dem letz­te Woche der Hes­si­sche Rund­funk Ent­hül­lun­gen über den Bau der drit­ten Moschee im Stadt­teil Hau­sen an die brei­te Mas­se der Bevöl­ke­rung ver­brei­te­te (PI berich­te­te), und somit die Aus­sa­gen der dama­li­gen BI Hau­sen – heu­te PI-Frank­furt – bestä­tig­te, wur­de von der Frak­ti­on der Frei­en Wäh­ler im Römer am 10. Febru­ar 2010 nun eine Exper­ti­se zum Inte­gra­ti­ons­kon­zept von Dr. Nar­gess Eskan­da­ri-Grün­berg vorgestellt.


Ausländergewalt

Offen­bach
Für Poli­zei und Staats­an­walt­schaft sind tür­ki­sche Kick­box-Zwil­lin­ge Schutzgelderpresser
Bru­ta­le Sponsoren-Suche
Von Tho­mas Kirstein
Offen­bach – Das als „Fight Club“ fir­mie­ren­de Kampf­sport­stu­dio in der Gro­ßen Markt­stra­ße stellt auf sei­ner auf­wen­di­gen Inter­net-Sei­te vie­le der­je­ni­gen vor, die sich als Spon­so­ren ver­dient machen.
Folgt man der Offen­ba­cher Staats­an­walt­schaft und der Kri­mi­nal­po­li­zei, dann haben sie nicht frei­wil­lig finan­zi­el­le Bei­trä­ge geleis­tet. Viel­mehr sol­len die meist tür­kisch­stäm­mi­gen Betrei­ber von Spie­lothe­ken, Wett­bü­ros, Kios­ken, Gast­stät­ten, Tele­ca­fés und einem Hotel durch mas­si­ven Druck sei­tens zwei­er Lands­leu­te und ihrer Hel­fers­hel­fer zu regel­mä­ßi­gen Zah­lun­gen genö­tigt wor­den sein – aus anfäng­lich 50 Euro im Monat wur­den bald 300.
Kla­rer Fall von Schutz­geld­erpres­sung, mei­nen Anklä­ger und Ermitt­ler. Als Draht­zie­her und Haupt­ak­teu­re gel­ten die als Kampf­sport-Trai­ner täti­gen Zwil­lin­ge Deniz und Devrim Akar­su, bei­de 1977 in Offen­bach gebo­ren und tür­ki­sche Staatsbürger.

Raub­über­fall mit uner­war­te­tem Finale
Wir berich­ten immer wie­der über Fäl­le von Migran­ten­ge­walt, bei denen sich das Opfer ver­meint­lich wehr­los sei­nem Schick­sal ergibt. Etwas anders ver­lief am Sams­tag ein Raub­über­fall im Bon­ner Stadt­teil Pütz­chen. Dort hol­te sich ein „süd­län­di­scher“ Täter von sei­nem Opfer eine blu­ten­de Nase.

Kri­mi­na­li­tät
Ber­lin-Neu­kölln: Poli­zis­ten schie­ßen Räu­ber nieder
Von Micha­el Behrendt
Bei einem Schuß­wech­sel zwi­schen bewaff­ne­ten Räu­bern und Poli­zis­ten in Zivil ist ein 17jähriger Täter ver­letzt wor­den. Ein Pro­jek­til traf ihn ins Bein. Gemein­sam mit einem erst 15 Jah­re alten Kom­pli­zen hat­te er in der Nacht zu ges­tern ein Spiel­ka­si­no in Neu­kölln überfallen.
Dabei wur­de ein Ange­stell­ter ver­wun­det. Wie sich ges­tern her­aus­stell­te, han­del­te es sich bei der Täter­waf­fe um eine Schreckschußpistole.
Gegen 2.50 Uhr hat­ten ers­ten Erkennt­nis­sen zufol­ge zwei Mas­kier­te die Spiel­hal­le an der Karl-Marx-Stra­ße gestürmt und den 24 Jah­re alten Ange­stell­ten mit der Pis­to­le und einem Mes­ser bedroht. Anschlie­ßend drück­te einer der Täter dem Opfer die Klin­ge an den Hals, ver­letz­te es dabei und erzwang so die Her­aus­ga­be von Bar­geld aus der Kas­se. Anschlie­ßend flüch­te­ten die Täter mit ihrer Beu­te auf die Stra­ße. Poli­zis­ten in Zivil bemerk­ten den Zwi­schen­fall und ver­folg­ten die Jugend­li­chen. An der Kirch­hof­stra­ße schließ­lich soll der 17jährige meh­re­re Schüs­se in Rich­tung der Beam­ten ange­ge­ben haben. Die­se erwi­der­ten das Feu­er und tra­fen den Jugend­li­chen ins Bein. Er wur­de in ein nahe gele­ge­nes Kran­ken­haus trans­por­tiert. [In der Druck­aus­ga­be des Schwes­ter­blatts „Welt“ war ein anony­mi­sier­tes Bild des Täters beim Abtrans­port per Kran­ken­tra­ge zu sehen: schwar­ze Haa­re im Bushi­do-Stil, Pali-Tuch, schwar­ze Jacke, hel­le Hose (nun mit Blutfleck) …]

