Wenn Frauen ihre Tage haben

Kleiner Nachklapp zum Frauentag, dem gerade hierzulande schwer zu entkommen ist, weil er in der DDR-Tradition fest verwurzelt war. Wie jedes Jahr hingen schon seit Wochen in den Kaufhallen und an den örtlichen Schwarzen Brettern Plakate mit Einladungen zum Männerstriptease („Frau gönnt sich ja sonst nichts“), die großen Töchter berichteten wieder von Blumengaben an Lehrerinnen, von den Kleineren hagelte es wieder Geschenke.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Etwa eine auf­ge­fä­del­te Ket­te aus stern­för­mi­gen Muschel­nu­deln, die mit Nagel­lack bepin­selt waren. Schön, das alles. Die Kleins­te hat­te im Kin­der­gar­ten auch etwas gefer­tigt, aber dort ver­ges­sen. Die Aus­sa­ge, es han­del­te sich dabei um eine Gabe „mit Schnäp­sen“ sorg­te am hei­mi­schen Mit­tags­tisch für hei­te­re Spe­ku­la­tio­nen, bis der etwas älte­re Sohn über­setz­te: „etwas mit Schnipseln“.

Im Super­markt brach­te das inter­ne „real-Radio“ erfreu­li­che Mel­dun­gen etwa dar­über, daß Frau­en sta­tis­tisch erwie­sen weni­ger Unfäl­le (Ein­schrän­kung: sol­che mit Per­so­nen­scha­den) bau­en, und im steu­er­fi­nan­zier­ten Radio wur­de rund um die Uhr so getan, als sei der Frau­en­tag gesamt­deutsch eine urur­al­te Tradition.

Im Gegen­satz zum ten­den­zi­ell tri­um­pha­len DDR-Ges­tus (hier herrscht de fac­to ein ande­res Frau­en­bild) über­wog da aller­dings die Kla­ge. Da stieg der häu­fig bejam­mer­te Ein­kom­mens­un­ter­schied (den Lies­chen Mül­ler für bare Mün­ze nimmt, als han­del­te es dabei sich um ver­gleich­ba­re Arbeits­stel­len) zwi­schen Män­nern und Frau­en flugs mal auf 27 Pro­zent – und so weiter.

Die taz mach­te gewohn­heits­mä­ßig aus dem Frau­en­tag ein Son­der­the­ma. Sehr lesens­wert dar­un­ter der Blick von „Migran­tin­nen“ auf deut­sche Män­ner, inter­es­sant die Leser­kom­men­ta­re zu den Son­der­sei­ten, mit­tel­in­ter­es­sant die her­ge­stell­te Ver­knüp­fung von Frau­en­feind­lich­keit und rech­ten Typen.

Ins Haus geflat­tert kam eine Ein­la­dung der Leip­zi­ger Buch­mes­se zum „Kar­rie­re­tag Buch und Medi­en“. Viel­sa­gend erschien mir das Titel­bild (sie­he oben), das die Ver­an­stal­tung illus­triert. Es kur­sie­ren ja zum The­ma Gen­der Main­strea­ming aller­lei Emp­feh­lun­gen (etwa der hüb­sche Leit­fa­den zur gen­der­ge­rech­ten Öffent­lich­keits­ar­beit der TU Mün­chen), wie Männ­lein und Weib­lein in Bro­schü­ren etc. dar­zu­stel­len sei­en. Näm­lich strikt pari­tä­tisch, dabei ist es mit rein quan­ti­ta­ti­vem Gleich­maß nicht getan. Drei Frau­en gel­ten nicht, wenn sie am Rand und der Mann in der Mit­te abge­bil­det wer­den, die Dar­stel­lung von Frau­en soll kei­nes­falls „alte Rol­len­mus­ter“ (Rock, Zopf etc.) evo­zie­ren, auch auf die Kame­ra­per­spek­ti­ve wäre streng zu ach­ten, um einen zu unter­stel­len­den hier­ar­chi­schen Blick auf die Geschlech­ter zu verhindern.

Bil­den das Mädel und der Bub auf dem Kar­rie­re­tag-Blätt­chen nun mus­ter­gül­ti­ge Gen­der­ge­rech­tig­keit ab? Ich habe mei­ne Zwei­fel. Wie sie (Vor­der­grund, viel­leicht auch ohne­dies grö­ßer) das Kinn reckt, recht breit­bei­nig dasteht, ihr Ziel klar benannt: Erfolg! Und er, das Häl­schen dick mit Fran­sen­schal umwi­ckelt, sicht­lich ohne Durch­blick (Pony­fran­sen), am Kinn ein alber­ner Ver­such, Indi­vi­dua­li­tät dar­zu­stel­len, ver­le­ge­nes Spiel­bein dazu: Ja, ein Buch­hal­ter eben. Am Män­ner­tag – vul­go: Chris­ti-Him­mel­fahrt – wird er einen trin­ken gehen dürfen.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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