Sezession
8. März 2010

Der Sturmvogel im Netz der Antifa

Erik Lehnert

Wer das Verbot der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) verfolgt hat, konnte ein Lehrstück darüber beobachten, wie einige linke und bestens vernetzte Journalisten ein Thema in die Öffentlichkeit ziehen können und die Politik damit zum Handeln zwingen. Daß sie sich mit dem Verbot der HDJ nicht zufriedengeben würden, war zu erwarten. Fest stand nur noch nicht, auf welche Organisation sie sich als nächstes einschießen würden. Mit dem „Sturmvogel“ scheint nun die nächste Gruppierung gefunden zu sein.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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Den Anfang machte am 4. Januar die Schweriner Volkszeitung: Von einem „rechtsextremen Lager für Kinder“, das die Organisation „Sturmvogel“ in Mecklenburg-Vorpommern veranstaltet habe, war in dem Regionalblatt zu lesen. Die Polizei habe einen entsprechenden Bericht der „Antifaschistischen Gruppe A3“ aus Rostock bestätigt, so die Zeitung. Der Sturmvogel habe, ebenso wie die im April 2009 verbotene HDJ seine „Wurzeln“ in der 1990 verbotenen „Wiking Jugend“. Noch am gleichen Tag griff Robert Scholz von Endstation Rechts den Artikel auf und sorgte somit für eine deutschlandweite Verbreitung. Neben dem Beitrag aus der Schweriner Volkszeitung griff Scholz dabei auch auf einen Artikel des linken Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin (apabitz) zurück, der unter anderem aus der Feder des Antifa-Journalisten Ulli Jentsch stammt, der auch für die linksradikalen Zeitschriften Der Rechte Rand und Antifaschistisches Infoblatt schreibt.

Am nächsten Tag wußten Scholz und Endstation Rechts zu berichten, daß das Sturmvogel-Lager laut einem Bericht der Ostsee-Zeitung keine weiteren polizeilichen Ermittlungen nach sich ziehe, da es „keine Anhaltspunkte für Straftaten oder Kindeswohlgefährdung“ gebe. Eigentlich nicht der Meldung wert, doch ging es darum, den Sturmvogel in den Schlagzeilen zu halten. Dafür sorgten auch zwei Tage später die Journalisten Andrea Röpke und Andreas Speit im SPD-eigenen Antifa-Organ Blick nach Rechts. Unter dem Titel „Völkische Erziehung“ erschien ein ausführlicher Bericht über den Sturmvogel. Dabei wurde dieser gezielt in die Nähe der NPD und der HDJ gerückt. An dem Verbot letzterer hatte Röpke einen nicht unerheblichen Anteil, da sie über Jahre hinweg in Antifa-Blättern, aber auch anerkannten Medien vor der HDJ gewarnt hatte. Auch Speit hatte sich publizistisch an der Kampagne beteiligt.

Doch wie bei der HDJ hatte Röpke auch beim Sturmvogel die Nase vorn. Bereits im Juni hatte sie zusammen mit dem Journalisten Maik Baumgärtner einen längeren Beitrag für die Internetseite Mut gegen rechte Gewalt über die „Braune Kulturwelt“ verfaßt, in dem auch der Sturmvogel erwähnt wurde. Der Artikel erschien auch im Blick nach Rechts. Baumgärtner, der bereits als Autor für Den Rechten Rand in Erscheinung getreten war, hatte gerade sein Werk „Wer trägt die schwarze Fahne dort…“ über „neurechte Gruppen im Fahrwasser der Bündischen Jugend“ bei der Arbeitsgemeinschaft Rechtsextremismus und Gewalt (ARUG) veröffentlicht, in welchem er dem Sturmvogel ebenfalls ein Kapitel widmete. Bei der ARUG war einige Jahre zuvor auch Röpkes Buch „Ferien im Führerbunker“ über die HDJ erschienen, zu dem der Politikwissenschaftler Gideon Botsch vom Moses-Mendelson-Zentrum ein Vorwort verfaßt hatte.

Und so verwunderte es nicht, daß dieser in dem von Röpke und Speit am 7. Januar für die taz verfaßten Artikel „Rechte Brutpflege“ als Experte auftauchte, in welchem die beiden Journalisten indirekt zu einem Verbot des Sturmvogels rieten. So hieß es beispielsweise: „Die rechte ‘Heimattreue Deutsche Jugend’ und die ‘Wiking-Jugend’ sind verboten. Doch im Verborgenen etabliert sich schon eine Alternative: der schwarze Sturmvogel.“ Ausführlich warnte Botsch in dem Artikel vor der Gefährlichkeit des Sturmvogels. Dieser sei nicht aus der bündischen Jugendbewegung, sondern aus der rechtsextremen Szene entstanden und wirke wie einst Wiking Jugend und HDJ bei der Politisierung und Sozialisierung vieler NPD-Kader mit. Daß die Organisation kein Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes sei, könne er daher nicht verstehen. Es sei bekannt, daß die HDJ nach neuen Möglichkeiten suche. „Ich könnte mir denken: Der ‘Sturmvogel’ könnte ein Teilersatz für die Jüngsten werden“, mutmaßte Botsch. Ein weiterer Beitrag von Röpke und Speit über den Jugendbund erschien kurz darauf unter dem Titel „Mehr als bloß Pfadfinder. Bündischer ‘Sturmvogel’ in Mecklenburg-Vorpommern“ in der Januar/Februar-Ausgabe von Der Rechte Rand.


Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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