Erzie­hung, Bil­dung, Sonstiges

Allein­er­zo­ge­ne Jungen
Papa, wo bist du?
Aus Düs­sel­dorf berich­tet Jens Lubbadeh
Jedes fünf­te Kind in Deutsch­land wächst nur mit einem Eltern­teil auf, meist ist es die Mut­ter. Der feh­len­de Vater ist nach Erkennt­nis­sen von Wis­sen­schaft­lern vor allem für Jun­gen pro­ble­ma­tisch. Selbst Jahr­zehn­te spä­ter haben sie ein erhöh­tes Depressionsrisiko.

Weib­li­che Pädagogik
Jungs von heu­te – ver­weich­licht und verweiblicht
Von Wolf­gang Berg
Klei­ne Män­ner wol­len laut sein, rau­fen, sich bewei­sen und trotz­dem geliebt wer­den. Doch dafür ist in der päd­ago­gisch kor­rek­ten Frau­en­welt von heu­te kaum noch Platz. Jungs wer­den mehr und mehr mit weib­li­chem Ver­ständ­nis in Wat­te gepackt, har­mo­ni­siert und ver­weich­licht. War­um eigentlich?

Recht inter­es­san­te Seite …
The Peo­pling of Europe

Buch­tip zu die­sem Thema …
Andre­as Von­der­ach: Anthro­po­lo­gie Euro­pas – Völ­ker, Typen und Gene vom Nean­der­ta­ler bis zur Gegen­wart, 480 Sei­ten, Hard­co­ver, 39,90 Euro

Gene las­sen uns Gesich­ter erkennen
Von Pia Heinemann
Lon­don – Offen­bar ist die Fähig­keit, ein Gesicht zu erken­nen, nichts, was wir im Lau­fe der Kind­heit erlernen.Wissenschaftler des Uni­ver­si­ty Col­le­ge in Lon­don berich­ten in PNAS über Hin­wei­se dar­auf, daß in den Genen jedes ein­zel­nen ver­an­kert ist, wie gut Gesich­ter erkannt wer­den können.Und offen­bar ist die Arbeit, die das Gehirn beim Erken­nen von Gesich­tern leis­ten muß, wesent­lich höher und kom­pli­zier­ter als bei ande­ren kogni­ti­ven Pro­zes­sen, etwa der Wort­er­ken­nung. Die Wis­sen­schaft­ler haben für ihre Stu­die ein­ei­ige und zwei­ei­ige Zwil­lin­ge getes­tet. „Gesichts­er­ken­nung ist eine Fähig­keit, die wir jeden Tag benö­ti­gen“, sagt Hirn­for­scher Brad Duchaine.

Evo­lu­ti­on
Fin­ger­tier ist ein gutes Bei­spiel für die Evolution
Von Pia Heinemann
Das Fin­ger­tier, auch unter dem nied­li­chen Namen Aye-Aye bekannt, ist wahr­lich kein schö­ner Zeit­ge­nos­se. Es wur­de jüngst sogar zu einem der häß­lichs­ten Tie­re der Welt gewählt. Für For­scher ist das Fin­ger­tier aber den­noch inter­es­sant, weil es ein gutes Bei­spiel für das Wir­ken der Evo­lu­ti­on ist.

 Gastbeitrag

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